Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Dienstag, 13. Mai 2025

Der Märtyrer vom Dongting-See –Pater Abilio Gallego Abad

(Quelle: Institutum Historicum Augustinianum)

Abilio Gallego Abad kam am 22. Februar 1895 in der spanischen Provinz Palencia als Sohn frommer Bauern zur Welt. Bereits mit 16 Jahren trat er in Valladolid in das Noviziat der Augustiner ein. In seiner Studienzeit muss er besonders durch seinen Missionseifer für China aufgefallen sein, der ihm den Spitznamen „El Chino“ (der Chinese) einbrachte. Im März 1921, neun Monate nach seiner Priesterweihe, traf er im Land seiner Träume ein. Die spanischen Augustiner der Provinz vom heiligsten Namen Jesu auf den Philippinen hatten Ende des 19. Jahrhunderts von Papst Leo XIII. das Apostolische Vikariat Nord-Hunan in Zentralchina erhalten. Dort sammelte der junge Ordensmann auf verschiedenen Missionsstationen erste missionarische Erfahrungen, bevor er seine eigenen Posten erhielt. Allgemein war P. Abilio für seine Demut und seine Armut bekannt; er lebte von kleinen Mengen einfachster Nahrung wie einer Handvoll Mais mit etwas Reis. So erhielt er bald den ehrfurchtsvollen Spitznamen „der Arme“. Sein ganzes Leben lang pflegte er eine große Liebe zur heiligen Eucharistie und zur Mutter Gottes. Diese Frömmigkeit und sein hoher aszetischer Zug verbanden sich mit seiner Liebenswürdigkeit und seinem feinen Kunstsinn. Er schrieb Gedichte und Theaterstücke, wobei er letztere als eine besonders geeignete Katechesemethode betrachtete.

Wie viele andere Missionare war Pater Abilio den häufigen Unruhen im China der 1920er Jahre ausgesetzt. In Ganfu wurden einmal seine Kirche und Residenz niedergebrannt, weshalb er nach Hankow flüchten musste. Als er im August 1933 mit seinen Katechisten Andreas Chang und dem Missionsgehilfen Karl von Hwajung nach Yochow zur Feier des Festes des heiligen Augustinus reisen wollte, wurde ihr Segelboot von Räubern überfallen. Andreas Chang und Pater Abilio Gallego wurden gefesselt und von Bord an Land geschleppt, wo beide den Tod fanden. Die Räuber schlitzten dem knienden Pater Abilio die Kehle und den Brustkorb über dem Herz auf. Die Leichen wurden am 25. August von Soldaten am Ufer des Dongting-Sees geborgen und an die Mission in Yochow übergeben, wo ein feierliches Requiem gehalten wurde, bevor man die Särge nach Yalan überführte.

Der Informativprozess für die Diener Gottes Abilio Gallego Abad und Karl Chang wurde im Jahr 2004 in der Diözese Palencia eröffnet.

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Leo XIII. als Missionspapst (Teil 2)

 


Besonders deutlich trat auch seine Liebe zu den Missionen zu Tage, wenn Missionare vor ihrer Abreise oder nach jahrelanger Wirksamkeit in den Missionen zu seinen Füßen knieten, um den Segen Christi durch Seinen Stellvertreter auf ihre Tätigkeit herabzurufen. Er bewies denselben ganz besondere Teilnahme, erkundigte sich oft nach den kleinsten Einzelheiten, und sprach in feurigen, von jugendlicher Begeisterung getragenen Worten von der Erhabenheit ihrer Aufgabe, um ihren Mut in den unzähligen Schwierigkeiten ihres Berufs zu erhalten und zu erhöhen. Eine schöne Fügung ist es, dass gerade er bei Gelegenheit seines Priesterjubiläums drei Glaubensboten auf die Altäre erheben konnte und demnächst wiederum zehn der Ehre der Seligen teilhaft machen kann.

Sein Auge folgte den Glaubensboten mit liebevoller Teilnahme auch auf das Feld ihrer Wirksamkeit; und wo die Umstände es rätlich erscheinen ließen, teilte er die Missionssprengel, um durch Teilung des Arbeitsfeldes und Vermehrung der Arbeiter den Erfolg zu vergrößern. Wohl wissend, wie sehr das Wirken der Missionare durch den Schutz der Regierungen und Landesfürsten erleichtert und gehoben werden würde, trat er mit diesen in Korrespondenz, und gewann in der Tat durch Anerkennung ihrer Autorität und den Hinweis auf die kräftige Stütze, welche die katholische Religion derselben biete, die meisten für die Sache der Missionare und Neubekehrten.

(Aus: Stadt Gottes, 1893)

Sonntag, 27. Oktober 2024

Leo XIII. als Missionspapst

 


Zum heutigen Weltmissionssonntag einige Zeilen über die Missionförderung von Leo XIII., der nach meinem Dafürhalten den Reigen der „Missionspäpste“ eröffnete.

„Vom Beginn seines Pontifikates an folgte Leo aufmerksam den Fortschritten der Ländererforschung, um den neu erschlossenen Gegenden recht bald Boten des Friedens zu senden. Um die Zahl dieser friedlichen Kämpfer zu vermehren und sie mit hinreichenden Mitteln auszurüsten, richtete er im Jahre 1880 am Feste des großen Heidenmissionars Franz Xaver eindringliche Worte an seine Brüder im bischöflichen Amte, damit sie im Hinblick auf den hohen Lösepreis der Seelen, das kostbare Blut des Gottheilandes, in den ihrer Hirtensorge Anvertrauten den Eifer für die Ausbreitung des hl. Glaubens immer mehr entflammen möchten.

Zugleich unterließ er nicht, mit dem Worte das Beispiel zu verbinden, indem er wiederholt den Vorstehern hilfsbedürftiger Missionen beträchtliche Summen zuwandte. Als dann im Jahre 1884 die italienische Regierung ihre räuberische Hand auch nach den Gütern der Propaganda, dieser ältesten und großartigsten aller Anstalten zur Verbreitung des Glaubens, ausstreckte, und der feierliche Protest des hl. Vaters gegen diese Vergewaltigung ungehört verhallte: da er erklärte der erhabene und hingebende Förderer der Missionen, dass er selber, so gut er es vermöge, die unerlässlichen Mittel zur Erhaltung des großen und herrlichen Institutes Sorge tragen werde, und wandte von da an einen sehr beträchtlichen Teil der Gaben, welche die Mildtätigkeit seiner Kinder ihm zur Verfügung stellte, dieser Anstalt und somit den Missionen zu.“

(Aus: Stadt Gottes, 1893)

Sonntag, 25. Juni 2017

Der Missionseifer des Christopher Kolumbus



Der Entdecker Amerikas ist besonders im letzten Jahrhundert zu einer sehr umstrittenen Figur geworden. Nicht nur wird über seine Herkunft gerätselt – er wäre Kryptojude gewesen und habe eine Art Israel für alle aus Spanien verstoßenen Juden gründen wollen –, es wird auch das Bild des grausamen und skrupellosen Abenteurers vermittelt.
Um ein anderes Bild von Kolumbus zu zeichnen, möchte ich hier einige Zitate wiedergeben aus dem Schreiben, das Papst Leo XIII. anlässlich der Vierhundertjahrfeier 1892 an die Erzbischöfe und Bischöfe Spaniens, Italiens und Nord- und Südamerikas richtete.
Der Papst schreibt:

„In Kolumbus hatte sich das Interesse an der Natur mit dem Eifer für die Religion vereinigt, und er hatte seinen Geist nach den dem katholischen Glauben entnommenen Lehren gebildet. Als er daher durch seine astronomischen Studien und die Schriften der Alten die Erkenntnis gewonnen hatte, dass jenseits der Grenzen des bekannten Erdkreises weite Ländergebiete im Westen sich ausdehnten, die bis dahin noch kein Mensch erforscht, da zog an seinem Geiste die ungeheure Menge Unglücklicher vorüber, welche, von bejammernswerter Finsternis umgeben, sinnlosen Gebräuchen und dem Glauben an eingebildete Götzen ergeben wären; wie viel trauriger aber noch, der Kenntnis der höchsten Dinge zu entbehren und in Unkenntnis des Einen wahren Gottes zu sein. Indem er dies erwog, fasste er den Plan, vor allem das Christentum und die Wohltaten der christlichen Liebe im Westen auszubreiten.“

Dies belegt Leo XIII. mit folgenden Zitaten:

Kolumbus schrieb an die Katholischen Könige Ferdinand und Isabella, dass „ihnen eigener Ruhm, die Unsterblichkeit gesichert sei, wenn sie Christi Namen und Lehre in so fernen Gegenden zu Ehren brächten.“

Er sagten dem Königspaar auch, dass es nur katholische Christen in die Neue Welt lassen sollte*, um Handelsbeziehungen mit den Einheimischen aufzunehmen, da „bei seinem Unternehmen die Ausbreitung und Ehre der christlichen Religion sein einziges Ziel war.“

Gegenüber Raphael Sanchez äußerte sich Kolumbus in einem Brief, „Jesus Christus müsse auf Erden wie im Himmel sich freuen und triumphieren, da das Heil so zahlloser Stämme, die vorher dem Untergang zueilten, so nahe sei.

An Papst Alexander VI. schrieb er schließlich:

„Ich habe das Vertrauen, dass ich den geheiligten Namen Jesu Christi und das Evangelium mit Gottes Hilfe dereinst möglichst weit werde ausbreiten können.“

So schreibt normalerweise kein skrupelloser Eroberer, der die einheimische Bevölkerung knechten möchte, denn er hätte wissen müssen, dass bald viele Ordensleute in die neuen Gebiete kommen würden, um den Einheimischen das Evangelium zu verkünden – und diese auch zur Not zu verteidigen, wie es ja später in Lateinamerika so häufig der Fall war. Nicht zuletzt hatte sich nach der Entdeckung und Bekehrung der Kanarischen Inseln ein knappes Jahrhundert zuvor Papst Eugen IV. gegen die Versklavung der Einheimischen gewandt.

(Quelle: die katholischen Missionen, 1892)

*Das sollte eigentlich als Argument gegen die „Judenhypothese“ genügen.


Hier noch ein Artikel von The Remnant über die Beantragung der Seligsprechung Kolumbus’ durch die Konzilsväter auf dem Ersten Vatikanischen Konzil.

Dienstag, 13. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 2)


Fortsetzung von hier

1868 finden wir den unermüdlichen Bischof im Königreich Schoa, im südlichen Teil von Abessinien, wohin ihn der katholikenfreundliche König Menelik berufen hatte. Menelik liebte und schätzte den seeleneifrigen und treuherzigen Kapuzinerbischof wie einen Vater, und unter dem Schutze des Fürsten entwickelte sich eine blühende Missionstätigkeit.

Leider verlor im Jahr 1878 König Menelik durch einen unglücklichen Krieg mit dem mächtigen, herrschsüchtigen Kaiser Ati Johannes von Abessinien seine Selbstständigkeit, und die unter unsäglichen Opfern gegründete Mission wurde das Opfer einer durch den Hass des schismatischen Klerus entzündeten Verfolgung. Über deren Ursachen, Verlauf und die Leiden des ehrwürdigen, von Alter gebeugten Missionsbischofs haben wir seiner Zeit ausführlich berichtet.

Zum siebten Mal verbannt, trat Msgr. Massaia über Jerusalem die Rückreise nach Europa an. Mit Jubel empfing ihn das italienische Volk; der Heilige Vater Leo XIII. überhäufte ihn mit Auszeichnungen, machte ihn zum Titularerzbischof von Stauropolis und ernannte ihn am 10. November 1884 zum Kardinal. Staunend vernahm der verdiente, greise Missionsbischof in seiner ärmlichen Kapuzinerzelle zu Frascati die Nachricht seiner Erhebung.

Hier in Frascati besuchten ihn einst einige Studenten des englischen Kollegs. 
„Wir fanden ihn an einem kleinen, ärmlichen Tisch sitzen. Auf seinem Schreibpult lag, wie ein großes Kontobuch, ein mächtiger Band Manuskripte. Die Zelle war arm und schmucklos, eine echte Kapuzinerzelle. Der nackte Ziegelboden ohne Spur von einem Teppich, zwei Rohrstühle, ein Armsessel, zwei kleine, niedrige Bänke, etwa in der Art, wie man sie in Wartezimmern dritter Klasse findet, das war die ganze Ausstattung. Das einzige Zeichen seiner Würde war der Bischofsring. Im Übrigen trug er die gewöhnliche braune Kapuzinerkutte. Mit großer Lebhaftigkeit sprach er über England, ‚das Land des Apostolats in der Hand der Vorsehung‘ und über die Aussichten der afrikanischen Mission.

‚Nun gut!‘ so schloss er, ‚hier bin ich jetzt, ein alter Mann, der letzte der Bischöfe Gregor XVI. Manches ist anders geworden, seitdem ich fort war. Italien ist kaum wiederzuerkennen. Die Zeiten für die Kirche sind andere geworden. Italien hatte einen großen Ruhm, ihm besonders eigen; er ist im Augenblick umwölkt, aber ich hoffe für die Zukunft. Ich werde es nicht erleben, ich bin zu alt, um irgendetwas zu erwarten. Inzwischen bereite ich mich hier im ruhigen Heim meiner Mitbrüder auf die große Reise vor, gehe ein wenig im Garten spazieren, bete und schreibe ein bisschen.‘ 

Das ‚Bisschen‘ ist nichts weniger als das wahrhaft monumentale Werk seiner Memoiren, die er auf besonderen Wunsch des Heiligen Vaters unter dem Titel: ‚30 Jahre [eigentlich 35 Jahre] als Missionär in Äthiopien‘ (I miei trentacinque anni di missione nell'alta Etiopia) begonnen*. Sie werden, einmal vollendet, eine Fundgrube historischer, linguistischer, geographischer und ethnologischer Aufschlüsse über die wenig bekannten Länder bilden. Von Hilfswerken und Materialien war nichts zu sehen. Alles ist aufgespeichert in seinem alten, frischen, treuen Gedächtnis.“

Nebenbei war Kardinal Massaia ein tätiges Mitglied der Propaganda und mehrerer anderer Kongregationen. Um seine sichtlich abnehmenden Kräfte etwas herzustellen, zog er sich nach Amirante, an den herrlichen Meerbusen von Neapel, zurück.

Bei all den vielen Auszeichnungen und Ehrenbezeigungen, die dem hochverdienten Mann von allen Seiten zu Teil wurden, blieb er in seiner Lebensweise und seinem ganzen Auftreten immer der schlichte, prunklose, kindlich fromme Kapuziner. Trotz seines hohen Alters und seiner rasch zunehmenden Gebrechlichkeit schlief er nie anders als in seiner rauen, unbequemen Kutte auf einer ärmlichen, dünnen Matratze. Wenn ihn die vielen Besuche gestört, holte er noch am späten Abend den Rosenkranz und seine anderen gewohnten Gebetsübungen nach. Bis zum letzten Abend behielt er seine volle geistige Frische und jugendliche Lebhaftigkeit, die in Verbindung mit Herzensgüte und väterlichem Wohlwollen sein ganzes Wesen so gewinnend und anziehend machte.

Die Nachricht von seinem Tod rief in ganz Italien außerordentliche Teilnahme wach. Selbst die liberalen Blätter konnten einem der größten Missionäre dieses Jahrhunderts ihre Hochachtung und Verehrung nicht versagen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

*Das Buch gibt es bei archive.org

Hier noch einige interessante Fotos von Kardinal Massaia.

Freitag, 9. September 2016

Leo XIII. über den heiligen Petrus Claver



Über den heutigen Tagesheiligen Petrus Claver sagte Papst Leo XIII., der den Sklavenapostel selbst heiligsprach: 

„Kein Leben, mit der Ausnahme des Lebens unseres Herrn, hat mich so bewegt, wie das des heiligen Petrus Claver.“

Mehr über diesen großen Missionar hier, hier und hier.

Mittwoch, 9. September 2015

Zum Fest: der heilige Petrus Claver erweckt Tote zum Leben



Papst Leo XIII. sagte einmal, dass ihn nach dem Leben Christi die Biographie des heiligen Petrus Claver am meisten beeindruckte. Der gleiche Papst sprach den katalanischen Jesuitenmissionar am 15. Januar 1888 heilig. Nachfolgend einige Episoden aus dem Leben des großen Sklavenapostels, die man in ähnlicher Weise auch bei seinem heiligen Ordensbruder Franz Xaver finden kann:

Mehrere Totenerweckungen wurden von Augenzeugen eidlich bezeugt. So rief der Heilige eine Sklavin des Don Vicente Villalobos, Befehlshaber von Cartagena, welche man bereits begraben wollte, ins Leben zurück und spendete derselben die heilige Taufe. Ganz derselbe Fall wiederholte sich im Haus eines Don Francisco da Silva. Auch dort starb eine noch nicht getaufte Sklavin, bevor der Heilige herbeieilen konnte. Man empfing ihn mit Wehrufen: „Welch ein Unglück! Wer konnte es aber auch voraussehen?“ „Ist denn der Arm des Herrn verkürzt?“ fragte Claver. „Er ist ein Vater voll Liebe; nur ein wenig Glauben und Vertrauen auf ihn!“ Dann ließ er sich zu der Leiche führen, rief die Verstorbene nach kurzem glühendem Gebet beim Namen und fragte, ob sie getauft werden wolle. Sofort öffnete die Sklavin ihre Augen und sagte mit deutlicher Stimme, sie wünsche es von ganzem Herzen. Und nachdem sie die heilige Taufe empfangen hatte, erhob sie sich vollkommen gesund von ihrem Lager. Noch auffallender war die Totenerweckung eines Sklaven, der alle Ermahnungen und Bitten des Heiligen zum Trotz die Taufe zurückgewiesen hatte und so in voller Verstocktheit gestorben war. Schon schleppte man die Leiche des Unseligen hinaus, um sie in ungeweihter Erde zu verscharren, da eilte P. Claver, der inzwischen die göttliche Barmherzigkeit mit Gebeten und strengen Bußwerken bestürmt hatte, herbei und befahl, die Leiche zurückzubringen. Dann rief er den Verstorbenen ins Leben zurück und spendete ihm die heilige Taufe, um welche er vor vielen Zeugen bat. Von seinem geistlichen Obern über diesen Fall, der natürlich großes Aufsehen machte, befragt, gestand der Heilige in aller Einfalt die Wahrheit dieser Totenerweckung, Gott allein die ganze Ehre zuweisend.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Dienstag, 3. Februar 2015

Papst Leo XIII. über Indien: Unzahl von Menschen „fern von der Wahrheit und umnachtet von den Finsternissen eines elenden Aberglaubens“


Aus einem Bericht des Apostolischen Delegaten für Indien, Erzbischof Ladislaus Zaleski:

„Einen neuen Beweis dieser apostolischen Hirtensorge [für Indien] gab Leo XIII. durch die am 24. Juni v. J. erlassene und an die ganze katholische Welt gerichtete Enzyklika „Ad extremas Orientis oras“ (Nach den fernen Gestaden des Morgenlandes). Sie wollte das Interesse aller Katholiken, mehr als bis dahin geschehen, auf dieses eine so große Zukunft versprechende Missionsfeld lenken, das kostbare Erbe eines hl. Apostels Thomas, eines hl. Franz Xaver und so vieler heroischer Gottesmänner, welche hier für die Ausbreitung des Reiches Christi gearbeitet und geblutet.

Nach einem kurzen Rückblick auf die ältere Geschichte und nach Worten aufrichtiger Anerkennung für die bereits errungenen Erfolge weist der Heilige Vater mit Schmerz darauf hin, ‚Welche Unzahl von Menschen in diesem ungeheuren Ländergebiet noch fern von der Wahrheit und umnachtet von den Finsternissen eines elenden Aberglaubens schmachte. Welch ein gewaltiges Feld namentlich im Norden Indiens ist noch auf keine Weise bearbeitet zur Aufnahme des Samens des Evangeliums!‘“


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Die gesamte Enzyklika hier auf Englisch.

Sonntag, 30. November 2014

So geht „Ökumene“

Der griechisch-melchitische (katholische) Patriarch Petrus IV Geraigiry (im Text Giragiri), zuvor Bischof von Paneas

Recht beachtenswerte Aufschlüsse über die Strömungen innerhalb der nicht-unierten Kirchen gibt uns der folgende Brief des griechisch-melchitischen Bischofs von Paneas, Msgr. Giragiri. Als er eben im Begriff war, so erzählt er darin, einer Einladung des griechisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem, Gregor I., zum Eucharistischen Kongress in Jerusalem Folge zu leisten, wurde seine Abreise durch einen unangenehmen Zwischenfall verzögert. In einem kleinen Städtchen, Al-Kiam, und im Dorf Kuraihas wurden zwei seiner Priester von einflussreichen, feindseligen Schismatikern in einen Prozess verwickelt. Der Bischof musste ihnen zu Hilfe kommen; er schickte ihnen das für die Fahrt nach Jerusalem ersparte Reisegeld und begab sich persönlich nach Gedaïhah und Hasbaïa, um vor den dortigen Tribunalen Recht zu verlangen.

In Hasbaïa sollte er unerwartet eine große Freude erleben. Die Stadt, am südwestlichen Abhang des großen Hermon, ist einer der Hauptorte im Gebiet des Anti-Libanon mit reger Industrie und Obst- und Weinbau. Sie zählt nur wenige Katholiken; doch sind die Schismatiker im Augenblick recht günstig gestimmt. Ihr Bischof, Msgr. Missaël, begrüßte den katholischen Oberhirten bei seiner Ankunft aufs Freundlichste. Msgr. Giragiri erwiderte am folgenden Tag den Besuch. Zu seinem nicht geringen Erstaunen fand er im Empfangszimmer des schismatischen Bischofs die Porträts Leo XIII., Se. Eminenz des Kardinals Rampolla und des letztverstorbenen Präfekten der Propaganda, Kardinal Simeoni, und anderer römischer Prälaten. Auf seine verwundernde Äußerung erklärte Msgr. Missaël: „Ich habe diese Porträts mir kommen lassen, weil ich die römische Kirche und ihre Oberhirten liebe.“ Beiläufig gesagt ist es keine Kleinigkeit, hier zu Lande, selbst in größeren Städten, sich dergleichen Porträts zu verschaffen.
„Im Laufe der Unterredung“, so erzählt nun Msgr. Giragiri, „sagte ich scherzend zum schismatischen Bischof: ‚Sie haben gewiss Angst, dass ich Ihnen keine Schäflein mehr übrig lasse. Wissen Sie was, Monseigneur, treten Sie mit Ihrer ganzen Herde zu uns über, und bleiben Sie dann in der katholischen Gemeinschaft deren Hirte. Ich selbst lege dann mein Amt nieder, oder werde, falls es Ihnen recht ist, Ihr Koadjutor.‘ Der Bischof erwiderte lächelnd: ‚Es wird wohl schließlich dazu kommen, nur mit dem Unterschied, dass ich dann Ihr
Koadjutor werde und Sie selbst die ganze Sorge für unser geistliches und zeitliches Wohl übernehmen.‘

Ich predigte dann vom Tag meiner Ankunft (Freitag vor Passionssonntag) an bis zum Montag in der Karwoche täglich zweimal, am Morgen und am Abend. Die Kirche konnte die Menge nicht fassen. Mehrere angesehene Personen sagten zu mir: ‚Es ist ausgemachte Sache, wir werden alle katholisch.‘ Andere verlangten eine zweite Reihe von Predigten, um sich vor ihrem Übertritt noch besser zu belehren. Von allen Seiten wurde ich gedrängt, in der Stadt jährlich mein Absteigequartier zu nehmen und einige Wochen bei ihnen zuzubringen. Ich dankte Gott für die Wendung dieser Dinge; denn gerade in Hasbaïa hatte ich früher die heftigsten Anfeindungen gefunden. (…) Jetzt ist die Stimmung ganz verändert, und die Bekehrung dieser Stadt, des Hauptbollwerks des Schismas in meiner Diözese, scheint nur mehr eine Frage der Zeit. Ist aber einmal Hasbaïa gewonnen, so würde sofort auch die umwohnende Landbevölkerung folgen. Diese scheut bis jetzt den Einfluss der reichen Schismatiker in der Stadt, die ihr Geld leihen und ihr in ihren Prozessen helfen, und so den guten Willen dieser Leute hemmen.“

(…) Msgr. Giragiri erzählt dann weiter seine Reise nach Rom, die er im Namen des griechisch-unierten Patriarchen von Jerusalem mit zwei anderen orientalischen Bischöfen unternahm, um dem Heiligen Vater die Glückwünsche seiner Kirche darzubringen. Mit dem größten Interesse erkundigte sich der Papst nach der Bewegung, die sich unter den Schismatikern zu Gunsten der Wiedervereinigung bemerkbar mache. „Machen Sie es nicht“, sagte er dem Bischof beim Abschied, „wie Gregor der Wundertäter, der bei seinem Einzug als Bischof von Neo-Cäsarea dort 17 Gläubige vorfand, bei seinem Tod aber 17 Heiden hinterließ. Sie werden die Katholiken zu Hunderten vorfinden und dürfen keinen einzigen Schismatiker hinterlassen. Ich werden Gott recht inständig darum bitten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Montag, 10. November 2014

Der. sel P. Dionysius von der Geburt und der sel. Bruder Redemptus vom Kreuze – zwei Märtyrer-Missionäre des Karmeliterordens (Teil 1)



Im Jahr 1900 sprach Papst Leo XIII. die Karmelitermissionäre P. Dionysius von der Geburt, einen Franzosen aus der Normandie, und Br. Redemptus vom Kreuze, einen Portugiesen, wegen ihres im Herbst 1638 in Sumatra erduldeten Martyriums selig. Hier eine  Schilderung ihrer Leidensgeschichte. Sie beginnt nach ihrer Gefangennahme durch den Sultan, der sie zusammen mit einer portugiesischen Gesandtschaft getäuscht hatte und in einem Hinterhalt überfallen ließ.

„So war der Anschlag des tyrannischen Fürsten gelungen. Die Gefangenen wurden grausam gefesselt und unter dem Spott und Hohn der meist mohammedanischen Bevölkerung durch die Stadt und vor den Sultan geschleppt. Dieser gab Befehl, den Gesandten und einige Vornehme seines Gefolges rücksichtsvoller zu behandeln, aber als Geiseln festzuhalten. Die übrigen verteilte er als Sklaven unter seine Vasallen und Hofleute mit der Weisung, sie um jeden Preis durch Drohungen und Versprechungen zur Annahme des Islams zu drängen. Nur wenige erlagen der Versuchung. Allein auch von diesen Renegaten kehrten später einige zurück und dienten als Zeugen des Martyriums ihrer glücklicheren Genossen. Die Leiden und Qualen, welche die gefangenen Christen nun zu erdulden hatten, waren so groß, dass Dom Francesco [der portugiesische Gesandte], der nach einem Monat sie wieder einmal vor sich sah, dieselben kaum mehr wiedererkannte.

P. Dionysius war einem vornehmen Hofmanne zugeteilt. Derselbe wies dem christlichen Mönche als Aufenthaltsort ein elendes Loch (ein Bericht spricht von einer bedeckten Kloake) unweit des Toreingangs zu, in welches alle Arten Schmutz und Unreinigkeit hineingeworfen wurden. Die Vorübergehenden spuckten hinein, und die Diener schütteten dort das Spülwasser u. dgl. aus und besudelten absichtlich die kärgliche Nahrung, welche dem Gefangenen gereicht wurde, und die knapp genügte, um ihn am Leben zu erhalten. Der Selige trug alles schweigend um mit himmlischer Geduld. 

An ihm wurde wie bei den übrigen der Versuch gemacht, ihn durch Vorspiegelung irdischer Freuden und Genüsse zum Teil schmählicher Art zum Abfall zu bewegen. Ruhig wies er dergleichen Anträge zurück. Er sei Priester und Ordensmann und als solcher Christus, seinem Heiland, durch unauflösliche heilige Bande verknüpft. Sein Leib sei in ihrer Gewalt, nicht aber seine Seele. Er sei bereit, für Christus alles, auch den Tod zu leiden. Mehrfach ließen die Kazis, die mohammedanischen Geistlichen, sich mit ihm in einen religiösen Wortstreit ein; er benutzte die Gelegenheit, um öffentlich und mit Eifer die christliche Religion zu verkünden, und überführte sie so siegreich ihrer Irrtümer, dass sie beschämt von ihm abließen. 

Mehr als sein eigenes Schicksal berührte den Diener Gottes dasjenige seiner Leidensgefährten. Auf seine flehentlichen Bitten hin gestattete ihm sein Herr, die Gefangenen zuweilen zu besuchen. Obschon die eisernen Kettenringe bei jedem Schritt ihm ins Fleisch schnitten, scheute er nicht diese schmerzlichen Rundgänge, um überallhin Trost und Hilfe zu tragen, die Mutlosen aufzurichten, sie Beichte zu hören und durch den Hinweis auf die ewige Krone zur Ausdauer zu ermuntern. Da er der malaysischen Sprache mächtig war, konnte er manches zur Erleichterung ihrer Lage beitragen; er bat um Almosen für sie und trug ihnen die Speisen zu, welche der Gesandte durch seine Diener ihm zugedacht. Selbst die Heiden und Moslems bewunderten diese hingebende Liebe und gaben dem Seligen den schönen Namen: Vater der Portugiesen. Für die beiden mitgefangenen Rekollekten, welche krank darniederlagen, sorgte er wie eine Mutter.

Inzwischen musste auch sein Ordensbruder, Br. Redemptus, harte Tage durchmachen. Sein grausamer Herr hatte ihm zum Spott Bart und Augenbrauen abscheren lassen und verwandte ihn dazu, die Büffel zu hüten und für sie Futter zu schneiden. Der arme Bruder hatte namentlich durch Hunger zu leiden, da man ihn oft tagelang ohne Nahrung ließ. Als er einst, zum Tode ermattet, sich in einen Wald schleppte, um dort einige essbare Wurzeln und Früchte zu suchen, ließ ihn der Herr, der ihm dies als Fluchtversuch auslegte, gefesselt vor den Sultan führen. Dieser stellte ihm die Freiheit und alle möglichen zeitlichen Vorteile in Aussicht, falls er die Lehre des Propheten annähme, andernfalls werde er ihn unter grausamen Qualen sterben lassen. Das wäre doch wunderlich, erwiderte der Bruder treuherzig, wenn er, nachdem er in dies Land gekommen, um seine Bewohner von der falschen Lehre des Propheten abzubringen, nun selber ein Muselmann würde. Er suche auf dieser Welt nichts anders, als Christus zu gefallen, und sei bereit, für ihn nicht bloß eines, sondern tausend Leben zu lassen. Sie möchten daher ihre eitlen Bemühungen, ihn zum Abfall zu bewegen, nur aufgeben. Eher werde er sich in Stücke zerreißen lassen. Da auch bei den übrigen Gefangenen alle Versuche der mohammedanischen Kazis gescheitert waren, gab der Sultan erzürnt den Befehl, sie alle gleichzeitig hinrichten zu lassen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Fortsetzung hier

Samstag, 27. September 2014

Kardinal Respighi über die Angst der Pfarrer

Pietro Kardinal Respighi (Quelle: Gaumata)

Wie noch erinnerlich, erging von der letzten Katholikenversammlung ein besonders warmer Appell an die Geistlichkeit, den Missionsgedanken mehr als bisher in sich aufzunehmen und für ihn in ihren Gemeinden zu werben. 
Ganz ähnlich wie Fürst Löwenstein in Breslau, so sprach sich über diesen Gegenstand kürzlich der Kardinalvikar von Rom, Se. Em. Kardinal Respighi, aus. 

Gelegentlich einer Audienz, welche Gräfin Ledóchowska, Leiterin der Peter-Claver-Sodalität, im November 1909 beim Kardinalvikar hatte, klagte dieser, dass in Italien verhältnismäßig noch zu wenig für die Missionen geschehe. „Und wissen Sie, wer daran die Schuld trägt? Die Pfarrer sind es. Sie fürchten immer, durch die Werke für die Missionen Schaden zu leiden. Als Erzpriester in Bologna habe ich, als Leo XIII. zu Gunsten des Werkes der Glaubensverbreitung eine Enzyklika erließ, dem Volk darüber gepredigt, und gleich sind die Gaben für die Missionen geflossen. Da sind meine Kollegen zu mir gekommen und haben gesagt: ‚Aber was tun Sie? Sie haben doch so viele Auslagen für Ihre eigene Kirche zu decken!‘ Darauf zeigte ich ihnen mein Kontobuch und sagte: ‚Ja, das ist wahr. Meine Auslagen sind groß. Aber seit ich das Werk der Glaubensverbreitung eingeführt habe, sind auch meine Einnahmen entsprechend größer geworden, und so hat der liebe Gott nicht zugelassen, dass ich Schaden leide.‘“ 

Dann führte der Kardinal das apostolische Beispiel einer armen Arbeitersfrau an. Durch seine Predigten angeregt, hatte diese das Einsammeln der Beiträge für das Werk der Glaubensverbreitung und den Anbetungsverein übernommen. Später sah sie sich infolge der Verhältnisse genötigt, die Arbeit für einen der beiden Vereine daranzugeben. Obwohl ihr vom Anbetungsverein nach ihrem Tode eine Anzahl Messen zugesichert waren, entschied sie sich doch dafür, ihre Kraft einzig dem Glaubensverein zu weihen. ‚Gott wird mir gnädig und barmherzig sein‘, meinte sie, ‚da ich ja den Seelen zu liebe auf diese Messen verzichte.‘ Welch ein Glaube! dachte ich. Wie hat dieses arme Weib mit seiner einfältigen Rede so manchen Theologen in den Schatten gestellt!“


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Sonntag, 22. Juni 2014

Große Missionsbischöfe: Youhanna XII. Boutros el Hajj, maronitischer Patriarch


Afrika, das sonst so opferreiche, ist diesmal auf unserer Totenliste nicht vertreten. Dagegen hat der Orient zwei seiner Kirchenfürsten zu betrauern. Am Tag vor Weihnachten schlummerte der 82-jährige Patriarch der Maroniten, Se. Seligkeit Youhanna Boutros el Hajj, in seiner Winterresidenz zu Bekerkey im Libanon friedlich zum besseren Leben hinüber. Sein von hohem Alter und Mühsalen gebrochener Leib hatte einem starken Fieberanfall keinen Widerstand mehr bieten können. Um die entseelte Hülle sammelten sich nicht bloß seine eigenen Suffragane, sondern die Vertreter aller Klassen und Nationen des Libanon. Msgr. Duval O.P., Apostol. Delegat für Syrien, Graf von Curcey, der französische Generalkonsul in Beirut, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Mönche der verschiedensten Riten, die Prinzen und Scheichs der Berge, die lateinischen Missionäre: Franziskaner, Kapuziner, Jesuiten, Lazaristen, alle kamen, um dem allgemein geliebten Patriarchen die letzte Ehre zu erweisen. 

Nach Landessitte auf einem Thron sitzend, mit den Gewändern und Insignien des Patriarchen angetan, assistierte der ehrwürdige Priestergreis gleichsam im Tod noch den feierlichen Totenämtern, die in lateinischem, syrischem und griechisch-melchitischem Ritus gehalten wurden. Msgr. Debs, maronitischer Erzbischof von Beirut, hielt in arabischer Sprache die Leichenrede.

Msgr. Youhanna Boutros el Hajj begann am 1. November 1817 zu Delipta im Distrikt Kesruan seine irdische Laufbahn. Nach Vollendung seiner klerikalen Ausbildung studierte der talentvolle junge Priester türkisches Recht, wurde 1844 von Msgr. Johann Habil für seine Glaubensgenossen zum Richter des Libanon ernannt und bewies in dieser Stellung in schwierigen Zeiten große Klugheit und Festigkeit.

1861 bestieg er den erzbischöflichen Stuhl von Balbeek. „Alles“, so erzählte Damien Ramia in den Echos d’Orient „war hier erst zu schaffen; denn die früheren Bischöfe des Libanon lebten gemeinsam mit ihrem Patriarchen zusammen. Der neue Erzbischof hatte bloß einen Titel, aber weder eine Residenz noch irgendwelches Einkommen. Trotzdem gab er sich mutig ans Werk, und mit Gottes Segen war seine Diözese bald eine der bestbestellten seines Ritus.“ Seine Diözesanen hingen aber auch mit unbegrenzter Liebe an ihrem Vater, und als nach dem Tod des Patriarchen Massad die maronitischen Bischöfe am 28. April 1890 Msgr. Hajj einstimmig zum Nachfolger wählten, sprachen sie aus dem Herzen des ganzen Volkes, das die Neuwahl mit Jubel begrüßte. Drei Tage und drei Nächte trugen Glockengeläute und Gewehrsalven die frohe Kunde durch die Berge. 

Am 23. Juni 1890 bestätigte Leo XIII. die Wahl und lobte bei dieser Gelegenheit seine lieben Maroniten wegen ihrer Treue, mit der sie in allen Stürmen zur Mutterkirche gehalten. In seiner neuen Würde bewährte Msgr. Hajj die schönsten Eigenschaften des Geistes und Herzens: große Klugheit, hingebende Selbstverleugnung, unwandelbare Treue und Liebe zur heiligen Kirche und seinem Volk. 

Seine erste Sorge war, die Bildung seines einheimischen Klerus zu heben. Auf seine Anregung hin stellte Leo XIII. das 1584 von Gregor XIII. gegründete maronitische Seminar in Rom wieder her. „200 Jahre lang“, schreibt Ramia, „hatte dieses Kolleg unter der Leitung der Jesuiten Europa eine Reihe Gelehrter, wie die beiden Assemani, dem Orient aber eine Phalanx durch Frömmigkeit und Tugend ausgezeichneter Männer geschenkt.“ Napoleon hatte es 1813 verschleudert. Nun sollte es, 1894 wiederhergestellt, abermals eine fruchtbare Schule apostolischer Arbeiter für den Libanon werden. Dank der Bemühungen der Patriarchen stiftete die französische Regierung auch in dem berühmten Seminar St. Suplice in Paris acht Freiplätze für junge Maroniten und räumte den zahlreich in der Seine-Stadt weilenden Maroniten die Kapelle von Petit Luxembourg ein.

Durch Altersschwäche gehindert, musste Msgr. el Hajj 1893 beim Eucharistischen Kongress in Jerusalem und bei der von Leo XIII. nach Rom berufenen Versammlung der orientalischen Patriarchen zur Beratung der Unionsfrage durch seinen Koadjutor, Msgr. Hoyek, Erzbischof von Arka, sich vertreten lassen, nahm aber aus der Ferne den regsten Anteil und erklärte in einem wunderschönen Brief an den Heiligen Vater seine vollste Übereinstimmung mit allen Weisungen und Beschlüssen. 

Mit den lateinischen Missionären, denen ja der Libanon so viel verdankt, stand der Patriarch in den besten Beziehungen. „Wir müssen“, so pflegte er zu sagen, „alle brüderlich zusammenhalten und miteinander Hand in Hand gehen, um die Seelen zu retten. Das ist der Geist Jesu Christi, der seine Apostel nicht bloß zu den Juden, sondern auch zu den Heiden gesandt. In seiner Kirche gibt es keine Lateiner, Griechen, Armenier, sondern Katholiken, d. h. Kinder einer Mutter, die alle dem gemeinsamen Oberhirten, dem Stellvertreter Christi auf Erden, unterstehen.“ Eine Reihe schöner Neubauten, Kirchen und Anstalten, wie die von Aramun, Diman, Bekerkey, die Patriarchenwohnung und die Kirche des hl. Maron in Jerusalem sind Schöpfungen des Patriarchen. 

Seine hohen Verdienste brachten ihm auch die höchste Anerkennung von außen. So erhielt er das Kreuz vom heiligen Grabe, den Medschidieh-Orden I. Klasse und den osmanischen Großkordon, sowie das Kommandantenkreuz der französischen Ehrenlegion. „Der Name Msgr. Hajjs“, schließt Ramia, „wird im Libanon stets mit Liebe und Ehrfurcht genannt werden.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Sonntag, 26. Januar 2014

Papst Benedikt XV. über Afrikamission und Sklaverei


Angeregt durch Kardinal Lavigerie und durch ein Rundschreiben Papst Leos XIII. vom 26. November 1890 allen katholischen Bischöfen dringend empfohlen, bildete die jährliche Epiphaniekollekte ein wichtiges Hilfsmittel zur Bekämpfung der Sklaverei und Förderung des Missionswerkes im dunklen Weltteil. 

Zum silbernen Jubiläum der Dreikönigsspende hat nun auch Papst Benedikt XV. das Wort ergriffen. Das vom 11. Februar 1916 datierte Schreiben besitzt ganz allgemeine Geltung für die gesamte Kirche, ist aber, wie das die Päpste öfter tun, an einen einzelnen Kirchenfürsten gerichtet. 
Da die Anregung zur Epiphaniekollekte von einem französischen Kardinal ausging, wandte sich der Papst auch jetzt an einen der Kirchenfürsten Frankreichs, und zwar an Kardinal Andrieu von Bordeaux, weil, wie Benedikt XV. bemerkt, dessen Bischofssitz als Mittelpunkt der Handelsbeziehungen mit den französischen Kolonien in Afrika gelte.

Das päpstliche Schreiben weist kurz auf die Bemühungen der Kirche hin, den Negern jene Freiheit zu verschaffen, die ihnen als Kindern Gottes zustehe. „Aber“, heißt es dann weiter, „wenngleich auch das entehrende Brandmal der Sklaverei zum größten Teil ausgemerzt ist, so haftet der Schandfleck dennoch dem Körper der menschlichen Gesellschaft an. 
Darum ist es Unsere Pflicht, das erhabenen Beispiel der Liebe zu allen Menschen, das Unsere Vorfahren auf dem päpstlichen Stuhle gegeben haben, nachzuahmen, und so bestätigen Wir denn nach dem Vorbild Papst Pius‘ X. das Dekret Leos XIII. und wollen, dass allenthalben am Dreikönigsfeste eine Kollekte zum Besten der Negermissionen abgehalten werde.“ 

Zum Schluss weist Papst Benedikt XV. auf die schönen Früchte im Negerapostolat hin und verleiht dem Wunsch Ausdruck, der Erlöser des Menschengeschlechts möge den Tag beschleunigen, da das heiß ersehnte Ziel der Befreiung aller Schwarzen erreicht sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Samstag, 2. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 2)

koptische (schismatische?) Mönche

Fortsetzung von hier

„Das Apostolische Schreiben Leos XIII. und die von apostolischem Eifer eingegebenen Worte seines Vikars unter den Kopten sind schon jetzt, wie es scheint, mit recht tröstlichen Erfolgen von Gott gesegnet worden. 
Msgr. Macaire schreibt darüber am 14. Juli an einen Prälaten des Kollegiums der Propaganda in Rom: 

‚Ich kann Ihnen die Bekehrung weiterer 400 Schismatiker anzeigen: die koptische Bevölkerung ist in einer außerordentlichen Bewegung. Ich reise wieder ab, um mich in ihre Mitte zu begeben und meine Visitationsreise zu beendigen. Zwei Dörfer im Mudirieh (Regierungsbezirk) von Assiut warten auf meine Ankunft, um dem Schisma zu entsagen; sie haben den schismatischen Bischof bei seinem letzten Besuche nicht aufnehmen wollen.‘ 

Aus einem anderen Brief an die Propaganda geht hervor, dass die Stadt Sohag, Hauptort des Regierungsbezirkes Girgeh, ebenfalls ganz zur katholischen Einheit zurückzukehren verlangt. Nach der Versicherung eines koptischen Missionärs hegen noch manche schismatische Dörfer denselben Wunsch, insbesondere auch die Heimatgemeinde des Bischofs Macaire mit etwa 50-60 Familien.

Begreiflicherweise sind zur wirksamen Förderung des Unionswerkes große Mittel erforderlich. Leo XIII., der in seinem Schreiben den Kopten seine Hilfe zugesagt, hat zur Unterstützung der koptischen Missionen, die nur über sehr geringe Mittel verfügen, 40.000 Franken gespendet als eine erste Gabe, welcher andere folgen sollen. Sicher wird auch bei den Katholiken Deutschlands dies großmütige Beispiel Nachahmung finden.

Zu den zahlreichen Beweisen seiner besonderen Fürsorge für die Kopten hat Leo XIII. in den letzten Wochen einen neuen hinzugefügt. Am 31. Juli, dem Fest des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers der Gesellschaft Jesu, richtete er im Interesse der Mission unter den Kopten ein Schreiben an den hochw. P. General derselben Gesellschaft. 
Das koptische Land, sagt er darin, scheine ihm zu jenem Gegenden zu gehören, die schon ‚weiß seien zur Ernte‘, und er richte deshalb sein Gebet an den ‚Herrn der Ernte‘, dass er die alten Arbeiter stärken und neue senden möge. Er weist dann hin auf die fünfzehnjährige Tätigkeit der Missionäre der Gesellschaft Jesu unter den Kopten und die ‚ausgezeichneten Erfolge‘, die sie namentlich in der Ausbildung des Klerus und in der Hebung des christlichen Lebens im Volke erlangt hätten. 
Allerdings würden von den andersgläubigen Sekten mit ihren reichen zeitlichen Hilfsmitteln immer größeren Anstrengungen gemacht, um die Katholiken anzulocken. Er freue sich aber, dass auch von Seiten der Gesellschaft Jesu alles geschehe, um namentlich der Jugend eine durchaus gesunde und heilsame Erziehung zu geben. 

Zur Unterstützung des Missionswerkes übersende der Papst eine Summe Geldes, und er verspreche weitere Hilfe. Die Kopten sollten darin ein Zeichen seines besonderen Wohlwollens sehen, das sie sich durch ihren religiösen Sinn und ihre Ergebenheit gegen den römischen Stuhl verdient hätten. 
Er freue sich über die freudige Aufnahme die sein letztes Apostolisches Schreiben bei den Kopten gefunden, und über die bevorstehende Reise einer Vertretung ihres Volkes nach Rom; er freue sich darüber auch der getrennten koptischen Christen wegen, unter welchen die schon bestehende Bewegung nach Rom hin dadurch zunehmen werde. 

Man dürfe mit gutem Grund hoffen, dass die so heiß ersehnte Rückkehr der Orientalen zur katholischen Kirche mit den Kopten beginnen werde. Nachdem der heilige Vater dann noch mit Worten voll des Lobes und der Anerkennung der Arbeiten und Kämpfe der Gesellschaft Jesu für die heilige Kirche gedacht, schließt er mit dem Apostolischen Segen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)



Freitag, 1. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 1)

Der koptisch-katholische Patriarch Kyrillos II. Makarios (Mitte, zur Zeit des Textes noch Apostol. Vikar) mit seinen Bischöfen

Allem Anscheine nach dürften die Bemühungen Leos XIII., die orientalischen Kirchen mit Rom zu vereinen oder das bereits bestehende Band enger zu knüpfen, nirgends bessere Erfolge erzielen als bei den Kopten. Wir haben im Laufe dieses Jahres schon mehrfach die günstige Stimmung innerhalb dieser Gemeinschaft gezeichnet. Dass die unierten Kopten einen so trefflichen Oberhirten erhielten, steigerte diese Hoffnung, und sie gewinnt durch die folgenden Mitteilungen aus dem Orient neue Nahrung.

Wie sich erwarten ließ, hat das Apostolische Schreiben an die Kopten unter den katholischen Kopten große Freude und Begeisterung hervorgerufen. Der Apostolische Vikar der Kopten, Amba Kyrillos Macaire, Bischof von Cäsarea Philippi, der mit dem größten Eifer für die Wiedervereinigung seiner schismatischen Landsleute tätig ist, benutzte den Erlass dieses Schreibens, um zugleich mit demselben einen Hirtenbrief an die Kopten und insbesondere an den schismatischen Teil derselben zu veröffentlichen und alle voll Liebe, aber auch mit Nachdruck zur Rückkehr einzuladen. 

Das wahrhaft apostolische Hirtenschreiben des Bischofs vom 29. Juni, dem Feste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus, verdient wenigstens einen kurzen Auszug auch in diesen Blättern. ‚Unseren ehrwürdigen Brüdern,‘ so lautet der Eingang, ‚dem Patriarchen von Alexandrien und den Bischöfen Ägyptens Friede im Herrn, und unseren vielgeliebten Söhnen, den Erben des Namens und des Glaubens des hl. Markus, Gruß und Apostolischen Segen‘. Der koptische Patriarch von Alexandrien wie auch alle übrigen koptischen Bischöfe, an die also das Schreiben besonders gerichtet ist, sind bekanntlich schismatisch. 

Nach einem Hinweis auf das Gebet Christi um die Einheit der Kirche erinnert der Apostolische Vikar an die Einladung Leo XIII. an alle Fürsten und Völker zur Rückkehr zu dieser Einheit. Unter allen Nationen aber habe der oberste Leiter der heiligen Kirche die Kopten durch ein besonderes Schreiben und eine besondere Einladung auszeichnen wollen; denn Leo XIII. wisse gar wohl, dass die koptische Kirche den Schüler des hl. Petrus, St. Markus, zum Gründer habe und deshalb die älteste Tochter der römischen Kirche im Orient sei. Die Stunde der Wiedervereinigung der getrennten Kirchen mit der römischen nahe heran. 
Die koptische Kirche solle da, ihrer ersten Zeiten eingedenk, wieder die erste sein, die den Kirchen des Orients das Beispiel der Rückkehr gebe. Sie hätten nichts von der Wiedervereinigung zu fürchten; ihre Selbstständigkeit, ihre Vorrechte, ihre heiligen Gebräuche und Einrichtungen würden völlig unangetastet bleiben, wie Leo XIII. es noch ausdrücklich ihnen zusichere. 
Ja sie würden durch die Rückkehr zu römischen Kirche ihre alte Stellung in der katholischen Welt, all den Glanz und die Vorrechte der Zeiten eines Athanasius und Cyrillus wieder gewinnen. Sie sollten sich erinnern an die innige Verbindung, die zur Zeit dieser Patriarchen und von Anfang an zwischen der koptischen und der römischen Kirche bestanden habe; an das Beispiel der Rückkehr zur römischen Kirche, das ihre Vorfahren zur Zeit des Konzils von Florenz unter Papst Eugen IV. gegeben. 

Die Stunde sei da, diese Verbindung mit der Kirche Roms und Alexandriens, derjenigen des Meisters und seines Jüngers, wiederherzustellen. Leo XIII., der Freund der Könige und Friedensstifter zwischen Fürsten, der erhabene Geist, zu dem auch Wissenschaft und Politik ehrfurchtsvoll aufschauten, lade sie an erster Stelle ein, teilzunehmen an der Größe Roms, am Lichte und an der Freiheit. 

‚O meine Heimat,‘ fügt der Bischof dann mit Begeisterung hinzu, ‚erinnere dich deines alten Ranges einer Königin; lass dich nicht von anderen überholen; geh dem Orient voran, die du einst die erste gewesen, sei auch heute die erste; gib das Signal der Rückkehr zur Einheit, damit du die Gesegnete des Herrn seiest und die Blume unter den christlichen Völkern. St. Markus, der dich mit seinem Blute geheiligt, beschwört dich darum von den Höhen des Himmels herab; St. Petrus, der dich mit besonderer Vorliebe geliebt, vereint mit ihm sein Flehen im Namen seiner Ketten und seines Kreuzes; die heiligen Martyrer, Lehrer, Einsiedler und Patriarchen, die deinen Namen verherrlichten, liegen auf ihren Knien am Throne Gottes und flehen um deine Rückkehr zur Einheit, in er sei gelebt haben und gestorben sind. 
Heute umringen sie alle die heilige Familie, welche dir die Erstlinge ihres göttlichen Segens gespendet hat, und beschwören sie, dich von neuem zu segnen und dir all diene einstige Größe wieder zu schenken.‘ 

Nach einer kurzen Mahnung, die Zeit der Gnade nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, schließt der Bischof mit einem Gebet um den Schutz und Segen Gottes für die ganze koptische Kirche und insbesondere für den Patriarchalsitz von Alexandrien und den ehrwürdigen Greis, der ihn gegenwärtig einnimmt, sowie für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute und das ganze christliche Volk Ägyptens.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier


Montag, 22. Juli 2013

Eine Gebetsvereinigung aller Bischöfe der katholischen Welt

 
…ist soeben (März 1888) durch die Kongregation der Propaganda ins Leben gerufen und von Sr. Heiligkeit durch besondere Ablässe ausgezeichnet worden. 
Zweck dieses Vereins ist das gemeinsame Gebet aller Bischöfe für ihre verstorbenen Vorgänger, für sich selbst und für die ihnen anvertrauten Herden. 
Derselbe wird ein neues Band der katholischen Einheit bilden und ganz gewiss reichen Segen auf die gesamte Kirche herabziehen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Samstag, 1. Juni 2013

Mit Rom immer und ewig - Nachruf auf den ersten armenischen Kardinal

Andoun Bedros Kardinal Hassoun 

Der höchste an Rang und der bedeutendste an Einfluss unter den 1883 und 1884 heimgegangenen Kirchenfürsten der Propaganda-Gebiete ist Anton Hassun, früher armenisch-katholischer Patriarch von Konstantinopel und Cilicien, zuletzt als erster armenischer Kardinal mit dem römischen Purpur bekleidet. 

Sein Name wurde in den kirchlichen Wirren des Orients in den letzten Jahrzehnten oft genannt, sein ganzes Leben ist ein mächtiges Stück Kirchengeschichte. 
Aber eben weil sein Name so vielgenannt ist und so hochberühmt, kann man das so vielbewegte Leben des Kardinals nicht in ein paar Zeilen zusammenfassen.

Die Inschrift auf dem Markusstuhl: „In aeternum juxta Romam“, „mit Rom immer und ewig“, war sein ganzes Lebensprogramm; kein Wunder: ist er doch als Schüler der Propaganda aufgewachsen, „im Schatten der Peterskirche“, wie Pius IX. einst sagte. I
n der Kirchengeschichte trat Anton Hassun auf, als er 1838 zum Erzbischof von Anazarbe i.p. und zum Koadjutor des Primas von Konstantinopel, Msgr. Maruschi, ernannt wurde; er erhielt zugleich das Recht der Nachfolge. 

Sein Vorgänger starb 1846. Im Jahr 1850 errichtete Primas Hassun, von Pius IX. ermächtigt, sechs Bistümer. Durch den Beschluss der Bischofsversammlung von Bsommar am Mariä-Himmelfahrts-Fest 1866, oder richtiger durch die darauffolgende päpstliche Bestätigung, wurde der Primas von Konstantinopel zugleich Patriarch von Cilicien. 

Nach dem vatikanischen Konzil erhob sich wider ihn Schisma und Cäsarismus. Es war eine für unsere Zeitläufe recht bezeichnende Episode, als der verbannte Patriarch am 27. Juli 1872 im Vatikan den Papst im Gefängnis besuchte. 
Pius hatte wie immer Worte des Trostes und der Zuversicht. Er schenkte dem Exilierten ein wertvolles Brustkreuz und sagte dabei: „Das Kreuz, das Gott dir auferlegt, mein Sohn, ist unendlich kostbarer, als jedes, dass ich dir geben kann.“

Zwar durfte er nach einigen Jahren auf seinen Primatialsitz zurückkehren, sollte aber sein Leben dort beschließen, wo in allen Stürmen seine Grundsätze fest verankert blieben: in Rom.

Von Leo XIII. Anfang Dezember 1880 dahin berufen, empfing er am 14. d. M. das rote Birett und das „Verargon“, ein violettes armenisches Überkleid, das er nach einer eigens dafür erlassenen Bestimmung der Ritenkongregation als Kirchenfürst des armenischen Ritus tragen sollte. 

In der Ansprache Leo XIII. wurde er auf den großen Kardinal Bessarion als Vorbild hingewiesen. Ist dieser auch der erste Kardinal des Orients gewesen, so war Hassun doch der erste Armenier, der den Purpur trug. 
Nun arbeitete er trotz seiner 80 Jahre mit rüstiger Kraft in den Kongregationen, bis er am 28. Februar 1884 seiner Tätigkeit durch den Tod entrissen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1884)

Freitag, 28. Dezember 2012

Ein Leohaus in New York City

St. Patrick's Cathedral, New York City

Ein Leohaus soll in den Vereinigten Staaten das Andenken des Papstjubiläums verewigen. Die zwei Millionen amerikanischen Katholiken deutscher Zunge wollen ihrer Liebe zum Heiligen Vater (Papst Leo XIII.) durch die Errichtung eines Pilgerhauses für die einwandernden Deutschen in New York, welches Leohaus heißen soll, einen bleibenden Ausdruck geben.

Die katholischen Iren wie auch die deutschen Lutheraner haben bereits solche Häuser für die Auswanderer. Die Protestanten rühmen, dass ihr Pilgerhaus reiche Früchte für die innere Mission trage; Leute, die sonst im weiten Amerika sich zerstreut hätten, werden Gründer neuer Gemeinden, in welchen sie sich sammeln. Allerdings hat der Raphaels-Verein einen eifrigen Priester in New York als Vertrauensmann zum Schutz der Einwanderer. Er kann wohl denselben guten Rat erteilen, jedoch keine zeitweilige Heimat bieten. Viele Katholiken fallen Schwindlern in die Hände, werden aus Unkenntnis des Landes und der Sprache ihres letzten Zehnerpfennigs beraubt oder an Plätze hingeleitet, wo keine katholische Kirche und Schule besteht und sie bald das edelste Kleinod ihres heiligen Glaubens verlieren. 


Ist aber ein katholisches Einwanderungshaus in New York, so kann der Ankömmling in fremdem Lande körperlich und geistig sich stärken, er hört den Rat eines erfahrenen Mannes, er erfährt, wo er in den westlichen Staaten leicht Land erwerben und seine Landsleute in einer geordneten katholischen Gemeinde treffen kann. So ist es klar, dass dadurch viele gerettet werden können, die sonst verloren gingen.
Die Einrichtung eines solchen Hauses war schon längst ein tief und allseitig gefühltes Bedürfnis.
Darum hat der Heilige Vater selbst durch den Kardinal Schiaffino zur Ausführung dieses Gedankens ermutigt, und viele Erzbischöfe und Bischöfe unseres Landes haben das edle Vorhaben belob und dazu angeeifert.
Es ist zugleich eine Tat, welche der Nachwelt Zeugnis ablegen soll von der Verehrung, welche die deutschen Katholiken Amerikas im Wetteifer mit ihren Glaubensbrüdern in Deutschland dem großen Papst zollen, der jetzt die Kirche regiert. 


In der Weltstadt New York, wo in der großen Landstraße der Völkerwanderung Menschen aller Rassen und Nationen durchziehen, sollen alle, wenn sie fragen, wer das große schöne Leohaus erbaut hat, die Antwort hören: „Das haben die katholischen Deutschamerikaner, Kinder des hl. Bonifatius, getan; es ist ein Denkmal ihrer Liebe zum Heiligen Vater.
Haben sie auch Deutschland verlassen, so bleiben sie dennoch auch in der Neuen Welt ihrem Glauben treu.“
Und wie in dem Welthafen New York die Bartholdy-Statue hoch in die Lüfte ragt und ihr elektrisches Feuer die Nacht durchblitzt, und allen die Segnungen der welterleuchtenden Freiheit erzählen soll, so soll das Leohaus verkünden, dass es noch ein höheres Licht gibt, ein „Lumen de coelo“ (der Name von Leo XIII. in den Weisagungen des Malachias) den Stern der Wahrheit, ohne welche die Freiheit nur in Knechtschaft toller Leidenschaften ausartet.

Große Summen sind freilich aufzubringen; es ist jedoch zu hoffen, dass, wie die deutschen Katholiken herrliche Gotteshäuser, Schulen, Unterrichts- und Wohltätigkeitsanstalten, Klöster und Abteien errichtet haben, so das Volk, wenn es von seinem Hirten über den schönen Zweck belehrt wird, auch diesmal seine Opferwilligkeit zeige, und der große Gedanke, den deutsche Priester in Chicago gefasst haben, zur Tat werde, zur Verbreitung und Stärkung der Religion, zum Segen für Tausende.

Zur Förderung des Unternehmens hat die deutsche katholische Presse der Vereinigten Staaten beschlossen, ein Jubiläumsalbum von 28 vereinigten Zeitungen herauszugeben und den Reinertrag zum Besten des „Leohauses“ zu verwenden. Ein solches Album wird dem Heiligen Vater überreicht werden. In Cincinnati wurde vom Klerus und den Vertretern der deutschen katholischen Vereine der Entschluss gefasst, im Monat Dezember in der Musikhalle ein großartiges Konzert zum Besten des „Leohauses“ zu veranstalten und in der Festrede zu Ehre des Papstjubilars zum Bau zu begeistern.


(aus: die katholischen Missionen, 1888)

Das Leohaus heute:

http://www.leohousenyc.org/