Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Posts mit dem Label Schismatiker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schismatiker werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 12. Februar 2017

Widerspenstige getrennte Brüder

Msgr. Miroff

„Mir will scheinen“, so schreibt uns Msgr. Michael Miroff, Titularerzbischof von Theodosiopolis und Administrator der bulgarischen Katholiken von Konstantinopel (Stadt und Bezirk), „es sei viel leichter, die katholische Religion in China und Japan zu verbreiten als hier, wo seit Jahrhunderten das Schisma so tiefe Wurzeln geschlagen und unseren getrennten Brüdern gleichsam in Mark und Bein übergegangen ist.“ So erkläre sich, warum das Bekehrungswerk so langsam fortschreite. Übertritte Erwachsener seien nur vereinzelt und zumeist dem Einfluss der Kinder zu danken, die in katholischen Anstalten erzogen, zu Hause als kleine Apostel wirkten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Freitag, 14. Oktober 2016

Die franziskanischen Märtyrer von Ägypten

Der heilige Franziskus beim Sultan: die Feuerprobe mit den Imamen.

Seit der heilige Franziskus von Assisi selber in Damiette gelandet, um dem alten Pharaonenland die christliche Wahrheit wiederzubringen, haben seine Söhne dieses Land und den ganzen Orient als ihr besonderes Arbeitsfeld angesehen. Einst die Wiege vieler Heiliger, war Ägypten der Tummelplatz der Irrlehrer und der Mohammedaner geworden.

[…] Der oft entsetzlichen Grausamkeit und dem Hass der Irrgläubigen und der Mohammedaner setzten die Söhne des Armen von Assisi christliche Geduld und heldenmütigen Opferwillen entgegen.
Eine lange Reihe von Martyrern hat der Franziskusorden für jene Gegenden hingegeben. Gerade Kairo hat das Blut einer großen Anzahl von Martyrern getrunken. Der selige Livinus wurde dort zu Tode gequält im Jahre 1345; der selige Johannes von Montepulciano wurde ermordet im Jahre 1349; die seligen Johannes von Montecorvino und Franziskus von Lavaro wurden getötet im Jahre 1358; auf dem Hauptplatz von Kairo wurde im Jahre 1373 der selige Johannes Oteo gekreuzigt.

Die Reihe der Martyrer setzt sich fort bis herunter zu Franziskus Clement, der 1704 dem Hass der Mohammedaner zum Opfer fiel.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1929)

Dienstag, 13. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 2)


Fortsetzung von hier

1868 finden wir den unermüdlichen Bischof im Königreich Schoa, im südlichen Teil von Abessinien, wohin ihn der katholikenfreundliche König Menelik berufen hatte. Menelik liebte und schätzte den seeleneifrigen und treuherzigen Kapuzinerbischof wie einen Vater, und unter dem Schutze des Fürsten entwickelte sich eine blühende Missionstätigkeit.

Leider verlor im Jahr 1878 König Menelik durch einen unglücklichen Krieg mit dem mächtigen, herrschsüchtigen Kaiser Ati Johannes von Abessinien seine Selbstständigkeit, und die unter unsäglichen Opfern gegründete Mission wurde das Opfer einer durch den Hass des schismatischen Klerus entzündeten Verfolgung. Über deren Ursachen, Verlauf und die Leiden des ehrwürdigen, von Alter gebeugten Missionsbischofs haben wir seiner Zeit ausführlich berichtet.

Zum siebten Mal verbannt, trat Msgr. Massaia über Jerusalem die Rückreise nach Europa an. Mit Jubel empfing ihn das italienische Volk; der Heilige Vater Leo XIII. überhäufte ihn mit Auszeichnungen, machte ihn zum Titularerzbischof von Stauropolis und ernannte ihn am 10. November 1884 zum Kardinal. Staunend vernahm der verdiente, greise Missionsbischof in seiner ärmlichen Kapuzinerzelle zu Frascati die Nachricht seiner Erhebung.

Hier in Frascati besuchten ihn einst einige Studenten des englischen Kollegs. 
„Wir fanden ihn an einem kleinen, ärmlichen Tisch sitzen. Auf seinem Schreibpult lag, wie ein großes Kontobuch, ein mächtiger Band Manuskripte. Die Zelle war arm und schmucklos, eine echte Kapuzinerzelle. Der nackte Ziegelboden ohne Spur von einem Teppich, zwei Rohrstühle, ein Armsessel, zwei kleine, niedrige Bänke, etwa in der Art, wie man sie in Wartezimmern dritter Klasse findet, das war die ganze Ausstattung. Das einzige Zeichen seiner Würde war der Bischofsring. Im Übrigen trug er die gewöhnliche braune Kapuzinerkutte. Mit großer Lebhaftigkeit sprach er über England, ‚das Land des Apostolats in der Hand der Vorsehung‘ und über die Aussichten der afrikanischen Mission.

‚Nun gut!‘ so schloss er, ‚hier bin ich jetzt, ein alter Mann, der letzte der Bischöfe Gregor XVI. Manches ist anders geworden, seitdem ich fort war. Italien ist kaum wiederzuerkennen. Die Zeiten für die Kirche sind andere geworden. Italien hatte einen großen Ruhm, ihm besonders eigen; er ist im Augenblick umwölkt, aber ich hoffe für die Zukunft. Ich werde es nicht erleben, ich bin zu alt, um irgendetwas zu erwarten. Inzwischen bereite ich mich hier im ruhigen Heim meiner Mitbrüder auf die große Reise vor, gehe ein wenig im Garten spazieren, bete und schreibe ein bisschen.‘ 

Das ‚Bisschen‘ ist nichts weniger als das wahrhaft monumentale Werk seiner Memoiren, die er auf besonderen Wunsch des Heiligen Vaters unter dem Titel: ‚30 Jahre [eigentlich 35 Jahre] als Missionär in Äthiopien‘ (I miei trentacinque anni di missione nell'alta Etiopia) begonnen*. Sie werden, einmal vollendet, eine Fundgrube historischer, linguistischer, geographischer und ethnologischer Aufschlüsse über die wenig bekannten Länder bilden. Von Hilfswerken und Materialien war nichts zu sehen. Alles ist aufgespeichert in seinem alten, frischen, treuen Gedächtnis.“

Nebenbei war Kardinal Massaia ein tätiges Mitglied der Propaganda und mehrerer anderer Kongregationen. Um seine sichtlich abnehmenden Kräfte etwas herzustellen, zog er sich nach Amirante, an den herrlichen Meerbusen von Neapel, zurück.

Bei all den vielen Auszeichnungen und Ehrenbezeigungen, die dem hochverdienten Mann von allen Seiten zu Teil wurden, blieb er in seiner Lebensweise und seinem ganzen Auftreten immer der schlichte, prunklose, kindlich fromme Kapuziner. Trotz seines hohen Alters und seiner rasch zunehmenden Gebrechlichkeit schlief er nie anders als in seiner rauen, unbequemen Kutte auf einer ärmlichen, dünnen Matratze. Wenn ihn die vielen Besuche gestört, holte er noch am späten Abend den Rosenkranz und seine anderen gewohnten Gebetsübungen nach. Bis zum letzten Abend behielt er seine volle geistige Frische und jugendliche Lebhaftigkeit, die in Verbindung mit Herzensgüte und väterlichem Wohlwollen sein ganzes Wesen so gewinnend und anziehend machte.

Die Nachricht von seinem Tod rief in ganz Italien außerordentliche Teilnahme wach. Selbst die liberalen Blätter konnten einem der größten Missionäre dieses Jahrhunderts ihre Hochachtung und Verehrung nicht versagen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

*Das Buch gibt es bei archive.org

Hier noch einige interessante Fotos von Kardinal Massaia.

Montag, 12. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 1)



Am 6. August [1889] ging zu Amirante, einem Dörflein bei Neapel, Se. Eminenz Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap. zur ewigen Ruhe ein, im 81. Jahre seines Alters und im 44. seines Episkopates.

Geboren zu Piovà in der Diözese Asti (Piemont), am 8. Juli 1809, trat Guglielmo Massaia bereits als Jüngling von 17 Jahren zu Turin in den Orden der Kapuziner ein. Zum Priester geweiht, lehrte er mehrere Jahre Philosophie und Theologie in den Ordenshäusern von Moncalieri und Turin. In letzterer Stadt lernten ihn zwei Prinzen aus dem Hause Savoyen, Victor Emanuel und dessen Bruder Ferdinand, Herzog von Genua, kennen und wählten ihn zu ihrem zeitweiligen Gewissensführer. Wiederholt wurde der junge Ordensmann von der piemontesischen Regierung auf die Bischofsliste gesetzt, schlug aber beharrlich diese Würde aus.

Im Jahr 1849 hatte der französische Reisende M. d’Abbadie die Aufmerksamkeit der Propaganda Fide auf die Gallasländer, südlich von Abessinien, hingelenkt, welche, einst blühende Stätten christlichen Lebens, jetzt aus dem Gesichtskreis Europas fast verschwunden waren.

Durch Dekret vom 30. April 1846 errichtete Gregor XVI. das neue Apostol. Vikariat der Gallasländer. Dasselbe wurde der italienischen Kapuzinerprovinz anvertraut, P. Massaia zum ersten Apostol. Vikar ernannt und am 4. Mai zum Bischof von Cassia i. p. i. konsekriert. 

Es würde uns zu weit führen, die Schwierigkeiten dieser Mission durch Schilderung der unsäglich traurigen politischen und religiösen Verhältnisse dieser Länder des Näheren nachzuweisen. Vier Jahre lang versuchte der neue Apost. Vikar umsonst, in sein Missionsgebiet einzudringen. In der Zwischenzeit gründete er die zwei Kapuzinermissionen in Aden und auf den Seychellen, kehrte 1850 nach Europa zurück, um in Lyon und Paris von dem Verein der Glaubensverbreitung die nötige Unterstützung sich zu sichern, und machte einen zweiten vergeblichen Versuch, in die Gallasländer einzudringen, indem er den Nil bis Fasoglo hinauf fuhr.

Im Jahr 1852 versuchte Massaia, als Kaufmann verkleidet, durch Abessinien sich durchzuschleichen, wo der Negus Theodor, durch seine schismatischen Abuna [Bischöfe] aufgestachelt, auf den Kopf des katholischen Bischofs einen Preis gesetzt hatte. Glücklich entrann der mutige Missionär den Häschern und es gelang ihm, in der Provinz Gudru festen Fuß zu fassen. Hier entwickelte er nun trotz beständiger Verfolgung und den härtesten Entbehrungen eine rastlose Tätigkeit. Bis 1855 entstanden fünf blühende Gemeinden.

„Statt auf dem hohen Katheder der Philosophie und Theologie“, schrieb er am 14. Juli 1856, „sitze ich hier inmitten meiner kleinen Knaben und lehren sie buchstabieren. Dabei treibe ich alle möglichen Handwerke und bin zur selben Zeit Buchdrucker, Schneider, Bildhauer, Arzt, ja selbst Schuster usw.“ 

Von Gudru dehnte er seine Wirksamkeit über die Nachbarländer aus. Auch von dem König von Kassa erhielt er einen Ruf, wurde aber von dem argwöhnischen und treulosen Kleinfürsten in Ketten nach Gingire abgeführt und wäre hier verschmachtet, wenn nicht der Negus von Enarea, in dessen Gebiet er sich behufs Gründung einer Mission vorübergehend aufgehalten, sich seiner angenommen hätte.

Die beständigen Hetzereien, die ermüdenden, gefahrvollen Reisen durch die heißen, ungesunden Landstriche hatten seine Kraft gebrochen. P. Coccino, einer seiner ersten Begleiter, musste als Koadjutor einen Teil der Last ihm abnehmen. Kaum von seiner Krankheit genesen, trat er eine neue Reise nach Rom an. Um nicht in die Hände des Königs Theodor zu fallen, der ihm seit Jahren nach dem Leben trachtete, durchwanderte er als Bettler verkleidet zur Nachtzeit das Land, wurde aber diesmal aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen. Drei Monate lang hatte er hier Unsägliches auszustehen, bis er durch die kräftige Vermittlung des französischen Konsuls die Freiheit wiedergewann. Während seines zeitweiligen Aufenthalts in Europa gab er unter anderem eine Grammatik der Amhara-Gallasprache heraus, die 1867 zu Paris im Druck erschien.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Fortsetzung hier

Samstag, 28. Mai 2016

Wie Mission NICHT geht – Die Orthodoxen und die Heidenvölker Russlands

Tschuwaschen

Sehr bezeichnend für den Wert der Missionstätigkeit, wie sie die russisch-schismatische Kirche übt, ist folgende aus Russland uns zugehende Mitteilung. Ein großer Teil der Völker im Norden Russlands, wie die Samojeden, ist bis heute überhaupt nicht evangelisiert worden. Die in der Umgebung von Kasan, Nischni-Nowgorod, Perm, Kirow und Urschumsk ansässigen Fremdvölker der Mordwinen, Wotjaken [Udmurten], Permier, Tschuwaschen, Tscheremissen u. a. (im ganzen schätzungsweise 4 Millionen), die sich noch heute von den Russen in Kleidung, Sprache, Sitten und Gewohnheiten streng absondern, sind nicht durch Evangelisierung und Unterricht, sondern durch Gewaltmittel oder bedingte Zuwendung verschiedener Privilegien zur Annahme der orthodoxen Taufe gebracht worden. Von einem Übertritt aus Überzeugung war keine Rede. 

„Die orthodoxe Geistlichkeit war weder mit der Sprache und den Sitten, noch mit den Lebensanschauungen ihrer ‚Neubekehrten‘ bekannt. Sie tat auch nichts, um sie über die elementaren Wahrheiten des Christentums aufzuklären, so dass diese sog. Christen nach wie vor unter dem unmittelbaren Einfluss ihrer alten Götzenpriester blieben.“ 
Nur die Furcht vor den Polizeimaßregeln hielt dieselben davon ab, ihre alten heidnischen Gebräuche auch offen fortzusetzen. Im Geheimen wucherte das alte Heidentum ruhig fort. „Die ganze Tätigkeit der orthodoxen Geistlichkeit beschränkte sich auf die Einsammlung der Stolgebühren und anderer Beiträge für den Unterhalt der Kirchen und des Klerus, was selbstverständlich die Neubekehrten noch mehr reizte und der Geistlichkeit und Kirche entfremdete. Und so warteten diese halben Heiden und halben Christen nur auf eine Gelegenheit, um die ihnen fremde Religion und verhasste Geistlichkeit abzuschütteln. Eine solche Gelegenheit bot sich ihnen bei Verkündigung des kaiserlichen Ukas über die Gewissensfreiheit. Sofort fielen sie scharenweise von der orthodoxen Kirche wieder ab.“

Wie aus zuverlässigen Mitteilungen von Landeskundigen hervorgeht, bringen diese Stämme heute ihre heidnischen Opfer wie ehemals im Dunkel der Wälder dar. Das beliebteste Opfertier ist der Schwan, an dessen Stelle man sich mit einer weißen Ente oder Gans begnügt. An Ehrlichkeit übertreffen diese Heiden das russische Landvolk bei weitem, weisen sie doch selbst Trinkgelder für geleistete Dienste zurück.


 (Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Freitag, 27. Mai 2016

Ein jugendlicher Glaubenszeuge aus Äthiopien


Aus der Katholikenverfolgung Anfang des 20. Jahrhunderts:

„Ein Beispiel, welchen Mut auch junge Christen bei den peinlichen Verhören beweisen, erzählt P. Basilius. Als der noch jugendliche Nikolaus Membru, wie es scheint, der Sohn des […] Alaka Sahale, der früher schismatischer Geistlicher war, dem Abuna [Bezeichnung für Priester, hier ein Schismatiker] selbst vorgeführt und gefragt wurde: warum er katholisch sei, erwiderte er: 

„Ich bin katholisch, weil mein Vater mich diese heilige Religion gelehrt hat. Ihr wisst, dass mein Vater hier im Lande ein angesehener Doktor gewesen ist. Er selbst hat lange nach einer wahrhaft heiligen Religion, die rein wie Gold und strahlend wie die Sonne wäre, gesucht, und er fand sie in der Religion der römischen Kirche. Die Religion meines Vaters soll auch die meinige sein. Hoffet ja nicht, dass ihr mich zur Erlernung und zur Annahme eines anderen Glaubens verleiten könnt.“

„Wie wagst du es“, fiel einer der Richter ein, „du, noch fast ein Kind, in solcher Weise zu unserem Abuna zu reden?“ – „Hast du denn  nicht gelesen, was im Evangelium geschrieben steht: ‚Führt man euch vor den Richter, so denket nicht, was ihr sprechen, noch was ihr antworten sollt. Es wird euch im Augenblick das Rechte eingegeben werden, und nicht aus euch werdet ihr sprechen, sondern der Geist meines Vaters wird aus euch sprechen‘.

„Weshalb ist dein Vater nach Rom gegangen?“ – „Weil das Evangelium sagt: ‚Wenn man euch an einem Orte verfolgt, so fliehet in einen anderen.“ – „Gib uns die Namen derjenigen an, welche vorgeben, zu katholischen Kirche zu gehören.“ – „Frage darüber den Abba Andreas (Msgr. Jarosseau O.F.M. Cap., der Apostolische Vikar); das ist eine Sache, die ihn angeht.“

Es ist ein Jammer, dass dieses Volk der Abessinier mit seinem kraftvollen Wesen und seinem tiefreligiösen Sinn dem Schisma verfallen ist. Welch wertvolle Hilfe könnte Abessinien, einmal bekehrt, bei der Evangelisierung Afrikas, zumal des nahen Sudan, leisten! Seit 400 Jahren bemüht sich die katholische Mission, den hartnäckigen Widerstand des Schismas zu brechen. Das Volk ist gut und würde in Masse der wahren Kirche sich zuwenden, wenn es frei sich entscheiden könnte. Hoffen wir, dass die langsam ins Bergland vorrückende Kultur demselben auch das einzige bringt, dessen die Mission bedarf, die Religionsfreiheit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Mittwoch, 16. Dezember 2015

„Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen können“ – Franziskaner im Heiligen Land

Pilger in Betlehem, Weihnachten 1890

Ein Bericht über Volksmissionen, die 1875 von den Franziskanern im Heiligen Land gehalten wurden:

Nach Beit-Dschala kam das Dorf der Hirten an die Reihe. Es liegt auf dem Hügel von Betlehem selbst, etwa 20 Minuten unterhalb der Stadt gegen Osten. Der Hügel ist reich an Höhlen, in welchen man irdene Lampen und Gefäße aller Art, steinerne Messer und Werkzeuge findet, zum Beweise, dass vor Alters diese Höhlen bewohnt waren. Jetzt wohnen nur mehr etliche arme Familien darin. Der Stall von Bethlehem war eine solche Grotte; in der am weitesten nach Osten gelegenen Höhle sollen die Hirten gewacht haben, als ihnen der Engel die Geburt des Heilandes verkündigte. Das Dorf der Hirten zählt gegenwärtig ungefähr 1.000 Bewohner, von denen sich eine beträchtliche Anzahl vom Schisma zur katholischen Religion bekehrt hat. Diesen geistigen Nachkommen der Hirten predigten wir von dem Gott der Patriarchen, seinem Sohne, seiner Kirche; und auch sie haben sich ob der frohen Kunde gefreut, sie haben den Heiland gefunden und verkünden nun anderen den Trost, welchen sie in seiner Nähe verkostet haben.


Von dort wendeten wir uns nach Betlehem selbst. Unter den 5.000–6.000 Einwohnern von Betlehem finden sich 3.500 Katholiken, arbeitsame, betriebsame Leute. Besonders gewandt sind sie in Anfertigung von Schnitzarbeiten, welche Geheimnisse des Evangeliums darstellen; auch Kreuze aus Perlmutter und Rosenkränze aus den Körnern des Ölbaumes verfertigen sie und bringen sie selbst nach Europa und sogar bis nach Amerika zum Verkauf. Sie tragen ein Gewand aus blauem Stoff, einen wollenen, weiß und rot gestreiften Mantel und eine schwere, unförmige Kopfbedeckung. Die Frauen gehen barfuß, vielfach auch die Männer. Dürftige gibt es keine unter ihnen; ihre Sitten sind patriarchalisch; nur hat die häufige, meistens feindliche Berührung mit den Nomadenstämmen der Wüste ihren Charakter etwas verwildert; sie sind streit- und rachsüchtig, lieben auch das Geld gar zu sehr, so dass sie zuweilen ihre Töchter um den Preis von 5.000–6.000 Piaster den Schismatikern verkaufen. Das waren die Leute, denen wir das Jubiläum zu predigen hatten, und auch hier waren unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt. „Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen mögen; nun, wir wollen, was wir früher getan, nicht wieder tun“ –so sprachen am Ende der Mission einige von denen zu uns, die sich der eben erwähnten Vergehen schuldig gemacht hatten.
(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Sonntag, 22. November 2015

Mission und Flüchtlingskrise

Quelle


Die Massen von Flüchtlingen, die seit spätestens Sommer dieses Jahres ununterbrochen nach Zentraleuropa strömen, sind zum größten Teil keine Katholiken. Das klingt zwar wie ein Allgemeinplatz, ist aber wohl der wichtigste Fakt in der gesamten Thematik. Seien es nun die muslimischen oder orthodoxen Syrer, die muslimischen Afghanen, Gambier, Pakistanis und Somalis oder die orthodoxen Eritreer, alle sind noch keine Glieder der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche (siehe hierzu Professor Georg May über die alleinseligmachende Kirche). Was machen wir da?

Als Laien wohl zunächst in dieser Sache beten, wie dies auch früher als Hauptaufgabe der Laien im allgemeinen Missionsapostolat hervorgehoben wurde. Doch bei Priestern geht es noch weiter, es geht um die direkte Mission, wie Bischof Christian Schreiber (1872–1933) in seinem Vortrag über die Missionspflicht herausarbeitete:

Ohne Einschränkung auf einen bestimmten Ort oder einen bestimmten Menschenkreis wird dieses Missionierungsgebot dem Priester bei der Priesterweihe auferlegt. Darum muss der Priester grundsätzlich alle Menschen missionieren. Selbstverständlich an erster Stelle diejenigen, deren Seelsorge ihm in einem abgegrenzten Bezirk durch den Bischof angewiesen wird.

Ein Spaziergang ist es nicht, aber unser Herr wird sicherlich seine treuen Priester nicht verlassen, die zur Rettung der unsterblichen Seelen arbeiten. Unterstützen wir als Laien die Priester durch unser Gebet, damit am Tag des letzten Gerichtes zu der „großen Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völkern und Nationen“ (Offb. 7, 9) möglichst viele der Asylbewerber gehören, die jetzt zu uns kommen.

Deus lo vult – Gott will es!

Samstag, 14. November 2015

Der heilige Josaphat: ein Leben für die Union

Die Reliquien des hl. Josaphat im Petersdom in Rom (Quelle)

Johannes Kuncewicz ward zu Wilna 1580 geboren und trat ebendaselbst 1604 unter dem Namen Josaphat in das Basilianerkloster der heiligen Dreifaltigkeit. Vom heiligen Geist selbst geleitet, übte er sich in dem tiefgesunkenen Kloster in inbrünstigem Gebet und großer Abtötung, gleichzeitig eifrig ernstem Studium ergeben, das ihn zum Verteidiger der Union (der Vereinigung der Orthodoxen mit dem Stuhl Petri) befähigte. Sein Beispiel blieb nicht ohne Früchte; bald blühte das Kloster in Wilna auf und zwei neue Klöster konnten durch den Heiligen von dort aus gegründet werden. 

Einen ebenso hochbegabten als frommen Gefährten im Werke der geistigen Neubelebung der ruthenischen Kirche erhielt der Heilige in seinem Freund Joseph Belamin Rutski. Derselbe hatte seine Studien im griechischen Kolleg zum Rom gemacht, war 1603 nach Wilna zurückgekehrt und 1607 ebenfalls in das Dreifaltigkeitskloster eingetreten. Nach dem Tod des greisen Metropoliten Pociey, der die Union mitbegründet und ihre Fahne 15 Jahre lang hochgehalten hatte, bestieg Rutski 1614 den Metropolitansitz. Auf sein Betreiben wurde der hl. Josaphat, so sehr dessen Demut sich sträubte, zum Koadjutor von Polozk und Bischof von Witebsk erhoben. Am 12. November 1617 empfing derselbe zu Wilna die Bischofsweihe. Unter der gemeinsamen Wirksamkeit dieser beiden Männer war zu Anfang 1620 die Union in ganz Weißrussland siegreich durgeführt.

Ernstere Kämpfe hatte sie aber in Rot- und Kleinrussland zu bestehen. Rutski hatte zwar feierlich von dem Stuhl von Kiew Besitz ergriffen. Basilianer aus der Schule des hl. Josaphat sollten daselbst den Kern der geistigen Neugestaltung bilden. Der Vorsteher ihrer Schaar, Anton Hrekowicz, wurde von den wütenden Schismatikern 1618 im Dnjepr ertränkt. Sie schlugen ein Loch in die Eisdecke und stießen den Blutzeugen hinein unter dem Geschrei: „Du bist ein Unierter und willst unsere Religion verraten!“ Als er sich am Rande des Eises festhalten wollte, hieben sie ihm die Arme ab und höhnten: „Ruf den Papst an!“ während die Wellen des Dnjepr den Ertrinkenden unter die Eisdecke rissen.(…)

Der hl. Josaphat hatte inzwischen dem Sturm zu trotzen, den sein Gegenbischof Smotrycki losließ. Immer höher gingen die Wogen des Aufruhrs, bis ihm endlich der Heilige zum Opfer fiel. Am 12. November 1623 wurde Josaphat in Witebsk grausam ermordet, seine Leiche schmählich entehrt und endlich in die Wogen der Dwina versenkt.

Der Martertod des Heiligen übte einen gewaltigen Eindruck auf die Lateiner in Polen und war die Ursache, dass die Union nicht fallen gelassen wurde, während des Verbrechen von Witebsk anderseits die Sache des Schismas mit Schmach bedeckte. Der Tod des hl. Josaphat war die Rettung der Union, die bis zum Sturze Polens in allen Stürmen bestehen blieb.(…)

St. Josaphat (Quelle)


(Aus: die katholischen Missionen 1886)

Freitag, 24. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 2)



Fortsetzung von hier

Ein Höhepunkt der Anmaßung der Schismatiker war die versuchte Übernahme der Kirche St.
Michael in Mahim, einem Vorort von Bombay. Der Pfarrer versuchte mit einigen Gleichgesinnten die Übergabe der Kirche an die goanesische Partei vorzubereiten. Als Bischof Hartmann davon erfuhr, begab er sich zu der Kirche, um sie gemeinsam mit einigen treugebliebenen Gläubigen zu besetzen. Selbst die englische Polizei drängte den Bischof auf Räumung seiner rechtmäßigen Kirche. Bischof Hartmann blieb standhaft und es kam so weit, dass die Schismatiker die Türen zunagelten – der Diener Gottes und 24 treue Katholiken aus der Fischerkaste blieben in der Kirche zurück. Es war Palmsonntag. Als die Belagerer merkten, dass noch ein Fenster halb geöffnet war und die Gefangenen noch einigermaßen Kühlung und frische Luft bekamen und ihnen Helfer von außen Wasser herunterließen, nagelten sie auch dieses zu. Dennoch harrten alle aus, auch wenn die Schismatiker anboten, die herauszulassen, die es wünschten. Durch diese Standhaftigkeit verbittert, wollten sie Bischof Hartmann und seine Getreuen ausräuchern. Doch schließlich kam der englische Regierungsvertreter Confield, der die Türen durch die Polizei öffnen ließ und dieser befahl, die Katholiken zu schützen. Das Schlimmste war ausgestanden und die Karwoche konnte dort regulär begangen werden; dennoch musste von nun an die Kirche Tag und Nacht bewacht werden, um einen neuen Stürmungsversuch von Seiten der Goanesen zu verhindern. Das Ende dieses Konflikts war, dass am 25. Juni 1854 die englische Verwaltung vor Gericht den Schismatikern die Kirche zusprach. Bischof Anastasius konnte als Ersatz eine neue Kirche bauen, deren Grundstein er am 10. Dezember 1854 legte. Am selben Tag ging die Nachricht aus Rom ein, dass er von Papst Pius IX. wegen seiner Verdienste zum päpstlichen Thronassistenten und römischen Graf ernannt wurde.

Aber man würde Msgr. Hartmanns Größe schmälern, wenn man nur die Bekämpfung des goanesischen Schismas betrachten würde. Er stand schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. Seine wirklich franziskanische Lebensweise fand auch Anerkennung bei protestantischen Zeitungen, die die bescheidenen Reisegewohnheiten des Kapuzinerbischofs – er reiste im ungefederten, zweirädrigen Ochsenkarren – mit denen der anglikanischen Würdenträger verglich, die selbstverständlich recht schlecht davon kamen. Wie eifrig er war, sollen nur ein paar Worte aus seiner Lebensregel zeigen: „Ich werde mich ohne Rückhalt dem Heile meiner Herde und der Bekehrung derer widmen, die außerhalb des Weges der Wahrheit sich befinden, und in dieser Absicht werde ich allen Widerstand und alle Gefahren verachten. Ich verlange nichts so sehr, als mein Blut zu diesem Zweck zu vergießen.“

1860 kehrte Bischof Hartmann als Apostolischer Vikar nach Patna zurück und schonte sich ebenso wenig wie zuvor. Auf seinen weitausgedehnten Visitationsreisen (bis zu 800 Meilen in knapp 3 Wochen) blieb er auch nicht von Krankheiten und Verletzungen verschont. Die lange Reisezeit überbrückte er durch Beten. Er war tatsächlich ein großer Beter, der auch in den heißen Mittagsstunden sich nicht schonte und lieber die Zeit in der Kirche vor dem Tabernakel verbrachte. Auch seine Nachtruhe war stark verkürzt: er schlief nur von 0 bis 4 Uhr und opferte oft die restliche Zeit für die monumentale Übersetzung des Neuen Testaments ins Hindi. Später kam auch ein Hindi-Katechismus hinzu.

Bischof Hartmanns Tod kam recht plötzlich, auch wenn er schon zuvor ernste Krankheiten hatte. Er hatte nach einer Erkältung, die er wegen seiner apostolischen Arbeiten nicht auskurierte, Ende April 1866 einen Choleraanfall, knapp ein Jahr nach dem ersten. Dieser aber sollte tödlich verlaufen. Am 24. April ließ er sich von seinem Sekretär P. Anton Maria O.F.M. Cap. mit großer Andacht die Sakramente spenden und verstarb am Abend. Es war das Fest seines Ordensbruders, des heiligen Märtyrers Fidelis von Sigmaringen, der sein Leben für die kirchliche Einheit ließ. In dem letzten von ihm gegründeten Kloster der Englischen Fräulein, etwa drei Wegstunden entfernt, läutete am selben Abend die Klosterglocke von selbst, ohne dass die Schwestern überhaupt von dem Tod ihres Bischofs erfahren hatten. Die Totenfeierlichkeiten fanden größte Anteilnahme in Patna. Es brauchte beim Requiem vier Missionäre, bis schließlich das Dies irae zu Ende gesungen werden konnte. P. Paolo Tosi, Bischof Anastasius Hartmanns Nachfolger, der den Bischof sehr liebte, war der einzige der vier, dessen Stimme nicht vor Weinen versagte. Der Diener Gottes fand seine letzte Ruhestätte in seiner Kathedrale. Bereits seit 1906 ist sein Seligsprechungsprozess eröffnet. Er wird als einer der bedeutendsten Missionsbischöfe der Neuzeit betrachtet.



(Quellen: die katholischen Missionen, 1875, die Weltmission der katholischen Kirche, 1927, Nr. 9/10, Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1926)

Mittwoch, 22. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 1)




Alois Hartmann wurde am 24. Februar 1803 in Altwis im Kanton Luzern geboren und zeichnete sich schon als Kind durch große Frömmigkeit aus. Sein Streben nach dem Priestertum drückte er als Junge mit den Worten aus: „Wenn ich einmal Priester bin, habe ich alles, was ich wünsche.“ Auf sein Drängen ließ ihn sein Vater schließlich den nötigen Unterricht nehmen, woraufhin er am 13. November 1821 ins Kapuzinernoviziat eintrat und den Ordensnamen „Anastasius“ annahm. Nach einer Zeit als Professor und religiöser Schriftsteller wurde P. Hartmann verließ er 1843 Rom in Richtung Indien.

In der Stadt Gwalior übernahm er, nachdem er einige Monate zum Sprachstudium in Agra verbracht hatte, zwei Pfarreien, die alles andere als einfach waren, da er bereits dort mit den Auswüchsen des goanesischen Schismas in Berührung kam, dessen Bekämpfung ihm später den Titel „Hammer der Schismatiker“ einbringen sollte.

Aufgrund einer Gebietsteilung wurde der Diener Gottes bereits am 15. März 1846 zum Apostolischen Vikar von Patna geweiht. Der neue Posten sollte nicht einfacher werden. Bischof Hartmann sagte, als er die Dürftigkeit seines neuen Sprengels sah: „beim Anblick solcher Verödung und solcher Entblößung vom Nötigsten begann ich zu weinen wie ein Kind.“ Doch er ließ sich nicht entmutigen und begann, für seinen Sprengel, der fast so groß war wie das Deutsche Reich und 37 Millionen Heiden umfasste, eine Spendensammlung in Europa. Selbst seinen neuen bischöflichen Ornat verkaufte er wieder, als er sah, dass dieser Kauf allein die ganzen Jahresspenden des Glaubensvereins von Lyon aufzehren würde. Dennoch reichte das Geld nicht im Geringsten. „Ich muss mich entlehnter oder zerrissener Ornamente bedienen. Ich habe nicht einmal eine Monstranz oder ein Ziborium. Unsere christliche Jugend ist leider in Mitte dieser heidnischen und mohammedanischen Bevölkerung sich selbst überlassen und geht so einem fast sicheren Verderben entgegen. Alles das zerreißt mir das Herz und stimmt mich traurig bis zum Tod.“ Diesen letzten Missstand bekämpfte er durch Gründung von Schulen und Waisenhäusern, die Ordensschwestern übergeben wurden. Auch sonst war er unermüdlich tätig, entweder auf Visitationsreisen, bei der Seelsorge der irischen Soldaten vor Ort, oder hinter dem Schreibtisch, wenn er in zahlreichen Briefen Gläubigen zusprach oder einen abtrünnigen Geistlichen durch seine väterliche Güte zurückrufen wollte.

Plötzlich erging am 13. Dezember 1849 die Weisung aus Rom an Bischof Hartmann, sich nach Bombay zu begeben, um die Wogen des goanesischen Schismas zu glätten. Auf die recht verflochtene Geschichte des portugiesischen Patronats und dessen Niedergangs und die damit verbundenen Gebietsstreitigkeiten, die das sogenannte goanesische Schisma hervorgerufen hat, soll hier nicht näher eingegangen werden. Es reicht zu wissen, dass sich ein Teil des portugiesisch-goanesischen Klerus, einschließlich des Erzbischofs von Goa, José Maria da Silva Torres O.S.B., in Fragen der kirchlichen Jurisdiktion gegen die von Rom gesendeten Priester und Bischöfe stellten und deren Tätigkeit im ehemals portugiesischen Bombay bekämpften. Es war nun Bischof Hartmanns Aufgabe, in einer der wichtigsten Städte Indiens die kirchliche Einheit wieder herzustellen. Am Karfreitag 1850 landete er in Bombay, wo er folgende Notiz seines Vorgängers, Msgr. Whelan, fand: „Wehe meinem Nachfolger!“ Bei seinem ersten Pontifikalamt am Ostersonntag predigte er über die Notwendigkeit der brüderlichen Eintracht und Liebe. Schon hieran sieht man, dass der Titel „Hammer der Schismatiker“ keinesfalls einen fanatischen, verbohrten Geist kennzeichnen sollte, sondern lediglich einen Bischof, der aus Liebe zur Kirche und den Seelen das Schisma beenden wollte. Verleumdungskampagnen, Beschwerden gegen ihn bei der britischen Kolonialregierung, versuchte Pfarreibesetzungen von Seiten des goanesischen Klerus – das waren die Dinge, mit denen sich der Kapuzinerbischof von nun an befassen musste.

Auch nachdem der Erzbischof von Goa auf Drängen des Papstes nach Lissabon zurückgerufen wurde, starb das Schisma nicht. Der goanesische Klerus betrachtete die apostolischen Vikare und Priester als Eindringlinge und verweigerte nicht nur in Bombay, sondern auch in Madras, Kalkutta und Meliapur den Gehorsam. Im Januar 1852 begab sich der portugiesische Bischof von Macao, Jerónimo José de Mata, nach Goa, um dort die Schismatiker weiter zu unterstützen. Bereits auf seiner Reise über Colombo auf Sri Lanka verrichtete er bischöfliche Funktionen, woraufhin ihn Bischof Hartmann bei der Liebe Jesu Christi und mit Hinweis auf die Gefährdung des Seelenheils der Gläubigen beschwor, sich dem hl. Stuhl zu unterwerfen. Bischof de Mata interessierte dies wohl wenig. Er erteilte nach seiner Ankunft in Goa innerhalb von sieben Tagen 536 Kandidaten die hl. Weihen, woraufhin in Goa der Volkswitz wohl wegen der fragwürdigen Berufung dieser Personen den Ausdruck prägte: „Er hat alles geweiht bis zu den Kokosbäumen herab.“

Fortsetzung hier

Donnerstag, 9. April 2015

Märtyrer im Eilverfahren – wie unkritisch der Titel Märtyrer vergeben wird



Leider finde ich erneut einen Anlass, das heikle und auch recht undankbare Thema des sofort verkündeten Martyriums von ermordeten Christen durch Blogs und andere Medien zu behandeln. Ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich niemanden als verdammt erklären möchte und jedem Menschen von Herzen die ewige Seligkeit wünsche, wie das jeder Katholik sollte, was ja auch nicht zuletzt der Anlass für dieses Blog ist.

Jetzt zum konkreten Fall: am Gründonnerstag wurde laut Medienberichten der Campus der Garissa University im Osten Kenias von Anhängern der Al-Shabaab-Miliz angegriffen, wobei es 152 Todesopfer gab, darunter auch vier Angreifer. Anscheinend haben die mohammedanischen Terroristen unter den Studenten gezielt Christen als Opfer ausgesucht.

Leider ließ es nicht lange auf sich warten, bis wieder eine voreilige Rundum-Kanonisierung der Toten im Internet veranstaltet wurde, diesmal besonders auffällig durch den italienischen Autor Roberto de Mattei, der in einem Artikel zu dem Thema Christenverfolgung Folgendes schrieb (meine Übersetzung):

„die Sterne der 148 neuen Märtyrer leuchten hell am Firmament der Kirche. Die jungen christlichen Opfer des Islam vom vergangenen Gründonnerstag in Kenia dürfen nicht bemitleidet, sondern müssen beneidet werden, da sie die große Gnade des Martyriums erhielten.“

Diese Aussage ist schlichtweg höchst unklug. Nicht nur kann Herr de Mattei den Hergang jedes einzelnen „Martyriums“ unmöglich selbst kennen und mit Sicherheit sagen, dass jeder der Ermordeten bis zum Ende standhaft war, er zieht auch die Tatsache nicht in Betracht, dass in Kenia von den 83 % der Bevölkerung, die sich als Christen bezeichnen, nur 23,5 % Katholiken sind, und wiederum Katholiken in der katholischen Diözese Garissa nur 0,9 % der Gesamtbevölkerung von 720.000 ausmachen. Ist es da nicht wahrscheinlich, dass viele der Ermordeten gar keine Katholiken waren? Da stellt sich nun wieder die Frage, am Firmament welcher Kirche diese „Märtyrer“ leuchten. Auch die Vornamen wie Ruth, Abel, Eliud, Gideon, Faith usw. deuten wohl eher auf Protestanten als auf Katholiken hin. Auch wenn es viele Leute stört, die Kirche hat schlichtweg nie Nicht-Katholiken als Heilige oder Märtyrer verehrt. Es gibt zwar manche Kommentatoren im Internet, die das steif und fest behaupten, mit etwas Recherche stellt sich dann aber heraus, dass es sich entweder doch um Katholiken handelt oder die Betroffenen eben nicht als Heilige verehrt werden.

Und selbst wenn die Ermordeten alle Katholiken waren, kann man wohl so voreilig sein und diese gleich „kanonisieren“? Die Seligsprechungsprozesse von Märtyrern sind nicht so leicht, wie man das sich vorstellen möchte. In einer Publikation der Erzabtei St. Ottilien schrieb der Postulator für die unter den Kommunisten ermordeten Benediktinermissionäre vor einigen Jahren, dass man zunächst bei den Märtyrern die Tugenden untersuchen muss, die diese vor ihrem Tod geübt haben, um einigermaßen sicher sein zu können, dass sie bis zum Ende durchgehalten und die Märtyrerpalme errungen haben. Der heilige Alfons schildert in einem seiner Bücher, dass ein Katholik, dessen Hals von den Verfolgern schon fast durchtrennt worden war, am Ende doch noch ins Wanken geriet. Solange wir nicht durch eine kirchliche Untersuchung oder genaue Schilderungen wissen, wie der Hergang war, sollte man sich wohl mit solchen Urteilen etwas zurückhalten, was natürlich nicht bedeutet, dass das Martyrium von vorneherein ausgeschlossen werden soll.

Was am Schwersten bei dieser zunehmenden Kritiklosigkeit wiegt, ist die Tatsache, dass sie letztendlich religiösen Indifferentismus fördert. Wenn ich auch als orthodoxer Kopte, als Anglikaner, als Mennonit, als Presbyterianer usw. Märtyrer werden, d. h. die höchste Form der Christusnachfolge erreichen kann, wieso sollte ich denn da überhaupt noch katholisch sein? Ist das denn überhaupt so wichtig? Ja, in weiterer Konsequenz könnte man sagen, auch ein Jude kann Märtyrer werden, wenn er wegen des Bekenntnisses des rabbinischen Judentums ermordet wird, da er scheinbar an denselben Gott glaubt wie die Christen, wenn auch nur an einen einpersönlichen Gott. Aber gibt es nicht auch Christen, die nicht an die allerheiligste Dreifaltigkeit glauben? Dann müsste doch auch ein Jude Märtyrer werden können, immerhin ist er ja auch unser „älterer Bruder“…und so wird dann das Dogma der Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche immer mehr aufgeweicht. Mancher geht vielleicht nicht ganz so weit, aber es gibt auch glaubenstreue Katholiken, die durch ihre Argumentation den Eindruck vermitteln, dass nicht unbedingt jeder einzelne, aber doch ein großer Teil der Nicht-Katholiken eigentlich im unüberwindlichen Irrtum ist und bei Ermordung durch Moslems oder dergleichen gerettet wird. Fakt ist, dass man es nicht weiß, und darum sind wohl die Missionäre immer auf Nummer sicher gegangen. [Ich habe den Text hier etwas angepasst, um das von Papst Pius IX. in singulari quadam bezüglich der Grenzen des  unüberwindlichen Irrtums Gesagte nicht einzuschränken].

Hat nicht Papst Pius IX. den Satz verurteilt, dass man gute Hoffnung hegen darf für die Seligkeit aller, welche nicht in der wahren Kirche Christi leben? Darum kann ich nur abschließend sagen, dass man sich lieber mit der Missionierung von Nicht-Katholiken beschäftigen sollte, anstatt sich mit irgendwelchen Quasi-Kanonisierungen zu befassen. Hier noch ein schönes Zitat aus berufenem Munde:

„Wie kommt es, dass in der christlichen Welt neben dem heiligen Berge der katholischen Kirche noch zwei andere Berghügel im Dämmerlicht sich erheben [Orthodoxie und Protestantismus]? Warum gehören sie nicht mehr zu uns wie einst? Warum haben sie sich und bleiben sie von uns getrennt? Schmerzliche Frage, ernste Wahrheit! Die Menschen und Völker erhalten den wahren Glauben, aber sie können ihn auch wieder verlieren. Gott achtet die menschliche Freiheit. Wenn aber Gott in seiner Güte Wahrheiten offenbarte und Wege und Mittel kundtat, die zur Erlangung des Heiles notwendig sind, dann hat er auch in seiner Weisheit die Maßregeln getroffen, damit diese Rettungsmittel rein und unverfälscht in die Menschenhände gelangen. Die katholische Kirche ist diese Maßnahme der göttlichen Vorsehung. Christus baute seine Kirche auf Petrus, den Felsen, „und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Matth. 16, 18). In seiner Kirche hat Christus den Glaubens- und Gnadenschatz hinterlegt. Und zwei schützende Flammen umlodern ihn: Glaubensgeist und Missionsgeist. Ein lebendiger Glaube will und muss wachsen und sich ausdehnen. Gib deinem Glauben Missionskraft, und der Glaube wird in dir lebendig bleiben.“ - P. Robert Streit O.M.I.


Montag, 30. März 2015

Große Missionsbischöfe: Eine dornenvolle Aufgabe – Msgr. Michael Petkoff, Apostol. Vikar der unierten Bulgaren in Thrazien



Michael Petkoff, Titularbischof von Hebron und Apostol. Vikar von Thrazien für die unierten Bulgaren, war 1850 in Adrianopel [Edirne] als Sohn eines Hirten geboren. Bei polnischen Ordensleuten in der Schule zeichnete er sich durch seine Begabung und seine edlen Neigungen aus und wurde deshalb ins Kolleg der Propaganda in Rom geschickt. 1873 zum Priester geweiht, empfing er schon mit 31 Jahren als Nachfolger des Bischofs Popoff in Konstantinopel die Bischofsweihe.

Unsäglich dornenvoll war seine Aufgabe, die weithin über das Land zerstreuten Katholiken vor den Angriffen der Schismatiker zu bewahren. Schon allein die Tatsache, dass er einst auf offener Straße von einem fanatischen Mohammedaner zu Boden geworfen und mit einem Stock misshandelt wurde, zeigt die Eigenart der Verhältnisse, unter denen er wirkte. Tiefe Trauer lagerte über seinen letzten Lebensjahren ob der Niederlage des bulgarischen Volkes. Seine Christen waren zerstreut, die Dörfer verbrannt, seine Priester ohne Kirchen und ohne Heim. Er selbst musste unter Griechen, den Verfolgern seiner Herde, in der Verbannung sterben. Am 27. Mai erlöste ihn der Tod von diesen großen seelischen Leiden.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Freitag, 20. Februar 2015

Aus Hass gegen den Papst in Irrtum und Schisma


Aus einem Artikel über die Kapuzinermission in Bulgarien schreibt P. Franziskus Leitner O.F.M. Cap. im Seraphischen Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi (1928):

„Die Abneigung gegen alles, was von Rom (vom Papst) kommt, wird schon den Kindern eingeimpft. Der Kampf gegen die katholische Kirche, der schon im 9. Jahrhundert im Orient entbrannte, dauert auch heute noch fort. Es ist auch durchaus keine Seltenheit, dass ein orthodoxer Bulgare die katholische Kirche für die wahre hält, aber trotzdem aus Hass gegen den Papst im Irrtum verbleibt.“

Man sieht also, dass man nicht zu viel auf irgendwelche unverschuldeten Häresien und Schismen setzen sollte, trotz derer Menschen gerettet werden können. Mann sollte sich viel lieber (auch wenn es in den oben genannten Fällen aussichtslos erscheint) in alter katholischer Missionsmanier aufs geistliche Schlachtfeld begeben, um zur größeren Ehre Gottes und zur Rettung der Seelen zu kämpfen, da man ja nicht weiß, wie es tatsächlich um die einzelne Seele vor Gott steht. Wenn man sich zu sehr auf der Möglichkeit ausruht, dass einer, der sich tatsächlich (actu) außerhalb der Kirche befindet, trotzdem auch gerettet werden kann, wird die Missionsarbeit und somit die Rettung der Seelen im Keim erstickt. Denn wenn sich laut dem heiligen Leonhard von Porto Maurizio schon die meisten erwachsenen Katholiken verdammen, was soll da bloß aus den Nicht-Katholiken werden?

Zu dem Thema „unverschuldetes Unwissen über die wahre Kirche“ hier ein erhellender anschaulicher Beitrag.

Sonntag, 18. Januar 2015

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen


Heute beginnt die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Leider scheint dieses heilige Anliegen, das von dem ehemaligen Anglikaner Fr. Paul James Wattson ins Leben gerufen und 1910 den ausdrücklichen Segen des hl. Papst Pius X. erhalten hat, wie so vieles vom falschen Ökumenismus vergiftet worden zu sein. Um sich eine Vorstellung von der ursprünglichen Meinung zu machen, in der diese Woche für die katholische Kirche als öffentliche Andachtsübung eingeführt wurde (sie war nie bindend), hier die alten Intentionen:

18. Januar: Die Rückkehr aller „anderen Schafe“ zur Herde des hl. Petrus, des einen Hirten.

19. Januar: Die Rückkehr aller orientalischen Schismatiker zur Kommunion mit dem Apostolischen Stuhl.

20. Januar: Die Unterwerfung der Anglikaner unter die Autorität des Statthalters Christi.

21. Januar: Dass die Lutheraner und alle anderen Protestanten auf dem europäischen Festland zurück zur Heiligen Kirche finden.

22. Januar: Dass die Christen in Amerika in Kommunion mit dem Stuhl Petri treten.

23. Januar: Die Rückkehr der abgefallenen Katholiken zu den Sakramenten.

24. Januar: Die Bekehrung der Juden.

25. Januar: Die missionarische Eroberung der Welt für Christus.


(Der Text von ICC Omaha schien mir der Originaltext zu sein, es gibt ihn auch etwas „entschärft“)

Mittwoch, 7. Januar 2015

Wie man sich Schismatiker vom Leib hält


Msgr Jorge Imperial Barlin, Bischof von Nueva Cáceres  (Quelle)

Als der abgefallene philippinische Priester Gregorio Aglipay, Führer der „Unabhängigen Philippinischen Kirche“ (und ab 1918 Freimaurer), im Jahr 1902 den späteren ersten einheimischen Bischof des Landes, den fähigen und talentierten Pater Jorge Imperial Barlin, fragte, ob dieser das Oberhaupt der schismatischen Vereinigung sein wollte, sagte dieser zu ihm:

„Ich wäre lieber Straßenkehrer als das Oberhaupt Ihrer schismatischen Hierarchie“ (Prefiero ser lampacero a ser la cabeza de su jerarquía cismática).

Barlin kämpfte mit Erfolg gegen das Schisma und erreichte 1906, dass abgefallene Priester die Kirchen, die sie usurpiert hatten, wieder an die katholische Kirche zurückgeben mussten.

Sonntag, 30. November 2014

So geht „Ökumene“

Der griechisch-melchitische (katholische) Patriarch Petrus IV Geraigiry (im Text Giragiri), zuvor Bischof von Paneas

Recht beachtenswerte Aufschlüsse über die Strömungen innerhalb der nicht-unierten Kirchen gibt uns der folgende Brief des griechisch-melchitischen Bischofs von Paneas, Msgr. Giragiri. Als er eben im Begriff war, so erzählt er darin, einer Einladung des griechisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem, Gregor I., zum Eucharistischen Kongress in Jerusalem Folge zu leisten, wurde seine Abreise durch einen unangenehmen Zwischenfall verzögert. In einem kleinen Städtchen, Al-Kiam, und im Dorf Kuraihas wurden zwei seiner Priester von einflussreichen, feindseligen Schismatikern in einen Prozess verwickelt. Der Bischof musste ihnen zu Hilfe kommen; er schickte ihnen das für die Fahrt nach Jerusalem ersparte Reisegeld und begab sich persönlich nach Gedaïhah und Hasbaïa, um vor den dortigen Tribunalen Recht zu verlangen.

In Hasbaïa sollte er unerwartet eine große Freude erleben. Die Stadt, am südwestlichen Abhang des großen Hermon, ist einer der Hauptorte im Gebiet des Anti-Libanon mit reger Industrie und Obst- und Weinbau. Sie zählt nur wenige Katholiken; doch sind die Schismatiker im Augenblick recht günstig gestimmt. Ihr Bischof, Msgr. Missaël, begrüßte den katholischen Oberhirten bei seiner Ankunft aufs Freundlichste. Msgr. Giragiri erwiderte am folgenden Tag den Besuch. Zu seinem nicht geringen Erstaunen fand er im Empfangszimmer des schismatischen Bischofs die Porträts Leo XIII., Se. Eminenz des Kardinals Rampolla und des letztverstorbenen Präfekten der Propaganda, Kardinal Simeoni, und anderer römischer Prälaten. Auf seine verwundernde Äußerung erklärte Msgr. Missaël: „Ich habe diese Porträts mir kommen lassen, weil ich die römische Kirche und ihre Oberhirten liebe.“ Beiläufig gesagt ist es keine Kleinigkeit, hier zu Lande, selbst in größeren Städten, sich dergleichen Porträts zu verschaffen.
„Im Laufe der Unterredung“, so erzählt nun Msgr. Giragiri, „sagte ich scherzend zum schismatischen Bischof: ‚Sie haben gewiss Angst, dass ich Ihnen keine Schäflein mehr übrig lasse. Wissen Sie was, Monseigneur, treten Sie mit Ihrer ganzen Herde zu uns über, und bleiben Sie dann in der katholischen Gemeinschaft deren Hirte. Ich selbst lege dann mein Amt nieder, oder werde, falls es Ihnen recht ist, Ihr Koadjutor.‘ Der Bischof erwiderte lächelnd: ‚Es wird wohl schließlich dazu kommen, nur mit dem Unterschied, dass ich dann Ihr
Koadjutor werde und Sie selbst die ganze Sorge für unser geistliches und zeitliches Wohl übernehmen.‘

Ich predigte dann vom Tag meiner Ankunft (Freitag vor Passionssonntag) an bis zum Montag in der Karwoche täglich zweimal, am Morgen und am Abend. Die Kirche konnte die Menge nicht fassen. Mehrere angesehene Personen sagten zu mir: ‚Es ist ausgemachte Sache, wir werden alle katholisch.‘ Andere verlangten eine zweite Reihe von Predigten, um sich vor ihrem Übertritt noch besser zu belehren. Von allen Seiten wurde ich gedrängt, in der Stadt jährlich mein Absteigequartier zu nehmen und einige Wochen bei ihnen zuzubringen. Ich dankte Gott für die Wendung dieser Dinge; denn gerade in Hasbaïa hatte ich früher die heftigsten Anfeindungen gefunden. (…) Jetzt ist die Stimmung ganz verändert, und die Bekehrung dieser Stadt, des Hauptbollwerks des Schismas in meiner Diözese, scheint nur mehr eine Frage der Zeit. Ist aber einmal Hasbaïa gewonnen, so würde sofort auch die umwohnende Landbevölkerung folgen. Diese scheut bis jetzt den Einfluss der reichen Schismatiker in der Stadt, die ihr Geld leihen und ihr in ihren Prozessen helfen, und so den guten Willen dieser Leute hemmen.“

(…) Msgr. Giragiri erzählt dann weiter seine Reise nach Rom, die er im Namen des griechisch-unierten Patriarchen von Jerusalem mit zwei anderen orientalischen Bischöfen unternahm, um dem Heiligen Vater die Glückwünsche seiner Kirche darzubringen. Mit dem größten Interesse erkundigte sich der Papst nach der Bewegung, die sich unter den Schismatikern zu Gunsten der Wiedervereinigung bemerkbar mache. „Machen Sie es nicht“, sagte er dem Bischof beim Abschied, „wie Gregor der Wundertäter, der bei seinem Einzug als Bischof von Neo-Cäsarea dort 17 Gläubige vorfand, bei seinem Tod aber 17 Heiden hinterließ. Sie werden die Katholiken zu Hunderten vorfinden und dürfen keinen einzigen Schismatiker hinterlassen. Ich werden Gott recht inständig darum bitten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Sonntag, 16. November 2014

Einer der Hauptunterschiede zwischen der katholischen und der nichtkatholischen Mission


Das Christentum ist eine Religion, die nach dem Willen ihres göttlichen Stifters für alle Menschen bestimmt ist und die daher auch allen Menschen verkündet werden muss. Das Christentum ist die göttliche Offenbarungsreligion und die Missionsreligion. Die wesentliche Folge davon für das Christentum und für jeden Christen ist die Missionspflicht. In diesem Missionscharakter des Christentums stimmen heute alle christlichen Religionsgemeinschaften überein. Aber ein wesentlicher Unterschied waltet zwischen ihnen ob, und zwar folgender:
Die Missionsgeschichte verzeichnet das Jahr, in dem die verschiedenen nichtkatholischen Religionsgesellschaften auch ihrerseits sich auf die Missionspflicht besonnen und ihr Missionswerk unter den Heiden begonnen haben. Lange Jahre nach ihrer Trennung von der katholischen Mutterkirche haben sie verstreichen lassen, bis sie diese Missionspflicht anerkannt und den Kampf dagegen aufgegeben haben. Seinen Missionscharakter hat das Christentum ununterbrochen im Wechsel und Wandel der Jahrhunderte nur in der katholischen Kirche gezeigt und bewahrt. In der katholischen Weltmission hat das Christentum seine Weltmission bewiesen.

Und wiederum: die Weltmission des Christentums muss apostolisch sein, das heißt, sie muss auf der Missionssendung der Apostel fußen. Nur in der katholischen Kirche finden wir die apostolische Weltmission, den apostolischen Weltboten.
Wenn wir das Jahr suchen, in dem die katholische Kirche ihre Missionstätigkeit begonnen hat, dann müssen wir die lange Reihe der zwanzig Jahrhunderte hinaufwandern, bis zu den Tagen Christi und seiner Apostel. Die Geburtsstunde der katholischen Weltmission ist jener Tag, an dem Christus der Herr auf dem Berge der Himmelfahrt vor seinen Apostel stand, ist jene Stunde, in der der glorreich Auferstandene zu ihnen sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin, und lehret alle Völker. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Mtth. 28, 18–20). Mit diesen Worten gab Christus der Herr den Missionsbefehl. Von diesem Augenblick an begann die Weltmission der katholischen Kirche.



 (Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Freitag, 3. Oktober 2014

Zum 88. Jubiläum der Seligsprechung des äthiopischen Märtyrers Abba Ghebre Michael


Heute ist nicht nur das Fest der h. Theresia von Lisieux, der Patronin der Missionen, sondern auch der 88. Jahrestag der Seligsprechung des äthiopischen Priesters und Märtyrers Ghebre Michael durch Pius XI am 3.10.1926.

Ghebre Michael wurde im Jahr 1788 in Mertule Mariam im Norden des heutigen Äthiopiens geboren. Er wurde koptischer Mönch und war bereits damals für seine Gelehrtheit angesehen und zeichnete sich durch echte Wahrheitssuche aus. 

Durch den Kontakt mit dem heiligen Apostol. Vikar von Abessinien, Justinus de Jacobis, bekehrte er sich nach einer gemeinsamen Romreise im Jahr 1844, wurde bedingungsweise von de Jacobis getauft und am 1.1.1851 zum Priester geweiht. Er verfasste in Ge’ez, der liturgischen Sprache Äthiopiens, eine Grammatik, ein Wörterbuch und einen Katechismus und arbeitete im Seminar in Alitiena an der Heranbildung des einheimischen Klerus. Dem Lazaristenorden, aus dem der hl. Justinus de Jacobis stammte, gehörte er nicht offiziell an, er wird aber von den Lazaristen wie einer der ihren verehrt. 

Besonders ausgeprägt war sein Wunsch, sein irrendes Volk zu bekehren.
Auf Betreiben des schismatischen Patriarchen Abuna Salama, eines echten Katholikenhassers, wurde er gefangengenommen und sollte durch Drohungen und Versprechungen zur Aufgabe des katholischen Glaubens gebracht werden. Doch er blieb standhaft. Auf das Angebot von Reichtümern, wenn er den Glauben des Patriarchen annehmen würde, erwiderte er bloß: „Ich will weder deinen Glauben noch deinen Besitz.“ 

Die Foltern, die er über sich ergehen lassen musste, waren extrem, unter anderem wurde er mit Giraffenschwänzen gepeitscht, deren Haare hart wie Drähte waren. Einmal wurde er so sehr geschlagen, dass man dachte, er würde sterben, doch Ghebre Michael stand wie durch ein Wunder ohne eine sichtbare Verletzung auf. 
Der Kaiser verurteilte ihn schließlich zum Tode, allerdings wurde diese Strafe durch Einspruch des britischen Konsuls in das lebenslange Tragen von Fesseln umgewandelt. 

Bei einem Gefangenenmarsch brach der ehrwürdige Greis schließlich entkräftet zusammen und starb am 28. oder 29. August 1855.


Seine Seligsprechung erfolgte über ein Jahrzehnt vor der des hl. Justinus im Jahre 1939, sein Festtag ist der 30. August. Möge der sel. Ghebre Michael ein Fürsprecher für die Einheit der Kirche, die Bekehrung der Schismatiker und die Verteidigung der katholischen Wahrheit sein!


(Quellen: Lexikon für Theologie und Kirche, Band IV; Blessed Ghèbre-Michael: “The truth will make you free” von James Cahalan C.M., Serie über den hl. Justinus de Jacobis)