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Sonntag, 23. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Der Muttergottesbaum in Matarieh (Ägypten)

Einer der ältesten und zugleich einer der wenigen Marienwallfahrtsorte, der direkt mit dem irdischen Leben der allerseligsten Jungfrau Maria in Zusammenhang gebracht werden kann, ist der Muttergottesbaum von Matarieh, der sich heute im Bezirk Al Matariyah in der ägyptischen Hauptstadt Kairo befindet.

Die Überlieferung berichtet, dass die Heilige Familie sich nach ihrer Flucht nach Ägypten in Heliopolis, der „Sonnenstadt“ (ägyptisch Pi-Ra, Wohnung der Sonne), niederließ. Diese im Altertum berühmte Stadt verfügte neben einem großen Sonnentempel über Schulen für Philosophie und Astronomie, in denen die heidnischen Priester studierten. Der biblische Patriarch Joseph heiratete Aseneth, die Tochter des Oberpriesters Putiphar, und wohnte dort. Möglicherweise hat auch Moses dort die ägyptischen Wissenschaften studiert. Zur Zeit des Herrn war Unterägypten Heimat zahlreicher Juden, die sich in der Umgegend des Tempels von Leontopolis niederließen. Weil Heliopolis bereits teilweise in Ruinen lag, so wählte die Heilige Familie Matarieh, einen kleinen Vorort Heliopolis’ mit einer großen jüdischen Bevölkerung. Da die ägyptischen Wohnhäuser zu jener Zeit aus Lehm waren, sind keine Überreste mehr von dem Heim der Heiligen Familie übrig, doch bis zum heutigen Tag wird ein anderes Relikt des Aufenthalts des Gottessohnes und seiner gebenedeiten Mutter dort verehrt: Der Muttergottesbaum von Matarieh. Es handelt sich dabei um eine Maulbeerfeige oder Sykomore (Ficus Sycomorus L.), wie sie im östlichen Mittelmeerraum und Afrika weitverbreitet ist. Der Baum wird auch in der Heiligen Schrift erwähnt. Unter einem solchen Baum, so die Überlieferung, soll sich die Heilige Familie ausgeruht bzw. Schutz gefunden haben.[1] In der Nähe dieses Baumes befindet sich eine Quelle. Im Bericht deutscher Wallfahrer aus dem Jahr 1484 heißt es: „Neben uns sehen wir die geweihte Quelle, aus der die glorreiche Jungfrau, Jesus, die Quelle der Frömmigkeit, und Joseph, das Beispiel aller Tugenden, ihren Durst gestillt haben. Nach einer alten Überlieferung unserer Vorfahren kam Joseph, da er auf Befehl des Engels aus dem Lande Israel floh, mit dem Kinde Jesus und seiner Mutter an diesen Ort. Von Durst gequält, bat er in allen Häusern Matariehs um Wasser, aber niemand gab ihm etwas. Ganz erschöpft und ermüdet von der Reise setzte sich die allerseligste Jungfrau mit dem Jesuskind und Joseph unter einen Baum nieder, und siehe da: plötzlich sprudelte an ihrer Seite eine Quelle hervor, und sie konnten sich erquicken.“

Der Ableger des ursprünglichen Baumes zu Beginn des 20. Jahrhunderts 
('Abre di la Viere - Matarieh (1904)' postcard sent by Charles Boddington 2021, Museum of Applied Arts & Sciences, accessed 23 April 2023, <https://ma.as/364278>)

Die Quelle wird schon in frühen christlichen Texten erwähnt, so in einer Predigt des Patriarchen Theophilus, der im Jahr 406 starb. Auch das apokryphe Evangelium über die Kindheit Jesu berichtet im 24. Kapitel: „Als die erhabenen Flüchtlinge die götzendienerische Stadt verließen, gingen sie zu einer Sykomore, die man heute den Baum von Matarea nennt; und zu Matarea ließ der Herr Jesus eine Quelle hervorsprudeln, in welcher Maria, die allerseligste Jungfrau, das Unterkleid des göttlichen Kindes wusch.“ Tatsächlich scheint es an diesem Ort eine Süßwasserquelle gegeben zu haben, während sich die Brunnen aus der Umgegend aus dem Nilwasser speiste, das in den Grund einsickert. Jedoch hat sich der Boden in den Jahrhunderten derart gehoben, dass heute das Quellwasser bereits mit dem Grundwasser aus dem Nil vermischt werden müsste. P. Jullien berichtet, dass das Wasser aus Matarieh tatsächlich weniger salzig war als das Grundwasser der Umgegend, das das Salz aus dem Boden löste. Nach der muslimischen Eroberung gewann die Quelle ein solches Ansehen, dass der ägyptische Sultan vermutlich im 13. Jahrhundert dort einen Landsitz bauen ließ, dessen Balsambaum-Garten nur mit dem Wasser aus der Quelle gegossen wurde. Die osmanischen Paschas in Ägypten zogen das Wasser aus Matarieh jedem anderen Trinkwasser vor.

Matarieh muss einst über eine bedeutende koptische Kirche verfügt haben, deren Kirchweihe in allen koptischen Kirchen Ägyptens und Äthiopiens am 8. Paoni des koptischen Kalenders, dem 15. Juni des gregorianischen Kalenders, unter dem Titel „Gedächtnis der Einweihung der Kirche der Jungfrau von Heliopolis und der wunderbaren Quelle“ gefeiert wurde. Möglicherweise war dies gar die Kathedrale des Bischofs von Heliopolis, dessen Bistum sich zur Zeit des Konzils von Ephesus im Jahr 431 nachweisen lässt. Sie wurde wohl zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert entweder beim Schisma der Kopten oder bei der islamischen Eroberung zerstört, die auch einen Wiederaufbau im Jahr 1154 verhinderten, indem sie die im Bau befindliche Kirche plünderten und zu einer Moschee machten. Im 16. Jahrhundert bauten europäische Kaufleute aus Kairo in Matarieh eine Kapelle. Der Franziskanerpater Bernardin Amico, dessen Orden mit der Pflege der Kapelle betraut war, berichtet über den Bau: „Die Katholiken haben dort [in Matarieh] zu Ehren der Himmelskönigin eine Kapelle erbaut, welche noch besteht. Man sieht sie, wenn man den vor dem Garten befindlichen Hof betritt, rechts, etwa zehn Schritte von der Sakyeh. Das Innere derselben ist nur ein durch einige Treppenstufen in zwei Teile geschiedener Saal. Ein in den Boden gemauertes längliches Bassin, eine durch eine Lampe erhellte Nische in der Wand rechts, und im Vordergrund ein als Altar dienender Steintisch bilden den ganzen Schmuck. Man sagt, dass Maria in dem Bassin die Kleider des göttlichen Kindes wusch, dass sie dasselbe auf dem Stein ruhen ließ und dass sie an dem durch die Nische bezeichneten Ort betete. (…) An jedem Samstag, an den Feiertagen und an allen Muttergottesfesten wird hier die hl. Messe gelesen.“ Zwischenzeitlich wurde die Kirche von Ibrahim Pascha in eine kleine Moschee umgewandelt; nach seiner Absetzung erlaubten die Türken jedoch wieder den Christen das Gebet dort. In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Kapelle zusehends und verschwand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die französischen Jesuiten in Kairo, allen voran P. Michel Jullien, der der bedeutendste Forscher auf dem Gebiet der Geschichte von Matarieh war, bauten in den 1890er Jahren eine Kirche, die diesen weniger bekannten Wallfahrtsort des Heiligen Landes – denn dazu gehört ja auch Ägypten – ehren sollte: 

„Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 

Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.

Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 


Am 8. Dezember des Jubiläumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift: ‚Französische Ordensleute, durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.‘

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.

Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.“[2]

Die Kirche der Heiligen Familie liegt heute genauso wie der Muttergottesbaum wenige Hundert Meter von der U-Bahn-Station El Matarya. Sie befindet sich in weitgehend unverändertem Zustand.

 

Gebet zur Heiligen Familie

„Heilige Familie, Maria und Joseph, die du zu Matarieh trotz der Entbehrungen und Demütigungen der Armut, der Einsamkeit der Verbannung, unter Verfolgung und Todesgefahr glücklich und zufrieden gelebt hast, weil Jesus in eurer Mitte war, und seine Gnade in euren Herzen regierte, erlanget den Pilgern die Gnade, dass Jesus in ihren Familien herrsche, ihnen Geduld und Frieden verleihe in den Prüfungen, und das Vertrauen, bald davon befreit zu werden.

Göttliches Kind Jesus, Du bist nach Ägypten gekommen und hast dort in den ersten Jahrhunderten Deines Gesetzes der Gnade die höchsten Tugenden erblühen lassen; gib, dass Deine Liebe und die christlichen Tugenden in diesem mit irdischen Gütern so reich gesegneten Lande auch jetzt wieder erblühen.“

 

Möge dieses Gebet des P. Jullien sich auch in unseren Tagen erfüllen.



[1] Der heute in Al Matariyah befindliche Baum ist wohl ein mehrere Generationen vom ursprünglichen Baum entfernter Ableger, da die über die Jahrhunderte beschriebenen Bäume deutlich unterschiedliche Formen aufwiesen. Der jetzige Baum ist im Jahr 2013 zusammengebrochen und wurde in der Folge beschnitten. Aus zwei Ästen hat sich mittlerweile ein neuer Baum gebildet.

[2] Ein afrikanisches Heiligtum. In: die katholischen Missionen. Herder’sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1908

Montag, 7. November 2022

Eine neue selige Missionärin: Maria Carola Cecchin


Fiorina Cecchin wurde 1877 in Cittadella bei Padua geboren. Aufgrund ihrer schwächlichen Gesundheit wurde ihr zunächst die Zulassung zum Ordensleben verweigert, bevor sie von den Cottolengo-Schwestern in Treviso aufgenommen wurde. Ihr Wunsch, in die Mission zu gehen, erfüllte sich, als sie 1905 nach Kenia entsandt wurde. In 20 mühevollen Jahren in der Mission, die nicht zuletzt geprägt waren durch den Ersten Weltkrieg, der auch Ostafrika heimsuchte, zeigte sie großen Eifer für die Verbreitung des Glaubens, insbesondere durch die Katechese von Kindern, sowie große Nächstenliebe in ihrer Pflege der zahlreichen Kranken, denen sie einen bedeutenden Teil ihrer Zeit widmete.

Nach dem Krieg wurde sie zur Regionaloberin ernannt, erkrankte aber bald an Enterokolitis. Ihre letzten Jahre waren überschattet von den Spannungen zwischen den Cottolengo- und den Consolata-Schwestern in Fragen der Missionsmethode. Ihre Schwestern wurden schließlich nach Italien zurückgerufen. Die Selige starb am 13. November 1925 auf See irgendwo zwischen Ägypten und Saudi-Arabien. In Seiner unendlichen Weisheit wollte Gott nicht, dass ihre Überreste öffentlich verehrt werden. Stattdessen birgt sie nun das Rote Meer, das umgeben ist von vielen Missionsländern und nicht zuletzt von den heiligen Stätten des Islams im für die katholische Kirche bislang unzugänglichen Wahabiten-Königreich.

Als vor knapp einem Jahrzehnt ein Kind in der Diözese Meru in Kenia, dem Ort der apostolischen Arbeit der seligen Maria Carola, tot geboren wurde, betete eine der Schwestern, die sich um die Mutter kümmerten, zu Schwester Maria Carola – nach 30 Minuten war ein Herzschlag zu vernehmen. Heute ist das Baby ein gesunder 9-jähriger Junge. Die selige Maria Carola wurde am Samstag, den 5. November, in Meru von Kardinal Antoine Kambanda selig gesprochen. Ihr Festtag ist der 13. November, ihr Todestag.

Freitag, 14. Oktober 2016

Die franziskanischen Märtyrer von Ägypten

Der heilige Franziskus beim Sultan: die Feuerprobe mit den Imamen.

Seit der heilige Franziskus von Assisi selber in Damiette gelandet, um dem alten Pharaonenland die christliche Wahrheit wiederzubringen, haben seine Söhne dieses Land und den ganzen Orient als ihr besonderes Arbeitsfeld angesehen. Einst die Wiege vieler Heiliger, war Ägypten der Tummelplatz der Irrlehrer und der Mohammedaner geworden.

[…] Der oft entsetzlichen Grausamkeit und dem Hass der Irrgläubigen und der Mohammedaner setzten die Söhne des Armen von Assisi christliche Geduld und heldenmütigen Opferwillen entgegen.
Eine lange Reihe von Martyrern hat der Franziskusorden für jene Gegenden hingegeben. Gerade Kairo hat das Blut einer großen Anzahl von Martyrern getrunken. Der selige Livinus wurde dort zu Tode gequält im Jahre 1345; der selige Johannes von Montepulciano wurde ermordet im Jahre 1349; die seligen Johannes von Montecorvino und Franziskus von Lavaro wurden getötet im Jahre 1358; auf dem Hauptplatz von Kairo wurde im Jahre 1373 der selige Johannes Oteo gekreuzigt.

Die Reihe der Martyrer setzt sich fort bis herunter zu Franziskus Clement, der 1704 dem Hass der Mohammedaner zum Opfer fiel.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1929)

Montag, 8. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 2)

Patriarch Cyrillus II. Macaire
Fortsetzung von hier

Nicht unerwähnt lassen darf ich P. Guirgués, den würdigen Pfarrer von Maschul in der Gegend von Mallaui, der keinem schismatischen Kopten auf dem Land, alt oder jung, begegnet, ohne ihn anzuhalten, über die Religion auszufragen, ihm einige Unterweisungen zu geben und die Aufforderung, sich im wahren Glauben unterrichten zu lassen. Er steht an der Spitze einer Gemeinde voll Glauben und Frömmigkeit.

All diese genannten Priester und ihre würdigen Amtsbrüder wirken durch ihr abgetötetes Leben und ihren apostolischen Eifer zumal unter dem schlichten, einfachen Landvolk überaus segensreich. „Den Armen wird das Evangelium verkündet“, gilt auch hier. Sie folgen hierin ganz dem Beispiel des göttlichen Meisters. Opfer und Abtötung sind ihre steten Begleiter, und ihre Leben ist eine fast ununterbrochene Kette von Entbehrungen. Denn ihr ganzes Einkommen beschränkt sich auf die durch die Jesuitenmissionäre vermittelten Messstipendien, die zumeist nur 1 Franc (80 Pfg.) betragen. Mit diesem spärlichen Budget kann man begreiflicherweise nicht weit springen.

Diese Armut bildet für den apostolischen Eifer dieser Priester einen unliebsamen Hemmschuh. Denn die Ortschaften sind oft sehr weit voneinander entfernt. Um sich den Luxus eines kleinen Reiteselchens oder ein Billet dritter Klasse auf der Eisenbahn zu verschaffen, dafür reichen ihre Mittel nicht hin. Weitere Strecken unter der heißen Sonne Ägyptens regelmäßig zu Fuß zurückzulegen, hieße aber die ohnehin schwachen Kräfte vor der Zeit erschöpfen. Gewiss aber ist, dass wenn die Unionsbewegung unter den schismatischen Kopten so erfreulich in Fluss gekommen ist und sich so tröstlich entwickelt, dies zum großen Teil dem aufopfernden Eifer des einheimischen Klerus zu danken ist. Ihr musterhaftes uneigennütziges Leben und Wirken ist für die schlichten, einfachen Landleute, die dasselbe mit demjenigen ihrer schismatischen Gommos (Namen der jakobitischen Geistlichen) vergleichen, ein greifbarer Beweis der katholischen Wahrheit; denn nur die Wahrheit, das fühlen sie instinktiv heraus, ist im Stande, heroische Tugend zu erzeugen.

Die neuen koptischen Bischöfe (siehe Bild oben) geben ihrem Klerus aber auch ein herrliches Beispiel. Sie sind wirklich nach dem Ausdruck des Evangeliums auf den Leuchter gestellte Lichter, welche ihre wohltätigen Strahlen auf Hirten und Herde werfen. Sowohl Msgr. Ignatius, Bischof von Theben, mein [des Verfasssers P. Rolland S.J.] alter Begleiter auf den apostolischen Wanderfahrten, als Msgr. Maximos, Bischof von Hermopolis (residiert in Minieh), sind unter den augenblicklichen Verhältnissen ihrer jungen Kirche gezwungen, während ganzer Monate unter der armen Fellah-Bevölkerung zu leben und mit ihr die grobe Nahrung und unbequeme Wohnung zu teilen. Sie predigen und katechisieren wie gewöhnliche Priester, ziehen missionierend von Ort zu Ort und scheuen nicht die Opfer, welche dieses Leben unter einem Landvolk, ebenso arm an irdischen Gütern als reich an Gelehrigkeit und gutem Willen, mit sich bringt.

Se. Seligkeit endlich, Msgr. Macaire, unter dem Namen Cyrillus II. der erste Patriarch der wiedererstandenen koptisch-katholischen Hierarchie, ist durch seinen feurigen Eifer wie durch seine Talente und sein Wissen würdig, an der Spitze dieser apostolischen Bischöfe zu stehen. „Unser ehrwürdiger Bruder Cyrillus Macaire“, so sagte in der Konsistorial-Allokution vom 19. Juni 1899 Papst Leo XIII., „zeichnet sich aus durch Tugenden, die eines Bischofs würdig sind, durch Wissenschaft, Frömmigkeit, Klugheit und Gewandtheit in der Amtsführung, wie Wir es durch persönliche Erfahrung festgestellt. Deshalb haben wir ihn der Patriarchalwürde würdig befunden.“

All dies ist wohl im Stande, unseren apostolischen Eifer zu wecken. Wie vorauszusehen war, hat die religiöse Erweckung im Schoß der schismatischen Kirche, der laute Ruf ihrer einzig legitimen Oberen, die massenhafte Rückkehrbewegung zur alten Mutterkirche das Signal zu einer Erneuerung der alten Feindschaft gegen die katholische Kirche gegeben. (…)



(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Sonntag, 7. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 1)

Koptische Priester und Jesuitenmissionäre. In der Mitte Msgr. Maximos, koptisch-katholischer Bischof von Hermopolis.

(…) In dieser schwierigen Lage [des Priestermangels unter den koptischen Katholiken] zeigt sich der junge koptische Klerus seiner hohen Aufgabe ganz und gar würdig. Da ist z. B. Pater Marc, der Pfarrer von Mallaui, das 1 1/2 Stunden mit der Bahn südlich von Minieh entfernt liegt. Jeden Freitag macht er nüchtern den weiten Weg nach Baiadié, einem neuerdings bekehrten Distrikt, um dort die heilige Messe zu lesen, zu predigen, die heiligen Sakramente zu spenden und die Kranken zu besuchen: Die schismatischen Eltern sind in Bezug auf die Taufe ihrer Kinder sehr nachlässig. 

Wir gehen also in den Hütten der armen Fellahs umher, um solche armen verlassenen Kleinen aufzusuchen. An einem Freitag taufte P. Marc noch seiner heiligen Messe 9 solcher Kinder, von denen einige 1, andere 2, 3 und selbst 7 und 9 Jahre alt waren. Ein junger Kopte von 17 Jahren erklärte, auch er sei noch nicht getauft, und bat dringend um diese Gnade. Schon das zeigt, wie sehr diese arme verlassene Herde guter Hirten bedarf.

P. Andreas Sabaa-el-Zail, Pfarrer von Galossana, nördlich von Minieh, ist nicht weniger eifrig. Bei Gelegenheit einer Mission in seiner Gemeinde durcheilte er als wahrer Apostel 12 umliegende Dörfer oder Weiler, fast stets zu Fuß, in brennender Sonnenglut, um die noch irrenden Schäflein zur Hürde des wahren Glaubens einzuladen. Die Frucht seines Eifers, seiner unermüdlichen Sanftmut und seiner Liebe gegen Armen und Kranke waren zahlreiche sehr tröstliche Bekehrungen.

Muster eines eifrigen Seelsorgers ist auch P. Hanna Cabes. Als ich im Dezember 1898 in einer kürzlich bekehrten Ortschaft am Fuß der arabischen Hügelkette eine Volksmission hielt, kam er herüber, um nach meinem Weggang das Werk zu vollenden. Nüchtern war er mit dem Unterricht der Kinder, der Predigt, der Beantwortung zahlloser Fragen der Neubekehrten den ganzen Morgen beschäftigt; erst gegen 1 Uhr nachmittags nahm er ein mageres Mahl ein. Es war die Zeit der Adventsfasten und ohne von den Erleichterungen der Bischöfe in Bezug auf das Fasten Gebrauch zu machen, heilt er es in seiner ganzen Strenge, um den noch nicht unierten oder kürzlich zurückgekehrten Jakobiten (schismatischen Kopten), die in diesem Punkte so streng sind, kein Ärgernis zu geben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Fortsetzung hier

Sonntag, 2. März 2014

Die heilige Familie in Ägypten - Heiligtum von Matarieh


Auch das dunkle Afrika hat seine heiligen Stätten, wo der Fuß des Erlösers gewandelt ist, und der christliche Geist weilt mit umso liebevollerer Innigkeit bei ihnen, als sie ihn an die ersten Schritte des heranwachsenden Jesuskindes erinnern. 

An der großen Straße, welche Ägyptens moderne Hauptstadt mit der alten „Sonnenstadt“ Heliopolis verbindet, etwa 10 km von Kairo und 1 km von Heliopolis entfernt, liegt der sogenannte Balsamgarten. Ehemals zog man hier den Balsamstrauch, der Judäa den kostbaren Balsam lieferte. Einer uralten Überlieferung zufolge soll nun hier die heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben. Auf das Gebet der allerseligsten Jungfrau sei dann, so erzählt die Legende, ein Fruchtbarkeit spendender Quell dem Boden entsprungen. 

Nur 20 m von der Quelle entfernt, breitet eine alte Sykomore ihr schattiges Geäst aus. Es ist der sog. „Baum der allerseligsten Jungfrau“. Auf der Flucht, so meldete die fromme Sage weiter, sei die heilige Familie, von Verfolgern gedrängt, an einer dicken Sykomore vorübergekommen. Da habe sich der Stamm so weit geöffnet, dass die heiligen Personen mitsamt dem Reittier darin Platz gefunden hätten, und der Baum habe sich um alle geschlossen, bis die Bösewichte vorbeigezogen waren. Beide, Baum wie Quelle, werden heute noch gezeigt. 
Letztere, welche sich in einem Ziehbrunnen sammelt, ist wegen ihrer wunderbaren Frische weitbekannt und mag wohl die einzige eigentliche Quelle Ägyptens sein, die sich nicht aus durchgesickertem Nilwasser ergänzt.

Soviel ist sicher, dass die Überlieferung diese Stelle immer mit der heiligen Familie in Verbindung brachte. Die Christen der ersten Jahrhunderte hatten da eine große Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut, und noch alljährlich begehen die Kopten das Kirchweihfest des alten Gotteshauses, obwohl dasselbe schon längst in den Stürmen des Schismas eines Dioskoros untergegangen ist. 
Beim Graben der Fundamente der jetzigen Kirche stieß man auf mächtige Hausteine, welche dem alten Gotteshause angehörten. Nach dem Eindringen des Islams erbauten venezianische Kaufleute eine ärmliche Kapelle, die aber auch schon seit zwei Jahrhunderten in Trümmern liegt.

Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 
Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.
Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 



Am 8. Dezember des Jubliäumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift :“Französische Ordensleute durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.


Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Siehe auch:

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo

Mittwoch, 26. Februar 2014

Die Früchte des koptischen Schismas

Katharinenkloster Sinai (Bildquelle: Berthold Werner)

„(…) Zur geistlichen Lesung oder Betrachtung ist keiner der Mönche verpflichtet. Ein Seelenführer, dem die Gewissensleitung der Mönche obliegt, gibt es in diesen Klöstern nicht. 

Ebenso ist keine bestimmte Zeit zum Sakramentenempfang vorgeschrieben. Bakhum Hanna kannte Mönche, welche zwei oder drei Jahre keine Sakramente empfingen. Der Bischof von Dêr el-Moharreg kommunizierte beispielsweise am Tag seiner Profess, sodann sieben Jahre später am Tage seiner Priesterweihe und das dritte Mal nach zehn Jahren, da er zum Bischof geweiht wurde. Ähnliche Fälle sollen nicht selten sein.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Sonntag, 2. Februar 2014

Wenn der koptisch-katholische Patriarch sonntags zur Christenlehre geht

koptisch-katholischer Patriarch Kyrillos Makarios (früher auch Macaire)

Im Bulletin du Séminaire Oriental 1904 (S.62), dem Organ der ehemaligen geistlichen Zöglinge der Jesuiten in Beirut, macht ein junger koptischer Priester (Franz Bistauros, Dr. theol.) einige bemerkenswerte Mitteilungen, die uns einen kleinen Einblick in die seelsorgliche Praxis der orientalischen Kirche geben.

Wir erfahren da, dass hier der Katechismusunterricht und die öffentliche Christenlehre im Allgemeinen unbekannte Dinge sind.  Darin dürfte neben dem mangelhaften Schulunterricht der Hauptgrund der großen religiösen Unwissenheit unter den orientalischen Christen zu suchen sein.

Es ist eine Frucht der Erziehung in Beirut, dass auch nach dieser Hinsicht allmählich eine Besserung eintritt. In Beirut hatte Dr. Bistauros den Wert und Nutzen der Christenlehre unter den armen Kindern und der Arbeiterbevölkerung Beiruts praktisch kennen und schätzen gelernt. Er beschloss, dieselbe in der Patriarchalkirche zu Kairo, wo er jetzt angestellt ist, einzuführen.

Sein Plan fand bei dem eifrigen Patriarchen Macaire freudig Zustimmung. Um das Volk zu gewinnen und anzuziehen, wollte Se. Seligkeit den Christenlehren sogar persönlich beiwohnen. Das zog; bald hatte der junge Priester allsonntäglich eine zahlreiche Zuhörerschaft. 

Die anfängliche Überraschung über diese ganz ungewohnte Lehrweise ging rasch in Bewunderung über. „Heute ziehen die Leute die Christenlehre jeder Predigt vor.“ Dr. Bistauros hatte Gelegenheit, bei Besuchen und Unterredungen den Eindruck zu beobachten, den diese einfache katechistische Erklärung der Glaubenswahrheiten auf die Leute machte.

„Ich hatte immer gemeint“, sagte eine gute Alte, „dass der Katechismus höchstens für Kinder sei; ich finde aber, dass er die beste Predigt ist.“ – „Ja, ja“, fügte eine andere bei; „hast du nicht gesehen, dass Se. Seligkeit der Patriarch ihre beigewohnt hat. Er hat sicherlich selbst das Buch verfasst, das man dabei benützt. Man braucht nur zu hören, wie schön er alles erklärt und wie fasslich er alles macht. Das ist nicht wie ein gewöhnlicher Katechismus; der ist gründlich, und es sind gar schöne Geschichten darin.“

In höheren Kreisen urteilte man anfangs anders. „Mir will scheinen“, meint eine Dame, „der Patriarch vergesse, dass er Patriarch ist.“ – „Warum denn, Madame?“ – „Ich habe gehört, dass er allsonntäglich der Christenlehre beiwohne, das scheint mir doch eines Patriarchen unwürdig.“ – „Wieso denn; der Katechismus ist doch eine heilige Sache. Waren Sie übrigens dabei, um die Sache beurteilen zu können?“ – „Nein, ich war selbst nicht da, aber ich weiß doch, dass so etwas nur für die kleinen Kinder ist.“ – „Nun, und wenn dem so wäre, ist der Patriarch denn größer als Christus, unser Herr? Was hat der aber drei Jahre hindurch andres getan, als Christenlehre gehalten?“ – „Ist dem wirklich so?“ – „Gewiss, kommen Sie nur und sehen Sie selbst.“ 
Eine Woche später traf Bistauros die Dame wieder. Sie sagte ganz begeistert: „Die Christenlehre war die beste Predigt, die ich je gehört. Das ist’s gerade, was ich mir wünsche. Ich habe alles ohne Ausnahme verstanden, weil Sie dabei gerade so sprechen, wie man auch sonst spricht.“

Nach der Segensandacht, mit welcher die Christenlehre jedes mal schließt, kamen eines Tages drei Familienmütter in die Sakristei. Die erste klagte ihr Leid, dass ihre drei erwachsenen Söhne so unwissend in der Religion seien und noch nie gebeichtet hätten, weil sie davor Angst hätten. 
Nun habe sie in der Christenlehre gehört, wie leicht das Beichten sei. Wären doch nur ihre Jungen dabei gewesen! Sie solle sie schicken, lautete die Antwort. Sie kamen, und nach kurzer Zeit machten alle drei ihre erste Beicht. 
Die zweite Frau brachte ihre beiden Kinder, die bisher in die protestantische Schule gegangen waren. Die Katechese hatte ihr klar gemacht, auf welchem Weg man sicher zum Heil komme. 
Die dritte sagte, sie könne am nächsten Sonntag nicht kommen, Bistauros möge ihr doch jetzt schon die Antwort auf die Frage geben, deren Erklärung er für den nächsten Sonntag angekündigt habe. Es war die Frage über die Art, eine vollkommene Reue zu erwecken.

Auf den ausdrücklichen Wunsch des Patriarchen hatte Bistauros mit dem Bußsakrament begonnen. Überall hörte er die Leute sagen: „O, Sie haben unsere Gewissen so erleichtert. Gott erhalte Sie noch lange Ihrer Mutter!“

Kurz, die Christenlehre hatte eingeschlagen und ihre Früchte zeigten sich bald auch in dem häufigeren Empfang der heiligen Sakramente. Was hier in Kairo mit solchem Erfolg begonnen wurde, müsste auch anderwärts Nachahmung finden, nicht bloß bei den Kopten, sondern auch bei den anderen orientalischen Kirchen.

„Der Religionsunterricht in den Schulen in Form von Christenlehren“, so schrieb neuerdings auch P. Galland O.P. aus Wan in Armenien, „der eine bis dahin diesen Ländern der Häresie und der religiösen Unwissenheit ganz unbekannte Neuheit ist, gibt uns die Gewähr, dass allmählich ein Geschlecht heranwächst, das seinen Glauben wirklich kennt und von echt katholischem Geist durchdrungen ist.“ 

Nur so wird dies Geschlecht auch gefeit sein gegen die Bekehrungsversuche der protestantischen Sekten, denen die religiöse Unwissenheit zumal der schismatischen Volksteile nur allzu viel Vorschub leistet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Samstag, 25. Januar 2014

Schismatische Kopten ermorden Franziskaner – Einer der Mörder bekehrt sich vor seiner Hinrichtung

 
Am 21. Juni fiel der Franziskanerpater Luigi Polizzi zu Fayum zwei schismatischen Kopten zum Opfer. Sie lauerten ihm in einem Hinterhalt auf und schlugen ihn mit fünf Beilhieben nieder; dann vergruben sie den Leichnam in einem Versteck. Erst am siebten Tag gelang es, die Mörder ausfindig zu machen, und am 1. Juli konnte die Leiche erhoben werden. P. Luigi Polizzi war erst 26 Jahre alt und weilte seit März 1913 in der Mission…

…Neulich (siehe oben) berichteten wir über die Ermordung des Franziskanerpaters Luigi Polizzi durch zwei schismatische Kopten. Die Verbrecher waren Aiad Damian und Mesiha Scenuda, zwei ehemalige Diener der Mission. 
Am 5. September 1915 fanden die Gerichtsverhandlungen zu Beni Suef statt, in denen die beiden Mörder zum Tode verurteilt wurden. Der Franziskanerpater Demetrio Buracchi hatte die Freude, einen derselben vor dem Tod in die wahre Kirche aufnehmen zu können und unter aufrichtigem Reueschmerz sterben zu sehen.

 – Erst nach langen vergeblichen Bemühungen war es dem Missionär gelungen, zu den Verurteilten zugelassen zu werden. Aiad Damian wies von vorneherein jeden Beistand des Paters ab mit der Bemerkung, wenn er Hilfe bedürfe, habe er seine Priester. 

Mesiha Scenuda dagegen sprang beim Anblick des Missionars freudig auf, küsste ihm die Hand und erwiderte auf die Frage des Paters, ob er in der katholischen Religion Verzeihung seiner Sünden erlangen wolle: „Mit großer Dankbarkeit nehme ich das Anerbieten an. Viel Gutes haben mir bereits die Franziskaner erwiesen, nun bringen sie mir auch das Heil der Seele. Der Herr möge es ihnen vergelten“.

– Der Tag der Hinrichtung war auf den 10. Januar 1916 festgesetzt. Aiad Damian ging unbußfertig in den Tod. Über die Reue Mesiha Scenudas war der Franziskanermissionär bis zu Tränen gerührt. Zwar konnte er den armen verführten Jüngling nicht von der Strafe für das schwere Verbrechen befreien; aber er unterstützte die Bitte des Bekehrten, nicht mit Aiad Damian im selben Grab, sondern auf dem katholischen Friedhof zu Beni-Suef oder zu Fayum bestattet zu werden. 
Das Gesuch wurde bewilligt, und die Franziskanermönche gewährten tief bewegt dem Mörder eine Ruhestätte am selben Ort, wo ihr Mitbruder als Opfer des Berufs gefallen war.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 3. November 2013

Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 1)

Dieses Bild von James Tissot wird im Internet als "Latin Patriarch in Jerusalem" bezeichnet, mit Angabe des Jahres "ca. 1875", es scheint sich aber eher um eine recht detailgetreue Wiedergabe des Einzugs von Kardinal Langénieux auf dem eucharistischen Kongress in Jerusalem im Jahr 1893 zu handeln

Unsere Leser werden gewiss in den Tagesblättern und Zeitschriften dieser großartigen Kundgebung des katholischen Glaubens mit Spannung gefolgt sein. Immerhin dürften einige Ergänzungen aus weniger zugänglichen Berichten willkommen sein.

Ein nordamerikanischer Bischof, Msgr. de Goesbriand von Burlington (Vermont), der an dem Kongress teilgenommen, nennt die Idee, den diesjährigen Sitz dieser in ihrem Zweck und Wesen so schönen Versammlungen in die heilige Stadt zu verlegen, einen von Gott eingegebenen Gedanken. 

In der Tat „kann es für eine solche Versammlung“, so schrieb der Heilige Vater in seinem Zustimmungsbreve an den Bischof von Lüttich, den ständigen Vorsitzer des Kongresses, „keinen geeigneteren Ort geben, als die heilige Stadt, in welcher Christus der Herr jenes wunderbare Pfand der Liebe eingesetzt hat, und man kann mit Recht erwarten, dass die Gläubigen des Orients mit neuem heiligen Eifer für die Verehrung des allerheiligsten Sakraments erfüllt werden.“

Die Hoffnung auf die Wiedervereinigung der schismatischen Orientalen mit der katholischen Kirche ist hier nicht direkt ausgesprochen, obschon dieser Gedanke zweifellos im Hintergrund stand und auch die Gebete und Reden des Eucharistischen Kongresses davon getragen waren. 
Außerdem galt es, eine „neue Belebung der Beziehung und des Gefühls der Zusammengehörigkeit mit den unierten Kirchen der verschiedenen Riten herbeizuführen, und das ist in einer hocherfreulichen Weise gelungen“. 

Lassen wir uns von dem Berichterstatter des „Heiligen Landes“ zunächst den Einzug des päpstlichen Delegaten, Sr. Eminenz des Kardinal-Erzbischofs von Reims, Msgr. Langénieux, erzählen, der am 14. Mai stattfand. Am Bahnhof ließen alle in Jerusalem vertretenen europäischen Mächte den Kardinal durch ihre Kawasse begrüßen und machten ihm am folgenden Tag persönlich ihre Aufwartung.

„Nach den Empfangsfeierlichkeiten stieg der Kardinal zu Pferde und ritt, voran ein Musikcorps, welches aus Beirut herübergekommen war, von einer unabsehbaren Menschenmenge begleitet, zum Jaffator. 
Im Inneren der Stadt, nahe dem Tore, hatte unter dem Baldachin der Patriarch von Jerusalem, Ludwig Piavi, mit dem Weihbischof Pascal Apodia, seinem gesamten Klerus und den Seminaristen des Priesterseminars Aufstellung genommen. Er war umgeben von den Patriarchen und deren Generalvikaren der verschiedenen unierten Riten der Griechen, Armenier, Maroniten, Chaldäer, Syrer, Bulgaren. 
Aus Ägypten, vom Libanon her, aus Mesopotamien, Armenien, aus dem nördlichen Syrien und Bulgarien waren sie in den verschiedensten Trachten gekommen. Weiter standen hier Bischöfe aus Kanada, Mexiko, England, Belgien, Italien, der Schweiz, sowie die Direktoren der Pilgerhäuser in Jerusalem, namentlich des österreichischen und deutschen Pilgerhauses, mit den Priestern aus Deutschland, welche zum Kongress gekommen waren, alle mit Rochette bekleidet. 

Es war ein Schauspiel, wie es wohl selten in dieser Farbenpracht, Eigenart und Lebhaftigkeit zu sehen ist. Da stand das aus mächtigen Quadersteinen erbaute Jaffator mit seinem mittelalterlichen Zinnen, links daneben die Davidsburg, weiter links zurück der Sionsberg; die Straßen waren dicht gedrängt von Menschen aus allen Nationen und Ländern mit den buntesten und verschiedensten Trachten, wie nur der Orient sie kennt. Pechschwarze Negergesichter, dunkle Arabergestalten, gelbe Judentypen, weiße Europäer, bis tief hinein in die engen Gassen standen sie Kopf an Kopf. 
Dort oben saßen Araber mit ihren in der Luft baumelnden Beinen auf den Zinnen des Jaffatores und auf der Plattform der Davidsburg. 

Die Dächer und Balkone aller Häuser waren von Zuschauern bis zur Gefahr des Einsturzes belastet. Musik erschallte, Fahnen wehten, Evivas ertönten: Der Kardinal, feierlich einherschreitend, naht sichtlich bewegt dem Patriarchen von Jerusalem. Derselbe hält seine Begrüßungsrede; der Kardinal antwortet in einer begeisterten Ansprache mit dem Hinweis auf die Aufgaben des Friedens, welche der Kongress zu lösen habe, und auf die geistige Schönheit der Stadt Jerusalem, deren heilige Stätten er betrete. Nun stimmt der Chor das Ecce sacerdos magnus an. Wie lange mag das auf den Straßen Jerusalems nicht mehr gesungen worden sein! Dann setzt sich der Zug in Bewegung, der Patriarch geht neben dem Kardinal-Legaten unter dem Baldachin. 

Der Legat segnet feierlich die dichten Scharen, welche sich namentlich in den Querstraßen weit hinauf aufgestellt haben. Das türkische Militär bildet ein weitgezogenes Spalier; die Offiziere sind emsig beschäftigt, Ordnung zu halten. Und es gelingt musterhaft. So bewegt sich der Zug unter fortwährendem Chorgesang die engen Gassen hinab bis zur Kirche des Heiligen Grabes. Der türkische Tempelwächter steht selbstbewusst und doch voll Erstaunen auf dem Tempelplatz. 

Der Kardinal begibt sich zu kurzer Verehrung in das heilige Grab und besteigt dann den vor dem Katholikon der Griechen, deren Popen neugierig von oben herunterschauen, aufgeschlagenen Thron. Umgeben von den Patriarchen und Bischöfen, erteilt er den päpstlichen Segen, worauf er nach Ablegung der Pontifikalgewänder unter den Klängen der Musikkapelle vom Klerus zu seiner Wohnung ins Patriarchat geleitet wird. 

Es hatte sich mit seinem Einzug ein Akt vollzogen, dem man seine historische Bedeutung nicht absprechen kann. Seit sechs Jahrhunderten hat kein Kardinal mehr die heilige Stadt betreten. Papst Pius IX. konnte erst wieder das lateinische Patriarchat in Jerusalem errichten. Jetzt zog ein Kardinal-Legat seines Nachfolgers mit allen Ehren, von tausenden Katholiken begleitet, in die heilige Stadt. – Sion, freue dich!“


(aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier

Samstag, 2. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 2)

koptische (schismatische?) Mönche

Fortsetzung von hier

„Das Apostolische Schreiben Leos XIII. und die von apostolischem Eifer eingegebenen Worte seines Vikars unter den Kopten sind schon jetzt, wie es scheint, mit recht tröstlichen Erfolgen von Gott gesegnet worden. 
Msgr. Macaire schreibt darüber am 14. Juli an einen Prälaten des Kollegiums der Propaganda in Rom: 

‚Ich kann Ihnen die Bekehrung weiterer 400 Schismatiker anzeigen: die koptische Bevölkerung ist in einer außerordentlichen Bewegung. Ich reise wieder ab, um mich in ihre Mitte zu begeben und meine Visitationsreise zu beendigen. Zwei Dörfer im Mudirieh (Regierungsbezirk) von Assiut warten auf meine Ankunft, um dem Schisma zu entsagen; sie haben den schismatischen Bischof bei seinem letzten Besuche nicht aufnehmen wollen.‘ 

Aus einem anderen Brief an die Propaganda geht hervor, dass die Stadt Sohag, Hauptort des Regierungsbezirkes Girgeh, ebenfalls ganz zur katholischen Einheit zurückzukehren verlangt. Nach der Versicherung eines koptischen Missionärs hegen noch manche schismatische Dörfer denselben Wunsch, insbesondere auch die Heimatgemeinde des Bischofs Macaire mit etwa 50-60 Familien.

Begreiflicherweise sind zur wirksamen Förderung des Unionswerkes große Mittel erforderlich. Leo XIII., der in seinem Schreiben den Kopten seine Hilfe zugesagt, hat zur Unterstützung der koptischen Missionen, die nur über sehr geringe Mittel verfügen, 40.000 Franken gespendet als eine erste Gabe, welcher andere folgen sollen. Sicher wird auch bei den Katholiken Deutschlands dies großmütige Beispiel Nachahmung finden.

Zu den zahlreichen Beweisen seiner besonderen Fürsorge für die Kopten hat Leo XIII. in den letzten Wochen einen neuen hinzugefügt. Am 31. Juli, dem Fest des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers der Gesellschaft Jesu, richtete er im Interesse der Mission unter den Kopten ein Schreiben an den hochw. P. General derselben Gesellschaft. 
Das koptische Land, sagt er darin, scheine ihm zu jenem Gegenden zu gehören, die schon ‚weiß seien zur Ernte‘, und er richte deshalb sein Gebet an den ‚Herrn der Ernte‘, dass er die alten Arbeiter stärken und neue senden möge. Er weist dann hin auf die fünfzehnjährige Tätigkeit der Missionäre der Gesellschaft Jesu unter den Kopten und die ‚ausgezeichneten Erfolge‘, die sie namentlich in der Ausbildung des Klerus und in der Hebung des christlichen Lebens im Volke erlangt hätten. 
Allerdings würden von den andersgläubigen Sekten mit ihren reichen zeitlichen Hilfsmitteln immer größeren Anstrengungen gemacht, um die Katholiken anzulocken. Er freue sich aber, dass auch von Seiten der Gesellschaft Jesu alles geschehe, um namentlich der Jugend eine durchaus gesunde und heilsame Erziehung zu geben. 

Zur Unterstützung des Missionswerkes übersende der Papst eine Summe Geldes, und er verspreche weitere Hilfe. Die Kopten sollten darin ein Zeichen seines besonderen Wohlwollens sehen, das sie sich durch ihren religiösen Sinn und ihre Ergebenheit gegen den römischen Stuhl verdient hätten. 
Er freue sich über die freudige Aufnahme die sein letztes Apostolisches Schreiben bei den Kopten gefunden, und über die bevorstehende Reise einer Vertretung ihres Volkes nach Rom; er freue sich darüber auch der getrennten koptischen Christen wegen, unter welchen die schon bestehende Bewegung nach Rom hin dadurch zunehmen werde. 

Man dürfe mit gutem Grund hoffen, dass die so heiß ersehnte Rückkehr der Orientalen zur katholischen Kirche mit den Kopten beginnen werde. Nachdem der heilige Vater dann noch mit Worten voll des Lobes und der Anerkennung der Arbeiten und Kämpfe der Gesellschaft Jesu für die heilige Kirche gedacht, schließt er mit dem Apostolischen Segen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)



Freitag, 1. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 1)

Der koptisch-katholische Patriarch Kyrillos II. Makarios (Mitte, zur Zeit des Textes noch Apostol. Vikar) mit seinen Bischöfen

Allem Anscheine nach dürften die Bemühungen Leos XIII., die orientalischen Kirchen mit Rom zu vereinen oder das bereits bestehende Band enger zu knüpfen, nirgends bessere Erfolge erzielen als bei den Kopten. Wir haben im Laufe dieses Jahres schon mehrfach die günstige Stimmung innerhalb dieser Gemeinschaft gezeichnet. Dass die unierten Kopten einen so trefflichen Oberhirten erhielten, steigerte diese Hoffnung, und sie gewinnt durch die folgenden Mitteilungen aus dem Orient neue Nahrung.

Wie sich erwarten ließ, hat das Apostolische Schreiben an die Kopten unter den katholischen Kopten große Freude und Begeisterung hervorgerufen. Der Apostolische Vikar der Kopten, Amba Kyrillos Macaire, Bischof von Cäsarea Philippi, der mit dem größten Eifer für die Wiedervereinigung seiner schismatischen Landsleute tätig ist, benutzte den Erlass dieses Schreibens, um zugleich mit demselben einen Hirtenbrief an die Kopten und insbesondere an den schismatischen Teil derselben zu veröffentlichen und alle voll Liebe, aber auch mit Nachdruck zur Rückkehr einzuladen. 

Das wahrhaft apostolische Hirtenschreiben des Bischofs vom 29. Juni, dem Feste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus, verdient wenigstens einen kurzen Auszug auch in diesen Blättern. ‚Unseren ehrwürdigen Brüdern,‘ so lautet der Eingang, ‚dem Patriarchen von Alexandrien und den Bischöfen Ägyptens Friede im Herrn, und unseren vielgeliebten Söhnen, den Erben des Namens und des Glaubens des hl. Markus, Gruß und Apostolischen Segen‘. Der koptische Patriarch von Alexandrien wie auch alle übrigen koptischen Bischöfe, an die also das Schreiben besonders gerichtet ist, sind bekanntlich schismatisch. 

Nach einem Hinweis auf das Gebet Christi um die Einheit der Kirche erinnert der Apostolische Vikar an die Einladung Leo XIII. an alle Fürsten und Völker zur Rückkehr zu dieser Einheit. Unter allen Nationen aber habe der oberste Leiter der heiligen Kirche die Kopten durch ein besonderes Schreiben und eine besondere Einladung auszeichnen wollen; denn Leo XIII. wisse gar wohl, dass die koptische Kirche den Schüler des hl. Petrus, St. Markus, zum Gründer habe und deshalb die älteste Tochter der römischen Kirche im Orient sei. Die Stunde der Wiedervereinigung der getrennten Kirchen mit der römischen nahe heran. 
Die koptische Kirche solle da, ihrer ersten Zeiten eingedenk, wieder die erste sein, die den Kirchen des Orients das Beispiel der Rückkehr gebe. Sie hätten nichts von der Wiedervereinigung zu fürchten; ihre Selbstständigkeit, ihre Vorrechte, ihre heiligen Gebräuche und Einrichtungen würden völlig unangetastet bleiben, wie Leo XIII. es noch ausdrücklich ihnen zusichere. 
Ja sie würden durch die Rückkehr zu römischen Kirche ihre alte Stellung in der katholischen Welt, all den Glanz und die Vorrechte der Zeiten eines Athanasius und Cyrillus wieder gewinnen. Sie sollten sich erinnern an die innige Verbindung, die zur Zeit dieser Patriarchen und von Anfang an zwischen der koptischen und der römischen Kirche bestanden habe; an das Beispiel der Rückkehr zur römischen Kirche, das ihre Vorfahren zur Zeit des Konzils von Florenz unter Papst Eugen IV. gegeben. 

Die Stunde sei da, diese Verbindung mit der Kirche Roms und Alexandriens, derjenigen des Meisters und seines Jüngers, wiederherzustellen. Leo XIII., der Freund der Könige und Friedensstifter zwischen Fürsten, der erhabene Geist, zu dem auch Wissenschaft und Politik ehrfurchtsvoll aufschauten, lade sie an erster Stelle ein, teilzunehmen an der Größe Roms, am Lichte und an der Freiheit. 

‚O meine Heimat,‘ fügt der Bischof dann mit Begeisterung hinzu, ‚erinnere dich deines alten Ranges einer Königin; lass dich nicht von anderen überholen; geh dem Orient voran, die du einst die erste gewesen, sei auch heute die erste; gib das Signal der Rückkehr zur Einheit, damit du die Gesegnete des Herrn seiest und die Blume unter den christlichen Völkern. St. Markus, der dich mit seinem Blute geheiligt, beschwört dich darum von den Höhen des Himmels herab; St. Petrus, der dich mit besonderer Vorliebe geliebt, vereint mit ihm sein Flehen im Namen seiner Ketten und seines Kreuzes; die heiligen Martyrer, Lehrer, Einsiedler und Patriarchen, die deinen Namen verherrlichten, liegen auf ihren Knien am Throne Gottes und flehen um deine Rückkehr zur Einheit, in er sei gelebt haben und gestorben sind. 
Heute umringen sie alle die heilige Familie, welche dir die Erstlinge ihres göttlichen Segens gespendet hat, und beschwören sie, dich von neuem zu segnen und dir all diene einstige Größe wieder zu schenken.‘ 

Nach einer kurzen Mahnung, die Zeit der Gnade nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, schließt der Bischof mit einem Gebet um den Schutz und Segen Gottes für die ganze koptische Kirche und insbesondere für den Patriarchalsitz von Alexandrien und den ehrwürdigen Greis, der ihn gegenwärtig einnimmt, sowie für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute und das ganze christliche Volk Ägyptens.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier


Montag, 17. Juni 2013

Kardinal Lavigerie über den islamischen Sklavenhandel in Afrika

„Für das Joch bestimmt
Die Tagesblätter haben bereits über die Vorträge berichtet, welche Se. Eminenz Kardinal Lavigerie in der Kirche St. Sulpice zu Paris, in der St. James-Hall zu London und in St. Gudula in Brüssel heilt. Der greise, um die afrikanische Mission hochverdiente Kirchenfürst forderte in begeisterten Worten auf, dem greulichen Sklavenhandel, dem zur Schande der Menschheit jährlich immer noch etwa eine halbe Million Neger zum Opfer fallen, durch energische Schritte bei den beteiligten mohammedanischen Fürsten und durch die Ausrüstung einer kleinen bewaffneten Macht endlich entschieden den Krieg zu erklären. 

Die Sklavenjäger sind durchweg Mohammedaner. „Während unsere Blicke auf andere Länder sich richteten,“ führte der Kardinal aus, „hat der Islam seit fünfzig Jahren ungehindert, ohne Lärm und mit unermüdlicher Hartnäckigkeit halb Afrika erobert. In gewissen Gegenden, die uns am nächsten liegen, gründete er Reiche; andere Gebiete benützte er zur Sklavenjagd. 

Ich will aber durchaus nicht die Menschen an sich dafür anklagen. Ich lebe ja selbst inmitten von Mohammedanern, und wenn sie in mir auch ihren Vater nicht sehen, so betrachte ich sie doch als meine Kinder. Der Islam trägt die Schuld. Er lehrt, dass die Welt in zwei Rassen geschieden ist: die eine, die der Gläubigen, ist berufen, zu herrschen, die andere, die der Verfluchten, bestimmt zu dienen. 
Unter den letzteren werden wieder die Neger als am tiefsten stehend betrachtet. In den Augen jener sind sie nichts Besseres als Vieh, für das Joch bestimmt.“

Zu den von den mohammedanischen Sklavenjägern besuchten Märkten gehören zunächst sämtliche Städte im Innern von Marokko, wohin jährlich große Karawanen aus den Gegenden des Niger und des Tschad-Sees zu kommen pflegen. 
Die Sklaven werden daselbst öffentlich verkauft und gekauft. Ganz dasselbe geschieht in den südlich von den französischen Besitzungen, von Tunis und von Tripolis gelegenen Oasen, wo Käufer und Verkäufer ebenfalls meist Mohammedaner sind. Außerdem bildet noch Timbuktu den großen Zentralmarkt und gemeinsamen Versorgungspunkt für den Sklavenhandel des nördlichen Afrika und der Provinzen im Süden und Westen vom Senegal. 
Auch in Ägypten, am Roten Meer von Suakin bis Aden und Perim wird lebhafter Menschenhandel getrieben. Dorthin kommen die Sklavenkarawanen aus dem Sudan, von Wadai, Darfur, Kordofan, und vom Osten und Norden des Nyanza (Viktoriasee). 

Arabische Barken holen sie heimlich des Nachts vom Ufer ab, um sie unter dem Schutze der Dunkelheit und unbemerkt von den wenigen hier kreuzenden französischen und englischen Schiffen nach der arabischen Küste zu bringen, von wo aus man sie dann durch das ganze islamitische Asien versendet. 

Seit den mit der Türkei abgeschlossenen internationalen Verträgen werden diese Unglücklichen nicht mehr öffentlich, sondern insgeheim in bestimmten, den Käufern wie den Verkäufern besonders bezeichneten und genau bekannten Häusern verkauft. Starker Sklavenhandel findet sodann noch statt auf einer großen Menge von Märkten zwischen den großen Seen und der Küste von Sansibar, vom Ibo und Lindi im Sudan bis zu den Flüssen Juba und Mukdischu an der Ostküste. 
Von da aus werden die Sklaven auf arabischen Barken am Ufer des Roten Meeres entlang nach Asien geschafft. In den Gegenden östlich von der atlantischen Küste und auf der Grenze von Benguela herrscht in den Tälern des Liba und Kassai ebenfalls noch öffentlicher Sklavenhandel; seit Portugal die an den Ufern des Sambesi bestehenden Sklavenmärkte verboten hat, wurden dieselben nach dem Zululand verlegt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Samstag, 9. März 2013

Die katholische Kirche als Vorkämpferin für Frauenrechte in Ägypten


Aus einem Artikel über die Lage der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten habe ich folgende interessante Passage entnommen, die ganz und gar nicht in das heute so weit verbreitete Bild der "frauenverachtenden" katholischen Kirche passt:

(…) Eine Schattenseite bietet die Stellung der Frau. Der Einfluss des Islam hat sich in dieser Beziehung sehr stark geltend gemacht, sodass die christliche Frau ähnlich wie die Mohammedanerin ein ganz abgeschlossenes Leben führt und weder im öffentlichen noch häuslichen Leben etwas bedeutet.
Sie darf nur verhüllt draußen erscheinen und ist eher die Dienerin als die Gefährtin ihres Mannes. Folgerichtig ist ihr die Möglichkeit geistiger Ausbildung versagt, und sind Lektüre, Musik, Nadelarbeiten und dergleichen ihr meist unbekannte Dinge.
Selbst in der Kirche dürfen sie wie Klausurnonnen nur hinter einem Gitter dem Gottesdienst beiwohnen.
Erst die Ankunft der einheimischen syrischen Schwestern (Mariamettes), die seit kurzem in Minia ein Noviziat und in Tahta eine Mädchenschule gegründet haben, hat hierin bereits eine Besserung gebracht.
Alle angeseheneren Familien schicken ihnen ihre Kinder zu und sind ganz entzückt, den Umschwung zu sehen, der mit den Mädchen vor sich geht.
So dürften auch diese allmählich zur vollen Freiheit der Kinder Gottes und in den Genuss der ihnen so lange entzogenen Rechte im Kreis der Familie gelangen.

(aus: die katholischen Missionen, 1902)

Samstag, 2. März 2013

Der heilige Justinus de Jacobis - Apostel Äthiopiens (Teil 2)

Der heilige Justinus de Jacobis in der Kleidung der äthiopischen Mönche

Fortsetzung von hier:

Diese Rede machte einen solchen Eindruck auf die Defteras (einheimische Gelehrten), dass sie ausriefen: 
„Dieser Priester spricht Worte der Wahrheit und der Vernunft! Er soll unser Vater sein!“ Viele Bekehrungen folgten. 

Aber das größte Hindernis für die Bekehrung der Äthiopier waren der allgemeine Sittenverfall und die vielen Verleumdungen gegen die katholischen Kirche, die sich, wie in allen vom Schisma und der Häresie verwüsteten Ländern, auch in Äthiopien weit verbreitetet hatten. Deswegen hoffte Justinus, einige der einflussreichsten Äthiopier mit nach Europa nehmen zu können, damit sie mit eigenen Augen sehen, dass diese Verleumdungen nicht der Wahrheit entsprechen.


Bald sollte sich eine günstige Gelegenheit ergeben. Der Fürst, Ras Wube, der sich unserem Heiligen bereits wohlgesonnen gezeigt hatte, lud Justinus zu einer Audienz ein, auf die dieser sich mit Gebet und heiligem Messopfer vorbereitete. Wube empfing ihn mit großen Ehren und bat ihn, eine Gesandtschaft nach Ägypten zu begleiten, um vom koptischen Patriarchen einen neuen Abun, d. h. Metropoliten für Äthiopien, zu erbitten. Dieser war damals stets ein Ägypter.  Er fügte bei, dass es wohl eher eine politische als religiöse Mission sei und der heilige Justinus ohne Gefährdung des katholischen Glaubens mitreisen könne. Zuerst stimmte P. de Jacobis zu, doch nach einiger Überlegung fürchtete er, dass die Katholiken dies als Parteigang mit dem Irrtum auslegen könnten.
Er wandte sich wieder an den Fürsten und erklärte ihm seinen Einwand. 


Ras Wube zeigte sich verständnisvoll und lies sich die Bedingungen von Justinus vortragen: Dass er nur mitreisen würde, wenn er eine Versöhnung zwischen dem koptischen Patriarchen und Rom anstreben könnte; außerdem verlangte er, dass das Verbot des Baus von katholischen Kirchen in seinem  Reich aufgehoben würde und dass ihn die Gesandtschaft später nach Rom begleiten könnte.


Am 21. Januar 1841 machte sich Justinus de Jacobis mit einigen Mönchen und Gesandten auf die beschwerliche Reise über das Rote Meer und durch die ägyptische Wüste nach Kairo. Dort war kurz vorher die Pest ausgebrochen, und  alle europäischen Konsulate waren geschlossen. 



koptisch-orthodoxe Kirche St. Markus, Kairo (Quelle: Andrew Shenouda)

Sie wurden nun zu einem angeblichen Freund gelockt, der sich als Anhänger des schismatischen Patriarchen entpuppte. Ihre Pläne wurden aufgedeckt und die äthiopischen Mönche mit der Exkommunikation durch den Patriarchen bedroht. In Panik verließen diese die Expedition und machten sich auf den Weg nach Jerusalem, aber auch unter ihnen brach die Pest aus, an denen einige starben. 


Der Patriarch bemühte sich nun, die Gesandtschaft auf seine Seite zu bringen, lud sie freundlich ein und weihte einige zu Diakonen und Priestern, drohte ihnen aber auch gleichzeitig mit der Rache des Himmels, wenn sie sich weiter mit dem katholischen Priester abgeben würden.
Die Äthiopier ließen sich so weit einschüchtern, dass sie sogar die Briefe zurückhielten, in denen Ras Wube um die Versöhnung des koptischen Patriarchen mit der römischen Kirche und den Bau von katholischen Kirchen bat.


Nun musste Justinus einschreiten. Er forderte eine Audienz beim Patriarchen und legte die Briefe und Urkunden des Fürsten vor, von denen er Gott sei Dank eine Kopie hatte.
Der Heilige trat mit solcher Festigkeit auf, dass der schismatische Patriarch sich sehr freundlich gab und darauf verwies, ihm in einigen Tagen eine definitive Antwort auf die Bitten zu geben. Nach Ablauf der Frist lud er Justinus im Beisein von einigen koptischen Gelehrten zum Kaffee ein. 


Zunächst begann das Gespräch freundlich, aber als sie sahen, dass sie die Disputation verlieren würden, begannen sie, den Heiligen zu beschimpfen und zu bezichtigen, er habe falsche Dokumente vorgelegt. 


Der Patriarch warf nun auch seine Maske ab und erklärte zornig, dass es keine katholischen Kirchen, weder in Tigre noch in einem anderen Teil Äthiopiens geben würde und drohte den äthiopischen Gesandten erneut mit Exkommunikation, falls sie weiter mit de Jacobis verkehrten oder es wagten, nach Rom zu reisen. Dafür gaben sie selbst den Grund an: 
Geht dorthin, und wir sind ganz sicher, dass ihr als römische Katholiken zurückkommt.
Allerdings hatten sich die meisten Mitglieder der Gesandtschaft wegen seiner Nächstenliebe und seinem heiligem Wandel auf die Seite von Justinus gestellt und ihrem Irrtum insgeheim abgeschworen. 


Durch die Hilfe des koptisch-katholischen Bischofs und des französischen Konsuls konnten sie sich aus den Fängen des Patriarchen befreien.


Fortsetzung hier