Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Posts mit dem Label Spiritaner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Spiritaner werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 4. Juni 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist unter dem Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens


Im Jahr 1841 gründete der aus dem Judentum konvertierte Elsässer Priester François-Marie-Paul Libermann die Kongregation des Unbefleckten Herzens Mariens. Durch Mitbrüder, die Söhne französischer Plantagenbesitzer in den französischen Kolonien der Karibik und des Indischen Ozeans waren, erfuhr er von der geistigen Verlassenheit der afrikanischen Sklaven dort. Seine Stiftung sollte das Los dieser Menschen verbessern.

Wie bei seiner Bekehrung hatte er auch bei der Ordensgründung mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen. Im Jahr 1840 schrieb Libermann aus Rom, wo er seine Gründung betrieb, dass sein Vertrauen hauptsächlich auf „der Güte des heiligsten Herzens Mariä“ beruhte. Zunächst wünschte Libermann, der künftigen Missionsgesellschaft den Namen „vom heiligen Kreuz“ zu geben, damit sich „bereits im Titel ein vollkommenes Vorbild aller apostolischen Haupttugenden“ vorfinde. Sein Mitgründer P. Tisserant empfahl, das Werk dem Unbefleckten Herzen Mariens zu widmen. Eine Wallfahrt zu den sieben Hauptkirchen Roms und verschiedenen Marienkirchen der ewigen Stadt brachte Libermann dazu, diesem Rat zu folgen. Gleichzeitig erlebte er, dass sich die Unklarheiten und Zweifel bei der Erstellung der Regel der Kongregation gelöst hatten.

Wichtige Gebetsunterstützung zu dieser Gründung leistete die Erzbruderschaft des reinsten Herzens Mariä für die Bekehrung der Sünder der Pariser Pfarrei Notre-Dame-des-Victoires (Unsere Liebe Frau vom Sieg). Pfarrer Desegenettes hatte seine geistlich darniederliegende Gemeinde im Jahr 1835 dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht und die erwähnte Erzbruderschaft gegründet, worauf sich das religiöse Leben in der Pfarrei wesentlich erneuerte. Im Jahr 1839 hatten Pater Libermanns Mitgründer Tisserant und Le Vavasseur unabhängig voneinander die Idee, das Anliegen der geplanten Missionsgesellschaft, mit dem sich die drei bereits einige Zeit getragen hatten, den Gebeten der Erzbruderschaft zu empfehlen. So wurde Mariä Lichtmess 1839 zu einem entscheidenden Tag für das Unternehmen. Pfarrer Desgenettes bestieg während der feierlichen Vereinsandacht die Kanzel, um wie üblich die Gebetsmeinungen vorzutragen. Bewegt empfiehl er dann die „neue und hochwichtige Gebetsmeinung“, die Bekehrung der schwarzen Rasse, deren Millionen von Seelen „ein absolutes Anrecht hätten auf unser fürbittliches Gebet und sich des mütterlichen Erbarmens des Unbefleckten Herzens Mariens vorzugsweise erfreuen dürften, da Maria auch diesem, bislang so vergessenen Teil der Menschheit, sein wolle: Trost der Betrübten, Heil der Kranken, Zuflucht und Rettung der Sünder“.

Pater Libermann

Diese Rolle der Erzbruderschaft betonte Pater Libermann in einem Brief an Pfarrer Desgenettes im Jahr 1844: „Es ist sicher, dass unser kleines Unternehmen für die Bekehrung der Schwarzen dem mächtigen Schutze des hl. und unbefleckten Herzens Marias sein Dasein und seine Entfaltung verdankt. Alle Mitbrüder, die es mit mir angefangen und fortgeführt haben, sind davon tief überzeugt, und unsere Herzen sind voll von Erkenntlichkeit und Dankbarkeit gegen die glorreiche Königin des Himmels.

Von Anfang hat sich die Erzbruderschaft für dieses kleine Werk bei dem unbefleckten Herzen unserer guten Mutter verwandt. Die ersten Mitglieder, welche es beginnen sollten, waren noch unentschlossen; die Hindernisse, welche sich ihnen entgegenstellten, schienen unüberwindlich, aber die eifrigen Gebete der heiligen Vereinigung des unbefleckten Herzens Marias erlangte das, was unmöglich schien, denn vom Anbeginn dieses schwierigen Unternehmens ruhte unser Vertrauen auf der Güte unserer hochheiligen Mutter. Trotz den Schwierigkeiten, die menschlich zu reden, bei weitem unsere Schwäche überstiegen, hatten wir immer eine große Zuversicht für den Erfolg.“

Altar der Erzkonfraternität in der Basilika Notre-Dame des Victoires
(Quelle: Von Guilhem Vellut from Paris, France - Basilique Notre-Dame des Victoires @ Paris, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53621852)

Der besonderen Fürsprache Mariens schrieb P. Libermann auch die Tatsache zu, dass die Gemeinschaft im Jahr 1843 bald nach ihrer Gründung ihre erste Mission in Westafrika erhielt. Der irische Missionsbischof Edward Barron, der kurz zuvor zum apostolischen Vikar von Guinea ernannt worden war, besuchte die Kirche Notre Dame des Victoires, um dort am Marienaltar zur allerseligsten Jungfrau zu beten. In einem Brief an Pfarrer Desgenettes schildert Libermann das eigentümliche Ereignis: „Ich verließ Paris am selben Tage. Am folgenden Tage kam der Bischof Barron, apostolischer Vikar von Guinea, Maria am Altar ihres unbefleckten Herzens seine Huldigung darzubringen. Er sprach Ihnen von seinem ausgedehnten Vikariate und seinem Priestermangel, und wunderbar, (was ich mir auf natürliche Weise gar nicht erklären kann), Sie kamen nicht auf den Gedanken, ihm von uns zu reden. Am Tage vorher waren Sie noch so gerührt von unserer Verlegenheit, es bot sich Ihnen damals eine so schöne Gelegenheit dar, Ihren Kindern zu helfen und Sie vergaßen Sie gänzlich. Ich kann dafür nur diese Erklärung finden. Maria wollte zeigen, dass uns alles von ihrem unbefleckten Herzen zukommt. Nachdem Sie sich mit dem frommen apostolischen Vikare von Guinea unterhalten und [ihn] in seiner Verlegenheit gelassen hatten, bestiegen sie den Altar des unbefleckten Herzens und bekamen plötzlich gleichsam eine innere Inspiration, die Ihnen sagte, dass diese Mission für uns bestimmt sei. Sie sprachen mit Bischof Barron und am Tage nach meiner Ankunft in Amiens musste ich wieder nach Paris zurückkehren, um ein Geschäft zum Abschlusse zu bringen, das Maria schon für uns eingeleitet hatte.“

In schöne Harmonie bringt der Gründer die Verehrung des Heiligen Geistes mit der Andacht zum unbefleckten Herzen Mariens, als einige seiner geistlichen Söhne nach der Vereinigung mit der Kongregation vom Hl. Geist wohl gefürchtet hatten, dass dieses Kennzeichen der Genossenschaft in Gefahr war: „Sie gehören dem hl. Herzen Mariä an und Sie werden ihm immer angehören. Unsere Vereinigung mit der Genossenschaft des hl. Geistes kann unsere Andacht und unsere Liebe zu diesem Herzen, dem unsere arme Genossenschaft ihr entstehen verdankt, nur vermehren. Wir haben auf das Herz Marias, das mit der Fülle des hl. Geistes ausgestattet ist, immer unser Vertrauen gesetzt, wenn wir auch den Gedanken von der Fülle des hl. Geistes im Herzen Marias nicht besonders ausgedrückt haben, so bildet er doch das Wesen unserer Andacht gegen dieses heiligste Herz. Wir haben also nichts verändert, denn das, was wir früher voraussetzten und mitverstanden, drücken wir jetzt deutlich aus.“

Die Kongregation wuchs rasch und breitet sich über weite Teile Afrikas, besonders über das französischsprachige Westafrika aus, aber auch andere Regionen wie Australien und Nordamerika, wo Libermanns Söhne unter den Afroamerikanern wirkten, kamen bald hinzu. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Kongregation vom Hl. Geist und dem unbefleckten Herzen Mariens zur größten Missionsgesellschaft der katholischen Kirche.

Mittwoch, 6. März 2019

„Erzbischof Lefebvre war der Gründer der Kirche in Französisch-Westafrika“

Marcel Lefebvre am Tag seiner Bischofsweihe im Jahr 1947


„Erzbischof Lefebvre war der Gründer der Kirche in Französisch-Westafrika.“ So tönte es mir heute in einem Facebook-Kommentar enthusiastisch entgegen. Es ist nicht das erste Mal, dass Marcel Lefebvre eine derartige Tat zugeschrieben wird. Als geistiger Sohn des demütigen Franz Libermann hätte er wahrscheinlich vehement widersprochen, da es in keiner Weise der Wahrheit entspricht.

Er hatte bereits 10 Amtsvorgänger als Apostolischer Vikar von Dakar (später Erzbistum), als er 1947 den Bischofsstuhl in der senegalesischen Hauptstadt bestieg. Die selige Anne-Marie Javouhey führte bereits 1822 die ersten Schwestern in den Senegal. Gegründet wurde die Mission „Guinea“, ein weites Gebiet entlang der westafrikanischen Küste von Senegal bis herunter nach Gabun, schließlich von den ersten Spiritanermissionären, die Pater Libermann in den 1840er Jahren in die afrikanische Mission entsandte. Zu ihnen gehörte auch der heiligmäßige Bischof Jean-Rémy Bessieux, der die gabunesische Mission gründete, in der Msgr. Lefebvre als junger Priester wirkte. 

Und noch mehr: Es gab bereits in den 1850er Jahren einheimische Priester und Ordensfrauen im Senegal, also wohl noch vor der Geburt von Lefebvres Eltern. 

Dienstag, 30. Oktober 2018

„Hochwürden, das ist kein Urteil nach dem Geiste Gottes“

Pater Libermann


Immer wieder mussten sich die Missionsfreunde den Vorwurf gefallen lassen, sie entzögen der heimatlichen Seelsorge wichtige Kräfte. So war es auch bei dem Gründer der Väter vom Heiligen Geist, dem großen Judenkonvertiten Franz Maria Paul Libermann. Als ein Seminardirektor ihm das im Fall eines vielversprechenden Klerikers vorwarf, antwortete Libermann:

„Die Worte: ‚Welches Unheil richten Sie an, wenn Sie den jungen Mann der Heimat entreißen, um ihn mit sich fortzuführen, die Neger zu bekehren‘ – haben mich bis in die tiefste Seele hinein ergriffen. Demnach müssen also alle, die eifrig sind, ein heldenmütiges Herz besitzen, daheim bleiben! Und die armen verlassenen Seelen, für die Gott diesen jungen Leuten so edelmütige Gesinnungen einflößt, kann man zu Millionen in die Hölle fahren lassen! Um sie zu bekehren, darf man höchstens nur den Ausschuss schicken, Menschen, die nichts auszurichten imstande sind! Hochwürden, das ist kein Urteil nach dem Geiste Gottes.
Der Gesichtskreis unseres Heilands ist ein viel weiterer. Er ist gekommen, alle Menschen zu retten, ist für alle gestorben, für den Niedrigsten wie für den Höchsten. Darum auch ist sein priesterlicher Geist ein Geist der Versöhnung und Rettung für das ganze Menschengeschlecht. Aus diesem Grund müssen auch alle, solche, die das Priestertum ihres Meisters in der höchsten Stufe besitzen, den Blick ihres Erbarmens über den ganzen Erdkreis ausdehnen und sich inständig freuen, wenn der Völkerhirt den am meisten verlassenen Seelen Retter schickt. Es wäre grundfalsch, nur solche zu senden, die nicht viel wert sind, das hieße, diese wichtige Angelegenheit nach menschlichen Grundsätzen behandeln – Als Gott den großen heiligen Paulus zu den niedrigen Heiden schickte, wer hätte es da gewagt, den unvergleichlichen Apostel für das Heil des jüdischen Volkes zurückzuhalten? Und doch gab es viel durchschlagendere Gründe für die Ansicht, dass er größeren Segen unter den Juden als unter den Heiden stiften werde.“

(Aus: Vom Juden zum Ordensgründer. Heinrich Döring CSSp, 1930)




Donnerstag, 25. August 2016

Große Missionsbischöfe: „der Freund des Großen Geistes“ – Msgr. Jean-Rémy Bessieux, Apostolischer Vikar von Gabun



Am 30. April 1876 starb in St. Marie Msgr. Jean-Rémy Bessieux, Bischof von Gallipolis i.p.i. und erster Apostolischer Vikar der Gabun-Mission.

Am 24. Dezember 1803 zu Velieux in der Diözese Montpellier geboren, empfing er am 13. Juni 1829 zu Alby die hl. Priesterweihe. Nachdem er zuerst als Weltpriester 13 Jahre gewirkt hatte, trat er im Jahr 1842 in die Kongregation vom Heiligen Geist und bereits am Ende des Jahres reiste er in die Mission von Westafrika. 34 Jahre hat er hier gewirkt; 27 Jahre lang (seit dem 20. Juni 1849) stand er an der Spitze der Gabun-Mission, welche er gegründet hatte. 

Bei seiner Ankunft an dieser Küste fand er keinen einzigen Katholiken unter den Eingeborenen; bei seinem Tode hinterließ er eine blühende Gemeinde von mehr als 2.000 eingeborenen Christen. Welche Mühen und Anstrengungen die Gründung dieser Mission kostete, wie er selbst, auch noch als Bischof, Karst und Hacke zur Hand nehmen musste, um durch sein Beispiel die Eingeborenen die Arbeitsamkeit zu predigen und sie zum Ackerbau anzuleiten, wie er auch noch in seinem Greisenalter unermüdlich war in der Predigt des Evangeliums, haben wir früher ausführlich erzählt.

Erst in den letzten Jahren gestatteten ihm seine Altersschwäche und seine durch einen 34-jährigen Aufenthalt an dieser mörderischen Küste ruinierte Gesundheit nicht mehr die Ausübung des Predigtamtes; aber er arbeitete umso eifriger und wirksamer an der Ausbreitung der wahren Lehre durch sein beständiges Gebet und durch sein abgetötetes Leben.

Die Christen betrachteten ihn als einen Heiligen, die Heiden bewunderten ihn und meinten, er müsse wohl der Freund des Großen Geistes sein. Diese allgemeine Verehrung trat auch klar bei seinem Leichenbegängnis hervor; nicht nur hatten sich alle Christen eingefunden und weinten um ihn, wie um einen Vater, den sie verloren hatten, sondern auch die Heiden hatten sich in großer Zahl eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

Seine irdischen Überreste ruhen jetzt am Eingang der Kirche, die er erbaut, vor der Statue der allerseligsten Jungfrau, der Schutzpatronin der Gabun-Mission, aber seine Seele genießt jetzt schon, wie wir hoffen dürfen, die beseligende Anschauung Gottes, dem er so aufopfernd gedient und dem er so viele Seelen gewonnen hat. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Sonntag, 21. August 2016

Aktuell: Im Land des Pater Laval – Neues Apostolat in Mauritius


Einer der Twitter-Accounts des Instituts Christus König brachte gestern die Nachricht, dass die Gemeinschaft eine neue Mission in Mauritius im Indischen Ozean übernimmt:


Die beiden Priester beten am Grab des „Apostels von Mauritius“, des seligen Jacques Désiré Laval. Er wurde 1803 in der Normandie geboren und war zunächst Arzt. Einige Jahre nach seiner Priesterweihe trat er in die Kongregation der Väter vom Heiligen Geist ein und wurde vom Gründer, P. Libermann, nach Mauritius gesendet, um sich den freigelassenen Sklaven zu widmen. Nach einem fruchtbaren Missionsleben, in dem er zehntausende Menschen bekehrt hatte, starb er im Jahr 1864. Bei seiner Beerdigung war die Hälfte der Bevölkerung von Mauritius zugegen (40.000 Menschen), und die Menschen riefen: „Es gibt keinen Heiligen im Himmel wie Pater Laval“, ein Ausspruch, der auch später noch auf Mauritius zu hören war.




Dienstag, 9. August 2016

Keine Schonung



Der aus dem Elsass stammende P. Wintz aus der Kongregation vom Heiligen Geist erkrankte 1929 im Senegal im Dienste der Leprakranken selbst am Aussatz. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich, wo er Heilung suchte, hörte er, dass der Priester der Aussätzigengemeinde auf der Karibikinsel La Désirade gestorben war. Er bat seine Vorgesetzten, sich für den Rest seines Lebens den Aussätzigen widmen zu dürfen. Die Bitte wurde erfüllt und er starb im Jahr 1933 im Alter von 64 Jahren auf seinem Posten.


(Quelle: Schönere Zukunft 1934, Our Province, Holy Ghost Fathers, 1933)

Sonntag, 15. November 2015

Große Missionsbischöfe: „Auch ich!“ – Msgr. Jean Louis Joseph Dérouet C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Loanga


In Französisch-Unterkongo sank am 4. März der Apostolische Vikar von Loango, Bischof Jean Louis Joseph Dérouet im kräftigen Mannesalter von 48 Jahren ins Grab (geb. 31. Januar 1866). Mit 24 Jahren (1891) war er als Mitglied der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist nach Afrika abgefahren. Bischof Carrie, einer der ersten Missionspioniere am Kongo, erkannte sofort die Talente, die den jungen Glaubensboten auszeichneten, und behielt ihn in der Zentralstation zurück. Hier sollte er an der Lösung der großen Frage zur Heranbildung eines einheimischen Klerus mitwirken, und er hatte die Freude, sieben Schwarze zur Priesterwürde führen zu dürfen. Er leitete als Oberer die Posten Buanza und Sette-Cama und von 1906 an die ganze Mission Loango. Seine Erhebung zum Apostolischen Vikar erfolgte im Jahr 1907. Seine Tätigkeit als Bischof kann, wie einer seiner Mitarbeiter im Weinberge des Herrn schreibt, zusammengefasst werden in den Satz: „Allen konnte er antworten, den unermüdlichen Missionären, den Sprachenforschern, den Theologen, den Predigern, den Männern der Feder und dem schlichten Manne mit dem Handwerkszeug: Et ego! ‚Auch ich!‘ [Anspielung auf 2 Cor 11,22] Oder vielmehr, er brauchte diese Antwort nicht zu geben; das waren allbekannte Tatsachen.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Samstag, 3. Oktober 2015

Die heilige Theresia von Lisieux, Patronin der Missionen


Die so beliebte Theresia vom Kinde Jesus, die heutige Tagesheilige, war und ist eng mit der Mission verbunden. Bereits ihre heiligen Eltern baten Gott um einen „kleinen Missionär“. Sie ahnten aber wohl kaum, dass es sich dabei um ihre jüngste Tochter handeln würde. Gerne wollte die hl. Theresia selbst in die Mission nach Vietnam. Sie sagte: „Ich möchte nach Hanoi gehen, um viel für den lieben Gott zu leiden; ich möchte hingehen, um ganz allein zu sein, um keinen Trost, keine Freude auf Erden zu haben.“

P. Adolphe Roulland M.E.P.

Der Wunsch nach der körperlichen Anwesenheit in den Missionsländern blieb ihr zwar verwehrt, auf Geheiß ihrer Oberin verband sie aber eine geistige Bruderschaft mit zwei Missionären, mit P. Roulland vom Pariser Missionsseminar in China und P. Bellière von den Weißen Vätern in Zentralafrika. Ihre Aufgabe war es, ganz besonders für die Mission dieser beiden Priester zu beten, im Gegenzug beteten die Missionäre für sie. Dem ersteren sagte sie, dass sie ihm Himmel viel nützlicher sein sollte. Und tatsächlich konnte P. Roulland nach ihrem Tod Folgendes berichten: „Ich kann bezeugen, dass in unseren japanischen, chinesischen und indischen Missionen der Glauben an die Macht der Fürbitte Schwester Theresias sehr verbreitet ist und dass sie einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die Bekehrung der Seelen und ihren Fortschritt in der Tugend ausübt. Besonders in Japan versichern viele der Trappistinnen, dass sie ihren Beruf der Fürbitte der Schwester Theresia vom Kinde Jesu verdanken, deren Leben sie gelesen haben.“

Msgr. Prosper Augouard C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Ubanghi

Auch in den Missionen der Weißen Väter wirkte ihre Fürsprache. So kamen zahlreiche Heiden von weit her, um in einer Mission am Religionsunterricht teilzunehmen, nachdem in fast allen Hütten der Christen und in den Räumen, wo der Unterricht stattfand, das Bild der Heiligen aufgehängt wurde. Der berühmte Missionsbischof Prosper Augouard, der im Kongo wirkte, bat 1910 die heilige Theresia, ihn von seinem Rheumatismus zu befreien, der ihn zur Tatenlosigkeit verdammt hätte, zog dann aber seine Bitte zurück zugunsten eines seiner Priester, der an der tödlichen Schlafkrankheit litt. Schließlich wurden beide geheilt und der Kirchenfürst machte eine Pilgerfahrt nach Lisieux, um für die gewährte Gnade zu danken. Auch bat er Papst Pius X., bald ihre Seligsprechung einzuleiten.

1927, zwei Jahre nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie von Pius XI. neben dem großen hl. Franz Xaver zur Patronin der Missionen erklärt.


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Dienstag, 2. Dezember 2014

Heilige Messe auf dem Kilimandscharo

(Quelle: Muhammad Mahdi Karim)


(Nach einem Reisebericht von Msgr. Le Roy C.S.s.p)

Wir standen auf 3.000 m Höhe. (…) Die Nacht verlief ruhig. Als ich am anderen Morgen vor das Zelt trat, fand ich es entsetzlich kalt, nur 3 °C, da wir doch an 30° gewöhnt sind. Der dicke Nebel löste sich in einen feinen Regen auf. Obschon der Bischof [Msgr. de Courmont C.S.s.p., Apostol. Vikar von Nord-Sansibar] sich unwohl fühlte, wollte er doch auf dieser Bergeshöhe die versprochene heilige Messe für die Wohlfahrt Afrikas lesen. 

Das heilige Opfer hat freilich an sich an jedem Ort der Welt denselben unendlichen Wert. Das schließt aber nicht aus, dass es an bestimmten Orten von dem Priester mit den Gefühlen größerer Andacht dargebracht werde und insofern Gott noch angenehmer sei. Und so hoffen wir, dass es, von einem Bischof auf dieser Bergeshöhe dargebracht, reichen Segen auf den dunklen Erdteil herabziehen möge.


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Sonntag, 9. November 2014

Ein ehemaliger Feind der „Römlinge“ als katholischer König in Nigeria


In einem Brief an den Präfekten der Propaganda, Se. Eminenz Kardinal Ledochowski, macht der Apostol. Präfekt, R. P. Lejeune aus der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist, die erfreuliche Mitteilung, dass die Bevölkerung von Onitscha als König oder wohl richtiger Oberhäuptling einstimmig den katholischen Katechisten von Aguleri, Samuel Oksi Okolo, erwählt hat. „Samy“ ist früher sieben Jahre lang protestantischer „Evangelist“ und als solcher ein ausgesprochener Feind der „Römlinge“ gewesen. Allein das Wirken der katholischen Missionäre und Schwestern, vorab ihre Werke und Anstalten der Barmherzigkeit: Spitäler, Asyle, Kleinkinderbewahranstalten, Aussätzigenheime, die christlichen Dörfer befreiter Negersklaven usw., machte auf ihn großen Eindruck, öffnete ihm die Augen und führte ihn schließlich zum Übertritt. 

Gleichzeitig mit ihm wurden der protestantische Diakon Ephrem und die „Evangelisten“ Jakob, Karl und ein anderer Samuel katholisch. Seit der Zeit leistete „Samy“ als Katechist in Nsubi und Aguleri der katholischen Mission treffliche Dienste. Als nun vor einiger Zeit in Onitscha eine neue Königswahl stattfand, wurde „Samy“ von seinen Mitbürgern als Kandidat aufgestellt, trotz der protestantischen Gegenbemühungen zum König gewählt und als solcher auch von der britischen Behörde bestätigt. 

Sein erster Regierungsakt bestand darin, dass er dem P. Vogler, seinem Beichtvater, das königliche Kronidol auslieferte, ein Holzstück, dessen die früheren Könige sich bei ihren Todesurteilen und vielfach barbarischen Rechtsprechungen bedient hatten. De zweite Akt war, dass er über seinem Thron ein schönes, vom Apostol. Präfekten ihm geschenktes Kruzifix anbringen ließ, damit, wie er sagte, Heiden, Protestanten und Katholiken gleicherweise sich vor dem Zeichen der Erlösung niederwürfen. Sein dritter Regierungsakt war die Schenkung eines auf seinem Besitz liegenden Grundstücks an die Mission zum Bau einer Kapelle und Schule, der bereits begonnen ist. Bis zur Vollendung wird für 60–80 Kinder und junge Leute, Freie und Sklaven, Christenlehre und Schule in seiner eigenen Wohnung und unter seiner Aufsicht gehalten.

Der Heilige Vater hatte ob dieser guten Nachricht solche Freude, dass er für den katholischen Negerkönig sofort ein Geschenk in Gestalt eines schönen, prächtig eingerahmten Madonnenbildes bestimmte, während der Präfekt der Propaganda der Mission die stattliche Summe von 20.000 Lire überwies.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Der frühe Film im Dienst der Mission


Auf der Studenten-Missionstagung in Dayton wurde ein Film von mehreren Tausend Fuß Länge vorgeführt, der das Leben und Treiben der eingeborenen Christen von Uganda und das Wirken der Missionare zeigte. (Amerikanisches Familienblatt 1921, 250.) Es wird ferner gemeldet, dass von einer amerikanischen Gesellschaft Filmaufnahmen in den afrikanischen Missionen gemacht wurden, und zwar auf den Missionsfeldern der Weißen Väter, der Missionare von Mill-Hill und der Väter vom Heiligen Geist.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der hl. Arnold Janssen als Förderer der Engelsverehrung


(…) Schließlich möchte ich auch noch eine recht lieblich anmutende Eigentümlichkeit der Steyler Aszese erwähnen, die ganz deutlich auf den Stifter zurückgeht. Die Gesellschaft pflegt vor allem die Andachten zum Hl. Geist, zum Göttlichen Wort und zum Hlgst. Herzen Jesu, zu den Erzengeln und den hl. Engeln überhaupt. Das waren die Lieblingsandachten Arnold Janssens, und er hat sie seinen [geistigen] Söhnen als Erbe hinterlassen. Wir müssen ihm danken, dass er die Verehrung des Hl. Geistes so nachdrücklich in Erinnerung brachte – dies Verdienst gebührt übrigens auch der Genossenschaft der Väter vom Hl. Geist – und die drei Erzengel und alle seligen Schutzgeister der Menschen zu Ehren erhob.


(Aus: die katholischen Missionen, 1926)

Mittwoch, 29. Januar 2014

Wahl einer Generaloberin bei den einheimischen Schwestern im Senegal

Mutter Iphigenie, Generaloberin der Töchter vom Heiligen Herzens Mariä

Von allen unter den Negern tätigen Missionären haben die Väter vom Heiligen Geist am meisten sich um die Heranbildung eines einheimischen schwarzen Klerus bemüht. Die Erfolge beweisen die Möglichkeit, aber auch die große Schwierigkeit des Unternehmens. Die Zahl der einheimischen Priester ist daher noch recht gering. Ungleich leichter und besser ist die Heranziehung schwarzer Mädchen zum Ordensstand gelungen. 

Beispielsweise hat die Mission von Senegambien bereits seit fast einem halben Jahrhundert eine einheimische Schwester-Genossenschaft, die „Töchter vom heiligen Herzen Mariä“. Über ihre Gründung wurde bereits früher einmal ausführlich berichtet. Sie hat sich recht gut entwickelt und zählt heute zwischen 30 bis 40 Schwestern, die sechs Klöster besitzen und im Unterricht und im Krankendienst Treffliches leisten.

Am 6 April 1904 starb die letzte Generaloberin Mutter Josepha, eine der Erstlinge, denen der Stifter der Genossenschaft Msgr. Kobes am 9. Juli 1858 den Schleier gab. An ihre Stelle ist jetzt Mutter Iphigenie getreten.

Die Wahl fand unter dem Vorsitz des Apostol. Vikars Msgr. Kunemann statt. Sämtliche Professen nahten sich dem Altar und legten ihren Wahlzettel in die bereitstehende Urne. Schwester Iphigenie ging einstimmig aus der Wahl hervor und empfing vom Bischof den Segen und die Bestätigung. 
Nachdem sie dann das Glaubensbekenntnis abgelegt und auf einem Stuhl Platz genommen, nahten sich ihr die Schwestern, ließen sich auf die Knie nieder und sagten: „Ich verspreche Ihnen, Ehrwürdige Mutter, Ehrfurcht und Gehorsam nach dem Geiste unserer Satzungen.“

So gewöhnlich diese Zeremonie drüben sein mag, schreibt der Bischof, so ergreifend wirkt sie hier in Afrika. Sie beweist, wie tief das Christentum bereits in der schwarzen Rasse Wurzel gefasst hat und dass die Gnade auch in Afrika dieselben Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt wie in Europa.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Donnerstag, 9. Januar 2014

Noch ein Indianer am Altar – Eine Primiz im Urwald


Aus der Mission der Väter vom Heiligen Geist am Amazonasstrom, Apostol. Präfektur Tesse, kommt die Nachricht von der Feier des ersten heiligen Messopfers des Indianerpriesters P. Manoel Alencar. 

„Das Gerücht von der Ankunft des neuen Paters und der bevorstehenden Feierlichkeit“, so schreibt Br. Raphael C.S.Sp., „hatte sich ohne unser Zutun schnell unter dem umwohnenden Volk verbreitet, und schon am Vorabend des Festes langten Boote an, welche zu Berg oder zu Tal wohnende Christen herbeiführten. 

Am Morgen des einzigartigen Festes war der Andrang größer als je zuvor. Alle wollten den Neugeweihten sehen und begrüßen und sich davon überzeugen, ob ihr Landsmann ebenso gut Messe lesen und predigen könne wie die weißen Missionäre. 
Nicht gering war das Staunen der Leute. Der lustige Junge, den sie noch vor etlichen Jahren unter den Missionszöglingen sich tummeln sahen, war zum ernsten Mann herangewachsen und mit der erhabenen Priesterwürde geschmückt. 

Leider war unsere Kapelle viel zu klein, um das zahlreiche Volk zu fassen, nur die Bewohner der Mission und die nächsten Angehörigen fanden Platz in derselben; die übrigen mussten vor der Tür stehen und sich mit dem Anhören der Predigt und des Gesanges begnügen, ohne etwas von den Zeremonien am Altar sehen zu können, für die sie doch allgemein so großes Interesse zeigen. 

Am Mittag fand ein bescheidenes Festmahl, statt, an welchem außer dem Personal der Mission mehrere Verwandte und Bekannte des Primizianten teilnahmen. 
Auch für die Zöglinge und nächsten Umwohner war ein Festessen veranstaltet worden, dem alle mit gutem Appetit zusprachen. So sorgten sie dafür, dass von dem Festochsen nichts übrig blieb. Gegen Abend hielt der Neupriester eine feierliche Segensandacht zum Abschluss des so schön verlaufenen freudigen Tages. Die von nah und fern herbeigeströmten Leute kehrten nach und nach fröhlich nach Hause zurück, und bald herrschte auf unserer einsamen Missionsstation wieder die gewohnte Ruhe.“

Der junge Manoel war in der Mission von Bocca do Tesse erzogen und lenkte bald durch seine Gewecktheit und seinen religiösen Eifer die Aufmerksamkeit des Obern der Mission auf sich, der ihn mit mehreren anderen Knaben unter seiner persönlichen Aufsicht Latein studieren ließ, was anfangs nicht recht munden wollte. 

Am Ende seiner Gymnasialstudien bat er um Aufnahme ins Noviziat der Väter vom Heiligen Geist. 
Nach acht Jahren höheren Studiums kehrte er in die Urwälder seiner Heimat zurück, um als Apostel unter seinen Stammesgenossen zu wirken. Möchten noch recht viele derselben seinen Spuren folgen!


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Montag, 25. November 2013

Ein Missionsbischof redet den Kolonialmächten ins Gewissen

Erzbischof Alexandre Le Roy C.SS.P.


Auf dem internationalen Antisklaverei-Kongress in Paris hielt Msgr. Le Roy, Generaloberer der Väter vom Heiligen Geist, einen bemerkenswerten Vortrag, in welchem er den Kolonialmächten eindringlich ins Gewissen redete und Vorschläge zur Besserung der afrikanischen Kolonialgesetzgebung machte. Wir möchten in freier Anlehnung an die Rede des erfahrenen Missionsbischofs wenigstens kurz die Hauptgedanken hervorheben.

Sämtliche Mächte, die in Afrika kolonisierend auftreten, sprechen große Worte über ihre zivilisatorische Aufgabe unter den Schwarzen. Allein die Tatsachen stimmen oft wenig mit den Worten [überein], und die koloniale Gesetzgebung ist dringend der Reformen bedürftig. Auf der einen Seite geht man vielfach mit unvernünftiger Strenge vor. Die zahlreichen Beispiele von unmenschlicher Grausamkeit und von gewissenlosen Missbrauch der Gewalt, wie sie in den letzten Jahren sich häufen, sind nicht dazu angetan, die Zivilisation der Weißen zu empfehlen. 
Auf der anderen Seite wird durch übergroße Schonung gewisser einheimischer Unsitten und barbarischer Zustände gefehlt, welche der Zivilisation der betreffenden Völker direkt im Weg stehen. Hierher gehören:


1. Menschenfresserei und Menschenopfer. 

Ohne Zweifel ist man dieser kannibalischen Unsitte vielerorts (wie z.B. im britischen Nigergebiet) energisch zu Leibe gegangen. Die schlimmsten Vorkommnisse dieser Art, jene grausamen Massenabschlachtungen, wie sie z.B. in Dahomey üblich waren, sind ja beseitigt worden. 
Es wäre aber ein Irrtum, zu glauben, dass der Kannibalismus in den afrikanischen Kolonien aufgehört habe.
Noch immer kommen zahlreichen Menschenschlächtereien vor, nicht bloß im Dunkel der Wälder, sondern auch in den Stationen und Posten der Kolonie. Werden doch unter den Augen der Beamten Menschenviertel vorübergetragen und verteilt. 
Auch die Menschenopfer beim Tode von Häuptlingen, als Sühn- und Bittopfer zur Abwendung von Seuchen, Krieg u.dgl. sind noch viel häufiger als man denkt. Wenn irgendwo, dann wäre diesem grauenhaften Unfuge gegenüber unerbittliche Strenge am Platz.


2. Kindsmord. 

Derselbe ist unter den afrikanischen Stämmen sehr verbreitet und ein wahrer Krebsschaden. „Man berechnet, dass (vielerorts) von zehn Kindern, die zur Welt kommen, acht verschwinden. Fällt ihre Geburt auf einen Unglückstag, fängt das Kind früh zu zahnen an, kommen Zwillinge zur Welt oder tritt sonst ein ungünstiges Vorzeichen ein usw., so genügt dies, um den Kleinen das Todesurteil zu sprechen. 
Die Werkzeuge dieser unmenschlichen Sitte sind in der Regel alte Zauberinnen. Es würde genügen, an der einen oder andren dieser Hexen ein ordentliches Exempel zu statuieren, um der ganzen Sippe ein für alle Mal das saubere Handwerk zu legen. Es geschieht aber nicht.

3. Die Giftprobe 

ist fast über ganz Afrika verbreitet und fordert Tausende von Menschenleben. Tritt ein ungewöhnlich rascher Todesfall ein, wird ein Diebstahl oder sonst eine Untat begangen, so greift man, oft selbst bei lächerlichen Kleinigkeiten, zur Giftprobe, um den Täter zu ermitteln. Wer nicht giftfest ist, und das sind die wenigsten, muss, schuldig oder unschuldig, unter schrecklichen Qualen sterben.
Diese Giftprobe wird als furchtbares Werkzeug namentlich von den zahlreichen afrikanischen Geheimbünden gehandhabt, deren Femgerichte Tausende zum Opfer fallen. 

Besonders häufig richten sich diese Todesurteile gegen die im Dienst von Weißen stehenden Neger, die durch ihren Wohlstand, ihre Bildung, ihren Fortschritt die Eifersucht der Häuptlinge erregen. So sind auch eine Reihe von schwarzen Katechisten und Lehrern aus der Welt geschafft worden, ohne dass die bei den Behörden eingebrachten Klagen berücksichtigt worden sind.

4. Die Sklaverei

ist jene Unsitte, welche am meisten die öffentliche Meinung in Europa erregt und die Mächte zum entschiedenen Einschreiten veranlasst hat. Vieles ist zur Abschaffung derselben geschehen, aber lange nicht genug. 
Noch wuchert das Übel unter allen möglichen Formen und Vorwänden fort und weiß sich zu halten. (Leider behandeln so viele Weiße ihre Diener schlimmer als Sklaven und wird auch von europäischen Gesellschaften selbst oft ein wahrer Sklavenhandel getrieben).

5. Der Alkohol. 

Wie die rote Rasse durch das „Feuerwasser“, so wird seit einem halben Jahrhundert nun auch die schwarze Rasse durch Schnaps und Fusel vergiftet und zu Grunde gerichtet. 
Ungeheure Massen dieses schmachvollen „Kulturmittels“ werden jährlich nach Afrika verschifft und seit Jahren auch an Ort und Stelle fabriziert. Hier wären nicht bloß strenge Maßregeln, sondern vor allem eine scharfe Kontrolle über die Ausführung am Platze.

6. Duldung unsittlicher Gebräuche. 

Gewiss ist den einheimischen Sitten und Überlieferung gegenüber eine vernünftige Schonung am Platze. Das gilt sicher aber nicht von Aufführungen, Tänzen, Orgien, Zusammenkünften, Zeremonien, die aller Sittlichkeit hohnsprechen. Manche, auch europäische, Posten sind berüchtigt als wahre Lasterhöhlen und Ansteckungsherde sittlicher Verderbnis.

7. Die schmachvolle Behandlung und Lage der afrikanischen Frau. 

Die Enthüllungen, die ein Mitbruder Msgr. Le Roys hierüber gemacht, haben wir im letzten Jahrgang gebracht. Das Weib wird von ihrer Kindheit her einfach als Sache behandelt und in der willkürlichsten Weise verschachert und preisgegeben. 
Diese Zustände haben die schlimmsten Folgen für die sittlichen und bürgerlichen Verhältnisse, machen ein geordnetes Familienleben unmöglich, verschulden den teilweisen Rückgang der Bevölkerungszahl und hindern das segensreiche Wirken der Mission.
Was hilft es, die Mädchen in den Anstalten der Schwestern gut zu erziehen, wenn die Willkür und Habgier der Eltern und Verwandten die armen Kinder gegen ihren Willen vor der Zeit gewaltsam entführt und einem schmachvollen Los überantwortet? Die vorhandenen Missstände schreien förmlich nach einer strengen Gesetzgebung zur Regelung der afrikanischen Frauenfrage. Msgr. Le Roy schlägt diesbezüglich besonders drei Punkte vor.

Erstens darf kein Mädchen vor den Jahren der Reife und ohne ihre Einwilligung verheiratet werden.
Zweitens darf, nachdem die übliche Mitgift einmal bezahlt ist, das Mädchen bzw. die Frau unter keinem Vorwand mehr zurückgenommen werden.
Drittens muss in den Kolonien ein genaues Trauregister geführt werden, um es den Behörden zu ermöglichen, das Gesetz wirksam aufrecht zu erhalten und die Übertreter zur Rechenschaft ziehen.


Die Einführung solcher und ähnlicher Gesetze würden nach Msgr. Le Roys Überzeugung bei den Schwarzen selbst nicht auf wesentliche Schwierigkeiten stoßen, da deren heilsamer Einfluss sich bald fühlbar machte. 
Freilich mit Zirkularen und Dekreten der Kolonialämter ist es nicht getan. Ihre Ausführung muss entschieden urgiert und überwacht werden. 
Sie würden dann eine wichtige Stütze auch für die Mission sein und die schönen Worte von der „zivilisatorischen Aufgabe“ Europas in Afrika der Wahrheit näher bringen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Dienstag, 19. November 2013

Schwarze Priester im Senegal und eine Messe, die den Bischof zu Tränen rührt


P. Dschuga C.SS.P.

(…)Im Jahre 1864 hatte Msgr. Kobes die Freude, den ersten schwarzen Priester zu weihen, es war dieses P. Dschuga, ein Neger aus Gorée. Dieses Beispiel, welches das erhabene Ziel als erreichbar darstellte, mehrte die Zahl der Aspiranten; Msgr. Kobes konnte noch mehreren Negern die Hände auflegen, und es war ein rührendes Schauspiel, als z.B. im Jahre 1871 ein neugeweihter Neger seine erste heilige Messe in St. Joseph feierte, bei der nur schwarze Leviten und Kleriker dienten.

Von nah und fern waren die eingeborenen Christen, Heiden und Muhammedaner herzugeeilt, und selbst dem alten Missionsbischof traten Tränen der Rührung und Freude in die Augen. Er glaubte sich reichlich für alle ausgestandene Mühe und Sorge belohnt. Damals zählte das Seminar 5 schwarze Priester, 3 Minoristen, 8 Tonsurierte usw., im ganzen 27 Theologen, und diese Zahl hat sich nicht verringert (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Samstag, 16. November 2013

Will die katholische Kirche die Menschen dumm halten? (Teil 2) – die Missionare und die Naturwissenschaften

Matthäus Ricci S.J.

Im letzten Eintrag haben wir gesehen, wie die Missionare sich besonders um die Sprachen verdient gemacht haben, heute wollen wir einen Blick auf die Naturwissenschaften werfen. Die Zahl der Ordensleute, die sich in den Missionen den Naturwissenschaften gewidmet haben, ist im Vergleich zu der Zahl der europäischen Forscher mit Ordenszugehörigkeit eher klein, aber trotzdem nicht einfach zu übergehen.

Dies liegt sicherlich an den äußeren Umständen in der Mission, die es meist nicht erlauben, größere wissenschaftliche Forschungen anzustellen, die sich nicht auf das Gebiet der Sprachen erstrecken.

Vor allem die Jesuiten haben sich sehr um Mathematik und Astronomie verdient gemacht, weshalb nur ein kleiner Abriss über ihre vielfältige wissenschaftliche Tätigkeit gegeben wird.

Dominikaner:

Die Dominikaner versehen auch heute noch die „Ustê“, die University of Saint Thomas in Manila, die 1645 von Papst Innozenz X. bestätigt wurde. 1905 hatte sie sechs Fakultäten (Theologie, Philosophie und Literatur, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaft, Medizin, Pharmazeutik). Die UST zählt unter ihren ehemaligen Schülern und Professoren zahlreiche heilig- und seliggesprochene Dominikaner, die in Asien als Märtyrer gestorben sind.

Jesuiten:

Matthäus Ricci S.J., Missionär in China (+1610): Verfasser mathematischer und philosophischer Schriften in chinesischer Sprache. (siehe Bild)

Johann Adam Schall S.J., Missionär in China (+1666): Ab 1645 Präsident des mathematischen Tribunals am kaiserlichen Hof in China, schrieb zusammen mit P. Jakob Rho Schriften astronomischen und mathematischen Inhalts auf Chinesisch.

Weitere Mathematiker und Astronomen am chinesischen Hof waren Christian Wolfgang Herdtrich S.J., kaiserlicher Mathematiker in Peking, P. Slaviczeck S.J. (+1735), Astronom, sowie eine Reihe von Jesuiten, die bis zum Tod von Joseph d’Espincha S.J. (+1788) Präsidenten des mathematischen Tribunals waren.

Die Jesuiten versorgten die staatlichen Sternwarten in Peking (1668).
Bereits im 16 Jhd. wendeten sich die Jesuiten gegen den astrologischen Aberglauben.

P. Verbiest S.J. erstellte eine Weltkarte mit chinesischen Inschriften (1674).

Samuel Fritz S.J. erstellte eine Karte des Amazonas (1690).

Wichtige geographische Entdeckungen in Nordamerika machten die Patres Marquette und Kino (17. Jhd.).

Die Patres Cordero S.J. , Gaubil S.J. und D’Incarville S.J. erstellten im 18. Jhd. Herbarien der chinesischen Pflanzen.


Franziskaner:

P. Joseph Giraldi O.F.M., Missionar in Nord-Schensi: Sendung von neuen Pflanzenarten nach Europa (1890).

Johannes Piano di Carpine O.F.M. (+1252) und sel. Oderich von Ponderone O.F.M. (+1331): Beschreibung Innerasiens.

Elektus Zwinger O.F.M., Guardian in Betlehem: Veröffentlichte die botanische Schrift „Blumenbuch des hl. Landes“ (1661).

Lazaristen:

Armand David C.M. (+1900), Missionar in China: Verfasste zusammen mit E. Oustalet das Werk Oiseaux de la Chine sowie einen Atlas mit 180 kolorierten Karten, erfasste 800 chinesische Vogelarten, verfasste das Buch Plantae Davidianae über die Pflanzenwelt Nordchinas und errichtete in Peking, Savon und im Mutterhaus in Paris naturwissenschaftliche Museen.

P. Raux C.M. (+1801) folgte einer langen Liste von Jesuiten (siehe oben) als Präsident des mathematischen Tribunals in Peking.

Väter vom heiligen Geist:

Theophil Klaine C.SS.P., Missionar im Kongo: Pflanzenforschung; entdeckte die ertragreiche Kautschuk-Liane Landolphia Klainii, die nach ihm benannt ist.

Weiße Väter:

Msgr. August Hacquard M.Afr., Apostolischer Vikar der Sahara und des französischen Sudans (+ 1901): Erforschung des Nigers.

P. Brard M.Afr.: Abhandlung über den Viktoria-Nyansa.

Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyl):

Damian Kreichgauer: Behandelte die Äquatorfrage in der Geologie (1902).

Pariser Missionsseminar:

P. André Soulié (gemartert 1905): Sammelte in Tibet über 7.000 einheimische Pflanzenarten. Fing als erster Europäer ein Exemplar der Schwarzen Stumpfnase (Rhinopithecus bieti, benannt nach Bischof Felix Biet).


(Quelle: Orden und Kongregationen der katholischen Kirche, Dr. Max Heimbucher, Verlag Ferdinand Schöningh, 1907)

Sonntag, 1. September 2013

Weihe des ersten gabunischen Priesters


André Raponda Walker (1871–1968)

Ein schönes Fest wurde vor einiger Zeit in der Mission der Väter vom Heiligen Geist in Libreville (Apostol. Vikariat Gabun) gefeiert, nämlich die Weihe und Primiz des ersten einheimischen Priesters, des hochw. Herrn Andreas Walker (siehe mehr hier) aus dem Stamme der Mpongwes. Zahlreiche Festgenossen hatten sich eingefunden, zumal Mpongwes, welche stolz darauf waren, einen der Ihrigen zur Würde des Priestertums erhoben zu sehen.

Beim Heraustreten aus dem Gotteshause wurde der Neugeweihte mit lautem Freudengeschrei empfangen; von allen Seiten drängten sich die Schwarzen heran, um demselben Glück zu wünschen und seinen Segen zu erbitten. Die feierliche Primiz wurde acht Tage später großartig begangen, der Primiziant in großer Prozession abgeholt und von seinem kleinen Schwesterchen Bataganga mit einem schönen französischen Gedicht beglückwünscht.

Bei der Festpredigt des P. Breidel, der einen ergreifenden Rückblick auf die letzten 50 Jahre der Mission warf, blieb kaum ein Auge trocken. An 200 Schwarze traten dann zum Kommuniontische und empfingen aus den Händen des schwarzen Primizianten den Leib des Herrn.
Am Schluss rief der hochw. Bischof noch zwei ehrwürdige Negergreisinnen, Emilia Mbumba und Maria Wdar, die seit 50 Jahren den Schwestern bei Erziehung der kleinen Neger treulich zur Seite gestanden, vorn auf den Chor und steckte jeder einen goldenen Ring an den Finger zur Anerkennung ihrer Verdienste und ihres schönen Beispiels. Es war ein Tag des Jubels und des Stolzes für alle Schwarzen der Gegend.

(Aus: die katholischen Missionen, 1900)


Freitag, 10. Mai 2013

Einheimische Priester und Schwestern im Senegal



Die Mission von Senegal hat in den letzten Tagen des Septembers und Anfang Oktober Festlichkeiten gesehen, wie wir dieselben sonst nur in Europa gewöhnt sind. 
Am 28. September legten fünf einheimische Novizinnen der Töchter vom heiligen Herzen Mariä in St. Joseph von Ngazobil ihre Professgelübde ab. 

„Es war ein rührender Anblick, mit welchem Eifer und mit welch freudestrahlendem Antlitz diese schwarzen Jungfrauen zum Altare traten, um sich ihrem göttlichen Bräutigam ganz zu weihen.“ 

Während die vier Schwestern freudig das Opfer ihres Herzens darbrachten, lag eine fünfte auf ihrem Schmerzenslager. Am folgenden Morgen wurde aber auch ihr das Glück zu teil, die Abzeichen ihres himmlischen Bräutigams zu empfangen, der sie schon nach zwei Tagen zu dem ewigen Hochzeitsmahl berief. Am nämlichen Tag fand auch das Generalkapitel der einheimischen Schwestern statt, bei welchem Anlass die Neuwahl der Generaloberin vorgenommen wurde. 
Die Kongregation der Töchter vom heiligen Herzen Mariä wurde im Jahre 1858 durch Msgr. Kobes gegründet und setzt sich ausschließlich aus einheimischen Nonnen zusammen. Gegenwärtig zählt dieselbe 30 Mitglieder, die in sechs Kommunitäten verteilt den Missionären umso wertvollere Dienste leisten, als sie die Landessprache vollständig beherrschen und auch eine genaue Kenntnis der Landessitten besitzen.

Die schönste Feier sollte jedoch die Mission am Rosenkranzfest erleben. An diesem Tag, dem 6. Oktober, wurde einem einheimischen Alumnen des Priesterseminars die Subdiakonatsweihe zu teil. 
Der junge Kleriker schildert selbst die Gefühle des Dankes gegen die göttlichen Barmherzigkeit, welche sein Herz durchwogten, als er zu Füßen des hochwürdigsten Herrn Bischofs, Msgr. Kunemanns, um die heiligen Weihen bat. 

Es wird dies der zehnte einheimische Priester sein, der aus dem Seminar hervorgeht. Mehrere derselben stehen bereits im Greisenalter. Noch harren neun andere Seminaristen der heiligen Weihen, von denen fünf in nicht gar zu ferner Zeit des gleichen Glückes sich erfreuen dürften, das ihrem hochw. Konfrater zu teil geworden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1902)


Auf der Seite der Spiritaner (etwa in der Mitte) ist ein Gemälde der Weihe (anscheinend Diakonat) der ersten Senegalesen. Der hellhäutige Kleriker ist David Boilat, Sohn einer Halbsenegalesin und eines Franzosen, der den ethnographischen Band "Esquisses Senegalaises" verfasst hat. Wahrscheinlich war er einer der genannten einheimischen Priester, die bereits das Greisenalter erreicht hatten. Er starb 1901.