Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Freitag, 3. Oktober 2014

Zum 88. Jubiläum der Seligsprechung des äthiopischen Märtyrers Abba Ghebre Michael


Heute ist nicht nur das Fest der h. Theresia von Lisieux, der Patronin der Missionen, sondern auch der 88. Jahrestag der Seligsprechung des äthiopischen Priesters und Märtyrers Ghebre Michael durch Pius XI am 3.10.1926.

Ghebre Michael wurde im Jahr 1788 in Mertule Mariam im Norden des heutigen Äthiopiens geboren. Er wurde koptischer Mönch und war bereits damals für seine Gelehrtheit angesehen und zeichnete sich durch echte Wahrheitssuche aus. 

Durch den Kontakt mit dem heiligen Apostol. Vikar von Abessinien, Justinus de Jacobis, bekehrte er sich nach einer gemeinsamen Romreise im Jahr 1844, wurde bedingungsweise von de Jacobis getauft und am 1.1.1851 zum Priester geweiht. Er verfasste in Ge’ez, der liturgischen Sprache Äthiopiens, eine Grammatik, ein Wörterbuch und einen Katechismus und arbeitete im Seminar in Alitiena an der Heranbildung des einheimischen Klerus. Dem Lazaristenorden, aus dem der hl. Justinus de Jacobis stammte, gehörte er nicht offiziell an, er wird aber von den Lazaristen wie einer der ihren verehrt. 

Besonders ausgeprägt war sein Wunsch, sein irrendes Volk zu bekehren.
Auf Betreiben des schismatischen Patriarchen Abuna Salama, eines echten Katholikenhassers, wurde er gefangengenommen und sollte durch Drohungen und Versprechungen zur Aufgabe des katholischen Glaubens gebracht werden. Doch er blieb standhaft. Auf das Angebot von Reichtümern, wenn er den Glauben des Patriarchen annehmen würde, erwiderte er bloß: „Ich will weder deinen Glauben noch deinen Besitz.“ 

Die Foltern, die er über sich ergehen lassen musste, waren extrem, unter anderem wurde er mit Giraffenschwänzen gepeitscht, deren Haare hart wie Drähte waren. Einmal wurde er so sehr geschlagen, dass man dachte, er würde sterben, doch Ghebre Michael stand wie durch ein Wunder ohne eine sichtbare Verletzung auf. 
Der Kaiser verurteilte ihn schließlich zum Tode, allerdings wurde diese Strafe durch Einspruch des britischen Konsuls in das lebenslange Tragen von Fesseln umgewandelt. 

Bei einem Gefangenenmarsch brach der ehrwürdige Greis schließlich entkräftet zusammen und starb am 28. oder 29. August 1855.


Seine Seligsprechung erfolgte über ein Jahrzehnt vor der des hl. Justinus im Jahre 1939, sein Festtag ist der 30. August. Möge der sel. Ghebre Michael ein Fürsprecher für die Einheit der Kirche, die Bekehrung der Schismatiker und die Verteidigung der katholischen Wahrheit sein!


(Quellen: Lexikon für Theologie und Kirche, Band IV; Blessed Ghèbre-Michael: “The truth will make you free” von James Cahalan C.M., Serie über den hl. Justinus de Jacobis)

Montag, 8. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 2)

Patriarch Cyrillus II. Macaire
Fortsetzung von hier

Nicht unerwähnt lassen darf ich P. Guirgués, den würdigen Pfarrer von Maschul in der Gegend von Mallaui, der keinem schismatischen Kopten auf dem Land, alt oder jung, begegnet, ohne ihn anzuhalten, über die Religion auszufragen, ihm einige Unterweisungen zu geben und die Aufforderung, sich im wahren Glauben unterrichten zu lassen. Er steht an der Spitze einer Gemeinde voll Glauben und Frömmigkeit.

All diese genannten Priester und ihre würdigen Amtsbrüder wirken durch ihr abgetötetes Leben und ihren apostolischen Eifer zumal unter dem schlichten, einfachen Landvolk überaus segensreich. „Den Armen wird das Evangelium verkündet“, gilt auch hier. Sie folgen hierin ganz dem Beispiel des göttlichen Meisters. Opfer und Abtötung sind ihre steten Begleiter, und ihre Leben ist eine fast ununterbrochene Kette von Entbehrungen. Denn ihr ganzes Einkommen beschränkt sich auf die durch die Jesuitenmissionäre vermittelten Messstipendien, die zumeist nur 1 Franc (80 Pfg.) betragen. Mit diesem spärlichen Budget kann man begreiflicherweise nicht weit springen.

Diese Armut bildet für den apostolischen Eifer dieser Priester einen unliebsamen Hemmschuh. Denn die Ortschaften sind oft sehr weit voneinander entfernt. Um sich den Luxus eines kleinen Reiteselchens oder ein Billet dritter Klasse auf der Eisenbahn zu verschaffen, dafür reichen ihre Mittel nicht hin. Weitere Strecken unter der heißen Sonne Ägyptens regelmäßig zu Fuß zurückzulegen, hieße aber die ohnehin schwachen Kräfte vor der Zeit erschöpfen. Gewiss aber ist, dass wenn die Unionsbewegung unter den schismatischen Kopten so erfreulich in Fluss gekommen ist und sich so tröstlich entwickelt, dies zum großen Teil dem aufopfernden Eifer des einheimischen Klerus zu danken ist. Ihr musterhaftes uneigennütziges Leben und Wirken ist für die schlichten, einfachen Landleute, die dasselbe mit demjenigen ihrer schismatischen Gommos (Namen der jakobitischen Geistlichen) vergleichen, ein greifbarer Beweis der katholischen Wahrheit; denn nur die Wahrheit, das fühlen sie instinktiv heraus, ist im Stande, heroische Tugend zu erzeugen.

Die neuen koptischen Bischöfe (siehe Bild oben) geben ihrem Klerus aber auch ein herrliches Beispiel. Sie sind wirklich nach dem Ausdruck des Evangeliums auf den Leuchter gestellte Lichter, welche ihre wohltätigen Strahlen auf Hirten und Herde werfen. Sowohl Msgr. Ignatius, Bischof von Theben, mein [des Verfasssers P. Rolland S.J.] alter Begleiter auf den apostolischen Wanderfahrten, als Msgr. Maximos, Bischof von Hermopolis (residiert in Minieh), sind unter den augenblicklichen Verhältnissen ihrer jungen Kirche gezwungen, während ganzer Monate unter der armen Fellah-Bevölkerung zu leben und mit ihr die grobe Nahrung und unbequeme Wohnung zu teilen. Sie predigen und katechisieren wie gewöhnliche Priester, ziehen missionierend von Ort zu Ort und scheuen nicht die Opfer, welche dieses Leben unter einem Landvolk, ebenso arm an irdischen Gütern als reich an Gelehrigkeit und gutem Willen, mit sich bringt.

Se. Seligkeit endlich, Msgr. Macaire, unter dem Namen Cyrillus II. der erste Patriarch der wiedererstandenen koptisch-katholischen Hierarchie, ist durch seinen feurigen Eifer wie durch seine Talente und sein Wissen würdig, an der Spitze dieser apostolischen Bischöfe zu stehen. „Unser ehrwürdiger Bruder Cyrillus Macaire“, so sagte in der Konsistorial-Allokution vom 19. Juni 1899 Papst Leo XIII., „zeichnet sich aus durch Tugenden, die eines Bischofs würdig sind, durch Wissenschaft, Frömmigkeit, Klugheit und Gewandtheit in der Amtsführung, wie Wir es durch persönliche Erfahrung festgestellt. Deshalb haben wir ihn der Patriarchalwürde würdig befunden.“

All dies ist wohl im Stande, unseren apostolischen Eifer zu wecken. Wie vorauszusehen war, hat die religiöse Erweckung im Schoß der schismatischen Kirche, der laute Ruf ihrer einzig legitimen Oberen, die massenhafte Rückkehrbewegung zur alten Mutterkirche das Signal zu einer Erneuerung der alten Feindschaft gegen die katholische Kirche gegeben. (…)



(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Sonntag, 7. September 2014

Der Eifer des koptisch-katholischen Klerus (Teil 1)

Koptische Priester und Jesuitenmissionäre. In der Mitte Msgr. Maximos, koptisch-katholischer Bischof von Hermopolis.

(…) In dieser schwierigen Lage [des Priestermangels unter den koptischen Katholiken] zeigt sich der junge koptische Klerus seiner hohen Aufgabe ganz und gar würdig. Da ist z. B. Pater Marc, der Pfarrer von Mallaui, das 1 1/2 Stunden mit der Bahn südlich von Minieh entfernt liegt. Jeden Freitag macht er nüchtern den weiten Weg nach Baiadié, einem neuerdings bekehrten Distrikt, um dort die heilige Messe zu lesen, zu predigen, die heiligen Sakramente zu spenden und die Kranken zu besuchen: Die schismatischen Eltern sind in Bezug auf die Taufe ihrer Kinder sehr nachlässig. 

Wir gehen also in den Hütten der armen Fellahs umher, um solche armen verlassenen Kleinen aufzusuchen. An einem Freitag taufte P. Marc noch seiner heiligen Messe 9 solcher Kinder, von denen einige 1, andere 2, 3 und selbst 7 und 9 Jahre alt waren. Ein junger Kopte von 17 Jahren erklärte, auch er sei noch nicht getauft, und bat dringend um diese Gnade. Schon das zeigt, wie sehr diese arme verlassene Herde guter Hirten bedarf.

P. Andreas Sabaa-el-Zail, Pfarrer von Galossana, nördlich von Minieh, ist nicht weniger eifrig. Bei Gelegenheit einer Mission in seiner Gemeinde durcheilte er als wahrer Apostel 12 umliegende Dörfer oder Weiler, fast stets zu Fuß, in brennender Sonnenglut, um die noch irrenden Schäflein zur Hürde des wahren Glaubens einzuladen. Die Frucht seines Eifers, seiner unermüdlichen Sanftmut und seiner Liebe gegen Armen und Kranke waren zahlreiche sehr tröstliche Bekehrungen.

Muster eines eifrigen Seelsorgers ist auch P. Hanna Cabes. Als ich im Dezember 1898 in einer kürzlich bekehrten Ortschaft am Fuß der arabischen Hügelkette eine Volksmission hielt, kam er herüber, um nach meinem Weggang das Werk zu vollenden. Nüchtern war er mit dem Unterricht der Kinder, der Predigt, der Beantwortung zahlloser Fragen der Neubekehrten den ganzen Morgen beschäftigt; erst gegen 1 Uhr nachmittags nahm er ein mageres Mahl ein. Es war die Zeit der Adventsfasten und ohne von den Erleichterungen der Bischöfe in Bezug auf das Fasten Gebrauch zu machen, heilt er es in seiner ganzen Strenge, um den noch nicht unierten oder kürzlich zurückgekehrten Jakobiten (schismatischen Kopten), die in diesem Punkte so streng sind, kein Ärgernis zu geben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Fortsetzung hier

Sonntag, 2. März 2014

Die heilige Familie in Ägypten - Heiligtum von Matarieh


Auch das dunkle Afrika hat seine heiligen Stätten, wo der Fuß des Erlösers gewandelt ist, und der christliche Geist weilt mit umso liebevollerer Innigkeit bei ihnen, als sie ihn an die ersten Schritte des heranwachsenden Jesuskindes erinnern. 

An der großen Straße, welche Ägyptens moderne Hauptstadt mit der alten „Sonnenstadt“ Heliopolis verbindet, etwa 10 km von Kairo und 1 km von Heliopolis entfernt, liegt der sogenannte Balsamgarten. Ehemals zog man hier den Balsamstrauch, der Judäa den kostbaren Balsam lieferte. Einer uralten Überlieferung zufolge soll nun hier die heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben. Auf das Gebet der allerseligsten Jungfrau sei dann, so erzählt die Legende, ein Fruchtbarkeit spendender Quell dem Boden entsprungen. 

Nur 20 m von der Quelle entfernt, breitet eine alte Sykomore ihr schattiges Geäst aus. Es ist der sog. „Baum der allerseligsten Jungfrau“. Auf der Flucht, so meldete die fromme Sage weiter, sei die heilige Familie, von Verfolgern gedrängt, an einer dicken Sykomore vorübergekommen. Da habe sich der Stamm so weit geöffnet, dass die heiligen Personen mitsamt dem Reittier darin Platz gefunden hätten, und der Baum habe sich um alle geschlossen, bis die Bösewichte vorbeigezogen waren. Beide, Baum wie Quelle, werden heute noch gezeigt. 
Letztere, welche sich in einem Ziehbrunnen sammelt, ist wegen ihrer wunderbaren Frische weitbekannt und mag wohl die einzige eigentliche Quelle Ägyptens sein, die sich nicht aus durchgesickertem Nilwasser ergänzt.

Soviel ist sicher, dass die Überlieferung diese Stelle immer mit der heiligen Familie in Verbindung brachte. Die Christen der ersten Jahrhunderte hatten da eine große Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut, und noch alljährlich begehen die Kopten das Kirchweihfest des alten Gotteshauses, obwohl dasselbe schon längst in den Stürmen des Schismas eines Dioskoros untergegangen ist. 
Beim Graben der Fundamente der jetzigen Kirche stieß man auf mächtige Hausteine, welche dem alten Gotteshause angehörten. Nach dem Eindringen des Islams erbauten venezianische Kaufleute eine ärmliche Kapelle, die aber auch schon seit zwei Jahrhunderten in Trümmern liegt.

Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 
Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.
Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 



Am 8. Dezember des Jubliäumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift :“Französische Ordensleute durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.


Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Siehe auch:

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo

Mittwoch, 26. Februar 2014

Die Früchte des koptischen Schismas

Katharinenkloster Sinai (Bildquelle: Berthold Werner)

„(…) Zur geistlichen Lesung oder Betrachtung ist keiner der Mönche verpflichtet. Ein Seelenführer, dem die Gewissensleitung der Mönche obliegt, gibt es in diesen Klöstern nicht. 

Ebenso ist keine bestimmte Zeit zum Sakramentenempfang vorgeschrieben. Bakhum Hanna kannte Mönche, welche zwei oder drei Jahre keine Sakramente empfingen. Der Bischof von Dêr el-Moharreg kommunizierte beispielsweise am Tag seiner Profess, sodann sieben Jahre später am Tage seiner Priesterweihe und das dritte Mal nach zehn Jahren, da er zum Bischof geweiht wurde. Ähnliche Fälle sollen nicht selten sein.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Sonntag, 2. Februar 2014

Wenn der koptisch-katholische Patriarch sonntags zur Christenlehre geht

koptisch-katholischer Patriarch Kyrillos Makarios (früher auch Macaire)

Im Bulletin du Séminaire Oriental 1904 (S.62), dem Organ der ehemaligen geistlichen Zöglinge der Jesuiten in Beirut, macht ein junger koptischer Priester (Franz Bistauros, Dr. theol.) einige bemerkenswerte Mitteilungen, die uns einen kleinen Einblick in die seelsorgliche Praxis der orientalischen Kirche geben.

Wir erfahren da, dass hier der Katechismusunterricht und die öffentliche Christenlehre im Allgemeinen unbekannte Dinge sind.  Darin dürfte neben dem mangelhaften Schulunterricht der Hauptgrund der großen religiösen Unwissenheit unter den orientalischen Christen zu suchen sein.

Es ist eine Frucht der Erziehung in Beirut, dass auch nach dieser Hinsicht allmählich eine Besserung eintritt. In Beirut hatte Dr. Bistauros den Wert und Nutzen der Christenlehre unter den armen Kindern und der Arbeiterbevölkerung Beiruts praktisch kennen und schätzen gelernt. Er beschloss, dieselbe in der Patriarchalkirche zu Kairo, wo er jetzt angestellt ist, einzuführen.

Sein Plan fand bei dem eifrigen Patriarchen Macaire freudig Zustimmung. Um das Volk zu gewinnen und anzuziehen, wollte Se. Seligkeit den Christenlehren sogar persönlich beiwohnen. Das zog; bald hatte der junge Priester allsonntäglich eine zahlreiche Zuhörerschaft. 

Die anfängliche Überraschung über diese ganz ungewohnte Lehrweise ging rasch in Bewunderung über. „Heute ziehen die Leute die Christenlehre jeder Predigt vor.“ Dr. Bistauros hatte Gelegenheit, bei Besuchen und Unterredungen den Eindruck zu beobachten, den diese einfache katechistische Erklärung der Glaubenswahrheiten auf die Leute machte.

„Ich hatte immer gemeint“, sagte eine gute Alte, „dass der Katechismus höchstens für Kinder sei; ich finde aber, dass er die beste Predigt ist.“ – „Ja, ja“, fügte eine andere bei; „hast du nicht gesehen, dass Se. Seligkeit der Patriarch ihre beigewohnt hat. Er hat sicherlich selbst das Buch verfasst, das man dabei benützt. Man braucht nur zu hören, wie schön er alles erklärt und wie fasslich er alles macht. Das ist nicht wie ein gewöhnlicher Katechismus; der ist gründlich, und es sind gar schöne Geschichten darin.“

In höheren Kreisen urteilte man anfangs anders. „Mir will scheinen“, meint eine Dame, „der Patriarch vergesse, dass er Patriarch ist.“ – „Warum denn, Madame?“ – „Ich habe gehört, dass er allsonntäglich der Christenlehre beiwohne, das scheint mir doch eines Patriarchen unwürdig.“ – „Wieso denn; der Katechismus ist doch eine heilige Sache. Waren Sie übrigens dabei, um die Sache beurteilen zu können?“ – „Nein, ich war selbst nicht da, aber ich weiß doch, dass so etwas nur für die kleinen Kinder ist.“ – „Nun, und wenn dem so wäre, ist der Patriarch denn größer als Christus, unser Herr? Was hat der aber drei Jahre hindurch andres getan, als Christenlehre gehalten?“ – „Ist dem wirklich so?“ – „Gewiss, kommen Sie nur und sehen Sie selbst.“ 
Eine Woche später traf Bistauros die Dame wieder. Sie sagte ganz begeistert: „Die Christenlehre war die beste Predigt, die ich je gehört. Das ist’s gerade, was ich mir wünsche. Ich habe alles ohne Ausnahme verstanden, weil Sie dabei gerade so sprechen, wie man auch sonst spricht.“

Nach der Segensandacht, mit welcher die Christenlehre jedes mal schließt, kamen eines Tages drei Familienmütter in die Sakristei. Die erste klagte ihr Leid, dass ihre drei erwachsenen Söhne so unwissend in der Religion seien und noch nie gebeichtet hätten, weil sie davor Angst hätten. 
Nun habe sie in der Christenlehre gehört, wie leicht das Beichten sei. Wären doch nur ihre Jungen dabei gewesen! Sie solle sie schicken, lautete die Antwort. Sie kamen, und nach kurzer Zeit machten alle drei ihre erste Beicht. 
Die zweite Frau brachte ihre beiden Kinder, die bisher in die protestantische Schule gegangen waren. Die Katechese hatte ihr klar gemacht, auf welchem Weg man sicher zum Heil komme. 
Die dritte sagte, sie könne am nächsten Sonntag nicht kommen, Bistauros möge ihr doch jetzt schon die Antwort auf die Frage geben, deren Erklärung er für den nächsten Sonntag angekündigt habe. Es war die Frage über die Art, eine vollkommene Reue zu erwecken.

Auf den ausdrücklichen Wunsch des Patriarchen hatte Bistauros mit dem Bußsakrament begonnen. Überall hörte er die Leute sagen: „O, Sie haben unsere Gewissen so erleichtert. Gott erhalte Sie noch lange Ihrer Mutter!“

Kurz, die Christenlehre hatte eingeschlagen und ihre Früchte zeigten sich bald auch in dem häufigeren Empfang der heiligen Sakramente. Was hier in Kairo mit solchem Erfolg begonnen wurde, müsste auch anderwärts Nachahmung finden, nicht bloß bei den Kopten, sondern auch bei den anderen orientalischen Kirchen.

„Der Religionsunterricht in den Schulen in Form von Christenlehren“, so schrieb neuerdings auch P. Galland O.P. aus Wan in Armenien, „der eine bis dahin diesen Ländern der Häresie und der religiösen Unwissenheit ganz unbekannte Neuheit ist, gibt uns die Gewähr, dass allmählich ein Geschlecht heranwächst, das seinen Glauben wirklich kennt und von echt katholischem Geist durchdrungen ist.“ 

Nur so wird dies Geschlecht auch gefeit sein gegen die Bekehrungsversuche der protestantischen Sekten, denen die religiöse Unwissenheit zumal der schismatischen Volksteile nur allzu viel Vorschub leistet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Samstag, 25. Januar 2014

Schismatische Kopten ermorden Franziskaner – Einer der Mörder bekehrt sich vor seiner Hinrichtung

 
Am 21. Juni fiel der Franziskanerpater Luigi Polizzi zu Fayum zwei schismatischen Kopten zum Opfer. Sie lauerten ihm in einem Hinterhalt auf und schlugen ihn mit fünf Beilhieben nieder; dann vergruben sie den Leichnam in einem Versteck. Erst am siebten Tag gelang es, die Mörder ausfindig zu machen, und am 1. Juli konnte die Leiche erhoben werden. P. Luigi Polizzi war erst 26 Jahre alt und weilte seit März 1913 in der Mission…

…Neulich (siehe oben) berichteten wir über die Ermordung des Franziskanerpaters Luigi Polizzi durch zwei schismatische Kopten. Die Verbrecher waren Aiad Damian und Mesiha Scenuda, zwei ehemalige Diener der Mission. 
Am 5. September 1915 fanden die Gerichtsverhandlungen zu Beni Suef statt, in denen die beiden Mörder zum Tode verurteilt wurden. Der Franziskanerpater Demetrio Buracchi hatte die Freude, einen derselben vor dem Tod in die wahre Kirche aufnehmen zu können und unter aufrichtigem Reueschmerz sterben zu sehen.

 – Erst nach langen vergeblichen Bemühungen war es dem Missionär gelungen, zu den Verurteilten zugelassen zu werden. Aiad Damian wies von vorneherein jeden Beistand des Paters ab mit der Bemerkung, wenn er Hilfe bedürfe, habe er seine Priester. 

Mesiha Scenuda dagegen sprang beim Anblick des Missionars freudig auf, küsste ihm die Hand und erwiderte auf die Frage des Paters, ob er in der katholischen Religion Verzeihung seiner Sünden erlangen wolle: „Mit großer Dankbarkeit nehme ich das Anerbieten an. Viel Gutes haben mir bereits die Franziskaner erwiesen, nun bringen sie mir auch das Heil der Seele. Der Herr möge es ihnen vergelten“.

– Der Tag der Hinrichtung war auf den 10. Januar 1916 festgesetzt. Aiad Damian ging unbußfertig in den Tod. Über die Reue Mesiha Scenudas war der Franziskanermissionär bis zu Tränen gerührt. Zwar konnte er den armen verführten Jüngling nicht von der Strafe für das schwere Verbrechen befreien; aber er unterstützte die Bitte des Bekehrten, nicht mit Aiad Damian im selben Grab, sondern auf dem katholischen Friedhof zu Beni-Suef oder zu Fayum bestattet zu werden. 
Das Gesuch wurde bewilligt, und die Franziskanermönche gewährten tief bewegt dem Mörder eine Ruhestätte am selben Ort, wo ihr Mitbruder als Opfer des Berufs gefallen war.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Samstag, 2. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 2)

koptische (schismatische?) Mönche

Fortsetzung von hier

„Das Apostolische Schreiben Leos XIII. und die von apostolischem Eifer eingegebenen Worte seines Vikars unter den Kopten sind schon jetzt, wie es scheint, mit recht tröstlichen Erfolgen von Gott gesegnet worden. 
Msgr. Macaire schreibt darüber am 14. Juli an einen Prälaten des Kollegiums der Propaganda in Rom: 

‚Ich kann Ihnen die Bekehrung weiterer 400 Schismatiker anzeigen: die koptische Bevölkerung ist in einer außerordentlichen Bewegung. Ich reise wieder ab, um mich in ihre Mitte zu begeben und meine Visitationsreise zu beendigen. Zwei Dörfer im Mudirieh (Regierungsbezirk) von Assiut warten auf meine Ankunft, um dem Schisma zu entsagen; sie haben den schismatischen Bischof bei seinem letzten Besuche nicht aufnehmen wollen.‘ 

Aus einem anderen Brief an die Propaganda geht hervor, dass die Stadt Sohag, Hauptort des Regierungsbezirkes Girgeh, ebenfalls ganz zur katholischen Einheit zurückzukehren verlangt. Nach der Versicherung eines koptischen Missionärs hegen noch manche schismatische Dörfer denselben Wunsch, insbesondere auch die Heimatgemeinde des Bischofs Macaire mit etwa 50-60 Familien.

Begreiflicherweise sind zur wirksamen Förderung des Unionswerkes große Mittel erforderlich. Leo XIII., der in seinem Schreiben den Kopten seine Hilfe zugesagt, hat zur Unterstützung der koptischen Missionen, die nur über sehr geringe Mittel verfügen, 40.000 Franken gespendet als eine erste Gabe, welcher andere folgen sollen. Sicher wird auch bei den Katholiken Deutschlands dies großmütige Beispiel Nachahmung finden.

Zu den zahlreichen Beweisen seiner besonderen Fürsorge für die Kopten hat Leo XIII. in den letzten Wochen einen neuen hinzugefügt. Am 31. Juli, dem Fest des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers der Gesellschaft Jesu, richtete er im Interesse der Mission unter den Kopten ein Schreiben an den hochw. P. General derselben Gesellschaft. 
Das koptische Land, sagt er darin, scheine ihm zu jenem Gegenden zu gehören, die schon ‚weiß seien zur Ernte‘, und er richte deshalb sein Gebet an den ‚Herrn der Ernte‘, dass er die alten Arbeiter stärken und neue senden möge. Er weist dann hin auf die fünfzehnjährige Tätigkeit der Missionäre der Gesellschaft Jesu unter den Kopten und die ‚ausgezeichneten Erfolge‘, die sie namentlich in der Ausbildung des Klerus und in der Hebung des christlichen Lebens im Volke erlangt hätten. 
Allerdings würden von den andersgläubigen Sekten mit ihren reichen zeitlichen Hilfsmitteln immer größeren Anstrengungen gemacht, um die Katholiken anzulocken. Er freue sich aber, dass auch von Seiten der Gesellschaft Jesu alles geschehe, um namentlich der Jugend eine durchaus gesunde und heilsame Erziehung zu geben. 

Zur Unterstützung des Missionswerkes übersende der Papst eine Summe Geldes, und er verspreche weitere Hilfe. Die Kopten sollten darin ein Zeichen seines besonderen Wohlwollens sehen, das sie sich durch ihren religiösen Sinn und ihre Ergebenheit gegen den römischen Stuhl verdient hätten. 
Er freue sich über die freudige Aufnahme die sein letztes Apostolisches Schreiben bei den Kopten gefunden, und über die bevorstehende Reise einer Vertretung ihres Volkes nach Rom; er freue sich darüber auch der getrennten koptischen Christen wegen, unter welchen die schon bestehende Bewegung nach Rom hin dadurch zunehmen werde. 

Man dürfe mit gutem Grund hoffen, dass die so heiß ersehnte Rückkehr der Orientalen zur katholischen Kirche mit den Kopten beginnen werde. Nachdem der heilige Vater dann noch mit Worten voll des Lobes und der Anerkennung der Arbeiten und Kämpfe der Gesellschaft Jesu für die heilige Kirche gedacht, schließt er mit dem Apostolischen Segen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)



Freitag, 1. November 2013

Die Kopten und Papst Leo XIII. (Teil 1)

Der koptisch-katholische Patriarch Kyrillos II. Makarios (Mitte, zur Zeit des Textes noch Apostol. Vikar) mit seinen Bischöfen

Allem Anscheine nach dürften die Bemühungen Leos XIII., die orientalischen Kirchen mit Rom zu vereinen oder das bereits bestehende Band enger zu knüpfen, nirgends bessere Erfolge erzielen als bei den Kopten. Wir haben im Laufe dieses Jahres schon mehrfach die günstige Stimmung innerhalb dieser Gemeinschaft gezeichnet. Dass die unierten Kopten einen so trefflichen Oberhirten erhielten, steigerte diese Hoffnung, und sie gewinnt durch die folgenden Mitteilungen aus dem Orient neue Nahrung.

Wie sich erwarten ließ, hat das Apostolische Schreiben an die Kopten unter den katholischen Kopten große Freude und Begeisterung hervorgerufen. Der Apostolische Vikar der Kopten, Amba Kyrillos Macaire, Bischof von Cäsarea Philippi, der mit dem größten Eifer für die Wiedervereinigung seiner schismatischen Landsleute tätig ist, benutzte den Erlass dieses Schreibens, um zugleich mit demselben einen Hirtenbrief an die Kopten und insbesondere an den schismatischen Teil derselben zu veröffentlichen und alle voll Liebe, aber auch mit Nachdruck zur Rückkehr einzuladen. 

Das wahrhaft apostolische Hirtenschreiben des Bischofs vom 29. Juni, dem Feste der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus, verdient wenigstens einen kurzen Auszug auch in diesen Blättern. ‚Unseren ehrwürdigen Brüdern,‘ so lautet der Eingang, ‚dem Patriarchen von Alexandrien und den Bischöfen Ägyptens Friede im Herrn, und unseren vielgeliebten Söhnen, den Erben des Namens und des Glaubens des hl. Markus, Gruß und Apostolischen Segen‘. Der koptische Patriarch von Alexandrien wie auch alle übrigen koptischen Bischöfe, an die also das Schreiben besonders gerichtet ist, sind bekanntlich schismatisch. 

Nach einem Hinweis auf das Gebet Christi um die Einheit der Kirche erinnert der Apostolische Vikar an die Einladung Leo XIII. an alle Fürsten und Völker zur Rückkehr zu dieser Einheit. Unter allen Nationen aber habe der oberste Leiter der heiligen Kirche die Kopten durch ein besonderes Schreiben und eine besondere Einladung auszeichnen wollen; denn Leo XIII. wisse gar wohl, dass die koptische Kirche den Schüler des hl. Petrus, St. Markus, zum Gründer habe und deshalb die älteste Tochter der römischen Kirche im Orient sei. Die Stunde der Wiedervereinigung der getrennten Kirchen mit der römischen nahe heran. 
Die koptische Kirche solle da, ihrer ersten Zeiten eingedenk, wieder die erste sein, die den Kirchen des Orients das Beispiel der Rückkehr gebe. Sie hätten nichts von der Wiedervereinigung zu fürchten; ihre Selbstständigkeit, ihre Vorrechte, ihre heiligen Gebräuche und Einrichtungen würden völlig unangetastet bleiben, wie Leo XIII. es noch ausdrücklich ihnen zusichere. 
Ja sie würden durch die Rückkehr zu römischen Kirche ihre alte Stellung in der katholischen Welt, all den Glanz und die Vorrechte der Zeiten eines Athanasius und Cyrillus wieder gewinnen. Sie sollten sich erinnern an die innige Verbindung, die zur Zeit dieser Patriarchen und von Anfang an zwischen der koptischen und der römischen Kirche bestanden habe; an das Beispiel der Rückkehr zur römischen Kirche, das ihre Vorfahren zur Zeit des Konzils von Florenz unter Papst Eugen IV. gegeben. 

Die Stunde sei da, diese Verbindung mit der Kirche Roms und Alexandriens, derjenigen des Meisters und seines Jüngers, wiederherzustellen. Leo XIII., der Freund der Könige und Friedensstifter zwischen Fürsten, der erhabene Geist, zu dem auch Wissenschaft und Politik ehrfurchtsvoll aufschauten, lade sie an erster Stelle ein, teilzunehmen an der Größe Roms, am Lichte und an der Freiheit. 

‚O meine Heimat,‘ fügt der Bischof dann mit Begeisterung hinzu, ‚erinnere dich deines alten Ranges einer Königin; lass dich nicht von anderen überholen; geh dem Orient voran, die du einst die erste gewesen, sei auch heute die erste; gib das Signal der Rückkehr zur Einheit, damit du die Gesegnete des Herrn seiest und die Blume unter den christlichen Völkern. St. Markus, der dich mit seinem Blute geheiligt, beschwört dich darum von den Höhen des Himmels herab; St. Petrus, der dich mit besonderer Vorliebe geliebt, vereint mit ihm sein Flehen im Namen seiner Ketten und seines Kreuzes; die heiligen Martyrer, Lehrer, Einsiedler und Patriarchen, die deinen Namen verherrlichten, liegen auf ihren Knien am Throne Gottes und flehen um deine Rückkehr zur Einheit, in er sei gelebt haben und gestorben sind. 
Heute umringen sie alle die heilige Familie, welche dir die Erstlinge ihres göttlichen Segens gespendet hat, und beschwören sie, dich von neuem zu segnen und dir all diene einstige Größe wieder zu schenken.‘ 

Nach einer kurzen Mahnung, die Zeit der Gnade nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen, schließt der Bischof mit einem Gebet um den Schutz und Segen Gottes für die ganze koptische Kirche und insbesondere für den Patriarchalsitz von Alexandrien und den ehrwürdigen Greis, der ihn gegenwärtig einnimmt, sowie für alle Bischöfe, Priester und Ordensleute und das ganze christliche Volk Ägyptens.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier


Samstag, 9. März 2013

Die katholische Kirche als Vorkämpferin für Frauenrechte in Ägypten


Aus einem Artikel über die Lage der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten habe ich folgende interessante Passage entnommen, die ganz und gar nicht in das heute so weit verbreitete Bild der "frauenverachtenden" katholischen Kirche passt:

(…) Eine Schattenseite bietet die Stellung der Frau. Der Einfluss des Islam hat sich in dieser Beziehung sehr stark geltend gemacht, sodass die christliche Frau ähnlich wie die Mohammedanerin ein ganz abgeschlossenes Leben führt und weder im öffentlichen noch häuslichen Leben etwas bedeutet.
Sie darf nur verhüllt draußen erscheinen und ist eher die Dienerin als die Gefährtin ihres Mannes. Folgerichtig ist ihr die Möglichkeit geistiger Ausbildung versagt, und sind Lektüre, Musik, Nadelarbeiten und dergleichen ihr meist unbekannte Dinge.
Selbst in der Kirche dürfen sie wie Klausurnonnen nur hinter einem Gitter dem Gottesdienst beiwohnen.
Erst die Ankunft der einheimischen syrischen Schwestern (Mariamettes), die seit kurzem in Minia ein Noviziat und in Tahta eine Mädchenschule gegründet haben, hat hierin bereits eine Besserung gebracht.
Alle angeseheneren Familien schicken ihnen ihre Kinder zu und sind ganz entzückt, den Umschwung zu sehen, der mit den Mädchen vor sich geht.
So dürften auch diese allmählich zur vollen Freiheit der Kinder Gottes und in den Genuss der ihnen so lange entzogenen Rechte im Kreis der Familie gelangen.

(aus: die katholischen Missionen, 1902)

Samstag, 2. März 2013

Der heilige Justinus de Jacobis - Apostel Äthiopiens (Teil 2)

Der heilige Justinus de Jacobis in der Kleidung der äthiopischen Mönche

Fortsetzung von hier:

Diese Rede machte einen solchen Eindruck auf die Defteras (einheimische Gelehrten), dass sie ausriefen: 
„Dieser Priester spricht Worte der Wahrheit und der Vernunft! Er soll unser Vater sein!“ Viele Bekehrungen folgten. 

Aber das größte Hindernis für die Bekehrung der Äthiopier waren der allgemeine Sittenverfall und die vielen Verleumdungen gegen die katholischen Kirche, die sich, wie in allen vom Schisma und der Häresie verwüsteten Ländern, auch in Äthiopien weit verbreitetet hatten. Deswegen hoffte Justinus, einige der einflussreichsten Äthiopier mit nach Europa nehmen zu können, damit sie mit eigenen Augen sehen, dass diese Verleumdungen nicht der Wahrheit entsprechen.


Bald sollte sich eine günstige Gelegenheit ergeben. Der Fürst, Ras Wube, der sich unserem Heiligen bereits wohlgesonnen gezeigt hatte, lud Justinus zu einer Audienz ein, auf die dieser sich mit Gebet und heiligem Messopfer vorbereitete. Wube empfing ihn mit großen Ehren und bat ihn, eine Gesandtschaft nach Ägypten zu begleiten, um vom koptischen Patriarchen einen neuen Abun, d. h. Metropoliten für Äthiopien, zu erbitten. Dieser war damals stets ein Ägypter.  Er fügte bei, dass es wohl eher eine politische als religiöse Mission sei und der heilige Justinus ohne Gefährdung des katholischen Glaubens mitreisen könne. Zuerst stimmte P. de Jacobis zu, doch nach einiger Überlegung fürchtete er, dass die Katholiken dies als Parteigang mit dem Irrtum auslegen könnten.
Er wandte sich wieder an den Fürsten und erklärte ihm seinen Einwand. 


Ras Wube zeigte sich verständnisvoll und lies sich die Bedingungen von Justinus vortragen: Dass er nur mitreisen würde, wenn er eine Versöhnung zwischen dem koptischen Patriarchen und Rom anstreben könnte; außerdem verlangte er, dass das Verbot des Baus von katholischen Kirchen in seinem  Reich aufgehoben würde und dass ihn die Gesandtschaft später nach Rom begleiten könnte.


Am 21. Januar 1841 machte sich Justinus de Jacobis mit einigen Mönchen und Gesandten auf die beschwerliche Reise über das Rote Meer und durch die ägyptische Wüste nach Kairo. Dort war kurz vorher die Pest ausgebrochen, und  alle europäischen Konsulate waren geschlossen. 



koptisch-orthodoxe Kirche St. Markus, Kairo (Quelle: Andrew Shenouda)

Sie wurden nun zu einem angeblichen Freund gelockt, der sich als Anhänger des schismatischen Patriarchen entpuppte. Ihre Pläne wurden aufgedeckt und die äthiopischen Mönche mit der Exkommunikation durch den Patriarchen bedroht. In Panik verließen diese die Expedition und machten sich auf den Weg nach Jerusalem, aber auch unter ihnen brach die Pest aus, an denen einige starben. 


Der Patriarch bemühte sich nun, die Gesandtschaft auf seine Seite zu bringen, lud sie freundlich ein und weihte einige zu Diakonen und Priestern, drohte ihnen aber auch gleichzeitig mit der Rache des Himmels, wenn sie sich weiter mit dem katholischen Priester abgeben würden.
Die Äthiopier ließen sich so weit einschüchtern, dass sie sogar die Briefe zurückhielten, in denen Ras Wube um die Versöhnung des koptischen Patriarchen mit der römischen Kirche und den Bau von katholischen Kirchen bat.


Nun musste Justinus einschreiten. Er forderte eine Audienz beim Patriarchen und legte die Briefe und Urkunden des Fürsten vor, von denen er Gott sei Dank eine Kopie hatte.
Der Heilige trat mit solcher Festigkeit auf, dass der schismatische Patriarch sich sehr freundlich gab und darauf verwies, ihm in einigen Tagen eine definitive Antwort auf die Bitten zu geben. Nach Ablauf der Frist lud er Justinus im Beisein von einigen koptischen Gelehrten zum Kaffee ein. 


Zunächst begann das Gespräch freundlich, aber als sie sahen, dass sie die Disputation verlieren würden, begannen sie, den Heiligen zu beschimpfen und zu bezichtigen, er habe falsche Dokumente vorgelegt. 


Der Patriarch warf nun auch seine Maske ab und erklärte zornig, dass es keine katholischen Kirchen, weder in Tigre noch in einem anderen Teil Äthiopiens geben würde und drohte den äthiopischen Gesandten erneut mit Exkommunikation, falls sie weiter mit de Jacobis verkehrten oder es wagten, nach Rom zu reisen. Dafür gaben sie selbst den Grund an: 
Geht dorthin, und wir sind ganz sicher, dass ihr als römische Katholiken zurückkommt.
Allerdings hatten sich die meisten Mitglieder der Gesandtschaft wegen seiner Nächstenliebe und seinem heiligem Wandel auf die Seite von Justinus gestellt und ihrem Irrtum insgeheim abgeschworen. 


Durch die Hilfe des koptisch-katholischen Bischofs und des französischen Konsuls konnten sie sich aus den Fängen des Patriarchen befreien.


Fortsetzung hier

Donnerstag, 28. Februar 2013

Der heilige Justinus de Jacobis - Apostel Äthiopiens (Teil 1)

Der heilige Justinus de Jacobis (1800-1860)
Äthiopien hat eine christliche Geschichte, die bis in die Frühkirche zurückgeht, weit bevor unsere mitteleuropäische Heimat zum Christentum bekehrt wurde. Leider sind die äthiopischen Christen den größten Teil dieser Zeit im Schisma gewesen, wie es auch heute noch der Fall ist. Die äthiopisch orthodoxe Kirche war einst ein Teil der koptischen Kirche Ägyptens, seit dem frühen 20. Jahrhundert ist sie autokephal, d.h. hat ihren eigenen Patriarchen. Es gab wiederholte Versuche, besonders zu Beginn der Erforschung Afrikas durch die Portugiesen, die kirchliche Einheit wieder herzustellen, doch die Erfolgen blieben nur von kurzer Dauer. 

Mit dem Beginn der großen Afrikamission im 19. Jahrhundert wurde auch Äthiopien wieder Ziel der katholischen Missionare, vor allem die Kapuziner und Lazaristen wirkten verdienstreich in diesem schwierigen Teil des Weinbergs.

Der wohl größte, wenn auch wenig bekannte dieser Missionare war der hl. Justinus (Giustino) de Jacobis, der am 10. Oktober 1800 im Königreich Neapel das Licht der Welt erblickte. Er war wohl schon als Kind ein Heiliger, und sein Seelenführer, der Karmeliterpater Carace, sagte zu den Lazaristen, bei denen Justinus als 18-jähriger ins Noviziat eintrat, als er den jungen Mann vorstellte: "ich mache Ihrer Kongregation ein großes Geschenk."

Zunächst wirkte er in seiner süditalienischen Heimat, wo er schon bald im Ruf der Heiligkeit stand, und sein Beichtstuhl wurde von den Gläubigen umlagert.
Auch soll er dort schon durch sein Gebet Wunder gewirkt haben, die in den Lokalzeitungen aufgeführt wurden (Heilung Geisteskranker, Tote auferweckt), als bekannt wurde, dass er nach Äthiopien gehen würde.
Sie schrieben: "So einen Mann verlieren wir, außer der Heilige Vater setzt seinem Verlangen nach dem Martyrium ein Ende und befiehlt ihm, bei uns zu bleiben."

Auf seiner Reise in die Mission machte er Halt in Malta, wo sich wohl ein augenscheinliches Wunder ereignete, als Justinus die heilige Messe las. Die Einheimischen kamen aufgeregt zu seinen Mitbrüdern und sagten zu diesen: "Was ist das für ein Heiliger, den Sie uns mitgebracht haben? Wir sahen ganz eindeutig das Jesuskind über seinem Kopf, ab dem Zeitpunkt der Erhebung der Hostie bis nach der Kommunion."

Das Jesuskind erscheint bei der heiligen Messe 

Im September 1839 erreichten die Missionare Äthiopien und errichteten ihre Mission in der Provinz Tigray. Justin legte bald seine großen linguistischen Fähigkeiten an den Tag, denn er lernte mit großem Eifer die drei wichtigsten Sprachen, Tigre und Amharisch sowie die liturgische Sprache Ge'ez. Er machte solche Fortschritte, dass er schon nach vier Monaten eine Debatte in Amharisch halten konnte. 


Genesis 29, 11-16 in Ge'ez

Bald sah er, dass die Äthiopier in religiösen Dingen sehr unwissend waren, denn die gelehrtesten (wohl Christen) behaupteten, dass es drei Götter gäbe.
Doch die Menschen zeigten sich einsichtig und wollte ihre Irrtümer ablegen und so dachte Justin, die Zeit sei gekommen, sich auch an die Priester zu wenden.
Die Rede, die er vor ihnen hielt, erzielte großen Erfolg und ihre Einstellung gegenüber dem katholischen Priester, wohl im damaligen Äthiopien mit "Vertreter der Erzhäresie" gleichbedeutend, wandelte sich. Da die Rede auch heute noch eine großartige Apologie für die Einheit der Orthodoxen (und auch der Protestanten) mit der katholischen Kirche und dem Papst ist, folgt sie hier in einem etwas längeren Ausschnitt:

"Was hat Unser Herr nicht alles getan und erlitten, um die Menschen aus ihrer Dunkelheit zu erlösen und sie in sein wunderbares Licht zu führen?
Er gründete seine Kirche mit seinem kostbaren Blut. Dieser Kirche gab er ein Oberhaupt, das sein Stellvertreter auf Erden werden sollte, und dieses Oberhaupt, wie die heilige Schrift euch sagt, war der heilige Petrus. Nachdem er in Antiochien, Kappadokien und Bithynien predigte, errichtete er seinen Stuhl in Rom. Der heilige Markus begleitete ihn dorthin und wurde später von ihm nach Alexandria geschickt. Er starb im Jahr 63 und Rom schickte einen Nachfolger.
Bis dahin sind wir alle einer Meinung; und dieser Vorgeschichte 
entsprechend lebten und starben die Patriarchen von Alexandria bis 450 nach Christus. 

Eine enge und heilige Freundschaft bestand zwischen den Nachfolgern des heiligen Markus und denen des heiligen Petrus. Die heiligsten Bande einten sie. Hört nur, was einer dieser Patriarchen sagte: ‚Wer auch immer das Oberhaupt der Kirche nicht anerkennt, gehört nicht zur Kirche, wer auch immer vom Stuhl Petri getrennt ist, ist gleich einem verdorrten Ast, den die Menschen ins Feuer werfen.‘

Doch dann folgte eine Zeit der Trauer und Trennung. Wie bei den Söhnen Jakobs wurde einer von allen anderen gehasst, verkauft und Fremden überliefert. Aber dieser eine wurde groß und mächtig, während die anderen des Hungers starben. Und ihr, meine Brüder, wie ergeht es euch? Wo sind eure Patriarchen? Wo sind eure Heiligen?


Aber Rom! Ach! ich wünschte, ich könnte euch dorthin mitnehmen. Ihr würdet euch fühlen, wie eure Vorfahrin, die Königin von Saba, als sie Salomon in seiner Pracht sah.
Warum seid ihr vom Baum der Kirche getrennt? Erinnert euch, was passierte, als Jakobs Kinder sich nach der langen und grausamen Trennung wiedertrafen.
Sie fielen einander in Tränen um den Hals und schlossen Frieden!


 Könnten wir nur dasselbe tun, und einen Glauben, eine Hoffnung, eine Taufe haben! Einen Glauben! Den Glauben von Jesus Christus, der von seinem Stellvertreter auf Erden bewahrt wird. Eine Liebe! Die Liebe Unseres Herrn, wie sie uns seine Heilige Schrift lehrt.
Es ist dieser Glaube und diese Liebe, um deren Willen ich gekommen bin, um euch zu predigen, und nicht nach schnödem Gewinn und Gold trachtend.


Ich begehre nichts, ich fürchte nichts. Werft mich in euren furchtbarsten Kerker, überliefert mich eurem grausamsten Henker und fragt mich dann, weshalb ich in euer Land gekommen bin.
Aus Liebe zu euch, meine äthiopischen Brüder, und um Seelen zu retten.
Wenn euch meine Worte gefallen, was hält uns davon ab, geeint zu sein? Ich bin ein römischer Katholik; seid dasselbe, was eure Vorväter waren, und lasst uns zusammen für dieses Volk arbeiten, das in Aberglauben und Laster versunken ist, und in Irrtümer verstrickt, die schlimmer sind als die der Heiden.


Wenn euch mein Plan missfällt, holt den Henker. Ich bin bereit und glücklich, für den Glauben meines Herrn und Meisters zu sterben. Mein Blut wird zum Himmel schreien, aber nicht um Rache, wie das Blut Abels, sondern um Barmherzigkeit, wie das Blut Jesu, für Dessen Liebe ich freudig mein Leben hingeben würde.
Und dann wird unser guter Heiland einen anderen Prediger schicken, der nicht mit Sünden und Schwächen beladen ist wie ich, sondern heilig, schuldlos und rein vor Gott ist; er wird dieselben Worte sprechen, wie ich, denn die Wahrheit ist immer gleich. Ihr werdet auf ihn hören, und ihr werdet eine Herde unter einem Hirten werden, unserem Herrn Jesus Christus."



der heilige Justinus de Jacobis predigt den Äthiopiern

Fortsetzung hier...

Montag, 10. Dezember 2012

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo



Unsern Lesern werden die interessanten Schilderungen P. Julliens S.J. über den Balsamgarten von Matarieh noch in Erinnerung sein, in welchem, der frommen Überlieferung zufolge, die seligste Jungfrau mit dem göttlichen Kind und dem hl. Joseph auf der Flucht nach Ägypten verweilt haben soll.
In einem uralten Kirchenkalender der Kopten findet sich schon die Angabe, dass an dieser Stelle eine Kirche stand.
Zum 8. des koptischen Monats Baune (etwa unser Juni) heißt es in dieser von Bischof von Melige verfassten Schrift: „Kirchweihfest der Kirche der Jungfrau und Gottesmutter zu Matarieh außerhalb der Mauern von Kairo, wo die jungfräuliche Mutter auf der Flucht nach Ägypten mit ihrem göttlichen Sohne und ihrem Gemahl wunderbar eine Quelle süßen Wassers entspringen ließ.“
Es hat also in den ersten christlichen Jahrhunderten bei der wunderbaren Quelle im Balsamgarten eine Kirche gestanden, und dieselbe muss viel besucht gewesen sein, da die Kopten jährlich das Fest ihrer Einweihung feierten.
Das Heiligtum wurde beim Einbruch der Mohammedaner zerstört. Schon im 13. Jahrhundert errichteten aber die Christen an dieser Stätte abermals eine Kapelle, von welcher Brocard in seiner „Beschreibung des Heiligen Landes“ sagt:
„Ich habe im Balsamgarten die Quelle gesehen, in welcher die heilige Jungfrau oftmals die Windeln des göttlichen Kindes wusch, und die Steine, auf denen sie dieselben trocknete. Quelle und Steine werden von den Christen verehrt. Es steht daselbst ein Kapellchen an der Stelle, wo sich die heilige Familie aufhielt. Die Sarazenen (Moslems) verehren sie und unterhalten darin eine brennende Ampel.“ Auch das Kapellchen verschwand und machte einem geräumigen Bau Platz, der die wunderbare Quelle einschloss und den Pilgern als Herberge diente; Breydenbach beschreibt dieses Gebäude im Jahre 1484.
Fromme Kaufleute aus Venedig sollen die Quelle mit Marmor eingefasst haben, und wenn es die Pascha erlaubten, habe man die heilige Messe daselbst gefeiert. Zwei Jahrhunderte später beschreibt uns der holländische Maler und Reisende Cornelius le Bruyn im Jahre 1680 in seiner „Reise in die Levante“ diesen Bau und gibt Abbildungen seine Äußeren und Inneren.
Es ist ein viereckiges Gebäude ohne jeden architektonischen Schmuck. Auch ist nun abermals eine kleine Kapelle, deren Bild wir S. 153 vorlegen, an dem altehrwürdigen Platz errichtet worden.
Der Schmuck derselben ist ein Altarbild, welches der selige P. Beckx, General der Gesellschaft Jesu, schenkte. Dasselbe stellt den Augenblick dar, da, der frommen Legende zufolge, das göttliche Kind auf die Bitte der seligsten Jungfrau die Quelle entspringen lässt (siehe oben).


(aus: die katholischen Missionen, 1887)

Sonntag, 26. Februar 2012

Schwierigkeiten der Mission unter den Kopten (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Wie unsere Leser wissen, sind bereits 15.000 Kopten zur katholischen Kirche zurückgekehrt.
Und auch die vielen, die aus zeitlichen Rücksichten oder Furcht diesen Schritt nicht getan, haben doch den katholischen Priester kennen gelernt und weisen ihn wenigstens in der Todesstunde nicht zurück.
Andere senden ihre Kinder in die katholischen Schulen, bringen ihre Neugeborenen zur Taufe und erbitten für ihre erwachsenen Söhne und Töchter die katholische Trauung.
Wo immer es möglich ist, einen Priester hinzustellen und eine Schule zu errichten, da vollzieht sich in kurzer Zeit eine erfreuliche Umwandlung.
Die Kinder nehmen den religiösen Unterricht begierig auf und tragen ihn weiter in die Familie hinein.
Leider reicht die Zahl der einheimischen Priester nicht aus, um alle Stellen zu besetzen, und so muss vorläufig noch die apostolische Wandermission die regelrechte Seelsorge ersetzen. Diese Wandermissionen sind eine recht schwierige opfervolle Aufgabe.
Große Schwierigkeiten macht zunächst die Sprache. Es ist nicht allzu schwer, das Arabische für wissenschaftliche Zwecke sich anzueignen, aber sehr schwer, die Volkssprache geläufig und sicher zu handhaben. Manche Laute verlangen eine förmliche Umwandlung der Organe, und nur eine lange, beharrliche Übung führt zu einer erträglichen Aussprache und zur Trefflichkeit in der Wahl der volkstümlichen Ausdrücke und des von unserer Redeweise so ganz verschiedenen Satzbaues.


Harte Anforderungen stellt auch das Klima. Gewiss gilt das Klima Ägyptens als eines der besten der Welt und wird von den zahlreichen Touristen und Kurgästen als solches gerühmt.
Allein diese Herren und Damen wählen sich nur die schönsten Monate aus und verfügen über die Mittel, sich das Leben angenehm zu machen. Was ganz anderes ist es aber, sechs bis acht Monate lang bei einer Temperatur von 35
45 ° (in Kairo steigt die Hitze in den Hundstagen bis auf 68 °C in der Sonne) von Dorf zu Dorf zu wandern, wo nicht bloß alle Bequemlichkeiten, sondern oft selbst das Notwendigste fehlt. Der ägyptische Fellah ist durchweg sehr arm und unglaublich bedürfnislos.
 Man versteht hier viel besser, was man in dem Leben der Altväter und Einsiedler der Thebais von elender Kost, strengem Fasten, Schlafen auf nackter Erde und dergleichen liest.
Ähnliches findet sich ja beim Fellah als alltägliche Erscheinung. Und der Missionär teilt diese Armut. Sein Quartier ist oft genug der Stall, wo er neben dem friedlich seine Durrastengel kauenden Kamel sich häuslich einrichtet und seine Predigt vorbereitet. Der Behausung entspricht die Nahrung. 


Der Prior des Trappistenklosters von El Latrun bei Jerusalem sagte einst zu einem Pater, der dort die Exerzitien gab: „Unsere Aufgabe ist es, durch das Beispiel der Buße und Entsagung zu predigen. Aber hierzulande könnten die armen Landleute hierin unsere Lehrer sein. Ihr Leben ist viel härter als das unsrige.“ Das trifft auch bei den Fellahs Ägyptens zu.
Dazu kommt das strenge Fasten der Kopten, das fast über 2/3 des Jahres und zwar mit völligem Ausschluss von Fleischspeisen sich erstreckt. In der fünfundvierzigtägigen großen Fastenzeit sind selbst Fische verpönt.
Selbst die eingeborenen Priester erklären, dass sie nach dreißig Tagen solcher Fasten am Ende ihrer Kräfte seien. Ungleich schwerer wird diese Hungerkur dem europäischen Missionär. Während einer Volksmission bekam einer z.B. nichts als Durra(Mais)-Brot und in Essig eingelegte Rüben.
Und dabei soll man predigen, die Sakramente spenden, die Kranken besuchen usw. Der Hunger hat freilich das Gute, dass er über die den Appetit wenig anregende Unreinlichkeit besser weg hilft.
Von Wein ist keine Rede, und selbst das Wasser wird so wie es aus dem mit Schlamm reich gesegneten alten Nilstrom kommt getrunken.


Bezeichnend ist, was eines Tages ein englischer Bahnbeamter zu einem Pater sagte: „Gäbe man mir auch 40 Pfd. Sterling (800 Mark) um Ihre Arbeit zu tun, ich nähme es nicht an.“
Nun, für Geld tut es der katholische Missionär auch nicht. Seine härteste Prüfung sind auch nicht diese Entbehrungen, sondern der Schmerz, dass er aus Mangel an Mitteln die reiche Ernte nur zum kleinen Teil bergen kann.



(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Freitag, 24. Februar 2012

Schwierigkeiten der Mission unter den Kopten (Teil 1)


Wir haben kürzlich auf die Wichtigkeit und Bedeutung des Bekehrungswerkes unter den Kopten hingewiesen, es erübrigt, auch auf die besonderen Schwierigkeiten desselben hinzuweisen. Da ist zunächst eine, die bei allen schismatischen Kirchen sich findet und ihrer Wiedervereinigung entgegensteht, wir meinen die unglaublichen Unwissenheit dieser sog. Christen. Sie ist so recht eine Frucht und Folge der Trennung von der wahren Kirche.

Man darf die koptischen Schismatiker, so schreibt einer der Missionäre, nicht wie manche Reisende es tun, nach den Eindrücken beurteilen, die man in Kairo und Alexandria etwa gewinnt, wo zahlreiche Schulen und die Berührung mit Europa eine höhere Bildung förmlich aufdrängen. Man muss hinaus aufs flache Land, wo der echte koptische Fellah wohnt. 
Da herrscht im Großen und Ganzen eine wahrhaft „ägyptische Finsternis“. Fragen, die bei uns jedes Schulkind beantworten kann, wie: Wie viele Götter gibt es? Wie viele Personen sind in Gott? Wozu hat Gott den Menschen erschaffen? gehen schon weit über die Begriffe dieser armen Leute, die fast ohne jeglichen religiösen Unterricht aufwachsen: Sie kennen das Kreuz als christliches Abzeichen, aber nicht seine Bedeutung.

Man muss wirklich Mitleid haben mit dieser „Herde ohne Hirten“. Wie soll die Herde unterrichtet sein, da die koptischen schismatischen Geistlichen selbst unglaublich unwissend sind.
Der Missionär, dem wir diese Einzelheiten verdanken, erzählt einen Fall von einem solchen schismatischen Geistlichen, der seit 15 Jahren die heilige Messe las, aber keine Ahnung hatte, was eigentlich da geschieht und was sie bedeute. 

Gewiss gibt es im Klerus auch besser Unterrichtete. Aber fürs Volk tun auch sie soviel nichts. So wächst dasselbe vielfach auf wie die unvernünftigen Tiere. Es ist eine beschämende Tatsache, dass die Moslemin oft ungleich mehr von Religion wissen als diese koptischen Namenschristen. Es ist ja bekannt, wie gewissenhaft die gläubigen Mohammedaner ihre Gebetszeiten einhalten und ohne Menschenfurcht auch in Gegenwart anderer sich niederknien.
Jeder Koranschüler kennt das Fatha (Anm.: vielleicht die Schahada?), der Kopte nicht einmal das Vaterunser. 
Öfters haben die Missionäre solche beschämende Auftritte mit angesehen, wo die Mohammedaner über die Unwissenheit dieser Christen sich lustig machten, die vom Christentum oft kaum etwas anderes an sich haben als ein aufs Handgelenk tätowiertes Kreuz und einige äußere Formeln und Gebräuche. 

„Die furchtbare Folge dieser krassen Unwissenheit ist, dass der koptische Fellah sozusagen lebt und stirbt ohne Religion und sich kaum im letzten Augenblick der ernsten Verantwortung bewusst wird, der er entgegengeht. Der Gomos (schismatischer Geistlicher), der seine sterblichen Überreste zu Grabe begleitet, hatte es für überflüssig erachtet, dem Armen im Todeskampf beizustehen. Beim Anblick dieser Zustände, wie sie das unselige Schisma geschaffen, fühlt man, wie das Herz sich schmerzlich zusammenschnürt. O Gott, erleuchte diese 900.000 Kopten der alten Thebais!“

So sieht es in all den zahllosen Dörfern und Weilern aus, wohin bis jetzt die Mission ihren Einfluss noch nicht geltend machen konnte. Und doch sind die Kopten ein gutes und auch religiös veranlagtes Volk. Das zeigt sich dort, wo die katholische Mission sich seiner angenommen und Schulen und Kirchen errichtet hat.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Fortsetzung hier