Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Mittwoch, 3. November 2021

„Missionar UND Jesuit, das will ich werden“ – Pater Pietro Andrea Viganò S.J. (P.I.M.E.), Bischof von Hyderabad, Generaloberer des Mailänder Missionsseminars



„Missionar und Jesuit, das will ich werden“, erklärte der junge Pietro Andrea Viganò aus Besana bei Mailand seinem Beichtvater im Jahr 1868. Als dieser entgegnete: „Wenn du aber nur eines werden könntest, Missionar oder Jesuit, was würdest du dann wählen?“ erfolgte ohne Zögern die Antwort „Dann würde ich Missionar werden“. Er trat früh in das Mailänder Missionsseminar ein und wurde mit 23 Jahren zum Priester geweiht und nach Indien entsandt, wo er sich als eifriger Missionar unter Beweis stellte. So verwundert es auch nicht, dass er im Januar 1898 zum Bischof der Diözese Hyderabad ernannt wurde. Die katholische Kirche wuchs unter seiner zehnjährigen Leitung bedeutend. Bischof Viganò gründete mit großer Weitsicht auch ein Priesterseminar für eingeborene Berufungen.

Pius X. stellte ihn im Jahr 1908 als Generaloberen an die Spitze des Mailänder Missionsseminars. Im Jahr 1913 machte ihn der heilige Papst, dessen Vertrauen er genoss, zusätzlich zum Weihbischof von Tortona (Piemont).

Er hatte als Missionar viel erreicht, und doch beschäftigte Msgr. Viganò sein anderer großer Wunsch, der Eintritt in die Gesellschaft Jesu, den Papst Benedikt XV. nach wiederholten Bitten ihm schließlich gewährte. Am 20. Juni 1917 wurde der ehemalige Bischof von Hyderabad, der frühere Generalobere des Mailänder Missionsseminars, der Weihbischof von Tortona schließlich in Chieri in das Noviziat der Jesuiten aufgenommen.

Der 60-jährige machte alle Übungen des Noviziats mit und meldete sich bald für die Mission unter den Aussätzigen von Culión auf den Philippinen. Über Spanien, wo er in Manresa das Spanische lernte und am 21. Juni 1919 seine Ordensgelübde ablegte, reiste er schließlich nach Südostasien. Aus Culión berichtete er: „Unser Leben hier verbringen wir fast ständig inmitten der zahlreichen Aussätzigen auf der Insel (gegenwärtig 5000). Irdische Tröstungen gibt es wenig … aber je weniger irdische, desto mehr göttliche …. Vor den Aussätzigen habe ich weder Widerstreben noch Furcht, ich fühle im Gegenteil eine unbegrenzte Liebe zu ihnen …. Und wenn Gott wollte, dass ich angesteckt würde, so könnte das nur meine Dienstleistungen bei den Aussätzigen erleichtern, da ich nicht mehr so viele Vorsichtsmaßregeln anwenden müsste.“

Da er sich tatsächlich infizierte, musste er auf Geheiß der Oberen zunächst in die Hauptstation der Mission und anschließend nach Europa zurückkehren, wo er in Rom noch vier Monate lang seine Besucher durch seine Heiterkeit und sein Verlangen nach dem Himmel erbaute. P. Viganò S.J. starb am 13. Februar 1922, nachdem er seinen Lebenstraum erfüllt hatte: Missionar UND Jesuit.



(Quelle: Jesuitenkalender 1923)

Dienstag, 17. Dezember 2019

Der selige Paolo Manna über das Wachstum der Kirche

Quelle: Eman Bonnici

Der selige Paolo Manna war Mitglied des Mailänder Missionsseminars und widmete sich, nachdem er krankheitsbedingt seine Mission in Birma verlassen musste, dem heimatlichen Missionswesen. Er gründete mit der Unterstützung des heiligen Guido Maria Conforti die Missionarische Vereinigung für Kleriker und warb in vielen bahnbrechenden Schriften für die Missionen.

Zu der Frage des Wachstums der Kirche sagte er:

„Die Weltbevölkerung befindet sich in dauernder Vermehrung, und die Völker, die sich zahlenmäßig nicht vermehren, verlieren Schritt für Schritt in ihrer entsprechenden Bedeutung. Wenn also die Katholiken in denselben Proportionen wachsen, in denen die übrige Welt wächst, so stellt das für uns keine Vorteile dar. Die absolute Bedeutung der katholischen Kirche kann nur dann wirksam werden, wenn es außer der natürlichen Vermehrung zu einem starken Wachstum der Bekehrungen kommt. Es gibt keine andere Alternative: wachsen oder sich damit abfinden, ständig zurückzugehen.“


Quelle: Il Problema Missionario e di sacerdoti, Rom, 1938

Montag, 9. Januar 2017

Große Missionsbischöfe: demütig und sanftmütig – Msgr. Francesco Pozzi P.I.M.E., Apostol. Vikar von Krishnagar

Msgr. Francesco Pozzi (Bildquelle)


Nicht plötzlich [wie Msgr. Ossi, Bischof von Quilon], sondern langsam, verglühend ging am 23. Oktober am anderen Ende Indiens ein ehrwürdiger Veteran in das bessere Jenseits hinüber, der 77-jährige Apostol. Vikar von Krishnagar, Msgr. Francesco Pozzi aus dem Mailänder Missionsseminar.

Er war geboren am 3. März 1828 in der alten lombardischen Hauptstadt. Hier war 1850 das Mailänder Missionsseminar entstanden. Pozzi war unter den ersten, die sich zum Eintritt meldeten. 1855 betrat er den Boden Indiens, unter dessen glühender Sonne er gerade ein halbes Jahrhundert lang zuerst als Missionär und Apostol. Präfekt von Haiderabad, dann seit 1886 als Bischof von Krishnagar tätig war. 

Die Diözese Krishnagar gehört mit ihrem Häuflein von 4018 Christen und ganzen acht Missionären zu den unentwickeltsten der indischen Mission. Klima und Bevölkerung bieten hier große Schwierigkeit, und es ist ein harter Beruf, in solchen unfruchtbaren Gebieten ohne irgendwie entsprechende Mittel und Kräfte den Hirtenstab zu führen. Bischof Pozzi hat dieses Missverhältnis zwischen Ziel und Mitteln in seiner ganzen Bitterkeit gefühlt, aber treu und mit unerschütterter Geduld auf seinem Posten ausgehalten.

Er war ein heiligmäßiger Mann, dem auch die englischen Beamten und selbst die Heiden ihre Ehrfurcht und Hochachtung nicht versagen konnten. „Er ist uns“, schreibt ein Missionär, „wirklich ein liebevoller Vater gewesen, der an allem und jedem den innigsten Anteil nahm. Welch schönes erhebendes Beispiel der Tugend gab er uns Tag für Tag! Ein Mann des Gebets, war er stets mit Gott vereint. Man kann sagen, dass er jeden freien Augenblick dem Gebet weihte. Auch als gebrechlicher Greis raffte er seine ganze Energie zusammen, um täglich am Altar stehen oder sein Brevier beten zu können, was er beides mit erbaulichster Andacht tat. Legte man es ihm nahe, sich doch zu schonen, so lautete die Antwort: „Was soll ich denn tun, wenn ich nicht bete; zu allem anderen bin ich unnütz geworden.“
Täglich ging er abends spät, wenn bereits alle zur Ruhe waren, noch einmal allein vor den Tabernakel und blieb dort noch eine, oft zwei Stunden lang im Gebet knien. 

In seinem Eifer für das Heil der Seelen hielt der ehrwürdige Greis, bis er nicht mehr konnte, seine bischöflichen Rundreisen. Als die zunehmende Schwäche ihn bleibend ans Haus fesselte, suchte er wenigstens noch durch Pastoralschreiben und Briefe voll Liebe und Salbung seiner Hirtenpflicht zu genügen. Bis an sein Ende wünschte er über alles in der Mission bis ins Kleinste unterrichtet zu sein, um durch sein Gebet und seinen Rat jegliches zu fördern. Jeder, auch der kleinste Erfolg machte ihm eine kindliche Freude.

Mitis et humilis (sanftmütig und demütig) hatte Pozzi sich als Motto für sein Bischofswappen gewählt. Die beiden Tugenden drückten denn auch seinem ganzen Wesen und Wirken ihren Stempel auf und gewannen ihm alle Herzen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Sonntag, 23. November 2014

Pater Biffi gegen die Teufel im Baum

Banyan-Feige (Quelle: Abudlkaleem md)

Ostbirma – Bei meinem letzten Aufenthalte [Schreiber ist der spätere Bischof von Cartagena de Indias, Msgr. Eugenio Biffi] unter unseren Karenen in den Bergen musste ich einen Baum mit Sturm nehmen. Das kam so: In einem karenischen Dorf befindet sich ein riesiger Baum. Der Stamm hat einen Umfang von 25 Fuß und die Äste dehnen sich so weit aus, dass das ganze Dörfchen in seinem Schutz und Schatten steht. Die Mehrzahl der Einwohner sind Christen und auf unseren Wunsch haben sie sich neben diesem Baum niedergelassen.

Als ich sie letztes Jahr besuchte, herrschte die größte Bestürzung unter diesen guten Leuten. ‚Dieses Jahr sterben wir alle‘, sagten sie. ‚Aber wir werden euch nicht verlassen,‘ erwiderte ich ihnen ‚so lange wir noch ein Stücklein Brot haben, werden wir es mit euch teilen.“ Ich meinte nämlich, sie fürchteten eine Hungersnot. Allein sie zeigten auf den riesigen Baum und sagten leise: „Der Baum ist von Teufeln bewohnt und die Leute sagen, wir wären alle des Todes, weil wir ihre Wohnung beunruhigt hätten.“ „Was lasst ihr aber euch von den Heiden so belügen? Seid guten Mutes; der Baum ist wie alle anderen Bäume! Wisst ihr denn nicht, dass unser Herr von den Teufeln nichts zu fürchten hat? Seid ihr denn nicht wiedergeboren in der heiligen Taufe? Was fürchtet ihr also?“
Meine Worte schienen ihnen Mut einzuflößen und sie zogen sich beruhigt in ihre Hütten zurück. Aber eine Stunde später kamen sie wieder und sagten: „Steige auf den Baum und verjage die Teufel. Wenn Du droben betest, so werden die bösen Geister die Flucht ergreifen und nicht mehr zu kommen wagen – „Ist das alles?“ sagte ich; „bringt mir eine Leiter!“ Zweifelsohne kam der Vorschlag von den Heiden, und hätte ich mich geweigert, so würden sie gesagt haben: „Seht, eure Priester haben Furcht!“ Um also unseren Christen jede Angst zu benehmen, erbot ich mich, auf den Baum zu klettern. Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte wohl etwas Angst, aber nicht vor den Teufeln, sondern vor der Höhe des Baumes, vor der miserablen Leiter, die man für mich zurechtmachte und auch weil mein Kopf sich nicht ganz schwindelfrei fühlte.

Die Leiter war im Nu fertig. Zwischen zwei lange Bambusrohre wurden gespaltene Bambusstäbchen als Sprossen gefügt; aber sie war zu kurz und man musste eine zweite daran festbinden. Als alles in Ordnung war, kletterte ich unter tiefem Schweigen aller Umstehenden empor. Die Sache war nicht so leicht, denn die schwanke Leiter stand sehr steil und die Sprossen waren sehr weit voneinander. Endlich kam ich oben an und konnte nicht ohne Gefahr in den Baum steigen. Die hochw. Herrn Gottfried Conti und Rochus Tornatore folgten mir samt einigen Karenen, die sich von ihrem Schrecken erholt hatten. Wir setzten uns in der Krone und ich segnete von da aus meine lieben Neophyten, indem ich sie ermahnte, in Zukunft keine Furcht vor den Teufeln zu haben. Dann stiegen wir wieder herab. Alsbald kletterten die Leute, außer sich vor Freude, in den Baum, sprangen so behände wie Affen von Ast zu Ast und alle Teufelsfurcht war verflogen, denn die Priester hatten den Baum erstürmt und nichts war mehr zu fürchten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Montag, 14. April 2014

Christenverfolgung in China: Ein gerade getaufter Greis zeigt sich standhaft im Glauben


(Süd-Honan) (...) Augenblicklich ist hier zwar alles ruhig, da der Krieg mit Frankreich zu Ende ist, aber wo die Behörden den Christen feindlich gesinnt sind, dauern die Verfolgungen mehr oder weniger offen fort. Noch in diesen Tagen mussten wir in dieser Hinsicht traurige Erfahrungen machen. 
Vorige Woche verjagten die Heiden den Missionär aus einer neuen Christengemeinde von zehn Familien, die sich zur Taufe vorbereiteten. Schon seit vorigem Frühjahr nämlich hatten dort beständige Streitigkeiten mit den Heiden bestanden, welche die Christen zu Geldbeiträgen für die Komödien und andere abergläubische Gebräuche zwingen wollten. Zuerst kam es deshalb zu Schmähreden gegen die Christen, man drang in ihre Häuser ein und riss die religiösen Bilder von den Wänden herunter; endlich fesselten und misshandelten unsere Gegner einen der angesehensten Christen, der am kräftigsten gegen die Ungerechtigkeiten und Gewaltakte aufgetreten war. 

Wir wandten uns daraufhin an den Mandarin des Ortes, aber vergebens. Höchstens bekamen wir einige schöne Worte, mit denen man uns Sand in die Augen zu streuen suchte. Die Gewalttaten erneuerten sich in Folge dessen. Wiederum machte ein Haufen Gesindel nach dem Dorf sich auf, ergriff einen angesehenen Christen, einen armen Greis von über 70 Jahren, und schleppte ihn gebunden in eine Pagode, wo er gezwungen werden sollte, einige Sapeken für die Komödie und anderen Aberglauben zu bezahlen. Der gute Greis, der kaum am Tag vorher war getauft worden, weigerte sich; und daraufhin hingen die Barbaren ihn an einem Balken auf und begannen ihn grausam zu schlagen. Trotzdem aber blieb unser Christ fest bei seinem Entschluss, eher zu sterben, als vom Schmerz sich besiegen zu lassen. 
Übel zugerichtet blieb er liegen, aber nach einigen Stunden kehrten die Unholde zurück und schlugen ihn zum zweiten Mal noch grausamer, als zuvor. Auch jetzt noch blieb der würdige Schüler Christi fest und erklärte, eher werde er sich in Stücke reißen lassen, als dass er teilnehme an einer götzendienerischen Handlung, wie sie mit den chinesischen Komödien verbunden sind. 
Schließlich wurde er gegen Abend zum dritten Mal misshandelt; aber auch dieses dritte Mal blieb der gute Greis Sieger, obgleich er mehr tot als lebendig war. 

Wir haben uns an die Behörden gewandt, aber werden wir Genugtuung erhalten? Unterdessen loben und bewundern wir den Herrn, dessen Arm noch nicht verkürzt ist und der noch immer und überall Beispiele von heldenmütiger Standhaftigkeit erweckt. Zudem hoffen wir, unsere Katechumenen werden nach glücklich überstandenem Sturm die heilige Taufe mit größerer Sehnsucht empfangen. Auch die Gemeinde des P. Genini, die im vorigen Jahr viel durchzumachen hatte, erfreut sich jetzt des Friedens und eines glücklichen Wachstums. Der genannte Pater hat dieses Jahr 38 Erwachsene getauft.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1886)

Samstag, 19. Oktober 2013

Die Maristen bei den Kannibalen in Melanesien (Teil 2)

 
Krieger mit Kanu auf den Salomonen (1895)

Fortsetzung von hier

Nach der Bestattung ihres Bischofs kehrten die Glaubensboten nach Süden zur Insel S. Cristobal zurück; hier versuchten sie, in der Bai von Makira an der Westküste sich niederzulassen. Alles schien gut zu gehen, da fiel als zweiter in der langen Reihe der Opfer der Salomonen P. Crey, ein jugendlicher Missionär, am Fieber. Und nun folgte Schlag auf Schlag. 

Am 20. April 1847 brachen zwei Patres und ein Laienbruder ins Innere auf. Plötzlich wurden sie überfallen und aufgefressen. Kurze Zeit nach der grauenhaften Szene traf der zweite Apostol. Vikar Collomb auf der Insel ein; er veranlasste die übriggebliebenen Missionäre, nach der Insel Woodlark überzusiedeln, wo sich günstigere Aussichten boten. 
Kaum angekommen, raffte das Fieber den Bischof hinweg, ihm folgten noch einige der Patres nach. Es schien, als wäre die Stunde der Bekehrung für die Salomonen noch nicht gekommen. Rom berief die unglücklichen Glaubensboten ab.

Die Priester des eben begründeten Mailänder Missionsseminars boten sich nun an, das verlassene Arbeitsfeld zu übernehmen. Es wartete ihrer das gleiche Los. Nachdem viele Glaubensboten vom Fieber und den Lanzen der Wilden dahingerafft waren, musste der Rest der Missionäre unverrichteter Dinge heimwärts ziehen. Noch 40 Jahre blieben die Salomonsinseln in der tiefen Nacht des Heidentums.

1897 überwies die Propaganda von neuem den Maristen die Inselgruppe, die inzwischen den Herz-Jesu-Missionären zugeteilt war. Sofort wurden zwei Apostol. Präfekturen gebildet; die eine umfasste die nördlichen deutschen Eilande, die andere die englischen im Süden. Da Deutschland einen Teil seiner Inseln an England abtrat, gehört zur Präfektur der nördlichen Salomonen heute deutsches und englisches Gebiet.

Zum ersten Apostol. Präfekten der südlichen Inseln wurde der Apostol. Vikar der Viti-Inseln (Fidschi) ernannt; schon im Mai 1898 gründete er mit drei Missionären eine Station auf der unbewohnten Insel Rua Sura an der Ostseite von Guadalcanal. Mit Forschungsfahrten längs der Küsten begann die Tätigkeit der Glaubensboten. (…) Sehr langsam ging es voran. 

Wiewohl die Zahl der Stationen schnell vermehrt worden war, zählte man 1907 erst 600 Christen, davon war etwa die Hälfte in Missionsschulen erzogen. Auf der Insel Maran konnte man z.B. erst nach fünfjähriger Tätigkeit die erste Taufe spenden. 

Wie viele Opfer diese Erfolge gekostet, lehren die Annalen der Mission mit ihren Berichten von Schiffbrüchen, Überfällen und Krankheiten. In den letzten Jahren geht das Bekehrungswerk schneller von statten. „Von allen Seiten“, so schreibt ein Missionär, „kommen jetzt Gesuche um Priester und Katechisten. Fünf Stationen bestehen auf Guadalcanal, je eine auf S. Cristobal, der berüchtigten Insel Malaita und Neu-Georgien. In Rua, Sura, dem Zentrum der Mission, ist eine Katechistenschule eingerichtet worden, deren 15 Zöglinge uns bald bei der Glaubensverbreitung wertvolle Dienste leisten wollen.“

Im Oktober 1910 erhielt die Mission auch ihre erste Steinkirche in Visale. In Gegenwart des englischen Residenten, eines Protestanten, wurde sie zu Ehren des heiligen Herzens Jesu eingeweiht unter großem Zulauf des Volkes. Da die südlichen Salomonen bereits 1911 2079 getaufte Katholiken zählten und für die Zukunft eine reiche Ernte versprachen, wurden sie 1912 zum Apostol Vikariate erhoben.

Noch langsamer als auf den südlichen Inseln entwickelte sich das Bekehrungswerk auf der nördlichen Gruppe. Zum ersten Apostol. Präfekten wurde 1897 der Apostol. Vikar der Samoa-Inseln, Bischof Broyer, ernannt, der sich alsbald nach Europa begab, um neue Hilfskräfte, namentlich deutsche, zu holen. Mit den Patres Estienne, Flaus und Englert sowie einigen samoanischen Katechisten gründete er 1899 auf dem kleinen Eiland Poporag, das zu der Shortlandgruppe gehört, die erste Station. 

Schon im folgenden Jahr wurden diese und alle Inseln südlich von Bougainville von Deutschland an England abgetreten. Die Missionäre entschlossen sich, fürs erste alle Kräfte auf die beiden deutschen Inseln zu verwenden. Doch ließen sie Poporag als Zentralstelle bestehen. Die Errichtung weiterer Stationen verzögerte das unerwartete Hinscheiden mehrerer Missionäre. 1901 entstand auf Bougainville am Meeresufer bei einer dicht bevölkerten Ebene die Station Kieta. 

Kaum begründet, musste man sie zeitweilig wegen der Überfälle der Wilden, bei denen zwei Kinder ermordet wurden, verlassen. 1904 kaum Buin hinzu; hier zwang der Tod des Missionärs zu vorübergehender Aufgabe. 1907 entstand dann Koromira und 1910 die ersten Station auf der Insel Buka.
Auch auf den nördlichen Salomonen war zunächst an Bekehrung der Erwachsenen nicht zu denken. Unter unsäglichen Mühen zogen die Missionäre auf ihrem Schiff längs der Insel und suchten gegen Geschenke Kinder für die Schulen der Patres und Schwestern zu werben. 

Auch heute bilden die Schulen noch immer den wichtigsten Teil der Arbeit, wenn auch durch den Einfluss der Glaubensboten und der Bekehrten sich bereits ein Umschwung in den rohen Sitten bemerkbar macht. Wie langsam das Werk der Glaubensverbreitung vorangeht, zeigt die Tatsache, dass Poporag 1903 erst 9 getaufte Jünglinge und 14 Mädchen aufwies. Angesichts solcher Umstände wird man es zu würdigen wissen, wenn die ganze Präfektur 1911 schon 740 Katholiken zählte; auf den 5 Stationen widmen sich gegenwärtig 12 Missionäre, 5 Brüder und 9 Schwestern dem Bekehrungswerk. Die Schulen werden von 257 Kindern besucht. Gegen 100.000 Heiden, wo von etwa 70.000 auf deutschen Inseln leben, warten auf den nördlichen Salomonen noch der frohen Botschaft.


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)