Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Freitag, 14. August 2026

Nachruf auf einen heiligmäßigen Kapuzinermissionar

 

Fr. Paul of Newbridge O.F.M. Cap. (Quelle: Patrician International Newsletter, Dec. 2020)

In Mussoorie starb P. Paul Hughes [Fr. Paul of Newbridge] O.M Cap. im Alter von 80 Jahren. Er trat im Jahre 1867 in die Kongregation der St.-Patricks-Brüder ein, kam als Lehrer nach Indien und leitete dort die Kongregation als Provinzial. Allein er verlangte immer danach, als Priester in einem Missionsorden an der Bekehrung Indiens zu arbeiten. So trat er im Jahre 1887 in das Noviziat der Kapuziner zu Mussoorie ein und vollendete daselbst auch seine Studien bis zur Priesterweihe i. J. 1911 [plausibler ist wohl das Jahr 1891].

Zunächst wurde er Lehrer an der St.-Fidelis-Schule zu Mussoorie, aber sein Wunsch war, sich ganz der Heidenmission zu widmen. Schon im Noviziat hatte er mit dem Studium der hindostanischen Sprache begonnen und später machte er an freien Tagen Ausflüge in die Umgegend von Mussoorie, um die heidnischen Bewohner den Katechismus und die christlichen Gebete zu lehren. Als die Manor-House-Schule an die St.-Patricks-Brüder überging, wurde P. Paul von Bischof van den Bosch in die Eingeborenenstaaten von Simla geschickt, um dort ausschließlich der Heidenmission zu obliegen. Zunächst galt es einen Platz für eine Station ausfindig zu machen. Es wird kaum ein größeres Dorf geben, das der seeleneifrige Missionär in Begleitung seines treuen Katechisten Matthäus nicht besucht hätte. Bei jeder Jahreszeit war er unterwegs, immer zu Fuß, oft schlief er unter einem Baum oder einem überhängenden Felsen. Die Kastengesetze achtete er aufs genaueste; er reiste als Brahmine und aß nie Fleisch. Dieses Wanderleben endete schließlich mit der Gründung der Station Kilba bei Rampur 120 oder 130 Meilen von Simla an der großen Straße nach Tibet. Der dortige Radscha, Shamshere Singh, befreundete sich mit P. Paul und unterhielt auch später einen englischen Briefwechsel mit ihm. Sein Gefährte wurde P. Paulinus [Paolino da Cortona], der nachher die erste Grammatik und das erste Wörterbuch der einheimischen Sprache verfasste und heute Bischof von Imola ist.

Im Jahre 1895 wurde P. Paul nach Simla berufen, während seine Gründung in Kilba wegen zu großer Entfernung von Simla aufgegeben wurde. P. Paul hatte Kilba gerade gewählt, weil es jungfräulicher, von der protestantischen Mission unbeeinflusster Boden war. Als Pfarrer von Simla hauchte er dem katholischen Jungmännerverein neues Leben ein, setzte die katholische St.-Josephsbuchhandlung wieder instand, richtete in der Kirche einen Bücherstand ein und setzte eine Leihbibliothek in Tätigkeit. Besondere Sorge wandte er dem Dritten Orden und der Marianischen Kongregation zu, gründete einen Paramentenverein und sorgte für Hausseelsorge in den abseits geratenen Familien. Später wurde er Kaplan der Schwestern Jesus und Maria in Simla und zuletzt arbeitete er in Mussoorie. Im Jahre 1913 machte er eine Reise nach Europa, um Almosen zu sammeln.

Niemals vergaß er die Heidenmission. Noch bei seinem Tode hinterließ er 40 Neuchristen aus der Umgegend von Mussoorie, die er stets selbst unterrichtet hatte. Bis auf die letzten Tage wusste P. Paul nicht, was es heißt, krank zu sein. Als in der letzten Nacht der Arzt erklärte, es stünde ernst, sagte der Greis in irischem Humor: „Ei, was die Doktoren nicht alles wissen! Bei meiner Priesterweihe habe ich versprochen, jeden Tag die heilige Messe zu lesen. Bisher habe ich mein Versprechen gehalten, ich werde auch bis zuletzt treu sein.“ Dann nahm der Kranke wie jeden Morgen ein kaltes Bad und las die heilige Messe ohne jede Schwierigkeit. Gegen 9 Uhr [am 26.06.1925] ging es mit ihm zu Ende. Sein Geist war vollkommen klar, und eine wunderbare Glückseligkeit lag auf seinem Gesicht. „Ich hätte nie gedacht, dass es so süß sei, zu sterben“, sagte er zu P. Johannes Baptist. „Ich gehe in den Himmel und will für Sie und für alle Mitbrüder beten, die so gut mit mir gewesen sind. Ich wünsche alles zu tun, was Regel und Konstitutionen vorschreiben.“ Bruder Krispin, ein indischer Kapuziner aus dem neuen Noviziat in Sardhana, hatte eine solche Ehrfurcht vor dem Kranken, dass er ihm die Medizinen nur kniend reichte. In Freude und Friede entschlief der große Missionär, der nach dem Zeugnissen aller ein Heiliger war.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925)

Freitag, 14. April 2017

Ostern in der Kapuzinermission in Tansania



Ostern! Ein mächtiges Zinnienbeet neben dem Missionshaus grüßte heimelig in all den satten Farben der Ostereier. Ich fühle mich jetzt wie daheim. Die ganze weite Hügelwelt ist grün, trägt wirklich das Kleid des Frühlings. Es ist nicht ein zages Anfangen wie daheim. Es ist ein mächtiges Auferstehen voll Schönheit und Kraft.

Und dann das geistige Auferstehen, die Freude, Erwachsene zu taufen, die sich wochenlang danach gesehnt haben und des hohen Glückes der Taufe sich voll bewusst sind. Das ist ein Auferstehen. Nie habe ich Ostern tiefer erlebt. (von P. Werner Huber O.F.M. Cap.)


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Freitag, 2. Dezember 2016

Der Märtyreronkel



Als der heiligmäßige Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap. in New York City wirkte, kam er im Januar 1907 anlässlich eines Krankenbesuchs zu einer gewissen Frau W., die in der 157 East 110th Street wohnte. Sie hatte einen Protestanten vor einem protestantischen Religionsdiener geheiratet, und nur die beiden ältesten der sechs Kinder waren getauft, da der Vater gegen die Taufe der übrigen Kinder war.

Allerdings fand Fr. Stephen bei der Frau noch etwas Glauben. Sie zeigte ihm auch ein Bild ihres Onkels, eines Priesters namens Augustin Schoeffler. Fr. Stephen fragte, ob ihr Onkel noch am Leben sei. Sie erwiderte, dass sie das nicht wisse. Fr. Stephen las dann unter dem Bild die Unterschrift: Le Bienheureux Augustine Schaeffler, martyr. Der Kapuzinerpater war darüber äußerst erstaunt.

Der heilige Augustin Schoeffler (Schaeffler ist nur in älteren Quellen zu finden) stammte aus dem lothringischen Mittelbronn, wurde für das Pariser Missionsseminar zum Priester geweiht und am 1. Mai 1851 in Vietnam geköpft, weil er den „verbotenen“ katholischen Glauben gepredigt hatte. Er wurde 1900 selig-, 1988 heiliggesprochen.

Fr. Stephen teilt uns leider in seinen Aufzeichnungen nicht mit, was aus der Frau geworden ist.
Allerdings hatte P. Schoeffler noch eine Cousine, die bereits 1830 in die USA ausgewandert war. Sie hieß Catherine Greiner. Ihre Nachfahren wohnen noch heute in Detroit, und die Pfarrei Assumption Grotto, die die Greiners besuchten, hat seit 2009 eine Reliquie des heiligen Märtyrers.


Heiliger Augustin Schoeffler, bitte für uns!


Montag, 21. November 2016

Ernest G. Miller – Brauereidirektor und Missionsfreund


Die Mission St. Benedict the Moor in Milwaukee zur Seelsorge unter der schwarzen Bevölkerung wuchs nach dem Tod des heiligmäßigen Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap.
im Jahr
1923 stark. 

Sein Nachfolger, Fr. Philip wollte die nötigen Erweiterungsarbeiten durchführen, allerdings fehlte das Geld. Da kam eines Tages der damalige Präsident der Miller Brewing Company, Ernest G. Miller, in das Büro des Kapuziners und bot ihm an, die neue Kapelle zu bezahlen. 
Insgesamt steuerte Miller bis zu seinem frühen Tod am 21. September 1925 über 200.000 Dollar zur Ausweitung der Mission bei. Für seine Verdienste erhielt er bei der Einweihung des Neubaus am 7. September 1925 das päpstliche Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice. Bei der Verleihung sprach er folgende schöne Worte:

„Ich danke den Rednern für die lieben Worte. Ich möchte dem Heiligen Vater danken für die Auszeichnung. Aber vor allem danke ich dem allmächtigen Gott, dass er mir die Liebe zu den Farbigen eingegeben. Wenn Sie an dieses Werk denken, bitte, vergessen Sie mich, aber denken Sie an die Ziele, denen dieses Werk dienen soll, und ich bitte Sie herzlich, bieten Sie all Ihr Können zu seiner Förderung auf. Tun Sie alles, um den guten Kapuzinermissionären hier und den Schwestern zu helfen, die schwer ringen und für dieses Werk ihr Leben opfern.“

Nur 14 Tage später wurde er zum ewigen Lohn abberufen.


(Quelle: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1933)

Montag, 12. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 1)



Am 6. August [1889] ging zu Amirante, einem Dörflein bei Neapel, Se. Eminenz Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap. zur ewigen Ruhe ein, im 81. Jahre seines Alters und im 44. seines Episkopates.

Geboren zu Piovà in der Diözese Asti (Piemont), am 8. Juli 1809, trat Guglielmo Massaia bereits als Jüngling von 17 Jahren zu Turin in den Orden der Kapuziner ein. Zum Priester geweiht, lehrte er mehrere Jahre Philosophie und Theologie in den Ordenshäusern von Moncalieri und Turin. In letzterer Stadt lernten ihn zwei Prinzen aus dem Hause Savoyen, Victor Emanuel und dessen Bruder Ferdinand, Herzog von Genua, kennen und wählten ihn zu ihrem zeitweiligen Gewissensführer. Wiederholt wurde der junge Ordensmann von der piemontesischen Regierung auf die Bischofsliste gesetzt, schlug aber beharrlich diese Würde aus.

Im Jahr 1849 hatte der französische Reisende M. d’Abbadie die Aufmerksamkeit der Propaganda Fide auf die Gallasländer, südlich von Abessinien, hingelenkt, welche, einst blühende Stätten christlichen Lebens, jetzt aus dem Gesichtskreis Europas fast verschwunden waren.

Durch Dekret vom 30. April 1846 errichtete Gregor XVI. das neue Apostol. Vikariat der Gallasländer. Dasselbe wurde der italienischen Kapuzinerprovinz anvertraut, P. Massaia zum ersten Apostol. Vikar ernannt und am 4. Mai zum Bischof von Cassia i. p. i. konsekriert. 

Es würde uns zu weit führen, die Schwierigkeiten dieser Mission durch Schilderung der unsäglich traurigen politischen und religiösen Verhältnisse dieser Länder des Näheren nachzuweisen. Vier Jahre lang versuchte der neue Apost. Vikar umsonst, in sein Missionsgebiet einzudringen. In der Zwischenzeit gründete er die zwei Kapuzinermissionen in Aden und auf den Seychellen, kehrte 1850 nach Europa zurück, um in Lyon und Paris von dem Verein der Glaubensverbreitung die nötige Unterstützung sich zu sichern, und machte einen zweiten vergeblichen Versuch, in die Gallasländer einzudringen, indem er den Nil bis Fasoglo hinauf fuhr.

Im Jahr 1852 versuchte Massaia, als Kaufmann verkleidet, durch Abessinien sich durchzuschleichen, wo der Negus Theodor, durch seine schismatischen Abuna [Bischöfe] aufgestachelt, auf den Kopf des katholischen Bischofs einen Preis gesetzt hatte. Glücklich entrann der mutige Missionär den Häschern und es gelang ihm, in der Provinz Gudru festen Fuß zu fassen. Hier entwickelte er nun trotz beständiger Verfolgung und den härtesten Entbehrungen eine rastlose Tätigkeit. Bis 1855 entstanden fünf blühende Gemeinden.

„Statt auf dem hohen Katheder der Philosophie und Theologie“, schrieb er am 14. Juli 1856, „sitze ich hier inmitten meiner kleinen Knaben und lehren sie buchstabieren. Dabei treibe ich alle möglichen Handwerke und bin zur selben Zeit Buchdrucker, Schneider, Bildhauer, Arzt, ja selbst Schuster usw.“ 

Von Gudru dehnte er seine Wirksamkeit über die Nachbarländer aus. Auch von dem König von Kassa erhielt er einen Ruf, wurde aber von dem argwöhnischen und treulosen Kleinfürsten in Ketten nach Gingire abgeführt und wäre hier verschmachtet, wenn nicht der Negus von Enarea, in dessen Gebiet er sich behufs Gründung einer Mission vorübergehend aufgehalten, sich seiner angenommen hätte.

Die beständigen Hetzereien, die ermüdenden, gefahrvollen Reisen durch die heißen, ungesunden Landstriche hatten seine Kraft gebrochen. P. Coccino, einer seiner ersten Begleiter, musste als Koadjutor einen Teil der Last ihm abnehmen. Kaum von seiner Krankheit genesen, trat er eine neue Reise nach Rom an. Um nicht in die Hände des Königs Theodor zu fallen, der ihm seit Jahren nach dem Leben trachtete, durchwanderte er als Bettler verkleidet zur Nachtzeit das Land, wurde aber diesmal aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen. Drei Monate lang hatte er hier Unsägliches auszustehen, bis er durch die kräftige Vermittlung des französischen Konsuls die Freiheit wiedergewann. Während seines zeitweiligen Aufenthalts in Europa gab er unter anderem eine Grammatik der Amhara-Gallasprache heraus, die 1867 zu Paris im Druck erschien.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Fortsetzung hier

Samstag, 23. Juli 2016

Der Mann, der in Bulgarien die Kirchenglocken wieder zu Ehren brachte

Msgr. Francesco Domenico Reynaudi O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Sofia und Plovdiv


Die sklavische Furcht der Einwohner [Bulgariens] vor der osmanischen Regierung hemmte wie eine Kette die Entwicklung des kirchlichen Lebens. Die Kirchen glichen ärmlichen, strohbedeckten Hütten, die Wohnungen der ersten Missionäre einer Spelunke. Erst als nach dem Krimkrieg der Vertrag von Paris (30. März 1856) die Gleichstellung der Christen in der Türkei mit den Anhängern des Islam ausgesprochen, fielen die lästigen Fesseln wenigstens einigermaßen.

Mit Hilfe der Almosen von Europa wurde nun sofort mit dem Bau von Kirchen, Missionshäusern und Schulen begonnen. Aber an das Geläute christlicher Glocken hatte sich das türkische Ohr noch nicht gewöhnen wollen; es war strenge verpönt. 

P. Francesco [der spätere Msgr. Reynaudi O.F.M. Cap.] wusste Rat. Mit einer Ministrantenschelle ging er durch die Straßen der Stadt in das Viertel der Katholiken und rief so zum Gottesdienst. Als die Sache ungeahndet ablief, wurde er mutiger und schaffte eine größere Schelle an. Wieder blieb alles ruhig. Nun hing man ein Glöcklein an die Kirchenmauer, und als auch dieses unerhörte Wagnis trotz aller Warnungen ängstlicher Freunde glücklich ablief, wurde das Glöcklein zur Glocke, und schließlich erhielt dieselbe auch einen Turm.


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Dienstag, 14. Juni 2016

Nationalkonzil der armenischen Martyrerkirche in Rom (Teil 2)



Fortsetzung von hier

Nach dem Wunsche des Heiligen Vaters sollte die Bischofskonferenz am Feste des heiligen Kreuzes ihren Anfang nehmen. Wohl schon lange nicht mehr sah die altehrwürdige Kirche des heiligen Nikolaus von Tolentino in Rom eine solche Menschenmenge, wie an jenem Morgen des 6. Mai. Die feierliche Pontifikalmesse hielt Mons. Paulus Petrus XIII., Patriarch von Cilizien. Ihm assistierte als Diakon der Kapuziner P. Cyrill von Erzerum, ein geborener Armenier, der das ganze Unglück seines Volkes miterlebt hat, der 30 seiner Verwandten auf grausame Weise hinsterben sah und selbst in wunderbarer Weise zweimal dem Türkenbeile entrann. Die anderen bischöflichen Konferenzteilnehmer hatten ihren Platz im Presbyterium. 

Unvergesslich werden jedem Zuschauer diese altehrwürdigen, hohenpriesterlichen Gestalten bleiben. Gewaltigen Eindruck machte es, als der von der Last der Jahre, Kummer und Sorge gebrochene Erzbischof Petrus Cojunian zum Altare hinaufstieg, um da den brüderlichen Friedenskuss seines Patriarchen zu empfangen. Auf der Evangelienseite des Querschiffes wohnten auf einer Tribüne fünf Purpurträger der heiligen Kirche der Feierlichkeit bei, an ihrer Spitze Kardinal Sincero, Sekretär der Kongregation für die orientalische Kirche. Mächtig wirkte auf alle der erhebende, feierlich schöne Ritus und der einfach schlichte, fast wehmütig stimmende Messgesang der armenischen Seminaristen. 

Nach Schluss der heiligen Handlung bestieg der frühere Apostolische Palastprediger Mons. Pasetto aus dem Kapuzinerorden das Rednerpult. Schon zu Beginn seines Vortrages, als er die ehrwürdigen Priestergreise begrüßte und in ihnen auch all den anderen Bischöfen und Priestern, Schwestern und Laien, die in der letzten Verfolgung um des heiligen Glaubens willen ihr Leben gelassen, den Gruß der heiligen Kirche bieten wollte, standen wohl vielen die Tränen in den Augen. Dann wünschte er der hohen Versammlung Glück und Gottes Segen für ein gedeihliches Arbeiten im Dienste des Herrn „Und Gottes Segen“, sprach er weiter, „wird sicher nicht fehlen, da zum Feste gerade der Maimonat, der Monat unserer lieben Frau, genommen worden. Maria, die hehre Gottesmutter, der der heilige Gregor einst sein erstes Kirchlein in Armenien geweiht, wird sicher ihre Hilfe nicht versagen, die Königin Armeniens, an der Seite ihres Königs, Christus. Das Blut, das um Christi willen Ihre Heimat rot gefärbt hat, wird Unterpfand sein und bleiben für den kommenden Triumph Ihrer Nation. Auch Christus musste sterben am Kreuze, damit das Kreuz durch ihn verherrlicht werde.“


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, 1928)

Freitag, 27. Mai 2016

Ein jugendlicher Glaubenszeuge aus Äthiopien


Aus der Katholikenverfolgung Anfang des 20. Jahrhunderts:

„Ein Beispiel, welchen Mut auch junge Christen bei den peinlichen Verhören beweisen, erzählt P. Basilius. Als der noch jugendliche Nikolaus Membru, wie es scheint, der Sohn des […] Alaka Sahale, der früher schismatischer Geistlicher war, dem Abuna [Bezeichnung für Priester, hier ein Schismatiker] selbst vorgeführt und gefragt wurde: warum er katholisch sei, erwiderte er: 

„Ich bin katholisch, weil mein Vater mich diese heilige Religion gelehrt hat. Ihr wisst, dass mein Vater hier im Lande ein angesehener Doktor gewesen ist. Er selbst hat lange nach einer wahrhaft heiligen Religion, die rein wie Gold und strahlend wie die Sonne wäre, gesucht, und er fand sie in der Religion der römischen Kirche. Die Religion meines Vaters soll auch die meinige sein. Hoffet ja nicht, dass ihr mich zur Erlernung und zur Annahme eines anderen Glaubens verleiten könnt.“

„Wie wagst du es“, fiel einer der Richter ein, „du, noch fast ein Kind, in solcher Weise zu unserem Abuna zu reden?“ – „Hast du denn  nicht gelesen, was im Evangelium geschrieben steht: ‚Führt man euch vor den Richter, so denket nicht, was ihr sprechen, noch was ihr antworten sollt. Es wird euch im Augenblick das Rechte eingegeben werden, und nicht aus euch werdet ihr sprechen, sondern der Geist meines Vaters wird aus euch sprechen‘.

„Weshalb ist dein Vater nach Rom gegangen?“ – „Weil das Evangelium sagt: ‚Wenn man euch an einem Orte verfolgt, so fliehet in einen anderen.“ – „Gib uns die Namen derjenigen an, welche vorgeben, zu katholischen Kirche zu gehören.“ – „Frage darüber den Abba Andreas (Msgr. Jarosseau O.F.M. Cap., der Apostolische Vikar); das ist eine Sache, die ihn angeht.“

Es ist ein Jammer, dass dieses Volk der Abessinier mit seinem kraftvollen Wesen und seinem tiefreligiösen Sinn dem Schisma verfallen ist. Welch wertvolle Hilfe könnte Abessinien, einmal bekehrt, bei der Evangelisierung Afrikas, zumal des nahen Sudan, leisten! Seit 400 Jahren bemüht sich die katholische Mission, den hartnäckigen Widerstand des Schismas zu brechen. Das Volk ist gut und würde in Masse der wahren Kirche sich zuwenden, wenn es frei sich entscheiden könnte. Hoffen wir, dass die langsam ins Bergland vorrückende Kultur demselben auch das einzige bringt, dessen die Mission bedarf, die Religionsfreiheit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Mittwoch, 13. Januar 2016

So spricht ein echter Missionar



„Here I lie idle, while thousands of souls are perishing!“ – „Hier liege ich untätig, während Tausende Seelen zugrunde gehen!“ 


Das sagte Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap., der Apostel der Schwarzen in Milwaukee, als er an Lungenentzündung sterbend im Krankenhaus lag. Mehr über diesen heiligmäßigen und vor Liebe zu Gott und den Seelen brennenden Kapuzinerpater hier.

Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnachtsfreuden eines Chinamissionars



von P. Peregrin Klingler, O.F.M. Cap.

(…) Eine stattliche Anzahl ging heute zur heiligen Beichte. Ach, du weißt, o Kind in der Krippe, dass sie alle guten Willens sind. Lass sie verkosten deine himmlische Weihnachtsfreude. – Noch bin ich der Sprache zu wenig mächtig, um ihnen in anschaulicher Art die Wunder der Christnacht zu schildern. Ich überlasse es daher meinem Lieben Gast und Mitbruder (P. Adalar). Da pocht es wieder. Siehe da, mein kleiner Altardiener tritt herein. „Ja, bist du schon wieder gesund? Warst doch heute krank im Bett.“ „O“, rief er aus, „heute Nacht darf man nicht krank sein, wenn kommt der Herr Jesus Kilisitu, d. h. der Herr Jesus klein.“ „Ja, freue dich nur, kleiner Dominikus. Aber sage mir, warum hast du denn diese Novene gehalten, neun Tage hintereinander die heiligen Sakramente empfangen? Wolltest wohl nur dem Pater eine Freude machen oder ihm damit ein bisschen schön tun?“ Da trat er fast befremdet einen Schritt zurück, ein überirdischer Schimmer überflog ihn. „Mein Vater, wenn der ‚Herr Jesus klein‘ kommt, muss man sein Herz klar haben.“ Also wirklich, du glückliches Menschenkind! Mit Staunen und Bewunderung betrachtete ich den kleinen Eiferer. So komm denn und schau dir einmal den „Herrn Jesus klein“ an. Ich führe ihn zur Krippe. Da wurden seine Augen groß. Die Schäflein, die Hirten, die Höhle, ja alles ist da, wie er es von Bethlehem gehört. Da sieht er endlich das wunderliebe Kind in der Krippe. O, wie hüpft er da auf vor Freude und klatscht in die Hände: „O Herr Jesus schön, Herr Jesus schön.“ Ich nehme die Wachsfigur sachte heraus. In zartester Holdseligkeit erstrahlt sein Antlitz im Lichtglanz. Dominikus ist wie verzückt. Dann nimmt er es mit heiliger Ehrfurcht an sich, drückt es innig an die Brust und hört nicht mehr auf, es zu herzen und zu küssen. Ich sage ihm, er gehöre jetzt ganz dem „Herrn Jesus klein“ und ihn habe das Kindlein besonders lieb. Da durchzuckt es ihn plötzlich. „Ach, ich muss es auch den anderen sagen, wie der Herr Jesus gut“, spricht’s und stürmt wonnetrunken hinaus. Da hätte ich niederfallen mögen vor Freude und Dank gegen Gott. O jetzt hatte ich die Heimat nicht umsonst verlassen. Jetzt ist es auch hier Bethlehem geworden. O Glück über alles Glück, den Menschen Weihnachtsfriedensbringer zu sein.


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Allen Lesern gesegnete Weihnachten!

Samstag, 10. Oktober 2015

Eine treue Rosenkranzbeterin

(Quelle)

Jedes katholische Herz hat als ersten und schönsten Ausdruck seiner Liebe zu Maria den „ewigen Gruß“ und fügt denselben zusammen zum Rosenkranz. Darum ist auch das Rosenkranzgebet so beliebt und geübt in den Missionen und ist das Lieblingsgebet der Neubekehrten. In jeder Anstalt, in jeder Schule, vor jedem Gottesdienst, oft mehrmals des Tages wird der Rosenkranz gebetet; ein Rosenkranz ist das wertvolle Geschenk an den Neugetauften, und da seine primitive Kleidung keine Taschen hat, wird er um den Hals getragen. An allen Anstalten ist die Marianische Kongregation eingeführt; hinter Glas und Rahmen sind an der Wand der Missionskirche die Namen der „Marienkinder“ aufbewahrt, und mit berechtigtem Stolz weisen sie noch nach Jahren hin auf diese Ehre.

Ich wurde einmal benachrichtigt, dass ein Mädchen, welches vor Jahren in der Anstalt der Schwestern (in der Kapuzinermission unter den Mapuche in Chile) war, zum Tode krank darniederliege und nach mir verlange. Der Weg war weit und beschwerlich, und ich zweifelte, ob ich das heilige Sakrament mitnehmen könne. Aber es reitet sich doch so gut mit dem Heiland auf dem Herzen. Wir hatten einen tiefen Fluss zu durchreiten, und das Wasser reichte bis zum Sattel. Nach sechs Stunden kamen wir am Ziel an. In der armseligen Strohhütte lag das Mädchen auf einem Schaffell am Boden, im Fieber brannten die Wangen, aber die todmüden Augen leuchteten freudig auf, und die erste Frage war: „Hast du den lieben Heiland mit?“

Ehe ich aber die heilige Beichte begann, wollte ich mich noch vergewissern, ob die Kranke in ihrer heidnischen Umgebung doch treu geblieben ihren christlichen Vorsätzen, und so stellte ich einige Fragen. Erstaunt, fast verstimmt gab sie zur Antwort: „Ja, was meinst du denn? Ich bin ja ein ‚Marienkind‘. Ich habe alle Tage meinen Rosenkranz gebetet vor meinem Altar.“ Fast musste ich lächeln; nur zu gut wusste ich, dass in einer solchen Indianerhütte kein Tisch, keine Wand ist, wo ein Altar anzubringen wäre. Auf ihren Wink ging eine der drei Frauen ihres Vaters in einen Winkel der Hütte und brachte ein Stück Brett, auf welchem die Heiligenbildchen aufgeklebt waren, die sie in der Schule für ihren Fleiß erhalten hatte, und in der Mitte derselben ihr Andenken an die erste heilige Kommunion. Dann nestelte sie vom Hals ein Schnürchen los, an dem anderthalb Gesätzchen des Rosenkranzes hingen. „Beim Arbeiten ist halt der Rosenkranz zerrissen, und ich habe nur mehr so viel davon; dieses habe ich alle Tage fünfmal gebetet. Meinst du, dass es gegolten hat?“ Gerührt versicherte ich ihr, dass es sicher Gott und unserer himmlischen Mutter gefallen habe. Jetzt begriff ich auch, wie es ihr möglich war, in einer noch ganz heidnischen Umgebung den Glauben treu und das Herz rein zu bewahren – sie war ein treues Marienkind geblieben.

Sie wusste, dass sie sterben würde, die Lungenentzündung war zu weit vorgeschritten; beim Fischen im kalten Meere hat sie sich dieselbe zugezogen; und sie starb gerne. Nur einen Wunsch brachte sie vor: In geweihter Erde wollte sie begraben sein, und ein Kreuz sollte ihren Grabhügel schmücken. Ich konnte ihr diesen Wunsch erfüllen, und auf dem Kreuz steht: „Sie starb, wie sie gelebt hat, eine treue ‚hija de María‘ eine Tochter Mariens.“


(Aus: das seraphische Weltapostolat, 1925)

Dienstag, 1. September 2015

Das „Heimweh“ der Truk-Insulaner nach ihren verbannten Kapuzinern

In dem großen Missionsgebiet der rheinisch-westfälischen Kapuzinerprovinz auf den ehemaligen deutschen Südsee-Inseln hatte man 1912 auch mit der Missionierung der Truk-Inselgruppe begonnen. Lange hatten dort die eingeborenen Insulaner auf die erbetenen Missionäre warten müssen. Als die Ersehnten endlich das Inselreich von Truk betraten, wurden sie mit großer Freude und Begeisterung von den braunen Kanaken [= Südsee-Insulaner; früher nicht abwertend] aufgenommen. Schon nach kurzer Tätigkeit konnten die Kapuziner einen recht erfreulichen Zudrang zum Christentum feststellen. Die Zahl der Taufen belief sich in wenigen Jahren auf zweitausend. Eine eifrige Katechumenenschar ließ auf weitere Erfolge hoffen.

Da brach unerwartet wie ein Gewitter der unheilvolle Weltkrieg über die junge Missionspflanzung herein und mit ihm die Besetzung der Inseln durch Japan. Anfangs durfte die Mission zwar ungestört weiterarbeiten, aber zu bald wurde ein Teil der Missionäre durch die japanischen „Eroberer“ gewaltsam aus ihrer segensreichen Wirksamkeit herausgerissen, angeblich aus „militärischen Gründen“. Die letzten Missionäre, P. Siegbert und P. Lorenz, denen es vergönnt war, bis zum Kriegsende unter ihren braunen Christen zu bleiben, mussten 1919 ebenfalls ihre liebgewonnene Herde verlassen.

Weinend und betrübten Herzens sahen die verlassenen Neuchristen dem Schiffe nach, das ihre treuen Seelenhirten für immer von dannen führte. Jetzt haben sie nichts mehr als den Trost ihres christlichen Glaubens und das Heimweh nach den Missionären.
Im Kapuzinerkloster zu Krefeld traf Anfang Juli 1921, also zwei Jahre nach der Ausweisung, ein Brief ein vom 25-jährigen Sohn des katholischen Oberhirten der Insel Toloas. Aus den schlichten Zeilen dieses Insulaners ersieht man deutlich, wie innig das Verhältnis zwischen den Kapuzinern und den braunen Trukbewohnern gewesen war.

Der Brief heißt in der Übersetzung:

„8. Mai 1921. Guten Tag, mein Vater P. Siegbert, von einem Deiner Söhne, der Dich liebt und Otto heißt.

Zunächst kann ich Dir von Deinen Christen auf Toloas berichten, dass sie seit Eurem Abschied bis auf den heutigen Tag treu ausgehalten haben. Aber ich möchte nichts anderes sagen, als dass ich voller Qual bin, weil ich Euch nicht mehr sehe. Ich bitte daher, lass Eure Photographien machen und sende mir dieselben her, damit ich Euer Antlitz wieder sehe und mein Herz wieder aufatme. Ich bin ganz elend vor Heimweh nach Euch, ich und Margareth (seine Frau) und Kamilla (seine Mutter) und Luzia (sein Töchterchen) und alle Deine Christen. Ich teile Dir mit, dass Kamillus (sein Vater) leider gestorben ist. Er ist gestorben am 8. Oktober. Darüber bin ich noch sehr in Trauer.

Mein Gruß auch an alle Patres, die in Truk gewesen sind und an alle Brüder. Wie geht es Euch? Was mich betrifft, so war ich gesund, all die Zeit; denn ich pflege zu Gott zu beten, dass ich gesund bleibe.

Unsere Christengemeinde hat sehr zugenommen; denn ich habe mir viele Mühe gegeben, die Heiden zu gewinnen. Jetzt hat sich der katholische Glaube sehr ausgebreitet auf Toloas. Bete doch für mich, dass ich gesund und am Leben bleibe, damit wir noch einmal zusammenkommen. Alle Tage nennt Luzia Deinen Namen. O könnte ich doch Euer Antlitz wiedersehen! Dann würde mein Herz aufatmen. O könnte doch mein Ohr ein Wort von Dir vernehmen, lieber P. Siegbert!

Ja wahrlich, ich bin voll Elend in meinem Herzen. Schicket doch Eure Photographien an mich, damit ich Euch vor Augen habe. Das ist der Brief von Tasol (Name seines Bezirkes).
Wir Christen haben alle geweint wegen deines Briefes, den die Patres (spanische Jesuiten) in der Kirche vorgelesen haben. Die Messe ist völlig gestört worden durch das Weinen.

An Weihnachten habe ich einige Heiden getauft und es bereiten sich gegenwärtig viele auf die Taufe vor. O könnte ich doch wieder Deiner Messe beiwohnen und Deine Predigt hören.
Ich schließe meine Rede in Liebe und unter Tränen, die aus meinem Herzen fließen immerdar.

Dein Otto. Lebe wohl!

Man kann sich denken, mit welcher freudiger Rührung die verbannten Missionäre diesen kindlich dankbaren Gruß ihrer verlassenen Schäflein aufnahmen. Gerne wären die Südseemissionäre, denen selbst ein schmerzliches Heimweh nach ihren braunen Christen im Herzen brannte, wieder hinausgefahren in die Südsee. Aber eine weltliche Macht litt es nicht mehr, dass deutsche Missionäre weiterhin auf den südlichen Eilanden das Gottesreich des Friedens und der Liebe ausbreiten.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des heiligen Franz von Assisi, 1926)


Freitag, 28. August 2015

„Als Kardinal sage ich euch, ich beneide euch“ – Aussendung von Kapuzinermissionären durch Kardinal Hayes


Am 7. Oktober feierte die Kapuzinerkirche zum hl. Johannes in New York die Ausreise der beiden Missionäre P. Gabriel McCarthy und P. Felix aus Baden. Die große Kirche konnte den Andrang der Gläubigen kaum fassen; im großen Ornat, unter dem Jubelhymnus „Ecce sacerdos magnus“ zog Seine Eminenz Patrick Kardinal Hayes in die Kirche ein und stimmte an den Stufen des Altars das „Veni Creator“ an; Msg. W. Quinn hielt die tiefdurchdachte Festrede. Nach derselben segnete der Kardinal die Missionskreuze und überreichte sie den Missionären, worauf er und alle anwesenden Priester und Mitbrüder den Scheidenden den Friedensgruß gaben.

Dann richtete der Kirchenfürst folgende Worte an die tief ergriffene Menge: „Eine seltene Feier, die sich tief in unser Herz prägt, dürfen wir heute begehen. Noch ist Amerika selbst ein Missionsland, dennoch wollen wir den Ruhm und die Ehre für uns in Anspruch nehmen, Heidenmissionäre auszusenden. Es ist ein Ehrentitel für Amerika, dass Bischöfe und das katholische Volk so zusammenarbeiten, um Missionäre geben zu können. Mein liebes katholisches Volk, du hast treuherzig deine Söhne und Töchter dem Herrn geopfert im Kloster, jetzt gibst du auch deine Einwilligung, dass sie hinausziehen in ferne Länder, um das Evangelium des Heilandes hinauszutragen. Wir alle freuen uns, so ganz besonders ich, euer Erzbischof; es ist ein besonderer Segen für mich und meine Diözese, wenn sie diese Gottesmänner aussenden darf; diese gottbegeisterten Apostel gehen hin in unserem Namen; es geht mit ihnen der Geist ihres Bischofs, der Geist der Apostel, der Geist ihres heiligen Vaters Franziskus. Welch ein Segen für China, dass das heilige Evangelium zu ihm kommt ihm Geist und in der Gestalt des heiligen Franziskus!

Hierauf erklärte der Kardinal den Gläubigen die Worte der kirchlichen Abschiedsgebete: „Die Missionäre sind gesendet, die Kenntnisse vom Reiche Gottes, das heilige Evangelium des Friedens zu predigen durch die Barmherzigkeit Jesu Christi, zur Rettung der unsterblichen Seelen. Möge der Missionäre Gebet Erhörung finden und Gottes Segen herabflehen auf meine Diözese, auf den Orden der Kapuziner, auf die ganze hl. Kirche.
Dann fuhr der Kardinal, zu den Missionären gewendet, fort: „Ich spreche im Namen der heiligen Kirche, und als Kardinal sage ich euch, ich beneide euch, weil ich nicht mitgehen darf mit euch. Alle eure Mitbrüder blicken mit heiligem Neid auf euch, weil sie alle so gerne mit euch ziehen möchten; es ist eine Gnadenwahl, die euch gerufen und darum muss euer Herz überströmen in Freude; es ist nicht Fleisch und Blut, das euch ruft, es ist die Kreuzesgnade Jesu Christi. Mögen Gottes Engel mit euch gehen auf dem blutigen Kreuzesweg, wenn ihr berufen werdet, auch euer Leben hinzugeben für Christus. Es ist die größte Auszeichnung, leiden zu dürfen für den Glauben.“


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des heiligen Franz von Assisi, 1926)

Donnerstag, 20. August 2015

Der aussätzige Kapuziner – P. Daniel von Samarate O.F.M. Cap.

Pater Daniel von Samarate vor seiner Krankheit

Felice Rossini wurde am 15. Juni 1876 in Samarate bei Mailand geboren. Er trat mit 14 Jahren bei den Kapuzinern ein und erhielt den Ordensnamen Daniel von Samarate. Noch als Diakon wurde er im Jahr 1898 in die Mission in Brasilien geschickt. Ursprünglich sollte er Teil einer Gruppe von Missionaren werden, die die neue Mission unter den Indianern in Alto Alegre im Staat Maranhao führen sollte. Am 22. März 1901 wurden seine Mitbrüder mit mehreren Schwestern und zahlreichen Schulkindern von aufgebrachten Indianern ermordet und wurden so die ersten Blutzeugen des 20. Jahrhunderts. P. Daniel sollte allerdings ein Martyrium der anderen Art erdulden.

Zunächst aber war er nach seiner Priesterweihe am 19. März 1899 als eifriger Missionar tätig und widmete sich auch der Pflege der Aussätzigen. Im Jahr 1908 stellte er einen kleinen roten Fleck an seinem Fuß fest und merkte ein Taubheitsgefühl in der Fußsohle – die ersten Anzeichen des Aussatzes. In der Hoffnung, die europäischen Ärzte könnten ihn heilen, riefen seine Oberen ihn noch im selben Jahr nach Italien zurück. Doch vergebens. Vor seiner Rückreise nach Brasilien pilgerte er noch nach Lourdes, wo er eine wunderbare Heilung durch die Fürsprache der Gottesmutter erhoffte. Als er den Heiland in der Monstranz während des Segens wie der Aussätzige im Evangelium bat: „Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen“, vernahm er die innere Stimme: „Ich will es nicht; gehe hin in Frieden, du sollst von mir eine andere Gnade erhalten. Deine Krankheit soll dienen zur größeren Ehre Gottes und zum Heil deiner eigenen Seele.“ Danach, so sagte er selbst, empfand er eine große Verwandlung: eine unbegreifliche Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes sowie ein Gefühl unaussprechlicher Freude. Nach diesem Erlebnis bat er nie wieder um Heilung. Tatsächlich nahmen auch andere diese Gleichförmigkeit an ihm war. Mitbrüder und Besucher berichteten, dass P. Daniel niemals klagte und bei Mitleidsbekundungen sagte: „Gelobt und gepriesen sei tausendmal Gottes Güte und Liebe, welche mir diese unverdiente Gnade des Leidens und der Krankheit geschickt hat.“

Noch bis 1914 konnte er arbeiten wie zuvor, doch dann ordnete der Arzt die Isolation in der Aussätzigenkolonie von Tocunduba an. Ein schwerer Schlag für den Mann, der wegen seiner heiteren Gemütsart große Freude am Zusammensein mit seinen Ordensbrüdern empfand. Auch der Empfang in der Kolonie war alles andere als herzlich. P. Daniel sagte selbst: „Ich hoffte bei ihnen aufgenommen zu werden mit offenen Armen und Zeichen aufrichtiger Freude. Aber welche Enttäuschung! Man sah in mir nicht einen Vater, der Mitleid hat mit seinen Kindern, sondern einen feindlichen Eindringling, der nur kam, um sie auszuspionieren und ihnen die armseligen Vergnügungen zu nehmen, welche sie noch zu genießen wähnten. Jetzt erkannte ich erst die trostlose Lage. Sünde und Satan hatten Besitz genommen von den Herzen der Unglücklichen, ihre Seele erfüllt mit wilder Verzweiflung und Hass gegen Gott, den sie als Urheber ihres Leidens anklagten. Da war guter Rat teuer. Ganz vorsichtig und still musste ich zu Werke gehen. Ich durfte mich in keiner Hütte sehen lassen; Blicke des Hasses trafen mich, wo ich mich zeigte, man wich mir aus, wenn man mich sah.“ Eine Frau, die sich heimlich zu ihm schlich, erzählte ihm von den Ausschweifungen der anderen Aussätzigen. Er lehrte sie, die Sterbenden auf den Tod vorzubereiten, um dann selbst an ihr Sterbebett zu kommen und ihnen die Lossprechung zu geben.


Am schlimmsten wirkten die Verleumdungen, die die Aussätzigen gegen ihn verbreiteten, wodurch sein Wirken als Priester fast unmöglich war. Auch Fremde glaubten zum Teil die erhobenen Anschuldigungen. P. Daniel sagte, dass er in seiner Zeit als Missionar nie solche Seelenqualen erdulden musste wie in seinen ersten Monaten in Tocunduba. Mit Geduld und Gebet kämpfte er weiter, bis ihm schließlich Weihnachten 1914 die harten Herzen seiner Leidensgenossen öffnete. Danach wurden seine Aussätzigen wirklich musterhafte Katholiken. Das Andachtsleben blühte, es gab sogar Exerzitien für die Aussätzigen. P. Daniel segnete Ehen ein, taufte Kinder und bekehrte Heiden, und natürlich stand er auch den zahlreichen Sterbenden in ihrem Tod bei.

Vom Aussatz befallen

Doch der Aussatz forderte auch bei diesem eifrigen Sohn des heiligen Franziskus seinen Tribut. Ab dem Jahr 1921 wurde die Krankheit immer heftiger. Sein einst üppiger Bart und die Haare fielen größtenteils aus, Nase und Ohren waren entstellt, ein Auge war ganz zerstört, das andere von einer Eitermaße umgeben. Seine Finger waren nur noch eitrige, blutende Stümpfe. Schreckliche Schmerzen quälten ihn beständig. Nur das Gehör, das bei vollem Ausbruch der Krankheit häufig mit allen anderen Sinnen verloren geht, blieb ihm erhalten. Am 28. März 1924 konnte er noch die Messe zu seinem silbernen Priesterjubiläum feiern, zu dem ihm der Papst seinen apostolischen Segen sandte. Mit der Seele voll Jubel in froher Hoffnung auf die ewige Seligkeit starb er am 20. Mai 1924 im Alter von 47 Jahren. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1991 eröffnet.


(Quellen: Seraphisches  Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, 1925, die katholischen Missionen, 1924, www.santiebeati.it)


Hier noch einige Fotos von P. Daniel von Samarate vor und während seiner Krankheit

Dienstag, 28. April 2015

In die Indianermission nach 22 Jahren als Diözesanbischof


Nach 22 Jahren als Bischof von Garzón in Kolumbien hat Esteban Rojas Tovar mit Erlaubnis des Heiligen Stuhls 1922 im Alter von 62 Jahren auf sein Bistum verzichtet, um sich an der Seite der Kapuziner als Missionär dem Apostolat unter den Indianern am Putumayo zu widmen. Laut dieser kolumbianischen Seite war er ab 1927 in Agua de Dios, möglicherweise um dort den Salesianern in der Aussätzigenseelsorge zu helfen. Er starb 1933. Msgr. Rojas war ein Freund des hl. Ezequiel Moreno, der bis zu seinem heiligen Tod im Jahr 1906 Bischof der Nachbardiözese Pasto war.


(Quellen: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925, Semblanza de San Ezequiel Moreno)

Freitag, 24. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 2)



Fortsetzung von hier

Ein Höhepunkt der Anmaßung der Schismatiker war die versuchte Übernahme der Kirche St.
Michael in Mahim, einem Vorort von Bombay. Der Pfarrer versuchte mit einigen Gleichgesinnten die Übergabe der Kirche an die goanesische Partei vorzubereiten. Als Bischof Hartmann davon erfuhr, begab er sich zu der Kirche, um sie gemeinsam mit einigen treugebliebenen Gläubigen zu besetzen. Selbst die englische Polizei drängte den Bischof auf Räumung seiner rechtmäßigen Kirche. Bischof Hartmann blieb standhaft und es kam so weit, dass die Schismatiker die Türen zunagelten – der Diener Gottes und 24 treue Katholiken aus der Fischerkaste blieben in der Kirche zurück. Es war Palmsonntag. Als die Belagerer merkten, dass noch ein Fenster halb geöffnet war und die Gefangenen noch einigermaßen Kühlung und frische Luft bekamen und ihnen Helfer von außen Wasser herunterließen, nagelten sie auch dieses zu. Dennoch harrten alle aus, auch wenn die Schismatiker anboten, die herauszulassen, die es wünschten. Durch diese Standhaftigkeit verbittert, wollten sie Bischof Hartmann und seine Getreuen ausräuchern. Doch schließlich kam der englische Regierungsvertreter Confield, der die Türen durch die Polizei öffnen ließ und dieser befahl, die Katholiken zu schützen. Das Schlimmste war ausgestanden und die Karwoche konnte dort regulär begangen werden; dennoch musste von nun an die Kirche Tag und Nacht bewacht werden, um einen neuen Stürmungsversuch von Seiten der Goanesen zu verhindern. Das Ende dieses Konflikts war, dass am 25. Juni 1854 die englische Verwaltung vor Gericht den Schismatikern die Kirche zusprach. Bischof Anastasius konnte als Ersatz eine neue Kirche bauen, deren Grundstein er am 10. Dezember 1854 legte. Am selben Tag ging die Nachricht aus Rom ein, dass er von Papst Pius IX. wegen seiner Verdienste zum päpstlichen Thronassistenten und römischen Graf ernannt wurde.

Aber man würde Msgr. Hartmanns Größe schmälern, wenn man nur die Bekämpfung des goanesischen Schismas betrachten würde. Er stand schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. Seine wirklich franziskanische Lebensweise fand auch Anerkennung bei protestantischen Zeitungen, die die bescheidenen Reisegewohnheiten des Kapuzinerbischofs – er reiste im ungefederten, zweirädrigen Ochsenkarren – mit denen der anglikanischen Würdenträger verglich, die selbstverständlich recht schlecht davon kamen. Wie eifrig er war, sollen nur ein paar Worte aus seiner Lebensregel zeigen: „Ich werde mich ohne Rückhalt dem Heile meiner Herde und der Bekehrung derer widmen, die außerhalb des Weges der Wahrheit sich befinden, und in dieser Absicht werde ich allen Widerstand und alle Gefahren verachten. Ich verlange nichts so sehr, als mein Blut zu diesem Zweck zu vergießen.“

1860 kehrte Bischof Hartmann als Apostolischer Vikar nach Patna zurück und schonte sich ebenso wenig wie zuvor. Auf seinen weitausgedehnten Visitationsreisen (bis zu 800 Meilen in knapp 3 Wochen) blieb er auch nicht von Krankheiten und Verletzungen verschont. Die lange Reisezeit überbrückte er durch Beten. Er war tatsächlich ein großer Beter, der auch in den heißen Mittagsstunden sich nicht schonte und lieber die Zeit in der Kirche vor dem Tabernakel verbrachte. Auch seine Nachtruhe war stark verkürzt: er schlief nur von 0 bis 4 Uhr und opferte oft die restliche Zeit für die monumentale Übersetzung des Neuen Testaments ins Hindi. Später kam auch ein Hindi-Katechismus hinzu.

Bischof Hartmanns Tod kam recht plötzlich, auch wenn er schon zuvor ernste Krankheiten hatte. Er hatte nach einer Erkältung, die er wegen seiner apostolischen Arbeiten nicht auskurierte, Ende April 1866 einen Choleraanfall, knapp ein Jahr nach dem ersten. Dieser aber sollte tödlich verlaufen. Am 24. April ließ er sich von seinem Sekretär P. Anton Maria O.F.M. Cap. mit großer Andacht die Sakramente spenden und verstarb am Abend. Es war das Fest seines Ordensbruders, des heiligen Märtyrers Fidelis von Sigmaringen, der sein Leben für die kirchliche Einheit ließ. In dem letzten von ihm gegründeten Kloster der Englischen Fräulein, etwa drei Wegstunden entfernt, läutete am selben Abend die Klosterglocke von selbst, ohne dass die Schwestern überhaupt von dem Tod ihres Bischofs erfahren hatten. Die Totenfeierlichkeiten fanden größte Anteilnahme in Patna. Es brauchte beim Requiem vier Missionäre, bis schließlich das Dies irae zu Ende gesungen werden konnte. P. Paolo Tosi, Bischof Anastasius Hartmanns Nachfolger, der den Bischof sehr liebte, war der einzige der vier, dessen Stimme nicht vor Weinen versagte. Der Diener Gottes fand seine letzte Ruhestätte in seiner Kathedrale. Bereits seit 1906 ist sein Seligsprechungsprozess eröffnet. Er wird als einer der bedeutendsten Missionsbischöfe der Neuzeit betrachtet.



(Quellen: die katholischen Missionen, 1875, die Weltmission der katholischen Kirche, 1927, Nr. 9/10, Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1926)

Mittwoch, 22. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 1)




Alois Hartmann wurde am 24. Februar 1803 in Altwis im Kanton Luzern geboren und zeichnete sich schon als Kind durch große Frömmigkeit aus. Sein Streben nach dem Priestertum drückte er als Junge mit den Worten aus: „Wenn ich einmal Priester bin, habe ich alles, was ich wünsche.“ Auf sein Drängen ließ ihn sein Vater schließlich den nötigen Unterricht nehmen, woraufhin er am 13. November 1821 ins Kapuzinernoviziat eintrat und den Ordensnamen „Anastasius“ annahm. Nach einer Zeit als Professor und religiöser Schriftsteller wurde P. Hartmann verließ er 1843 Rom in Richtung Indien.

In der Stadt Gwalior übernahm er, nachdem er einige Monate zum Sprachstudium in Agra verbracht hatte, zwei Pfarreien, die alles andere als einfach waren, da er bereits dort mit den Auswüchsen des goanesischen Schismas in Berührung kam, dessen Bekämpfung ihm später den Titel „Hammer der Schismatiker“ einbringen sollte.

Aufgrund einer Gebietsteilung wurde der Diener Gottes bereits am 15. März 1846 zum Apostolischen Vikar von Patna geweiht. Der neue Posten sollte nicht einfacher werden. Bischof Hartmann sagte, als er die Dürftigkeit seines neuen Sprengels sah: „beim Anblick solcher Verödung und solcher Entblößung vom Nötigsten begann ich zu weinen wie ein Kind.“ Doch er ließ sich nicht entmutigen und begann, für seinen Sprengel, der fast so groß war wie das Deutsche Reich und 37 Millionen Heiden umfasste, eine Spendensammlung in Europa. Selbst seinen neuen bischöflichen Ornat verkaufte er wieder, als er sah, dass dieser Kauf allein die ganzen Jahresspenden des Glaubensvereins von Lyon aufzehren würde. Dennoch reichte das Geld nicht im Geringsten. „Ich muss mich entlehnter oder zerrissener Ornamente bedienen. Ich habe nicht einmal eine Monstranz oder ein Ziborium. Unsere christliche Jugend ist leider in Mitte dieser heidnischen und mohammedanischen Bevölkerung sich selbst überlassen und geht so einem fast sicheren Verderben entgegen. Alles das zerreißt mir das Herz und stimmt mich traurig bis zum Tod.“ Diesen letzten Missstand bekämpfte er durch Gründung von Schulen und Waisenhäusern, die Ordensschwestern übergeben wurden. Auch sonst war er unermüdlich tätig, entweder auf Visitationsreisen, bei der Seelsorge der irischen Soldaten vor Ort, oder hinter dem Schreibtisch, wenn er in zahlreichen Briefen Gläubigen zusprach oder einen abtrünnigen Geistlichen durch seine väterliche Güte zurückrufen wollte.

Plötzlich erging am 13. Dezember 1849 die Weisung aus Rom an Bischof Hartmann, sich nach Bombay zu begeben, um die Wogen des goanesischen Schismas zu glätten. Auf die recht verflochtene Geschichte des portugiesischen Patronats und dessen Niedergangs und die damit verbundenen Gebietsstreitigkeiten, die das sogenannte goanesische Schisma hervorgerufen hat, soll hier nicht näher eingegangen werden. Es reicht zu wissen, dass sich ein Teil des portugiesisch-goanesischen Klerus, einschließlich des Erzbischofs von Goa, José Maria da Silva Torres O.S.B., in Fragen der kirchlichen Jurisdiktion gegen die von Rom gesendeten Priester und Bischöfe stellten und deren Tätigkeit im ehemals portugiesischen Bombay bekämpften. Es war nun Bischof Hartmanns Aufgabe, in einer der wichtigsten Städte Indiens die kirchliche Einheit wieder herzustellen. Am Karfreitag 1850 landete er in Bombay, wo er folgende Notiz seines Vorgängers, Msgr. Whelan, fand: „Wehe meinem Nachfolger!“ Bei seinem ersten Pontifikalamt am Ostersonntag predigte er über die Notwendigkeit der brüderlichen Eintracht und Liebe. Schon hieran sieht man, dass der Titel „Hammer der Schismatiker“ keinesfalls einen fanatischen, verbohrten Geist kennzeichnen sollte, sondern lediglich einen Bischof, der aus Liebe zur Kirche und den Seelen das Schisma beenden wollte. Verleumdungskampagnen, Beschwerden gegen ihn bei der britischen Kolonialregierung, versuchte Pfarreibesetzungen von Seiten des goanesischen Klerus – das waren die Dinge, mit denen sich der Kapuzinerbischof von nun an befassen musste.

Auch nachdem der Erzbischof von Goa auf Drängen des Papstes nach Lissabon zurückgerufen wurde, starb das Schisma nicht. Der goanesische Klerus betrachtete die apostolischen Vikare und Priester als Eindringlinge und verweigerte nicht nur in Bombay, sondern auch in Madras, Kalkutta und Meliapur den Gehorsam. Im Januar 1852 begab sich der portugiesische Bischof von Macao, Jerónimo José de Mata, nach Goa, um dort die Schismatiker weiter zu unterstützen. Bereits auf seiner Reise über Colombo auf Sri Lanka verrichtete er bischöfliche Funktionen, woraufhin ihn Bischof Hartmann bei der Liebe Jesu Christi und mit Hinweis auf die Gefährdung des Seelenheils der Gläubigen beschwor, sich dem hl. Stuhl zu unterwerfen. Bischof de Mata interessierte dies wohl wenig. Er erteilte nach seiner Ankunft in Goa innerhalb von sieben Tagen 536 Kandidaten die hl. Weihen, woraufhin in Goa der Volkswitz wohl wegen der fragwürdigen Berufung dieser Personen den Ausdruck prägte: „Er hat alles geweiht bis zu den Kokosbäumen herab.“

Fortsetzung hier

Montag, 6. April 2015

Große Missionsbischöfe: „Im Himmel ist Zeit genug zur Ruhe“ – Msgr. Armand François-Marie de Charbonnel O.F.M. Cap., Bischof von Toronto und Titularerzbischof von Sozopolis


Am Ostertag, den 29. März, verschied in einer einfachen Kapuzinerzelle des Klosters von Crest in Frankreich der älteste der lebenden Missionsbischöfe, der 89-jährige Msgr. Armand François-Marie de Charbonnel O.F.M. Cap, ehemaliger Erzbischof [sic, eigentlich nur Bischof] von Toronto und Titularbischof von Sozopolis. De Charbonnel gehörte einer altadeligen Familie Frankreichs an und wurde auf Schloss Flachat bei Monistrol-sur-Loire am 1. Dezember 1802 geboren. Er machte glänzende Studien, wandte dann aber, einem höheren Zug folgend, der Welt den Rücken und trat ins Seminar von St. Sulpice. Ehe er noch als Subdiakon durch eine höhere Weihe sich gebunden, machte sein Vater ihm den verlockenden Antrag, als Stammhalter der Familie seinen erlauchten Namen weiterzuführen. Der junge Charbonnel lehnte ab. Kaum war er 1825 zum Priester geweiht, als dem Dreiundzwanzigjährigen die Würde eines Almoseniers der Herzogin von Berry und damit die sichere Aussicht auf hohe kirchliche Würden angeboten wurde. Wieder lehnte Charbonnel ab. Als er seine Weigerung schriftlich dem Kultusminister Herrn v. Frayssinous einreichte, umarmte ihn dieser und sagte: „Mein lieber Charbonnel, ich habe Sie bislang herzlich geliebt, jetzt aber verehre ich Sie und liebe Sie noch mehr.“ – „Dass ich mit Gottes Hilfe diesen Antrag damals zurückgewiesen“, so hörte man Msgr. Charbonnel später öfter sagen, „betrachte ich nach den heiligen Weihen als die größte Gnade meines Lebens.“ 

Bald darauf trat der junge, talentvolle Priester in die Genossenschafter der Sulpizianer und war seit 1826 im Seminar vom hl. Irenäus in Lyon als Professor der Dogmatik, Exegese und Kirchengeschichte tätig. Für seine Verdienste, die er sich zur Zeit des Aufstands in Lyon 1834 erworben, sollte ihm das Ehrenkreuz zu teil werden. Er schlug es aus. Nachdem er einige weitere Jahre in den Seminaren von Versailles und Bordeaux als Professor gewirkt und während dieser Zeit nacheinander die Ernennung zum Generalvikar und zum Bischof von sich abgewiesen, schiffte er sich 1839 nach Nordamerika ein, wo für sein apostolisches Herz ein weites Wirkungsfeld sich eröffnete. Innerhalb von fünf Wochen hatte er in Baltimore das Englische so weit gemeistert, dass er sich auf der Kanzel verständlich machen konnte. Dann ging er nach Kanada. Kurze Zeit nach seiner Ankunft ließ der englische Gouverneur Lord Sydnam bei ihm anfragen, ob er einen Bischofssitz in der englischen Kolonie anzunehmen geneigt wäre. Lebhaft erwiderte Charbonnel: „Wollte ich Bischof werden, so hätte ich Frankreich nicht verlassen brauchen.“ Später gelang es dem seeleneifrigen Missionär noch, der Würde eines Koadjutors des Erzbischofs von New Orleans sich zu entziehen, dann aber musste er sich endlich 1849 im Gehorsam dem Heiligen Stuhle fügen, und 1850 weihte ihn Pius IX. in der Sixtinischen Kapelle persönlich zum Bischof von Toronto und Oberkanada und schenkte ihm als Zeichen seiner Liebe eine mit Gold gefüllte Börse, ein kostbares Messgewand und einen herrlich gearbeiteten Kelch. 

Das Wirken des neuen Bischofs von Toronto auch nur einigermaßen zu schildern, würde ein großes Kapitel füllen. Die in Quebec versammelten Bischöfe Kanadas gaben ihm den Titel eines „Vaters und Gründers der Kirchenprovinz von Toronto“ und schrieben an Pius IX., „die Arbeiten des Bischofs grenzten ans Wunderbare und erfüllten jedermann mit Staunen.“ Dies eine Zeugnis spricht beredter als viele Worte. Ein besonders schöner Zug an Msgr. Charbonnel war seine große Liebe nicht bloß zu den Armen Christi, für die er eine ganze Reihe Anstalten der christlichen Liebe ins Leben rief, sondern zur heiligen Armut selber. Von seinem eigenen Munde sparte er sich nicht zum geringsten Teil die Mittel ab, die seine großartigen Unternehmungen ermöglichten und ihn in den Stand setzten, die schwere Schuldenlast von 350.000 Francs, welche auf seiner Diözese lag, abzuzahlen.

Es war dieser Zug zur Armut und zur Strenge mit sich selbst, der den fast 60-jährigen Kirchenfürsten vom Heiligen Stuhl die Erlaubnis erbitten ließ, den erzbischöflichen Hirtenstab niederzulegen und seinen Palast mit einer Kapuzinerzelle in seiner Heimat zu vertauschen. Sein Hauptinteresse galt fortan dem Verein der Glaubensverbreitung. Auf die Bitte des Zentralkomitees des Vereins ernannte der Präfekt der Propaganda, Kardinal Barnabo, den Bischof in der Kapuzinerkutte zum Kreuzzugsprediger des großen Werks: ein Auftrag, dem er mit wahrem Feuereifer entsprach. Zur Anerkennung seiner Verdienste erhob ihn der Heilige Stuhl 1880 zum Titular-Erzbischof von Sozopolis. Empfahl man ihm mit Rücksicht auf sein hohes Alter und seine Gesundheit Schonung, so war seine Antwort immer: „Im Himmel ist Zeit genug zur Ruhe; hienieden müssen wir uns für den göttlichen Meister etwas plagen.“ Erst 1882 zog er sich ganz in die Einsamkeit des Klosters zurück, um sich auf die Ewigkeit vorzubereiten. „Charbonnel, Charbonnel,“ so hörte man ihn da oft sagen, „denk an die Ewigkeit!“ Bei der Nachricht von seinem Hinscheiden erließ Msgr. Cotton, der Bischof von Valence, ein eigenes Rundschreiben an seinen Klerus, worin er das Andenken des Verstorbenen feierte und es als besondere Gnade für die Diözese hinstellte [wohl nicht im negativen Sinn], dass die letzten Strahlen dieses schönen Lebens sie verklärt hatten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1892)

Freitag, 20. März 2015

Ein Lob auf die Kapuzinermissionäre in Kolumbien


In der New York Sun war unlängst ein Brief des Amerikaners Seward abgedruckt, den derselbe aus den Urwäldern am Amazonenstrom an einen Freund richtete, von dem er vor seiner Abreise gebeten worden war, aus dem Herzen der Wildnis ihm das Interessanteste seiner Reise zu schildern. Der Brief lautet folgendermaßen:


„Von meinem Lagerplatz, Oberes Amazonenbecken, Caquetafluss. Via Mocoa, Kolumbien, Südamerika, den 18. September 1915. Ich schreibe diese Zeilen bei Kerzenschein auf dem Schaft meiner Stiefel im Herzen der Dschungel. Der Eilbote, ein Indianer, wird beim Morgengrauen in seinem Kanu nach Mocoa aufbrechen. Und zwar will ich ein paar Zeilen schreiben zum Lob der Kapuzinermissionäre in dieser Gegend. Ihre entfernteste Station liegt mehrere hundert Meilen den Caquetafluss hinauf. Sie sind im eigentlichen Sinn des Wortes die Pioniere der Kultur in diesem entlegenen Teil der Welt. Diese Missionäre sind die einzigen, die mit dem Indianer etwas anfangen können. Ohne ihre Zuvorkommenheit wären wir in dieser unermesslichen Wildnis des tropischen Urwalds vollständig verloren. Die Indianer selber fürchten sich vor dem ‚Großen Fluss‘, nur unter dem Einfluss der sanften Worte der Patres können sie dazu gebracht werden, ihre Dörfer zu verlassen und uns zu helfen… Einfachen Glaubens, furchtlosen Herzens und der tausend Gefahren, die das harte Leben in dieser Wildnis mit sich bringt, nicht achtend, widmen diese Kapuzinermönche ihre ganzes Leben der Verbreitung der Kultur. Wahrlich, zu tun, was diese Helden tun, setzt einen großen, festen Glauben voraus, wie ihn gewöhnliche Sterbliche nicht besitzen. Man stelle es sich nur mal vor: Sie vergraben sich hier für immer, bis zum Ende ihres Lebens, ohne Hoffnung auf Rückkehr ins Vaterland und Vaterhaus. So geben sie ihr Leben hin im Dienst von vielleicht 50 Wilden, die in einer Lichtung der fieberschwangeren Dschungel wohnen. 

Wären diese Priester nicht mit ihrer Pionierarbeit uns vorausgegangen, es wäre uns unmöglich gewesen, bis zu diesen unerforschten Wasserscheiden vorzudringen. Mit Picke und Spate hat diese kleine Schar von Christusjüngern mit eigener Hand Pfade gegraben in die jäh abstürzenden Hänge der Anden. Diese Saumpfade sind keine Wunder der Wegbaukunst, aber sie sind eine herrliche religiöse Tat, vor der man in ehrfürchtiger Bewunderung steht. Wenn jemals Eisenbahnen, elektrisches Licht und Telefon Leben und Zivilisation in diese öden Wüsteneien bringen werden, so möge man wissen, dass all dies auf den Grundlagen der Religion aufgebaut ist, die diese frommen Pioniere jetzt dort legen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Hier noch ein sicherlich sehr interessantes Buch über die Kapuzinermission in Kolumbien (auf Spanisch), das auch reich bebildert ist.

Donnerstag, 5. März 2015

Die letzte Kommunion des kleinen Joseph

Von Pater Siegfried O.F.M. Cap. in Chile:

Auf den Namen Joseph hatten wir den achtjährigen kränklichen Knaben getauft, und nur vier Monate war er in unserer Anstalt. Aber es gelang uns doch, ihn auf seine erste heilige Kommunion vorzubereiten. Dann aber mussten wir ihn zu seinen Eltern heimgeben.

Es vergingen einige Monate; da kam eines Tages sein Vater, ein Heide, und sagte: „Mein kleiner Joseph lässt dich grüßen und bittet, du möchtest ihn besuchen und mit ihm plaudern und ihm den ‚Herrn‘ bringen.“ „Dein Kleiner will beichten und die Kommunion empfangen!“ „Mag sein, das verstehe ich nicht!“ „Geh nun heim und sage dem Kleinen, dass ich gleich nachkomme, und dass er alles haben soll.“

Ich kam zur Hütte, die auf einer kleinen Lichtung des dichten Urwalds stand. Als ich die Hütte betrat, blieb ich einen Augenblick sprachlos stehen: im Winkel der Hütte lag der zum Skelett abgemagerte Joseph, weiß gekleidet, mit einer Kerze in der Hand, die mit Blumen umwunden war, so wie am Tag seiner ersten heiligen Kommunion. Dann beichtete er und betete die Gebete, die er bei seinem kurzen Aufenthalt in der Anstalt gelernt hatte.
Gerade als ich ihm die heilige Kommunion reichte, flog eine ganze Schar Singvögel aus dem Wald herbei und ließe sich auf der Lichtung nieder. Ihr munterer Gesang drang fröhlich herein zu uns. Freudig leuchteten die Augen des Kranken auf, und ich sagte zu ihm: „Da schau her, es ist gerade, als ob die Vöglein Engel wären, die der Heiland schickt, damit sie jetzt singen, wo er selber zu dir kommt; freue dich recht, bald darfst du im Himmel auch mitsingen mit den Engeln beim lieben Gott!“

Alle Anwesenden weinten, nur der Kleine behielt sein verklärtes Leuchten in Blick und Antlitz bis zum Abend, wo seine unschuldige Seele aus dem Körper enteilte, hin, wo die Scharen der Engel sie erwarteten.

(Quelle: das Seraphische Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi , Altötting, 1931)