Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 9. Mai 2021

Apostel im Feuerbart – Msgr. Joseph Ignatius Shanahan CSSp, Apostolischer Vikar von Südnigeria

Der Diener Gottes Joseph Ignatius Shanahan. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1997 eröffnet. Bild quelle spiritanroma.org


Wegen seines ungesunden Klimas hieß Nigerien in der Kolonialzeit nur „des weißen Mannes Grab“. Kein anderer Weißer hat aber dort ein so ehrenvolles Grab erhalten wie der irische Missionsbischof Shanahan CSSp. Vom fernen Nairobi in Ostafrika, wo er 1943 im Rufe der Heiligkeit starb, holten voriges Jahr seine treuen Ibos die sterblichen Überreste ihres Apostels in die Heimat seines Herzens.


Zuerst als einfacher Missionar und dann als Bischof hat er 30 Jahre unter seinen Schwarzen gewirkt. Landauf, landab waren sein flatterndes weißes Gewand und sein flammend-roter Bart bekannt. Als er im Jahre 1920 Bischof wurde, hatte er schon 721 Schulen und Kapellen gegründet, an die 1000 Lehrer herangebildet für 40 000 Kinder. Feuer im Sturm waren sein Missionseifer und sein kühnes Bahnbrechen, wenn er sich neuen Missionsmethoden zuwandte. Er brach mit der Überlieferung der Stationen an den Flussläufen, wo der Missionar nur Sklaven loskaufte und für Kranke und Verlassene sorgte. Er zog in die Wildnis von Stamm zu Stamm, wo man noch keine Weißen gesehen hatte. Er suchte und fand das Gute in diesen einfachen Menschen. Nie griff er direkt ihre Religion, ihre heidnischen Bräuche und Riten an. Er fürchtete, er werde ihnen dadurch den tiefreligiösen Sinn entreißen. Er suchte aufzubauen auf ihrem Eigentum: dem Glauben an die andere Welt, an den Großen Geist im Himmel und den tiefen Sinn jedes Opfers. Als er 1932 krank das Land verlassen musste, konnte er auf 110 000 Getaufte und über 1000 Kirchlein zurückschauen. Es ist wohl seinem Geiste hauptsächlich zu danken, wenn heute die Kirche unter den Ibos so fest verwurzelt ist.

(Aus: die katholischen Missionen, 1957)

Samstag, 17. Juni 2017

Besuch in der Erzabtei St. Ottilien

Portal der Abteikirche, leider ohne den imposanten Turm


Heute war ich seit langer Zeit mal wieder in der Erzabtei St. Ottilien, dem Sitz der Missionsbenediktiner, die den Lesern dieses Blogs bestimmt nicht unbekannt sind. Bei früheren Besuchen in der Dublettenkammer von Bruder Norbert O.S.B. (R.I.P.) habe ich den Großteil meiner Ausgaben von „die katholischen Missionen“ ergattert. Diesmal haben wir uns besonders das umgebaute Missionsmuseum angesehen – nachfolgend einige Eindrücke aus St. Ottilien, die ich gerne mit meinen Lesern teilen möchte.

Die Ausstellung beginnt mit einer Büste von Erzabt Norbert Weber O.S.B., dessen recht turbulente Regierungszeit die größte Ausdehnung der Missionbenediktiner sah. 



Weiter geht es mit afrikanischen Alltagsgegenständen ... und jeder Menge ausgestopfter Tiere!





Auch eine schöne Monstranz aus der Mission in Deutsch-Ostafrika wurde ausgestellt (im Hintergrund ein Foto mit dem damaligen P. Cassian Spiß, auf den wir noch zu sprechen kommen werden):



Ein Freikaufschein für einen Sklaven. Der Sklavenfreikauf war bekanntlich eine wichtige Tätigkeit der Missionare, vor allem in Ostafrika, wo die arabischen Sklavenjäger ihr Unwesen trieben und ganze Landstriche fast entvölkerten:



Tafel zu Bischof Cassian Spiß, der bei einem Aufstand ums Leben kam. Mehr über ihn hier.




Hier einige Gegenstände, man kann wohl sagen Reliquien, dieses großen Missionsbischofs und seiner Ordensleute, die mit ihm zusammen umkamen:



Bischof Cassians Kelch hatte eine ganz eigene Geschichte, wie man auf der Tafel lesen kann:



Auch der Märtyrer von Tokwon wurde gedacht, die in Nordkorea von den Kommunisten entweder hingerichtet wurden oder, wie Abtbischof Bonifaz Sauer, den Strapazen der Lagerhaft erlagen.



Hier die Messutensilien, die zwei Brüder mit in die Lagerhaft bringen konnten:



Auch die Fortbewegungsmittel der Missionare konnte man begutachten, wie dieses bayerische Erzeugnis:


Die Waffenkammer:




Danach ging es in die Abteikirche. Dieser Seitenaltar wurde u. a. von den Lesern der Missionszeitschrift „das Heidenkind“ gestiftet. „Lies, merks u. gedenks“ mahnt die Tafel auf der Epistelseite.



Dann noch zu den Gräbern einiger Erzäbte (Erzabt Weber starb in Bagamoyo in Tansania) und Abtbischöfe in den Missionen:



Ein schöner Besuch, der auch an all die Missionsbenediktiner erinnert, die der „Menschensorge für Gottesreich“ (Buchtitel von Erzabt Weber) nachgingen und gemäß dem Ordensmotto das „Lumen Caecis“, das „Licht der Blinden“ den Heiden predigten.


Deo gratias!

Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Entbehrungen und Freuden des Afrikamissionars



„Große Opfer“, berichtet der Missionär [P. Joseph Fräßle S.C.J.] weiter, „verlangt das Apostolat in Zentralafrika. Schon das Klima setzt dem Europäer heftig zu. In den 20 Jahren der Missionstätigkeit am Kongoflusse haben Malaria, Schwarzwasserfieber und Dysenterie über 200 jugendliche Apostel jäh ins Grab gestürzt. Die Wohnungen bieten für gewöhnlich nicht den nötigen Schutz, und die Nahrung, die meistens aus Maniokwurzeln, Fischen und Bananen besteht, vermag den raschen Kräfteverfall durch das Tropenklima nicht zu hemmen.  Dazu bereitet die große Armut der Evangelisation viele Hindernisse. Hätten wir Mittel zum Reisen, fünfmal mehr Erfolge könnten wir erzielen.

Und wie steht’s nun mit meiner Missionsstation? Monatelang fuhr ich in meiner Piroge stromauf, stromab, um die Dörfer zu gewinnen. Oder es ging auf den engen Pfaden der Wilden, gebückt und in Schweiß gebadet, durch den Urwald, über Baumwurzeln und gefallene Waldriesen, über Termitenhügel und durch Ameisenprozessionen, durch Sümpfe bis unter den Arm, durch Bäche bis an den Kopf, sieben, acht, neun Stunden lang. Da winkt denn bald ein knurrender Gorilla mit dem Knüttel, oder eine Elefantenherde versperrte den Weg. Die Neger aber drohten anfangs in den Dörfern beim Absteigen mit Lanzen oder warfen brennende Holzscheite auf mein Fahrzeug oder liefen davon. Wo ich Zutritt erhielt, war erst eine Hütte der Wilden meine Wohnung. Im Freien fand Unterricht und Gebet statt, bis ich mit eigenen Händen einen Schuppen aus Pfählen und Blättern errichtet hatte. Verstand und Herz öffneten sich allmählich, als die Leute die Werke sahen, die die neue Lehre gebietet: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So mancher, der unter dem harten Joch von Häuptlingen oder Arabern gelitten hatte, schloss sich dem Missionär an. Sie wurden mit den aus der Sklaverei losgekauften Knaben erzogen und bildeten den Kern, aus dem die erste christliche Gemeinde immer mehr emporwuchs. Die vor fünf Jahren gegründete Mission zählt heute 1.800 Christen und 3.000 Katechumenen, in 32 Ortschaften zerstreut, wo wir sie alle 2–3 Monate besuchen und unterrichten, die heiligen Sakramente spenden und die Prüfungen über Wissen und Leben jener anstellen, die um die heilige Taufe bitten. Für die Erprobten beginnt die nähere Vorbereitung auf das Sakrament der Wiedergeburt. Und fließt dann das Wasser auf die Stirn der leiblich und geistlich aus Sklavenketten befreiten Armen, so vermischen sich oft die Freudentränen des Missionärs mit denen seiner glücklichen Kinder. In solchen Augenblicken sind alle Mühen vergessen, ist der Lohn überreich, und der Missionär wäre bereit, noch zehnmal größere Opfer zu bringen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)


Dienstag, 2. Februar 2016

Theresia von Lisieux: Losgekaufte Sklavenkinder statt Kondolenzkränze




Sie wollte, dass auch ihr Tod den Missionen, die sie so opferfreudig unterstützt hatte, Nutzen bringe. 
„Mann soll keine Kränze annehmen“, sagte sie, „um meinen Sarg zu schmücken, wie man es für unsere gute Mutter Genoveva getan hat; bitten Sie doch, dass man mit dem dafür bestimmten Geld arme kleine Neger aus der Knechtschaft loskauft, sagen Sie, dass mir dies lieber ist.“


(Aus: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Mittwoch, 9. September 2015

Zum Fest: der heilige Petrus Claver erweckt Tote zum Leben



Papst Leo XIII. sagte einmal, dass ihn nach dem Leben Christi die Biographie des heiligen Petrus Claver am meisten beeindruckte. Der gleiche Papst sprach den katalanischen Jesuitenmissionar am 15. Januar 1888 heilig. Nachfolgend einige Episoden aus dem Leben des großen Sklavenapostels, die man in ähnlicher Weise auch bei seinem heiligen Ordensbruder Franz Xaver finden kann:

Mehrere Totenerweckungen wurden von Augenzeugen eidlich bezeugt. So rief der Heilige eine Sklavin des Don Vicente Villalobos, Befehlshaber von Cartagena, welche man bereits begraben wollte, ins Leben zurück und spendete derselben die heilige Taufe. Ganz derselbe Fall wiederholte sich im Haus eines Don Francisco da Silva. Auch dort starb eine noch nicht getaufte Sklavin, bevor der Heilige herbeieilen konnte. Man empfing ihn mit Wehrufen: „Welch ein Unglück! Wer konnte es aber auch voraussehen?“ „Ist denn der Arm des Herrn verkürzt?“ fragte Claver. „Er ist ein Vater voll Liebe; nur ein wenig Glauben und Vertrauen auf ihn!“ Dann ließ er sich zu der Leiche führen, rief die Verstorbene nach kurzem glühendem Gebet beim Namen und fragte, ob sie getauft werden wolle. Sofort öffnete die Sklavin ihre Augen und sagte mit deutlicher Stimme, sie wünsche es von ganzem Herzen. Und nachdem sie die heilige Taufe empfangen hatte, erhob sie sich vollkommen gesund von ihrem Lager. Noch auffallender war die Totenerweckung eines Sklaven, der alle Ermahnungen und Bitten des Heiligen zum Trotz die Taufe zurückgewiesen hatte und so in voller Verstocktheit gestorben war. Schon schleppte man die Leiche des Unseligen hinaus, um sie in ungeweihter Erde zu verscharren, da eilte P. Claver, der inzwischen die göttliche Barmherzigkeit mit Gebeten und strengen Bußwerken bestürmt hatte, herbei und befahl, die Leiche zurückzubringen. Dann rief er den Verstorbenen ins Leben zurück und spendete ihm die heilige Taufe, um welche er vor vielen Zeugen bat. Von seinem geistlichen Obern über diesen Fall, der natürlich großes Aufsehen machte, befragt, gestand der Heilige in aller Einfalt die Wahrheit dieser Totenerweckung, Gott allein die ganze Ehre zuweisend.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Mittwoch, 28. Januar 2015

Zum Fest des hl. Petrus Nolasco

Der hl. Apostel Petrus erscheint dem hl. Petrus Nolasco (Zurbarán)

Heute ist nach dem Missale von 1962 das Fest des hl. Petrus Nolasco. Bei einem Aufenthalt in Barcelona sah er das harte Los der christlichen Sklaven bei den Mohammedanern und gründete unter Mithilfe des hl. Raimund von Penyafort nach einer Erscheinung der Muttergottes den Ordo Beatae Mariae de Mercede redemptionis captivorum (Orden Unserer Lieben Frau von der Barmherzigkeit vom Loskauf der Gefangenen), der als Mercedarier-Orden bekannt ist. Der Loskauf der Christensklaven aus den Händen der Moslems war wie bei den Trinitariern das Gründungsziel dieses Ordens. Das Lösegeld waren oft die Ordensleute selbst, die im Tausch für die gefangenen Christen in der Gewalt der Moslems zurückblieben. Ein viertes Gelübde der Mercedarier ist ein fester Teil dieses Ordens, das früher jeden Mercedarier verpflichtete, selbst sein Leben für die Sklaven zu geben. Nach der heutigen Ordensregel gilt dies bei „neuen Formen der Sklaverei“. 

Der Orden des heiligen Petrus Nolasco hat zahlreiche Heilige hervorgebracht,
wie etwa den heiligen Serapion, den ersten Märtyrer des Ordens, oder den hl. Raimund Nonnatus, dem die Moslems die Lippen mit einem glühend heißen Eisen durchbohrten und durch die Wunden ein Vorhängeschloss führten, damit er nicht mehr von Christus predigen konnte. 
Die Mercedarier waren besonders in Spanien und Lateinamerika weit verbreitet, wo sich noch heute die meisten Ordenshäuser finden.

Bitten wir die Muttergottes und den hl. Petrus Nolasco, dass sein Orden auch heute auszieht, um die vielen Christen, die im Sudan oder in anderen Ländern als Sklaven der Mohammedaner ihr Dasein fristen müssen, wo sie in ständiger Gefahr sind, ihr Leben oder noch wichtiger, ihren Glauben zu verlieren, zu befreien!


Hier noch eine kurze englischsprachige Predigt der Franziskaner der Immaculata über den hl. Petrus Nolasco:

Samstag, 19. Juli 2014

Der heilige Vinzenz von Paul über seine Gefangenschaft bei den Moslems in Tunesien


Als ich (von Marseille) zu Lande abreisen wollte, lud mich ein Edelmann ein, ihn bis Narbonne zur See zu begleiten. Wetter und Wind waren günstig, so dass wir an einem Tag Narbonne erreichen konnten; daher nahm ich die Einladung an. Aber Gott gestattete, dass drei türkische Brigantinen, welche im Golf von Lion christlichen Schiffen auflauerten, auf uns Jagd machten und uns so heftig angriffen, dass zwei oder drei Passagiere getötet und alle anderen verwundet wurden; auch ich erhielt einen Pfeilschuss, der mir zeitlebens als Wetterprophet dienen wird. Wir mussten uns ergeben, unser Steuermann wurde in Stücke gehauen, weil die Türken bei ihrem Angriff einen ihrer Anführer und vier oder fünf Galeerensklaven verloren hatten. Nachdem man uns oberflächlich verbunden hatte, legten sie uns in Ketten und setzten ihren Raubzug fort; nach sieben oder acht Tagen aber segelten sie, zufrieden mit der gemachten Beute, nach ihrer Räuberhöhle (Tunis) zurück. Dort gab man vor, man habe uns auf einem spanischen Schiff gefangen genommen, damit der französische Konsul keinen Anlass habe, uns zu befreien, und stellte uns dann zum Verkauf aus.

Dabei ging es so zu: Anstatt unserer eigenen Kleider erhielten wir einen Sklavenanzug, und mit einer Kette um den Hals führte man uns durch einige Straßen der Stadt Tunis. Dann kehrten wir zum Schiff zurück, und die Kaufleute kamen dorthin, um zu sehen, wer essen könne und wer nicht, damit sie erkannten, dass unsere Wunden nicht gefährlich seien. Darauf endlich führte man uns auf den Markt, und hier untersuchte man uns, wie man ein Pferd oder ein Rind beim Verkauf untersuchen würde. Man ließ uns den Mund öffnen und besah unsere Zähne, befühlte unsere Glieder, wir mussten gehen, laufen, Lasten heben, ringen und tausend andere Brutalitäten uns unterziehen, um unsere Kräfte erkennen zu lassen.

Ich wurde an einen Fischer verkauft; allein da ich nichts so wenig ertragen kann als das Meer, musste dieser mich bald wieder verkaufen, und ich kam jetzt an einen Arzt, einen sehr menschenfreundlichen und milden Mann, welcher, wie er mir sagte, schon 50 Jahre nach dem Stein der Weisen suchte, ohne ihn zu finden. Meine Beschäftigung bestand darin, unter zehn bis zwölf Öfen das Feuer zu unterhalten. Er liebte mich sehr und sprach gern mit mir über die Alchemie, noch lieber aber über sein Gesetz, zu welchem er mich mit aller Gewalt hinüberzuziehen suchte, indem er mir viele Reichtümer und die Mitteilung seiner ganzen Wissenschaft versprach: Gott aber hielt mich aufrecht durch die Hoffnung auf meine Befreiung, die ich in vielen Gebeten durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau erflehte.

Bei diesem Arzt war ich vom September 1605 bis zum August 1606; dann wurde er zum Sultan nach Konstantinopel berufen, er starb aber auf der Reise. Er hinterließ mich seinem Neffen, der mich jedoch auch bald wieder verkaufte und zwar an einen sizilianischen Renegaten (ein zum Islam abgefallener Katholik). Dieser führte mich ins Gebirge auf sein Tomat – d. h. sein Landgut, das er vom Großherrn zur Pacht hatte, denn das Volk hat kein Grundeigentum; alle Äcker gehören dem Sultan.

Der Renegat hatte drei Frauen, und der einen von ihnen, einer Türkin, bediente sich die Barmherzigkeit Gottes, um ihren Ehemann in die Kirche zurückzuführen und mich aus der Gefangenschaft zu befreien. Neugierig, wie sie war, wollte sie die christliche Lebensweise kennenlernen; daher kam sie täglich aufs Feld, wo ich graben musste, und nach vielen Fragen befahl sie mir, das Lob meines Gottes zu singen. Die Erinnerung an das „Wie sollen wir singen im fremden Lande“ der gefangenen Juden in Babylon bewog mich, mit Tränen im Auge den Psalm Super flumina Babylonis (An den Flüssen Babylons sangen wir und weinten usw.) anzustimmen, dem ich das Salve Regina und andere Lieder folgen ließ. Sie fand an diesen Gesängen ein unsägliches Vergnügen, so dass sie am Abend ihrem Mann sagte, er habe Unrecht daran getan, seine Religion zu verlassen; sie habe dieselbe hochschätzen gelernt durch das, was ich ihr vorgesungen; sie sei dabei vor Entzücken außer sich geraten, und sie glaube nicht, dass das Paradies, das sie erwarte, ihr größere Freude gewähren könne, als die gewesen sei, welche sie bei meinem Gesang empfunden habe. 
Diese Worte machten auf ihren Mann solchen Eindruck, dass er mir am folgenden Tage sagte, er warte nur auf eine günstige Gelegenheit, um mit mir nach Frankreich zu fliehen. Die Gelegenheit bot sich aber erst nach zehn Monaten; auf einem kleinen Kahn entkamen wir und am 28. Juni 1607 landeten wir in Aiguesmortes, von wo wir wenige Tage später uns nach Avignon begaben. Hier nahm der päpstliche Vizelegat den Renegaten wieder in die Kirche auf.“ 

(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Später gründete der hl. Vinzenz die Congregatio Missionis, die Kongregation der Missionen, besser bekannt als Lazaristen oder Vinzentiner, die wiederum heilige Missionäre, darunter auch Märtyrer, hervorbrachte, so z. B. den hl. Justin de Jacobis, den Apostel Äthiopiens (Teil 1, Teil 2, Teil 3) sowie den heiligen Märtyrer Jean-Gabriel Perboyre, der in China für den Glauben starb (hier).

Donnerstag, 1. Mai 2014

Große Missionsbischöfe: Vater der ehemaligen Sklaven und Kardinal – Florian Kardinal Desprez, Erzbischof von Toulouse, Altbischof von St. Denis auf Réunion



Am 20. Januar erlosch in Toulouse ein glänzendes Licht der französischen Kirche, Se. Eminenz Kardinal Florian Desprez, Erzbischof von Toulouse. Da ein Teil seines langen, vielbewegten Lebens auch den auswärtigen Missionen angehört, so dürfen wir seinen hochgeachteten Namen hier nicht unerwähnt lassen. Geboren am 14. April 1807 in Ostricourt (Nord), wirkte er, mit 22 Jahren schon Priester, zunächst als Kaplan an der Kathedralkirche von Cambrai und bewies hier besonders während des Cholerajahrs 1830 großen Mut und Seeleneifer. Als Pfarrer von Roubaix verdiente er sich durch seine Liebe zu den Armen den Ehrennamen eines „Vaters der Unglücklichen“. 

Seine feurige Natur drängte ihn zu den auswärtigen Missionen, und das Jahr 1850 sah ihn auf dem Weg nach der Insel Réunion. Der Kapitän des Schiffes, Herr de Plas, und der Leutnant Clerc wurden später beide Jesuiten und letzterer eines der blutigen Opfer der Commune von 1870.

Durch Beschluss der französischen Republik von 1848 hatten auf Réunion 100.000 Neger plötzlich ihre Freiheit erlangt. Dieser unvorbereitete Umschlag wurde hier wie anderswo für die armen Schwarzen verhängnisvoll und stürzte sie erst recht in Not und Elend. Abbé Desprez nahm sich derselben von Anfang mit hinopfernder Liebe an und schloss auch die zahlreiche Aussätzigen, die in elenden Baracken hilflos verlassen lagen, davon nicht aus. Er besuchte sie regelmäßig, tröstete, unterrichtete sie und taufte mit eigener Hand 19 dieser Unglücklichen.

Am 5. April 1851 wurde Desprez auf den bischöflichen Stuhl von St. Denis auf Réunion erhoben. Die Insel verdankt ihm ein Priesterseminar, die Berufung von Ordensschwestern, den Ausbau der Kathedrale und die trefflichen Statuten für den Klerus, die auf vier von ihm berufenen Synoden beraten wurden. Das mörderische Klima führte den seeleneifrigen Bischof in wenigen Jahren an den Rand des Grabes. 

Um ihn zu retten, wurde er 1857 nach Frankreich zurück auf den bischöflichen Stuhl von Limoges berufen. Zwei Jahre später wurde er Erzbischof von Toulouse, am 12. Mai 1879 Kardinal der römischen Kirche. Diese zweite lange und tatenreiche Periode liegt außerhalb unseres Rahmens. Zeitlebens aber blieb der hohe Kirchenfürst ein besonderer Freund des katholischen Missionswerks und großer Förderer des Vereins zur Verbreitung des heiligen Glaubens.


(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Sonntag, 26. Januar 2014

Papst Benedikt XV. über Afrikamission und Sklaverei


Angeregt durch Kardinal Lavigerie und durch ein Rundschreiben Papst Leos XIII. vom 26. November 1890 allen katholischen Bischöfen dringend empfohlen, bildete die jährliche Epiphaniekollekte ein wichtiges Hilfsmittel zur Bekämpfung der Sklaverei und Förderung des Missionswerkes im dunklen Weltteil. 

Zum silbernen Jubiläum der Dreikönigsspende hat nun auch Papst Benedikt XV. das Wort ergriffen. Das vom 11. Februar 1916 datierte Schreiben besitzt ganz allgemeine Geltung für die gesamte Kirche, ist aber, wie das die Päpste öfter tun, an einen einzelnen Kirchenfürsten gerichtet. 
Da die Anregung zur Epiphaniekollekte von einem französischen Kardinal ausging, wandte sich der Papst auch jetzt an einen der Kirchenfürsten Frankreichs, und zwar an Kardinal Andrieu von Bordeaux, weil, wie Benedikt XV. bemerkt, dessen Bischofssitz als Mittelpunkt der Handelsbeziehungen mit den französischen Kolonien in Afrika gelte.

Das päpstliche Schreiben weist kurz auf die Bemühungen der Kirche hin, den Negern jene Freiheit zu verschaffen, die ihnen als Kindern Gottes zustehe. „Aber“, heißt es dann weiter, „wenngleich auch das entehrende Brandmal der Sklaverei zum größten Teil ausgemerzt ist, so haftet der Schandfleck dennoch dem Körper der menschlichen Gesellschaft an. 
Darum ist es Unsere Pflicht, das erhabenen Beispiel der Liebe zu allen Menschen, das Unsere Vorfahren auf dem päpstlichen Stuhle gegeben haben, nachzuahmen, und so bestätigen Wir denn nach dem Vorbild Papst Pius‘ X. das Dekret Leos XIII. und wollen, dass allenthalben am Dreikönigsfeste eine Kollekte zum Besten der Negermissionen abgehalten werde.“ 

Zum Schluss weist Papst Benedikt XV. auf die schönen Früchte im Negerapostolat hin und verleiht dem Wunsch Ausdruck, der Erlöser des Menschengeschlechts möge den Tag beschleunigen, da das heiß ersehnte Ziel der Befreiung aller Schwarzen erreicht sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Mittwoch, 4. Dezember 2013

"Mein Blut kocht in mir" – Ein katholischer Bischof als Verteidiger der Aborigines

Matthew Gibney, Bischof von Perth (+1925)

Während in Tasmanien die Ausrottung der Ureinwohner schon seit Jahrzehnten zur vollendeten Tatsache geworden, führt man auf dem westaustralischen Festland den Vernichtungskrieg gegen die einheimische Rasse unerbittlich weiter. 

Allerdings erheben in allerneuster Zeit die einflussreichsten englischen und australischen Blätter entschieden ihre Stimme gegen eine aller Zivilisation hohnsprechende Behandlung der Eingeborenen. Tatsachen werden an die Öffentlichkeit gebracht, denen gegenüber die maßgebenden Behörden nicht mehr länger das Auge zudrücken können. Offizielle Dementis finden bei dem Publikum keinen Glauben mehr, und so besteht die Hoffnung, dass wirksame Maßnahmen gegen die Ausrottung der hilflosen Rasse ergriffen werden. 

Als einer der Hauptankläger, dessen Ansehen auf die öffentliche Meinung den gewichtigsten Einfluss ausübt, tritt Bischof Gibney von Perth auf. „Niemand ist berufener als er“, meint der Western Australian Record, „in der Eingeborenenfrage ein Wort mitzusprechen. Er hat unter den wildesten Stämmen gelebt; er ist in Gegenden vorgedrungen, wohin bis jetzt kein Weißer sich hingewagt, ohne bis an die Zähne bewaffnet zu sein; er hat ihre Lage und ihre Bedürfnisse studiert wie kein zweiter.“ 

Bischof Gibney lässt sich in seiner Anklage von den lautersten Beweggründen leiten. Weder persönliche Freundschaft noch politische Rücksichten hielten ihn ab, die Dinge so darzulegen, wie er sie gefunden, und so erhebt sein Zeugnis den Anspruch auf unbedingte Glaubwürdigkeit. 

„Mein Blut kocht in mir“, schreibt der australische Kirchenfürst, „wenn ich an die Grausamkeiten denke, welche durch unsere Gefängnisbehörden verübt werden. Die Behandlung, welcher die Eingeborenen in den Gefängnissen von Broome und Derby wegen der ihnen aufgebürdeten Verbrechen des Diebstahls eines Schafes oder wegen einer Desertion unterworfen wurden, wären nach der Meinung eines jeden, der noch an eine göttliche Gerechtigkeit auf Erden glaubt, hinreichend, den Fluch auf das ganze Land herabzuziehen. 
Verurteilt zu 3, 6 oder 12 Monaten Gefängnis, sind diese unglücklichen Geschöpfe Tag und Nacht in Eisen und Fesseln geschlagen. So arbeiten sie auf offener Landstraße in der blasentreibenden Hitze der tropischen Sonne, am Hals und an den Beinen aneinander gekettet. 

Als sie so dasaßen, Steine klopfend, konnte ich ihre durch Hitze und Ketten hervorgerufenen Hitzblasen auf ihrem Nacken sehen. Und selbst wenn die armen Menschen völlig erschöpft hinsanken, wurden sie nicht von ihren Fesseln befreit; erst der Tod erlöste sie davon. Das ist der Anteil an der Zivilisation, welchen die ‚dienenden Geister‘ (Beamte) des Nordens den Küstenstämmen bringen. 
Was Wunder, wenn heute in der Umgebung der Städte an der Nordwestküste kaum noch die Hälfte von der schwarzen Bevölkerung übrig geblieben ist, die zur Zeit der ersten Ansiedlung hier wohnte.“ Und wie und auf welche Gründe hin füllen die Behörden ihre Zuchthäuser? Von den vielen haarsträubenden Begebenheiten nur eine.

Ein gewisser Ansiedler (squatter), der an der Küste eine große Zahl Eingeborener beschäftigt, trieb einst Hornvieh ins Innere. Eine Zahl Eingeborener und Chinesen begleiten ihn. Bei seiner Rückkehr führte er 20 Gefangene mit sich und davon über die Hälfte Mädchen, um damit seine angestellten jungen Leute zu versorgen und sie so zu hindern, seinen Dienst zu verlassen. 
Die Gefangenen waren zwar nicht gefesselt, aber von den Eingeborenen und Chinesen so umringt, dass sie nicht entwischen konnten. 

Ein Weißer, der durch das Lager kam, sah noch die Spuren eines Kampfes, der die Nacht zuvor mit Angehörigen, dessen Männer und Frauen geraubt worden, stattgefunden hatte. 
Dieselben waren den Räubern gefolgt, um ihre Stammesgenossen zu befreien. Der Farmer hatte bei dieser Gelegenheit einen Speer in den Arm erhalten; einige Reitsattel, welche man in Erwartung eines Angriffs zur Täuschung als Strohpuppen hingelegt hatte, waren mit Speeren überschüttet und einige eingeborene Arbeiter bei dem Überfall getötet worden. 
Man drängte den unliebsamen Zeugen zur Weiterreise; aber er hatte genug gesehen, um festzustellen, dass dieser Frauenraub nur einer von den vielen sei, zu deren Kenntnis er während seines langen Aufenthalts im Norden gekommen war. 

Und nun der Ausgang der Sache! In die Stadt zurückgekehrt, meldete der Farmer der Polizei, er, seine Leute und sein Vieh seien von den Schwarzen überfallen worden. Natürlich fand er Glauben. Auf seine Aussage hin wurde einige Zeit nachher eine Anzahl Eingeborener unter dem Vorwand, sie seien mitschuldig an dem Überfall, festgenommen und zur Strafe mehrere Monate lang an den Schubkarren geschmiedet.“

Angesichts solcher Tatsachen hatte sich Bischof Gibney schon früher klagend an die Königliche Kommission gewandt, jedoch vergeblich. Vorgekommene „Unregelmäßigkeiten“ wurden bemäntelt und die eingeleitete Untersuchung niedergeschlagen. „Ist aber diese Vertuschungspolitik auch heute noch am Platze?“ fragt der Kirchenfürst. „Erregen nicht die schönfärberischen Berichte der Regierungsbeamten den begründeten Verdacht, dass sie selbst Mitschuldige an ähnlichen Vorkommnissen sind?“ 
Gewiss gäbe es unter den Ansiedlern unbescholtene Leute; viele aber schienen das Naturgesetz: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen“, kaum zu kennen. Als Haupt der katholischen Kirche in diesem Staate könne er nicht länger stillschweigend zusehen, wie Tausende armer Eingeborener, die doch ein besonderes Anrecht auf den Schutz der Regierung hätten, an Leib und Seele zu Grunde gerichtet würden. 

Der Bischof rät sodann die Einführung von Reservationen für die Eingeborenen an.  Dieses System sei von den Vereinigten Staaten schon lange angenommen worden und habe den Indianer ungeheure Vorteile gebracht (?). 

Auf diese Weise werde dieses Brandmal der Schmach und Schande von Nordwest-Australien verschwinden. Aber derjenige, welcher den Titel „Beschützer der Eingeborenen“ führe – er meint damit den mit der Eingeborenenfrage betrauten Regierungskommissär -, dürfe dann nicht hinter dem grünen Tische in der Hauptstadt sitzen bleiben, sondern müsse in das Herz der Kolonie vordringen und mit dem Eingeborenen selbst in lebendige Berührung kommen.(…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Montag, 25. November 2013

Ein Missionsbischof redet den Kolonialmächten ins Gewissen

Erzbischof Alexandre Le Roy C.SS.P.


Auf dem internationalen Antisklaverei-Kongress in Paris hielt Msgr. Le Roy, Generaloberer der Väter vom Heiligen Geist, einen bemerkenswerten Vortrag, in welchem er den Kolonialmächten eindringlich ins Gewissen redete und Vorschläge zur Besserung der afrikanischen Kolonialgesetzgebung machte. Wir möchten in freier Anlehnung an die Rede des erfahrenen Missionsbischofs wenigstens kurz die Hauptgedanken hervorheben.

Sämtliche Mächte, die in Afrika kolonisierend auftreten, sprechen große Worte über ihre zivilisatorische Aufgabe unter den Schwarzen. Allein die Tatsachen stimmen oft wenig mit den Worten [überein], und die koloniale Gesetzgebung ist dringend der Reformen bedürftig. Auf der einen Seite geht man vielfach mit unvernünftiger Strenge vor. Die zahlreichen Beispiele von unmenschlicher Grausamkeit und von gewissenlosen Missbrauch der Gewalt, wie sie in den letzten Jahren sich häufen, sind nicht dazu angetan, die Zivilisation der Weißen zu empfehlen. 
Auf der anderen Seite wird durch übergroße Schonung gewisser einheimischer Unsitten und barbarischer Zustände gefehlt, welche der Zivilisation der betreffenden Völker direkt im Weg stehen. Hierher gehören:


1. Menschenfresserei und Menschenopfer. 

Ohne Zweifel ist man dieser kannibalischen Unsitte vielerorts (wie z.B. im britischen Nigergebiet) energisch zu Leibe gegangen. Die schlimmsten Vorkommnisse dieser Art, jene grausamen Massenabschlachtungen, wie sie z.B. in Dahomey üblich waren, sind ja beseitigt worden. 
Es wäre aber ein Irrtum, zu glauben, dass der Kannibalismus in den afrikanischen Kolonien aufgehört habe.
Noch immer kommen zahlreichen Menschenschlächtereien vor, nicht bloß im Dunkel der Wälder, sondern auch in den Stationen und Posten der Kolonie. Werden doch unter den Augen der Beamten Menschenviertel vorübergetragen und verteilt. 
Auch die Menschenopfer beim Tode von Häuptlingen, als Sühn- und Bittopfer zur Abwendung von Seuchen, Krieg u.dgl. sind noch viel häufiger als man denkt. Wenn irgendwo, dann wäre diesem grauenhaften Unfuge gegenüber unerbittliche Strenge am Platz.


2. Kindsmord. 

Derselbe ist unter den afrikanischen Stämmen sehr verbreitet und ein wahrer Krebsschaden. „Man berechnet, dass (vielerorts) von zehn Kindern, die zur Welt kommen, acht verschwinden. Fällt ihre Geburt auf einen Unglückstag, fängt das Kind früh zu zahnen an, kommen Zwillinge zur Welt oder tritt sonst ein ungünstiges Vorzeichen ein usw., so genügt dies, um den Kleinen das Todesurteil zu sprechen. 
Die Werkzeuge dieser unmenschlichen Sitte sind in der Regel alte Zauberinnen. Es würde genügen, an der einen oder andren dieser Hexen ein ordentliches Exempel zu statuieren, um der ganzen Sippe ein für alle Mal das saubere Handwerk zu legen. Es geschieht aber nicht.

3. Die Giftprobe 

ist fast über ganz Afrika verbreitet und fordert Tausende von Menschenleben. Tritt ein ungewöhnlich rascher Todesfall ein, wird ein Diebstahl oder sonst eine Untat begangen, so greift man, oft selbst bei lächerlichen Kleinigkeiten, zur Giftprobe, um den Täter zu ermitteln. Wer nicht giftfest ist, und das sind die wenigsten, muss, schuldig oder unschuldig, unter schrecklichen Qualen sterben.
Diese Giftprobe wird als furchtbares Werkzeug namentlich von den zahlreichen afrikanischen Geheimbünden gehandhabt, deren Femgerichte Tausende zum Opfer fallen. 

Besonders häufig richten sich diese Todesurteile gegen die im Dienst von Weißen stehenden Neger, die durch ihren Wohlstand, ihre Bildung, ihren Fortschritt die Eifersucht der Häuptlinge erregen. So sind auch eine Reihe von schwarzen Katechisten und Lehrern aus der Welt geschafft worden, ohne dass die bei den Behörden eingebrachten Klagen berücksichtigt worden sind.

4. Die Sklaverei

ist jene Unsitte, welche am meisten die öffentliche Meinung in Europa erregt und die Mächte zum entschiedenen Einschreiten veranlasst hat. Vieles ist zur Abschaffung derselben geschehen, aber lange nicht genug. 
Noch wuchert das Übel unter allen möglichen Formen und Vorwänden fort und weiß sich zu halten. (Leider behandeln so viele Weiße ihre Diener schlimmer als Sklaven und wird auch von europäischen Gesellschaften selbst oft ein wahrer Sklavenhandel getrieben).

5. Der Alkohol. 

Wie die rote Rasse durch das „Feuerwasser“, so wird seit einem halben Jahrhundert nun auch die schwarze Rasse durch Schnaps und Fusel vergiftet und zu Grunde gerichtet. 
Ungeheure Massen dieses schmachvollen „Kulturmittels“ werden jährlich nach Afrika verschifft und seit Jahren auch an Ort und Stelle fabriziert. Hier wären nicht bloß strenge Maßregeln, sondern vor allem eine scharfe Kontrolle über die Ausführung am Platze.

6. Duldung unsittlicher Gebräuche. 

Gewiss ist den einheimischen Sitten und Überlieferung gegenüber eine vernünftige Schonung am Platze. Das gilt sicher aber nicht von Aufführungen, Tänzen, Orgien, Zusammenkünften, Zeremonien, die aller Sittlichkeit hohnsprechen. Manche, auch europäische, Posten sind berüchtigt als wahre Lasterhöhlen und Ansteckungsherde sittlicher Verderbnis.

7. Die schmachvolle Behandlung und Lage der afrikanischen Frau. 

Die Enthüllungen, die ein Mitbruder Msgr. Le Roys hierüber gemacht, haben wir im letzten Jahrgang gebracht. Das Weib wird von ihrer Kindheit her einfach als Sache behandelt und in der willkürlichsten Weise verschachert und preisgegeben. 
Diese Zustände haben die schlimmsten Folgen für die sittlichen und bürgerlichen Verhältnisse, machen ein geordnetes Familienleben unmöglich, verschulden den teilweisen Rückgang der Bevölkerungszahl und hindern das segensreiche Wirken der Mission.
Was hilft es, die Mädchen in den Anstalten der Schwestern gut zu erziehen, wenn die Willkür und Habgier der Eltern und Verwandten die armen Kinder gegen ihren Willen vor der Zeit gewaltsam entführt und einem schmachvollen Los überantwortet? Die vorhandenen Missstände schreien förmlich nach einer strengen Gesetzgebung zur Regelung der afrikanischen Frauenfrage. Msgr. Le Roy schlägt diesbezüglich besonders drei Punkte vor.

Erstens darf kein Mädchen vor den Jahren der Reife und ohne ihre Einwilligung verheiratet werden.
Zweitens darf, nachdem die übliche Mitgift einmal bezahlt ist, das Mädchen bzw. die Frau unter keinem Vorwand mehr zurückgenommen werden.
Drittens muss in den Kolonien ein genaues Trauregister geführt werden, um es den Behörden zu ermöglichen, das Gesetz wirksam aufrecht zu erhalten und die Übertreter zur Rechenschaft ziehen.


Die Einführung solcher und ähnlicher Gesetze würden nach Msgr. Le Roys Überzeugung bei den Schwarzen selbst nicht auf wesentliche Schwierigkeiten stoßen, da deren heilsamer Einfluss sich bald fühlbar machte. 
Freilich mit Zirkularen und Dekreten der Kolonialämter ist es nicht getan. Ihre Ausführung muss entschieden urgiert und überwacht werden. 
Sie würden dann eine wichtige Stütze auch für die Mission sein und die schönen Worte von der „zivilisatorischen Aufgabe“ Europas in Afrika der Wahrheit näher bringen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Samstag, 12. Oktober 2013

Missionseifer unter Kindern


In einer Erziehungsanstalt Süddeutschlands, wo der Missionseifer in schönster Blüte steht, erhielt die Vorsteherin von einer kleinen Schülerin folgendes Brieflein, das wir genau nach dem Original wiedergeben:

„Liebe Frau Vorsteherin! Es tut mir leid, dass ich Ihnen auf so schlechtem Papier schreibe und nicht einmal ein Kuvert dazu habe; nämlich ich habe den Brief in sehr großer Eile geschrieben. Bitte, liebe, gute Frau Vorsteherin!
Ich bitte Sie, möchten Sie doch so gut sein und mir erlauben, dass ich jeden Sonntag die Pensionärinnen um einen oder zwei Pfennige bitte für die Missionen. Es wird bald ein kleines Sümmchen zusammen; dann kann ich es Ihnen mit Freuden geben, und Sie können es in die Mission schicken, wenn Sie wieder ein Heidenkind kaufen (d.h. aus der Sklaverei freikaufen).

Es bittet Sie darum recht inständig und von ganzem Herzen Ihre dankbare E…

Nachschrift: O, bitte erlauben Sie es, es ist ein sehr gutes Werk, Gott hat Wohlgefallen daran. O bitte!“


Die Vorsteherin setzte keinen Widerstand entgegen, und heute besteht der „Pfennigverein“ in der Anstalt.

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Zeugnis einer afroamerikanischen Tageszeitung für die katholische Kirche


Ein beachtenswertes Zeugnis zu Gunsten der katholischen Kirche stand vor kurzem im Enterprise, dem Negerblatt in Omaha. „Seit vielen Jahren bereits“, so war hier unter dem Titel „Die katholische Kirche“ zu lesen, „sind wir der Ansicht, dass die Neger gut daran tun würden, sich mehr und mehr unter die Leitung der katholischen Kirche zu stellen. Der Grund ist, weil diese Kirche dem Neger einen Schutz bietet, wie er ihn von keiner anderen Seite und keiner anderen Organisation in diesem Land erwarten darf.

Im ganzen Süden war ihm diese Kirche ein Führer und Schild. In der Hauptstadt des Landes, wo die ‚weißen Kollegien‘ sonst die Farbenlinie ziehen, steht die katholische Universität als glorreiche Ausnahme da…Dasselbe gilt von den Spitälern, Bewahranstalten u. dgl., welche die katholische Kirche zum Besten der Armen gegründet hat. Während andere Anstalten dieser Art die Farbigen ausschließen oder Unterschiede machen, strecken die Barmherzigen Schwestern die Hand liebevoll auch ihnen entgegen. Die Türen dieser Kirche stehen auch den Schwarzen offen, ihre Spitäler und Schulen sind auch uns geöffnet. Wir suchen einen Weg aus der Wildnis der Vorurteile und des Hasses heraus. Wohlan, vergessen wir nicht, dass es eine katholische Kirche gibt.“

Dieses so wohlwollende Zeugnis ist umso auffallender, weil die katholische Kirche bisher für die Neger der Vereinigten Staaten verhältnismäßig erst wenig getan hat und von den 9 Millionen bloß 150.000 zu den Ihrigen zählt. Und doch wäre es so leicht, die arme, trotz aller „Bürgerfreiheit“ doch verachtete und zurückgesetzte Rasse zu gewinnen. Übrigens wird uns von einem guten Kenner der Verhältnisse versichert, dass die 8 Millionen protestantischen Neger, die in den Missionsstatistiken der Protestanten figurieren, „Schwindel“ seien.


(aus: die katholischen Missionen, 1912)

Montag, 17. Juni 2013

Kardinal Lavigerie über den islamischen Sklavenhandel in Afrika

„Für das Joch bestimmt
Die Tagesblätter haben bereits über die Vorträge berichtet, welche Se. Eminenz Kardinal Lavigerie in der Kirche St. Sulpice zu Paris, in der St. James-Hall zu London und in St. Gudula in Brüssel heilt. Der greise, um die afrikanische Mission hochverdiente Kirchenfürst forderte in begeisterten Worten auf, dem greulichen Sklavenhandel, dem zur Schande der Menschheit jährlich immer noch etwa eine halbe Million Neger zum Opfer fallen, durch energische Schritte bei den beteiligten mohammedanischen Fürsten und durch die Ausrüstung einer kleinen bewaffneten Macht endlich entschieden den Krieg zu erklären. 

Die Sklavenjäger sind durchweg Mohammedaner. „Während unsere Blicke auf andere Länder sich richteten,“ führte der Kardinal aus, „hat der Islam seit fünfzig Jahren ungehindert, ohne Lärm und mit unermüdlicher Hartnäckigkeit halb Afrika erobert. In gewissen Gegenden, die uns am nächsten liegen, gründete er Reiche; andere Gebiete benützte er zur Sklavenjagd. 

Ich will aber durchaus nicht die Menschen an sich dafür anklagen. Ich lebe ja selbst inmitten von Mohammedanern, und wenn sie in mir auch ihren Vater nicht sehen, so betrachte ich sie doch als meine Kinder. Der Islam trägt die Schuld. Er lehrt, dass die Welt in zwei Rassen geschieden ist: die eine, die der Gläubigen, ist berufen, zu herrschen, die andere, die der Verfluchten, bestimmt zu dienen. 
Unter den letzteren werden wieder die Neger als am tiefsten stehend betrachtet. In den Augen jener sind sie nichts Besseres als Vieh, für das Joch bestimmt.“

Zu den von den mohammedanischen Sklavenjägern besuchten Märkten gehören zunächst sämtliche Städte im Innern von Marokko, wohin jährlich große Karawanen aus den Gegenden des Niger und des Tschad-Sees zu kommen pflegen. 
Die Sklaven werden daselbst öffentlich verkauft und gekauft. Ganz dasselbe geschieht in den südlich von den französischen Besitzungen, von Tunis und von Tripolis gelegenen Oasen, wo Käufer und Verkäufer ebenfalls meist Mohammedaner sind. Außerdem bildet noch Timbuktu den großen Zentralmarkt und gemeinsamen Versorgungspunkt für den Sklavenhandel des nördlichen Afrika und der Provinzen im Süden und Westen vom Senegal. 
Auch in Ägypten, am Roten Meer von Suakin bis Aden und Perim wird lebhafter Menschenhandel getrieben. Dorthin kommen die Sklavenkarawanen aus dem Sudan, von Wadai, Darfur, Kordofan, und vom Osten und Norden des Nyanza (Viktoriasee). 

Arabische Barken holen sie heimlich des Nachts vom Ufer ab, um sie unter dem Schutze der Dunkelheit und unbemerkt von den wenigen hier kreuzenden französischen und englischen Schiffen nach der arabischen Küste zu bringen, von wo aus man sie dann durch das ganze islamitische Asien versendet. 

Seit den mit der Türkei abgeschlossenen internationalen Verträgen werden diese Unglücklichen nicht mehr öffentlich, sondern insgeheim in bestimmten, den Käufern wie den Verkäufern besonders bezeichneten und genau bekannten Häusern verkauft. Starker Sklavenhandel findet sodann noch statt auf einer großen Menge von Märkten zwischen den großen Seen und der Küste von Sansibar, vom Ibo und Lindi im Sudan bis zu den Flüssen Juba und Mukdischu an der Ostküste. 
Von da aus werden die Sklaven auf arabischen Barken am Ufer des Roten Meeres entlang nach Asien geschafft. In den Gegenden östlich von der atlantischen Küste und auf der Grenze von Benguela herrscht in den Tälern des Liba und Kassai ebenfalls noch öffentlicher Sklavenhandel; seit Portugal die an den Ufern des Sambesi bestehenden Sklavenmärkte verboten hat, wurden dieselben nach dem Zululand verlegt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Montag, 15. April 2013

„Die katholische Kirche verurteilt die doppelte Sklaverei…“




„Die katholische Kirche verurteilt die doppelte Sklaverei, die des Geistes und die des Körpers. Sie möchte uns von beiden befreien. Ich war ein armer Sklavenjunge, aber die Priester der Kirche haben mich nicht verachtet. Durch den Einfluss von einem von ihnen bin ich das geworden, was ich heute bin.“

Der Diener Gottes Father Augustine (auch Augustus) Tolton in einer Rede an den First Black Catholic Congress, Washington DC, 1889

Sonntag, 16. Dezember 2012

Die Opfergabe eines Kindes


Ein kleiner Knabe in einer Stadt in England las in einer katholischen Missionszeitschrift von dem beklagenswerten Los der armen Negersklaven in Afrika.
Die Tränen kamen ihm fast in die Augen, und seine Wangen brannten vor Zorn und Erregung über die grausamen, herzlosen Sklavenhändler.
Mit einem Mal sprang er auf und rief: „Mutter, ich wollte, ich wäre ein Mann, dass ich nach Afrika gehen und für diese armen Sklaven kämpfen könnte!“ „Das hat noch gute Weile, Kind,“ sagte die Mutter, „jetzt bist du noch lange nicht stark und groß genug.“ „Ja Mutter, aber könnte nicht der Vater gehen? Ich will es ihm sagen, wenn er nach Hause kommt.“ „Nichts da, Kind, der Vater muss hier bleiben und Geld verdienen. Was sollen wir ohne ihn anfangen?“
„Aber, liebe Mama, kann ich denn gar nichts für diese armen Neger tun?“ „O ja, wir können Almosen für die Missionäre geben, damit sie hingehen, um die armen Negerkinder zu retten.“
Kaum hörte das der Kleine, als er seine Sparbüchse holte, den ganzen Inhalt — es waren nicht weniger als 20 Schilling (Mark) — auf den Tisch schüttete und fröhlich rief: „Das sollen alles die armen kleinen Neger haben.“
War das nicht eine edle Gesinnung, ein selbstloses Opfer und eine in den Augen Gottes höchst verdienstliche Tat, die gewiss ihres Lohnes nicht entbehren wird!


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)


Lieber Leser, ebnen auch Sie in dieser Adventszeit dem Jesuskind den Weg in Ihr Herz und spenden Sie an eine katholische Hilfsorganisation, z.B. an Kirche in Not.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Schutz des Rosenkranzes gegen heidnische Zauberei

Unsere Liebe Frau vom heiligen Rosenkranz

Wie schon die heiligen Apostel den Zauberer Simon unter ihre Widersacher zählten, begegneten auch die Missionare bzw. die Christen in den Heidenländern Personen, die sich meist als Wunderheiler und Weissager betätigten und oft versuchten, die Heiden gegen die wahre Religion aufzubringen.
Dass sie in einigen Fällen wohl auch tatsächlich auf die ein oder andere Art und Weise Zauber gewirkt haben, wird im folgenden Bericht geschildert.



Aus Madagaskar schreibt ein Missionär, P. Bel:

„Der liebe Gott kommt uns nicht selten auf eine wunderbare Weise zu Hilfe, um den Glauben unserer Neubekehrten zu befestigen. Hören Sie nur folgende Geschichte, welche beweist, dass jene, welche den Kopf der Schlange zertrat, derselben auch jetzt noch immer furchtbar ist. 


Eine unserer besten Christinnen, eine arme, einfache und nicht gelehrte Sklavin, steht in Diensten bei einer Familie, welche nicht aus Überzeugung, sondern aus weltlichen Rücksichten protestantisch geworden ist.
Durch ihre Treue hat sich unsere Christin das volle Vertrauen ihrer Herrin erworben, so dass diese ihr die Sorge für ihre Tochter und die Aufsicht über die beiden anderen für deren Dienst bestimmten Sklaven anvertraute. Nun wurde diese Kleine von einer Art Abzehrungskrankheit befallen, sie magerte zusehends ab; deshalb führten ihr Großeltern nach alter malegassicher Sitte sie und ihre Sklavinnen zum Mpisikidy, um durch Zauberei des Heilmittel zu erfragen.
Sikidy ist nämlich der malegassische Name für einen Baum, dessen Samenkörner zur Zauberei dienen, und Mpisikidy ist der Name des Mannes, der aus den verschiedenen Gestaltungen jener Samenkörner die Zukunft oder sonst irgendein der menschlichen Wissenschaft unzugängliches Geheimnis erkennt. 


Der Mpisikidy beginnt also seine Operationen; bei der Kranken und den beiden heidnischen Sklavinnen gelingt sie ihm nach Wunsch; um aber das volle Resultat zu erreichen, muss er auch noch seine Operationen in Bezug auf unsere Christin machen. Das erste Mal haben sie keinen Erfolg; der Zauberer glaubt einen Fehler gemacht zu haben und beginnt seine Hantierungen ein zweites Mal; wiederum kein Erfolg! Ein dritter Versuch misslingt ebenfalls. „Ich gebe es auf!“ ruft er aus, „in Bezug auf diese Frau ist es unmöglich, eine Antwort zu erhalten.“ „Warum unmöglich?“ fragt der Großvater. „Du kennst wohl die Regeln deiner Kunst nicht.“ „Das ist nicht der Grund,“ antwortete der Zauberer; „aber diese Sklavin hat auf ihrer Brust ein Amulett, welches kräftiger ist als alle meine Beschwörungsformeln.“
„Ist das wahr?“ fragt darauf der Herr die Sklavin. — „Durchaus nicht,“ antwortete jene. „Ich habe nur meinen Rosenkranz und mein Skapulier um den Hals.“ „Aber das sind gerade die Zaubermittel, welche die meinigen erfolglos machen!“ ruft jetzt der Zauberer. Man wollte jetzt die arme Sklavin bewegen, den Rosenkranz und das Skapulier abzulegen, damit der Zauberer seine Versuche vollenden könne; aber vergebens waren Bitten, Drohungen und Strafen.
„Ihr könnt mich töten, wenn ihr wollt,“ war stets die Antwort der armen Sklavin, „aber meinen Rosenkranz und mein Skapulier lege ich nicht ab.“ Dabei blieb sie und die Familie musste sich unverrichteter Dinge zurückziehen, da der Zauberer mit allen seinen Künsten nichts vermochte gegen die mit dem Skapulier und Rosenkranz gewappnete, arme Sklavin.
Dieses Ereignis hat einen tiefen Eindruck nicht nur in der Familie, sondern im ganzen Dorf gemacht, und ich hoffe, dass dasselbe für unsere heilige Kirche schöne Früchte hervorbringen wird.“



(Aus: die katholischen Missionen, 1876)