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Sonntag, 25. Januar 2015

Was Pater Damian für die Aussätzigen auf Molokai geleistet hat



Louis Stephenson, ein protestantischer Schotte, zitiert in dem Artikel „Die Aussätzigenpflege der katholischen Missionen“:

„Alle späteren Reformen sind hervorgerufen durch die Evidenz seiner Erfolge, sie sind ein Zugeständnis, das selbst der Widerwille oder die Gleichgültigkeit seinem Heroismus zu machen sich gezwungen sah. Mehrere waren vor ihm auf dem Feld, so Herr Mayer (der langjährige Regierungsintendant auf Molokai), ein Protestant, von dessen Verdiensten wir zu wenig hören; andere sind seither da gewesen, mancher mag mehr irdische Klugheit gehabt haben [wohl mit Hinblick auf die Ansteckungsgefahr], aber keiner solche Hingabe, wie unser Heiliger. Ehe er ankam, war tatsächlich wenig geschehen. Es war sein Verdienst, durch einen unerhörten Akt des Martertums das Auge der ganzen Welt auf das unglückselige Eiland zu ziehen. Auf einen Schlag und mit dem Opfer seines Lebens machte er das Fleckchen Erde weltberühmt und bekannt. Und das war eigentlich die einzige notwendige Reform, die alle anderen gebar. Sie brachte Geldunterstützung (denn die Staatszuschüsse reichten für die große Zahl nicht hin, und ihre Vermehrung war sein Verdienst), sie brachte – und das war die allerbeste Hilfe – die Schwestern, sie brachte Aufsicht und Überwachung, denn mit Damian landete auf Kalawao die öffentliche Meinung und das öffentliche Interesse. Wenn je ein Mann Reformen brachte und starb, um dieselben zu bringen, so war es Damian.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Samstag, 22. November 2014

Lob einer protestantischen Zeitung für Pater Damian

Aus dem „Handels-Monitor“:

„Das traurige Los der Aussätzigen, diese so schwarze Seite in den Annalen Hawaiis, ist besonders berühmt und bekannt geworden durch die aufopfernde Entsagung eines jungen Priesters, des hochw. P. Damian, der sein Leben den Aussätzigen gewidmet hat; dieser Mann ist ein Ruhm und eine Ehre für Hawaii. Er zeigt wieder den heiligen Heldenmut der ersten Christen bei den blutigen Kampfspielen des Altertums, ja er tut noch mehr. Und in der Tat, wäre es nicht weit vorzuziehen, einem wilden Tier zur Nahrung vorgeworfen zu werden, als verurteilt zu sein, das Leben in der verpesteten Luft einer Aussätzigen-Anstalt zuzubringen? Und P. Damian, der tapfere Soldat Christi, hat nun schon viele Jahre unter den Verbannten von Molokai verlebt; er ist beständig unter diesen Kranken, die von der Gemeinschaft der übrigen Menschen gänzlich ausgeschlossen sind und denen ein Gesunder sich nicht zu nähern wagt. Er weiht sich ganz und gar ihrem Dienste, er verbindet ihre Wunden, er leitet sie an, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen und ein besseres Leben zu hoffen. Eine solche Liebe zu den Unglücklichen kann nur aus der Liebe zu Gott hervorgehen, und Gott allein kann eine solche Liebe würdig belohnen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1882)

Sonntag, 13. Juli 2014

Große Missionsbischöfe: „Vater Güte“ – Msgr. Gulstan Ropert SS.CC., Apostolischer Vikar von Hawai’i

Das Wappen von Msgr. Ropert in der Kathedrale von Honolulu (Quelle: Aloysius Patacsil)
Ein solcher war auch der Apostol. Vikar der Hawai’i-Inseln, Msgr. Gulstan Ropert aus der Picpuskongregation. (Dieser Satz bezieht sich auf den vorgehenden letzten Satz aus dem Nachruf auf Msgr. Clut.)

Seine Wiege stand in Kersago auf der Halbinsel Rhuys an der bretonischen Küste. Als Sohn eines auf dem Meere ergrauten Seemanns, der sein eigenes Schiff schon mehr als einmal um die Welt geführt, ward auch der junge Gulstan für die See bestimmt und bei einem Onkel, gleichfalls Schiffskapitän, in die Lehre gegeben. In kurzer Zeit hatte es der geweckte Bursche vom Schiffsjungen zum Schiemann gebracht. Auf einer Fahrt durch den verrufenen Meerbusen von Biskaya lief bei einem Sturm das Schiff Gefahr, an der spanischen Küste zu stranden. In der Not machte der fromme Bretone zur Landespatronin, der hl. Anna, das Gelöbnis, wenn er heil davon komme, in einen Orden zu treten. Das Schiff gelangte glücklich in einen französischen Hafen, und ohne Verzug suchte Ropert zunächst das Priesterseminar und dann bald darauf das Noviziat der Picpusgenossenschaft auf. 

Als neugeweihter Priester nach den Sandwichinseln (Hawai’i) entsandt, war er hier zuerst in Kohala der Genosse P. Damians. „Fünf Jahre lang lebte ich mit ihm zusammen, und teilten wir brüderlich Freud und Leid, bis er 1872 sich den Aussätzigen weihte. Als ich ihn später wieder sah, war er bereits mit dem Aussatz gezeichnet.“ Nach 24-jähriger unermüdlicher Missionstätigkeit wurde Ropert 1892 Provinzial der Mission und folgte noch im selben Jahr dem verstorbenen Bischof Koeckemann in der Leitung des Vikariats. 

Die hohe Verehrung und Freundschaft, welche die Königin Lilinokalani dem deutschen Vorgänger entgegengebracht, übertrug sich auch auf Ropert. Leider folgten schon bald die politischen Stürme, welche die Erbin des eingeborenen alten Königshauses vom Thron verdrängten und das Inselreich in eine Republik und bald darauf in eine Kolonie der Vereinigten Staaten verwandelte.

Bischof Ropert hielt sich von allen politischen Treibereien fern und verstand es, das Missionsschifflein durch die Klippen der veränderten und zum Teil recht schwierigen Verhältnisse sicher hindurch zu steuern. Das starke Zuströmen fremdländischer Elemente: Chinesen, Japaner, Puerto-Ricaner, Portugiesen, und das dadurch entstandene Sprachgemisch erschwerte die Seelsorge nicht wenig. Ropert, der selbst neben seiner Muttersprache das Englische, Portugiesische und die Eingeborenensprache beherrschte, ließ für die Portugiesen Priester ihrer Sprache kommen und bildete für die Ankömmlinge eigene Missionäre aus.

 Das Mischmasch von Religionen und Sekten, zumal in Honolulu, brachte die Gefahr religiöser Gleichgültigkeit und Verflachung auch für die dortigen Katholiken mit sich. Ropert berief aus Amerika einige Jesuiten, treffliche Kanzelredner und Missionäre, um durch eine große Volksmission das Gewissen der Katholiken zu schärfen, und namentlich vor dem Anschluss an die geheimen Gesellschaften zu warnen. Mit gleicher Entschiedenheit trat er dem Unfug der Leichenverbrennung und gewissen, dem katholischen Kirchengesetz widerstreitenden Zumutungen der Regierung entgegen. Besondere Liebe zeigte er den armen Aussätzigen von Molokai, die er sehr oft besuchte und deren hartes Geschick er in jeder Weise zu lindern suchte.

Leider traten schon seit Jahren die Anzeichen der schlimmen Krankheit (Magenkrebs) auf, die seinem Leben noch vor der Zeit ein Ende bereiten sollte und ihn am 4. Januar in seiner Bischofsstadt Honolulu hinwegraffte. Sein glänzendes Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer Kundgebung nationaler Trauer. Die Gerichtshöfe feierten (das heißt wohl, dass sie geschlossen hatten), die Magazine waren geschlossen. Die ganze Bevölkerung Honolulus ohne Unterschied des Bekenntnisses zeigte aufrichte Teilnahme über den Tod eines Mannes, dem die Eingeborenen den ehrenden Namen „Vater Güte“ (father goodness) beigelegt hatten. Das Geheimnis dieser allgemeinen Liebe und Verehrung deutete der französische Konsul Vizzavona in seiner Trauerrede am offenen Grabe, indem er an den Wahlspruch des Hingeschiedenen erinnerte: „Alles für die anderen, nichts für sich selbst“ – gewiss die schönste Grabschrift, die man einem Missionsbischof setzen kann.

(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Dienstag, 1. Oktober 2013

Tod des P. Conrardy, Mitstreiter P. Damians

Pater Conrardy mit Kindern auf Molokai

Am 24. August 1914 verschied der Priester Lambert Louis Conrardy, dessen Namen mit dem des P. Damian stets in Ehren genannt wird. Eine Zeitlang arbeitete der Verstorbene zusammen mit dem Apostel von Molokai; dann fasste er den Plan, sich der verlassenen Aussätzigen in China anzunehmen. 
Um ihn wirksamer ausführen zu können, erwarb er sich auf einer amerikanischen Hochschule einen Grad in Medizin und gründete hierauf die Aussätzigenkolonie zu Shek-Lung. Das Krankenheim entwickelte sich ausgezeichnet; als P. Conrardy starb, beherbergte es nicht weniger als 700 arme Chinesen.


P. Conrardy verschied fern von seinen geliebten Kranken in einem Spital zu Honkong. Als Nachfolger erhielt er P. G.M. Desmazières.

(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Mittwoch, 25. September 2013

Näheres über den Tod P. Damians (Teil 3)


Fortsetzung von hier

Montag, den 15. April, empfing ich ein Billet von P. Conrardy mit der Anzeige, der Augenblick des Todes sei eingetreten. Ich eilte zu ihm hinüber; aber unterwegs kam mir bereits ein Bote mit der Todesnachricht entgegen. Er ist ohne jeden eigentlichen Kampf ganz ruhig eingeschlummert und starb so eines sanften Todes, nachdem er beinahe 16 Jahre inmitten der Schrecken des Aussatzes gelebt hat. Als guter Hirt hat er sein Leben für seine Schafe dahingegeben. 

Als ich ankam, war er schon mit seiner Soutane bekleidet. Alle Spuren des Aussatzes waren aus seinem Antlitz verschwunden; auch die Wunden an den Händen waren ganz eingetrocknet. Gegen 11 Uhr trugen wir ihn in die Kirche, wo er bis 8 Uhr des folgenden Tages aufgebahrt blieb; die Aussätzigen umringten betend ihren verehrten Vater. Am Montag Nachmittag schmückten die guten Schwestern für ihn einen Sarg; im Inneren schlugen sie denselben mit weißer Seide aus und bedeckten ihn von außen mit schwarzem Tuch, auf welches ein weißes Kreuz aufgenäht war.

Am 16. April las ich für meinen lieben Mitbruder die heilige Messe; nachher setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Man zog, an der Spitze das Kreuz, an der neuen Kirche vorüber nach dem Gottesacker. Dem Kreuz folgten die Musiker, die Mitglieder eines Vereins, dann die Schwestern mit den Frauen und Töchtern, der Sarg, welcher von acht weißgekleideten Aussätzigen getragen wurde; hinter dem Sarg schritten der amtierende Priester und P. Conrardy mit den Altarknaben und endlich die Brüder mit den Knaben und Männern.

P. Damian hatte sein Leben auf Molokai in der größten Armut begonnen, so dass er die ersten Nächte unter einem Baum schlafen musste. Seinem Wunsch gemäß, hatte ich während seiner Krankheit unter demselben Baum, einer Pandane, das Grab bereiten lassen. Da ruht nun sein Leib und erwartet die glorreiche Auferstehung. Er ist dem Altar zugewendet. Eine starke Zementschicht schließt das Grab. Da liegen also die glorreichen Überreste des guten P. Damian, den die Welt mit Recht einen Helden der Liebe nennt.


(aus: die katholischen Missionen, 1889

Dienstag, 24. September 2013

Näheres über den Tod P. Damians (Teil 2)


Fortsetzung von hier

„Samstag, den 23. März, war P. Damian noch wie gewöhnlich voll Tätigkeit und ging geschäftig hin und her. Das war das letzte Mal, dass ich ihn so traf. Seit dem 28. März ordnete er seine Rechnungen und nachdem er dieselben unterzeichnet hatte, sagte er zu mir: ‚Wie glücklich bin ich, dass ich jetzt alles in die Hand des hochwürdigsten Bischofs übergeben habe. Jetzt sterbe ich ganz arm und habe nichts mehr.‘ 

Vom gleichen Tag an musste er das Bett hüten. Samstag, den 30. März, bereitete er sich auf den Tod vor. Es war wirklich eine Erbauung, ihn zu sehen; er strahlte von Glück. Nachdem ich seine Generalbeicht gehört hatte, legte auch ich ihm meine Beicht ab; dann erneuerten wir zusammen unsere Gelübde. Am folgenden Morgen empfing er die heilige Wegzehrung. Im Verlauf des Tages war er froh und heiter wie gewöhnlich. 

‚Sehen Sie meine Hände,‘ sagte er, ‚alle meine Wunden schließen sich und der Schorf wird schwarz; das ist ein Anzeichen des nahen Todes, wie Ihnen wohl bekannt ist. Sehen Sie auch meine Augen; ich habe so viele Aussätzigen sterben sehen, dass ich mich nicht täusche, indem ich die Auflösung für sehr nahe halte. Gerne hätte ich noch einmal unseren Bischof gesehen; aber der liebe Gott ruft mich, dass ich das Osterfest mit ihm begehe. Gott sei dafür gepriesen!‘ Er dachte nun an nichts anderes mehr, als sich auf den Tod vorzubereiten. Man konnte sich auch keiner Täuschung mehr hingeben und sah, dass die Auflösung herannahe.

Am 2. April empfing er von der Hand des hochw. P. Conrardy die heilige Ölung. ‚Wie gut ist doch Gott,‘ sagte er mir im Laufe des Tages, ‚der mich so lange am Leben erhielt, dass ich nun zwei Priester an meiner Seite habe, welche mir im letzten Kampfe beistehen werden. Und dann weiß ich jetzt die guten Barmherzigen Schwestern in der Leprosenanstalt; seit dem Tage durfte ich mein Nunc dimittis (Nun, Herr, entlässt Du Deinen Diener in Frieden) beten. Die Anstalt für die Aussätzigen ist jetzt fest begründet; so bin ich nicht mehr notwendig und in kurzer Zeit werde ich in den Himmel gehen.‘

‚Wenn Sie im Himmel sind, Pater,‘ sagte ich zu ihm, ‚so vergessen Sie derjenigen nicht, die Sie verwaist hienieden lassen.‘ ‚O nein,‘ entgegnete er, ‚wenn ich bei Gott etwas vermag, so werde ich für alle bitten, welche zum Leprosenhause gehören.‘ 
Ich bat ihn, wie Elias, um seinen Mantel und um sein weites Herz. ‚Was wollen Sie mit dem Mantel?‘ sagte er, ‚er steckt doch voller Aussatz.‘ Da bat ich ihn um seinen Segen und er gab ihn mir mit Tränen in den Augen; er segnete auch die mutigen Töchter des hl. Franziskus, für deren Ankunft er so viel gebetet hatte. 

Die folgenden Tage fühlte sich der gute Pater etwas besser, und wir hatten sogar einen Funken Hoffnung, dass er uns noch eine kurze Frist erhalten bleibe. 
Die guten Schwestern besuchten ihn häufig. Was ich an ihm am meisten bewunderte, war seine unerschöpfliche Geduld. Er, mit seinem glühenden, lebhaften, starken Wesen, sah sich auf das armselige Krankenbett festgenagelt, ohne dass er außerordentliche Schmerzen empfunden hätte. 

Er lag auf einem armseligen Strohsack auf dem Boden, wie der ärmste und unbedeutendste seiner Aussätzigen, und es kostete uns viel Mühe, ihn zur Annahme eines Bettes zu bereden. Und welch eine Armut! Er, durch dessen Hand so große Summen zur Linderung der Aussätzigen geflossen sind, hatte für sich selbst so wenig gesorgt, dass er nicht einmal die notwendige Leibwäsche oder Betttücher zum Wechseln besaß!

Seine Liebe zur Ordensgemeinschaft, welcher er angehörte, war erstaunlich. Wie oft sagte er zu mir: ‚Pater, Sie repräsentieren mir hier unsere Kongregation, nicht wahr? Wir wollen also zusammen die von ihr vorgeschriebenen Gebete verrichten. Wie trostreich ist es, als ein Sohn der heiligen Herzen zu sterben!‘ 
Mehrere Male beauftragte er mich, an unseren hochw. Generalobern zu schreiben und ihm mitzuteilen, sein süßester Trost in diesen Augenblicken sei das Bewusstsein, dass er als Mitglied der Kongregation der heiligen Herzen sterbe.

Fortsetzung folgt...


(aus: die katholischen Missionen, 1889)

Näheres über den Tod P. Damians (Teil 1)



Wie unseren Lesern aus den Tagesblättern bekannt sein wird, ist am 15. April zu Kalawao auf der Insel Molokai der Apostel der Aussätzigen, P. Damian Deveuster, in seinem 49. Lebensjahr als Opfer seiner Liebe am Aussatze gestorben, von dem er im Dienste seiner Kranken angesteckt wurde. P. Damian und sein Opferleben ist den Lesern dieser Blätter aus wiederholten und eingehenden Schilderungen ein lieber und hochverehrter Bekannter. Noch vor zwei Jahren veröffentlichten wir ausführliche Schilderungen der von ihm gegründeten Gemeinden der Aussätzigen auf Molokai, und wiederholt haben wir seither Briefevon ihm und über ihn mitgeteilt. Wir brauchen deshalb sein schönes und heiligmäßiges Leben auf Molokai nicht noch einmal zu erzählen.

Geboren wurde Joseph Deveuster am 3. Januar 1840 zu Tremeloo, einem kleinen Dörfchen zwischen Löwen und Mecheln in Belgien. Seine echt christlichen Eltern leiteten ihn von der frühesten Kindheit zur Übung der Frömmigkeit und Tugend an. Die erste Schulbildung empfing er zu Werchter und besuchte dann die Gewerbeschule von Braine-le-Comte. 

Infolge von Missionspredigten, welche er an diesem Ort hörte, entschloss sich der fromme Jüngling, dem Beispiel seines älteren Bruders zu folgen und sich in der Kongregation der Heiligen Herzen dem apostolischen Berufe zu widmen. 
So trat er am 2. Februar 1859 zu Löwen in das Noviziat dieser Gesellschaft und legte den 8. Oktober 1861 unter dem Namen Fr. Damian seine Gelübde ab. Noch vor Schluss seiner Studien wurde er an Stelle seines kranken Bruders nach den fernen Sandwichinseln im Stillen Ozean geschickt und schiffte sich zu Bremen am 29. Oktober 1863 dorthin ein. 

Am 19. März 1864 erreichte er Honolulu und empfing daselbst am 21. Mai des gleichen Jahres von der Hand Msgr. Maigrets die heilige Priesterweihe. An verschiedenen Stationen, zu Puna, Kohala und Kamakua, wirkte er als Missionär, bis ihn der liebe Gott auf sein eigentliches Arbeitsfeld berief. 

In Begleitung Msgr. Maigrets besuchte er nämlich am 16. Mai 1873 die Niederlassung der Aussätzigen auf Molokai. Der unsäglich traurige Zustand und die gänzliche Verlassenheit dieser Unglücklichen rührte sein von übernatürlicher Liebe erfülltes Herz so, dass er den heroischen Entschluss fasste, sein Leben für diese von unheilbarer, ansteckender, ekelhafter Krankheit erfassten Menschen hinzuopfern. 

Seine wiederholte und dringende Bitte wurde von den Obern gewährt, und so betrat P. Damian Anfang Juni 1873 in der Blüte und Vollkraft seines Lebens, 33 Jahre alt, Molokai, das vielmehr die Schrecken des Grabes als einen Aufenthalt für Lebende darbot. Nie hat er seither seine Wahl bereut, nie ist er von dem Opfer zurückgetreten; er lebte in der Mitte der Aussätzigen, als ob er vom ersten Tage an mit der Krankheit behaftet gewesen wäre. Er baute ihnen Kapellen, Schulen, Wohnungen; er wusch und verband ihre Wunden, linderte ihre Schmerzen, tröstete sie im Leben und im Tod, grub ihre Gräber und beerdigte sie.

Vor sechs Jahren wurde er, wie von Anfang an klar vorausgesehen, selbst von dem Aussatz ergriffen und fuhr dennoch mit unverwüstlicher Heiterkeit und Geduld fort, seine kranken Brüder zu verpflegen, bis ihn endlich der Herr zum ewigen Lohn berief. Über die letzten Augenblicke des seligen P. Deveuster berichtet der folgende Brief vom 17. April 1889, welchen wir seinem Gefährten, P. Wendelin Möllers, verdanken:

Fortsetzung hier


(aus: die katholischen Missionen, 1889)

Mittwoch, 19. Juni 2013

Was ein Apfel mit der Bekehrung eines kalvinistischen Aussätzigen auf Molokai zu tun hat



Wir erhalten durch gütige Vermittlung der Anverwandten den Brief eines wackeren Missionärs aus der Picpus-Gesellschaft, des P. Matthias Limburg, welcher augenblicklich in der durch P. Damian so berühmt gewordenen Mission auf der Aussätzigen-Insel weilt.

„Molokai, Kalaupapa, den 22. Mai 1890. Wie Ihr seht, schreibe ich Euch dieses Mal vom weltberühmten Molokai aus, wo ich jetzt zum dritten Mal bin. Das erste Mal – es war im Dezember 1888 – kam ich hierher mit den ersten Franziskanerinnen und blieb damals ungefähr neun Tage. 
Das zweite Mal – im vergangenen Januar – kam ich, um den Schwestern die geistlichen Übungen zu geben. Dieses Mal werde ich von meinen Oberen geschickt, um den P. Wendelin Moellers (den Nachfolger P. Damians) für eine Zeitlang zu ersetzen, da derselbe erkrankt war und der Doktor ihm eine Erholung und Klimawechsel vorgeschrieben hatte. 

Ich bin hier seit dem 29. April. Unser hochw. Bischof, Msgr. Hermann Köckemann, kam am 6. Mai gleichfalls hierher und spendete die heilige Firmung hier in Kalaupapa am 7. Und in Kalawao, welches 1 ½ Stunden Wegs von hier entfernt ist, am 8. Mai. In jedem der beiden Dörfer waren ungefähr 100 Firmlinge, also etwa 200 im Ganzen. 
Aussätzige sind in beiden zusammen über 1100; die meisten davon in Kalaupapa. Am 8. Mai ging der hochw. Herr Bischof in Begleitung des P. Wendelin nach Honolulu zurück. P. Wendelin hat mir seitdem schon zweimal geschrieben. Er hat bereits Heimweh und wünscht, sobald als möglich zu seinen geistlichen Kindern zurückzukommen, d.h. schon Montag nach Pfingsten, nächste Woche. 

Als ich das dem hiesigen Doktor (Dr. Swift) sagte, schüttelte er den Kopf und sagte, P. Wendelin täte Unrecht und würde es später bereuen. Der Doktor hatte gewünscht, dass P. Wendelin eine sechsmonatliche Reise nach Amerika mache, um sich vollständig zu erholen. Nun, man kann auch nicht immer tun, was die Doktoren sagen.

Was mich angeht, so wird die Zeit mir gar nicht lang. Ich bin gesund und munter, Arbeit gibt’s genug, und der Trost fehlt auch nicht.
Am selben Tag, an welchem unser hochw. Bischof von hier fortging, gab ich den Kindern, die im Hof spielten, einige Äpfel. Kaum waren die Kinder fröhlich fortgegangen, da kam eine Frau und bat mich gleichfalls um einen Apfel für einen Kranken. Ich erkundigte mich, wer denn der Kranke sei. 

Als ich hinkam, fand ich, dass der Kranke am Sterben lag. Er bat mich, ihm zu helfen, da er große Schmerzen leide. Ich sagte ihm, für den Körper sei der Doktor da, ich wolle ihm aber beistehen, seine Seele zu retten. 
Sodann sprach ich zu ihm über den Wert der Seele, von Himmel, Hölle, von der Vergänglichkeit dieses Lebens usw. Ich war nämlich der Überzeugung, der Mann sei Kalvinist. 
Ich fragte ihn sodann, ob er getauft worden. Er sagte: ‚Ja.‘ ‚Wer hat dich getauft?‘ ‚Joakimo.‘ ‚Dann bist du ja katholisch.‘ (Joakimo [P. Joachim] war einer der ersten Missionäre hier, nun aber schon längst tot.) ‚Ja‘, sagte er, ‚ich wurde getauft, als ich noch ein kleiner Knabe war, habe aber später die Kirche verlassen und bin zu den Kalvinisten gegangen.‘ ‚Nun, dann musst du jetzt diese Sünde bereuen und Gott um Verzeihung bitten.‘
 Ich hörte sodann seine Beicht und ging sofort nach Haus, um die heiligen Öle zu holen. Es war gegen 5 Uhr abends, und ich fürchtete, er werde nicht lange mehr leben. Ich kehrte zurück und gab ihm die letzte Ölung.

Als ich am folgenden Morgen die Betglocke läutete, hörte ich, dass auch die Kalvinisten läuteten. Ich wusste anfangs nicht, was das zu bedeuten habe, vernahm aber später, dass es die Sterbeglocke sei. ‚So‘, dachte ich, ‚der arme Mann ist wohl gestorben.‘ 
Ich war noch am Läuten, da kam ein Mann in großer Eile zu mir und bat mich, für Kainuwai (Name des Kranken) das Scheidezeichen zu geben. Ich sagte ihm, dies ginge nicht so ohne weiteres, da man ja schon bei den Kalvinisten läute. ‚Das ist ein Irrtum‘, erklärte er. ‚Nun dann geh und sag ihnen, sie sollten aufhören zu läuten, dann will ich anfangen.‘ 
Der Mann lief fort, und bald hörten die Kalvinisten auf, und ich fing an. Unsere ganze Gemeinde war erstaunt, als sie hörte, dass Kainuwai gestorben, aber erst recht erstaunt, dass er als Katholik gestorben sei. Kaum einer hatte nämlich von seiner Krankheit gewusst und kein einziger, dass er je katholisch getauft worden war.

Ihr seht, lieber Vater ein Apfel führte mich ans Sterbelager dieses armen verlorenen Sünders. Die Kinder waren nämlich (nach Empfang der Äpfel) in das Haus der Kranken gegangen. Als dieser die Äpfel in den Händen der Kinder sah, spürte er auch Lust, einen Apfel zu essen. So schickte er denn eine Frau, seine Verwandte, mich um einen Apfel zu bitten. Den Apfel konnte er zwar nicht mehr essen, der Tod ließ ihm keine Zeit, aber anstatt des Apfels bekam er etwas Besseres.“


(aus: die katholischen Missionen, 1890)

Donnerstag, 4. April 2013

Der Anfang des Aussatzes bei Pater Damian


Pater Damian vor seiner Ankunft in Molokai, 1873

Unsere Nachricht über die Erkrankung des Apostels der Aussätzigen von Molokai, welche wir in der letzten Nummer brachten, bestätigt sich leider. Zugleich mit dem Porträt des hochw. P. Damian Deveuster (Bild oben ähnelt dem Stich in der Zeitschrift) können wir die folgenden Zeilen mitteilen, welche uns ein Mitbruder des kranken Missionärs zusendet:

Schon im vorigen Jahr schrieb P. Damian an seinen Bruder Folgendes: ‚Um die Unglücklichen zu besuchen, muss ich mich eines Wagens bedienen, denn meine Füße sind angeschwollen.‘ Schrecklich ist diese Krankheit, da den davon Ergriffenen das Fleisch in Stücke fällt, und bisheran die berühmtesten und geschicktesten Ärzte sich vergebens abgemüht haben, ein Mittel auszufinden, welches ihrem mörderischen Verheerungswerk einen Damm entgegensetzen könnte.

Aus einem Brief des P. Damian an den hochw. Herrn Hermann Koeckemann, Apostolischen Vikar der Sandwichinseln, ebenfalls aus der Kongregation der heiligsten Herzen, entnehmen wir, dass ihm keine Hoffnung auf Wiedergenesung übrig bleibt; bereits fallen die Augenbrauen aus, und die Nase und die Ohren fangen an, in Verwesung überzugehen.
Dabei ist der Pater zufrieden und legt Beweise seiner Nächstenliebe und Aufopferung ab, die selbst jene halbwilden Eingeborenen mit Verwunderung erfüllt und selbstverständlich einen großen Einfluss zu Gunsten der katholischen Religion ausübt. 

Die protestantischen Missionäre, die auch auf jenen Inseln sind, fühlen das sehr wohl. Mit der Pflege und Bekehrung der Aussätzigen wollen sie sich nicht befassen, wie übrigens auch wohl kaum anders erwartet werden kann, da die meisten verheiratet sind, und die Sorge für Weib und Kind sie einer so gefährlichen Beschäftigung sich nicht unterziehen lässt.
Umso erbauender ist das Beispiel des P. Damian, der mit der Aussicht auf schreckliche Leiden und einen qualvollen Tod, ohne alle Hoffnung auf irdischen Gewinn und Lohn, dennoch, wie er schreibt, unter dem Beistande der Gnade Gottes auf seinem Posten ausharren und auch im Tode seine teuren Aussätzigen nicht verlassen will.


Möge der liebe Gott diesem Martyrer der Nächstenliebe Geduld und Trost in seiner schrecklichen Krankheit zu Teil werden lassen, und ihm die Gnade verleihen, die christliche Aufopferung, die er bisher so herrlich ausgeübt, bis zum letzten Atemzuge durch Wort und Tat zu bezeugen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1886)

Sonntag, 30. Dezember 2012

Große Missionsbischöfe: ein deutscher Bischof auf Hawaii – Msgr. Hermann Koeckemann SS.CC., Apostolischer Vikar von Hawai'i

Msgr. Hermann Koeckemann SS.CC., Apostolischer Vikar von Hawaii 

Am 22. Februar schloss sich in der Kathedrale von Honolulu, der Hauptstadt der Sandwichinseln (Hawaii), die Gruft über der entseelten Hülle des wackeren Apostolischen Vikars Msgr. Hermann Koeckemann aus der Picpus-Kongregation.
Er war wohl der erste deutsche Bischof, der jemals in Ozeanien den Hirtenstab geführt hat. Msgr. Hermann, wie er gewöhnlich genannt wurde, stammte aus dem Land der roten Erde. In Ostbevern stand seine Wiege.
23 Jahre alt, meldete sich der kräftige westfälische Jüngling in Löwen (Belgien) zur Aufnahme in die Genossenschaft der heiligsten Herzen, die von ihrem Mutterhaus in der Rue de Picpus (Paris) gewöhnlich nach diesem Namen benannt wird.
Ein jüngerer Bruder Hermanns trat später in die Gesellschaft Jesu ein und starb 1871 in der Blüte seiner Jahre an den schwarzen Pocken, die er im Lazarettdienst während des deutsch-französischen Krieges sich geholt. 


Bereits im Jahre 1854 landete Hermann auf dem fernen Inselreich Hawaii, das durch seine ältere Missionsgeschichte und neuerdings durch das heldenmütige Opferleben P. Damians so bekannt geworden ist. 25 Jahre lang wirkte er dort unermüdlich an der Seite des vortrefflichen Apostolischen Vikars Msgr. Maigret.
Als dieser bei zunehmender Altersschwäche nach einem Koadjutor sich umsah, konnte die Wahl auf keinen anderen fallen als auf den Mann, der bisher seine rechte Hand gewesen war.
So wurde denn Hermann am 21. August 1881 in San Francisco zum Titularbischof von Olba geweiht.
Kurz nach seiner Weihe erhellte er durch seinen Besuch das traurige Heim der armen Aussätzigen von Molokai und überreichte bei dieser Gelegenheit dem P. Damian das Kreuz der Kommandanten des Ritterorderns von Kalakaua, welches die Regentin Lilinokalani dem Apostel der Aussätzigen „als Zeichen aufrichtigster Bewunderung“ verliehen hatte.
Ein vorzügliches Verdienst erwarb sich der neue Bischof um die Hebung und Vermehrung der katholischen Schulen. Um den Wettkampf mit den protestantischen wirksamer aufzunehmen, berief der Bischof die christlichen Schulbrüder. Der Erfolg hat seinen Hoffnungen glänzend entsprochen.
„Unser Kolleg vom hl. Aloysius zu Honolulu“, so schrieb der hochw. Provikar P. Fouesnel 1888, „welches von Marianiten  geleitet wird, zählt nach seinem fünfjährigen Bestand über 400 Schüler, und die jährlichen Prüfungen beweisen, dass sie, wie selbst unsere Gegner eingestehen, die Zöglinge der anderen Anstalten übertreffen.“
Ähnliche Erfolge erzielten die zur selben Zeit gegründeten und von denselben Brüdern geleiteten Kollegien zu Wailuku auf der Insel Maui und zu Hilo auf Hawaii.
Bischof Hermann war es auch, auf dessen Ruf 1883 die opfermutigen Töchter des hl. Franziskus zum Dienste der Kranken und besonders der Aussätzigen nach Hawaii kamen, ein Ereignis, das P. Damian und seine armen Pfleglinge mit lautem Jubel begrüßten.
Als nach dem Tode des unvergesslichen Aussätzigen-Apostels gewissenlose Verleumdungen das Andenken des Verstorbenen zu schwächen suchten, trat Msgr. Koeckemann mit Entschiedenheit für die Ehrenrettung des hingeschiedenen Mitbruders in die Schranken.
Welche großer Beliebtheit sich der deutsche Bischof bei der ganzen Bevölkerung des Inselreichs erfreute, zeigte sich in erhebender Weise nach seinem Tode, der ihn nach bloß dreitägigem Leiden am 22. Februar dahinraffte. Die Leichenfeier in der Kathedrale von Honolulu war großartig.
Nicht bloß Katholiken, sondern auch Protestanten und die höchsten Würdenträger hatten sich herzugedrängt. Selbst der Bischof der Episkopalkirche gab dem verstorbenen katholischen Oberhirten das letzte Geleit.

(aus: die katholischen Missionen, 1893)

Sonntag, 11. November 2012

Lob eines Protestanten für die heilige Marianne Cope und ihre Mitschwestern

St. Marianne Cope
Das folgende ehrenvolle Zeugnis eines Protestanten über das Wirken der katholischen Ordensschwestern unter den Aussätzigen von Molokai dürfte auch unsere Leser wohl interessieren.

„Ich kann nicht genug hervorheben,“ so schreibt ein Korrespondent des „New York Herald“ aus Honolulu, „wie großes Lob und Anerkennung die sechs katholischen Ordensschwestern (Franziskanerinnen) verdienen, welche hier unter den Aussätzigen arbeiten. Sie kamen 1883 aus ihrem Kloster in Syracuse (Staat New York) hierher, um zunächst mehrere Jahre auf einer der Zwischenstationen außerhalb Honolulu ihr aufopferndes Werk zu beginnen. (Zwischenstationen sind Anstalten, in welchen die von der schrecklichen Krankheit Befallenen oder die Verdächtigen sich in Untersuchung befinden, ehe sie endgültig in die eigentliche Aussätzigenkolonie verbracht werden).
Als dann die Station aufgegeben wurde, schickte man die Schwestern nach Kalaupapa. Sie waren hier bereits zwei Jahre, als ich sie besuchte. Es ist eine wahre Freude, sie an der Arbeit zu sehen. Die ehrwürdige Mutter, Schwester Marianna, ist eine Frau von großer Tatkraft und ungewöhnlicher Organisationsgabe. Ich fand sie, wie sie gerade persönlich den Bau einer neuen Knabenschule in Kalavar überwachte.
Diese fleißige und mutige Ordensfrau steht täglich um 3 Uhr in der Früh auf, verrichtet ihre Morgenandacht, macht die notwendigen häuslichen Geschäfte ab und reitet dann nach dem 2 Meilen entfernten Kalavar auf einem so steinigen und unebenen Pfade, dass es manchem anderen den letzten Rest von Geduld aus dem Leibe rütteln würde.
Dort ist sie den ganzen Tag ohne Ruhe und Rast beschäftigt, oft unter den heißen Strahlen der Mittagssonne.
Gegen Abend kehrt sie nach Haus zurück, macht ihre Abendandacht und legt sich dann um 10 Uhr abends, müde, aber mit dem frohen Bewusstsein zur Ruhe nieder, sich wieder einen Tag lang als gute Mutter für ihre zahlreiche Familie und ihre armen Kinder geplagt zu haben.
Ihre Mitschwestern sind nicht weniger eifrig und opferwillig. Gewöhnlich begleitet die eine oder andere die Oberin auf ihrem täglichen Gang nach Kalavar. Die übrigen haben Arbeit genug in Kalaupapa. Diese Frauen sind wahre Märtyrer im vollsten Sinne des Wortes; milde, sanfte und doch so starke, für ein edles Ziel begeisterte Seelen. Ihr zufrieden lächelndes Antlitz lässt wie ein heller Spiegel die Reinheit ihres Strebens erkennen, das weder Lohn noch eitle Ehre als Antrieb bedarf.“


(aus: die katholischen Missionen, 1890)

Sonntag, 21. Oktober 2012

Ihr Heiligen aus der Mission, bittet für uns!

Heute hat unser heiliger Vater Papst Benedikt XVI. vier Heilige "aus der Mission" kanonisiert, eine deutschstämmige Franziskanerin, Marianne Cope, die dem heiligen Pater Damian Deveuster bei der Betreuung der Leprakranken auf Molokai half, und Kateri Tekakwitha, "die Lilie der Mohawks", eine bekehrte Indianerin aus dem heutigen US-Bundesstaat New York. Auch sind zwei Märtyrer dabei: der zweite einheimische Filipino, der zu Ehren der Altäre erhoben wurde, Pedro Calungsod, der auf Guam für den Glauben starb, sowie Pater Jacques Berthieu S.J., Missionar in Madagaskar.
Mögen diese Heiligen für uns bei Gott bitten, besonders um heilige Missionare!



St. Marianne Cope, bitte für uns!




St. Kateri Tekakwitha, bitte für uns!
St. Pedro Calungsod, bitte für uns! (Quelle: L Manila Cathedral)
St. Jacques Berthieu, bitte für uns!


Dienstag, 2. Oktober 2012

Bilder: drei heilige Missionäre


Der Triumph des heiligen Peter Chanel

Martertod des heiligen Johann Gabriel Perboyre
Statue zu Ehren des heiligen Damian Deveuster in Löwen (Belgien)
(Quelle: die katholischen Missionen, Herder)

Mittwoch, 5. September 2012

Exerzitien für die Aussätzigen auf Molokai

St. Damian Deveuster

Bereits wiederholt war in diesen Blättern von der Aussätzigen-Niederlassung in Molokai die Rede. Folgende Mitteilungen, die wir in einem Brief des hochw. P. Archambaux von der Kongregation der heiligen Herzen (datiert aus Lahaina, Insel Maui, den 8. September 1876) entnehmen, berichten über deren gegenwärtigen Zustand.

„Auf der Rückreise von Honululu berührte P. Damian Deveuster Lahaina und beredete mich, ihn nach Molokai zu begleiten; es sollten daselbst Exerzitien gehalten werden. Am 25. August steigen wir den steilen Felsenpfad herab und gelangten so in die abgeschiedene Ebene, welche den Aussätzigen zum Aufenthalt angewiesen ist. Dieselbe enthält zwei Dörfer, Kalaupapa mit freundlichen weißen Häusern und der katholischen Kapelle, und Kalawao, wohin wir unsere Schritte lenkten.
Am Eingang des Dorfes gewahre ich einen geräumigen, ummauerten Plan, mit zahlreichen Gebäuden: das ist der Ort, wo die Kranken, bei denen der Aussatz am weitesten fortgeschritten ist, verpflegt werden. Aus allen Häusern kam uns eine Menge Männer, Frauen, Kinder entgegen, von denen die meisten schrecklich entstellt waren, mehrere sich nur mühsam herbeischleppten.
Sie wollten Nachrichten von Verwandten und Freunden erhalten. Ein junger Aussätziger hielt sich, indem er zu mir trat, beide Hände vor das Gesicht. ‚Du brauchst dich nicht zu scheuen, mein Kind‘ sage ich zu ihm; er ließ die Hände sinken, und ich blickte in ein von der Seuche grässlich zerfressenes Antlitz. Inmitten dieser Ärmsten betraten wir die Kapelle.
An den folgenden Tagen, noch vor Eröffnung der Exerzitien, führte mich P. Damian in fast alle Häuser der beiden Dörfer. Wir stellten Fragen an die Kranken, redeten zu ihnen Worte der Ermutigung und hörten diejenigen, welche beichten wollten.
Obgleich ich wiederholt auf der Insel Maui Gelegenheit gehabt hatte, die Opfer des Aussatzes zu besuchen und zu beerdigen, fühlte ich mich doch ergriffen, als ich eine so große Anzahl dieser Unglücklichen um mich sah. Da findet man Personen von jedem Alter und jedem Stand aus allen Inseln des Archipels, denn von allen Seiten bringt man die Aussätzigen hierhin. Katholiken und Protestanten haben hier einen Friedhof, dessen zahlreiche Grabsteine eine stumme, aber eindringliche Predigt sind.


Nun begannen die Exerzitien, welche die Gewinnung des Jubiläumsablasses vorbereiten sollten und auf welche darum unsere Kranken sich nicht wenig gefreut hatten: waren sie ihnen doch ein Mittel, schöner und reiner zu erscheinen in den Augen Gottes. Die Vorträge wurden in Kalawao gehalten. Eine Woche lang strömten alle diejenigen, denen es ihr Zustand erlaubt, am Morgen und am Abend zur Kapelle. Hier wohnten sie dem heiligen Messopfer und den Vorträgen bei, legten ihre Beichte ab, beteten den Rosenkranz, verrichteten den Kreuzwege und andere Übungen der Andacht. Täglich ging einer von uns beiden Priestern nach Kalaupapa hinüber. Auch hier drängten sich alle zur Kapelle, und als P. Damian die Generalkommunion abhielt, wirkte ein Sängerchor von Aussätzigen mit staunenswerter Präzision zur Hebung dieser schönen Feier mit.


Und doch, auch hier bemüht sich der Teufel, seine böse Saat zu säen; er gab mehreren Unglücklichen, welche keine Christen waren, den Gedanken ein, gewisse heidnische, unsittliche Tänze zu veranstalten. Schon war der Altar errichtet, auf welchem dem Götzen, den die Heiden bei ihren Tänzen verehren, ein Opfer dargebracht werden sollte; da hintertrieben P. Damian und der Gouverneur das Ärgernis.
Auch gibt es unter den Aussätzigen Kalvinisten und Mormonen, aber nie hat einer ihrer Prediger den Fuß auf diese Stätte des Elends gesetzt. Unter dem beständigen Eindruck der Nähe des Todes, welchen auch fast wöchentlich der Klang des Sterbeglöckleins neu erweckt, und Dank den Bemühungen des Missionärs und einiger seeleneifriger Katholiken, sind auch viele derselben in den Schoß der wahren Kirche zurückgekehrt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Samstag, 11. August 2012

Aus dem Leben des heiligen Pater Damian Deveuster

P. Damian kurz vor seinem Tod im Jahr 1889, bereits stark vom Aussatz gezeichnet

Die Mission unter den Aussätzigen auf Molokai trägt noch immer ihre reichen Früchte und noch immer ist P. Damian indem opfer- und mühevollen Wirkungskreis, den sein Seeleneifer sich gewählt hat, mit dem größten Eifer tätig.
Seinem letzten Brief an seinen Bruder, den hochwürdigen P. Pamphil Deveuster, entnehmen wir dasjenige, was ein allgemeines Interesse erregen kann. Der Brief ist datiert vom 2. Dezember 1874.

„Im vorigen Jahr habe ich Dir, vielgeliebter Bruder, mitgeteilt, dass ich inmitten der Aussätzigen auf Molokai wohne; dieses Jahr kann ich hinzufügen, dass mich der liebe Gott in meinem Apostolat durch reiche Segnungen seiner Gnade getröstet und gekräftigt hat.
Obgleich im Lauf des Jahres über 200 aussätzige Katholiken meiner kleinen Gemeinde erlegen sind, hat sich doch die katholische Gemeinde um mehr als 100 Seelen vermehrt, indem ein großer Teil der noch heidnischen oder protestantischen Kranken sich bekehrt hat und auch noch manche katholische Aussätzige neu angekommen sind.
Ich habe für meine Gemeinde einen neuen Kirchhof anlegen müssen; auf demselben erhebt sich nun ein hohes Kreuz, in dessen Schatten die während ihres Lebens so hart Geprüften die glorreiche Auferstehung erwarten.


Vom frühen Morgen bis zum Abend von Aussätzigen umgeben, möchte ich mich verdoppeln, um ihre Not zu lindern. Die von mitleidigen Seelen mir zugesendeten Liebesgaben, für welche ich denselben meinen innigsten Dank ausspreche, haben mich in den Stand gesetzt, den Kranken mancherlei Erleichterungen zukommen zu lassen, deren sie sonst hätten entbehren müssen, da die von der Regierung für sie ausgeworfene Summe eben nur für den nötigen Lebensunterhalt hinreicht.
Jeder Kranke empfängt von der Regierung wöchentlich ein Stück Fleisch und eine hinreichende Anzahl Tarowurzeln, zu denen ich dann noch einige Arzneien oder Stärkungsmittel legen kann.

Gegenwärtig leiden meine Aussätzigen sehr an den Folgen eines Unfalls, den zu heben ich leider außer Stande bin. Ein heftiger Orkan hat über die Hälfte ihrer Hütten umgeworfen und von vielen anderen die Dächer fortgeweht, so dass die Kranken jetzt größtenteils ohne Obdach dem Wind und Wetter ausgesetzt sind. Zudem herrscht jetzt gerade Regenzeit, nichts aber wirkt verderblicher auf den Aussatz als Feuchtigkeit und Kälte; daher ist denn auch in der letzten Zeit die Sterblichkeit eine größere als gewöhnlich.

Im Lauf des Jahres bin ich während vier Monaten auf der anderen Seite der Insel gewesen und habe daselbst ein Kirchlein gebaut, welches 44 Fuß in der Länge und 22 in der Breite hat. Zehn gotische Fenster zieren die beiden Seiten, und ein Turm, 50 Fuß hoch, die Front.
Der ganze Bau kostete ungefähre 5000 Franken. Als ich diese Kapelle einsegnete, empfingen viele Insulaner die hl. Taufe.
Bei dieser Kirche wohnt jetzt P. Bürgermann, der mich während meiner Abwesenheit hier ersetzt hatte. Nächstes Jahr hoffe ich noch zwei andere Kapellen errichten zu können und dann wird hier jeder Distrikt sein Gotteshaus haben, wie dieses auf allen anderen Inseln des Archipels bereits der Fall ist.
Während meines zehnjährigen Aufenthalts auf den Sandwich-Inseln habe ich durchschnittlich noch jedes Jahr eine Kirche oder Kapelle erbaut. Hierbei kommt mir wohl zu Statten, dass ich mich in meiner Jugend an die verschiedenartigste Tätigkeit gewöhnt habe. 


Inmitten meiner Kranken habe ich indessen keine freie Zeit, mich mit anderen als geistigen Arbeiten zu beschäftigen.
Ich wohne allein in einer eigenen Hütte. Nachdem ich die heilige Messe gelesen habe, bereitet mir eine Frau mein Mittagessen, dessen Überreste als Abendessen dienen.
Während des ganzen Tages bin ich in den Hütten der Kranken, tröstend und ermahnend. Nur am Abend habe ich einige freie Zeit; ich bete dann mein Brevier, studiere ein wenig und arbeite meine Predigten aus.
Dieses ist meine gewöhnliche Tagesordnung, die mir keine Zeit zur Langeweile lässt.


Zum Schluss eine kleine Episode:

Diesen Abend um acht werde ich zu einer kranken Frau gerufen. Die Nacht ist rabenschwarz, die Wege sind überaus schmutzig, und der Regen ergießt sich in Strömen vom Himmel. Ich sattle mein Pferd und trete die Reise an.
An dem Hause der Sterbenden angekommen, binde ich mein Pferd an einem Baumstamm fest und trete ein. In dem Zimmer waren achtzehn aussätzige Frauen, welche die Sterbende umgaben und laut beteten.
Ich höre die Beichte der todkranken Frau und spende ihr die letzten Sakramente. Als ich vor das Haus kam und mich nach meinem Gaul umsah, hatte dieser sich losgerissen und war mit meinem Mantel auf dem Sattel davongelaufen, und so trat ich den Rückweg im Regen und auf schlechten Wegen zu Fuß an.
Soeben bin ich ganz durchnässt in meiner Wohnung angelangt, überglücklich in dem Gedanken, eine durch Christi Blut erkaufte Seele gerettet zu wissen.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Freitag, 6. Juli 2012

Wie lebten die Aussätzigen auf Molokai?

Pater Damian mit dem Mädchenchor von Kalawao
Letztes Jahr ging, wie früher gemeldet, der Bruder des P. Damian Deveuster, P. Pamphile, bisher Professor der Theologie in Löwen, mit drei Laienbrüdern und P. Dominicus Lappé, sämtlich aus der Genossenschaft der heiligsten Herzen (Picpus), nach der Aussätzigen-Insel Molokai.
Die Kolonie der Unglücklichen liegt auf einer Halbinsel im Norden des Eilandes. „Dieser weltverlorene Winkel“, so schreibt P. Lappé, „bildet ein großes Dreieck von etwa 2023 ha Bodenfläche, wird auf den zwei offenen Seiten vom Meer bespült und ist von der übrigen Insel durch eine an 4000 Fuß hohe Bergkette abgesperrt. 

Zwar wurde an die schroff abfallenden Flanken dieser Gebirgsmauer eine Straße angelegt zur Verbindung mit der Außenwelt, allein den Aussätzigen ist der Weg verboten, und übrigens wäre auch kaum einer im Stande, die Höhe zu gewinnen. Die Kolonie besteht aus zwei Dörfern, Kalaupapa im Westen und Kalawao im Osten der Halbinsel. 

In Kalaupapa findet sich unter Leitung französischer Schwestern vom Dritten Orden des hl. Franziskus das Bishop Home, das Spital für die aussätzigen Frauen und Kinder. Außerdem wohnen hier eine große Anzahl Aussätziger aller Arten.
Unter ihnen hat P. Wendelin, der Nachfolger P. Damians, sein Zelt aufgeschlagen.
Kalawao liegt in gerader Linie gegenüber und ist durch eine zwei Stunde lange, gute Straße verbunden.
Dort liegt die von P. Damian selbst errichtete Kirche, in welcher seine ehrwürdigen Überreste ruhen. Davor findet sich das Baldwin Home, das Spital für aussätzige Knaben und Männer mit 125 Insassen.“

Zwei Patres und vier Brüder leiten das Ganze, die Brüder besorgen die Pflege, Kleidung, Nahrung, Wäsche usw., die Patres Erziehung und Seelsorge und die Überwachung bei Tag und Nacht; denn auch in der Nacht wird die Runde gemacht. Eine Schule wird englisch, die andere kanakisch gehalten. In beiden sind die Lehrer selbst Aussätzige. Die Umgangssprache ist kanakisch, da nur die wenigsten Englisch verstehen. 


Das Leben in den Kolonien ist aufs schönste geregelt und den Unglücklichen so angenehm als nur möglich gemacht. Da die Tröstungen der heiligen Religion hier ganz besonders nötig sind, so wird die Feier des Gottesdienstes so schön und erhebend wie nur möglich gestaltet.
Die Aussätzigen selbst helfen freudig mit, das Gotteshaus zu zieren, sammeln Blumen an den Bergeshalden und flechten und binden mit ihren oft zum Teil schon halb zerfressenen Händen die schönsten Sträuße, Kränze und Girlanden.
Neben den religiösen Feierlichkeiten wird den Armen auch sonst so viel wie möglich an Freuden und Erholungen gewährt.
So findet z.B. zu Weihnachten eine festliche Preisverteilung statt, und die aussätzigen Kinder freuen sich an ihren Spielsachen, Trompeten, Farbenkästen, Bilder, Drachen usw. nicht weniger als ihre glücklichen gesunden Brüder und Schwestern anderswo.
Viele Unterhaltung gewährt die Musik, für welche die Kanaken große Begabung zeigen.
Wenn man ihre meisterhaft aufgeführten Quartette hört, vier Stimmen mit Guitarre-,Violin- und Violoncellobegleitung, so hält man es für unmöglich, dass die Künstler unglückselige Aussätzige sind. Wie P. D. Lappé schreibt, hat er in den Anstalten Belgiens kaum je etwas Vollendeteres gehört.
Auf diese Wiese hat die christliche Liebe diese traurige Unglücksstätte umgewandelt in einen Ort des Friedens und des Segens.


P. Pamphile hat sich seinem neuen Wirkungsfeld mit ganzer Seele geweiht und sucht in den Fußstapfen seines heiligmäßigen Bruders zu wandeln.
Die Aussätzigen nennen ihn Damiano, zur Erinnerung an ihren Wohltäter, dessen Andenken unvergessen unter ihnen fortleben wird.


(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Donnerstag, 19. April 2012

Brief vom hl. Pater Damian Deveuster an seinen Bruder




Pater Damian auf der Totenbahre 



Hier ein einzigartiges Zeitdokument des großen Aussätzigenmissionars, dem hl. Pater Damian Deveuster SSCC. Es handelt sich um einen Brief, den er an seinen Bruder richtete, nachdem in Europa die Nachricht von seinem Tod kursierte.

Mein teurer Bruder! Da du durch einige Zeitungen Belgiens die Nachricht von meinem Tode erhalten hast, so setze ich voraus, dass dies die Ursache deines Schweigens ist, und du deshalb deinem verbannten Bruder nicht mehr schreibst. Aber leider, es hat Gott dem Allmächtigen noch nicht gefallen, mich aus dieser elenden Welt abzurufen, und bin ich noch, Gott weiß wie lange, in der mir von dem göttlichen Heiland anvertrauten gewöhnlichen Beschäftigung, die unglücklichen verbannten Aussätzigen auf Molokai zu ihrem geistlichen Wohle zu führen. 

Wie du schon seit langer Zeit weißt, bin ich selbst von der göttlichen Vorsehung als Opfer dieser schrecklichen Krankheit ausersehen. Ich hoffe, Gott ewig meine Dankbarkeit zu beweisen für diese Gnade. Wirklich scheint mir diese Krankheit den Weg zum himmlischen Vaterlande abzukürzen und zu heiligen. 
Ich habe die Krankheit empfangen in der Hoffnung, sie wie ein besonderes Kreuz, gleich Simon von Cyrene in die Fußstapfen des göttlichen Meisters selbst tretend, ihm nachzutragen. Ich bitte dich, mir durch dein frommes Gebet beizustehen, um die Gnade der Beharrlichkeit zu erlangen, bis ich glücklich auf dem Gipfel des Kalvarienberges angelangt bin.

Obgleich der Aussatz meinem Körper schon stark zugesetzt und mich selbst ein wenig entstellt hat, so bin ich doch noch stark und kräftig; der Schmerz an den Füßen ist auch verschwunden. Die Krankheit hat die Hände noch nicht erreicht, und so bin ich im Stande, täglich das heilige Messopfer darzubringen. 
Das ist nicht nur ein großer Trost für mich, sondern auch eine Wohltat, und zwar nicht nur zu meinem Wohl, sondern auch zu dem meiner zahlreichen leidenden Familie, die alle Sonntage meine beiden Kirchen anfüllt, in denen ich das heiligste Sakrament aufbewahre. 
Ich habe hier im Ganzen an 50 Waisenkinder, die mir während meiner freien Zeit ziemlich viel Arbeit machen. Der Tod hat die Zahl unserer Kranken bis auf 500 vermindert; aber die Regierung schickt uns wöchentlich ein Dutzend, und so wird die Zahl bald verdoppelt, wenn nicht verdreifacht sein. 
Also, wenn Gott der Allmächtige mir meine Kräfte erhält, so werde ich mehr und mehr Arbeit finden, um den armen Seelen meiner Aussätzigen die Gnade der Bekehrung zu erlangen: Ich bitte dich, deinen geistlichen Kindern das Gebet für die Bekehrung einer großen Zahl der unglücklichen Verstoßenen zu empfehlen, die mehr wegen des geistlichen als des leiblichen Aussatzes zu beklagen sind.

Ich tue mein Bestes, um das Feld, das unser göttlicher Heiland mir anvertraut hat, zu bepflanzen und zu begießen. Hie und da reiße ich ein wenig Unkraut aus. Aber um die wahre Frucht der Bekehrung zu erlangen, bedarf ich in besonderer Weise das Gebet frommer und meiner Kranken sich erbarmender Seelen. 
Da du also nicht persönlich herkommen kannst, so verwende dich in anderer Weise für meine Mission, indem du die Bekehrung so vieler Kranker erflehst. Ich bin der einzige Priester auf Molokai. P. Columban und P. Wendelin Müller sind die einzigen Mitbrüder, die ich seit 16 Monaten gesehen haben. Infolge der gehäuften Arbeit erscheint mir jedoch die Zeit sehr kurz. 
Die Freude und Zufriedenheit des Herzens, die mir die heiligsten Herzen verschwenderisch erteilen, bewirken, dass ich mich für den glücklichsten Missionär der Welt ansehe. 
So wir das Opfer meiner Gesundheit, das der gütige Gott gnädig angenommen hat, am Ende sehr leicht und selbst angenehm für mich. Ich kann mit dem hl. Paulus sprechen: Mortuus sum et vita mea abscondita es cum Christo in Deo. (Ich bin gestorben und mein Leben ist verborgen mit Christus in Gott) Im Übrigen habe ich dir keine Nachrichten mitzuteilen.

PS. P. Gregorius hat die Weisung erhalten, sich mit mir auf der Station für Aussätzige zu vereinigen, da auch er mit dem Aussatz behaftet ist; so werde ich also nicht mehr allein.

(Aus: Die katholischen Missionen, 1888)