Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Mittwoch, 12. September 2012

Eine griechisch-melchitische Gesandtschaft zum Priesterjubiläum von Papst Leo XIII.


In der zweiten Hälfte des Oktobers brachte eine Deputation von Kirchenfürsten dem Heiligen Vater die Glückwünsche und Geschenke der griechisch-katholischen Kirche zu seinem Jubelfeste dar. An der Spitze der Gesandtschaft stand der Erzbischof von Tyrus, Msgr. Euthymius Zulhof; die übrigen Mitglieder waren der Erzbischof Inha von Aleppo und der hochwürdigste Herr Fakak von Beirut; ihnen schlossen sich der Generalvikar des Bischofs von St. Johann von Acca, der ehemalige Generalobere der griechisch-katholischen Basilianer und mehrere Priester an.
Im Auftrag ihrer Gläubigen boten sie dem Heiligen Vater eine Ehrengabe von 6.000 heiligen Messen, eine goldene, perlengeschmückte Tiara, einen Schrank von Perlmutter und sonstige Wertgegenstände. Der Erzbischof von Tyrus versicherte den Statthalter Christi der treuesten Anhänglichkeit aller Katholiken des Orients, besonders der Oberhirten und des griechisch-armenischen Patriarchen Msgr. Gregor Yussef.

Er bezeugte in ihrem Namen dem Heiligen Vater die Gefühle kindlicher Liebe und unbedingter Hingabe. „Denn“, so sagte er, „in Ihrer geheiligten Person erkennen wir den Statthalter unseres Herrn Jesus Christus auf Erden, den Nachfolger des hl. Petrus und das unfehlbare Oberhaupt der Kirche, sowie den gemeinsamen Vater aller Gläubigen.
Möge sich also Ew. Heiligkeit würdigen, gnädig auf uns herabzusehen und den Segen zu spenden unserem verehrten Patriarchen, unseren teuren Wohltätern und unserer ganzen Nation, die wir hier mit ihren Gebeten, Wünschen und Gaben vertreten bei Ihrem Jubelfest, das ein Freudentag der ganzen katholischen Welt ist.
Das sind die Wünsche, die wir Ew. Heiligkeit demütigst zu Füßen legen, indem wir Gott inständig bitten, er möge Ew. Heiligkeit noch recht lange erhalten und bewahren zu seiner größeren Ehre und zum Wohle seiner Kirche.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Sonntag, 9. September 2012

9. September: Fest des heiligen Petrus Claver, Apostels der Sklaven in Kolumbien

Fenster in der Kathedrale von Cartagena de Indias, Kolumbien (Kamilokardona)

Die katholische Kirche kennt keine Rassendiskriminierung. Das sagt uns schon ein sehr unverdächtiger Zeuge, der schwarze Gelehrte Edward Blyden (erst Protestant, dann Moslem), in dem Artikel „der Neger und die katholische Kirche“. Als besonders herausragendes Beispiel der Liebe zu den schwarzen Sklaven wurde hier Petrus Claver angeführt.
Pedro Claver Corberó wurde 1581 in Verdu nahe der katalonischen Stadt Lérida geboren und gehört so zu einer Gruppe von heiligen Missionaren, die Katalonien der katholischen Kirche geschenkt hat, darunter Antonio Maria Claret, Luis Beltran (der Patron Kolumbiens), Petrus Nolascus und Raymund Nonnatus.
Bereits als Kind zeichnete er sich durch große Frömmigkeit und eine kindliche Andacht zur Mutter Gottes aus.
Es ist also kein Wunder, dass er sich dem Studium der Theologie widmete und bereits mit 14 Jahren die Tonsur empfing. Danach trat er in das Kolleg der Gesellschaft Jesu ein, das der heilige Franz Borgia gegründet hatte und bat nach langem Gebet und Beratung mit seinem Gewissensführer um Aufnahme in diesen Orden.
Nach dem Noviziat und den Gelübden der Scholastiker wurde er nach Palma de Mallorca geschickt, um dort seine philosophischen Studien durchzuführen.
Dort wurde der große Laienbruder St. Alphons Rodriguez zu seinem väterlichen Freund und gab ihm einige Richtlinien im geistlichen Leben mit auf den Weg, z.B. folgende, die auch für uns gilt: „Um rasche Fortschritte in der Tugend zu machen, verwende er besonderen Fleiß auf die Beherrschung seiner Zunge. Alle seine Reden sollen Wahrheit, Frieden und Erbauung atmen. Er sage viel mit wenig Worten, und um stets gut zu reden, rede er nur von Gott oder mit Gott.“
Er entflammte besonders das Verlangen des jungen Heiligen, möglichst viele Seelen für Gott zu gewinnen. In einer Vision von den Thronen, die im Himmel den Seligen bereitet sind (siehe Geheime Offenbarung des hl. Johannes) zeigte sein Schutzengel dem heiligen Alphons einen leeren Thron, der glänzender und herrlicher als die anderen erschien. Alfons fragte darauf den Engel, für wen dieser sei. Der Engel entgegnete: „Für deinen Schüler Claver. Das ist der Lohn für seine Tugenden und für die große Menge Seelen, die er einst in Westindien Gott gewinnen wird.“ Dies wurde erst nach dem Tod des hl. Alphons bekannt, der es seinem Beichtvater erzählt hatte (wohl hatte dieser die Erlaubnis, es weiterzuerzählen).
Diese Schauung trieb den hl. Alphons noch mehr an, in Claver die Sehnsucht nach der Mission zu stärken. Er sagte zu ihm: „Wenn Dir die Ehre des Hauses Gottes am Herzen liegt, so eile hin nach Westindien, um dort viele tausend Seelen zu gewinnen, die sonst verloren gehen. Wenn du Jesus Christus liebst, so eile hin und suche das Blut zu verwerten, welches er auch für jene Nationen vergossen hat, die seinen Preis noch nicht kennen.“
Petrus Claver bat seinen Oberen, ihn in die Mission zu schicken, allerdings sollten noch einige Studien erfolgen und seine Berufung zur Mission geprüft werden. 


Im April 1610 bestieg er schließlich ein Schiff, das in nach Kolumbien bringen sollte. Auf der monatelangen Überfahrt kümmerte er sich aufopfernd um die Kranken an Bord und sparte sich für sie alle schmackhaften Speisen vom Mund ab. In Kolumbien angekommen verbrachte er zwei Jahre mit dem Studium der Theologie in Santa Fe de Bogota und nach dem dritten Probejahr, wie es bei den Jesuiten vorgesehen ist, eine Art abschließendes Noviziat, wurde er nach Cartagena de Indias, der „Königin Westindiens“ abberufen. Er beugte sich im Gehorsam der Anordnung seiner Oberen und empfing am Fest des hl. Joseph, dem 19. März 1616 in der Kathedrale die heilige Priesterweihe, obwohl er aus Demut Laienbruder bleiben wollte.
Nun folgte eine fast 40-jährige apostolische Laufbahn, in der er über 300.000 Sklaven getauft hat. In Südamerika wird dies nur vom heiligen Toribio de Mogrovejo übertroffen, der in seinem Leben einer halben Million Menschen die heilige Taufe gespendet hat.


Cartagena war damals einer der wichtigsten Häfen Südamerikas und diente als indirekter Verkehrspunkt zwischen Spanien und den Philippinen. Als Handelshafen war es auch Umschlagplatz für Sklaven, die zu tausenden von britischen Schiffen eingeführt wurden. Anfangs sollten nur kriegsgefangene Afrikaner als Sklaven dienen, später aber wurden sie von ihren eignen Häuptlingen verkauft oder durch die Europäer mit Gewalt aus ihrer Heimat entführt.
Die Schwarzen wurden bei der Überfahrt schlimmer als Tiere im Schiffsrumpf zusammengepfercht und in Ketten geschmiedet, um einen Aufstand zu verhindern. Entsprechend grassierten die furchtbarsten Krankheiten unter ihnen.
Die Kirche verurteilte den Sklavenhandel, konnte allerdings die Verantwortlichen nicht davon abhalten und musste sich so darauf beschränken, das Los der Sklaven zu erleichtern. So bestimmten die Provinzialkonzilien von Mexiko und Lima Richtlinien für die Herren, die ihren Sklaven genug Zeit zu religiösen Übungen und Sakramentsempfang und Ruhe an Sonn- und Feiertagen zusichern mussten; dazu wurden ihre Ehen geschützt, sie durften weder zur Ehe noch zu einer besonderen Wahl bezüglich des Partners gezwungen und ihre Familien nicht getrennt werden.


Bereits vor Claver wirkte P. Alphons Sandoval S.J. unter den Sklaven Cartagenas. Wenn ein Sklavenschiff in den Hafen einlief, bettelte er Kleider und Nahrungsmittel für die Unglücklichen und sprach ihnen in ihrer Muttersprache oder mit Hilfe eines Dolmetschers zu. In diese Fußstapfen trat nun unser Heiliger. P. Sandoval hatte sich bei seiner aufopfernden Arbeit eine tödliche Krankheit zugezogen und starb Weihnachten 1618.
Petrus Claver amte seine Nächstenliebe nach und begab sich in den Hafen, um die neu angekommen Sklaven zu stärken, sie zu trösten, den Katholiken unter ihnen die Sakramente zu spenden oder neugeborene Kinder zu taufen, und begann mit Hilfe von Dolmetschern bald den Unterricht der Heiden. Dies war kein leichtes Unterfangen, da oft auf einem Schiff Angehörige von bis zu 30 Völkern waren. Er besorgte sich dafür zuverlässige Dolmetscher. Wie wir verspüren die Heiligen Ekel, den auch der heilige Petrus Claver empfand, wenn er die armen Sklaven sah, die unter den schlimmsten hygienischen Umständen die Überfahrt über das Meer machen musste. Hieran sieht man die heroische Tugend, denn durch die Gnade Gottes konnte er sich dazu bringen, die Schwarzen in den verpesteten Schiffverließen aufzusuchen. 


Auch flehte er die Besitzer der Sklaven an, dass diese nicht ins Innere Kolumbiens auf die Plantagen und in die Bergwerke gebracht werden sollten, bevor sie nicht im Glauben unterrichtet waren und die Taufe empfangen hatten. Mit Geschenken an die Sklavenaufseher verschaffte er sich Zugang zu den Sklavenzellen, um dort seine Werke der Nächstenliebe fortführen zu können. Mithilfe der Dolmetscher gab er Glaubensunterricht und stellte einen Altar auf, dessen Bild den gekreuzigten Heiland zeigte, dessen Blut von einem Priester aufgefangen wurde, der damit einem Schwarzen die Taufe spendete.
Auf der rechten Seite wurden Schwarze im Glorienschein des Himmels gezeigt, auf der linken die Unglücklichen, die die Gnade verscherzt hatten und nun von höllischen Ungeheuern umringt waren.
 Sobald die Afrikaner getauft waren, gaben sie ihre Freude über die gewonnene Kindschaft Gottes kund, indem sie das Habit Clavers küssten, in die Hände klatschten und ihn mit zahlreichen Segenswünschen überhäuften.

An Feiertagen hörte Claver ab 3 Uhr morgens die Beichten der Sklaven, und kein Spanier kam bei ihm an die Reihe, bevor nicht alle Afrikaner gebeichtet hatten.
Er verwies es vielen Spaniern, die in der Kirche nicht neben den Sklaven sitzen wollten.
So gütig er zu seinen schwarzen Kindern war, so streng konnte er sein, wenn es um die Sünde ging. Da sich unter vielen Schwarzen die Trunksucht verbreitet hatte, war auch die Gotteslästerung nicht selten. Wenn einer häufig in diese Sünde fiel, gab er eine öffentliche Buße auf, bei der der Büßer den Boden küssen müsste. Dabei setzte ihm der heilige Petrus seinen Fuß leicht in den Nacken und sagte zu ihm: „Wer bist du Unseliger, dass du dich erfrechst, gegen den Himmel dich aufzulehnen und Gottes Majestät zu lästern?“
Sobald aber seine Kinder von ihren Besitzern grausam behandelt wurden, stellte er sich schützend vor sie und flehte um Gnade.

Bereits zu seinen Lebzeiten wurden Wunder durch seine Fürsprache berichtet, darunter einige Totenerweckungen. Eine Tote sollte bereits begraben werden, war aber nicht getauft. Petrus Claver rief sie nach inbrünstigem Gebet beim Namen, die Tote erhob sich und er fragte, ob sie die Taufe begehre. Sie bejahte dies deutlich, und nachdem sie die Taufe empfangen hatte, stand sie völlig gesund auf.

Bei seiner Ordensprofess im Jahr 1622 stellte er sich in einem eigenen Gelübde für den Rest seines Lebens in den Dienst der Sklaven mit dem Motto: „Petrus, immerdar Sklave der Neger.“ Aber sein Eifer beschränkte sich nicht nur auf die Afrikaner, er führte auch tausende Sünder zur Buße und Bekehrung. Selbst nahm er die schwersten Bußwerke auf sich.

Im Jubeljahr 1650 erreichte die Pest von den Antillen aus das südamerikanische Festland, und einer der ersten Opfer unter den Jesuiten war Petrus Claver.
Nach dem Empfang der heiligen Kommunion schien die Todesgefahr gebannt, es blieben aber gesundheitliche Schäden. Durch ständiges Zittern konnte er die heilige Messe nicht mehr lesen und brauchte Hilfe im Alltagsleben.
Trotzdem gab er sein Apostolat nicht auf und ließ sich in den Hafen tragen, als ein Schiff von ungetauften Ararais einlief, die wohl von seiner Liebe angezogen auf ihn zueilten und sich zu seinen Füßen warfen, und erteilte ihnen Glaubensunterricht. Dies war sozusagen die letzte Ernte. 


Im September 1654 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand immer mehr. Als sein Tod bevorstand, strömten die Bewohner Cartagenas zusammen, schwarz und weiß, Kleriker, Reiche und Arme, um dem Heiligen ihre Liebe kundzutun. Sein Bett war umringt von Sklaven, die laut über das Scheiden ihres Vaters klagten.
Am 8. September, dem Geburtsfest der Jungfrau Maria, die er so kindlich verehrte, schied er aus dieser Welt, um den ihm zugewiesenen Thron im Himmel zu besetzen.

Mit größter Pracht wurde er am 9. September 1654 in der Kathedrale von Cartagena beigesetzt. Bereits 1657 wurde das Seligsprechungsverfahren eröffnet. Papst Pius IX. sprach ihn 1851 selig, Papst Leo XIII. erhob ihn am 15. Januar 1888 zur Ehre der Altäre.

Er wird als Patron der Afroamerikaner und zweiter Patron Kolumbiens (neben Luis Beltran) verehrt.

Heiliger Petrus Claver, bitte für uns!


(Nach einem Aufsatz in die katholischen Missionen, 1888)

Samstag, 8. September 2012

Protestantische Missionen in Rom

Der Petersdom bei Nacht (Eugene Pivovarov)

„Alle ägyptischen Ungeheuer haben ihre Tempel in Rom“, heißt es in einer französischen Tragödie. An diese Worte wird man erinnert, wenn man den Eifer sieht, womit heute wieder jede Sekte und jedes Sektlein sich ihren Tempel in Rom zu gewinnen suchen, als sei mit solchem Fußfassen auf dem Mutterboden des Katholizismus ein besonderer Triumph erreicht, eine Siegesfahne aufgepflanzt. 

Die Freimauerer haben eben feierlich ihren „Tempel“ eröffnet; die Methodisten sind eifrig bestrebt, den ihrigen zu vollenden; die Waldenser bilden längst ein konstituierte Gemeinde mit einer Kapelle, und jetzt wird eine Pilgerschaar von 80 Engländern angekündigt, die kommen, um als Deputierte baptistischer Gemeinden der Einweihung einer baptistischen Kirche an der Piazza von San Lorenzo beizuwohnen! 
Die Anglikaner haben ihre Kirche längst vor der Porta del Popolo; in einer der neuen Straßen auf dem Biminal wird eifrig an einer ziemlich geschmacklos im gotischen Stil aufgebauten kleinen Kirche, für weiß welch wunderliche Sekte, geschafft und gezimmert — und bei all dem begreift man weder die Notwendigkeit solcher Stiftungen von Gemeinden ohne Gemeindemitglieder, noch die Zweckmäßigkeit, dem katholischen Rom auf diese Weise die grenzlose Zersplitterung des Protestantismus zu exemplifizieren“.

So schreibt nicht die Germania oder ein anderes ultramontanes Blatt, sondern die Augsburger Allgemeine (Beilage vom 24. März 1875, S. 1292
Anmerkung: diese Zeitung hatte scheinbar im 19. Jhd. einen liberalen Ruf). 

Gemeinden ohne Gemeindeglieder und Beweise für die grenzenlose Zersplitterung des Protestantismus — das sind die Früchte der protestantischen Mission in Rom und anderwärts; dafür geben die gutmütigen, von ihren Predigern aufs Schmählichste belogenen amerikanischen und englischen Protestanten ihre Dollars und Schillings.

Alles (außer der Anmerkung) aus: die katholischen Missionen, 1875

Mittwoch, 5. September 2012

Exerzitien für die Aussätzigen auf Molokai

St. Damian Deveuster

Bereits wiederholt war in diesen Blättern von der Aussätzigen-Niederlassung in Molokai die Rede. Folgende Mitteilungen, die wir in einem Brief des hochw. P. Archambaux von der Kongregation der heiligen Herzen (datiert aus Lahaina, Insel Maui, den 8. September 1876) entnehmen, berichten über deren gegenwärtigen Zustand.

„Auf der Rückreise von Honululu berührte P. Damian Deveuster Lahaina und beredete mich, ihn nach Molokai zu begleiten; es sollten daselbst Exerzitien gehalten werden. Am 25. August steigen wir den steilen Felsenpfad herab und gelangten so in die abgeschiedene Ebene, welche den Aussätzigen zum Aufenthalt angewiesen ist. Dieselbe enthält zwei Dörfer, Kalaupapa mit freundlichen weißen Häusern und der katholischen Kapelle, und Kalawao, wohin wir unsere Schritte lenkten.
Am Eingang des Dorfes gewahre ich einen geräumigen, ummauerten Plan, mit zahlreichen Gebäuden: das ist der Ort, wo die Kranken, bei denen der Aussatz am weitesten fortgeschritten ist, verpflegt werden. Aus allen Häusern kam uns eine Menge Männer, Frauen, Kinder entgegen, von denen die meisten schrecklich entstellt waren, mehrere sich nur mühsam herbeischleppten.
Sie wollten Nachrichten von Verwandten und Freunden erhalten. Ein junger Aussätziger hielt sich, indem er zu mir trat, beide Hände vor das Gesicht. ‚Du brauchst dich nicht zu scheuen, mein Kind‘ sage ich zu ihm; er ließ die Hände sinken, und ich blickte in ein von der Seuche grässlich zerfressenes Antlitz. Inmitten dieser Ärmsten betraten wir die Kapelle.
An den folgenden Tagen, noch vor Eröffnung der Exerzitien, führte mich P. Damian in fast alle Häuser der beiden Dörfer. Wir stellten Fragen an die Kranken, redeten zu ihnen Worte der Ermutigung und hörten diejenigen, welche beichten wollten.
Obgleich ich wiederholt auf der Insel Maui Gelegenheit gehabt hatte, die Opfer des Aussatzes zu besuchen und zu beerdigen, fühlte ich mich doch ergriffen, als ich eine so große Anzahl dieser Unglücklichen um mich sah. Da findet man Personen von jedem Alter und jedem Stand aus allen Inseln des Archipels, denn von allen Seiten bringt man die Aussätzigen hierhin. Katholiken und Protestanten haben hier einen Friedhof, dessen zahlreiche Grabsteine eine stumme, aber eindringliche Predigt sind.


Nun begannen die Exerzitien, welche die Gewinnung des Jubiläumsablasses vorbereiten sollten und auf welche darum unsere Kranken sich nicht wenig gefreut hatten: waren sie ihnen doch ein Mittel, schöner und reiner zu erscheinen in den Augen Gottes. Die Vorträge wurden in Kalawao gehalten. Eine Woche lang strömten alle diejenigen, denen es ihr Zustand erlaubt, am Morgen und am Abend zur Kapelle. Hier wohnten sie dem heiligen Messopfer und den Vorträgen bei, legten ihre Beichte ab, beteten den Rosenkranz, verrichteten den Kreuzwege und andere Übungen der Andacht. Täglich ging einer von uns beiden Priestern nach Kalaupapa hinüber. Auch hier drängten sich alle zur Kapelle, und als P. Damian die Generalkommunion abhielt, wirkte ein Sängerchor von Aussätzigen mit staunenswerter Präzision zur Hebung dieser schönen Feier mit.


Und doch, auch hier bemüht sich der Teufel, seine böse Saat zu säen; er gab mehreren Unglücklichen, welche keine Christen waren, den Gedanken ein, gewisse heidnische, unsittliche Tänze zu veranstalten. Schon war der Altar errichtet, auf welchem dem Götzen, den die Heiden bei ihren Tänzen verehren, ein Opfer dargebracht werden sollte; da hintertrieben P. Damian und der Gouverneur das Ärgernis.
Auch gibt es unter den Aussätzigen Kalvinisten und Mormonen, aber nie hat einer ihrer Prediger den Fuß auf diese Stätte des Elends gesetzt. Unter dem beständigen Eindruck der Nähe des Todes, welchen auch fast wöchentlich der Klang des Sterbeglöckleins neu erweckt, und Dank den Bemühungen des Missionärs und einiger seeleneifriger Katholiken, sind auch viele derselben in den Schoß der wahren Kirche zurückgekehrt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Montag, 3. September 2012

Die Schwarzen und die katholische Kirche

Die Märtyrer von Uganda

Die Neger und die katholische Kirche  — Unter diesem Titel enthält das Wochenblatt der „Amerika“ vom 24. Mai 1876 folgenden Artikel: „Wahrhaft Gebildete, mit der Geschichte der Vergangenheit Vertraute wussten es längst, dass der Neger keine treuere Freundin als die katholische Kirche hat. Oder hat nicht, lange ehe die Urgroßmutter von Harriet Beecher Stowe geboren war, ja ehe an das Ding, genannt Abolitionismus, auch nur gedacht wurde, einer der hervorragendsten Priester des Jesuitenordens, der selige (jetzt heilige) Petrus Claver, sein Leben dem Dienste der damals so verachteten Schwarzen gewidmet? Er, ein Sohn des höchsten katalonischen Adels, ließ sein Schloss und das Erbe seiner Väter, um ‚der Sklave der Neger für immer‘ zu werden. 
Er pflegte sie in ihren ekelhaften Krankheiten, besuchte die Gefangenen und speiste die Hungrigen. Und während die hochfahrenden Nachkommen der ‚Pilgerväter‘ einen Farbigen noch heute schwer in ihre Gesellschaft zulassen, haben Clavers geistliche Söhne dieselben allzeit als ihre Brüder behandelt.
Wir können noch Manches hinzufügen, wie z.B. die katholischen Synoden von Mexiko und Lima den Unterricht der Negersklaven in der christlichen Lehre anbefahlen, ihre Ehe unter kirchlichen Schutz stellten und die ihnen zugefügten Misshandlungen mit Zensuren belegten; auch könnten wir auf die Tätigkeit des hochw. Herr Vaughan und zahlreicher anderer Priester in der Gegenwart hinweisen. Inzwischen wollen wir hier nur eines Faktums Erwähnung tun, aus welchem erhellt, dass auch unter den dem Katholizismus fern stehenden Negern ein Gefühl für dessen Verdienste um ihre Volk im Erwachsen ist.
Der Methodistenbischof John M. Brown hat jüngst in der methodistischen Zeitschrift ‚The Independent‘ einen Artikel veröffentlicht, in welchem er die Farbigen vor ‚den Angriffen der römisch-katholischen Kirche auf ihre Reihen‘ warnt.
Mit Rücksicht auf diese Warnung hat nun Edward W. Blyden, ein Vollblutneger und Präsident der Negeruniversität zu Liberia, das Verhältnis der ‚beiden großen christlichen Konfessionen‘ zu den Negern ausführlich beleuchtet. ‚
Der denkende und gebildete Neger‘ — so erklärt Blyden in dieser Abhandlung — ‚kann, auch wenn er Protestant ist, unmöglich Geschichte studieren, ohne unwiderstehlich zur Anerkennung der Pflicht der Dankbarkeit getrieben zu werden, die seine Rasse der katholische Kirche schuldet.
Die einzigen christlichen Neger, die sich selbst befreiten und ihre Stellung als freie Bürger aufrecht erhielten, die Haitianer, waren Katholiken. Und der größte Neger, den die christliche Welt bis jetzt hervorgebracht hat, Toussaint L’Ouverture, gehörte ebenfalls dieser Kirche an.‘
‚Rom‘— so fährt der Afrikaner dann fort — ‚hat viele Neger, männlichen wie weiblichen Geschlechts, kanonisiert.
Welcher Ehre hat der Protestantismus seine Farbigen würdig befunden? Schon im 16. Jahrhundert ist ein Neger Professor der lateinischen und griechischen Sprache zu Granada geworden und hat eine vornehme Spanierin geehelicht. Sein Denkmal steht noch heute in der Kathedrale der Stadt am Genil. Welche protestantische Universität hat einen Neger unter ihren Professoren geduldet?
Die Historiker Brasiliens preisen den Namen des Negergenerals Henry Diaz. Und er war nicht der einzige seiner Rasse, der in der portugiesischen Armee zu Ehren und Würden stieg.
Ist etwas dieser Art auch in den Kriegsheeren protestantischer Völker gebräuchlich? Und ist der ‚Negerbischof‘ der Methodistenkirche, der Schreiber jenes Warnungstraktats, John M. Brown, etwa selber ein Neger?‘

Alle diese Erklärungen sind umso merkwürdiger, als Herr Blyden an vielen Stellen seines Traktats seinen Standpunkt als den eines Unitariers von der freieren Richtung nicht undeutlich zu erkennen gibt.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Sonntag, 2. September 2012

AKTUELL: "Meine Diözese versinkt in Krieg und Mord"




Seit der Abspaltung des Südsudan vom muslimischen Norden hat sich die Situation der schwarzafrikanischen Christen im Norden dramatisch verschlechtert, besonders im Staat Süd-Kordofan und der zwischen Norden und Süden umstrittenen Region Abyei.
Der Bischof von El Obeid (Süd-Kordofan), Macram Gassis, beklagt 
in einem Interview mit EWTN (siehe oben) das Schweigen der internationalen Gemeinschaft und der Medien, während die Regierung von Omar al-Bashir seine Diözesanen mit russischen Antonov-Bombern ermordet. 
Hier ein Zitat von Bischof Macram Gassis aus der neuesten Ausgabe von Catholic:

„Sudan ist ein Pariah-Staat, und wir können nicht erlauben, dass sie weiter die Menschen aushungern, vergewaltigen und ermorden und die Kirche schweigt dazu, nach dem Motto: "Lasst uns um des Friedens Willen nichts sagen". Der Bischof ist ein Hirte.
Durch seinen Beruf ist es seine Pflicht, seine Herde zu verteidigen, selbst wenn er die Konsequenzen dafür tragen muss. Das ist bei mir der Fall.
(...) Wenn ich meine Herde nicht verteidigen kann, bin ich nicht geeignet (...) Ich bin Bischof eines Gebiets, das mit Krieg, Hungersnot, Sklaverei und Vergewaltigung überzogen wird (...) Wir möchten, dass die Menschen beten (...)
Ich spreche mit Vertretern der katholischen Presse. Ich bitte sie, die Katholiken in diesem Land (Großbritannien) dazu zu bewegen, sich nicht nur zu informieren, sondern auch um Gottes Schutz für diese Menschen zu beten.
Wir sollten darüber sprechen, denn die Regierung in Khartum hat schreckliche Angst, dass ihr Ruf beschädigt wird. Die Medien sind die einzige Hoffnung, dieses schmutzige Spiel zu beenden, andernfalls wird eine gesamte Ethnie ausgelöscht.“


Man darf sich tatsächlich fragen, wieso man von den Verbrechen Ghaddafis, Mubaraks und al-Assad ständig hört und die westliche Welt sehr schnell eingreift bzw. im Fall von Syrien ständig mit dem Säbel rasselt und die sogenannten "Rebellen" unterstützt, die sich wohl zu einem  Teil aus Al-Qaeda-Mitgliedern und anderen Jihadis rekrutieren, während der Präsident des Sudan, Omar al-Bashir, seit Jahren Christen und nicht-arabische Moslems verfolgt und in keinster Weise zur Rechenschaft gezogen wird. Dass er ein international gesuchter Kriegsverbrecher ist, merkt man auf jeden Fall am Verhalten der westlichen Mächte nicht.


Hier die von Bischof Gassis gegründete Hilfsorganisation: 

http://bishopgassis.org/index.php


Bitte, liebe Leser, beten und opfern Sie für die verfolgten Katholiken im Sudan!


Heilige Josephine Bakhita, Patronin des Sudan, bitte für uns!
Heiliger Daniel Comboni, Apostel des Sudan, bitte für uns!


Das chinesische Kruzifix

Das chinesische Kruzifix

Unser diesjähriges Titelbild (siehe oben) gehört einem Bilderzyklus an, welchen P. Baffeur S.J. für seine chinesischen Neophyten zu veröffentlichen begonnen hat, um ihnen die Hauptgeheimnisse unserer heiligen Religion stets ins Gedächtnis zurückzurufen.
Das Kreuz war stets ein Ärgernis für die Juden und eine Torheit für die Heiden; nirgendwo tritt dies aber klarer hervor als in China.
Als im Jahr 1663 P. Aleni S.J. ein „Leben unseres Heilandes Jesus Christus“ in chinesischer Sprache mit Bildern herausgab, beeilte sich der Obermandarin Jan-Kwang-Sien, ein unversöhnlicher Feind der Christen, das Bild des zwischen den beiden Schächern am Kreuze hängenden Heilands nachdrucken zu lassen und es mit einer schändlichen Schmähschrift gegen den Heiland in Tausenden von Exemplaren durch das ganze Reich zu verbreiten.
Eine blutige Verfolgung wurde dadurch angefacht. Auch heute noch erregt manchmal das Bild des gekreuzigten Heilands den Spott und das Gelächter der heidnischen Chinesen.
P. Baffeur nun hat durch das Bild, das er entworfen, diesen Spott in etwa verhindern wollen, indem er mit dem Kreuz einige der durch den Kreuzestod erzielten Wirkungen darstellt. Zugleich auch bietet dieses Gemälde gewissermaßen die Erklärung zu einem Gebet zu den heiligen fünf Wunden, welches die chinesischen Christen fast täglich zu verrichten pflegen. Die Anrufungen, welche auf den von Engeln getragenen Schriftrollen stehen, lauten:

1. Ich bete Dich an, Wunde der rechten Hand; gib mir Kraft, zu überwinden die Verführungen der Welt, nicht nachzugeben dem Stolz; Herr, rette meine Seele. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

2. Ich bete dich an, Wunde der linken Hand; gib mir Geduld, zu besiegen das Leiden, nicht zu verzweifeln im Unglück; Herr, rette meine Eltern, meine Freunde, meine Wohltäter. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

3. Ich bete dich an, Wunde des rechten Fußes meines Erlösers; gib mir heiligen Eifer, gute Werke aller Art zu tun und den Himmel zu verdienen; erlöse, o Herr, die armen Seelen im Fegfeuer. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

4. Ich bete dich an, Wunde des linken Fußes meines Erlösers; gib mir die Furcht Gottes, dass ich fliehe die Sünde, dass ich nicht stürze in die Hölle; Herr, bekehre die armen Sünder. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

5. Ich bete dich an, Wunde des heiligsten Herzens; gib mir die göttliche Liebe, damit ich liebe Gott im Himmel und meinen Nächsten auf Erden; Herr, rette alle meine Feinde. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

Die Anrufungen am Fuße des Kreuzes lauten:

„O reinste und kostbarste Wunden meines Herrn, ich bete euch an und betrachte euch mit Liebe. Ihr seid für mich fünf Quellen, die meinen Durst löschen auf meiner Pilgerbahn; fünf Sticke, die mich retten im Schiffbruch; fünf Tore, die mir wiederöffnen den Himmel; fünf Geldstücke, die mich loskaufen aus der Sklaverei; fünf Siegel, die mir aufdrücken das Zeichen der Auserwählten; fünf Strahlen, die mir leuchten in der Verbannung.
Indem ich diese Unterpfänder des Heiles betrachte, beweine ich bitterlich meine Sünden und preise deine Barmherzigkeit.
Dank Dir, o süßester Heiland, der Du mich loskaufest, mich bezeichnest mit dem Siegel der Auserwählten, mir gibst einen Strahl der Hoffnung, meinen Durst löschest, mich rettest vom Schiffbruch, und mich aufnehmen wirst in den Himmel.
Möge ich euch nie verlieren durch die Sünde, euch Unterpfänder des Heils, göttliche Quellen, himmlische Tore, leuchtende Sterne in meiner Verbannung.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)