Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Montag, 28. März 2016

Sind alle Religionen gleich gut?

Tempel aller Religionen, Kazan, Russland (Quelle: Maarten)


Aus der Glaubenslehre der Katholischen Handpostille* zum heutigen Ostermontag:

Frage: Was ist es also mit dem Gerede einiger, jede Religion und jeder Glaube sei gleich gut, es sei einerlei, ob man Christ oder Heid‘ oder Jud‘, katholisch oder protestantisch sei?

Ein solches Gerede ist Gotteslästerung und vernunftwidriges Geschwätz. Wenn’s gleich ist, was man glaubt, wozu hätte dann Gott uns eine Offenbarung gegeben? wozu hätte Jesus Christus seine Lehre mit dem blutigen Tode besiegelt? Hat er nicht ausdrücklich gesagt: wer nicht an den Sohn glaubt, der wird das Leben nicht sehen? – Und dann sind die verschiedenen Religionen miteinander in offenem Widerspruch; was die eine glaubt, verwirft die andere als Irrtum. Aber es ist unvernünftig zu sagen, es sei gleich, ob man die Wahrheit oder den Irrtum glaube; es sei zum Beispiel gleich zu glauben, es gebe eine Hölle, oder es gebe keine; mit dem Tode sei alles aus, oder nach dem Tode gebe es erst noch eine Ewigkeit, in die der Mensch kommt; Mohammed sei ein göttlicher Prophet, oder ein Betrüger gewesen, und dergleichen. Wahrheit gibt es nur eine; und was ihr widerspricht, ist Irrtum. Aber dem Irrtume absichtlich anhängen, widerspricht der gesunden Vernunft, welche für die Wahrheit geschaffen ist.


*(besser bekannt als Goffine, überarbeitet von P. Franz Hattler S.J.) 

Dienstag, 3. Februar 2015

Papst Leo XIII. über Indien: Unzahl von Menschen „fern von der Wahrheit und umnachtet von den Finsternissen eines elenden Aberglaubens“


Aus einem Bericht des Apostolischen Delegaten für Indien, Erzbischof Ladislaus Zaleski:

„Einen neuen Beweis dieser apostolischen Hirtensorge [für Indien] gab Leo XIII. durch die am 24. Juni v. J. erlassene und an die ganze katholische Welt gerichtete Enzyklika „Ad extremas Orientis oras“ (Nach den fernen Gestaden des Morgenlandes). Sie wollte das Interesse aller Katholiken, mehr als bis dahin geschehen, auf dieses eine so große Zukunft versprechende Missionsfeld lenken, das kostbare Erbe eines hl. Apostels Thomas, eines hl. Franz Xaver und so vieler heroischer Gottesmänner, welche hier für die Ausbreitung des Reiches Christi gearbeitet und geblutet.

Nach einem kurzen Rückblick auf die ältere Geschichte und nach Worten aufrichtiger Anerkennung für die bereits errungenen Erfolge weist der Heilige Vater mit Schmerz darauf hin, ‚Welche Unzahl von Menschen in diesem ungeheuren Ländergebiet noch fern von der Wahrheit und umnachtet von den Finsternissen eines elenden Aberglaubens schmachte. Welch ein gewaltiges Feld namentlich im Norden Indiens ist noch auf keine Weise bearbeitet zur Aufnahme des Samens des Evangeliums!‘“


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Die gesamte Enzyklika hier auf Englisch.

Samstag, 24. Mai 2014

„Ich hätte nie gedacht, dass es einen so gütigen und barmherzigen Gott gebe“ – eine rührende Aussätzigengeschichte

P. Dieckmann, der Aussätzigenfreund

Bericht von P. Theodor Dieckmann, Missionär in der Erzdiözese Madras:

„Als ich eines Abends aus einem benachbarten Dorf vom Religionsunterricht heimkehrte, wehte mir, in der Nähe meines Hauses angekommen, die Nachtluft einen solchen üblen Geruch entgegen, dass ich unwillkürlich das Riechorgan mit dem Taschentuch verhüllte. Ich glaubte, es sei wieder einmal der Kadaver eines in Verwesung übergehenden herrenlosen Hundes zum Dorf herausgeschleppt worden. Denn das ist hier gar nicht selten der Fall. 


An der Pforte meines Hofes stieß mein Fuß im Dunkeln an einen Gegenstand, von dem der verdächtige Geruch ausgehen musste. Auf den Ausruf: ‚Hallo, was gibt’s da?‘ kam die Antwort: ‚Rahma, Rahma, hilf!‘ Rahma ist der Name eines der Götter, der hierzulande von den Heiden häufig angerufen wird. Auf die Frage: ‚Wer bist du? warum liegst du hier?‘ wurde mir mit derselben tiefen, hohlen Stimme erwidert: ‚O Rahma, ich kann nicht mehr – ich bin krank – ich sterbe vor Hunger!‘ 

Ich zündete ein Streichhölzchen an. Ein Blick genügte, um mir zu sagen, dass ich einen Aussätzigen vor mir habe; ja nicht bloß das, sondern nur mehr eine Masse von Eiter und Geschwür. Ich sagte ihm, wenn er wünsche, könne er in dem nur wenige Schritte entfernten Pilgerhaus für die Nacht ein Obdach finden. Freudig erwiderte er: ‚O Rahma, wie gut, o Rahma, wie schön. Dank, Dank, seit zwei Monaten habe ich kein Obdach mehr gesehen.‘ 

Als ich den Leidenden anfassen wollte, um ihn aufzuheben, rief er aus: ‚Nein, o nein, alles an mir ist Eiter, wenn Sie mich anfassen, fällt das Fleisch herunter. Gehen kann ich nicht, aber ich kann noch kriechen. Wenn Sie mir helfen wollen, so fassen Sie das Ende meines Stocks an und heben ihn ein wenig, wenn ich mich aufhebe.‘ Unter dem einen handlosen Arm hielt er nun den Stock gepresst, das andere Ende stütze er auf den Boden. Indem er sich so auf den Stock und die andere Hand lehnte, rutschte er jedes Mal ein paar Zoll vorwärts. 

Am Pilgerhaus angekommen, befahl ich ihm zu warten, bis ich Licht geholt und nachgeschaut hätte, ob Schlangen darin seien, da seit einiger Zeit nicht geöffnet worden war. In meiner Wohnung angelangt, befahl ich dem Knecht, mein für mich bereitetes Abendessen, eine Matte, Tücher und Laterne zu nehmen und mir zum Pilgerhaus zu folgen. 
Sobald das Licht auf die entstellte Gestalt fiel und der Knecht den abscheulichen Geruch verspürte, setzte er alles auf den Boden und lief davon. 

Und in der Tat – es war schrecklich anzusehen. Ich habe in meinem Leben viele Aussätzige, viele eklig eiternde Wunden gesehen, jedoch solch ein Jammerbild war mir noch nie vorgekommen. Der eine Fuß war abgefallen; bis zum Knie hinauf war an dem fußlosen Schienbein weder Fleisch noch Haut zu sehen; der verdorrte Knochen hing vermittelst einiger Sehnen am Oberschenkel und dieser selbst war eine faulige Masse, aus der lebende Würmer fielen. Der andere Fuß hatte die Zehen verloren. Die Knochen sahen rot aus und wimmelten von Würmern. Der angeschwollene Schenkel triefte vor Eiter. Rippen und Schultern waren bloßgelegt. Eine Hand war ganz abgefallen, an der anderen waren noch der Daumen und die beiden ersten Finger. Kleidungsstücke hatte er keine mehr am Leib. Ich wunderte mich, wie es möglich sei, dass ein Mensch in solchem Zustand noch leben und noch solchen Mut und Kraft bekunden konnte. Er sagte ganz heiter: ‚Ich fühle nur noch wenig Schmerzen im Gesicht und an den beiden Fingern. Mein größter Schmerz ist der Hunger; wenn ich etwas zu essen hätte, könnte ich noch länger leben.‘ Als ich ihm die mitgebrachte Speise vorsetzte, fiel er gierig darüber her. Und als er die letzten Brocken mit den verstümmelten Fingern nicht aus der Schüssel bringen konnte, beugte er sich darüber her und leckte alles rein aus. 

Ich breitete die Matte aus und rollte das mitgebrachte Tuch um ihn herum und sagte, er solle jetzt ausruhen. Da brach er in Tränen aus und sagte unter Schluchzen: ‚O wie wohl fühle ich mich jetzt – Dank, Dank.‘ Als ich ihn am anderen Morgen besuchte, saß er bereits aufrecht, und auf meine Frage nach seinem Befinden antwortete er: ‚Ich bin ganz wohl, nur möchte ich etwas Wasser haben.‘ Ich brachte ihm Wasser, eine Schüssel voll Reis und ein gebratenes Hühnchen. Der arme Mann verschlang alles mit Heißhunger. In den beiden ersten Tagen wurde er nie satt. 

Nachdem er gespeist, fragte ich ihn, woher er komme, wohin er wollte, nach Kaste und Namen. Er erzählte mir dann folgende traurige Geschichte: 

‚Mein Name ist Gottimukula Ramaja. Ich gehöre zur Bojakaste und wohnte früher im Dorf Schavalaguram. Ich besaß Felder und Ochsen und stand bei allen in großem Ansehen. Als mich der Aussatz befiel, verschwand diese ganz Herrlichkeit. 
Zuletzt stießen mich meine Söhne und mein Weib aus dem Haus; sie sagten, niemand könnte meinen furchtbaren Geruch ertragen. Da wollte ich mir auf meinem eigenen Boden eine andere Hütte bauen lassen. Jedoch meine Kinder und ihre Mutter wollten mir weder Geld zum Bau noch Korn zum Essen geben und trieben mich mit Gewalt aus dem Dorf. Niemand wollte sich meiner erbarmen. 

Man sagte mir, ich solle nach Phirangipuram [die Missionsstation des P. Dieckmann] gehen, wo ein weißer Mann wohne, der mir vielleicht Medizin geben werde. Zwei Monate irrte ich umher, um ihn zu finden. Anfangs konnte ich noch ein wenig gehen und mit dem erbettelten Korn selbst mein karges Mahl kochen. Als jedoch diese Hand abfiel, ging’s nimmer. Seitdem habe ich keine gekochten Speisen mehr gegessen. 

Seit 14 Tagen lebe ich von dem rohen Korn, das mir mitleidige Menschen aus Ferne zuwarfen. Zwei Monate habe ich unter freiem Himmel geschlafen. Vier Tage hielt ich mich hier in der Nähe des Dorfes im Kornfeld verborgen, bis der Eigentümer mit Steinwürfen mich forttrieb. Da sich das Fleisch vom Leibe löste, wagte ich es nicht, über Tag ins Dorf zu kommen; erst nach Sonnenuntergang schleppte ich mich dahin, wo Sie mich fanden.‘ 

Unter Tränen erzählte er diese Geschichte mit den vielen Einzelheiten, die ihm dabei zugestoßen, wie er verhöhnt und verspottet worden, wie man ihm aus Bosheit sein letztes Besitztum – seinen irdenen Kochtopf – zerschlagen und wie herzlose Kinder Sand und Steine auf ihn geworfen hätten – der Leser muss nämlich wissen, dass man hier an eine Seelenwanderung glaubt. Wenn der Mensch seine bösen Begierden nicht durch Selbstverleugnung und Bußübungen ertötet, ja wenn er sogar große Übeltaten begeht, so fährt seine Seele, wie dieser Glaube lehrt, nach dem Tod in ein anderes Wesen. 
Ist daher jemand von geringer Herkunft oder verstümmelt oder mit dem Aussatz behaftet, so gilt dies als Zeichen, dass die Seele dieses Menschen in ihrem früheren Leben schwere Frevel verübt habe, weshalb diese Personen von allen verabscheut und gemieden werden. 
Deshalb verstümmeln sich viele Inder auf die grausamste Weise, damit ihre Seele, von allem Irdischen befreit, endlich ins Nirwana – ins Nichts – zurücksinken könne. Welch arme, trostlose, unglücklich machende Lehre! 

Als ich den Mann, dieses arme Opfer eines solchen Glaubens, fragte, ob er jemals von der christlichen Religion gehört, antwortete er: ‚Ja, ich hörte den Namen, jedoch mehr weiß ich nicht davon.‘ Ich begann sogleich, ihm die trost- und liebreichen Wahrheiten dieses Glaubens kurz darzulegen. 
Wie milder Balsam fielen sie in sein Herz. Sogleich verlangte er, in die Zahl der Christen aufgenommen zu werden. ‚Ich habe‘, sagte er, ‚auf der Erde alles, alles verloren und möchte wenigstens im Jenseits glücklich werden. Ich finde alle Ihre Worte erhaben und rührend, ja ich hätte nie gedacht, dass es einen so gütigen und barmherzigen Gott gebe.‘ 

Da sich des Geruchs wegen niemand dem Mann auf 50 Schritte nähern wollte, übernahm ich selbst seine Pflege, brachte ihm täglich Speise und Trank und unterrichtete ihn in den Wahrheiten unserer heiligen Religion. Am fünften Tag nach seiner Ankunft ließ der Hunger nach. Am siebten nahm er weder Speise noch Trank zu sich. Trotzdem ich durch Medizin und Aufschläge eine Unmasse von Würmern entfernte, ging es doch mit dem armen Mann rasch abwärts. Da er täglich um die heilige Taufe bat, so wurde ihm endlich am achten Tag das Glück zu teil, in den Schoß der heiligen Kirche aufgenommen zu werden. 
Nach der heiligen Taufe sagte er: ‚Ich fühle mich ganz wohl, die Schmerzen haben mich ganz verlassen, ich bin jetzt überglücklich.‘ Hierauf fiel er in einen ruhigen Schlaf, aus dem er nicht wieder erwachte. Er hat wohl drüben ein besseres Los gefunden als hier. Mit Hilfe einer christlichen Witwe und eines Katechisten brachte ich die elenden Überreste zu Grabe.‘ 

Vorstehende Schilderung zeigt uns eine der schrecklichsten Erscheinungen im Missions- und Völkerleben der Heidenländer, aber auch einen der schönsten Züge christlicher Liebe und Opferwilligkeit, die sich nicht scheut, die grässlichsten Wunden zu verbinden, deren bloße Schilderung so manches Herz mit Ekel und Schauder erfüllt. 
„Und Jesus erbarmte sich des Aussätzigen und rührte ihn an.“ Auch dieses hehre Wort und Beispiel ist nicht fruchtlos geblieben und lebendig geworden in der Kirche Jesu Christi.

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Sonntag, 20. Oktober 2013

Armes Kirchlein zwischen prächtigen Heidentempeln


„Muzalffarpur“, schreibt uns P. Joseph O.F.M.Cap., „ist die bedeutendste Hindustadt in der Apostol. Präfektur Bettiah. 
Sie zählt 50.000 Einwohner und ist der Sitz vieler reicher Herrschaften. Schwere Hindutürme, worin hässliche Götzengestalten stehen, überragen die Stadt, leichte Kuppeln und Türmchen von Göttertempeln leuchten durch das Grün schlanker Palmen und spiegeln sich in heiligen Teichen, in denen Tausende sich baden.
Von hohen Minaretts prunkvoller Moscheen tönen die Gebetsrufe der Muselmänner. Eine englische Kirche öffnet ihr Tor den Anhänger des Protestantismus. 
Aber kein Glockenton vom Turme eines katholischen Gotteshauses klingt über die Stadt, um die 80 Gläubigen der wahren Kirche Christi zum Gottesdienst zu laden.

Was ist das katholische Gotteshaus in dieser reichen Stadt? Ein armseliges Gelass. Da saß ich eines Abends mutterseelenallein in dem Kapellenzimmerlein und schaute in die indische Nacht. Auf einmal fing es an, sich allerorten zu regen. Unter Tisch und Stuhl hüpften Kröten, Unken quakten in den Ecken, Fliegen und Käfer, Wespen und Bienen, Moskitos und Fledermäuse flogen durch den Raum, und am alten Dachgebälk rasselten schwer die fliegenden Hunde. 
Da dachte in unwillkürlich an den Vers des Psalmes, den der Priester beim Lavabo betet: ‚Herr ich liebe deines Hauses Glanz und den Ort deiner Wohnung‘. 

Doppelt schmerzlich fühlte ich den Gegensatz zwischen der Pracht der Tempel zu Ehren scheußlicher Menschengebilde und dem elenden Kämmerlein, mit dem der Herr der Heerscharen sich begnügen soll. 
Aber auch doppelt schmerzlich ging mir das Elend der Heidenwelt zu Herzen. Da ist doch alles hohl und leer; alles tönt herb wie der Klang des Gong, dumpf wie das Muschelhorn an den heiligen Teichen, spitz und zerreißend wie die kurzen Schläge der Metallinstrumente, die eben ertönten.

Man braucht kein Missionär zu sein, um zu verstehen, wie meine Wünsche nach einem würdigen Kirchlein in dieser Stadt gingen. Von Herzen empfahl ich das Anliegen demjenigen, der mich in dieses Heidenland gesandt, damit ich die frohe Botschaft verkünde. Gott sei Dank, der Grundstein konnte bereits gelegt werden. Wann wird die Stunde schlagen, da das Glöcklein laut jubelnd zum Altar des Gotteslammes lädt? Lieber Leser, du kannst sie rasch herbeiführen.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Freitag, 4. Oktober 2013

Ein fanatischer Hindu und Katholikenverfolger bekehrt sich

Kirche des St. Joseph's College, Tiruchirappali (Trichinopoly) (Quelle: vishwaant avk)

„Gott ruft, wen er will“, schreibt P. Lacombe, der Vater der kleinen Brahmanenkolonie zu Trichinopoly in Vorderindien, „das haben wir wieder zu Beginn des Jahres 1914 erfahren. Eines Tages wurde mir mitgeteilt, dass ein kranker Brahmane einen Pater zu sprechen wünsche. Ich begab mich sofort auf den Weg. 


Sobald der Kranke mich bemerkte, rief er laut: ‚Pater, Pater, ich habe Sie rufen lassen. Kennen Sie mich nicht mehr? Ich bin K. Vaidianaden, ein alter Schüler des St. Josephs-Kollegs, das ich von 1895 bis 1901 besucht habe. Ich war in der Klasse von G. Vaidhianatra Ayer, dem berühmten Konvertiten aus der Brahmanenkaste.

Die Züge kamen mir bekannt vor, und ich erinnerte mich noch, dass der Schüler einen schlechten Eindruck auf mich gemacht hatte. Das war alles, was ich mir ins Gedächtnis zurückrufen konnte. ‚Gut‘, erwiderte ich, ‚was wollen Sie denn?‘ – ‚Pater‘, sagte er, ‚seit zwei Jahren leide ich an der Milz, und eine Besserung scheint ausgeschlossen. Ich möchte aber nicht im Unfrieden mit Gott sterben. 
Viele Sünden bedrücken mein Gewissen; bitte, spenden Sie mir die Taufe vor dem Tode, damit ich Verzeihung erlange.‘ Und dann begann er, mir sein Leben zu erzählen. 

‚Im Jahre 1895‘, sagte er, ‚als die ersten Brahmanenbekehrungen sich ereigneten, geriet ich in Wut und schwor, kein Mittel unversucht zu lassen, um der Bewegung Einhalt zu tun. Ich trat in die ‚Religiöse Vereinigung der Hindus“ ein, eine Gesellschaft, die eigens gegründet war, um die Bekehrungen zu verhindern und die Schüler des St. Josephs-Kollegs auszuspüren, die irgendwie Hinneigung zur katholischen Religion verrieten. 
Viel Lästerliches habe ich gegen die Missionäre vorgebracht und mehr als einen Schüler abgehalten, mit den Patres in nähere Berührung zu kommen. 

Als im Jahre 1900 mein Kamerad C.B. Sankaran vor der Taufe stand, war ich es, der dessen Familie davon benachrichtigte und seine Gefangennahme bewerkstelligte: Sobald er in unserer Gewalt war, gab ich den Rat, ihm Fesseln an die Füße zu legen; auch war ich unter denjenigen, die ihn nach dem Süden abführten. Seitdem nun die katholische Religion mir die einzig wahre zu sein scheint, empfinde ich die heftigsten Gewissensbisse über diese Tat.‘

„Zum Glück konnte ich den Kranken trösten mit der Nachricht, dass Sankaran und seine Frau längst getauft seien und las gute Katholiken in Topu Mariä lebten. 
Dann forschte ich, wie er denn zu dem Entschluss gekommen sei, die so gehasste katholische Lehre anzunehmen. 

‚Das will ich Ihnen kurz erzählen, Pater‘, antwortete er. ‚Nach Beendigung meiner Studien erhielt ich eine Anstellung an der Eisenbahn. Ich kam durch ganz Indien, selbst nach Kaschmir, und musste sechs neue Sprachen lernen. Wiederholt erhielt ich einen Posten in fieberverseuchten Gegenden, und da bekam ich das Milzleiden. Während dieser 13 bis 14 Jahre musste ich unwillkürlich mich mit religiösen Gedanken beschäftigen. Die Eindrücke, die ich im St. Josephs-Kolleg durch die Brahmanenbekehrungen empfangen hatte, saßen zu tief. Besonders war mir der Übertritt meines Professors G Vaidhianatra nahe gegangen. 

Ich wollte mir Klarheit verschaffen, die Wahrheit des Hinduismus beweisen und den Unsinn der katholischen Lehre klarlegen. So kaufte ich mir eine Unmenge heidnischer Bücher und studierte und grübelte. Aber anstatt den Frieden zu finden, wurde mein Geist immer verwirrter. 

Die philosophischen Systeme der Hindus standen sich vielfach schroff gegenüber, und schließlich wusste ich nicht mehr wo aus und wo ein. Ich legte Priestern (wohl Hindupriestern) und Gelehrten meine Zweifel vor, fand aber hier die gleiche Verwirrung. 

Eines Tages nun, es war zu Hubli, fragte mich einer der Bahnangestellten, ein Katholik aus Goa, weshalb ich immer so traurig sei. Ich sagte ihm offen den Grund. Voll Liebe und Zuvorkommenheit verschaffte mir mein Kamerad mehrere katholische Broschüren, und da war es mir, als ginge ein Licht in meiner Seele auf. Ich begriff, dass ich die Wahrheit gefunden hatte, und wollte gleich katholisch werden. Da kam die Krankheit dazwischen. Nun danke ich dem Himmel, dass ich hier in einem Spital bei Schwestern bin und Sie getroffen habe.‘

„Diese schlichte Erzählung hatte mich tief gerührt, und ich versprach dem Kranken, ihm ein treuer Freund sein zu wollen. Bei meiner Rückkehr ins Kolleg war die Freude groß, und die beiden Brahmanen, G Vaidhianatra und Sankaran, machten dem Kranken sofort einen Besuch. 

Das Wiedersehen war sehr rührend. Sobald dieser seinen ehemaligen Schulkameraden, den er so schwer verfolgt hatte, erblickte, fiel er ihm zu Füßen, küsste sie und sagte: ‚Erlaube, dass ich jene Füße küsse, die ich in Fesseln legen ließ. Verzeihe mir und bete für mich.‘

„Die Ruhe und das Glück, die der Kranke gefunden hatte, übten auf seinen Körper den besten Einfluss aus, und bald konnte er das Spital verlassen. Er zog mit seinem ansehnlichen Mobiliar in das Haus von Sankaran und erhielt bald darauf die heilige Taufe. 

Der Konvertit, der 33 Jahre zählt, hat nur noch einen Wunsch, es möchten seine zwei Kinder – seine Frau und zwei Kinder sind gestorben – ebenfalls den Frieden in der katholischen Kirche finden.“


(aus: die katholischen Missionen, 1915)

Sonntag, 6. Mai 2012

Wunderbarer Regen bei der Errichtung eines Kreuzes

Der hochw. Herr Pater Barralon berichtet aus Annapady an Msgr. Lauenan über eine wunderbare Gebetserhörung, welche zahlreiche Bekehrungen zu Folge hatte. Es handelte sich darum, den Platz für eine neue Kapelle feierlich in Besitz zu nehmen. 
Eine Prozession wurde veranstaltet und ein Kreuz errichtet. Da die schreckliche Dürre die Ernte in Frage stellte, betete man allgemein um Regen. Auch die Heiden sagte zu dem Missionär: „Vater, wenn dein Sami (Herr) uns Regen schickt, so werden wir alle deinen Glauben annehmen.“ „Der Himmel war ganz wolkenlos“, erzählt Herr Barralon, „ich hatte zu wenig Glauben, um ein Wunder zu erwarten.
Meine Christen aber errichteten mit Hilfe der Heiden ein hohes Gerüst, auf welchem sie ein großes Kreuz aufpflanzten.
Und siehe, im Augenblick, als man die letzte Hand an das Werk legte, ergoss sich urplötzlich ein strömender Regen. Statt nach ihren Hütten zu laufen, schrien und jubelten die Heiden vor Freude. Tiefbewegt und das Herz voll Dank gegen Gott, redete ich zu der Versammlung von unserer heiligen Religion und von den Wohltaten des Allmächtigen.
Alle bekannten sich zum christlichen Glauben, ein einziger ausgenommen, der mich soeben öffentlich beleidigt hatte. Aber plötzlich kam auch er durch den strömenden Regen herbeigelaufen, warf sich mir zu Füßen und bat um Verzeihung.
Am folgenden Morgen stellte sich heraus, dass der Regen nur in einem engen Umkreis gefallen war; seine Fülle aber war so reich, dass auch die Teiche der unterhalb von Annapady gelegenen Dörfer zur Hälfte gefüllt waren.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Mittwoch, 18. April 2012

Was ist der Hinduismus?


Hindugötze "Krishna"

Im verflossenen Jahr veröffentliche die Zeitung The Leader von Allahabad eine Reihe von Artikeln über den Hinduismus, die später zu Madras als Broschüre erschienen unter dem Titel: Essentials of Hinduism, die wesentlichen Punkte des Hinduismus. 

Einige von den 25 Verfassern, die den gebildeten Ständen angehören und hohe Ämter bekleiden, sind Vertreter der alten orthodoxen Schule, während andere deutlich die Merkmale der zerstörenden westlichen Wissenschaft zeigen. 


Auf zwei Fragen wollten die Herren Antworten geben: Was ist der Hinduismus seiner Lehre nach, was in der Praxis? Wohl selten sind zwischen den zwei Deckeln eines Buches so zahlreiche sich widersprechende Ansichten gesammelt worden wie in dieser kleinen Broschüre.
Der eine schreibt: „Man kann alle Lehren annehmen, sogar Atheist sein, ohne dass man aufhört, Hindu zu sein.“ 

Im folgenden Satz heißt es: „Ein Hindu muss in der Theorie die Beden als geoffenbarte Religion annehmen, aber er darf die Texte nach Belieben auslegen. Auf diese Weise kann er sich dem Joch des Dogmatismus entziehen.“ 
Und dann wiederum: „Der Hinduismus besteht in der Annahme und Beibehaltung gewisser Zeremonien und Gebräuche, vor allem des Kastensystems. Die Lehre kann man fahren lassen, sofern man sich nur an die althergebrachten Gebräuche hält.“ — Ein zweiter definiert einen Hindu „als einen, der in Indien von einheimischen Eltern geboren ist und keiner fremden Religion angehört“. — Ein dritter verlangt zu einem echten Hindu die Beobachtung einer Unmenge von moralischen und rituellen Vorschriften. — Ein vierter erklärt jeden für einen Hindu, der diesen Namen nicht zurückweist.
Die einen verlangen sehr viel, die anderen sozusagen nichts; was der eine als wesentlich erklärt, verwirft der andere rundweg.


Eins geht aus dieser Schrift klar hervor, dass der Hinduismus in den Augen der verschiedensten Klassen seiner Anhänger etwas durchaus Verschwommenes und Unbestimmtes ist

Unfassbar erschien dieses Religionssystem stets den Missionaren, die tiefer in dasselbe einzudringen versuchten; nun haben sie die Bestätigung ihrer Ansicht aus der Feder von 25 gebildeten Hindus selber.

(Aus: die katholischen Missionen, 1913)



Samstag, 11. Februar 2012

Ein altindisches Sati


Bild eines Sati, etwa 1820


Wie tief der alte Geist des Hinduismus eingewurzelt ist, hat ein Ereignis gezeigt, das im verflossenen Juli bekannt geworden ist. —Mit zurückgehaltenem Atem hörten Tausende die Kunde von dem Begebnis, das in ganz Indien heutzutage einfach für unmöglich gehalten war. Es war die Nachricht von einem altindischen Sati, wie sie in alter Zeit üblich waren.
An eines der traurigsten Kapitel der indischen Geschichte erinnert uns das Wort „Sati“. Es bezeichnet die in früheren Tagen übliche Witwenverbrennung. Starb der Mann vor der Frau, so bestieg die Witwe den Scheiterhaufen, auf dem des Mannes Leib verbrannt wurde.
Der Mann ist nach indischem Begriff der Gott der Frau und die Frau ist ein Nicht ohne Mann und hat nur soweit Existenzberechtigung, als es dem Mann zum Nutzen ist. Die Witwe war zu einem unsäglich traurigen Dasein verdammt. Diesem Schicksal entging sie durch das Sati.
Die Grausamkeit des Sati erhielt sich noch unter der englischen Regierung bis in den Beginn des 19. Jahrhunderts. Nur langsam und mit schwerer Mühe und großen Opfern war es der englischen Regierung möglich, diese so tief ins Religions- und Sittenleben der Hindu eingedrungene Verbrennung der Witwen abzuschaffen.
Eine solche Witwenverbrennung ereignete sich im Juli d.J. im Distrikt Mainpuri, der in den sog. vereinigten Provinzen Vorderindiens liegt.
Dort war ein angesehener Brahmane gestorben, Kamlal mit Namen. Wie ein Blitz verbreitete sich die Aufregung erweckende Kunde, dass ein altindisches Begräbnis abgehalten werden solle; das heißt, dass die Frau des Brahmanen, Musamat Sai Dewi, den Scheiterhaufen ihres Mannes besteigen werde, um mit ihm im Nirwana vereint zu sein. Weit und breit wurde über das aufregende Begräbnis oder besser über die Verbrennung gesprochen. Viele schüttelten bedenklich die Köpfe, weil sie Furcht vor den Engländern hatten. Die meisten meinten, es handle sich bloß um ein Gerücht. Ein Sati ist in Indien eben so selten vorgekommen, dass Hindu und Europäer ein solches Ereignis für ausgeschlossen hielten.
Einige, die Unannehmlichkeiten fürchteten, meldeten das Gerücht an die nächste Polizeistation, die die Nachricht aber erst empfing, als es zu spät war.
So fand sich an dem festgesetzten Tag eine große Menschenmenge aus allen umliegenden Dörfern ein, das Schauspiel anzuschauen.
Ein Scheiterhaufen war errichtet, auf den die Leiche des toten Brahmanen gelegt wurde. Dann nahte in seidenen Gewändern, beladen mit Gold und Silber, geschmückt wie zu einer Hochzeit, die Frau des Toten. Eine atemlose Stille trat ein. Jeder war gespannt, ob die Frau wirklich den schon bereiteten Scheiterhaufen besteigen werde.
Ein Kranz von Verwandten umgab das Opfer. Trommelschläge erschollen, der Schlag des Tam Tam ertönte, gellende Hörnersignale durchzitterten die Luft.
Da gesellte sich die Frau zur Leiche ihres Mannes. Bald zischten die Flammen des Scheiterhaufens hoch empor, schwarze Rauchwolken wirbelten langsam in der glutsengenden Luft, das Geschrei der Leute erstickte die Angstrufe der zu Tode Gemarterten.
Doch plötzlich wich die Menge erschrocken zurück. Die so gefürchteten Sipahis, die indischen Polizeisoldaten, erschienen. Aber sie kamen zu spät. Sie fanden nur noch den verkohlten Leichnam der Frau.
Die Frau war, was noch mehr befremdend ist, keine unwissende, wie sie gewöhnlich in Indien sind, sondern eine gebildete Inderin.
Die Verwandten und Bekannten, die die Frau zum Scheiterhaufen begleitet hatten, wurden vor Gericht gestellt. Als Beihelfer und Anstifter zum Selbstmord klagte sie der Staatsanwalt an. Fünf von ihnen wurden verurteilt. Drei erhielten achtzehn Monate, zwei davon zwei Jahre schweren Kerkers. Unter den letzten befand sich ein Onkel der Frau.

(Aus: die katholischen Missionen, 1914, S. 52-53)

Leider gibt es auch heute noch im ländlichen Indien vereinzelt Satis. Beten wir für die vom Heidentum verblendeten Menschen!

Mittwoch, 11. Januar 2012

Das Heidentum, wie es ist


Während eine gewisse Art von Gelehrten dem Christentum nur blinden Hass und auf krasser Unwissenheit beruhende Vorurteile entgegenbringt, schwärmen sie für das Heidentum und wissen nicht genug die „reinen und erhabenen“ Ideen der indischen Religionsphilosophie zu preisen.
Diese „Milch- und Wasser-Ansicht“ des Heidentums hat vor einiger Zeit in der englischen Reisenden Mrs. Isabella Bird Bishop eine scharfe Kritik erfahren. In einem Vortrag über die Religionen Asiens machte sie für jene unrichtigen Ideen auch die aus jenen Ländern heimgekehrten protestantischen Missionäre verantwortlich, die aus einem verkehrten Zartgefühl sich scheuten, die Dinge unverblümt so zu schildern, wie sie dieselben gefunden.
„Während meiner Reisen durch Asien“, so führte sie u.a. aus, „kam es mir wiederholt zum Bewusstsein, wie wenig wir gehört und wie wenig wir die Tatsache kennen, bis zu welchem Grad in diesen Ländern die Sünde auf den Thron erhoben, vergöttlicht und angebetet wird. Überall macht sich die Sünde in schmachvoller Frechheit breit.
 „Der Mohammedanismus ist korrupt bis ins Mark hinein. Die Sitten der mohammedanischen Länder sind verrottet und die sittlichen Vorstellungen niederträchtig. Und wie korrupt der Buddhismus und die Buddhisten sind!
Lassen sie mich nur auf die eine Wirkung dieser falschen Religionen hinweisen.
Sie erniedrigen die Frau zu einer unendlichen Erniedrigung. Ich habe das alltägliche Leben der eingeschlossenen Frauen mit angesehen und kann aus bitterer Erfahrung sprechen, welcher Art dieses Leben ist.
Ihr Geist bleibt zwerghaft verkrüppelt, so dass die Frau von 20-30 Jahren intellektuell mehr einem Kinde von acht Jahren gleicht, dagegen werden die schlimmsten Leidenschaften der menschlichen Natur in ihnen gezüchtet und zu einem schrecklichen Grade entwickelt: Eifersucht, Neid, mörderischer Hass, so glühend und unnatürlich, dass ich in einigen Ländern kaum je ein Frauenhaus betrat oder in die Nähe eines Frauenzeltes kam, ohne um Gift und schädliche Geheimmittel gebeten zu werden. Wohl an die 200 Male wurde mir dieses Ansinnen gestellt.
Der ganze asiatische Kontinent ist korrupt, eine Szene voll von barbarischen Sitten, Torturen, brutaler Gewalttätigkeit und Unterdrückung.“
Offenbar sind es mehr die höheren Kreise der Gesellschaft, welche die berühmte Reisende schildert. Glücklicherweise sind auch hier ehrenvolle Ausnahmen nicht so selten.
Im Ganzen aber ist das überzivilisierte alte und neue Heidentum so, wie schon der Völkerapostel es mit kurzen aber scharfen Zügen gezeichnet (Röm. 1,24 ff.) und alles Bemänteln der atheistischen Gelehrten vermag daran nichts zu ändern.

 (Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Der alte Peter


Zu mir kam ein schon etwas unter der Last der Jahre gebeugter Greis, den ich nie zuvor gesehen hatte, und sagte: „Hier bin ich, Mann Gottes, der ich mit allem, was mich an diese Welt band, ein für allemal gebrochen habe. Ich gehe nicht mehr von der Stelle; du musst meinen Leib wieder in Erde verwandeln!“ (Ein Telugu-Ausdruck für „Beerdigung“ oder „zu Grabe tragen“) Diese energischen Worte kamen aus seinem Munde, indem er sich vor mich hinpflanzte, den fünf Fuß langen, oben und unten mit Eisen fest beschlagenen Bambusstock vor sich zur Stütze vorschob und mit der Brust darauf lehnte, während er unter seinem ungeheuren dicken Turban heraus zu mir hinaufblickte. — „Nun wohl, Großväterchen“, erwiderte ich, amüsiert durch sein Benehmen und sicheres Auftreten, „was wünschest du denn? Wer bist du? Woher kommst du?“ — „Ich gehöre zur Reddi-Kaste“, entgegnete er; „mein Name ist Arelavala Laxmireddi; ich habe ein Bauerngut im Dorfe Baderi und bin nicht gekommen, um zeitliche Güter von dir zu erbitten, denn die wünsche ich nicht. Ich habe aber gehört, dass du den wahren Gott kennst und mit ihm vertraut bist, und dass du lehrst, was recht und unrecht ist. Ich habe Siwa, Wischnu, Polerama verehrt, bin auch Ramas Lehren gefolgt, habe Almosen und Opfer nicht gescheut und sie dargebracht, wie die Brahmanen es vorgeschrieben, ohne aber in all dem Befriedigung zu finden. Gar manches in diesem Kulte fand ich abstoßend, und nie konnte ich mich dazu verstehen, die unzüchtigen Taten der Götter und „Heiligen“ nachzuahmen. Jetzt aber bin ich fest überzeugt, dass wirklich alles nur Lug und Trug ist. Was man heute als gutes Werk anpries, war morgen eine Sünde und umgekehrt. Nun möchte ich ein für allemal die Wahrheit wissen und tun, was recht ist, und unterlassen, was böse ist. Um das zu lernen, bin ich gekommen. Dass deine Religion die richtige ist, weiß ich schon.“

Auf meine Frage, wie er zu dieser Überzeugung gelangt sei, erzählte er folgendes: „Als ich vor ungefähr einem Jahre einige Fuder Korn nach Guntur zu Markte bringen wollte, hielten wir zur Nachtruhe in Phirangipuram an. Früh am nächsten Morgen hörten wir einen so schönen Gesang, wie ich noch nie zuvor vernommen hatte, auch sahen wir eine Menge Leute alle nach derselben Stelle hinlaufen. Ich folgte neugierig und sah dann etwas so Wunderbares, dass ich gleich dachte: das muss der Himmel selbst sein. Als ich die Leute fragte, was das alles zu bedeuten habe, erhielt ich die Antwort, dass der Mann Gottes dem wahren, lebendigen Gott Himmels und der Erde ein Opfer darbringe. Zuerst war ich gebannt; dann musst e ich weinen und tat wie die anderen Leute, warf mich auf die Knie und hob die Hände zum Himmel empor. Du standest hoch oben und von Lichtern umgeben. Anfangs wollte ich nicht glauben, dass du ein Mensch seiest. Zuletzt hast du dich umgedreht und fingst an so viel Buddi (das ist Verstand und Wahrheit) zu reden, dass jedermann es fassen und begreifen konnte, nicht wie bei den Brahmanen, die so reden, dass unsereins den Sinn nicht verstehen kann. Ich war gleich überzeugt, dass dieses die wahre Religion sein müsse, und erfuhr dann auch zum ersten Male, dass viele Leute meiner Kaste zu ihr sich bekennen.

Ich wollte gleich hier bleiben und dich aufsuchen und Karren und Korn meinem Sohn überlassen. Allein man zwang mich, zuerst das Geschäft abzumachen und noch zu Hause verschiedene Anordnungen zu treffen. Als wir wieder nach Hause zurückgekehrt waren, wollte man von der Ausführung meines Planes nichts hören; alle suchten es mir auszureden. Man hielt mich hin, zog alles in die Länge und machte mir allerhand Vorstellungen, sobald ich von Phirangipuram redete. Endlich war des Wartens und besonders des Verdrusses müde. Ich verteilte mein Hab und Gut unter meine Kinder und behielt nur so viel zurück, als ich für meinen und meines Weibes Unterhalt für notwendig erachtete. So bin ich nun hier und will von jetzt ab nur dem wahren Gott dienen; und ich sage dir im Voraus, dass nichts mich wieder von hier fortbringen wird.“

Nachdem ich noch mehrere Fragen an ihn gestellt hatte, glaubte ich annehmen zu dürfen, dass dieser Mann einer von den wenigen unter Millionen Heiden sei, die nach bestem Wissen und Gewissen stets bestrebt gewesen, das Naturgesetz zu beobachten. Der hl. Thomas von Aquin sagt bekanntlich von solchen Heiden, die vom wahren Gott nicht gehört haben und doch das Naturgesetz beobachten, dass Gott in seiner Güte und Barmherzigkeit ihnen die Taufgnade vermitteln würde, selbst wenn ein Wunder dazu erforderlich wäre.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich in meinem langen Missionsleben wohl gut ein halbes Dutzend ähnlicher Fälle anführen könnte, die mir selbst vorgekommen sind. Bemerkenswert war mir dabei immer der Umstand, dass alle diese Leute von Jugend auf ein hartes, arbeitsames Leben geführt hatten oder in Not, Elend und Krankheit aufgewachsen waren. Nach ihrem eigenen Bekenntnis hieß es immer: Wir hatte weder Kraft noch Neigung, eine Sünde zu begehen. NB. Hier versteht der Heide unter Sünde stets eine große Ungerechtigkeit und Betrug den Nebenmenschen gegenüber, besonders wenn solche ihm nie etwas zuleid getan, oder wenn sie hilflos waren und niemand sie verteidigen konnte, wie auch recht grobe Vergehen gegen das sechste Gebot.

Um wieder auf Laxmireddi zurückzukommen, muss ich sagen, dass es dem alten Manne im Anfang recht schwer fiel, die Gebete seinem schon abgenützten Gedächtnis einzuprägen. Nichts wollte mehr haften bleiben. Nur seinem unermüdlichen, mit wahrhaft heroischer Überwindung verbundenen Fleiß hatte er es zu verdanken, dass er endlich nach drei Monaten das Kreuzzeichen, Vaterunser, Gegrüßet seist du, Maria, und das Glaubensbekenntnis wusste. Die Heilswahrheiten hingegen verstand und begriff er spielend leicht. — Unter dem Namen Peter wurde er endlich in den Schoß der heiligen Kirche aufgenommen. Von da ab lebte er sozusagen in der Kirche. Stundenlang lag er auf seinem Angesicht vor dem Allerheiligsten oder betete einen Rosenkranz nach dem anderen, hingestreckt auf seinen Knien oder abwechselnd die Hände zum Himmel erhoben. Im Anfang der letzten heißen Jahreszeit kam er eines Morgens zu mir und sagte, er beabsichtige, wenn ich es für gut finde, noch einmal seine Heimat auf drei oder vier Tage zu besuchen, um Geld oder Lebensmittel zu holen und um sein Weib und seine Kinder für den alleinseligmachenden Glauben zu gewinnen. Seine Söhne waren nämlich mehrmals hier gewesen nämlich mehrmals hier gewesen, um ihren alten Vater zu sehen und zu überreden, mit ihnen in die Heimat zurückzukehren; sie würden ihm keinerlei Hindernisse in den Weg legen, seinem Glauben nach zu leben. Der alte Bauer aber schlug ihnen die Bitte immer entschieden ab, indem er beteuerte, er könne nicht mehr ohne Kirche und Gottesdienst leben. Vielmehr sollten sie alles verkaufen und hier in Phirangipuram sich niederlassen. Da ich sein Vorhaben lobte und genehmigte, nahm er gleich Abschied, um mit dem nächsten Zug abzufahren.

Ungefähr fünfzig Schritte vom Stationsgebäude sank der alte, dem Anschein nach noch ganz gesunde Mann plötzlich in die Knie und gab, ohne ein Wort zu sagen, den Geist auf. Ich wurde sogleich gerufen, fand ihn aber schon als Leiche. Seine Seele war in ein besseres Jenseits abgereist. Noch am selben Morgen hatte er die heilige Kommunion empfangen. Sein Grabhügel auf dem Gottesacker von Phirangipuram, der am Fuß des Berges von einer Muttergotteskapelle überschatte wird, legt Zeugnis ab von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu den Menschenkindern, die eines guten Willens sind. Alter Peter, mögen deine Überreste dort sanft schlummern bis zum großen Gerichtstag, um dann, mit deiner edlen Seele wieder vereinigt, vor aller Welt den Gott zu preisen, der Großes an dir getan!



(Aus: die katholischen Missionen, 1912)