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Dienstag, 22. Oktober 2019

Der heilige Franz Xaver – kein Freund des interreligiösen Dialogs



Als der hl. Franz Xaver, der große Apostel Indiens, nach Goa kam, da betrübte es ihn am meisten, dass er sah, wie niemand sich der armen Kinder annahm und diese in großer Unwissenheit aufwuchsen. Obgleich er nun mit Arbeiten ganz überladen war, nahm er sich doch täglich die Zeit, um mit einem Glöckchen in der Hand die Straße zu durchwandeln und die Kinder zum Religionsunterricht zu sammeln. Die von ihm unterrichteten Kinder wurden dann selbst Missionäre bei ihren Eltern und zerstörten deren Götzenbilder.

(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Samstag, 27. August 2016

Missionar in China, Märtyrer in Spanien – der selige José María López Carrillo O.P.


Dieses Jahr jährte sich der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs zum 80. Mal. Unter den vielen Ordensleuten, die in der einhergehenden Verfolgung der Kirche den Martertod fanden, waren auch viele Missionare*. Einer von ihnen ist der selige Pater José María López Carrillo aus dem Dominikanerorden, ein Chinamissionar, der heute vor 80 Jahren gemartert wurde.

José María López Carrillo wurde im Jahr 1892 im andalusischen Alcalá la Real geboren und wuchs in der Obhut seines Onkels auf, der Kaplan bei den Trinitarierinnen war. Eine Tante war Mitglied des Dritten Ordens des hl. Dominikus und so kam der Junge wohl in Kontakt mit den Dominikanerinnen in Alcalá, die dem Jungen die Lebensgeschichten der Dominikanermärtyrer in China zu lesen gaben, worauf dieser den Wunsch äußerte, „in die Mission zu gehen, um dort aus Liebe zu Jesus Christus als Märtyrer zu sterben“.

Mit 15 Jahren trat José María schließlich in Ocaña in die Apostolische Schule der Dominikaner ein und machte seine theologischen und philosophischen Studien im Kloster Santo Tomás in Ávila. Anschließend wurde er in das Kloster Rosaryville bei New Orleans geschickt und reiste darauf nach Manila, das „Sprungbrett“ der Chinamissionare des Dominikanerordens, wo er 1919 zum Priester geweiht wurde.

Sein Missionsfeld war ab dem Jahr 1919 die Provinz Fujian in Südchina, ein schwieriges Missionsgebiet, da der Süden Chinas als Nährboden jeglicher Revolution galt und besonders in den späten 20er und frühen 30er Jahren eine Vielzahl von Unruhen, vor allem durch Kommunistenbanden, sah, bei denen auch sein Graubündner Mitbruder P. Ludwig Paly O.P. aus der Deutschen Ordensprovinz ermordet wurde. Unter den Heiden war die Abtreibung und der Mord von Mädchen weit verbreitet. In der Dominikanermission existierten Waisenhäuser „von der heiligen Kindheit“ in denen vor allem Mädchen Aufnahme fanden und um die sich unser Seliger besonders kümmerte. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls, der in China nicht behandelt werden konnte, kehrte er 1935 in die spanische Heimat zurück, wo er die Märtyrerpalme erkämpfen sollte.

Seit der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik im Jahr 1931 äußerte sich die antiklerikale Stimmung in Spanien häufig in Gewalttaten, die ihren Höhepunkt nach der Erhebung der nationalen Truppen gegen die republikanische Zentralregierung am 18. Juli 1936 erreichten. Bis zu diesem Zeitpunkt war P. José María in seiner Heimatstadt als Beichtvater bei den Trinitarierinnen und Dominikanerinnen tätig, befand sich beim Ausbruch des Bürgerkriegs aber zufällig in Madrid im Kloster „Rosario“, von wo er sich mit seinem Mitbruder, Mitmissionar und Mitmärtyrer P. Pedro Ibáñez und sieben weiteren Ordenspriestern in das Haus eines guten Katholiken namens Juan Torío flüchten musste. Linksgerichtete Milizionäre nahmen die Männer am 26. August fest und brachten sie in die Checa de Fomento, eines der kommunistischen Verhörzentren nach sowjetischem Vorbild, wo häufig brutal gefoltert und gemordet wurde.

Bei einem Verhör fragte einer der Milizionäre den seligen José María nach seiner „Parteizugehörigkeit“. Die Antwort war: „Ich bin Missionar in China.“ – „Was macht ihr da?“ – „Wir unterrichten die Chinesen.“ – „Ihr, unterrichten? Ihr verdummt sie doch nur.“ Er wurde darauf in eine Zelle geschubst. In der Nacht beriet man sich über das Schicksal der Priester, und nur der Piaristenpater Gerardo Guadalupe wurde entlassen, dem wir auch den Bericht über den Tod der seligen José María López Carrillo und Pedro Ibáñez Alonso zu verdanken haben.

Pater José María betrachtete sich auch in Spanien weiter als Chinamissionar und äußerte stets den Wunsch, sobald wie möglich in sein Missionsland zurückzukehren. In gewisser Weise sollte sich dies durch die Umstände seines Martyriums erfüllen. Die Männer wurden zur Exekution in das Viertel „la China“ im Madrider Distrikt Vallecas gebracht. Dort starb José María López Carrillo durch einen Kopfschuss. Am selben Tag sahen einer seiner Katechisten und ein Mädchen des Waisenhauses „von der heiligen Kindheit“ P. José María in Fujian im Dominikanerhabit. Sein Traum, noch einmal nach China zurückzukehren, wurde erfüllt.



*Darunter zum Beispiel der Neffe des heiligen Ezequiel Moreno, der selige Julián Moreno, der wie sein Onkel Mitglied der Augustiner-Rekollekten und Missionar auf den Philippinen und in Kolumbien war.

Montag, 8. August 2016

Will die katholische Kirche die Menschen dumm halten? – Heute: das Jesuitenkolleg „Ateneo“ in Manila

Wappen der Ateneo de Manila University


Wir haben uns schon früher mit dem Thema beschäftigt, ob die katholische Kirche die Menschen dumm halten will (hier und hier).

Heute wollen wir kurz eine wichtige Bildungseinrichtung auf den Philippinen als Gegenbeweis für diese Behauptung betrachten.

Das Jesuitenkolleg Ateneo wurde 1859 von spanischen Jesuiten in Manila gegründet. Es war nicht nur den Kindern von spanischen Kolonisten, sondern auch Mestizen und Filipinos zugänglich*. Ab 1870 konnte es akademische Grade verleihen, die auch von spanischen Universitäten anerkannt wurden.

Eine besondere Sehenswürdigkeit war am Anfang des 20. Jahrhunderts das Museum des Ateneo, das 2.892 mineralogische, 4.361 botanische und 7.644 zoologische Exponate aufwies (Zahlen von 1910). Daran schloss sich eine ethnologische Abteilung an.

Auch machte in einem der Türme des Kollegs P. Federico Faura S.J. die ersten Beobachtungen zur sicheren Voraussage von Taifunen, was später zur Gründung des meteorologischen Observatoriums von Manila führte, dem Faura vorstand. Hinzu kam eine seismologische Abteilung. P. Faura erfand selbst einige seismologische Apparate. Sein Nachfolger, P. Miguel Saderra Maso, schrieb das bahnbrechende Werk Seismología en Filipinas, das auf einem 10-jährigen genauen Studium der Gesetzmäßigkeiten von Erdbeben fußte.

(Quelle: die katholischen Missionen 1910, 1899)


*Manila verfügt noch über eine weitere alte Bildungseinrichtung, die University of Santo Tomas, die schon 1611 gegründet und von Papst Leo XIII. 1902 zur Päpstlichen Universität erhoben wurde. Sie ist eine der größten katholischen Universitäten der Welt.

Donnerstag, 30. April 2015

„Sie haben das Land zivilisiert“ – Ein Lob für die Karmeliter im Irak

Kirche des lateinischen Ritus in Bagdad
Als einst P. Polykarp, der Direktor des Kollegs [der Karmeliter in Bagdad] im Hafen von Fao landete, kam ein Beamter der Sanitätspolizei an Bord zur Feststellung des Gesundheitszustands. Kaum sah er den Pater, als er auf ihn zueilte und auf Französisch anredete: „Sie sind ein Karmeliter, nicht wahr, und wohl auf dem Weg nach Bagdad?“ Als der Pater ganz erstaunt dies bejahte, erklärte der Beamte: „Ich bin ein alter Zögling des Kollegs in Bagdad. Ich liebe die Patres noch immer wie in meinen jungen Jahren. Wenn ich heute mein Brot habe für mich und meine Familie, so verdanke ich dies ihnen. Es freut mich daher sehr, wenn ich einem der Patres begegne.“ Dabei traten ihm die Tränen in die Augen. „Ich weiß,“ fuhr er fort, „dass viele Leute den lateinischen Missionären gram sind und sie verleumden. Ich habe sie stets verteidigt, denn was die Christen in Bagdad und Basra an Bildung besitzen, verdanken sie ja den Patres. Sie haben das Land zivilisiert.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Sonntag, 19. April 2015

Der Missionsbruder – der unbekannte Apostel

Trappisten in China

Der Missionsbruder ist der unbekannte Apostel in der katholischen Weltmission. Entflammt von Liebe zu Gott und den zu rettenden Seelen der Heidenwelt bringt der Missionsbruder sein eigenes Selbst und alles, was ihm teuer ist, zum Opfer, um in fremden Ländern dem Missionar bei der Bekehrung, beim Unterricht und bei der Erziehung der Eingeborenen zu helfen. Der Missionsbruder übt sein Apostelwerk durch die Arbeit seiner Hände. In den Schwielen seiner Hand steht die Predigt von dem Preis, aber auch von dem Segen der christlichen Arbeit geschrieben. Der Missionsbruder ist für den Missionspriester, für das Missionswerk und für das Missionsland von größter Bedeutung. Ohne die hingebende Tätigkeit der Missionsbrüder würde die Arbeit der Missionspriester die größten Hemmnisse erfahren. Erst durch den Missionsbruder werden dem Missionar für den Seelendienst die Hände frei. Der Missionsbruder erspart der Mission viele Geldsorgen und Geldauslagen; er trägt Sorge für das Zeitliche, für die materielle Arbeit, für Haus und Hof; er ergänzt den Missionär bei der Bekehrungsarbeit, beim Unterricht und bei der Erziehung. Durch den Missionsbruder verdoppeln sich in vieler Hinsicht die Kräfte des Missionars. Ohne Missionsbruder sind dem Missionspriester sehr oft die Hände gebunden. Der Missionsbruder ist wirklich der helfende, stützende und ergänzende Bruder des Missionars.

Für das Missionswerk bedeutet der Missionsbruder eine wertvolle Hilfe. Er ist der Arbeiter, der Handwerker, der Landwirt im Dienst der Seelen. Durch die Tätigkeit der Missionsbrüder wird der Bestand der Missionsstation in materieller Hinsicht gesichert, erstehen die Kirchen, die Schulen und Missionshäuser, wird der Eingeborene praktisch in die Arbeit, in den landwirtschaftlichen Betrieb, in die Handwerke und Künste eingeführt und auf diese Weise der Grundstein zu einem christlichen Erwerbsstand gelegt. Werkstatt und Schule, Haus und Hof, Feld und Wald sind die Arbeitsstätten des Missionsbruders. Durch seine mannigfache Tätigkeit, besonders durch seine kulturliche Arbeit im Landbau und in der Werkstatt wird der Missionsbruder in vieler Hinsicht zum Pionier des Missionslandes. Seine Wege sind Wege der christlichen Arbeit, der christlichen Kultur und Gesittung. Sein Leben der Arbeit und des Gebets wird zur Segensquelle für Land und Volk. Der rechte Missionsbruder muss zu allem bereit sein und müsste auch zu allem Geschick haben. Ist für das Missionsfeld der Priester die alles belebende Sonne, so sind die Schweißtropfen des demütigen, opferwilligen Missionsbruders wie der unentbehrliche Regen, der mit der Sonne dem bearbeiteten Boden die Fruchtbarkeit bringt. Eine Mission kann nie genug Missionsbrüder haben.

(Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Samstag, 14. März 2015

Die Kirche als Wohltäterin der Völker – zum 4. Fastensonntag (Lætare)



(…) Das ganze Leben des göttlichen Heilands fasst der Evangelist in die Worte zusammen: „Er wandelte dahin, indem er Gutes tat“ (Apg. 10,38). Der göttliche Heiland spendete Segen und linderte Not mannigfacher Art. Er war ein Arzt für Leib und Seele; er war der Seligmacher; er war, wie die begeisterte Volksmenge von ihm sagte, „wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen sollte.“
Christi Leben und Wirken wird fortgesetzt durch das Christentum, durch die heilige Kirche. Auch sie wandelt durch die Zeiten und Völker, indem sie Gutes tut und die Not lindert, die sie an Leib und Seele der großen Volksmenge findet. Ohne Zweifel ist die Seelenrettung, das Reich Gottes, das Allererste und Allernotwendigste, was die Kirche anstreben muss. Sie ist sich des Wortes ihres Stifters bewusst: „Suchet nur zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt. 6, 33); aber sie sucht dieses Reich und lehrt suchen mit der Anspannung aller Kräfte und Fähigkeiten. Deshalb fördert die Kirche auch das zeitliche Wohl des Volkes und jedes einzelnen, befördert sie Bildung, Kunst und Wissenschaft und wird sie ein Faktor des Fortschrittes in allem dem, was wir Kultur und Zivilisation nennen. Durch ihre Arbeit auf dem sozialen und kulturellen Gebiet lindert die Kirche die vielfache Not, löst sie die Not- und Brotfrage der menschlichen Gesellschaft.

Was nun die Kirche der Vergangenheit gewesen ist, das wird sie auch unserer Zeit und ihrer Not sein, und das wird sie auch sein der Heidenwelt durch die Missionstätigkeit. Wie einst der göttliche Heiland zu seinen Aposteln, so spricht die Kirche zu ihren Missionären das Wort der Brotversorgung: „Lasset das Volk sich setzen!“ Lasset das Volk, das unstet, ziellos und zuchtlos umhergeirrt ist, sesshaft werden, sich ansiedeln und anbauen! Unterweiset es in den Handwerken und Künsten; gebt ihm zu essen (vgl. Mt. 14, 16)! Veredelt sein Herz und seine Lebensweise durch Erziehung und Unterricht! Gebt seinem Denken und Fühlen, seinem Wünschen und Wollen, seinem Tun und Lassen höhere Motive und höhere Ziele! – Und die Mission begibt sich ans Werk. Das kleine Opfer, die geringe Gabe wird in ihren Händen durch Gottes Seen ein wunderbarer Überfluss für die Völker. (…)


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon – die heilige Katharine Drexel



(…) Für den weiteren Ausbau dieser und so mancher anderer Station [der Steylerpatres für die Mission unter den Schwarzen in Mississippi] sind die Patres einer edlen Frau zum höchsten Dank verpflichtet, die ihr Leben der Bekehrung und Hebung der schwarzen und roten Rasse gewidmet hat: Mutter Katharina Drexel. Tochter eines sehr reichen, tief religiösen und wohltätigen Börsenmannes in Philadelphia (ihr Großvater war Tiroler), fühlte sie sich schon früh in besonderer Weise zu den verachteten Indianern und Negern der Vereinigten Staaten hingezogen und spendete reichlich von ihrem Vermögen [kürzlich las ich in einer US-Publikation, dass es in ihrem 97-jährigen Leben wohl 12 Millionen USD waren, die sie spendete]. Nach einer Audienz bei Leo XIII., dem sie Notlage dieser Armen mitgeteilt hatte, fühlte sie die erste Anregung, eine eigene Schwesterngenossenschaft zu gründen, die sich durch Gelübde ausschließlich der Bekehrung der roten und schwarzen Rasse widmen sollte. Die Gründung des ersten Noviziats erfolgte im Jahre 1891, die Belobigung der Regeln durch die Propaganda im Jahr 1907 unter dem Titel: „Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament für Indianer und Neger“.

Mutter Katharina hörte von der neuen Gründung auf einer Visitationsreise und sprach bei den Patres vor. Sie besichtigte alles, nichts schien ihr zu entgehen. Bei ihrem Abschied übergab sie dem glücklichen Missionär eine Summe Geldes, groß genug, um damit ein geräumiges zweistöckiges Schulgebäude zu errichten.

(…) Nachdem die Station von Vicksburg fest begründet war, versuchte P. Heick sein Glück in Jackson, der Hauptstadt des Staates Mississippi. Unter den 10.000 bis 11.000 Negern der Stadt war kein einziger Katholik. Das waren keine vielversprechenden Aussichten, aber die Schwierigkeiten begannen erst, als man an den Kauf eines geeigneten Grundstücks ging. Das ausgewählte Stück Land war günstig gelegen und nicht zu teuer, aber es hatte den einen Fehler, dass es zu nahe dem Stadtteil war, in dem die Weißen wohnten. Kaum hatte man von den Plänen des Missionärs erfahren, als eine wüste Hetze in den Zeitungen einsetzte. Schließlich erschien eine Abordnung bei P. Heick, die im Namen der weißen Bevölkerung scharfen Einspruch erhob. Eine Negerschule könne nur innerhalb der Grenzen des Negerviertels errichtet werden. Das war aber praktisch unmöglich, weil die Grundbesitzer des Negerviertels so unerschwingliche Preise forderten, dass P. Heick jede Hoffnung aufgeben musste. 

Da kam ihm wieder Mutter Katharina Drexel im entscheidenden Augenblick zu Hilfe. Sie erklärte sich bereit, jede geforderte Summe zu begleichen. Schon drei Monate später feierte P. Heick die erste heilige Messe in dem neuen Missionsgebäude, das Priesterhaus, Kirche, Schule und Schwesternhaus in einem war. Nach dem Wunsch des greisen Generalsuperiors wurde die neue Station dem Heiligen Geist geweiht, da, wie er schrieb, erfahrungsgemäß die der dritten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihten Missionen und Anstalten immer Erfolg haben. Es sollte sich dies auch bis jetzt bewahrheiten. Obschon kein einziger katholischer Neger in der Stadt wohnte, wurden schon am ersten Tag nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes 110 Kinder von ihren Eltern zur Mission gebracht. Bald wurde der Zuwachs so groß, dass ein Schwesterhaus und eine Kirche gebaut werden mussten. Da kein Grundstock von Katholiken am Platz war, so musste eine Pfarrei erst langsam geschaffen werden. Als erste Frucht nahm P. Heick eines der Kinder im Jahr 1909 in die Kirche auf. Im Jahr 1913 konnte er schon 35 taufen. Im letzten Jahr hatte er 324 Kinder, worunter 91 katholisch waren. Die Gesamtzahl der Katholiken ist bis auf 233 gestiegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 28. Dezember 2014

Auf so eine Schule wäre ich auch gerne gegangen



Mit aufrichtiger Freude bemerkt man, wie in den Vereinigten Staaten der Missionseifer sichtlich im Wachsen ist. Ein bemerkenswertes Beispiel, das wir zur Nachahmung in unseren zahlreichen Erziehungsanstalten recht sehr empfehlen möchten, bringt die Bostoner Zeitschrift The field afar, die es sehr gut versteht, in den amerikanischen Katholiken den apostolischen Geist zu wecken. Wie die Lehrerin an einer höheren Mädchenschule in Northampton (Massachusetts) mitteilt, ist dort seit einiger Zeit eine eigene „Missionsklasse“ eingeführt worden, die vorläufig wöchentlich einmal unter Leitung der besagten Lehrerin gehalten wird. Letztere trägt einen selbst oder unter Mitwirkung einiger Mädchen verfassten kleinen Aufsatz vor, der ein Missionsthema zum Vorwurf hat und an dessen Verlesung sich jedes Mal eine gemeinsame Besprechung anschließt. Die Themen des ersten Jahres waren unter anderem: 1. Der Glaubensverein, Gründung, Einrichtung, Entwicklung; 2. das Missionshaus von Mill Hill (England) und seine Wirksamkeit; 3. das Seminar für auswärtige Missionen von Paris [Pariser Missionsseminar]; 4. Skizze und Überblick der Missionen von China, Japan, Indien usw. Jeder Missionsskizze wurde eine kurze geographische, von einem der Mädchen verfasste Beschreibung des betreffenden Landes vorausgeschickt. 5. Lebensskizze des Missionärs und Märtyrers Theophan Vénard; 6. das Lebenswerk des P. Damian u. a. m. Dazwischen kamen öffentliche Vorträge im Schulsaal von Auswärtigen, so ein Vortrag eines Konvertiten über die Indianer der Vereinigten Staaten und die katholische Mission nach eigenen Eindrücken, ein anderer des Direktors des Glaubensvereins in Boston über katholische Missionsweise u. dgl. An diesen Vorträgen nahmen auch andere Personen teil. Die Vorträge wurden durch Bilder und Fotografien unterstützt und interessant gemacht. Vorläufig zählt die Klasse 48 eingeschriebene Teilnehmer. Zweck des ersten Jahres war, wie die Leiterin schreibt, den Mädchen einen allgemeinen Begriff über das katholische Missionswerk im Großen und Ganzen zu vermitteln. Später sollen die Missionen im Einzelnen vorgeführt werden, um so Geist und Herz der Kinder mehr und mehr für die große Weltmission der Kirche zu begeistern. Könnte nicht bei einigem Geschick und gutem Willen Ähnliches leicht in so manchen unserer Pensionate und Erziehungsanstalten eingeführt werden? Wie oft geht die im Kindheits-Verein ins junge Herz gepflanzte Begeisterung für die Missionen verloren, weil im Übergangsalter keine Anregung mehr geboten wird, und wie nützlich und anregend ließen sich solche „Missionsstunden“ selbst für die näheren Zwecke der Schule gestalten!

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Ursulinen in den Rockies – Ordensschwestern unter Indianern, Cowboys und Kojoten

Mother Amadeus Dunne O.S.U., die Gründerin der Ursulinenmission in Montana

Wir entnehmen einem amerikanischen Blatt das folgende anerkennende Zeugnis über das opferwillige Leben dieser Klosterfrauen im fernen Nordwesten. „Die Welt“, beginnt der Berichterstatter, „ist sonst so begierig, ihre sogen. Helden zu feiern und ihnen Denkmäler zu errichten, und während dessen ziehen täglich Helden und Heldinnen an uns vorüber, und wir wissen es nicht. Geräuschlos wandeln sie dahin, und selbst ihre Gräber liegen unbeachtet und vergessen. Dieser Gedanke drängte sich mir auf, als ich vor einiger Zeit zwei Ursulinen antraf, die sich in Begleitung eines Vollblutindianermädchens auf der Reise nach Washington befanden, um dort mit der Regierung wegen ihrer Mission zu verhandeln. Diese Frauen sind in gebildeten Kreisen aufgewachsen, gewöhnt an alle Annehmlichkeiten eines zivilisierten und verfeinerten Lebens, als sie in den Orden eintraten. Sie waren noch jung oder standen höchstens in den mittleren Lebensjahren. Und was war ihr Leben seit jenem Augenblick, da sie dem Rufe folgte: ‚Verlass alles, was du hast, und folge mir nach‘? In Kälte und Hunger und unbeschreiblichen Entbehrungen wohnen sie in den wildesten Teilen des Felsengebirges in roh gezimmerten Blockhütten, um an 900 über das weite Gebiet zerstreuten Indianerkindern Mutterstelle zu vertreten, für sie zu kochen, zu waschen, zu bügeln und ihre Kleidchen zu flicken, vor allem aber, um sie zum Christentum zu führen und an ein zivilisiertes Leben zu gewöhnen. Nichts hat sie von dieser Aufgabe zurückzuschrecken vermocht, sie haben ausgehalten, und ihre Ausdauer ist mit Erfolg gekrönt worden. Das Indianermädchen in ihrer Begleitung war so gut erzogen, dass in der Weltausstellung von Chicago seine Leistungen einen Platz fanden.

Und welche Abenteuer die Schwestern in jener Wildnis erleben! Um die Indianerkinder bei guter Gesundheit zu erhalten, haben es die Schwestern für notwendig gefunden, einmal im Jahr mit ihnen 14 Tage lang einen Ausflug in die freie Wildnis zu machen und dort in Zelten mit ihnen eine Art Picknick-Leben zu führen. Bei einer solchen Gelegenheit war es, dass eine der beiden genannten Schwestern einst mitten auf der wilden Prärie von der Nacht überrascht wurde. Das Gefährt war zusammengebrochen, und die Pferde waren ausgerissen. Der begleitende Wagenführer und Beschützer war so gelähmt, dass er kaum mehr gehen konnte. Die dunkle Nacht brach ein, und aus der Ferne ertönte das Geheul der Kojoten. 15 Meilen hatten die Verunglückten sich mühsam vorangeschleppt, als plötzlich ein Lärm wie das Getrampel eines Pferdetrupps an ihre Ohren schlug. Es war ein Rudel Kojoten, welche die Leute gewittert hatten und im schnellsten Lauf den nächtlichen Wanderern sich nahten. In ihrer Angst nahm die Schwester ihre Zuflucht zu Maria und rief mit einem lauten Memorare um Hilfe. Seltsam! Wie von Schrecken erfasst, machte die wilde Hetze sofort Kehrt und jagte zurück über die nahen Hügelhänge.

Bei einer anderen Gelegenheit brachte dieselbe Schwester eine kranke Ordensfrau von einer Station zur anderen. Ein Indianerjunge machte den Kutscher und ein Missionär den Begleiter. Da kam über sie ein Blizzard, dieser Schreck des nordamerikanischen Westens. Der Wagen wurde umgeworfen, ein Schneewall von 4 m Höhe türmte sich vor ihnen auf, das Thermometer sank auf 42 Grad unter null. Fast wären die Verunglückten erfroren. Da raffte der Missionär sich auf, und es gelang ihm mit dem Aufgebot der letzten Kraft, sich mit einem der Pferde Bahn zu brechen und in der nächsten Station Hilfe zu holen. Am nächsten Morgen kam eine indianische Feldwache und brachte die Schwestern nach Fort Custer, wo sie von den Damen liebevoll aufgenommen wurden. Um den Frost aus den erstarrten Gliedern zu vertreiben, mussten Ölbäder angewandt werden, und mehrere Tage vergingen, bis die Wirkungen jener schrecklichen Nacht überwunden waren.“

Durch Buffalo Bills Wild-West sind die amerikanischen Cowboys, dieser wilde Typus berittener Hirten, weithin bekannt geworden. Es ist interessant, was unser Gewährsmann über das Verhalten dieser trotzigen Söhne der freien Prärie den Schwestern gegenüber berichtet. „Wir, die so stolz sind auf unsere feinen Sitten und unser Gefühl und Verständnis für alles Schöne, lassen uns nicht träumen, dass wir in der Wertschätzung dessen, was edel, rein und heilig ist, übertroffen werden von den unbändigen Cowboys der Prärie. Nichts kann die Ehrfurcht und zarte Aufmerksamkeit übertreffen, mit der sie die Schwestern bei zufälliger Begegnung in der Wildnis behandeln. Wenn ein Unwetter sie überrascht hat, dann heißen diese rauen Bewohner der Steppe sie in ihren Blockhütten freundlich willkommen und sagen zueinander: ‚Jungens, wir müssen sehen, dass wir den Schwestern etwas zu essen verschaffen.‘ Dann räumen sie die Hütte und überlassen sie für die Nacht ganz den Schwestern, während sie selbst im Freien irgendwo Unterschlupf suchen. Sie sehen in den Klosterfrauen etwas Übermenschliches und Engelhaftes. Und doch sind diese rohen Leute zumeist nicht Katholiken. Wenn sie auf dem Weg neben ihnen herziehen und sie merken, dass die Schwestern ihr Offizium beten wollen, dann unterbrechen sie ihre Unterhaltung, indem sie einander zuflüstern: ‚Still, die Schwestern sind am Beten!‘

„Wenn man dann die Schwestern“, so schließt der Berichterstatter,  „In der muntersten Weise erzählen hört, dass sie lange Zeit in ihrer Niederlassung einen einzigen Stuhl besaßen, der beim Besuch des Bischofs ihm überallhin nachgetragen wurde, oder dass sie nicht selten, wenn sie am Morgen erwachten, 2–3 Zoll Schnee auf ihrer Bettdecke finden, so mutet dies alles einem an wie ein Strauß duftender Blumen aus der Wildnis.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)


Donnerstag, 30. Oktober 2014

Ein Blindenheim in Bagdad


In den europäischen Ländern ist dank der vereinigten Bemühungen von Staat und Kirche für die Blinden gut gesorgt. Und doch ist hier die Blindheit verhältnismäßig nicht so häufig. Nach statistischen Erhebungen kommt in Frankreich, England, Russland und Deutschland durchschnittlich 1 Blinder auf 1100 Personen. Dagegen ist im Orient die angeborene oder durch schlimme Augenkrankheiten herbeigeführte Blindheit außerordentlich stark verbreitet. Nach dem Karmelitermissionär P. Leo Michael vom Heiligen Kreuz finden sich z. B. in Bagdad auf 145.000 Einwohner 4.000, und zwar kommt je ein Blinder auf 35 Moslemin, auf 111 Israeliten und auf 133 Christen. Und doch gibt es im türkischen Reich, soweit P. Leo erfahren konnte, nur drei Blindenschulen, in Konstantinopel, Jerusalem und Bagdad. 

In dieser Stadt unternahmen es die Karmeliter-Patres, den Unglücklichen die Wohltat einer Schulbildung zu verschaffen. 
P. Peter von der Mutter Gottes brachte aus Frankreich das Blindenalphabet mit erhöhter Schrift, System Braille, und Schreibbretter mit. P. Johann, heute Erzbischof von Bagdad und Apostol. Delegat für Mesopotamien, übertrug das Alphabet ins Arabische und lehrte zunächst einige christliche Blinde lesen, schreiben, rechnen und etwas Musik. Damit war die Blindenschule eröffnet. Die ersten Schüler wurden Lehrer und unterrichteten ihre Leidensgenossen. Das Werk zog die öffentliche Aufmerksamkeit und Teilnahme auf sich. Um die Anstalt noch besser in stand zu setzen, reiste P. Peter nach Frankreich und lernte die ganze Einrichtung eines Blindeninstituts dort kennen. Nun konnte auch in Bagdad das Programm erweitert und Handwerkskurse für Weberei, Wollkämmerei, Mattenflechterei, Korbflechterei mit Weiden und Stroh eröffnet werden. So lernen die Blinden ihr tägliches Brot gewinnen und zugleich einen nützlichen Beruf üben. 

Noch fehlte ein eigenes Heim für Frauen. Man wandte sich an die Öffentlichkeit, und Christen, Juden und Moslemin steuerten dazu bei. Die Mission selbst spendete trotz ihrer Schuldenlast 100 türkische Pfd. (etwa 1900 M.). So konnte ein eigenes Frauenheim mit Schlaf- und Arbeitssaal errichtet werden. Leider war es bisher noch nicht möglich, für dasselbe geschulte Schwestern zu bekommen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Freitag, 12. September 2014

Eine etwas andere Lehrerkonferenz: Missionskurs für katholische Lehrer


In den zwei Wochen vom 12. bis 24. September veranstaltete der Ludwig-Missionsverein in wöchentlich drei Abendvorträgen einen Missionskursus für die katholischen Lehrer und Lehrerinnen Münchens. Um 7 Uhr abends wurde jeweils eine Andacht vor dem Allerheiligsten mit kurzer Schriftlesung und Gebet für die Verbreitung des Glaubens gehalten, um 7.30 Uhr begann sodann jeweils die eigentliche Versammlung, meist bis 9 Uhr dauernd. Die Teilnahme war vom Anfang bis zum Ende außerordentlich erfreulich: ca. 200 Lehrer und Lehrerinnen fanden sich allabendlich ein und lauschten mit gespanntestem Interesse den gerade ihrem Ideenkreis angepassten Ausführungen.

Referenten und Vorträge waren folgende: Erzabt Norbert Weber: Die Missionspflicht jedes Katholiken. Generalsekretär Johann Neuhäusler: Der Ernst unserer gegenwärtigen Missionslage. Fürst Alois zu Löwenstein: Heidenmission und Heimatsorgen. Fräulein Volksschullehrerin A. Rösch: Mittel und Wege der Missionspflege in und außerhalb der Schule. P. Rudolf Schütz S.J.: Wert der Missionspflege für Lehrperson und Schulkind. Schwester Ignatia Ebner: Ruhmesblätter aus der Geschichte der Frauenmission.

Am letzten Tag wurde vom Veranstalter eine 
Missionsbücherausstellung geboten, die nicht bloß mit lebhaftem Interesse besichtigt wurde, sondern auch zu ausgiebigem Bücherkauf führte. Eine große Anzahl von Teilnehmern zeigte auch den Willen zur dauernden verlässigen Orientierung über Missionsfragen durch Bestellung der „Katholischen Missionen“.

Ein Missionsfest, veranstaltet von den Herberggebern, den Armen Schulschwestern am Anger und ihren Schulkindern, gab dem Kurs einen schönen Abschluss. In einem Missionszirkel der Lehrer und Lehrerinnen mit monatlicher Zusammenkunft soll der Kurs sich fortsetzen und zu praktischer Auswertung kommen, vor allem durch Übernahme und Vorbereitung von Vorträgen in den vielen Standesvereinen. Der ganze Verlauf des Kursus berechtigt wirklich zu den schönsten Hoffnungen. (J. Neuhäusler)                                                                                                 

(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Montag, 25. August 2014

Große Missionsbischöfe: Ein ganzer Missionär – Msgr. Clemente Pagnani O.S.B. Silv., Bischof von Kandy (Sri Lanka)

  (Bild hier, zweite Reihe links)

Bald nach dem Erzbischof von Madras entschlief der Senior des Episkopats von Ceylon, Bischof Clemente Pagnani O.S.B. von Kandy. Er stammte aus Fabriano im ehemaligen Kirchenstaat, war früh bei den Silvestrinern, einem Zweige des Benediktinerordens, eingetreten und 1861 im Alter von 27 Jahren zu Colombo auf Ceylon gelandet. Nach 18-jähriger Tätigkeit als einfacher Missionär wurde er 1879 zum Apostol. Vikar von Colombo ernannt. Clemente Pagnani war ein ganzer Missionär, dem jede Selbstsucht fernlag und der nur eins kannte: das Heil der Seelen.

Schon bald nach seinem Amtsantritt sollte er dafür das glänzendste Beispiel geben. Er überließ den Patres Oblaten Colombo mit etwa 128.000 Katholiken und übernahm mit seinen Ordensbrüdern das neu errichtete Vikariat Kandy. Die ganze Herde belief sich auf etwa 8.000 mit 6 Priestern.

Dieses Opfer blieb nicht ohne Segen. Das bezeugen folgende Zahlen. Bei seinem Tod hinterließ er 28.000 Katholiken in 11 Haupt- und 17 Nebenstationen, die von 6 europäischen und 17 einheimischen Priestern verwaltet wurden. Die 18 Elementarschulen wurden von etwa 2.000 Kindern, die höhere Lehranstalt von 340 Schülern besucht. 34 Schwestern, wovon 9 einer vom Bischof gegründeten einheimischen Kongregation angehörten, teilten sich mit 65 Lehrerinnen und Lehrern in die Leitung der Schulen und Waisenanstalten.

Was Bischof Pagnani selber seiner Herde war, und wie diese ihn ehrte, schildern am besten die schlichten Worte, die P. Gaspard S.J. über den Verstorbenen schrieb: „Er war ein Muster der Hingabe. Sein Leben verfloss in engster Verbindung mit dem Volk. Da er die einheimischen Sprachen wie ein Eingeborener beherrschte, hing ihm das Volk mit Begeisterung an und nannte ihn nur den singhalesischen Bischof. Alle, die mit ihm zusammenkamen, bewunderten sein geraden offenen Sinn, seine ungekünstelte Einfachheit und seine staunenswerte Demut. 

Die charakteristische Tugend des Prälaten war die Liebe zur Armut, die er in Wahrheit wie eine Mutter schätzte. Überall trat sie zu Tag, und er übte sie, auch wenn sie die peinlichsten [d. h. schmerzlichsten] Wirkungen für ihn hatte. Durch diese Verachtung alles Irdischen gab er der Welt des Luxus eine große Lehre. Solche Bischöfe brauchen wir.

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Montag, 11. August 2014

Neue Serie: So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Pallottinermission in Kamerun

Britische Artillerie in Kamerun

Nachdem ja in den Medien anlässlich dieses zweifelhaften Jubiläumsjahrs zum Ausbruch des ersten Weltkriegs viel über das große Völkermorden berichtet wird, ist vielleicht auch eine Serie über den Krieg in den Missionen angebracht, der wohl kaum von der Presse behandelt werden wird. Nachfolgend ein Bericht aus der deutschen Kolonie Kamerun:

Die Mission der der Pallottiner in Kamerun ist durch die Engländer und Franzosen beinahe vollständig vernichtet. Bis zum 8. Dezember 1914 waren sieben Stationen ihrer Missionäre beraubt, darunter auch die Station Engelberg, die 40–50 Waisenkinder, meist Säuglinge, beherbergte. In Duala, Marienberg, Edea und Engelberg beschlagnahmten die neuen Herren sämtliche Viehbestände und plünderten Duala und Edea vollständig aus. Selbst die Gotteshäuser wurden nicht geschont. In Edea erbrachen die Soldaten die Tabernakel, zerschlugen Altartische und Statuen, schütteten die heiligen Öle zu Boden und raubten Kelche und Paramente. Der gesamte Materialschaden der Mission betrug Anfang Dezember weit über 100 000 Mark.

Vom Missionspersonal wurden 2 Brüder, die unter Waffen gewesen, als Kriegsgefangene nach Dahomey (im heutigen Benin) gebracht, 6 Patres, 2 Laienbrüder und 3 Schwestern mussten nach Deutschland zurückkehren, 25 Missionäre und Schwestern wurden nach der Insel Fernando Poo transportiert, wo sie beim spanischen Bischof Coll mit größter Zuvorkommenheit Aufnahme fanden. So stehen also 7 Hauptstationen mit wenigstens 77 Nebenschulen und 7600 Schülern verlassen und 11 000 Katholiken und 6000 Katechumenen sehen sich auf sich selbst angewiesen. Zwar haben die Missionäre von Fernando Poo aus beim englischen Oberkommandierenden in Duala, General Dobell, Protest eingelegt; aber die Worte der Glaubensboten werden einstweilen ungehört verhallen. Der Staatssekretär Dr. Solf hat sowohl der Propaganda in Rom als den Pallottinern in Limburg sein Beileid wegen der Zerstörung des 25-jährigen Friedenswerks ausgedrückt. (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Samstag, 9. August 2014

Große Missionsbischöfe: Aloysius Pareparampil, syro-malabarischer Bischof von Ernakulam


Auch ein geborener Inder ist unter den Oberhirten, die uns das vergangene Jahr entriss. Dr. Aloysius Pareparampil (es gibt verschiedene  Schreibweisen des Namens), Bischof von Ernakulam. Einem altberühmten syrisch-katholischen Geschlecht entstammend, 1847 geboren, empfing Pareparampil 1870 die Priesterweihe. Als Geheimschreiber des Bischofs von Kottayam machte er eine Reise nach Rom und besuchte bei dieser Gelegenheit alle wichtigen Länder Europas. Seinen Bemühungen ist die 1896 von Leo XIII. vorgenommene Gründung der drei syrischen Bistümer Südindiens zum Teil zu danken. Der Papst ernannte ihn zum Bischof von Ernakulam und unterstellte ihm einen Teil der syrischen Katholiken der Eingeborenenstaaten Kotschin und Travankore.

Der neue Oberhirte zeigte, was von einer sorgfältig ausgewählten und erzogenen indischen Priesterschaft zu erwarten ist. Sein schon in früher Jugend hervortretendes tief wurzelndes geistliches Leben, seine Sittenstrenge und sein Seeleneifer machten ihn zum Vorbild für Priester und Volk. Durch Gründung von Schulen, Waisenhäusern und Klöstern hat er das katholische Leben seiner Volksgenossen erneuert, ohne die Verbreitung des Glaubens unter den Heiden außer Acht zu lassen. Um die Zukunft des blühenden Bistums zu sichern, erlangte er die Einsetzung Dr. Kandathils als Hilfsbischof mit dem Recht der Nachfolge. Bei seinem am 9. Dezember 1919 erfolgten Tod hinterließ Pareparampil 120 Gotteshäuser, 135 einheimische Priester und über 100 000 Gläubige.

(Aus: die katholischen Missionen, 1920)

Sonntag, 18. Mai 2014

Große Missionsbischöfe: „Möchtest du nicht als Missionär mit mir nach Ceylon gehen?“ - Erzbischof André Theopile Melizan O.M.I., Erzbischof von Colombo (Sri Lanka), Päpstlicher Thronassistent und römischer Graf


Eine empfindliche Lücke in die Reihen des vorderindischen Episkopats riss der Tod des hochw. Erzbischofs von Colombo, Msgr. André Theophile Melizan O.M.I. 

Marseille, die Wiege der Genossenschaft, welcher er angehörte, war auch sein Geburtsort. In den Adern des am 29. September 1844 geborenen Theophile floss das rasche Blut des Provenzalen, und es bedurfte der starken Hand eines strengen Vaters, um den jungen Studiosus bei seinen Büchern und Studien zu halten. Ein eigentümliches Zusammentreffen hatte dessen Beruf bestimmt.

1856 empfing Melizan aus der Hand des damaligen Apostol. Vikars von Jaffna (Ceylon), Msgr. Semeria, die erste heilige Kommunion. Dem ehrwürdigen Prälaten fiel das intelligente Gesicht des lebhaften Knaben auf, und er fragte ihn lächelnd: „Möchtest du nicht als Missionär mit mir nach Ceylon gehen?“ – O ja, Monseigneur, sehr gerne“, lautete die prompte Antwort. 

Fortab träumte der Knabe nur noch von der Perleninsel Ceylon. Sein Beruf war entschieden. Mit 18 Jahren trat er 1862 in die Kongregation der Oblaten. Sein unruhiges stürmisches Temperament blieb ihm auch im Ordenskleid. „Das ist die Lawine Melizan“, hieß es, wenn er in jugendlichem Ungestüm durch Gänge und über Treppen sauste.

Am 19. September 1868 stand der neugeweihte Priester an Bord des Schiffes, das ihn nach dem Land seiner Träume bringen sollte, und sandte wie so viele Tausende französische Missionäre seinen Abschiedsgruß zum Heiligtum von Notre-Dame de la Garde hinauf. Ihm gilt der erste und letzte Blick der von Marseille abgehenden und dort landenden Apostel Frankreichs. 

In Jaffna wurde die Ankunft der neuen Verstärkung durch ein kleines Festmahl gefeiert. Statt der Speisekarte hatte ein alter launiger Missionär jedem der Ankömmlinge einen Spruch aus der Heiligen Schrift auf den Teller gelegt. Melizan, der mit seinem Flaumbärtchen noch sehr jugendlich aussah, las auf seinem Zettel die Worte: „Quis, putas, puer iste erit?“ (Was wird wohl aus diesem Knaben werden? Lk 1,66).

Das sollte sich bald zeigen. In wenigen Jahren zählte Melizan zu den tüchtigsten Missionären Jaffnas, der mit dem angeborenen Ungestüm und Feuer alles anpackte, für die schwierigsten Posten sich anbot und in allen Sätteln sich rasch zurechtfand. Als Sekretär des Bischofs, legte er Grund zu der prächtigen Druckerei in Jaffna, die der Mission in der Folge so ausgezeichnete Dienste leistete, als Pfarrer von St. Anna in Calpentyn brachte er diesen bei den einheimischen Christen so gern besuchten Wallfahrtsort hoch. Hier traf den 35-jährigen 1879 die Ernennung zum Weihbischof wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sofort wollte er nach Rom schreiben, um das Unglück von sich abzuwenden. Aber ein schlimmes Geschwür an der Hand hinderte ihn, es selbst zu tun, und trotz alles Bittens und Flehens gab sich kein Mitbruder dazu her. Er musste sich fügen. (…)

Die Pfarrkirche in Marseille, wo sein Taufstein stand, sah 1880 auch seine Bischofsweihe. Das erste, was der Neugeweihte tat, war, dass er, durch ein Seitenportal hinaustretend, der kranken Mutter, die von einem Fenster des nahen Hauses aus, weinend der Feier gefolgt, den ersten bischöflichen Segen spendete.

Fassen wir das 25-jährige bischöfliche Wirken Melizans kurz zusammen. Neben dem großen Bischof Bonjean, dem Melizan zunächst als Apostol. Vikar von Jaffna (seit 1886) und dann als Erzbischof von Colombo (1893) folgte, hat wohl keiner um die Entwicklung der Mission auf Ceylon sich größere Verdienste erworben. 
Beide Diözesen (Jaffna und Colombo) gehören heute zu den bestorganisierten der Kirche Vorderindiens. Die großen Erziehungsanstalten: das St. Patrick-Kolleg und das Seminar St. Martin in Jaffna und das blühende St. Joseph-Kolleg in Colombo, sind bleibend mit dem Namen Melizans verknüpft.

„Gestatten Sie mir“, so sprach bei Gelegenheit des 25-jährigen Bischofsjubiläums (Januar 1905) der Apostol. Delegt Msgr. Zaleski vor den in Colombo versammelten Bischöfen und Priestern, „Ihnen zu sagen, wie sehr unser Heiliger Vater, der Papst (Pius X.), die Tatkraft, den Eifer, den Opfergeist und die Weisheit zu schätzen weiß, die während eines Vierteljahrhunderts Ihr fruchtbares Apostolat in den beiden Diözesen auszeichneten, die Gott Ihnen anvertraute. In beiden sind Sie Ihrer großen Herde ein liebevoller Vater und das Muster eines guten Hirten gewesen. Gewiss, Ihr erlauchter Vorgänger in Colombo hat die soliden Fundamente gelegt, aber Ew. Gnaden haben die Mauern ausgeführt und das Gewölbe gesetzt. Sie haben Colombo zu einer der schönsten Diözesen meiner Delegatur gemacht.“ 
Darauf übergab der Delegat dem Jubilar das Apostol. Schreiben, das ihn zum Römischen Grafen und päpstlichen Thronassistenten ernannte, die höchste Auszeichnung, die der Papst einem Bischof gewähren kann.

Das Jubiläum gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Verehrung und Liebe, deren Melizan sich selbst über den Kreis seiner Herde hinaus in so hohem Grade erfreute. 
Niemand ahnte damals, dass der herrliche Festschmuck der hl. Lucia-Kathedrale von Colombo bereits nach einem halben Jahr sich in das Trauergewand der Witwe wandeln sollte. 

Allein seit Jahren schon litt der Erzbischof an den Folgen eines Sonnenstichs, den er sich einst zugezogen. Im Mai reiste er nach Frankreich, um Heilung zu suchen. Dort rief ihn Gott am 27. Juni aus der irdischen zur ewigen Heimat. Seine leiblichen Überreste wurden nach Ceylon überführt und fanden in der Kathedrale von Colombo ihre Ruhestätte. Mit Rücksicht auf den hohen Verstorbenen hatte der Statthalter diese ungewöhnliche Vergünstigung erwirkt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Sonntag, 4. Mai 2014

Große Missionsbischöfe: Der verhinderte Indianerapostel – Msgr. Adélard Langevin O.M.I., Erzbischof von St. Boniface (Kanada)



Die kirchliche Hierarchie von Kanada verlor im Vorjahr ein hervorragendes Mitglied in der Person des Erzbischofs Adélard Langevin von St. Boniface in Kanada. Langevin stammte aus einer französisch-kanadischen Familie. 

Schon früh fühlte er in sich den Beruf zum Indianerapostel, und um es zu werden, trat er in die Genossenschaft der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ein, der die Kirche von Kanada so viel verdankt. 
Aber sein Jugendideal sollte sich nicht erfüllen, er musste es dem Gehorsam zum Opfer bringen. Er wurde erst in der Seelsorge verwandt, dann im Lehrfach, in dem er sich besonders als Professor der Moral an der Universität von Ottawa auszeichnete. Erst 40 Jahre alt, wurde der begabte Ordensmann zum Oberhirten der Erzdiözese St. Boniface als Nachfolger des feurigen Indianerapostels Erzbischof Taché erwählt. 

Als heiligstes Vermächtnis übernahm der neue Oberhirte von seinem großen Vorgänger den unerbittlichen Kampf gegen die religionslose und interkonfessionelle Schulpolitik der kanadischen Regierung. 
Es bot sich ihm aber auch in seiner Stellung die Möglichkeit, seinen ersten apostolischen Jugendidealen zu leben. Er war ein warmer Freund des roten Mannes, und seine Briefe zeigen, wie begeistert er ihre Sache vertrat. 

Nicht weniger lag ihm die Missionierung der zahlreichen deutschen, polnischen und ruthenischen Ansiedler am Herzen. Um die Zukunft dieser Siedlungsmission sicherzustellen, gründete er in seiner Residenzstadt ein Seminar zur Heranbildung eines bodenständigen Seelsorgeklerus für die Siedlungsgebiete. Auch dem Presseunternehmen eines deutschen Oblaten, das die Herausgabe einer deutschen, polnischen, englischen und ruthenischen Zeitung besorgte, brachte der Erzbischof großes Interesse entgegen. Seinen deutschen Mitbrüdern trat er durch einen persönlichen Besuch im Kloster Hünfeld nahe, bei welcher Gelegenheit er sich vom Bischof von Fulda eine Reliquie des Apostels der Deutschen für seine Erzdiözese, die dessen Namen trägt, erbat.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Mittwoch, 16. April 2014

Große Missionsbischöfe: gehasst von den Revolutionären, geliebt von den Edlen – Msgr. Peter Schumacher, Bischof von Portoviejo, Ecuador



Am 15. Juli schloss zu Samaniego, einer Ortschaft der Provinz Túquerres (Kolumbien), Msgr. Peter Schumacher, Bischof von Portoviejo in Ecuador, seine müden Augen. Er starb in der Verbannung, ein wahrer Bekennerbischof. Bischof Schumacher und der gleichfalls der Lazaristenkongregation angehörige Bischof Thiel von Costa Rica (+1901) bilden zusammen ein glänzendes Doppelgestirn. Sie zeigen, wie gerade der deutsche Priester mit seiner Arbeitskraft und zähen Ausdauer berufen scheint, der südamerikanischen Kirche neues Leben einzuhauchen.

Bischof Schumacher ist gebürtig aus Kerpen bei Köln, wo er am 11. Januar 1839 als Sohn braver katholischer Eltern zur Welt kam. Nach Vollendung seiner Gymnasialstudien zu Münstereifel trat er 1857 zu Paris in die Kongregation der Lazaristen, wirkte nach seiner Priesterweihe zunächst acht Jahre lang als Missionär in Chile und dann, gesundheitshalber nach Europa zurückgekehrt, als Professor der Theologie und Kirchengeschichte am Priesterseminar von Montpellier in Frankreich. 

Inzwischen war unter dem edlen Garcia Moreno im fernen Ecuador eine neue, bessere Zeit angebrochen. Zu seinen großen Reformplänen gehörte auch ein von Lazaristen geleitetes neues Priesterseminar. Schumacher war der Mann, der es schaffen sollte. Hand in Hand mit dem herrlichen Präsidenten arbeitete er mit voller Hingabe an dieser wichtigen Aufgabe. „Nur wer zu den Mühen,“ so schreibt das Boletin Eclesiastico von Quito (1902,403), „die mit einem solchen Unternehmen überhaupt verbunden sind, noch die besonderen Schwierigkeiten in unserem Land in Betracht zieht, wird das Verdienst Schumachers vollauf würdigen können.“ 

Er gab der Erzdiözese drei große, prächtige geistliche Erziehungsanstalten, das Knaben- und ein Priesterseminar in Quito und das Institut von Atocha, und legte nicht nur zum geistigen Gebäude den Grund, sondern arbeitete auch mit seinen eigenen Händen und im Schweiße seines Angesichts am materiellen Bau. „P. Schumacher war gleichzeitig Baumeister und Feldmesser, Maurer und Zimmermann, Maler und Blechschmied, dabei der pünktlichste Direktor, Professor in mehreren Klassen, stets der erste bei den Übungen der Frömmigkeit im Kreise seiner Mitbrüder wie an der Spitze der Alumnen.“

13 Jahre lang (1872-1885) hatte Schumacher unermüdlich als Erzieher und Bildner eines neuen Klerus gearbeitet und mit Hilfe seiner Mitbrüder die Weltgeistlichkeit von fast ganz Ecuador reformiert, als ihn der Wille des Papstes auf den 1871 errichteten Bischofssitz von Portoviejo in der Küstenprovinz Manabi berief. 

Die Diözese Portoviejo umfasst mehr als die Hälfte der langgestreckten Küste von Ecuador und zählte damals etwa 130.000 bis 150.000 Einwohner, teils Weiße spanischer Abkunft, teils Neger und Mischlinge von Weißen und Negern, und einige Tausend Indianer, dem Namen nach sämtlich katholisch, in Wirklichkeit aber größtenteils der Kirche entfremdet. Als Bischof Schumacher im Jahr 1885 die Regierung seiner ausgedehnten Diözese antrat, fand er das Land in einem halbwilden Zustand. Nirgends war ein Priester, nur hier und da eine vereinzelte verwahrloste Schule; Raub und Mord waren an der Tagesordnung, und unter der herrschenden Unsicherheit lag der Landbau vollständig danieder. 

Der neue Oberhirt wandte zunächst seine Sorge der Beschaffung guter Priester und der Bildung der Jugend zu. Nach Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten gelang es ihm, aus Deutschland, Frankreich, Nordamerika, Italien und Spanien die nötigen Priester ins Land zu ziehen und mit Hilfe von männlichen und weiblichen Ordensgenossenschaften in allen Teilen des Landes Anstalten zum Unterricht und zur Erziehung der Jugend, zur Heranbildung einer tüchtigen Priesterschaft und zur Hebung von Religiosität und Sitte zu gründen. 
Rasch blühten dieselben empor, und es begann sich allgemein ein frisches, religiöses Leben zu entwickeln. Ruhe und Zufriedenheit kehrten in die Familien und Gemeinden ein, es hob sich die allgemeine Sicherheit, Ackerbau und Viehzucht gediehen, und alljährlich wurden in dem ergiebigen Boden Tausende von Kaffee- und Kakaobäumen angepflanzt. Zur Hebung der äußeren Wohlfahrt baute der Bischof Brücken, verbesserte die Verkehrsmittel, führte Bewässerung durch Windmühlen ein und lehrte eigenhändig die Anfertigung von Ziegeln. 

Die Diözese Portoviejo war bald in religiös-sittlicher wie in materieller Hinsicht der blühendste Teil des Landes, und Bischof Schumacher wurde als der Urheber dieser Blüte von der Liebe des Volkes getragen. Sein wohltätiger Einfluss blieb auch nicht auf seinen Sprengel beschränkt: das ganze Land trug die unverlöschlichen Spuren seines Wirkens. 
Seine Ferienzeit hatte er in der Regel der Bekehrung und der Zivilisierung der umwohnenden Indianer gewidmet. So kam es denn, dass er seit den Tagen des seligen Präsidenten und Landeserneuerers Garcia Moreno der allgemein verehrteste und volkstümlichste Mann von Ecuador war.

Je ersichtlicher aber die Liebe und Anhänglichkeit des Volkes an Bischof und Kirche zunahmen, umso heftiger steigerten sich der Hass und die Wut der geheimen Gesellschaften, die ja seiner Zeit auch de Präsidenten Garcia Moreno um seiner Kirchentreue willen ermordet hatten. Zuerst suchten sie durch die schamlosesten Lügen und Verleumdungen in ihren gottlosen Zeitungen das segensreiche Wirken des Bischofs zu untergraben; als dieser jedoch zur Bekämpfung jener Schandblätter das katholische Wochenblatt El Hogar Cristiano gründete und hier alle Angriffe und Anfeindungen immer siegreicher zurückwies, fassten die Freimaurer den Beschluss, ihn durch Mord zu beseitigen. Wiederholt wurden Mordanschläge gegen sein Leben unternommen,, aber mit Gottes Hilfe jedes Mal durch die Wachsamkeit der Priester und der Seminaristen und bei besonderen Gefahren auch durch den Schutz des treuen katholischen Volkes glücklich vereitelt. 

Da die Mordgesellen auf diesem Weg nicht zu ihrem Ziel gelangten, zogen sie sich in das Gebirge zurück und bildeten dort mit flüchtigen Verbrechern eine Art Räuberbande, welcher sich bald auch Gesindel aus aller Herren Ländern zugesellte. Solche Elemente pflegt die in Mittel- und Südamerika bestehende internationale Revolutionspartei jeweils an den Punkten zu sammeln, wo ein Aufstand geplant ist. Aus ihnen werden dann Heere gebildet, welche sich je nach Umständen Patrioten, Befreier, Wiederhersteller usw. dieses oder jenes „Vaterlandes“ nennen.

Als nun in der wichtigen Hafenstadt Guayaquil die Revolution ausbrach, rückte diese Bande, die mittlerweile auf etwa 400 Köpfe angewachsen war und die Reisenden und die umliegenden Dörfer unter dem Feldgeschrei: Muera Cristo! Viva la Libertad! (Tod Christus! Es lebe die Freiheit!) u. dgl. plünderte, am 1. Mai 1895 gegen die Bischofsstadt, wurde aber von der kleinen, nur 40 Mann starken Besatzung zurückgeschlagen und ihr Führer getötet. 
Die unsichere Lage ließ jedoch die zeitweise Entfernung des Bischofs als ratsam erscheinen. Am 20. Juni 1895 kam der Plan zur Ausführung; allein anstatt seinen Feinden zu entgehen, fiel der Bischof ihnen geradewegs in die Hände. In aller Frühe hatte er sich mit fünf Priestern auf den Weg gemacht, und gegen Abend erreichte er das Kloster der Benediktinerinnen zu Calceta, wo er zu übernachten gedachte, um am nächsten Tag die Flucht fortzusetzen.

 Kaum aber dort angelangt, wurden die Flüchtlinge von einer Bande Verschwörer unter dem bekannten Ruf: Muera Cristo! umzingelt, gefangen genommen und mit dem Tod bedroht. Der Kapuzinerpater Angelus erhielt dabei einen Schuss in die Hüfte, den Bischof und die übrigen Priester schützten die Schwestern mit eigener Gefahr.
Durch die treugebliebenen Soldaten wurden die Bedrängten jedoch in der äußersten Gefahr gerettet. 

Fünf Tage und fünf Nächte marschierten sie dann, fortwährend den Tod vor Augen, unter beständigen Angriffen der Feinde, inmitten der Truppen, durch Flüsse und Sümpfe, bis sie endlich den Urwald erreichten. Hier waren sie nun der Verfolgung der Rebellen entzogen, um aber neuen Gefahren entgegen zu gehen. Nach unsäglichen Mühsalen und Bedrängnissen gelangte der Bischof, von der Bevölkerung mit Jubel empfangen, am 20. Juli in die Landeshauptstadt Quito. 

Allein auch hier war sein Leben bald wieder gefährdet, da durch den Verrat des kommandierenden Generals die Revolution siegte. Nun floh er nach dem benachbarten Kolumbien und lebte hier seit der Zeit zu Túquerres (Diözese Pasto) von den Almosen des gläubigen Volkes, des Tages harrend, wo der Allmächtige seine strafende Hand von dem armen Ecuador zurückziehen werde.
Er sollte diesen Tag nicht erleben. Aber auch in der siebenjährigen Verbannung war der Bischof nicht untätig. 

Msgr Schumacher (in Mantelletta und Chorhemd) neben dem hl. Ezequiel Moreno (schwarzes Rekollektengewand mit langem Gürtel und Bischofskreuz) bei Kapuzinern in der Diözese Pasto. Der heilige Bischof von Pasto, der Bischof Schumacher in seiner Diözese aufnahm und sein enger Freund war, hielt auch dessen Leichenrede, bei der er sagte: „Die oberhirtlichen Tugenden des hochwürdigsten Herrn Peter Schumacher und insbesondere sein Starkmut bei der Verteidigung der Unversehrtheit des Glaubens machten aus ihm einen Bischof, wie ihn die Kirche in diesen Zeiten braucht.“

Sein Aufenthalt wurde, wie das genannte Boletin ausführt, für Samaniego und Umgebung ein wahrer Segen, da der an Tätigkeit gewohnte deutsche Bischof auch hier rastlos an der geistigen und materiellen Hebung der Bevölkerung arbeitete. 

Konnte er die Katholiken Ecuadors nicht mehr durch seine Gegenwart und sein lebendiges Wort stärken, so tat er es mit der Feder. Seine Schrift „¿Teocracia o Demoncracia? ¿Cristo o Lucifer? ¿Quien vencerá?“ (Soll Gott herrschen oder Satan? Christus oder Luzifer? Wer wird siegen?), die wiederholt gedruckt wurde, war ein flammender Protest gegen die schmachvolle Politik der radikalen Regierung, die das Programm des elenden Emporkömmlings Eloy Alfaro „Ich komme, um der Herrschaft Gottes in Ecuador ein Ende zu machen“, nach Kräften auszuführen suchte. Mit schonungsloser Schärfe legte Schumacher die für die geistige und materielle Wohlfahrt gleich verderblichen Folgen jener Misswirtschaft dar und geißelte die Heuchelei der Logenmänner, die die Freiheit verheißen und eine unerträgliche Tyrannei gebracht hätten. 

Gebrochen durch körperliche Leiden und Sorgen, starb der Bekenner Christi, heilig, wie er gelebt. Als ihm die letzte Wegzehrung gebracht wurde, legte er mit letzter Kraft noch einmal das katholische Glaubensbekenntnis ab und verzieh feierlich all seinen Feinden und Verfolgern. 

Ein Wehklagen ging bei der Kunde seines Todes durch die Bevölkerung. „Unser Vater, der heilige Priester ist tot“, riefen die Leute auf den Straßen. Auch in Ecuador machten die Todesnachrichten tiefen Eindruck. Selbst die unabhängige La Patria feierte den Hingeschiedenen als „das heldenmütige Opfer einer traurigen Missregierung“, als den „starken Paladin der kirchlichen Rechte“, der, gehasst von den Revolutionären, geliebt von den Edlen des Landes, in harter Verbannung und beladen mit ungerechter Schmach seine irdische Laufbahn vollendet habe.


(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Mittwoch, 29. Januar 2014

Wahl einer Generaloberin bei den einheimischen Schwestern im Senegal

Mutter Iphigenie, Generaloberin der Töchter vom Heiligen Herzens Mariä

Von allen unter den Negern tätigen Missionären haben die Väter vom Heiligen Geist am meisten sich um die Heranbildung eines einheimischen schwarzen Klerus bemüht. Die Erfolge beweisen die Möglichkeit, aber auch die große Schwierigkeit des Unternehmens. Die Zahl der einheimischen Priester ist daher noch recht gering. Ungleich leichter und besser ist die Heranziehung schwarzer Mädchen zum Ordensstand gelungen. 

Beispielsweise hat die Mission von Senegambien bereits seit fast einem halben Jahrhundert eine einheimische Schwester-Genossenschaft, die „Töchter vom heiligen Herzen Mariä“. Über ihre Gründung wurde bereits früher einmal ausführlich berichtet. Sie hat sich recht gut entwickelt und zählt heute zwischen 30 bis 40 Schwestern, die sechs Klöster besitzen und im Unterricht und im Krankendienst Treffliches leisten.

Am 6 April 1904 starb die letzte Generaloberin Mutter Josepha, eine der Erstlinge, denen der Stifter der Genossenschaft Msgr. Kobes am 9. Juli 1858 den Schleier gab. An ihre Stelle ist jetzt Mutter Iphigenie getreten.

Die Wahl fand unter dem Vorsitz des Apostol. Vikars Msgr. Kunemann statt. Sämtliche Professen nahten sich dem Altar und legten ihren Wahlzettel in die bereitstehende Urne. Schwester Iphigenie ging einstimmig aus der Wahl hervor und empfing vom Bischof den Segen und die Bestätigung. 
Nachdem sie dann das Glaubensbekenntnis abgelegt und auf einem Stuhl Platz genommen, nahten sich ihr die Schwestern, ließen sich auf die Knie nieder und sagten: „Ich verspreche Ihnen, Ehrwürdige Mutter, Ehrfurcht und Gehorsam nach dem Geiste unserer Satzungen.“

So gewöhnlich diese Zeremonie drüben sein mag, schreibt der Bischof, so ergreifend wirkt sie hier in Afrika. Sie beweist, wie tief das Christentum bereits in der schwarzen Rasse Wurzel gefasst hat und dass die Gnade auch in Afrika dieselben Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt wie in Europa.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Dienstag, 7. Januar 2014

Erhebender Missionseifer



Nebst der Gnade Gottes verdanken wir vor allem den eifrigen Missionaren die vielen Erfolge auf dem Missionsfeld. Manche opfern sich als wahre Helden ganz selbstlos ihrem Beruf.

Msgr. Marcou, der Apostolische Vikar von Phat-diem, der 35 Jahre lang das Missionsgebiet verwaltet hatte, verzichtete kürzlich zugunsten seines einheimischen Hilfsbischofs, Msgr. Tong, auf seinen Posten. 

Zur Erbauung aller erbat er sich vom Oberhirten von Than-hoa, der bis zur Abtrennung dieses Gebiets von Phat-diem im Jahre 1932 sein Hilfsbischof gewesen war, den vielleicht undankbarsten Posten von Thanh-hoa zur Betreuung. 

Es gibt dort eine Gemeinde, die seit 200 Jahren christlich ist und sogar einen Märtyrer hervorgebracht hat. Aber schon seit langer Zeit verlieren die Männer mit ganz wenigen Ausnahmen schon in jungen Jahren ihren Glauben und weihen sich dem Dienst einer berühmten Pagode.

Die Frauen hingegen halten am katholischen Glauben fest. Msgr. Marcou hatte oft seine Hirtenbesuche in der Gemeinde auf mehrere Wochen ausgedehnt, doch ohne Erfolg. Jetzt, da er von seiner bischöflichen Verwaltung entbunden ist, will er seine letzten Kräfte zur Bekehrung der dortigen Männerwelt einsetzen.

Ein ähnliches Beispiel bietet uns P. Héraud aus dem Apostolischen Vikariat Rangoon. Er hatte seine 38 Missionsjahre fast ganz auf dem Posten Thinganaing verbracht. 
Die Christengemeinde wurde von ihm gegründet und mit Kirche und eigener Schule ausgestattet. Heute ist sie gut ausgebaut und kann sich selbst erhalten. Da geht der Missionar wieder auf Wanderschaft und überlässt den guten Posten einem einheimischen Priester. 

Er lässt sich in einem weltverlorenen Winkel nieder und wohnt, nicht der verdienten Ruhe gedenkend, in einer Barracke, die nicht den Namen eines Hauses verdient. Da sammelt er die ersten gutwilligen Leute um sich, um ihnen die Wahrheit des christlichen Glaubens zu künden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1937)