Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Montag, 1. August 2016

Der „Kuli des heiligen Joseph“ – Chinas großer Laienapostel Joseph Lopahong


Wohl kaum ein Laie hatte in der Geschichte der katholischen Kirche in China einen solchen Einfluss wie Joseph Lopahong, der wegen seiner Wohltätigkeit der „Vinzenz von Paul Chinas“, der „Ozanam Chinas“ oder der „Cottolengo Chinas“ genannt wurde. Sich selbst bezeichnete er wegen seiner großen Andacht zum Ziehvater des Herrn als „Kuli des hl. Joseph“. Joseph Lopahong wurde im März 1875 geboren und stammte aus einer Familie, die bereits 300 Jahre lang katholisch gewesen war. 

Als der junge Jurist im Jahr 1911 in seiner Heimatstadt Schanghai an einem mit Geschwüren bedeckten Kranken vorbeikam, wollte er diesen in ein Hospiz bringen, doch niemand wollte den Mann aufnehmen. Da auch der Rikschafahrer, den er zum Transport des Kranken engagiert hatte, den Dienst quittierte, trug Lopahong letzteren kurzerhand auf dem Rücken in sein Elternhaus, um ihn dort zu pflegen.

Durch dieses Ereignis kam ihm die Idee, ein Hospiz für die vielen Armen und Verlassenen, die es in China so zahlreich gab, zu gründen. Zunächst sollte es nur 30–40 Betten haben, denn mehr Geld hatte er nicht. Als dann auch das Geld für den Bau des Hospizes auf einem alten Friedhofsgelände ausging, besorgte er im Wallfahrtsort Zikawei eine Statue des heiligen Joseph, stellte sie auf dem Baugelände auf und versammelte die Arbeiter, Bettler und Kranken, meist Heiden, um sich, um zum Ziehvater Christi zu beten. Darauf begann er, Geld für sein Werk zu sammeln, vor allem bei Heiden. Der Erfolg: in wenigen Tagen war das Geld für das St. Josephs-Hospiz zusammen.

Auch in Zukunft sollte sein Gebet und Vertrauen zum heiligen Joseph stets belohnt werden, doch er tat auch viel dafür, indem er rastlos sammelte. Dieses Vertrauen, gepaart mit der eigenen Anstrengung, kam in der Bezeichnung „Kuli des hl. Joseph“ zum Ausdruck.

Durch sein großes Ansehen und seine Vertrauenswürdigkeit sollte er bald in Schanghai zahlreiche Ämter bekleiden: das eines Präsidenten der chinesischen Handelskammer, des Generaldirektors des Elektrizitätswerkes und der Straßenbahngesellschaft sowie der Kanalisationswerke, um nur einige wenige zu nennen. Diese Posten brachten weiteres Geld für seine Werke, die sich bald über die ganze Stadt erstreckten. Allerdings war Joseph Lopahong nie ein Millionär, geschweige denn ein „chinesischer Rockefeller“, und es lag ihm viel daran, diese falsche Ansicht, die sich auch schon in Europa verbreitet hatte, zu widerlegen.

Um sich eine Idee von seinen Werken zu verschaffen, folgen einige Zahlen: Im Jahr 1937 hatte er 7 Hospitäler und 89 Armenapotheken gegründet, in denen in einem Vierteljahrhundert über 9 Millionen Menschen Hilfe fanden. Das St. Joseph-Hospiz bot in 16 Gebäuden Platz für 3.200 Personen. Er gründete 17 Volksschulen, zwei Krankenpflegeschulen und sorgte für den Bau von 33 Kirchen und Kapellen und unterstützte zwei Abteien (der Trappisten und der Benediktiner). Seine Nächstenliebe ging jedoch weit über die Grenzen Chinas hinaus. Dem hartgeprüften Nachkriegsdeutschland (Erster Weltkrieg) widmete er sich ebenfalls mit seiner Hilfe.

Bei all dem blieb Joseph Lopahong ein schlichter, demütiger, frommer Mann. Er empfing täglich die heilige Kommunion, nachdem er bei der Messe gedient hatte, lehrte die Kranken den Katechismus und taufte sogar zum Tode verurteilte Häftlinge. Mancher sagte, Lopahong habe selbst mehr Menschen getauft als viele Missionare. Als er einmal im Beisein eines deutschen Steyler-Paters las, der „katholische Missionar Joseph Lo“ (er selbst) habe einen bekannten Verbrecher getauft, sagte er lächelnd: „Missionar sein möchte ich am liebsten“. Dem stand allerdings im Wege, dass er der Vater von 9 Kindern war, wobei seine beiden ältesten Söhne eifrige Mitarbeiter in seinem Werk waren. Die Auszeichnungen, die ihm zukamen, wie etwa die Ernennung zum Ritter des Ordens vom hl. Gregor dem Großen oder die Ernennung zum Mitglied der päpstlichen Familie, nahm er nur um seines Werkes Willen an. Ein großes Verdienst erwarb er sich um die Katholische Aktion, der er in China von 1912 bis zu seinem Tod vorstand, was ihn wohl zum weltweit dienstältesten Vorsitzenden machte.

Ungeklärt bleibt das Motiv für den Mord an dem großen Wohltäter, der im Dezember 1937 während der japanischen Besatzung von zwei als Orangenhändler verkleideten Chinesen vor seinem Haus erschossen wurde, als er gerade einem Armen einen Teller Reis reichen wollte. Die Nachricht erschütterte die gesamte katholische Welt. Es wird gemutmaßt, dass er ermordet wurde, da er häufiger den Kontakt zu den Besatzungsbehörden suchte, um seine Werke vor dem Untergang zu schützen. Lopahong sagte schon zu Lebzeiten, dass Gott sein Werk auch nach seinem Tod fortbestehen und wachsen lassen würde, wie bei Don Bosco.

Schließen wir mit einem Zitat, dass wohl sein Leben treffend zusammenfasst. Der ehemalige Direktor der Agentia Fides, John Considine, sagte über ihn, nachdem er Lopahong besucht hatte: „Ich trage mit mir das Gefühl, in Lopahong das lebendig gewordene Bild der Heilandsliebe zu den Armen gesehen zu haben.“


Es bleibt zu hoffen, dass Joseph Lopahong, der früher in der ganzen katholischen Welt bekannt war und hoch geachtet war, eines Tages zur Ehre der Altäre erhoben wird.

Sonntag, 11. Januar 2015

Der heilige Joseph als Helfer gegen die „Teufelskrankheit“



Alle Missionäre in den Ländern der Ungläubigen bestätigen den Einfluss der Dämonen auf die unglücklichen Heiden, welche noch nicht das Glück hatten, die Taufe zu empfangen. Ein Bischof aus dem Lazaristenorden erzählte unlängst, dass ihm bei einem Schulbesuch, wo sich zweihundert Kinder befanden, ein einfacher Blick hinreichte, um zu entdecken, dass nur zwei unter ihnen getauft seien. „Durch die Taufe entreißt uns Gott der Finsternis und versetzt uns in das Reich des Lichtes.“ (Ko. 1, 13.) – Der Satan begnügt sich nicht, die Seelen dieser armen Ungläubigen zu quälen, sondern er schlägt sie oft mit so sonderbaren Übeln, dass man sie in diesem Land [China] „Krankheiten des Teufels“ nennt. Die Ärzte selbst erklären sich in diesen Fällen für ohnmächtig; die hl. Sakramente allein vermögen zu helfen. Man führt in dieser Hinsicht tausend glaubwürdige Beispiele an. Das folgende hat der hochwürdige Pater Royer in einem Buch über die katholischen Missionen erzählt:

„Am 19. März, dem Fest des hl. Joseph,“ schreibt er, „bemerkte ich einen schrecklich mageren todbleichen Arbeiter – einen Heiden. „Was fehlt dir?“ fragte ich ihn ganz entsetzt. „Ach,“ erwiderte er, seine kleine Last ablegend, „ich bin nichts mehr, meine Kräfte sind dahin!“ Ich hieß ihn niedersitzen und erkundigte mich um seine Krankheit. Er bat mich um ein Heilmittel. O, sagte ich, glaube an Gott! Dein Übel ist unheilbar; denke daran, deine Seele zu retten, dies wird das beste Mittel sein! „Gut,“ sprach er, „ich glaube, und wenn Gott mich heilt, werden viele andere auch glauben. Seit zwei Jahren leide ich schon an dem Zié-pin (Teufelskrankheit).“
Ich spreche ihm Mut zu, schenke ihm ein kleines Gebetbuch, und empfehle ihm, zum heiligen Joseph zu beten, in fünf Tagen aber nach Jed-kiao zu kommen, wo wir das Fest Mariä Verkündigung feierten. Er kam und schon von weitem rief er mir zu: „Ich bin geheilt! Seit fünf Tagen ist der Teufel nicht wiedergekommen.“ Sein Angesicht glänzte vor Freude. Ich schenkte ihm einige Bücher religiösen Inhalts, sowohl für ihn als auch für seine Kinder. Am 4. April kam der Mann wieder und brachte seinen zweiten Sohn von 11 Jahren mit, der bereits die Gebete und den Katechismus lesen konnte. „Ich bin zufrieden mit dir“, sagte ich ihm. Er aber entgegen: „Wenn Sie, mein Vater! zu mir kommen wollen, so werden Sie dort noch viele finden, die in Folge meiner Heilung bereit sind, an Gott zu glauben.“

Ich erfüllte seinen Wunsch, kam zu ihm und war erstaunt über die Bereitwilligkeit der ganzen Familie, den Glauben anzunehmen. Ich taufte das jüngste Kind und nannte es Joseph aus Dankbarkeit für den vom heiligen Patriarchen erteilten Segen. Dies war der erste Täufling einer christlichen Gemeinde, die jetzt (1869) mehr als 20 Familien zählt.“

(Aus: Josephi-Buch oder: die Macht der Fürbitte des heiligen Patriarchen Joseph. Pfarrer Georg Ott, Pustet, 1878)

Sonntag, 2. März 2014

Die heilige Familie in Ägypten - Heiligtum von Matarieh


Auch das dunkle Afrika hat seine heiligen Stätten, wo der Fuß des Erlösers gewandelt ist, und der christliche Geist weilt mit umso liebevollerer Innigkeit bei ihnen, als sie ihn an die ersten Schritte des heranwachsenden Jesuskindes erinnern. 

An der großen Straße, welche Ägyptens moderne Hauptstadt mit der alten „Sonnenstadt“ Heliopolis verbindet, etwa 10 km von Kairo und 1 km von Heliopolis entfernt, liegt der sogenannte Balsamgarten. Ehemals zog man hier den Balsamstrauch, der Judäa den kostbaren Balsam lieferte. Einer uralten Überlieferung zufolge soll nun hier die heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben. Auf das Gebet der allerseligsten Jungfrau sei dann, so erzählt die Legende, ein Fruchtbarkeit spendender Quell dem Boden entsprungen. 

Nur 20 m von der Quelle entfernt, breitet eine alte Sykomore ihr schattiges Geäst aus. Es ist der sog. „Baum der allerseligsten Jungfrau“. Auf der Flucht, so meldete die fromme Sage weiter, sei die heilige Familie, von Verfolgern gedrängt, an einer dicken Sykomore vorübergekommen. Da habe sich der Stamm so weit geöffnet, dass die heiligen Personen mitsamt dem Reittier darin Platz gefunden hätten, und der Baum habe sich um alle geschlossen, bis die Bösewichte vorbeigezogen waren. Beide, Baum wie Quelle, werden heute noch gezeigt. 
Letztere, welche sich in einem Ziehbrunnen sammelt, ist wegen ihrer wunderbaren Frische weitbekannt und mag wohl die einzige eigentliche Quelle Ägyptens sein, die sich nicht aus durchgesickertem Nilwasser ergänzt.

Soviel ist sicher, dass die Überlieferung diese Stelle immer mit der heiligen Familie in Verbindung brachte. Die Christen der ersten Jahrhunderte hatten da eine große Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut, und noch alljährlich begehen die Kopten das Kirchweihfest des alten Gotteshauses, obwohl dasselbe schon längst in den Stürmen des Schismas eines Dioskoros untergegangen ist. 
Beim Graben der Fundamente der jetzigen Kirche stieß man auf mächtige Hausteine, welche dem alten Gotteshause angehörten. Nach dem Eindringen des Islams erbauten venezianische Kaufleute eine ärmliche Kapelle, die aber auch schon seit zwei Jahrhunderten in Trümmern liegt.

Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 
Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.
Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 



Am 8. Dezember des Jubliäumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift :“Französische Ordensleute durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.“

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.


Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Siehe auch:

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo

Montag, 10. Dezember 2012

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo



Unsern Lesern werden die interessanten Schilderungen P. Julliens S.J. über den Balsamgarten von Matarieh noch in Erinnerung sein, in welchem, der frommen Überlieferung zufolge, die seligste Jungfrau mit dem göttlichen Kind und dem hl. Joseph auf der Flucht nach Ägypten verweilt haben soll.
In einem uralten Kirchenkalender der Kopten findet sich schon die Angabe, dass an dieser Stelle eine Kirche stand.
Zum 8. des koptischen Monats Baune (etwa unser Juni) heißt es in dieser von Bischof von Melige verfassten Schrift: „Kirchweihfest der Kirche der Jungfrau und Gottesmutter zu Matarieh außerhalb der Mauern von Kairo, wo die jungfräuliche Mutter auf der Flucht nach Ägypten mit ihrem göttlichen Sohne und ihrem Gemahl wunderbar eine Quelle süßen Wassers entspringen ließ.“
Es hat also in den ersten christlichen Jahrhunderten bei der wunderbaren Quelle im Balsamgarten eine Kirche gestanden, und dieselbe muss viel besucht gewesen sein, da die Kopten jährlich das Fest ihrer Einweihung feierten.
Das Heiligtum wurde beim Einbruch der Mohammedaner zerstört. Schon im 13. Jahrhundert errichteten aber die Christen an dieser Stätte abermals eine Kapelle, von welcher Brocard in seiner „Beschreibung des Heiligen Landes“ sagt:
„Ich habe im Balsamgarten die Quelle gesehen, in welcher die heilige Jungfrau oftmals die Windeln des göttlichen Kindes wusch, und die Steine, auf denen sie dieselben trocknete. Quelle und Steine werden von den Christen verehrt. Es steht daselbst ein Kapellchen an der Stelle, wo sich die heilige Familie aufhielt. Die Sarazenen (Moslems) verehren sie und unterhalten darin eine brennende Ampel.“ Auch das Kapellchen verschwand und machte einem geräumigen Bau Platz, der die wunderbare Quelle einschloss und den Pilgern als Herberge diente; Breydenbach beschreibt dieses Gebäude im Jahre 1484.
Fromme Kaufleute aus Venedig sollen die Quelle mit Marmor eingefasst haben, und wenn es die Pascha erlaubten, habe man die heilige Messe daselbst gefeiert. Zwei Jahrhunderte später beschreibt uns der holländische Maler und Reisende Cornelius le Bruyn im Jahre 1680 in seiner „Reise in die Levante“ diesen Bau und gibt Abbildungen seine Äußeren und Inneren.
Es ist ein viereckiges Gebäude ohne jeden architektonischen Schmuck. Auch ist nun abermals eine kleine Kapelle, deren Bild wir S. 153 vorlegen, an dem altehrwürdigen Platz errichtet worden.
Der Schmuck derselben ist ein Altarbild, welches der selige P. Beckx, General der Gesellschaft Jesu, schenkte. Dasselbe stellt den Augenblick dar, da, der frommen Legende zufolge, das göttliche Kind auf die Bitte der seligsten Jungfrau die Quelle entspringen lässt (siehe oben).


(aus: die katholischen Missionen, 1887)

Sonntag, 11. März 2012

Der hl. Joseph, der Patron für eine gute Sterbestunde


Die Sterbestunde des heiligen Josef, dargestellt in einem französischen Kirchenfenster


„Während meines 12-jährigen Aufenthaltes in Südafrika“, so erzählt P. O’Haire, ein irischer Missionär, „war ich mehrere Jahre hindurch Seelsorger eines Gebietes, wohl so groß wie ganz England. Von Zeit zu Zeit besuchte ich meine weit zerstreute Herde.
Auf einer dieser Rundreisen verlor ich meinen Weg und irrte umher, ohne auch nur eine Ahnung zu haben, woher und wohin. Nirgends eine Spur von einem menschlichen Wesen. Es war in der trockenen Jahreszeit, und meine verdurstenden Rößlein waren kaum mehr im Stande, den Wagen voranzuziehen.
Endlich langte ich in einem mir unbekannten Tale bei einer Boer-Farm an. Das Land ringsum war von der Sonne versengt, doch sah ich in der Nähe des Hauses einen Wasserteich. Ich stellte mich dem Bauern vor, erzählte ihm meine Geschichte und bat ihn um Erlaubnis, meine Pferde tränken zu dürfen, was er auch gestattete. Darauf gab ich mich ihm als katholischer Priester zu erkennen; er selbst war natürlich Kalviner. ‚Ei‘, sagte er, ‚das trifft sich gut; dort im Hinterhaus liegt ein Arbeiter am Sterben; der ist katholisch. Vielleicht können Sie einmal hingehen.‘
Ich eilte hin und fand einen armen Burschen, dem der Tod schon auf der Stirne geschrieben stand. Als ich ihm sagte, ich sei der katholische Priester des Distriktes von Cudtshorn, 150 englische Meilen von hier entfernt, da richtete sich die eingefallene und bleiche Gestalt im Bett auf und rief mit dem Ausdruck innigsten Dankes: ‚O heiliger Joseph, ich wusste es, du würdest mir vor dem Tode noch einen Priester senden, der mir in der letzten Stunde beistehe!‘
‚Wie ist das mit dem heiligen Joseph? ‘ fragte ich, neugierig gemacht. Da erzählte mir der Sterbende kurz folgendes:
‚Als ich noch daheim in Irland ein Knabe war, da lehrte mich meine gute fromme Mutter jeden Tag beten: „ O heiliger Joseph! Bitte für mich um eine glückselige Sterbestunde!“ Ich habe von da an dies Gebetlein keinen einzigen Tag unterlassen. Ich ging zur ersten heiligen Kommunion, als ich 10 Jahre alt war, diente Messe bis zum 15. Jahr und trat ins Heer ein im 21. Der Zulukrieg brachte mich nach Afrika.
Bevor ich Irland verließ, ging ich in meiner Uniform zu meiner armen alten Mutter, um von ihr Abschied zu nehmen. Als wir uns trennten, sagte sie noch: „Vergiss mir ja nicht das Gebetlein zum hl. Joseph!“ Der Zulukrieg kam zu Ende, meine Dienstzeit war herum, ich wurde entlassen und blieb in der Kolonie.
Der nächste Priester von meinem Aufenthaltsort aus war in Kapstadt — 500 Meilen weit Entfernung. Dann kam ich auf diese holländische Farm und bin hier seit Jahren. Kürzlich hörte ich, dass ein Priester nach Cudtshorn gekommen, 150 Meilen von hier, und obschon kränklich, machte ich mich doch auf den Weg dahin, in der Hoffnung, wieder einmal beichten und kommunizieren zu können. Als ich bei der Priesterwohnung anlangte, hieß es, Sie seien fort auf der Rundreise und würden vielleicht erst nach Monatsfrist zurück sein.
Ich wartete eine Woche lang und machte mich dann auf den Heimweg. Gestern kam ich hier an — sterbenskrank, und sehen Sie, heute schickt mir der heilige Joseph einen Priester. ‘
Ich blieb die Nacht über bei ihm, bereitete ihn vor, hörte seine Beichte, reichte ihm am nächsten Morgen die heiligen Wegzehrung und spendete ihm bald darauf die letzte Ölung und den letzten heiligen Segen.
Nicht lange danach starb er, und das letzte Gebet seiner sterbenden Lippen war: ‚Heiliger Joseph! Bitte für mich um eine selige Sterbestunde.‘“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)