Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Sonntag, 31. Mai 2015

Marienlob am Sterbebett


Ebenso fromm [wie eine andere Aussätzige in Cocorita] starb Maria Manelli. Im Anfang ihrer Krankheit hatte es ihr viel gekostet, das Opfer ihres Lebens zu bringen, und die ersten Tage ihres Aufenthaltes im Leprosenhaus schienen ihr sehr traurig. Aber die Gnade siegte; großmütig ergab sie sich vollständig in den heiligen Willen Gottes, und der Friede und die Freude kehrten wieder in ihr Herz ein. Sie sah dem Tod so freudig entgegen, dass man auf ihre Bitte an ihrem Sterbelager stets Lieder zu Ehren der allerseligsten Jungfrau singen musste; diese hat sie denn auch am letzten Tag des ihr gewidmeten Maimonats … zu sich in den Himmel genommen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Donnerstag, 28. Mai 2015

Ruf zu Maria aus den Tiefen des kongolesischen Dschungels


P. Joseph Fräßle S.C.J. war von 1905 bis 1920 Missionar im Kongostaat und schrieb mehrere wertvolle Bücher, darunter Meiner Urwaldneger Denken und Handeln (hier bei ZVAB), das ich nur empfehlen kann. Daraus nachfolgend eine kurze Betrachtung zum Rosenkranzgebet auf einer Missionsreise durch den Urwald:

Den Rosenkranz zu beten, solange der Pfad es gestattet, ist Reisegewohnheit. „Wir beten auch mit“, sagten die Träger, und zogen den ihrigen vom Hals, wo sie ihn gewöhnlich tragen, um ihren Glauben zu bekennen und weil sie keine Taschen haben. „Wir können keinen Rosenkranz in der Hand halten“, riefen die Pfadöffner [die das Buschwerk mit Messern niederhauen]; „zählt ihr für uns, wir sprechen mit.“

So lass dich von uns grüßen, du unbefleckte Jungfrau und Mutter Maria, voller Gnade und Geheimnisse, droben im unerreichbaren Licht des Himmels; grüßen von uns kleinen Menschenkindern, die da seufzen in des wirren Urwalds Tiefe. Hilf uns empor aus Dunkelheit, Sumpf und Gefahren, hinauf zu Christus, dem beglückenden Licht. Du Gebenedeite unter den Weibern! Sei du der einzige Weg zu Jesus diesem Volk, das so tief gesunken ist, weil es die Würde der Mutter und Frau verkannt hat! Höre, wie die Erstlinge des Landes dich bitten für ihre Brüder, dass sie recht bald erkennen möchten Jesum, der auch für sie geboren wurde, lehrte, litt und starb! Trägerin des allmächtigen und allweisen Wortes, hilf mir es zu diesem Volk tragen, dass ihm Erlösung werde und Licht und Ordnung und Glück! O du Mutter-Königin der Kirche auf Erden und in der Himmelshöhe! Aus allen Völkern und Sprachen und Farben muss ein einziges Gottesreich erstehen, einig im Glauben und rein in den Sitten!

Dienstag, 26. Mai 2015

Franz Xaver – einziger „normaler“ Heiliger mit Duplex majus im Brevier von Pius X.

Der heilige Franz Xaver in der Duplex-majus-Gruppe des alten Breviers an vorletzter Stelle

Jüngst habe ich mir auch ein Brevier besorgt. Es ist von 1952 nach den Rubriken von Pius X. Jahrelang konnte ich mit Brevierbeten für Laien zugegebenermaßen nicht viel anfangen, jetzt will ich es aber auch mal versuchen, obwohl ich bei der Verwendung noch ein ziemlicher Dilettant bin. 

Zu meiner Freude  ist mir aufgefallen, dass die Kirche in ihrem Breviergebet bis zur Reform von 1960 den großen Asienapostel mit einem Duplex-majus-Fest würdigt, eine Ehre, die, wie man im Bild oben sehen kann, unter anderem der heiligen Familie, den Weihefesten der wichtigsten römischen Kirchen und den wichtigsten Ordensgründern zuteil wurde. Ich werde sicherlich nicht jeden Tag das Brevier benutzen, am 3. Dezember aber ziemlich wahrscheinlich, wenn ich bis dahin nicht von dieser Welt abberufen wurde.



Sonntag, 24. Mai 2015

Was Pfingsten von uns fordert



Andächtige Christen! Was fordert der heutige Tag von uns? Er fordert ein Zweifaches: ein Missionsgebet und eine Missionstat. Ein Gebet für das Missionswerk. Nur in der Kraft und unter der Leitung des Heiligen Geistes kann das Werk der Seelenrettung vollbracht und der Auftrag des göttlichen Heilandes an den Völkern vollzogen werden. Deshalb erheben wir am heutigen Heiliggeisttag die Hände und flehen wir aus der Innigkeit unseres Herzens: „Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen werden, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.“ Und dann eine Tat für das Missionswerk! Die Kraft des Heiligen Geistes, der uns gegeben wurde, muss auch in uns wirken. Lasset uns in dieser Gotteskraft Zeugnis geben für Christus durch Beteiligung am Missionswerke in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria, bis an die Grenzen der Erde. Ja, komm, Heiliger Geist, und erleuchte die Herzen aller Gläubigen. Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Pfingstfeuer lodere in unserem Herzen und verkünde unter den Völkern die Großtaten Gottes, damit nach den Worten Christi „die Welt erkenne, dass wir den Vater lieben und tun, wie es uns der Vater befohlen hat.“ Amen.

(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)


Mittwoch, 20. Mai 2015

Die Mission – der friedlichste Krieg


Geht lehrt alle Völker und tauft sie! Dieser Missionsbefehl des göttlichen Heilandes war zugleich auch der Mobilisationsbefehl der katholischen Missionsarmee. Christus, und nur Christus der Gottmensch allein, konnte diesen Befehl erlassen. Es war der Marschbefehl in gottfeindliches Land, der Kampfbefehl gegen Heidentum und Heidenwesen, der Schwertbefehl der Wahrheit und der Gnade. In dem Kampf, der auf dem Missionsfeld geführt wird, geht es um die höchsten und heiligsten Güter der Menschheit. Es geht um göttliche Wahrheit und menschliche Einsicht, um göttliches Recht und menschliche Freiheit, um Gut und Bös, um Müssen und Unterlassen, um Pflicht und Gewissen, um Heil, Frieden und Sicherheit in den ersten und letzten Fragen eines jeden Menschen.

Der Aufmarsch der katholischen Missionsarmee begann mit der Missionstätigkeit der Apostel. Aus ihrer sterbenden Hand haben andere das Kreuzesbanner ergriffen und haben es weiter getragen bis an die Grenzen der Erde. In allen Jahrhunderten sind Scharen von Freiwilligen zum Missionsdienst im Streiterheer Christi herbeigeeilt. Tausend aus dem katholischen Volk haben sich auch in unserer Zeit für das Kreuzfahrerheer der Weltmission gemeldet.

Diese katholische Missionsarmee schlägt die Schlachten des Herrn. Sie führt den glorreichsten, friedlichsten und beglückendsten aller Kriege. Sie ist ausgezogen, um die Welt für Christus zu erobern. Ihr Kampf ist ein Gotteskampf. Und das ist der Unterschied zwischen dem Gotteskampf und dem Weltkampf: wenn die Welt Krieg führt, dann bluten die Besiegten; im heiligen Gotteskrieg aber, den das Missionswerk führt, bluten die Besieger. In diesem Missionskampf werden den Völkern keine Ketten angelegt, sondern deren Ketten werden zersprengt, keine Lebenden werden zu Toten gemacht, sondern Tote werden zum Leben erweckt [dem übernatürlichen, seltener dem natürlichen nach, so z. B. der hl. Franz Xaver], kein Kriegselend wird hier der Menschheit geschaffen, sondern sie wird beglückt mit den höchsten Gütern für ihr ewiges und zeitliches Wohl.


(Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Sonntag, 17. Mai 2015

Die Mission – Ein Zeugnis für Christus


Zum Sonntag nach Christi Himmelfahrt: 

Das Apostelamt ist ein Zeugnisamt, und alle jene, die das Apostelamt an der Heidenwelt ausüben, die Missionäre, auch sie ziehen hinaus, um Zeugnis abzulegen für Christus. Das Missionswerk ist ein Zeugnis für Christus, und zwar ein ruhmvolles Zeugnis. Die Engel machte Gott zu seinen Boten, und sie bezeugen Gottes ewige Ratschlüsse durch ihre Botschaft. Gottes ewige Ratschlüsse der Liebe und Erbarmung tragen die Missionäre zu den Heiden hinaus und bezeugen deren Erfüllung durch ihr Wort und ihr Leben. Die ganze sichtbare Schöpfung verkündet die Herrlichkeit Gottes, gibt Zeugnis von der wunderbaren Macht und Größe unseres Schöpfers. Das große Missionswerk unserer heiligen Kirche verkündet die Erlösung des ganzen Menschengeschlechtes durch Christus, gibt Zeugnis von der wunderbaren, unbegreiflichen Gnadenschöpfung unsers Gottes. Andächtige Christen! Durch unsere Anteilnahme am Missionswerk geben auch wir Zeugnis für Christus. Wir treten ein für die Verbreitung unseres heiligen Glaubens in der ganzen Welt und wir zeigen dadurch, dass wir von der Wahrheit dieses Glaubens tief durchdrungen sind. Durch unseren Missionseifer arbeiten wir tatkräftiger Weise daran, dass Christi Reich zu allen Menschen komme, dass Christus über alle Menschenherzen herrsche. Wir dienen einem hohen König, wir arbeiten für einen großen Lohn. Die Mission ist ein ruhmvolles Zeugnis für Christus. Aber sie ist auch ein verdienstvolles Zeugnis.

Von dem großen Völkerapostel sprach der Herr: „Ich werde ihm zeigen, wieviel er für meinen Namen leiden muss“ (Apg 9, 16). Dies Wort gilt mehr oder weniger von einem jeden Missionär. Sie alle, die hinausziehen, um das Kreuz den Völkern zu predigen, ziehen hinaus, um Zeugnis von Christus zu geben, und ist dies Zeugnis auch nicht für alle ein Zeugnis des Blutes und Martyrium, für alle ist es ein Zeugnisgeben durch Leiden, durch Opfer und Entsagung. Der Herr zeigt ihnen, wieviel sie für seinen Namen leiden müssen. Doch gerade deshalb, andächtige Christen, ist das Missionswerk auch ein verdienstvolles Zeugnis für Christus. Sollte er, der versprochen hat, den kleinsten Dienst, einen Trunk kalten Wassers in seinem Namen gespendet, zu belohnen, sollte er den größten Beweis der Liebe zu ihm, die Hingabe des ganzen Lebens für ihn, unbelohnt lassen? Einst hat der göttliche Heiland versprochen: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem himmlischen Vater bekennen.“ Das göttliche Zeugnis Christi bei seinem himmlischen Vater ist der Lohn für das Zeugnis vor den Menschen.

Andächtige Christen! An dem verdienstvollen Zeugnis für Christus durch das Missionswerk können und müssen auch wir teilnehmen. Es ist wahr, wir können [als Laien ohne Berufung] nicht als Missionäre hinausziehen und als Zeugen Christi vor die Völker hintreten; aber das große Missionswerk unserer heiligen Kirche ist vor der ganzen Welt, vor den Augen aller Nationen ein herrliches Zeugnis für Christus. Und zur Anteilnahme an diesem Zeugnis durch unser Gebet und Missionsopfer sind auch wir als Glieder dieser Kirche verpflichtet. Da ergeht auch an uns die Aufforderung des göttlichen Heilands: „Auch ihr werdet Zeugnis geben.“ Freudig sind einst die Apostel dieser Aufforderung ihres geliebten Meisters gefolgt. Nur wenige Tage noch, und wir sehen sie, erfüllt vom Heiligen Geist, ihr glorreiches Zeugen- und Apostelamt antreten. Staunend muss die Welt die überzeugende Kraft dieses Zeugnisses anerkennen, und bezeugend muss auch sie mit dem heidnischen Hauptmann bekennen: „Wahrhaftig, dieser war Gottessohn.“ O beten wir eifrig in diesen Tagen, andächtige Christen, dass der Geist der Wahrheit, der Heilige Geist, auch über uns komme, dass er in uns wohne mit der siebenfachen Fülle seiner Gnade, dass er mit seiner göttlichen Kraft unsere Glaubensüberzeugung stärke. Dann werden auch wir Zeugnis geben von Christus. In heiligem Missionseifer werden wir daran arbeiten helfen, dass Christus auf der ganzen Erde erkannt und verehrt werde. Und wenn wir so Zeugnis gegeben haben von Christus, dann wird auch Christus uns sein göttliches Zeugnis nicht versagen vor seinem himmlischen Vater. Amen.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)


Samstag, 16. Mai 2015

Blumen für die Mutter Gottes – Bekehrung auf dem Sterbebett


Von P. Franz Scherer S.J.:

„Noch ein Beispiel, wie die liebe Mutter auch ein kleines Geschenk reichlich vergilt! In der Nähe unseres Hauses (Sikawei bei Schanghai) wohnt ein Teil der Familie Si, die hunderte von Gliedern zählt. Sie stammen alle von dem Minister Si ab, einem eifrigen Katholiken, der uns den ganzen Grundbesitz schenkte, welchen wir jetzt haben. In einer Christenverfolgung fielen dessen Kinder und Enkel vom Glauben ab. Doch gab die Mutter oder Großmutter des jetzigen Familienhauptes jedes Jahr im Maimonat Blumen, dass sie vor der Muttergottesstatue in unserem Garten aufgestellt würden. Vor einiger Zeit starb diese Frau. Auf dem Sterbebett verlangte sie nach dem Priester und bat um die heilige Taufe. Obwohl nun die Glieder der Familie einen Eid geschworen hatten, dem Heidentum treu zu bleiben, legten sie der Sterbenden doch keine Schwierigkeiten in den Weg, und sie erhielt, gewiss durch die Fürbitte Marias, als Lohn für die kleine Blumenspende die ewige Seligkeit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Freitag, 15. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 3) – Msgr. Joseph Simon Theurel M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Vorletzter Vorgänger: Mgr. Pierre-André Retord

Joseph Simon Theurel wurde am 28. Oktober 1829 in der Erzdiözese Besançon geboren. Er war der Sohn einer wackeren Bauernfamilie, die wohlhabend genug war, ihren Kindern eine höhere Ausbildung angedeihen lassen zu können, freigebig genug, um sie ihnen zuzuwenden, und fromm und rechtschaffen genug, um ihnen dieselbe wahrhaft zum Segen werden zu lassen. Zwei der Söhne wurden Priester, eine Tochter Nonne und ein dritter Sohn, Joseph Simon nämlich, sogar Bischof.

(…) Nachdem er seine Studien noch mehrere Jahre in Luxeuil und Besoul fortgesetzt, trat er im November 1848 ins Priesterseminar von Besançon, von welchem er jedoch schon im folgenden Jahr, nach langer, aufrichtiger Selbstprüfung von seinem Beruf zum apostolischen Leben überzeugt, in das Seminar der auswärtigen Missionen in Paris übertrat. Drei ernste, aber zugleich unendlich freudenreiche Jahre brachte er in dieser ehrwürdigen Anstalt zu, welche der Kirche schon so viele Martyrer, Bekenner und Apostel gegeben und den Glauben Christi in so vielen Ländern der Erde gepredigt hat. Was ihn nicht zum wenigsten hier anzog, war der „Saal der Martyrer“, wo zahlreiche Reliquien die hohen Ziele dieser apostolischen Schule verkündeten. „Unser Empfangssaal“, schrieb er, „hat keine weichen Sessel; von seinen Vorhängen wird man bald sagen, dass sie vor Zeiten einmal rot gewesen sind; aber er ist geschmückt mit Fesseln, mit Bambusstäben, mit blutgetränkten Matten und mit glorreichen Reliquien. O wenn Sie wüssten, wie gut man betet und man seinen Mut wachsen fühlt im Anblick dieser ehrwürdigen Überreste derjenigen, die unsere Freunde, unsere Vorgänger sind!“.

Im Juni 1852 erhielt er die freudige Nachricht, dass er zu der gefahrvollsten aller Missionen, derjenigen von Tongkin, auserlesen sei. Am 5. dieses Monats besiegelte die heilige Priesterweihe das Opfer seines Lebens, und obgleich er die erste heilige Messe im Kreise der Seinen in der Franche-Comté las, so waren doch keine zärtlichen Bitten noch Tränen, keine irdischen Rücksichten, nicht einmal die günstigen Aussichten, die ihm Kardinal Gousset von Reims stellte, im Stande, ihn von dem gebrachten Opfer zurückzubringen oder in Europa zurückzuhalten.

[Sein Wirken als Priester wird hier aus Gründen der Länge übergangen, um direkt zur Bischofsweihe überzugehen.]

Mit dem Tod von Msgr. Retord, der für die Kirche in Tongkin ein so gewaltiger Schlag war, traf merkwürdigerweise gleichzeitig eine Verfügung der Missionsoberen in Paris zusammen, welche P. Theurel plötzlich nach Europa zurückrief, um ihn dort zu einem der Direktoren des großen Missionsseminars zu machen. Die Lage war schwierig; auf die einstimmige Bitte des Klerus von Tongkin glaubte Msgr. Jeantet, der unmittelbare Nachfolger Msgr. Retords, den tüchtigen Missionär, der allgemein als einer der kräftigsten Pfeiler der Mission galt, zurückhalten und den Oberen in Paris erst bescheidene Gegenvorstellungen einreichen zu sollen. P. Theurel blieb aber nicht nur, sondern, abermals auf Bitten des gesamten Missionsklerus, ernannte Msgr. Jeantet, der schon 67 Jahre alt war und einer zuverlässigen Stütze seines Greisenalters zu bedürfen glaubte, ihn zu seinem Koadjutor. Der junge Generalvikar schützte sein Alter vor (er zählte erst 29 Jahre), um der bischöflichen Würde zu entgehen, aber der apost. Vikar beharrte bei seiner Verfügung, und so ward Msgr. Theurel zum Bischof von Acanthus geweiht.

„Lieber Anselm“, so beschreibt er selbst in einem Brief an einen seiner Jugendfreunde die seltsame Wahl und Konsekration, „da Se. bischöfl. Gnaden den Religionsfrieden vor uns fliehen sah, wie einen Schatten, so hielt er es für angemessen, sich einen Koadjutor zu geben. Eines Tages, da ich mich eben in einem Büffelstall aufhielt, erhielt ich Befehl, augenblicklich Exerzitien zu machen und dann mich beim Bischof einzufinden. Nachdem ich, seiner Anordnung gemäß, Exerzitien gemacht hatte, kam ich in zwei Nächten an den verabredeten Platz unseres Stelldichein. Am folgenden Tag fand die Wahl statt, am dritten die Konsekration. Es war der 6. März 1859. Kein großer Luxus wurde dabei entfaltet. In Ermangelung unserer europäischen Mitbrüder, von denen keiner sein Versteck verlassen durfte, erfüllten zwei annamitische Priester die Funktionen der assistierenden Bischöfe; als Stab hatte ich ein Bambusrohr, das im nächsten Wald geschnitten und mit Goldpapier überklebt war und aus dem ein spiralförmig in sich zurückgedrehtes Stück festen Seils hervorragte. Ich hatte keine [liturgischen] Strümpfe, von Handschuhen keine Rede. Zwei Stunden vor Sonnenaufgang war die Zeremonie schon vollendet. So wird man in Tongkin Bischof von Acanthus! Du wirst es zweifelsohne etwas keck finden, dass ich mir die Handauflegung erteilen ließ; ich finde das auch und ich hätte Gründe genug gehabt, mich ihr zu entziehen; aber in den schrecklichen Umständen, in welchen wir uns befinden, hätte eine längere Weigerung von meiner Seite noch größere Verwirrung herbeigeführt: ich musste mich zum Bischof weihen lassen. Flehe nichtsdestoweniger zu Gott um Verzeihung für die Leichtigkeit, mit der ich mich in dieser Angelegenheit der Ansicht der anderen unterwarf, und erflehe mir von ihm größere Klugheit und größeren Mut, damit ich nicht untersinke in diesem Meer von Bedrängnis, sondern früher oder später an dem Hafen jenes Friedens lande, den die Welt nicht geben kann.“

Um dieselbe Zeit schrieb er an seine Schwester in Frankreich: „Was mir hohen Mut verleiht; indem ich die Würde des Episkopats auf mich nehme, ist, dass ich mich mit der Armut, dem Leiden und dem Elend vermähle.“ Wie er bei seiner Weihe das Brustkreuz und den Ring Msgr.
Retords erhielt, so nahm er auch dessen Titel an: „Fac me cruce inebriari“ (Lasst mich vom Kreuze berauscht werden), und so war denn auch seine bischöfliche Verwaltung nur eine verschärfte und härtere Fortsetzung der Leiden und Mühsale, welche Msgr. Retord getragen hatte.

Die Einnahme der Festung Turanne und die Besetzung der Halbinsel Saigon durch die Franzosen hatte den Grimm des Kaisers Tự Đức und seines Anhangs mächtiger denn je entflammt, und das Kreuzen der europäischen Flotte an der Küste hatte nur zur Folge, dass diese immer strenger bewacht und dadurch den Missionären jeder Weg zur Flucht abgeschnitten wurde. Außer dem Aufenthalt in den Gebirgswäldern, wo der Tod am Fieber in fast sicherer Aussicht stand, blieb ihnen nichts übrig, als sich in unterirdischen Höhlen und Schlupfwinkeln den Tag über verborgen zu halten und nachts die Christen heimlich aufzusuchen, zu trösten, mit den heiligen Sakramenten zu versehen und dann entweder wieder in die ungesunden Schlupflöcher zurückzukehren, oder durch Wald und abgelegene Wildnisse nach einem anderen Versteck umherzusuchen. Msgr. Jeantet war bei seiner ersten Flucht mit knapper Not dem Ertrinken entgangen; sowohl seines Alters als seiner Würde wegen hielten es die Missionäre für eine Ehrensache, ihm die erträglichsten und sichersten Verstecke zu überlassen, während sie selbst gleichsam unter den Fangarmen der Verfolger von einem Schlupfwinkel zum anderen unstet umherwanderten. An ihrer Spitze, der mutigste und unerschrockenste von allen, leitete Msgr. Theurel die gesamte Mission, unterhielt die Verbindung der Priester untereinander und mit Msgr. Jeantet, erteilte die nötigen Befehle, arbeitete die bischöfl. Rundschreiben aus, überwachten die einzelnen Gemeinden, sorgte für ihre dringendsten Bedürfnisse, nahm sich der Gefangenen und der Bekenner des Glaubens an, und schrieb endlich selber die Akten der Martyrer. All überall und nirgends, wie einst der hl. Athanasius, machte er, unter dem sichtbaren Schutz der Vorsehung, alle List und Gewalt der Heiden zu Schanden und erhielt die hartbedrängte Kirche West-Tongkins in Einigkeit des Glaubens, der Liebe und des standhaftesten Heldenmuts.

Den Sieg und die Befreiung der annamitischen Kirche zu schauen, sollte Msgr. Theurel nicht vergönnt sein. Aber er sah wenigstens den Waffenstillstand, welcher jenen Sieg vorbereitete, und die Anfänge der Ernte, welche aus so viel Leiden und Martyrblut emporzusprossen begann. Noch im Oktober 1862 wurden die Christen in den meisten Bezirken freigegeben und in ihre heimatlichen Dörfer zurückgeschickt. Die Missionäre Charbonnier und Mathevon wurden aus ihren Käfigen, in welchen sie zehn Monate geschmachtet hatten, entlassen. In christlichen Dörfern trat das Christentum wieder aus dem Versteck hervor, die zerstreuten Gläubigen sammelten sich aufs Neue um ihre Hirten; abgefallene Christen strömten von allen Seiten zum Priester herbei, um ihren Abfall durch aufrichtige Buße zu sühnen. Nachdem im Lauf des Jahres 1863 die Pfarrverwaltung wieder in Gang gebracht war, sorgte Msgr. Theurel vor allem für die Erziehung eines einheimischen Klerus. Schon Ostern 1864 zählte sein Seminar, das er selbst leitete und in dem er selbst lehrte, wieder 40 Zöglinge, darunter 6 Diakone, 9 Subdiakone, 10 Minoristen und 15 Tonsurierte. Dazu hatte er eine Lateinschule mit 6 Klassen und 110 Schülern ins Leben gerufen, die auf drei Dörfer verteilt waren. Bischof und Pfarrer, Seminardirektor und Professor in einer Person, suchte der unermüdliche Apostel allen alles zu werden und den schwachen Zugeständnissen der Regierung den größtmöglichen Grad kirchlicher Freiheit und kirchlicher Lebensentfaltung abzugewinnen, als eine heftige Dysenterie seine Gesundheit zu zerstören und seine Kraft zu lähmen anfing. Nach vielen vergeblichen Versuchen, in Saigon, Hong Kong und Singapur seine Gesundheit herzustellen, musste er 1865 in der Heimat Genesung suchen; wirklich konnte er auch im Herbst 1866 seine Arbeiten in West-Tongkin wieder aufnehmen. Aber die einmal erschütterte Gesundheit widerstand den großen Beschwerden seines Amtes und den Anforderungen, die sein Seeleneifer an ihn stellte, nicht lange mehr. In noch jugendlichem Alter von 39 Jahren wurde er vom Herrn des Weinbergs am 3. November 1868 abberufen, um aufs Neue mit seinem Freund, dem ehrw. [heute heiligen] Martyrer Vénard, vereinigt den Lohn seiner Arbeiten und Mühen zu empfangen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Donnerstag, 14. Mai 2015

„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“



Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (MT 28, 18–20)

Andächtige Christen! „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch“ (Jo, 7, 46). So bekannten einst voll Staunen die Juden von Jesus Christus. So müssen auch wir voll Staunen die Bewunderung heute bekennen. Nein, so wie Jesus Christus gesprochen hat, als er vor seiner Himmelfahrt das Missionswerk übertrug, hat noch kein Mensch gesprochen. Kein Meister hat so zu seinen Schülern, kein König so zu seinen Untertanen gesprochen. Keine Aufgabe ist je in diesem Umfang gestellt, kein Anspruch je in dieser Größe erhoben worden. Alle Gewalt! Die ganze Welt! Alle Völker!

Alle Gewalt! Ein gewaltiges Wort! Den ganzen Erdkreis will es beherrschen und in die Himmel will es gebietend hinaufsteigen: Machtvolle Eroberer sind im Laufe der Zeiten aufgestanden und große Machtansprüche haben sie erhoben; aber Himmel und Erde hat keiner von ihnen eingefordert. Ein solcher Machtanspruch hätte sie trotz ihrer großen Gewalt ebenso lächerlich gemacht wie jeden anderen Menschen. Nur einen kennt die Geschichte, der eine Gewalt über Himmel und Erde für sich beansprucht hat, nur einen, und dieser eine ist Jesus Christus. Und in seinem Mund finden wir das Wort natürlich und selbstverständlich. Ja, wir fühlen es, bis in das Innerste unseres Verstandes und unseres Herzens sind wir davon durchdrungen: Jesus Christus hat ein Recht, so zu sprechen.

(…) „Darum“ hatte der göttliche Heiland gesagt. Den Missionsbefehl stützt er mit aller Entschiedenheit und mit allem Nachdruck auf Seine göttliche Autorität. Das Gehen in alle Welt und das Lehren bei allen Völkern folgert er aus seinem unumschränkten Machtgebiet und aus seiner unumschränkten Machtfülle. Der Berg, auf welchem Christus seine Jünger versammelt hat, ist der Berg des Missionsgesetzes, der Sinai des Neuen Bundes. Kraft seiner Autorität hatte Gott einst auf Sinai zu seinem auserwählten Volk gesprochen: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine fremden Götter neben mir haben“ – das auserwählte Volk des Alten Bundes sollte die wahre Gotteserkenntnis bis zur Fülle der Zeit bewahren. Kraft seiner Autorität, die Himmel und Erde umfasst, spricht auch Christus zu seinen Jüngern: „Mir ist gegeben alle Gewalt, darum gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker!“ Das auserwählte Volk des Neuen Bundes soll die wahre Gotteserkenntnis verbreiten bis an das Ende der Zeiten.

(…) Unser heutiges Festevangelium des hl. Markus schließt mit den Worten: „Sie aber“ – die Jünger nachdem sie die letzten Worte des Herrn vernommen und dieser aufgefahren war – „gingen aus und predigten allerorten, während der Herr mitwirkte und das Wort bekräftigte durch die nachfolgenden Zeichen.“ Die Apostel gingen an ihre Missionsarbeit. So gehen auch wir, andächtige Christen, an unsere Missionspflicht. Gott will es! Gott will es! Das ist der Gedanke, der uns begleiten muss. Gott will es, dass das Evangelium in der ganzen Welt unter allen Völkern verkündet werde. Amen.

(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)


Dienstag, 12. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 2) – Msgr. Pierre-André Retord M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin


Durch Martyrerblut geheiligt und befruchtet, ging der Titel eines Bischofs von Acanthus, zugleich mit der Würde eines apostolischen Vikars von West-Tongkin, im Jahr 1840 an Msgr. Retord über, der sich damals schon 7 Jahre in der Mission als einer ihrer tüchtigsten Arbeiter und eine ihrer kräftigsten Stützen bewährt hatte.

„Welch' eine Lage,“ so charakterisiert er selbst in einem Brief sein Hirtenamt, „beständig wie ein Vogel auf dem Zweig zu sitzen, ohne Unterlass von Unheilsnachrichten beunruhigt: dass Spione uns auf der Fährte sind, dass man uns denunziert hat, dass die Mandarine schon begonnen, uns zu umzingeln – und welch Unglück droht dann der Mission und den armen Christen – sie werden um unsertwillen geplündert, viele von ihnen getötet werden! Um sie dieser Gefahr zu entziehen, gehen wir bald auf die Flüsse, um uns in Barken zu verstecken, bald ziehen wir uns in unterirdische Löcher zurück, um uns gleichsam lebendig zu begraben. Einmal blieben wir volle acht Stunden in einer solchen Grube vergraben, ohne andere Luft zu atmen, als diejenige, welche uns durch ein kleines Bambusrohr zuströmte. Als wir wieder herauskamen, waren wir beinahe ganz blöde und stumpfsinnig geworden. Die leiblichen Qualen in dergleichen kritischen Momenten sind nichts im Vergleich zu der Seelenangst, die man aussteht.“

So von Dorf zu Dorf, von Versteck zu Versteck gehetzt, und doch immer mutvoll das Evangelium verkündend, das Reich Gottes ausbreitend und erhaltend, leitete Msgr. Retord, Bischof von Acanthus, unter den unaufhörlichen Verfolgungen der Kaiser Minh Mạng, Thiệu Trị und Tự Đức achtzehn Jahre lang das apostolische Vikariat West-Tongkin, bis er endlich, aufgezehrt von Leiden und Gefahr, als armer Flüchtling, einsam und verlassen in einer Bergeseinöde 1858 dem Fieber erlag. „Msgr. Retord ist nicht mehr,“ schrieb einer der Genossen seines Apostolates, der hochw. Herr Vénard, im Dezember 1858, „das bösartige Fieber der Wälder hat ihn am 22. Oktober hinweggerafft. So endigte in völliger Verlassenheit und Hilflosigkeit dieses Leben voll Mühen und Leiden, nach einer Missionsarbeit von 25 Jahren, von denen 18 mit der schweren Bürde des apostolischen Vikariates verbunden gewesen waren. Msgr. Retord hat die schönen und so heiß ersehnten Tage des Friedens nicht heranbrechen sehen. Sein ganzes Missionsleben verlief inmitten von Gefahren und Prüfungen aller Art, es war nur die Verwirklichung eines Traums seiner Jugend, in welchem ihm die selige Jungfrau erschien, ihn auf die Spitze eines hohen Berges, an den Fuß eines großen Kreuzes trug und ihm sagte, sein Leben würde gekreuzigt sein bis zum Ende. Das Leben jedes Missionärs ist reich an Kreuz, dasjenige Msgr. Retords war es mehr als das irgendeines anderen, und sein Tod auf einer wilden Bergeshöhe, mitten in einem sonst nur von reißenden Tieren bewohnten Wald, in vollständiger Entblößung von allem, war ein Tod am Kreuz, an einem Kreuz nackt und bitter, wie das seines Meisters und Erlösers Jesus war.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Montag, 11. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 1) – St. Pierre Dumoulin-Borie M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Martyrium des heiligen Pierre Dumoulin-Borie (Quelle: PHGCOM)

Eine gar schöne Erinnerung an den apostolischen Ursprung, das ehrwürdige Alter und die unbesiegliche Lebenskraft der katholischen Kirche liegt in dem Gebrauch, den Bischöfen der ausländischen Missionen, wie den Weihbischöfen in Europa, den Titel von Kirchen zu verleihen, welche, in den ersten Jahrhunderten als Sitze heiliger Lehrer und Martyrer berühmt, im Verlauf der Zeit entweder gänzlich verschwunden oder nur als Trümmer einstiger Herrlichkeit im Land ungläubiger Völker erhalten sind. Die Kirche hat da scheinbar das Los aller menschlichen Einrichtungen geteilt, sie ist da erblüht, hat Früchte getragen und ist scheinbar wieder verblüht. Sie hat Großes gebaut und Herrliches geleistet, und es ist scheinbar in Staub und Asche gestürzt und hat keine Spur des Daseins als bloße Namen hinterlassen. Aber auch nur scheinbar; denn abgesehen davon, dass viele der ältesten erzbischöflichen und bischöflichen Sitze des Erdenrunds schon 18 Jahrhunderte überdauert haben und nie zu Diözesen in partibus infidelium geworden sind, haben auch die Namen der zerstörten und verschwundenen Bischofssitze außer ihrer geschichtlichen Weihe eine merkwürdige Kraft bewährt, das geheiligte Leben, das sie einst bezeichneten, zu erneuern, und in reicher, gesteigerter Fülle in die spätesten Jahrhunderte zurückzurufen. Nicht bloß die alten Namen sind wieder aufgelebt, sondern auch der Geist der Martyrer, auch der Glaube und der Opfermut der Erstlingskirche, ihre Liebe, ihre Kraft, ihre Standhaftigkeit, ihre Selbstverleugnung, ihr Seeleneifer, die schönsten Charismen der Braut Christi. Mag der Blütengarten teilweise verwüstet und versandet sein, der einst rund um die Gestade des Mittelmeers sprosste, er ist neu aufgelebt in fernen Landen, von denen die ersten Jahrhunderte kaum etwas ahnten.

Drei Männer sind es vorzugsweise, welche in den letzten 40 Jahren den alten Bischofstitel von Acanthus aufs Neue mit dem Glanz der ältesten Kirche umgeben haben. Sie gehören ihrer Nationalität sämtlich Frankreich an, ihrem Wirken nach der durch Leiden und Verfolgung so reichlich ausgezeichneten Martyrerkirche von West-Tongkin. Das Leben des einen fällt in die Regierungszeit des berüchtigten Christenverfolgers Minh Mạng, der 1820 den Thron des annamitischen Reiches bestieg, die beiden anderen in die Regierungszeit des Kaisers Thiệu Trị, der von 1841–1847, und seines Sohnes Tự Đức, der von 1847 an bis herab auf die letzten Jahre [d. h. Mitte der 1870er Jahre] die christliche Religion fast unausgesetzt verfolgte.

Der erste dieser drei Bischöfe ist der hochwürdigste Herr Pierre Dumoulin-Borie. Wie die Missionäre des Vikariates West-Tongkin überhaupt (seit 1693), war er Mitglied der Gesellschaft der auswärtigen Missionen in Paris. Er wurde zum Bischof ernannt, als die Verfolgungswut des Kaisers Minh Mạng im Jahre 1838 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Einunddreißig Martyrer verbluteten in diesem einen Jahre als Opfer heidnischer Grausamkeit und als Zeugen ihres Glaubens; unter ihnen erlagen die zwei Dominikaner-Bischöfe des östlichen Vikariats, [St.] Ignacio Delgado und [St.] Domingo de Henares, im Juni 1838, der eine im Kerker, der andere dem Schwert. Ihnen folgte am 24. November 1838 der ehrw. [heute heilige] Dumoulin-Borie, mit der Palme des Martyriums geschmückt, bevor er noch die bischöfliche Weihe hatte erhalten können. Er ward, nachdem er die Qualen der schrecklichsten und grausamsten Untersuchung heldenmütig überstanden, an dem genannten Tag enthauptet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Sonntag, 10. Mai 2015

Der Beruf zum Missionsdienst – eine der größten Gnaden



Der Beruf zum Missionsdienst ist eine der größten Gnaden, die Gott einem Menschen schenken kann. Er ist eine Vertrauensstellung im Reiche Gottes, indem Gott, der Herr, einem Menschen seine Angelegenheiten anvertraut und auf dessen Treue, Liebe und Hingabe baut. Er ist ein Verwaltungsposten im Haushalt Gottes, auf dem Gott einem Menschen die größten und wertvollsten Güter anvertraut, das unsterbliche Seelengut und das durch Jesu Blut erworbene Heilsgut. Er ist eine Verdienstgelegenheit im Weinberg Gottes, in welcher die Liebe zu Gott und den Seelen ins Heldenhafte geht und die Palme des Martyriums nicht abstirbt. Der Beruf zur Mission ist der Beruf zum Heilandsleben und Heilandsdienst in vollkommenster und alltäglicher Möglichkeit.

Die Hingabe an den Missionsdienst ist einer der größten Liebesbeweise, die ein Mensch seinem Gott geben kann. Er macht Gottes Sache zu seiner Lebens- und Herzenssache. Im Missionsdienst schaut die Welt die größte Massenleistung von christlicher Weltentsagung und Selbstverleugnung. Ein Volk, das keine Missionare mehr hervorbringt, ist im religiösen Leben am Absterben. Durch die Hingabe an den Missionsdienst gibst du deinem Leben den größten und höchsten Inhalt, den ein Menschenleben haben kann. Du gibst ihm Bedeutung für deinen Gott und deine Kirche, Bedeutung für ein ganzes Volk, ein ganzes Land, ja, für die ganze Menschheit, Bedeutung für Zeit und Ewigkeit.

Dein Beruf zum Missionsdienst ist ein besonderer Gedanke Gottes an dich.




(Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Samstag, 9. Mai 2015

Maiwallfahrt in China (Teil 2)

Inneres der heutigen Basilika von Sheshan (Quelle: Peter17)
Fortsetzung von hier

Der folgende 24. Mai war das Hauptfest von Sose, das Fest Unserer Lieben Frau unter dem Titel „Hilfe der Christen“. Anwesend waren 15.000 christliche Pilger, von denen wenigstens 12.000 aus weiter Ferne kamen, und etwa 5.000 Heiden aus Neugierde. Wer schildert den Andrang zum Gottesdienst und zu den Übungen der Andacht! Unsere Christen von Wu-si traf die Reihe der Kreuzwegandacht von 5.00 bis 5.30 Uhr abends. Man denke sich dieselben in Gruppen von beinahe 100 Personen auf die einzelnen Stationen verteilt, wie sie mit lauter, fester und zugleich andächtiger Stimme auf die Gebete antworten. Sie alle hatten freudig acht Tage der Arbeit und des zeitlichen Gewinnes zum Opfer gebracht, um dem Heiland und seiner heiligen Mutter diesen Beweis kindlicher Verehrung zu geben und im Angesicht ihrer heidnischen Mitbürger dieses offene Bekenntnis ihres Glaubens abzulegen.

Am 25. des Morgens sollte die feierliche Prozession das Fest beschließen. Bereits um fünf Uhr war ein jeder auf seinem Posten; jeder trug auf der Brust ein kleines Stück weißer Leinwand mit einem aus rotem Zeug geschnittenen Herzen. Voran schritt der Kreuzträger; dann kamen zwei Pilger, goldene Herzen und ein silbernes Gefäß tragend, worin sich eine Liste der im verflossenen Jahr gebeteten Rosenkränze befand; darauf die Fahne des Vereins der heiligen Kindheit, umgeben von einigen hundert Knaben im Alter von 6 bis 13 Jahren; dann die acht Banner der verschiedenen Kongregationen von Wu-si, umgeben von 170 in Chorhemden gekleideten Männern, welche Kerzen in der Hand hielten; nun folgte eine Gruppe von 200 bis 300 Männern mit Fähnchen, denen das Banner des Mäßigkeitsvereins vorangetragen wurde; dann die Fahnen des heiligsten Herzens Jesu und des Gebetsapostolats, 25 Priester und 19 Kleriker, der Zelebrant in der Chorkappe [wohl im Tsin-kin]. Ihm schlossen sich an 100 Mann mit Fähnchen, 40 kleine Mädchen von der heiligen Kindheit, ebenfalls mit Fähnchen und geschart um das Banner Unserer Lieben Frau, 24 der Rettung ausgesetzter Kinder geweihte Jungfrauen mit einer neuen, kostbaren Fahne von der unbefleckten Empfängnis, die kleinen Mädchen der Schule von Wu-si, und endlich mehr als 300 Mütter mit ihren Kindern auf dem Arme, die sie Unserer Lieben Frau weihen wollten. 


Um sechs Uhr setzte sich die Prozession, laut den Rosenkranz betend, in Bewegung und um sieben Uhr zog sie in die Kirche ein. Der Kreuzträger war bereits vor der Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes angelangt, welche mit der Inschrift Tscheng-Mu-Malija, „Heilige Mutter Maria“, den Hauptaltar schmückt, als die Letzten des Zuges noch kaum auf halber Höhe des Berges sich befanden. Nur diejenigen welche mit an der Prozession Teil genommen hatten, konnten in der Kirche selbst Platz finden. Alle Banner wurden im Chor aufgepflanzt; die 170 Männer mit den Chorhemden stellten sich in doppelter Reihe von der Kommunionbank bis zum Portal auf. Alles verlief in schönster Ordnung. Während des Hochamtes nahten sich 800 bis 900 Personen dem Tische des Herrn, im Ganzen an diesem Morgen 3.700. Dann folgte die Predigt. Unmittelbar bevor der letzte Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde, erneuerten alle unsere Christen, Männer und Frauen, Alt und Jung, die Weihe zum göttlichen Herzen Jesu. Die jüngeren Mitglieder des Mäßigkeitsvereins, 90 an der Zahl, erneuerten gleichfalls ihr Versprechen. Nach der Danksagung des Priesters brachten endlich noch die Mütter ihre Kinder Unserer Lieben Frau dar, und die Absingung der Marien-Litanei beschloss die Feier. Um 9.30 Uhr hatten bereits sämtliche Barken den Fuß des Berges wieder verlassen.

So steht es heute mit der Herrlichkeit des heiligen Berges Sose. Außer den beim Hauptfest anwesenden Prozessionen und Pilgern habe im Mai 1877 etwa 20.000 Christen das Heiligtum U.L.F. auf dem Sose besucht, und abgesehen von den 3.700 heiligen Kommunionen am Fest selbst näherten sich im nämlichen Monat noch über 3.000 Personen den heiligen Sakramenten in der Wallfahrtskirche.

Gepriesen sei Gott und die heilige, unbefleckte Gottesmutter, die Helferin der Christen!



(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Donnerstag, 7. Mai 2015

Maiwallfahrt in China (Teil 1)

Die heutige Basilica Minor von Sheshan (Quelle: HéctorTabaré)

Die katholischen Missionäre betrachten es natürlich als ihre Pflicht, mit dem wahren Glauben zugleich auch die Andacht zur allerseligsten Jungfrau zu verbreiten. Wie könnten sie auch den Neubekehrten vom göttlichen Heiland sprechen, ohne sie auf dessen Mutter hinzuweisen? Wie denselben eine zärtliche Liebe zu Jesus einflößen, ohne sie auch Maria lieben zu lehren? Wohin daher immer die katholischen Missionäre dringen, dort erfüllt sich auch das prophetische Wort der Mutter Gottes: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.“ Es kann uns somit auch nicht auffallen, wenn in den Missionsländern alsbald Wallfahrsorte entstehen, an denen die allerseligste Jungfrau auf eine ganze besondere Weise verehrt wird und ihren treuen Kindern größere Gnaden von ihrem göttlichen Sohne erlangt. Seit einigen Jahren besteht ein solcher Wallfahrtsort in der blühenden Mission von Kiangnan; wir haben früher eine Schilderung der feierlichen Einweihung der Kirche „Unserer Lieben Frau, der Hilfe der Christen“ auf dem Berg Sose [Sheshan] gegeben. Seither kommen, namentlich im schönen Maimonat, zahlreiche Pilgerzüge aus dem ganzen Vikariat dorthin, und Mariahilf auf dem Sose kann sich schon mit manchen kleineren europäischen Wallfahrtsorten messen.

Um uns eine Vorstellung von dem kirchlichen Leben zu geben, welches hier herrscht, schließen wir uns der großen Mai-Wallfahrt an. Wir versetzen uns im Geiste nach Wu-si, einer Stadt am Nordende des großen Taihu-Sees, ungefähr halbwegs zwischen Nanking und Schanghai. Hier finden wir am 21. Mai schon um fünf Uhr morgens die etwa 2.000 Seelen zählende christliche Gemeinde in der Kapelle versammelt, um der heiligen Messe und dem Unterricht beizuwohnen. 250 Personen empfangen die heilige Kommunion. Nach dem Gottesdienst verteilen sich die Pilger, etwa 1.000 an der Zahl, auf die 150 Boote. Kaum jemals den Tag über verstummt das Rosenkranzgebet. Nachmittags fünf Uhr steigen sie in Yang-ka-kiao, einer eifrigen Gemeinde von etwa 1.300 christlichen Fischersleuten südlich von Sutscheu, ans Land. Diese empfangen ihre Glaubensbrüder am Ufer und geleiten sie sofort in die Kirche zu gemeinschaftlichem Rosenkranz und Gebet. Ein kurzer Unterricht und ein von chinesischen Stimmen in chinesischer Sprache gesungenes Omni die beschließen den Tag. Am folgenden Morgen (22. Mai) ist um 4.30 Uhr Messe, in welcher 50 Personen sich dem Tische des Herrn nahen und der Missionär einen Unterricht über das Gebet hält. Dann werden die Barken wieder bestiegen und vorwärts geht es durch Kanäle und Seen, bis des Abends das Fischerdorf Lo-ka-pang erreicht ist. Hier segnet und verteilt der Missionär am 23. des Morgens die mit dem Heiligsten Namen prangenden Wimpel für die Boote. Die Heiden sammeln sich erstaunt am Ufer, um Zeugen dieses für sie so neuen Schauspiels zu sein. Vom Morgen an ist der Berg Sose bereits weithin über die Ebene sichtbar, und da die Windungen der Kanäle die Boote zu mehrfachen Umwegen nötigen, so bietet uns derselbe einen stets wechselnden Anblick. Endlich um zwei Uhr nachmittags, von der lieben Maiensonne beschienen, legt die Flottille am Fuß des Berges an, freudig begrüßt von den Missionären und der Menge fremder Pilger.

(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Fortsetzung hier

Sonntag, 3. Mai 2015

Der Geist der Wahrheit

 
(Quelle: Dnalor 1)



Zum vierten Sonntag nach Ostern:

Mit großen Gnaden- und Wundertaten hatte einst der Geist der Wahrheit die Tätigkeit der Missionäre begleitet, die unseren Vorfahren den heiligen Glauben brachten. In der Kraft des Heiligen Geistes führten die Missionäre den Kampf gegen den Unglauben, und unser heiliger Glaube erwies sich als ein göttlicher, und unsere heilige Kirche zeigte sich als die allein wahre. Die göttlichen Bestätigungszeichen sind so offenbar, so unleugbar und unabweisbar, dass wir ohne Sünde den Glauben nicht von uns weisen können. Der Geist der Wahrheit überführt die Welt der Sünde. 

Dieser selbe Geist der Wahrheit begleitet das katholische Missionswerk hinaus in die Heidenwelt, denn dazu ward er ja als kostbare Gabe von dem scheidenden Heiland verheißen. Die Missionäre brauchen in dem Kampf mit dem Unglauben nicht zu zagen und zu bangen. Der Geist der Wahrheit wird die Echtheit ihrer Lehre bestätigen und ihre Worte mit göttlicher Beweiskraft unterstützen. Sie brauchen nicht mutlos zu werden, wenn nur geringer Erfolg ihre Bemühungen lohnt. Mit ihrem göttlichen Meister können sie denen, die verstockten Herzens sind, zurufen: „Wenn ihr Blinde wäret, würdet ihr keine Sünde haben. Nun aber sagt ihr: Wir sehen. Eure Sünde bleibt“ (Jo 9, 41). 

Andächtige Christen! Jetzt verstehen wir den Drang zur Mission, der die ganze Kirche in unserer Zeit erfasst hat. Es ist das Wehen des Geistes der Wahrheit, der die Völker vor die Entscheidung stellt. Allen muss Christus gepredigt werden, allen muss Christus zur Wahl vorgelegt werden. Denen, die glauben, zur Auferstehung, zum Fall aber jenen, die nicht glauben. Der göttliche Geist der Wahrheit wird sie der Sünde überführen. Wer aber in der Sünde bleibt, der bleibt im Tode. Ohne Glauben keine Rechtfertigung, denn nur in Christus ist Heil.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Samstag, 2. Mai 2015

Heldenhafte Selbsthingabe eines Karmelitermissionärs im Irak


Die Pest, die 1831 ausbrach und drei Jahre lang anhielt, raffte allein in Bagdad drei Viertel der Bevölkerung weg; die Sterblichkeit stieg auf 2000 Personen pro Tag. (…) Außer diesen großen Pestjahren 1773, 1831, 1877 machte Bagdad 1846 und 1889 zwei große Choleraepidemien durch. Bei der Seuche von 1846 war es, dass P. Alfons O.C.D., der Obere der Mission, vom Himmel das plötzliche Aufhören der schrecklichen Prüfung erlangte. 

Anfang August begann die Seuche in Bagdad zu wüten. Die große Hitze begünstigte das Umsichgreifen. Die Einwohner starben zu Tausenden. Die Panik war allgemein. P. Alfons vervielfachte sich im Dienst der Sterbenden. Trostlos über den unsäglich traurigen Anblick, der sich ihm überall darbot, bat er Gott inständig, das Opfer seines eigenen Lebens anzunehmen und dafür dasjenige so vieler Unglücklicher zu verschonen. Am 30. September wandte er sich am Schluss der heilige Messe plötzlich zu den Anwesenden um und sagte mit leuchtendem Antlitz: „Fasset Mut, meine Brüder, die Cholera wird aufhören; sie wird ihr letztes Opfer holen.“ Am nächsten Morgen wurde er von der Seuche erfasst und starb am 2. Oktober, 48 Stunden nach seiner Vorhersagung. Er war wirklich das letzte Opfer; mit seinem Tod hörte die Seuche vollständig auf. Noch heute wird das Andenken dieses Karmeliters von den Christen wie das eines Heiligen in Ehre gehalten.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)