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Dienstag, 14. Juni 2016

Nationalkonzil der armenischen Martyrerkirche in Rom (Teil 2)



Fortsetzung von hier

Nach dem Wunsche des Heiligen Vaters sollte die Bischofskonferenz am Feste des heiligen Kreuzes ihren Anfang nehmen. Wohl schon lange nicht mehr sah die altehrwürdige Kirche des heiligen Nikolaus von Tolentino in Rom eine solche Menschenmenge, wie an jenem Morgen des 6. Mai. Die feierliche Pontifikalmesse hielt Mons. Paulus Petrus XIII., Patriarch von Cilizien. Ihm assistierte als Diakon der Kapuziner P. Cyrill von Erzerum, ein geborener Armenier, der das ganze Unglück seines Volkes miterlebt hat, der 30 seiner Verwandten auf grausame Weise hinsterben sah und selbst in wunderbarer Weise zweimal dem Türkenbeile entrann. Die anderen bischöflichen Konferenzteilnehmer hatten ihren Platz im Presbyterium. 

Unvergesslich werden jedem Zuschauer diese altehrwürdigen, hohenpriesterlichen Gestalten bleiben. Gewaltigen Eindruck machte es, als der von der Last der Jahre, Kummer und Sorge gebrochene Erzbischof Petrus Cojunian zum Altare hinaufstieg, um da den brüderlichen Friedenskuss seines Patriarchen zu empfangen. Auf der Evangelienseite des Querschiffes wohnten auf einer Tribüne fünf Purpurträger der heiligen Kirche der Feierlichkeit bei, an ihrer Spitze Kardinal Sincero, Sekretär der Kongregation für die orientalische Kirche. Mächtig wirkte auf alle der erhebende, feierlich schöne Ritus und der einfach schlichte, fast wehmütig stimmende Messgesang der armenischen Seminaristen. 

Nach Schluss der heiligen Handlung bestieg der frühere Apostolische Palastprediger Mons. Pasetto aus dem Kapuzinerorden das Rednerpult. Schon zu Beginn seines Vortrages, als er die ehrwürdigen Priestergreise begrüßte und in ihnen auch all den anderen Bischöfen und Priestern, Schwestern und Laien, die in der letzten Verfolgung um des heiligen Glaubens willen ihr Leben gelassen, den Gruß der heiligen Kirche bieten wollte, standen wohl vielen die Tränen in den Augen. Dann wünschte er der hohen Versammlung Glück und Gottes Segen für ein gedeihliches Arbeiten im Dienste des Herrn „Und Gottes Segen“, sprach er weiter, „wird sicher nicht fehlen, da zum Feste gerade der Maimonat, der Monat unserer lieben Frau, genommen worden. Maria, die hehre Gottesmutter, der der heilige Gregor einst sein erstes Kirchlein in Armenien geweiht, wird sicher ihre Hilfe nicht versagen, die Königin Armeniens, an der Seite ihres Königs, Christus. Das Blut, das um Christi willen Ihre Heimat rot gefärbt hat, wird Unterpfand sein und bleiben für den kommenden Triumph Ihrer Nation. Auch Christus musste sterben am Kreuze, damit das Kreuz durch ihn verherrlicht werde.“


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, 1928)

Donnerstag, 18. Februar 2016

Ein Bild aus besseren Zeiten



Das Bild, das etwa 1908 aufgenommen wurde, zeigt den chaldäischen (= katholisch) Patriarchen Joseph Emmanuel II. Toma mit einem Teil seines Klerus, die sich zu Exerzitien im Kloster Mar Gorguis (St. Georg) versammelt haben. Wahrscheinlich handelt es sich um dasselbe Kloster aus dem 10. Jahrhundert, das letztes Frühjahr von ISIS zerstört wurde


„Da unser Herr Jesus Christus sich herabgelassen hat, die ganze Kirche seinen Leib zu nennen und uns einzeln zu Gliedern voneinander zu machen, so hat er auch uns allen vergönnt, entsprechend der Zusammengehörigkeit der Glieder mit allen in trautem Verhältnis zu stehen. Daher sind wir trotz aller Entfernung dem Orte nach doch einander nahe.“

„Noch ist keiner von uns durch Schläge zerfleischt, noch ist keinem das Haus öffentlich verkauft worden. Wir lebten noch nicht außer Landes, lernten noch kein Gefängnis kennen. Was haben wir schon Schreckliches erlitten? Es müsste etwa nur das schrecklich sein, dass wir noch nichts gelitten und noch nicht der Leiden um Christi willen für wert erachtet wurden.“

– Basilius der Große

Donnerstag, 30. April 2015

„Sie haben das Land zivilisiert“ – Ein Lob für die Karmeliter im Irak

Kirche des lateinischen Ritus in Bagdad
Als einst P. Polykarp, der Direktor des Kollegs [der Karmeliter in Bagdad] im Hafen von Fao landete, kam ein Beamter der Sanitätspolizei an Bord zur Feststellung des Gesundheitszustands. Kaum sah er den Pater, als er auf ihn zueilte und auf Französisch anredete: „Sie sind ein Karmeliter, nicht wahr, und wohl auf dem Weg nach Bagdad?“ Als der Pater ganz erstaunt dies bejahte, erklärte der Beamte: „Ich bin ein alter Zögling des Kollegs in Bagdad. Ich liebe die Patres noch immer wie in meinen jungen Jahren. Wenn ich heute mein Brot habe für mich und meine Familie, so verdanke ich dies ihnen. Es freut mich daher sehr, wenn ich einem der Patres begegne.“ Dabei traten ihm die Tränen in die Augen. „Ich weiß,“ fuhr er fort, „dass viele Leute den lateinischen Missionären gram sind und sie verleumden. Ich habe sie stets verteidigt, denn was die Christen in Bagdad und Basra an Bildung besitzen, verdanken sie ja den Patres. Sie haben das Land zivilisiert.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Freitag, 24. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 2)



Fortsetzung von hier

Ein Höhepunkt der Anmaßung der Schismatiker war die versuchte Übernahme der Kirche St.
Michael in Mahim, einem Vorort von Bombay. Der Pfarrer versuchte mit einigen Gleichgesinnten die Übergabe der Kirche an die goanesische Partei vorzubereiten. Als Bischof Hartmann davon erfuhr, begab er sich zu der Kirche, um sie gemeinsam mit einigen treugebliebenen Gläubigen zu besetzen. Selbst die englische Polizei drängte den Bischof auf Räumung seiner rechtmäßigen Kirche. Bischof Hartmann blieb standhaft und es kam so weit, dass die Schismatiker die Türen zunagelten – der Diener Gottes und 24 treue Katholiken aus der Fischerkaste blieben in der Kirche zurück. Es war Palmsonntag. Als die Belagerer merkten, dass noch ein Fenster halb geöffnet war und die Gefangenen noch einigermaßen Kühlung und frische Luft bekamen und ihnen Helfer von außen Wasser herunterließen, nagelten sie auch dieses zu. Dennoch harrten alle aus, auch wenn die Schismatiker anboten, die herauszulassen, die es wünschten. Durch diese Standhaftigkeit verbittert, wollten sie Bischof Hartmann und seine Getreuen ausräuchern. Doch schließlich kam der englische Regierungsvertreter Confield, der die Türen durch die Polizei öffnen ließ und dieser befahl, die Katholiken zu schützen. Das Schlimmste war ausgestanden und die Karwoche konnte dort regulär begangen werden; dennoch musste von nun an die Kirche Tag und Nacht bewacht werden, um einen neuen Stürmungsversuch von Seiten der Goanesen zu verhindern. Das Ende dieses Konflikts war, dass am 25. Juni 1854 die englische Verwaltung vor Gericht den Schismatikern die Kirche zusprach. Bischof Anastasius konnte als Ersatz eine neue Kirche bauen, deren Grundstein er am 10. Dezember 1854 legte. Am selben Tag ging die Nachricht aus Rom ein, dass er von Papst Pius IX. wegen seiner Verdienste zum päpstlichen Thronassistenten und römischen Graf ernannt wurde.

Aber man würde Msgr. Hartmanns Größe schmälern, wenn man nur die Bekämpfung des goanesischen Schismas betrachten würde. Er stand schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. Seine wirklich franziskanische Lebensweise fand auch Anerkennung bei protestantischen Zeitungen, die die bescheidenen Reisegewohnheiten des Kapuzinerbischofs – er reiste im ungefederten, zweirädrigen Ochsenkarren – mit denen der anglikanischen Würdenträger verglich, die selbstverständlich recht schlecht davon kamen. Wie eifrig er war, sollen nur ein paar Worte aus seiner Lebensregel zeigen: „Ich werde mich ohne Rückhalt dem Heile meiner Herde und der Bekehrung derer widmen, die außerhalb des Weges der Wahrheit sich befinden, und in dieser Absicht werde ich allen Widerstand und alle Gefahren verachten. Ich verlange nichts so sehr, als mein Blut zu diesem Zweck zu vergießen.“

1860 kehrte Bischof Hartmann als Apostolischer Vikar nach Patna zurück und schonte sich ebenso wenig wie zuvor. Auf seinen weitausgedehnten Visitationsreisen (bis zu 800 Meilen in knapp 3 Wochen) blieb er auch nicht von Krankheiten und Verletzungen verschont. Die lange Reisezeit überbrückte er durch Beten. Er war tatsächlich ein großer Beter, der auch in den heißen Mittagsstunden sich nicht schonte und lieber die Zeit in der Kirche vor dem Tabernakel verbrachte. Auch seine Nachtruhe war stark verkürzt: er schlief nur von 0 bis 4 Uhr und opferte oft die restliche Zeit für die monumentale Übersetzung des Neuen Testaments ins Hindi. Später kam auch ein Hindi-Katechismus hinzu.

Bischof Hartmanns Tod kam recht plötzlich, auch wenn er schon zuvor ernste Krankheiten hatte. Er hatte nach einer Erkältung, die er wegen seiner apostolischen Arbeiten nicht auskurierte, Ende April 1866 einen Choleraanfall, knapp ein Jahr nach dem ersten. Dieser aber sollte tödlich verlaufen. Am 24. April ließ er sich von seinem Sekretär P. Anton Maria O.F.M. Cap. mit großer Andacht die Sakramente spenden und verstarb am Abend. Es war das Fest seines Ordensbruders, des heiligen Märtyrers Fidelis von Sigmaringen, der sein Leben für die kirchliche Einheit ließ. In dem letzten von ihm gegründeten Kloster der Englischen Fräulein, etwa drei Wegstunden entfernt, läutete am selben Abend die Klosterglocke von selbst, ohne dass die Schwestern überhaupt von dem Tod ihres Bischofs erfahren hatten. Die Totenfeierlichkeiten fanden größte Anteilnahme in Patna. Es brauchte beim Requiem vier Missionäre, bis schließlich das Dies irae zu Ende gesungen werden konnte. P. Paolo Tosi, Bischof Anastasius Hartmanns Nachfolger, der den Bischof sehr liebte, war der einzige der vier, dessen Stimme nicht vor Weinen versagte. Der Diener Gottes fand seine letzte Ruhestätte in seiner Kathedrale. Bereits seit 1906 ist sein Seligsprechungsprozess eröffnet. Er wird als einer der bedeutendsten Missionsbischöfe der Neuzeit betrachtet.



(Quellen: die katholischen Missionen, 1875, die Weltmission der katholischen Kirche, 1927, Nr. 9/10, Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1926)

Mittwoch, 22. April 2015

Große Missionsbischöfe: der „Hammer der Schismatiker“ – ehrw. Anastasius Hartmann O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Patna und Bombay, päpstlicher Thronassistent und römischer Graf (Teil 1)




Alois Hartmann wurde am 24. Februar 1803 in Altwis im Kanton Luzern geboren und zeichnete sich schon als Kind durch große Frömmigkeit aus. Sein Streben nach dem Priestertum drückte er als Junge mit den Worten aus: „Wenn ich einmal Priester bin, habe ich alles, was ich wünsche.“ Auf sein Drängen ließ ihn sein Vater schließlich den nötigen Unterricht nehmen, woraufhin er am 13. November 1821 ins Kapuzinernoviziat eintrat und den Ordensnamen „Anastasius“ annahm. Nach einer Zeit als Professor und religiöser Schriftsteller wurde P. Hartmann verließ er 1843 Rom in Richtung Indien.

In der Stadt Gwalior übernahm er, nachdem er einige Monate zum Sprachstudium in Agra verbracht hatte, zwei Pfarreien, die alles andere als einfach waren, da er bereits dort mit den Auswüchsen des goanesischen Schismas in Berührung kam, dessen Bekämpfung ihm später den Titel „Hammer der Schismatiker“ einbringen sollte.

Aufgrund einer Gebietsteilung wurde der Diener Gottes bereits am 15. März 1846 zum Apostolischen Vikar von Patna geweiht. Der neue Posten sollte nicht einfacher werden. Bischof Hartmann sagte, als er die Dürftigkeit seines neuen Sprengels sah: „beim Anblick solcher Verödung und solcher Entblößung vom Nötigsten begann ich zu weinen wie ein Kind.“ Doch er ließ sich nicht entmutigen und begann, für seinen Sprengel, der fast so groß war wie das Deutsche Reich und 37 Millionen Heiden umfasste, eine Spendensammlung in Europa. Selbst seinen neuen bischöflichen Ornat verkaufte er wieder, als er sah, dass dieser Kauf allein die ganzen Jahresspenden des Glaubensvereins von Lyon aufzehren würde. Dennoch reichte das Geld nicht im Geringsten. „Ich muss mich entlehnter oder zerrissener Ornamente bedienen. Ich habe nicht einmal eine Monstranz oder ein Ziborium. Unsere christliche Jugend ist leider in Mitte dieser heidnischen und mohammedanischen Bevölkerung sich selbst überlassen und geht so einem fast sicheren Verderben entgegen. Alles das zerreißt mir das Herz und stimmt mich traurig bis zum Tod.“ Diesen letzten Missstand bekämpfte er durch Gründung von Schulen und Waisenhäusern, die Ordensschwestern übergeben wurden. Auch sonst war er unermüdlich tätig, entweder auf Visitationsreisen, bei der Seelsorge der irischen Soldaten vor Ort, oder hinter dem Schreibtisch, wenn er in zahlreichen Briefen Gläubigen zusprach oder einen abtrünnigen Geistlichen durch seine väterliche Güte zurückrufen wollte.

Plötzlich erging am 13. Dezember 1849 die Weisung aus Rom an Bischof Hartmann, sich nach Bombay zu begeben, um die Wogen des goanesischen Schismas zu glätten. Auf die recht verflochtene Geschichte des portugiesischen Patronats und dessen Niedergangs und die damit verbundenen Gebietsstreitigkeiten, die das sogenannte goanesische Schisma hervorgerufen hat, soll hier nicht näher eingegangen werden. Es reicht zu wissen, dass sich ein Teil des portugiesisch-goanesischen Klerus, einschließlich des Erzbischofs von Goa, José Maria da Silva Torres O.S.B., in Fragen der kirchlichen Jurisdiktion gegen die von Rom gesendeten Priester und Bischöfe stellten und deren Tätigkeit im ehemals portugiesischen Bombay bekämpften. Es war nun Bischof Hartmanns Aufgabe, in einer der wichtigsten Städte Indiens die kirchliche Einheit wieder herzustellen. Am Karfreitag 1850 landete er in Bombay, wo er folgende Notiz seines Vorgängers, Msgr. Whelan, fand: „Wehe meinem Nachfolger!“ Bei seinem ersten Pontifikalamt am Ostersonntag predigte er über die Notwendigkeit der brüderlichen Eintracht und Liebe. Schon hieran sieht man, dass der Titel „Hammer der Schismatiker“ keinesfalls einen fanatischen, verbohrten Geist kennzeichnen sollte, sondern lediglich einen Bischof, der aus Liebe zur Kirche und den Seelen das Schisma beenden wollte. Verleumdungskampagnen, Beschwerden gegen ihn bei der britischen Kolonialregierung, versuchte Pfarreibesetzungen von Seiten des goanesischen Klerus – das waren die Dinge, mit denen sich der Kapuzinerbischof von nun an befassen musste.

Auch nachdem der Erzbischof von Goa auf Drängen des Papstes nach Lissabon zurückgerufen wurde, starb das Schisma nicht. Der goanesische Klerus betrachtete die apostolischen Vikare und Priester als Eindringlinge und verweigerte nicht nur in Bombay, sondern auch in Madras, Kalkutta und Meliapur den Gehorsam. Im Januar 1852 begab sich der portugiesische Bischof von Macao, Jerónimo José de Mata, nach Goa, um dort die Schismatiker weiter zu unterstützen. Bereits auf seiner Reise über Colombo auf Sri Lanka verrichtete er bischöfliche Funktionen, woraufhin ihn Bischof Hartmann bei der Liebe Jesu Christi und mit Hinweis auf die Gefährdung des Seelenheils der Gläubigen beschwor, sich dem hl. Stuhl zu unterwerfen. Bischof de Mata interessierte dies wohl wenig. Er erteilte nach seiner Ankunft in Goa innerhalb von sieben Tagen 536 Kandidaten die hl. Weihen, woraufhin in Goa der Volkswitz wohl wegen der fragwürdigen Berufung dieser Personen den Ausdruck prägte: „Er hat alles geweiht bis zu den Kokosbäumen herab.“

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Donnerstag, 9. April 2015

Märtyrer im Eilverfahren – wie unkritisch der Titel Märtyrer vergeben wird



Leider finde ich erneut einen Anlass, das heikle und auch recht undankbare Thema des sofort verkündeten Martyriums von ermordeten Christen durch Blogs und andere Medien zu behandeln. Ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich niemanden als verdammt erklären möchte und jedem Menschen von Herzen die ewige Seligkeit wünsche, wie das jeder Katholik sollte, was ja auch nicht zuletzt der Anlass für dieses Blog ist.

Jetzt zum konkreten Fall: am Gründonnerstag wurde laut Medienberichten der Campus der Garissa University im Osten Kenias von Anhängern der Al-Shabaab-Miliz angegriffen, wobei es 152 Todesopfer gab, darunter auch vier Angreifer. Anscheinend haben die mohammedanischen Terroristen unter den Studenten gezielt Christen als Opfer ausgesucht.

Leider ließ es nicht lange auf sich warten, bis wieder eine voreilige Rundum-Kanonisierung der Toten im Internet veranstaltet wurde, diesmal besonders auffällig durch den italienischen Autor Roberto de Mattei, der in einem Artikel zu dem Thema Christenverfolgung Folgendes schrieb (meine Übersetzung):

„die Sterne der 148 neuen Märtyrer leuchten hell am Firmament der Kirche. Die jungen christlichen Opfer des Islam vom vergangenen Gründonnerstag in Kenia dürfen nicht bemitleidet, sondern müssen beneidet werden, da sie die große Gnade des Martyriums erhielten.“

Diese Aussage ist schlichtweg höchst unklug. Nicht nur kann Herr de Mattei den Hergang jedes einzelnen „Martyriums“ unmöglich selbst kennen und mit Sicherheit sagen, dass jeder der Ermordeten bis zum Ende standhaft war, er zieht auch die Tatsache nicht in Betracht, dass in Kenia von den 83 % der Bevölkerung, die sich als Christen bezeichnen, nur 23,5 % Katholiken sind, und wiederum Katholiken in der katholischen Diözese Garissa nur 0,9 % der Gesamtbevölkerung von 720.000 ausmachen. Ist es da nicht wahrscheinlich, dass viele der Ermordeten gar keine Katholiken waren? Da stellt sich nun wieder die Frage, am Firmament welcher Kirche diese „Märtyrer“ leuchten. Auch die Vornamen wie Ruth, Abel, Eliud, Gideon, Faith usw. deuten wohl eher auf Protestanten als auf Katholiken hin. Auch wenn es viele Leute stört, die Kirche hat schlichtweg nie Nicht-Katholiken als Heilige oder Märtyrer verehrt. Es gibt zwar manche Kommentatoren im Internet, die das steif und fest behaupten, mit etwas Recherche stellt sich dann aber heraus, dass es sich entweder doch um Katholiken handelt oder die Betroffenen eben nicht als Heilige verehrt werden.

Und selbst wenn die Ermordeten alle Katholiken waren, kann man wohl so voreilig sein und diese gleich „kanonisieren“? Die Seligsprechungsprozesse von Märtyrern sind nicht so leicht, wie man das sich vorstellen möchte. In einer Publikation der Erzabtei St. Ottilien schrieb der Postulator für die unter den Kommunisten ermordeten Benediktinermissionäre vor einigen Jahren, dass man zunächst bei den Märtyrern die Tugenden untersuchen muss, die diese vor ihrem Tod geübt haben, um einigermaßen sicher sein zu können, dass sie bis zum Ende durchgehalten und die Märtyrerpalme errungen haben. Der heilige Alfons schildert in einem seiner Bücher, dass ein Katholik, dessen Hals von den Verfolgern schon fast durchtrennt worden war, am Ende doch noch ins Wanken geriet. Solange wir nicht durch eine kirchliche Untersuchung oder genaue Schilderungen wissen, wie der Hergang war, sollte man sich wohl mit solchen Urteilen etwas zurückhalten, was natürlich nicht bedeutet, dass das Martyrium von vorneherein ausgeschlossen werden soll.

Was am Schwersten bei dieser zunehmenden Kritiklosigkeit wiegt, ist die Tatsache, dass sie letztendlich religiösen Indifferentismus fördert. Wenn ich auch als orthodoxer Kopte, als Anglikaner, als Mennonit, als Presbyterianer usw. Märtyrer werden, d. h. die höchste Form der Christusnachfolge erreichen kann, wieso sollte ich denn da überhaupt noch katholisch sein? Ist das denn überhaupt so wichtig? Ja, in weiterer Konsequenz könnte man sagen, auch ein Jude kann Märtyrer werden, wenn er wegen des Bekenntnisses des rabbinischen Judentums ermordet wird, da er scheinbar an denselben Gott glaubt wie die Christen, wenn auch nur an einen einpersönlichen Gott. Aber gibt es nicht auch Christen, die nicht an die allerheiligste Dreifaltigkeit glauben? Dann müsste doch auch ein Jude Märtyrer werden können, immerhin ist er ja auch unser „älterer Bruder“…und so wird dann das Dogma der Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche immer mehr aufgeweicht. Mancher geht vielleicht nicht ganz so weit, aber es gibt auch glaubenstreue Katholiken, die durch ihre Argumentation den Eindruck vermitteln, dass nicht unbedingt jeder einzelne, aber doch ein großer Teil der Nicht-Katholiken eigentlich im unüberwindlichen Irrtum ist und bei Ermordung durch Moslems oder dergleichen gerettet wird. Fakt ist, dass man es nicht weiß, und darum sind wohl die Missionäre immer auf Nummer sicher gegangen. [Ich habe den Text hier etwas angepasst, um das von Papst Pius IX. in singulari quadam bezüglich der Grenzen des  unüberwindlichen Irrtums Gesagte nicht einzuschränken].

Hat nicht Papst Pius IX. den Satz verurteilt, dass man gute Hoffnung hegen darf für die Seligkeit aller, welche nicht in der wahren Kirche Christi leben? Darum kann ich nur abschließend sagen, dass man sich lieber mit der Missionierung von Nicht-Katholiken beschäftigen sollte, anstatt sich mit irgendwelchen Quasi-Kanonisierungen zu befassen. Hier noch ein schönes Zitat aus berufenem Munde:

„Wie kommt es, dass in der christlichen Welt neben dem heiligen Berge der katholischen Kirche noch zwei andere Berghügel im Dämmerlicht sich erheben [Orthodoxie und Protestantismus]? Warum gehören sie nicht mehr zu uns wie einst? Warum haben sie sich und bleiben sie von uns getrennt? Schmerzliche Frage, ernste Wahrheit! Die Menschen und Völker erhalten den wahren Glauben, aber sie können ihn auch wieder verlieren. Gott achtet die menschliche Freiheit. Wenn aber Gott in seiner Güte Wahrheiten offenbarte und Wege und Mittel kundtat, die zur Erlangung des Heiles notwendig sind, dann hat er auch in seiner Weisheit die Maßregeln getroffen, damit diese Rettungsmittel rein und unverfälscht in die Menschenhände gelangen. Die katholische Kirche ist diese Maßnahme der göttlichen Vorsehung. Christus baute seine Kirche auf Petrus, den Felsen, „und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Matth. 16, 18). In seiner Kirche hat Christus den Glaubens- und Gnadenschatz hinterlegt. Und zwei schützende Flammen umlodern ihn: Glaubensgeist und Missionsgeist. Ein lebendiger Glaube will und muss wachsen und sich ausdehnen. Gib deinem Glauben Missionskraft, und der Glaube wird in dir lebendig bleiben.“ - P. Robert Streit O.M.I.


Montag, 30. März 2015

Große Missionsbischöfe: Eine dornenvolle Aufgabe – Msgr. Michael Petkoff, Apostol. Vikar der unierten Bulgaren in Thrazien



Michael Petkoff, Titularbischof von Hebron und Apostol. Vikar von Thrazien für die unierten Bulgaren, war 1850 in Adrianopel [Edirne] als Sohn eines Hirten geboren. Bei polnischen Ordensleuten in der Schule zeichnete er sich durch seine Begabung und seine edlen Neigungen aus und wurde deshalb ins Kolleg der Propaganda in Rom geschickt. 1873 zum Priester geweiht, empfing er schon mit 31 Jahren als Nachfolger des Bischofs Popoff in Konstantinopel die Bischofsweihe.

Unsäglich dornenvoll war seine Aufgabe, die weithin über das Land zerstreuten Katholiken vor den Angriffen der Schismatiker zu bewahren. Schon allein die Tatsache, dass er einst auf offener Straße von einem fanatischen Mohammedaner zu Boden geworfen und mit einem Stock misshandelt wurde, zeigt die Eigenart der Verhältnisse, unter denen er wirkte. Tiefe Trauer lagerte über seinen letzten Lebensjahren ob der Niederlage des bulgarischen Volkes. Seine Christen waren zerstreut, die Dörfer verbrannt, seine Priester ohne Kirchen und ohne Heim. Er selbst musste unter Griechen, den Verfolgern seiner Herde, in der Verbannung sterben. Am 27. Mai erlöste ihn der Tod von diesen großen seelischen Leiden.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Freitag, 20. Februar 2015

Aus Hass gegen den Papst in Irrtum und Schisma


Aus einem Artikel über die Kapuzinermission in Bulgarien schreibt P. Franziskus Leitner O.F.M. Cap. im Seraphischen Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi (1928):

„Die Abneigung gegen alles, was von Rom (vom Papst) kommt, wird schon den Kindern eingeimpft. Der Kampf gegen die katholische Kirche, der schon im 9. Jahrhundert im Orient entbrannte, dauert auch heute noch fort. Es ist auch durchaus keine Seltenheit, dass ein orthodoxer Bulgare die katholische Kirche für die wahre hält, aber trotzdem aus Hass gegen den Papst im Irrtum verbleibt.“

Man sieht also, dass man nicht zu viel auf irgendwelche unverschuldeten Häresien und Schismen setzen sollte, trotz derer Menschen gerettet werden können. Mann sollte sich viel lieber (auch wenn es in den oben genannten Fällen aussichtslos erscheint) in alter katholischer Missionsmanier aufs geistliche Schlachtfeld begeben, um zur größeren Ehre Gottes und zur Rettung der Seelen zu kämpfen, da man ja nicht weiß, wie es tatsächlich um die einzelne Seele vor Gott steht. Wenn man sich zu sehr auf der Möglichkeit ausruht, dass einer, der sich tatsächlich (actu) außerhalb der Kirche befindet, trotzdem auch gerettet werden kann, wird die Missionsarbeit und somit die Rettung der Seelen im Keim erstickt. Denn wenn sich laut dem heiligen Leonhard von Porto Maurizio schon die meisten erwachsenen Katholiken verdammen, was soll da bloß aus den Nicht-Katholiken werden?

Zu dem Thema „unverschuldetes Unwissen über die wahre Kirche“ hier ein erhellender anschaulicher Beitrag.

Sonntag, 18. Januar 2015

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen


Heute beginnt die Gebetswoche für die Einheit der Christen. Leider scheint dieses heilige Anliegen, das von dem ehemaligen Anglikaner Fr. Paul James Wattson ins Leben gerufen und 1910 den ausdrücklichen Segen des hl. Papst Pius X. erhalten hat, wie so vieles vom falschen Ökumenismus vergiftet worden zu sein. Um sich eine Vorstellung von der ursprünglichen Meinung zu machen, in der diese Woche für die katholische Kirche als öffentliche Andachtsübung eingeführt wurde (sie war nie bindend), hier die alten Intentionen:

18. Januar: Die Rückkehr aller „anderen Schafe“ zur Herde des hl. Petrus, des einen Hirten.

19. Januar: Die Rückkehr aller orientalischen Schismatiker zur Kommunion mit dem Apostolischen Stuhl.

20. Januar: Die Unterwerfung der Anglikaner unter die Autorität des Statthalters Christi.

21. Januar: Dass die Lutheraner und alle anderen Protestanten auf dem europäischen Festland zurück zur Heiligen Kirche finden.

22. Januar: Dass die Christen in Amerika in Kommunion mit dem Stuhl Petri treten.

23. Januar: Die Rückkehr der abgefallenen Katholiken zu den Sakramenten.

24. Januar: Die Bekehrung der Juden.

25. Januar: Die missionarische Eroberung der Welt für Christus.


(Der Text von ICC Omaha schien mir der Originaltext zu sein, es gibt ihn auch etwas „entschärft“)

Mittwoch, 7. Januar 2015

Wie man sich Schismatiker vom Leib hält


Msgr Jorge Imperial Barlin, Bischof von Nueva Cáceres  (Quelle)

Als der abgefallene philippinische Priester Gregorio Aglipay, Führer der „Unabhängigen Philippinischen Kirche“ (und ab 1918 Freimaurer), im Jahr 1902 den späteren ersten einheimischen Bischof des Landes, den fähigen und talentierten Pater Jorge Imperial Barlin, fragte, ob dieser das Oberhaupt der schismatischen Vereinigung sein wollte, sagte dieser zu ihm:

„Ich wäre lieber Straßenkehrer als das Oberhaupt Ihrer schismatischen Hierarchie“ (Prefiero ser lampacero a ser la cabeza de su jerarquía cismática).

Barlin kämpfte mit Erfolg gegen das Schisma und erreichte 1906, dass abgefallene Priester die Kirchen, die sie usurpiert hatten, wieder an die katholische Kirche zurückgeben mussten.

Sonntag, 30. November 2014

So geht „Ökumene“

Der griechisch-melchitische (katholische) Patriarch Petrus IV Geraigiry (im Text Giragiri), zuvor Bischof von Paneas

Recht beachtenswerte Aufschlüsse über die Strömungen innerhalb der nicht-unierten Kirchen gibt uns der folgende Brief des griechisch-melchitischen Bischofs von Paneas, Msgr. Giragiri. Als er eben im Begriff war, so erzählt er darin, einer Einladung des griechisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem, Gregor I., zum Eucharistischen Kongress in Jerusalem Folge zu leisten, wurde seine Abreise durch einen unangenehmen Zwischenfall verzögert. In einem kleinen Städtchen, Al-Kiam, und im Dorf Kuraihas wurden zwei seiner Priester von einflussreichen, feindseligen Schismatikern in einen Prozess verwickelt. Der Bischof musste ihnen zu Hilfe kommen; er schickte ihnen das für die Fahrt nach Jerusalem ersparte Reisegeld und begab sich persönlich nach Gedaïhah und Hasbaïa, um vor den dortigen Tribunalen Recht zu verlangen.

In Hasbaïa sollte er unerwartet eine große Freude erleben. Die Stadt, am südwestlichen Abhang des großen Hermon, ist einer der Hauptorte im Gebiet des Anti-Libanon mit reger Industrie und Obst- und Weinbau. Sie zählt nur wenige Katholiken; doch sind die Schismatiker im Augenblick recht günstig gestimmt. Ihr Bischof, Msgr. Missaël, begrüßte den katholischen Oberhirten bei seiner Ankunft aufs Freundlichste. Msgr. Giragiri erwiderte am folgenden Tag den Besuch. Zu seinem nicht geringen Erstaunen fand er im Empfangszimmer des schismatischen Bischofs die Porträts Leo XIII., Se. Eminenz des Kardinals Rampolla und des letztverstorbenen Präfekten der Propaganda, Kardinal Simeoni, und anderer römischer Prälaten. Auf seine verwundernde Äußerung erklärte Msgr. Missaël: „Ich habe diese Porträts mir kommen lassen, weil ich die römische Kirche und ihre Oberhirten liebe.“ Beiläufig gesagt ist es keine Kleinigkeit, hier zu Lande, selbst in größeren Städten, sich dergleichen Porträts zu verschaffen.
„Im Laufe der Unterredung“, so erzählt nun Msgr. Giragiri, „sagte ich scherzend zum schismatischen Bischof: ‚Sie haben gewiss Angst, dass ich Ihnen keine Schäflein mehr übrig lasse. Wissen Sie was, Monseigneur, treten Sie mit Ihrer ganzen Herde zu uns über, und bleiben Sie dann in der katholischen Gemeinschaft deren Hirte. Ich selbst lege dann mein Amt nieder, oder werde, falls es Ihnen recht ist, Ihr Koadjutor.‘ Der Bischof erwiderte lächelnd: ‚Es wird wohl schließlich dazu kommen, nur mit dem Unterschied, dass ich dann Ihr
Koadjutor werde und Sie selbst die ganze Sorge für unser geistliches und zeitliches Wohl übernehmen.‘

Ich predigte dann vom Tag meiner Ankunft (Freitag vor Passionssonntag) an bis zum Montag in der Karwoche täglich zweimal, am Morgen und am Abend. Die Kirche konnte die Menge nicht fassen. Mehrere angesehene Personen sagten zu mir: ‚Es ist ausgemachte Sache, wir werden alle katholisch.‘ Andere verlangten eine zweite Reihe von Predigten, um sich vor ihrem Übertritt noch besser zu belehren. Von allen Seiten wurde ich gedrängt, in der Stadt jährlich mein Absteigequartier zu nehmen und einige Wochen bei ihnen zuzubringen. Ich dankte Gott für die Wendung dieser Dinge; denn gerade in Hasbaïa hatte ich früher die heftigsten Anfeindungen gefunden. (…) Jetzt ist die Stimmung ganz verändert, und die Bekehrung dieser Stadt, des Hauptbollwerks des Schismas in meiner Diözese, scheint nur mehr eine Frage der Zeit. Ist aber einmal Hasbaïa gewonnen, so würde sofort auch die umwohnende Landbevölkerung folgen. Diese scheut bis jetzt den Einfluss der reichen Schismatiker in der Stadt, die ihr Geld leihen und ihr in ihren Prozessen helfen, und so den guten Willen dieser Leute hemmen.“

(…) Msgr. Giragiri erzählt dann weiter seine Reise nach Rom, die er im Namen des griechisch-unierten Patriarchen von Jerusalem mit zwei anderen orientalischen Bischöfen unternahm, um dem Heiligen Vater die Glückwünsche seiner Kirche darzubringen. Mit dem größten Interesse erkundigte sich der Papst nach der Bewegung, die sich unter den Schismatikern zu Gunsten der Wiedervereinigung bemerkbar mache. „Machen Sie es nicht“, sagte er dem Bischof beim Abschied, „wie Gregor der Wundertäter, der bei seinem Einzug als Bischof von Neo-Cäsarea dort 17 Gläubige vorfand, bei seinem Tod aber 17 Heiden hinterließ. Sie werden die Katholiken zu Hunderten vorfinden und dürfen keinen einzigen Schismatiker hinterlassen. Ich werden Gott recht inständig darum bitten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Montag, 24. November 2014

Neue Heilige der syro-malabarischen Kirche

St. Kuriakose Elias Chavara T.O.C.D.
Gestern hat Papst Franziskus zwei Ordensleute des syro-malabarischen Ritus kanonisiert, darunter den Gründer der syro-malabarischen Karmeliter (CMI, Carmelites of Mary Immaculate), Kuriakose Elias Chavara, sowie die zu den von diesem gegründeten Karmeliterinnen (CMC, Congregation of the Mother of Carmel) gehörende Euphrasia Eluvathingal, die ihre Bußwerke u. a. für die Bekehrung der Schismatiker aufopferte.


St. Euphrasia Eluvathingal (Quelle: Smokingsingh)

Mögen sie bei Gott Fürsprache für die Bekehrung Indiens und die Einheit der Christen an der Malabarküste halten!

Sonntag, 16. November 2014

Einer der Hauptunterschiede zwischen der katholischen und der nichtkatholischen Mission


Das Christentum ist eine Religion, die nach dem Willen ihres göttlichen Stifters für alle Menschen bestimmt ist und die daher auch allen Menschen verkündet werden muss. Das Christentum ist die göttliche Offenbarungsreligion und die Missionsreligion. Die wesentliche Folge davon für das Christentum und für jeden Christen ist die Missionspflicht. In diesem Missionscharakter des Christentums stimmen heute alle christlichen Religionsgemeinschaften überein. Aber ein wesentlicher Unterschied waltet zwischen ihnen ob, und zwar folgender:
Die Missionsgeschichte verzeichnet das Jahr, in dem die verschiedenen nichtkatholischen Religionsgesellschaften auch ihrerseits sich auf die Missionspflicht besonnen und ihr Missionswerk unter den Heiden begonnen haben. Lange Jahre nach ihrer Trennung von der katholischen Mutterkirche haben sie verstreichen lassen, bis sie diese Missionspflicht anerkannt und den Kampf dagegen aufgegeben haben. Seinen Missionscharakter hat das Christentum ununterbrochen im Wechsel und Wandel der Jahrhunderte nur in der katholischen Kirche gezeigt und bewahrt. In der katholischen Weltmission hat das Christentum seine Weltmission bewiesen.

Und wiederum: die Weltmission des Christentums muss apostolisch sein, das heißt, sie muss auf der Missionssendung der Apostel fußen. Nur in der katholischen Kirche finden wir die apostolische Weltmission, den apostolischen Weltboten.
Wenn wir das Jahr suchen, in dem die katholische Kirche ihre Missionstätigkeit begonnen hat, dann müssen wir die lange Reihe der zwanzig Jahrhunderte hinaufwandern, bis zu den Tagen Christi und seiner Apostel. Die Geburtsstunde der katholischen Weltmission ist jener Tag, an dem Christus der Herr auf dem Berge der Himmelfahrt vor seinen Apostel stand, ist jene Stunde, in der der glorreich Auferstandene zu ihnen sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin, und lehret alle Völker. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Mtth. 28, 18–20). Mit diesen Worten gab Christus der Herr den Missionsbefehl. Von diesem Augenblick an begann die Weltmission der katholischen Kirche.



 (Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Freitag, 14. November 2014

Der heilige Josaphat Kuncewicz – Märtyrer der kirchlichen Einheit



Johannes Kuncewicz ward zu Wilna 1580 geboren und trat ebendaselbst 1604 unter dem Namen Josaphat in das Basilianerkloster der heiligen Dreifaltigkeit. Vom heiligen Geist selbst geleitet, übte er sich in dem tiefgesunkenen Kloster in inbrünstigem Gebet und großer Abtötung, gleichzeitig eifrig ernstem Studium ergeben, das ihn zum Verteidiger der Union (der Vereinigung der Orthodoxen mit dem Stuhl Petri) befähigte. Sein Beispiel blieb nicht ohne Früchte; bald blühte das Kloster in Wilna auf und zwei neue Klöster konnten durch den Heiligen von dort aus gegründet werden. 

Einen ebenso hochbegabten als frommen Gefährten im Werke der geistigen Neubelebung der ruthenischen Kirche erhielt der Heilige in seinem Freund Joseph Belamin Rutski. Derselbe hatte seine Studien im griechischen Kolleg zum Rom gemacht, war 1603 nach Wilna zurückgekehrt und 1607 ebenfalls in das Dreifaltigkeitskloster eingetreten. Nach dem Tod des greisen Metropoliten Pociey, der die Union mitbegründet und ihre Fahne 15 Jahre lang hochgehalten hatte, bestieg Rutski 1614 den Metropolitansitz. Auf sein Betreiben wurde der hl. Josaphat, so sehr dessen Demut sich sträubte, zum Koadjutor von Polozk und Bischof von Witebsk erhoben. Am 12. November 1617 empfing derselbe zu Wilna die Bischofsweihe. Unter der gemeinsamen Wirksamkeit dieser beiden Männer war zu Anfang 1620 die Union in ganz Weißrussland siegreich durgeführt.

Ernstere Kämpfe hatte sie aber in Rot- und Kleinrussland zu bestehen. Rutski hatte zwar feierlich von dem Stuhl von Kiew Besitz ergriffen. Basilianer aus der Schule des hl. Josaphat sollten daselbst den Kern der geistigen Neugestaltung bilden. Der Vorsteher ihrer Schaar, Anton Hrekowicz, wurde von den wütenden Schismatikern 1618 im Dnjepr ertränkt. Sie schlugen ein Loch in die Eisdecke und stießen den Blutzeugen hinein unter dem Geschrei: „Du bist ein Unierter und willst unsere Religion verraten!“ Als er sich am Rande des Eises festhalten wollte, hieben sie ihm die Arme ab und höhnten: „Ruf den Papst an!“ während die Wellen des Dnjepr den Ertrinkenden unter die Eisdecke rissen.(…)

Der hl. Josaphat hatte inzwischen dem Sturm zu trotzen, den sein Gegenbischof Smotrycki losließ. Immer höher gingen die Wogen des Aufruhrs, bis ihm endlich der Heilige zum Opfer fiel. Am 12. November 1623 wurde Josaphat in Witebsk grausam ermordet, seine Leiche schmählich entehrt und endlich in die Wogen der Dwina versenkt.
Der Martertod des Heiligen übte einen gewaltigen Eindruck auf die Lateiner in Polen und war die Ursache, dass die Union nicht fallen gelassen wurde, während des Verbrechen von Witebsk anderseits die Sache des Schismas mit Schmach bedeckte. Der Tod des hl. Josaphat war die Rettung der Union, die bis zum Sturze Polens in allen Stürmen bestehen blieb.(…)


(Aus: die katholischen Missionen 1886)

Sonntag, 5. Oktober 2014

Chinesische Rompilger

Msgr. Melchior Sun C.M., Bischof von Ankwo, zuvor Apostol. Präfekt von Lixian. Er gehörte zu den ersten sechs chinesischen Bischöfen, die Pius XI. weihte. Zuvor gab es in der Geschichte erst einen chinesischen katholischen Bischof, Luo Wenzao (+ 1691).

Unter Führung der beiden einheimischen Apostolischen Präfekten, des Franziskaners Odorich Tscheng und des Lazaristen Melchior Sun, trafen im Mai 600 chinesische Pilger in der Ewigen Stadt ein. Ein Ereignis für Rom und für China.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Freitag, 3. Oktober 2014

Zum 88. Jubiläum der Seligsprechung des äthiopischen Märtyrers Abba Ghebre Michael


Heute ist nicht nur das Fest der h. Theresia von Lisieux, der Patronin der Missionen, sondern auch der 88. Jahrestag der Seligsprechung des äthiopischen Priesters und Märtyrers Ghebre Michael durch Pius XI am 3.10.1926.

Ghebre Michael wurde im Jahr 1788 in Mertule Mariam im Norden des heutigen Äthiopiens geboren. Er wurde koptischer Mönch und war bereits damals für seine Gelehrtheit angesehen und zeichnete sich durch echte Wahrheitssuche aus. 

Durch den Kontakt mit dem heiligen Apostol. Vikar von Abessinien, Justinus de Jacobis, bekehrte er sich nach einer gemeinsamen Romreise im Jahr 1844, wurde bedingungsweise von de Jacobis getauft und am 1.1.1851 zum Priester geweiht. Er verfasste in Ge’ez, der liturgischen Sprache Äthiopiens, eine Grammatik, ein Wörterbuch und einen Katechismus und arbeitete im Seminar in Alitiena an der Heranbildung des einheimischen Klerus. Dem Lazaristenorden, aus dem der hl. Justinus de Jacobis stammte, gehörte er nicht offiziell an, er wird aber von den Lazaristen wie einer der ihren verehrt. 

Besonders ausgeprägt war sein Wunsch, sein irrendes Volk zu bekehren.
Auf Betreiben des schismatischen Patriarchen Abuna Salama, eines echten Katholikenhassers, wurde er gefangengenommen und sollte durch Drohungen und Versprechungen zur Aufgabe des katholischen Glaubens gebracht werden. Doch er blieb standhaft. Auf das Angebot von Reichtümern, wenn er den Glauben des Patriarchen annehmen würde, erwiderte er bloß: „Ich will weder deinen Glauben noch deinen Besitz.“ 

Die Foltern, die er über sich ergehen lassen musste, waren extrem, unter anderem wurde er mit Giraffenschwänzen gepeitscht, deren Haare hart wie Drähte waren. Einmal wurde er so sehr geschlagen, dass man dachte, er würde sterben, doch Ghebre Michael stand wie durch ein Wunder ohne eine sichtbare Verletzung auf. 
Der Kaiser verurteilte ihn schließlich zum Tode, allerdings wurde diese Strafe durch Einspruch des britischen Konsuls in das lebenslange Tragen von Fesseln umgewandelt. 

Bei einem Gefangenenmarsch brach der ehrwürdige Greis schließlich entkräftet zusammen und starb am 28. oder 29. August 1855.


Seine Seligsprechung erfolgte über ein Jahrzehnt vor der des hl. Justinus im Jahre 1939, sein Festtag ist der 30. August. Möge der sel. Ghebre Michael ein Fürsprecher für die Einheit der Kirche, die Bekehrung der Schismatiker und die Verteidigung der katholischen Wahrheit sein!


(Quellen: Lexikon für Theologie und Kirche, Band IV; Blessed Ghèbre-Michael: “The truth will make you free” von James Cahalan C.M., Serie über den hl. Justinus de Jacobis)

Sonntag, 14. September 2014

Glaubenseifer eines Neuchristen in Swasiland


„Die hohe Achtung, die unsere schwarzen Krieger ihren weißen Führern entgegenbrachten, haben wir ihnen reichlich zurückgegeben.“ So hörte ich den Helden von Afrika, v. Lettow-Vorbeck, in seinem Bonner Vortrag vom 25. November 1921 sagen. Der Glaubensbote macht ähnliche Erfahrungen. Oft müssen wir weißen Christen uns vor den schwarzen Brüdern geradezu schämen. Ein Beispiel von vielen geht uns aus der Mission der Tiroler Serviten im südafrikanischen Swasiland zu.
Ein einfacher schwarzer Grubenarbeiter, Msimango mit Namen, ist hier der eigentliche Gründer eines hoffnungsvollen Missionspostens geworden. 

In die Goldgruben von Pigg’s Peak, fernab vom Bereich priesterlicher Sorge, hat ihn die Arbeit ums tägliche Brot geführt. Wird er nicht, wie wir es bei uns so oft erleben müssen, für den Glauben verloren sein? Wird er den Mut haben, den infolge ihrer Mittel meist so selbstbewussten Jüngern John Wesleys [Methodisten] gegenüber als Katholik aufzutreten? Mehr als das.

Mit solcher Wärme bekannte er seinen Glauben, mit solchem Eifer verteidigte er ihn durch den Hinweis auf die heilige Schrift, dass ihn die Bewohner zweier bisher wesleyanischer Krale um regelmäßige Unterweisung baten. Gerne nahm er die Mühe auf sich. Zugleich bat er P. Gratl brieflich um die Errichtung einer Station. Doch dieser, damals der einzige Priester der Mission, konnte nicht mehr tun, als die armen Leute vier- bis fünfmal im Jahr besuchen und sie mit den nötigen Büchern versehen. Erst nach dreijährigem Harren, als der dritte Priester im Land erschien, hatten sie die Freude, P. Gratl zu längerem Aufenthalt unter sich erscheinen und die Gründung des Postens in die Hand nehmen zu sehen.

Hätten wir unter uns viele katholische Arbeiter vom Geiste Msimangos, der ersehnte Tag, an dem durch die Rückkehr unserer unglücklichen getrennten Brüder die schwerste Wunde unseres geliebten Volkes sich schließen würde, wäre näher gerückt.

G. Lehmacher S.J.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Montag, 8. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 2)

Patriarch Cyrillus II. Macaire
Fortsetzung von hier

Nicht unerwähnt lassen darf ich P. Guirgués, den würdigen Pfarrer von Maschul in der Gegend von Mallaui, der keinem schismatischen Kopten auf dem Land, alt oder jung, begegnet, ohne ihn anzuhalten, über die Religion auszufragen, ihm einige Unterweisungen zu geben und die Aufforderung, sich im wahren Glauben unterrichten zu lassen. Er steht an der Spitze einer Gemeinde voll Glauben und Frömmigkeit.

All diese genannten Priester und ihre würdigen Amtsbrüder wirken durch ihr abgetötetes Leben und ihren apostolischen Eifer zumal unter dem schlichten, einfachen Landvolk überaus segensreich. „Den Armen wird das Evangelium verkündet“, gilt auch hier. Sie folgen hierin ganz dem Beispiel des göttlichen Meisters. Opfer und Abtötung sind ihre steten Begleiter, und ihre Leben ist eine fast ununterbrochene Kette von Entbehrungen. Denn ihr ganzes Einkommen beschränkt sich auf die durch die Jesuitenmissionäre vermittelten Messstipendien, die zumeist nur 1 Franc (80 Pfg.) betragen. Mit diesem spärlichen Budget kann man begreiflicherweise nicht weit springen.

Diese Armut bildet für den apostolischen Eifer dieser Priester einen unliebsamen Hemmschuh. Denn die Ortschaften sind oft sehr weit voneinander entfernt. Um sich den Luxus eines kleinen Reiteselchens oder ein Billet dritter Klasse auf der Eisenbahn zu verschaffen, dafür reichen ihre Mittel nicht hin. Weitere Strecken unter der heißen Sonne Ägyptens regelmäßig zu Fuß zurückzulegen, hieße aber die ohnehin schwachen Kräfte vor der Zeit erschöpfen. Gewiss aber ist, dass wenn die Unionsbewegung unter den schismatischen Kopten so erfreulich in Fluss gekommen ist und sich so tröstlich entwickelt, dies zum großen Teil dem aufopfernden Eifer des einheimischen Klerus zu danken ist. Ihr musterhaftes uneigennütziges Leben und Wirken ist für die schlichten, einfachen Landleute, die dasselbe mit demjenigen ihrer schismatischen Gommos (Namen der jakobitischen Geistlichen) vergleichen, ein greifbarer Beweis der katholischen Wahrheit; denn nur die Wahrheit, das fühlen sie instinktiv heraus, ist im Stande, heroische Tugend zu erzeugen.

Die neuen koptischen Bischöfe (siehe Bild oben) geben ihrem Klerus aber auch ein herrliches Beispiel. Sie sind wirklich nach dem Ausdruck des Evangeliums auf den Leuchter gestellte Lichter, welche ihre wohltätigen Strahlen auf Hirten und Herde werfen. Sowohl Msgr. Ignatius, Bischof von Theben, mein [des Verfasssers P. Rolland S.J.] alter Begleiter auf den apostolischen Wanderfahrten, als Msgr. Maximos, Bischof von Hermopolis (residiert in Minieh), sind unter den augenblicklichen Verhältnissen ihrer jungen Kirche gezwungen, während ganzer Monate unter der armen Fellah-Bevölkerung zu leben und mit ihr die grobe Nahrung und unbequeme Wohnung zu teilen. Sie predigen und katechisieren wie gewöhnliche Priester, ziehen missionierend von Ort zu Ort und scheuen nicht die Opfer, welche dieses Leben unter einem Landvolk, ebenso arm an irdischen Gütern als reich an Gelehrigkeit und gutem Willen, mit sich bringt.

Se. Seligkeit endlich, Msgr. Macaire, unter dem Namen Cyrillus II. der erste Patriarch der wiedererstandenen koptisch-katholischen Hierarchie, ist durch seinen feurigen Eifer wie durch seine Talente und sein Wissen würdig, an der Spitze dieser apostolischen Bischöfe zu stehen. „Unser ehrwürdiger Bruder Cyrillus Macaire“, so sagte in der Konsistorial-Allokution vom 19. Juni 1899 Papst Leo XIII., „zeichnet sich aus durch Tugenden, die eines Bischofs würdig sind, durch Wissenschaft, Frömmigkeit, Klugheit und Gewandtheit in der Amtsführung, wie Wir es durch persönliche Erfahrung festgestellt. Deshalb haben wir ihn der Patriarchalwürde würdig befunden.“

All dies ist wohl im Stande, unseren apostolischen Eifer zu wecken. Wie vorauszusehen war, hat die religiöse Erweckung im Schoß der schismatischen Kirche, der laute Ruf ihrer einzig legitimen Oberen, die massenhafte Rückkehrbewegung zur alten Mutterkirche das Signal zu einer Erneuerung der alten Feindschaft gegen die katholische Kirche gegeben. (…)



(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Sonntag, 7. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 1)

Koptische Priester und Jesuitenmissionäre. In der Mitte Msgr. Maximos, koptisch-katholischer Bischof von Hermopolis.

(…) In dieser schwierigen Lage [des Priestermangels unter den koptischen Katholiken] zeigt sich der junge koptische Klerus seiner hohen Aufgabe ganz und gar würdig. Da ist z. B. Pater Marc, der Pfarrer von Mallaui, das 1 1/2 Stunden mit der Bahn südlich von Minieh entfernt liegt. Jeden Freitag macht er nüchtern den weiten Weg nach Baiadié, einem neuerdings bekehrten Distrikt, um dort die heilige Messe zu lesen, zu predigen, die heiligen Sakramente zu spenden und die Kranken zu besuchen: Die schismatischen Eltern sind in Bezug auf die Taufe ihrer Kinder sehr nachlässig. 

Wir gehen also in den Hütten der armen Fellahs umher, um solche armen verlassenen Kleinen aufzusuchen. An einem Freitag taufte P. Marc noch seiner heiligen Messe 9 solcher Kinder, von denen einige 1, andere 2, 3 und selbst 7 und 9 Jahre alt waren. Ein junger Kopte von 17 Jahren erklärte, auch er sei noch nicht getauft, und bat dringend um diese Gnade. Schon das zeigt, wie sehr diese arme verlassene Herde guter Hirten bedarf.

P. Andreas Sabaa-el-Zail, Pfarrer von Galossana, nördlich von Minieh, ist nicht weniger eifrig. Bei Gelegenheit einer Mission in seiner Gemeinde durcheilte er als wahrer Apostel 12 umliegende Dörfer oder Weiler, fast stets zu Fuß, in brennender Sonnenglut, um die noch irrenden Schäflein zur Hürde des wahren Glaubens einzuladen. Die Frucht seines Eifers, seiner unermüdlichen Sanftmut und seiner Liebe gegen Armen und Kranke waren zahlreiche sehr tröstliche Bekehrungen.

Muster eines eifrigen Seelsorgers ist auch P. Hanna Cabes. Als ich im Dezember 1898 in einer kürzlich bekehrten Ortschaft am Fuß der arabischen Hügelkette eine Volksmission hielt, kam er herüber, um nach meinem Weggang das Werk zu vollenden. Nüchtern war er mit dem Unterricht der Kinder, der Predigt, der Beantwortung zahlloser Fragen der Neubekehrten den ganzen Morgen beschäftigt; erst gegen 1 Uhr nachmittags nahm er ein mageres Mahl ein. Es war die Zeit der Adventsfasten und ohne von den Erleichterungen der Bischöfe in Bezug auf das Fasten Gebrauch zu machen, heilt er es in seiner ganzen Strenge, um den noch nicht unierten oder kürzlich zurückgekehrten Jakobiten (schismatischen Kopten), die in diesem Punkte so streng sind, kein Ärgernis zu geben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Fortsetzung hier