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Donnerstag, 5. Januar 2023

Missionarische Deckenfresken in Dillingen

 Dillingen spielt in der Geschichte des Jesuitenordens eine bedeutende Rolle. Die Kleinstadt an der Donau war eine der Wirkungsstätten des heiligen Peter Canisius. Auf ihn geht die Gründung des dortigen Jesuitenkollegs zurück. In Dillingen war es auch, wo Stanislaus Kostka diesen zweiten Apostel Deutschlands aufsuchte und in den Jesuitenorden eintrat.

Die Anfang des 17. Jahrhunderts entstandene „Studienkirche“ unter dem Titel Mariä Himmelfahrt ist ein lebendiges Zeugnis des apostolischen Geistes der Jesuiten. Drei der vier großen Deckenfresken im Joch des Langhauses, gemalt von Christoph Thomas Scheffler im Jahr 1751, zeugen von ihrem missionarischen Wirken in Asien, Amerika und Afrika.


Das Bild von Asien zeigt den heiligen Franz Xaver in der Mitte unter dem Banner der Immakulata, daneben den hl. Paul Miki und seine beiden Mitbrüder, die in Japan den Martertod erduldeten. Zu Füßen des Asienapostels kniet der bekehrte Fürst von Satsuma in Japan, während im Hintergrund Pater Adam Schall von Bell vor der Jesuitenkirche von Peking den Chinesen predigt.

In Amerika ist es der heilige José de Anchieta, der nicht nur die Einheimischen, sondern auch wilde Tiere wie Jaguare und Schlangen mit seiner Predigt anzieht. Im Hintergrund trägt der Paraguay-Missionar Pater Anton Sepp eine schwarze Madonna nach dem Vorbild unserer lieben Frau von Altötting zur Kirche Maria de Auxilio in Porto Seguro empor. Rechts wird der Martertod des seligen Inácio de Azevedo und seiner 39 Gefährten gezeigt, die bei der Überquerung des Atlantiks vor Brasilien von kalvinistischen Seebeutern ermordet wurden.


Die Reihe der Missionäre schließt der weniger bekannte Gonçalo da Silveira, der zunächst Provinzial in Indien war und ab 1560 im südlichen Afrika wirkte, wo er Nogomo Mupunzagato, König des Mutapa-Reiches (heutiges Simbabwe und Mosambik), taufte. Auf Anstachelung muslimischer Araber von der Küste ließ der König Pater da Silveira im darauffolgenden Jahr erdrosseln. Im Hintergrund ist Andrés de Oviedo, einstmaliger lateinischer Patriarch von Äthiopien, auf seinem Bischofsthron mit Pallium und Rauchmantel dargestellt.

Mit den sehr lebendigen Fresken haben die Jesuiten ihren bekannten und weniger bekannten Missionären ein schönes Andenken gesetzt und vielen Generationen die Bedeutung der katholischen Missionen vor Augen gehalten.


Samstag, 14. Januar 2017

Ein Koloss der Heiligkeit – der heilige Justin de Jacobis



Aus der Bücherbesprechung des Werks Le vénérable Justin de Jacobis, premier Vicaire Apostolique de l’Abyssinie:

Der ehrwürdige Justin de Jacobis gehört zu jener Klasse von Menschen, die unter dem unscheinbarsten Äußeren eine Heldenseele bergen. 

„Ein Koloss an Heiligkeit“, wie Kardinal Massaia, der Apostel der Gallas, sich ausdrückte, war er auch ein großer Mehrer des Reiches Christi im wahrsten Sinne des Wortes. Mit großem Geschick hat Larigaldie das Bild des ersten Apostol. Vikars von Abessinien gezeichnet. Wir erleben gleichsam mit dem Missionär Freud und Leid, teilen mit ihm die ungeheuren Strapazen des Apostolats und gehen mit ihm in Kerker und Bande. 30.000 Seelen, das war die Ernte seiner Arbeit, als er verlassen in einem ausgetrockneten Flussbett seine Seele aushauchte. 

Wohl brachte die folgende Zeit den Lazaristen, den Mitbrüdern des Bischofs, manchen harten Schlag, ja sie finden sich heute noch vor gewaltigen Hindernissen; aber das Beispiel des Heiligen, der hier litt und stritt, lässt ihren Mut nicht erlahmen. Bücher, wie das vorliegende, sind eine wahre Seelenlabung.

(Aus: die katholischen Missionen, 1913)


Wer mehr über diesen „Koloss der Heiligkeit“ erfahren möchte, kann dazu die dreiteilige Serie Der heilige Justin de Jacobis – Apostel Äthiopiens lesen: Teil 1Teil 2Teil 3

Dienstag, 13. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 2)


Fortsetzung von hier

1868 finden wir den unermüdlichen Bischof im Königreich Schoa, im südlichen Teil von Abessinien, wohin ihn der katholikenfreundliche König Menelik berufen hatte. Menelik liebte und schätzte den seeleneifrigen und treuherzigen Kapuzinerbischof wie einen Vater, und unter dem Schutze des Fürsten entwickelte sich eine blühende Missionstätigkeit.

Leider verlor im Jahr 1878 König Menelik durch einen unglücklichen Krieg mit dem mächtigen, herrschsüchtigen Kaiser Ati Johannes von Abessinien seine Selbstständigkeit, und die unter unsäglichen Opfern gegründete Mission wurde das Opfer einer durch den Hass des schismatischen Klerus entzündeten Verfolgung. Über deren Ursachen, Verlauf und die Leiden des ehrwürdigen, von Alter gebeugten Missionsbischofs haben wir seiner Zeit ausführlich berichtet.

Zum siebten Mal verbannt, trat Msgr. Massaia über Jerusalem die Rückreise nach Europa an. Mit Jubel empfing ihn das italienische Volk; der Heilige Vater Leo XIII. überhäufte ihn mit Auszeichnungen, machte ihn zum Titularerzbischof von Stauropolis und ernannte ihn am 10. November 1884 zum Kardinal. Staunend vernahm der verdiente, greise Missionsbischof in seiner ärmlichen Kapuzinerzelle zu Frascati die Nachricht seiner Erhebung.

Hier in Frascati besuchten ihn einst einige Studenten des englischen Kollegs. 
„Wir fanden ihn an einem kleinen, ärmlichen Tisch sitzen. Auf seinem Schreibpult lag, wie ein großes Kontobuch, ein mächtiger Band Manuskripte. Die Zelle war arm und schmucklos, eine echte Kapuzinerzelle. Der nackte Ziegelboden ohne Spur von einem Teppich, zwei Rohrstühle, ein Armsessel, zwei kleine, niedrige Bänke, etwa in der Art, wie man sie in Wartezimmern dritter Klasse findet, das war die ganze Ausstattung. Das einzige Zeichen seiner Würde war der Bischofsring. Im Übrigen trug er die gewöhnliche braune Kapuzinerkutte. Mit großer Lebhaftigkeit sprach er über England, ‚das Land des Apostolats in der Hand der Vorsehung‘ und über die Aussichten der afrikanischen Mission.

‚Nun gut!‘ so schloss er, ‚hier bin ich jetzt, ein alter Mann, der letzte der Bischöfe Gregor XVI. Manches ist anders geworden, seitdem ich fort war. Italien ist kaum wiederzuerkennen. Die Zeiten für die Kirche sind andere geworden. Italien hatte einen großen Ruhm, ihm besonders eigen; er ist im Augenblick umwölkt, aber ich hoffe für die Zukunft. Ich werde es nicht erleben, ich bin zu alt, um irgendetwas zu erwarten. Inzwischen bereite ich mich hier im ruhigen Heim meiner Mitbrüder auf die große Reise vor, gehe ein wenig im Garten spazieren, bete und schreibe ein bisschen.‘ 

Das ‚Bisschen‘ ist nichts weniger als das wahrhaft monumentale Werk seiner Memoiren, die er auf besonderen Wunsch des Heiligen Vaters unter dem Titel: ‚30 Jahre [eigentlich 35 Jahre] als Missionär in Äthiopien‘ (I miei trentacinque anni di missione nell'alta Etiopia) begonnen*. Sie werden, einmal vollendet, eine Fundgrube historischer, linguistischer, geographischer und ethnologischer Aufschlüsse über die wenig bekannten Länder bilden. Von Hilfswerken und Materialien war nichts zu sehen. Alles ist aufgespeichert in seinem alten, frischen, treuen Gedächtnis.“

Nebenbei war Kardinal Massaia ein tätiges Mitglied der Propaganda und mehrerer anderer Kongregationen. Um seine sichtlich abnehmenden Kräfte etwas herzustellen, zog er sich nach Amirante, an den herrlichen Meerbusen von Neapel, zurück.

Bei all den vielen Auszeichnungen und Ehrenbezeigungen, die dem hochverdienten Mann von allen Seiten zu Teil wurden, blieb er in seiner Lebensweise und seinem ganzen Auftreten immer der schlichte, prunklose, kindlich fromme Kapuziner. Trotz seines hohen Alters und seiner rasch zunehmenden Gebrechlichkeit schlief er nie anders als in seiner rauen, unbequemen Kutte auf einer ärmlichen, dünnen Matratze. Wenn ihn die vielen Besuche gestört, holte er noch am späten Abend den Rosenkranz und seine anderen gewohnten Gebetsübungen nach. Bis zum letzten Abend behielt er seine volle geistige Frische und jugendliche Lebhaftigkeit, die in Verbindung mit Herzensgüte und väterlichem Wohlwollen sein ganzes Wesen so gewinnend und anziehend machte.

Die Nachricht von seinem Tod rief in ganz Italien außerordentliche Teilnahme wach. Selbst die liberalen Blätter konnten einem der größten Missionäre dieses Jahrhunderts ihre Hochachtung und Verehrung nicht versagen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

*Das Buch gibt es bei archive.org

Hier noch einige interessante Fotos von Kardinal Massaia.

Montag, 12. September 2016

Große Missionsbischöfe: 30 Jahre in Äthiopien – Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar der Gallasländer (Teil 1)



Am 6. August [1889] ging zu Amirante, einem Dörflein bei Neapel, Se. Eminenz Kardinal Guglielmo Massaia O.F.M. Cap. zur ewigen Ruhe ein, im 81. Jahre seines Alters und im 44. seines Episkopates.

Geboren zu Piovà in der Diözese Asti (Piemont), am 8. Juli 1809, trat Guglielmo Massaia bereits als Jüngling von 17 Jahren zu Turin in den Orden der Kapuziner ein. Zum Priester geweiht, lehrte er mehrere Jahre Philosophie und Theologie in den Ordenshäusern von Moncalieri und Turin. In letzterer Stadt lernten ihn zwei Prinzen aus dem Hause Savoyen, Victor Emanuel und dessen Bruder Ferdinand, Herzog von Genua, kennen und wählten ihn zu ihrem zeitweiligen Gewissensführer. Wiederholt wurde der junge Ordensmann von der piemontesischen Regierung auf die Bischofsliste gesetzt, schlug aber beharrlich diese Würde aus.

Im Jahr 1849 hatte der französische Reisende M. d’Abbadie die Aufmerksamkeit der Propaganda Fide auf die Gallasländer, südlich von Abessinien, hingelenkt, welche, einst blühende Stätten christlichen Lebens, jetzt aus dem Gesichtskreis Europas fast verschwunden waren.

Durch Dekret vom 30. April 1846 errichtete Gregor XVI. das neue Apostol. Vikariat der Gallasländer. Dasselbe wurde der italienischen Kapuzinerprovinz anvertraut, P. Massaia zum ersten Apostol. Vikar ernannt und am 4. Mai zum Bischof von Cassia i. p. i. konsekriert. 

Es würde uns zu weit führen, die Schwierigkeiten dieser Mission durch Schilderung der unsäglich traurigen politischen und religiösen Verhältnisse dieser Länder des Näheren nachzuweisen. Vier Jahre lang versuchte der neue Apost. Vikar umsonst, in sein Missionsgebiet einzudringen. In der Zwischenzeit gründete er die zwei Kapuzinermissionen in Aden und auf den Seychellen, kehrte 1850 nach Europa zurück, um in Lyon und Paris von dem Verein der Glaubensverbreitung die nötige Unterstützung sich zu sichern, und machte einen zweiten vergeblichen Versuch, in die Gallasländer einzudringen, indem er den Nil bis Fasoglo hinauf fuhr.

Im Jahr 1852 versuchte Massaia, als Kaufmann verkleidet, durch Abessinien sich durchzuschleichen, wo der Negus Theodor, durch seine schismatischen Abuna [Bischöfe] aufgestachelt, auf den Kopf des katholischen Bischofs einen Preis gesetzt hatte. Glücklich entrann der mutige Missionär den Häschern und es gelang ihm, in der Provinz Gudru festen Fuß zu fassen. Hier entwickelte er nun trotz beständiger Verfolgung und den härtesten Entbehrungen eine rastlose Tätigkeit. Bis 1855 entstanden fünf blühende Gemeinden.

„Statt auf dem hohen Katheder der Philosophie und Theologie“, schrieb er am 14. Juli 1856, „sitze ich hier inmitten meiner kleinen Knaben und lehren sie buchstabieren. Dabei treibe ich alle möglichen Handwerke und bin zur selben Zeit Buchdrucker, Schneider, Bildhauer, Arzt, ja selbst Schuster usw.“ 

Von Gudru dehnte er seine Wirksamkeit über die Nachbarländer aus. Auch von dem König von Kassa erhielt er einen Ruf, wurde aber von dem argwöhnischen und treulosen Kleinfürsten in Ketten nach Gingire abgeführt und wäre hier verschmachtet, wenn nicht der Negus von Enarea, in dessen Gebiet er sich behufs Gründung einer Mission vorübergehend aufgehalten, sich seiner angenommen hätte.

Die beständigen Hetzereien, die ermüdenden, gefahrvollen Reisen durch die heißen, ungesunden Landstriche hatten seine Kraft gebrochen. P. Coccino, einer seiner ersten Begleiter, musste als Koadjutor einen Teil der Last ihm abnehmen. Kaum von seiner Krankheit genesen, trat er eine neue Reise nach Rom an. Um nicht in die Hände des Königs Theodor zu fallen, der ihm seit Jahren nach dem Leben trachtete, durchwanderte er als Bettler verkleidet zur Nachtzeit das Land, wurde aber diesmal aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen. Drei Monate lang hatte er hier Unsägliches auszustehen, bis er durch die kräftige Vermittlung des französischen Konsuls die Freiheit wiedergewann. Während seines zeitweiligen Aufenthalts in Europa gab er unter anderem eine Grammatik der Amhara-Gallasprache heraus, die 1867 zu Paris im Druck erschien.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Fortsetzung hier

Freitag, 27. Mai 2016

Ein jugendlicher Glaubenszeuge aus Äthiopien


Aus der Katholikenverfolgung Anfang des 20. Jahrhunderts:

„Ein Beispiel, welchen Mut auch junge Christen bei den peinlichen Verhören beweisen, erzählt P. Basilius. Als der noch jugendliche Nikolaus Membru, wie es scheint, der Sohn des […] Alaka Sahale, der früher schismatischer Geistlicher war, dem Abuna [Bezeichnung für Priester, hier ein Schismatiker] selbst vorgeführt und gefragt wurde: warum er katholisch sei, erwiderte er: 

„Ich bin katholisch, weil mein Vater mich diese heilige Religion gelehrt hat. Ihr wisst, dass mein Vater hier im Lande ein angesehener Doktor gewesen ist. Er selbst hat lange nach einer wahrhaft heiligen Religion, die rein wie Gold und strahlend wie die Sonne wäre, gesucht, und er fand sie in der Religion der römischen Kirche. Die Religion meines Vaters soll auch die meinige sein. Hoffet ja nicht, dass ihr mich zur Erlernung und zur Annahme eines anderen Glaubens verleiten könnt.“

„Wie wagst du es“, fiel einer der Richter ein, „du, noch fast ein Kind, in solcher Weise zu unserem Abuna zu reden?“ – „Hast du denn  nicht gelesen, was im Evangelium geschrieben steht: ‚Führt man euch vor den Richter, so denket nicht, was ihr sprechen, noch was ihr antworten sollt. Es wird euch im Augenblick das Rechte eingegeben werden, und nicht aus euch werdet ihr sprechen, sondern der Geist meines Vaters wird aus euch sprechen‘.

„Weshalb ist dein Vater nach Rom gegangen?“ – „Weil das Evangelium sagt: ‚Wenn man euch an einem Orte verfolgt, so fliehet in einen anderen.“ – „Gib uns die Namen derjenigen an, welche vorgeben, zu katholischen Kirche zu gehören.“ – „Frage darüber den Abba Andreas (Msgr. Jarosseau O.F.M. Cap., der Apostolische Vikar); das ist eine Sache, die ihn angeht.“

Es ist ein Jammer, dass dieses Volk der Abessinier mit seinem kraftvollen Wesen und seinem tiefreligiösen Sinn dem Schisma verfallen ist. Welch wertvolle Hilfe könnte Abessinien, einmal bekehrt, bei der Evangelisierung Afrikas, zumal des nahen Sudan, leisten! Seit 400 Jahren bemüht sich die katholische Mission, den hartnäckigen Widerstand des Schismas zu brechen. Das Volk ist gut und würde in Masse der wahren Kirche sich zuwenden, wenn es frei sich entscheiden könnte. Hoffen wir, dass die langsam ins Bergland vorrückende Kultur demselben auch das einzige bringt, dessen die Mission bedarf, die Religionsfreiheit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Montag, 6. Oktober 2014

Bilder: Missionsbischöfe aus der Congregatio Missionis (Lazaristen)


Erzbischof Augustin-Pierre Cluzel, apostolischer Delegat in Persien  (1882). Stattliche Stola!
Msgr. Jean-Jacques Crouzet (1933) war nacheinander Apostolischer Vikar in Äthiopien und Madagaskar. Er setzte einen äthiopischen Priester, Abba Pietro, auf Madagaskar ein, von dem er sagte, er arbeite soviel wie drei französische Missionare und würde von den Einheimischen wegen dem ähnlichen Charakter und der dunklen Hautfarbe besser angenommen als die europäischen Priester.
Nochmal Msgr. Crouzet

Msgr. Jean-Joseph-Georges Deymier, Erzbischof von Hangzhou (1956)


Msgr. Johann Baptist Wang (†1951), Bischof von Ankwo. Was gibt es Passenderes, als im Land der Seide eine Cappa Magna zu tragen! 

Freitag, 3. Oktober 2014

Zum 88. Jubiläum der Seligsprechung des äthiopischen Märtyrers Abba Ghebre Michael


Heute ist nicht nur das Fest der h. Theresia von Lisieux, der Patronin der Missionen, sondern auch der 88. Jahrestag der Seligsprechung des äthiopischen Priesters und Märtyrers Ghebre Michael durch Pius XI am 3.10.1926.

Ghebre Michael wurde im Jahr 1788 in Mertule Mariam im Norden des heutigen Äthiopiens geboren. Er wurde koptischer Mönch und war bereits damals für seine Gelehrtheit angesehen und zeichnete sich durch echte Wahrheitssuche aus. 

Durch den Kontakt mit dem heiligen Apostol. Vikar von Abessinien, Justinus de Jacobis, bekehrte er sich nach einer gemeinsamen Romreise im Jahr 1844, wurde bedingungsweise von de Jacobis getauft und am 1.1.1851 zum Priester geweiht. Er verfasste in Ge’ez, der liturgischen Sprache Äthiopiens, eine Grammatik, ein Wörterbuch und einen Katechismus und arbeitete im Seminar in Alitiena an der Heranbildung des einheimischen Klerus. Dem Lazaristenorden, aus dem der hl. Justinus de Jacobis stammte, gehörte er nicht offiziell an, er wird aber von den Lazaristen wie einer der ihren verehrt. 

Besonders ausgeprägt war sein Wunsch, sein irrendes Volk zu bekehren.
Auf Betreiben des schismatischen Patriarchen Abuna Salama, eines echten Katholikenhassers, wurde er gefangengenommen und sollte durch Drohungen und Versprechungen zur Aufgabe des katholischen Glaubens gebracht werden. Doch er blieb standhaft. Auf das Angebot von Reichtümern, wenn er den Glauben des Patriarchen annehmen würde, erwiderte er bloß: „Ich will weder deinen Glauben noch deinen Besitz.“ 

Die Foltern, die er über sich ergehen lassen musste, waren extrem, unter anderem wurde er mit Giraffenschwänzen gepeitscht, deren Haare hart wie Drähte waren. Einmal wurde er so sehr geschlagen, dass man dachte, er würde sterben, doch Ghebre Michael stand wie durch ein Wunder ohne eine sichtbare Verletzung auf. 
Der Kaiser verurteilte ihn schließlich zum Tode, allerdings wurde diese Strafe durch Einspruch des britischen Konsuls in das lebenslange Tragen von Fesseln umgewandelt. 

Bei einem Gefangenenmarsch brach der ehrwürdige Greis schließlich entkräftet zusammen und starb am 28. oder 29. August 1855.


Seine Seligsprechung erfolgte über ein Jahrzehnt vor der des hl. Justinus im Jahre 1939, sein Festtag ist der 30. August. Möge der sel. Ghebre Michael ein Fürsprecher für die Einheit der Kirche, die Bekehrung der Schismatiker und die Verteidigung der katholischen Wahrheit sein!


(Quellen: Lexikon für Theologie und Kirche, Band IV; Blessed Ghèbre-Michael: “The truth will make you free” von James Cahalan C.M., Serie über den hl. Justinus de Jacobis)

Montag, 29. September 2014

Wie Kaiser Menelik von Äthiopien ein außergewöhnliches Geschenk an Pius X. geistreich erklärt


(…) Die fremden Gesandtschaften nahm er mit großer Freundlichkeit auf und erwiderte die Geschenke ausländischer Fürsten mit Gegengeschenken. In frischer Erinnerung ist noch das Löwenpaar, das Menelik dem Heiligen Vater Pius X. übersandte. 
Der Negus meinte, er könne in seinem ganzen Reich kein passenderes Gegengeschenk für den Heiligen Vater, vor dessen Stimme die Welt erbebe, ausfindig machen als Königslöwen, vor deren Donnerstimme die Wüste erzittert.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Donnerstag, 31. Juli 2014

Zum Fest des großen Äthiopienapostels Justinus de Jacobis

der hl. Justinus de Jacobis, Apost. Vikar von Abessinien
Da dieser große Afrikamissionar und Apostel Äthiopiens viel zu wenig bekannt ist, hier nochmal ein Verweis auf die dreiteilige Serie über sein Leben und Wirken (hier, hier und hier)


Das Banner zur Seligsprechung unter Pius XII. Links unten ist ein äthiopischer Priester in weiß mit Palmzweig dargestellt; es handelt sich um den seligen Abba Ghebremichael, den der hl. Justin zum katholischen Glauben bekehrte und der später unter schrecklichen Qualen das Martyrium erlitt.

heiliger Justinus, bitte für uns!


Sonntag, 25. Mai 2014

Wie die britische Kolonialmacht auf einen Schlag die Kapuzinermission in Somaliland vernichtete

P. Evangelist OFM Cap. mit einigen Somalis, darunter seinem Sprachlehrer

Vor einigen Monaten brachten diese Blätter die kurze Nachricht von der Zertrümmerung der Somali-Mission. Nunmehr liegen genauere Mitteilungen über die rätselhafte Tat der britischen Schutzherrschaft im Somali-Land vor.

Am 13. März 1910 erhielt der Obere der Somali-Mission den Befehl des englischen Statthalters, Sir William Manning, innerhalb einer Woche die Station Schimbiraleh aufzulösen und das ganze Missionspersonal nach Berbera an die Küste zu befördern. Als Grund dieses unerwarteten Beschlusses gab er wichtige politische Interessen an. Sofort tat P. Etienne O.F.M. Cap. Schritte, um den Abzugstermin wenigstens einige Tage hinauszuschieben; aber der Statthalter bestand auf eiliger Räumung des Postens. So mussten denn die Patres ihre schönen Schaf- und Ziegenherden, aus deren Ertrag sie die Waisenanstalt unterhalten hatten, um einen Spottpreis losschlagen und die unter großen Mühen errichteten Gebäulichkeiten und angelegten Pflanzungen der Wildnis und dem Verfall preisgeben. Auf 60 Kamele packten sie im Verein mit den Schwestern auf, was in der Eile zusammengerafft werden konnte, und am festgesetzten Tag langten die Kapuziner mit ihren Kindern, etwa 120 an der Zahl, in Berbera an.

Hier hofften sie ein ruhiges Heim, wo sie die Rückkehr ins Innere des Somalilandes in Geduld abwarten könnten, zu finden; aber gerade in Berbera stand ihnen der Hauptschlag bevor. Am Abend des Palmsonntags hörten die Patres plötzlich schwere Schritte. Sie traten vor das Haus und sahen, wie eine Abteilung indischer Truppen sich vor das Klösterchen postierte. 
Drohte Gefahr? Oder was bezweckte der Statthalter? Des anderen Morgens beschied Sir William Manning den P. Etienne zu sich und eröffnete ihm, alle Missionäre hätten jede Tätigkeit einzustellen und Berbera zu verlassen. Es seien Unruhen im Land ausgebrochen, und er habe den Patres am verflossenen Abend eine Schutzmannschaft schicken müssen. Seine Regierung verlange energisch den Abzug der Kapuziner.

P. Etienne vermochte sein Erstaunen über diese Eröffnung nicht zu unterdrücken. Von Unruhen war ihm nichts bekannt, und seit 18 Jahren, d. h. seit Eröffnung der Mission, hatten die Patres nie unter ernsten Feindseligkeiten der Somalis zu leiden gehabt. Vergebens erhob er Einspruch gegen diese gewalttätige Art des Vorgehens, vergebens erschien Bischof Clark O.F.M. Cap., Apostolischer Vikar von Arabien und Somaliland, um Berbera zu retten. 
Der Statthalter griff zu Drohungen, und so blieb den Patres nichts anderes übrig, als sich nach einem Zufluchtsort umzusehen.

Anfangs dachte Msgr. Clark daran, seine Leute mit nach Aden zu nehmen. Aber die Stadtobrigkeit widersetzte sich energisch der Einfuhr von Somalis. So reiste denn einer der Missionäre, P. Irenäus, nach Harar, ins Reich des Kaisers Menelik (Äthiopien), um vom Apostol. Vikar Jarosseau O.F.M. Cap. Aufnahme in dessen Sprengel zu erwirken.

Unterdessen bemühten sich die Patres, von der englischen Schutzherrschaft Entschädigung für die großen Verluste, die sie durch die plötzliche Vertreibung erlitten hatten, zu erhalten. Nach langen und oft peinlichen (d. h. anstrengenden bzw. schwierigen) Unterhandlungen wurde schließlich eine Summe für die verlassenen Gebäulichkeiten in Schimbiraleh ausbezahlt, da die Regierung sich bei Gründung der Anstalt vertragsmäßig zur Herausgabe der Baukosten verpflichtet hatte, falls die Patres auf höheren Befehl das Haus räumen müssten. 

In einer anderen Angelegenheit zeigten sich die Beamten rücksichtsvoller und geneigter. Es stand nämlich zu befürchten, dass die Verwandten der Waisenkinder Schwierigkeiten gegen die Abreise ihrer Stammesgenossen erheben und die Kinder zur Rückkehr in die Heimat zwingen könnten. Aber die Beamten stellten derartige Forderungen an die klagenden Somalis, dass kein einziges Kind der Mission entzogen wurde.

Voll Spannung warteten nun die Missionäre auf die Antwort aus Abessinien. Endlich lief die telegraphische Meldung ein: „herzlich willkommen“. In Eile wurde ein Schiff gemietet, und am 3. Mai stießen die vertriebenen Kapuziner vom Strand ab, um sich über Dschibuti ins Innere des Landes Ourso zu begeben. Überall fanden sie freundliche Aufnahme, sowohl von den englischen und abessinischen Beamten als von ihren Mitbrüdern, und ein Franzose schenkte ihnen ein weites Grundstück, groß genug, um von dessen Ertrag die ganze Mission zu ernähren. Die Mission im Somaliland war zerstört; aber das Somalivolk war nicht verlassen. Der Somalistamm im Gallaland hatte durch den Sturm Glaubensboten erhalten.

Die wahre Ursache der Vertreibung der Kapuziner aus dem englischen Somali-Schutzgebiet bleibt bis heute unaufgeklärt. Von Anfang an zeigte sich die britische Regierung ungemein nachgiebig gegen die muselmännische Bevölkerung, und in Streitigkeiten zwischen Christen und Mohammedanern ergriffen die Beamten regelmäßig Partei für letztere. Die vorgeschützten „wichtigen politischen Interessen“ werden wohl mit dieser Begünstigungspolitik den Mohammedanern gegenüber im engsten Zusammenhang stehen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Donnerstag, 17. April 2014

Wie Kardinal Massaia seine Oromos zu Priestern ausbildete – das Ergebnis: ein äthiopischer „Pfarrer von Ars“

Guglielmo Kardinal Massaia O.F.M. Cap., ehemaliger Apostolischer Vikar der Gallasländer (heute Teil von Äthiopien)

(…) Massaia befolgte bei der Erziehung der einheimischen Priester eine ganz ähnliche Methode, wie er sie in der Schule de Jacobis‘ gelernt hatte. Er wählte sich aus seinen Gallajünglingen (Galla ist eine alte Bezeichnung für den äthiopischen Volksstamm der Oromos) die tüchtigsten aus und hatte sie stets um sich. Las er die heilige Messe, so mussten sie genau auf alles acht geben. Massaia machte alle Zeremonien langsam und sprach jedes Wort deutlich aus, so dass seine Gallas gut folgen konnten. Spendete er die heiligen Sakramente, so mussten sie teilnehmen und sich alles ansehen und merken.
Diejenigen, die bereits Weihen hatten, ließ er täglich, mit Dalmatiken bekleidet, mit an den Altar treten, damit ihnen so die heiligen Handlungen und Zeremonien in Fleisch und Blut übergingen. 
Abends sammelte er dann die Jünglinge um sich und erklärte ihnen die Bedeutung der Zeremonien und die sich anschließenden theologischen Fragen. Alles dies nicht in einer gelehrten, schulmeisterlichen Weise, sondern kurz, klar, bündig, der Fassungskraft seiner Zuhörer und den Bedürfnissen der schlichten, ungebildeten Bevölkerung entsprechend, unter welcher sie später wirken sollten.

Sein Hauptaugenmerk war nicht auf eine allseitige wissenschaftliche Ausbildung gerichtet, die hier unnütz, ja hinderlich schien, sondern auf die sittliche religiöse Erziehung. Vor allem suchte er sie mit wahrer Liebe zu Christus und feurigem apostolischem Eifer zur Verbreitung seines Namens zu erfüllen.
Die so erzogenen Priester waren keine Gelehrten, aber tüchtige, brauchbare Mitarbeiter. 

Mehr wie einem hat der greise Kirchenfürst später in seinem Buch ein schönes Denkmal gesetzt. „Jung an Jahren“, so erzählt er zum Beispiel, „war Morka ein Alter an Verständigkeit und Tugend…Während der kurzen Zeit seines Wirkens wurde er für seine Gallas ungefähr das, was der Pfarrer von Ars für die Franzosen seiner Zeit (war). Schlichtheit und Offenheit des Wesens, priesterliche Gesinnung und apostolischer Eifer ersetzten bei ihm reichlich den Mangel an Schulbildung und Wissen.“


Während von den europäischen Missionären mehrere ihrem Beruf wenig Ehre und ihrem Bischof schweren Kummer machten, bewährten sich die von Massaia selbst erzogenen einheimischen Priester vorzüglich. Gleich die beiden ersten, Abba (Pater) Mikael Haylu und Abba Johannes leisteten beim Aufbau der Mission unter den Gallas und in Kaffa ganz wesentliche Dienste. 

Mehrere starben als Bekenner Christi, andere trugen an ihrem Leibe zeitlebens die Spuren der um des Glaubens willen erlittenen Misshandlungen. Sie waren es, die auch hier während der Verbannung der Missionäre mutig auf ihren Posten ausharrten und den völligen Ruin der Mission aufhielten. (…)

(Aus: Der einheimische Klerus in den Missionsländern, von Anton Huonder S.J., 1909, mit Imprimatur)

Donnerstag, 2. Januar 2014

„Die Sprache eines Märtyrers altchristlicher Zeiten“ - Brief eines seeleneifrigen äthiopischen Priesters an seinen Mitbruder


Die Kapuzinermission unter den Galla hat den Tod zweier seeleneifriger Veteranen zu betrauern. Es sind dies Abba Fezzah und Abba Elias, beide dem einheimischen Klerus angehörig. Abba Fezzah war der erste oder zweite von Kardinal Massaja, dem Apostel der Galla, geweihte einheimische Priester. 
Er erreichte ein Alter von 90 Jahren und konnte an seinem Lebensende auf ein 56-jähriges opferreiches Priestertum zurückblicken. 
Abba Elias war jünger, hatte aber auch 30 Jahre in Metscha als seeleneifriger Priester gewirkt. 

Den wahrhaft heroischen Geist beider Priester zeichnet so recht ein Brief, den Abba Fezzah an Abba Elias vom Kaiserreich Kaffa aus geschrieben. Man glaubt darin die Sprache eines Märtyrers altchristlicher Zeiten zu vernehmen. 

„Zu unserem tiefen Bedauern“, schreibt Abba Fezzah im Jahr 1892, „Hörten wir, dass Kumsa, der Häuptling Ihrer Christengemeinde, Sie gefangen setzte und auch aus dem Land verwies. Diese Verfolgung musste Ihnen jedoch anderseits zu großem Troste gereichen, da Sie dadurch gewürdigt wurden, Ihrem göttlichen Erlöser ähnlich zu werden. Ich verstehe und teile Ihre Freude mit Ihnen. 

Auch wir in Kaffa wurden um keines anderen Vergehens willen als wegen unseres Glaubens in Ketten gelegt, geschmäht und wie gemeine Sklaven behandelt. 
Mit uns schmachteten viele Christen im Gefängnisse als Opfer des Hungers, des Durstes, der Kälte und aller Schmähungen der Ungläubigen. 

Einige von ihnen hatten um des Namens Jesu Christi willen unter unseren Augen die grausamste Marter zu erdulden. Den einen hackte man die Hände, anderen die Füße ab. Wieder andre wurden unter den Streichen von Flusspferdpeitschen das Fleisch in Fetzen vom Leib gerissen. 
Vielen Christen wurden die Glieder mittels dünner Stricke zusammengeschnürt, so dass sie den Tod diesen Qualen vorzogen. Da wir aber all das um der Sache Jesu Christi willen litten, so freuen wir uns in unseren grässlichen Peinen. 

Und die Ursache der ganzen Verfolgung? Als im Jahre 1889 eine Seuche Menschen und Tiere dahinraffte, forderte ich alle auf, sich taufen zu lassen und durch Buße den göttlichen Zorn zu besänftigen. 
Durch Gottes Huld hörte man auf meine Stimme, und die Herzen wurden gerührt. Tausende von Gläubigen eilten von allen Seiten herbei. 

Während langer Monate unterrichtete und taufte ich Tag und Nacht die Katechumenen. Nach einiger Zeit ergrimmten der Tato (Kaiser) Gallito und sein Kanzler, der Katama-Rascha, in heftigem Zorn gegen mich. 
Sie zogen mich vor ihren großen Rat zur Verantwortung. ‚Warum verkündest du‘, fragten sie mich, ‚dass Gott, um die Sünden der Menschen zu züchtigen, Himmel und Erde zerstören wird? Warum hast du die Sklaven und Leute des Königs getauft?‘ – ‚Ich spende allen ohne Unterschied die Taufe‘, entgegnete ich, ‚weil ich Gott gehorchen muss, der uns befiehlt, alle zur Taufe zuzulassen, welche danach verlangen.‘
Auf diese Antwort geriet der Tato in Wut und ließ mich ohne Verzug einkerkern. Hier erduldeten wir alle Verfolgungen und Qualen, von denen ich Ihnen gesprochen. Ich schmachte ein ganzes Jahr und vier Monate in Ketten.“

Der Tod des Gallito im Jahr 1890 brachte dann dem Missionär und den Christen die Freiheit. 300 Christen verließen das Gefängnis, 8 waren im Kerker der Marter erlegen. 
„All diesen mutigen Seelen“, fährt Abba Fezzah fort „stelle ich vor Gott wegen ihres Heldenmutes, ihrer Tugenden und ihrer Liebe zu Jesus Christus offenes Zeugnis aus, und mit meiner Stimme vereint sich die von ganz Kaffa, sie zu segnen und zu beglückwünschen. 

Gott sei Dank, Kaffa, das uns sonst so viel Leid zugefügt hat, ist heute ganz umgewandelt. 
Die Liebe des Priesters ist für die, welche Jesus Christus angehören – und ihrer sind sehr viele , wie Honig und Milch; aber für die anderen, die Ungläubigen, ist seine Gegenwart bitter wie Galle. Gelobt sei unser Herr Jesus Christus, der uns heimgesucht, den Sieg verliehen und den Mund der Gottlosen geschlossen hat.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Dienstag, 18. Juni 2013

„Das muss die wahre Religion sein, wir könnten nicht so viel aushalten“ - Katholikenverfolgung in Eritrea


Bereits in der Februar-Nummer berichteten wir die Vernichtung der Missionsstation Keren, welche der Besetzung Massauas durch die Italiener und den infolge davon zwischen Abessinien und Italien ausgebrochenen Feindseligkeiten zuzuschreiben ist. Nachträglich teilt uns P. Picard noch das folgende schöne Beispiel von heldenmütiger Glaubenstreue mit, welche die Katholiken von Keren bei dieser Gelegenheit bewiesen haben:

„Am 23. August letzten Jahres wurde unser Haus zu Keren von fünfhundert abessinischen Soldaten umstellt. Sämtliche Mitbrüder versammelten sich hierauf im Diwan, wo die Bewaffneten eingelassen wurden. Der Hauptmann sagte uns: ‚Wir kommen im Namen Ras Alulas, um alle abessinischen Katholiken, die bei euch sind, sowie die Priester, Seminaristen und Schwestern in Ketten zu legen. Euch Europäer wir man samt euren Gütern und Häusern in Frieden lassen.‘ 
Auf meine Frage nach einem Brief des Königs antwortete der Anführer: ‚Wir haben ausdrücklichen Befehl, ihr müsst ihm nachkommen.‘ 

Es blieb nichts übrig, als unsere vierzig Seminaristen, die Priester, Waisenkinder und etliche Diener zu rufen. Darauf beschied man die vierzehn katholischen Familien des Dorfes, die Schwestern und die Arbeiterinnen her. Uns führte man aufs Feld, wo jeder nach Heimat, Religion und Zeitpunkt seiner Ankunft in Keren ausgeforscht wurde. 
Danach wurden Seminaristen und Priester gefesselt. ‚Heute Abend oder morgen früh geht es fort,‘ lautete der Befehl, ‚am Freitag habt ihr vor dem König zu erscheinen.‘

Die Greise, die Schwestern und die katholischen Familien wurden gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt. Tags darauf, es war Mittwoch, zogen unsere Kinder zu je zwanzig, zwei und zwei aneinander gekettet, nach Asmara. Herr Jougla und ich folgten mit Mundvorrat für die Reise. Das Wetter war hübsch und die Wege ziemlich gut. Auf jeder Station verrichteten wir gemeinsame Andachtsübungen und beteten den heiligen Rosenkranz. Am Freitagmorgen trafen wir in Asmara ein. 

Umgeben von zahlreichen Priestern und schismatischen Mönchen, empfing uns der König nicht gerade unfreundlich. Nach halbstündigem Warten, während dessen man zehn Peitschen und zehn Knuten zurechtgelegt hatte, durften wir vortreten. Auf Befehl des Ras rief ich meine Priester, Seminaristen und die übrigen Katholiken. Hierauf nahm ich das Wort und sagte: ‚Fürst, wir sind mit des Königs Erlaubnis in Abessinien; denn so lautet sein Bescheid: Zu Keren, Acrur und Alitiena erteilet Unterricht und seid meine Freunde. Wir haben allezeit den Willen des Königs erfüllt.‘ Danach wurde jeder einzelne nach seiner Heimat und dem Namen seines Vaters ausgeforscht. 

Nach diesem Verhör fuhr Ras unseren Gesangslehrer an: ‚Warum bedeckst du deinen Kopf? Packt ihn, prügelt ihn.‘ Gesagt, getan! Der Mann wurde festgebunden und erhielt 143 Hiebe. Dreimal fragte man ihn dazwischen nach der wahren Kirche. ‚Die katholische Kirche ist die wahre Kirche‘. Da fuhr Ras auf. ‚Gebt ihm hundert, zweihundert Schläge, aber kräftig.‘
Endlich ließ man ab, den mutvollen Bekenner länger zu peinigen; denn man fürchtete, er werde sterben; das Blut rann ihm vom Leib und das Fleisch hing in Fetzen herab. Selbst die Schismatiker sagten leise für sich: ‚Das muss die wahre Religion sein, wir könnten nicht so viel aushalten.‘

Jetzt mussten wir uns zurückziehen. Während man achtundzwanzig Kinder in Ketten legte, nahmen wir den misshandelten Bekenner in Pflege. Erst einen Monat später war er wieder hergestellt. Elf Tage blieben unsere Kinder gefesselt; dann ließ man auch sie, und zwar ohne Bürgschaft, los. Ein Mönch nur blieb im Gefängnis zurück; auch er verharrt treu im Glauben.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Sonntag, 19. Mai 2013

Der Vater der äthiopischen und eritreischen Zisterzienser

Der ehrwürdige Diener Gottes, P. Felix Maria Ghebre Amlak OCist.
In Äthiopien und Eritrea gibt es insgesamt fünf oder sechs Zisterzienserklöster, die wohl nicht bestehen würden, wenn Gott nicht diesen eritreischen Priester zum Zisterziensermönch berufen hätte. Eine kurze Lebensgeschichte gibt es bei Biographia Cisterciensis.

Über den großen Apostel Äthiopiens, St. Justinus de Jacobis, gibt es hier mehr.


Sonntag, 3. März 2013

Der heilige Justinus de Jacobis - Apostel Äthiopiens (Teil 3)

Santo Stefano degli Abissini, die Nationalkirche der katholischen Äthiopier in  Rom und älteste Kirche im Vatikanstaat. Sie wurde im 5. Jahrhundert gebaut und im 15. Jahrhundert von Papst Sixtus IV. den (äthiopischen) koptischen Mönchen Roms übergeben. (Quelle: @@@@)
Fortsetzung von hier

Nun sollte ein wichtiger Teil von Justinus' Apostolat folgen, der sich weder in Äthiopien, noch überhaupt in Afrika abspielte. Es war die von den Schismatikern so gefürchtete Pilgerreise nach Rom!
Die Pilgergruppe wurde von Papst Gregor XVI. in besonderer Audienz empfangen, bei der der heilige Justinus dolmetschte. Der heilige Vater sprach lange mit den afrikanischen Pilgern und diese zeigten sich über die große väterliche Liebe und das Interesse, das er an jedem von ihnen hatte, äußerst beeindruckt. 

Einige Wochen später empfing er sie erneut im Vatikan, und schenkte jedem, gemäß seinem Rang, Medaillen und Kreuze aus Gold und Silber und übergab ihnen einen freundlichen Brief an Ras Wube, zusammen mit einigen Geschenken. Rom muss einen tiefen Eindruck auf die Äthiopier gemacht haben.
Sie verließen die ewige Stadt nach dem Papstsegen mit dem Schwur im Herzen, für den Papst und noch viel mehr für den katholischen Glauben das Martyrium zu erleiden, wie es schließlich beim seligen Abba Ghebre Michael auch der Fall war, aber dazu später mehr.



Papst Gregor XVI

Nach ihrer Rückkehr nach Äthiopien trug die Pilgerfahrt ihre Früchte, denn durch das Zeugnis der Reisenden konnten viele der Vorurteile beseitigt werden und der Katholizismus konnte sich frei entfalten.
Ras Wube schenkte der Kirche ein Gebiet, das 13 Dörfer umschloss und frei von jeder Besteuerung sein sollte.
P. de Jacobis schrieb Katechismen und ein Buch in den wichtigsten Sprachen Äthiopiens; diese Schriftstücke sollten die weit verbreiteten religiösen Irrtümer bekämpfen. Die Menschen verschlangen diese Bücher förmlich und belohnten so die unbeschreiblichen Mühen von Justinus schon auf Erden.


Nun machte er sich wieder auf die Suche nach Seelen, um sie zurück zur Mutterkirche zu führen, und wandte sich dabei an die orthodoxen Mönche, die in abgelegenen Klöstern  lebten, oder sogar auf hohen Felsplateaus, wie es beim Kloster Debre Damo (heute orthodox) der Fall ist:





Bei den Mönchen eines anderen Klosters, Gunda Gunde, war Justinus erfolgreich. Der Abt, Mamer Walda Ghiorgis, sah schon einige Zeit die Irrtümer der Orthodoxie und wartete auf eine Gelegenheit, in Union mit der katholischen Kirche zu treten. Leider fiel das Kloster nach seinem Tod wieder ab.

Im Jahr 1847 erreichten ihn aus Rom die Nachricht, dass der Heilige Stuhl wünscht, dass er zum Bischof von Nilopolis und apostolischen Vikar von Äthiopien geweiht würde. Seine große Demut, wegen der er bereits als junger Mann versucht hatte, der Priesterweihe zu entgehen, sorgte jetzt dafür, dass er sich zu Füßen des späteren Kardinals Massaia, dem Präfekten der Gallasländer, der ihn Weihen sollte, warf, bitterlich weinte und sich aller Sünden anklagte, die er im Leben begangen hatte.
Ein Jahr später hatte sich seine Einstellung noch nicht geändert. Nun schrieb ihm Massaia, dass er zwar durch seine große Demut nicht Bischof werden würde, aber dass ein Missionsbischof kein Bräutigam, sondern ein Opfer sei und sich nicht mehr gegen das wehren solle, was Massaia als Willen Gottes erkannt hatte.
Daraufhin willigte Justinus ein, da 
aber der Bischof fürchtete, er könnte seine Meinung wieder ändern, wollte er ihn noch in der selben Nacht weihen, obwohl in der Stadt Kämpfe zwischen Christen und Muslimen herrschten. 


Die Bischofsweihe des heiligen Justinus de Jacobis (dass ein Kapuziner mit zwei Revolvern im Strickgürtel Wache stand, hatte ich bis jetzt noch nicht gelesen)

So musste eine Bischofsweihe im Verborgenen gehalten werden, ganz ohne Prunk, denn Massaia hatte nur zwei äthiopische Priester als Assistenten, und bei der Weihehandlung musste er Justinus seine eigene Mitra aufsetzen, den eigenen Bischofsring anstecken, das eigene Brustkreuz umhängen und den eigenen Hirtenstab in die Hand geben.
Nach der Weihe legte Justinus wieder die ärmlichen äthiopischen Gewänder an; Pontifikalornat trug er entgegen der idealisierten Darstellungen des Heiligen in seinen über 10 Jahren als Bischof nie. So bewahrheitete sich Kardinal Massaias Ausspruch über den Missionsbischof als Opfer.


Es folgten einige ruhige Jahre, doch schon braute sich der Sturm der Verfolgung zusammen. Diese sollte besonders von dem ungebildeten schismatischen Bischof von Äthiopien, dem Ägypter Abuna Salama III. ausgehen, der sich vor allem durch seinen Hass auf die katholische Kirche hervortat.


Der neue Kaiser Tewodros II. schlug eine Disputation zwischen Salama und Justinus vor, doch Salama missfiel diese Idee sehr und bedrohte Tewodros mit kirchlichen Strafen, falls dieser Justinus nicht verbannen würde.



Kaiser Tewodros II. mit seinen gezähmten Löwen
Dieser fürchtete Salama, wohl nicht wegen Kirchenstrafen, sondern wegen der politischen Unruhe, die dadurch enstehen könnte. So übergab er Justinus und seine Gefährten Salama, der sie trennte und in verschiedene Gefängnisse werfen lies.

Die innere Zerrüttung seines Reiches war groß, denn Muslime kämpften gegen Christen und die Christen waren unter sich ebenfalls uneins. Deswegen lies Tewodros von Abuna Salama ein neues Credo aufsetzen, auf das jeder schwören sollte. Dieses war wohl so häretisch, dass auch die gelehrtesten Orthodoxen ihm entschieden widersprachen. Tewodros, mit Pistole in der Hand, drohte all denen, die dem Abuna widersprachen, mit Folter, Gefangenschaft und selbst dem Tod.

Und was war mit den Katholiken? Justinus und seine katholischen Gefolgsleute bekannten feierlich den Glauben der heiligen römisch-katholischen Kirche, wofür sie wieder Gefängnis und Folter dulden mussten. Ghebre Michael, der erste äthiopische Priester, den Justinus weihte, ein Greis von hoher Geburt und großer Gelehrtheit, wurde auf schrecklichste Art und Weise fast zu Tode geprügelt und verlor dabei ein Auge. Seine Folterknechte peitschten ihn mit einem Giraffenschwanz aus, dessen Haare wie Drähte wirkten.  Er wurde in Ketten gelegt und starb vor Erschöpfung.

der selige Ghebre Michael 


In Ketten

Auch Justinus wurde inhaftiert, konnte aber wohl mit Hilfe seiner Bewacher, die ihn wegen seiner Heiligkeit bewunderten, entkommen. Wurde er wieder festgenommen, wiederholte sich dasselbe Spiel.


Doch das harte Missionsleben sollte seinen Tribut fordern. Er ging noch ein letztes Mal auf eine Missionsreise und musste im Dorf Hebo halt machen. Entkräftet setzte er sich auf einen Stein und bereitete sich auf den Tod vor.
Er rief einen Beichtvater und versammelte die Mönche, um sie noch einmal zu ermahnen, ihrer Berufung treu zu bleiben, die Nächstenliebe zu üben und sich allen Weisungen des Papstes zu unterwerfen und seinen Bischöfen und Priestern in Äthiopien Gehorsam zu leisten. Darauf erteilte er ihnen den feierlichen Segen. Alle Anwesenden, Mönche, Kinder und selbst Moslems brachen in Tränen aus, und küssten seine Hände und Füße.

Danach empfing er die letzte Ölung. Ausgestreckt auf dem glühend heißen Boden, mit ruhiger Miene trotz seiner großen Leiden, antwortete er in Ge'ez den Sterbegebeten des äthiopischen Priesters. Zur Überraschung aller kniete er sich anschließend nieder und  bat um Verzeihung für die Ärgernisse, die er gegeben hat. er nannte sich den größten Sünder und sagte, dass seine einzige Hoffnung die Verdienste und Leiden unseres Heilands sowie die Fürsprache der lieben Gottesmutter und des heiligen Vinzenz von Paul (dem Ordensgründer der Lazaristen) seien.

Betete für mich, meine Kinder, denn ich sterbe. Ich werde euch nicht vergessen, ich werde immer für euch beten, betet für mich. Gott segne euch alle. Das waren seine letzten Worte. Es war der 31. Juli 1860, in seinem sechzigsten Lebensjahr, 21 Jahre nach seiner Ankunft in Äthiopien.

Nach vier Jahren wurde sein Grab geöffnet. Der Leichnam war unverwest.


Reliquien des hl. Justinus de Jacobis in Hebo
Die Früchte seines Apostolats sind die Errichtung der äthiopisch-katholischen Kirche mit heute knapp 230.000 Gläubigen und der eritreisch-katholischen Kirche im Jahr 1993. 


Heiliger Justinus de Jacobis, bitte für uns und Deine Kinder in Äthiopien und Eritrea!

(Quelle: Artikel "No greater Love" aus Catholic, Buch Saints of Africa, Vincent J. O' Malley C.M., Bilder mit freundlicher Erlaubnis von Father John Rybolt C.M. )

Nachfolgend noch ein Link zur Ansprache von Benedikt XVI. an die Mitglieder des päpstlichen Äthiopischen Kollegs, die wohl auch die Redemptoristen von Papa Stronsay dazu gebracht hat, den Artikel zu schreiben, der meine Hauptquelle für diese Serie war.