Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Entbehrungen und Freuden des Afrikamissionars



„Große Opfer“, berichtet der Missionär [P. Joseph Fräßle S.C.J.] weiter, „verlangt das Apostolat in Zentralafrika. Schon das Klima setzt dem Europäer heftig zu. In den 20 Jahren der Missionstätigkeit am Kongoflusse haben Malaria, Schwarzwasserfieber und Dysenterie über 200 jugendliche Apostel jäh ins Grab gestürzt. Die Wohnungen bieten für gewöhnlich nicht den nötigen Schutz, und die Nahrung, die meistens aus Maniokwurzeln, Fischen und Bananen besteht, vermag den raschen Kräfteverfall durch das Tropenklima nicht zu hemmen.  Dazu bereitet die große Armut der Evangelisation viele Hindernisse. Hätten wir Mittel zum Reisen, fünfmal mehr Erfolge könnten wir erzielen.

Und wie steht’s nun mit meiner Missionsstation? Monatelang fuhr ich in meiner Piroge stromauf, stromab, um die Dörfer zu gewinnen. Oder es ging auf den engen Pfaden der Wilden, gebückt und in Schweiß gebadet, durch den Urwald, über Baumwurzeln und gefallene Waldriesen, über Termitenhügel und durch Ameisenprozessionen, durch Sümpfe bis unter den Arm, durch Bäche bis an den Kopf, sieben, acht, neun Stunden lang. Da winkt denn bald ein knurrender Gorilla mit dem Knüttel, oder eine Elefantenherde versperrte den Weg. Die Neger aber drohten anfangs in den Dörfern beim Absteigen mit Lanzen oder warfen brennende Holzscheite auf mein Fahrzeug oder liefen davon. Wo ich Zutritt erhielt, war erst eine Hütte der Wilden meine Wohnung. Im Freien fand Unterricht und Gebet statt, bis ich mit eigenen Händen einen Schuppen aus Pfählen und Blättern errichtet hatte. Verstand und Herz öffneten sich allmählich, als die Leute die Werke sahen, die die neue Lehre gebietet: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So mancher, der unter dem harten Joch von Häuptlingen oder Arabern gelitten hatte, schloss sich dem Missionär an. Sie wurden mit den aus der Sklaverei losgekauften Knaben erzogen und bildeten den Kern, aus dem die erste christliche Gemeinde immer mehr emporwuchs. Die vor fünf Jahren gegründete Mission zählt heute 1.800 Christen und 3.000 Katechumenen, in 32 Ortschaften zerstreut, wo wir sie alle 2–3 Monate besuchen und unterrichten, die heiligen Sakramente spenden und die Prüfungen über Wissen und Leben jener anstellen, die um die heilige Taufe bitten. Für die Erprobten beginnt die nähere Vorbereitung auf das Sakrament der Wiedergeburt. Und fließt dann das Wasser auf die Stirn der leiblich und geistlich aus Sklavenketten befreiten Armen, so vermischen sich oft die Freudentränen des Missionärs mit denen seiner glücklichen Kinder. In solchen Augenblicken sind alle Mühen vergessen, ist der Lohn überreich, und der Missionär wäre bereit, noch zehnmal größere Opfer zu bringen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)


Mittwoch, 6. April 2016

„Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen“


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo:

Der hochwürdigste Missionsbischof kam, um die heilige Firmung zu erteilen. Die Christenmenge drängte sich auf allen Wegen und Arbeit gab es grenzenlos die ganze Woche vorher.

„Können alle diese Leute auch den Katechismus?“ frug der hohe Herr. „Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen.“ „Was tut er? Wir wollen es ihm zeigen! Wo sind unsere Katechisten? Wo bist du, Albert, du Leo, du, Karl?...“ So riefen alle durcheinander. „Kommt her, Brüder, wir stellen uns den Dörfern nach auf, jedes Dorf zu seinem Baba [Vater = Pater], und wir sagen die ganze Religion her. Der Bischof soll hören, ob wir was wissen.“ Bald standen die Christen von achtzig Dörfern in kurzen Abständen in den Alleen der Mission. Jung und Alt, Männer, Frauen und Kinder schrien Katechismus, Gebete und Lieder herunter, alles, was zwischen den Buchdeckeln stand; jedes Dorf suchte das andere zu übertönen und die Sache schneller herunterzuschmettern. „So was habe ich noch nie erlebt“, sprach Seine Gnaden. „Nie hätte ich das für möglich gehalten.“


(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln)

Donnerstag, 31. März 2016

Von Pius X. inspiriert – freiwillige Katechisten in Indien



Das Rundschreiben Pius’ X. über die Christenlehre hat in Tritschnipoli ein kleines, aber segensreiches Werk gezeitigt. Eine Anzahl einheimischer Laien aus den besseren und meist gebildeten Klassen hat sich unter Leitung des P. Lacombe S. J. zu einem Verband freiwilliger Katechisten zusammengetan und übt seit etwa zwei Jahren in und außer der Stadt ein fruchtbares Apostolat unter den armen kastenlosen Christen aus. Es ist sehr schwer, dieselben regelmäßig in Kirche und Schule zu bringen, und die Missionäre haben nicht die Zeit, den einzelnen nachzugehen. Nun ziehen die „Freiwilligen“ jeden Sonntag in die Armenviertel und Dörfer, sammeln Kinder und Erwachsene in den kleinen Kapellen oder Schulen und halten ihnen Christenlehre. Um die Leute anzulocken, werden mit der Zauberlaterne Bilder, meist Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament u. a. gezeigt und erklärt.

Die Zahl dieser freiwilligen Missionshelfer ist heute auf 55 gestiegen, und bereits erhalten über 2000 Kinder und zahlreiche Erwachsene von ihnen regelmäßigen Unterricht. Nur wer da weiß, wie sonst die Kastenvorurteile selbst die Christen voneinander scheiden und den gegenseitigen Verkehr erschweren, wird den großen Erfolg ganz würdigen, den die Gründung eines solchen Vereins bedeutet. Er beweist, dass die Idee der christlichen Bruderliebe langsam die Kastenschranken zu überwinden beginnt. Am 19. Januar d. J. wurde der Verein in der Kathedrale von Tritschnipoli feierlich zur kirchlichen Bruderschaft erhoben.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 28. Juni 2015

Warum Mission?



Zwei große Wünsche lebten schon lange im Herzen der Missionäre und Missionsfreunde. 

Der erste war, dass die Mission Heimatsrecht auf der Kanzel erhalte, der zweite, dass sie von Rechts wegen ein Plätzchen im Katechismus finde und dort nicht bloß so gelegentlich wie ein nebensächliches Ding eben angetönt werde.

Der erste Wunsch geht in Deutschland mehr und mehr in Erfüllung. Der zweite dürfte auch wohl bald verwirklicht werden. In Elsass-Lothringen hat man den ersten Versuch gemacht, und nun gibt auch die nordamerikanische Kirche das gute Beispiel.

Erfreulicherweise räumt der neue „Katholische Katechismus für die Vereinigten Staaten“ von Jakob Linden S.J. dem Missionswesen einen eigenen Abschnitt ein. Er lautet wie folgt:

4. Ausbreitung der Kirche

125. Was ist notwendig, damit die Kirche sich immer weiter ausbreite?

Damit die Kirche sich immer weiter ausbreite, müssen Missionäre ausgesandt werden, die auch den Heiden das Evangelium verkünden. So verlangt es der ausdrückliche Befehl Christi: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15)

126. Wer soll als Missionär zu den Heidenvölkern gehen?

Jene sollen als Missionäre zu den Heidenvölkern gehen, die von Gott dazu berufen und von der Kirche gesandt werden.

127. Wodurch sollen die übrigen Christen die Missionäre unterstützen?

Die übrigen Christen sollen die Missionäre durch Gebet und milde Gaben unterstützen.

128. Warum sollen die übrigen Christen die Missionäre unterstützen?

Die übrigen Christen sollen die Missionäre unterstützen,

  1. weil jeder Christ schuldig ist, die Ehre seines himmlischen Vaters nach Kräften zu fördern;
  2. weil auf diese Weise viele Seelen gerettet werden, die sonst ewig verloren gingen;
  3. weil man sich selbst dadurch große Gnaden und einen herrlichen Lohn im Himmel verdient.

Nutzanwendung. Lass keinen Tag vorübergehen, ohne wenigstens ein Vaterunser für die Bekehrung der armen Heiden zu verrichten. Tritt auch womöglich einem jener Vereine bei, die zur Unterstützung der Missionäre gegründet sind (Kindheit-Jesu-Verein, Verein zur Verbreitung des Glaubens u.a.)

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Dienstag, 30. Dezember 2014

Wie man den Katechismus lernen kann, ohne Lesen zu können

Karawane in der Mongolei

In Mao-Esöl-ku (Apostol. Vikariat Nordwest-Mongolei), so erzählt P. Binckx, ein junger Missionär der belgischen Scheutvelder, meldete sich zur Taufe unter anderen ein im Dienst eines christlichen Herrn stehender Schäfer. Der Mann konnte weder lesen noch schreiben und trotzdem den kleinen Abriss katholischer Glaubenslehren, den die Katechumenen wissen müssen, von Anfang bis zu Ende ohne Anstoß aufsagen. Ganz erstaunt fragte der Pater, wie er dies gemacht, und erhielt folgenden Aufschluss: „Vater“, so erklärte der Mann, sich den Schweiß von der Stirn trocknend, „als meine Herrschaft mir versicherte, im Besitz der wahren Religion zu sein, entschloss ich mich, auch meinerseits derselben zu folgen. Meine Mutter, die dem Opiumrauchen leidenschaftlich ergeben ist, war zwar und ist heute noch dagegen. Es tat mir leid, ihrem Willen entgegenzuhandeln, aber, so sagte ich mir, wenn ich in die Hölle komme, wird sie mich dann herausziehen?

Ich wollte also die neue Religion kennen lernen. Während ich gemeinsam mit dem Sohn meines Herrn die Schafe hütete und derselbe laut den Katechismus lernte, hörte ich aufmerksam zu. So gelang es mir, den Inhalt des Büchleins mir einzuprägen, und ich bin entschlossen, dessen Lehren zu befolgen und meine Seele zu retten. Und daher bitte ich dich, Priester, taufe mich.“
Das sind gewiss Katechumenen, an denen man seine Freude haben kann. 

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Mittwoch, 19. November 2014

Weihe der ersten Weißen Väter in Uganda an die Mutter Gottes


Im Mai des vergangenen Jahres beschlossen die Missionäre des Provikariats vom Nyanza, ihre Mission nochmals der unbefleckt empfangenen Jungfrau zu weihen, und den Weiheakt mit ihren Unterschriften unter der Muttergottes-Statue, die über dem Altar ihrer bescheidenen Kapelle angebracht ist, niederzulegen. Er lautet folgendermaßen:

"Heute, am letzten Tag des Maimonats, weihen wir Unterzeichnete, Missionäre von Uganda, die Nyanza-Mission von neuem der unbefleckten Jungfrau. Wir schenken und weihen dieser himmlischen Mutter unsere Seele und unseren Leib, unsere Arbeiten, unser ganzes Leben, unseren Tod und unsere Ewigkeit. Wir beschwören sie, selbst unsere Herrin und Oberin zu sein, damit wir durch sie, in ihr und mit ihr den Willen ihres göttlichen Sohnes erkennen, für dessen Ehre wir uns ganz hinzuopfern verlangen. Wir erklären, dass wir alles Gute, was hier gestiftet werden mag, Maria zu danken haben, und dass ihr alle Ehre davon gebührt. Zur Beglaubigung dessen haben wir diesen Akt unterzeichnet und ihn unter dem Bilde unserer guten Mutter und höchsten Herrin niedergelegt.

Schon früher berichteten wir, dass der König von Uganda an der Dysenterie erkrankte und durch P. Lourdel davon befreit wurde. Diese fast wunderbare Heilung, ohne Zweifel ein Geschenk der mächtigen Patronin, der die Missionäre feierlich sich und ihre Arbeit geweiht hatten, führte eine größere Annäherung zwischen diesen und dem König herbei. Sie hatten von neuem Unterredungen mit ihm über die Göttlichkeit unseres Glaubens, wie das Tagebuch der Mission berichtet. Dieselben fanden namentlich in den Monaten August und September statt. Eines Tages brachte ihm der Pater einen Katechismus mit Bildern und ein reich ausgestattetes arabisches Neues Testament. Sie gefielen dem König recht sehr, und er bat, diese beiden Bücher behalten zu dürfen, um sie eingehender zu prüfen. Beim Anblick des Bildes, welches die Verkündigung Mariä darstellt, fühlte er sich durch den Ausdruck der jungfräulichen Sittsamkeit getroffen, der auf dem Antlitz der Gottesmutter liegt, und seitdem fragt er bei allen Gemälden, wo die Jungfrau Maria sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Donnerstag, 11. September 2014

Der Katechismus des hl. Robert Bellarmin: noch zu seinen Lebzeiten ins Ilocano übersetzt



P. Michael Hergesheimer S.V.D. schreibt uns aus Lagangilang, Abra (Philippinen): 

„Als Leser der geschätzten ‚Kath. Missionen‘ rechne ich es mir zur Ehre an, Ihnen das Folgende mitzuteilen. In Heft 12, 1920/21, las ich den Artikel: Der ehrw. Kardinal Bellarmin, ein edler Missionsfreund. Ich dachte, es werde sie wohl interessieren, von Kardinal Bellarmins Katechismus zu hören, der hier auf den Philippinen in die einheimischen Sprachen übersetzt worden ist. 

Vor mir liegt die Ausgabe in Ilocano, der Sprache im Nordwesten der großen Insel Luzon. Die Übersetzung hat der sprachkundige Augustiner Fray Francisco López hergestellt. Auf dem Umschlag liest man: Bellarmino, Doctrina cristiana. Auf dem ersten Titelblatt heißt es: Libro á naisuratan amin ti doctrina cristiana nga naisurat iti libro ti Cardenal Agnagan Belarmino, quet ináon ti Fr. Francisco López, Padre á San Agustin iti Sinasantoy. Tercera edición. Gedruckt in Malabón, 1895. Dann kommt Motu proprio unseres Heiligen Vaters Klemens VIII., gegeben zu Ferrara am 15. Juli 1598. Es folgt ein Dokument des D. Alonso Fajardo de Tenza, Gobernador de estas Islas. Diese Approbation der hohen weltlichen Regierung wurde gegeben in Manila am 26. September 1620. Die Licencia des Erzbischofs von Manila ward erteilt am 3. September desselben Jahres. Darauf folgt die Erlaubnis der Zensorenkommission, woran sich die Licencia del Prelado, des Augustiner-Provinzials, anschließt. Auf der folgenden Seite (XXIV) liest man: Epígramma, Rev. admodum Patris Garsiz Garzes é Societate Jesu Epigramma ad librum ejusque Autorem, enthaltend neun Distycha [sic].

Der Prólogo y Dedicatoria…des Herrn Übersetzers umfasst 5 1/2 Seiten. Zunächst folgen die Definiciones der vom Spanischen herübergenommenen Ausdrücke: Libro, Caridad, Virtudes usw., 12 Seiten umfassend. Ein schöner Kupferstich der allerseligsten Jungfrau leitet über zum Gebet an die Mutter Gottes: Carárag quen Santa Maria, 21 vierzeilige Strophen, wohl der allererste Versuch eines Europäers in der Dichtkunst dieser Sprache. Die Seiten LI bis LXIV bringen Advertencias über Orthographie und Schreibweise in der alten einheimischen Schrift. Diese selbst ist dann zu sehen in ihren wunderlichen Haken und Schleifen mit Punktuation über und unter den Lettern.

Auf 12 Seiten wird da ein Abdruck gebracht von dem alten Catecismo de Belarmino, in altilokanischen Schriftzeichen. Auf drei folgenden Seiten ist ein Druckfehlerverzeichnis. Ein schönes Bild des Gekreuzigten leitet dann den eigentlichen Katechismus ein. Er ist in der heute nur mehr gebrauchten spanischen Schrift gedruckt und enthält 342 Textseiten. Der Katechismus ist in Fragen und Antworten verfasst. Doch ist viel von der damaligen Sprache heute nicht mehr gebräuchlich oder manche Wörter haben anderen Sinn oder dieselben Stammwörter werden heute mit anderen Präfixen und Suffixen versehen. Aber im großen Ganzen wird ihn jeder Ilokaner, der lesen kann, leicht in der alten Fassung verstehen.

Dieser Katechismus war also hier auf den Philippinen schon übersetzt und gedruckt und mit allen möglichen Erlaubnissen versehen und verbreitet, als der ehrw. Kardinal Bellarmin noch lebte und seine Schreiben nach Indien gingen bezüglich der Angelegenheit des P. de Nobili. Wie rasch auch das Gute sich verbreitet! Der Katechismus und die hiesige Übersetzung wird eine leuchtende Perle bilden in der himmlischen Krone des ehrwürdigen Dieners Gottes.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Dienstag, 4. Februar 2014

Heroisches Opfer eines indischen Katechisten

„Wir hatten“, so schreibt P. Otto Weishaupt S.J., „wieder in allen drei Missionen (Sangammer, Wallan, Kendal) in einer ganzen Reihe von Dörfern die Pest. 
Bei dieser Gelegenheit gab einer meiner jungen Katechisten ein herrliches Beispiel der Selbstaufopferung, ähnlich wie vor einem Jahre der hochw. P. Gerhard Kipp. 

Als die Pest auch in Rui, einem Dorf von 52 Einwohnern, ausgebrochen war, sagte ich dem dort stationierten jungen Katechisten, falls er Furcht habe, dürfe er für einige Zeit in seine Heimat gehen. Denn wir können und mögen nicht unsere Untergebenen zu heroischen Opfern zwingen. 

Aber der junge Mann erklärte ganz entschlossen: ‚Nein, Pater, ich gehe nicht; denn ich kann so ja mit den kranken Christen täglich die Gebete verrichten und auch, so Gott will, manchen sterbenden Heiden taufen.‘  So blieb er denn aus freien Stücken; nur seine junge Frau und die bejahrten Eltern hatte er heimgeschickt. Da gleich bei Ausbruch der Seuche alle Leute das Dorf verlassen hatten und in den umliegenden Feldern lagerten, errichtete sich mein Katechist aus Stroh eine notdürftige Hütte kaum zwanzig Schritte von den Pestkranken entfernt. 

Heiden und Christen sprechen jetzt noch voll Bewunderung von dem Eifer und der Aufopferung, mit welcher Petrus Zivon, so hieß der Katechist, die Kranken pflegte und mit ihnen wiederholt im Tag betete und die Sterbenden, Heiden wie Christen, zu einem frommen Tod vorbereitete. Mehrere Heiden wurden in der elften Stunde von ihm getauft. 

Trotzdem die Leute nun schon seit drei Wochen auf den offenen Feldern kampierten, griff die Pest immer mehr um sich. Eines Tages starb ein alleinstehender Heide, den Petrus Zivon ebenfalls gepflegt und zum Tod vorbereitet hatte. Niemand wollte den armen Mann beerdigen. Da nahm schließlich Petrus Zivon die schwere Leiche selbst auf seine Arme und trug sie ganz allein zur fernen Begräbnisstätte; dort grub er zuerst ein Grab und legten dann den Ärmsten der Armen zur letzten Ruhe. 
Bei dieser Gelegenheit musste sich der Katechist wohl die Ansteckung geholt haben. 

Als ich nach einigen Tagen wieder die Pestkranken jenes Dorfes besuchen wollte, fiel es mir auf, dass der Katechist nicht schon von weitem mir entgegeneilte, wie er es zu tun gewohnt war. Sofort sagte ich meinem Kutscher: ‚Ich fürchte, Petrus ist selbst an der Pest krank.‘ So war es auch. Ich fand ihn in seiner elenden Strohhütte auf dem Boden liegen; er zeigte mir seine Pestbeule und sagte: ‚Gestern Abend fühlte ich mich unwohl; in dieser Nacht entstand die Beule! Gott sei es gedankt, dass Sie kommen.‘ Mit großer Entschlossenheit und Ruhe machte er seine letzte Beicht und empfing die Sterbesakramente. Voll Ergebung brachte er dem Heiland sein junges Leben zum Opfer. Besonders fühlte er sich getröstet, als ich ihm sagte: Danke dem Heiland, dass du ähnlich wie im letzten Jahr P. Kipp jetzt ein Märtyrer der Nächstenliebe geworden bist. Ich bin sicher, dass in diesem Augenblick P. Kipp dir nahe ist und für dich im Himmel einen herrlichen Platz bereitet hat.‘

 Schon am dritten Tag starb Petrus. Ich hatte sofort zu Pferd einen Eilboten an seine Frau und Eltern geschickt. Aber da sie über 40 Meilen entfernt waren, kamen sie erst an, als das Grab über dem Verstorbenen sich geschlossen hatte. 

Petrus war 21 Jahre alt; vor sechs Jahren war er getauft worden; vor drei Jahren heiratete er und wurde versuchsweise als Katechist angestellt. (…) Der Verlust tat mir leid, aber solch ein heroisches Opfer muss doch auch Gottes Segen auf unsere Mission herabziehen. R.I.P.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Sonntag, 2. Februar 2014

Wenn der koptisch-katholische Patriarch sonntags zur Christenlehre geht

koptisch-katholischer Patriarch Kyrillos Makarios (früher auch Macaire)

Im Bulletin du Séminaire Oriental 1904 (S.62), dem Organ der ehemaligen geistlichen Zöglinge der Jesuiten in Beirut, macht ein junger koptischer Priester (Franz Bistauros, Dr. theol.) einige bemerkenswerte Mitteilungen, die uns einen kleinen Einblick in die seelsorgliche Praxis der orientalischen Kirche geben.

Wir erfahren da, dass hier der Katechismusunterricht und die öffentliche Christenlehre im Allgemeinen unbekannte Dinge sind.  Darin dürfte neben dem mangelhaften Schulunterricht der Hauptgrund der großen religiösen Unwissenheit unter den orientalischen Christen zu suchen sein.

Es ist eine Frucht der Erziehung in Beirut, dass auch nach dieser Hinsicht allmählich eine Besserung eintritt. In Beirut hatte Dr. Bistauros den Wert und Nutzen der Christenlehre unter den armen Kindern und der Arbeiterbevölkerung Beiruts praktisch kennen und schätzen gelernt. Er beschloss, dieselbe in der Patriarchalkirche zu Kairo, wo er jetzt angestellt ist, einzuführen.

Sein Plan fand bei dem eifrigen Patriarchen Macaire freudig Zustimmung. Um das Volk zu gewinnen und anzuziehen, wollte Se. Seligkeit den Christenlehren sogar persönlich beiwohnen. Das zog; bald hatte der junge Priester allsonntäglich eine zahlreiche Zuhörerschaft. 

Die anfängliche Überraschung über diese ganz ungewohnte Lehrweise ging rasch in Bewunderung über. „Heute ziehen die Leute die Christenlehre jeder Predigt vor.“ Dr. Bistauros hatte Gelegenheit, bei Besuchen und Unterredungen den Eindruck zu beobachten, den diese einfache katechistische Erklärung der Glaubenswahrheiten auf die Leute machte.

„Ich hatte immer gemeint“, sagte eine gute Alte, „dass der Katechismus höchstens für Kinder sei; ich finde aber, dass er die beste Predigt ist.“ – „Ja, ja“, fügte eine andere bei; „hast du nicht gesehen, dass Se. Seligkeit der Patriarch ihre beigewohnt hat. Er hat sicherlich selbst das Buch verfasst, das man dabei benützt. Man braucht nur zu hören, wie schön er alles erklärt und wie fasslich er alles macht. Das ist nicht wie ein gewöhnlicher Katechismus; der ist gründlich, und es sind gar schöne Geschichten darin.“

In höheren Kreisen urteilte man anfangs anders. „Mir will scheinen“, meint eine Dame, „der Patriarch vergesse, dass er Patriarch ist.“ – „Warum denn, Madame?“ – „Ich habe gehört, dass er allsonntäglich der Christenlehre beiwohne, das scheint mir doch eines Patriarchen unwürdig.“ – „Wieso denn; der Katechismus ist doch eine heilige Sache. Waren Sie übrigens dabei, um die Sache beurteilen zu können?“ – „Nein, ich war selbst nicht da, aber ich weiß doch, dass so etwas nur für die kleinen Kinder ist.“ – „Nun, und wenn dem so wäre, ist der Patriarch denn größer als Christus, unser Herr? Was hat der aber drei Jahre hindurch andres getan, als Christenlehre gehalten?“ – „Ist dem wirklich so?“ – „Gewiss, kommen Sie nur und sehen Sie selbst.“ 
Eine Woche später traf Bistauros die Dame wieder. Sie sagte ganz begeistert: „Die Christenlehre war die beste Predigt, die ich je gehört. Das ist’s gerade, was ich mir wünsche. Ich habe alles ohne Ausnahme verstanden, weil Sie dabei gerade so sprechen, wie man auch sonst spricht.“

Nach der Segensandacht, mit welcher die Christenlehre jedes mal schließt, kamen eines Tages drei Familienmütter in die Sakristei. Die erste klagte ihr Leid, dass ihre drei erwachsenen Söhne so unwissend in der Religion seien und noch nie gebeichtet hätten, weil sie davor Angst hätten. 
Nun habe sie in der Christenlehre gehört, wie leicht das Beichten sei. Wären doch nur ihre Jungen dabei gewesen! Sie solle sie schicken, lautete die Antwort. Sie kamen, und nach kurzer Zeit machten alle drei ihre erste Beicht. 
Die zweite Frau brachte ihre beiden Kinder, die bisher in die protestantische Schule gegangen waren. Die Katechese hatte ihr klar gemacht, auf welchem Weg man sicher zum Heil komme. 
Die dritte sagte, sie könne am nächsten Sonntag nicht kommen, Bistauros möge ihr doch jetzt schon die Antwort auf die Frage geben, deren Erklärung er für den nächsten Sonntag angekündigt habe. Es war die Frage über die Art, eine vollkommene Reue zu erwecken.

Auf den ausdrücklichen Wunsch des Patriarchen hatte Bistauros mit dem Bußsakrament begonnen. Überall hörte er die Leute sagen: „O, Sie haben unsere Gewissen so erleichtert. Gott erhalte Sie noch lange Ihrer Mutter!“

Kurz, die Christenlehre hatte eingeschlagen und ihre Früchte zeigten sich bald auch in dem häufigeren Empfang der heiligen Sakramente. Was hier in Kairo mit solchem Erfolg begonnen wurde, müsste auch anderwärts Nachahmung finden, nicht bloß bei den Kopten, sondern auch bei den anderen orientalischen Kirchen.

„Der Religionsunterricht in den Schulen in Form von Christenlehren“, so schrieb neuerdings auch P. Galland O.P. aus Wan in Armenien, „der eine bis dahin diesen Ländern der Häresie und der religiösen Unwissenheit ganz unbekannte Neuheit ist, gibt uns die Gewähr, dass allmählich ein Geschlecht heranwächst, das seinen Glauben wirklich kennt und von echt katholischem Geist durchdrungen ist.“ 

Nur so wird dies Geschlecht auch gefeit sein gegen die Bekehrungsversuche der protestantischen Sekten, denen die religiöse Unwissenheit zumal der schismatischen Volksteile nur allzu viel Vorschub leistet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Dienstag, 24. Dezember 2013

Brasilianisch-italienische Weihnachten

Quelle: http://papastronsay.blogspot.de/

Allen Lesern wünsche ich gesegnete Weihnachten! Vergessen Sie in Ihren Gebeten bei der Christmette bitte nicht die vielen Menschen, die Unseren Heiland noch nicht kennen, für die er aber auch Mensch geworden ist, um am Kreuz für ihre und unsere Sünden zu sterben.


Von P. Schwinn aus der Genossenschaft der Pallottiner geht uns eine ausführliche Schilderung der Weihnachtsfeier zu, wie er sie in seiner Kolonistenpfarrei Silveira Martins in Rio Grande do Sul begangen hat. Wir heben daraus einiges hervor, was unsere neulichen Ausführungen über die Verwendung äußerer Andachtsmittel im katholischen Missionsbetrieb in willkommener Weise ergänzt.

Seit Jahren war es ein Herzenswunsch P. Schwinns, die volkstümliche Krippenfeier, wie er sie in Rom einst kennen gelernt, und wie sie einst der ehrwürdige Diener Gottes Pallotti (heute heiliggesprochen) so gefördert hatte, in bescheidenem Maße auch seinen armen Hinterwäldlern zugänglich zu machen.

„Silveira Martins zählt nicht wenige laue und unwissende Seelen. Für sie konnte die Feier der Erscheinung unseres Herrn nach dem Plan des ehrwürdigen Ordensstifters ein wahres Hochfeuer, für die Unwissenden eine wirksame Schule des Glaubens werden. So viele ziehen alljährlich in den Urwald; dort werden sie Predigt und Katechismus vergessen, nur nicht das Kindlein in der Krippe.“

So ließ er aus Limburg a.L. die nötigen Krippenfiguren kommen und bereitete inzwischen alles Übrige vor. 
„Es wurde fleißig geschnitzt und gepinselt, und so entstanden allmählich Hütten, Villen, Schlösschen, in allen Stilarten und Farben.“ Ende November kamen die Statuen wohlbehalten an. Alles wurde in der Stille vorbereitet.

Als dann endlich in der heiligen Nacht die Kirche geöffnet wurde, da ging diesen guten Waldkindern fast der Atem aus. Die im Land selbst geborenen, welche die große Mehrheit der Bevölkerung bilden, haben ja überhaupt noch nie ein Kunstwerk gesehen, und auch die Alten meinten, nicht einmal in Italien hätten sie eine schönere Krippe zu Gesicht bekommen.

Nach der Christmette wurde die Krippe feierlich eingeweiht, und nun klangen die schönen rührenden Weisen der sog. Hirtenlieder, die so lebhaft an das Gloria der himmlischen Heerscharen und die Armut des Jesuskindleins erinnern.

Seitdem Silveira Martins besteht, so sagten viele, hat es eine solche Christmette nicht gesehen. Trotz des großen Zudrangs und der Begeisterung herrschte die schönste Ruhe und Andacht und vor der Krippe wurde viel gebetet.

Der Besuch des hochw. Weihbischofs Dom João Antonio Pimenta erhöhte noch die Feststimmung in den folgenden Tagen. Er wurde von hundert berittenen Jünglingen feierlich abgeholt und erteilte vom 27. bis 29. Dezember nicht weniger als 1.200 Personen die heilige Firmung. 
Der eifrige, echt apostolische Mann ist eine wahre Gottesgabe für die riesig große Diözese, in welcher manche Gebiete überhaupt noch nicht das Glück gehabt haben, einen Nachfolger der Apostel bei sich zu sehen.

Den Höhepunkt erreichte die Begeisterung des Volkes am Feste der Erscheinung des Herrn, das ganz nach dem Vorbild der „Epiphania“ in S. Andrea della Valle zu Rom gefeiert wurde.
Dem Fest ging am Vorabend die feierliche Wasserweihe voraus, deren tiefsinniger, aus dem Orient stammender Ritus man zuerst dem Volk erklärte. 
Nach dem Hochamt am Festtag wurde das gekrönte Bild des neugeborenen Königs in festlicher Prozession und wie im Triumphzug durch sein Volk getragen unter den Klängen des herrlichen Siegeslieds: Viva il nato re – „Es lebe der neugeborene König!“

Die ganze Oktav hindurch übte die Krippe ihre mächtige Anziehungskraft aus, und der eifrige Empfang der Sakramente bewies, dass das Volk dem Kind in der Krippe auch innerlich näher gekommen war.

Ergreifend wirkte die Schlussfeier am Oktavtag.
Nach dem Hochamt holte der Diakon von einem Seitenaltar das Jesuskind und übergab es dem Zelebranten, der inzwischen die Kasel mit einem roten Pluviale vertauscht hatte. 
Er hielt nun (ganz wie in Rom) mit dem Kindlein auf den Armen eine zündende Ansprache über den schönen Gebrauch, das Jesuskindlein zu küssen. 
‚Indem wir die Füße küssen‘, sagte er, ‚erkennen wir ihn feierlich als unseren Herrn und König an; seine Hände küssen wir, weil er unser Hohepriester ist, sein Antlitz, weil er als Erstgeborener (…) uns allen alles geworden ist.‘ 
Und nun kamen alle, große und klein, Männer und Jünglinge zum Kuss des Kindleins – wahrlich ein schönes Zeugnis des Glaubens und der Liebe zum Gottessohn. Den ganzen Tag über blieb die Kirche stark besucht, denn es sollte der letzte Tag sein.

Zu meinem Erstaunen bemerkte ich, dass die Bevölkerung dem schwarzen heiligen König Balthasar nicht die gleiche Ehrfurcht bezeigte wie den anderen zwei. Zum Ersatz dafür bekam er aber von den Farbigen aller Schattierungen das einstimmige Vertrauensvotum.

Zufrieden konnte ich auf die Festzeit zurückblicken. Die Zahl der heiligen Kommunionen war im Vergleich zu früheren Jahren bedeutend gestiegen und mehrere bekannte Sünder hatten sich mit dem lieben Gott ausgesöhnt. 
Die Liebe zum Gottesdienst ist im Steigen, und was mich besonders freute, es machte sich eine lobenswerte Wissbegierde bemerkbar. Nicht nur hörte die große Menge den vielen Predigten in lautloser Stille zu, sondern sie verlangte über alle Einzelheiten der heiligen Geheimnisse näheren Aufschluss. 
Die vielfach recht naiven Fragen brachten mich fast in Verlegenheit. So sollte ich von den Hirten und dem königlichen Gefolge die Namen angeben. Beinahe hätte dabei mein wissenschaftliches Ansehen Schaden gelitten. Die guten Leute meinten, der Pater muss das alles wissen. Ich machte ihnen nun begreiflich, dass der Hirten viele waren, die Dienerschaft aber pflege man nicht zu verzeichnen. So war meine Ehre einigermaßen gerettet.
Der Kostenpunkt der Krippe ist nun zum Teil auch schon überwunden, und was den Rest anbelangt: Gott hat geholfen und wird weiter helfen!“


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Montag, 9. Dezember 2013

Eine Missionsdruckerei am Kongo

Kathedrale des Erzbistums Lubumbashi, DR Kongo (Quelle: Nick Hobgood)

Bereits früher einmal haben wir über die typographischen Bestrebungen der Jesuitenmissionäre am Kongo berichtet. Heute geht uns über die Ignatius-Druckerei in Ki-Santu eine ausführlichere Meldung zu. „Ich beschränke mich“, schreibt unser Gewährsmann, „auf die einfache Aufzählung der von unseren Missionären publizierten Werke.“

Zunächst veröffentlichtet P. van Henxthoven gleich anfangs einen kleinen Katechismus, der lange Zeit beim Unterricht als grundlegendes Textbuch diente. P. Butaye gab unter andrem ein umfangreicheres und vollständigeres katechetisches Werk unter dem Titel Malongi ma Nzambi (…) heraus. 
Dieser folgte seine Malongi mantete, eine Elementarlehre, welche die jungen Kongolesen in die Geheimnisse des Schreibens und Lesens einführte; sodann Ekanga diampa, das Neue Testament, eine Prachtausgabe für höhere Klassen; endlich Bisambu bia bana ba Nzambi, oder Gebetsbuch für Gotteskinder, eine hübsche Sammlung der anmutendsten Gebete. 
Das Hauptwerk des P. Butaye, die Frucht mehrjähriger Arbeit, erschien aber im verflossenen Jahre. Es ist dies eine kongolesische Grammatik mit dem Anhang eines französisch-siotschen und siotschen-französischen Wörterbuchs, nicht weniger als 650 Druckseiten umfassend.

Alle vorgenannten Werke wurden in Belgien gedruckt, was infolge der Hin- und Hersendung der Korrekturbögen manche Schwierigkeiten mit sich brachte, so dass die Drucklegung eines Buchs oft mehr als ein Jahr in Anspruch nahm. 
Diesem Übelstand wurde abgeholfen durch das wahrhaft großmütige Geschenk des Herrn Joh. Hugghe, Redakteur der „Nieuws van den dag“ und des „Vlaming“. Es war dies eine Presse im Wert von mehreren Tausend Franken. Als Erstlingswerk ging aus dieser neuerrichteten Druckerei eine umfangreiche Liedersammlung hervor. 

Bald erschien die erste Nummer des Ntetembo eto, der bereits früher erwähnten kongolesischen Zeitschrift, die gegenwärtig 400 Abonnenten zählt. Zurzeit ist ein Neues Testament, Ekangu dinkulu, sowie ein Katechismus mit Erläuterungen unter der Presse. Diesen Werken soll eine Predigtsammlung des P. van Henxthoven folgen, ebenfalls in kongolesischer Sprache abgefasst. Auch der unermüdliche P. Butaye bereitet eine Kirchengeschichte vor. 

– Unser Berichterstatter schließt seine Notiz mit den Worten: „Der Nutzen einer einheimischen Presse für die Evangelisation der Neger ist zweifellos. Wenn die japanischen Christen trotz der dreihundertjährigen Absonderung von der ganzen katholischen Welt ihren Glauben unversehrt bewahrten, so verdankten sie dieses namentlich den Büchern, die ihnen die Missionäre des 16. und 17. Jahrhunderts hinterlassen hatten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Was ein kleiner Junge seinem muslimischen Vater über Mohammed zu sagen hat

Weiter nach Osten, in der Provinz Alger, treffen wir die Missionsstation von Tagmunt-Azuz unter dem Stamme der Beni-Aissi. Obschon die älteste der Niederlassungen (der Weißen Väter), zählt sie doch nur eine kleine Christengemeinde, da die mohammedanischen Marabuts (muslimische Wanderprediger) den Missionären beständig entgegenarbeiten. 

Schönere Früchte zeitigt das südlich gelegene Bu-Noh unter dem Stamme der Beni-Ismaïl. Eine Anzahl von Katechumenen liegt mit Eifer dem Katechismus ob und verlangt mit heißer Sehnsucht nach der heiligen Taufe. 

Unter einer Reihe von Beispielen christlichen Bekennermutes nur folgendes: Ein Marabut suchte seinen kleinen Sohn den Missionären abspenstig zu machen. „Höre, Vater“, entgegnete der junge Bekenner in entschiedenem Ton, „wenn du einen guten Hirten hast, so behältst du ich; einen schlechten jagst du weg, nicht wahr? Nun wohlan! Jesus ist gut, und ich behalte ihn; Mohammed ist böse, und ich will nichts mit ihm zu schaffen haben. Als Marabut und Lehrer des Korans musst du wissen, dass der Prophet als Belohnung im Jenseits nur Weiber verheißt. Was mich betrifft, so genügt mir Gott.“ Der Vater hatte keine Antwort für diese freie Sprache seines Sohnes.


(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Mittwoch, 4. September 2013

Der Rosenkranz in Bildern: Katechismustheater in Indien

Nachfolgend einige Bilder eines "lebendigen Rosenkranzes", wie er in der Mission von Pune aufgeführt wurde. Zu einem Muttergottesfest wurden alle 15 Rosenkranzgeheimnisse in stehenden Bildern dargestellt und von Katechisten erklärt. Besonders die Darstellung der Passion muss großen Eindruck auf die Christen gemacht haben.  Diese Aufführung war Teil eines großen Missionstheaters, welche die Theaterbegeisterung der Inder für deren geistige Erbauung nutzte.


Die Verkündigung 

Christi Geburt

Die Auffindung im Tempel

Die Dornenkrönung

Die Himmelfahrt Christi
Die Aufnahme Mariä in den Himmel



Samstag, 18. Mai 2013

Mehr über die eifrigen Katholiken in Uganda


Unsere Leser werden sich noch der schönen Briefe erinnern, welche uns die deutsche Schwester Maria Restituta früher aus dem Land der Kabylen (Nordafrika) zusandte.

„Nach langer Unterbrechung“, so schreibt sie von Biskra, Nord-Sahara, „erlaube ich mir, wieder einmal an Ihr Wohlwollen zu appellieren und Ihre gütige Vermittlung zu erbitten zu Gunsten unserer künftigen Mission bei den Negern in Uganda.
Meine ehrwürdigen Obern haben mir vor einigen Tagen die mich hoch beglückende Mitteilung gemacht, dass ich mi Monat Mai mit fünf Gefährtinnen in Begleitung des hochwürdigsten Bischofs Streicher die Reise dahin unternehmen soll. 

Das Land der schwarzen Märtyrer wendet sich voll und ganz dem Christentum zu; Neophyten und Katechumenen zählen nach Tausenden, und mit der Gnade Gottes können wir den Missionären, die bis jetzt allein dort tätig waren, ihre gewaltige Arbeitslast etwas erleichtern. 
Den Berichten der Weißen Väter zufolge gibt der Eifer dieser schwarzen Neubekehrten dem der ersten Christen kaum etwas nach und geht häufig genug bis zum Heroismus. 
Rührend ist ihre Verehrung zur lieben Mutter Gottes: ihr zu Ehren legen sie sich oft genug die strengsten Fasten auf, besonders wenn es gilt, die Prüfung zu bestehen, welche, wenn sie glücklich ausfällt, ihnen die Gnade der heiligen Taufe sichert. 
Msgr. Streicher erzählte kürzlich, als die Rede auf seine geliebten schwarzen Kinder kam, folgendes Beispiel ihrer vortrefflichen Gesinnungen:

„Eine gute Alte, die seit Jahren vergeblich bemüht war, ihrem widerspenstigen Kopf den Wortlaut des Katechismus einzuprägen, flehte mit beweglichen Worten [sic] um die Taufe. Sie wurde zur Prüfung zugelassen. Der hochwürdigste Herr richtete selbst die Fragen an sie:

‚Kannst du mir sagen, was die Taufe ist?‘ – ‚Die Taufe, das ist das Wasser, das die Seele rein wäscht.‘ – ‚Und was ist die heilige Kommunion?‘ – ‚Das ist der liebe Gott, den man isst.‘ – ‚Was ist das heilige Sakrament der Buße?‘ – ‚Das sind die Sünden, die davonlaufen.‘ – ‚Aber, liebe Frau, du verstehst ja gar nichts von der Glaubenslehre!‘ – ‚Ob ich die Glaubenslehre verstehe oder nicht, das weiß ich nicht, darüber bist du Richter. Ich bin eine alte Frau und mein Kopf ist zu hart zum Lernen. Ich weiß nur eines, nämlich dass ich keinen sehnlicheren Wunsch im Herzen habe als den, das Kind des großen Gottes zu werden, den du anbetest und der auch mich erschaffen hat. 
Sag mir einmal, wenn deine Mutter so vor dir kniete und dich um die heilige Taufe bäte, würdest du ihr dieselbe verweigern?‘

Die schlichte, vom Herzen kommende Beredsamkeit der armen Alten trug den Sieg davon, und es gab eine Glückliche mehr unter der Sonne. 

Natürlich muss der Unterricht den Baganda in ihrem Idiom, einer Bantusprache, erteilt werden, zu deren Erlernung die Missionäre bereits eine Grammatik verfasst haben. Da gilt es vor allem, das Ruganda zu studieren.

Neben den geistlichen Werken der Barmherzigkeit ist noch ein weites Feld für die leiblichen offen; denn die unaufhörlichen Verfolgungen und Kriege haben besonders den Christen hart zugesetzt, so dass sie häufig vom Notwendigsten entblößt sind. Auch der Sklavenloskauf und die Kosten für Unterhalt der befreiten Kinder bedingen besondere Hilfsquellen. (…)

(Aus: die katholischen Missionen, 1899) 

Hier ein weiterer erbaulicher Brief von Schwester Restituta aus Uganda. Es waren seit dem Brief oben fast 20 Jahre vergangen.

Dienstag, 14. Mai 2013

Die Predigt des Missionars in einem Bild



Schon die Missionäre der früheren Jahrhunderte bedienten sich zur Erläuterung ihrer Predigt mit dem größten Nutzen der Bilder. In unseren Tagen hat P. Basseur S.J. einen Verein gegründet, welcher für die Herstellung von Bildern, die zunächst für die Missionen in China bestimmt sind, Sorge trägt. 

Unter seiner Leitung wurden mehrere Serien von Bildern ausgeführt, welche die einzelnen Geheimnisse unserer heiligen Religion recht passend erläutern. Daneben ließ er auch das Bild entwerfen, das wir als Titelbild dieses Bandes geben und das den ganzen Katechismus in einigen Gruppen zusammenfasst. 

Oben in der Mitte thront die heiligste Dreifaltigkeit; unter ihr steht die unbefleckt empfangene Jungfrau, zu deren Seite das erste Menschenpaar kniet. 
Der Erzengel Gabriel verkündet die Menschwerdung, der Erzengel Michael überwindet den Drachen. Zwei Medaillons erinnern an die Geburt und das verborgene Leben des Heilandes, zwei andere an seine Auferstehung und Himmelfahrt, während der Kreuzestod im oberen Mittelfeld dargestellt ist. 
Links von dem sterbenden Heiland steht die blinde Synagoge, rechts von ihm der neue Bund mit Kelch und Evangelienbuch. Maria und Johannes finden sich neben ihm, während bei der Synagoge Priester und Leviten des alten Bundes mit dem zerrissenen Vorhang des Tempels zu sehen sind. 

Das Hauptbild versinnbildet die Lehre von der Kirche, ihre Einheit durch den Nachfolger Petri, unter dem Schutz und der Leitung Christi und des heiligen Geistes; ihre apostolische Sendung und Katholizität durch das: Euntes docete – „Gehet hin und lehret alle Völker“; ihre Heiligkeit durch die Vereinigung mit den schon triumphierenden Mitgliedern; endlich auch ihre Gemeinschaft mit der im Fegfeuer leidenden Kirche. 

Die Seitenbilder geben in zehn Medaillons die Gebote Gottes und auf der gegenüberstehenden Seite die drei göttlichen Tugenden und die Werke der leiblichen Barmherzigkeit, und als Gnadenmittel zur Beobachtung der Gebote und Übung der Tugend die sieben heiligen Sakramente und das Gebet (das Vaterunser). 
Endlich mahnen die vier letzten Dinge des Menschen zum Eifer auf dem Weg der Vollkommenheit. 

So ist wirklich in dem Einen Bild alles vereinigt, was der Katechet seinen Schülern als Vorbereitung auf die Taufe erklären muss. Auf dem Bild, wie wir es geben, ist freilich wegen des beschränkten Raumes manche Figur unklar geworden; dieser Mangel fällt aber in Wirklichkeit weg, weil P. Basseur das Bild fünfmal größer, 1,10 Meter hoch und 75 Centimeter breit ausführen ließ. 

(Aus: die katholischen Missionen, 1883)

Samstag, 4. August 2012

Wie sich die Maori ihre Rosenkränze verdienen mussten

Maori-Häuptlinge

P. Madan, Missionär des St.-Josephs-Kollegs in Mill Hill bei London, schreibt den 27. September 1887 von St. Joseph’s Whare zu Matata an der Plenty Bay die folgenden Notizen über die Fortschritte der Mission unter den Maori:

„P. Becker ist in der vulkanischen Gegend der heißen Quellen und wird sich wahrscheinlich zu Ohinemutu, ganz nahe an dem Vulkan, niederlassen.
Der Reihe nach besuchte er die verschiedenen kleinen Gruppen von Katholiken, welche in der dortigen Gegend zerstreut leben; alle nahmen ihn mit Freuden auf und wünschten sehnlich, dass Priester kommen möchten.
Ihre Frömmigkeit ist sehr erbaulich; zwei- bis dreimal täglich versammeln sie sich zum gemeinschaftlichen Gebete und kommen gerne zur Beichte, doch die Männer lieber als die Frauen. Unsere Hauptsorge muss dem kommenden Geschlecht gelten. Der schlimme Einfluss der protestantischen englischen Einwanderer ist jetzt viel größer als früher.
In einer Niederlassung leben zwei Drittel der englischen Ansiedler in wilder Ehe mit Maorifrauen, was natürlich den schlimmsten Einfluss auf die Kinder hat.
Nicht nur Missionäre, auch Nonnen für die Erziehung der Mädchen haben wir deshalb notwendig; sie müssen aber bereit sein, von den Almosen zu leben, welche die Maori geben, d.h. von Kartoffeln, Schweinefleisch, Fischen usw. 


Ich bin jetzt zu Whakatane an der Südgrenze meiner Mission. Alle Maori in der Umgegend sind Katholiken; andere, welche zwei bis drei Meilen entfernt wohnen, sind vor einigen Jahren infolge einer vorgeblichen Krankenheilung zu der sogenannten Hauhau-Sekte, einem Gemisch aus Judentum, Protestantismus und Heidentum, abgefallen.
Bei meiner unerwarteten Ankunft am letzten Freitag wurden sofort die hervorragenden Katholiken benachrichtigt, dass am Sonntag Gottesdienst sei.
Zwei Maori boten sich an, mit einem Brief von mir die Katholiken in den entfernteren Niederlassungen aufzusuchen. So kamen vierzig bis fünfzig zur heiligen Messe und zwölf davon empfingen die heiligen Sakramente.
Der alte Katechist von hier wurde von Bischof Pompallier bekehrt und getauft. Sein Sohn, ebenfalls Katechist, besorgte mein Pferd und stellte sein kleines Haus zu meiner Verfügung. 


Jeden Morgen und Abend halte ich einen Unterricht. Bevor ich den Leuten einen Rosenkranz schenke, müssen sie mir die Geheimnisse und die Art und Weise, ihn zu beten, aufsagen und erklären.
Es ist recht erbaulich, zu sehen, wie Greise und alte Mütterchen sich alle Mühe geben, meine Fragen zu beantworten und den Rosenkranz zu beten, und oft eine ganze Stunde reden, bevor sie den Rosenkranz erhalten. 


Während der ganzen Messe werden in der Landessprache Gebete verrichtet und Lieder gesungen, wie es im Rheinland Gebrauch ist. Nach der Kommunion betet der Katechist für alle, welche das heilige Sakrament empfangen haben, eine gemeinschaftliche Danksagung vor.
Der Katechismus ist sehr umfangreich, ausführlicher als die in England gebräuchlichen und fast so groß wie der alte irische Katechismus. Er bietet dem Priester eine ausgezeichnete Grundlage für den eingehenderen Unterricht.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Sonntag, 17. Juni 2012

Eine ungewöhnliche letzte Beichte


Eine rührend ergreifende Szene berichtet ein Missionär aus dem Apostol. Vikariat Saskatchewan, der hochw. Herr Bonnald O.M.I.:
„Im letzten Winter herrschten unter den Indianern Hungersnot und ansteckende Krankheiten. Bei einem Besuch traf ich auf elf Leichen, die erstarrt und durch eine Kälte von -40° eisgefroren auf ihrer Matte lagen. Als ich mich ihren irdischen Hüllen näherte, um zu beten, sah ich zu meiner Verwunderung, dass jede Leiche ein zusammengefaltetes Blatt aus einem Stück Birkenrinde, dem Schreibpapier in diesem Nordland, in ihrer Hand hielt.
Einen Augenblick schoss ein schrecklicher Verdacht durch meine Seele: „Ach,“ dachte ich schmerzbewegt, „welch trauriger Aberglaube!“ Ich nahm das Blatt, es trug oben die Worte, „bloß unser Vater darf die folgenden Zeilen lesen.“
Es war ihre Beichte. Die armen Leute hatten, als sie den Tod herannahen fühlten und ihre Sünden nicht beichten konnten, dieselben dem Blättchen anvertraut.
Wie hatten sie dies getan? Hatten sie selbst mit sterbensmüder Hand diese Buchstaben gekritzelt oder einen Vertrauensmann dazu gebraucht? Ich weiß es nicht.
Sämtliche Blätter schlossen mit einer fast gleichlautenden Bestimmung: „Ich bitte dich, mein Vater, einmal die heilige Messe für meine Seelenruhe zu lesen. Ich lasse dir zum Entgelt für diesen Dienst…ein Biberfell…ein Marderfell…meine schöne Axt zurück.“
Als ich dieses letzte Zeugnis las, da entrang sich ein Schmerzensseufzer meiner Brust, und Tränen stiegen mir in die Augen.
O diese lieben großen Kinder! Sie hatten von mir gehört, dass beim Mangel eines Priesters die vollkommene Reue, verbunden mit dem Verlangen, das Sakrament zu empfangen, die Nachlassung der Sünden bewirke, und sie wollten vor Gott, ihrem Gewissen und ihrem Vater schriftlich bezeugen, dass sie in dieser Gesinnung gestorben seien.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Montag, 23. April 2012

Der große Eifer eines jungen schwarzen Erstkommunikanten


Über den großen Eifer, womit die schwarzen Katechumenen sich auf den schönsten Tag im Leben des Katholiken, auf den Tag der ersten hl. Kommunion, vorbereiten, erzählt uns ein Missionär folgendes schönes Beispiel:

Maua, ein Negerknabe, welcher in der hl. Taufe den Namen Thadäus erhielt, hatte große Sehnsucht nach der hl. Kommunion. Er hoffte bestimmt, am weißen Sonntag vorigen Jahres zum Gnadentische zugelassen zu werden, allein der Missionär hielt ihn für nicht genügend unterrichtet. 

Sofort nach dem Unterricht begab sich Thadäus in die Wohnung des Glaubensboten und bat mit aufgehobenen Händen, am weißen Sonntag die hl. Kommunion empfangen zu dürfen.
Der Missionär belobte sein hl. Verlangen, fügte jedoch bei: „Ich kann aber deiner Bitte doch nicht willfahren, mein Kind; denn schau, Du hast ja kaum einen Unterricht über das hl. Sakrament des Altars empfangen. 

Auch musst Du notwendig noch gehorsamer werden, denn sonst kann der göttlichen Heiland nicht in Dein Herz kommen. Du weißt, er liebt nur gehorsame Kinder.“ — Maua folgte nämlich manchmal nur zögernd.

Das ging dem kleinen Maua zu Herzen. Er nahm sich vor, von der Stunde an ein Muster des Gehorsams zu werden. Er bat seinen älteren Bruder, welcher sich ebenfalls unter den Katechumenen befand, ihn auf jeden Fehltritt aufmerksam zu machen. 

Er selbst faltete ein Blatt Papier und steckte es in die Tasche. Auf diesem verzeichnete er mit äußerster Gewissenhaftigkeit jeden, auch den unscheinbarsten Fehler. Am Abend zählte er die verschiedenen Striche zusammen und verglich sie mit dem vorhergehenden Tag. Fand er, dass er einen Strich hatte mehr machen müssen, so legte er sich sogleich selbst eine kleine Strafe auf. Und sieh da! 
Die Fehler wurden fast täglich weniger und die Klagen gegen seine mangelhafte Folgsamkeit waren zu Ende.

Mit noch größerer Ausdauer als bisher lernte er den Katechismus. Da er hörte, dass drei Mitschüler nach vielen Bitten die Erlaubnis erhalten hatten, des Morgens etwas früher aufzustehen, ging er sogleich zu seinem geistlichen Vater, sich die gleiche Gunst zu erbitten, um noch mehr Zeit zum Lernen zu erhalten.



Selbstverständlich konnte diesem Ansuchen seiner Gesundheit wegen nicht stattgegeben werden. Aber gerührt war der Missionär, als Thadäus seinen Sündenzettel vorzeigte, ob solchen Ernstes und solcher treuen Jesusliebe.
Nun war auch das Widerstreben besiegt. Thadäus durfte am weißen Sonntag mit den anderen Täuflingen zum Tisch des Herrn gehen und seinen innigstgeliebten Jesus in heiliger Brotgestalt empfangen. 


— Welch schönes Vorbild für diejenigen Leser, welche heuer die unaussprechliche Gnade haben, ihren Gott und Herrn zum erstenmal in ihr Herz aufzunehmen!


(Aus: Das Heidenkind, 1891)



Samstag, 7. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 1)



Unter den Männern aus dem niedrigen Volk hat P. Fiorovich S.J. seit langen Jahren ein Werk ins Leben gerufen, das ein ganz besonderes Interesse bietet. Wir meinen die in der ganzen Levante berühmt gewordene Männerkongregation von Beirut.
Diese zeigte uns klar, was besonnene , aber begeisterte Hingabe an eine Sache zuwege bringt, und ist nicht minder geeignet, jenen, die in christkatholischem Sinn an der Lösung der sozialen Frage arbeiten wollen, gute Winke an die Hand zu geben, sowie dieselben zu standhafter Ausdauer und zum Vertrauen auf die gute Sache zu begeistern.
In den 26 Jahren ihres Bestandes hat diese Kongregation mehr als 10.000 Mitglieder aufgenommen. Viele davon haben sich in den syrischen Küstenstädten zerstreut und dort zu ähnlichen Vereinen zusammengetan; so ist das Werk von Beirut zum Grundstock und Vorbild mehrerer anderen geworden.
Bekanntlich ist Beirut seit 1860 der Handelsmittelpunkt Syriens.
Christen aus den niedrigsten Ständen strömten dahin, um dort Sicherheit und Lebensunterhalt zu finden. Lassen wir uns den Beginn seines Unternehmens von P. Fiorovich selber erzählen.


 „Im Anfang der sechziger Jahre waren hier nur wenige eingeborene Priester, und diese waren nicht sehr seeleneifrig. Die Männer aus den unteren Volksschichten waren fast nur dem Namen nach Christen; denn sie kannten häufig nicht einmal die Grundwahrheiten des Katechismus, manche wussten auf meine Frage, ob es nur Einen Gott gebe oder ob man drei oder vier Götter anbeten müsse, keine Antwort.
Da beschloss ich dann im Jahr 1863, für diese verlassenen Armen eine Kongregation zu gründen.
Zu diesem Ende begann ich die Straßen und öffentlichen Plätze zu durchlaufen: ich betrat die Bazare, ging von einer Krämerbude zur anderen und lud die Kleinhändler, die Lastträger, die Matrosen freundlich ein, in unsere Kapelle zu kommen.
Nach all diesen Bemühungen, denen ich mich unausgesetzt drei Wochen unterzog, fanden sich zur ersten Versammlung vier Männer ein, acht Tage darauf sieben. Kurz, der Erfolg war nicht glänzend.
Da verfiel ich auf den Gedanken, bei unseren Patres kleine Devotionalien zu sammeln und am Sonntag eine kleine Lotterie zu veranstalten. Nach der Versammlung fand die Ziehung im Hof unseres Hauses statt.
Fast auf alle Anwesenden fiel ein Gewinn, sei es ein Skapulier oder ein Bildchen oder eine Medaille. Das zog nun mehr Leute an.
Die, welche sich in die geplante Kongregation aufnehmen ließen, erhielten ein Skapulier gegen das Versprechen, bei den Versammlungen zu erscheinen; außerdem wurde ihnen die Gelegenheit, in der Lotterie etwas zu gewinnen, nicht benommen. Bald musste ich natürlich dieses Verfahren aufgeben: ich hatte nichts mehr zu verschenken, und überdies hatten sich schon 100 Männer einschreiben lassen, eine genügende Anzahl, um das Werk jetzt mit allem Ernst in Angriff zu nehmen.
Vor allem tat den Männer Religionsunterricht und ein gründlicher Wandel in den Sitten not.
Eine Woche lang hielt ich jeden Abend eine Art Exerzitienvortrag, in welchem ich die ewigen Wahrheiten und dann auch die Notwendigkeit einer guten Beichte betonte.
Das letztere war mir die Hauptsache; doch ließ ich anfangs davon kein Wort verlauten, um niemand abzuschrecken; ich rechnete auf die Wirksamkeit der Gnade Gottes, welche die Herzen dazu stimmen, und vorbereiten musste, und fand mich nicht getäuscht: die guten Männer kamen zahlreich zum Beichtstuhl.
Allen, die sich dem heiligen Bußgericht nahten, gab ich über dieses Sakrament einen besonderen Unterricht, und ich hörte ihr Sündenbekenntnis nur an, wenn sie zu einer vollständigen Beicht aller Todsünden und zu einer aufrichtigen Reue bereit waren.
Dann half ich aber auf jede Wiese nach, durch Fragen und durch Ermutigung.
Damit noch nicht zufrieden, forderte wenn einer seine Generalbeicht vollendet und die Lossprechung erhalten hatte, denselben auf, mir einen Sünder wie er zuzuführen; ‚je größer er ist‘, fügte ich wie scherzend bei, ‚umso größere Freude bereiten Sie mir‘, und bald kam er freudenstrahlend mit einem verlorenen Schäfchen zurück, wofür ich ihn dann mit irgend einem kleinen Andachtsgegenstand belohnte.
Einer meiner ersten Pönitenten brachte mir sogar 16 nacheinander. So stellten sich mir dann selbst Renegaten, die den Islam angenommen, Straßenräuber und offenkundige Mörder und taten Buße.“

Fortsetzung folgt...
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)