Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 8. Oktober 2016

Leute mit fünf Fingern hat man immer vor Augen...

„Palast“ des Königs der Schilluk

Eine lustige Geschichte aus der Mission unter den Schilluk im Südsudan:

Man darf nicht meinen, diese Leute seien wenig begabt. Im Gegenteil, sie haben einen guten, natürlichen Verstand und sind schlau. Hierfür ein Beispiel.

Pater Meroni hatte bei einem Besuch des Schilluk-Königs eine an die Hüttenwand gemalte menschliche Figur mit sechs Fingern an der Hand bemerkt und sagte zum König: „In unseren Ländern spricht man viel von deiner Weisheit. Ich will dir eine Frage vorlegen. Höre! Die Schilluk haben an jeder Hand fünf Finger, nicht wahr? Warum malt ihr Menschen mit sechs Fingern?“ Der König beriet sich mit einem Vertrauten und sagte: „Kommt es nie vor, dass bei euch Kinder mit sechs Fingern geboren werden?“ „Ja“, sagte der Pater. „Gut“, fuhr der König fort, „wir wollten hier einen solchen Menschen malen, denn Leute mit fünf Fingern braucht man nicht erst zu malen, da man sie immer vor Augen hat.“

(Aus: Annalen der Verbreitung des Glaubens, 1906)

Sonntag, 23. November 2014

Pater Biffi gegen die Teufel im Baum

Banyan-Feige (Quelle: Abudlkaleem md)

Ostbirma – Bei meinem letzten Aufenthalte [Schreiber ist der spätere Bischof von Cartagena de Indias, Msgr. Eugenio Biffi] unter unseren Karenen in den Bergen musste ich einen Baum mit Sturm nehmen. Das kam so: In einem karenischen Dorf befindet sich ein riesiger Baum. Der Stamm hat einen Umfang von 25 Fuß und die Äste dehnen sich so weit aus, dass das ganze Dörfchen in seinem Schutz und Schatten steht. Die Mehrzahl der Einwohner sind Christen und auf unseren Wunsch haben sie sich neben diesem Baum niedergelassen.

Als ich sie letztes Jahr besuchte, herrschte die größte Bestürzung unter diesen guten Leuten. ‚Dieses Jahr sterben wir alle‘, sagten sie. ‚Aber wir werden euch nicht verlassen,‘ erwiderte ich ihnen ‚so lange wir noch ein Stücklein Brot haben, werden wir es mit euch teilen.“ Ich meinte nämlich, sie fürchteten eine Hungersnot. Allein sie zeigten auf den riesigen Baum und sagten leise: „Der Baum ist von Teufeln bewohnt und die Leute sagen, wir wären alle des Todes, weil wir ihre Wohnung beunruhigt hätten.“ „Was lasst ihr aber euch von den Heiden so belügen? Seid guten Mutes; der Baum ist wie alle anderen Bäume! Wisst ihr denn nicht, dass unser Herr von den Teufeln nichts zu fürchten hat? Seid ihr denn nicht wiedergeboren in der heiligen Taufe? Was fürchtet ihr also?“
Meine Worte schienen ihnen Mut einzuflößen und sie zogen sich beruhigt in ihre Hütten zurück. Aber eine Stunde später kamen sie wieder und sagten: „Steige auf den Baum und verjage die Teufel. Wenn Du droben betest, so werden die bösen Geister die Flucht ergreifen und nicht mehr zu kommen wagen – „Ist das alles?“ sagte ich; „bringt mir eine Leiter!“ Zweifelsohne kam der Vorschlag von den Heiden, und hätte ich mich geweigert, so würden sie gesagt haben: „Seht, eure Priester haben Furcht!“ Um also unseren Christen jede Angst zu benehmen, erbot ich mich, auf den Baum zu klettern. Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte wohl etwas Angst, aber nicht vor den Teufeln, sondern vor der Höhe des Baumes, vor der miserablen Leiter, die man für mich zurechtmachte und auch weil mein Kopf sich nicht ganz schwindelfrei fühlte.

Die Leiter war im Nu fertig. Zwischen zwei lange Bambusrohre wurden gespaltene Bambusstäbchen als Sprossen gefügt; aber sie war zu kurz und man musste eine zweite daran festbinden. Als alles in Ordnung war, kletterte ich unter tiefem Schweigen aller Umstehenden empor. Die Sache war nicht so leicht, denn die schwanke Leiter stand sehr steil und die Sprossen waren sehr weit voneinander. Endlich kam ich oben an und konnte nicht ohne Gefahr in den Baum steigen. Die hochw. Herrn Gottfried Conti und Rochus Tornatore folgten mir samt einigen Karenen, die sich von ihrem Schrecken erholt hatten. Wir setzten uns in der Krone und ich segnete von da aus meine lieben Neophyten, indem ich sie ermahnte, in Zukunft keine Furcht vor den Teufeln zu haben. Dann stiegen wir wieder herab. Alsbald kletterten die Leute, außer sich vor Freude, in den Baum, sprangen so behände wie Affen von Ast zu Ast und alle Teufelsfurcht war verflogen, denn die Priester hatten den Baum erstürmt und nichts war mehr zu fürchten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Sonntag, 12. Oktober 2014

Wie apostolische Armut aussieht (Teil 2)

Forsetzung von hier

Der chinesische Handelsgeist lässt sich diese Gelegenheiten nicht entgehen. Kleine Verkäufer von Zuckerrohrstengeln, Melonenkernen und anderer guter Dinge postieren sich hier und dort und machen bei dem Andrang von Leuten gute Geschäfte. Solange der Bischof an einem Ort weilt, bildet er das eine, große Tagesgespräch und den Mittelpunkt des ganzen Interesses für alle Chinesen in der Runde. Alles erregt ihre Aufmerksamkeit; jede Bewegung wird beobachtet und gedeutet, jedes Wort mit Bemerkungen begleitet, die Kleider, die Züge, die Gestalt, der Bart, das Alter, alles bildet den Gegenstand zahlloser Fragen und wissbegieriger Erörterungen. Anfangs kommen einem solche Geduldproben recht hart an, und der Unwille ist oft nahe daran, überzufließen. Man sucht sich den Blicken zu entziehen. Aber wie und wohin? Die Wände bestehen aus schlecht gefugten Balken oder Brettern, die Ritzen und Spalten für hundert neugierige Augen offen lassen. Die Fenster sind viereckige Öffnungen, die nur durch ein mit Papier überklebtes Gitterwerk geschlossen werden können. Kaum hat man sich ins Zimmer zurückgezogen, so ist auch schon das Papier an zahlreichen Stellen heimlich durchlöchert, die Löcher mehren und vergrößern sich immer mehr, und durch jedes Loch spähen zwei neugierige Augen hinein, um den unglücklichen Insassen in alle Ecken zu verfolgen und zu beobachten. Und ist ein Neugieriger befriedigt, so nehmen gleich zwei andere Augen seine Stelle ein. Man muss die Nacht abwarten und auch dann hat man erst Ruhe, wenn das Licht ausgelöscht ist.

Die Betsäle oder Oratorien werden in den meisten Fällen einfach für 1–2 Jahre gemietet, und daher lassen sich baulichen Umänderungen u. dgl. nicht gut anbringen. Reiche Leute geben ihre Wohnungen nicht leicht dazu her, da eine solche Kapelle gleich zu Mittelpunkt einer starken Bewegung wird, eine zahlreiche Menge anzieht und daher für die übrigen Hausbewohner oder die Nachbarn recht unbequem werden kann. Man muss sich also mit der Wohnung schlichter Leute zufrieden geben. Was aber den Missionär bei solchen Gelegenheiten drückt, ist weniger die Armut und Unbequemlichkeit, als vielmehr der Gedanke, wie wenig solche Lokale dem Zweck einer Kapelle entsprechen und wie wenig würdig sie die Erhabenheit der christlichen Religion vor Augen stellen, zumal im Vergleich mit den oft prächtigen Pagoden daneben, in denen die zahllosen Götzenfratzen höhnisch zu lachen scheinen.

Um die Christen zu trösten, erzählt man ihnen immer wieder von Betlehem und von der Liebe des Weltheilands zur Armut und zu den Armen. Aber es bleibt doch der Wunsch nach etwas Besserem, und er steigert sich in schmerzlicher Weise da, wo bereits die Protestanten vorgedrungen und einen ihrer Tempel hingesetzt haben. Immerhin, die Hauptsache ist, dass die Leute trotz allem kommen und zahlreich von allen Seiten kommen, so dass der Raum meist lange nicht genügt.

Tatsächlich sind die Bekehrungen seit den letzten Wirren zahlreicher denn je zuvor. In dem einen Distrikt Weng-tschu zählt man über 500 Neugetaufte, während früher die Jahreszahl für die ganze Mission höchsten auf 300 kam. Freilich macht diese Zunahme der Bekehrung den Mangel an ordentlichen Kapellen erst recht fühlbar. Die reiche Ernte fordert Scheunen, um die Garben unterzubringen. Eine wirkliche Kapelle ist eine greifbare, dem wahren Gott und der wahren Religion gebrachte Huldigung, ein Leuchtturm, ein Haus des Heils; sie ist das „Herz einer Christengemeinde, von dem der warme Pulsschlag ausgeht.“ Man will ja keine stattlichen Kirchen, wie z. B. die St. Paulskirche in Weng-tschu, welche die ganze Stadt beherrscht; es genügt ein einfach schlichter Bau, der aber gut 200–300 Christen fassen kann. Eine ordentliche Kapelle zieht die Heiden an und erleichtert den Frauen den Besuch, die in jene engen Betsäle mit ihrem Gedränge schon der Schicklichkeit halber sich kaum hineinwagen.

Wenn diese Armut seiner Mission dem Bischof auf seiner Rundreise auch manchmal recht drückend auf die Seele fiel, so fehlten doch auch die Tröstungen und Lichtblicke nicht. Die Bekehrungen sind zahlreich, die Bevölkerung zeigt sich fast überall friedlich und wohlgesinnt, die Mission hat in vielen Orten Eingang gefunden, die ehedem eine sehr feindliche Haltung einnahmen. Wiederholt wurde dem Bischof gegen seinen Willen ein militärisches Geleit gegeben, und auch seitens der Mandarine fand er fast ausnahmslos freundliche Aufnahme. „Aber“, so schließt der Bischof, „auf allen Erlebnissen der langen Reise machte sich immer und immer wieder ein Wunsch mächtig geltend: Kapellen, Kapellen! Kapellen, um Gott würdiger zu verehren, um die Heiden anzuziehen; Kapellen, um die Neubekehrten unter Dach zu bringen.“ Das ist die Kirchennot in der großen Diaspora der Heidenwelt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Sonntag, 17. August 2014

Was zum Lachen: Schwarze Modenarren


Auch die Schwarzen Afrikas sind ein klein wenig eitel. Dann und wann kommt einer nach Europa und bringt eine wunderliche Mustersammlung europäischer Ideen und Kleidungsstücke mit nach Hause.
Erscheint da neulich in der Kirche von Kasongo (Ober-Kongo) ein Christ in vollem europäischen Staat mit Schuhen, Strümpfen, Strohhut usw. Aber offenbar hatte ihm diese Ausstattung noch nicht genügt, um all seine jüngst erstandenen Herrlichkeiten zur Schau zu tragen. Drum kam er noch mit einem Regenschirm über der Schulter hereinstolziert, von dem ein zweites Paar funkelnagelneuer Schuhe herabbaumelte. Und er erreichte auch seinen Zweck vollkommen. Alle seine Landsleute waren sprachlos ob der nie geschauten Herrlichkeit.
Ein anderer Schwarzer hatte sich einen feinen Damenrock verschafft. Mit Kennermiene befestigte er ihn sich unter der Achselhöhle und kam stolz zur Messe. 

Wieder ein anderer hatte glücklich ein Paar Strümpfe erstanden. Leider fehlten ihm die entsprechenden Schuhe. Doch was verschlägt’s? Vorläufig kommt er in Lendentuch und Strümpfen in die Kirche und träumt inzwischen von den zugehörigen Schuhen.
Ein armer Schlucker hatte weder Schuhe noch Strümpfe, aber ein Paar Strumpfbänder erwischt. So lief er denn seelenvergnügt in den Strumpfbändern einher.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Freitag, 28. Februar 2014

Das Trappistenleben – Erholung für die Chinesen?

Trappisten in China

Seit 1883 besteht in Nord-Tscheli ein Trappistenkloster, das um 1900 bereits 60 meist chinesische Mönche zählte und recht günstig sich entwickelt hat. 

„Vor einigen Jahren“, so erzählt P. Elias Hopsomer S.J., „machte der Abt des Klosters uns einen Besuch in Hsien-hsien (Südost-Tscheli). Er klagte, dass er von der langen Fahrt ganz zerschlagen sei. Das Schütteln des chinesischen Reisekarrens, die Kost und der Kang (Schlafstelle aus Ziegeln) in den chinesischen Herbergen hatten ihm schlimm zugesetzt. Lächelnd sagte ihm der Missionsobere: ‚Nun sehen Sie, hochwürdigster Herr Abt, das ist das alltägliche Los unserer Missionäre.‘ ‚In diesem Fall‘, meinte der Abt, ‚ist Ihr Leben härter als das unsrige.‘ 

Das Leben der gewöhnlichen Chinesen, so fügte er bei, ist äußerst einfach und bedürfnislos. Das bildet für die in den Orden tretenden Kinder des Landes sogar eine gewisse Gefahr. Als sich die ersten Novizen stellten, versäumte man es natürlich nicht, sie auf die Strengheiten der Regel hinzuweisen. Dies machte aber keineswegs den gewünschten Eindruck. 

‚Zeitlebens‘, so stellte man ihnen vor, ‚werdet ihr weder Fleisch noch Eier zum Essen bekommen‘, ‚O Vater‘, lautete die Antwort, ‚was das Fleisch angeht, so bekommen wir solches zu Hause höchsten zwei- bis dreimal im Jahr zu kosten; und erst Eier, die wurden, wenn die Hühner welche legten, verkauft, um einige Sapeken zu verdienen; die sind zu gut für unsereins.‘ 
‚Ja, aber ihr werdet mit Pflanzenkost und Brot euch begnügen müssen.‘ ‚Herrlich; zu Hause gab es höchstens Hirse; wenn du uns Weizenbrot und ein wenig abwechselndes Gemüse gibst, bekommen wir es besser, als wir’s zu Hause hatten.‘ – ‚Aber bedenkt, die halbe Zeit des Jahres werdet ihr fasten und mit einer einzigen vollen Mahlzeit euch begnügen müssen.‘ ‚O Vater, das sind wir gewohnt; in schlechten Jahren geht es bei uns zu Hause sehr knapp her, und seitdem wir in die Welt gekommen, waren die schlechten Jahre häufig. O das Fasten macht uns wenig Sorge, das kennen wir.‘ So musste die trappistische Strenge vor der chinesischen Genügsamkeit die Segel streichen.

‚Glücklicherweise‘, fügte der Abt hinzu, ‚gibt es noch andere Mittel, um den Beruf zu erproben und die Natur abzutöten, sonst würden unsere Chinesen schließlich noch Trappisten werden, um ein gutes, sorgloses Leben zu führen.‘“

So weit diese interessante Unterhaltung. Im Übrigen wäre die Verpflanzung unserer streng kontemplativen Gebets- und Bußorden in diese Länder ein großer Segen für die dortige Mission. Sie würden zunächst den zahlreichen heidnischen Bonzenklöstern und Lamasereien, die doch nur ein Zerrbild des christlichen Mönchtums darstellen, das wahre Ideal entgegenstellen. 
Sie würden, ähnlich wie die einstigen Mönchsklöster in Europa, im Land und Volk viel leichter und tiefer Wurzel fassen und kräftige Stützpunkte der Mission werden, auf welche sich die Missionäre gelegentlich zur geistigen Erneuerung zurückziehen könnten, und von welchen mit der Zeit auch eine finanzielle Unterstützung der Mission zu erwarten wäre. Es ist unsere feste Überzeugung, dass die älteren Buß- und Gebetsorden gerade in China eine große Aufgabe erfüllen könnten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Freitag, 20. Dezember 2013

Der Teufel in der Glocke



Als ich zum ersten Mal nach Han-kia-tsun kam“, so erzählt P. Wetterwald S.J., Missionär in Südost-Tscheli, „zeigte mir der Dorfälteste – Han-ki-yao heißt der Mann – ganz stolz den Glockenturm des Kirchleins. 
Er ist nämlich seine eigene Schöpfung, sein Meisterwerk, sein Ruhm. Die Kirche ist übrigens ein einfaches chinesisches Haus mit flachem Dach aus gestampfter Erde. 
Auf diesem Dach gerade über dem Eingang erhebt sich auf vier Pfählen ein kleines, mit einem Kreuz gekröntes Turmdach. Darin hängt eine Glocke aus Eisen, die ähnlich wie die schwerfälligen Schießprügel aus einer chinesischen Werkstatt stammt. Daneben ist der Schwengel und das Seil, das in die Kirche hinabgeht. 

Hier wird geläutet oder besser gebimmelt, ein Geschäft, das der alte Han-ki-yao keinem anderen Sterblichen überlässt. Mir fiel der sonderbare Klöppel auf. Ich ging also näher, um mir das Ding besser anzusehen. 

Der Alte lachte. „Aber, um Himmelswillen“, rief ich, „was hast du denn da in die Glocke gehängt, das ist ja wahrhaftig ein kleiner Teufel, ein Pussah (chinesisches Götzenbild). Welch eine Idee!“ – „Nicht wahr, Pater, ein famoser Gedanke. 
Ich dachte, der Teufel lockt so viele Leute in die Pagode, da kann der Kerl auch mal Buße tun und dazu herhalten, um das Volk in das Haus Gottes zu rufen. Wir haben ihm also eine Kette um den Hals gelegt und in die Glocke gehängt. 
Die Leute behaupten, die Glocke habe einen viel schöneren Klang, seit der Teufel sie läute.“
– „Aber was sagen die Heiden dazu?“ – „O, die sagen, ihr Christen habt Haare auf den Zähnen; wir würden so etwas nicht wagen, aber vor euch hat der Teufel Respekt.“

Hier ist ein hübscher Gedanke für unsere Glockengießer. Bekanntlich musste der Teufel in der mittelalterlichen Baukunst oft genug in humorvoller Weise herhalten; aber auf den Gedanken des alten chinesischen Küsters ist wohl noch keiner gekommen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Dienstag, 3. September 2013

Solche Probleme hat der Klerus wohl nur in der Mission...

Quelle: Kevin Pluck

(…) Auch die Missionsstation stand damals unter dem Zeichen des Löwen. Kurze Zeit vorher war nachts ein Löwe in die Mission eingebrochen und hatte die Schuppen und Stallungen des Viehhofes revidiert. 

Da es ihm nicht gelungen war, in die Viehställe einzudringen, so hatte er sich den Wohnungen der Missionäre zugewandt. Über eine Veranda spazierend, erschaute er das offene Fenster eines Zimmers, in dem ein Bruder den Schlaf der Gerechten schlief. 
Interessiert hob der Löwe die Vorderpranken auf das Fensterbrett und streckte seine Nase zwischen den nur fingerdicken Holzstäben der Vergitterung hindurch. Er hätte nur einen leisen Ruck mit dem Kopf zu machen brauchen, und das Gitterwerk wäre zertrümmert gewesen. 

Durch das Knurren des Raubtieres erweckt, schaute der Bruder nach dem Fenster hin und erblickte dort das furchtbare Löwenhaupt. Eine Waffe hatte er nicht zur Hand und fliehen konnte er nicht, da die Türe seines Zimmers gleichfalls auf die Veranda führte. 

So lag er denn, starr vor Schrecken, auf seinem Lager und wagte kaum zu atmen. Endlich trat der Löwe vom Fenster zurück und ließ sich behaglich knurrend unter der Veranda nieder. – Er konnte warten! – Noch stundenlang hielt er durch sein Schnauben und Schmatzen den geängstigten Bruder munter, bis schließlich der werdende Tag den Unhold vertrieb.

Als nach all diesen Erzählungen ein junger Pater mir bei Sonnenuntergang die Kaffeeplantage zeigte, blickte er von Zeit zu Zeit scheu zur Seite und gab mir auf meine Frage, wonach er denn so eifrig ausspähe, die Versicherung, dass gewiss ebenso wie an den vorhergehenden Abenden auch jetzt wieder ein Löwe in der Nähe sei. – Augenscheinlich fingen die Löwengeschichten an, alle Welt in Mrogoro nervös zu machen.“(…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Dienstag, 23. April 2013

‚Wundergläser‘ in Fidschi



Die Kirche "Holy Cross" in Wairiki, Fidschi (Quelle: Markmark 28)

Die neuen Glasfenster in der Kirche des heiligen Kreuzes in Wairiki.

Die Gründungsgeschichte dieser prächtigen Kirche auf der weltverlorenen Insel des Stillen Ozeans wurde bereits früher erzählt. 
Heute hat dieselbe durch großmütige Missionsfreunde einen prachtvollen Schmuck erhalten, nämlich eine Reihe schön gemalter Glasfenster. „Dieselben waren“, so schreibt der Maristenmissionär P. Prin, „schon längere Zeit angekommen, standen aber noch immer im Pfarrhaus, weil ich geschicktere Hände als die meinen erwarten wollte, um sie einzusetzen. Allein meine eingeborenen Christen brannten vor Verlangen, die Wunderwerke zu sehen, und ich gab endlich ihren Bitten nach. 

Ich rief also drei bis vier der großen Schulkinder, die mir halfen, die Glasfenster in die Kirche zu schaffen. 
Aber statt Hand anzulegen, blieben sie stehen, staunten das Bild des auferstandenen Heilandes an und untersuchten es von allen Seiten. Dabei führten sie mit leiser Stimme etwa folgendes Gespräch: ‚Wie kann man denn solche Farben auf Glas bringen?‘ meinte der eine. ‚Wird nicht der Regen sie abwaschen und die Bilder verderben?‘ fragte ein anderer. Ich sagte ihnen, dass die Bilder immer schön und glänzend bleiben würden. 
‚Aber wer hat das so schön gemacht? Man meint, der auferstehende Heiland sei wirklich lebendig.‘ – ‚Und die Soldaten,‘ rief ein anderer, ‚sieh, welchen Schrecken sie haben! Sie sind ganz wie wir, als wir noch Krieg führten. Wenn der Feind kam, dann standen wir so da mit unserem Schild.‘

Das Zimmer füllte sich mehr und mehr mit Neugierigen. Die Kunde war wie ein Lauffeuer durch das Dorf geeilt. Alles strömte herbei, um die Wundergläser zu sehen. 
Ich erblickte unter ihnen einen alten Mann und fragte: ‚Nun, was meinst denn du zu den Fenstern?‘ – ‚Es ist zu schön‘, meinte er, ‚ich weiß nicht, was ich vor Erstaunen sagen soll; ich kann nur schweigen.‘ 
Dann aber rief er auf einmal begeistert: ‚Was bin ich heute glücklich! Wie gut war doch Gott, dass er mich bis heute leben ließ, um diese wunderschönen Dinge zu sehen! Jetzt, glaube ich, werde ich noch viel mehr nach dem Himmel mich sehnen, der noch viel schöner ist.‘ 
‚Wenn die Fenster,‘ so meinten einige, ‚einmal in der Kirche sind, wird es uns nicht möglich sein, zu beten; wir werden unsere Augen nicht davon wenden können.‘ – ‚Gut,‘ sagte ich, ‚schaut immerhin darauf; aber während ihr hinseht, denkt an unseren Herrn (…) und so wird dieses Anschauen zum Gebet werden.‘ – ‚Ah, das ist wahr!‘ riefen sie, ‚das Bild wird unser Gebetbuch sein, das uns hilft, Gott zu verehren und an die Wohltäter in Frankreich, die uns diese schönen Sachen geschickt, uns im Gebet zu erinnern…‘

(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Dienstag, 19. Juni 2012

Die merkwürdigen Blüten des Fremdenhasses im chinesischen Kaiserreich

Japanische Zeichnung einer Schlacht im japanisch-chinesischen Krieg (1895)

Zu welchen Ungereimtheiten der Aberglauben und der Fremdenhass unserer bezopften Freunde im fernen Osten führt, dafür liefert der folgende Zug, den wir dem Brief eines Missionärs entnehmen, einen wunderlichen Beitrag.
Es war während des japanisch-chinesischen Krieges. In Kantantsi (Kiangnan) wurde gerade Markttag gehalten und die Straßen und Plätze waren sehr belebt. Da erscheint der öffentliche Ausrufer, um das Volk mit einem neuen, wie es hieß kaiserlichen Erlass bekannt zu machen.
Artikel 1. Der Kaiser gebiete, dass alle Ziegen (chinesisch „yang“) im Lande ausgerottet würden. Warum? Weil die Japaner deren Häute aufkauften und damit ihren Waffenröcke unverletzbar machten. Überdies habe der Kaiser im Traum eine Ziege gesehen, die mit ihren Hörnern den kaiserlichen Palast umstürze, und er habe deshalb sofort Befehl gegeben, die bösartigen Horntiere auszurotten.
Artikel 2. Auch das Schriftzeichen für Ziege und noch mehr der Wortlaut dafür müsse verschwinden und deshalb müssten alle, die bisher Yang geheißen haben, sich ab jetzt Muh nennen.
Artikel 3 verbot aufs strengste, europäische Waren zu kaufen oder zu verkaufen. Das Volk zog den weiteren Schluss, dass folgerichtig in Zukunft auch die Yang-tsien (Silbermünzen) verpönt seien, und die Wechsler wurden überlaufen, da alle ihre verfehmten Yang-tsien los sein wollten, deren Wert bedenklich zu sinken begann.
Die Geldmänner machten gute Geschäfte und gingen 300-400 Lys in die Runde, um den Leuten ihre Carolins abzunehmen.
Die armen Ziegen hatten schlimme Tage; für 100 Sapeken ( 6 Pfennig) waren leicht drei Stück zu erhalten. Selbstverständlich war das ganze kaiserliche Dekret eine reine Erfindung der Mandarine, um auf diese lächerliche Art den Hass gegen die Fremden (yang-jen), die gleichfalls den verpönten Namen tragen, zu schüren. Das Kunststück, durch dergleichen Worte agitatorisch zu wirken, ist in China nichts Neues.
Im Anschluss an das Gesagte dürfte es unsere Leser interessieren, mit welchen offiziellen Namen die Chinesen in ihrer blumenreichen Sprache die europäischen Nationen bezeichnen. England heißt Ying-kwo, d.h. blühendes Land, Frankreich = Fa-kwo, d.h. Land der Gesetze, Deutschland = Te-kwo, d.h. Land der Tugend, Italien = I-kwo, d.h. Land der Gerechtigkeit.


(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Montag, 9. April 2012

Fische aus dem See Genezareth


Sel. Papst Pius IX.


Die Zeitschrift „Jerusalem“ bringt in einer ihrer letzten Nummern eine hübsche Anekdote aus dem Pontifikat Pius‘ IX.
Erzbischof Spaccapietra von Smyrna hatte als Apostol. Präfekt die Gegend am See Genezareth zu verwalten. Gern hätte er ein altehrwürdiges, verfallenes Heiligtum wiederhergestellt, das an der Stelle erbaut war, wo Christus Petrus zum Oberhaupt der Kirche erhoben hatte. Aber die Mittel dazu fehlten.
Da ließ er sich einige kleine Fische aus dem See Genezareth fangen, setzte sie in Spiritus und nahm sie mit nach Rom.
In der Audienz erzählte er dem Heiligen Vater von seinem Herzenswunsch, suchte ihm auch klar zu machen, welche Bedeutung dieses Erinnerungsmal der Einsetzung des Papsttums für den Papst habe, und klagte ihm dann seine Geldnot.
„Ja“, meinte Pius IX. scherzend
, „liegt nicht ganz in der Nähe diese Stelle, wo der Herr einst durch ein Wunder den Fisch mit dem Goldstück im Munde fangen ließ, damit Petrus die Steuer entrichte? Machen Sie es ihm doch nach, und die Kapelle ist bald bezahlt.“
„Heiliger Vater“, erwiderte der Erzbischof, „das habe ich versucht; ich habe Fische im See gefangen, aber kein Gold darin finden können.
Aber Ew. Heiligkeit ist der Nachfolger Petri und der Stellvertreter Christi. Ihnen muss da Wunder gelingen.“ Damit überreichte er ihm das Glas mit den Fischen, das er bisher unter dem Mantel verborgen gehalten hatte.
Pius musste herzlich über diese Schlagfertigkeit lachen, öffnete eine Lade und gab ihm so viele Dukaten, als Fische in dem Glas waren. — Das „Wunder“ war gewirkt.

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der schlagfertige Chinese

Beim Katechismusunterricht. China
Ein Lazaristenmissionär in China schreibt: „Eines Sonntags erklärte ich eben meinen Leuten den Katechismus. Ich war gerade im besten Gange, als ein heidnischer Trauerzug an der Kapelle vorbeibewegte. Der Klang der Gongs, das Krachen der Petarden und das Geheul der Klageweiber übertönten beinahe meine Stimme, und meine Zuhörer schienen mehr auf den Lärm da draußen als auf meine Worte zu merken. 
Einer ganz hinten in der Kapelle hatte sogar leise ein Fenster geöffnet und beugte sich hinaus, um sich nach Lust und Liebe an dem Spektakel weiden zu können. 
‚He da, Siaoyen‘, rufe ich dem Verwegenen zu‚ ‚was geht dich an, was da draußen vorgeht? Wenn einer im Unterrichte aufpassen müsste, dann bist du es; zum Doktor in der Religionswissenschaft hast du es noch nicht gebracht.‘ 
Der Mann schließt ruhig das Fenster und sagt: ‚Es ist wahr; der Pater gibt sich so viel Mühe, um uns etwas beizubringen, und nun muss die Bande uns noch hindern kommen, seine Worte zu verstehen. Ich sagte den Leuten, sie möchten so rasch wie möglich vorüberziehen.‘
Ich fand kein Wort der Erwiderung, sondern nahm rasch mein Thema wieder auf.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)