Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Freitag, 6. November 2026

Ein Leben auf der Flucht – St. Gabriel-Taurin Dufresse, Apostolischer Vikar von Sichuan

 


Als sich Gabriel-Taurin Dufresse in den frühen 1770er Jahren im berühmten Pariser Seminar Saint-Sulpice auf das Priestertum vorbereitete, erfuhr er durch seinen Professor Jean-Didier de Saint-Martin vom Pariser Missionsseminar, das zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahrhundert in Ostasien missionierte. De Saint-Martin wurde bald Mitglied der Missionsgesellschaft und zog als Missionar in das „Land des Überflusses“, in die Provinz Sichuan im Südwesten Chinas. Beide sollten dort nicht nur die Würde des Bischofsamts, sondern vor allem die Härten der Verfolgung teilen. Der junge Diakon Dufresse trat am 2. Juli 1774 in der Rue du Bac ein und wurde am 17. Dezember desselben Jahres zum Priester geweiht. Im Dezember 1775 reiste er in die Mission nach Sichuan.

Die Mission in der Provinz Sichuan hatte seit Mitte des 18. Jahrhunderts trotz der herrschenden Verfolgungen einen starken Aufschwung genommen. Besondere Bedeutung hatte dabei Msgr. François Pottier, der ebenso umsichtige wie eifrige Apostolische Vikar, ein „Mann mit einem Herzen aus Gold“, wie der selige Jean-Martin Moyë von ihm sagte. Die Zahl der Katholiken im Vikariat stieg während seiner Amtszeit von ca. 5000 auf 25.000. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 15 Chinesen zu Priestern geweiht.

Pater Dufresse schlug sich 1776 von Macao aus – verkleidet als Chinese – nach Sichuan durch und wurde dabei zweimal verhaftet, anschließend aber wieder freigelassen. Als er genug Chinesisch gelernt hatte, ernannte ihn Bischof Pottier zum Seelsorger des Nordteils der Provinz, wo er unter den verstreut lebenden Christen wirkte. Im Jahr 1784 wurde Pater de Saint-Martin zum Koadjutor von Msgr. Pottier erwählt. Gleichzeitig brach die öffentliche Verfolgung wieder hervor. Pater Dufresse konnte sich zunächst bei befreundeten Christen verstecken, doch Saint-Martin lud ihn dazu ein, sich mit ihm zu ergeben, um der Verfolgung die Spitze zu brechen. Der Heilige gehorchte und wurde mit anderen gefangenen Missionaren, darunter de Saint-Martin, nach Macao geführt, von wo sie ins Exil auf den Philippinen geschickt wurden. Unter den Bewachern der Gefangenen auf dem Marsch war ein junger Mann namens Zhao Rong, der sich, beeindruckt vom Wandel und der Predigt des Paters Dufresse, bekehrte und von diesem auf den Namen Augustinus getauft wurde. Er wurde Priester und starb als Märtyrer am 27. Januar 1815. Gemeinsam mit Gabriel-Taurin Dufresse wurde Augustinus Zhao Rong zur Ehre der Altäre erhoben. Ein weiterer Heiliger, der in diesen Jahren von Dufresse bekehrt wurde, war der chinesische Priester Joseph Yuan Zaide, der 1817 gemartert wurde.

Erst 1789 konnte der Heilige von Manila aus nach China übersetzen und erreichte auf heimlichen Pfaden Sichuan erneut. Im Jahr 1792 starb Msgr. Pottier und de Saint-Martin übernahm das Amt des Apostolischen Vikars, während Dufresse sein Provikar wurde. In den folgenden Jahren entfaltete er eine angestrengte Missionstätigkeit mit zahlreichen Bekehrungen. Msgr. de Saint-Martin ernannte ihn 1800 zu seinem Koadjutor, und Dufresse wurde nach dem Tod seines alten Professors und Weggenossen dessen Nachfolger. Ein besonderes Ereignis war die Synode des Vikariats von Sichuan, das 1803 in Chongzhou tagte. Es war die erste Synode in den chinesischen Missionen. Ihre Bestimmungen, darunter zur Spendung der Sakramente und zum Verhalten der Priester, wurden später den übrigen Missionsgebieten in Ostasien vom Heiligen Stuhl als beispielhaft empfohlen.

Die relative Ruhe war von kurzer Dauer, denn die Verfolgung verschärfte sich ab 1805 erneut. Dennoch gab es jedes Jahr bis zu 2000 Konversionen. Der Bischof lebte auf der Flucht. Sie endete, als im Jahr 1814 ein Christ auf der Folter den Aufenthaltsort des Oberhirten verriet. Msgr. Dufresse wurde nach Chengdu geführt. Dort wollten die Behörden den Bischof zusammen mit 33 Christen hinrichten. Der Heilige ermunterte sie zur Treue im Glauben und gab ihnen die Lossprechung. Anschließend bot er dem Henker seinen Hals dar. So wurde Gabriel-Taurin Dufresse am 14. September 1815 am nördlichen Stadttor von Chengdu geköpft. Die verurteilten chinesischen Katholiken schickte man statt ans Schafott ins Exil. Der Leib des Märtyrerbischofs wurde von den Christen bestattet, während der Kopf zunächst unauffindbar blieb. Einige Jahre später übergaben buddhistische Mönche das Haupt an Pater Lin. Die kostbaren Reliquien kamen im Jahr 1857 nach Frankreich, wo sie an den Altären des Pariser Missionsseminars verehrt werden.

Zusammen mit zahlreichen anderen chinesischen Märtyrern wurde Msgr. Dufresse im Jahr 1900 selig-, im Jahr 2000 heiliggesprochen.

Samstag, 31. Oktober 2026

The paintings of three Chinese martyrs in a monastery chapel

 On All Hallow’s Eve, we are taking a short look at the paintings of three early Chinese martyrs that adorned the monastery chapel of the Little Brothers of St. Johnthe Baptist in Anguo. These pictures illustrate the emphasis that Fr. Vincent Lebbe, the community’s founder, put on inculturation in all aspects of their monastic life, including the artwork in the chapel.




Saint Joseph Yuan Zaide ( 袁在德) hailed from Sichuan and was converted as a young man by St. Gabriel-Taurin Dufresse, Vicar Apostolic of Sichuan. In 1794, he was ordained to the priesthood and went on to serve as a missionary in the eastern part of the province. During a time of persecution, Fr. Yuan publicly reprimanded an adulterous woman for her lifestyle. To take revenge, the woman denounced the priest to the local authorities. Refusing to renounce his faith, Saint Joseph Yuan was executed by strangulation in Chengdu on 24 June 1817.

I assume he is depicted as a farmer with a hoe since he frequently hid out on farms during his missionary activities.



Saint Paul Liu Hanzou (保祿·劉翰佐), born in 1778, also hailed from Sichuan and was a member of the Paris Foreign Missions Society. The future martyr came from a fervent Catholic family. As he grew up in poverty, he had to work from a young age and did not receive any schooling. By the time Paul entered the seminary, he was already 24 and especially struggled with Latin. His professors decided to let him finish his studies in Chinese. He was ordained at age 35 and had to carry out much of his pastoral work clandestinely as a result of the same persecution Saint Joseph Yuan was caught up in. Before a great liturgical feast, Father Liu asked a recently converted carpenter to build a canopy for the altar. A disagreement ensued and the carpenter took revenge on the priest by denouncing him. Saint Paul’s fortitude during the trial enraged the presiding mandarin, who ordered to have him scourged–a scourge is also depicted to his right. The martyr endured a harsh imprisonment for five months before also being strangled to death publicly in Chengdu on 13 February 1818.

Saint Lawrence Ba Xiaoman (白小滿) was a layman from Guizhou in southwestern China. He migrated to neighboring Guangxi to find work, where he met Saint Auguste Chapdelaine in the mid-1850s, subsequently converting and becoming a close follower of the missionary. When Father Chapdelaine was sentenced to death, Lawrence spoke out against it, and therefore was flogged and beheaded on 25 February 1856. At his public execution, he exhorted his wife to keep the Ten Commandments and to teach the faith to their daughter.

The saints’ depiction as laborers with tools was likely deliberate: the Little Brothers lived an austere live among the farming communities of northern China and performed ordinary manual labor.

(All pictures from the collection of Whitworth University)

Samstag, 3. Oktober 2026

„Zigeunerwallfahrt“ in Trier mit Pfarrer Fortuin

 


Dieses kurze Video in der ARD Mediathek zeigt die Wallfahrt der Sinti und Roma zum Heiligen Rock in Trier im Jahr 1959. Geleitet wird sie von Pfarrer Arnold Fortuin aus Illingen (Saarland). Bereits in seiner Kaplanszeit kam er mit den Sintifamilien seiner Gemeinde in St. Michael/Saarbrücken in Kontakt und half vielen Sinti während der Verfolgung durch den Nationalsozialismus. 1955 gründete er auf Anregung der Familie Lehmann die „Zigeunerwallfahrt“ nach Illingen.

Ein schöner Zug bei der gezeigten Wallfahrt nach Trier ist die Teilnahme eines indischen Kaplans und indischer Schwestern. Die Vorfahren der Sinti und Roma verließen den Nordwesten Indiens im Mittelalter.

Bei der Arbeit von Pfarrer Fortuin, von der deutschen Bischofskonferenz der 1965 zum Seelsorger für die Sinti und Roma ernannt wurde, handelt es sich natürlich nicht um eigentliche Missionsarbeit. Die Sinti sind von jeher Christen, in der Mehrheit katholisch. Dennoch hat Pfarrer Fortuin ähnlich den Missionaren über „seinen Tellerrand geschaut“ und sich aufopfernd für ein verachtetes Volk eingesetzt. Ich habe mich gefragt, ob die Grundlage für dieses Wirken während seiner Gymnasialzeit in St. Wendel gelegt wurde, wo die Steyler Missionare ein Gymnasium betrieben. Leider konnte ich nicht endgültig herausfinden, ob er dieses besuchte.

Freitag, 14. August 2026

Nachruf auf einen heiligmäßigen Kapuzinermissionar

 

Fr. Paul of Newbridge O.F.M. Cap. (Quelle: Patrician International Newsletter, Dec. 2020)

In Mussoorie starb P. Paul Hughes [Fr. Paul of Newbridge] O.M Cap. im Alter von 80 Jahren. Er trat im Jahre 1867 in die Kongregation der St.-Patricks-Brüder ein, kam als Lehrer nach Indien und leitete dort die Kongregation als Provinzial. Allein er verlangte immer danach, als Priester in einem Missionsorden an der Bekehrung Indiens zu arbeiten. So trat er im Jahre 1887 in das Noviziat der Kapuziner zu Mussoorie ein und vollendete daselbst auch seine Studien bis zur Priesterweihe i. J. 1911 [plausibler ist wohl das Jahr 1891].

Zunächst wurde er Lehrer an der St.-Fidelis-Schule zu Mussoorie, aber sein Wunsch war, sich ganz der Heidenmission zu widmen. Schon im Noviziat hatte er mit dem Studium der hindostanischen Sprache begonnen und später machte er an freien Tagen Ausflüge in die Umgegend von Mussoorie, um die heidnischen Bewohner den Katechismus und die christlichen Gebete zu lehren. Als die Manor-House-Schule an die St.-Patricks-Brüder überging, wurde P. Paul von Bischof van den Bosch in die Eingeborenenstaaten von Simla geschickt, um dort ausschließlich der Heidenmission zu obliegen. Zunächst galt es einen Platz für eine Station ausfindig zu machen. Es wird kaum ein größeres Dorf geben, das der seeleneifrige Missionär in Begleitung seines treuen Katechisten Matthäus nicht besucht hätte. Bei jeder Jahreszeit war er unterwegs, immer zu Fuß, oft schlief er unter einem Baum oder einem überhängenden Felsen. Die Kastengesetze achtete er aufs genaueste; er reiste als Brahmine und aß nie Fleisch. Dieses Wanderleben endete schließlich mit der Gründung der Station Kilba bei Rampur 120 oder 130 Meilen von Simla an der großen Straße nach Tibet. Der dortige Radscha, Shamshere Singh, befreundete sich mit P. Paul und unterhielt auch später einen englischen Briefwechsel mit ihm. Sein Gefährte wurde P. Paulinus [Paolino da Cortona], der nachher die erste Grammatik und das erste Wörterbuch der einheimischen Sprache verfasste und heute Bischof von Imola ist.

Im Jahre 1895 wurde P. Paul nach Simla berufen, während seine Gründung in Kilba wegen zu großer Entfernung von Simla aufgegeben wurde. P. Paul hatte Kilba gerade gewählt, weil es jungfräulicher, von der protestantischen Mission unbeeinflusster Boden war. Als Pfarrer von Simla hauchte er dem katholischen Jungmännerverein neues Leben ein, setzte die katholische St.-Josephsbuchhandlung wieder instand, richtete in der Kirche einen Bücherstand ein und setzte eine Leihbibliothek in Tätigkeit. Besondere Sorge wandte er dem Dritten Orden und der Marianischen Kongregation zu, gründete einen Paramentenverein und sorgte für Hausseelsorge in den abseits geratenen Familien. Später wurde er Kaplan der Schwestern Jesus und Maria in Simla und zuletzt arbeitete er in Mussoorie. Im Jahre 1913 machte er eine Reise nach Europa, um Almosen zu sammeln.

Niemals vergaß er die Heidenmission. Noch bei seinem Tode hinterließ er 40 Neuchristen aus der Umgegend von Mussoorie, die er stets selbst unterrichtet hatte. Bis auf die letzten Tage wusste P. Paul nicht, was es heißt, krank zu sein. Als in der letzten Nacht der Arzt erklärte, es stünde ernst, sagte der Greis in irischem Humor: „Ei, was die Doktoren nicht alles wissen! Bei meiner Priesterweihe habe ich versprochen, jeden Tag die heilige Messe zu lesen. Bisher habe ich mein Versprechen gehalten, ich werde auch bis zuletzt treu sein.“ Dann nahm der Kranke wie jeden Morgen ein kaltes Bad und las die heilige Messe ohne jede Schwierigkeit. Gegen 9 Uhr [am 26.06.1925] ging es mit ihm zu Ende. Sein Geist war vollkommen klar, und eine wunderbare Glückseligkeit lag auf seinem Gesicht. „Ich hätte nie gedacht, dass es so süß sei, zu sterben“, sagte er zu P. Johannes Baptist. „Ich gehe in den Himmel und will für Sie und für alle Mitbrüder beten, die so gut mit mir gewesen sind. Ich wünsche alles zu tun, was Regel und Konstitutionen vorschreiben.“ Bruder Krispin, ein indischer Kapuziner aus dem neuen Noviziat in Sardhana, hatte eine solche Ehrfurcht vor dem Kranken, dass er ihm die Medizinen nur kniend reichte. In Freude und Friede entschlief der große Missionär, der nach dem Zeugnissen aller ein Heiliger war.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925)

Freitag, 7. August 2026

“To save all men, but especially the Cumans” – St. Dominic’s dreams of converting Steppe warriors

 


“Saint Dominic wanted to save all men, Christian and Saracens, but especially the Cumans and other pagans”

- Friar Rudolf of Faenza at the canonization process of St. Dominic

When we think of St. Dominic’s zeal for the salvation of souls, his apostolate among the Albigensians might come to mind first. Yet throughout his priestly life, the earliest and most persistent object of his missionary zeal remained the Cumans, also known as Kipchak Tatars. This powerful Western Turkic people migrated into Eastern Europe from its homeland around the Aral Sea in the 11th century, terrorizing Christendom by launching deep raids into Christian lands. They soon also became allies of European empires, fighting for the Hungarians and the Bulgarians. Aside from smaller groups of Cumans who were defeated, settled in the Kingdom of Hungary and christianized, they largely adhered to Tengrism like other Central Asian nomads.

This pagan people attracted the attention of St. Dominic and his saintly companion Diego, Bishop of Osma. Diego intended to leave everything behind to preach to the Cumans, and accompanied by Dominic, he sought the blessing of the Father of Christendom, traveling to Rome in 1204. Pope Innocent III praised their zeal but demanded Diego to return to his bishopric. It appears that the Pope did not want the Spanish church to lose such an exemplary bishop. When Diego died in 1207, the desire for the Cuman mission remained in Dominic’s heart. In the early days of the Dominican Order he would often say: “When we have fully instructed our brethren, we will go to the Cumans, and preach the faith of Christ”. At the first General Chapter of 1220, St. Dominic intended to resign as Master General of his order to fulfill his dream of preaching among the warlike nomads, but his resignation was not accepted by the friars. The following year, the last of his life, the saint saw the foundation of the Dominican Province of Hungary, headed by Paulus Hungarus, who sent friars to preach among the Cumans. After initial hardships—two friars were killed—the Dominicans were successful in converting the Cuman chieftains Bortz and Membrok (possibly Bortz’ son) along with many of their subjects. These conversions laid the foundation for the short-lived Diocese of Cumania in what is now Romania, created by Pope Gregory IX in 1228 and headed by the Dominican Theodoric. The Mongol invasion of 1241 scattered the Cumans and destroyed the diocese, with the Cuman survivors in the Balkans being assimilated by the local populations.

While there no longer exists a distinct Cuman ethnic group, many Turkic peoples in Eastern Europe and Central Asia are related to the Cumans, such as the Nogais or the Kazakhs. May Saint Dominic intercede for them.

Sources:

John C. Rubba, O.P., “The Third Order of St. Dominic”
Theodosia Augusta Drane, “The History of St. Dominic”
J.B. O’Connor, O.P. “Saint Dominic and the Order of Preachers”
Leonhard Lemmens, O.F.M. “Die Heidenmission des Spätmittelalters”
Wikipedia: Roman Catholic Diocese of Cumania

Freitag, 17. Juli 2026

Ein Franziskanerbischof beim Großkhan –Johannes von Montecorvino O.F.M.

 


Das Spätmittelalter war die Zeit heroischer Wandermissionare. Zahllose Angehörige der beiden großen Bettelorden zogen nach Asien, um dort als Herolde des Evangeliums zu wirken und zu sterben. Weder die Tatsache, dass große Teile West- und Zentralasiens vom Islam dominiert wurden, noch die rauen Sitten der großen Nomadenvölker der eurasischen Steppe konnten diese apostolischen Wanderer abschrecken. Sie hatten ja alles verlassen, um Christus, dem Gekreuzigten, nachzufolgen. P. Leo Lemmens O.F.M. schreibt über ihre Gesinnung: „Hervorragendes Merkmal unserer Glaubensboten ist ihr Mut und Opfersinn. Vielleicht zeigt kein anderer Zeitraum so viele Hindernisse des Glaubenswerkes und so wenige Umstände, die zu seinen Gunsten eingewirkt hätten.“

Eines der großen Hindernisse waren die riesigen Entfernungen, die damals größtenteils zu Fuß oder zu Pferd bestritten wurden. So ist es nachvollziehbar, dass der europäische Kontakt zum kaiserlichen Hof in Kambaluk (Peking) erst im Jahr 1266 während der Herrschaft von Kublai Khan hergestellt wurde. Der Großkhan richtete durch Niccolò und Maffeo Polo an den Papst die Bitte um Gelehrte, „die die Lehre von dem einen mächtigen Gott predigen könnten“. Verschiedene Zeitumstände führten dazu, dass erst mit Bruder Johannes von Montecorvino im Jahr 1289 ein päpstlicher Gesandter auszog, der auch an seinem Zielort in China ankam.

Die Gebrüder Polo bei Kublai Khan

Bruder Johannes war 1246 oder 1247 im kampanischen Montecorvino Rovella geboren und war zunächst Arzt und Richter, bevor er in den Orden der Minderbrüder eintrat und sich dann als Orientmissionar vor allem in Armenien und Persien verdient machte. Als er 1289 von dort aus nach Rom kam, erteilte ihm Papst Nikolaus IV. die diplomatische Mission, päpstliche Schreiben an verschiedene Herrscher Asiens, darunter auch an den Großkhan in Kambaluk zu übermitteln. So berichtet er: „Ich, Fr. Johannes von Montecorvino aus dem Franziskanerorden, reiste von Tauris [Täbris], der Perserstadt, im Jahr 1291 und überschritt die Grenzen Indiens und verweilte in der Gegend Indiens bei der Kirche des hl. Apostels Thomas dreizehn Monate und taufte dort gegen 100 Personen an verschiedenen Orten. Mein Gefährte war Fr. Nikolaus von Pistoia aus dem Orden der Predigerbrüder, der dort gestorben und in eben dieser Kirche beigesetzt ist. Weiterreisend kam ich nach Katai, dem Reiche des Kaisers der Tataren, welcher der Großkhan heißt“.


Timur Khan

Timur Khan, der Enkel Kublais, empfing Bruder Johannes wohlwollend und zeigte die für die mongolischen Herrscher  charakteristische religiöse Duldsamkeit, die auch bei Özbek Khan der Goldenen Horde oder den persischen Ilkhanen trotz ihres Bekenntnisses zum Islam zum Tragen kam. Der Mongolenkaiser war zwar „im Heidentum ergraut“, doch ließ er den Franziskaner frei predigen.
Größere Schwierigkeiten machten die nestorianischen Priester, die wie in Zentralasien damals auch in China noch rührig missionierten. Sie verleumdeten ihn gar als Raubmörder, so dass er sich über Jahre immer wieder vor Gericht verantworten musste, bis die Wahrheit ans Licht kam und der Großkhan die Verleumder in die Verbannung schickte. Trotzdem hatte Bruder Johannes weiterhin von dieser Seite zu leiden; so versuchten die Anhänger des Nestorius, seinen Kirchenbau nachts zu zerstören. Vermutlich handelte es sich dabei um dieselbe Kirche, die er 1299 fertigstellte und mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Bund und Inschriften in lateinischer, persischer und uighurischer Sprache verzierte. Ohnehin zeichnete ihn eine Liebe für einen würdigen Gottesdienst aus. Die 40 Knaben, die der Missionar getauft und in Latein und Griechisch unterrichtet hatte, nahmen am feierlichen Chorgebet teil und erfreuten auch den Kaiser mit ihrem Gesang. Bruder Johannes übertrug neben seiner pastoralen Arbeit die Heilige Schrift in die mongolische Sprache und benutzte dazu das geläufige uighurische Alphabet. Bis 1304 konnte er 6000 Personen taufen oder in die katholische Kirche aufnehmen, darunter auch den nestorianischen Öngüt-König Georg. Georg diente ihm von da an in fürstlichen Kleidern am Altar. Besondere Hirtensorge von Br. Johannes erfuhren die Alanen, die während der Mongolenherrschaft in China angesiedelt wurden. Die Angehörigen des berühmten Reitervolkes hatten aus ihrer kaukasischen Heimat den griechisch-orthodoxen Glauben mitgebracht und mieden die Nestorianer als Häretiker. „Der Apostel der Alanen“ nahm viele von ihnen in die katholische Kirche auf und machte sie so zu einer der Säulen der neuen Gemeinde. Bei all diesen Arbeiten ist zu bemerken, dass Johannes von Montecorvino erst im Jahr 1303 einen ersten Gehilfen in Br. Arnold von Köln erhielt. Nach Einschätzung von Br. Johannes hätte sich der Großkhan vielleicht bekehrt, wenn er noch zwei oder drei Mitarbeiter gehabt hätte. 

Im Jahr 1307, dem Todesjahr Timurs, erhob Klemens V. den eifrigen Missionar zum Erzbischof von Kambaluk und entsandte sieben (laut Lemmens, nach anderen Quellen sechs) Franziskanerbischöfe, die ihm die Priesterweihe spenden und seine Suffraganbischöfe werden sollten. Nur drei von ihnen gelangten schließlich nach China und konsekrierten im Jahr 1308 den neuen „Patriarchen des ganzen Orients“, den Gründer der chinesischen Kirche. Seine Kirchenprovinz erstreckte sich vom Bistum Zaitun (Quanzhou) an der Taiwanstraße über Almalek in Turkestan bis nach Kumuk im Nordkaukasus – geradezu ein Sinnbild für seinen gigantischen Missionseifer. Alle nun in China residierenden Bischöfe standen in hoher Gunst am Hof des Großkhans, wobei Erzbischof Johannes vor allen anderen vom Kaiser geehrt wurde und freien Zutritt zu ihm hatte.

Von Heiden und Christen beweint, starb Erzbischof Johannes in Kambaluk im Jahr 1328. Johannes von Marignola berichtet 17 Jahre später, dass er von „Tartaren und Alanen als Heiliger“ verehrt wurde. Zweifelsohne ist Johannes von Montecorvino eine der bedeutendsten Figuren der Kirchengeschichte Ostasiens. Möge ein erfolgreicher Seligsprechungsprozess auch zur Bekanntheit seiner Person beitragen.

Literatur:
Dr. P. Leonhard Lemmens O.F.M.: Die Heidenmission des Spätmittelalters
P. Autbert Groeteken: Die Franziskanermissionen Chinas im Mittelalter

Montag, 11. Mai 2026

100 years of Rerum Ecclesiae: Praying for the missions

Children praying in Jiangmen Seminary Chapel (Source: Whithworth University)

In Rerum ecclesiæ, prayer as an “all-important help” holds a kind of primacy among the means to further the missions. Pius XI exhorts the Catholic bishops to introduce habitual missionary prayers among their flocks, since the work of the missionaries will be in vain “if God by His grace does not touch the hearts of the heathen in order to soften and attract them to Himself”.

There are several pious practices that were established in the wake of the great missionary encyclical and missiologists made many pastoral suggestions for practicing missionary prayer especially in parishes. I will touch on some of them briefly in the hope that they may contribute to a resurgence of missionary spirituality.

Missionary prayers centered around the liturgy

The “Pope of the Missions” puts special emphasis on missionary prayer being habitual in nature. Therefore, the liturgical year with its recurring seasons and feasts serves as a constant reminder to remember the missions in our prayer intentions. The liturgical texts of Advent express mankind’s longing for the Redeemer; they also remind us that the number of those who have not come to know Him and have not yet become children of God in Holy Baptism is still enormous. The feast of St. Francis Xavier, the great patron saint of the missions, also falls in the early days of Advent. His prayer for the conversion of unbelievers or one of the many approved prayers addressed to him could be said publicly after Mass.
In the first half of the 20th century, the solemnity of Epiphany was celebrated with an increasing focus on the calling of the gentiles to the Faith. This is another day where Mass and the Liturgy of the Hours could be offered for the propagation of the Faith.
To unite all parishes and dioceses in prayer for the missions, Pope Pius XI created World Mission Sunday. Often the focus of this feast has been a collection of donations for a specific work, which is another indispensable help for the missions. The all-important help of prayer should not be forgotten on this day, even emphasized more strongly than any material help. Latin Mass communities will do well to observe the former obligation of adding the orations of the Mass for the Propagation of the Faith to those of the Sunday after Pentecost celebrated on that date. We shall also not forget the other patron saint of the missions, St. Thérèse of Lisieux, who through her fervent zeal worked tirelessly for the missions without ever leaving Carmel. In addition, the 1970 calendar contains feasts of more recently canonized missionary saints, many of whom gave their life for Christ in martyrdom, especially in East Asia. Holy founders of missionary societies like St. Arnold Janssen deserve to be mentioned here as well.

We cannot move on to the next form of prayer without mentioning Mass stipends and Holy Communion being offered as a spiritual aid for the missions. Pius XI himself was the first priest to commit to offering Mass every 15th of the month as part of the Pium opus of Masses and prayers for the conversion of China, an initiative started by the Trappist monk Fr. Louis Brun. This was soon enthusiastically supported by the bishops of China, who urged the faithful to join this association as well. Members could register themselves with the Pium opus to either celebrate a Mass (as a priest), or have a Mass offered (as a layperson) once a year in this intention or, in place of a Mass, to receive Holy Communion twelve times a year.[1] A similar work is the Mission Mass Association of the Society of the Divine Word, founded with the broader intention of offering Masses for all unbelievers. Fr. Hermann Fischer, S.V.D. suggested that daily communicants offer up one Holy Communion a week for the missions.

Personal prayer

There are evidently countless ways Catholics can integrate missionary intentions in their personal prayer life. Msgr. Peter Nilles suggests adding a short prayer for the missions to the daily family prayers. Such a practice will fulfill the desire of Pius XI that children be accustomed to praying for the conversion of non-Christians. The mysteries of the Holy Rosary can be meditated in their missionary dimension, such as remembering that Christ died for all men when praying the sorrowful mysteries. Another idea is to make short aspirations whenever we see something that reminds us of the missions, like praying for Muslims to embrace belief in the Most Holy Trinity when we walk past a mosque or for the conversion of India when we see Indian food at the supermarket.

Uniting prayer and suffering

The Day of Suffering for the Missions was already practiced during the pontificate of Pius XI and Pius XII publicly called upon the sick, especially chronically ill persons, to offer up their sufferings for the missions. In his missionary encyclical Redemptoris missio, Pope John Paul II also asked pastors to encourage the sick to make use of their crosses for the missions and mentions the observance of that day on Pentecost.

Conclusion

In his missionary encyclical, Pope Pius XI wrote: “Everyone can pray, of this fact there can be no question. Everyone, therefore, has at hand and can make use of this all-important help, this daily nourishment of the missions.” May the prayer for the missions in its many forms become dear to us all.



[1] Matteo Niccolini-Zani, “Christian Monks in China”