Als sich Gabriel-Taurin Dufresse in den frühen 1770er Jahren
im berühmten Pariser Seminar Saint-Sulpice auf das Priestertum vorbereitete, erfuhr
er durch seinen Professor Jean-Didier de Saint-Martin vom Pariser
Missionsseminar, das zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahrhundert in Ostasien
missionierte. De Saint-Martin wurde bald Mitglied der Missionsgesellschaft und
zog als Missionar in das „Land des Überflusses“, in die Provinz Sichuan im Südwesten
Chinas. Beide sollten dort nicht nur die Würde des Bischofsamts, sondern vor allem
die Härten der Verfolgung teilen. Der junge Diakon Dufresse trat am 2. Juli
1774 in der Rue du Bac ein und wurde am 17. Dezember desselben Jahres zum
Priester geweiht. Im Dezember 1775 reiste er in die Mission nach Sichuan.
Die Mission in der Provinz Sichuan hatte seit Mitte des
18. Jahrhunderts trotz der herrschenden Verfolgungen einen starken
Aufschwung genommen. Besondere Bedeutung hatte dabei Msgr. François
Pottier, der ebenso umsichtige wie eifrige Apostolische Vikar, ein „Mann mit
einem Herzen aus Gold“, wie der selige Jean-Martin Moyë von ihm sagte. Die Zahl der
Katholiken im Vikariat stieg während seiner Amtszeit von ca. 5000 auf 25.000.
In diesem Zeitraum wurden insgesamt 15 Chinesen zu Priestern geweiht.
Pater Dufresse schlug sich 1776 von Macao aus – verkleidet
als Chinese – nach Sichuan durch und wurde dabei zweimal verhaftet,
anschließend aber wieder freigelassen. Als er genug Chinesisch gelernt hatte,
ernannte ihn Bischof Pottier zum Seelsorger des Nordteils der Provinz, wo er
unter den verstreut lebenden Christen wirkte. Im Jahr 1784 wurde Pater de
Saint-Martin zum Koadjutor von Msgr. Pottier erwählt. Gleichzeitig brach
die öffentliche Verfolgung wieder hervor. Pater Dufresse konnte sich zunächst
bei befreundeten Christen verstecken, doch Saint-Martin lud ihn dazu ein, sich
mit ihm zu ergeben, um der Verfolgung die Spitze zu brechen. Der Heilige gehorchte
und wurde mit anderen gefangenen Missionaren, darunter de Saint-Martin, nach
Macao geführt, von wo sie ins Exil auf den Philippinen geschickt wurden. Unter
den Bewachern der Gefangenen auf dem Marsch war ein junger Mann namens Zhao Rong,
der sich, beeindruckt vom Wandel und der Predigt des Paters Dufresse, bekehrte
und von diesem auf den Namen Augustinus getauft wurde. Er wurde Priester und
starb als Märtyrer am 27. Januar 1815. Gemeinsam mit Gabriel-Taurin Dufresse
wurde Augustinus Zhao Rong zur Ehre der Altäre erhoben. Ein weiterer Heiliger,
der in diesen Jahren von Dufresse bekehrt wurde, war der chinesische Priester Joseph
Yuan Zaide, der 1817 gemartert wurde.
Erst 1789 konnte der Heilige von Manila aus nach China
übersetzen und erreichte auf heimlichen Pfaden Sichuan erneut. Im Jahr 1792
starb Msgr. Pottier und de Saint-Martin übernahm das Amt des Apostolischen Vikars,
während Dufresse sein Provikar wurde. In den folgenden Jahren entfaltete er
eine angestrengte Missionstätigkeit mit zahlreichen Bekehrungen. Msgr. de
Saint-Martin ernannte ihn 1800 zu seinem Koadjutor, und Dufresse wurde nach dem
Tod seines alten Professors und Weggenossen dessen Nachfolger. Ein besonderes
Ereignis war die Synode des Vikariats von Sichuan, das 1803 in Chongzhou tagte.
Es war die erste Synode in den chinesischen Missionen. Ihre Bestimmungen,
darunter zur Spendung der Sakramente und zum Verhalten der Priester, wurden später
den übrigen Missionsgebieten in Ostasien vom Heiligen Stuhl als beispielhaft empfohlen.
Die relative Ruhe war von kurzer Dauer, denn die Verfolgung
verschärfte sich ab 1805 erneut. Dennoch gab es jedes Jahr bis zu 2000
Konversionen. Der Bischof lebte auf der Flucht. Sie endete, als im Jahr 1814 ein
Christ auf der Folter den Aufenthaltsort des Oberhirten verriet. Msgr. Dufresse
wurde nach Chengdu geführt. Dort wollten die Behörden den Bischof zusammen mit
33 Christen hinrichten. Der Heilige ermunterte sie zur Treue im Glauben und gab
ihnen die Lossprechung. Anschließend bot er dem Henker seinen Hals dar. So
wurde Gabriel-Taurin Dufresse am 14. September 1815 am nördlichen Stadttor
von Chengdu geköpft. Die verurteilten chinesischen Katholiken schickte man statt
ans Schafott ins Exil. Der Leib des Märtyrerbischofs wurde von den Christen
bestattet, während der Kopf zunächst unauffindbar blieb. Einige Jahre später übergaben
buddhistische Mönche das Haupt an Pater Lin. Die kostbaren Reliquien kamen im
Jahr 1857 nach Frankreich, wo sie an den Altären des Pariser Missionsseminars
verehrt werden.
Zusammen mit zahlreichen anderen chinesischen Märtyrern
wurde Msgr. Dufresse im Jahr 1900 selig-, im Jahr 2000 heiliggesprochen.
