Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Samstag, 14. April 2012

Neuer Name (gemäß Can. 216)


Liebe Leser,

der Name dieses Blogs wurde etwas geändert, um den Bestimmungen von Canon 216 CIC genüge zu tun, worin es Laien nicht erlaubt ist, den Namen "katholisch" oder "katholisches" ohne Erlaubnis der kirchlichen Autoritäten zu führen.
Leider ist dies bei meinem Blog nicht der Fall, deswegen die Namensänderung von "Die katholischen Missionen" in "die auswärtigen Missionen". Der URL ist www.die-missionen.blogspot.com .

Da ich mich als Katholik natürlich den kirchlichen Vorschriften unterwerfen möchte, halte  ich diese Änderung für unumgänglich. 
Inhaltlich bleibt alles beim Alten. Bitte ändern Sie Ihr Lesezeichen, oder legen Sie schleunigst eines an, wenn sie das noch nicht getan haben ;-) !

Freitag, 13. April 2012

Unsere Liebe Frau von Las Lajas



Basilika von Las Lajas
Ein in Europa kaum bekannter Wallfahrtsort ist Las Lajas in der kolumbianischen Diözese Pasto, in der Anfang des 20. Jahrhunderts ein Heiliger der Oberhirt war. Seit dem 18. Jahrhundert wird dort die allerseligste Jungfrau unter dem Namen Virgen de Las Lajas verehrt.
Der Hintergrund dieser Verehrung ist die wunderbare Heilung eines taubstummen Mädchens, das wenig später auch noch von den Toten erweckt wurde!
Die Indianerin Maria Mueses de Quinones war mit ihrer Tochter Rosa, die taubstumm geboren wurde, auf dem Weg von Potosi nach Ipiales, einer Strecke von etwa 10 Kilometern. Der Weg führt durch eine tiefe Schlucht, die wegen der hohen Felswände den Namen Las Lajas, d.h. die Steinplatten, trägt.
Dort befindet sich eine Höhle, in der nach der heidnischen Sage, die damals noch viele Indianer glaubten, der Teufel wohnte. Als Maria an dieser Stelle vorbei kam, fühlte sie eine große Müdigkeit und rastete dort kurz in dieser Höhle, allerdings ganz in der Nähe des Eingangs, weil sie den vermeintlichen Bewohner fürchtete. Auf einmal führte sie eine Berührung an ihrer Schulter, als ob sie jemand ermutigen wollte, in die Höhle zu kommen. Erschrocken sprang sie auf und ergriff die Flucht.
Einige Zeit später kam sie erneut an der Höhle vorbei und machte an der Stelle halt, ging diesmal aber aus Furcht nicht hinein. Ihre Tochter Rosa spielte in der Nähe der Höhle. Plötzlich rief das ehemals taubstumme Mädchen: „Mama, Mama, da ist eine Frau mit einem Kind auf dem Arm!“. Maria schaute selbst nicht hin, sondern nahm ihre Tochter und ging. Sie erzählte die Begebenheit weiter, doch anfangs glaubte ihr niemand. Nach und nach hielten viele die Geschichte allerdings doch für wahr, da Rosa nun offensichtlich sprechen konnte.
Eines Tages war Rosa nirgendwo zu finden, und ihre Mutter fing an, sich Sorgen zu machen. Sie erinnerte sich, dass Rosa oft gesagt hatte, dass die Frau sie rufe, und machte sich auf den Weg zur Höhle. Dort fand sie Rosa kniend vor einer wunderschönen Frau und spielten mit deren Kind.
Um sich nicht erneut dem Spott der Menschen auszusetzen, erzählte Maria dieses Ereignis nicht weiter. Etwas später wurde Rosa krank und starb. Vor lauter Trauer nahm Maria den Leichnam des Kindes zu der Höhle, um die allerseligste Jungfrau zu bitten, das Kind von den Toten aufzuerwecken.
Ihre Gebete wurden erhört! Schnell sprach sich das Wunder herum, und als eine große Menge von Menschen sich in der Höhle versammelte, sahen sie an der Höhlenwand ein Bild der Muttergottes mit dem Jesuskind, zur Linken der hl. Dominikus, der von Maria den Rosenkranz empfängt, zur Rechten der hl. Franziskus, dem das Jesuskind den Strick zum franziskanischen Ordensgewand reicht.

Die Muttergottes mit dem Jesuskind, links St. Dominikus, rechts St. Franziskus
Auf natürliche Weise lässt sich die Herkunft des Bildes nicht erklären. Deutsche Geologen haben das Bild von Las Lajas untersucht. Als sie keine Pigmente feststellen konnten, haben sie kleine Bohrungen vorgenommen und fanden heraus, dass das Bild und alle Farben bis zu 1,2 m tief in den Felsen eindringen!
Erneut untermauert die Wissenschaft, die in unseren glaubensfernen Zeiten so oft zur Leugnung Gottes missbraucht wird, die Wahrheit des katholischen Glaubens.


Unsere Liebe Frau von Las Lajas, bitte für uns!

Montag, 9. April 2012

Fische aus dem See Genezareth


Sel. Papst Pius IX.


Die Zeitschrift „Jerusalem“ bringt in einer ihrer letzten Nummern eine hübsche Anekdote aus dem Pontifikat Pius‘ IX.
Erzbischof Spaccapietra von Smyrna hatte als Apostol. Präfekt die Gegend am See Genezareth zu verwalten. Gern hätte er ein altehrwürdiges, verfallenes Heiligtum wiederhergestellt, das an der Stelle erbaut war, wo Christus Petrus zum Oberhaupt der Kirche erhoben hatte. Aber die Mittel dazu fehlten.
Da ließ er sich einige kleine Fische aus dem See Genezareth fangen, setzte sie in Spiritus und nahm sie mit nach Rom.
In der Audienz erzählte er dem Heiligen Vater von seinem Herzenswunsch, suchte ihm auch klar zu machen, welche Bedeutung dieses Erinnerungsmal der Einsetzung des Papsttums für den Papst habe, und klagte ihm dann seine Geldnot.
„Ja“, meinte Pius IX. scherzend
, „liegt nicht ganz in der Nähe diese Stelle, wo der Herr einst durch ein Wunder den Fisch mit dem Goldstück im Munde fangen ließ, damit Petrus die Steuer entrichte? Machen Sie es ihm doch nach, und die Kapelle ist bald bezahlt.“
„Heiliger Vater“, erwiderte der Erzbischof, „das habe ich versucht; ich habe Fische im See gefangen, aber kein Gold darin finden können.
Aber Ew. Heiligkeit ist der Nachfolger Petri und der Stellvertreter Christi. Ihnen muss da Wunder gelingen.“ Damit überreichte er ihm das Glas mit den Fischen, das er bisher unter dem Mantel verborgen gehalten hatte.
Pius musste herzlich über diese Schlagfertigkeit lachen, öffnete eine Lade und gab ihm so viele Dukaten, als Fische in dem Glas waren. — Das „Wunder“ war gewirkt.

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Sonntag, 8. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 3)


Der Zweck des Vereins war, recht brave Christen zu bilden, und er hat ihn erreicht. Die Zeit ist nicht mehr, wo P. Fiorovich in den Straßen umherging und in seiner Art jenes Wort des Erlösers: Compelle intrare! erfüllte.
Nein, heute zählen sie dort nach Tausenden, die wahrhaft christlichen Männerherzen, die unter einem armen Arbeiterkleid schlagen. Zu Tausenden ist auf diesem Weg „das Reich Gottes gekommen.“ Sie legen auch mitten im Elend wahre christliche Ergebung an den Tag. Einmal ging ein Priester mit P. Fiorovich spazieren.
Da blieb plötzlich ein groß und stark gebauter Mann bei ihnen stehen. Derselbe war blind und tastete mit seinem Stock, um den Weg zu finden, hatte aber den Pater an seiner Gangart erkannt. „Abuna (Pater)!“ rief er sofort, grüßte freundlich und suchte nach der Hand des Paters, um sie zu küssen.
Nachher teilte dieser seinem Begleiter die Geschichte des unglücklichen Mannes mit. „Er beichtete seit 16 Jahren alle acht Tage. Nun wurde er an einem Tag, ohne zuvor das mindeste Anzeichen zu gewahren, vollständig blind.
Er ist Familienvater, hat gar keinen Verdienst, erblindet mit 40 Jahren, in der Vollkraft des Mannesalters,  und muss sich oft zu Bett legen, ohne auch nur ein Stück Brot gegessen zu haben. Dieser Mann nun — sollte man es für möglich halten? — hat nie gegen die göttliche Vorsehung gemurrt, nie geklagt: ‚Mein Gott, warum hast du mich in solches Elend kommen lassen!‘ was doch so nahe läge; sondern er trägt sein Kreuz mit Geduld, ja mit Freude.“ — Ein anderes Beispiel einer gründlichen Bekehrung ist folgendes.
Ein verkommener Mensch, der im Libanon das Räuberhandwerk professionsmäßig betrieben, hatte sich in Beirut bei den Exerzitienvorträgen von P. Fiorovich ernstlich gebessert. Als Buße für sein schlechtes Vorleben machte er es sich zur Pflicht, in der Gegend, die er selbst seiner Zeit unsicher gemacht hat, Wache zu stehen.
Und er hielt Wort: 20 Jahre lang durchwachte er die Nacht und stand auf der Lauer gegen die Überfälle der beutesüchtigen Drusen, deren Dörfer in der Nähe sind.
In der Frühe schlief er ein wenig, und den Tag über brachte er lange Zeit kniend im Gebet in der Kirche zu.
Zum Essen begnügte er sich mit etwas Brot, das er von Tür zu Tür bettelte. Sein Andenken ist jetzt noch nach seinem Tod in jener Gegend gesegnet.
Schließlich müssen wir noch der trefflichen Musikbande der Kongregation gedenken, die 20 geübte Musikanten zählt. Sie ist nach europäischem Muster eingerichtet, war aber ursprünglich ein echt orientalisches Orchester, aus Pfeifen, Tamburinen, Cymbeln, Halbmonden und Tamtams bestehend.
In dieser ursprünglichen Form tritt sie jetzt nur noch bei Prozessionen auf, rächt sich dann aber auch dafür, dass sie sonst in den Hintergrund treten muss. Die Leistungen dieser Kapelle finden in Beirut großen Anklang.
Am Sonntagabend hat dieselbe auch bei den Versammlungen den gemeinsamen Gesang zu begleiten. Es sind ganz arabische Singweisen, gegen Ende immer schneller und schneller, um mit einem Mal zu verstummen.
Dann ertönt die Stimme des Priesters, der nach morgenländischem Gebrauch mit dem Bild U.L. Frau von den sieben Schmerzen den Segen gibt, indem er in der Landessprache in feierlicher Tonart singt:
„Durch die Fürbitte der Mutter der Schmerzen segne euch Gott der Vater“ — alle antworten: „Amen!“ — „und der Sohn“ — „Amen!“ — „und der Heilige Geist“ — „Amen!“
Das ist die große Arbeiterkongregation von Beirut, von deren segensreichen Früchten ganz Syrien Zeuge ist.
Was wäre aus vielen dieser jetzt musterhaften katholischen Männer inmitten all der Gefahren für den Glauben und die Sitten geworden, wenn sie nicht seit bald 30 Jahren ihre segensreiche Wirksamkeit entfaltet hätte!
Ehre darum ihrem seeleneifrigen Gründer! Ehre allen, deren Gaben ihn, da seine Kongreganisten durchwegs persönlich arm sind, in Stand setzen, die Vereinskosten zu bestreiten, und Ehre endlich jedem Priester, der sich so der armen Arbeiter annehmen will!

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Samstag, 7. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 2)

Der von dem eifrigen Missionar ins Leben gerufenen Verein erhielt den Titel „Kongregation U.L. Frau von den sieben Schmerzen“. Schon nach zwei Jahren zählte er mehr denn tausend Teilnehmer und wuchs fortan von Jahr zu Jahr.
Ein guter Teil dieser armen Bevölkerung bleibt nur einige Monate in Beirut, um dann anderswo ihr Brot zu suchen oder in die heimatlichen Gebirgsdörfer zurückzukehren. Aber neue Ankömmlinge treten an deren Stelle, sodass jedes Mal bei den Exerzitien ungefähr dieselbe Anzahl neuer Zuhörer und ein gleich fruchtbarer Erfolg zu verzeichnen sind.
Es ist gleichsam eine fortwährende Volksmission an festem Posten. „Gott allein“, bezeugt der unermüdliche Präses der Kongregation, „ist die Unzahl der Bekehrungen bekannt, welche die Gnade in den 25 Jahren, seit denen diese geistlichen Übungen regelmäßig statthaben, vollbrachte.“
Als P. Fiorovich zum ersten Mal vor seiner Zuhörerschaft auftrat, wusste er von der so ungemein wörterreichen und schweren arabischen Sprache nur etwa 200 Wörter. Darum stellte er während seines Vortrags einen guten befreundeten Katholiken, Herrn Nicolaus Comaty, hinter sich, der im Falle der Not den richtigen Ausdruck oder das erforderliche Satzglied einflüstern musste.
Der Hauptmissstand bei diesem System war der, dass der Souffleur zuweilen fehlte. An einem solchen Tag geschah es nun einmal, dass der Pater die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers erzählen wollte. Das arabische Wort für Enthauptung wusste er nicht. Was war zu tun? Ohne sich daran zu stören, half er durch einen Gestus nach, der, was er sagen wollte, veranschaulichte. Jedermann verstand ihn, und er bemerkte nicht einmal ein Lächeln bei den Anwesenden.
Natürlich ist der Volksdialekt die einzige Sprache, die in dieser Arbeiterkongregation verstanden wird; auch ihr Direktor spricht keine andere. Die Kraft seiner Beredsamkeit besteht darin, dass er von Herzen zu Herzen spricht. Eines Tages wurde ein anderer junger Pater, der sehr gewandt arabisch sprach, zu einem Vortrag in diesem Verein eingeladen. Sein Stil war rein und fließend.
Nach der Versammlung wollte sich einer von dem Eindruck auf das Volk vergewissern und wandte sich daher an einen Handwerker: „Nicht wahr, heute habt ihr einen schöne Predigt gehört?“ — „Das schon,“ war die Antwort, „aber es war nahhu (Schriftsprache), ich habe es nicht gut verstanden.“ —„Verstehst du den P. Fiorovich?“ — „Ganz gut.“ — „Predigt der gut?“ — „Ja, ja, er predigt besser, als die anderen, er liebt uns Arbeiter eben.“ In der Tat hängt derselbe mit ganzem Herzen an „seinen Kinder“, wie er die Arbeiter nennt.
Aber sie hängen auch an ihm und nehmen von ihm alles, auch eine ernste Warnung, einen öffentlichen Tadel, ein hartes Wort gut auf.
Die Beiruter Arbeiterkongregation hat auch dazu beigetragen, im Orient die Wallfahrten zu den heiligen Orten einzuführen. Unglaublicherweise gingen aus Syrien, das den Toren Jerusalems doch so nahe ist, nur sehr selten Pilger dorthin. P. Fiorovich musste erst den Anstoß geben, indem er alljährlich mit 50-60 Männern die Hauptheiligtümer Palästinas besuchte.
In der heiligen Stadt begaben sich die Beiruter ins Franziskanerkloster zu Casa Nova zu zweitägigen Exerzitien. Dann pilgerte man zu allen heiligen Stätten Jerusalems und der Umgegend, machte öffentlich den Kreuzweg, kam nach Bethlehem und Hebron. Die meisten empfingen während der 18tägigen Wallfahrt täglich die heilige Kommunion.
Auf dem Weg gingen sie in Ordnung zu zwei und zwei und sangen laut auf Arabisch die Litanei vom göttlichen Herzen und die der allerseligsten Jungfrau. „Das ist die Kongregation, das ist P. Fiorovich!“ hieß es, wo die Männer, hinter dem reitenden Pater einhergehend, vorbeikamen, und alles eilte herzu, den frommen Zug zu sehen.

Fortsetzung folgt

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 1)



Unter den Männern aus dem niedrigen Volk hat P. Fiorovich S.J. seit langen Jahren ein Werk ins Leben gerufen, das ein ganz besonderes Interesse bietet. Wir meinen die in der ganzen Levante berühmt gewordene Männerkongregation von Beirut.
Diese zeigte uns klar, was besonnene , aber begeisterte Hingabe an eine Sache zuwege bringt, und ist nicht minder geeignet, jenen, die in christkatholischem Sinn an der Lösung der sozialen Frage arbeiten wollen, gute Winke an die Hand zu geben, sowie dieselben zu standhafter Ausdauer und zum Vertrauen auf die gute Sache zu begeistern.
In den 26 Jahren ihres Bestandes hat diese Kongregation mehr als 10.000 Mitglieder aufgenommen. Viele davon haben sich in den syrischen Küstenstädten zerstreut und dort zu ähnlichen Vereinen zusammengetan; so ist das Werk von Beirut zum Grundstock und Vorbild mehrerer anderen geworden.
Bekanntlich ist Beirut seit 1860 der Handelsmittelpunkt Syriens.
Christen aus den niedrigsten Ständen strömten dahin, um dort Sicherheit und Lebensunterhalt zu finden. Lassen wir uns den Beginn seines Unternehmens von P. Fiorovich selber erzählen.


 „Im Anfang der sechziger Jahre waren hier nur wenige eingeborene Priester, und diese waren nicht sehr seeleneifrig. Die Männer aus den unteren Volksschichten waren fast nur dem Namen nach Christen; denn sie kannten häufig nicht einmal die Grundwahrheiten des Katechismus, manche wussten auf meine Frage, ob es nur Einen Gott gebe oder ob man drei oder vier Götter anbeten müsse, keine Antwort.
Da beschloss ich dann im Jahr 1863, für diese verlassenen Armen eine Kongregation zu gründen.
Zu diesem Ende begann ich die Straßen und öffentlichen Plätze zu durchlaufen: ich betrat die Bazare, ging von einer Krämerbude zur anderen und lud die Kleinhändler, die Lastträger, die Matrosen freundlich ein, in unsere Kapelle zu kommen.
Nach all diesen Bemühungen, denen ich mich unausgesetzt drei Wochen unterzog, fanden sich zur ersten Versammlung vier Männer ein, acht Tage darauf sieben. Kurz, der Erfolg war nicht glänzend.
Da verfiel ich auf den Gedanken, bei unseren Patres kleine Devotionalien zu sammeln und am Sonntag eine kleine Lotterie zu veranstalten. Nach der Versammlung fand die Ziehung im Hof unseres Hauses statt.
Fast auf alle Anwesenden fiel ein Gewinn, sei es ein Skapulier oder ein Bildchen oder eine Medaille. Das zog nun mehr Leute an.
Die, welche sich in die geplante Kongregation aufnehmen ließen, erhielten ein Skapulier gegen das Versprechen, bei den Versammlungen zu erscheinen; außerdem wurde ihnen die Gelegenheit, in der Lotterie etwas zu gewinnen, nicht benommen. Bald musste ich natürlich dieses Verfahren aufgeben: ich hatte nichts mehr zu verschenken, und überdies hatten sich schon 100 Männer einschreiben lassen, eine genügende Anzahl, um das Werk jetzt mit allem Ernst in Angriff zu nehmen.
Vor allem tat den Männer Religionsunterricht und ein gründlicher Wandel in den Sitten not.
Eine Woche lang hielt ich jeden Abend eine Art Exerzitienvortrag, in welchem ich die ewigen Wahrheiten und dann auch die Notwendigkeit einer guten Beichte betonte.
Das letztere war mir die Hauptsache; doch ließ ich anfangs davon kein Wort verlauten, um niemand abzuschrecken; ich rechnete auf die Wirksamkeit der Gnade Gottes, welche die Herzen dazu stimmen, und vorbereiten musste, und fand mich nicht getäuscht: die guten Männer kamen zahlreich zum Beichtstuhl.
Allen, die sich dem heiligen Bußgericht nahten, gab ich über dieses Sakrament einen besonderen Unterricht, und ich hörte ihr Sündenbekenntnis nur an, wenn sie zu einer vollständigen Beicht aller Todsünden und zu einer aufrichtigen Reue bereit waren.
Dann half ich aber auf jede Wiese nach, durch Fragen und durch Ermutigung.
Damit noch nicht zufrieden, forderte wenn einer seine Generalbeicht vollendet und die Lossprechung erhalten hatte, denselben auf, mir einen Sünder wie er zuzuführen; ‚je größer er ist‘, fügte ich wie scherzend bei, ‚umso größere Freude bereiten Sie mir‘, und bald kam er freudenstrahlend mit einem verlorenen Schäfchen zurück, wofür ich ihn dann mit irgend einem kleinen Andachtsgegenstand belohnte.
Einer meiner ersten Pönitenten brachte mir sogar 16 nacheinander. So stellten sich mir dann selbst Renegaten, die den Islam angenommen, Straßenräuber und offenkundige Mörder und taten Buße.“

Fortsetzung folgt...
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Freitag, 6. April 2012

Wirksamkeit der spanischen Jesuiten in den Gefängnissen und unter der verwahrlosten Jugend in Buenos Aires


Mariano Antonio Espinosa, Erzbischof von Buenos Aires von 1900-1923, vorher Weihbischof

In einem Brief von Buenos Aires heißt es: „Jedes Jahr halten die Patres in dem Gefängnis der Stadt eine Mission, die fünf oder sechs Tage lang dauert. Noch nie aber hat dieselbe so großen Segen gestiftet als in diesem Jahr. Um das, was ich erzählen will, besser zu verstehen, muss man wissen, dass dieses große Babel (Buenos Aires), das nur Vergnügen und Handel atmet, zugleich die große Gosse aller Nationen Europas ist. Man kann sich daher denken, welche Gefangenen sich in diesem Kerker befinden.
Während des gegenwärtigen Jahres unterrichtete ich regelmäßig die ‚Minderjährigen‘. Es sind dies herumirrende, nachts von der Polizei auf den Straßen gesammelte Kinder, welche ihre Eltern niemals kennengelernt haben.
Sie wissen auch weder ihren Geburtsort noch die Stadt oder Gegend, wo ihre Eltern leben. Arme Kinder! Welche große Barmherzigkeit und Liebe flößen sie mir ein, so oft ich ihnen predige! Groß ist ihre Aufmerksamkeit, dass ihnen ja kein einziges Wort verloren gehe.
Dennoch wünschte ich sie öfter und einzeln besuchen zu können, weil ich ganz überzeugt bin, dass ein Vortrag am Sonntag nicht für einen guten religiösen Unterricht genügt. Man wird mir dies leicht glauben, wenn ich sage, dass man unter ihnen — trotz ihres jugendlichen Alters — Diebe von 100.000 Mark, Mörder und Gesindel aller Arten findet.
Doch kehren wir zur Mission zurück.Die einzigen Gefangenen, welche etwas von Religion wissen, sind die sog. penados, d.h. alte Bewohner des Hauses, die schon viele Jahre lang jeden Sonntag das Wort Gottes gehört haben.
Hunderte von anderen Gefangenen aber kommen und gehen alle Monate, und diese können tatsächlich sagen: Nec, si Spiritus Sanctus sit, audivimus (wir haben auch nicht gehört, dass es einen Heiligen Geist gebe). Um dieser Unwissenheit abzuhelfen, wurden während der Mission sehr viele kleine Katechismen unter sie verteilt.
„Es stand jedem frei, der Mission beizuwohnen; kein einziger aber von den tausend oder mehr Gefangenen fehlte auch nur einen Tag. So aufmerksam lauschten sie der Predigt des Missionärs, dass man das Summen einer Mücke hätte hören können.
Wo aber das göttliche Herz seine allmächtige Güte besonders offenbarte, das war bei den Beichten, die in den letzten Tagen stattfanden. Sieben Patres aus dem hiesigen Kolleg kamen, um die Beichten zu hören, auch aus anderen Häusern und Klöstern halfen einige.
Sechshundert wenigstens legten unseren Patres ihre Beichten ab, und mit welcher Reue, mit welchem Schmerz, mit welchen Tränen! Fast alle verließen den Beichtstuhl weinend wie Kinder.
Die Minderzahl hatte seit 10 und 12 Jahren, die meisten seit 20, 30 Jahren nicht mehr gebeichtet; einige niemals im ganzen Leben.
Die meisten haben niemals gebetet und wissen gar kein Gebet; deswegen bestand die Buße darin, dass sie das Stoßgebet ‚Süßes Herz Jesu, erbarme dich meiner!‘ oder andere ähnliche sechzig- oder achtzigmal wiederholen mussten. Einem von jenen Sündern gab ein Pater als Buße auf, sechzigmal andächtig das Stoßgebet zu sprechen: ‚Herr, erbarme dich dieses armen Sünders.‘ Als er sich bitter weinend erhob, meinte er: ‚Pater, diese Worte muss ich allen, die ich treffen, sagen; nicht wahr?‘
Einige der Knaben wollten anfangs nur zum Spaß beichten.
Da zeigte ihnen ein politischer Gefangener vom vorigen Aufruhr her — alle hauptsächlichen Teilnehmer desselben sind nämlich hier eingekerkert worden — die Hässlichkeit ihres Vorhabens und ermahnte sie dann sehr, ernstlich zu beichten, was sie auch getan haben.
Er wiederholte darauf mit ihnen den Unterricht des Paters und führte ihnen denselben weiter aus; kurz, dieser Mann war während der Mission ein wahrer Apostel.
Der hochw. Bischof Espinosa, der uns sehr gewogen ist, feierte selbst vor den Gefangenen die heilige Messe und bereitete während derselben die Herzen mit einem inbrünstigen Kommunionunterricht vor.
Mehr als 500 Personen kommunizierten, und zwar mit solchem Eifer und so viel Tränen, dass der hochw. Bischof voll des Trostes fortging, indem er sagte, nie hätte er bei Menschen von so verdorbenem Gewissen so etwas für möglich gehalten, wenn er es nicht selbst gesehen hätte.
Und noch hätten mehr als hundert andere die heilige Kommunion empfangen, wenn nicht die Wärter das Frühstück, sei es aus Unwissenheit oder Unaufmerksamkeit, ihnen zu früh auf ihre Zellen gebracht hätten. Diejenigen, welche deshalb den Leib des Herrn nicht empfangen konnten, baten jedoch, dass ihnen diese große Gnade am folgenden Tag zu teil werde.
Bald nach der heiligen Messe spendete der hochw. Bischof den Gefangenen das Sakrament der Firmung.
Der oben erwähnte politische Gefangene diente mit großer Freude bei der Kommunionmesse und machte nachher den Firmpaten meiner Knaben. So verweilten die 1000 Gefangenen in der Kapelle still und andächtig von 7 ½-10 Uhr.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)