Die Weltmission findet ihren endgültigen Abschluss im
Weltgericht. Da wird sowohl die Opferfreudigkeit und Pflichttreue im Angebot
als auch die Bereitwilligkeit in der Annahme zum Austrag gebracht werden.
An jenem Tag werden wir uns Gott und seinen Missionären
gegenüber zu verantworten haben, wie wir das göttliche Angebot durch die
Mission entgegengenommen, wie wir mit dem Heilsgut gewirkt, wie wir dasselbe
bewahrt haben. Jene Männer, die wir heute als unsere Apostel und Patrone
verehren, einen Bonifatius, einen Ludgerus, einen Kilian, sie werden dann mit
Christus über uns Gericht halten. Und deshalb drängt der echte Missionsgeist
zuerst und zunächst dahin, im eigenen Herzen, im eigenen Vaterland das heilige
Glaubenslicht rein und hell und werktätig zu erhalten. An jenem Tag werden aber
auch wir mit und durch Christus von jenen Völkern Rechenschaft fordern, zu
denen durch unsre Vermittlung das göttliche Angebot in der Mission gekommen
ist. Der Heller der armen Witwe zum Besten der Mission bis zum letzten
Blutstropfen, den unsere Missionäre im Dienst der Mission vergossen haben, wird
da aufgezählt werden vor den Augen der ganzen Menschheit, und jene werden sich
zu verantworten haben, um derentwillen es geschehen. Nichts wird vergessen
bleiben. Der Herr des Weinberges wird einem jeden nicht nach seinen Erfolgen,
sondern nach seinen Werken vergelten. Der letzte Gerichtstag ist der große
Abschluss, der große Erntetag der Mission.
Und der Erntetag! Wird er sich lohnen? Andächtige Christen!
Nur einem der Menschen war es vergönnt, den Ernteertrag im Geiste zu schauen.
Es war der Seher von Patmos. Mit seinem Adlerauge ereilte er jenen Tag, und in
seiner Offenbarung, nachdem er die Bezeichneten aus den zwölf Stämmen Israels
aufgezählt, schreibt er: „Nach diesen sah ich eine große Schar, die niemand
zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; sie
standen vor dem Throne und vor dem Lamme, angetan mit weißen Kleidern, und
hatten Palmen in ihren Händen“ (Offb. 7, 9).
Sehet da den Missionsertrag, sehet da die herrliche
Erntegarbe aus dem Arbeitsfeld der Weltmission! Und der Lohn dieser
Missionsarbeit? Der Herr selbst hat ihn uns gezeigt. „Ich selbst“, so spricht
er, „werde dein überreicher Lohn sein!“ (Gn. 15, 1). O er selbst, Gott in
seiner Herrlichkeit, wird der überreiche, süße Schnitterlohn an jenem Erntetag
uns sein! „Es spricht der, welcher dies bezeugt. Ja ich komme schnell. – Amen.
Komme Herr Jesus! Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
Amen.“ (Offb. 22, 20–21)
(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)