Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Samstag, 7. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 1)



Unter den Männern aus dem niedrigen Volk hat P. Fiorovich S.J. seit langen Jahren ein Werk ins Leben gerufen, das ein ganz besonderes Interesse bietet. Wir meinen die in der ganzen Levante berühmt gewordene Männerkongregation von Beirut.
Diese zeigte uns klar, was besonnene , aber begeisterte Hingabe an eine Sache zuwege bringt, und ist nicht minder geeignet, jenen, die in christkatholischem Sinn an der Lösung der sozialen Frage arbeiten wollen, gute Winke an die Hand zu geben, sowie dieselben zu standhafter Ausdauer und zum Vertrauen auf die gute Sache zu begeistern.
In den 26 Jahren ihres Bestandes hat diese Kongregation mehr als 10.000 Mitglieder aufgenommen. Viele davon haben sich in den syrischen Küstenstädten zerstreut und dort zu ähnlichen Vereinen zusammengetan; so ist das Werk von Beirut zum Grundstock und Vorbild mehrerer anderen geworden.
Bekanntlich ist Beirut seit 1860 der Handelsmittelpunkt Syriens.
Christen aus den niedrigsten Ständen strömten dahin, um dort Sicherheit und Lebensunterhalt zu finden. Lassen wir uns den Beginn seines Unternehmens von P. Fiorovich selber erzählen.


 „Im Anfang der sechziger Jahre waren hier nur wenige eingeborene Priester, und diese waren nicht sehr seeleneifrig. Die Männer aus den unteren Volksschichten waren fast nur dem Namen nach Christen; denn sie kannten häufig nicht einmal die Grundwahrheiten des Katechismus, manche wussten auf meine Frage, ob es nur Einen Gott gebe oder ob man drei oder vier Götter anbeten müsse, keine Antwort.
Da beschloss ich dann im Jahr 1863, für diese verlassenen Armen eine Kongregation zu gründen.
Zu diesem Ende begann ich die Straßen und öffentlichen Plätze zu durchlaufen: ich betrat die Bazare, ging von einer Krämerbude zur anderen und lud die Kleinhändler, die Lastträger, die Matrosen freundlich ein, in unsere Kapelle zu kommen.
Nach all diesen Bemühungen, denen ich mich unausgesetzt drei Wochen unterzog, fanden sich zur ersten Versammlung vier Männer ein, acht Tage darauf sieben. Kurz, der Erfolg war nicht glänzend.
Da verfiel ich auf den Gedanken, bei unseren Patres kleine Devotionalien zu sammeln und am Sonntag eine kleine Lotterie zu veranstalten. Nach der Versammlung fand die Ziehung im Hof unseres Hauses statt.
Fast auf alle Anwesenden fiel ein Gewinn, sei es ein Skapulier oder ein Bildchen oder eine Medaille. Das zog nun mehr Leute an.
Die, welche sich in die geplante Kongregation aufnehmen ließen, erhielten ein Skapulier gegen das Versprechen, bei den Versammlungen zu erscheinen; außerdem wurde ihnen die Gelegenheit, in der Lotterie etwas zu gewinnen, nicht benommen. Bald musste ich natürlich dieses Verfahren aufgeben: ich hatte nichts mehr zu verschenken, und überdies hatten sich schon 100 Männer einschreiben lassen, eine genügende Anzahl, um das Werk jetzt mit allem Ernst in Angriff zu nehmen.
Vor allem tat den Männer Religionsunterricht und ein gründlicher Wandel in den Sitten not.
Eine Woche lang hielt ich jeden Abend eine Art Exerzitienvortrag, in welchem ich die ewigen Wahrheiten und dann auch die Notwendigkeit einer guten Beichte betonte.
Das letztere war mir die Hauptsache; doch ließ ich anfangs davon kein Wort verlauten, um niemand abzuschrecken; ich rechnete auf die Wirksamkeit der Gnade Gottes, welche die Herzen dazu stimmen, und vorbereiten musste, und fand mich nicht getäuscht: die guten Männer kamen zahlreich zum Beichtstuhl.
Allen, die sich dem heiligen Bußgericht nahten, gab ich über dieses Sakrament einen besonderen Unterricht, und ich hörte ihr Sündenbekenntnis nur an, wenn sie zu einer vollständigen Beicht aller Todsünden und zu einer aufrichtigen Reue bereit waren.
Dann half ich aber auf jede Wiese nach, durch Fragen und durch Ermutigung.
Damit noch nicht zufrieden, forderte wenn einer seine Generalbeicht vollendet und die Lossprechung erhalten hatte, denselben auf, mir einen Sünder wie er zuzuführen; ‚je größer er ist‘, fügte ich wie scherzend bei, ‚umso größere Freude bereiten Sie mir‘, und bald kam er freudenstrahlend mit einem verlorenen Schäfchen zurück, wofür ich ihn dann mit irgend einem kleinen Andachtsgegenstand belohnte.
Einer meiner ersten Pönitenten brachte mir sogar 16 nacheinander. So stellten sich mir dann selbst Renegaten, die den Islam angenommen, Straßenräuber und offenkundige Mörder und taten Buße.“

Fortsetzung folgt...
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Freitag, 6. April 2012

Wirksamkeit der spanischen Jesuiten in den Gefängnissen und unter der verwahrlosten Jugend in Buenos Aires


Mariano Antonio Espinosa, Erzbischof von Buenos Aires von 1900-1923, vorher Weihbischof

In einem Brief von Buenos Aires heißt es: „Jedes Jahr halten die Patres in dem Gefängnis der Stadt eine Mission, die fünf oder sechs Tage lang dauert. Noch nie aber hat dieselbe so großen Segen gestiftet als in diesem Jahr. Um das, was ich erzählen will, besser zu verstehen, muss man wissen, dass dieses große Babel (Buenos Aires), das nur Vergnügen und Handel atmet, zugleich die große Gosse aller Nationen Europas ist. Man kann sich daher denken, welche Gefangenen sich in diesem Kerker befinden.
Während des gegenwärtigen Jahres unterrichtete ich regelmäßig die ‚Minderjährigen‘. Es sind dies herumirrende, nachts von der Polizei auf den Straßen gesammelte Kinder, welche ihre Eltern niemals kennengelernt haben.
Sie wissen auch weder ihren Geburtsort noch die Stadt oder Gegend, wo ihre Eltern leben. Arme Kinder! Welche große Barmherzigkeit und Liebe flößen sie mir ein, so oft ich ihnen predige! Groß ist ihre Aufmerksamkeit, dass ihnen ja kein einziges Wort verloren gehe.
Dennoch wünschte ich sie öfter und einzeln besuchen zu können, weil ich ganz überzeugt bin, dass ein Vortrag am Sonntag nicht für einen guten religiösen Unterricht genügt. Man wird mir dies leicht glauben, wenn ich sage, dass man unter ihnen — trotz ihres jugendlichen Alters — Diebe von 100.000 Mark, Mörder und Gesindel aller Arten findet.
Doch kehren wir zur Mission zurück.Die einzigen Gefangenen, welche etwas von Religion wissen, sind die sog. penados, d.h. alte Bewohner des Hauses, die schon viele Jahre lang jeden Sonntag das Wort Gottes gehört haben.
Hunderte von anderen Gefangenen aber kommen und gehen alle Monate, und diese können tatsächlich sagen: Nec, si Spiritus Sanctus sit, audivimus (wir haben auch nicht gehört, dass es einen Heiligen Geist gebe). Um dieser Unwissenheit abzuhelfen, wurden während der Mission sehr viele kleine Katechismen unter sie verteilt.
„Es stand jedem frei, der Mission beizuwohnen; kein einziger aber von den tausend oder mehr Gefangenen fehlte auch nur einen Tag. So aufmerksam lauschten sie der Predigt des Missionärs, dass man das Summen einer Mücke hätte hören können.
Wo aber das göttliche Herz seine allmächtige Güte besonders offenbarte, das war bei den Beichten, die in den letzten Tagen stattfanden. Sieben Patres aus dem hiesigen Kolleg kamen, um die Beichten zu hören, auch aus anderen Häusern und Klöstern halfen einige.
Sechshundert wenigstens legten unseren Patres ihre Beichten ab, und mit welcher Reue, mit welchem Schmerz, mit welchen Tränen! Fast alle verließen den Beichtstuhl weinend wie Kinder.
Die Minderzahl hatte seit 10 und 12 Jahren, die meisten seit 20, 30 Jahren nicht mehr gebeichtet; einige niemals im ganzen Leben.
Die meisten haben niemals gebetet und wissen gar kein Gebet; deswegen bestand die Buße darin, dass sie das Stoßgebet ‚Süßes Herz Jesu, erbarme dich meiner!‘ oder andere ähnliche sechzig- oder achtzigmal wiederholen mussten. Einem von jenen Sündern gab ein Pater als Buße auf, sechzigmal andächtig das Stoßgebet zu sprechen: ‚Herr, erbarme dich dieses armen Sünders.‘ Als er sich bitter weinend erhob, meinte er: ‚Pater, diese Worte muss ich allen, die ich treffen, sagen; nicht wahr?‘
Einige der Knaben wollten anfangs nur zum Spaß beichten.
Da zeigte ihnen ein politischer Gefangener vom vorigen Aufruhr her — alle hauptsächlichen Teilnehmer desselben sind nämlich hier eingekerkert worden — die Hässlichkeit ihres Vorhabens und ermahnte sie dann sehr, ernstlich zu beichten, was sie auch getan haben.
Er wiederholte darauf mit ihnen den Unterricht des Paters und führte ihnen denselben weiter aus; kurz, dieser Mann war während der Mission ein wahrer Apostel.
Der hochw. Bischof Espinosa, der uns sehr gewogen ist, feierte selbst vor den Gefangenen die heilige Messe und bereitete während derselben die Herzen mit einem inbrünstigen Kommunionunterricht vor.
Mehr als 500 Personen kommunizierten, und zwar mit solchem Eifer und so viel Tränen, dass der hochw. Bischof voll des Trostes fortging, indem er sagte, nie hätte er bei Menschen von so verdorbenem Gewissen so etwas für möglich gehalten, wenn er es nicht selbst gesehen hätte.
Und noch hätten mehr als hundert andere die heilige Kommunion empfangen, wenn nicht die Wärter das Frühstück, sei es aus Unwissenheit oder Unaufmerksamkeit, ihnen zu früh auf ihre Zellen gebracht hätten. Diejenigen, welche deshalb den Leib des Herrn nicht empfangen konnten, baten jedoch, dass ihnen diese große Gnade am folgenden Tag zu teil werde.
Bald nach der heiligen Messe spendete der hochw. Bischof den Gefangenen das Sakrament der Firmung.
Der oben erwähnte politische Gefangene diente mit großer Freude bei der Kommunionmesse und machte nachher den Firmpaten meiner Knaben. So verweilten die 1000 Gefangenen in der Kapelle still und andächtig von 7 ½-10 Uhr.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Schiffbruch auf den Philippinen — Opfermut zweier Missionäre



Am 30. Januar 1889 morgens 5 Uhr scheiterte der spanische Dampfer Remus an einem Felsenriff in den Gewässern der Philippinen.
Bei dieser Gelegenheit gaben zwei Missionäre, P. Paul Raymond aus der Gesellschaft Jesu und Fr. Julius Dorado aus dem Franziskanerorden, Proben eines heroischen Opfermutes.
Mitten in der furchtbaren Verwirrung bewahrte P. Raymond seine volle Geistesgegenwart. Sich selbst gänzlich vergessend, war er nur bedacht, die anderen zu retten.
Verschiedene Male rief man ihm zu, in eines der Rettungsboote zu steigen.
Dankend lehnte er ab mit der Erklärung, das Schiff nicht eher verlassen zu wollen, als bis alle gerettet wären.
Kniend auf dem Verdeck verschwand er in den Wogen im Augenblick, da das Schiff in die gähnende Tiefe sank.
Fr. Julius befand sich mit anderen Passagieren in einem der Rettungsboote, als Hilferufe zu ihren Ohren drangen.
„Rettet den Unglücklichen!“ rief der Missionär. Der Arme hatte sich krampfhaft an einer auf den Wellen treibenden Kiste festgeklammert; aber schon schwanden seine Kräfte; im nächsten Augenblick wäre er ein Raub der Wogen geworden.
„Wir können ihn nicht aufnehmen,“ erklärten die Leute, „sonst sinkt die Schaluppe.“ — „Wohlan!“, rief Fr. Dorado, „dann soll er meinen Platz erhalten.“ Mit diesen Worten sprang er ins Meer.
Der andere Schiffbrüchige wurde glücklich an Bord gebracht. Als man sich umsah, auch den Märtyrer der Liebe noch zu retten, war es zu spät.
Er war ein Opfer seiner selbstlosten, edelmütigen Liebe geworden, und seine Seele bereits im Himmel, um dort den ewigen Lohn der Seligen aus der Hand dessen zu empfangen, der da gesagt: Liebet einander, wie ich euch geliebt!

(Aus: die katholischen Missionen, 1889)

Dienstag, 3. April 2012

Eine heldenhafte Taufe


Die Bereitschaft der Missionäre, für das Seelenheil ihrer Schafe das Leben hinzugeben, zeigt wohl kaum eine Geschichte so gut wie die folgende aus Uganda:

Am 14. April passierte Pater Giraud in einem Kanu die kleine Insel Djuma an der Küste von Mweri. Plötzlich erfasste ein Flusspferd die Barke und zertrümmerte sie, sodass der Missionär mit einem Waisenknaben und vier Ruderern versank. 

Letztere retteten sich; ein Gleiches hätte nach ihrer Aussage P. Giraud gekonnt; allein dieser zog es vor, mit heldenmütiger Liebe sein Leben in die Schanze zu schlagen, um die Seele des Kleinen, der die Taufe noch nicht empfangen, zu retten. 

Krampfhaft klammerte sich der Knabe an den Priester, sodass dessen Bewegungen fast gänzlich gehemmt waren. Mit Aufgebot aller Kraft gelang es dem Pater, die Rechte frei zu machen und sich so lange oben zu halten, bis er mit der Hand das Wasser, in dem er den Tod fand, über das Haupt des Kindes gießen und dazu die Worte der Taufformel sprechen konnte. 

Darauf versanken beiden in den Fluten. Kurz nachher standen sie gewiss vereint vor dem Thron Gottes: der eine im unbefleckten Kleid der Taufgnade, der andere als Märtyrer heroischer Liebe.

(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Religionsdiskussion zwischen einem katholischen Bischof und einem chinesischen Moslem (Teil 2)


Bei dieser kühnen Erklärung war alles sprachlos vor Erstaunen; ein Murren des Unwillens und halbunterdrückte Drohungen wurden laut. Der Augenblick war kritisch, dauerte aber nicht lange. Denn rasch fasste sich die Gesellschaft wieder, und man suchte das Gespräch auf etwas anderes zu bringen.
Es ging aber nicht mehr. Die innere Verstimmung hemmte den Fluss, und der Apostolische Vikar war froh, als er endlich höflich verabschiedet wurde.
Ein Muselmann verzeiht nie, zumal wo es sich um die Ehre Mohammeds handelt. Die dem Propheten angetane Schmach musste gerächt und womöglich im Blut des christlichen Oberhirten gesühnt werden.
Seit dem Tage war Msgr. Fenouil seines Lebens nicht mehr sicher. „Wiederholt schien ich verloren,“ so schreibt er selbst, „und es blieb mir nichts mehr übrig, als eben noch einen Akt der Reue zu machen, wenn nicht im letzten Augenblick ein unversehener Zwischenfall mich wieder gerettet hätte.“
Der hochwürdigste Herr erzählt dann aus vielen besonders ein Abenteuer wo sich der göttliche Schutz in ganz auffallender Wiese gezeigt hat.
Msgr. Fenouil hatte mit mehreren Begleitern eine längere Reise angetreten. In Tao-yuen, einem großen Dorf, 5 km von Tschao-tong-fu, meldete man dem Bischof, es seien vier unheimlich aussehende Gesellen da, die offenbar nichts Gutes im Schilde führten. Er erkundigte sich und erfuhr, dass sie es auf ihn abgesehen hatten, und am nächsten Tag vorauseilen wollten, um ihm am Weg aufzulauern.
Was war zu tun? Msgr. Fenouil beschloss, ihnen zuvorzukommen. Er stand vor dem Morgengrauen auf, übergab sein Gepäck zweien seiner Begleiter mit der Weisung, erst gen Morgen aufzubrechen, und verließ mit einem dritten die Herberge.
Trotzdem sie so leise als möglich auftraten, erwachte der Gastwirt und rief: „Wer geht da?“ Glücklicherweise gab der Koch, der im Schlafe gestört worden, den erstbesten Namen an, so dass alles wieder ruhig wurde.
„Da wir wussten, dass man uns verfolgen werde, falls man unsere Flucht bemerkte, eilten wir so rasch voran, als die Dunkelheit erlaubte. Alles ging gut, und wir dachten, bereits einen weiten Vorsprung vor unseren Verfolgern gewonnen zu haben, als uns bei Tagesanbruch unversehens zwei starknochige Burschen entgegenkamen und uns aufhielten.
‚Wer seid ihr?‘ fragten sie uns. ‚Wir sind Fremde und unbekannt in dieser Gegend.‘ — ‚Diesen Morgen sind aus unserem Dorf zwei Männer entwischt; seid ihr ihnen vielleicht begegnet?‘ — ‚Nein, wir haben außer uns niemanden auf dem Weg getroffen. — ‚Und woher kommt ihr denn? Wo hab ihr übernachtet?‘ — ‚In Tao-yuen. Wir sind sehr früh aufgebrochen und haben uns verirrt.‘ —‚Wie ist das möglich? Ihr sagt, ihr hättet in Tao-yuen übernachtet, und nun geht ihr ja auf Tao-yuen zu, also könnt ihr nicht von dorther kommen.‘
Die Lage drohte kritisch zu werden, und mir wurde etwas bange, als einer der unliebsamen Fragesteller sich zu zwei Reitern hinwandte, die etwa 100 Schritt von uns entfernt am Weg standen, und ihnen zurief: ‚Sie sind es nicht; sie sind ihnen auch nicht begegnet und haben niemanden auf dem Weg getroffen.‘
Wir waren gerettet und wenigstens für diesen Tag von weiteren Nachstellungen befreit.“
Die Aufklärung dieses rätselhaften Abenteuers ist sehr einfach.
Gewiss nicht ohne eine besondere Führung ihre heiligen Schutzengels hatten die beiden Flüchtlinge bei der Dunkelheit ihren Weg so gründlich verfehlt, dass sie bei Tagesanbruch auf derselben Strecke zu eben dem Ort zurückkehrten, den sie einige Stunden zuvor verlassen hatten. Das war  es aber gerade, was ihre Verfolger in die Irre führte und die Gesuchten nicht erkennen ließ.
Das Lustigste an der Sache aber war, dass sie den einen der beiden Burschen jetzt auch noch baten, sie auf den richtigen Weg zu weisen, was derselbe bereitwillig tat.
Der interessante Brief schließt mit einer herzlichen Bitte um Gebet, was unsere Leser gewiss dem wackeren Oberhirten nicht vorenthalten werden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Montag, 2. April 2012

Religionsdiskussion zwischen einem katholischen Bischof und einem chinesischen Moslem (Teil 1)



Msgr. Fenouil, Apostol. Vikar von Yünnan (Südwestprovinz des Kaiserreiches), wäre vor einiger Zeit dem fanatischen Hass der dortigen chinesischen Muselmänner beinahe zum Opfer gefallen.
In Yünnan, besonders in der gleichnamigen Hauptstadt, sind die Mohammedaner sehr zahlreich, und der Prophet hat in Mekka kaum eifrigere Schüler, als die dortigen Marabuts. Mit viel Humor erzählt der ehemalige Oberhirt, wie sie mit ihren Bekehrungsversuchen selbst an ihn sich herangewagt.
Ohne eine Ahnung von der Erhabenheit, Heiligkeit und göttlich reinen Trostesfülle der wahren Religion Jesu Christi wähnt ihr verblendeter fleischlicher Sinn, dass den phantastisch lüsternen Seligkeitsverheißungen des falschen Propheten kein menschliches Herz sich verschließen könne.
Ruhig und mit mildem Ernst wies Msgr. Fenouil ihre lächerlichen Zumutungen ab und suchte ihrem lästigen Fanatismus möglichst auszuweichen. Die Marabuts hofften aber immer noch, ihren guten Freund, den Bischof, für sich zu gewinnen.
Eines Tages erhielt der Apostol. Vikar von einem reichen Muselmann unerwartet eine Einladung zum Abendessen. Eine abschlägige Antwort hätte seine sonderbaren Freunde beleidigt, was der Bischof vermeiden wollte; und so fand er sich zur festgesetzten Stunde ein.
Kaum hatte man Platz genommen, als einer der anwesenden Saïtes (der Ehrentitel chinesischer Moslems, welche die Pilgerreise nach Mekka gemacht), auch gleich eine Lanze gegen Msgr. Fenouil einlegte und zu einem Religionsgespräch überging.
Christus, so behauptete der Marabut, habe doch eigentlich nichts getan, um den Namen eines Erlösers zu verdienen, habe zudem ein schlimmes Ende gefunden und dergleichen mehr, was wir hier nicht wiederholen wollen.
Der Bischof trat hierauf mit Wärme für die Ehre des Welterlösers ein und entwarf ein Bild seines wundervollen, gottmenschlichen Lebens. „Aber, woher wissen Sie“, unterbrach ihn der Marabut, „dass Christus der Sohn Gottes ist?“ — „Weil Er selbst es gesagt und Gott seine Aussage durch Wunderzeichen bestätigt hat.“ Und nun zeigte der Bischof die unwiderstehliche Beweiskraft der Wunder Christi, insbesondere der Auferstehung.
„Aber,“ meinte der Marabut, „es gibt nichts Unklareres und Unvernünftigeres als eure Religion; denn sie zwingt euch, zu glauben, was ihr nicht seht, und anzunehmen was ihr nicht versteht.“ Ein solcher alberner Einwand verdiente eine tüchtige Abfertigung. „Erlauben Sie mir, zu fragen, ob Sie einen Urgroßvater hatten.“ — „Versteht sich; er war aber tot, als ich zur Welt kam.“ — „Ja, sind Sie dann aber auch gewiss, dass Sie einen hatten?“ — „Wie können Sie so etwas fragen?“ — „Nun wohl, dann glauben Sie ja selbst etwas, was Sie nicht sehen. Sie nehmen gewiss auch an, dass Sie eine Seele haben, die mit Ihrem Leibe verbunden ist, nicht wahr?“  — „Natürlich; das ist aber eine offenkundige Tatsache.“ — „Aber verstehen Sie auch wohl wie zwei verschiedene Wesen, wie Geist und Körper, zu einem Wesen sich verbinden können?“ — „Das will ich nicht behaupten.“ — „Nun wohl, Sie glauben also nach Ihrem eigenen Geständnis, was Sie nicht sehen, und nehmen auf Menschenwort hin, was Sie selbst nicht begreifen. Wie soll also der Glaube der Christen, der auf Gottes Wort sich stützt, etwas Unvernünftiges sein?“ — Den Anwesenden wurde es bei dieser Wendung des Religionsgesprächs unbehaglich.
Sie hatten vielleicht einen glänzenden Sieg erwartet und waren auf diese Niederlage nicht gefasst. Der Apostolische Vikar aber wollte die Gelegenheit nicht verpassen, um gegen den falschen Propheten einen Trumpf auszuspielen.
„Da ich“, so fuhr er fort „Ihre Einwände gelöst und Ihre Fragen beantwortet habe, so werden Sie mir nun auch eine Frage erlauben. Hat denn Euer Prophet auch nur durch ein einziges Wunder sich als Gesandter Gottes ausgewiesen?“ — „Ob er das wohl hat“, meinte der Marabut. „Wer weiß nicht, wie viele und staunenswerte Wunderzeichen er getan? Ich will nur eines anführen, das seinesgleichen nimmer hat.
Eines Abends spät, als die Ungläubigen (Juden und Christen) immer noch sich weigerten, die Lehre des Propheten Allahs anzunehmen, sprach Mohammed zu ihnen: ‚So sehet denn und glaubet. ‘ Und mit einer Bewegung seiner Hand teilte er den Mond in zwei Hälften, steckte eine davon in seinen Ärmel und ließ den anderen aufs Geratewohl in den leeren Raum hinabfallen.“ — „In der Tat“, erwiderte der Bischof, „das ist sehr stark; da muss man zur Zeit des Propheten wohl recht weite Ärmel getragen haben.“
Diese Antwort erregte allgemeine Heiterkeit, und das süßsaure Lächeln des Saïte darüber nach, wie er die Scharte wieder auswetzen und dem christlichen Bischofe eines versetzen könnte. — „Was denken Sie denn eigentlich“, so fragte er nach einer Weile, „ von unserem Mohammed, dem großen Propheten Allahs? Wo lassen Sie ihn in diesem Augenblicke sein, im Himmel oder in der Hölle?“
Das war eine recht heimtückisch pharisäische Schlinge.
Die Antwort auf die Frage war heikel und konnte verhängnisvoll werden. Nach einem kurzen inneren Gebet erwiderte der Bischof: „Es ist Ihre eigene Schuld, mein Herr, wenn Sie durch diese unausweichlich bestimmte Frage eine Antwort herausfordern, die Ihnen vielleicht minder angenehm sein dürfte; es ist aber meine Art nicht, Winkelzüge zu machen, wo es sich um Glaubenslehren handelt.
Sie wissen, meine Herren, dass ich Ihr Freund und Sie mir persönlich wert sind. Doch Gott allein ist unser Herr; ihm stehen alle Freunde dieser Erde nach, wo dies seine Ehre fordert. Mohammed ist in der Hölle, und dorthin gehen alle, die aus Verstockung Gott widerstehen bis zum Ende.“



(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Sonntag, 1. April 2012

Missionsarbeit in Sibirien


Eine Lemberger Zeitung veröffentlichte jüngst den Brief eines jener Priester, denen es in Sibirien gestattet ist, ihres heiligen Amtes zu walten. Wegen ihrer geringen Zahl sind dieselben beständig genötigt, auf Reisen zu sein und die Strecke von Tobolsk nach Kamtschatka und von Nertschinsk zum Polarmeer bei schneidender Kälte im Schlitten zurückzulegen.
So bringen es diese heldenmütigen Apostel zu Stande, unter unerhörten Mühen und Anstrengungen den verbannten Katholiken wenigstens einmal im Jahr den Trost der Religion zu bieten. Besonders gehören zu diesen Glücklichen die Gefangenen, welche zu Minenarbeiten verwendet werden.
Ferner segnen die Priester die Gräber jener ein, welche im Verlauf des Jahres starben. Es fehlt zwar gewiss nicht an katholischen Priestern, allein sie können mit wenigen Ausnahmen ihren Beruf nur im geheimen ausüben.
Der oben erwähnte Brief ist aus den Bergwerken von Zyrianow datiert. „Fortwährend“, so schreibt der Missionär, „bin ich in apostolischen Arbeiten tätig. Vor etwa zwei Monaten habe ich Tomsk verlassen, während dieser Zeit habe ich gegen 60 Gefangene Beicht gehört und Kinder getauft.
Nachdem wir von Tomsk weg waren, ging es gegen Kuzniec. Unser Besuch galt den Dörfern Tala und Plezkow, sowie einer Silbermine, die auf dem Weg lag. Dort wollte ich den Versuch machen, für die geistlichen Bedürfnisse der Gläubigen zu sorgen. Um von Kuzniec nach Biisk am Fuß des Altai zu gelangen, mussten wir die Akunaberge übersteigen.
Von Biisk über den Altai in der Richtung der chinesischen Grenze ist der Weg äußerst mühsam und beschwerlich. Gegenwärtig befinde ich mich an der Grenze Chinas, jedoch so erschöpft, dass ich mich kaum aufrecht zu halten vermag. Wegen des Regens und Schnees ist jeder Schritt auf den Bergen gefahrendrohend. Gott weiß, wann ich nach Tomsk zurückkehren werde. Augenblicklich bin ich 300 Meilen davon entfernt. Große Mühen harren meiner.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1889)