Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 25. Oktober 2025

Unsere neuen Heiligen aus den Missionen

 

Am 19. Oktober kanonisierte Papst Leo XIV. sieben Heilige, darunter auch zwei Heilige aus den Missionen.


Mit dem heiligen Peter To Rot erhält Papua-Neuguinea seinen ersten Heiligen, einen Sohn des Landes, der in der Kirchenverfolgung des Zweiten Weltkriegs als Märtyrer für Christus und das heilige Sakrament der Ehe gestorben ist.

Peter wurde 1912 in Rakunai auf Neupommern in Deutsch-Neuguinea geboren. Seine Eltern gehörten zu den ersten Christen der Gegend und erzogen ihre Kinder vorbildlich im Glauben. Als sein Vater Angelo, selbst Katechist, vom Herz-Jesu-Missionar P. Carl Laufer gefragt wurde, ob er seinen Sohn zum Priestertum studieren lassen wolle, gab der Vater an, dass die Zeit für einheimische Priester noch nicht gekommen sei, Peter aber ebenfalls Katechist werden könne. Diesen überaus wertvollen missionarischen Dienst übte Peter To Rot bis zum heroischen Grad aus.

Als die Japaner das Gebiet 1942 besetzten, gingen sie bald gegen die europäischen Missionare vor und inhaftierten diese. Auch vor Deutschen – den Staatsangehörigen einer verbündeten Achsenmacht – machten sie nicht halt. Zunächst blieb aber die „priesterlose“ religiöse Betätigung der Katholiken uneingeschränkt. Ab 1944 setzte eine totale Kirchenverfolgung ein, in deren Rahmen selbst die Hütten der einheimischen Katholiken nach Devotionalien und religiösen Schriften durchsucht wurden. Peter To Rot wurde mit anderen Katechisten auf eine Polizeistation gebracht und aufgefordert, ihren Katechistendienst einzustellen. Er blieb fest und sagte den Gläubigen: „Sie haben unsere Priester weggenommen, aber sie können uns nicht verbieten, als Katholiken zu leben und zu sterben. Ich bin euer Katechist und werde meine Pflicht tun, auch wenn es mich mein Leben kostet.“

Durch sein entschiedenes Eintreten gegen die von den Japanern geförderte Polygamie, die zunehmend unter den einheimischen Kollaborateuren wie Häuptlingen, Richtern und Polizisten um sich griff, bahnte sich schließlich sein Martyrium an. Der Polizist To Metapa ließ Peter internieren, nachdem dieser die ehebrecherischen Pläne des Kollaborateurs durchkreuzt hatte. Nach sechs Wochen Lagerhaft wurde Peter To Rot am 7. Juli 1945, gut einen Monat vor Kriegsende, auf einer Polizeistation eine Injektion verabreicht. Nachdem wohl die tödliche Wirkung nicht schnell genug einsetzte, erdrosselte man ihn.

Er ist der Patron der Katechisten und Ehepaare. Sein Fest wird am 7. Juli begangen.


Auch die heilige Maria Troncatti F.M.A. stammte aus einem frommen Elternhaus. Ihre Heimat waren die Berge der Provinz Brescia, wo sie am 16.02.1883 geboren wurde. Schon als Mädchen wollte sie bei den Maria-Hilf-Schwestern Don Boscos eintreten, doch ihr Vater und der Ortspfarrer verpflichteten sie, bis zur Volljährigkeit zu warten. Ihre Ordensprofess legte sie schließlich 1908 ab. 

Während des Ersten Weltkriegs wirkte sie als Krankenschwester in Varazze (Ligurien). Als dort im Juni 1915 der Teiro über die Ufer trat, machte Schwester Maria in höchster Todesgefahr der Muttergottes das Versprechen, als Missionarin nach Ecuador zu gehen. Im Jahr 1922 zog Maria mit dem Missionsbischof Domenico Comin S.D.B. ins Amazonasgebiet, wo sie fast ein halbes Jahrhundert sich für das Volk der Shuar als Wunderärztin, Orthopädin, Chirurgin und Apothekerin aufopferte – vor allem aber als große Beterin, Katechistin und Friedensstifterin. Mit ihrer zärtlich mütterlichen Art verstand sie es, Herzen zu erobern. Durch diese Eigenschaft wurde Schwester Maria bekannt als die Madrecita, die liebe kleine Mutter. 

Stark ausgeprägt war ihr missionarischer Geist. So waren ihre Gedanken „immer bei den Missionen“ und sie schrieb einmal: „Jeden Tag bin ich glücklicher über meine missionarische Ordensberufung“.

 Die „Ärztin des Dschungels“ starb am 25. August 1969 bei einem Flugzeugabsturz bei Sucúa. Über die Radiostation der Shuar-Föderation erklang die traurige Botschaft: „Unsere Mutter, Schwester Maria Troncatti, ist gestorben.“

Vom Himmel aus zeigt sie sich weiter als Mutter ihres Volkes: Das Wunder zu ihrer Heiligsprechung ereignete sich an einem Shuar, dem Landwirt Juwá Juank Bosco Kankua, der von einer schweren Hirnverletzung geheilt wurde.

Samstag, 21. Oktober 2023

Gedanken zum Fest der heiligen Laura Montoya

Die heilige Laura Montoya mit Angehörigen des Volkes der Embera

„Meine Seele brannte mit dem Verlangen, etwas Großes für meinen Gott zu tun, damit Er erkannt werde, und mein Mitleid mit den Ungläubigen wurde sehr klein im Vergleich zu meinem Verlangen, Gott erkannt und so geliebt zu sehen, wie Er es verdient.“

Die heilige Laura Montoya, geboren im Jahr 1874 im Westen Kolumbiens, war zutiefst von der Unwissenheit und Gottesferne der Indianer in den abgelegenen Regionen ihres Heimatlands bewegt. Sie fühlte sich zur Gründung einer Ordensgemeinschaft zur Missionsarbeit unter den indigenen Völkern angetrieben, die sie im Sinne einer zutiefst erlebten geistlichen Mutterschaft als ihre Kinder betrachtete. Gleichzeitig war jedoch ihre Liebe zu Gott so innig, dass sie ihre Missionsarbeit mehr von der Ehre Gottes als vom Heil der Ungläubigen her betrachtete – selbstverständlich ohne dabei deren Seelenheil zu vernachlässigen. Dieser Gedanke an die Ehre Gottes, der als höchstes Gut von allen geliebt zu werden verdient, kommt in ihren innigen Gebeten zum Ausdruck: „Mögen sie Dich zu Deiner Ehre erkennen! Mögen wir Dich mit den Seelen der Nichtchristen krönen. Mögen die nicht verloren gehen, die fern von Dir darben. Sieh, ich sterbe aus Wunsch, Dich erkannt und geliebt zu sehen.“ So wird das Mitleid zu den von ihr so sehr geliebten Ungläubigen klein, wenn es dem großen Gedanken der Ehre Gottes gegenübersteht.

Das Heil der Seelen ist ein heiliges und edles Motiv für die Missionsarbeit. Dennoch verdient das Motiv der Ehre Gottes, das vor allem Hauptmotiv des religiösen Strebens der Menschen sein sollte, auch bei der Behandlung des Missionsthemas wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Möge die heilige Laura Montoya uns hierin Vorbild und Fürsprecherin sein.

Samstag, 23. Oktober 2021

„Allen alles werden“ – der Großstadtapostel von Buenos Aires

 

Jesuitenkirche San Ignacio in Buenos Aires

Einst wirkte in der Heimatstadt des Papstes ein deutscher Jesuit, der unter dem paulinischen Motto „allen alles werden“ ein wahrer Großstadtapostel wurde. Der heiligmäßige Rheinländer P. Johannes Auweiler wirkte zunächst in der Gegend um Santa Fe im Nordosten Argentiniens bei den deutschen und Schweizer Immigranten und konnte auch von Missionserfolgen unter den Ureinwohnern berichten, bevor er 1878 nach Buenos Aires versetzt wurde. In der Weltstadt am Rio de la Plata kam es ihm zugute, dass er 12 Sprachen beherrschte – darunter auch Arabisch. Er wirkte dabei nicht nur unter den Katholiken, die zum Teil jahrzehntelang ihre religiösen Pflichten nicht erfüllt hatten, sondern ging auch einer echten Missionstätigkeit nach. Hier sein eigener Bericht:

„Meine Beschäftigung im Allgemeinen waren die eines Seelsorgers. Da ich schon früher die traurige Erfahrung gemacht hatte, dass gar viele Fremde in dieser großen Weltstadt ohne den Trost der heiligen Sakramente sterben, weil es an sprachkundigen Geistlichen fehlt, so widmete ich alle freie Zeit dem Sprachstudium und erlernte nach und nach die in hiesigen Hospitälern am meisten angewandten Sprachen. Auf diese Weise war es möglich, im Verlauf dieser Jahre etwa 1400 Konversionen zustande zu bringen – annähernd 550 Indianer, Muselmänner und etwa 850 Häretiker und Schismatiker verschiedener Nationalitäten. Die hochwürdigsten Bischöfe unterstützten mich in dieser Absicht allzeit mit den weitesten Vollmachten, und da sie später bemerkten, dass die neu eingeführte Zivilehe unermesslichen Schaden unter den Katholiken anrichtete, so boten sie auch in dieser Beziehung alle Vollmachten an, um die Familien mit Gott und der Kirche zu versöhnen, so dass Tausende sich aus dem Verderben gerettet haben.“

P. Auweiler starb am 17. Juli 1911 im Rufe der Heiligkeit, beweint von ganz Buenos Aires.


(Quelle: Jesuitenkalender für das Jahr 1926)

Samstag, 22. Februar 2020

Weiser Indianer: Lieber zu viel als zu wenig für den Himmel



Eines Tages traf ein Missionar im hohen Norden Amerikas einen alten Indianer, der, falls kein Fisch zu haben war, den ganzen Freitag nüchtern zu bleiben pflegte (Die Indianer haben dort nämlich nichts anderes als Fisch- oder Fleischspeisen). Der Pater stellte ihm vor, eine so empfindliche Enthaltung fordere das Abstinenzgebot nicht. „Schon recht“, erwiderte der Mann, „aber siehst du, Pater, ich will den lieben Gott sehen, um nun ja nicht fehlzugehen, tue ich lieber etwas zu viel als zu wenig.“

(Aus: Beispielsammlung für die Missionen, P. Hermann Fischer SVD)

Samstag, 28. Dezember 2019

Große Missionsbischöfe: der einsamste Missionar – Ehrwürdiger Ovide Charlebois O.M.I., Apostolischer Vikar von Keewatin



Ovide Charlebois wurde am 17. Februar 1862, dem Tag der päpstlichen Anerkennung der Oblatenmissionare, in Oka in Quebec geboren. Der Ort Oka war Schauplatz einer der frühesten und bedeutendsten Indianermissionen in der Gegend von Montreal, wodurch schon seine Geburt unter dem Zeichen seiner Berufung zum Indianermissionar stand. Wie viele Quebecer damals waren die Charlebois fromme Katholiken und 5 der 13 (nach manchen Quellen 14) Kinder ergriffen den Priester- oder Ordensberuf.

Ovide selbst trat 1882 in das Noviziat der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria ein und wurde nach seiner Priesterweihe durch den Ehrwürdigen Vital-Justin Grandin O.M.I. im September 1887 in die Indianermission von Le Pas (Provinz Manitoba) gesandt, die zeitlebens das Zentrum seines apostolischen Wirkens unter den Ureinwohnern des kanadischen Nordwestens bilden sollte.

Das Leben des Missionars bedeutet häufig die zeitliche Trennung von den Mitbrüdern, doch bei Ovide Charlebois waren es ganze 16 Jahre, die er allein auf dem Missionsposten verbrachte. Während seines gesamten Lebens als Missionar, auch bis ins hohe Alter, unternahm er tausende Kilometer weite Reisen zu Fuß und mit dem Kanu, bei denen er zahlreiche Male im Freien schlief.

Mit der Ernennung zum Bischof und Apostolischen Vikar von Keewatin im Jahr 1911 unterstand ihm ein Gebiet, das die Nordhälften der Provinzen Saskatchewan und Manitoba umfasste und im Norden an die Hudson Bay und die Polargebiete mit seiner Inuitbevölkerung stieß.
Im Zusammenhang mit der Inuitmission steht ein Ereignis, durch das Bischof Charlebois auch auf die weltweite Missionsbewegung der Kirche einwirkte. Als der Diener Gottes kurz davorstand, die bis dahin erfolglose Mission im Chesterfield Inlet zu schließen, erhielt sein dortiger Missionar, der spätere Bischof Arsène Turquetil, zwei mysteriöse Pakete aus Frankreich, wovon eines eine Lebensbeschreibung der hl. Theresia vom Kinde Jesu, das andere Erde aus ihrem Grab enthielt. Nachdem P. Turquetil unbemerkt etwas von dem Staub auf einige nichtsahnende Inuit gestreut hatte, stellten sich die ersten Bekehrungen unter den Ureinwohnern ein, die zuvor nichts als Spott und Verachtung für die Missionare übrighatten. Nach diesen wunderbaren Bekehrungen entschied sich Msgr. Charlebois, eine Petition an den Heilige Vater mit der Bitte einzureichen, er möge die Heilige von Lisieux zur Patronin der Weltmissionen ernennen, der sich 226 weitere Missionsbischöfe anschlossen. Am 14. Dezember 1927 erfüllte Papst Pius XI. diesen Wunsch.

Der demütige Msgr. Charlebois liebte die apostolische Armut und war ein glühender Verehrer der allerseligsten Jungfrau, was auch in seinem bischöflichen Motto Ad Jesum per Mariam (Zu Jesus durch Maria) zum Ausdruck kam. Er beherrschte die Indianersprachen Chipewyan und Cree fließend und setzte sich besonders für die Bildung der indianischen Bevölkerung und gegen deren Entsittlichung durch weiße Siedler ein. Besonders in den letzten Jahren seines Lebens verurteilte er wiederholt den Kommunismus.

Bei einem Treffen der kanadischen Bischöfe in Quebec City erkrankte Ovide Charlebois und starb nach seiner Rückkehr nach Le Pas am 20. November 1933. Sein Nachfolger eröffnete seinen Seligsprechungsprozess; am 29.11.2019 wurde dem Diener Gottes von Papst Franziskus der heroische Tugendgrad zuerkannt.



Gebet (mit Imprimatur) 

O Gott, Du hast Deinem Diener, dem Missionsbischof Ovide Charlebois, eine zarte Liebe zur unbefleckten Jungfrau Maria ins Herz gesenkt und ihm die Gaben der Stärke, Geduld und Demut verliehen, die wir in seinem so schwierigen Apostelleben bewundern, schenke uns, wir bitten Dich, die Kraft, seine Tugenden nachzuahmen und gib uns zu seiner Verherrlichung die Gnaden, um die wir Dich durch seine Fürbitte demütig bitten. Amen

Vater unser, Gegrüßet seist Du Maria, Ehre sei dem Vater.


Mittwoch, 17. Mai 2017

Diesem Missionär ist nichts zu schwer


Die Agentur Canadian Press berichtet von der Heldentat des Missionärs P. Langlois in Albany, in der James Bay, der auf die Kunde, ein Indianer habe sich 115 Meilen entfernt mit einer Axt schwer verletzt, sich sogleich auf den Weg machte, aber infolge der ungeheuren Schneemengen erst nach acht Tagen beim Indianer anlangte.
Der Indianer war mit einem Bein unter einen fallenden Baum geraten und hatte sich das Bein abgeschnitten, um sich zu befreien. Seit 14 Tagen litt er unter schwerer Wundvergiftung und war bewusstlos. P. Langlois lud ihn unverzüglich auf einen Schlitten und zog den Verwundeten unter unsäglichen Mühen durch die eisige Winterlandschaft zur Missionsstation, wo eine Schwester eine sachgemäße Operation vornahm und so den Indianer retten konnte.

(Aus: Der Missionär, Heft 4 1938)


Bei dem Priester handelt es sich möglicherweise um den späteren Bischof Ubald Langlois O.M.I., der 1938 zum Apostolischen Vikar von Grouard (Alberta) ernannt wurde.

Freitag, 16. September 2016

Gregorianischer Choral bei den Indianern



Es dürfte manche interessieren, zu erfahren, dass die Bestimmungen des Heiligen Vaters [Pius X.] bei den christlichen Indianern getreulich zur Ausführung kommen. Beispielsweise singen die Sioux in North Dakota (Benediktiner[mission]) beim Gottesdienst fast nur Gregorianischen Choral und zwar recht gut. Der hochw. Herr Ganß, selbst ein guter Musiker, war freudig überrascht, als er bei den Pfriemenherzen-Indianern in Idaho einem Hochamt beiwohnte und die Rothäute die Choralmesse mit großer Präzision und Würde aufführen hörte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Samstag, 3. September 2016

Papst Pius X. als Beschützer der Indianer Südamerikas



Ein besonders großes Mitleid empfand Pius X. mit dem traurigen Lose der Indianerbevölkerung Südamerikas. Hier, wo einst das Missionsleben so herrlich geblüht hatte, war die einheimische Bevölkerung durch die meist gottlosen Regierungen der verschiedenen Republiken der unerhörtesten Ausbeutung und den entsetzlichsten Grausamkeiten geldgieriger und schamloser Abenteurer ausgesetzt.

Schon im zweiten Jahre seines Pontifikats trat Pius X. für die geknechteten Indianer ein. Er richtete an den gesamten Benediktinerorden ein Schreiben, in dem er alle Klosterorbern aufforderte, ja anflehte (exhortamur immo et obsecramus), alle Mönche, die mit dem Abt Gerard van Caloen nach Brasilien gehen wollten, mit Freuden ziehen zu lassen, damit das so arg verlassene Ackerfeld treffliche Arbeiter erhalte. Der Ruf verscholl nicht ungehört, und im Jahre 1909 wurde die Mission am Rio Branco tief im Inneren Brasiliens gegründet.

Auch andere Ordensleute wie die Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner, die Väter vom Heiligen Geist, die Salesianer Don Boscos drangen weiter in die Wälder vor, wohin sich die Indianer vor den Weißen geflüchtet hatten, und suchten die oft nur spärlichen Überreste früher starker Volksstämme zu sammeln und zu retten.

Im Verlauf weniger Jahre konnte Pius X. in Kolumbien die Apostolischen Präfekturen Caquetá (1904) und Chocó (1908) und die Apostolischen Vikariate Goajira (1905) und Llanos de S. Martín (1908), in Brasilien die Apostolischen Präfekturen Rio Negro (1910), Alto Solimôes (1910), und Teffe (1910) sowie die Prälaturen Santarem (1903), Araguaya (1911) und Registro da Araguaya (1914) errichten und die Apostolische Präfektur Urubamba in Peru (1913) zum Vikariat erheben.

Aber noch einmal erhob der Papst seine Stimme zu Gunsten der Indianerbevölkerung. Er tat es in der feierlichsten Form durch die Enzyklika Lacrimabili statu vom 7. Juni 1912 an den gesamten Episkopat von Lateinamerika. Voll Ernst und Schmerz beklagte der Heilige Vater die Gräuel, die namentlich an den Eingeborenen im Putamayogebiet begangen worden seien, und stellte sie den Schandtaten des verkommensten Heidentums an die Seite. 

Dann ermunterte er die Bischöfe, für die armen Kinder der Wälder Anstalten christlicher Nächstenliebe zu errichten, bestimmte, dass von Vergehen wie Verkauf oder Entführung von Indianern in Zukunft nur noch die Bischöfe die Lossprechung erteilen könnten, und versprach, selber die Gründung von neuen Missionen in die Hand nehmen zu wollen.

Dem Versprechen folgte sofort die Tat. Er berief englische und irische Franziskaner für die schwere Aufgabe im Putamayogebiet und hatte zugleich die Freude, dass das arme katholische England in wenigen Wochen 40.000 Mark für das zu gründende Unternehmen aufbrachte. 


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Predigt des heiligen Ludwig Bertrand auf den Jungferninseln



Der erste Missionär, den wir auf den dänischen Antillen [heute Amerikanische Jungferninseln] treffen, ist der hl. Ludwig Bertrand O. P., der Apostel von Kolumbien (gest. 1581). „Eines Tages“, so erzählt man, „predigte der Heilige auf St. Thomas im Schatten eines Baumes, als plötzlich eine Schar mit Steinen und Schleudern bewaffneter Indianer auf ihn losstürmte, ihn zu ermorden. Sein Begleiter mahnte ihn zu schleuniger Flucht. Der Heilige aber fuhr furchtlos in seiner Predigt fort und sprach mit solcher Kraft, dass die Wilden wie gebannt stehen blieben, seinen Worten lauschten und schließlich 200 von ihnen die heilige Taufe begehrten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1919)

Mittwoch, 27. April 2016

Aktuell: Die „Messe der Missionare“ in einem Indianerreservat in den USA


Im Jahr 1884 gründete der deutsche Jesuitenmissionar P. Friedrich Eberschweiler S.J. (Bruder des bekannten Mystikers P. Wilhelm Eberschweiler S.J.) die St. Paul Mission im Norden Montanas. Heute gehört die Gemeinde zum Indianerreservat Fort Belknap Indian Reservation. Seit einiger Zeit wünschen sich die Gläubigen eine regelmäßige Zelebration des überlieferten Ritus, sprich der „Messe der Missionare“. Mehr dazu hier bei Rorate Caeli. 
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Samstag, 10. Oktober 2015

Eine treue Rosenkranzbeterin

(Quelle)

Jedes katholische Herz hat als ersten und schönsten Ausdruck seiner Liebe zu Maria den „ewigen Gruß“ und fügt denselben zusammen zum Rosenkranz. Darum ist auch das Rosenkranzgebet so beliebt und geübt in den Missionen und ist das Lieblingsgebet der Neubekehrten. In jeder Anstalt, in jeder Schule, vor jedem Gottesdienst, oft mehrmals des Tages wird der Rosenkranz gebetet; ein Rosenkranz ist das wertvolle Geschenk an den Neugetauften, und da seine primitive Kleidung keine Taschen hat, wird er um den Hals getragen. An allen Anstalten ist die Marianische Kongregation eingeführt; hinter Glas und Rahmen sind an der Wand der Missionskirche die Namen der „Marienkinder“ aufbewahrt, und mit berechtigtem Stolz weisen sie noch nach Jahren hin auf diese Ehre.

Ich wurde einmal benachrichtigt, dass ein Mädchen, welches vor Jahren in der Anstalt der Schwestern (in der Kapuzinermission unter den Mapuche in Chile) war, zum Tode krank darniederliege und nach mir verlange. Der Weg war weit und beschwerlich, und ich zweifelte, ob ich das heilige Sakrament mitnehmen könne. Aber es reitet sich doch so gut mit dem Heiland auf dem Herzen. Wir hatten einen tiefen Fluss zu durchreiten, und das Wasser reichte bis zum Sattel. Nach sechs Stunden kamen wir am Ziel an. In der armseligen Strohhütte lag das Mädchen auf einem Schaffell am Boden, im Fieber brannten die Wangen, aber die todmüden Augen leuchteten freudig auf, und die erste Frage war: „Hast du den lieben Heiland mit?“

Ehe ich aber die heilige Beichte begann, wollte ich mich noch vergewissern, ob die Kranke in ihrer heidnischen Umgebung doch treu geblieben ihren christlichen Vorsätzen, und so stellte ich einige Fragen. Erstaunt, fast verstimmt gab sie zur Antwort: „Ja, was meinst du denn? Ich bin ja ein ‚Marienkind‘. Ich habe alle Tage meinen Rosenkranz gebetet vor meinem Altar.“ Fast musste ich lächeln; nur zu gut wusste ich, dass in einer solchen Indianerhütte kein Tisch, keine Wand ist, wo ein Altar anzubringen wäre. Auf ihren Wink ging eine der drei Frauen ihres Vaters in einen Winkel der Hütte und brachte ein Stück Brett, auf welchem die Heiligenbildchen aufgeklebt waren, die sie in der Schule für ihren Fleiß erhalten hatte, und in der Mitte derselben ihr Andenken an die erste heilige Kommunion. Dann nestelte sie vom Hals ein Schnürchen los, an dem anderthalb Gesätzchen des Rosenkranzes hingen. „Beim Arbeiten ist halt der Rosenkranz zerrissen, und ich habe nur mehr so viel davon; dieses habe ich alle Tage fünfmal gebetet. Meinst du, dass es gegolten hat?“ Gerührt versicherte ich ihr, dass es sicher Gott und unserer himmlischen Mutter gefallen habe. Jetzt begriff ich auch, wie es ihr möglich war, in einer noch ganz heidnischen Umgebung den Glauben treu und das Herz rein zu bewahren – sie war ein treues Marienkind geblieben.

Sie wusste, dass sie sterben würde, die Lungenentzündung war zu weit vorgeschritten; beim Fischen im kalten Meere hat sie sich dieselbe zugezogen; und sie starb gerne. Nur einen Wunsch brachte sie vor: In geweihter Erde wollte sie begraben sein, und ein Kreuz sollte ihren Grabhügel schmücken. Ich konnte ihr diesen Wunsch erfüllen, und auf dem Kreuz steht: „Sie starb, wie sie gelebt hat, eine treue ‚hija de María‘ eine Tochter Mariens.“


(Aus: das seraphische Weltapostolat, 1925)

Samstag, 26. September 2015

Zwei Mal Märtyrer – St. Isaac Jogues



Heute ist nach dem alten Kalendarium sowie in Kanada das Fest der North American Martyrs, einer Gruppe von Jesuitenmissionaren und Laien, die im 17. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen USA und Kanadas als Opfer der Irokesen ihr Leben für den Glauben hingaben. Aus Platzgründen soll hier nur einer der bekanntesten erwähnt werden, der heilige Isaac Jogues.

Isaac Jogues wurde 1607 in Orléans geboren und trat 1623 in die Gesellschaft Jesu ein. Im Jahr 1636 kam er nach Neu-Frankreich, wo er als Missionar unter verschiedenen Indianerstämmen wirkte. Nach großen Opfern und Enttäuschungen erhielt er 1642 den schweren und gefährlichen Auftrag, eine Gruppe von Huronen auf ihrer Flussfahrt nach Quebec zu begleiten, um seinem Obern Bericht zu erstatten und wichtige Gebrauchsgegenstände wieder mit in die Missionen zu nehmen. Zu diesem Unterfangen sagte der demütige Heilige: „Ich bot mich umso bereitwilliger an, als die Reise notwendig war, so dass also, wenn ich nicht ging, ein anderer, viel besserer Missionar als ich sich in die Gefahr hätte begeben müssen.“

Schon am zweiten Reisetag wurde die Gruppe von Irokesen überfallen. Obwohl P. Jogues hätte fliehen können, zog er es vor, bei seinen Neuchristen und Katechumenen zu bleiben, um sie zu trösten und letztere in der Gefahr zu taufen. Gerade weil er die Sterbenden ermutigte, ließen die Irokesen allen Hass an ihm aus; er wurde mit Stöcken geschlagen, mit Lanzen gestochen, und die feindlichen Indianer rissen ihm sogar mit den Zähnen einige Fingernägel aus und zerbissen ihm die Finger. Doch das war erst der Anfang. Nach einem 13-tägigen Gewaltmarsch, auf dem sich seine Peiniger immer wieder einen Spaß daraus machten, seine Wunden mit Dornen aufzukratzen, kamen sie in ein Irokesendorf, wo die Folter erst richtig beginnen sollte. Er musste zwischen zahlreichen Indianern hindurchgehen, die mit ihren Stöcken und Ruten auf ihn einschlugen, wobei er zusammenbrach. Dann verbrannten sie ihm einen Finger, einen anderen zerbissen sie erneut und zerquetschten die bereits verstümmelten Finger.

Isaac Jouges und sein Begleiter Renè Goupil in der Kathedrale von St. Louis (Quelle)

Isaac Jogues wurde dann mit seinem Begleiter, dem heiligen Laien Renè Goupil, in das Irokesendorf Ossernon geführt. Der Ort ist das heutige Auriesville in New York, wo eine Wallfahrtskirche zu Ehren der Märtyrer steht. In dem Indianerlager war in der Mitte des Dorfes ein Schaugerüst aufgestellt. P. Jogues sagte selbst: „Kaum konnten wir zu dem in der Mitte des Dorfes aufgebauten Schaugerüst kommen, so waren wir zerschlagen. Unser ganzer Körper war zerschunden und unser Gesicht blutüberronnen. Vor allem Renè Goupil war so entstellt, dass man außer seinen Augen keinen heilen Fleck mehr in seinem Gesicht sah.“

Nun wurden dem heiligen Isaac Jogues noch die letzten beiden Fingernägel ausgerissen. Eine Frau schnitt ihm schließlich mit einem stumpfen Messer den Daumen ab. Der Heilige meinte dazu: „Da das Weib meinen Daumen auf das Schaugerüst geworfen hatte, hob ich ihn auf und bot ihn dir zum Opfer an, o mein Gott, und gedachte dabei der heiligen Opfer, die ich dir seit 7 Jahren auf den Altären der Kirche dargebracht hatte; und ich nahm diese Marter an als liebevolle Strafe für den Mangel an Liebe und Ehrfurcht, den ich mir beim Berühren deines heiligen eucharistischen Leibes zuschulden kommen ließ.“

Es ging weiter in andere Irokesendörfer, wo sich die Foltern wiederholten. Einmal kreuzigten sie den Priester förmlich. Ein Krieger schnitt ihn vom Kreuz los, an das er gebunden war. P. Jogues konnte dem Mann diesen Liebesdienst später reichlich zurückzahlen, als er den ihn kurz vor dessen Tod taufte.
Nach den Foltern sollten die Gefangenen als Sklaven bei den Irokesen dienen, und obwohl benachbarte Indianerstämme und die Holländer dem Jesuitemissionar Hilfe zur Flucht anboten, lehnte er ab, da er unter seinen mitgefangenen Huronenchristen weiterwirken wollte. Erst als die Irokesen dies vollkommen unmöglich machten, wagte er die Flucht.

Der Heilige kehrte nach Frankreich zurück, wo er am 5. Januar 1644 in Rennes im Jesuitenkolleg anklopfte. Seine Mitbrüder wollten ehrfurchtsvoll die Hände des Märtyrers küssen. Papst Urban VIII. gab ihm die Erlaubnis, trotz seiner verstümmelten Hände weiterhin die Messe zu zelebrieren und begründete dies mit den Worten „es wäre unwürdig, wenn ein Martyrer Christi das Blut Christi nicht trinken dürfte.“

Papst Urban VIII.

Da der demütige P. Jogues die Aufmerksamkeit in Frankreich nicht ertrug, kehrte er nach drei Monaten wieder in die Mission zurück. Er wirkte zunächst als einfacher Missionar auf einer Station, wurde dann aber im September 1645 mit der wichtigen Aufgabe betraut, eine französische Gesandtschaft zu führen, um den kurz vorher geschlossenen, aber gefährdeten Frieden mit den Irokesen zu befestigen. Zu dem Auftrag sagte er: „Die arme Natur, die sich der vergangenen Leiden erinnerte, hat gezittert: aber der Herr hat sie in seiner Güte beruhigt und wird sie noch weiter beruhigen. Ja, ich will alles, was der Heiland will, und müsste ich dabei auch tausendmal mein Leben aufs Spiel setzen.“

Er wurde bei den Indianern dank seiner Friedensworte und Geschenke günstig aufgenommen. Doch wollte er nicht als Gesandter Frankreichs, sondern als Gesandter Christi unter ihnen wirken und ließ schon mal eine kleine Kiste mit seinen Habseligkeiten zurück. Während seiner Abwesenheit brachen in dem Dorf Dürre, Hungersnot und Pest aus, woraufhin die Dorfzauberer in ihrem Wahn der geheimnisvollen Kiste die Schuld gaben, da darin ein böser Geist eingeschlossen sei, der nur darauf wartete, herausgelassen zu werden, um den Stamm zu vernichten.

Als P. Jogues schließlich mit dem heiligen P. Jean de Lalande zurückkehrte, stürzten sich die Irokesen auf ihn und die alten Foltern begannen von neuem. Doch eine Ratsversammlung beschloss, das Leben des Missionars zu schonen. Dennoch hatte eine Gruppe von Kriegern seinen Tod beschlossen. Mit heuchlerischer Freundlichkeit wurde er am 18. Oktober 1646 in eine Indianerhütte eingeladen. Als er sich bückte, um einzutreten, spaltete ihm ein Krieger mit dem Tomahawk das Haupt. Nun war das Opfer vollbracht für das Volk, von dem er einige Tage zuvor schrieb: „Dieses Volk ist meine Blutsbraut, da ich mich ihm mit meinem Blute angetraut habe.“


Heilige Märtyrer von Nordamerika, bittet für uns!

Dienstag, 2. Juni 2015

Saint Louis University gegen die Erinnerung an ihr ehemaliges Fakultätsmitglied, Fr. Pierre-Jean De Smet, S.J.

Crisis Magazine 

Am 1. Juni hat die Jesuitenuniversität Saint Louis University eine Statue des berühmten Indianermissionars Pierre-Jean De Smet S.J. entfernt. Grund war die Beschwerde von Studenten, die Statue würde „weiße Vorherrschaft“ symbolisieren. Ryan McKinley schrieb in einem Artikel der Unizeitung, die Statue würde eine einfache Botschaft an die Indianer senden: „Ihr gehört hier nicht her, wenn ihr euch nicht unserer Kultur und Religion unterwerft.“ Weiter schrieb er: „die Statue repräsentiert Kolonalismus, Imperialismus, Rassismus und christliche und weiße Vorherrschaft.

Herrn McKinley kann man nur raten, sich einmal diese Predigten anzuhören, dann würde er erfahren, dass die Indianer selbst aus den Rocky Mountains nach Saint Louis gekommen waren, um um Missionare zu bitten. Dieser Artikel zeigt, wie sich Pater De Smet für seine Indianer aufgerieben hat – ich habe bis jetzt noch von keinem Linken gelesen, der es ihm gleich getan hätte.

Eine Petition gegen die Entfernung der Statue kann hier unterschrieben werden.

Dienstag, 28. April 2015

In die Indianermission nach 22 Jahren als Diözesanbischof


Nach 22 Jahren als Bischof von Garzón in Kolumbien hat Esteban Rojas Tovar mit Erlaubnis des Heiligen Stuhls 1922 im Alter von 62 Jahren auf sein Bistum verzichtet, um sich an der Seite der Kapuziner als Missionär dem Apostolat unter den Indianern am Putumayo zu widmen. Laut dieser kolumbianischen Seite war er ab 1927 in Agua de Dios, möglicherweise um dort den Salesianern in der Aussätzigenseelsorge zu helfen. Er starb 1933. Msgr. Rojas war ein Freund des hl. Ezequiel Moreno, der bis zu seinem heiligen Tod im Jahr 1906 Bischof der Nachbardiözese Pasto war.


(Quellen: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925, Semblanza de San Ezequiel Moreno)

Dienstag, 3. März 2015

Eine kritische Untersuchung von Bartolomé de las Casas



Dies ist eine Rezension der Dissertation von Anton Freytag S.V.D. mit dem Titel Historisch-kritische Untersuchung über den Vorkämpfer der indianischen Freiheit Don Fray Bartolomé de las Casas bis zu seinem Eintritt in den Dominikanerorden.

P. Freytag hat sich für den großen Vorkämpfer der Indianer erwärmt und zeichnet dessen Leben und Wirken bis zu dem Augenblick, da las Casas, bereits ca. 50 Jahre alt, in den Dominikanerorden eintrat (1474 bis 1523). Schon diese Tatsache, dass, man kann wohl sagen, die Hauptagitation des berühmten Mannes in die Zeit vor seiner Zugehörigkeit zum Orden fällt, wird manchem überraschend kommen. Der Verfasser hat sich sehr fleißig in die reiche Literatur und vorab in die Schriften las Casas‘ selbst hineingelesen und kann das Verdienst sich zusprechen, mehrere ungenaue oder irrige Daten, wie sie immer noch in den landläufigen Darstellungen selbst in kirchengeschichtlichen Lehr- und Handbüchern stehen geblieben sind, richtiggestellt zu haben. Allem Anschein nach ist die Schrift als Baustein zu einem neuen Lebensbild des berühmt gewordenen Mannes gedacht. Vielleicht dürfen wir uns mit Rücksicht darauf einige Bemerkungen und Wünschen erlauben.

Mehr wie eine geschichtliche Gestalt hat in der Freilichtmalerei der modernen Kritik stark von ihrem Zauber verloren. Wir glauben, dieses Schicksal wird auch las Casas teilen. „Er (las Casas) war“, so urteilt u. a. der amerikanische Historiker A. T. Vandelier, „ein wohlmeinender, aber durch und durch unpraktischer Enthusiast, der weder die Indianer verstand noch die neugeschaffene Lage würdigte, die sich für dieselben durch die Entdeckung Amerikas ergab, und der alles und jeden von dem Augenblick ab verurteilte, wo sie mit seinen Anschauungen und Plänen nicht übereinstimmten. Die Angaben über die Massenmorde der Spanier verdienen keinen Glauben, am wenigsten jene, die sich auf das Zeugnis des Bischofs von Chiapas, Bartolomé de las Casas, stützten. Die ganze Literatur seiner Periode muss überhaupt mit derselben Zurückhaltung gelesen werden, mit der wir heute die Auslassungen unserer politischen Kampfpresse hinnehmen.“ Diese Worte enthalten viel Wahrheit. Jedenfalls aber darf eine Darstellung und Würdigung von las Casas‘ Leben und Wirken nicht ganz oder hauptsächlich auf dem Selbstzeugnis eines Mannes aufgebaut werden, bei dem nicht ruhige Objektivität, sondern glühende Leidenschaft die Feder führte. Die ungeheuerlichen, „phantastischen“ Übertreibungen in seinen Zahlenangaben u. ä. sind von Gelehrten wie Humboldt, Peschel, Ratzel, Supan u. a. längst aufgedeckt worden. Kein ernster Historiker, bemerkt der Franziskaner P. Anselm Weber in einer Besprechung des stark eulogistischen Lebensbildes The Life of B. de las Casas by Rev. L. B. Dutto (St. Louis 1902), mit vollem Recht, wird die leidenschaftlichen Auslassungen eines Cola di Rienzi oder Savonarola ohne weiteres als zutreffendes Bild der kirchlichen Verhältnisse im 14. und 15. Jahrhundert gelten lassen. Ihr übermäßiger Reformeifer lässt sie alles grau in grau malen, um ihre Bestrebungen und Anschauungen als einzige Rettung erscheinen zu lassen. Ganz dasselbe trifft auf Las Casas zu (vgl. Amer. Eccl. Review 1902, 590 f.). „Wer den Stoff zu einer Geschichte der nordamerikanischen Negerfrage“, so urteilt zur selben Sache der amerikanische Historiker Edward Gaylord Bourne, „ganz oder hauptsächlich aus den Spalten eines Liberator (oder ähnlicher Parteiorgane) schöpfen wollte, würde ein sehr einseitiges Bild entwerfen.“

Das wirkliche Verdienst las Casas braucht nicht verkleinert, muss aber genauer umschrieben werden. Es besteht unseres Erachtens hauptsächlich darin, dass er gewissen auch in kirchlichen Kreisen stark eingebürgerten Anschauungen über das Recht der Eroberung entgegentrat, die Leute zum Denken brachte und eine neue milde Gesetzgebung zugunsten der unterdrückten Rasse in die Wege leitete. Ganz verkehrt aber ist es, wie der genannte P. Anselm Weber O.F.M. mit Recht betont, das ganze Verdienst im Kampf um die Freiheit der Indianer auf las Casas zu konzentrieren, denn wie am Verschwinden der roten Rasse an manchen Punkten der spanischen Conquista außer der spanischen Härte eine Reihe anderer unverschuldeter Ursachen mitwirkten, die las Casas geflissentlich übersieht, so haben auch um ihre Erhaltung andere Männer, vielleicht mit mehr Erfolg, sich bemüht. Und wenn las Casas zum Teil hochangesehene Männer, einzig weil sie auf seine Ideen nicht eingehen, als Schurken hinstellt und ihnen die niedrigsten Beweggründe unterschiebt, so sind dieselben damit noch lange nicht gerichtet. Was wir wünschen, ist ein objektives Geschichtsbild, und es soll uns freuen, wenn P. Freytag ein solches zeichnen will.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Ursulinen in den Rockies – Ordensschwestern unter Indianern, Cowboys und Kojoten

Mother Amadeus Dunne O.S.U., die Gründerin der Ursulinenmission in Montana

Wir entnehmen einem amerikanischen Blatt das folgende anerkennende Zeugnis über das opferwillige Leben dieser Klosterfrauen im fernen Nordwesten. „Die Welt“, beginnt der Berichterstatter, „ist sonst so begierig, ihre sogen. Helden zu feiern und ihnen Denkmäler zu errichten, und während dessen ziehen täglich Helden und Heldinnen an uns vorüber, und wir wissen es nicht. Geräuschlos wandeln sie dahin, und selbst ihre Gräber liegen unbeachtet und vergessen. Dieser Gedanke drängte sich mir auf, als ich vor einiger Zeit zwei Ursulinen antraf, die sich in Begleitung eines Vollblutindianermädchens auf der Reise nach Washington befanden, um dort mit der Regierung wegen ihrer Mission zu verhandeln. Diese Frauen sind in gebildeten Kreisen aufgewachsen, gewöhnt an alle Annehmlichkeiten eines zivilisierten und verfeinerten Lebens, als sie in den Orden eintraten. Sie waren noch jung oder standen höchstens in den mittleren Lebensjahren. Und was war ihr Leben seit jenem Augenblick, da sie dem Rufe folgte: ‚Verlass alles, was du hast, und folge mir nach‘? In Kälte und Hunger und unbeschreiblichen Entbehrungen wohnen sie in den wildesten Teilen des Felsengebirges in roh gezimmerten Blockhütten, um an 900 über das weite Gebiet zerstreuten Indianerkindern Mutterstelle zu vertreten, für sie zu kochen, zu waschen, zu bügeln und ihre Kleidchen zu flicken, vor allem aber, um sie zum Christentum zu führen und an ein zivilisiertes Leben zu gewöhnen. Nichts hat sie von dieser Aufgabe zurückzuschrecken vermocht, sie haben ausgehalten, und ihre Ausdauer ist mit Erfolg gekrönt worden. Das Indianermädchen in ihrer Begleitung war so gut erzogen, dass in der Weltausstellung von Chicago seine Leistungen einen Platz fanden.

Und welche Abenteuer die Schwestern in jener Wildnis erleben! Um die Indianerkinder bei guter Gesundheit zu erhalten, haben es die Schwestern für notwendig gefunden, einmal im Jahr mit ihnen 14 Tage lang einen Ausflug in die freie Wildnis zu machen und dort in Zelten mit ihnen eine Art Picknick-Leben zu führen. Bei einer solchen Gelegenheit war es, dass eine der beiden genannten Schwestern einst mitten auf der wilden Prärie von der Nacht überrascht wurde. Das Gefährt war zusammengebrochen, und die Pferde waren ausgerissen. Der begleitende Wagenführer und Beschützer war so gelähmt, dass er kaum mehr gehen konnte. Die dunkle Nacht brach ein, und aus der Ferne ertönte das Geheul der Kojoten. 15 Meilen hatten die Verunglückten sich mühsam vorangeschleppt, als plötzlich ein Lärm wie das Getrampel eines Pferdetrupps an ihre Ohren schlug. Es war ein Rudel Kojoten, welche die Leute gewittert hatten und im schnellsten Lauf den nächtlichen Wanderern sich nahten. In ihrer Angst nahm die Schwester ihre Zuflucht zu Maria und rief mit einem lauten Memorare um Hilfe. Seltsam! Wie von Schrecken erfasst, machte die wilde Hetze sofort Kehrt und jagte zurück über die nahen Hügelhänge.

Bei einer anderen Gelegenheit brachte dieselbe Schwester eine kranke Ordensfrau von einer Station zur anderen. Ein Indianerjunge machte den Kutscher und ein Missionär den Begleiter. Da kam über sie ein Blizzard, dieser Schreck des nordamerikanischen Westens. Der Wagen wurde umgeworfen, ein Schneewall von 4 m Höhe türmte sich vor ihnen auf, das Thermometer sank auf 42 Grad unter null. Fast wären die Verunglückten erfroren. Da raffte der Missionär sich auf, und es gelang ihm mit dem Aufgebot der letzten Kraft, sich mit einem der Pferde Bahn zu brechen und in der nächsten Station Hilfe zu holen. Am nächsten Morgen kam eine indianische Feldwache und brachte die Schwestern nach Fort Custer, wo sie von den Damen liebevoll aufgenommen wurden. Um den Frost aus den erstarrten Gliedern zu vertreiben, mussten Ölbäder angewandt werden, und mehrere Tage vergingen, bis die Wirkungen jener schrecklichen Nacht überwunden waren.“

Durch Buffalo Bills Wild-West sind die amerikanischen Cowboys, dieser wilde Typus berittener Hirten, weithin bekannt geworden. Es ist interessant, was unser Gewährsmann über das Verhalten dieser trotzigen Söhne der freien Prärie den Schwestern gegenüber berichtet. „Wir, die so stolz sind auf unsere feinen Sitten und unser Gefühl und Verständnis für alles Schöne, lassen uns nicht träumen, dass wir in der Wertschätzung dessen, was edel, rein und heilig ist, übertroffen werden von den unbändigen Cowboys der Prärie. Nichts kann die Ehrfurcht und zarte Aufmerksamkeit übertreffen, mit der sie die Schwestern bei zufälliger Begegnung in der Wildnis behandeln. Wenn ein Unwetter sie überrascht hat, dann heißen diese rauen Bewohner der Steppe sie in ihren Blockhütten freundlich willkommen und sagen zueinander: ‚Jungens, wir müssen sehen, dass wir den Schwestern etwas zu essen verschaffen.‘ Dann räumen sie die Hütte und überlassen sie für die Nacht ganz den Schwestern, während sie selbst im Freien irgendwo Unterschlupf suchen. Sie sehen in den Klosterfrauen etwas Übermenschliches und Engelhaftes. Und doch sind diese rohen Leute zumeist nicht Katholiken. Wenn sie auf dem Weg neben ihnen herziehen und sie merken, dass die Schwestern ihr Offizium beten wollen, dann unterbrechen sie ihre Unterhaltung, indem sie einander zuflüstern: ‚Still, die Schwestern sind am Beten!‘

„Wenn man dann die Schwestern“, so schließt der Berichterstatter,  „In der muntersten Weise erzählen hört, dass sie lange Zeit in ihrer Niederlassung einen einzigen Stuhl besaßen, der beim Besuch des Bischofs ihm überallhin nachgetragen wurde, oder dass sie nicht selten, wenn sie am Morgen erwachten, 2–3 Zoll Schnee auf ihrer Bettdecke finden, so mutet dies alles einem an wie ein Strauß duftender Blumen aus der Wildnis.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)


Samstag, 15. November 2014

Große Missionsbischöfe: Ein Leben im Sattel – Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe


Von den heimgegangenen nordamerikanischen Oberhirten darf wenigstens ein Erzbischof nicht fehlen, der einen großen Teil seines Lebens im Sattel oder auf dem mexikanischen Reisekarren zugebracht hat. Es ist Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe. 

Frankreich, das Mutterland so vieler Missionäre, gab ihm am 22. Februar 1825 das Leben zu St. Maurice (Dep. Puy de Dome). Als jungen Priester führte ihn der Notschrei der amerikanischen Bischöfe nach Amerika, und das heiße Texas und das gebirgige Arizona wurden seine zweite Heimat. Hier, wo damals die Einwanderung erst begann und auf den weiten Prärien sich die wilden Apatschen und zahlreiche Reste anderer Indianerstämme umhertrieben, gab es noch Arbeit für ein junges Apostelherz. Tucson, die Hauptstadt des Territoriums von Arizona, wurde der Mittelpunkt seiner Tätigkeit, wie es dereinst seine Ruhestätte werden sollte. Diese schroffen, kahlen Berge, diese weiten, fruchtbaren Flusstäler des Gila- und Coloradosystems waren klassischer Missionsboden. Sonora hieß in spanischer Zeit diese Provinz, und vorab deutsche Jesuiten, wie die PP. Kühn (Kino), Sedlmayer, Michel, Bauer, Gerstner, Pfefferkorn, Segesser und so viele andere, hatten hier einst unter den Pimas, Papagos, Opakas und anderen Stämmen segensreich gewirkt. 
Von ihren alten Kirchen standen nur noch wenige. Doch überall fand Salpointe noch Spuren ihrer Tätigkeit und einzelne treu gebliebene Reste der einst christlichen Stämme. Noch hüteten 100 Familien von Papagos die alte Kirche San Xavier del Bac. Mit der Liebe eines Vaters ging Salpointe diesen verlassenen Schäflein und den braven, in weit zerstreuten Ranchos wohnenden mexikanischen Viehzüchtern nach. 

1857 war Arizona zur Diözese Santa Fe geschlagen worden (seit 1875 Erzdiözese). Allein die starke Einwanderung seit dem mexikanischen Krieg weckte das Bedürfnis einer besseren kirchlichen Verwaltung, und so wurde 1868 Arizona als eigenes Apostol. Vikariat von Santa Fe getrennt.  Salpointe trat an seine Spitze und entwickelte auch als Bischof eine unermüdliche Tätigkeit. Neue Stationen wuchsen aus dem Boden, Kirchen und Kapellen wurden gebaut, Schwestern zur Übernahme von Anstalten der Erziehung und Krankenpflege berufen. Das Vikariat zählte damals unter 38.000 Einwohnern 20.000 Katholiken. Rothäute aus den Stämmen der Apatschen, Papagos, Yavapais, Pimas, Maricopas, Yumas, Mohaves, Moquis waren noch etwa 20.000 vorhanden. Durch eine himmelschreiende Verordnung des Präsidenten Grant, die sog. Peace Policy, wurden diesen Stämmen mit Ausnahme der Papagos Prediger verschiedener Sekten aufgedrängt, um sie gegen ihren Willen protestantisch zu machen. Die Indianer aber verlangten Schwarzröcke [katholische Priester], und diese, an ihrer Spitze der Bischof, taten alles, um dem armen Volk den katholischen Glauben zu retten. Rastlos durcheilte Salpointe das Vikariat, machte Rundfahrten von nahezu 2000 Meilen auf schlechten Wegen, durch Gebiete, in denen die Furcht vor den streifenden Apatschenbanden allen Verkehr gestört. 

Am 13. November 1883 vertrat Salpointe seinen Metropoliten, den Erzbischof von Santa Fe, Msgr. Lamy auf der Versammlung amerikanischer Erzbischöfe in Rom; im folgenden Jahr wurde er ihm als Koadjutor beigegeben und folgte ihm 1885 auf dem erzbischöflichen Stuhl. Neun Jahre wirkte er nun als Erzbischof, bis ihn 1894 Altersschwäche zur Resignation veranlasste. Er zog sich nun nach seinem geliebten Arizona zurück und starb am 5. Juli 1898 in Tucson, wo er dereinst seine apostolische Laufbahn begonnen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Siehe auch den Artikel zu einem seiner Nachfolger, Peter Bourgade 

Samstag, 1. November 2014

Große Missionsbischöfe: der Erzbischof des Wilden Westens – Msgr. Peter Bourgade, Erzbischof von Santa Fe


Auch von den hingeschiedenen Oberhirten der Vereinigten Staaten muss einer hier wenigstens kurz erwähnt werden. Es ist der hochw. Herr Peter Bourgade, Erzbischof von Santa Fe in Neu-Mexiko, den der Tod am 16. Mai im Merceyspital zu Chicago von langer schmerzlicher Krankheit befreite. 

Geboren am 17. Oktober 1845 in St. Agathe (Diözese Clermont), gehört Bourgade jener Schar opferwilliger französischer Pionierpriester an, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts dem dringenden Ruf amerikanischer Bischöfe nach Arbeitern folgten und an dem Aufbau der Kolonistenkirche in den amerikanischen Südstaaten einen so hervorragenden Anteil nahmen. Sein erstes Arbeitsfeld war Arizona, damals noch Tummelplatz wilder Apachenhorden, die um jeden Preis das Vordringen der Bleichgesichter zu hindern suchten und den Schrecken der Ansiedlungen und Karawanen ausmachten. Hier weihte Bourgade seine ersten Mannesjahre der mühsamen Wanderseelsorge teils unter den weißen Kolonisten und mexikanischen Rancheros (Viehzüchtern), teils unter den Resten der einst von den Jesuiten bekehrten und in Reduktionen gesammelten Stämme der Papagos, Pimas, Maricopas u. a. 

Auch als Bischof der 1885 neu errichteten Diözese Tucson (Arizona) und als Erzbischof von Santa Fe (seit 1892) blieb Bourgade seiner ersten Liebe treu und bot sein Möglichstes auf, um der aussterbenden roten Rasse das Gut des wahren Glaubens zu erhalten, das durch die kirchenfeindliche Indianerpolitik und die Werbearbeit der protestantischen Sekten so sehr bedroht war.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Freitag, 17. Oktober 2014

Wer ist für die Sioux der „Groß-Angreifer“?

Das Schloss des „Groß-Angreifers“ (Quelle)

Kein geringerer als Franz Xaver, der diesen Namen wohl verdient. Da die Sioux anscheinend alles Fremde irgendwie in ihre Sprache zu übersetzen pflegten, erhielt der größte Missionar der Neuzeit den Namen „Watekpeya Tanka“ (der „Groß-Angreifer“). So war auch die Sioux-Ausgabe eines Bildbands überschrieben, der 1922 in vielen verschiedenen Sprachen erschien. 
Schön erklärte mit dessen Hilfe der Katechist Alex einigen jungen Männern den Seeleneifer des hl. Franz Xaver: „Schaut auf Xavers Schloss; großmächtig, reich – und das hat Watekpeya Tanka (der Groß-Angreifer) alles dran gegeben, um in die große Welt zu gehen und Seelen zu retten. Seht, er sucht Seelen, lehrt sie die Lehren des Heilandes und baut seine Kirche auf!“…


(Quelle: die katholischen Missionen, 1925)

Samstag, 4. Oktober 2014

Großes Franziskus-Fest bei den Menominee-Indianern in Wisconsin


Im Jahr 1882 kam P. Blasius Krake nach Keshena und übernahm Schreiber dieses [P. Zepyhrin Engelhardt O.F.M.] die Leitung der Mission als Oberer. Bekanntlich fiel in dasselbe Jahr die 700-jährige Gedächtnisfeier der Geburt des hl. Franziskus von Assisi. Der P. General des Franziskanerordens hatte gemäß der Bewilligung des Heiligen Vaters Leo XIII. eine dreitägige Andacht in allen Kirchen des Ordens vorgeschrieben, um dieses wichtige Ereignis feierlich z begehen. Demgemäß wurde diese Feierlichkeit auch in Keshena vorbereitet. Wir lassen hier einen Auszug aus dem lateinischen Bericht über die stattgehabte Feier folgen:

„Das Zentenarium unseres hl. Vaters Franziskus ist auch in Keshena bei den Indianern des Stammes der Menominees unter großem Zulauf des Volkes und mit aller möglichen Feierlichkeit begangen worden. Um die Festlichkeit zu erhöhen, wurde bei dieser Gelegenheit das 40-stündige Gebet eingeführt. Diese Andacht, sowie auch das Leben und Wirken des hl. Franziskus war den Indianern bisher gänzlich unbekannt und daher auch die Erklärung der Festlichkeiten in der Sprache der Indianer recht schwer. Nicht ohne Furcht und Zagen verkündeten deshalb die Patres in den verschiedenen Missionsstationen einen Monat vorher die 700-jährige Jubelfeier, sowie die des 40-stündigen Gebets. Doch kamen die Indianer während der dreitägigen Feier zahlreich aus allen Teilen der Reservation nach Keshena, sowohl um das allerheiligste Sakrament auf eine ihnen früher unbekannte Weise zu verehren, als auch an der Verherrlichung des hl. Vaters Franziskus Teil zu nehmen.

Alle besuchten wiederholt die Kirche und sehr viele empfingen andächtig die heiligen Sakramente der Buße und des Altars, obschon manche noch drei Tage vorher am Patronatsfest des hl. Michael zu den heiligen Sakramenten gegangen waren. Damit während der Aussetzung des Allerheiligsten nicht eine genügende Anzahl Anbeter fehle, beteten oder sangen einige Familien, deren Namen auf einer Tafel verzeichnet standen, der Reihe nach Gebete oder Gesänge in ihrer Muttersprache. Die Kirche, der Hochaltar und das Bild des hl. Vaters Franziskus waren von den Mitgliedern des Frauenvereins auf möglichst herrliche Weise geschmückt. Täglich war um 9 Uhr feierliches Leviten-Hochamt, bei welchem zwei Laienbrüder und mehrere Indianer-Messknaben dienten und die Indianer eine Choralmesse des römischen Graduale ohne Orgelbegleitung sangen.

Täglich hielt der P. Präses eine kurze Anrede über das Geheimnis und die Anbetung des allerheiligsten Sakraments in der Sprache der Indianer, mit Ausnahme des letzten, des eigentlichen Festtages, des 4. Oktober, wo eine längere Predigt über das Leben des hl. Franziskus und über die drei von ihm gestifteten Orden stattfand, in welcher namentlich der dritte Orden desselben weitläufiger erklärt und die Frömmeren unter den Menominees zum Anschluss an denselben eingeladen wurden. Diese Predigt hatte denn auch den glücklichen Erfolg, dass bald nachher zwei wahrhaft fromme Witwen als die ersten Töchter des hl. Franziskus das Kleid des dritten Ordens empfingen. Abends um 7 Uhr war Vesper, bei welcher die Antiphonen, Psalmen und Hymnen von den Indianern abwechselnd gesungen und der Gelegenheit entsprechende Unterweisungen vom P. Präses in der Menominee-Sprache erteilt wurden. Nach dem Segen mit dem Allerheiligsten gingen die Patres mit den Chorknaben zum schön geschmückten Bild des hl. Franziskus, um daselbst den Hymnus zu Ehren des Heiligen Vaters zu singen.
Mit großem Trost sahen die Patres, dass die Indianer während aller drei Tage besonders zur Vesper und zum Segen die Kirche zahlreich besuchten und während einer Stunde oder länger vor ihrem im allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Gott ihre Gebete verrichteten. 

Am Schluss der Festlichkeit, am Abend des dritten Tages, war, wie am Anfang, Prozession mit dem Allerheiligsten durch die Kirche, an der sich alle Anwesenden, brennende Kerzen in ihren Händen tragend, beteiligten. Der Anblick dieser Prozession war wunderschön. 
Man wurde unwillkürlich an die Wohnung der Engel erinnert, wie der P. Präses auch den Indianern am Schluss andeutete, indem er diese zugleich ermahnte, so zu leben, dass sie verdienten, den himmlischen Chören einst beigezählt zu werden. Die Indianer staunten und verhielten sich wie stumme Bewunderer. 
Zwei Worte nur fanden sie, um ihrem Staunen Ausdruck zu geben: ‚Käz onät! Käz onät!‘ d. h., ganz schön! ganz schön!‘ Nie zuvor hatten sie ähnliches gesehen. 

Nach dem Segen mit dem Allerheiligsten wurde dem versammelten Volk der päpstliche Segen erteilt, dann das Scheiden des hl. Franziskus mit dem Franziskus-Lied gesungen und die ganze Feier mit dem Te Deum beschlossen. So endete die 700-jährige Jubelfeier des hl. Franziskus unter den Menominees. 
Für den glücklichen Verlauf derselben sei Gott und der unbefleckten Mutter Gottes Lob und Ehre; der hl. Vater Franziskus aber möge die Mission seiner Söhne unter den Menominee-Indianern beschützen und erhalten!“


(Aus: die katholischen Missionen, 1885)