Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Freitag, 7. März 2014

Die Mission der Freimaurer

Auch die Freimaurer sind in den Missionen tätig und zwar scheinen sie in jüngster Zeit eine ganz lebhafte Tätigkeit zu entfalten. Einen vollständige Übersicht über die in den Missionsgebieten bestehenden Logen zu geben, dürfte wohl sehr schwer sein; indessen finden wir in den Freimaurerblättern doch einige Andeutungen darüber. 

Die Freimaurerzeitung z.B. vom 25. August 1877 teilt einige statistische Daten über den Grand Orient de France mit, und aus denselben ersehen wir, dass von 258 aktiven Logen, die unter demselben stehen, fast ein Sechstel sich in den französischen Kolonien und anderen Missionsgebieten befinden. Algerien hat 13 Logen, auf der Insel Guadeloupe sind deren 5, auf der Insel Bourbon 2, und in Cochinchina (Saigon), Senegambien (St. Louis), Neu-Kaledonien (Numea) je 1; ferner arbeiten unter dem Grand Orient 5 Logen in Rumänien, 4 in Konstantinopel, 2 in Alexandria, 2 auf der Insel St. Maurice, je 1 in Beirut, auf den Seychellen, in Buenos Aires, Valparaíso (Chile), Montevideo (Uruguay); im Ganzen also 41 Logen. 

Der große Orient von Paris hat aber nicht allein seine Logen in diesen Gebieten; die Hamburger Großloge dürfte ebenso stark, wenn nicht stärker in denselben vertreten sein, wenigstens in Südamerika und auch in Polynesien, während die Italiener namentlich im Orient viele affiliierte Werkstätten besitzen. Dann kommen noch hinzu die in Südamerika bestehenden Großlogen; so zählt der Grande Oriente Unido von Rio de Janeiro 303 maurerische Bruderschaften unter seiner Botmäßigkeit; die Provinz Rio Grande do Sul, die etwa 350.000 Einwohner zählt, hat außer einem halben Dutzend deutscher Logen nicht weniger als 23 Logen und 17 Kapitel, „die dem Grande Oriente Unido Gehorsam leisten“. 

Was die englischen Kolonien betrifft, so hat die Freimaurerei in denselben nicht weniger stark sich ausgebildet. In Bezug auf Indien z.B. berichtet die Freimaurerzeitung vom 11. August d.J.: 

„Dieses Reich der Märchen und der Allegorien bietet der Freimaurerei einen äußerst ergiebigen Boden; unter der engherzigen Regierung der krämerhaften East-India-Company schlug sie nur schwache Wurzel; kaum waren die Zügel aber in die Hände der englischen Regierung übergegangen, trieb die Wurzel mächtig.“

 Indien hat jetzt schon mehrere Großlogen mit zahlreichen Werkstätten, von denen einige nur Eingeborene und auch von diesen nur einen bestimmten Volksstamm oder zu einer bestimmten Religion gehörigen aufnehmen. Ähnliche Ausdehnung hat die Freimaurerei in Australien gewonnen. 

So bildet sich immer mehr der katholischen Weltkirche gegenüber der glaubenslose und christenfeindliche „Weltbund“ der Loge aus.
Die zwei Lager scheiden sich: hier Christus – dort Antichristus.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Donnerstag, 6. März 2014

Der älteste Priester und Jesuit Amerikas


Der ehrwürdige P. McElroy S.J., der älteste Priester und der älteste Jesuit Amerikas, starb am 13. September in Frederick. John McElroy wurde am 14. Mai 1782 in der Provinz Ulster, Irland, geboren und wanderte im Jahr 1803 nach Amerika. 
Hier widmete er sich zunächst der kaufmännischen Karriere und trat am 10. Oktober in das Noviziat der Jesuiten in Georgetown ein. 1817 wurde er zum Priester geweiht und am 2. Februar 1821 legte er die letzten Gelübde ab. 

Im Jahr 1822 wurde er von seinen Oberen nach Frederick City, Maryland, gesandt, wo er sich als eifriger Diener Gottes zeigte. 1846 zog er, als einer der beiden katholischen Armeekapläne, mit den Vereinigten Staaten-Truppen nach Mexiko. Nach seiner Rückkehr wurde er 1847 von seinen Oberen an die St. Marien-Kirche in Boston berufen, wo er 17 Jahre lang mit außerordentlichem Segen wirkte. 

Er war der ganzen atlantischen Küste entlang wegen seines unermüdlichen, apostolischen Eifers bekannt und verehrt. Sein Eifer und Wirken lebten noch lange fort, als viele von denen, die mit ihm die mühevolle Missionsbahn betreten, schon längst zur Ruhe eingegangen waren. Sein Leben war eine Arbeit, eine unaufhörliche Kette von Verdiensten. Viele Kirchen und Schulen legen Zeugnis ab von seinem Schaffen, und durch seine Sittenreinheit, durch seine Sanftmut und durch seine nie versiegende Mildtätigkeit überwand er die Vorurteile zahlreicher Andersgläubiger. Seit 1864 war P. McElroy in verschiedenen Zweigen der Seelsorge tätig; in den letzten Jahren jedoch wurde sein Gesicht (d.h. Augenlicht) immer schwächer, so dass er nicht im Stand war, ohne Führer auszugehen; allein auch wenn er an sein Zimmer gefesselt war, blieb er stets tätig und mit nutzbringenden religiösen Sachen beschäftigt. 

In Boston, wo er so lange als eifriger Seelenhirt wirkte, wird sein Name immerfort mit Ehren genannt werden, und die herrliche Kirche von der Unbefleckten Empfängnis, welche er erbaute, wird ein Denkmal seiner Wirksamkeit sein und künftigen Generationen erzählen von dem ältesten Priester und Jesuiten Amerikas. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Mittwoch, 5. März 2014

Passionsspiele bei den Kamloop-Indianern in British Columbia


Der Gebrauch, den neubekehrten Heidenchristen die Geheimnisse unserer heiligen Religion auf dem Weg dramatischer Vorstellungen anschaulich zu machen und packend nahe zu bringen, war beispielsweise in den alten Jesuitenmissionen sehr verbreitet. Diese Mysterienspiele haben sich in Südindien zum Teil bis heute erhalten. Auf Ceylon fanden sich, wie der kalvinische Prediger Barzäus in seiner „Wahrhaftigen und ausführlichen Beschreibung der Insel Ceylon“ (Amsterdam 1676) bemerkt, „meist bei allen Kirchen Theater oder Schaubuden, wo von den portugiesischen Jesuitenpatres an heiligen Tagen geistliche Historien dem (Volk) fürstellig gemacht wurden.“ (siehe hier und hier) Diese schöne Sitte ist heute u.a. in der blühenden Indianermission der Patres Oblaten am Fraser-Fluss (British Columbia) in einer sehr originellen Fassung wieder aufgelebt.

Hier werden nämlich in der Kamloop-Mission alljährlich Volksexerzitien für die Indianer des Flusstales abgehalten, zu welchen diese zahlreich von weit und breit sich einfinden. Den feierlichen Schluss dieser Geisteserneuerung bildet jedes Mal eine dramatische Vorführung der Leidensgeschichte unseres Herrn in lebenden Bildern. Die Rollen werden an eine auserwählte Schar von Indianer und Indianerinnen verteilt und sorgfältig eingeübt. Ein Chor unterstützt durch entsprechende Gesänge die Wirkung der in schlichter Einfalt dargestellten Szenen.
Von allen Seiten strömen die Zuschauer herbei, Indianer und Weiße, Protestanten und Katholiken, und die Kamloop-Mission ist für das Frasergebiet im Kleinen, was Oberammergau für die katholische Welt im Großen.

Das Ganze wird in den Rahmen einer feierlichen Prozession eingefügt. Glockengeläute eröffnet die Feier. Die Prozession ordnet sich. An der Spitze gehen die Frauen, diesen folgen die Mädchen, dann die Knaben und Jünglinge, zuletzt die Männer; die Angehörigen der verschiedenen Stämme jedes Mal in Gruppen zusammen. Die beiden Reihen schreiten, durch einen weiten Zwischenraum getrennt, langsam voran. Jede Gruppe beginnt in ihrer Sprache das volkstümliche Passionslied zu singen:

Dem Blut, das unser Heiland will vergießen,
Weiht euren Schmerz, lasst eure Tränen fließen.

Trotz der Verschiedenheit der Sprache klingt das Ganze harmonisch zusammen und macht zumal aus größerer Ferne einen tief ergreifenden Eindruck. Das Lied führt, wie es die Aufgabe der griechischen Chöre war, die Herzen in die Stimmung ein, die dem dramatischen Vorgang entspricht. In langer schlängelnder Linie zieht die Prozession langsam den Darstellungshügel hinan. Wehende Fahnen, grüne Kränze und Blumengewinde zieren den Weg; aus dem nahen Wald ertönt der Gesang der Vögel. Währenddessen bilden die kostümierten Spieler weiter oben, wo die breite Straße der Hügelflanke entlang führt, acht je 15-20 m voneinander entfernte Gruppen und stellen in lebenden Bildern folgende Szenen vor Augen:

1.       Jesus am Ölberg
2.       Jesus vor Annas und Kaiphas

3.       Jesus vor Pilatus

4.       die Geißelung


5.       die Dornenkrönung

6.       die Begegnung der Mutter Jesu


7.       den Fall unter dem Kreuz und


8.       die Begegnung der heiligen Frauen


Diese Leidensbilder werden hier von Indianern für Indianer dargestellt. Das darf man nicht vergessen. Der feine Kulturmensch könnte an der drastischen Art, wie einige der heiligen Szenen diesen Kindern der Wildnis zu Gemüt geführt werden, vielleicht Anstoß nehmen. 
Der Indianer aber hat kräftigere Nerven und einen unverdorbenen Natursinn, der jede Abschwächung als Mangel empfände. Er will das schreckliche Leiden des Herrn in seiner vollen Wirklichkeit mitempfinden und durcherleben. So steht denn z.B. bei der Geißelung der Herr bis an die Lenden entblößt in gekrümmter Stellung an einer niederen Säule. 
Die photographische Wiedergabe gibt die Wirklichkeit nur sehr unvollkommen wieder. Die ganze Umrahmung, der tiefe Ernst der Spieler, die sich lebendig in ihre Rolle hineindenken, verleiht dem Ganzen trotz der einfachsten Mittel eine mächtige Wirkung.

Auf der Spitze des Hügels ragt ein riesiges Kruzifix, an welchem in Lebensgröße ein in blasser Leichenfarbe bemalter Christus hängt. An diesem Kreuz wiederholt sich bildlich die letzte Szene auf Kalvaria. Eine Indianerin kniet unten am Kreuz und küsst, dasselbe mit ihren Armen umschlingend, die Füße des Gekreuzigten. Aus allen Wunden beginnt das Blut reichlich hervorzuquellen und auf das Haar und das weiße Gewand der Magdalena herabzutropfen. Zu beiden Seiten des Kreuzes stehen Maria und Johannes, dahinter und in der Runde die Juden und Soldaten mit Lanzen und Schwertern. 

Der Gesang verstummt. Das ganze Volk, im weiten Kreis auf dem Hügelplateau versammelt, fällt auf die Knie nieder und betet leise. Ein Soldat tritt vor und reicht an langer Stange einen Schwamm mit Essig empor. Ein Gefühl der Ergriffenheit zittert durch die Menge. Tief gesammelt verharrt sie im Gebet, das erst leise, allmählich anschwellend in lautes Murmeln übergeht. 
Nun erheben sich die Häuptlinge der verschiedenen Stämme und rufen, ein jeder in seiner Sprache: „Christus ist gestorben“. Ein Schluchzen und Weinen aus der Menge tönt als Antwort; von manchem Frauenantlitz sieht man die hellen Tränen niederrollen. Ein feierlicher Gesang in psalmenähnlicher Melodie und ein Gebet bilden den Schluss. Dann löst sich die Menge auf und geht schweigend auseinander.

Am Abend bildet das Lager der sieben Stämme einen malerischen Anblick. Hunderte von Feuern flammen vor den Zelten und werfen ihr flackerndes Licht auf die Frauen, Männer und Kinder, die rauchend, spielend und plaudernd um das Feuer herumsitzen. Dazwischen tönt das Schreien der Papuse (Säuglinge) und das Bellen der Hunde. Allmählich erlischt ein Feuer nach dem anderen, und über Kamloop herrscht die stille, dunkle Nacht.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Dienstag, 4. März 2014

„Es geht uns allen sehr gut“ – Erzählung aus dem vielleicht ärmsten Aussätzigendorf der Welt


Einem Privatbrief des hochw. P Bregère an seine Familie entnehmen wir Folgendes über seine Tätigkeit unter den Aussätzigen. Der Brief ist datiert aus Namehama, Januar 1875.

„In Madagaskar gibt es viele Aussätzige; wie überall, so sind auch hier diese Unglücklichen aus den bewohnten Orten verbannt und müssen sich in einer tiefen Schlucht oder auf einer öden Anhöhe ansiedeln. Während aber zivilisierte Völker wenigstens soviel Mitgefühl empfinden, dass sie für den Unterhalt der Verstoßenen in allem sorgen, kennt man hier in Madagaskar dieses Mitleid nicht; man sagt einfach zu dem Aussätzigen: „Mach‘, dass Du mir aus den Augen kommst und sorge für Dich, so gut Du kannst.“ 

Unsere madegassischen Aussätzigen müssen daher ihre Wohnorte verlassen und sich irgendwo eine Hütte errichten; gewöhnlich sammeln sich mehrere Ausgestoßene am gleichen Ort und bilden kleine Dörfchen. So ist es auch in der Nähe von Namehama der Fall, wo sie die Leprosenniederlassung von Ambulutara gebildet haben. Wollt Ihr mit mir dort einen kleinen Besuch machen? Wir gehen etwa drei Viertelstunden und sind an Ort und Stelle.

„Aber wo ist denn Dein Aussätzigendorf?“ fragt Ihr mich. – „Nun, hier; seht Ihr es denn nicht?“ – „Aber diese Hundelöcher werden doch nicht von Menschen bewohnt werden?“ – „Leider, ja.“ – „Und wo ist Deine Kirche?“ – „Ich habe keine. Seht Ihr diesen Baum mit knorrigem Stamm und wenigen Blättern? Es ist der einzige ringsherum; an seinem Fuß versammle ich meine Christen. Ich stelle mich an den Baum und sie drängen sich im Halbkreis um mich. 

Eines Tages aber bewiesen sie mir eine große Aufmerksamkeit, indem sie mit nicht geringer Mühe einen Stein herbeigewälzt hatten, damit ich mich auf denselben setzen könne; jetzt ist er schon mit Moos überwachsen und bildet eine schöne Kanzel.“ Aber gehen wir voran und betrachten wir uns zuerst diese Hütten. Ihr Bau ist sehr einfach und nimmt kaum einen halben Tag in Anspruch. Mit Hilfe einer langen, schweren Schaufel gräbt man in der Erde ein Loch von zwei Meter im Geviert und einem halben Meter Tiefe. Die ausgeworfene Erde wir mit Wasser begossen, am Rande des Lochs aufgehäuft und bildet so Mauern, die sich etwa einen halben Meter über die Fläche erheben. Über diese Mauern deckt man nun Schilf, lässt eine Öffnung an einer Seite, und das Haus ist fertig. Jeder Aussätzige hat seine eigene Hütte; in derselben hat er sein Bett, d.h. eine Strohmatte auf dem nackten Boden, seinen Feuerherd, seinen Vorrat an Reis und Wasser – kurz sein ganzes Besitztum.
Meine kleine Gemeinde zählt etwa 25 Personen, Männer, Frauen und Kinder; Ihr sollt sie sehen. Sie haben uns schon bemerkt und kriechen aus ihren grabartigen Höhlen hervor, um sich beim Baum zu versammeln; gehen wir also, unsern Sitz auf dem moosbewachsenen Stein einzunehmen.

„Guten Tag, Vater!“ ertönt es uns entgegen. – „Guten Tag, Kinder. Wie geht es euch?“ –„Es geht uns allen sehr gut,“ lautet die Antwort.
Es geht ihnen gut, und ein freundliches Lächeln verklärt diese schwarzen, durch den Aussatz entstellten Züge. Es geht ihnen gut, sehet nur diese Hände ohne Finger, diese Füße ohne Zehen, diese zerfressenen Leiber, welche nur notdürftig mit ein paar Lappen von Hanftuch bedeckt sind.

„Nun, Kinder, wollen wir einen Hymnus singen.“ Hört Ihr diese Stimmen und diese wohlklingenden Akkorde? Ich höre sie nie ohne tiefe Bewegung und es ist schon mehrmals vorgekommen, dass Vorübergehende, die weniger, als ich, an diesen Gesang gewöhnt sind, beim Anhören in Tränen ausbrachen. Der Aussatz hat in meinen Kindern denn doch nicht alles zerstört; er hat ihnen die Stimme gelassen, aber auch den Verstand, um Gott zu erkennen, und das Herz, um Ihn zu lieben.

Aber halten wir uns nicht zu lange auf; Ihr habt nun das Elend gesehen: arme Aussätzige ohne ordentliche Wohnung, ohne ordentliche Pflege, beinahe ohne Hilfe, und sogar ohne Gotteshaus! Und doch sind diese armen Verlassenen mein Trost und meine Hoffnung; von den sieben Gemeinden, die mir anvertraut sind, ist keine so eifrig und beständig, wie meine Aussätzigen. Anderswo kommt es vor, dass einzelne Glieder abfallen, hier habe ich keinen Abfall zu fürchten; die Ketzerei wagt sich nicht an die Aussätzigen.

 Nur einmal versuchte ein protestantischer Madagasse, unter meinen Aussätzigen einen Anhang zu gewinnen, indem er ihnen Geld und Kleidungsstücke anbot. Und doch haben meine Aussätzigen der Versuchung widerstanden. 
Der Chef der kleinen Gemeinde, ein armer Sklave, nahm das Wort und redete seine Untergebenen an: „Von den Protestanten wollen wir nichts annehmen, denn sie wollen uns durch ihre Geschenke nur verlocken, dass wir unseren Glauben aufgeben. Wenn wir etwas nötig haben, brauchen wir es nur dem Vater zu sagen, und er wird es uns geben, wenn er kann.“ Diese Worte schlugen durch und der Protestant konnte mit seinem Geld und seinen Stoffen wieder abziehen.

Aber, fragt Ihr mich, woher nimmst Du denn die Mittel, um Deinen Aussätzigen alles Nötige zu geben?“ Antwort: Erstens kann ich ihnen nicht alles geben, was sie brauchen, weil ich es nicht habe; zweites aber lassen mich die guten Katholiken in Europa nicht im Stich. 
Noch neulich erhielt ich 50 Franken und diese reichten gerade aus, um für die nackten und kranken Leiber die allernotwendigsten Kleider zu kaufen. Daher hoffe ich zuversichtlich, dass ich mit der Zeit das notwendige Geld erhalten werde, um eine kleine Kapelle für meine Kinder zu bauen, ihre Hütten etwas besser einzurichten usw. Die Katholiken in Europa werden ja nicht vergessen haben, dass es Jesus Christus selbst ist, den sie in diesen armen Aussätzigen kleiden, nähren und beherbergen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Siehe auch:

Bei den Aussätzigen auf Madagaskar

Montag, 3. März 2014

„Ein glücklicher Tod, nicht wahr?“ — Der heilige Märtyrer Théophane Vénard schreibt aus der Gefangenschaft an seine Schwester



Der heilige Théophane Vénard war Priester des Pariser Missionsseminars und wurde während einer der vielen Christenverfolgungen in Vietnam inhaftiert. Nachfolgend ein Brief an seine Schwester, den er aus der Gefangenschaft schreibt.

„Es ist beinahe Mitternacht,“ heißt es in dem Brief an die Schwester, „um meinen Käfig stehen Lanzen und lange Säbel. In einem Winkel des Saals spielt eine Gruppe von Soldaten mit Karten, eine andere Gruppe mit Würfeln. Von Zeit zu Zeit schlagen die Schildwachen auf dem Tam-Tam das Wachtsignal. Zwei Meter von mir wirft eine unstet flackernde Lampe ihr Licht auf mein Blatt von chinesischem Papier und ermöglicht mir, diese Zeilen zu schreiben. 

Von Tag zu Tag erwarte ich mein Urteil. Vielleicht morgen schon werde ich zum Tod geführt werden. Ein glücklicher Tod, nicht wahr? Ersehnter Tod, der zum Leben führt…Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man mich enthaupten: glorreiche Schmach, deren Preis der Himmel sein wird. Bei dieser Nachricht, liebe Schwester, wirst du weinen, aber Freudentränen. 
Sieh nur deinen Bruder, die Krone der Martyrer um sein Haupt geschlungen, die Siegespalme in seiner Hand! Noch ein Weilchen, und meine Seele wird die Erde verlassen, ihre Verbannung beenden, am Ziel ihres Kampfes sein. 

Ich ziehe zum Himmel, ich erreiche die Heimat, ich gelange zum Sieg. Eingehen werde ich in den Wohnort der Auserwählten, schauen jene Schönheiten, die noch kein Menschenauge geschaut hat, hören die Harmonien, die noch kein Ohr gehört, genießen die Freuden, die noch kein Herz gekostet. Aber vorher muss das Samenkorn erst zermalmt, die Traube gekeltert werden. O möchte ich ein Brot, ein Wein nach dem Geschmack des himmlischen Hausvaters sein! Ich hoffe es von der Gnade des Heilands, von dem Schutz seiner unbefleckt empfangenen Mutter; und darum darf ich, obwohl noch auf dem Kampfplatz, schon den Triumphgesang anstimmen, als wenn ich schon gekrönter Sieger wäre…Lebe wohl, geliebte Schwester, lebe wohl!“

(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

…diesen Triumphgesang konnte er zu Recht anstimmen. Am 2. Februar 1861 wurde Théophane Vénard enthauptet. Papst Pius X. sprach ihn 1909 selig, Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1988 heilig.

Sonntag, 2. März 2014

Die heilige Familie in Ägypten - Heiligtum von Matarieh


Auch das dunkle Afrika hat seine heiligen Stätten, wo der Fuß des Erlösers gewandelt ist, und der christliche Geist weilt mit umso liebevollerer Innigkeit bei ihnen, als sie ihn an die ersten Schritte des heranwachsenden Jesuskindes erinnern. 

An der großen Straße, welche Ägyptens moderne Hauptstadt mit der alten „Sonnenstadt“ Heliopolis verbindet, etwa 10 km von Kairo und 1 km von Heliopolis entfernt, liegt der sogenannte Balsamgarten. Ehemals zog man hier den Balsamstrauch, der Judäa den kostbaren Balsam lieferte. Einer uralten Überlieferung zufolge soll nun hier die heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben. Auf das Gebet der allerseligsten Jungfrau sei dann, so erzählt die Legende, ein Fruchtbarkeit spendender Quell dem Boden entsprungen. 

Nur 20 m von der Quelle entfernt, breitet eine alte Sykomore ihr schattiges Geäst aus. Es ist der sog. „Baum der allerseligsten Jungfrau“. Auf der Flucht, so meldete die fromme Sage weiter, sei die heilige Familie, von Verfolgern gedrängt, an einer dicken Sykomore vorübergekommen. Da habe sich der Stamm so weit geöffnet, dass die heiligen Personen mitsamt dem Reittier darin Platz gefunden hätten, und der Baum habe sich um alle geschlossen, bis die Bösewichte vorbeigezogen waren. Beide, Baum wie Quelle, werden heute noch gezeigt. 
Letztere, welche sich in einem Ziehbrunnen sammelt, ist wegen ihrer wunderbaren Frische weitbekannt und mag wohl die einzige eigentliche Quelle Ägyptens sein, die sich nicht aus durchgesickertem Nilwasser ergänzt.

Soviel ist sicher, dass die Überlieferung diese Stelle immer mit der heiligen Familie in Verbindung brachte. Die Christen der ersten Jahrhunderte hatten da eine große Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut, und noch alljährlich begehen die Kopten das Kirchweihfest des alten Gotteshauses, obwohl dasselbe schon längst in den Stürmen des Schismas eines Dioskoros untergegangen ist. 
Beim Graben der Fundamente der jetzigen Kirche stieß man auf mächtige Hausteine, welche dem alten Gotteshause angehörten. Nach dem Eindringen des Islams erbauten venezianische Kaufleute eine ärmliche Kapelle, die aber auch schon seit zwei Jahrhunderten in Trümmern liegt.

Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 
Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.
Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 



Am 8. Dezember des Jubliäumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift :“Französische Ordensleute durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.


Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Siehe auch:

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo

Samstag, 1. März 2014

Das Rituale und das heilige Öl hatte er noch in den Händen – Der heroische Tod eines samoanischen Priesters


Im November 1918 wütete die Influenza auch auf Samoa. Ein Fünftel der Bevölkerung starb innerhalb von drei Wochen an der Krankheit.
Auf der Insel Savia (wohl Savai’i) wirkte ein eingeborener Priester Namens Anitalea. Er schreckte nicht vor der Ansteckungsgefahr zurück und brachte den Kranken die Tröstungen unserer heiligen Religion. 
Sein Pfarrer P. Doumeizel versorgte die nähergelegene Umgebung, während er in den weiter entfernten Dörfern tätig war. Schließlich erkrankten auch die beiden Priester, und P. Doumeizel lag schon bald im Sterben. 

Trotz schweren Fiebers machte sich P. Anitalea auf die Nachricht von dem bevorstehenden Tod seines Vorgesetzten auf den mehrstündigen Weg, auf dem er zwischendurch wegen Ermüdung zusammenbrach. Als er schließlich die Hauptstation erreichte, begab er sich sofort daran, seinem Pfarrer die hl. Sakramente zu spenden. Als er das Allerheiligste aus dem Tabernakel nehmen wollte, brach er mehrmals zusammen. Schließlich schaffte er es mit dem letzten Aufgebot seiner Kräfte, dem sterbenden Pfarrer die heilige Wegzehrung zu bringen. Danach ging er in sein Zimmer.

Am nächsten Tag fand man ihn tot vor – er trug noch die Stola, in den Händen hielt er das Rituale und das heilige Öl…


(Quelle: Die Weltmission der katholischen Kirche, Nr. 5/8, 1951)