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Sonntag, 30. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von La Vang (Vietnam)

 

Moderne Statue unserer Lieben Frau von La Vang auf dem Gelände des Wallfahrtsorts (Quelle: Hoangvantoanajc)


Nachdem der neue vietnamesische Kaiser Canh Thinh im Jahr 1798 die katholische Religion in seinem Reich verboten hatte, flohen Katholiken aus der Gegend der Kaiserstadt Huế in den Dschungel von La Vang. Dort suchten sie im Rosenkranzgebet Hilfe in ihrer Notlage, und eines Tages erschien ihnen die allerseligste Jungfrau mit dem Jesuskind auf dem Arm, sprach ihnen Trost zu und riet ihnen, mit den Blättern der umliegenden Bäume eine Art Tee zu kochen, um Krankheiten zu heilen. Von der Erscheinung der Mutter Gottes werden folgende Worte überliefert: „Vertraut mir, denn ich habe eure Gebete erhört. Von nun an werde ich alle diejenigen segnen, die mich an diesem Ort anrufen.“[1] Die Verfolgten konnten 1802 in ihre Dörfer zurückkehren und berichteten ihrem Umfeld von der himmlischen Erscheinung. In der Folge bauten die Katholiken in La Vang eine Kapelle, die in den späteren Verfolgungszeiten zahlreiche Male zerstört, von den Gläubigen aber immer wieder aufgebaut wurde. Nachdem die Christenverfolgungen in Vietnam mit der französischen Herrschaft über das gesamte Land zum Ende gekommen war, ließ der Apostolische Vikar von Huế, Msgr. Marie-Antoine-Louise Caspar M.E.P., eine große Kirche in La Vang bauen, die er vom 6. bis 8. August 1901 im Beisein von 12.000 Pilgern einweihte. Bald war auch diese Kirche zu klein, sodass eine größere an ihrer Stelle gebaut wurde, die am 22. August 1928 im Beisein von 20.000 Pilgern eingeweiht wurde. Im Jahr 1959 wurde sie anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Einführung des Christentums in Vietnam zum Nationalheiligtum des Landes, und Papst Johannes XXXIII. erhob sie 1961 zur Basilica minor. Im selben Jahr fand an dem Wallfahrtsort ein marianischer Kongress unter großer Teilnahme von einheimischen und französischen Bischöfen, weltlichen Behörden und zahlreichen Gläubigen statt. Die vietnamesische Bischofskonferenz erklärte La Vang am 13. April 1961 zum nationalen marianischen Zentrum.

Die ursprüngliche Basilika, die im Jahr 1972 bis auf den Kirchturm zerstört wurde (Quelle: Sciacchitano) 
 

Gegen Ende des Vietnamkriegs wurde die Kirche vollständig durch Artilleriebeschuss zerstört. Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam weigerte sich die kommunistische Regierung lange Zeit, die Kirche wieder aufzubauen. Die Verehrung des Volkes überdauerte auch diese schweren Zeiten, und im Jahr 2012 wurde der Bau einer neuen Basilika im asiatischen Stil begonnen, die vor der Fertigstellung steht. An den Feierlichkeiten zum Fest Mariä Himmelfahrt nahmen im Jahr 2019 insgesamt 80.000 Personen teil. Besonders Papst Johannes Paul II. betonte die Bedeutung dieses Wallfahrtsorts für die Kirche in Vietnam, etwa als er am Weltjugendtag in Denver im Jahr 1993 die vietnamesische Kirche unter den Schutz unserer Lieben Frau von La Vang stellte.



[1] https://www.ucanews.com/news/vietnams-our-lady-of-la-vang-lifts-pilgrims-spirits/97389



Freitag, 2. Dezember 2016

Der Märtyreronkel



Als der heiligmäßige Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap. in New York City wirkte, kam er im Januar 1907 anlässlich eines Krankenbesuchs zu einer gewissen Frau W., die in der 157 East 110th Street wohnte. Sie hatte einen Protestanten vor einem protestantischen Religionsdiener geheiratet, und nur die beiden ältesten der sechs Kinder waren getauft, da der Vater gegen die Taufe der übrigen Kinder war.

Allerdings fand Fr. Stephen bei der Frau noch etwas Glauben. Sie zeigte ihm auch ein Bild ihres Onkels, eines Priesters namens Augustin Schoeffler. Fr. Stephen fragte, ob ihr Onkel noch am Leben sei. Sie erwiderte, dass sie das nicht wisse. Fr. Stephen las dann unter dem Bild die Unterschrift: Le Bienheureux Augustine Schaeffler, martyr. Der Kapuzinerpater war darüber äußerst erstaunt.

Der heilige Augustin Schoeffler (Schaeffler ist nur in älteren Quellen zu finden) stammte aus dem lothringischen Mittelbronn, wurde für das Pariser Missionsseminar zum Priester geweiht und am 1. Mai 1851 in Vietnam geköpft, weil er den „verbotenen“ katholischen Glauben gepredigt hatte. Er wurde 1900 selig-, 1988 heiliggesprochen.

Fr. Stephen teilt uns leider in seinen Aufzeichnungen nicht mit, was aus der Frau geworden ist.
Allerdings hatte P. Schoeffler noch eine Cousine, die bereits 1830 in die USA ausgewandert war. Sie hieß Catherine Greiner. Ihre Nachfahren wohnen noch heute in Detroit, und die Pfarrei Assumption Grotto, die die Greiners besuchten, hat seit 2009 eine Reliquie des heiligen Märtyrers.


Heiliger Augustin Schoeffler, bitte für uns!


Samstag, 3. Oktober 2015

Die heilige Theresia von Lisieux, Patronin der Missionen


Die so beliebte Theresia vom Kinde Jesus, die heutige Tagesheilige, war und ist eng mit der Mission verbunden. Bereits ihre heiligen Eltern baten Gott um einen „kleinen Missionär“. Sie ahnten aber wohl kaum, dass es sich dabei um ihre jüngste Tochter handeln würde. Gerne wollte die hl. Theresia selbst in die Mission nach Vietnam. Sie sagte: „Ich möchte nach Hanoi gehen, um viel für den lieben Gott zu leiden; ich möchte hingehen, um ganz allein zu sein, um keinen Trost, keine Freude auf Erden zu haben.“

P. Adolphe Roulland M.E.P.

Der Wunsch nach der körperlichen Anwesenheit in den Missionsländern blieb ihr zwar verwehrt, auf Geheiß ihrer Oberin verband sie aber eine geistige Bruderschaft mit zwei Missionären, mit P. Roulland vom Pariser Missionsseminar in China und P. Bellière von den Weißen Vätern in Zentralafrika. Ihre Aufgabe war es, ganz besonders für die Mission dieser beiden Priester zu beten, im Gegenzug beteten die Missionäre für sie. Dem ersteren sagte sie, dass sie ihm Himmel viel nützlicher sein sollte. Und tatsächlich konnte P. Roulland nach ihrem Tod Folgendes berichten: „Ich kann bezeugen, dass in unseren japanischen, chinesischen und indischen Missionen der Glauben an die Macht der Fürbitte Schwester Theresias sehr verbreitet ist und dass sie einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die Bekehrung der Seelen und ihren Fortschritt in der Tugend ausübt. Besonders in Japan versichern viele der Trappistinnen, dass sie ihren Beruf der Fürbitte der Schwester Theresia vom Kinde Jesu verdanken, deren Leben sie gelesen haben.“

Msgr. Prosper Augouard C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Ubanghi

Auch in den Missionen der Weißen Väter wirkte ihre Fürsprache. So kamen zahlreiche Heiden von weit her, um in einer Mission am Religionsunterricht teilzunehmen, nachdem in fast allen Hütten der Christen und in den Räumen, wo der Unterricht stattfand, das Bild der Heiligen aufgehängt wurde. Der berühmte Missionsbischof Prosper Augouard, der im Kongo wirkte, bat 1910 die heilige Theresia, ihn von seinem Rheumatismus zu befreien, der ihn zur Tatenlosigkeit verdammt hätte, zog dann aber seine Bitte zurück zugunsten eines seiner Priester, der an der tödlichen Schlafkrankheit litt. Schließlich wurden beide geheilt und der Kirchenfürst machte eine Pilgerfahrt nach Lisieux, um für die gewährte Gnade zu danken. Auch bat er Papst Pius X., bald ihre Seligsprechung einzuleiten.

1927, zwei Jahre nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie von Pius XI. neben dem großen hl. Franz Xaver zur Patronin der Missionen erklärt.


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Freitag, 15. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 3) – Msgr. Joseph Simon Theurel M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Vorletzter Vorgänger: Mgr. Pierre-André Retord

Joseph Simon Theurel wurde am 28. Oktober 1829 in der Erzdiözese Besançon geboren. Er war der Sohn einer wackeren Bauernfamilie, die wohlhabend genug war, ihren Kindern eine höhere Ausbildung angedeihen lassen zu können, freigebig genug, um sie ihnen zuzuwenden, und fromm und rechtschaffen genug, um ihnen dieselbe wahrhaft zum Segen werden zu lassen. Zwei der Söhne wurden Priester, eine Tochter Nonne und ein dritter Sohn, Joseph Simon nämlich, sogar Bischof.

(…) Nachdem er seine Studien noch mehrere Jahre in Luxeuil und Besoul fortgesetzt, trat er im November 1848 ins Priesterseminar von Besançon, von welchem er jedoch schon im folgenden Jahr, nach langer, aufrichtiger Selbstprüfung von seinem Beruf zum apostolischen Leben überzeugt, in das Seminar der auswärtigen Missionen in Paris übertrat. Drei ernste, aber zugleich unendlich freudenreiche Jahre brachte er in dieser ehrwürdigen Anstalt zu, welche der Kirche schon so viele Martyrer, Bekenner und Apostel gegeben und den Glauben Christi in so vielen Ländern der Erde gepredigt hat. Was ihn nicht zum wenigsten hier anzog, war der „Saal der Martyrer“, wo zahlreiche Reliquien die hohen Ziele dieser apostolischen Schule verkündeten. „Unser Empfangssaal“, schrieb er, „hat keine weichen Sessel; von seinen Vorhängen wird man bald sagen, dass sie vor Zeiten einmal rot gewesen sind; aber er ist geschmückt mit Fesseln, mit Bambusstäben, mit blutgetränkten Matten und mit glorreichen Reliquien. O wenn Sie wüssten, wie gut man betet und man seinen Mut wachsen fühlt im Anblick dieser ehrwürdigen Überreste derjenigen, die unsere Freunde, unsere Vorgänger sind!“.

Im Juni 1852 erhielt er die freudige Nachricht, dass er zu der gefahrvollsten aller Missionen, derjenigen von Tongkin, auserlesen sei. Am 5. dieses Monats besiegelte die heilige Priesterweihe das Opfer seines Lebens, und obgleich er die erste heilige Messe im Kreise der Seinen in der Franche-Comté las, so waren doch keine zärtlichen Bitten noch Tränen, keine irdischen Rücksichten, nicht einmal die günstigen Aussichten, die ihm Kardinal Gousset von Reims stellte, im Stande, ihn von dem gebrachten Opfer zurückzubringen oder in Europa zurückzuhalten.

[Sein Wirken als Priester wird hier aus Gründen der Länge übergangen, um direkt zur Bischofsweihe überzugehen.]

Mit dem Tod von Msgr. Retord, der für die Kirche in Tongkin ein so gewaltiger Schlag war, traf merkwürdigerweise gleichzeitig eine Verfügung der Missionsoberen in Paris zusammen, welche P. Theurel plötzlich nach Europa zurückrief, um ihn dort zu einem der Direktoren des großen Missionsseminars zu machen. Die Lage war schwierig; auf die einstimmige Bitte des Klerus von Tongkin glaubte Msgr. Jeantet, der unmittelbare Nachfolger Msgr. Retords, den tüchtigen Missionär, der allgemein als einer der kräftigsten Pfeiler der Mission galt, zurückhalten und den Oberen in Paris erst bescheidene Gegenvorstellungen einreichen zu sollen. P. Theurel blieb aber nicht nur, sondern, abermals auf Bitten des gesamten Missionsklerus, ernannte Msgr. Jeantet, der schon 67 Jahre alt war und einer zuverlässigen Stütze seines Greisenalters zu bedürfen glaubte, ihn zu seinem Koadjutor. Der junge Generalvikar schützte sein Alter vor (er zählte erst 29 Jahre), um der bischöflichen Würde zu entgehen, aber der apost. Vikar beharrte bei seiner Verfügung, und so ward Msgr. Theurel zum Bischof von Acanthus geweiht.

„Lieber Anselm“, so beschreibt er selbst in einem Brief an einen seiner Jugendfreunde die seltsame Wahl und Konsekration, „da Se. bischöfl. Gnaden den Religionsfrieden vor uns fliehen sah, wie einen Schatten, so hielt er es für angemessen, sich einen Koadjutor zu geben. Eines Tages, da ich mich eben in einem Büffelstall aufhielt, erhielt ich Befehl, augenblicklich Exerzitien zu machen und dann mich beim Bischof einzufinden. Nachdem ich, seiner Anordnung gemäß, Exerzitien gemacht hatte, kam ich in zwei Nächten an den verabredeten Platz unseres Stelldichein. Am folgenden Tag fand die Wahl statt, am dritten die Konsekration. Es war der 6. März 1859. Kein großer Luxus wurde dabei entfaltet. In Ermangelung unserer europäischen Mitbrüder, von denen keiner sein Versteck verlassen durfte, erfüllten zwei annamitische Priester die Funktionen der assistierenden Bischöfe; als Stab hatte ich ein Bambusrohr, das im nächsten Wald geschnitten und mit Goldpapier überklebt war und aus dem ein spiralförmig in sich zurückgedrehtes Stück festen Seils hervorragte. Ich hatte keine [liturgischen] Strümpfe, von Handschuhen keine Rede. Zwei Stunden vor Sonnenaufgang war die Zeremonie schon vollendet. So wird man in Tongkin Bischof von Acanthus! Du wirst es zweifelsohne etwas keck finden, dass ich mir die Handauflegung erteilen ließ; ich finde das auch und ich hätte Gründe genug gehabt, mich ihr zu entziehen; aber in den schrecklichen Umständen, in welchen wir uns befinden, hätte eine längere Weigerung von meiner Seite noch größere Verwirrung herbeigeführt: ich musste mich zum Bischof weihen lassen. Flehe nichtsdestoweniger zu Gott um Verzeihung für die Leichtigkeit, mit der ich mich in dieser Angelegenheit der Ansicht der anderen unterwarf, und erflehe mir von ihm größere Klugheit und größeren Mut, damit ich nicht untersinke in diesem Meer von Bedrängnis, sondern früher oder später an dem Hafen jenes Friedens lande, den die Welt nicht geben kann.“

Um dieselbe Zeit schrieb er an seine Schwester in Frankreich: „Was mir hohen Mut verleiht; indem ich die Würde des Episkopats auf mich nehme, ist, dass ich mich mit der Armut, dem Leiden und dem Elend vermähle.“ Wie er bei seiner Weihe das Brustkreuz und den Ring Msgr.
Retords erhielt, so nahm er auch dessen Titel an: „Fac me cruce inebriari“ (Lasst mich vom Kreuze berauscht werden), und so war denn auch seine bischöfliche Verwaltung nur eine verschärfte und härtere Fortsetzung der Leiden und Mühsale, welche Msgr. Retord getragen hatte.

Die Einnahme der Festung Turanne und die Besetzung der Halbinsel Saigon durch die Franzosen hatte den Grimm des Kaisers Tự Đức und seines Anhangs mächtiger denn je entflammt, und das Kreuzen der europäischen Flotte an der Küste hatte nur zur Folge, dass diese immer strenger bewacht und dadurch den Missionären jeder Weg zur Flucht abgeschnitten wurde. Außer dem Aufenthalt in den Gebirgswäldern, wo der Tod am Fieber in fast sicherer Aussicht stand, blieb ihnen nichts übrig, als sich in unterirdischen Höhlen und Schlupfwinkeln den Tag über verborgen zu halten und nachts die Christen heimlich aufzusuchen, zu trösten, mit den heiligen Sakramenten zu versehen und dann entweder wieder in die ungesunden Schlupflöcher zurückzukehren, oder durch Wald und abgelegene Wildnisse nach einem anderen Versteck umherzusuchen. Msgr. Jeantet war bei seiner ersten Flucht mit knapper Not dem Ertrinken entgangen; sowohl seines Alters als seiner Würde wegen hielten es die Missionäre für eine Ehrensache, ihm die erträglichsten und sichersten Verstecke zu überlassen, während sie selbst gleichsam unter den Fangarmen der Verfolger von einem Schlupfwinkel zum anderen unstet umherwanderten. An ihrer Spitze, der mutigste und unerschrockenste von allen, leitete Msgr. Theurel die gesamte Mission, unterhielt die Verbindung der Priester untereinander und mit Msgr. Jeantet, erteilte die nötigen Befehle, arbeitete die bischöfl. Rundschreiben aus, überwachten die einzelnen Gemeinden, sorgte für ihre dringendsten Bedürfnisse, nahm sich der Gefangenen und der Bekenner des Glaubens an, und schrieb endlich selber die Akten der Martyrer. All überall und nirgends, wie einst der hl. Athanasius, machte er, unter dem sichtbaren Schutz der Vorsehung, alle List und Gewalt der Heiden zu Schanden und erhielt die hartbedrängte Kirche West-Tongkins in Einigkeit des Glaubens, der Liebe und des standhaftesten Heldenmuts.

Den Sieg und die Befreiung der annamitischen Kirche zu schauen, sollte Msgr. Theurel nicht vergönnt sein. Aber er sah wenigstens den Waffenstillstand, welcher jenen Sieg vorbereitete, und die Anfänge der Ernte, welche aus so viel Leiden und Martyrblut emporzusprossen begann. Noch im Oktober 1862 wurden die Christen in den meisten Bezirken freigegeben und in ihre heimatlichen Dörfer zurückgeschickt. Die Missionäre Charbonnier und Mathevon wurden aus ihren Käfigen, in welchen sie zehn Monate geschmachtet hatten, entlassen. In christlichen Dörfern trat das Christentum wieder aus dem Versteck hervor, die zerstreuten Gläubigen sammelten sich aufs Neue um ihre Hirten; abgefallene Christen strömten von allen Seiten zum Priester herbei, um ihren Abfall durch aufrichtige Buße zu sühnen. Nachdem im Lauf des Jahres 1863 die Pfarrverwaltung wieder in Gang gebracht war, sorgte Msgr. Theurel vor allem für die Erziehung eines einheimischen Klerus. Schon Ostern 1864 zählte sein Seminar, das er selbst leitete und in dem er selbst lehrte, wieder 40 Zöglinge, darunter 6 Diakone, 9 Subdiakone, 10 Minoristen und 15 Tonsurierte. Dazu hatte er eine Lateinschule mit 6 Klassen und 110 Schülern ins Leben gerufen, die auf drei Dörfer verteilt waren. Bischof und Pfarrer, Seminardirektor und Professor in einer Person, suchte der unermüdliche Apostel allen alles zu werden und den schwachen Zugeständnissen der Regierung den größtmöglichen Grad kirchlicher Freiheit und kirchlicher Lebensentfaltung abzugewinnen, als eine heftige Dysenterie seine Gesundheit zu zerstören und seine Kraft zu lähmen anfing. Nach vielen vergeblichen Versuchen, in Saigon, Hong Kong und Singapur seine Gesundheit herzustellen, musste er 1865 in der Heimat Genesung suchen; wirklich konnte er auch im Herbst 1866 seine Arbeiten in West-Tongkin wieder aufnehmen. Aber die einmal erschütterte Gesundheit widerstand den großen Beschwerden seines Amtes und den Anforderungen, die sein Seeleneifer an ihn stellte, nicht lange mehr. In noch jugendlichem Alter von 39 Jahren wurde er vom Herrn des Weinbergs am 3. November 1868 abberufen, um aufs Neue mit seinem Freund, dem ehrw. [heute heiligen] Martyrer Vénard, vereinigt den Lohn seiner Arbeiten und Mühen zu empfangen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Dienstag, 12. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 2) – Msgr. Pierre-André Retord M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin


Durch Martyrerblut geheiligt und befruchtet, ging der Titel eines Bischofs von Acanthus, zugleich mit der Würde eines apostolischen Vikars von West-Tongkin, im Jahr 1840 an Msgr. Retord über, der sich damals schon 7 Jahre in der Mission als einer ihrer tüchtigsten Arbeiter und eine ihrer kräftigsten Stützen bewährt hatte.

„Welch' eine Lage,“ so charakterisiert er selbst in einem Brief sein Hirtenamt, „beständig wie ein Vogel auf dem Zweig zu sitzen, ohne Unterlass von Unheilsnachrichten beunruhigt: dass Spione uns auf der Fährte sind, dass man uns denunziert hat, dass die Mandarine schon begonnen, uns zu umzingeln – und welch Unglück droht dann der Mission und den armen Christen – sie werden um unsertwillen geplündert, viele von ihnen getötet werden! Um sie dieser Gefahr zu entziehen, gehen wir bald auf die Flüsse, um uns in Barken zu verstecken, bald ziehen wir uns in unterirdische Löcher zurück, um uns gleichsam lebendig zu begraben. Einmal blieben wir volle acht Stunden in einer solchen Grube vergraben, ohne andere Luft zu atmen, als diejenige, welche uns durch ein kleines Bambusrohr zuströmte. Als wir wieder herauskamen, waren wir beinahe ganz blöde und stumpfsinnig geworden. Die leiblichen Qualen in dergleichen kritischen Momenten sind nichts im Vergleich zu der Seelenangst, die man aussteht.“

So von Dorf zu Dorf, von Versteck zu Versteck gehetzt, und doch immer mutvoll das Evangelium verkündend, das Reich Gottes ausbreitend und erhaltend, leitete Msgr. Retord, Bischof von Acanthus, unter den unaufhörlichen Verfolgungen der Kaiser Minh Mạng, Thiệu Trị und Tự Đức achtzehn Jahre lang das apostolische Vikariat West-Tongkin, bis er endlich, aufgezehrt von Leiden und Gefahr, als armer Flüchtling, einsam und verlassen in einer Bergeseinöde 1858 dem Fieber erlag. „Msgr. Retord ist nicht mehr,“ schrieb einer der Genossen seines Apostolates, der hochw. Herr Vénard, im Dezember 1858, „das bösartige Fieber der Wälder hat ihn am 22. Oktober hinweggerafft. So endigte in völliger Verlassenheit und Hilflosigkeit dieses Leben voll Mühen und Leiden, nach einer Missionsarbeit von 25 Jahren, von denen 18 mit der schweren Bürde des apostolischen Vikariates verbunden gewesen waren. Msgr. Retord hat die schönen und so heiß ersehnten Tage des Friedens nicht heranbrechen sehen. Sein ganzes Missionsleben verlief inmitten von Gefahren und Prüfungen aller Art, es war nur die Verwirklichung eines Traums seiner Jugend, in welchem ihm die selige Jungfrau erschien, ihn auf die Spitze eines hohen Berges, an den Fuß eines großen Kreuzes trug und ihm sagte, sein Leben würde gekreuzigt sein bis zum Ende. Das Leben jedes Missionärs ist reich an Kreuz, dasjenige Msgr. Retords war es mehr als das irgendeines anderen, und sein Tod auf einer wilden Bergeshöhe, mitten in einem sonst nur von reißenden Tieren bewohnten Wald, in vollständiger Entblößung von allem, war ein Tod am Kreuz, an einem Kreuz nackt und bitter, wie das seines Meisters und Erlösers Jesus war.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Montag, 11. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 1) – St. Pierre Dumoulin-Borie M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Martyrium des heiligen Pierre Dumoulin-Borie (Quelle: PHGCOM)

Eine gar schöne Erinnerung an den apostolischen Ursprung, das ehrwürdige Alter und die unbesiegliche Lebenskraft der katholischen Kirche liegt in dem Gebrauch, den Bischöfen der ausländischen Missionen, wie den Weihbischöfen in Europa, den Titel von Kirchen zu verleihen, welche, in den ersten Jahrhunderten als Sitze heiliger Lehrer und Martyrer berühmt, im Verlauf der Zeit entweder gänzlich verschwunden oder nur als Trümmer einstiger Herrlichkeit im Land ungläubiger Völker erhalten sind. Die Kirche hat da scheinbar das Los aller menschlichen Einrichtungen geteilt, sie ist da erblüht, hat Früchte getragen und ist scheinbar wieder verblüht. Sie hat Großes gebaut und Herrliches geleistet, und es ist scheinbar in Staub und Asche gestürzt und hat keine Spur des Daseins als bloße Namen hinterlassen. Aber auch nur scheinbar; denn abgesehen davon, dass viele der ältesten erzbischöflichen und bischöflichen Sitze des Erdenrunds schon 18 Jahrhunderte überdauert haben und nie zu Diözesen in partibus infidelium geworden sind, haben auch die Namen der zerstörten und verschwundenen Bischofssitze außer ihrer geschichtlichen Weihe eine merkwürdige Kraft bewährt, das geheiligte Leben, das sie einst bezeichneten, zu erneuern, und in reicher, gesteigerter Fülle in die spätesten Jahrhunderte zurückzurufen. Nicht bloß die alten Namen sind wieder aufgelebt, sondern auch der Geist der Martyrer, auch der Glaube und der Opfermut der Erstlingskirche, ihre Liebe, ihre Kraft, ihre Standhaftigkeit, ihre Selbstverleugnung, ihr Seeleneifer, die schönsten Charismen der Braut Christi. Mag der Blütengarten teilweise verwüstet und versandet sein, der einst rund um die Gestade des Mittelmeers sprosste, er ist neu aufgelebt in fernen Landen, von denen die ersten Jahrhunderte kaum etwas ahnten.

Drei Männer sind es vorzugsweise, welche in den letzten 40 Jahren den alten Bischofstitel von Acanthus aufs Neue mit dem Glanz der ältesten Kirche umgeben haben. Sie gehören ihrer Nationalität sämtlich Frankreich an, ihrem Wirken nach der durch Leiden und Verfolgung so reichlich ausgezeichneten Martyrerkirche von West-Tongkin. Das Leben des einen fällt in die Regierungszeit des berüchtigten Christenverfolgers Minh Mạng, der 1820 den Thron des annamitischen Reiches bestieg, die beiden anderen in die Regierungszeit des Kaisers Thiệu Trị, der von 1841–1847, und seines Sohnes Tự Đức, der von 1847 an bis herab auf die letzten Jahre [d. h. Mitte der 1870er Jahre] die christliche Religion fast unausgesetzt verfolgte.

Der erste dieser drei Bischöfe ist der hochwürdigste Herr Pierre Dumoulin-Borie. Wie die Missionäre des Vikariates West-Tongkin überhaupt (seit 1693), war er Mitglied der Gesellschaft der auswärtigen Missionen in Paris. Er wurde zum Bischof ernannt, als die Verfolgungswut des Kaisers Minh Mạng im Jahre 1838 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Einunddreißig Martyrer verbluteten in diesem einen Jahre als Opfer heidnischer Grausamkeit und als Zeugen ihres Glaubens; unter ihnen erlagen die zwei Dominikaner-Bischöfe des östlichen Vikariats, [St.] Ignacio Delgado und [St.] Domingo de Henares, im Juni 1838, der eine im Kerker, der andere dem Schwert. Ihnen folgte am 24. November 1838 der ehrw. [heute heilige] Dumoulin-Borie, mit der Palme des Martyriums geschmückt, bevor er noch die bischöfliche Weihe hatte erhalten können. Er ward, nachdem er die Qualen der schrecklichsten und grausamsten Untersuchung heldenmütig überstanden, an dem genannten Tag enthauptet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Donnerstag, 4. September 2014

„Auch ich will nach Tongking gehen, auch ich will ein Märtyrer werden!“


St. Théophane Vénard (Quelle: PHGCOM)

Die Hirtensorge und Hirtenliebe des göttlichen Heilands lebt fort in unserer heiligen Kirche. Das Vorbild des göttlichen Hirten und der Gedanke an die hirtenlose Herde der Heidenwelt haben zu allen Zeiten edle Herzen mit heiliger Missionsbegeisterung erfüllt.

Ein Märtyrermissionar unserer Tage aus dem fernen Tongking, Théophane Vénard, hütete als Kind von neun Jahren mit der Schwester die kleine Herde seines Vaters. Das ältere Mädchen hatte sich vom Pfarrer des Ortes einige Bücher erbeten, aus denen der kleine Bruder ihr vorlas, nicht ohne sich selbst dabei Wärme und Begeisterung ins eigene Herz zu lesen.

Das war besonders bei den Missionsberichten der Fall, die sich unter den Schriften fanden. Wie ihn der Märtyrertod des seligen [zusammen mit Théopane Vénard heiliggesprochenen] Karl Cornay, der eben für seinen Heiland gestorben war, ergriff! Da fühlte sein Herz zum ersten Mal jene Apostelliebe, die ihm damals die Worte auspresste: „Auch ich will nach Tongking gehen, auch ich will ein Märtyrer werden!“ – dieselbe Hirtenliebe, die ihn nachmals zu so außerordentlichen Opfern befähigen sollte. 

Und nun wird er den Gedanken an die hirtenlose Herde, an die reiche Seelenernte, die in weiten Missionsreichen Asiens verkümmert, nicht mehr los. Er versteht den Gnadenruf, gehorcht ihm mutig und entschlossen und darf im Heidenland, nicht einmal 30 Jahre alt, seine Heilandstreue und Seelenliebe mit seinem Blut bezeugen.


Montag, 1. September 2014

Was machen klausurierte Karmelitinnen in der Mission?

Auch die heilige Theresia von Lisieux wollte 1894 ins Karmel nach Vietnam, doch ihre Krankheit verhinderte dies. Die Karmelitinnen kamen 1861 vom Karmel in Lisieux in die Mission nach Cochinchina, d. h. Südvietnam.

„Ihr fragt mich, was die Karmelitessen in unserer Mission tun?“ schrieb vor einigen Jahren ein Missionär aus Cochinchina; „warum fragt ihr mich nicht auch, was der Regen und der Tau des Himmels für unsere Wiesen und Felder tun? Die Karmelitessen beten; sie beten für die Ungläubigen, für unsere Katechumenen, für unsere Neophyten; sie beten besonders für unsere Seminaristen, damit wir sie mit der Gnade Gottes zu guten Priestern erziehen. Nun, ich glaube, wie jeder Christ, an die Fruchtbarkeit des Gebets und der Bußwerke; ich glaube, dass das Gebet und die Bußwerke etwas ihnen Ähnliches, d. h. jene übernatürliche Gnade, welche man Bekehrung und Heiligung der Seelen nennt, hervorzubringen vermögen.

 Ich weiß, dass eine würdige Tochter der hl. Theresia von dem nämlichen Feuer entflammt ist, welches das Herz ihrer Mutter verzehrte; eine Ordensfrau aber, die für die apostolischen Arbeiter betet und leidet, ist deren nützlichste Hilfsarbeiterin. Hat die hl. Theresia nicht selbst ganz allein durch ihr Gebet und ihre Bußwerke mehr als 200.000 Ungläubige bekehrt? Wenn wir gegenwärtig so viele Neophyten und Katechumenen zählen, wenn im verflossenen Jahr (1869) unsere Kataloge mehr als 5.000 Taufen Erwachsener anführten, wenn in diesem Augenblick ganze Dörfer um Unterricht bitten und die Gnade der Taufe verlangen, so zweifle ich keinen Augenblick, dass der Tau, der die sonst so unfruchtbare Erde Cochinchinas gegenwärtig befruchtet, von den Höhen des Karmel herstammt.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Samstag, 16. August 2014

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Auswirkungen auf das Pariser Missionsseminar


Das Pariser Missionsseminar, das in Vorderindien, Hinterindien, China, Japan und Korea zahlreiche Diözesen und Apostol. Vikariate verwaltete, zählte zu Beginn dieses Jahres über 200 Missionäre dieser Länder und 103 Aspiranten unter den Waffen. 9 Mitglieder sind bereits auf dem Schlachtfeld gefallen, 18 sind schwer verwundet und 8 befinden sich als Gefangene in Deutschland, darunter der hochw. Herr Guiraud, der Direktor des Seminars. 

Zu den heiligen Weihen, die am 19. Dezember 1914 in der Kirche St. Sulpice erteilt wurden, fanden sich nur 8 Aspiranten ein, darunter 5, die die heilige Priesterweihe empfingen; 3, die im Feld standen, hatten acht Tage Urlaub zur Vorbereitung und zum Empfang der Weihe erhalten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Dienstag, 17. Juni 2014

Video aus Vietnam 1961/1965: Marienprozession und Einweihung der Basilica Minor von La Vang

Als Ergänzung zum gestrigen Post über die einheimischen Karmeliterinnen hier ein interessantes Video aus Vietnam, das den ehemals blühenden katholischen Glauben in diesem so hart geprüften Land zeigt. Im ersten Teil sind leider schon die ersten liturgischen Änderungen zu sehen, dennoch ist es sehr interessant, wie die Fatima-Pilgermadonna entgegengenommen wird. Wer Französisch kann, wird vielleicht einiges von dem Kommentar, der durch den vietnamesischen Kommentar überlagert wird, verstehen können.

Der zweite Teil (etwa ab Minute 30) zeigt die Einweihung der Basilica Minor von La Vang sowie andere Feierlichkeiten eines marianischen Kongresses. Der bekannte Erzbischof von Huế, Pierre Martin Ngô Đình Thục, erscheint zahlreiche Male bei der Einweihung und Spendung der Sakramente. Er erlangte als wohl wichtigster Vertreter des Sedisvakantismus später traurige Berühmtheit. 




Montag, 16. Juni 2014

Einheimische Karmeliterinnen in Vietnam




Eine recht interessante Mitteilung über den Zug der einheimischen Frauen hier in Tonking (heute der Norden Vietnams) zum Ordensleben entnehmen wir dem Brief der Karmelitesse Schwester Amata von Jesus aus Hanoi. 

„Wir haben hier einen neuen Karmel errichtet, weil derjenige von Saigon (West-Cochinchina) bei den zahlreichen Anmeldungen einheimischer Mädchen nicht mehr genügte. Wir haben also diese Mutteranstalt geteilt, indem wir eine gute Anzahl annamitischer (d. h. vietnamesischer) Schwestern als Kern einer neuen Klostergemeinde hierher verpflanzten. 

Kaum war sie hier eingerichtet, als auch bereits eine Anzahl tongkingesischer Mädchen sich meldete, die das Verlangen hatten, sich Gott zu weihen. Wir finden einen großen Trost darin, dieselben nach unserem besten Wissen und Können im religiösen Leben zu erziehen. Es ist aber schwer zu sagen, in welcher Armut diese guten Kinder zu uns kommen. Wir haben alle unsere Mittel erschöpft, um den Anfang eines Klosters zu bauen. Und doch wäre es so notwendig, eine Mauer um unser Kloster aufzuführen, um die Bösewichter fernzuhalten. Das fordert aber eine große Summe. Wir müssen uns also auf die Vorsehung verlassen.“

Diese Bitte wird durch eine in Hanoi wohnende französische Dame unterstützt: „Die Karmelitessen haben hier ein Kloster gegründet und es vorderhand mit einer Bambushecke umfriedigt, indem sie darauf rechneten, dieselbe später durch eine solide Mauer zu ersetzen. Inzwischen sind aber bereits die Diebe eingedrungen und haben gestohlen, was ihnen in die Hände fiel. Jede Nacht müssen die Nonnen zwei Wächter anstellen. Man hat hier für sie zusammengelegt, soviel man konnte; allein Sie wissen, dass die Kolonisten nicht reich sind.“ 

Hier wäre für manche gut gestellte Klostergemeinde eine schöne Gelegenheit, den armen Schwestern im fernen Tongking eine Freude zu machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Montag, 3. März 2014

„Ein glücklicher Tod, nicht wahr?“ — Der heilige Märtyrer Théophane Vénard schreibt aus der Gefangenschaft an seine Schwester



Der heilige Théophane Vénard war Priester des Pariser Missionsseminars und wurde während einer der vielen Christenverfolgungen in Vietnam inhaftiert. Nachfolgend ein Brief an seine Schwester, den er aus der Gefangenschaft schreibt.

„Es ist beinahe Mitternacht,“ heißt es in dem Brief an die Schwester, „um meinen Käfig stehen Lanzen und lange Säbel. In einem Winkel des Saals spielt eine Gruppe von Soldaten mit Karten, eine andere Gruppe mit Würfeln. Von Zeit zu Zeit schlagen die Schildwachen auf dem Tam-Tam das Wachtsignal. Zwei Meter von mir wirft eine unstet flackernde Lampe ihr Licht auf mein Blatt von chinesischem Papier und ermöglicht mir, diese Zeilen zu schreiben. 

Von Tag zu Tag erwarte ich mein Urteil. Vielleicht morgen schon werde ich zum Tod geführt werden. Ein glücklicher Tod, nicht wahr? Ersehnter Tod, der zum Leben führt…Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man mich enthaupten: glorreiche Schmach, deren Preis der Himmel sein wird. Bei dieser Nachricht, liebe Schwester, wirst du weinen, aber Freudentränen. 
Sieh nur deinen Bruder, die Krone der Martyrer um sein Haupt geschlungen, die Siegespalme in seiner Hand! Noch ein Weilchen, und meine Seele wird die Erde verlassen, ihre Verbannung beenden, am Ziel ihres Kampfes sein. 

Ich ziehe zum Himmel, ich erreiche die Heimat, ich gelange zum Sieg. Eingehen werde ich in den Wohnort der Auserwählten, schauen jene Schönheiten, die noch kein Menschenauge geschaut hat, hören die Harmonien, die noch kein Ohr gehört, genießen die Freuden, die noch kein Herz gekostet. Aber vorher muss das Samenkorn erst zermalmt, die Traube gekeltert werden. O möchte ich ein Brot, ein Wein nach dem Geschmack des himmlischen Hausvaters sein! Ich hoffe es von der Gnade des Heilands, von dem Schutz seiner unbefleckt empfangenen Mutter; und darum darf ich, obwohl noch auf dem Kampfplatz, schon den Triumphgesang anstimmen, als wenn ich schon gekrönter Sieger wäre…Lebe wohl, geliebte Schwester, lebe wohl!“

(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

…diesen Triumphgesang konnte er zu Recht anstimmen. Am 2. Februar 1861 wurde Théophane Vénard enthauptet. Papst Pius X. sprach ihn 1909 selig, Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1988 heilig.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Ohne Schuld 40 Jahre nicht gebeichtet – Vietnamesische Frauen von Chinesen entführt

Statue der Muttergottes mit Jesuskind vor der Kathedrale von Hanoi (Quelle: Eustaquio Santimano)

Eines Tages begab sich P. Dronet, Missionär in Hanoi, in die Kirche, um dort Beicht zu hören. Vor der Tür der Sakristei wartete auf ihn eine schon betagte unbekannte Frau. 
„Vater“, so sagt sie gleich, „ich möchte beichten; es sind jetzt über 40 Jahre, dass ich es nicht mehr getan.“ Ein verirrtes Schäflein, dachte der Pater, und schickte in der Meinung, die Alte habe inzwischen ihre Religion ganz vergessen, zu den Schwestern, damit sie ihr bei der Vorbereitung hälfen. Aber es fand sich, dass die Alte die christlichen Wahrheiten noch sehr gut kannte und wohl vorbereitet war. 

Tags darauf erfuhr der Pater ihre Geschichte. Sie hieß Anna Nhä und gehörte zur Mission der spanischen Dominikaner in Zentral-Tonking. Während der Verfolgung der 1860er Jahre war sie gefangen nach China entführt und an einen reichen Chinesen verkauft worden. Umsonst suchte sie mehrmals zu entfliehen; sie erregte dadurch nur den Zorn ihres Herrn. Schließlich gab sie sich in ihr Schicksal und wurde gut behandelt. 
Im Herzen blieb sie ihrem Glauben treu und betete täglich zu Gott und zur Mutter des Herrn um Schutz und vorab um die Gnade, vor ihrem Tod noch einmal beichten zu können. 

Ihr Gebet wurde erhört. Während sie einst in einem entfernten Marktflecken sich befand, wurde das Dorf mit allen seinen Häusern und Bewohnern von einer Springflut weggefegt. Sie war also frei und sofort entschlossen, nach Tonking zurückzukehren. Sie begab sich auf den Weg, erreichte in achttägiger Wanderung einen Hafenort am Meer und schiffte sich nach Häphong ein. Von dort begab sie sich nach Hanoi und suchte sofort den Priester auf, um wieder einmal zu beichten. 
Sie hatte in China heimlich 40 kleine sterbende Heidenkinder getauft.

Eine ganz ähnliche Geschichte erzählt ein anderer Missionär gleichfalls von einer Frau. Auch sie war im Jahre 1896 an einem Markttage von einem chinesischen Kinderhändler entführt worden. Derselbe zog sie auf und verkaufte sie dann für 30 bis 40 Mark an reiche Chinesen. In der Zwischenzeit mussten die kleinen Gefangenen durch harte Arbeit ihr Brot verdienen. 
Während der Nacht wurden sie alle eingesperrt. Ein erster Fluchtversuch wurde durch empfindliche Züchtigung, ein zweiter durch den Tod bestraft. Die Schuldigen wurden in Gegenwart der anderen enthauptet und die Leichen ins Meer geworfen. 
Die Frau hatte sechs solchen Hinrichtungen beigewohnt. Eines Tages musste sie einige Büffel zum Markt treiben. Von einem Hügel aus sah sie eine annamitische Barke auf dem Meer. Sie rief dieselbe an, wurde an Bord genommen und kam so glücklich in ihre Heimat zurück. Auch sie hatte den Glauben treu bewahrt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Dienstag, 7. Januar 2014

Erhebender Missionseifer



Nebst der Gnade Gottes verdanken wir vor allem den eifrigen Missionaren die vielen Erfolge auf dem Missionsfeld. Manche opfern sich als wahre Helden ganz selbstlos ihrem Beruf.

Msgr. Marcou, der Apostolische Vikar von Phat-diem, der 35 Jahre lang das Missionsgebiet verwaltet hatte, verzichtete kürzlich zugunsten seines einheimischen Hilfsbischofs, Msgr. Tong, auf seinen Posten. 

Zur Erbauung aller erbat er sich vom Oberhirten von Than-hoa, der bis zur Abtrennung dieses Gebiets von Phat-diem im Jahre 1932 sein Hilfsbischof gewesen war, den vielleicht undankbarsten Posten von Thanh-hoa zur Betreuung. 

Es gibt dort eine Gemeinde, die seit 200 Jahren christlich ist und sogar einen Märtyrer hervorgebracht hat. Aber schon seit langer Zeit verlieren die Männer mit ganz wenigen Ausnahmen schon in jungen Jahren ihren Glauben und weihen sich dem Dienst einer berühmten Pagode.

Die Frauen hingegen halten am katholischen Glauben fest. Msgr. Marcou hatte oft seine Hirtenbesuche in der Gemeinde auf mehrere Wochen ausgedehnt, doch ohne Erfolg. Jetzt, da er von seiner bischöflichen Verwaltung entbunden ist, will er seine letzten Kräfte zur Bekehrung der dortigen Männerwelt einsetzen.

Ein ähnliches Beispiel bietet uns P. Héraud aus dem Apostolischen Vikariat Rangoon. Er hatte seine 38 Missionsjahre fast ganz auf dem Posten Thinganaing verbracht. 
Die Christengemeinde wurde von ihm gegründet und mit Kirche und eigener Schule ausgestattet. Heute ist sie gut ausgebaut und kann sich selbst erhalten. Da geht der Missionar wieder auf Wanderschaft und überlässt den guten Posten einem einheimischen Priester. 

Er lässt sich in einem weltverlorenen Winkel nieder und wohnt, nicht der verdienten Ruhe gedenkend, in einer Barracke, die nicht den Namen eines Hauses verdient. Da sammelt er die ersten gutwilligen Leute um sich, um ihnen die Wahrheit des christlichen Glaubens zu künden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1937)

Sonntag, 5. Januar 2014

70 Jahre Missionar


Ein nicht alltägliches Jubiläum konnte P. Deux von den Auswärtigen Missionen von Paris Feiern. 
Am 20. Mai waren es 70 Jahre seit seiner Ankunft in Tongking. Schon 1869 kam er ins Kleine Seminar von Phuc-Nhac, das gerade neu erbaut worden war. Seither blieb er stets auf dem gleichen Posten, zuerst als Lehrer der Kleinseminaristen, dann über 20 Jahre als Beichtvater und Seelenführer. 
Der Heilige Vater sandte dem Jubilar telegraphisch seine Glückwünsche und seinen Segen. P. Deux hat während dieser 70 Jahre das Missionsgebiet nie verlassen. Noch kein Mitglied der Auswärtigen Missionen von Paris konnte diesen Jubeltag feiern. Dem wackeren Missionar entbieten auch wir unseren Glückwunsch.


(Aus: die katholischen Missionen, 1937)

Freitag, 31. Mai 2013

Märtyrertod eines heroischen vietnamesischen Pfarrers

Msgr. Puginier, der apostolische Vikar von West-Tonking (Nordvietnam), der uns im Lauf dieses Jahres schon so viele traurige Nachrichten über die durch den letzten Krieg (französisch-chinesischer Krieg) veranlasste Christenverfolgung zu berichten hatte, teilt uns in dem folgenden, aus Hanoi den 22. Mai datierten Brief die grausame Ermordung eines eingeborenen Priesters namens Cap mit.

„Meine Befürchtungen über das Schicksal des eingeborenen Priesters, der letzte Ostern in Gefangenschaft fiel, haben sich leider erfüllt: er wurde auf eine grässliche Art ermordet. Sobald die Friedensverhandlungen eröffnet waren, versuchte ich seine Freilassung durch Geld zu bewirken; auch bat ich den General Brière de l’Isle, sich in dieser Sache schriftlich an den Obermandarin zu wenden. 

Eben war der Bote mit dem Brief fort, als ich von P. Richard aus Son-Tay folgendes Telegramm erhielt: ‚Pfarrer Cap von den Chinesen ermordet‘. Zwei Tage später brachte mir ein Brief desselben Paters die nachstehenden Einzelheiten über die Hinrichtung.

Man hatte den Priester nach seiner Gefangennahme der Reihe nach in fünf oder sechs von den Chinesen besetzte Festungen geschleppt. Trotz seines vorgeschrittenen Alters von 60 Jahren und seiner Schwäche, der Folge vieler Fieberanfälle und mühseliger Arbeit in einer ungesunden Gegend, und trotz seiner weißen Haare hatte man ihm den Kang (eine Art Holzrahmen als Fessel) um den Hals befestigt und er musste dieses Marterholz Tag und Nacht selbst auf seinen Reisen tragen. 
Endlich führte man ihn nach einer bedeutenden Festung, welche drei Tagreisen von Hunghoa am Ufer des Roten Flusses liegt und welche das Generalquartier des chinesischen Oberfeldherrn bildete. Der Priester hatte bis dahin ein kleines Kruzifix, welches er auf der Brust trug, bewahren können. 
Als die Chinesen es bemerkten und fragten, wen das vorstelle, antwortete er: ‚Das ist mein Herr und ebenso gut der eure!‘ Da wurde er auf Befehl des Anführers, den Kopf nach unten und die Füße nach oben, lebendig begraben. 
Von den Knien an ragten seine Beine aus der Erde hervor und man befestigte an denselben eine chinesische Inschrift, die also lautete: ‚So sollen die Jünger der falschen Religion bestraft werden.‘

Am 6. Januar 1871 hatte ich Cap zum Priester geweiht und ihn als Vikar in die Pfarrei Dice-Phong geschickt, welche die Provinz Kiong-hoa und einen Teil von Son-Tay umfasst. Die Zahl der Christen dieser Gemeinde beträgt nur etwa 1.800 Seelen, aber sie leben in 17 sehr weit auseinander gelegenen Dörfern zerstreut. 
Es bedarf einer starken Tagesreise, die Pfarrei von Nord nach Süd oder von Ost nach West zu durchwandern; dazu liegen sechs Dörfer im Gebirge und sind nur auf schlechten und steilen Pfaden zugänglich; kurz, die Pfarrei ist eine ebenso mühselige wie ungesunde. 

Der Priester hatte immer mit den Einwirkungen des Klimas zu kämpfen; die 14 Jahre, welche er dort zuerst als Vikar und dann als Pfarrer arbeitete, verging auch keine Woche, in welcher er nicht einen und manchmal drei bis vier Fieberanfälle gehabt hätte. Sein Eifer, den Christen im Todeskampfe beizustehen, war ein leuchtendes Beispiel. 
Wie oft wurde er bei strömendem Regen mitten in einem Fieberanfall sieben bis acht Stunden weit auf schlechten Wegen zu irgendeinem Kranken gerufen! Ohne Klage, ohne Rücksicht auf seinen leidenden Zustand oder auf die Länge und Beschaffenheit des Weges ließ er sich in sein Tragnetz (wie eine Trage, nur mit einem Netz als Liegefläche; denkbar unbequem) packen und fort ging’s durch Nacht und schlechtes Wetter, während ihn unterwegs das Fieber schüttelte. 

Wohl hundertmal kamen in seinem priesterlichen Leben solche Fälle vor. Als ich von seiner Gefangennahme hörte, war mir freilich der Verlust eines solchen Priesters schmerzlich; noch mehr schmerzte mich aber der Gedanke, dass er, welcher den Gläubigen mit so großem Eifer im Todeskampf beistand, an seinem Lebensende des Trostes der heiligen Sakramente beraubt sein sollte. 

Doch freute ich mich beim Empfang der obigen Mitteilungen, welche ich zwar noch nicht eingehend prüfen konnte, in der Überzeugung, dass der Herr in seiner mildreichen Barmherzigkeit dem Sterbenden gewiss mit außerordentlichen Gnaden beistand und ihn für die Entbehrung der heiligen Sakramente reichlich entschädigte. 

Sobald ich neue Einzelheiten erfahre, werde ich sie Ihnen mitteilen; inzwischen empfehle ich mich und meine so schwer geprüfte Mission Ihren Gebeten und den Gebeten Ihrer frommen Leser.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)

Montag, 27. Mai 2013

Eine Ordensschwester als Mitglied der Ehrenlegion

Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion



Lobrede des französischen Gouverneurs von Tongking auf Schwester Maria Theresa, Oberin der Schwestern der Barmherzigkeit.

„Schwester Maria Theresia! Kaum 20 Jahre alt wurden Sie verwundet auf dem Schlachtfeld von Balaclawa (in der Krim), während Sie in liebevoller Sorge sich über die Verwundeten beugten. In Magenta empfingen Sie in der Front der Schlachtlinie eine neue Wunde. 
Später haben Sie unsere Krieger in Syrien, in China und Mexiko verpflegt. In der Schlacht von Reichshofen fand man Sie schwer verwundet auf dem Schlachtfeld hingestreckt (…) Später fiel eine Bombe mitten in das Feldlazarett nieder, das Ihrer Obhut anvertraut war. Ohne einen Augenblick zu zögern, haben Sie dieselbe aufgehoben und 80 Schritte weit von dem Lazarett hinweggetragen. Dort fiel sie zur Erde und hat bei ihrem Platzen Sie schwer verletzt. Kaum waren Sie hergestellt, so zogen Sie, Ihrem Beruf folgend, mit den Truppen hierher nach Tongking.“ 

Mit diesen Worten hat neulich der Gouverneur von Tongking, umgeben von seinem Offiziersstab, vor der Front die Oberin der Schwestern der Barmherzigkeit angeredet. 
Dann hieß er sie niederknien, berührte dreimal mit der flachen Klinge ihre Schulter und sprach: 

„Im Namen des französischen Volkes und des Heeres übergebe ich Ihnen hiermit das Kreuz der Ehrenlegion. 
Niemand kann mehr heroische Taten vorweisen, die desselben würdig machen; keiner auf eine ruhmvollere Laufbahn von selbstlosem Opfersinn und Opfermut, die so ganz rückhaltlos dem Dienst des Nächsten und des Vaterlandes geweiht war, zurückblicken. Soldaten! Präsentiert das Gewehr!“

Wir freuen uns herzlich über die Auszeichnung dieser wackeren Soldatenmutter. Freilich liegt ein seltsamer Widerspruch darin, dass in demselben Namen des französischen Volkes während der letzten zwei oder drei Jahre so viele dieser opfermutigen Klosterfrauen aus den Spitälern der Seinestadt vertrieben wurden. Es scheint wohl, dass unter der Sonne von Tongking die Wahrheit in hellerem Lichte sich zeige, als im Schatten des Eifelturms im modernen Babel.

(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Donnerstag, 18. April 2013

"Es erinnert an die glorreichsten Zeiten der Kirche" – Eine Märtyrergeschichte aus Vietnam




Es erinnert an die glorreichsten Zeiten der Kirche, was uns der Missionär P. Fourneuve aus West-Tonking berichtet.
Es war im März 1916. An die fünfzig Einwohner von Lang-Song, einem Lehen des ersten Mandarins der Provinz Hoah-Binh, suchten mich in Ao-Kenh auf und erklärten, sie wollten Christen werden. Leider fielen die meisten von ihnen infolge der Drohungen des Dorfhäuptlings bald nach ihrer Bekehrung wieder ins Heidentum zurück.
Nur zwei Familien blieben treu: Die Familie des Hiuh, dem ich die kleine Katechumenenschar anvertraut hatte, und die Familie des…Dorfzauberers Phoi.
Diese armen Leute erbauten bald die ganze Gemeinde. Trotzdem ihr Dorf zwei gute Stunden von unserer Niederlassung Thuong-Lam entfernt lag, fehlten sie doch nie am Sonntag bei der heiligen Messe.

Da ward ich im Juni 1918 überrascht, sie beim Gottesdienst nicht zu sehen; am folgenden Sonntag fehlten sie wieder. Ich war etwas beunruhigt. 
Bald kamen denn auch Annamiten (Vietnamesen) und brachten mir eine schmerzliche Botschaft.
„Pater, die Heiden von Lang-Song sollen Hiuh, das Haupt der Christen, getötet haben.“ Ich wollte zunächst gar nicht an ein solches Verbrechen glauben. Und doch war es traurige Wahrheit. Was war geschehen?

Eines Abends versammelte der Mandarin alle Heiden zu einem gemeinsamen Mahle. Zugleich gab er der Dorfwache den Befehl, Hiuh zu verhaften und vorzuführen. 
Es war gegen 9 Uhr abends. Hiuh war gerade bei seinem Freund Phoi, dem alten Zauberer. Die Wächter packten ihn, banden ihn mit seinem Turban die Hände hinter dem Rücken zusammen und schleppten ihn zum Häuptling. 
Kaum steht Hiuh vor dem Gewaltigen, als er angedonnert wird: „Ich befehle dir, die christliche Religion zu verlassen und zu uns zurückzukehren, sonst bist du des Todes.“ 
„Töte mich, wenn du willst,“ antwortete Hiuh, „ich falle nie ab.“
„Wenn du den Glauben aufgibst, mach ich dich zum Hauptmann der Wachen.“ 
„Mach mit mir, was du willst,“ erwiderte Hiuh, „aber abfallen – niemals!“

Als der Häuptling sah, dass seines Drohungen nichts fruchteten und sein Angebot verschmäht wurde, geriet er in Wut und gab den Befehl, Hiuh lebendig zu begraben, mit dem Kopf nach unten. Die Elenden schleppten ihn fort. Als er an seinem Hause vorbeiging, rief er seinen weinenden Angehörigen zu: 
„Sie führen mich zum Tode; sagt es dem Pater. Vor allem aber verleugnet euren Glauben nicht.“ 
Das waren seine letzten Worte.

Eine Viertelstunde vom Dorf entfernt wurde er, wie befohlen, lebendig im Schlamm begraben. Dort hauchte der junge Held seine edle Seele aus. 
Er war durch die Bluttaufe gereinigt worden und konnte jetzt den Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, den er erst seit drei Monaten kannte, dem er aber sein ganzes Leben geopfert hatte. (Anm.: Hier machen die Zeitangaben keinen Sinn, wahrscheinlich sollte es eingangs März 1918 statt März 1916 heißen, dann wäre drei Monate richtig).

Kehren wir jetzt zum Zauberer Phoi zurück. Kaum hatten die Soldaten in seinem Hause den Hiuh festgenommen, so war er ins Gebirge geflohen. Dort hielt er sich versteckt. Als ich dies erfuhr, ließ ich ihn holen.
„Pater“, sagte er mit zitternder Stimme, „ich will ein Christ bleiben; aber nach Lang-Song kann ich nicht zurückkehren der Häuptling würde mich töten lassen.

Da an dem Tag gerade P. Hébrard in Thuong-Lam weilte, holten wir zusammen Frau und Kinder des Phoi ab. Was sie an beweglicher Habe mitnehmen konnten, luden sie auf und verließen Haus und Hof und Heimat, ohne Hoffnung auf Rückkehr. 

Seither hat sie der liebe Gott sichtlich beschützt. Phoi wohnt mit seiner Familie in der Gemeinde von Ben-Kuoi, und zwar viel glücklicher – wie er es mir oft wiederholt – als er vorher war. Die Christen gaben ihm ein Haus, Felder, eine Kuh. Reich ist er nicht. Aber durch seine Arbeit kann er mit Frau und Kindern leben. Jetzt ist er ganz selig; er heißt auch nicht mehr der Zauberer Phoi, sondern Joseph Phoi.

Die Familie des Hiuh, unseres glorreichen Märtyrers, hat sich in der Gemeinde Ke-Mai angesiedelt. 
Dort lebt sie friedlich und ungestört. Die elenden Mörder haben ihr verbrechen schon gebüßt. Der Häuptling wurde zum Tode verurteilt; er starb aber noch vor seiner Hinrichtung im Gefängnis. Die zwei Mitschuldigen erhielten Zuchthaus und folgten ihm bald ins Grab nach.

(Aus: die katholischen Missionen, 1920)

Dienstag, 5. März 2013

Besessenheit bei Neubekehrten


Msgr. Croc, der apostolische Vikar von Süd-Tonking (Vietnam), schreibt:

„Der böse Geist ist wütend ob der zahlreichen Bekehrungen des letzten Jahres, in welchem wir 600 Erwachsene taufen konnten, und suchte unsere Neophyten (Neubekehrten) auf alle erdenkliche Weise zu ängstigen.
Ich könnte Ihnen mehrere auffallende Beispiele erzählen; hören Sie eines: Die Häuptlinge eines kleinen Dorfes hatten mich um Katechisten gebeten und ich schickte ihnen solche. Schon lernten die Einwohner mit großem Eifer und bereiteten sich auf die heilige Taufe vor, als der Teufel in eine Frau fuhr und sie furchtbar quälte, um die Katechumenen vom Glauben abzuschrecken. Da die Besessene im Christentum bereits hinlänglich unterrichtet war, taufte sie ein Priester. Im Augenblick, als das heilige Taufwasser über die Stirn der guten Frau floss, warf der Teufel sie zu Boden und entfloh.
Er hörte aber nicht auf, die übrigen Katechumenen auf tausenderlei Arten zu quälen. Endlich kam der Tag der feierlichen gemeinsamen Taufe und ersten heiligen Kommunion.
Als nun der Versucher gezwungen wurde, aus allen diesen Herzen zu scheiden, bemächtigte er sich beim Schluss der feierlichen Handlung eines Neophyten und trug ihn auf den Wipfel eines hohen Baumes; da hielt er ihn frei in der Luft und schrie durch den Mund seines Opfers: ‘Wenn ihr mich aus dem Dorf vertreibt, so lasst mir wenigstens diesen Baum.‘
‚Nein‘, rief ihm sofort ein Katechist, ‚du sollst hier gar nichts haben.‘ Da stieß der Geist der Finsternis einen furchtbaren Schrei aus und ließ den armen Neophyten auf den Boden niederstürzen. Derselbe litt aber zur größten Verwunderung aller Augenzeugen von diesem Sturz nicht den mindesten Schaden.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1882)

Samstag, 20. Oktober 2012

Empfehlenswerter Artikel über das Pariser Missionsseminar

Jedem, der Englisch spricht, kann man diesen Wikipedia-Artikel über das Pariser Missionsseminar nur wärmstens ans Herz legen, denn er schildert ziemlich kompakt die Geschichte dieser ehrwürdigen Institution, die über 20 kanonisierte Märtyrer hervorgebracht hat, und ist dazu noch mit interessanten Fotos aufgelockert:



Ihr Heiligen des Pariser Missionsseminars, bittet für uns!