Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 12. Februar 2017

Widerspenstige getrennte Brüder

Msgr. Miroff

„Mir will scheinen“, so schreibt uns Msgr. Michael Miroff, Titularerzbischof von Theodosiopolis und Administrator der bulgarischen Katholiken von Konstantinopel (Stadt und Bezirk), „es sei viel leichter, die katholische Religion in China und Japan zu verbreiten als hier, wo seit Jahrhunderten das Schisma so tiefe Wurzeln geschlagen und unseren getrennten Brüdern gleichsam in Mark und Bein übergegangen ist.“ So erkläre sich, warum das Bekehrungswerk so langsam fortschreite. Übertritte Erwachsener seien nur vereinzelt und zumeist dem Einfluss der Kinder zu danken, die in katholischen Anstalten erzogen, zu Hause als kleine Apostel wirkten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Samstag, 23. Juli 2016

Der Mann, der in Bulgarien die Kirchenglocken wieder zu Ehren brachte

Msgr. Francesco Domenico Reynaudi O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Sofia und Plovdiv


Die sklavische Furcht der Einwohner [Bulgariens] vor der osmanischen Regierung hemmte wie eine Kette die Entwicklung des kirchlichen Lebens. Die Kirchen glichen ärmlichen, strohbedeckten Hütten, die Wohnungen der ersten Missionäre einer Spelunke. Erst als nach dem Krimkrieg der Vertrag von Paris (30. März 1856) die Gleichstellung der Christen in der Türkei mit den Anhängern des Islam ausgesprochen, fielen die lästigen Fesseln wenigstens einigermaßen.

Mit Hilfe der Almosen von Europa wurde nun sofort mit dem Bau von Kirchen, Missionshäusern und Schulen begonnen. Aber an das Geläute christlicher Glocken hatte sich das türkische Ohr noch nicht gewöhnen wollen; es war strenge verpönt. 

P. Francesco [der spätere Msgr. Reynaudi O.F.M. Cap.] wusste Rat. Mit einer Ministrantenschelle ging er durch die Straßen der Stadt in das Viertel der Katholiken und rief so zum Gottesdienst. Als die Sache ungeahndet ablief, wurde er mutiger und schaffte eine größere Schelle an. Wieder blieb alles ruhig. Nun hing man ein Glöcklein an die Kirchenmauer, und als auch dieses unerhörte Wagnis trotz aller Warnungen ängstlicher Freunde glücklich ablief, wurde das Glöcklein zur Glocke, und schließlich erhielt dieselbe auch einen Turm.


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Donnerstag, 3. September 2015

Papst Pius X. und die Missionen



Wusste Pius X. durch herzlichen persönlichen Verkehr mit den Machthabern ferner Lande die Interessen des Weltapostolats zu fördern, so erreichte er das in noch weit höherem Maße durch die innigsten Beziehungen, die er zu den Glaubensboten selber und deren Arbeitsgebieten unterhielt. Überaus zahlreich sind die Briefe, die er nach allen Weltgegenden hin sandte, bald um zu einem Missionsjubiläum seine Glückwünsche darzubringen, bald um in großen Heimsuchungen Trost zu spenden, bald um geistliche Gnaden zu gewähren. Und wie er mit Schreiben nicht kargte, so kargte er auch nicht mit Spenden jeder Art. Für arme Missionskirchlein sandte er Paramente, für höhere Lehranstalten, wie die Jesuitenschule in Tokio, kostbare Werke für die Bibliothek, für durch den Krieg zerstörte Stätten der Barmherzigkeit, wie in Bulgarien, Geldspenden. 

Kamen aber die Missionäre und Missionsschwestern nach Rom, um entweder Bericht über ihre Tätigkeit zu erstatten oder den Segen für die bevorstehende Ausreise zu erbitten, so fanden sie einen Vater voll der Güte und Herablassung, der für die geringfügigsten Einzelheiten Interesse und Verständnis hatte. In einer Audienz vom 15. November 1903, die Pius X. dem kurz vorher mehrmals erkrankten P. Hartmann aus der Gesellschaft der Weißen Väter und einem Neger gewährte, bezeigte der Papst gerührt seine Teilnahme und erkundigte sich lebhaft über den jugendlichen schwarzen Begleiter. Als er hörte, dass der Jüngling nach Rom gekommen sei, um seine theologischen Studien im Kolleg der Propaganda zu machen, legte er ihm beide Hände auf den Krauskopf und zeichnete ihm dann ein großes Kreuz auf die Stirn, indem er sprach: „Ja, du wirst Priester werden.“

(…) Wollten wir den ganzen Umfang von Liebe und Verehrung, die die Missionäre und ihre Christen Pius X. entgegenbrachten, schildern, wir müssten Tatsachen erwähnen, worüber es einzig der Kirche zusteht, ein Urteil zu fällen. Es genüge zu sagen, dass sie ihn nicht nur als Vater mit dem guten Herzen betrachteten, sondern als einen Heiligen, den der Himmel mit Wunderkraft ausgerüstet habe, und sie scheuten sich nicht, diese Wunderkraft in Anspruch zu nehmen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Montag, 30. März 2015

Große Missionsbischöfe: Eine dornenvolle Aufgabe – Msgr. Michael Petkoff, Apostol. Vikar der unierten Bulgaren in Thrazien



Michael Petkoff, Titularbischof von Hebron und Apostol. Vikar von Thrazien für die unierten Bulgaren, war 1850 in Adrianopel [Edirne] als Sohn eines Hirten geboren. Bei polnischen Ordensleuten in der Schule zeichnete er sich durch seine Begabung und seine edlen Neigungen aus und wurde deshalb ins Kolleg der Propaganda in Rom geschickt. 1873 zum Priester geweiht, empfing er schon mit 31 Jahren als Nachfolger des Bischofs Popoff in Konstantinopel die Bischofsweihe.

Unsäglich dornenvoll war seine Aufgabe, die weithin über das Land zerstreuten Katholiken vor den Angriffen der Schismatiker zu bewahren. Schon allein die Tatsache, dass er einst auf offener Straße von einem fanatischen Mohammedaner zu Boden geworfen und mit einem Stock misshandelt wurde, zeigt die Eigenart der Verhältnisse, unter denen er wirkte. Tiefe Trauer lagerte über seinen letzten Lebensjahren ob der Niederlage des bulgarischen Volkes. Seine Christen waren zerstreut, die Dörfer verbrannt, seine Priester ohne Kirchen und ohne Heim. Er selbst musste unter Griechen, den Verfolgern seiner Herde, in der Verbannung sterben. Am 27. Mai erlöste ihn der Tod von diesen großen seelischen Leiden.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Freitag, 20. Februar 2015

Aus Hass gegen den Papst in Irrtum und Schisma


Aus einem Artikel über die Kapuzinermission in Bulgarien schreibt P. Franziskus Leitner O.F.M. Cap. im Seraphischen Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi (1928):

„Die Abneigung gegen alles, was von Rom (vom Papst) kommt, wird schon den Kindern eingeimpft. Der Kampf gegen die katholische Kirche, der schon im 9. Jahrhundert im Orient entbrannte, dauert auch heute noch fort. Es ist auch durchaus keine Seltenheit, dass ein orthodoxer Bulgare die katholische Kirche für die wahre hält, aber trotzdem aus Hass gegen den Papst im Irrtum verbleibt.“

Man sieht also, dass man nicht zu viel auf irgendwelche unverschuldeten Häresien und Schismen setzen sollte, trotz derer Menschen gerettet werden können. Mann sollte sich viel lieber (auch wenn es in den oben genannten Fällen aussichtslos erscheint) in alter katholischer Missionsmanier aufs geistliche Schlachtfeld begeben, um zur größeren Ehre Gottes und zur Rettung der Seelen zu kämpfen, da man ja nicht weiß, wie es tatsächlich um die einzelne Seele vor Gott steht. Wenn man sich zu sehr auf der Möglichkeit ausruht, dass einer, der sich tatsächlich (actu) außerhalb der Kirche befindet, trotzdem auch gerettet werden kann, wird die Missionsarbeit und somit die Rettung der Seelen im Keim erstickt. Denn wenn sich laut dem heiligen Leonhard von Porto Maurizio schon die meisten erwachsenen Katholiken verdammen, was soll da bloß aus den Nicht-Katholiken werden?

Zu dem Thema „unverschuldetes Unwissen über die wahre Kirche“ hier ein erhellender anschaulicher Beitrag.

Montag, 7. Juli 2014

Bilder: zum Fest der Slawenapostel Cyrillus und Methodius (nach altem Missale)



Ihr heiligen Slawenapostel, bittet für uns!


Msgr. Raphael Popoff, der Mann, den Gott berufen hatte, um die bulgarisch-griechisch-katholische Kirche vor dem Untergang zu bewahren



Gedenktafel außen an der alten Kapelle in Regensburg (Quelle: sue107)


Titularerzbischof Msgr. Miroff, Bischof der katholischen Bulgaren in Istanbul. Er weihte den ersten Exarchen der russisch-katholischen Kirche, den sel. Leonid Feodorov, zum Priester.



Msgr. Epiphan Schanoff, Apostol. Vikar von Bulgarien. Zusammen mit Msgr. Miroff weihte er Pater Isaias Papadopulos zum Bischof.
katholische Seminaristen in Bulgarien (erste Reihe wohl Professoren)

Donnerstag, 6. Juni 2013

Die Geschichte der Union der Bulgaren im 19. Jhd. - Freud und Leid in raschem Wechsel (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Das waren freudige Tage voll Sonnenschein und froher Hoffnung. Siegesgewiss verkündeten damals bereits viele Stimmen den Übertritt von ganz Bulgarien. 
Msgr. Sokolski hatte in Rom häufig dieselbe Hoffnung kundgegeben, ja den Papst schon um Errichtung eines eigenen bulgarischen Patriarchats gebeten. 

Was würde er wohl gesagt haben, hätte er in jenem Augenblick in die Zukunft schauen und die frohen Hoffnung fast alle zerronnen, sich selbst in den Gefängnismauern eines russischen Klosters erblicken können!

Die Union hatte eben gewaltige Feinde; namentlich machte Russland verzweifelte Anstrengungen, um sie zu erdrücken. Seit langen Jahren hatte es gearbeitet, weder Geld noch Mühe gespart, um die religiöse Bewegung in Fluss zu bringen, und jetzt hätte es die Früchte seiner Anstrengungen widerstandslos der gehassten römischen Kirche überlassen sollen? 
Daran war nicht zu denken. Dazu kamen dann noch die Schwierigkeiten von Seiten der nicht übergetretenen Geistlichen, die als weltliche Beamte ihrer Nation so mächtig waren und so oft bewiesen hatten, dass sie zu allen Schlechtigkeiten fähig seien. 

Also Feinde ringsum! Und die Freunde? Sympathie fand die Union freilich bei den Katholiken von ganz Europa, aber nirgends fand sich ein mächtiger Staat, der seinen Einfluss und seine Hilfsmittel für sie in die Waagschale geworfen. Und doch wäre eine tatkräftige Unterstützung so notwendig gewesen. Fast überall waren nämlich die Unierten in der Minderzahl, verloren also mit dem Übertritt alle Kirchen. 
Ferner fehlte es an Schulen, um die Jugend zu unterrichten, an Zeitungen, um den Verleumdungen der gegnerischen Presse entgegenzutreten, und endlich, was am meisten zu beklagen war, es mangelte an bulgarisch redenden Priestern. 

Viele Dörfer, welche die Union und einen Missionär verlangten, konnten mit einem solchen nicht versehen werden. In den Augen vieler der Übergetretenen selbst war zudem die Union nur ein Werk der Politik, ein Schachzug, um zugleich den Griechen und den Russen zu entgehen und die eigene Nation zu Ehren zu bringen; sie wurden kalt gegen Rom, als sich ihre nationalen Hoffnungen nicht erfüllten. 
Kein Wunder also, wenn die Union, statt fortzuschreiten, zurückging. Verwirrung, Misstrauen, Missstimmung griffen allmählich um sich, als plötzlich das Ereignis eintrat, das wie der Todesstoß für das so hoffnungsvoll begrüßte Werk schien.


Am 5. Juli 1861 erhielt die Propaganda in Rom ein Telegramm des Inhalts: „Der vor Kurzem geweihte Erzbischof Sokolski, der Führer der bulgarischen Union, ist spurlos verschwunden.“

Wo war er? Was bewog ihn zur Flucht? Wohin hatte er sich gewendet? Und wenn er wirklich, wie man gleich vermutete und wie es sich bestätigte, nach Russland gegangen war, ging er freiwillig oder gezwungen dorthin? War er der Union treu geblieben oder hatte er seine Überzeugung verkauft? 
Letzteres schien den Meisten unglaublich; denn vor seiner Weihe hatte man ihm vergebens ungeheure Summen für den Abfall geboten. Einige meinten, man habe den Erzbischof unter dem Vorgeben, ihm Geld zu leihen, auf ein Schiff gelockt und dann nach Russland in die Verbannung geschleppt. 
Kurz vor seinem Verschwinden hatte man ihn nämlich aus dem Palast des russischen Gesandten treten und bald darauf das Dampfboot nach Odessa besteigen sehen. 

Andere vermuteten Schlimmeres, und zwar deshalb, weil der Erzbischof schon seit längerer Zeit mit russischen Agenten verkehrt hatte, weil er samt seinen Insignien und den päpstlichen Bullen verschwunden und sein Pope Theodor ihm nach Russland vorausgeeilt war. Wie man behauptete, lebte er später als Gefangener in einem orthodoxen Kloster des Gouvernements Cherson, wo niemand ihn besuchen und sprechen durfte. 

Nach zehn Jahren sei er wieder einmal in Chelm aufgetaucht, wo er unierten Klerikern die Priesterweihe erteilte, übrigens aber nach der Feier gleich wieder verschwunden sei, ohne mit jemandem ein Wort gewechselt zu haben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)


Dienstag, 4. Juni 2013

Die Geschichte der Union der Bulgaren im 19. Jhd. - Freud und Leid in raschem Wechsel (Teil 1)

Msgr. Sokolski, Erzbischof der unierten Bulgaren

Dies ist die Hintergrundgeschichte zu diesem Post

(...) Eine Unionsakte mit der klaren Anerkennung des Primates Petri wurde aufgesetzt, welche bald 2.000 Unterschriften fand, und am 30. Dezember 1860 zogen 200 Abgeordnete der bulgarischen Nation im in feierlichem Aufzug aus der Kirche der unierten Armenier zum apostolischen Delegaten, Erzbischof Brunoni, um von ihm die Aufnahme in den Schoß der katholischen Kirche zu erbitten. 
Zugleich überreichten sie ein Schreiben an den Papst, welches den Glauben der katholischen Kirche in allen Punkten annimmt und für die bulgarische Kirche nur die Beibehaltung ihres Ritus und Wiederherstellung der slawischen Liturgie erbittet. Eine Gesandtschaft von vier bulgarischen Klerikern wurde erwählt, um die Unionsakte dem Papst zu überreichen.

In Rom herrschte natürlich über diese Vorgänge große Freude. Pius IX. umarmte in väterlicher Liebe die bulgarischen Gesandten und nahm in einem Breve vom 21. Januar 1861 die Bittsteller zur Einheit der Kirche auf, indem er ihre Liturgie ihnen bestätigte. 

Nach Verlauf von drei Monaten gab er der neuen Kirche auch einen Hirten in der Person des bulgarischen Archimandriten Sokolski. Der Papst in eigener Person wollte dem Erwählten die bischöfliche Weihe erteilen, und am 14. März fand die erhebende Feier statt. Seit den Unionen von Florenz und Brest, so meinte später ein Augenzeuge, habe die Kirche kaum einen feierlicheren und rührenderen Tag gesehen. 

Selbst die Zufälligkeiten des Ortes und der Zeit schienen wie absichtlich herbeigeführt, um die Feier noch zu erhöhen. So traf nach Rechnung einiger im Jahre 1861 gerade das tausendjährige Jubiläum der ersten Bekehrung und Union Bulgariens ein, und schon der Ort der Zeremonie, die Sixtinische Kapelle mit ihrem großen Bild des jüngsten Gerichts, erinnerte an dieses große Ereignis, das herbeigeführt wurde durch den Eindruck, den ebenfalls eine Darstellung des jüngsten Gerichts auf König Bogoris (Boris) gemacht hatte. 
Wie ausgesucht schienen auch die beiden Evangelien des Tages, als man in ihnen die Worte vernahm: „Du bist Petrus, d.h. der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“; „es wird Ein Schafstall und Eine Herde werden.“

Der selige Papst Pius IX.

Pius IX. war außerordentlich bewegt und seine herzliche Ansprache machte auf Alle einen tiefen Eindruck. Besonders ergreifend war der Augenblick, als er von seinem Thron sich erhob und, die Arme zum Dankgebet erhebend, in die Worte ausbrach: „Dir sei Ehre, Dir sei Ruhm, Dir Danksagung, Jesus Christus, Quell der Barmherzigkeit und allen Trostes, der Du auch in unseren Tagen Deine Wunder erzeigst, damit Alle Deine wunderbaren Werke verkünden möchten.“
Msgr. Sokolski weinte laut vor Rührung. Ein ehrwürdiger Greis mit langem, schneeweißem Bart und schon ein wenig vom Alter gebeugt, kniete er am Fuß des päpstlichen Thrones, neben sich auf der einen Seite den jungen bulgarischen Diakon Raphael Popoff, auf der anderen P. Eugen Boré, den Obern der Patres Lazaristen von Konstantinopel, einen unermüdlichen Missionär, der sich um die Union die größten Verdienste erworben hatte. Alles, was Msgr. Sokolski während der Weihe zu sagen hatte, drückte er in bulgarischer Sprache aus, während P. Boré jedes seiner Worte ins lateinische übersetzte. Zum ersten Mal vielleicht hallten an den Gewölben der Sixtinischen Kapelle damals die Klänge der slawischen Sprache wieder.

Nach der Weihe ließ sich der neue Erzbischof auf einem Thron vor dem Altar nieder, auf dem Haupt die orientalische Mitra in Gestalt einer Kaiserkrone, in der Hand den griechischen Hirtenstab. Dann stimmte der Papst das Te Deum an, und während die Sänger den Hymnus fortsetzten, schritt der Neugewählte in feierlicher Prozession durch die Kapelle. Zum Schluss erteilte er vom Altar aus Allen in bulgarischer Sprache den bischöflichen Segen.

Msgr. Sokolski machte auf Alle den besten Eindruck. Die strengen Fasten, die er beobachtete, seine langen und heißen Gebete und besonders seine einnehmende Freundlichkeit ließen in ihm den Mann von tiefer innerlicher Heiligkeit vermuten. Ganz entzückt war er von der Person Pius IX. „Das ist ein Engel, das ist ein Heiliger“, wiederholte er fortwährend. Was aber am meisten allen anwesenden Bulgaren auffiel und sie für Rom gewann, war nach ihrem eigenen Geständnis der Gegensatz zwischen dem Stolz der griechischen Patriarchen und der herablassenden Milde des Papstes. Gewöhnt an das hochfahrende Wesen ihrer bisherigen Oberen, konnten sie gar nicht begreifen, wie der Papst, das Oberhaupt von 200 Millionen und zudem weltlicher Monarch, mit ihnen allen so väterlich freundlich umgehe.


Nach kaum drei Wochen, in den ersten Tagen des Mai, erhielt dann die Propaganda Kunde von der glücklichen Ankunft des Erzbischofs von Konstantinopel. Ohne Unfall war er mit seiner Begleitung in der Morgenstunde und früher eingetroffen, als man erwartete. 
Die Unierten konnten ihm also nicht, wie es beabsichtigt war, in Prozession an den Hafen entgegenziehen. Erst als der Erzbischof schon die heilige Messe begonnen hatte, erfuhr man von seiner Ankunft, und da dauerte es auch nicht mehr lange, bis die Kirche sich mit Andächtigen überfüllte. 
Nach dem heiligen Opfer wandte Msgr. Sokolski sich an die Anwesenden und erzählte ihnen mit begeisterten Worten von dem Empfang, der ihm in Rom zu Teil geworden, von den Gnaden, die ihm der Heilige Vater erwiesen. „Rom ist ganz Liebe,“ war der Ausdruck, den er immer und immer wiederholte. 

Abends brachte man dem Prälaten eine feierliche Ovation. Die Feierlichkeiten, welche am Morgen beim Empfang nicht stattfinden konnten, wurden nachgeholt, als der neue Erzbischof sich zum apostolischen Delegaten, Msgr. Brunoni und zum Primas der Armenier begab. 
Msgr. Sokolski ritt im Zug auf einem kostbaren, reich gezäumten Pferde, das ein armenischer Adeliger ihm zum Geschenk gemacht hatte. Es folgten ihm der Archimandrit mit der Geistlichkeit und den Reisebegleitern, und zu beiden Seiten ritten die Ältesten der bulgarischen Nation auf stolzen Rossen in Nationaltracht und mit langen Lanzen in der Hand. 
Den Zug schloss eine von der hohen Pforte gesandte Ehrenwache, und überall auf dem Weg empfing der Erzbischof die militärischen Ehrenbezeugungen seitens der türkischen Soldaten. 

Dieses Zeugnis für die günstige Stimmung der Pforte verfehlte natürlich nicht seinen Eindruck. In der Tat kam der Regierung die Union ganz erwünscht; sie fand in ihr ein Mittel, die bulgarische Frage zu lösen, ohne in die Schlingen Russlands zu geraten.

(Die katholischen Missionen, 1885)

Montag, 18. Februar 2013

„Wenn ich Rom nicht gesehen hätte…“


Rila, das größte orthodoxe Kloster Bulgariens - mögen seine Mönche sich auch einst mit Rom versöhnen! (Bildquelle:  Dennis Jarvis)


„Seine bischöfl. Gnaden, Msgr. Raphael Popoff (Bild hier), ist am Montag den 6. März (1876) plötzlich hinweggerafft worden. Er hatte sich gegen Mittag in den Konak (das Amtsgebäude) des türkischen Generalgouverneurs begeben, um mit den großherrlichen Kommissären über die Ausführung der neuen Reformen Rücksprache zu nehmen.
Als er das Gebäude verließ, fühlte er sich etwas gedrückt,  machte aber doch den ziemlich weiten Weg zu Fuß, in Begleitung eines seiner Brüder. Zu Hause angekommen, unterhielt er sich mit seinen Brüdern, als er plötzlich zusammensank. Ein Priester, der in der nebenanliegenden Kirche gerade die Vesper betete, war rasch zur Hand, allein es war zu spät; ein bald herbeigeeilter Arzt versuchte vergebens, das Bewusstsein zurückzurufen; der Bischof war schon verschieden.

Msgr. Raphael Popoff wurde im Jahr 1830 in Stretelhia, einem Dorf etwa 8 Stunden von Philippopel, geboren; sein Vater war Pope. Noch jung trat er als Mönch in das berühmte Kloster von Rila; nachdem er die Diakonenweihe empfangen hatte, wurde er verschiedenen Bischöfen als Sekretär beigegeben.
Im Jahre 1860 befand er sich in Konstantinopel und wurde hier einer der Hauptbeförderer der Unionsbewegung (d.h. des Anschlusses der Orthodoxen an die römisch-katholische Kirche). Darauf ging er nach Rom mit Msgr. Sokolski, den Papst Pius IX. selbst zum ersten katholisch-bulgarischen Bischof weihen wollte, und der junge Diakon hatte das Glück, dieser Weihe in der sixtinischen Kapelle beizuwohnen.
Der Anblick Roms und des päpstlichen Hofes machte auf ihn einen unauslöschlichen und entscheidenden Eindruck; von dieser Zeit an war er mit ganzer Seele dem katholischen Glauben ergeben. ‚Wenn ich Rom nicht gesehen hätte,‘ sagte er manchmal, ‚würde ich es nach dem Verschwinden des Msgr. Sokolski wie die anderen gemacht haben; auch ich hätte die Union verlassen.‘
Er bewahrte für diesen unglücklichen Prälaten, der, wie man weiß, plötzlich verschwand und, wie es scheint, noch immer als Gefangener in einem russischen Kloster zu Kiew zurückgehalten wird, eine zärtliche und innige Liebe, und nie wollte er zugeben, dass derselbe der Union entsagt habe 
(d.h. wohl nach damaligem Sprachgebrauch soviel wie "er hielt es nicht für möglich" oder ähnliches; wie dem Wikipedia-Artikel über Josif Sokolski und den "katholischen Missionen" zu entnehmen ist, ist er unter mysteriösen Umständen verschwunden, wohl von Russen entführt worden, aber nie zum Schisma zurückgekehrt. Ein Bild folgt unter diesem Artikel).

Als nach dem noch immer unerklärten Verschwinden ihres ersten Bischofes die meisten Bulgaren zum Schisma zurückkehrten, blieb er fast allein zurück. Von dem damaligen apostolischen Delegaten, Msgr. Brunoni, zum Priester geweiht, wurde er nach Adrianopel (Edirne) geschickt, und man darf wohl sagen, dass es ohne seine Dazwischenkunft schon längst keine unierten Bulgaren in Adrianopel und der Umgegend geben würde.
Im Jahre 1865 wurde er vom heiligen Stuhle zum apostolischen Administrator der unierten Bulgaren ernannt und am 17. November des nämlichen Jahres zum Bischof geweiht. Als solcher durchwanderte er 1866 Thrakien und Makedonien, um seine zerstreute Herde kennen zu lernen.
Beim vatikanischen Konzil war er einer der ersten, welche die Petition und die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit unterzeichneten, und alle Versuche, ihn zur Inopportunitätspartei hinüberzuziehen, waren vergeblich.
Nach seiner Rückkehr hatte er die Freude, einen bulgarischen Bischof, Msgr. Nilos, in die wahre Kirche aufzunehmen und eine neue Bewegung zur Union entstehen zu sehen. Den vorigen Winter brachte er in Makedonien zu, um die neubekehrten bulgarischen Dörfer zu besuchen, und eine seiner letzten Handlungen war die Approbation der Regeln der neuentstandenen uniert-bulgarischen Klöster vom hl. Theodorus Studita, von Suadschak und von Mostarlty. 

Sein Begräbnis fand am Mittwoch, den 8. März, statt; eine ungeheure Menschenmenge hatte sich eingefunden, die Konsuln von Belgien, Italien, Österreich und Spanien beteiligten sich an der Feier, welche Msgr. Nilos Isworoff abhielt. Seine Leiche wurde beigesetzt vor dem Altare, an welchem er noch am Morgen seines Todestages die heiligen Geheimnisse gefeiert hatte. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Die Union der Orthodoxen, besonders der Bulgaren, mit der katholischen Kirche liegt mir sehr am Herzen, weil mein Großvater auch aus Bulgarien kam.
Nachfolgend ein Video der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der bulgarisch-katholischen Kirche im byzantinischen Ritus.
Von den etwa 50.000 Katholiken Bulgariens gehören die meisten dem römischen Ritus an, nur 10.000 sind Mitglieder der bulgarisch-katholischen Kirche, die im byzantinischen Ritus zelebriert. Die prachtvolle und erhebende Liturgie wird vor allem ab Minute 4:49 gezeigt.




Bischof Josif Sokolski

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Popenwahl bei den Schismatikern


„Es gibt nichts Traurigeres“, so schreibt ein Missionär aus Adrianopel (heutiges Edirne, Türkei, griechisch-bulgarisches Grenzgebiet), „als das Schauspiel, welches sich in den griechisch-schismatischen Provinzen darbietet, so oft es sich um die Wahl eines neuen Popen (Namen des Weltgeistlichen in der griechischen Kirche) handelt. Am Sonntag nach dem Ableben des Popen versammeln sich die angeseheneren Bürger auf dem Platz vor der Kirche. Dabei kommt es ungefähr zu folgendem Gespräch:

„Wir haben keinen Popen mehr; wir müssen einen neuen wählen.“
„Du“, sagt der eine zu seinem ehrenwerten Nachbarn, „du hast eine gute Stimme und könntest ganz gut singen. Willst du nicht unser Pope sein?“
„Singen könnte ich schon, wenn’s weiter nichts ist. Aber lesen kann ich nicht. Zudem bin ich Schuster und nimmt mir das Handwerk viel Zeit weg. Nehmt euch einen anderen.“
„Aber du, Dimitri, du musst es annehmen, du kannst lesen und sogar ein bisschen schreiben.“
„Das geht nicht,“ sagt Dimitri, „ich bin ein Schmied und habe eine ganze Schar Kinder zu ernähren. Sucht euch einen anderen.“

 Nach langen Verhandlungen findet sich endlich ein gutmütiger Bauer, der die Wahl zum Popen annimmt. Sehr oft oder meistens ist es der frühere Küster.
Der Gewählte kann erträglich singen und lesen. Er hat zwar sein Brot durch harte Arbeit zu verdienen und Frau und Kind zu ernähren, aber warum sollte sich damit das neue Ämtchen nicht verbinden lassen? Die Sache ist also abgemacht.
Der zukünftige Pope wird zum „Despoten“ (schismatischen Bischof) gesandt, hält sich dort 10 bis 14 Tage auf, um seine „klerikale Bildung“ zu vollenden, und kehrt dann mit dem Zeichen seiner Würde, dem großen Mantel und der Kamilafka (Priestermütze) ausgerüstet, in sein Dorf zurück.

Die Gemeinde hat also wieder einen Popen, und die ehrsamen Bürger haben Ruhe, bis nächstens bei eintretendem Todesfall eine neue Wahl von Nöten wird. Indes — ist jeder Popenwechsel für das arme Dorf eine teure Geschichte, denn der „Despot“ weiht ihnen keinen neuen, wenn sie ihm nicht zuvor einen Bakschisch von wenigstens zehn türkischen Lire (etwas über 180 Mark) ausbezahlen. Welch traurige Zustände!

(aus: die katholischen Missionen, 1890)

Die Zustände sind nicht besser geworden. Laut The Australian haben 11 bulgarisch-„orthodoxe“ Bischöfe während der kommunistischen Herrschaft mit dem Geheimdienst kollaboriert. Die einzigen Mitglieder des schismatischen Episkopats in Bulgarien, die keine Spione für den bulgarischen Geheimdienst waren, waren der Patriarch Maxim und drei weitere Bischöfe.