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Montag, 6. April 2026

Für Afrika geboren – Msgr. Léon Livinhac M.Afr., Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza

 


Neben dem Gründer Kardinal Lavigerie ist kein Name so eng mit der frühen Entwicklung der Missionare von Afrika („Weiße Väter“) verbunden wie der von Léon Livinhac. Der Gründer der Kirche Ugandas und direkte Nachfolger des imposanten Erzbischofs von Algier führte die Weißen Väter durch turbulente Zeiten und förderte gleichzeitig die afrikanischen Missionen als Ganzes, besonders auch die Ausbildung eines einheimischen Klerus, die Lavigerie so am Herzen gelegen hatte.

Der kränkliche Waisenjunge

Léon Livinhac wurde am 13. Juli 1846 als Sohn frommer Bauersleute in der kleinen Gemeinde Buzeins in Okzitanien geboren. Wegen des frühen Todes der Eltern wurde der Junge von seiner Großmutter und seinen Tanten sowie von seinem Großonkel, dem Pfarrer von Bonneterre, aufgezogen. Er war ein frommes und fleißiges Kind, jedoch schüchtern und kränklich. Seine Schulzeit am Diözesankolleg von Saint Geniez wurde sogar durch eine Beinlähmung unterbrochen. Es gab zunächst kaum Anzeichen, dass dieser Waisenjunge eines Tages einer der bedeutendsten Afrikamissionare des 19. Jahrhunderts werden sollte. Als seine Gesundheit schließlich genug gekräftigt war, konnte er 1867 ins Seminar von Rodez aufgenommen werden, das damals von den Sulpizianern geleitet wurde. Im selben Jahr trat Félix Charmetant in Algier ins Diözesanseminar ein und stellte sich wenig später zusammen mit Francisque Deguerry bei Erzbischof Charles Lavigerie vor, angetrieben von dem Wunsch, sich ganz der Mission unter den Moslems und Heiden Afrikas zu widmen. Es war die Geburtsstunde der Weißen Väter.

Der liebenswürdige Pater Charmetant wurde in den folgenden Jahren von Lavigerie nach Europa geschickt, um dort um Missionspersonal zu werben. So traf er im Seminar von Rodez auf den Seminaristen Livinhac, der sich interessiert zeigte. Allerdings dauerte es bis zu seiner Diakonatsweihe im Jahr 1872, als Léon Livinhac auf die Ermutigung seines Freundes P. Charbonnier ebenfalls zu den Missionaren von Afrika stieß.

Für Afrika geboren

Nur ein Jahr nach seinem Noviziatsbeginn und der Priesterweihe durch Erzbischof Lavigerie wurde Livinhac zum Professor der Dogmatik und zum Mitglied des Generalrats seiner Gemeinschaft ernannt. Zwischenzeitlich leitete er auch die Prokur in Paris. Die Arbeit sagte ihm nicht zu. Kurze Zeit später nach Algerien zurückgekehrt, sagte er: „Ich bin für Afrika geboren und nur für Afrika“. Seine ersten missionarischen Erfahrungen sammelte er in Ouadhias in Kabylien, wo er Seelsorgsarbeit unter der Berberbevölkerung betrieb. Weitere wichtige Posten in der Ausbildung von Ordensmitgliedern folgten, bis P. Livinhac 1878 von Lavigerie an die Spitze der ersten Missionskarawane zu den Afrikanischen Großen Seen gesetzt wurde.

Die Mission in Uganda entwickelte sich rasch äußerst günstig, wenngleich sie durch das komplexe Gefüge aus der Feindseligkeit des Herrschers Mutesa – der die Missionare ins Land geholt hatte – und der Einflussnahme arabischer Händler und europäischer Kolonialmächte am Hof stets in ihrem Bestehen bedroht war. Zugleich mit seiner angestrengten missionarischen Arbeit betätigte sich P. Livinhac als Linguist und schrieb die erste Grammatik der Luganda-Sprache, die 1885 erschien. Im Jahr 1883 erfolgte die Ernennung Livinhacs zum Apostolischen Vikar von Victoria-Nyanza. Zum bischöflichen Motto hatte er sich den Spruch Totus tuus ego sum („Ich bin ganz dein“) erwählt, ein Ausdruck seiner tiefen Marienverehrung. Da die Bischofsweihe im Maison Carrée in Algier durch Kardinal Lavigerie gespendet wurde, dauerte es bis Juni 1886, als Msgr. Livinhac in seine Mission zurückkehren konnte.

Bischof der Märtyrerkirche



Die Lage in Uganda hatte sich weiter zugespitzt. Als König Mwanga, Mutesas Sohn und Nachfolger, seine katholischen Diener und Beamten verfolgte, stärkte sie Msgr. Livinhac mit dem Sakrament der Firmung. Bis zu fünfmal pro Nacht suchten die Christen ihren Bischof im Schutz der Dunkelheit auf, um sich auf den grausamen Martertod vorzubereiten. Wiederholte Versuche von Seiten der Mission, den König von seinem Tun abzubringen, waren gescheitert. Aufgrund der gespannten Lage, die auch nach dem Ende der Verfolgung durch Mwanga eine Gefahr für die Missionare darstellte, verbrachte Msgr. Livinhac die meiste Zeit seit seiner Ernennung in Bukumbi in Tansania. Kardinal Lavigerie hatte seinen Missionaren streng befohlen, ihr Leben zu schonen, und Livinhac war immer bestrebt, die Weisungen seines geistlichen Vaters aufs Genaueste zu befolgen. Ein geschichtsträchtiges Ereignis brachte das Jahr 1887, als Livinhac Pater Jean-Baptiste Charbonnier in Kipalapala zum Bischof weihte. Dieser war zum Apostolischen Vikar von Tanganyika ernannt worden. Es war die erste Bischofsweihe in Äquatorialafrika.

Als Nachfolger Lavigeries

Bald kam die direkte Missionstätigkeit Msgr. Livinhacs zu einem jähen Ende: Das Generalkapitel in Karthago wählte ihn im September 1889 in seiner Abwesenheit zum Generaloberer der Weißen Väter. Am darauffolgenden Pfingstfest weihte er seinen Nachfolger Jean-Joseph Hirth zum Bischof, bevor er das Land der Großen Seen für immer verließ.

Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1892 blieb Kardinal Lavigerie das alleinige Haupt seiner Missionsgesellschaft. Alle Werke waren engstens mit seiner imposanten Person verbunden. Kritiker bescheinigten den Weißen Vätern eine kurze Lebensdauer nach dem Tod ihres Gründers. Doch durch Msgr. Livinhac, den der Kardinal sich wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrtheit als Nachfolger wünschte, nahm die Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren eine noch klarere Form an.

Die Aufgaben und Schwierigkeiten für den neuen Oberen entsprachen in ihrer Zahl und Komplexität den bewegten Zeiten. Gerade in den 1890er Jahren galt es, die Mission gegenüber den verschiedenen Kolonialmächten Innerafrikas zu vertreten. Zu den interkonfessionellen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken in Uganda kam hinzu, dass die Briten die französische Missionsgesellschaft als verlängerten Arm der französischen Regierung wahrnahmen. Msgr. Livinhac musste diesen Irrtum klarstellen. Er ging im Jahr 1895 sogar so weit, dass er das Apostolische Vikariat des Obernils der britischen Missionsgesellschaft von Mill Hill übergab, um die Wogen zu glätten. Es ging ihm nicht um die Erhaltung des Apostolats der Weißen Väter, er wollte vielmehr das Bestehen der katholischen Missionen gegenüber der weltlichen Macht und der starken protestantischen Präsenz sichern.
In Frankreich bedrohten die antiklerikalen Gesetze der 1900er Jahre das Wirken der Weißen Väter. Besonders in Algerien, wo den Missionaren bereits die direkte Missionsarbeit unter der muslimischen Bevölkerung verboten war, wurde die Gesellschaft bis 1914 fast vollständig aus dem Unterricht verdrängt.
Großes Leid brachte der Erste Weltkrieg. Sechzig Mitglieder der Missionsgesellschaft starben im Krieg, eine ähnlich hohe Zahl an Berufungen ging verloren. Msgr. Livinhac unterließ es nicht, seine geistlichen Söhne auf den Schlachtfeldern mit seinen Rundschreiben zu stärken und sie zu einem musterhaften sittlichen Betragen und zur Selbstheiligung zu ermahnen.

Wirken für die Gesellschaft und die afrikanischen Missionen

Die Rundschreiben waren sein Hauptmittel, den guten Geist und die Treue zur Missionsgesellschaft unter seinen weitverstreuten Missionaren zu fördern und wichtige missionarische Anweisungen zu geben. So warnte er im Rundschreiben von Lichtmess 1918 davor, auf möglichst schnelle Taufen abzuzielen. Es sei besser, eine geringere Zahl von vorbildlichen Christen zu haben, als mittelmäßige und schlechte, die andere Leute abstoßen würden. Speziell lag ihm auch die Bildung eines einheimischen Klerus am Herzen. Er folgte der Ansicht Kardinal Lavigeries, dass Afrika durch Afrikaner bekehrt werden würde. Die afrikanischen Seminaristen sollten gründlich ausgebildet und geprüft werden und nur bei zweifelloser Bewährtheit zur Weihe zugelassen werden. Als kluger Kenner innerafrikanischer Verhältnisse zeigte sich Msgr. Livinhac unter anderem, als er auf dem Generalkapitel 1906 davor warnte, in Gegenden, wo der Fetischglaube noch stark war, viele Andachten einzuführen und viele verschiedene Medaillen zu verteilen. Es könne sonst bei den Neuchristen der Eindruck entstehen, dass es sich hier um Talismane im heidnischen Sinne handelte.

Der Generalobere stand in hohem Ansehen bei seinen Missionaren, ja im Ruf der Heiligkeit. Das erklärt seine dreimalige Wiederwahl, die 1906 zur Ernennung als Generaloberer auf Lebenszeit führte. Pius X. bestätigte die Ordenskonstitutionen im Jahr 1908 endgültig. Während der 30-jährigen Amtszeit Livinhacs wuchsen die Weißen Väter nicht nur in den Missionen, sondern auch in Europa und Kanada beträchtlich. Verschiedene Provinzen, darunter auch in Deutschland, wurden errichtet. Eine große Freude brachte das Jahr 1920, als Ugandas Märtyrer von Papst Benedikt XV. seliggesprochen wurden.

Am 11. November 1922 starb Msgr. Léon Livinhac im Maison Carrée in Algerien nach fast 50 Jahren im Dienst der afrikanischen Missionen. Seit 1975 ruhen seine Gebeine in Uganda in der Memorial Chapel von Nabulagala, von wo aus er mit seinen Gefährten 1879 begann, das Land zu missionieren. An diesem Ort hatte der junge Pater Léon Livinhac das erste heilige Messopfer auf dem Boden Ugandas gefeiert.

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