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Sonntag, 1. Januar 2012

Ein Katholikentag der Indianer von North Dakota




(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Vom 11. Bis 15. Juli dieses Jahres fand zu Elbowoods in North Dakota wieder eine Generalversammlung katholischer Indianer statt. Von sechs verschiedenen Stämmen, die früher als unversöhnliche Feinde sich auf Leben und Tod bekämpft hatten, waren Vertreter erschienen.
Da sah man die stattlichen Sioux, die gefürchteten Chippewas und Assineboines als friedliche Gäste unter den Bewohnern der Elbowoods-Reservation, den einst so berühmten Dickbäuchen, den Arickarees und Mandan. Rings um die Mission war das Lager der Indianer errichtet, es mochten wohl 200 Zelte sein. Neben echte „Teepees“ konnte man viele ganz moderne Zelte erblicken. In der Mitte war eine große Versammmlungshalle aufgeschlagen, die über 1000 Personen fassen konnte.

Hier wurde am Sonntag ein feierliches Pontifikalamt gehalten und die Firmung gespendet. Es war ein überwältigender Anblick. Da knieten auf bloßer Erde die Rothäute in ihren malerischen Trachten, Hunderte und aber Hunderte an Zahl.
Andächtig hatten sie die Blicke auf den Altar gerichtet, und wie Wettersturm erklangen die Lieder aus ihren rauen Kehlen in ihren schönen Indianersprachen. Und als sich endlich fast alle erhoben, müde Greise, Krieger, Frauen und Kinder, und ehrfurchtsvoll zur Kommunionbank schritten, da waren die Weißen, die der Feier beiwohnten, in innerster Seele ergriffen.

Der gleiche tiefreligiöse Ernst beherrschte auch alle Versammlungen des Kongresses. In sämtlichen Reden war der Grundgedanke: das Glück, katholisch zu sein, und der Wille, den heidnischen Stammesgenossen den katholischen Glauben zu bringen.
Der Indianer ist ein geborener Redner. Auch in diesem Jahre wurden treffliche Ansprachen von den Rothäuten gehalten. Ignatius Court, ein Vollblutindianer, der angesehenste Mitarbeiter an der einzigen katholischen Sioux-Zeitung, schloss mit den Worten: „Wie die Bienen auf den Feldern den Honig sammeln und ihn dann eiligst nach allen Himmelsrichtungen heimtragen, so sollen wir diesen Kongress verlassen. Das Heilige, was wir hier aufgenommen haben, müssen wir nun in die verschiedenen Reservationen mitnehmen und für unser ganzes Leben bewahren.“

Besonderen Eindruck machte die Rede des alte Siouxhäuptlings John Grass ; er gehörte dereinst zu den berühmtesten Führern der Indianer und hat, wie er selber erzählte, manchem Bleichgesicht den Skalp genommen, nie aber hat er nach seinem treuherzigen Geständnis einen Schwarzrock
(d. h. einen Priester) berührt, da der Schwarzrock stets der Freund des roten Mannes gewesen sei
In seiner Rede legte er öffentlich ein herrliches Glaubensbekenntnis ab: 
„Der Bischof hat uns gesagt, dass bei der Firmung das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn und in die Seele gedrückt wird. Schämt euch daher nie, durch das Kreuzzeichen euren katholischen Glauben zu bekennen. Macht es nicht wie manche Weißen, die zu Hause katholisch leben, aber fern der Heimat den Glauben verbergen.“ 
Dann gab er seinen Landsleuten eindringliche Ermahnungen, zu beten, die Messe oft zu hören und die Sakramente zu empfangen, und ständig Gott zu danken, dass er sie aus der Torheit des Heidentums zur wahren Kirche berufen haben.

Nach ihm sprach der Indianer Hieronymus Cottonwood. In origineller Weise führte er den Gedanken aus, dass der Heiland seine roten Söhne noch lieber haben müsse als die Weißen, denn nicht die Indianer, sondern Weiße hätten ihn ans Kreuz geschlagen.
Dann redete er von Versuchungen und betonte scharf die Notwendigkeit, den Willen zu stählen gegen Verführung und Anfechtung. Seine ernste Sprache und der edle Gesichtsausdruck zeigten überzeugend, dass er aus eigener tiefster Seelenerfahrung sprach.

Ergreifende Missionsreden hielten der Häuptling Good Bear von Elbowoods und James Garfield aus Montana. Ersterer zeichnete die Lage seiner Leute vor der Ankunft der Glaubensboten und entwarf ein Bild von der Tätigkeit der Priester. In rührender Weise dankte er zuletzt im Namen seines Volkes den Patres und Schwestern für alles, was sie den Indianern in langer, harter Arbeit getan haben.
James Garfield bot ein trauriges Gegenstück zu dieser Schilderung. Er erzählte, wie sein Stamm, die Assineboines, die größten Opfer gebracht hätten, um den katholischen Glauben zu erlangen, wie sie umsonst um einen Priester bäten und sich in ihrem selbsterbauten Kirchlein allein versammeln müssten. Nur selten könne ein Priester zu ihnen kommen, und dieser verstände die Sprache des Stammes nicht. 
Dann bat er inständig, dass die katholischen Indianer ihren nächsten Kongress in seiner Heimat abhalten möchten, damit seine katholischen Landsleute gestärkt und die Heiden zum Anschluss an die Kirche angetrieben würden.

Der Katholikentag zeigte aufs Neue, wie tief der Indianer die katholische Religion erfasst, und, wie ernst er sie ins Leben umsetzt. Umso bedauerlicher ist es, dass von katholischer Seite nur so wenig für das arme Volk geschehen kann. 
In North Dakota, innerhalb der Diözesen Fargo und Bismarck, liegen vier bedeutende Indianerreservationen; mit Ausnahme von einer werden alle durch Benediktiner verschiedener Abteien — vor allem von Richardton — versehen. Die meisten Patres sind in der Sorge für die Rothäute alt geworden und durch die Beschwerden der harten Arbeit gebrochen. Dazu hat der Tod traurige Lücken in die Reihen dieser ehrwürdigen Veteranen gerissen. Neue Kräfte sind nur spärlich nachgerückt.
Zum Mangel an Kräften kommen andere Schwierigkeiten. In wenigen Jahren werden weiße Leute überall zwischen den Indianern wohnen, und die Indianer als volle amerikanische Bürger betrachtet werden. 
So werden sie entweder unter den weißen Leuten aufgehen oder von denselben aufgerieben werden.
Diese Übergangsperiode, in der sie gegenwärtig sind, hat ihre großen Gefahren. Sie sehen den Unglauben und die losen Sitten mancher Weißen und sind versucht, deren Laster anzunehmen. Gerade deswegen ist es ungemein wichtig, dass erfahrene und seeleneifrige Missionäre sie leiten und beschützen. Anderseits hat die Missionierung unter solchen Umständen sehr wenig Anziehendes. Fast möchte man sagen, der einzige Erfolg wird sein, eine sterbende Nation auf den Tod vorzubereiten.

Meine Diözese ist ein doppeltes Missionsland. Im Jahre 1876, als die Bekehrungsarbeit unter den Indianern einsetzte, gab es in der jetzigen Diözese Bismarck kaum 200 katholischen Weiße, jetzt über 30.000, alles Einwanderer. 
Es fehlt an Geistlichen nicht nur für die Indianer, sondern auch für die Weißen. Die Abtei Richardton ist die Anstalt, welche Priester für beide stellen soll. Vorläufig kommen nur Ordensleute für die schwierige Arbeit in Betracht. 
Möchten doch katholische Jünglinge sich zahlreich unserer Abtei anschließen, um mit Gottes Beistand die Missionsarbeit fortzusetzen bei den Indianern und Einwanderern.


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