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Freitag, 6. November 2026

Ein Leben auf der Flucht – St. Gabriel-Taurin Dufresse, Apostolischer Vikar von Sichuan

 


Als sich Gabriel-Taurin Dufresse in den frühen 1770er Jahren im berühmten Pariser Seminar Saint-Sulpice auf das Priestertum vorbereitete, erfuhr er durch seinen Professor Jean-Didier de Saint-Martin vom Pariser Missionsseminar, das zu diesem Zeitpunkt schon über ein Jahrhundert in Ostasien missionierte. De Saint-Martin wurde bald Mitglied der Missionsgesellschaft und zog als Missionar in das „Land des Überflusses“, in die Provinz Sichuan im Südwesten Chinas. Beide sollten dort nicht nur die Würde des Bischofsamts, sondern vor allem die Härten der Verfolgung teilen. Der junge Diakon Dufresse trat am 2. Juli 1774 in der Rue du Bac ein und wurde am 17. Dezember desselben Jahres zum Priester geweiht. Im Dezember 1775 reiste er in die Mission nach Sichuan.

Die Mission in der Provinz Sichuan hatte seit Mitte des 18. Jahrhunderts trotz der herrschenden Verfolgungen einen starken Aufschwung genommen. Besondere Bedeutung hatte dabei Msgr. François Pottier, der ebenso umsichtige wie eifrige Apostolische Vikar, ein „Mann mit einem Herzen aus Gold“, wie der selige Jean-Martin Moyë von ihm sagte. Die Zahl der Katholiken im Vikariat stieg während seiner Amtszeit von ca. 5000 auf 25.000. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 15 Chinesen zu Priestern geweiht.

Pater Dufresse schlug sich 1776 von Macao aus – verkleidet als Chinese – nach Sichuan durch und wurde dabei zweimal verhaftet, anschließend aber wieder freigelassen. Als er genug Chinesisch gelernt hatte, ernannte ihn Bischof Pottier zum Seelsorger des Nordteils der Provinz, wo er unter den verstreut lebenden Christen wirkte. Im Jahr 1784 wurde Pater de Saint-Martin zum Koadjutor von Msgr. Pottier erwählt. Gleichzeitig brach die öffentliche Verfolgung wieder hervor. Pater Dufresse konnte sich zunächst bei befreundeten Christen verstecken, doch Saint-Martin lud ihn dazu ein, sich mit ihm zu ergeben, um der Verfolgung die Spitze zu brechen. Der Heilige gehorchte und wurde mit anderen gefangenen Missionaren, darunter de Saint-Martin, nach Macao geführt, von wo sie ins Exil auf den Philippinen geschickt wurden. Unter den Bewachern der Gefangenen auf dem Marsch war ein junger Mann namens Zhao Rong, der sich, beeindruckt vom Wandel und der Predigt des Paters Dufresse, bekehrte und von diesem auf den Namen Augustinus getauft wurde. Er wurde Priester und starb als Märtyrer am 27. Januar 1815. Gemeinsam mit Gabriel-Taurin Dufresse wurde Augustinus Zhao Rong zur Ehre der Altäre erhoben. Ein weiterer Heiliger, der in diesen Jahren von Dufresse bekehrt wurde, war der chinesische Priester Joseph Yuan Zaide, der 1817 gemartert wurde.

Erst 1789 konnte der Heilige von Manila aus nach China übersetzen und erreichte auf heimlichen Pfaden Sichuan erneut. Im Jahr 1792 starb Msgr. Pottier und de Saint-Martin übernahm das Amt des Apostolischen Vikars, während Dufresse sein Provikar wurde. In den folgenden Jahren entfaltete er eine angestrengte Missionstätigkeit mit zahlreichen Bekehrungen. Msgr. de Saint-Martin ernannte ihn 1800 zu seinem Koadjutor, und Dufresse wurde nach dem Tod seines alten Professors und Weggenossen dessen Nachfolger. Ein besonderes Ereignis war die Synode des Vikariats von Sichuan, das 1803 in Chongzhou tagte. Es war die erste Synode in den chinesischen Missionen. Ihre Bestimmungen, darunter zur Spendung der Sakramente und zum Verhalten der Priester, wurden später den übrigen Missionsgebieten in Ostasien vom Heiligen Stuhl als beispielhaft empfohlen.

Die relative Ruhe war von kurzer Dauer, denn die Verfolgung verschärfte sich ab 1805 erneut. Dennoch gab es jedes Jahr bis zu 2000 Konversionen. Der Bischof lebte auf der Flucht. Sie endete, als im Jahr 1814 ein Christ auf der Folter den Aufenthaltsort des Oberhirten verriet. Msgr. Dufresse wurde nach Chengdu geführt. Dort wollten die Behörden den Bischof zusammen mit 33 Christen hinrichten. Der Heilige ermunterte sie zur Treue im Glauben und gab ihnen die Lossprechung. Anschließend bot er dem Henker seinen Hals dar. So wurde Gabriel-Taurin Dufresse am 14. September 1815 am nördlichen Stadttor von Chengdu geköpft. Die verurteilten chinesischen Katholiken schickte man statt ans Schafott ins Exil. Der Leib des Märtyrerbischofs wurde von den Christen bestattet, während der Kopf zunächst unauffindbar blieb. Einige Jahre später übergaben buddhistische Mönche das Haupt an Pater Lin. Die kostbaren Reliquien kamen im Jahr 1857 nach Frankreich, wo sie an den Altären des Pariser Missionsseminars verehrt werden.

Zusammen mit zahlreichen anderen chinesischen Märtyrern wurde Msgr. Dufresse im Jahr 1900 selig-, im Jahr 2000 heiliggesprochen.