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Montag, 6. April 2026

Für Afrika geboren – Msgr. Léon Livinhac M.Afr., Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza

 


Neben dem Gründer Kardinal Lavigerie ist kein Name so eng mit der frühen Entwicklung der Missionare von Afrika („Weiße Väter“) verbunden wie der von Léon Livinhac. Der Gründer der Kirche Ugandas und direkte Nachfolger des imposanten Erzbischofs von Algier führte die Weißen Väter durch turbulente Zeiten und förderte gleichzeitig die afrikanischen Missionen als Ganzes, besonders auch die Ausbildung eines einheimischen Klerus, die Lavigerie so am Herzen gelegen hatte.

Der kränkliche Waisenjunge

Léon Livinhac wurde am 13. Juli 1846 als Sohn frommer Bauersleute in der kleinen Gemeinde Buzeins in Okzitanien geboren. Wegen des frühen Todes der Eltern wurde der Junge von seiner Großmutter und seinen Tanten sowie von seinem Großonkel, dem Pfarrer von Bonneterre, aufgezogen. Er war ein frommes und fleißiges Kind, jedoch schüchtern und kränklich. Seine Schulzeit am Diözesankolleg von Saint Geniez wurde sogar durch eine Beinlähmung unterbrochen. Es gab zunächst kaum Anzeichen, dass dieser Waisenjunge eines Tages einer der bedeutendsten Afrikamissionare des 19. Jahrhunderts werden sollte. Als seine Gesundheit schließlich genug gekräftigt war, konnte er 1867 ins Seminar von Rodez aufgenommen werden, das damals von den Sulpizianern geleitet wurde. Im selben Jahr trat Félix Charmetant in Algier ins Diözesanseminar ein und stellte sich wenig später zusammen mit Francisque Deguerry bei Erzbischof Charles Lavigerie vor, angetrieben von dem Wunsch, sich ganz der Mission unter den Moslems und Heiden Afrikas zu widmen. Es war die Geburtsstunde der Weißen Väter.

Der liebenswürdige Pater Charmetant wurde in den folgenden Jahren von Lavigerie nach Europa geschickt, um dort um Missionspersonal zu werben. So traf er im Seminar von Rodez auf den Seminaristen Livinhac, der sich interessiert zeigte. Allerdings dauerte es bis zu seiner Diakonatsweihe im Jahr 1872, als Léon Livinhac auf die Ermutigung seines Freundes P. Charbonnier ebenfalls zu den Missionaren von Afrika stieß.

Für Afrika geboren

Nur ein Jahr nach seinem Noviziatsbeginn und der Priesterweihe durch Erzbischof Lavigerie wurde Livinhac zum Professor der Dogmatik und zum Mitglied des Generalrats seiner Gemeinschaft ernannt. Zwischenzeitlich leitete er auch die Prokur in Paris. Die Arbeit sagte ihm nicht zu. Kurze Zeit später nach Algerien zurückgekehrt, sagte er: „Ich bin für Afrika geboren und nur für Afrika“. Seine ersten missionarischen Erfahrungen sammelte er in Ouadhias in Kabylien, wo er Seelsorgsarbeit unter der Berberbevölkerung betrieb. Weitere wichtige Posten in der Ausbildung von Ordensmitgliedern folgten, bis P. Livinhac 1878 von Lavigerie an die Spitze der ersten Missionskarawane zu den Afrikanischen Großen Seen gesetzt wurde.

Die Mission in Uganda entwickelte sich rasch äußerst günstig, wenngleich sie durch das komplexe Gefüge aus der Feindseligkeit des Herrschers Mutesa – der die Missionare ins Land geholt hatte – und der Einflussnahme arabischer Händler und europäischer Kolonialmächte am Hof stets in ihrem Bestehen bedroht war. Zugleich mit seiner angestrengten missionarischen Arbeit betätigte sich P. Livinhac als Linguist und schrieb die erste Grammatik der Luganda-Sprache, die 1885 erschien. Im Jahr 1883 erfolgte die Ernennung Livinhacs zum Apostolischen Vikar von Victoria-Nyanza. Zum bischöflichen Motto hatte er sich den Spruch Totus tuus ego sum („Ich bin ganz dein“) erwählt, ein Ausdruck seiner tiefen Marienverehrung. Da die Bischofsweihe im Maison Carrée in Algier durch Kardinal Lavigerie gespendet wurde, dauerte es bis Juni 1886, als Msgr. Livinhac in seine Mission zurückkehren konnte.

Bischof der Märtyrerkirche



Die Lage in Uganda hatte sich weiter zugespitzt. Als König Mwanga, Mutesas Sohn und Nachfolger, seine katholischen Diener und Beamten verfolgte, stärkte sie Msgr. Livinhac mit dem Sakrament der Firmung. Bis zu fünfmal pro Nacht suchten die Christen ihren Bischof im Schutz der Dunkelheit auf, um sich auf den grausamen Martertod vorzubereiten. Wiederholte Versuche von Seiten der Mission, den König von seinem Tun abzubringen, waren gescheitert. Aufgrund der gespannten Lage, die auch nach dem Ende der Verfolgung durch Mwanga eine Gefahr für die Missionare darstellte, verbrachte Msgr. Livinhac die meiste Zeit seit seiner Ernennung in Bukumbi in Tansania. Kardinal Lavigerie hatte seinen Missionaren streng befohlen, ihr Leben zu schonen, und Livinhac war immer bestrebt, die Weisungen seines geistlichen Vaters aufs Genaueste zu befolgen. Ein geschichtsträchtiges Ereignis brachte das Jahr 1887, als Livinhac Pater Jean-Baptiste Charbonnier in Kipalapala zum Bischof weihte. Dieser war zum Apostolischen Vikar von Tanganyika ernannt worden. Es war die erste Bischofsweihe in Äquatorialafrika.

Als Nachfolger Lavigeries

Bald kam die direkte Missionstätigkeit Msgr. Livinhacs zu einem jähen Ende: Das Generalkapitel in Karthago wählte ihn im September 1889 in seiner Abwesenheit zum Generaloberer der Weißen Väter. Am darauffolgenden Pfingstfest weihte er seinen Nachfolger Jean-Joseph Hirth zum Bischof, bevor er das Land der Großen Seen für immer verließ.

Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1892 blieb Kardinal Lavigerie das alleinige Haupt seiner Missionsgesellschaft. Alle Werke waren engstens mit seiner imposanten Person verbunden. Kritiker bescheinigten den Weißen Vätern eine kurze Lebensdauer nach dem Tod ihres Gründers. Doch durch Msgr. Livinhac, den der Kardinal sich wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrtheit als Nachfolger wünschte, nahm die Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren eine noch klarere Form an.

Die Aufgaben und Schwierigkeiten für den neuen Oberen entsprachen in ihrer Zahl und Komplexität den bewegten Zeiten. Gerade in den 1890er Jahren galt es, die Mission gegenüber den verschiedenen Kolonialmächten Innerafrikas zu vertreten. Zu den interkonfessionellen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken in Uganda kam hinzu, dass die Briten die französische Missionsgesellschaft als verlängerten Arm der französischen Regierung wahrnahmen. Msgr. Livinhac musste diesen Irrtum klarstellen. Er ging im Jahr 1895 sogar so weit, dass er das Apostolische Vikariat des Obernils der britischen Missionsgesellschaft von Mill Hill übergab, um die Wogen zu glätten. Es ging ihm nicht um die Erhaltung des Apostolats der Weißen Väter, er wollte vielmehr das Bestehen der katholischen Missionen gegenüber der weltlichen Macht und der starken protestantischen Präsenz sichern.
In Frankreich bedrohten die antiklerikalen Gesetze der 1900er Jahre das Wirken der Weißen Väter. Besonders in Algerien, wo den Missionaren bereits die direkte Missionsarbeit unter der muslimischen Bevölkerung verboten war, wurde die Gesellschaft bis 1914 fast vollständig aus dem Unterricht verdrängt.
Großes Leid brachte der Erste Weltkrieg. Sechzig Mitglieder der Missionsgesellschaft starben im Krieg, eine ähnlich hohe Zahl an Berufungen ging verloren. Msgr. Livinhac unterließ es nicht, seine geistlichen Söhne auf den Schlachtfeldern mit seinen Rundschreiben zu stärken und sie zu einem musterhaften sittlichen Betragen und zur Selbstheiligung zu ermahnen.

Wirken für die Gesellschaft und die afrikanischen Missionen

Die Rundschreiben waren sein Hauptmittel, den guten Geist und die Treue zur Missionsgesellschaft unter seinen weitverstreuten Missionaren zu fördern und wichtige missionarische Anweisungen zu geben. So warnte er im Rundschreiben von Lichtmess 1918 davor, auf möglichst schnelle Taufen abzuzielen. Es sei besser, eine geringere Zahl von vorbildlichen Christen zu haben, als mittelmäßige und schlechte, die andere Leute abstoßen würden. Speziell lag ihm auch die Bildung eines einheimischen Klerus am Herzen. Er folgte der Ansicht Kardinal Lavigeries, dass Afrika durch Afrikaner bekehrt werden würde. Die afrikanischen Seminaristen sollten gründlich ausgebildet und geprüft werden und nur bei zweifelloser Bewährtheit zur Weihe zugelassen werden. Als kluger Kenner innerafrikanischer Verhältnisse zeigte sich Msgr. Livinhac unter anderem, als er auf dem Generalkapitel 1906 davor warnte, in Gegenden, wo der Fetischglaube noch stark war, viele Andachten einzuführen und viele verschiedene Medaillen zu verteilen. Es könne sonst bei den Neuchristen der Eindruck entstehen, dass es sich hier um Talismane im heidnischen Sinne handelte.

Der Generalobere stand in hohem Ansehen bei seinen Missionaren, ja im Ruf der Heiligkeit. Das erklärt seine dreimalige Wiederwahl, die 1906 zur Ernennung als Generaloberen auf Lebenszeit führte. Pius X. bestätigte die Ordenskonstitutionen im Jahr 1908 endgültig. Während der 30-jährigen Amtszeit Livinhacs wuchsen die Weißen Väter nicht nur in den Missionen, sondern auch in Europa und Kanada beträchtlich. Verschiedene Provinzen, darunter auch in Deutschland, wurden errichtet. Eine große Freude brachte das Jahr 1920, als Ugandas Märtyrer von Papst Benedikt XV. seliggesprochen wurden.

Am 11. November 1922 starb Msgr. Léon Livinhac im Maison Carrée in Algerien nach fast 50 Jahren im Dienst der afrikanischen Missionen. Seit 1975 ruhen seine Gebeine in Uganda in der Memorial Chapel von Nabulagala, von wo aus er mit seinen Gefährten 1879 begann, das Land zu missionieren. An diesem Ort hatte der junge Pater Léon Livinhac das erste heilige Messopfer auf dem Boden Ugandas gefeiert.

Sonntag, 8. Januar 2017

Ein Kardinal mit Weitblick

Herbert Kardinal Vaughan, Erzbischof von Westminster

Kardinal Vaughan suchte Priester für seine Diözese London [eigentlich Westminster]; deshalb stiftete er die Mill-Hiller-Missionsgesellschaft und schickte diese Priester nach Uganda. Man schüttelte darob den Kopf, und selbst hohe Herren spotteten bei ihm: „Wie Sie doch verkehrt handeln! Sie hätten eine Priestergesellschaft für London gründen sollen und nicht für ein Heidenland.“ Doch der übernatürlich eingestellte Kirchenfürst entgegnete: „Falsch gedacht! Wenn ich Priester gebe für die Weltmission, wird mir Gott, der die Berufe weckt, noch mehr für mein London senden.“ Er hat recht behalten.


(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche, Herder, Freiburg, 1926)

Mittwoch, 3. August 2016

Praktische Seelsorge und Latein in der Priesterausbildung in Uganda


Seit ca. 15 Jahren arbeitet die Mission an der Heranziehung einheimischer Priester. Bald dürften die Erstlinge dieser Bemühungen am Altare stehen*. Ein Teil der schwarzen Seminaristen von Bukalasa hat bereits ein gutes Stück des Theologiestudiums hinter sich, und mehrere von ihnen haben die niederen Weihen empfangen. 

Bevor man die Priesterkandidaten jedoch zu den höheren Weihen zulässt, sendet man sie behufs weiterer Prüfung in die einzelnen Missionsstationen, wo sie den Missionären in Krankenpflege, Katechismusunterricht und Vorbereitung der Erstkommunikanten an die Hand gehen. Es ist dies die praktische Einführung in das Amt eines Seelenhirten.

Im verflossenen Jahre wurde unter den Seminaristen von Bukalasa auch der Gregorianische Gesang eingeführt, und die liturgischen Gesänge werden nunmehr allsonntäglich nach der Vatikanischen Ausgabe des Kyriale vorgetragen. Die Schüler des auf das Priesterseminar vorbreitenden Knabenkonvikts machen im Studium des Lateinischen gute Fortschritte, so dass die Geübteren nicht nur die liturgischen Bücher verstehen, sondern sich auch im Lateinischen schriftlich und mündlich mit befriedigender Gewandtheit auszudrücken vermögen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

* Die ersten beiden ugandischen Priester wurden 1913 geweiht; fälschlich werden sie als die ersten afrikanischen Priester der Neuzeit bezeichnet; im Senegal gab es schon Mitte des 19. Jahrhunderts einheimische Priester. In Gabun wurde 1899 André Raponda-Walker zum ersten einheimischen Priester geweiht.

Sonntag, 16. August 2015

Wie die Trauringe eines Kölner Ehepaars an die Hand eines schwarzen Bischofs kamen

Bischof Kiwanuka mit seinem Paten, daneben der Bischofsring

Dr. Joseph Kiwanuka M. Afr. aus Uganda war der erste Schwarze, der bei den von Kardinal Lavigerie gegründeten Missionaren Afrikas, wegen des weißen Habits besser bekannt als „Weiße Väter“, eintrat. Sein Onkel Achilles gehört zu den heiliggesprochenen Märtyrern Ugandas. Dr. Kiwanuka wurde am Christkönigsfest 1939 von Papst Pius XII. unter Assistenz von seinem Ordensbruder Bischof Henri Streicher M. Afr. im Vatikan zum Bischof geweiht. Die Aussage, dass er der erste schwarze Bischof Afrikas war, trifft nicht zu, da bereits 1930 de eritreische Priester Kidane Mariam Kassa die Bischofsweihe für den äthiopisch-katholischen Ritus empfing. Dennoch war Msgr. Kiwanuka wohl der erste Bantu, der seit den Zeiten des Tridentinischen Konzils zum Bischof geweiht wurde (ein Sohn des kongolesischen Königshauses, der gleichzeitig Bischof des Kongo war, war zum Konzil in Trient geladen, starb aber davor).

Ohne die tatkräftige Unterstützung einer deutschen Familie wäre Joseph Kiwanuka wie viele andere junge Männer aus den Missionsländern nie Priester geworden. Wie er während seines Deutschlandbesuchs im Jahr 1950 bei seinem Pontifikalamt im Kölner Dom berichtet, war seine Familie zu arm, um ihm die Seminarausbildung zu bezahlen. Da übernahm ein Ehepaar aus Köln die Patenschaft, stiftete selbstgenähte Paramente und schenkte ihm auch seinen Kelch. Der Bischof schrieb seinen Paten später selbst, dass seine liebsten Messgewänder auch nach seiner Bischofsweihe die waren, die er von ihnen als Geschenk erhalten hatte. Bei dem Pontifikalamt, zu dem auch der Pate oder „Vater“ geladen war – seine Frau war bereits verstorben – übergab ihm dieser die Eheringe als „Material“ für einen neuen Bischofsring. Der Bischof selbst sagte dazu in der Predigt: „Gestern habe ich erfahren, dass mein Vater [der Pate] mir heute nach diesem heiligen Opfer die beiden Trauringe schenken will. Das rührt mich bis ins Tiefste. Denn daraus soll mein neuer Bischofsring geschmiedet werden. Diese Eheringen sollen mich immer mahnen, ebenso selbstlos und rein zu bleiben in der Liebe zu Gott und zu allen Menschen wie meine Pateneltern, treu der großen Familie der Kinder Gottes, die mir anvertraut sind.“

Wie selbstlos sein Pate war, der beim Pontifikalamt im Chor beiwohnen und an den Stufen des Hochaltars vom Bischof die Kommunion empfangen durfte, zeigte dieser, als er der Presse verbot, seinen Namen zu veröffentlichen. Seine Begründung: Andere Menschen, die jahrelang unbemerkt große Opfer für die Glaubensverbreitung gebracht hätten, könnten sich zurückgesetzt fühlen. Er sei nur ihr Stellvertreter. Möge sein Name ins Buch des Lebens eingeschrieben sein.



(Quelle: Klaus Mund: der schwarze Bischof [das Buch ist leider nicht zu empfehlen, der Ton ist bereits etwas revolutionär])

Mittwoch, 19. November 2014

Weihe der ersten Weißen Väter in Uganda an die Mutter Gottes


Im Mai des vergangenen Jahres beschlossen die Missionäre des Provikariats vom Nyanza, ihre Mission nochmals der unbefleckt empfangenen Jungfrau zu weihen, und den Weiheakt mit ihren Unterschriften unter der Muttergottes-Statue, die über dem Altar ihrer bescheidenen Kapelle angebracht ist, niederzulegen. Er lautet folgendermaßen:

"Heute, am letzten Tag des Maimonats, weihen wir Unterzeichnete, Missionäre von Uganda, die Nyanza-Mission von neuem der unbefleckten Jungfrau. Wir schenken und weihen dieser himmlischen Mutter unsere Seele und unseren Leib, unsere Arbeiten, unser ganzes Leben, unseren Tod und unsere Ewigkeit. Wir beschwören sie, selbst unsere Herrin und Oberin zu sein, damit wir durch sie, in ihr und mit ihr den Willen ihres göttlichen Sohnes erkennen, für dessen Ehre wir uns ganz hinzuopfern verlangen. Wir erklären, dass wir alles Gute, was hier gestiftet werden mag, Maria zu danken haben, und dass ihr alle Ehre davon gebührt. Zur Beglaubigung dessen haben wir diesen Akt unterzeichnet und ihn unter dem Bilde unserer guten Mutter und höchsten Herrin niedergelegt.

Schon früher berichteten wir, dass der König von Uganda an der Dysenterie erkrankte und durch P. Lourdel davon befreit wurde. Diese fast wunderbare Heilung, ohne Zweifel ein Geschenk der mächtigen Patronin, der die Missionäre feierlich sich und ihre Arbeit geweiht hatten, führte eine größere Annäherung zwischen diesen und dem König herbei. Sie hatten von neuem Unterredungen mit ihm über die Göttlichkeit unseres Glaubens, wie das Tagebuch der Mission berichtet. Dieselben fanden namentlich in den Monaten August und September statt. Eines Tages brachte ihm der Pater einen Katechismus mit Bildern und ein reich ausgestattetes arabisches Neues Testament. Sie gefielen dem König recht sehr, und er bat, diese beiden Bücher behalten zu dürfen, um sie eingehender zu prüfen. Beim Anblick des Bildes, welches die Verkündigung Mariä darstellt, fühlte er sich durch den Ausdruck der jungfräulichen Sittsamkeit getroffen, der auf dem Antlitz der Gottesmutter liegt, und seitdem fragt er bei allen Gemälden, wo die Jungfrau Maria sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Samstag, 8. November 2014

Taufexamen mit Hindernissen


„Vorigen Sonntag“, erzählte uns ein Missionär, „zog ich nach Sango [Uganda]. Drei alte Frauen knieten bei meiner Ankunft unter einem Feigenbaum, hübsch gewaschen und aus Ehrerbietung vor dem heiligen Taufsakrament das Haupthaar glatt abrasiert. Die drei Alten zählten miteinander wenigstens 260 Jahre.

 Ich fragte erst einiges aus dem Katechismus wie ich glaube, das Leichteste, das er enthält. Ihre Antworten sind ganz richtig. Sodann frage ich die älteste von den Dreien: ‚Was ist der Himmel?‘ Diese arme Alte wurde verwirrt, und indem sie mir zitternd ins Gesicht sah, antwortete sie: ‚Der Himmel ist ein Freudenort, wo wir ewig ruhen werden mit…mit…‘ Ich ermutigte sie, den Satz zu vollenden. Auf einmal fasste sie sich, und ihres Sieges gewiss, ergänzte sie entschlossen: ‚mit den Teufeln.‘ – Unglücklicherweise saß sie gerade in der Mitte. Ich wollte ihr ein bisschen helfen, aber die zwei Gefährtinnen, eifrig wie sie waren, kamen mir noch zuvor. Sie versetzten ihrer ungeschickten Freundin Rippenstöße, und eine rief in ihrer Entrüstung: ‚Du altes Weib, du wagst es noch, so zu lügen. Die glaubt noch dass der liebe Herrgott die Teufel in seinem Haus duldet! Pfui über dich!‘ 

Nun, der Irrtum war leicht berichtigt. Im Übrigen gehen die Weißen Väter bei der Spendung des Taufsakraments sehr vorsichtig zu Werke. Die Katechumenen werden erst nach längerer, eingehender Prüfung ihrer Sitten und ihrer religiösen Kenntnisse zur Taufe zugelassen. Nach mehrmonatlichem Unterricht im Katechismus wird ihnen ein Examen abgenommen. Es ist dies für die Schwarzen eine Zeit der größten Nöte und Ängste. Diejenigen, welche mit einer guten Note bedacht wurden, überlassen sich überströmenden Freudenergüssen, während die Zurückgesetzten reichliche Tränen vergießen. Jedoch kommen solche Misserfolge selten vor.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Der frühe Film im Dienst der Mission


Auf der Studenten-Missionstagung in Dayton wurde ein Film von mehreren Tausend Fuß Länge vorgeführt, der das Leben und Treiben der eingeborenen Christen von Uganda und das Wirken der Missionare zeigte. (Amerikanisches Familienblatt 1921, 250.) Es wird ferner gemeldet, dass von einer amerikanischen Gesellschaft Filmaufnahmen in den afrikanischen Missionen gemacht wurden, und zwar auf den Missionsfeldern der Weißen Väter, der Missionare von Mill-Hill und der Väter vom Heiligen Geist.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Das Brustkreuz von Papst Pius IX. und der Ring von Kardinal Melchers für die Mission, die am verdienstvollsten für die heilige Kirche arbeitet


Kardinal Ledochowski hat dem neu ernannten Apostol. Vikar von Nord-Nyanza (Uganda), Msgr. Streicher, aus der Genossenschaft der Weißen Väter, das Brustkreuz Pius IX. und den Ring des Kardinals Paulus Melchers übersandt. Beide Andenken waren von dem hochseligen Kirchenfürsten dem Präfekten der Propaganda für jene Mission geschenkt worden, die am verdienstvollsten für die heilige Kirche arbeite. Es liegt somit in dieser Zuweisung eine sehr ehrenvolle Anerkennung für das erfolgreichen Wirken der noch jungen, aber überaus tatkräftigen Gesellschaft.

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)


Msgr. Streicher, ein Elsässer, wurde später von Kardinal Constantini als „größter Missionar des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Eines seiner größten Anliegen war die Bildung eines einheimischen ugandischen Klerus.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Der erste Weiße Vater Kanadas

Msgr. John Forbes M. Afr. (Quelle)
Hier die englischsprachige Biographie des ersten Weißen Vaters Kanadas und Nordamerikas, Msgr. John Forbes. Sehr interessant!

Montag, 12. Mai 2014

Québec früher



Bilder aus der Zeit vor der Quiet Revolution, als Québec noch gleichbedeutend mit römisch-katholisch war.


Levitenamt, Notre-Dame de Montréal (Quelle)


Kirche Saint-Roch, anscheinend bei einer Priesterweihe (Quelle)


Pontifikalamt (Quelle)
Trappistenkloster unsere liebe Frau von Mistassini (Quelle)


Levitenamt, Basilika Notre-Dame de Montréal (Quelle)


der erste Weiße Vater Kanadas: Msgr. John Forbes, Koadjutor-Apostol. Vikar von Uganda (Quelle)

Festmesse im Waisenhaus von Huberdeau (Quelle)


Prozession in Saint-Benoît-du-Lac (Quelle)
Aussetzung des Allerheiligsten nach Messe für Kranke (Quelle)




Freitag, 8. November 2013

Die Weihe Ugandas an die Königin Afrikas

Inneres der Basilika Notre Dame d'Afrique, Algier (Photochrom-Bild aus den Jahren 1890-1905)

Am 19. Februar 1914 sah die Kirche U.L. Frau von Afrika bei Algier eine seltene Feier: vier der vornehmsten Baganda weihten im Namen ihrer 200.000 katholischen Landesbrüder ihr Vaterland der Mutter Gottes.

Diese Wallfahrtskirche ist mit der Geschichte der Weißen Väter und der Ugandamission innig verknüpft: hier wurde der erste Priester der jungen Gesellschaft geweiht, von hier aus sandte Kardinal Lavigerie 1878 die erste Karawane seiner Missionäre ins Herz des schwarzen Erdteils, nach Uganda.

Der Sturm einer blutigen Christenverfolgung ist seitdem über die junge Saat dahingebraust und hat Uganda und der ganzen Kirche 22 Negermärtyrer geschenkt. Und das Blut dieser Märtyrer ist der Same neuer Christen geworden: aus den 4000 Katholiken Ugandas zu Beginn der Verfolgung (1886) sind über 220.000 geworden.

Die frohen Ereignisse der letzten Jahre, die Einleitung des Seligsprechungsprozesses der Bagandamärtyrer und die Weihe der ersten Bagandapriester haben den Katholiken die Größe ihrer Dankesschuld gegen Maria wieder klar vor Augen gestellt und sie gedrängt, aus den Edelsten ihres Volkes vier Gesandte zu wählen, die der Königin Afrikas in ihrem Heiligtum den Dank des ganzen Volkes abstatten sollten. 

Zugleich sollten sie das Mutterhaus der Weißen Väter, Maison Carée, aufsuchen, von dem so viel Segen über Uganda ausgegangen, ihren erkrankten Oberhirten, Bischof Streicher, dort begrüßen und dann als Vertreter des Volkes zum Grabe des Erlösers nach Jerusalem, zum Heiligen Vater in Rom und nach Lourdes wallfahren.

Die Erwählten waren Stanislaus Mugwanja, der bekannte Justizminister des Königreichs Uganda, Alexis Pokino, Statthalter der Provinz Buddu, und der Prinz Joseph Mosonge Wulugembe, Enkel des Königs Mtesa und Vetter des jetzigen Königs. Außerdem hatte Stanislaus aus der Schar seiner 17 Kinder seinen Sohn Benedikt an der Reise teilnehmen lassen.

Am Morgen des 19. Februar wurden die vier Baganda in feierlichem Zuge in die Basilika geleitet, wo sich die Weißen Väter und Schwestern aus dem Mutterhause und dem Noviziat, der Ordens- und Weltklerus und die Katholiken von Algier und Umgebung zur Feier versammelt hatten. Nach dem Pontifikalamt, das Bischof Streicher von Uganda unter Assistenz des Bischofs Livinhac, des Generaloberen der Weißen Väter, zelebrierte, las Stanislaus Mugwanja mit fester Stimme die feierliche Weihe vor: 


Statue "Notre Dame d'Afrique"

O heiligste Jungfrau Maria, unsere Mutter, schaue auf uns Kinder Ugandas, die wir hier vor dir knien. 
Wir sind gekommen, um dir in unserem Namen und in dem aller katholischen Baganda Dank zu sagen für die wunderbare Ausbreitung, welche unsere heilige Religion in unserem Land genommen hat. 
Wir danken dir auch für die große Anzahl seeleneifriger Priester, die du zu uns gesandt hast, damit sie uns in den Wahrheiten des Glaubens unterrichten. Wir weihen dir unser Land und unterstellen es deiner Obhut. 
Nimm unsere Weihe huldvoll an und erwirke allen jenen, die unseren heiligen Glauben bereits angenommen haben, die Gnade, ihm treu zu bleiben, jenen unserer Landsleute aber, die dich noch nicht kennen, sowie die Völker rings umher, das unschätzbare Glück, katholisch zu werden und so dahin gelangen, in Wahrheit Jesus, unseren Herrn und Seligmacher, kennen und lieben zu lernen. 
Stanislaus Mugwanja, Alexis Pokino, Josefu Wulugembe.

„Wiewohl wir die Worte nicht verstanden“, schreibt ein Augenzeuge, „hörten wir doch aus seinem Vortrag die tiefe Ergriffenheit heraus.“ 
Die schönste Freude bot dieser Tag dem greisen Generalobern der Weißen Väter, der als einer der ersten die frohe Botschaft in Uganda verkündet und als Oberhirte der Kirche Ugandas die blutige Verfolgung in ihrer ganzen Bitterkeit verkostet hatte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Mittwoch, 12. Juni 2013

Ein afrikanischer König in Audienz beim heiligen Papst Pius X.

König Daudi Cwa 
König Daudi Chua (Cwa) hat auf seiner Europareise auch dem Heiligen Vater seine Aufwartung gemacht. Am 10. September 1913 hatte er mit seinem Gefolge Audienz. 

Als Daudi dem Papst vorgestellt wurde als der König, der viele Tausende von Katholiken zu seinen Untertanen zähle, ließ Pius ihm durch den Dolmetsch sagen: 
„Ich weiß, welch große Fortschritte die Religion ins einem Reich gemacht hat. Ich hoffe dass er, zur Herrschaft gelangt, den Schutz der katholischen Religion sich zur Herzenssache machen wird (Anmerkung: wahrscheinlich hatte der damals 18-jährige König die Amtsgeschäfte noch nicht übernommen).“ – „Ganz gewiss! Das werde ich tun“, erwiderte Daudi mit tiefer Überzeugung. Da schaute Pius dem jungen Fürsten tief in die Augen, als ob er die Zukunft enträtseln wolle. 

Beim Abschied schenkte der Heilige Vater ihm eine goldene Medaille, die auf der einen Seite das Brustbild Pius X., auf der anderen den Vatikan zeigt, und gab ihm auch für seine Schwester, die katholische Prinzessin Maria (er selbst war Protestant), ein kunstvolles Mosaikbild der allerseligsten Jungfrau mit.

Die Hoheit und Würde des Stellvertreters Christi, gepaart mit väterlicher Güte, die Universalität der katholischen Weltkirche, wie sie in Rom, im Vatikan so deutlich zum Ausdruck kommt, machten tiefen Eindruck auf den Fürsten. Immer wieder sagte er auf dem Heimweg zu seinen Begleitern: „Wie gut doch der Papst ist! Wie gut!“

Nach Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt ist der König über Neapel nach Uganda zurückgekehrt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Samstag, 18. Mai 2013

Mehr über die eifrigen Katholiken in Uganda


Unsere Leser werden sich noch der schönen Briefe erinnern, welche uns die deutsche Schwester Maria Restituta früher aus dem Land der Kabylen (Nordafrika) zusandte.

„Nach langer Unterbrechung“, so schreibt sie von Biskra, Nord-Sahara, „erlaube ich mir, wieder einmal an Ihr Wohlwollen zu appellieren und Ihre gütige Vermittlung zu erbitten zu Gunsten unserer künftigen Mission bei den Negern in Uganda.
Meine ehrwürdigen Obern haben mir vor einigen Tagen die mich hoch beglückende Mitteilung gemacht, dass ich mi Monat Mai mit fünf Gefährtinnen in Begleitung des hochwürdigsten Bischofs Streicher die Reise dahin unternehmen soll. 

Das Land der schwarzen Märtyrer wendet sich voll und ganz dem Christentum zu; Neophyten und Katechumenen zählen nach Tausenden, und mit der Gnade Gottes können wir den Missionären, die bis jetzt allein dort tätig waren, ihre gewaltige Arbeitslast etwas erleichtern. 
Den Berichten der Weißen Väter zufolge gibt der Eifer dieser schwarzen Neubekehrten dem der ersten Christen kaum etwas nach und geht häufig genug bis zum Heroismus. 
Rührend ist ihre Verehrung zur lieben Mutter Gottes: ihr zu Ehren legen sie sich oft genug die strengsten Fasten auf, besonders wenn es gilt, die Prüfung zu bestehen, welche, wenn sie glücklich ausfällt, ihnen die Gnade der heiligen Taufe sichert. 
Msgr. Streicher erzählte kürzlich, als die Rede auf seine geliebten schwarzen Kinder kam, folgendes Beispiel ihrer vortrefflichen Gesinnungen:

„Eine gute Alte, die seit Jahren vergeblich bemüht war, ihrem widerspenstigen Kopf den Wortlaut des Katechismus einzuprägen, flehte mit beweglichen Worten [sic] um die Taufe. Sie wurde zur Prüfung zugelassen. Der hochwürdigste Herr richtete selbst die Fragen an sie:

‚Kannst du mir sagen, was die Taufe ist?‘ – ‚Die Taufe, das ist das Wasser, das die Seele rein wäscht.‘ – ‚Und was ist die heilige Kommunion?‘ – ‚Das ist der liebe Gott, den man isst.‘ – ‚Was ist das heilige Sakrament der Buße?‘ – ‚Das sind die Sünden, die davonlaufen.‘ – ‚Aber, liebe Frau, du verstehst ja gar nichts von der Glaubenslehre!‘ – ‚Ob ich die Glaubenslehre verstehe oder nicht, das weiß ich nicht, darüber bist du Richter. Ich bin eine alte Frau und mein Kopf ist zu hart zum Lernen. Ich weiß nur eines, nämlich dass ich keinen sehnlicheren Wunsch im Herzen habe als den, das Kind des großen Gottes zu werden, den du anbetest und der auch mich erschaffen hat. 
Sag mir einmal, wenn deine Mutter so vor dir kniete und dich um die heilige Taufe bäte, würdest du ihr dieselbe verweigern?‘

Die schlichte, vom Herzen kommende Beredsamkeit der armen Alten trug den Sieg davon, und es gab eine Glückliche mehr unter der Sonne. 

Natürlich muss der Unterricht den Baganda in ihrem Idiom, einer Bantusprache, erteilt werden, zu deren Erlernung die Missionäre bereits eine Grammatik verfasst haben. Da gilt es vor allem, das Ruganda zu studieren.

Neben den geistlichen Werken der Barmherzigkeit ist noch ein weites Feld für die leiblichen offen; denn die unaufhörlichen Verfolgungen und Kriege haben besonders den Christen hart zugesetzt, so dass sie häufig vom Notwendigsten entblößt sind. Auch der Sklavenloskauf und die Kosten für Unterhalt der befreiten Kinder bedingen besondere Hilfsquellen. (…)

(Aus: die katholischen Missionen, 1899) 

Hier ein weiterer erbaulicher Brief von Schwester Restituta aus Uganda. Es waren seit dem Brief oben fast 20 Jahre vergangen.

Samstag, 4. Mai 2013

Das „Gelobte Land der Missionäre“


Hören wir, was P. Joseph Laane über seine ersten Eindrücke in Buddu, der katholischen Provinz von Uganda, am Nordwestufer des Nyanza, erzählt.

„In Longo begann unsere Karawanreise zu Fuß nach Buddu. Hier befinden wir uns in einem ganz katholischen Land. Ich kann Euch unmöglich in einem kurzen Brief alles erzählen, was ich in den beiden Missionsstationen Bikira Maria und Villa Maria, die ich berührte, sah. Hier werden an jedem Missionsposten alle sechs Wochen ca. 500-600 Erwachsene getauft, und zwar lauter solche, die vier Jahre lang dem Katechismus beigewohnt. 

Damit die Missionäre nicht auf die Dauer unter der Last der vielen Beichten und anderer Seelsorgarbeiten erliegen, musste ihre Zahl notwendig verdoppelt werden. Hier ist in Wahrheit die Ernte groß. Jeden Tag sitzen drei Missionäre von 2-6 Uhr im Beichtstuhl, und doch kommen die Christen nur alle drei bis vier Monate einmal an die Reihe, so sehr sie auch verlangen, öfter zu beichten. Der ganze Morgen geht in Katechismusstunden und Predigten auf, ohne einen Augenblick der Ruhe. 

Wenn man in den holländischen Seminarien das Schauspiel sehen könnte, welches ich hier mit eigenen Augen staunend betrachtet habe, gewiss würden alle sich einschiffen und zusammen nach Uganda kommen. 
Ihr könnt Euch denken, wie mein junges Missionärherz in meiner Brust brannte und mächtig schlug und klopfte, als ich gewahr wurde, welch eine reiche Ernte in dieser Mission –gewiss der schönsten der Welt-zu schneiden ist. Ja, Uganda ist in Wahrheit das ‚Gelobte Land der Missionäre‘“ (…)

(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Sonntag, 14. April 2013

Die ersten einheimischen Priester in Uganda


Die ersten Baganda-Priester sind am 29. Juni 1913 geweiht worden. Der Apostolische Vikar, Bischof Streicher, teilt das frohe Ereignis dem Generalobern der Weißen Väter, Bischof Livinhac, also mit: 

‚Die Weihe unserer ersten Priester ist nunmehr Wirklichkeit, vollendete Tatsache geworden. Gott sei Dank!
Die Ugandakirche hat ihre Lebenskraft gezeigt, sie hat aus sich selbst die Erstlinge des Priestertums hervorgebracht. Ew. Bischöfl. Gnaden sollen zuerst die offizielle Kunde von diesem hochwichtigen Ereignis erhalten. Unter den Geweihten waren außer den beiden Priestern noch ein Diakon, fünf Minoristen und sechs Tonsurierte.
Ohne dass irgendwelche Einladung ergangen wäre, hatten sich doch der katholische Regent Stanislaus Mugwanya, alle katholischen Provinzvorsteher, die Elite der Katholiken aus ganz Uganda eingefunden. Die Menge der Herbeigsetrömten belief sich schätzungsweise auf 15.000.
Man muss gestehen, dass das wahrhaft katholische Empfinden unsere Christen richtig leitete. Sie waren sich der Tragweite der Weihefeierlichkeit voll und ganz bewusst. Andacht und Rührung malten sich auf allen Gesichtern, und eifrige Gebete begleiten die hehren Zeremonien.

Unsere beiden Neupriester werden die nächsten zwei Jahre im Knabenseminar im Lehramt tätig sein. Nach Ablauf dieser Zeit werden sie Jurisdiktion erhalten und in der Seelsorge beschäftigt sein.'

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)


Ein Bild der beiden Priester (wahrscheinlich kurz nach der Weihe) findet sich hier. Ein weiteres Bild beim silbernen Priesterjubiläum 1938 hier (rechtes Bild). 

Wahrscheinlich war der ugandische Autor dieses Artikels so begeistert davon, dass er die beiden als "erste Priester Afrikas" bezeichnete. 


Natürlich gab es schon in Nordafrika in der christlichen Frühzeit Priester und Bischöfe und auch in Schwarzafrika waren sie nicht die ersten. 
Bereits in den 1870er Jahren gab es einen senegalesischen Priester (wahrscheinlich mehrere) unter den Vätern vom Heiligen Geist und im Kongo bereits im 16. Jahrhundert schwarze Priester und sogar zwei schwarze Bischöfe, darunter der Sohn von König Alfonso vom Kongo, Henrique, der in Portugal erzogen wurde.

Freitag, 15. März 2013

Lebendiger Glaube und strenges Fasten in Uganda



Wie groß der Eifer der Bagandachristen für ihren heiligen Glauben war, zeigte sich, als ihre rasch angewachsene Zahl vor 16 Jahren einen Neubau an Stelle des alten Rohrkirchleins in Rubaga, der Landeshauptstadt, notwendig machte.
Der Plan eines Kirchbaues wurde mit Begeisterung aufgenommen. Es gab zwar keine Kirchenfonds oder Kapitalisten, aber auf eines konnte man sicher zählen, auf den guten Willen und die arbeitsbereiten Hände der schwarzen Christen. Der Neubau sollte aus Ziegelsteinen errichtet werden. Lehm, mit Kuhmist durchknetet, wurde an der Sonne getrocknet; so kamen viele Tausende Bausteine zusammen.
Da halfen alle mit. Selbst einer der Regenten und Minister, der wackere Stanislaus Mugwanya, hielt es nicht unter seiner Würde, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit seiner gleichgesinnten Gemahlin Mörtel und Sand auf dem Kopf herbeizutragen. Sein Beispiel fand freudige Nachahmung.
Ganze Familien konnte man sehen, die, vom Kleinsten bis zum Größten, Taglöhnerdienste leisteten und, je nach Kräften, bis zu fünf Steine auf einmal herbeischleppten, und das war nicht wenig, denn die Steine waren groß und massiv. 

So wuchs der Riesenbau, auf sechzehn Säulen gestützt, wie man dergleichen noch keinen im Land gesehen hatte. Es fiel niemand ein, Lohn zu beanspruchen (eine bescheidene Löhnung erhielten nur die ständig angestellten Arbeiter) — wusste man doch, für wen man arbeitete. Als die nötige Höhe erreicht war, wurde der Dachstuhl aufgesetzt.
Inzwischen eilten die Frauen in die Täler, wo in den Sümpfen das Riedgras wuchs, und brachten es in großen Bündeln zum Bauplatz, denn damit sollte die Kirche gedeckt werden, und wohl einen halben Meter dick waren die Schichten. 

Über dem Hochaltar war auch eine Decke aus feinstem Flechtwerk mit künstlichen Mustern hergestellt — darin sind unsere Schwarzen Meister! Dann wurde noch der Boden festgestampft und mit dem natürlichen Teppich belegt, den der Wald lieferte — feines, langes Gras, von weither geholt und von den vornehmsten Frauen mit solcher Sorgfalt ausgebreitet, dass auch nicht ein Hälmchen schief lag.
Freilich mussten sie es sich gefallen lassen, dass ihre strengen Herren und Gebieter sie dabei bisweilen beargwöhnten — aber ganz mit Unrecht — und heimlich nachsahen, ob die Grasschicht auf der Männerseite ebenso dicht wäre wie auf der der Frauen.
So wurde der Bau und die innere Ausstattung mit Liebe und Fleiß vollendet und die Kirchweih mit großer Feierlichkeit und großem Jubel begangen.
Mit welcher Freude und Andacht kamen sie, um dem Herrn des Himmels ihre Huldigung darzubringen! Da drohte schon bald nach Vollendung der Kirche der stolze Bau in Schutt und Asche zusammenzusinken.
Auf dem Dachstuhl brach Feuer aus, im Nu stand ein Teil desselben in Flammen. Wasser war rar, die Quelle entfernt, Löschapparate unbekannte Dinge. Was tun?
Vor dem Gotteshaus stand eine Gruppe von etwa zwanzig Frauen, darunter eine der früheren Frauen des Königs.
Ohne sich zu besinnen stürzten sie in die brennende Kirche und flehten hier, die Hände bittend zu Maria erhoben, in kindlichem Vertrauen: ‚O Maria, o unsere Mutter, sieh das Haus deines Sohnes brennt! Unser neues Gotteshaus, das wir mit so viel Mühe gebaut haben! Hilf uns! Lösch das Feuer! Du musst helfen! Geschwind, hör uns!“ In diesem Ton ging es fort, bis nach zwanzig Minuten das Feuer von selbst wieder erlosch. Ihr Gebet war erhört.

Wie bei solchen außerordentlichen Anlässen, so zeigt sich der Glaubensgeist unserer Christen auch im täglichen Leben.
Ergreifend ist es, wenn die Tausenden, die im engen Raum sich drängen, bei der Erhebung der heiligen Hostie in der heiligen Wandlung mit einer Stimme begeistert in den Ruf ausbrechen: Mukama wange na Katonda wange — „Mein Herr und mein Gott!“ — ein Ausbruch lebendigen Glaubens und kindlicher Liebe. 

Und in der heiligen Fastenzeit! Alles strömt herbei, am Aschermittwoch die geweihte Asche zu empfangen zum Zeichen der Buße. Aber man glaube ja nicht, dass diese schwarzen Christen sich mit dem Sinnbild der Buße begnügen.
Sie beobachten auf das strengste die Kirchengebote, die zur Buße auffordern, ja dieselben waren für sie noch verschärft worden. Sie enthalten sich während der ganzen Fastenzeit, auch an Sonntagen, des Fleisches.
An allen Fastagen wird das Fasten erst zu Mittag durch einen kleinen Imbiss gebrochen, der gewöhnlich nur in einigen rohen Bananen besteht; am Abend wird die eigentliche Mahlzeit genommen, meistens auch nur ein Gericht von gekochten Bananen — das sog. Matoke oder Mmere, das Nationalgericht der Baganda. 

Als Leo XIII. von diesem strengen Fasten seiner schwarzen Kinder Kenntnis erhielt, trug er dem Apostolischen Vikar auf, dasselbe zu mildern, den Fleischgenuss am Sonntag zu gestatten. Sofort nach seiner Rückkehr in sein Vikariat entsprach derselbe dem Wunsch des Papstes.
Aber bald darauf kamen aus allen Provinzen des Landes Abordnungen der Katholiken, die alle in demselben Sinn Einspruch erhoben: „Hochwürdigster Herr Bischof“, sagten sie, „wir sind nur arme Neger und noch nicht imstande, großen Tugenden zu üben — aber fasten — das können wir! So lass uns denn weiter fasten, wie wir es bisher getan!“

Und so blieb es dabei! Man sieht, dass ihnen auch die Demut nicht ganz fremd war. Dass auch die einzelnen dieser Verpflichtungen gewissenhaft nachkommen, berichten uns einige Zeilen aus der Reisebeschreibung jener Großen von Uganda, die vor Ausbruch des Krieges Europa besuchten.
Trotz der ungünstigen Jahreszeit, des kälteren Klimas und der ungewohnten Kost beobachteten die vier Reisenden inmitten ihrer Fahrt durch Italien, Frankreich und England das strengste Fasten und gestatteten sich außer einer Tasse Tee zu Mittag nur die einzige Mahlzeit am Abend, denn es war Fastenzeit.

Doch, um wieder nach dem dunklen Erdteil zurückzukommen: Am Palmsonntag kommen sie alle, selbst die Kleinsten auf dem Rücken der Mutter, mit Palmen — es gilt ja, den König des Friedens feierlich zu empfangen und zu begrüßen. Sobald sein Stellvertreter, der Priester, aus der Sakristei tritt und dem Altar sich nähert, geht ein Rauschen durch die Kirche, als wenn der Wind im Palmenhaine spielte, denn alle Hände heben die grünen Zweige hoch und winken und grüßen mit solcher Begeisterung, dass der Priester zuweilen den Eifer der guten Leute mäßigen muss, bis dann beim Evangelium die Szene sich erneuert.
Und wenn am Schluss der Exerzitien der Karwoche die Taufgelübde erneuert werden und der Missionär von der Kanzel herab an das Volk die Fragen richtet: „Glaubt ihr an Gott den Vater?...Widersagt ihr dem Satan?...Dann erheben alle die Hand zum Schwur, und die Antwort hallt durch die Kirche: „Wir glauben, wir glauben, wir widersagen!“
Und wenn die schwarzen Christen auch nicht verstehen, warum sich die christlichen Glaubensbrüder in Europa im grimmigen Bruderkrieg zerfleischen, sie haben auch im Krieg ihren Glaubensgeist und ihre Anhänglichkeit an ihre Missionare bewiesen.
Die Hunderten von Katechisten, deren Aufgabe durch den Wegzug so vieler Patres nicht leichter geworden ist, haben sich erboten, ihre Tätigkeit unbesoldet fortzusetzen.
Das gläubige Volk bemüht sich, für die Bedürfnisse seiner Kirchen selbst aufzukommen, viele Christen arbeiten um Gotteslohn für ihre Missionäre, um denselben die Sorgen für ihr tägliches Brot zu nehmen.

Gewiss, wenn irgendwo, dann hat in Uganda der Samen der Märtyrer herrliche Früchte getragen!

Schwester Maria Restituta (Anm.: nicht die selige Maria Restituta Kafka)

(aus: die katholischen Missionen, 1918)

Montag, 28. Januar 2013

Zeitgenössische Briefe über die Märtyrer von Uganda (Teil 2)


Fortsetzung von hier

„Ein junger Krieger, (St.) Jakob Buzabaliao, welcher sich durch seine große Herzenseinfalt und fast noch mehr durch seinen Eifer auszeichnete, womit er die Kinder der Hauptstadt im Glauben unterrichtete, wurde vor den König beschieden. Muanga bedrohte ihn mit dem Tod, falls er nicht aufhöre, anderen von der Religion zu sprechen; allein der Krieger kannte keine Furcht, sondern setzte sein Apostolat unerschrocken fort.

Nun warf der Herrscher seinem Untertanen vor, dass er es gewagt habe, ihn selbst unterrichten und bekehren zu wollen. Das war freilich ein Verbrechen, welches unsern Neophyten zu einem der ersten Opfer für den Glauben bestimmte.
‚Bist du das Haupt der Christen von Kigoa?‘ herrschte der König den Krieger an. —‚Ich bin zwar Christ, aber ihr Haupt, wie du sagst, bin ich nicht.‘ — ‚Der junge Mensch will den Großen spielen‘— erwiderte Muanga; ‚wenn man ihn sieht, sollte man ihn für den Mukinda (Landesherrn) halten. — ‚Danke,‘ sagte Buzabaliao, ‚danke für den erlauchten Titel welchen du mir gibst.‘ — ‚Das ist derselbe Mensch, der mich zum Christentum hinüberziehen wollte; Henker, packt ihn, macht ihn auf der Stelle nieder, mit dem wollen wir anfangen.‘ — ‚Lebe wohl, König,‘ sagte der junge Christ ohne Zittern, ‚ich gehe hinauf ins Paradies, um bei Gott für dich zu beten.‘
Jakob musste an mir vorbei, um zum Richtplatz zu gelangen, wo ihn der Henker enthaupten sollte. Ich erhob die Rechte, um ihm die letzte Lossprechung zu erteilen. Als Antwort streckte er die gefesselten Hände empor und zeigte auf den Himmel, wo wir uns einst wiederzusehen hoffen. Heiter lächelnd, als ginge es zu einem Feste, schien mir sein Blick sagen zu wollen: ‚Pater, warum klagen? All diese Leiden sind ja nichts im Vergleich mit den ewigen Gütern, die du uns kennen gelehrt hast.‘

Karl Luanga, der Aufseher der Pagen, wurde von seinen Gefährten getrennt. Vielleicht hoffte man, so ihn leichter zum Abfall bewegen zu können.
Um den Mut des Glaubenszeugen auf die Probe zu stellen, erbat sich ein Henker vom König unseren Christen, indem er versprach, denselben nach Gebühr peinigen zu wollen. Der Unmensch röstete Karl langsam, indem er bei den Füßen die Marter begann.

‚Ob Gott wohl kommt und dich aus der Glut befreit?‘ spottete der Mörder, als er das Feuer an sein Opfer brachte. Ruhig erwiderte der Blutzeuge: ‚Armer Unglücklicher, du weißt nicht, was du sagst. In diesem Augenblick ist mir, als gössest du Wasser über meinen Leib aus; dich aber wird Gott, den du jetzt lästerst, eines Tages in wirkliches Feuer verstoßen.‘
Nach diesen Worten sammelte er sich wiederum und erduldete die langsamen Qualen, ohne einen Schmerzenslaut von sich zu geben.

(aus: die katholischen Missionen, 1887)

Sonntag, 27. Januar 2013

Zeitgenössische Briefe über die Märtyrer von Uganda (Teil 1)

der heilige Karl Lwanga und Gefährten, die heiligen Märtyrer von Uganda


Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Christen in Uganda durch König Muanga II. grausam verfolgt. Diese Verfolgung hat der katholischen Kirche 22 heilige Märtyrer geschenkt, die ersten Heiligen Afrikas in der Neuzeit.
Sie wurden von Papst Benedikt XV. 1920 selig-, im Jahr 1964 von Papst Paul VI. heiliggesprochen. Papst Pius XI. erklärte den "Anführer", Karl Lwanga, zum Patron der Jugend Afrikas. Nachfolgend ein Brief von Msgr. Livinhac über die Verfolgung seiner Katholiken: 

Msgr. Livinhac, der apostolische Vikar von Victoria-Nyanza, schreibt unter dem 31. Juli 1886 aus der Station U.L.F. von Kamoga (Bukumbi):

„Ich hatte mich in unsere teure Mission von Buganda (Uganda) begeben, um die Visitation abzuhalten. Zugleich machte ich mir Hoffnung, dort am Heile der Seelen arbeiten zu können, so lange mich meine Amtspflichten nicht anderswohin riefen. Leider wurde meine Hoffnung vereitelt; denn kaum  hatten wir den Fuß ans Land gesetzt, als die Verfolgung mit doppelter Heftigkeit losbrach.
Ein Gesetz verbot unter Todesstrafe die Ausübung unserer heiligen Religion.
So können wir also in den Dörfern keine Missionen mehr abhalten, unsere Neophyten und Katechumenen dürfen sich höchstens unter dem Schutz der Nacht zu uns wagen, aber auch so laufen sie noch Gefahr, von den Spionen des Königs ergriffen zu werden. 

Während des Monats, den ich zu U.L.F. von Nubaga zubrachte, zögerten viele nicht, sich dieser Gefahr auszusetzen, und so konnte ich 97 der am besten Vorbereiteten die heilige Firmung spenden. Es kam wohl vor, dass ich vier- und fünfmal in derselben Nacht geweckt wurde, um diese teuren Besucher zu empfangen. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr die Wirkungen der göttlichen Gnade in den Herzen der Neubekehrten rührten.
Dem grausamen Tod, der sie bedroht, sehen sie mit dem ruhigen Mute eines unerschütterlichen Glaubens entgegen. ‚Die Mörder‘, sagen sie oft, ‚töten den Leib, die Seele können Sie nicht töten; sie quälen uns eine Zeitlang, aber die Seele erreichen sie nicht; denn die geht zum lieben Gott, der sie auf ewig glücklich macht.‘

Viele fragen uns, ob sie sich ohne den Schein eines Abfalles vom Glauben verbergen dürfen, oder ob es nicht besser sei, vor dem König offen ihr Christentum zu bekennen. 

Bei den Bugandas dürfte die Zahl der Opfer wohl hundert übersteigen, indessen konnten wir bis jetzt erst die Namen von 22 Märtyrern erfahren. Die Seelenstärke, welche sie inmitten der schrecklichsten Qualen bewiesen, brachte, wie in den ersten Zeiten des Christentums, die Heiden auf den Glauben, wir besäßen ein geheimnisvolles Zaubermittel, das uns die Leiden versüße und den Tod verachten lasse. 

Was wird nun die Verfolgung in diesem Teil unserer jungen Kirche zu Stande bringen? Menschlicherweise betrachtet, muss das Christentum hier im Keime erstickt werden; denn Muanga hat erklärt, dessen Bekenner in seinem Land auszurotten, und für ihn ist das ja eine Leichtigkeit.
Ich meinerseits hoffe, dass hier, wie anderswo, das Blut der Märtyrer zum Samen des Christentums werde; ich bin voll Vertrauen und danke Gott, dass er sich würdigte, unsere Christen als ersten Blutzeugen unter den Negern zu erwählen (…)“

(aus: die katholischen Missionen, 1887) 

Fortsetzung hier

Dienstag, 3. April 2012

Eine heldenhafte Taufe


Die Bereitschaft der Missionäre, für das Seelenheil ihrer Schafe das Leben hinzugeben, zeigt wohl kaum eine Geschichte so gut wie die folgende aus Uganda:

Am 14. April passierte Pater Giraud in einem Kanu die kleine Insel Djuma an der Küste von Mweri. Plötzlich erfasste ein Flusspferd die Barke und zertrümmerte sie, sodass der Missionär mit einem Waisenknaben und vier Ruderern versank. 

Letztere retteten sich; ein Gleiches hätte nach ihrer Aussage P. Giraud gekonnt; allein dieser zog es vor, mit heldenmütiger Liebe sein Leben in die Schanze zu schlagen, um die Seele des Kleinen, der die Taufe noch nicht empfangen, zu retten. 

Krampfhaft klammerte sich der Knabe an den Priester, sodass dessen Bewegungen fast gänzlich gehemmt waren. Mit Aufgebot aller Kraft gelang es dem Pater, die Rechte frei zu machen und sich so lange oben zu halten, bis er mit der Hand das Wasser, in dem er den Tod fand, über das Haupt des Kindes gießen und dazu die Worte der Taufformel sprechen konnte. 

Darauf versanken beiden in den Fluten. Kurz nachher standen sie gewiss vereint vor dem Thron Gottes: der eine im unbefleckten Kleid der Taufgnade, der andere als Märtyrer heroischer Liebe.

(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Mittwoch, 15. Februar 2012

Die häufige Kommunion in Mulera und ihre Früchte



Vor kurzem haben die „Kathol. Missionen“ über das blühende eucharistische Leben in Uganda eingehend berichtet (1912/1913). Dass auch in dem benachbarten Vikariat Kiwu der Weißen Väter ein ähnliches reges Leben herrscht, beweisen die Mitteilungen des P. Classe über die große Missionstation Mulera. 

In dieser Station, die 2000 Christen zählt, wurden allein während der Monate November und Dezember 1912 über 14.000 Kommunionen ausgeteilt. Die Frucht des häufigen Sakramentenempfangs tritt dem Missionär greifbar vor Augen. Die dortigen Eingeboren, die Mulihira, sind von Natur aus ungemein kriegerisch und mordlustig. Menschenmord gilt als Ehrensache.“Du bist ein Kind, du hast noch niemanden getötet“, ist der gefürchtetste Vorwurf. In jedem Rechtstreit beginnt der Kläger „Ich habe den und den erschlagen, darauf den und den; ich habe dem und jenem die Hütte in Brand gesteckt; ich bin ein Mann. Hört mich an!“ Und die ganze Versammlung klatscht Beifall. 


Die Kraft sich aus solchen Gewohnheiten zu wahren Christen durchzuarbeiten, finden die Neubekehrten im häufigen Sakramentenempfang. „Wenn ich kommuniziert habe“, sagte einer zum Pater, „habe ich Kraft für zwei Tage; aber dann ist es vorbei.“
Sie haben gelernt, das schwerste Opfer zu bringen, auf die Blutrache zu verzichten. Von den vielen Beweisen dafür nur zwei Beispiele. „Lazaro, einer unserer Christen“, schreibt ein Missionär, „lag zu Tode verwundet in seiner Hütte, neben ihm die Leiche seines Bruders. Einige heidnische Dorfgenossen hatten sie überfallen. Ein Mitchrist wandte sich an den Sterbenden: ‚Lazaro, sprich, dass du deinen Mördern verzeihst!‘ —Ja, ich verzeihe ihnen‘, flüsterte der Sterbende, ‚man soll sie in Frieden lassen; ich bin zufrieden, dass man mich nicht rächt.‘ Und nach einer Pause: ‚Ich wünsche, dass sie Christen werden.‘“
(…)


Ähnlich verwildert wie die Alten waren auch die Kinder. Wurden sie doch von ihren Eltern planmäßig angelehrt, sich ihren Unterhalt durch stehlen zu verdienen. „Ein Hund versteht es, sich die Nahrung selbst zu suchen“, sagt ein Sprichwort der Mulihira, „ein Kind muss doch ebenso viel Verstand haben wie ein Tier.“
Auch hier hat die häufige Kommunion eine allmähliche Umgestaltung der Jugend bewirkt. 


Als das Dekret des Heiligen Vaters über die Kinderkommunion bekannt wurde, hieß es allgemein unter den Christen: „Seht, der Papst kennt uns! Er hat eingesehen, dass unsere Kinder, genau wie wir, ohne Nahrung nicht leben können.“ Und die Kinder wissen das Brot des Lebens auch zu schätzen. Fast alle Kinder der Station über sieben Jahre gehen drei- bis viermal in der Woche zum Tisch des Herrn, obwohl manche ziemlich weit im Gebirge wohnen.
Und die Früchte bleiben nicht aus. 


Unter den Kindern befand sich ein Knabe von hitziger, grausamer Naturanlage, der seine schwächeren Gespielen quälte, wo er nur konnte. Ermahnungen und strenge Strafen der Eltern fruchteten nichts. Er wurde zur heiligen Kommunion zugelassen. Mit dieser Stunde vollzog sich eine merkwürdige Wandlung in ihm. Sein hitziges Wesen verlor er allerdings nicht. Aber er wusste sich zu überwinden; „denn“, so sagte er oft, „wenn ich zornig gewesen bin, wenn ich jemanden gequält habe, darf ich den Heiland nicht empfangen.“

Die kleine Lea, ein achtjähriges Mädchen, bereitete sich auf die erste heilige Kommunion vor. Drei Tage vor dem Fest erkrankte sie schwer. Trotz ihrer inständigen Bitten wollten die Eltern die Schwerkranke nicht zur Kirche gehen lassen. Als der Festtag gekommen war, benutzte sie die Abwesenheit der Eltern, um sich auf den Weg zur Mission zu machen. Doch schon bald brach sie zusammen. Einige Christen, die zur Messe gingen, fanden das ohnmächtige Mädchen und trugen es nach Hause zurück. Als der Pater davon hörte, brachte er eiligst Den an das Krankenlager, nach Dem sie so sehnsüchtig verlangte.
Wie tröstlich ist dieses Wirken der Gnade für den Missionär, wie heilsam aber auch dieses Beispiel für manche, die vor den geringsten Opfern zurückschrecken.


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)