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Freitag, 17. Juli 2026

Ein Franziskanerbischof beim Großkhan –Johannes von Montecorvino O.F.M.

 


Das Spätmittelalter war die Zeit heroischer Wandermissionare. Zahllose Angehörige der beiden großen Bettelorden zogen nach Asien, um dort als Herolde des Evangeliums zu wirken und zu sterben. Weder die Tatsache, dass große Teile West- und Zentralasiens vom Islam dominiert wurden, noch die rauen Sitten der großen Nomadenvölker der eurasischen Steppe konnten diese apostolischen Wanderer abschrecken. Sie hatten ja alles verlassen, um Christus, dem Gekreuzigten, nachzufolgen. P. Leo Lemmens O.F.M. schreibt über ihre Gesinnung: „Hervorragendes Merkmal unserer Glaubensboten ist ihr Mut und Opfersinn. Vielleicht zeigt kein anderer Zeitraum so viele Hindernisse des Glaubenswerkes und so wenige Umstände, die zu seinen Gunsten eingewirkt hätten.“

Eines der großen Hindernisse waren die riesigen Entfernungen, die damals größtenteils zu Fuß oder zu Pferd bestritten wurden. So ist es nachvollziehbar, dass der europäische Kontakt zum kaiserlichen Hof in Kambaluk (Peking) erst im Jahr 1266 während der Herrschaft von Kublai Khan hergestellt wurde. Der Großkhan richtete durch Niccolò und Maffeo Polo an den Papst die Bitte um Gelehrte, „die die Lehre von dem einen mächtigen Gott predigen könnten“. Verschiedene Zeitumstände führten dazu, dass erst mit Bruder Johannes von Montecorvino im Jahr 1289 ein päpstlicher Gesandter auszog, der auch an seinem Zielort in China ankam.

Die Gebrüder Polo bei Kublai Khan

Bruder Johannes war 1246 oder 1247 im kampanischen Montecorvino Rovella geboren und war zunächst Arzt und Richter, bevor er in den Orden der Minderbrüder eintrat und sich dann als Orientmissionar vor allem in Armenien und Persien verdient machte. Als er 1289 von dort aus nach Rom kam, erteilte ihm Papst Nikolaus IV. die diplomatische Mission, päpstliche Schreiben an verschiedene Herrscher Asiens, darunter auch an den Großkhan in Kambaluk zu übermitteln. So berichtet er: „Ich, Fr. Johannes von Montecorvino aus dem Franziskanerorden, reiste von Tauris [Täbris], der Perserstadt, im Jahr 1291 und überschritt die Grenzen Indiens und verweilte in der Gegend Indiens bei der Kirche des hl. Apostels Thomas dreizehn Monate und taufte dort gegen 100 Personen an verschiedenen Orten. Mein Gefährte war Fr. Nikolaus von Pistoia aus dem Orden der Predigerbrüder, der dort gestorben und in eben dieser Kirche beigesetzt ist. Weiterreisend kam ich nach Katai, dem Reiche des Kaisers der Tataren, welcher der Großkhan heißt“.


Timur Khan

Timur Khan, der Enkel Kublais, empfing Bruder Johannes wohlwollend und zeigte die für die mongolischen Herrscher  charakteristische religiöse Duldsamkeit, die auch bei Özbek Khan der Goldenen Horde oder den persischen Ilkhanen trotz ihres Bekenntnisses zum Islam zum Tragen kam. Der Mongolenkaiser war zwar „im Heidentum ergraut“, doch ließ er den Franziskaner frei predigen.
Größere Schwierigkeiten machten die nestorianischen Priester, die wie in Zentralasien damals auch in China noch rührig missionierten. Sie verleumdeten ihn gar als Raubmörder, so dass er sich über Jahre immer wieder vor Gericht verantworten musste, bis die Wahrheit ans Licht kam und der Großkhan die Verleumder in die Verbannung schickte. Trotzdem hatte Bruder Johannes weiterhin von dieser Seite zu leiden; so versuchten die Anhänger des Nestorius, seinen Kirchenbau nachts zu zerstören. Vermutlich handelte es sich dabei um dieselbe Kirche, die er 1299 fertigstellte und mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Bund und Inschriften in lateinischer, persischer und uighurischer Sprache verzierte. Ohnehin zeichnete ihn eine Liebe für einen würdigen Gottesdienst aus. Die 40 Knaben, die der Missionar getauft und in Latein und Griechisch unterrichtet hatte, nahmen am feierlichen Chorgebet teil und erfreuten auch den Kaiser mit ihrem Gesang. Bruder Johannes übertrug neben seiner pastoralen Arbeit die Heilige Schrift in die mongolische Sprache und benutzte dazu das geläufige uighurische Alphabet. Bis 1304 konnte er 6000 Personen taufen oder in die katholische Kirche aufnehmen, darunter auch den nestorianischen Öngüt-König Georg. Georg diente ihm von da an in fürstlichen Kleidern am Altar. Besondere Hirtensorge von Br. Johannes erfuhren die Alanen, die während der Mongolenherrschaft in China angesiedelt wurden. Die Angehörigen des berühmten Reitervolkes hatten aus ihrer kaukasischen Heimat den griechisch-orthodoxen Glauben mitgebracht und mieden die Nestorianer als Häretiker. „Der Apostel der Alanen“ nahm viele von ihnen in die katholische Kirche auf und machte sie so zu einer der Säulen der neuen Gemeinde. Bei all diesen Arbeiten ist zu bemerken, dass Johannes von Montecorvino erst im Jahr 1303 einen ersten Gehilfen in Br. Arnold von Köln erhielt. Nach Einschätzung von Br. Johannes hätte sich der Großkhan vielleicht bekehrt, wenn er noch zwei oder drei Mitarbeiter gehabt hätte. 

Im Jahr 1307, dem Todesjahr Timurs, erhob Klemens V. den eifrigen Missionar zum Erzbischof von Kambaluk und entsandte sieben (laut Lemmens, nach anderen Quellen sechs) Franziskanerbischöfe, die ihm die Priesterweihe spenden und seine Suffraganbischöfe werden sollten. Nur drei von ihnen gelangten schließlich nach China und konsekrierten im Jahr 1308 den neuen „Patriarchen des ganzen Orients“, den Gründer der chinesischen Kirche. Seine Kirchenprovinz erstreckte sich vom Bistum Zaitun (Quanzhou) an der Taiwanstraße über Almalek in Turkestan bis nach Kumuk im Nordkaukasus – geradezu ein Sinnbild für seinen gigantischen Missionseifer. Alle nun in China residierenden Bischöfe standen in hoher Gunst am Hof des Großkhans, wobei Erzbischof Johannes vor allen anderen vom Kaiser geehrt wurde und freien Zutritt zu ihm hatte.

Von Heiden und Christen beweint, starb Erzbischof Johannes in Kambaluk im Jahr 1328. Johannes von Marignola berichtet 17 Jahre später, dass er von „Tartaren und Alanen als Heiliger“ verehrt wurde. Zweifelsohne ist Johannes von Montecorvino eine der bedeutendsten Figuren der Kirchengeschichte Ostasiens. Möge ein erfolgreicher Seligsprechungsprozess auch zur Bekanntheit seiner Person beitragen.

Literatur:
Dr. P. Leonhard Lemmens O.F.M.: Die Heidenmission des Spätmittelalters
P. Autbert Groeteken: Die Franziskanermissionen Chinas im Mittelalter

Samstag, 2. August 2025

Catholicism in Dagestan: the Diocese of the Caspian Mountains

 


Map of the North Caucasus area with the Diocese of the Caspian Mountains at the bottom


Dagestan’s history has been shaped by its location at the intersection between Eastern Europe, the Middle East, and Central Asia. While a majority Muslim region today, the area of present-day Dagestan was home to a significant Catholic population in the late Middle Ages. In the 14th century, the Franciscans of the “Societas Peregrinantium”, a missionary group composed of Franciscans and Dominicans, made many converts in the western parts of Cumania, the realm of the Qipchak Tatars. As a consequence, numerous dioceses were springing up between the Crimean Peninsula and the western shores of the Caspian Sea. Among them was the “diocese of the Caspian Mountains”, whose main towns were “Chomek, Thuma, Tarchu, Dergweli, Michaha”[1] according to Pope Boniface IX. The faithful appear to have been mainly from the ethnic group of the Kaitag, whose first apostle was the Franciscan friar John of Ziquia, a native Circassian from the Black Sea coast and Archbishop of Matrega.
In the 1390s, the armies of Timur invaded the area and killed or captured many Christians and destroyed churches and convents. During the following decades, mentions of the Church in the Caspian Mountains are sparse: In 1421, Pope Martin V appoints Friar Ambrosius Scipionis as its bishop and mentions that the faithful, who are “surrounded by unbelievers, heretics and schismatics”, are particularly dear to his heart. He grants a plenary indulgence at the hour of death to all who dwell there or go there. In 1433, Pope Eugene IV mentions the many Christians there living under the threat of losing their faith due to the lack of preachers and appoints the Franciscan Cornelius as bishop. The Venetian traveler Giosafat Barbaro reports that in the middle of the 15th century, there were still faithful in Dagestan, looked after by the Franciscans, and that they belonged to the Latin, Greek, and Armenian rites. The Ottoman domination of the Black Sea finally cut off the contact to the Catholic community of the Caspian Mountains by the end of the century. The spread of Islam in the North Caucasus brought an end to the native Catholic presence in Dagestan.

 

Sources:

Lemmens, Die Heidenmission des Spätmittelalters

Richard, La papauté et les missions d'Orient au Moyen-Âge (XIII-XIVème siècle)



[1] According to Jean Richard, these places correspond to the settlements of Kumukh, Tjumen, Tarki, Dorgeli and Mukhakh, respectively.