Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Donnerstag, 15. Juni 2017

Gewaltiges Fronleichnamsfest im kongolesischen Dschungel


Abend des Fronleichnamsfests! Die Sonne verschwindet hinter den Urwaldbäumen. Nun ist es wieder möglich, ohne Tropenhelm in der Wundernatur zu wallen. Die Prozession zieht aus der Kirche, glanzvoll und licht, in den stillen Abend hinaus unter frommem Sakramentsgesang.

Voran die Kinder weiß gekleidet, Blumen streuend, Palmen schwingend, Hosanna singend. Dann umringt von 32 Messdienern mit Rauchfässern, Schellen, Leuchtern, der Traghimmel, und unter ihm die Missionare mit dem Allerheiligsten. Es folgen 6000 Kerzenträger, Männer und Frauen. Der Zug geht durch die Palmenalleen zu dem Riesenaltar hin, der dort am Urwaldrand aufgebaut ist und im Glanz von 300 Ölfackeln strahlt. Nieder kniet im Lichtmeer die Menge, des Segens harrend, während aus der Dunkelheit drüben die Heidenaugen aufleuchten und sich fragen: „Was soll das bedeuten? Etwas Göttliches muss das sein!“

Woher haben alle diese Leute ihre Kerzen hier in Afrika?

Sie hatten mit einem portugiesischen Handelsmann einen Kontrakt geschlossen: „So und so viel Palmenkerne, Kopal und Elfenbein verschaffen wir dir, wenn du uns für Fronleichnam europäische Kerzen besorgst.“

Außer einem prächtigen Fest brachte mir das noch einen Vorteil: sie nahmen die Kerzenreste nicht mit nach Hause, sondern legten sie zusammen zu Füßen des Altares, um den Gottesdienst weiterhin zu verherrlichen.


(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln, leicht angepasst)

Donnerstag, 4. August 2016

Relikte der katholischen Königreiche am Kongo

Wappen von König Afonso I.

Die alten „christlichen Königreiche“ von Angola, Benguela usw., die im 16. und 17. Jahrhundert am Kongo entstanden und deren schwarze Herrscher Don Alonso [sic, eigentlich Afonso], Pedro, und wie sie alle heißen, das Christentum als Staatsreligion einführten, gingen nach einer kurzen Glanzperiode bereits im 18. Jahrhundert wieder unter. Nur Ruinen bezeichnen noch die Stätten, wo einst die prächtigen Hauptkirchen standen. Sonst ist die alte Herrlichkeit spurlos verschwunden.

Indessen finden sich unter den heidnischen Nachkommen der ehemaligen Christen auch heute noch manche Erinnerungen an die alte Zeit. Dies ist besonders bei den Asolongo-Negern der Fall, die am belgischen Unterkongo, namentlich aber auf portugiesischem Gebiet wohnen. Alle wissen, dass der Mensch von Gott geschaffen ist und dass die Seele nach dem Tod entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt. Sie kennen Desu (= Don Jesu) und glauben an seine Gottheit. Die Bedeutung des Namens Madia (= Maria) dagegen ist in Vergessenheit geraten.

Ein Untergebener begrüßt seinen Vorgesetzten mit den Worten: Nsambi* ukal‘ aku, „d. h. Gott sei mit dir“, worauf der andere den gleichen Spruch antwortet. Jeder Häuptling besitzt ferner unter den Abzeichen seiner Würde ein Kruzifix und einen oder zwei große Rosenkränze. Vermutlich rühren diese Gegenstände noch von den alten Missionaren her. Jedenfalls vererben sie sich von Geschlecht zu Geschlecht. Man behandelt sie mit großer Ehrerbietung und lässt sie nur in der Morgenfrühe, und zwar nur Eingeweihte, sehen. Zur Eröffnung oder zum Schluss größerer Volksversammlungen ergreift der Oberhäuptling mit beiden Händen das Kruzifix, das sog. Santu Manuele (= St. Emanuel), und bewegt es nach Art der Segenserteilung in Kreuzesform hin und her. Die Männer klatschen bei dieser Zeremonie in die Hände und murmeln ein Gebet.

Durchgängig nehmen die Asolongo die katholischen Missionäre freudig auf und betrachten sie als rechtmäßige Nachfolger ihrer alten Nnanga Nsambi*, d. h. Priester.

(Aus: die katholischen Missionen, 1910)


* Zambi oder Zambu war die Bezeichnung der Heidenvölker am Kongo und in Kamerun für den Schöpfergott (siehe dazu die Werke von P. Joseph Fräßle und Msgr. Franziskus Hennemann). Es handelt sich hier wohl um eine weitere alternative Form.

Samstag, 18. Juni 2016

Die Dankbarkeit im Kongo

Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet über seine Mission im Kongo:

Der Negerdank, wo er ihrem Empfinden entspricht, bricht sich spontan durch. Als ich mit P. Wulfers einmal dessen ehemalige Mission Romee durchfuhr, kamen die Eingeborenen, sobald sie ihren alten Missionär erblickten, in hundert Kanus ans Schiff herangefahren, holten ihn herunter, führten ihn ins Dorf und trugen ihn über eine tausendköpfige, jauchzende Menge die Straße hinauf bis ans Ende der Ortschaft, und alles Volk schrie: „Unser Vater ist er und unser Lehrer, der beste Mensch, den die Erde trägt!“ Ein Baumkahn brachte ihn dann dem vorbeifahrenden Schiffe nach, während alles Volk am Ufer noch lange rief: „Du musst zu uns zurückkehren! Wir sind dein Volk!“


Ein über siebzig Jahre alter Mann ließ sich von seinen Enkeln vier Tage weit durch den Wald zu mir tragen:

„Ich habe gehört, du gehest zu deinen Brüdern heim“, sagte er zu mir. „Diese böse Botschaft ließ mir keine Ruhe: ich muss dich noch einmal sehen und dein Bild tief in mein Herz eingraben, damit ich es nie vergesse; denn du bist der Vater meiner Seele.“

Drei volle Tage saß nun der alte Mann auf dem Boden in meiner Empfangshalle und beobachtete mich, ohne mich aus dem Auge zu verlieren – seine Enkel sorgten ihm derweilen für Nahrung. Dann aber stand er auf, nahm meine Hand, drückte sie innig und lange, wie ich es nie erfahren hatte, schaute mir tief ins Auge und sprach: 

„Du hast meiner Seele Gutes getan. Durch dich bin ich Gottes Kind geworden. Das sollst du in Europa deinen Brüdern sagen und deiner Mutter und sie alle von mir grüßen. Wenn du aber wieder kommst, bring mir ein Kreuzlein mit, dass ich es anschaue, wenn ich bete, und sterbend es in Händen halte.“

(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche, Herder, Freiburg, 1926)


Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Entbehrungen und Freuden des Afrikamissionars



„Große Opfer“, berichtet der Missionär [P. Joseph Fräßle S.C.J.] weiter, „verlangt das Apostolat in Zentralafrika. Schon das Klima setzt dem Europäer heftig zu. In den 20 Jahren der Missionstätigkeit am Kongoflusse haben Malaria, Schwarzwasserfieber und Dysenterie über 200 jugendliche Apostel jäh ins Grab gestürzt. Die Wohnungen bieten für gewöhnlich nicht den nötigen Schutz, und die Nahrung, die meistens aus Maniokwurzeln, Fischen und Bananen besteht, vermag den raschen Kräfteverfall durch das Tropenklima nicht zu hemmen.  Dazu bereitet die große Armut der Evangelisation viele Hindernisse. Hätten wir Mittel zum Reisen, fünfmal mehr Erfolge könnten wir erzielen.

Und wie steht’s nun mit meiner Missionsstation? Monatelang fuhr ich in meiner Piroge stromauf, stromab, um die Dörfer zu gewinnen. Oder es ging auf den engen Pfaden der Wilden, gebückt und in Schweiß gebadet, durch den Urwald, über Baumwurzeln und gefallene Waldriesen, über Termitenhügel und durch Ameisenprozessionen, durch Sümpfe bis unter den Arm, durch Bäche bis an den Kopf, sieben, acht, neun Stunden lang. Da winkt denn bald ein knurrender Gorilla mit dem Knüttel, oder eine Elefantenherde versperrte den Weg. Die Neger aber drohten anfangs in den Dörfern beim Absteigen mit Lanzen oder warfen brennende Holzscheite auf mein Fahrzeug oder liefen davon. Wo ich Zutritt erhielt, war erst eine Hütte der Wilden meine Wohnung. Im Freien fand Unterricht und Gebet statt, bis ich mit eigenen Händen einen Schuppen aus Pfählen und Blättern errichtet hatte. Verstand und Herz öffneten sich allmählich, als die Leute die Werke sahen, die die neue Lehre gebietet: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So mancher, der unter dem harten Joch von Häuptlingen oder Arabern gelitten hatte, schloss sich dem Missionär an. Sie wurden mit den aus der Sklaverei losgekauften Knaben erzogen und bildeten den Kern, aus dem die erste christliche Gemeinde immer mehr emporwuchs. Die vor fünf Jahren gegründete Mission zählt heute 1.800 Christen und 3.000 Katechumenen, in 32 Ortschaften zerstreut, wo wir sie alle 2–3 Monate besuchen und unterrichten, die heiligen Sakramente spenden und die Prüfungen über Wissen und Leben jener anstellen, die um die heilige Taufe bitten. Für die Erprobten beginnt die nähere Vorbereitung auf das Sakrament der Wiedergeburt. Und fließt dann das Wasser auf die Stirn der leiblich und geistlich aus Sklavenketten befreiten Armen, so vermischen sich oft die Freudentränen des Missionärs mit denen seiner glücklichen Kinder. In solchen Augenblicken sind alle Mühen vergessen, ist der Lohn überreich, und der Missionär wäre bereit, noch zehnmal größere Opfer zu bringen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)


Samstag, 30. April 2016

Thereschen, ein Gotteskind

Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Krüppel findet man bei unseren Eingeborenen selten, weil sie dieselben gleich nach der Geburt wegwerfen. Einer heidnischen Mutter in Basajo war es trotz allem geglückt, ihr krüppelhaftes Kind zu verstecken und am Leben zu erhalten; der Vater war zudem bald nach seiner Geburt gestorben; es bestand keine Gefahr mehr für des Kindes Leben.

Diesem armen Mädchen standen die Füße nach innen, die Arme nach rückwärts, als wären sie verkehrt eingesetzt; auch waren sie in den Ellenbogen steif, und die Händchen hatten nur zwei bzw. drei Finger. Das Kind konnte also die Hände nicht zum Gesicht erheben, keine Nahrung zum Munde führen; es faltete die Hände auf dem Rücken, nicht vor der Brust.

Man kann sich denken, wie bei wilden Heiden ein solches Wesen das Gespött der bösen Kinder war, wie es überall fortgejagt und geschlagen wurde. „Eine böse Hexe bist du, ein ganz abscheuliches Tier; wir werden dich schon einmal umbringen!“ So rief man ihm überall zu. Wie hat es oft tagelang bitterlich geweint, wochenlang im Dunkel der Hütte seiner Mutter sich verborgen.

Da brachte ich den christlichen Unterricht nach Basajo. Das Mädchen lauschte auf, als es hörte, Gott schaue nicht auf die äußere Gestalt des Menschen, sondern beurteile sie nach ihrem inneren Wert, der allein ihr ewiges Los bestimmt. Das war eine frohe Botschaft für das krüppelhafte Kind. Keinen Tag fehlte es im Unterricht, bis es durch die heilige Taufe den schönsten Seelenschmuck der Gnade und Gotteskindschaft sich erworben hatte. Glück und Frieden waren jetzt in sein Herzchen eingezogen. Es hieß von der hl. Taufe ab Thereschen.

Seelenschönheit zu erhalten und zu vermehren war von da ab des Kindes Streben. Je mehr die Menschen es „abscheuliche Kreatur“ nannten, umso mehr suchte es Gott wohlzugefallen. Und weil der Seelenadel und der Sieg über erniedrigende Begierden nur mit Hilfe der Gnade gelingt, betete das Kind nicht nur tapfer zu Hause, sondern es war auch jeden Morgen um sechs Uhr schon in der 7 km entfernten Missionskirche. Selbst das schlechteste Wetter konnte es nicht von diesem Kirchengang abhalten. Aber da zwang uns höhere Anordnung, den Werktagsgottesdienst schon um halbsechs Uhr abzuhalten. Wie bitter weinte da Thereschen! „Ach nun wird sie mir geraubt, die Kraftquelle und Freude meines Lebens, nach der ich mich sehnte Tag und Nacht, die heilige Messe! Denn so früh können meine Füße den Weg nicht machen, und meine krüppeligen Hände können kein flammendes Holzscheit schwingen, mit denen andere zur Nachtzeit die Leoparden bannen!“ Dafür kniete Thereschen jeden Samstag und Sonntag stundenlang in der Kirche: sie empfing die hl. Sakramente.

Als ich es einmal unter der Kirchentür traf, frug ich: „Sag mir, Thereschen, verspotten dich die Leute immer noch wie früher?“ „Vater, Menschen, die Unglückliche verlachen, wird es immer geben. Doch ich mache mir nichts mehr daraus; bin ich doch Gotteskind! Körperschönheit ist mir zwar versagt – auch die der anderen Menschen dauert nicht. Mögen sie Zeit und Mühe darauf verlegen, um Menschen zu gefallen – ich will lieber darauf bedacht sein, wie ich Gott gefallen könne. Wie fühle ich mich doch so glücklich, seit ich weiß, dass sein Vaterauge auf mir ruht, sein Vaterherz mich liebt. Er soll von mir sprechen dürfen: da hab ich ein geliebtes Kind; an ihm habe ich mein Wohlgefallen.“

Offensichtlich half Gottes Gnade unserem Thereschen von Tugend zu Tugend zu schreiten. „Schau,“ sagte es zu mir ein anderes Mal, „früher wurde ich zornig, habe geweint oder geschimpft, wenn mich die Leute verspotteten und schlugen; jetzt aber denke ich: lass die Menschen nur spotten! Die Schönheit, auf die sie stolz sind, wird auch ihr Ende haben, vielleicht stehen sie dann noch elender da als ich, falls sie die Arbeit an ihrer Seele vernachlässigt haben. Ich schweige jetzt, suche meinen Zorn und meine Empfindlichkeit zu besiegen: jeder Sieg bringt übrigens Seelenstärke und Freude. Auch rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis zurück: Nur so viel ist der Mensch wert, als er in Gottes Augen gilt. Denke ich aber erst an unseren lieben Heiland, wie er verspottet, geschlagen und gekreuzigt worden ist, dann freue ich mich, wenn ich durch solche Leiden ihm ähnlich sein darf. Ich gebe mir Mühe, meinem Erlöser zu zeigen, dass ich ihn lieb habe: Ich schweige und dulde wie Er, und mit Ihm opfere ich meine Leiden dem himmlischen Vater auf für die Rettung der Heiden und Sünder. Kann es etwas Schöneres geben für ein Christenkind, als wenn es durch Leiden seinem gekreuzigten Heiland ähnlich ist?“

Sonntag, 17. April 2016

„Vater meiner Seele, der liebe Heiland lässt mir keine Ruhe mehr“

Die ersten einheimischen Priester von Belgisch-Kongo


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Schon lange hatte ich bemerkt, wie der elfjährige Andreas X. oft in stillen Stunden in der Nebenkapelle unserer Kirche allein vor dem Bronzekruzifix kniete, das wegen seiner braunen Farbe die Urwaldkinder weit mehr anzieht als andere. „Hier sehen wir so recht, dass der liebe Heiland unser Bruder ist“, sagen sie.

Stundenlang kniete Andreas da mit erhobenen Händen und zum Kreuz gerichteten Augen, indes sein ganzer Körper sich nach vorwärts und zum Heiland hinauf erhob; seine Lippen bewegten sich in emsigem Gebet, bis helle Tränen ihm über die braunen Wangen perlten.

Oft erbaute ich mich heimlich an der Andacht dieses Knaben und frug mich selber: Was mag wohl aus diesem Kinde werden, das die Liebe Christi so sehr erfasst hat? Eines Abends nun kam Andreas befangen aber freudig in meine Empfangshalle, und kniend sprach er: „Vater meiner Seele, der liebe Heiland lässt mir keine Ruhe mehr.“ „Wie? der Heiland! Das kann nicht sein! Er hat ja gesprochen: Kommt alle zu mir; ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“ „Du verstehst mich nicht, Vater! Der Heiland ruft, ruft bei Tag und Nacht; bald schlafe ich nicht mehr wegen dieses Rufens.“

Schon dachte ich an Samuel. „Was spricht der Herr? Wie lautet die Stimme in deines Herzens Mitte?“ „Sie spricht: Geh zu deinem Priester! Frage ihn, ob nicht auch ein Negerknabe Priester Gottes werden dürfe, um seine Stammesbrüder alle dem Erlöser zuzuführen! Hast du nicht selbst so zu uns einmal geredet?“ „O Kind, du hörst die Stimme einer hohen Gnade; sie kommt aus dem Erlöserherzen selber, kündet seiner Liebe unbegreifliche Erwählung. Doch wir müssen warten, ob sie sich auch ferner hören lässt. Wenn ja, dann will ich dich hingeleiten auf den Weg, der dich zum Altar führen wird. Beten wir, bis des Herrn Wille sich uns klarer kund tut.“

Monate vergingen. In der Seitenkapelle kniete Andreas alltäglich in der geschilderten Andacht. Da kam er eines Abends wieder zu mir. „Vater meiner Seele,“ sprach er, „jetzt ist es Zeit! Zeige mir den Weg! Heftiger als je pocht es in meiner Brust und ruft es: Folge mir!“

An eben diesem Tag war ein Schreiben meines Bischofs eingetroffen: Dem Wunsche des Heiligen Vaters gemäß soll versucht werden, ein Eingeborenen-Seminar zu gründen. Wer fromme und talentierte Negerknaben kenne, die vielleicht Beruf zum Priesterstand haben könnten, mögen dieselben schicken. Wunderbare Gottesfügung!

Mit dem ersten Schiff, das abging, fuhr Andreas zum Bischof, trat in das neue Knabenseminar ein, wurde der beste Student, sprach in wenigen Jahren tadellos Latein und wird mit Gottes Gnade bald der erste schwarzer Priester unserer Mission sein.

Donnerstag, 14. April 2016

Der kleine Karl aus dem Kongo verteidigt die Gottesmutter


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Im Dorfe Jamokonga am Kongostrand besitze ich ein Kirchlein aus Pfählen und einem Blätterdach darüber. Der Altar besteht aus vier Pfählen, auf denen grob zugehackte Bretter liegen. Über demselben hängt an der Lehmwand ein schönes Madonnenbild, „Maria, die Hilfe der Christen.“

Als an einem Sonntagnachmittag meine 120 dortigen Christen und die Taufschüler des Dorfes im Kirchlein den Rosenkranz zusammen beteten, kam ein Baumkahn voll singender Ruderer rasch über den Strom daher gefahren. Am Ufer vor dem Kirchlein legte er an, und es entstieg ihm ein Europäer. Dieser trat sofort auf die Kirchtür zu, blieb dort stehen und rief hinein: „Ha, da sind die, die eine Frau anbeten!“ Dann klatschte er die Ruderer zusammen und rief die Heiden des Dorfes herbei, trat wieder vor die Kirche und rief: „Schaut da die Frauenanbeter, und lacht über sie!“ Er meinte, damit katholische Religion wegen der Marienverehrung in den Augen dieser Heiden verächtlich machen zu können, weil bei ihnen die Frau ehrlos und rechtlos ist, nicht als Mensch gilt, gar sehr verachtet wird.

Den Christen kochte es in den Adern: sie stürzten heraus, umringten den Weißen, durchbohrten ihn mit ihren zornigen Blicken und alsbald pflanzte sich diesem Engländer gegenüber ein zehnjähriges Negerbüblein auf, das ihn nun keck anredete:

„Weißer, hast du auch eine Mutter, oder hat dich ein Hund geboren? Was sagst du dazu, wenn ich deine Mutter schmähe?“ „Probiere das einmal, du dreckiger Knirps! Dann haue ich dich mit diesem Stock in Stücke!“ „Wie, totschlagen willst du mich, wenn ich deine Mutter schmähe? Meinst du etwa, Jesus Christus, der Gottessohn hochgelobt ihn Ewigkeit, dessen Mutter wir ehren, den du aber abscheulich geschmäht hast, Er könnte, wenn Er einmal dein Richter sein wird, nicht auch einen Stock haben und dich in Stücke schlagen, wenn du seine Ihm liebe Mutter Maria beschimpfst, wo sie doch aller Ehre und Liebe würdig ist? Ersäufen wird Er dich wie eine Hundsgeburt in dem feurigen See, der Hölle heißt. Wir werden es sehen und wir werden rufen: Recht so! Denn Maria, die allerseligste Jungfrau, ist auch unsere, der Christen Mutter, und wir lieben sie, weil es auf der ganzen Erde keine Mutter gibt, so lieb, so gut, so fleckenlos und rein.

 – Und wie frech du lügen kannst! Hast du denn keine Ohren, um zu hören, was doch alle Leute hören? Haben wir etwa gesagt: Maria, Gott bist du, unser Schöpfer, unser Richter: wir beten dich an? oder haben wir nicht viel mehr gesprochen: Maria, Mutter, bitte für uns? – Kommt, christliche Brüder und Schwestern, lasst uns in die Kirche zurückgehen und weiter beten! Der Weiße soll hören und sich seiner Lüge schämen.“

Die Christen drängten in das Kirchlein zurück. Mit silberheller Stimme begann der Knabe vorzubeten: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern…“ Begeisterter als zuvor fielen alle Christen ein: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder…“

„Lokuta te = das ist keine Lüge!“ schrien nun alle Heiden, die vor der Kirche draußen neben dem Europäer standen. „Die Wahrheit ist es, was der kleine Karl gesagt hat! Sie ehren die Mutter des Erlösers, lieben sie wie ihre Mutter und erflehen ihre Fürbitte. Dein Wort aber, Europäer, entspricht nicht der Wahrheit!“


Der Engländer kehrte enttäuscht in seinen Baumkahn zurück und rief seine Ruderer zur Abfahrt. Unterdessen hatten die Christen ihren Rosenkranz vollendet, traten auf den Kirchplatz heraus, umklatschten ihren tapferen Wortführer und riefen: „Karl, du hast brav gesprochen, und der Geist der Kraft hat dich beseelt! Du hast den Heiland und uns erfreut, weil du seine und unsere Mutter verteidigt hast! Wer Maria schmäht, der hat es mit uns zu tun! Wir aber wollten doppelt treu zur guten Mutter unseres Erlösers stehen; denn ihr edles Vorbild macht uns zu wahren Christen.“

Freitag, 8. April 2016

Eifer für das Gotteshaus im Kongo


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo:

„Beim heutigen Wolkenbruch habe ich gesehen, wie ein paar Regentropfen durch das Dach eurer Kirche auf den Altar fielen. Liebe Leute, das darf nicht sein! Bessert das Dach aus und haltet eure Kirche Gottes würdig; denn er ist groß und heilig, und ihm gebührt Ehre.“

So hatte ich in Yambumba zu den Christen gesprochen und fuhr nun weiter flussaufwärts. Nach zwei Monaten glitt mein Einbaum am anderen Ufer hinab, und ich glaubte schon den Yambumba-Leuten unbemerkt entkommen zu sein. Da entstand Gejubel und Gongklang in ihrem Dorf, und herüber auf mich schossen ein Dutzend Kanus. „Du wolltest uns entfliehen? Wohl wegen dem Kirchendach? Glaubst du, das geht bei uns? Unser Auge beherrscht das Wasser. Wir haben dich nun! Du musst mit uns ins Dorf. Du musst die neue Kirche einsegnen!“ „Euer neues Kirchendach, wollt ihr sagen? Dafür kann ich nicht aussteigen! Ich muss heute nach Ilongo.“ Sie aber zogen meinen Einbaum an sich heran, sprangen hinein und ruderten mich dorfwärts ans Ufer, etwa 1 ½ Kilometer weit. Ich erklomm die Uferhöhe. Welch ein Leben! Tausend Hände waren an der Arbeit. Die einen ebneten den Boden, schafften Arbeitsreste fort; andere bemalten die Kirchenwände in sechs verschiedenen Farben mit Kreuzchen, Spitzen- und Blumenformen usw.; andere zimmerten den Altar, wieder andere suchten vielgestaltige Kieselsteinchen und stampften sie in den weichen Lehm des Bodens zu Mosaikgebilden. 


Wie staunte ich! In zwei Monaten hatte ein Geist, der in vierhundert Köpfen lebte, eine Pfarrkirche hervorgezaubert, und ich blieb natürlich, um sie einzuweihen, damit die Freude der Leute voll wäre. Yambumba hat die schönste Kirche am Lohali. Das ließ sich nicht jedes Dorf sagen. Auch sie ersetzen die alten Kirchen durch schöne neue. Es ging um die Wette, wer dem Herrn ein schöneres Gotteshaus erbauen könne.

(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln)


Mittwoch, 6. April 2016

„Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen“


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo:

Der hochwürdigste Missionsbischof kam, um die heilige Firmung zu erteilen. Die Christenmenge drängte sich auf allen Wegen und Arbeit gab es grenzenlos die ganze Woche vorher.

„Können alle diese Leute auch den Katechismus?“ frug der hohe Herr. „Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen.“ „Was tut er? Wir wollen es ihm zeigen! Wo sind unsere Katechisten? Wo bist du, Albert, du Leo, du, Karl?...“ So riefen alle durcheinander. „Kommt her, Brüder, wir stellen uns den Dörfern nach auf, jedes Dorf zu seinem Baba [Vater = Pater], und wir sagen die ganze Religion her. Der Bischof soll hören, ob wir was wissen.“ Bald standen die Christen von achtzig Dörfern in kurzen Abständen in den Alleen der Mission. Jung und Alt, Männer, Frauen und Kinder schrien Katechismus, Gebete und Lieder herunter, alles, was zwischen den Buchdeckeln stand; jedes Dorf suchte das andere zu übertönen und die Sache schneller herunterzuschmettern. „So was habe ich noch nie erlebt“, sprach Seine Gnaden. „Nie hätte ich das für möglich gehalten.“


(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln)

Sonntag, 15. November 2015

Große Missionsbischöfe: „Auch ich!“ – Msgr. Jean Louis Joseph Dérouet C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Loanga


In Französisch-Unterkongo sank am 4. März der Apostolische Vikar von Loango, Bischof Jean Louis Joseph Dérouet im kräftigen Mannesalter von 48 Jahren ins Grab (geb. 31. Januar 1866). Mit 24 Jahren (1891) war er als Mitglied der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist nach Afrika abgefahren. Bischof Carrie, einer der ersten Missionspioniere am Kongo, erkannte sofort die Talente, die den jungen Glaubensboten auszeichneten, und behielt ihn in der Zentralstation zurück. Hier sollte er an der Lösung der großen Frage zur Heranbildung eines einheimischen Klerus mitwirken, und er hatte die Freude, sieben Schwarze zur Priesterwürde führen zu dürfen. Er leitete als Oberer die Posten Buanza und Sette-Cama und von 1906 an die ganze Mission Loango. Seine Erhebung zum Apostolischen Vikar erfolgte im Jahr 1907. Seine Tätigkeit als Bischof kann, wie einer seiner Mitarbeiter im Weinberge des Herrn schreibt, zusammengefasst werden in den Satz: „Allen konnte er antworten, den unermüdlichen Missionären, den Sprachenforschern, den Theologen, den Predigern, den Männern der Feder und dem schlichten Manne mit dem Handwerkszeug: Et ego! ‚Auch ich!‘ [Anspielung auf 2 Cor 11,22] Oder vielmehr, er brauchte diese Antwort nicht zu geben; das waren allbekannte Tatsachen.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Samstag, 3. Oktober 2015

Die heilige Theresia von Lisieux, Patronin der Missionen


Die so beliebte Theresia vom Kinde Jesus, die heutige Tagesheilige, war und ist eng mit der Mission verbunden. Bereits ihre heiligen Eltern baten Gott um einen „kleinen Missionär“. Sie ahnten aber wohl kaum, dass es sich dabei um ihre jüngste Tochter handeln würde. Gerne wollte die hl. Theresia selbst in die Mission nach Vietnam. Sie sagte: „Ich möchte nach Hanoi gehen, um viel für den lieben Gott zu leiden; ich möchte hingehen, um ganz allein zu sein, um keinen Trost, keine Freude auf Erden zu haben.“

P. Adolphe Roulland M.E.P.

Der Wunsch nach der körperlichen Anwesenheit in den Missionsländern blieb ihr zwar verwehrt, auf Geheiß ihrer Oberin verband sie aber eine geistige Bruderschaft mit zwei Missionären, mit P. Roulland vom Pariser Missionsseminar in China und P. Bellière von den Weißen Vätern in Zentralafrika. Ihre Aufgabe war es, ganz besonders für die Mission dieser beiden Priester zu beten, im Gegenzug beteten die Missionäre für sie. Dem ersteren sagte sie, dass sie ihm Himmel viel nützlicher sein sollte. Und tatsächlich konnte P. Roulland nach ihrem Tod Folgendes berichten: „Ich kann bezeugen, dass in unseren japanischen, chinesischen und indischen Missionen der Glauben an die Macht der Fürbitte Schwester Theresias sehr verbreitet ist und dass sie einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die Bekehrung der Seelen und ihren Fortschritt in der Tugend ausübt. Besonders in Japan versichern viele der Trappistinnen, dass sie ihren Beruf der Fürbitte der Schwester Theresia vom Kinde Jesu verdanken, deren Leben sie gelesen haben.“

Msgr. Prosper Augouard C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Ubanghi

Auch in den Missionen der Weißen Väter wirkte ihre Fürsprache. So kamen zahlreiche Heiden von weit her, um in einer Mission am Religionsunterricht teilzunehmen, nachdem in fast allen Hütten der Christen und in den Räumen, wo der Unterricht stattfand, das Bild der Heiligen aufgehängt wurde. Der berühmte Missionsbischof Prosper Augouard, der im Kongo wirkte, bat 1910 die heilige Theresia, ihn von seinem Rheumatismus zu befreien, der ihn zur Tatenlosigkeit verdammt hätte, zog dann aber seine Bitte zurück zugunsten eines seiner Priester, der an der tödlichen Schlafkrankheit litt. Schließlich wurden beide geheilt und der Kirchenfürst machte eine Pilgerfahrt nach Lisieux, um für die gewährte Gnade zu danken. Auch bat er Papst Pius X., bald ihre Seligsprechung einzuleiten.

1927, zwei Jahre nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie von Pius XI. neben dem großen hl. Franz Xaver zur Patronin der Missionen erklärt.


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Mittwoch, 29. Juli 2015

Der Missionar – ein freiheitsliebender Abenteurer?


Man hat mir schon gesagt. „Euch ältere Missionäre zieht der Drang nach Freiheit in die Mission zurück.“ Freiheit? Gewiss, frische Luft atmen wir dort den ganzen Tag, nicht die verdorbene zwischen vier Wänden. Auch kann Eifer und Tatendrang, weil ungehemmt, dort Großes leisten – dem Bürokratismus sind die Tropen zu schwül. Im Übrigen aber befolgen wir von morgens halb fünf bis abends 10 Uhr eine straffe, anstrengende Tagesordnung: da fehlt keine Übung des religiösen Lebens – nur die nötige Erholungszeit! Unterricht und körperliche Arbeit folgen sich tagsüber, und die Nachtruhe wird meist noch gestört, weil die Schwarzen den Missionär als Arzt und Priester zu jeder Zeit und für jede Kleinigkeit rufen, nicht bloß in Lebensgefahr; an ihm daraus erwachsende Gefahren denken sie nicht.

Die zweite und dritte Ausreise fällt dem Glaubensboten meist schwerer als die erste, wo noch der Reiz der Neuheit und Erwartung ihn trägt. Was aber zieht ihn dennoch wieder in die Mission zurück? Er hat das Elend der Heiden geschaut und ein mitleidsvolles Herz glüht darum in seiner Brust. Hunger und Durst nach der erlösungsbringenden Lehre hat er bei den Naturvölkern gefunden, begeisterte Liebe für Christus und heldenhaften Opfersinn in Erfüllung ihrer Christenpflichten, dazu eine kindliche Anhänglichkeit und tätige Dankbarkeit für ihren Missionär, der ihr Seelenretter und Bringer wahren Glückes ist. Solche Gesinnung ist es, die anzieht.


(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche, Herder, Freiburg, 1926)

Donnerstag, 28. Mai 2015

Ruf zu Maria aus den Tiefen des kongolesischen Dschungels


P. Joseph Fräßle S.C.J. war von 1905 bis 1920 Missionar im Kongostaat und schrieb mehrere wertvolle Bücher, darunter Meiner Urwaldneger Denken und Handeln (hier bei ZVAB), das ich nur empfehlen kann. Daraus nachfolgend eine kurze Betrachtung zum Rosenkranzgebet auf einer Missionsreise durch den Urwald:

Den Rosenkranz zu beten, solange der Pfad es gestattet, ist Reisegewohnheit. „Wir beten auch mit“, sagten die Träger, und zogen den ihrigen vom Hals, wo sie ihn gewöhnlich tragen, um ihren Glauben zu bekennen und weil sie keine Taschen haben. „Wir können keinen Rosenkranz in der Hand halten“, riefen die Pfadöffner [die das Buschwerk mit Messern niederhauen]; „zählt ihr für uns, wir sprechen mit.“

So lass dich von uns grüßen, du unbefleckte Jungfrau und Mutter Maria, voller Gnade und Geheimnisse, droben im unerreichbaren Licht des Himmels; grüßen von uns kleinen Menschenkindern, die da seufzen in des wirren Urwalds Tiefe. Hilf uns empor aus Dunkelheit, Sumpf und Gefahren, hinauf zu Christus, dem beglückenden Licht. Du Gebenedeite unter den Weibern! Sei du der einzige Weg zu Jesus diesem Volk, das so tief gesunken ist, weil es die Würde der Mutter und Frau verkannt hat! Höre, wie die Erstlinge des Landes dich bitten für ihre Brüder, dass sie recht bald erkennen möchten Jesum, der auch für sie geboren wurde, lehrte, litt und starb! Trägerin des allmächtigen und allweisen Wortes, hilf mir es zu diesem Volk tragen, dass ihm Erlösung werde und Licht und Ordnung und Glück! O du Mutter-Königin der Kirche auf Erden und in der Himmelshöhe! Aus allen Völkern und Sprachen und Farben muss ein einziges Gottesreich erstehen, einig im Glauben und rein in den Sitten!

Freitag, 9. Januar 2015

Was ist in Belgisch-Kongo wirklich passiert?


Die Kongo-Ausstellung in London. Der Feldzug der englisch-protestantischen Missionsgesellschaft „gegen die Gräuel in Belgisch-Kongo“ dauert fort. Das letzte Ziel der ganzen Bewegung ist klar genug. Man gönnt dem kleinen katholischen Belgien seinen herrlichen, ihm durch die Berliner Konferenz vom 25. Februar 1885 zugesprochenen Besitz nicht und sähe ihn lieber unter britischer Oberhoheit. Daher macht man es wie weiland Amerika, als es die „spanischen Untaten“ auf Kuba und den Philippinen „enthüllte“, um einen Vorwand zum Einspruch und zur schließlichen Besitzergreifung zu gewinnen. Stimmungsmache gegen Belgien war auch der Zweck der Kongo-Ausstellung, welche die englische Baptistenmission unter Mitwirkung der amerikanischen Baptisten, der „Kongo-Balolo-Mission“ und der „schwedischen Mission“ in den Sälen der Königl. Gesellschaft für Gartenkunst in Westminster im September bis Oktober [1909 oder 1910] veranstaltete.

Was hier in verschiedenen Abteilungen von den Produkten des Kongogebietes, den häuslichen und religiösen Sitten und Gebräuchen der Eingeborenen, der Tätigkeit der protestantischen Mission vorgeführt wurde, war ja ganz schön, diente aber nur als Aushängeschild, um das Publikum zu den Vorträgen zu ziehen, die von protestantischen Predigern und Missionsfrauen über die „Gräuel am Kongo“ gehalten werden. Farbensatte Riesenbilder und Plakate, die z. B. einen Neger mit abgeschnittenen Gliedmaßen darstellen, sollten die Wirkung der ohne nähere kontrollierbare Angaben vorgebrachten Räubergeschichten noch erhöhen. Da sah man in Bild und kinomatographischer [sic] Vorführung ganze in eine verlassene Wüste verwandelte Landschaften. Dass der Grund dieser strichweisen Entvölkerung kein anderer als die schreckliche Schlafkrankheit ist, erfahren die Zuhörer und Zuschauer natürlich nicht. An allem müssen selbstverständlich die bösen Belgier schuld sein. Die Untaten einzelner werden dem ganzen Volk und der Regierung auf Rechnung gesetzt. Kein Wort von den großartigen Leistungen Belgiens am Kongo nicht nur in materieller, sondern auch in zivilisatorischer Hinsicht und von seinen Verdiensten um das Missionswerk. 

Man muss mit Bedauern feststellen, dass in diesem ganzen Antikongo-Feldzug die sonst mit Recht gerühmte britische Fairness in auffallender Weise vermisst wird und das pharisäische: „Ich danke dir, dass ich nicht bin wie jener [belgische] Zöllner“ in wenig erquicklicher Weise durchklingt.


(Aus: die katholischen Missionen,1910)

In einem anderen Artikel über dieses Thema bezeugt jemand, dass er selbst sicher weiß, dass ein Einheimischer, der seine Hand angeblich wegen belgischer Gräuel verloren hätte und der als Paradebeispiel von den europäischen Medien angeführt wurde, in Wirklichkeit durch einen Jagdunfall, und zwar durch die Explosion des Gewehrs, verstümmelt wurde. Ich hoffe diesen Artikel posten zu können, wenn ich ihn wiederfinde.

Sonntag, 17. August 2014

Was zum Lachen: Schwarze Modenarren


Auch die Schwarzen Afrikas sind ein klein wenig eitel. Dann und wann kommt einer nach Europa und bringt eine wunderliche Mustersammlung europäischer Ideen und Kleidungsstücke mit nach Hause.
Erscheint da neulich in der Kirche von Kasongo (Ober-Kongo) ein Christ in vollem europäischen Staat mit Schuhen, Strümpfen, Strohhut usw. Aber offenbar hatte ihm diese Ausstattung noch nicht genügt, um all seine jüngst erstandenen Herrlichkeiten zur Schau zu tragen. Drum kam er noch mit einem Regenschirm über der Schulter hereinstolziert, von dem ein zweites Paar funkelnagelneuer Schuhe herabbaumelte. Und er erreichte auch seinen Zweck vollkommen. Alle seine Landsleute waren sprachlos ob der nie geschauten Herrlichkeit.
Ein anderer Schwarzer hatte sich einen feinen Damenrock verschafft. Mit Kennermiene befestigte er ihn sich unter der Achselhöhle und kam stolz zur Messe. 

Wieder ein anderer hatte glücklich ein Paar Strümpfe erstanden. Leider fehlten ihm die entsprechenden Schuhe. Doch was verschlägt’s? Vorläufig kommt er in Lendentuch und Strümpfen in die Kirche und träumt inzwischen von den zugehörigen Schuhen.
Ein armer Schlucker hatte weder Schuhe noch Strümpfe, aber ein Paar Strumpfbänder erwischt. So lief er denn seelenvergnügt in den Strumpfbändern einher.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Montag, 9. Dezember 2013

Eine Missionsdruckerei am Kongo

Kathedrale des Erzbistums Lubumbashi, DR Kongo (Quelle: Nick Hobgood)

Bereits früher einmal haben wir über die typographischen Bestrebungen der Jesuitenmissionäre am Kongo berichtet. Heute geht uns über die Ignatius-Druckerei in Ki-Santu eine ausführlichere Meldung zu. „Ich beschränke mich“, schreibt unser Gewährsmann, „auf die einfache Aufzählung der von unseren Missionären publizierten Werke.“

Zunächst veröffentlichtet P. van Henxthoven gleich anfangs einen kleinen Katechismus, der lange Zeit beim Unterricht als grundlegendes Textbuch diente. P. Butaye gab unter andrem ein umfangreicheres und vollständigeres katechetisches Werk unter dem Titel Malongi ma Nzambi (…) heraus. 
Dieser folgte seine Malongi mantete, eine Elementarlehre, welche die jungen Kongolesen in die Geheimnisse des Schreibens und Lesens einführte; sodann Ekanga diampa, das Neue Testament, eine Prachtausgabe für höhere Klassen; endlich Bisambu bia bana ba Nzambi, oder Gebetsbuch für Gotteskinder, eine hübsche Sammlung der anmutendsten Gebete. 
Das Hauptwerk des P. Butaye, die Frucht mehrjähriger Arbeit, erschien aber im verflossenen Jahre. Es ist dies eine kongolesische Grammatik mit dem Anhang eines französisch-siotschen und siotschen-französischen Wörterbuchs, nicht weniger als 650 Druckseiten umfassend.

Alle vorgenannten Werke wurden in Belgien gedruckt, was infolge der Hin- und Hersendung der Korrekturbögen manche Schwierigkeiten mit sich brachte, so dass die Drucklegung eines Buchs oft mehr als ein Jahr in Anspruch nahm. 
Diesem Übelstand wurde abgeholfen durch das wahrhaft großmütige Geschenk des Herrn Joh. Hugghe, Redakteur der „Nieuws van den dag“ und des „Vlaming“. Es war dies eine Presse im Wert von mehreren Tausend Franken. Als Erstlingswerk ging aus dieser neuerrichteten Druckerei eine umfangreiche Liedersammlung hervor. 

Bald erschien die erste Nummer des Ntetembo eto, der bereits früher erwähnten kongolesischen Zeitschrift, die gegenwärtig 400 Abonnenten zählt. Zurzeit ist ein Neues Testament, Ekangu dinkulu, sowie ein Katechismus mit Erläuterungen unter der Presse. Diesen Werken soll eine Predigtsammlung des P. van Henxthoven folgen, ebenfalls in kongolesischer Sprache abgefasst. Auch der unermüdliche P. Butaye bereitet eine Kirchengeschichte vor. 

– Unser Berichterstatter schließt seine Notiz mit den Worten: „Der Nutzen einer einheimischen Presse für die Evangelisation der Neger ist zweifellos. Wenn die japanischen Christen trotz der dreihundertjährigen Absonderung von der ganzen katholischen Welt ihren Glauben unversehrt bewahrten, so verdankten sie dieses namentlich den Büchern, die ihnen die Missionäre des 16. und 17. Jahrhunderts hinterlassen hatten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Dienstag, 22. Oktober 2013

Klage der Missionäre gegen freimaurerische Kolonialbeamte


Seit Jahr und Tag sind die katholischen Missionäre in Belgisch-Kongo den gemeinsten Verdächtigungen und niederträchtigen Quälereien der meist freimaurerischen Beamten ausgesetzt. 

Gegen Schluss des vergangenen Jahres richtete der Apostol. Vikar V. Roelens von Ober-Kongo eine ausführliche Beschwerde an den Kolonialminister Renkin, erhielt jedoch eine Antwort, die von einem geradezu verhängnisvollen Optimismus zeugte und darin gipfelte, doch ja die Beschwerden nicht unter das große Publikum zu bringen. 

Nunmehr erfolgte am 1. März dieses Jahres eine Erklärung an den Kolonialminister, die von allen Missionsoberen in Belgisch-Kongo, die Benediktiner von Katanga ausgenommen, unterzeichnet ist. Darin verwahren sie sich vorerst gegen die Unterstellung, als ob sie persönlich gegen den Minister selber vorgehen wollten, weisen aber entschieden dessen Ansicht zurück, als drehten sich die Klagen der Missionäre über die Beamten nur um Kleinigkeiten. Dann geben sie folgende Erklärung ab:

    1. Die Unterzeichneten stehen solidarisch verbunden zusammen. Die Klagen des einen sind die Klagen des anderen.

    2. Diese Solidarität soll umso kräftiger betont werden, als die Missionen sich einem fest gefügten Freimaurerbunde, dem hohe Beamte angehören, gegenübergestellt sehen. Gegen diesen Bund verlangen sie Schutz.

    3. Die Unterzeichneten enthüllen das Ziel ihrer Feinde, die Bevölkerung den Missionären abspenstig zu machen. Dieses suchen die Freimaurer zu erreichen, indem sie die Ehre der Missionäre planmäßig in den Kot ziehen.

    4. Sie erheben Protest gegen die Art und Weise, wie die Untersuchungen angestellt werden und verlangen unparteiische Richter.

Ob diese Erklärung etwas nützen wird? Der Obere der belgischen Jesuiten hat bereits im Ernst daran gedacht, seine Leute zurückzuziehen und auf ein ergiebigeres Arbeitsfeld zu schicken. Im Ausland versteht man schon lange nicht mehr, wie ein katholischer Minister die Kolonialverwaltung hauptsächlich in die Hand von Freimaurern, den geschworenen Feinden der katholischen Missionäre, legen konnte. 

Beginnt man, ernsten Zweifel an seiner wahren inneren Gesinnung zu hegen, so hat Herr Renkin sich das selber zuzuschreiben. Das System des Schweigens und Duldens können die Missionäre nicht länger weiterführen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Dienstag, 17. September 2013

Kirchweih am Kongo


„Ein großes Werk steht vollendet da“, schreibt P. Josef Fräßle S.C.J., ein geborener Badener, aus der Mission von Basoko (Belgisch Kongo). „Über eine Million Backsteine hatten unsere schwarzen Waisenbuben mit Ameisenfleiß aus dem Lehm mächtiger Termitenhügel in kleinen Holzkisten geformt, in langen Blätterschuppen getrocknet, zu einem Riesenziegelofen aufgetürmt und mit einer in den durchziehenden Gängen acht Tag unterhaltenen Holzfeuerglut gebrannt.

Hölzerne Winden, aus Baumstämmen eigens dazu zusammengefügt, hatten mit armdicken Lianen schwere Felsblöcke aus dem Aruwimifluss gehoben, die zu Fundamenten gelegt worden waren, und auf diesen hat sich in jahrelanger Arbeit die Kirche aufgetürmt in gotischem Baustil, 52 Meter lang, 12 bzw. 16 Meter breit, 14 Meter hoch, bei einer Mauerstärke von 2,40 Meter.

Zwar sind die stattlichen Türme noch nicht ausgebaut, und ein kundiges Auge wird manchen architektonischen Fehler entdecken – hat ja kein Architekt  den Plan entworfen und über seine Ausführung gewacht. Schreiber dieses war selber Bau- und Maurermeister zugleich, und seine Waisenbuben waren die Handlanger. 
Dennoch macht dies größte Bauwerk am Aruwimi- und Kongostrom einen überwältigenden Eindruck und erntet Lob von jedem, der es sieht. Unserem Missionsbischof rang es bei seinem Anblick das Wort ab: ‚Meine schönste Kirche, die schönste Kirche am Kongostrom‘; die Schwarzen aber sagten: ‚Groß ist der Pater, der so baut, und groß sein Gott, dem er solch ein ewiges Haus errichtet.‘

So nahte denn der Tag, an dem unser verehrter Missionsbischof seine erste Kirchweihe halten sollte, der Freudentag für mich, der ich, einst allein hier, die Fundamente gelegt und gesegnet, für meine Amtskollegen, die mir seit ihrer Ankunft wacker arbeitend zur Seite gestanden mit Winkelmaß und Kelle, der Jubeltag für meine Schwarzen, die nach ihren Worten allein die Kirche gebaut haben.
Alles stand bereit und harrte des großen Tages: dort der Altar in glänzender Pracht, überragt vom Kalvarienberg mit dem wunderschönen Christus, in der Mitte das Tabernakel, in das nun bald der liebe Heiland einziehen wird, um stetig bei uns zu weilen; auf der Emporbühne das noch schweigende Harmonium, in den Türmen die noch stummen Glocken: alles Gaben guter Seelen in der Heimat.

Schon zweifelten wir, ob der geschwächte Gesundheitszustand dem hochw. Bischof die weite Reise erlauben würde. Welch ein Jubel darum, als das Schiffsignal ertönte, und ein Knabe auch schon daherstürzte mit der freudigen Kunde. Ein Wort nach links und eines nach rechts, und fort war ich, den Bischof zu empfangen und zur Mission zu geleiten.
 Noch hatten wir nicht die Hälfte der Allee zur Mission hin zurückgelegt, da nahte auch schon die von meinen Kollegen angeführte Prozession unserer Christen, voran 300 fahnentragende Kinder in besten Kleidchen von wohltätigen Händen: ein Anblick, der den Bischof zu Tränen rührte. Der erste Segen ward gespendet.

Dann schlossen wir uns der Prozession an, die, das Magnifikat in der Sprache der Eingeborenen singend, zur Kirche zog. Da – es erstarrten plötzlich aller Stimmen – klangen von den Türmen aus zum ersten Mal die ehernen Glockenstimmen über die Dörfer und Ströme in die Urwälder, nie gehörte Laute, die keinen Wilden mehr in seiner Hütten ließen. 
Alles hin zur Kirche und hinein, soviel sie nur zu fassen vermag. An dem lebensgroßen Christus konnten sie sich nicht sattsehen. Die Kunde von ihm drang durch die Wälder, und von über fünf Tagen im Umkreis her kamen sie zu schauen. ‚Er lebt‘, sagten die einen. ‚Nein, er hing schon gestern so.‘ – ‚Doch, er lebt, schau seine Augen.‘ – ‚Pater, warum hast du diesen Häuptling der Weißen an diesen Baum gehängt? Lass ihn herab.‘ (...) So sprachen sie untereinander, und auf ihre tausend Fragen musste ich Antwort geben. Es dringt die Kenntnis des wahren Gottes, die Kunde vom lieben Erlöser unter die Heiden.

In frühester Morgenstunde riefen Glockengeläute eine unzählige schwarze Menge herbei, in weiten Reihen standen die Christen um das Gotteshaus, dahinter die Heiden, endlos und atemlos.
Es erscheint der bischöfliche Zug, voran 20 schwarze Messdiener in roten und weißen Kleidern. Dann beginnen die erhebenden Zeremonien der Kirchweihe, die Segnung von außen, die Pforten öffnen sich, die Weihe im Innern, die Prostration, die Weihe des Altars und endlich das erste Pontifikalamt in unserer Mission, bei dem all unsere Christen, von der glücklichen Akustik des Gotteshauses hingerissen, kräftig das Ordinarium missae ausführen.
Zum Schluss gaben wir jedem unserer Christen eine Medaille als Gedächtniszeichen an dieses einzige Fest.

Leider musste der hochw. Herr auf die weitere Teilnahme an der Feier verzichten; ein schweres Fieber, die gewöhnliche Folge solcher Anstrengungen hierzulande, band ihn ans Lager.
Nun noch einen Blick auf die Frucht dieser Feier, auf die Wirkung des Gotteshauses unter den Heiden. Der Tag brachte uns 1200 neue Katechumenen, die Kirche ist selbst für das Morgen- und Abendgebet wenigstens zu zwei Drittel angefüllt. 
Unter den älteren Katechumenen entbrannte neuer Eifer, so dass wir das Jahr nicht mehr mit 300 Taufen, sondern mit 600 abschließen werden. Derselbe Eifer zeigt sich auch unter den Christen, bei denen der Sakramentenempfang sich verdreifacht hat.

All dies geschaffene Gute ist die Arbeit guter Missionsfreunde der Heimat; ihnen wird Gott auch den Lohn spenden. Darum bitten mit dem Missionär seine bekehrten Heidenkinder: Mögen diesselben meiner auch fernerhin nicht vergessen!


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Mittwoch, 10. April 2013

Ein schönes Zeugnis für die Weißen Väter und Hauptmann Joubert



Ein schönes Zeugnis für die ebenso geschickte als erfolgreiche Tätigkeit der Weißen Väter in Mittelafrika findet sich in dem Blatte Avant-Garde.
Dort berichtet ein Belgier mit warmer Begeisterung, was er am Westufer des Tanganyika bei den Missionären und beim alten Hauptmann Joubert gesehen. 

„Es bedürfte einer geschickteren Feder als die meinige, um meiner Bewunderung für die Weißen Väter und das Werk, das sie vollbracht, ganz gerecht zu werden. Mit beschränkten Mitteln haben sie in Mpala ein riesiges Kloster und eine prächtige Kirche gebaut, wie sie deren manche belgische Ortschaft nicht besitzt. Sie haben einen ungeheuren Garten angelegt, wo sie alle möglichen europäischen Gartenerzeugnisse ernten.
Man muss es selbst gesehen haben, um zu wissen, welch gute, einfache, arbeitsame und ausdauernde Männer diese Missionäre sind. Sie haben eine Schule, in welcher die kleinen Wilden nicht bloß lesen und schreiben, sondern sogar Lateinisch lernen. Ich langte in Mpala am Aschermittwoch an und fand hier so gastfreundliche Aufnahme, dass ich bis Ostermontag verblieb. 

Dann fuhr ich auf einer Piroge weiter, um einem Christendorfe eine Unterkunft zu suchen. Wie groß war meine Verwunderung, als ich ein Dorf von fast europäischem Gepräge betrat — hübsche Häuschen mit Verandas —, ein bequemes Schlafzimmer fand, wie ich es längst nicht mehr gehabt, und Leute, von ganz ausgesuchter Artigkeit antraf.
Doch ich käme an kein Ende, wollte ich alles erzählen, was ich bei den Patres am Seeufer gesehen. Aber eines ist gewiss, ich werde stets mit Freude ihre Sache vertreten, und es wird mir eine Genugtuung sein, sie unterstützen und fördern zu können.

Ich setze meine Fahrt fort und erreichte St. Louis von Mrumbi, wo ich eine geschichtliche Persönlichkeit zu Gesicht bekam.
Es ist dies Hauptmann Joubert, der ehemalige französische Offizier, der sich einst in den Reihen der Zuaven glänzend auszeichnete und den Rang einnahm, dessen Titel er noch heute führt.
Er ist der unbestrittene Herrscher eines Christendorfes, das fast ganz aus ehemaligen, während des Antisklaverei-Feldzuges losgekauften Sklaven bevölkert ist. Er hat eine Negerin zur Frau und drei Kinder, zwei kleine Jungs und ein achtjähriges Mädchen (…)
Joubert sieht trotz seiner 62 Jahre noch aus wie ein Fünfziger. Er ist eine sichere Stütze für die Patres und hat ein Korps einheimischer Miliz gedrillt, das im Kampf seinen Mann stehen wird. 

In Baudouinville empfing mich Msgr. Roelens, ein wirklich ungewöhnlicher Mann von klarem Verstand und weitem sicheren Blick. Er wird in Bälde an der Spitze einer Gruppe von Missionen stehen, denen eine große Bedeutung für die Zukunft zukommt."

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Beschützer der Missionen am Tanganjika-See

Vor kurzem haben wir bereits über Kapitän Joubert berichtet, hier ein weiterer Eintrag:


Es ist bekanntlich in besonderer Weise das Verdienst des tapferen ehemaligen Zuaven, Kapitän Joubert, den mohammedanischen Sklavenhändlern, die vordem namentlich auch die volkreichen Striche am Tanganjikasee zum Schauplatz ihrer Raubzüge gemacht hatten, das Handwerk gelegt zu haben. Das Leben und das heldenhafte Kämpfen dieses biederen Veteranen gleicht einem Stück romantischer Kreuzfahrergeschichte aus alter Zeit. 

Dank seinen Verdiensten und denen seiner würdigen Kampfgenossen, Kapitän Jacques und Descamps, herrscht heute fast rings um den Tanganjika Ruhe, Friede und Ordnung; die armen Schwarzen haben wieder Mut gefasst und widmen sich jetzt mit Eifer dem Landbau und dem primitiven landesüblichen Kleingewerbe.
Unter der Sonne des Friedens haben sich seither auch die Missionen sowohl auf der belgischen (westlichen) wie deutschen (östlichen) Seeseite immer günstiger entwickelt.
Kapitän Joubert hat nach Abschluss der Kämpfe Afrika zu seiner zweiten Heimat erwählt, sich in St. Louis am Mrumbi auf den westlichen Uferhöhen des schönen Tanganjika bleibend niedergelassen, und um ein festeres Band mit seinen lieben Schwarzen zu knüpfen, sich in christlicher Ehe mit einer Tochter ihres Stammes verbunden.
Hier lebt er einfach und nüchtern wie ein Spartiate, von allen Negern weit und breit als ein Vater geliebt und verehrt. Ein Wort aus seinem Mund entscheidet alle ihre Streitfragen, und der Einfluss seines ernsten, tiefchristlichen Wesens gestaltet sein Leben unter den Neubekehrten zu einer wahren Kulturmission. So fasst er es auch auf. 


Die Liebe und Begeisterung der Neger zeigte sich in recht schönem Licht, als Gott ihm kürzlich zu seinem dreijährigen Töchterlein Louisa einen Sohn schenkte. Natürlich musste er Pio heißen, zu Ehren des großen Papstes, für welchen der ehemalige Zuave einst gefochten.
Von allen Seiten strömten die Neger herbei zu der feierlichen Taufe, die der Apostol. Vikar, der hochwürdigste Herr Roelens, selbst vornahm. Die Schwarzen jubelten, da sie nun, wie sie sagten, einen „kleinen Kapitän“ besäßen. 


Wie wohl tut dieses Bild gegenüber jenen Rittern von der traurigen Gestalt, die ihre Kulturaufgabe unter den Schwarzen durch despotische Tyrannenlaunen zu erfüllen meinen!



(Aus: die katholischen Missionen, 1896)