Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Freitag, 7. August 2026

“To save all men, but especially the Cumans” – St. Dominic’s dreams of converting Steppe warriors

 


“Saint Dominic wanted to save all men, Christian and Saracens, but especially the Cumans and other pagans”

- Friar Rudolf of Faenza at the canonization process of St. Dominic

When we think of St. Dominic’s zeal for the salvation of souls, his apostolate among the Albigensians might come to mind first. Yet throughout his priestly life, the earliest and most persistent object of his missionary zeal remained the Cumans, also known as Kipchak Tatars. This powerful Western Turkic people migrated into Eastern Europe from its homeland around the Aral Sea in the 11th century, terrorizing Christendom by launching deep raids into Christian lands. They soon also became allies of European empires, fighting for the Hungarians and the Bulgarians. Aside from smaller groups of Cumans who were defeated, settled in the Kingdom of Hungary and christianized, they largely adhered to Tengrism like other Central Asian nomads.

This pagan people attracted the attention of St. Dominic and his saintly companion Diego, Bishop of Osma. Diego intended to leave everything behind to preach to the Cumans, and accompanied by Dominic, he sought the blessing of the Father of Christendom, traveling to Rome in 1204. Pope Innocent III praised their zeal but demanded Diego to return to his bishopric. It appears that the Pope did not want the Spanish church to lose such an exemplary bishop. When Diego died in 1207, the desire for the Cuman mission remained in Dominic’s heart. In the early days of the Dominican Order he would often say: “When we have fully instructed our brethren, we will go to the Cumans, and preach the faith of Christ”. At the first General Chapter of 1220, St. Dominic intended to resign as Master General of his order to fulfill his dream of preaching among the warlike nomads, but his resignation was not accepted by the friars. The following year, the last of his life, the saint saw the foundation of the Dominican Province of Hungary, headed by Paulus Hungarus, who sent friars to preach among the Cumans. After initial hardships—two friars were killed—the Dominicans were successful in converting the Cuman chieftains Bortz and Membrok (possibly Bortz’ son) along with many of their subjects. These conversions laid the foundation for the short-lived Diocese of Cumania in what is now Romania, created by Pope Gregory IX in 1228 and headed by the Dominican Theodoric. The Mongol invasion of 1241 scattered the Cumans and destroyed the diocese, with the Cuman survivors in the Balkans being assimilated by the local populations.

While there no longer exists a distinct Cuman ethnic group, many Turkic peoples in Eastern Europe and Central Asia are related to the Cumans, such as the Nogais or the Kazakhs. May Saint Dominic intercede for them.

Sources:

John C. Rubba, O.P., “The Third Order of St. Dominic”
Theodosia Augusta Drane, The History of St. Dominic
J.B. O’Connor, O.P. “Saint Dominic and the Order of Preachers”
Leonhard Lemmens, O.F.M. “Die Heidenmission des Spätmittelalters”
Wikipedia: Roman Catholic Diocese of Cumania

Sonntag, 12. Februar 2017

Widerspenstige getrennte Brüder

Msgr. Miroff

„Mir will scheinen“, so schreibt uns Msgr. Michael Miroff, Titularerzbischof von Theodosiopolis und Administrator der bulgarischen Katholiken von Konstantinopel (Stadt und Bezirk), „es sei viel leichter, die katholische Religion in China und Japan zu verbreiten als hier, wo seit Jahrhunderten das Schisma so tiefe Wurzeln geschlagen und unseren getrennten Brüdern gleichsam in Mark und Bein übergegangen ist.“ So erkläre sich, warum das Bekehrungswerk so langsam fortschreite. Übertritte Erwachsener seien nur vereinzelt und zumeist dem Einfluss der Kinder zu danken, die in katholischen Anstalten erzogen, zu Hause als kleine Apostel wirkten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Samstag, 23. Juli 2016

Der Mann, der in Bulgarien die Kirchenglocken wieder zu Ehren brachte

Msgr. Francesco Domenico Reynaudi O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Sofia und Plovdiv


Die sklavische Furcht der Einwohner [Bulgariens] vor der osmanischen Regierung hemmte wie eine Kette die Entwicklung des kirchlichen Lebens. Die Kirchen glichen ärmlichen, strohbedeckten Hütten, die Wohnungen der ersten Missionäre einer Spelunke. Erst als nach dem Krimkrieg der Vertrag von Paris (30. März 1856) die Gleichstellung der Christen in der Türkei mit den Anhängern des Islam ausgesprochen, fielen die lästigen Fesseln wenigstens einigermaßen.

Mit Hilfe der Almosen von Europa wurde nun sofort mit dem Bau von Kirchen, Missionshäusern und Schulen begonnen. Aber an das Geläute christlicher Glocken hatte sich das türkische Ohr noch nicht gewöhnen wollen; es war strenge verpönt. 

P. Francesco [der spätere Msgr. Reynaudi O.F.M. Cap.] wusste Rat. Mit einer Ministrantenschelle ging er durch die Straßen der Stadt in das Viertel der Katholiken und rief so zum Gottesdienst. Als die Sache ungeahndet ablief, wurde er mutiger und schaffte eine größere Schelle an. Wieder blieb alles ruhig. Nun hing man ein Glöcklein an die Kirchenmauer, und als auch dieses unerhörte Wagnis trotz aller Warnungen ängstlicher Freunde glücklich ablief, wurde das Glöcklein zur Glocke, und schließlich erhielt dieselbe auch einen Turm.


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Samstag, 28. Mai 2016

Wie Mission NICHT geht – Die Orthodoxen und die Heidenvölker Russlands

Tschuwaschen

Sehr bezeichnend für den Wert der Missionstätigkeit, wie sie die russisch-schismatische Kirche übt, ist folgende aus Russland uns zugehende Mitteilung. Ein großer Teil der Völker im Norden Russlands, wie die Samojeden, ist bis heute überhaupt nicht evangelisiert worden. Die in der Umgebung von Kasan, Nischni-Nowgorod, Perm, Kirow und Urschumsk ansässigen Fremdvölker der Mordwinen, Wotjaken [Udmurten], Permier, Tschuwaschen, Tscheremissen u. a. (im ganzen schätzungsweise 4 Millionen), die sich noch heute von den Russen in Kleidung, Sprache, Sitten und Gewohnheiten streng absondern, sind nicht durch Evangelisierung und Unterricht, sondern durch Gewaltmittel oder bedingte Zuwendung verschiedener Privilegien zur Annahme der orthodoxen Taufe gebracht worden. Von einem Übertritt aus Überzeugung war keine Rede. 

„Die orthodoxe Geistlichkeit war weder mit der Sprache und den Sitten, noch mit den Lebensanschauungen ihrer ‚Neubekehrten‘ bekannt. Sie tat auch nichts, um sie über die elementaren Wahrheiten des Christentums aufzuklären, so dass diese sog. Christen nach wie vor unter dem unmittelbaren Einfluss ihrer alten Götzenpriester blieben.“ 
Nur die Furcht vor den Polizeimaßregeln hielt dieselben davon ab, ihre alten heidnischen Gebräuche auch offen fortzusetzen. Im Geheimen wucherte das alte Heidentum ruhig fort. „Die ganze Tätigkeit der orthodoxen Geistlichkeit beschränkte sich auf die Einsammlung der Stolgebühren und anderer Beiträge für den Unterhalt der Kirchen und des Klerus, was selbstverständlich die Neubekehrten noch mehr reizte und der Geistlichkeit und Kirche entfremdete. Und so warteten diese halben Heiden und halben Christen nur auf eine Gelegenheit, um die ihnen fremde Religion und verhasste Geistlichkeit abzuschütteln. Eine solche Gelegenheit bot sich ihnen bei Verkündigung des kaiserlichen Ukas über die Gewissensfreiheit. Sofort fielen sie scharenweise von der orthodoxen Kirche wieder ab.“

Wie aus zuverlässigen Mitteilungen von Landeskundigen hervorgeht, bringen diese Stämme heute ihre heidnischen Opfer wie ehemals im Dunkel der Wälder dar. Das beliebteste Opfertier ist der Schwan, an dessen Stelle man sich mit einer weißen Ente oder Gans begnügt. An Ehrlichkeit übertreffen diese Heiden das russische Landvolk bei weitem, weisen sie doch selbst Trinkgelder für geleistete Dienste zurück.


 (Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Samstag, 14. November 2015

Der heilige Josaphat: ein Leben für die Union

Die Reliquien des hl. Josaphat im Petersdom in Rom (Quelle)

Johannes Kuncewicz ward zu Wilna 1580 geboren und trat ebendaselbst 1604 unter dem Namen Josaphat in das Basilianerkloster der heiligen Dreifaltigkeit. Vom heiligen Geist selbst geleitet, übte er sich in dem tiefgesunkenen Kloster in inbrünstigem Gebet und großer Abtötung, gleichzeitig eifrig ernstem Studium ergeben, das ihn zum Verteidiger der Union (der Vereinigung der Orthodoxen mit dem Stuhl Petri) befähigte. Sein Beispiel blieb nicht ohne Früchte; bald blühte das Kloster in Wilna auf und zwei neue Klöster konnten durch den Heiligen von dort aus gegründet werden. 

Einen ebenso hochbegabten als frommen Gefährten im Werke der geistigen Neubelebung der ruthenischen Kirche erhielt der Heilige in seinem Freund Joseph Belamin Rutski. Derselbe hatte seine Studien im griechischen Kolleg zum Rom gemacht, war 1603 nach Wilna zurückgekehrt und 1607 ebenfalls in das Dreifaltigkeitskloster eingetreten. Nach dem Tod des greisen Metropoliten Pociey, der die Union mitbegründet und ihre Fahne 15 Jahre lang hochgehalten hatte, bestieg Rutski 1614 den Metropolitansitz. Auf sein Betreiben wurde der hl. Josaphat, so sehr dessen Demut sich sträubte, zum Koadjutor von Polozk und Bischof von Witebsk erhoben. Am 12. November 1617 empfing derselbe zu Wilna die Bischofsweihe. Unter der gemeinsamen Wirksamkeit dieser beiden Männer war zu Anfang 1620 die Union in ganz Weißrussland siegreich durgeführt.

Ernstere Kämpfe hatte sie aber in Rot- und Kleinrussland zu bestehen. Rutski hatte zwar feierlich von dem Stuhl von Kiew Besitz ergriffen. Basilianer aus der Schule des hl. Josaphat sollten daselbst den Kern der geistigen Neugestaltung bilden. Der Vorsteher ihrer Schaar, Anton Hrekowicz, wurde von den wütenden Schismatikern 1618 im Dnjepr ertränkt. Sie schlugen ein Loch in die Eisdecke und stießen den Blutzeugen hinein unter dem Geschrei: „Du bist ein Unierter und willst unsere Religion verraten!“ Als er sich am Rande des Eises festhalten wollte, hieben sie ihm die Arme ab und höhnten: „Ruf den Papst an!“ während die Wellen des Dnjepr den Ertrinkenden unter die Eisdecke rissen.(…)

Der hl. Josaphat hatte inzwischen dem Sturm zu trotzen, den sein Gegenbischof Smotrycki losließ. Immer höher gingen die Wogen des Aufruhrs, bis ihm endlich der Heilige zum Opfer fiel. Am 12. November 1623 wurde Josaphat in Witebsk grausam ermordet, seine Leiche schmählich entehrt und endlich in die Wogen der Dwina versenkt.

Der Martertod des Heiligen übte einen gewaltigen Eindruck auf die Lateiner in Polen und war die Ursache, dass die Union nicht fallen gelassen wurde, während des Verbrechen von Witebsk anderseits die Sache des Schismas mit Schmach bedeckte. Der Tod des hl. Josaphat war die Rettung der Union, die bis zum Sturze Polens in allen Stürmen bestehen blieb.(…)

St. Josaphat (Quelle)


(Aus: die katholischen Missionen 1886)

Donnerstag, 12. November 2015

Die Mission in Island (Teil 2)

Die katholische Kathedrale von Reykjavik, die Christ-König-Basilika. Bei ihrer Einweihung 1929 war sie die größte Kirche des Landes. (Quelle)

Fortsetzung von hier

Eine unlängst zur katholischen Kirche übergetretene Dame hatte keine Ruhe, bis sie das römische Missale (das Messbuch des Priesters) durch einen des Lateins kundigen Protestanten hatte untersuchen lassen. Sie hatte nämlich immer gehört, dass der Priester bei der heiligen Messe über das anwesende Volk durch gewisse Zaubersprüche und Beschwörungsformeln den Fluch herabrufe. Nun konnte sie sich selbst überzeugen, wie sehr das gerade Gegenteil der Fall war.

Die tiefgewurzelten Vorurteile gegen die katholische Kirche erklären dann auch das Aufsehen und den Schrei der Entrüstung, der sich vorläufig noch fast bei jeder Konversion erhebt. Der „Unglückliche“ wird als Apostat betrachtet und dementsprechend selbst von den eigenen Eltern und Geschwistern behandelt. Es braucht wirklich Mut, um trotzdem den Schritt zu tun. Gott sei gelobt, fehlt es nicht an solchen mutigen, großherzigen Seelen. Übrigens wird die feindselige Stimmung in dem Maße schwinden, wie die noch recht kleine Zahl isländischer Katholiken wächst.
Die Hauptaufgabe der Mission besteht vorläufig darin, den Schutt der alten Vorurteile langsam wegzuräumen, und in dieser Hinsicht ist der Erfolg handgreiflich. Die arme kleine Kapelle ist jeden Sonntag angefüllt und kann oft die Leute nicht fassen. Der Isländer ist sehr wissbegierig, und diese Wissbegier oder Neugier füllt die Kirche. Man will sehen, was dort vor sich geht, und hören, was gesagt wird. So kommen viele unter den Einfluss des aufklärenden Lichts.

Gerade unter den hervorragendsten, geistig bedeutendsten Männern des Landes zählt die katholische Kirche einige aufrichtige Freunde und Bewunderer. Man höre z. B., wie der gefeierte vaterländische Dichter und protestantische Prediger Mathies Jochumson im „Nordei“, dem ersten isländischen Blatte, sich ausspricht: „Alles, was man gegen die gebenedeite Mutter, die erhabene Kirche, vorbringt, ist Unwahrheit, Lüge und Verleumdung. Alles, was die katholische Kirche, diese Versammlung der Heiligen, predigt und lehrt, hat kein anderes Ziel als Heiligung der Seelen.“
Der Obere der katholischen Mission hatte den Dichter gebeten, einige Kirchenlieder ins Isländische zu übersetzen. „Was Sie schreiben“, so erwiderte derselbe, „entspricht ganz der Wahrheit. Unsere einheimische Literatur ist reich an Dichtungen zu Ehren Mariens, und es ist daher für den isländischen Dichter sehr leicht, Lieder zu Ehren U.L. Frau zu verfassen oder zu übersetzen, und ich habe nie verstehen können, warum unser ‚heiliger‘ Vater Luther ihre Verehrung so gewaltig geächtet hat.“

Eine kräftige Stütze der Predigt bietet Spital und Schule. Das erste beweist, dass die katholische Kirche das Liebesgebot des Meisters nicht vergessen hat, die zweite, dass sie keine Feindin der Bildung und des Fortschritts ist. Beide Anstalten sind in den Händen der St. Josephsschwestern von Chambery trefflich aufgehoben. Diese haben sich die allgemeine Liebe und Verehrung in hohem Grad gewonnen. Der Ruf ihres Spitals ist weit ins Land gedrungen, und oft werden Kranke aus weitentlegenen Gegenden hergebracht trotz der Nähe protestantischer Krankenhäuser. Der frühere Stiftsamtmann von Reykjavik veröffentlichte sowohl über Spital wie Schule überaus wohlwollende lobende Aufsätze in der Presse. Auch die Schule hat sich aus sehr ärmlichen Anfängen heraus recht günstig entwickelt. Man vergesse nicht, dass Reykjavik eine Stadt von 10.000 Einwohnern ist und ganz modern eingerichtete Schulen besitzt. Das armselige katholische Schülchen erregte daher anfangs nur Spott; man dachte sicher, es würde aus sich selbst wieder eingehen. Nur sehr wenige Familien verstanden sich dazu, ihre Kinder der Schule anzuvertrauen. Aber die trefflichen Erfolge brachten bald eine Wendung. Der frühere Stiftsamtmann und mehrere angesehene Familien, ja selbst protestantische Prediger sandten ihre Kinder. Heute zählt sie 56 Kinder; es ist die höchste Zahl, die in dem kleinen unansehnlichen Bau Platz hat.

Die Lage der Mission ist also eine recht günstige; es ist nur zu bedauern, dass sie bisher die Mittel nicht aufbringen konnte, um ein würdigeres Gotteshaus und ein stattliches Schulgebäude aufzuführen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 8. November 2015

Die Mission in Island (Teil 1)

Marienstatue in der Kathedrale von Reykjavik (Quelle)

Seit mehreren Jahren ruht die Mission von Island in den Händen der Maristen [Montfortaner]. Sie üben dort zugleich die Seelsorge unter den zahlreichen französischen Fischern aus, die während der Sommermonate aus der Normandie und der Bretagne diese nördlichen Gewässer besuchen.

Von allen Völkern, so meint der Missionsobere P. Meulenberg, welche die Reformation vom Herzen der Kirche gerissen hat, verdient keines so sehr die Teilnahme der Katholiken wie die Isländer. Das Land hat eine glorreiche katholische Vergangenheit, die erst unter König Christian III. von Dänemark (1536–1559) ein Ende fand. Um das Volk zu täuschen, blieb auch hier die äußere Gottesdienstordnung noch bestehen. Ja noch anderthalb Jahrhunderte lang klang in den Kirchen des Landes der römisch-lateinische Choral, und die Christmesse wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein nach dem alten katholischen Ritus gefeiert. Noten und Text waren die ursprünglichen, und neu war nur, dass die sog. Konsekration jetzt auf das Pater Noster folgte.

Bis in die neuere Zeit trug der lutherische Bischof bei feierlichen Gelegenheiten den Chormantel, den einst Papst Paul III. dem letzten katholischen Bischof von Holar, Jón Arason, geschenkt hatte. Derselbe war als Märtyrer des Glaubens gestorben und schloss die lange Reihe isländischer katholischer Bischöfe würdig ab. Heute findet sich der Mantel mit zahlreichen anderen Denkmälern der katholischen Zeit, Statuen, Kruzifixen und Kirchengefäßen im Museum von Reykjavik.

Zur Zeit, da der französische Priester Abbé Boudoin von Reims nach Island kam (1850), gingen bereits die letzten katholischen Überlieferungen ihrem Ende zu. Am längsten hatte sich die Andacht zu Maria, der reinen Gottesmutter, erhalten – war doch Island einst so recht das Land Mariens gewesen. „Die Verehrung U. L. Frau“, so gesteht der berühmte isländische Schriftsteller Dr. Jon Thorkelson, „ließ diejenige zu den übrigen Heiligen weit hinter sich zurück, waren doch nicht weniger als 150 Kirchen Islands Maria geweiht“. Derselbe Gelehrte – sein Sohn trat 1905 zur katholischen Kirche über – hat sorgfältig die isländischen Marienlieder aus vorreformatorischer Zeit gesammelt. Sie würden gedruckt einen mächtigen Band ausmachen, und es ist zu hoffen, dass die Mittel zur Veröffentlichung sich finden werden.

Zur Zeit des Abbé Boudoin sang man noch in vielen Familien Lieder zum Lob und Preis der heiligen Gottesmutter. Text und Weise wurden von der Mutter auf die Kinder vererbt. Heute scheint auch dieser letzte Rest katholischer Erinnerungen geschwunden zu sein. Das Bild der alten Kirche ist nicht nur verblichen, es ist durch den Schmutz und Staub jahrhunderterlanger Verdächtigung und Missdeutung zu einem widerwärtigen Zerrbild geworden. Man möchte oft lachen, wenn man gewahr wird, welch wunderliche Vorstellungen sich die guten Leute über Rom, die römische Kirche, ihre Priester usw. machen. Und doch steht einem das Weinen näher.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Fortsetzung hier

Montag, 30. März 2015

Große Missionsbischöfe: Eine dornenvolle Aufgabe – Msgr. Michael Petkoff, Apostol. Vikar der unierten Bulgaren in Thrazien



Michael Petkoff, Titularbischof von Hebron und Apostol. Vikar von Thrazien für die unierten Bulgaren, war 1850 in Adrianopel [Edirne] als Sohn eines Hirten geboren. Bei polnischen Ordensleuten in der Schule zeichnete er sich durch seine Begabung und seine edlen Neigungen aus und wurde deshalb ins Kolleg der Propaganda in Rom geschickt. 1873 zum Priester geweiht, empfing er schon mit 31 Jahren als Nachfolger des Bischofs Popoff in Konstantinopel die Bischofsweihe.

Unsäglich dornenvoll war seine Aufgabe, die weithin über das Land zerstreuten Katholiken vor den Angriffen der Schismatiker zu bewahren. Schon allein die Tatsache, dass er einst auf offener Straße von einem fanatischen Mohammedaner zu Boden geworfen und mit einem Stock misshandelt wurde, zeigt die Eigenart der Verhältnisse, unter denen er wirkte. Tiefe Trauer lagerte über seinen letzten Lebensjahren ob der Niederlage des bulgarischen Volkes. Seine Christen waren zerstreut, die Dörfer verbrannt, seine Priester ohne Kirchen und ohne Heim. Er selbst musste unter Griechen, den Verfolgern seiner Herde, in der Verbannung sterben. Am 27. Mai erlöste ihn der Tod von diesen großen seelischen Leiden.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Dienstag, 22. Juli 2014

Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe zu Gunsten des Franziskus-Xaverius-Vereins

Der heilige Bonifatius erinnert die Deutschen an die Missionspflicht (Standbild in Fulda)

Hirtenschreiben der in Fulda versammelten deutschen Bischöfe zu Gunsten des Franziskus-Xaverius-Vereins:
„Das Werk der Verbreitung unseres heiligen Glaubens, an dem jeder katholische Christ nach Maßgabe seiner Verhältnisse teilzunehmen verpflichtet ist, hat in unseren Tagen einen Aufschwung genommen, aus dem die Kirche gegenüber so manchen trüben Erfahrungen und bedenklichen Zeichen Trost und Hoffnung schöpft. Überall, wo der Forscherdrang neue Welten und Länder erschließt und unzivilisierte Völker in die irdische Kultur einzubeziehen sich bestrebt, folgen sofort die Glaubensboten, um neben der irdischen Kultur zugleich auch die höchsten Kulturaufgaben durch Verbreitung christlichen Glaubens und christlicher Sitte zu fördern; ja vielerorts sind die Missionäre den Pionieren der irdischen Kultur zuvorgekommen, haben das Zeichen der Erlösung schon aufgepflanzt und die Kinder der Wildnis um dasselbe versammelt. Welch eine tröstliche Erscheinung inmitten der anscheinend erlahmenden Begeisterung des christlichen Geistes in manchen Mittelpunkten der Zivilisation!

Die Sorge für die Unterhaltung dieser Missionstätigkeit hat seit vielen Jahren vorzugsweise die Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens getragen, die sich nach dem heiligen Missionsapostel, der vor allen am kräftigsten den Missionsgedanken erfasste und ins Werk setzte, Xaverius-Verein benennt. Auch nach der vom Oberhaupt der Kirche vor einigen Jahren getroffenen Ausscheidung und kirchlichen Ordnung einzelner Missionsgebiete bleiben immer noch 300 Missionen, die lediglich auf seine Unterstützung angewiesen sind. Allein im Jahr 1909 haben in diesen Missionen über 150.000 Heiden die heilige Taufe empfangen, ungerechnet die Taufe der Kinder.

Es leuchtet daher ein, wie wichtig es ist, dass dem genannten Missionsverein, der seine Tätigkeit über die gesamte katholische Missionswelt erstreckt und allen Bedürfnissen der Missionäre ohne Rücksicht auf Nation und Herkunft seine Sorge zuwendet, von der Liebe und Freigebigkeit der Katholiken die Mittel gewährt werden, um dieser Fürsorge entsprechen zu können. Wie erfreulich ist es deshalb, dass, während in einigen Ländern der Eifer für die katholischen Missionen zurzeit erkaltet ist, in anderen, z. B. in Amerika, die Katholiken sich ihrer Missionspflicht bewusst geworden sind und ihre Freigebigkeit für dieses wichtige Gebiet der christlichen Caritas erhöht haben! Auch die christlichen Nationen der Alten Welt dürfen in diesem Eifer nicht zurückbleiben; insbesondere darf Deutschland, das an der Verbreitung der irdischen Kultur in den neuerschlossenen Ländern in einem so regen Wettbewerb sich beteiligt, das Gebiet der höchsten Kultur- und Menschheitsinsteressen nicht vernachlässigen.

Nun ist es dankbar anzuerkennen, wie sehr sich die deutschen Katholiken dieser Aufgabe in den letzten Jahren bewusst geworden sind. Bei allen ihren Zusammenkünften, insbesondere auf ihren Generalversammlungen, hat die Missionsfrage eine besondere Beachtung gefunden, und sind immerfort neue Anregungen zu eifriger Betätigung auf diesem Gebiet ergangen. Voll freudiger Hoffnung blicken wir auf diese Bestrebungen hin und erwarten von ihnen umso größere Erfolge, je mehr die bereits bestehende Organisation des Xaverius-Vereins ausgebaut wird.

Zu dem Zweck verordnen wir, dass für diesen Verein in allen Diözesen, wo er nicht vorhanden ist, eine entsprechende Organisation geschaffen und der Verein gemäß seinen Satzungen in den Gemeinden eingeführt werde.

Zu den hochwürdigen Pfarrgeistlichen aber haben wir das Vertrauen, sie werden in ihren Pfarrgemeinden diese Organisation des Vereins durchführen und pflegen, und empfehlen ihnen, im Laufe des Kirchenjahres auf die Wichtigkeit des Xaverius-Missionsvereins und die allgemeine Missionspflicht der Katholiken hinzuweisen, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet.

Diese Gelegenheit benutzen wir aber gern, auch den Kindheit-Jesu-Verein sowie unseren Bonifatius-Verein und den Joseph-Verein, welch letzterer die Unterhaltung der Seelsorge für unsere Landsleute im Ausland zur Aufgabe hat, eindringlich zu empfehlen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Freitag, 18. Juli 2014

Korrektur zum Eintrag „die vielleicht längste Visitationsreise der Welt“


Kürzlich hatte ich als Zusatz in dem Artikel „die vielleicht weiteste Visitationsreise der Welt“ geschrieben, dass russische Predigten in katholischen Kirchen in Russland von Staatswegen verboten waren. Das stimmt nicht. Vielmehr hatte es einen anderen Grund, dass nicht auf Russisch gepredigt wurde:

„Von größter Bedeutung wäre es auch, dass in den Kirchen des eigentlichen Russland recht bald auch russisch gepredigt würde. Das Schreiben des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val an die Bischöfe des Zarenreichs kommt hier wirklich einem schreienden Bedürfnis entgegen. Es erklärt klar und deutlich, dass der Heilige Stuhl niemals grundsätzlich sich gegen das Predigen in russischer Sprache ablehnend verhalten, dasselbe vielmehr nur dort als weniger entsprechend bezeichnet habe, wo die Gläubigen sich einer anderen Sprache bedienten. Ausdrücklich werden russische Predigten für das eigentliche Russland jetzt zugestanden. Das ist von großer Bedeutung, da die Zahl in manchen Städten ganz erheblich zunimmt (…)“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Montag, 7. Juli 2014

Bilder: zum Fest der Slawenapostel Cyrillus und Methodius (nach altem Missale)



Ihr heiligen Slawenapostel, bittet für uns!


Msgr. Raphael Popoff, der Mann, den Gott berufen hatte, um die bulgarisch-griechisch-katholische Kirche vor dem Untergang zu bewahren



Gedenktafel außen an der alten Kapelle in Regensburg (Quelle: sue107)


Titularerzbischof Msgr. Miroff, Bischof der katholischen Bulgaren in Istanbul. Er weihte den ersten Exarchen der russisch-katholischen Kirche, den sel. Leonid Feodorov, zum Priester.



Msgr. Epiphan Schanoff, Apostol. Vikar von Bulgarien. Zusammen mit Msgr. Miroff weihte er Pater Isaias Papadopulos zum Bischof.
katholische Seminaristen in Bulgarien (erste Reihe wohl Professoren)

Sonntag, 6. Juli 2014

Die vielleicht weiteste Visitationsreise der Welt

Der Diener Gottes Jan (im Text Johannes) Cieplak, späterer Erzbischof von Vilnius, der die Visitationsreise vollzog

„Zu den wenigen wirklich erfreulichen kirchlichen Ereignissen in Russland“, so wird uns von dort geschrieben, „gehört die kanonische Visitationsreise des hochwürdigsten Herrn Suffraganbischofs von Mohilew, Dr. Johannes Cieplak, nach Sibirien. War es doch zum ersten Mal seit Erschaffung der Welt, dass ein katholischer Bischof den Boden jenes Landes betreten durfte. Sofort nach Ostern 1909 trat der hochwürdigste Oberhirt von St. Petersburg aus über Wologda, Wjatka und Perm die Riesenreise an. 

Um den 80.000 Katholiken des ungeheuren nordischen Landes möglichst ausgiebige geistliche Hilfe zu bringen, schlossen sich dem hochwürdigsten Herrn Bischof fünf Geistliche an, von welchen alle der russischen und polnischen und wenigstens je einer der litauischen, lettischen und deutschen Sprache mächtig waren. Für die ganze Hin- und Rückfahrt hatte die russische Regierung einen besonderen Waggon erster Klasse zur Verfügung des Bischofs und seiner Begleiter gestellt. Diese Vergünstigung war umso wertvoller, weil viele zerstreut wohnende Katholiken aus Zeitmangel den Bischof nur im Waggon sehen konnten. So kam es mehr als einmal vor, dass im Waggon selbst die heilige Messe gelesen, gepredigt, Beicht gehört, die heilige Kommunion gespendet und gefirmt wurde.

Das Endziel der Reise war das öde Sachalin. Auf dessen russischem Teil leben etwa 500 Katholiken, welche wohl ein Kirchlein, aber keinen Priester haben. Höchstens kommt in zwei Jahren einmal vom benachbarten Festland ein Priester zu den armen Verlassenen. Ihre Not hat selbst die russischen Beamten so gerührt, dass ein höherer Regierungsbeamter den Bischof bat, auf der Insel einen Pfarrer bleibend aufzustellen.

In Wladiwostok legte der Bischof den Grundstein zu einer zweiten katholischen Kirche, Nikolsk und Werhne-Udinsk konsekrierte er neue Kirchen, in Studnianki bei Irkutsk eine Kapelle; in Irkutsk, Nischnie-Udinsk, Bagatol und Taiga wurde gleichfalls der Grundstein zu neuen Kirchen gelegt, in Ilinsk eine neue Kirche feierlich eingeweiht. Von Taiga reiste der Bischof über Klana nach der 50 Werst (etwas über 50 km) entlegenen katholischen Gemeinde Spaskoje, von dort nach der 80 Werst entlegenen katholischen lettischen Kolonie Timofejewka. 

Die beiden letzten Besuche mussten in der Tarantasse, dem Sibirien eigentümlichen Fuhrwerk, unternommen werden, in welchem der Reisende oft mehr liegt als sitzt. Bei der bewunderungswürdigen Ausdauer der sibirischen Pferde geht freilich auch solch eine Reise bedeutend schneller vor sich als im westlichen Europa. Die Pferde setzen von Anfang an sofort im Galopp ein und halten in demselben Tempo mehrere Stunden aus. Mit fröhlichem Gesang macht ihnen der Fuhrmann Mut.

Bei Omsk stellten sich dem hochwürdigsten Oberhirten Abgesandte von zwei katholischen deutschen Kolonien vor und baten flehentlich unter Tränen um einen Geistlichen. Kirchlein und Pfarrhaus stehen fertig da, Gehalt und Pfarrland sind bereit; aber der schreckliche Priestermangel hemmt alles.
Ebenso liegen die Verhältnisse noch immer im Turgaigebiet, wo gleichfalls wenigstens zwei Priester dringend vonnöten sind. Es wäre nicht so schwer, eifrige Priester aus Deutschland zu erhalten; aber trotz aller ‚Gewissensfreiheit‘ macht der Kultusminister Charussin alle nur erdenklichen Schwierigkeiten dagegen.

Die kleinliche Reglementierungssucht der Beamten verursachte dem hochwürdigsten Herrn Bischof auch in Sibirien wiederholt große Unannehmlichkeiten. In Irkutsk verbot man das Verlesen der zuvor behördlich zensurierten Adresse der Katholiken auf dem Bahnsteig; an einem anderen Ort verlangte man von den Katholiken das Versprechen, dass während der bischöflichen Visitationsreise keine revolutionären Lieder gesungen und nur Gebetbücher verteilt würden (man dachte wohl von den Katholiken wie von den eigenen orthodoxen Geistlichen, die sich damals schon für Revolten und revolutionäre Ideen begeistern ließen).

Nach einem Abstecher zu Wasser nach dem seitwärts gelegenen Tobolsk ging die Heimreise über Samara, Simbirsk, Rjäsan nach Moskau, woselbst dem Oberhirten Sonntag 26. September abends ein großartiger Empfang bereitet wurde. Mehrere Tausend Katholiken waren auf dem Bahnhof erschienen. Fast eine Stunde dauerte es, bis der Bischof sich durch die Scharen zu dem ihn erwartenden Galawagen hindurchdrängen konnte. War doch die letzte Visitation der Moskauer katholischen Pfarrei 1892 gewesen.
Zahlreiche Gläubige folgten dem bischöflichen Wagen den ganzen langen Weg bis zur Kirche trotz der bereits empfindlichen Abendkühle barhäuptig; von den vorüberfahrenden elektrischen Wagen ertönten ununterbrochen freudige Zurufe. Acht Tage lang weilte der hochwürdigste Herr Bischof in der alten Zarenstadt und spendete fast täglich zweimal das Sakrament der heiligen Firmung.

Der Abschied am 4. Oktober war ein sehr herzlicher, die Kirche trotz des Werktages gedrängt voll; alle hatten den leutseligen Kirchenfürsten ins Herz geschlossen. Nichtkatholische Russen waren erstaunt, wie der Bischof für alle zugänglich war. ‚Seht‘, riefen sie erstaunt aus, ‚man kann sich ihm nähern!‘ – Leider benehmen sich oft die Würdenträger der russischen Staatskirche als höhere, unnahbare Wesen, welche stark an die Rolle des Dalai-Lama erinnern. 

Die deutschen Katholiken Moskaus haben besonderen Grund, sich über das Ergebnis der bischöflichen Visitation zu freuen. Anstatt der einmaligen deutschen Predigt im Monat sind nunmehr monatlich zwei deutsche Predigten festgesetzt worden. Auch russische Predigten sind bereits in Moskau wie in St. Petersburg von der hochwürdigsten erzbischöflichen Behörde gestattet worden. Doch darüber und anderes nächstens mehr.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Montag, 2. Juni 2014

Mission der Kamillianer unter den Diaspora-Katholiken von Jütland

Missionspionier in Dänemark: der deutsche Bischof Johannes von Euch von Kopenhagen


Die junge, in Holländisch Limburg entstandene und ansässige Provinz der deutschen Kamillianer (der Orden der „Väter vom guten Tod“ wurde 1585 vom hl. Kamillus von Lellis gegründet) hat seit etwa zwei Jahren ihre Hilfe der nordischen Mission angeboten und dort in Aalborg (Jütland) ihre Tätigkeit begonnen. Über die Entstehung und die Lage dieser neuen Gründung gibt das folgende Schreiben einige Auskunft:

„Nachdem bereits Städte wie Colding, Fridericia, Aarhus u. a. ihre katholischen Schulen und Kirchen haben, hat die katholische Mission seit kurzem auch in der Stadt Aalborg, im nördlichsten Teil von Jütland, Fuß gefasst.

Hübsch am Limfjord hingestreckt, zählt die Stadt, durch angelegte Fabriken und lebhaften Handel rasch emporgekommen, jetzt 31.000 Einwohner. Katholiken aus allen Ländern hatten sich im Lauf der Zeit dort niedergelassen, waren aber in religiöser Hinsicht recht verwahrlost. Auch die anderen Katholiken, die in dem zu Aalborg gehörenden, 150 Quadratmeilen großen Landdistrikt zerstreut wohnen, standen vereinsamt und jeglichem katholischen Einfluss entzogen. 

Um diesem Übel abzuhelfen, berief der hochw. Bischof Johannes von Euch von Kopenhagen vor zwei Jahren die Kamillianerpatres nach Aalborg. Was dieselben vorfanden, waren arme Katholiken, gänzlicher Mangel an Seelsorge, die größten Vorurteile von Seiten der Andersgläubigen. 

Nicht einmal ein Betsaal war da, so dass anfangs die heiligen Geheimnisse in einem gemieteten Hotellokal gefeiert werden mussten. Alles war von Grund auf neu zu schaffen.
Es galt zunächst, Grund und Boden zu erwerben. Ein dazu passendes Wohnhäuschen mit einem entsprechenden Areal war denn auch bald erworben, freilich nicht ohne eine drückende Schuldenlast. 

Eine Wohnstube wurde zunächst für den Gottesdienst eingerichtet. Schon bald legte indes die starke Beteiligung am Gottesdienst von Seiten der Katholiken wie Andersgläubigen den Patres die Pflicht auf, ein Kirchlein zu erbauen. Das hieß natürlich eine neue Schuldenlast auf sich nehmen. Der Not gehorchend und auf die Hilfe der seligsten Jungfrau, der das Kirchlein geweiht war, vertrauend, unterzogen sich die Patres, obschon mitten unter Andersgläubigen von jeder Unterstützungshilfe abgeschnitten, der schwierigen Aufgabe. Sie hatte die Freude, kurz vor Weihnachten durch den hochw. Bischof Johannes von Euch das Kirchlein eingeweiht zu sehen.

Die Einweihung selbst war ein Freudenfest für die Katholiken Aalborgs. Viele Glaubensgenossen waren von nah und fern erschienen; selbst Andersgläubige, unter ihnen fast der ganze protestantische Stadtrat, nahmen am Fest teil. 

Das Kirchlein konnte die Menge nicht fassen. Seit 400 Jahren hatte Aalborg ein solches Fest nicht mehr erlebt. In der herrlichen Predigt, die der hochw. Bischof bei der Einweihung hielt, hob er besonders hervor, wie er bis vor 30 Jahren der einzige Priester in ganz Jütland gewesen sei. 

Damals habe er ab und zu auch diese Gegend durchreist, um den einzelnen, weithin zerstreut wohnenden Katholiken Trost und religiösen Beistand zu bringen. Nunmehr sei auch in Aalborg, dem nördlichst in Jütland vorgeschobenen kirchlichen Vorposten, ein Marienkirchlein erbaut, und er habe die volle Überzeugung, dass dasselbe diesem weiten Distrikt zum Segen gereichen werde.(…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Montag, 24. Februar 2014

„Auch die starkumwallten Städte werden fallen und der Feind verschwinden, sobald es dem Herrn der Heerscharen gefällt“


Westminster Cathedral (Quelle: Diliff) 


Am 28. und 29. Juni sah London eine herrliche Doppelfeier: die Konsekration der neuen prächtigen Kathedralkirche von Westminster und das 60-jährige Jubiläum der Errichtung der katholischen Hierarchie in England. Inniger Dank und freudige Zuversicht waren die Grundstimmung der Feier. Wie die Kirche in England sich entwickelt hat, zeigt der folgende Vergleich:

Zeitpunkt
Kirchen u. Kapellen
Schulen
Priester
Klösterl. Niederlassungen
Um 1850
587
500 verschied. Art

788
70
Um 1910
1760
1064 höhere, ca. 2000 Pfarrschulen mit weit über 300.000 Kindern und Zöglingen
3687
1159

dazu kommt, dass die katholische Kirche heute im öffentlichen Leben eine sehr geachtete Stellung einnimmt und im Parlament wie in den höchsten Staatsstellen ihre Vertreter hat. 
Die Tatsache, dass das britische Weltreich heute wenigstens 12 Millionen Katholiken zählt, gibt auch den 2 Millionen englischen Katholiken einen festeren Rückhalt. 

Die hoffnungsvolle Stimmung klang denn auch kräftig in den Festpredigten durch. „Was die Zukunft betrifft“, so schloss der greise Bischof von Newport, John Hedley O.S.B., seine herrliche Rede, „so schauen wir ihr entgegen mit dem Vertrauen solcher, die da wissen, dass sie der neuen Bundeslade (der wahren Kirche) folgen. 

In welchem Maß und zu welcher Stunde der wahre Glaube in diesem Land hier wieder zu teil wird, vermessen wir uns nicht zu ergründen. Aber wir bleiben fest dabei, dass es für dasselbe kein wahres Glück gibt, bis es die Kirche wieder anerkennt. Wir lassen uns nicht täuschen durch seine materielle Größe, seine Armee, seine Flotte, seinen Reichtum, seinen Handel, seine weithin wehende Flagge. Solche Dinge sind nicht das Christentum und besitzen nicht die Verheißung des ewigen Lebens. 

Nur das Königreich Christi auf Sion kann die Menschheit im Glück und im Unglück retten. Dieses Reich mag zeitweise verdunkelt werden. So ist’s auch mit der Sonne. Wie sie, so kann die katholische Kirche dieser oder jener Nation, diesem oder jenem Geschlecht (d.h. Generation) zeitweise durch die Wolken menschlichen Irrtums oder die Empörung oder Eingriffe menschlicher Willkür und Schuld verhüllt bleiben. Aber durch Gebet und Gnade bricht die ihr angeborene Sichtbarkeit immer siegreich durch. 

Vor uns steht sie klar wie die Sonne, und wir folgen ihr. Und so geschwollen und gewaltig die Flut vor uns sein mag, ihre Wasser werden sich teilen, wenn die Bundeslade sie berührt, und auch die starkumwallten Städte werden fallen und der Feind verschwinden, sobald es dem Herrn der Heerscharen gefällt.“

Dasselbe gilt auch von der Zukunft der Weltmission. Sie gehört uns, mag sie auch fern sein. Gott rechnet nicht mit Jahren und Jahrzehnten, sondern mit Jahrhunderten.

(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Sonntag, 23. Februar 2014

Was deutsche Katholiken während der Nazizeit vom einheimischen Klerus der Missionsländer hielten

"Das deutsche Missionsfeld ist erst dann unser ganzer Ruhm und unsere ganze Ehre, wenn es aufgehört hat, deutsches Missionsfeld zu sein, und einheimischer Leitung untersteht."

(Quelle: Die Weltmission der katholischen Kirche, Ludwig-Missionsverein, Nr. 9/10 1935)

So viel zu den bösen Nazi-Katholiken...

Mittwoch, 12. Februar 2014

Übertritt von russisch-orthodoxen Priestern zur katholischen Kirche und Schikane von Seiten des Staats

Aleksei Zerchaninov (im Text Alexius Zierczoninow), russisch-katholischer Priester. Eine zeitlang war er Sekretär des ersten russisch-katholischen Exarchen, dem seligen Leonid Feodorov, und starb unter den Sowjets in der Verbannung.

Unter den vielen, die in letzter Zeit im eigentlichen Zarenreich zur katholischen Kirche zurückkehrten Priestern befinden sich auch mehrere ausgezeichnete Geistliche. 
Der eine von ihnen, der hochw. Herr Hondru, war als Mönch auf dem Berg Athos zum Priester geweiht worden und hatte als Missionär der Staatskirche gewirkt. Er trat 1905 zur Mutterkirche über und erhielt auf seine Bitte ausnahmsweise die Erlaubnis, zugleich den lateinischen Ritus anzunehmen, um ungehinderter als Seelsorger wirken zu können. Er ist jetzt Pfarrer zu Ismail im Süden Bessarabiens dicht an der rumänischen Grenze. 

Auch die beiden Seelsorger der russischen Konvertitengemeinde in Petersburg, die hochw. Herrn Alexius Zierczoninow (siehe Bild) und Eustachius Susatow sind Konvertiten. Ihre Gemeinde besteht  aus russischen Katholiken, die auch nach ihrem Übertritt den slawischen Ritus beizubehalten wünschten. Trotzdem sie nur eine kleine Kapelle haben, hat der kirchliche Staatsanzeiger nicht verfehlt, wiederholt auf die hier drohende Gefahr hinzuweisen.

Diesen russischen Priesterkonvertiten mag noch beigezählt werden der hochw. Herr Alexander Sipiagin, ein Neffe des gleichnamigen vor einigen Jahren ermordeten Unterrichtsministers und Mitglied der ersten Duma. Nach deren Auflösung und nach dem Tod seiner Frau wurde Sipiagin katholisch, studierte in Innsbruck und Rom Theologie, empfing 1909 von Bischof Keßler von Tiraspol die Priesterweihe und ist gegenwärtig am Knabenseminar in Saratow tätig.
Die Zahl dieser russischen Priesterkonvertiten würde viel größer sein, wenn nicht der Übertritt mit so großen Schwierigkeiten und Opfern verbunden wäre, zu deren Überwindung ein ganz ungewöhnlicher Mannesmut gehört.

Wie die Gewissens- und Religionsfreiheit in Russland verstanden wird, haben wir früher wiederholt beleuchtet. Hier einige weitere Belege.
Im November 1909 wurden im Gouvernement Korno der hochw. Bischof Cyrtowt und etwa 300 seiner Geistlichen in Anklagezustand versetzt, weil sie die 1905 durch das Ministerium vorgeschriebenen Formalitäten bei der Aufnahme staatskirchlicher Russen in die katholische Kirche nicht erfüllt hätten.

Diese Formalitäten haben einzig den Zweck, die durch den kaiserlichen Ukas im April 1905 gewährte Religionsfreiheit in willkürlichster Wiese zu beschränken, und werden selbst von rechtlich denkenden Beamten als ungerechte Schikanen empfunden. 
So hatten denn auch die Behörden von Korno die Nichtbeachtung jener Formalitäten ruhig hingehen lassen. Sie richteten jetzt an den Minister des Innern ein Gesuch, von der gerichtlichen Verfolgung der katholischen Geistlichen absehen zu wollen, leider umsonst. 

Wie gehässig man vielfach vorgeht, dafür nur ein Beispiel. In einer mittelrussischen Stadt wollte ein armes jüdisches Mädchen katholisch werden. Aber wegen Erledigung der beim Ministerium des Innern zu erfüllenden Formalitäten musste die Taufe fast sieben Monate lang hinausgeschoben werden. 
Kurz vor der Taufe wurde das Mädchen aus der Stadt ausgewiesen mit dem Bedeuten, es habe als Jüdin kein Recht, daselbst zu wohnen. 

Während die russische Staatskirche und Bürokratie so alles aufbieten, der katholischen Kirche die Freiheit zu verkürzen, lässt sie dem Protestantismus ziemlich freie Hand, und derselbe treibt, durch eine geschickt redigierte Presse unterstützt, fast ungestört seine Propaganda. 
Der russische ‚Evangelische Bund‘ besitzt schon fünf russisch geschriebene Zeitungen, verfügt über reiche Fonds und über drei in seinem Dienste stehende Verlagsbuchhandlung.

Diese Propaganda ist umso aussichtsvoller, da die russische Staatskirche wenigstens in den Städten beim Volk immer mehr an Einfluss und Ansehen verliert. „Unsere Kirchen“, so klagt unlängst die „Nowje Wremja“, „sind und bleiben leer, in manchen fehlt es an Priestern, und wo solche da sind, fehlt das Volk. Im Jahr 1909 brachen in 22 russischen Seminarien abermals Unruhen aus und zwangen dazu, sie zu schließen und die aufständischen jungen Herrn zu entlassen. Armes Russland!


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)