Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Mittwoch, 1. Mai 2019

Ein ernstes Wort

„Wer müsste größeres und lebendigeres Interesse nehmen an diesem herrlichen, weltumspannenden Werke (der Weltmission) als gerade der Klerus? Aber tut nicht oft die arme Dienstmagd, der schlichte Mann des Volkes mehr für die Missionen als der Herr Pfarrer und Kaplan?“

- P. Anton Huonder S.J., langjähriger Schriftleiter der katholischen Missionen in „zu Füßen des Meisters“, seinem Betrachtungsbuch für Priester.

Dienstag, 19. November 2013

Schwarze Priester im Senegal und eine Messe, die den Bischof zu Tränen rührt


P. Dschuga C.SS.P.

(…)Im Jahre 1864 hatte Msgr. Kobes die Freude, den ersten schwarzen Priester zu weihen, es war dieses P. Dschuga, ein Neger aus Gorée. Dieses Beispiel, welches das erhabene Ziel als erreichbar darstellte, mehrte die Zahl der Aspiranten; Msgr. Kobes konnte noch mehreren Negern die Hände auflegen, und es war ein rührendes Schauspiel, als z.B. im Jahre 1871 ein neugeweihter Neger seine erste heilige Messe in St. Joseph feierte, bei der nur schwarze Leviten und Kleriker dienten.

Von nah und fern waren die eingeborenen Christen, Heiden und Muhammedaner herzugeeilt, und selbst dem alten Missionsbischof traten Tränen der Rührung und Freude in die Augen. Er glaubte sich reichlich für alle ausgestandene Mühe und Sorge belohnt. Damals zählte das Seminar 5 schwarze Priester, 3 Minoristen, 8 Tonsurierte usw., im ganzen 27 Theologen, und diese Zahl hat sich nicht verringert (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Sonntag, 10. November 2013

Solche Seminaristen lob' ich mir! (Teil 2)

Wie viel bei einigem Interesse und mit etwas Arbeit für die Zwecke der Glaubensverbreitung zu erreichen ist“, berichtet P. L. Lichius S.V.D. aus Argentinien, „zeigt folgendes: Bei Gelegenheit der jährlichen Exerzititen, die in der Woche nach Pfingsten im Seminar in Paraná (Argentinien) gehalten wurden, ward auch der Missionsbewegung gedacht und angeregt, für die Missionsziele der Kirche, für die Missionäre und deren Arbeiten fleißig zu beten, heilige Kommunionen aufzuopfern  und mit einem, wenn auch noch so geringen Scherflein beizusteuern. 

Wenn man bedenkt, dass die Seminaristen meist aus ärmeren Familien sind und die meisten ihren Unterhalt im Seminar nicht bezahlen, so begreift man, dass der letzte Punkt der schwierigere war. 

Trotzdem machte auch hier die Liebe erfinderisch. Die Seminaristen, 53 an der Zahl, fingen an zu sammeln, vom kleinsten in der Sexta bis zum gelehrten Theologen hinauf, und brachten bis zu Jahresschluss, der auf den 26. November fiel, die hübsche Summe von rund 100 Pesos, etwa 178 Mark, zusammen.
Aber damit nicht genug. 

Es entwickelte sich auch ein reger Eifer im Briefmarkensammeln; einige besser Gestellte hatten sich im Laufe der Jahre ein recht ansehnliches Briefmarkenalbum angelegt mit manchen sehr seltenen Marken. 

Es bedeutete nun ein nicht geringes Opfer, auf all die schönen Freimarken zu verzichten. Doch war der Boden für einen solchen Verzicht bereitet, und hochherzig gaben sie all den Reichtum her. – Einer, dem es besonders schwer fiel, brachte schließlich auch das Opfer, ‚um eine besondere Gnade von der Mutter Gottes zu erhalten‘. Sein Album brachte einen Gewinn von 200 Kronen. 

Im Ganzen kamen zu Jahresabschluss etwa 15.000 Marken zusammen, die dem Vertreter des Vereins der Glaubensverbreitung mitsamt den 100 Pesos übergeben wurden.

Um nun das so begonnene Werk auch auf eine feste Basis zu stellen, zumal die Gesellschaft des göttlichen Wortes sich aus dem Seminar zurückzog und es dem Weltklerus übergab, wurde in einer Vorstandssitzung der Marianischen Kongregation, die auch im Seminar besteht, beschlossen, dass diese sich der Sache annehme. Zu diesem Zwecke wurde alles aufs Genaueste festgesetzt, damit die Sache ihren geregelten Fortgang haben könne. – Ehre den Seminaristen von Paraná.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Solche Seminaristen lob' ich mir!

„Wie andere Seminarien“, so schreibt uns Herr Diakon Alfons Schneider aus Würzburg, „so kann auch das Priesterseminar zu Würzburg berichten, dass unter seinen Alumnen eine rege Missionsbegeisterung herrscht. 

Folgende Zeilen mögen einen kurzen Überblick über die Missionsarbeit im vergangenen Wintersemester 1913/1914 geben. 

An allen Sonn- und Feiertagen zirkuliert die Missionskasse. Im letzten Wintersemester brachten wir dadurch rund 400 Mark ein, die an verschiedene Missionsstationen verteilt wurden. Neben dem materiellen Zweck erreichen wir durch dieses regelmäßige Zirkulieren der Kasse auch den ideellen, dass die Herren möglichst oft an die Missionen und ihre Bedürfnisse und an die Pflicht, so viel als möglich zu helfen, erinnert werden.

Durch mehrere Missionszeitschriften, die im Lesezimmer aufliegen, wird Gelegenheit geboten, sich über Stand und Fortschritte der Missionen zu orientieren. Es liegen auf: ‚Zeitschrift für Missionswissenschaft‘, ‚Die kathol. Missionen‘ und ‚Missionsblätter von St. Ottilien‘. Die beiden letzteren sowie der ‚Steyler Missionsbote‘ und das ‚Vergissmeinnicht‘ der Mariannhiller Missionäre werden auch noch besonders von mehreren Herren gehalten.

Im Dezember hielt uns P. Prior Placidus Vogel O.S.B. einen Lichtbildvortrag über seine Reise durch Korea und die Verhältnisse der dortigen Missionen. Kein Alumnus fehlte dabei. Viel trug zur Belebung des Missionsinteresses auch bei unsere Tischlektüre vor Weihnachten: P. Fischer S.V.D., Jesu letzter Wille, und Die Heiligkeit der Kirche im 19. Jahrhundert von C. Kempf S.J.
Wir sahen hier, was sich in verhältnismäßig kurzer Zeit durch die Arbeit unserer Missionäre aus den Heiden hat machen lassen. 
Die Schilderungen der blutigen Verfolgungen in den letzten Jahrzehnten und die Berichte über den Todesmut der jungen Christen hörten sich an wie Märtyrerakten aus Neros und Decius‘ Zeiten. 

Die Liebe, die dadurch für die Missionen geweckt wurde, kam uns besonders zu statten, als wir auf den zweiten Weihnachtsfeiertag mit einer größeren Missionsverlosung hervortraten. In liebenswürdiger Weise hatten uns dazu mehrere Buchhandlungen zahlreiche, teils recht wertvolle Preise gestiftet. Andere Preise wurden ebenfalls frei gestiftet. Der Reingewinn der Verlosung betrug rund 400 Mark und wurde den Jesuiten in Japan für ihr Alumnat überschickt.

„Einzelne Museen (?), besonders das ‚Tugendgärtlein‘ haben noch eine eigene Kasse für sich und suche von Zeit zu Zeit 30 Mark für ein Heidenkind zusammenzubringen, dem dann ein Herr auch den Namen geben darf.

Durch allgemeinen Beschluss wurde am 7. März bestimmt, dass wir fortan eine bestimmte Station als ‚unsere Station‘ mit unserem Beitrag unterstützen wollen. 
Als solche haben wir gewählt die Benediktinerstation Sangi in Deutsch-Ostafrika. Nachdem aus unserer Missionskasse bereits 60 Mark anderweitig abgeben sind, können wir P. Theodosius Schall, dem Missionär von Sangi, jetzt als Rest unserer Kasse nur noch 130 Mark zuweisen.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Eine Zeitschrift für den koreanischen Klerus


St. Andreas Kim Taegon, Koreas erster Priester (Märtyrer)


P. Guinand aus dem Pariser Missionsseminar schreibt aus Ryong-San bei Seoul:

„Vor einem Jahr haben wir eine Zeitschrift für unseren einheimischen Klerus gegründet. Sie erscheint jeden Monat und hat folgende Rubriken:

1. Nachrichten aus Rom
2. Religiöse Nachrichten über die gesamte Weltkirche
3. Nachrichte über die zwei Apostol. Vikariate Koreas
4. Nachrichten aus dem koreanischen Priesterseminar vom heiligsten Herzen zu Seoul
5. Vier oder fünf Predigtskizzen
6. Geschichte und Widerlegung der hauptsächlichsten Häresien
7. Nachrichten über wissenschaftliche Entdeckungen und andere Ereignisse, die für den koreanischen Klerus von besonderem Interesse sind
8. Antworten auf die von den Lesern eingesandten Fragen über die verschiedensten Fächer
9. Eine monatliche Preisausgabe.“

Leider müssen die Blätter durch einen gewöhnlichen Vervielfältigungsapparat hergestellt werden. Wer hilft zur Anschaffung einer kleinen Druckmaschine, um die überaus wichtige Monatsschrift den eifrigen koreanischen Priestern angenehm und anregend zu gestalten?


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Freitag, 27. September 2013

Der Mord an Father James Coyle durch ein Mitglied des Ku Klux Klan

Father James Coyle (1873-1921)


Am 11. August 1921 wurde der irische Priester Father James Edwin Coyle in Birmingham, Alabama auf seiner Veranda von dem methodistischen Prediger und Ku Klux Klan-Mitglied Edwin R. Stephenson erschossen, nachdem er dessen Tochter Ruth mit dem puertoricanischen Katholiken Pedro Gussman verheiratet hatte. Sie war einige Monate davor zum katholischen Glauben konvertiert.

Stephenson war wohl durch das Lesen von antikatholischen Hetzschriften zu dem Mord aufgestachelt worden, die den protestantischen „True American“ vor einer vermeintlichen Übernahme Amerikas durch den Papst warnten. Dazu hätten die  Knights of Columbus im Geheimen Waffen gehortet und nur darauf gewartet, bis das Signal aus Rom kam, den Plan auszuführen. Zudem berichteten die Blätter über die Entführung und Gefangenhaltung von protestantischen Mädchen in katholischen Klöstern.

Father Coyle selbst nahm häufig in der Presse Stellung gegen diese absurden Behauptungen und rief auch seine Gläubigen auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und für den Glauben einzustehen. Die Katholiken Birminghams erinnerten sich an ihn als eifrigen und liebenswerten Priester. Bei der Beerdigung gab es einen fast drei Meilen langen Autokorso von der Kirche St. Paul bis zu dem Friedhof, wo Father Coyle beigesetzt wurde.

Stephenson wurde von dem Mord wegen vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit und „Selbstverteidigung freigesprochen. Zur Zeit des tödlichen Angriffs war Father Coyle nur mit seinem Brevier „bewaffnet“. Sowohl Teile der Jury als auch der Verteidigung rekrutierten sich aus Ku Klux Klan-Mitgliedern.

Stephenson starb 1956 in Birmingham. Möge er in seinem Opfer einen gütigen Fürsprecher zu seiner Bekehrung gefunden haben.


Mehr über den Fall beim Father James E. Coyle Memorial Project.


Sonntag, 1. September 2013

Weihe des ersten gabunischen Priesters


André Raponda Walker (1871–1968)

Ein schönes Fest wurde vor einiger Zeit in der Mission der Väter vom Heiligen Geist in Libreville (Apostol. Vikariat Gabun) gefeiert, nämlich die Weihe und Primiz des ersten einheimischen Priesters, des hochw. Herrn Andreas Walker (siehe mehr hier) aus dem Stamme der Mpongwes. Zahlreiche Festgenossen hatten sich eingefunden, zumal Mpongwes, welche stolz darauf waren, einen der Ihrigen zur Würde des Priestertums erhoben zu sehen.

Beim Heraustreten aus dem Gotteshause wurde der Neugeweihte mit lautem Freudengeschrei empfangen; von allen Seiten drängten sich die Schwarzen heran, um demselben Glück zu wünschen und seinen Segen zu erbitten. Die feierliche Primiz wurde acht Tage später großartig begangen, der Primiziant in großer Prozession abgeholt und von seinem kleinen Schwesterchen Bataganga mit einem schönen französischen Gedicht beglückwünscht.

Bei der Festpredigt des P. Breidel, der einen ergreifenden Rückblick auf die letzten 50 Jahre der Mission warf, blieb kaum ein Auge trocken. An 200 Schwarze traten dann zum Kommuniontische und empfingen aus den Händen des schwarzen Primizianten den Leib des Herrn.
Am Schluss rief der hochw. Bischof noch zwei ehrwürdige Negergreisinnen, Emilia Mbumba und Maria Wdar, die seit 50 Jahren den Schwestern bei Erziehung der kleinen Neger treulich zur Seite gestanden, vorn auf den Chor und steckte jeder einen goldenen Ring an den Finger zur Anerkennung ihrer Verdienste und ihres schönen Beispiels. Es war ein Tag des Jubels und des Stolzes für alle Schwarzen der Gegend.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)


Samstag, 24. August 2013

Freuden und Leiden eines Seminaristen im päpstlichen Seminar von Kandy (Teil 1)


Das Seminar, über dessen Gründung und Wichtigkeit wir früher ausführlicher berichteten, entwickelt sich unter der Leitung belgischer Jesuiten sehr günstig. Nach 2 ½ Jahren werden die ersten zehn Priester aus der Anstalt hervorgehen. 

Die lange Dauer des Lehrgangs ist teils durch die sehr mangelhafte Vorbereitung der Alumnen bei ihrem Eintritt, teils durch das hohe Ziel bedingt, einen in wissenschaftlicher und religiöser Beziehung wirklich musterhaften einheimischen Klerus zu erziehen. 

Es wird unsere europäischen Seminaristen gewiss sehr interessieren, etwas Näheres über den Entwicklungsgang ihrer indischen Kollegen zu vernehmen. Der Brief eines der Professoren von Kandy, des hochw. P.J.B. van der Aa S.J., schildert uns denselben in anschaulicher Weise folgendermaßen:

„Als man mir sagte, dass die älteren Seminaristen, die bereits seit vier Jahren hier sind, bei ihrem Eintritt hinsichtlich ihrer äußeren Zivilisation und geistigen Vorbildung das genaue Abbild der zuletzt angekommenen gewesen seien, die ich selbst zu beobachten Gelegenheit hatte, konnte ich es kaum glauben. Da kommen sie daher, in ein langes Tuch, ihr Festtagsgewand, gehüllt. Dasselbe ist meist von weißer Farbe und fällt bis zu den Fersen herab. Darüber sitzt ein kurzes Jäckchen, das nicht immer nach dem Maß genommen ist. 
Das ist alles; nur selten tragen sie auf dem Kopf eine kleine Mütze, da sie für den Turban noch zu jung sind. Im Übrigen barfuß, durchweg barhäuptig, das lange Haupthaar in einen Knoten geschlungen, auf Rücken und Nacken fallend. Die meisten haben ihre Schmucksachen zu Hause gelassen. Denn die christlichen Priester und buddhistischen Bonzen ausgenommen, trägt hier jedermann allerhand Geschmeide an sich: Ringe an den Fußzehen und Fingern, Reife und Spangen, kleinere an den Ohrläppchen, größere an den Handwurzeln, über den Ellbogen, sehr große an den Fußknöcheln und Waden, Halsketten usw. Das erste, was mit dem neuen Seminaristen geschieht, ist, dass man ihm sein langes Haar, den Schopf, abschneidet.

Diese Amputation ist ihnen sehr schmerzlich; ich kenne einen, der jetzt noch, nach drei Jahren, nicht ohne Schmerzensseufzer daran zurückdenkt. Dann nimmt man dem jungen Herrn das Maß für Soutane und Beinkleider und gibt ihm Anweisungen, diese ihm neuen Dinge richtig anzuziehen, sonst käme sicher das unterste zu oberst. 

Die fertige Soutane wird zuerst vom Rev. P. Superior in der Kapelle gesegnet. Der damit bekleidete kleine Mann ist glücklich wie ein Prinz und singt und tanzt vor Freude. Aber nach einigen Tagen schon beginnt die erste Trübsal auf seiner kirchlichen Laufbahn. O diese Schuhe! Man muss ihn sehen in diesen für ihn buchstäblichen Hemmschuhen, wie er die Schumacher verwünscht und sein hartes Geschick beklagt. Wie, soll das Leben eines Priesters wirklich um solchen Preis erkauft werden? Nein, das ist doch ein zu harter Beruf. Doch allgemach schöpft er wieder Mut; in seinem Alter hat man immer Mut. 

Sechs Wochen, zwei Monate lang geht er einher, indem er bei jedem Schritt ein Bein nach dem anderen steif wie einen Ladstock emporzieht, als ob die Knie durch eine Schnur in die Höhe gezogen würden. Während dieser Zeit lernt er auch bei Tisch manierlich essen und mit Teller, Glas, Löffel und Gabel umgehen. Das ist die zweite Prüfung seiner kirchlichen Laufbahn. 
Es braucht unstreitig einen ausgesprochenen Beruf, um das Widerstreben zu besiegen, das unsere für ihn so unappetitliche Art, zu essen, ihm einflößt. Immer und immer wieder mit einem Instrument zum Munde fahren, das man so oft schon berührt hat – pfui! Daheim war alles so ganz anders: statt der Teller und Platten dienten schöne, große Bananenblätter, die man nach einmaligem Gebrauche wieder fortwarf, und wozu Löffel und Gabel? Hat nicht die Natur uns an jeder Hand fünf Finger gegeben? Mit diesen legt man auf das Blatt ein Häufchen Reis und das zu kleinen Klößchen geformte Fleisch, taucht den Bissen in die scharfe Tunke und lanciert ihn mit geschicktem Wurf in den Mund, ohne die Lippen zu berühren. In ähnlicher Weise geht das Trinken vor sich. Man lässt aus einem Krug von oben einen feinen Wasserstrahl in den Mund springen…Und nun soll man alle diese Gewohnheiten gegen so ganz verschiedene austauschen!(…)

Und nun kommen die Studien. Zuerst das Studium der Muttersprache; denn häufig kennen die Alumnen bloß den Dialekt, den sie bisher gesprochen; dann die englischen Stunden. Diese Sprache wird immer unentbehrlicher, will der spätere Priester auch nur ein wenig aus seinem Heimatdörflein und seinen Dschungeln heraustreten, und zudem ist es die Haussprache des Seminars.

Es folgt der Unterricht im Latein, das für den angehenden Priester natürlich unentbehrlich ist, und in der Mathematik. Auf diesem Felde würden Ihre belgischen Zöglinge von den unsrigen auf der ganzen Linie geschlagen werden; denn die Inder sind für dieses Fach ganz besonders begabt. Der Unterricht in Geschichte und Geographie muss bei den meisten ganz von vorne beginnen. Da bekommt man Fragen von köstlicher Naivität zu hören. Noch kürzlich meinte einer, in Europa gäbe es weder Arme noch Arbeiter, sondern bloß reiche, vornehme Herren, die von ihren Renten leben.

Im Griechischen ist natürlich auch tabula rasa; P. Bossen könnte Ihnen davon erzählen. Die geschilderten Verhältnisse sind die Regel. Indes kommt es doch ziemlich häufig vor, dass die Beamtenstellung des Vaters, der Wohnaufenthalt in einer großen Stadt, der Besuch einer Schule oder selbst eines Kollegs schon etwas vorgearbeitet haben. Es bleibt uns dann nur noch übrige, die Umrisse zu vervollständigen und die begonnene Ausbildung weiterzuführen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Fortsetzung hier

Freitag, 31. Mai 2013

Märtyrertod eines heroischen vietnamesischen Pfarrers

Msgr. Puginier, der apostolische Vikar von West-Tonking (Nordvietnam), der uns im Lauf dieses Jahres schon so viele traurige Nachrichten über die durch den letzten Krieg (französisch-chinesischer Krieg) veranlasste Christenverfolgung zu berichten hatte, teilt uns in dem folgenden, aus Hanoi den 22. Mai datierten Brief die grausame Ermordung eines eingeborenen Priesters namens Cap mit.

„Meine Befürchtungen über das Schicksal des eingeborenen Priesters, der letzte Ostern in Gefangenschaft fiel, haben sich leider erfüllt: er wurde auf eine grässliche Art ermordet. Sobald die Friedensverhandlungen eröffnet waren, versuchte ich seine Freilassung durch Geld zu bewirken; auch bat ich den General Brière de l’Isle, sich in dieser Sache schriftlich an den Obermandarin zu wenden. 

Eben war der Bote mit dem Brief fort, als ich von P. Richard aus Son-Tay folgendes Telegramm erhielt: ‚Pfarrer Cap von den Chinesen ermordet‘. Zwei Tage später brachte mir ein Brief desselben Paters die nachstehenden Einzelheiten über die Hinrichtung.

Man hatte den Priester nach seiner Gefangennahme der Reihe nach in fünf oder sechs von den Chinesen besetzte Festungen geschleppt. Trotz seines vorgeschrittenen Alters von 60 Jahren und seiner Schwäche, der Folge vieler Fieberanfälle und mühseliger Arbeit in einer ungesunden Gegend, und trotz seiner weißen Haare hatte man ihm den Kang (eine Art Holzrahmen als Fessel) um den Hals befestigt und er musste dieses Marterholz Tag und Nacht selbst auf seinen Reisen tragen. 
Endlich führte man ihn nach einer bedeutenden Festung, welche drei Tagreisen von Hunghoa am Ufer des Roten Flusses liegt und welche das Generalquartier des chinesischen Oberfeldherrn bildete. Der Priester hatte bis dahin ein kleines Kruzifix, welches er auf der Brust trug, bewahren können. 
Als die Chinesen es bemerkten und fragten, wen das vorstelle, antwortete er: ‚Das ist mein Herr und ebenso gut der eure!‘ Da wurde er auf Befehl des Anführers, den Kopf nach unten und die Füße nach oben, lebendig begraben. 
Von den Knien an ragten seine Beine aus der Erde hervor und man befestigte an denselben eine chinesische Inschrift, die also lautete: ‚So sollen die Jünger der falschen Religion bestraft werden.‘

Am 6. Januar 1871 hatte ich Cap zum Priester geweiht und ihn als Vikar in die Pfarrei Dice-Phong geschickt, welche die Provinz Kiong-hoa und einen Teil von Son-Tay umfasst. Die Zahl der Christen dieser Gemeinde beträgt nur etwa 1.800 Seelen, aber sie leben in 17 sehr weit auseinander gelegenen Dörfern zerstreut. 
Es bedarf einer starken Tagesreise, die Pfarrei von Nord nach Süd oder von Ost nach West zu durchwandern; dazu liegen sechs Dörfer im Gebirge und sind nur auf schlechten und steilen Pfaden zugänglich; kurz, die Pfarrei ist eine ebenso mühselige wie ungesunde. 

Der Priester hatte immer mit den Einwirkungen des Klimas zu kämpfen; die 14 Jahre, welche er dort zuerst als Vikar und dann als Pfarrer arbeitete, verging auch keine Woche, in welcher er nicht einen und manchmal drei bis vier Fieberanfälle gehabt hätte. Sein Eifer, den Christen im Todeskampfe beizustehen, war ein leuchtendes Beispiel. 
Wie oft wurde er bei strömendem Regen mitten in einem Fieberanfall sieben bis acht Stunden weit auf schlechten Wegen zu irgendeinem Kranken gerufen! Ohne Klage, ohne Rücksicht auf seinen leidenden Zustand oder auf die Länge und Beschaffenheit des Weges ließ er sich in sein Tragnetz (wie eine Trage, nur mit einem Netz als Liegefläche; denkbar unbequem) packen und fort ging’s durch Nacht und schlechtes Wetter, während ihn unterwegs das Fieber schüttelte. 

Wohl hundertmal kamen in seinem priesterlichen Leben solche Fälle vor. Als ich von seiner Gefangennahme hörte, war mir freilich der Verlust eines solchen Priesters schmerzlich; noch mehr schmerzte mich aber der Gedanke, dass er, welcher den Gläubigen mit so großem Eifer im Todeskampf beistand, an seinem Lebensende des Trostes der heiligen Sakramente beraubt sein sollte. 

Doch freute ich mich beim Empfang der obigen Mitteilungen, welche ich zwar noch nicht eingehend prüfen konnte, in der Überzeugung, dass der Herr in seiner mildreichen Barmherzigkeit dem Sterbenden gewiss mit außerordentlichen Gnaden beistand und ihn für die Entbehrung der heiligen Sakramente reichlich entschädigte. 

Sobald ich neue Einzelheiten erfahre, werde ich sie Ihnen mitteilen; inzwischen empfehle ich mich und meine so schwer geprüfte Mission Ihren Gebeten und den Gebeten Ihrer frommen Leser.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)

Freitag, 10. Mai 2013

Einheimische Priester und Schwestern im Senegal



Die Mission von Senegal hat in den letzten Tagen des Septembers und Anfang Oktober Festlichkeiten gesehen, wie wir dieselben sonst nur in Europa gewöhnt sind. 
Am 28. September legten fünf einheimische Novizinnen der Töchter vom heiligen Herzen Mariä in St. Joseph von Ngazobil ihre Professgelübde ab. 

„Es war ein rührender Anblick, mit welchem Eifer und mit welch freudestrahlendem Antlitz diese schwarzen Jungfrauen zum Altare traten, um sich ihrem göttlichen Bräutigam ganz zu weihen.“ 

Während die vier Schwestern freudig das Opfer ihres Herzens darbrachten, lag eine fünfte auf ihrem Schmerzenslager. Am folgenden Morgen wurde aber auch ihr das Glück zu teil, die Abzeichen ihres himmlischen Bräutigams zu empfangen, der sie schon nach zwei Tagen zu dem ewigen Hochzeitsmahl berief. Am nämlichen Tag fand auch das Generalkapitel der einheimischen Schwestern statt, bei welchem Anlass die Neuwahl der Generaloberin vorgenommen wurde. 
Die Kongregation der Töchter vom heiligen Herzen Mariä wurde im Jahre 1858 durch Msgr. Kobes gegründet und setzt sich ausschließlich aus einheimischen Nonnen zusammen. Gegenwärtig zählt dieselbe 30 Mitglieder, die in sechs Kommunitäten verteilt den Missionären umso wertvollere Dienste leisten, als sie die Landessprache vollständig beherrschen und auch eine genaue Kenntnis der Landessitten besitzen.

Die schönste Feier sollte jedoch die Mission am Rosenkranzfest erleben. An diesem Tag, dem 6. Oktober, wurde einem einheimischen Alumnen des Priesterseminars die Subdiakonatsweihe zu teil. 
Der junge Kleriker schildert selbst die Gefühle des Dankes gegen die göttlichen Barmherzigkeit, welche sein Herz durchwogten, als er zu Füßen des hochwürdigsten Herrn Bischofs, Msgr. Kunemanns, um die heiligen Weihen bat. 

Es wird dies der zehnte einheimische Priester sein, der aus dem Seminar hervorgeht. Mehrere derselben stehen bereits im Greisenalter. Noch harren neun andere Seminaristen der heiligen Weihen, von denen fünf in nicht gar zu ferner Zeit des gleichen Glückes sich erfreuen dürften, das ihrem hochw. Konfrater zu teil geworden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1902)


Auf der Seite der Spiritaner (etwa in der Mitte) ist ein Gemälde der Weihe (anscheinend Diakonat) der ersten Senegalesen. Der hellhäutige Kleriker ist David Boilat, Sohn einer Halbsenegalesin und eines Franzosen, der den ethnographischen Band "Esquisses Senegalaises" verfasst hat. Wahrscheinlich war er einer der genannten einheimischen Priester, die bereits das Greisenalter erreicht hatten. Er starb 1901.

Sonntag, 21. April 2013

Pontifikalämter, die sich sehen lassen können – ein Priesterseminar in der Südsee

Ein Priesterseminar für einen einheimischen Klerus auf einer Insel im Stillen Ozean, die vor 50 Jahren nur von Menschenfressern (ob alle Menschenfresser waren, sei mal dahingestellt) bewohnt war, ist gewiss eine denkwürdige Tatsache. Wir entnehmen darüber einem Briefe des Apostolischen Vikars von Zentral-Ozeanien, Msgr. Lamaze, auf der Insel Wallis folgende Einzelheiten. 

„Ihr großes Interesse, das Sie an unserem einheimischen Priesterseminar nehmen, lässt mich erwarten, dass einige weitere Nachrichten nicht unerwünscht sein werden.
Ich werde dieses Jahr die Freude haben, wieder einen unserer Seminaristen zum Priester zu weihen. Sein Name ist Savelio (Xaverius). Es ist nun der fünfte Priester, der aus unserer Anstalt hervorgegangen. Am selben Tage werde ich zwei zu Akolyten und einen zum Lektor weihen. Außerdem haben wir hier noch drei Tonsuristen, während drei weitere im Chor bereits die schwarze Soutane tragen.
Sehen Sie, das ist es, was ich mein Grand-Séminaire (Priesterseminar) nennen. Das kleine Seminar (d.h. das Knabenseminar) zählt 14 junge Lateinschüler, die sich, ich sage nicht mit Rosa, Rosae (denn Rosen gibt es hier keine), wohl aber mit Femina, Feminae, ein Geschöpf, das überall vorkommt, plagen, und zwar nach allen Regeln der Grammatik. Diese unsere Jüngsten haben beim Gottesdienst ihren Platz vorne im Chor, wobei sie der Sparsamkeit halber in schönen, fein geflochtenen Matten statt in Chorhemden erscheinen. 
Dieses Personal bildet zur selben Zeit mein Seminar und mein Kapitel, und dank dieser Seminaristen-Kanoniker, die am liturgischen Gesang sowohl wie an den kirchlichen Zeremonien ihre helle Freude haben, feiern wir hier Pontifikalämter, die sich sehen lassen können. 

Die Tagesordnung meines Seminars, die ich übrigens nicht in allem als Vorbild hinstelle, ist wie folgt:
Um halb fünf Uhr Aufstehen, dann Betrachtung, heilige Messe, Absingen einer der kleinen Horen; es folgt eine halbe Stunde Klasse, dann eine kleine ozeanische Zigarette. 
Nicht selten ergibt sich dann, dass für das nun folgende Frühstück nichts vorhanden ist. Man geht ruhig darüber hinweg, als ob nichts geschehen wäre, nur dass in solchem Fall annuente superiore (mit Zustimmung des Obern) die Zigarette länger wird, wenn nicht gerade sich verdoppelt. 
Vielleicht, dass Ihre Seminaristen sich hieran ärgern. Wohlan, sagen Sie ihnen, dass die unsrigen diese kleine Vergünstigung aufs bereitwilligste gegen das substantielle Frühstück abtreten, was von den guten Schwestern in Ihrem Grand-Séminaire mit kundiger Hand bereitet wird.

Die Arbeit in den Plantagen – denn prius est vivere quam philosophari (d.h. erst leben, dann philosophieren) – füllt dann in nützlicher Weise die Morgenstunden aus. Um 10 ½ Uhr folgt fünf Viertelstunden Klasse, dann Gewissenserforschung, darauf die Hauptmahlzeit, die nicht selten die einzige bleibt; denn ein Abendessen gibt es nur, wenn mittags was übrig bleibt. Um 2 Uhr ist Besuch beim Allerheiligsten, dann fünf Viertelstunden Studium, darauf wieder Handarbeit. 
Wenn dann die Sonne zur Rüste geht, gehen meine Leutchen zum Baden und zum Fischen. Dann versammelt sich alles. Man singt eine Nocturn, betet den Rosenkranz und das Abendgebet und macht dann Erholung, bis es Zeit wird, schlafen zu gehen: das ist um 9 Uhr.“ Soweit der Apostolische Vikar. Möge er uns recht bald wieder was von seinem Seminar erzählen!

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Montag, 15. April 2013

„Die katholische Kirche verurteilt die doppelte Sklaverei…“




„Die katholische Kirche verurteilt die doppelte Sklaverei, die des Geistes und die des Körpers. Sie möchte uns von beiden befreien. Ich war ein armer Sklavenjunge, aber die Priester der Kirche haben mich nicht verachtet. Durch den Einfluss von einem von ihnen bin ich das geworden, was ich heute bin.“

Der Diener Gottes Father Augustine (auch Augustus) Tolton in einer Rede an den First Black Catholic Congress, Washington DC, 1889

Sonntag, 14. April 2013

Die ersten einheimischen Priester in Uganda


Die ersten Baganda-Priester sind am 29. Juni 1913 geweiht worden. Der Apostolische Vikar, Bischof Streicher, teilt das frohe Ereignis dem Generalobern der Weißen Väter, Bischof Livinhac, also mit: 

‚Die Weihe unserer ersten Priester ist nunmehr Wirklichkeit, vollendete Tatsache geworden. Gott sei Dank!
Die Ugandakirche hat ihre Lebenskraft gezeigt, sie hat aus sich selbst die Erstlinge des Priestertums hervorgebracht. Ew. Bischöfl. Gnaden sollen zuerst die offizielle Kunde von diesem hochwichtigen Ereignis erhalten. Unter den Geweihten waren außer den beiden Priestern noch ein Diakon, fünf Minoristen und sechs Tonsurierte.
Ohne dass irgendwelche Einladung ergangen wäre, hatten sich doch der katholische Regent Stanislaus Mugwanya, alle katholischen Provinzvorsteher, die Elite der Katholiken aus ganz Uganda eingefunden. Die Menge der Herbeigsetrömten belief sich schätzungsweise auf 15.000.
Man muss gestehen, dass das wahrhaft katholische Empfinden unsere Christen richtig leitete. Sie waren sich der Tragweite der Weihefeierlichkeit voll und ganz bewusst. Andacht und Rührung malten sich auf allen Gesichtern, und eifrige Gebete begleiten die hehren Zeremonien.

Unsere beiden Neupriester werden die nächsten zwei Jahre im Knabenseminar im Lehramt tätig sein. Nach Ablauf dieser Zeit werden sie Jurisdiktion erhalten und in der Seelsorge beschäftigt sein.'

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)


Ein Bild der beiden Priester (wahrscheinlich kurz nach der Weihe) findet sich hier. Ein weiteres Bild beim silbernen Priesterjubiläum 1938 hier (rechtes Bild). 

Wahrscheinlich war der ugandische Autor dieses Artikels so begeistert davon, dass er die beiden als "erste Priester Afrikas" bezeichnete. 


Natürlich gab es schon in Nordafrika in der christlichen Frühzeit Priester und Bischöfe und auch in Schwarzafrika waren sie nicht die ersten. 
Bereits in den 1870er Jahren gab es einen senegalesischen Priester (wahrscheinlich mehrere) unter den Vätern vom Heiligen Geist und im Kongo bereits im 16. Jahrhundert schwarze Priester und sogar zwei schwarze Bischöfe, darunter der Sohn von König Alfonso vom Kongo, Henrique, der in Portugal erzogen wurde.

Samstag, 13. April 2013

Der erbauliche Tod Pater Schynses, des ersten „Weißen Vaters“ aus Deutschland

Pater August Schynse M. Afr. (1857-1891)
Bereits in unserer März-Nummer brachten wir zugleich mit den letzten Zeilen P. Schynses aus Bukumbi am Südende des Victoria-Nyansa-Sees die traurige Nachricht von seinem viel zu frühen Tode, die der Draht über Algier gebracht hatte.
Über die Todesart konnten damals nur Vermutungen geäußert werden; jetzt aber liegt uns ein Brief seines Gefährten und Ordensbruders, des P. Levesque, vor, und obschon derselbe von der Tagespresse bereits veröffentlicht ist, wollen wir ihn dennoch, zugleich mit einem Bilde des Verewigten, auch an dieser Stelle mitteilen:

„Am 18. November, abends 8 Uhr,“ heißt es in dem Schreiben, datiert Notre-Dame de Kamoga (Bukumbi), 19. November, „ist er hinweggegangen, um im Himmel den Lohn seiner Mühen zu erhalten; so heilig und erbauend war sein Ende, als es das Ende eines heiligen Missionärs nur sein kann.
Ich kann darüber aus genauester Kenntnis sprechen; denn seit meiner Ankunft in Kamoga war ich sein vertrautester Freund und Gewissensrat, habe ihn nach besten Kräften in seiner letzten Krankheit gepflegt, ihm die Sterbesakramente gespendet und ihm den Abschiedskuss in dem Augenblick gegeben, in welchem er zu letzten Mal den Namen Jesus aussprach und seine Seele Gott zurückgab.
Ich habe viele Christen sterben sehen, auch Priester und Ordensleute, aber niemals habe ich einen so lebendigen Glauben, eine so innige Liebe zu unserem Herrn und eine so vollständige Ergebung in den Willen Gottes gefunden. Er starb infolge des rheumatischen Leidens, an dem er schon lange litt.


Am 15. warf sich dasselbe auf die Brust, dazu trat Rippenfell- und Lungenentzündung und sehr starkes Fieber, welches allen Arzneien trotzte; ebenso wenig vermochten die aufgelegten Zugpflaster den Schmerz in der rechten Seite zu beseitigen.
Seit meiner Ankunft am 9. Oktober litt er stets an Anfällen, die er sich hauptsächlich während seiner Reise von Sansibar hierhin 1890 und nach Uganda zugezogen hatte.
Er täuschte sich nicht über sein Leiden, sondern sprach mir oft von seinem Ende. Am 15. legte er sich mit heftigen Schmerzen in der Seite nieder, um nicht mehr aufzustehen. Montag den 16. wollte er mir eine Generalbeichte über sein ganzes Leben ablegen, am folgenden Tag empfing er die heilige Eucharistie mit einem Glauben, welcher uns zu Tränen rührte. 


Am Mittwoch, gegen 2 Uhr nachmittags, trat ihm nach langem Schlaf der kalte Schweiß auf die Stirn, und wir sahen sofort, dass die Krankheit eine schlimme Wendung nahm.
Ich machte ihn gleich aufmerksam darauf, aber er antwortete lächelnd, es habe nichts zu bedeuten; übrigens sei er bereit, den Willen Gottes zu tun. Um 2 ½ Uhr sagte ich ihm, es sei gut, alles zu tun, um vor Gott zu erscheinen und das Sakrament der letzten Ölung zu empfangen. Er drückte meine Hand an sein Herz und sagte: „Wenn Sie glauben, dass ich so krank bin, tun Sie, was Sie für gut halten.“ 

In Gegenwart aller Brüder spendete ich ihm das letzte Sakrament, tief erschüttert, denn dieser heilige Priester wollte auf alle Gebete antworten und ersuchte mich, langsam zu beten, damit er gut folgen könne.
Dann nahm er wiederholt das Kruzifix, küsste es innig, hob es in die Höhe und rief laut, er wolle in der Liebe des Gekreuzigten sterben. Dann bat er alle, die er etwa durch ein Wort beleidigt habe, um Verzeihung. Mehrmals fragte ich ihn, ob er kein Testament machen wolle, aber er antwortete lächelnd, er habe ja nichts zu vermachen.“


Er ist gestorben, wie er gelebt, als Mann und als Christ, unerschrocken dem Tod ins Auges sehend, dem er so oft die Stirn geboten, in festem Vertrauen auf Jenen, dem er sein Leben geweiht von Jugend an.

Dem Todesbericht folgt auf dem Fuße eine andere Hiobsbotschaft P. Levesques: „Am 28. November wurde unsere Karawane, welche die unter deutschem Schutz stehenden Vikariate von Nyanza und Unjamjembe mit neuen Vorräten versorgen sollte, wider alles Erwarten bloß zwei Tagreisen von hier (U.L. Frau von Kamoga) von feindlichen Völkerschaften angegriffen und sämtlichen Gepäcks beraubt. Unser Schaden beläuft sich auf nahezu 100.000 Franken (80. 000 Mark) und wir werden bald am Allernotwendigsten Mangel leiden, ohne die Mittel zu haben, es uns anzuschaffen.
Da wir die opferwillige Liebe der deutschen Katholiken kennen, so bitten wir Sie ergebenst, die Blätter Ihrer geschätzten Zeitschrift für eine Subskription zu eröffnen…“


Dieser harte Schlag hat jedoch den Mut der Missionäre nicht gebrochen. „Morgen“, so fährt P. Levesque fort, „gehe ich nach Bukoba, wo wir im Schatten der deutschen Flagge eine neue Missionsstation zu eröffnen gedenken. Ich hoffe zuversichtlich, dass unser Appell nicht ungehört verhallen wird.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1892)

Freitag, 5. April 2013

Missionsprälatenquiz



So, wir wollen es nochmal versuchen mit dem Missionsprälatenquiz, es sollte diesmal relativ einfach sein.

Wer ist dieser Missionsprälat?

Tipp: er war der Erste seiner Art.

Auflösung: Simplicius hatte Recht:

John Kardinal McCloskey, geboren am 10.03.1810 in Brooklyn, New York

Priesterweihe am 12.01.1834 als erster einheimischer Priester der Diözese New York (die Diözese Brooklyn wurde erst 1853 gegründet)

Ernannt zum zweiten Erzbischof von New York am 6. Mai 1864

Erhebung zum Kardinalat durch den sel. Papst Pius IX. am 15. März 1875, damit erster Kardinal aus den Vereinigten Staaten von Amerika

Kardinalpriester von Santa Maria sopra Minerva


Erzbischof James Bayley von Baltimore (Neffe der heiligen Elisabeth Ann Seton) verleiht Kardinal McCloskey das rote Birett in der Kathedrale von New York.

Gestorben am 10. Oktober 1885 in New York City, New York

Der spätere Kardinal James Gibbons von Baltimore bezeichnete ihn als gütigen Vater, treuen Freund, wachsamen Hirten, furchtlosen Führer und vor allem als einen unparteiischen Richter.

Sonntag, 17. März 2013

Firmung vom "Gelben Himmel" - dem letzten heidnischen Indianer der alten Diözese Los Angeles


Aus El Cajon, Kalifornien, wird unter dem 5. Dezember 1919 gemeldet:
Im Sommer des Jahres 1769 landete der Franziskaner Fra Junipero Serra an der Küste des Stillen Ozeans, wo jetzt San Diego liegt. Er flehte zu Gott um die Bekehrung der Indianer jenes fremden Landes.
Heute nun empfing „Gelber Himmel“, der letzte Sprößling eines unbekannten Stammes, die heilige Firmung von der Hand des hochwürdigsten Bischofs John J. Cantwell von der Diözese Monterrey und Los Angeles (heute Erzdiözese Los Angeles, El Cajon gehört zur Diözese San Diego).

So viel man weiß, war „Gelber Himmel“, der über 130 Jahre alt sein soll, der letzte heidnische Indianer in der Diözese, die jetzt das Gebiet der alten Mission einschließt.
Vor zwei Jahren empfing er die heilige Taufe, und es fand sich dann, dass der Indianer, dem Bekleidung bis dahin eine unbekannte Sache war, auch eine Sprache redete, die selbst den Indianern des Südwestens verloren gegangen ist.
Ein Indianer der Mission wurde beauftragt, dieselbe vom „Gelben Himmel“ zu erlernen, und nach einem Jahr war er derselben Meister geworden. Dann wechselten sie die Rollen, und der Schüler begann den Unterricht im Katechismus und der Geschichte unseres lieben Heilands. 


Damit verging wieder ein Jahr, und dann verlangte „Gelber Himmel“, gefirmt zu werden. Bischof Cantwell, dem man die Bitte vortrug, ging auf den Wunsch des ehrwürdigen Greises ein und machte sich auf den Weg über die Berge, die Spuren verfolgend, die Fra Junipero und andere Glaubensboten aus der goldenen Zeit der Missionen Kaliforniens zuerst betraten. 


Die Kunde von der Ankunft des Oberhirten verbreitete sich im ganzen Südwesten, und die Indianer strömten von allen Seiten nach El Cajon; da erneuerten sich die Szenen der alten Missionstage: Lagerfeuer flammten auf; des Nachts erleuchteten Feuersignale die Gipfel der Berge. 

Endlich war der große Tag angebrochen, und die alte Missionskirche war gedrängt voll von den Nachkommen jener, die die erste heilige Kommunion von der Hand des Fra Junipero empfangen hatten.
„Gelber Himmel“, der bei dieser feierlichen Gelegenheit mit einem Überrock bekleidet war und den ersten Hut, den er je besessen, in der Hand hielt, kniete freudestrahlend auf den Stufen des Altars, wo das Sakrament des Heiligen Geistes den hochbetagten Greis zum Streiter Christi weihte.

Schwester Elisabeth Wasmann,
von den Damen des heiligsten Herzens Jesu

(Aus: die katholischen Missionen, 1920)

Der „Missionär des Papstes“

Chinesischer Priester bei der Taufe

Der eifrige Apostolische Vikar von Ost-Tschekiang, Bischof Reynaud, weilte während der zweiten Hälfte des letzten Jahres in der Heimat. Sein erfinderischer Geist hatte einen neuen Gedanken ausgearbeitet, der Missionsnot in China abzuhelfen. Schon lange ist es üblich, das Wohltäter einen einheimischen Seminaristen an Sohnes statt annehmen und zum Priester ausbilden lassen. Sollte es nicht auch möglich sein, in ähnlicher Weise für den Unterhalt dieser Priester bis an ihr Lebensende sorgen zu lassen? Der Bischof legte dem Papst den Plan vor und bat um Segen und Empfehlung.
Benedikt XV. verspricht sich bekanntlich Großes von der Vermehrung des einheimischen Klerus. In solcher Plan war seines Lobes und seiner Empfehlung gewiss. Er tat noch mehr. Er ging den gläubigen mit gutem Beispiel voran. Auf seinen Befehl wurden einer Bank 50.000 Lire überwiesen. Die jährlichen Zinsen von 1.500 Lire sollen auf ewigen Zeiten dem Unterhalt eines chinesischen Priesters dienen. Er wird den Ehrentitel „Missionär des Papstes“ führen.
Ein schöner Zug im Charakterbild unseres Papstes, dessen Hirtensorge alle Länder umfasst, die noch in der Finsternis des Heidentums schmachten.

(Aus: die katholischen Missionen, 1920)

Dienstag, 12. Februar 2013

Nachruf einer jungen Indianerin auf einen deutschen Missionar



Nachträglich erfahren wir Näheres über das Ableben des hochw. Herrn Gerhard Terhorst, der am 3. Oktober 1901, 72-jährig, zu Baraga (Indianermission) in Michigan fromm im Herrn verschieden ist, nachdem er volle 41 Jahre lang unter den Rothäuten gewirkt hatte. Er beherrschte die Sprache der Chippewa vollständig und lebte ganz für seine Indianer.
„Ob Nacht oder Tag, stets war er bereit, zu Fuß oder zu Ross, durch Wald, über Fluss und See, durch dick und dünn hinzueilen, wo seine Hilfe begehrt war.“
Der folgende Brief eines Indianermädchens schildert in seiner naiven Weise den apostolischen Mann sehr treffend.

„Vater Terhorst war geboren in Münster, Hannover [sic], etwa vor 80 Jahren. Er war ein guter Priester und brachte 41 Jahre lang unter den Indianern von Baraga zu. Er war durch den ersten Bischof von Marquette, den hochw. Herrn Baraga, zum Priester geweiht worden.
Er pflegte seine Ärmel aufzurollen und mit den Indianern zu arbeiten. Die Indianer, mit denen er arbeitete, gehörten zum Chippewastamme.
Er lernte die Sprache der Indianer und war so im Stande, sie den Rosenkranz und die Gebete in der Indianersprache zu lehren. Er war sehr gut gegen die Indianer und lehrte sie außer der Religion noch viele andere Dinge.
Er besuchte die Indianer, wenn sie krank waren und tat für sie alles, was er konnte. Vater Terhorst starb in der Indianermission, wo er so viele Jahre gewirkt hatte.
Das Begräbnis fand letzten Dienstag in Baraga statt. Die Schwestern von Negaunee und einige andere von Ishpeming gingen mit der Leiche. Als die Schwestern und Priester aus dem Zug stiegen, waren viele Indianer da mit Laternen und Fackeln, und als sie den Hügel hinaufstiegen, sangen die Indianer das Lied, das Vater Terhorst sie gelehrt hatte. Als man zur Kirche ging, sammelten sich alle Indianer um den Sarg. Dort blieben 30 Leute die ganze Nacht hindurch.
Wir alle glauben fest, dass Vater Terhorst geradewegs in den Himmel ging, wenigstens hoffen wir so, weil er gegen alle so gut war, besonders (gegen) die Indianer.“

(aus: die katholischen Missionen, 1902)

Hier (erste Seite, rechte untere Ecke) findet sich ein Bild von Pater Terhorst. Das Informationsblatt behandelt in erster Linie Msgr. Baraga, dessen Seligsprechungsprozess eingeleitet ist.

Sonntag, 10. Februar 2013

Priesterweihe eines Pottawatomie-Indianers in Rom

Am 6. Juni empfing, wie wir dem Indian Advocate (1903, Nr. 4) entnehmen, im Propaganda-Kolleg  zu Rom ein Vollblutindianer namens Albert Negahnquet (Bild hier und hier), ein früherer Zögling der Benediktiner-Klosterschule vom heiligsten Herzen in Oklahoma, die heilige Priesterweihe.

(aus: die katholischen Missionen, 1903)