Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Posts mit dem Label Algerien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Algerien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. April 2026

Für Afrika geboren – Msgr. Léon Livinhac M.Afr., Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza

 


Neben dem Gründer Kardinal Lavigerie ist kein Name so eng mit der frühen Entwicklung der Missionare von Afrika („Weiße Väter“) verbunden wie der von Léon Livinhac. Der Gründer der Kirche Ugandas und direkte Nachfolger des imposanten Erzbischofs von Algier führte die Weißen Väter durch turbulente Zeiten und förderte gleichzeitig die afrikanischen Missionen als Ganzes, besonders auch die Ausbildung eines einheimischen Klerus, die Lavigerie so am Herzen gelegen hatte.

Der kränkliche Waisenjunge

Léon Livinhac wurde am 13. Juli 1846 als Sohn frommer Bauersleute in der kleinen Gemeinde Buzeins in Okzitanien geboren. Wegen des frühen Todes der Eltern wurde der Junge von seiner Großmutter und seinen Tanten sowie von seinem Großonkel, dem Pfarrer von Bonneterre, aufgezogen. Er war ein frommes und fleißiges Kind, jedoch schüchtern und kränklich. Seine Schulzeit am Diözesankolleg von Saint Geniez wurde sogar durch eine Beinlähmung unterbrochen. Es gab zunächst kaum Anzeichen, dass dieser Waisenjunge eines Tages einer der bedeutendsten Afrikamissionare des 19. Jahrhunderts werden sollte. Als seine Gesundheit schließlich genug gekräftigt war, konnte er 1867 ins Seminar von Rodez aufgenommen werden, das damals von den Sulpizianern geleitet wurde. Im selben Jahr trat Félix Charmetant in Algier ins Diözesanseminar ein und stellte sich wenig später zusammen mit Francisque Deguerry bei Erzbischof Charles Lavigerie vor, angetrieben von dem Wunsch, sich ganz der Mission unter den Moslems und Heiden Afrikas zu widmen. Es war die Geburtsstunde der Weißen Väter.

Der liebenswürdige Pater Charmetant wurde in den folgenden Jahren von Lavigerie nach Europa geschickt, um dort um Missionspersonal zu werben. So traf er im Seminar von Rodez auf den Seminaristen Livinhac, der sich interessiert zeigte. Allerdings dauerte es bis zu seiner Diakonatsweihe im Jahr 1872, als Léon Livinhac auf die Ermutigung seines Freundes P. Charbonnier ebenfalls zu den Missionaren von Afrika stieß.

Für Afrika geboren

Nur ein Jahr nach seinem Noviziatsbeginn und der Priesterweihe durch Erzbischof Lavigerie wurde Livinhac zum Professor der Dogmatik und zum Mitglied des Generalrats seiner Gemeinschaft ernannt. Zwischenzeitlich leitete er auch die Prokur in Paris. Die Arbeit sagte ihm nicht zu. Kurze Zeit später nach Algerien zurückgekehrt, sagte er: „Ich bin für Afrika geboren und nur für Afrika“. Seine ersten missionarischen Erfahrungen sammelte er in Ouadhias in Kabylien, wo er Seelsorgsarbeit unter der Berberbevölkerung betrieb. Weitere wichtige Posten in der Ausbildung von Ordensmitgliedern folgten, bis P. Livinhac 1878 von Lavigerie an die Spitze der ersten Missionskarawane zu den Afrikanischen Großen Seen gesetzt wurde.

Die Mission in Uganda entwickelte sich rasch äußerst günstig, wenngleich sie durch das komplexe Gefüge aus der Feindseligkeit des Herrschers Mutesa – der die Missionare ins Land geholt hatte – und der Einflussnahme arabischer Händler und europäischer Kolonialmächte am Hof stets in ihrem Bestehen bedroht war. Zugleich mit seiner angestrengten missionarischen Arbeit betätigte sich P. Livinhac als Linguist und schrieb die erste Grammatik der Luganda-Sprache, die 1885 erschien. Im Jahr 1883 erfolgte die Ernennung Livinhacs zum Apostolischen Vikar von Victoria-Nyanza. Zum bischöflichen Motto hatte er sich den Spruch Totus tuus ego sum („Ich bin ganz dein“) erwählt, ein Ausdruck seiner tiefen Marienverehrung. Da die Bischofsweihe im Maison Carrée in Algier durch Kardinal Lavigerie gespendet wurde, dauerte es bis Juni 1886, als Msgr. Livinhac in seine Mission zurückkehren konnte.

Bischof der Märtyrerkirche



Die Lage in Uganda hatte sich weiter zugespitzt. Als König Mwanga, Mutesas Sohn und Nachfolger, seine katholischen Diener und Beamten verfolgte, stärkte sie Msgr. Livinhac mit dem Sakrament der Firmung. Bis zu fünfmal pro Nacht suchten die Christen ihren Bischof im Schutz der Dunkelheit auf, um sich auf den grausamen Martertod vorzubereiten. Wiederholte Versuche von Seiten der Mission, den König von seinem Tun abzubringen, waren gescheitert. Aufgrund der gespannten Lage, die auch nach dem Ende der Verfolgung durch Mwanga eine Gefahr für die Missionare darstellte, verbrachte Msgr. Livinhac die meiste Zeit seit seiner Ernennung in Bukumbi in Tansania. Kardinal Lavigerie hatte seinen Missionaren streng befohlen, ihr Leben zu schonen, und Livinhac war immer bestrebt, die Weisungen seines geistlichen Vaters aufs Genaueste zu befolgen. Ein geschichtsträchtiges Ereignis brachte das Jahr 1887, als Livinhac Pater Jean-Baptiste Charbonnier in Kipalapala zum Bischof weihte. Dieser war zum Apostolischen Vikar von Tanganyika ernannt worden. Es war die erste Bischofsweihe in Äquatorialafrika.

Als Nachfolger Lavigeries

Bald kam die direkte Missionstätigkeit Msgr. Livinhacs zu einem jähen Ende: Das Generalkapitel in Karthago wählte ihn im September 1889 in seiner Abwesenheit zum Generaloberer der Weißen Väter. Am darauffolgenden Pfingstfest weihte er seinen Nachfolger Jean-Joseph Hirth zum Bischof, bevor er das Land der Großen Seen für immer verließ.

Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1892 blieb Kardinal Lavigerie das alleinige Haupt seiner Missionsgesellschaft. Alle Werke waren engstens mit seiner imposanten Person verbunden. Kritiker bescheinigten den Weißen Vätern eine kurze Lebensdauer nach dem Tod ihres Gründers. Doch durch Msgr. Livinhac, den der Kardinal sich wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrtheit als Nachfolger wünschte, nahm die Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren eine noch klarere Form an.

Die Aufgaben und Schwierigkeiten für den neuen Oberen entsprachen in ihrer Zahl und Komplexität den bewegten Zeiten. Gerade in den 1890er Jahren galt es, die Mission gegenüber den verschiedenen Kolonialmächten Innerafrikas zu vertreten. Zu den interkonfessionellen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken in Uganda kam hinzu, dass die Briten die französische Missionsgesellschaft als verlängerten Arm der französischen Regierung wahrnahmen. Msgr. Livinhac musste diesen Irrtum klarstellen. Er ging im Jahr 1895 sogar so weit, dass er das Apostolische Vikariat des Obernils der britischen Missionsgesellschaft von Mill Hill übergab, um die Wogen zu glätten. Es ging ihm nicht um die Erhaltung des Apostolats der Weißen Väter, er wollte vielmehr das Bestehen der katholischen Missionen gegenüber der weltlichen Macht und der starken protestantischen Präsenz sichern.
In Frankreich bedrohten die antiklerikalen Gesetze der 1900er Jahre das Wirken der Weißen Väter. Besonders in Algerien, wo den Missionaren bereits die direkte Missionsarbeit unter der muslimischen Bevölkerung verboten war, wurde die Gesellschaft bis 1914 fast vollständig aus dem Unterricht verdrängt.
Großes Leid brachte der Erste Weltkrieg. Sechzig Mitglieder der Missionsgesellschaft starben im Krieg, eine ähnlich hohe Zahl an Berufungen ging verloren. Msgr. Livinhac unterließ es nicht, seine geistlichen Söhne auf den Schlachtfeldern mit seinen Rundschreiben zu stärken und sie zu einem musterhaften sittlichen Betragen und zur Selbstheiligung zu ermahnen.

Wirken für die Gesellschaft und die afrikanischen Missionen

Die Rundschreiben waren sein Hauptmittel, den guten Geist und die Treue zur Missionsgesellschaft unter seinen weitverstreuten Missionaren zu fördern und wichtige missionarische Anweisungen zu geben. So warnte er im Rundschreiben von Lichtmess 1918 davor, auf möglichst schnelle Taufen abzuzielen. Es sei besser, eine geringere Zahl von vorbildlichen Christen zu haben, als mittelmäßige und schlechte, die andere Leute abstoßen würden. Speziell lag ihm auch die Bildung eines einheimischen Klerus am Herzen. Er folgte der Ansicht Kardinal Lavigeries, dass Afrika durch Afrikaner bekehrt werden würde. Die afrikanischen Seminaristen sollten gründlich ausgebildet und geprüft werden und nur bei zweifelloser Bewährtheit zur Weihe zugelassen werden. Als kluger Kenner innerafrikanischer Verhältnisse zeigte sich Msgr. Livinhac unter anderem, als er auf dem Generalkapitel 1906 davor warnte, in Gegenden, wo der Fetischglaube noch stark war, viele Andachten einzuführen und viele verschiedene Medaillen zu verteilen. Es könne sonst bei den Neuchristen der Eindruck entstehen, dass es sich hier um Talismane im heidnischen Sinne handelte.

Der Generalobere stand in hohem Ansehen bei seinen Missionaren, ja im Ruf der Heiligkeit. Das erklärt seine dreimalige Wiederwahl, die 1906 zur Ernennung als Generaloberen auf Lebenszeit führte. Pius X. bestätigte die Ordenskonstitutionen im Jahr 1908 endgültig. Während der 30-jährigen Amtszeit Livinhacs wuchsen die Weißen Väter nicht nur in den Missionen, sondern auch in Europa und Kanada beträchtlich. Verschiedene Provinzen, darunter auch in Deutschland, wurden errichtet. Eine große Freude brachte das Jahr 1920, als Ugandas Märtyrer von Papst Benedikt XV. seliggesprochen wurden.

Am 11. November 1922 starb Msgr. Léon Livinhac im Maison Carrée in Algerien nach fast 50 Jahren im Dienst der afrikanischen Missionen. Seit 1975 ruhen seine Gebeine in Uganda in der Memorial Chapel von Nabulagala, von wo aus er mit seinen Gefährten 1879 begann, das Land zu missionieren. An diesem Ort hatte der junge Pater Léon Livinhac das erste heilige Messopfer auf dem Boden Ugandas gefeiert.

Samstag, 8. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von Afrika (Algerien)


Mit der französischen Eroberung des Küstengebiets von Algerien um die Mitte des 19. Jahrhunderts fand auch die katholische Kirche wieder Eingang in diese kirchengeschichtlich so bedeutsame Region, die unter anderem die Heimat des heiligen Augustinus von Hippo ist. Zunächst hatte sich die Kirche auf die Seelsorge der französischen Kolonisten konzentriert, entfaltete aber nach einiger Zeit eine Missionstätigkeit, die besonders unter dem Berberstamm der Kabylen einige Erfolge erzielte.

Bald nach Beginn der französischen Herrschaft zog es zahlreiche Europäer, vor allem aus Frankreich und dem Mittelmeerraum, nach Algerien. Zu ihnen gehörten auch die beiden eifrigen Lyoner Katholikinnen Margarita Bergesio, eine italienische Einwanderin, besser bekannt als Agarithe Berger, und Anne Cinquin, die dem Bischof von Algier, dem ebenfalls aus Lyon stammenden Louis-Antoine-Augustin Pavy, ihre Dienste als Haushälterinnen anboten.[1] Sie kümmerten sich um die Wäsche für die Krankenstation des Seminars von Algier. In einem Baum am bewaldeten Hang in der Nähe der bischöflichen Residenz stellten die beiden eine Marienstatue auf, um dort ihren Andachtsübungen nachzugehen. Bald kamen Christen aus der umliegenden Gegend als Pilger an den Ort, der wegen des Abhangs bald Notre Dame du Ravin genannt wurde. Die beiden frommen Damen baten in der Folge Msgr. Pavy, dort eine Kapelle zu bauen, doch dieser zögerte zunächst, bevor er sich am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis, dafür entschied, ein Bauprojekt unter dem Namen Notre Dame d’Afrique zu beginnen.[2]

Kapelle Notre Dame du Ravin (Quelle: http://alger-roi.fr/Alger/notre_dame_afrique/pages_liees/13_d_chapelle_notre_dame_ravin_53.htm)

Im Jahr 1857 entstand zunächst eine provisorische kleine Kapelle, die heute noch besteht und den Namen Saint Joseph trägt. Die Statue, die der Bischof auswählte, war eine Bronzekopie der Virgo fidelis von Bouchardon. Diese hatte der erste Bischof von Algier, Msgr. Dupuch, im Jahr 1840 für seine Kathedrale von Gläubigen in Lyon als Geschenk erhalten; da die Kathedrale noch nicht fertig war, fand die Statue den Weg ins Trappistenkloster in Staouëli in der Nähe der Hauptstadt und wurde von Msgr. Pavy schließlich zurückgeholt. Am 2. Februar 1858 wurde der Grundstein der heutigen Basilika auf einer Anhöhe im Viertel Saint-Eugène[3] gelegt. Architekt war Jean-Eugène Fromageau, der auch für andere Kirchenbauten in der Diözese Algier verantwortlich zeichnete. 

Msgr. Pavy, Bischof von Algier und Bauherr der Wallfahrtskirche

Zur Förderung des Bauprojekts scheute sich der Bischof nicht, selbst den Wanderstab in die Hand zu nehmen und in Frankreich für das neue Marienheiligtum in Nordafrika zu werben und Spenden zu sammeln. Zu einem Missionar sagte Bischof Pavy im Jahr 1858: „Was man der Mutter darbringt, wird der Sohn hundertfach vergelten.“[4] Er veröffentlichte auch ein umfangreiches Rundschreiben an die gesamte katholische Welt zur Unterstützung dieses Werkes, in dem er die wechselreiche Geschichte des Christentums in Nordafrika und die Verehrung Marias in diesen Gegenden beleuchtete. Besonders rief er zum beharrlichen Gebet für die Bekehrung der Muslime auf. Er versprach eine Zukunft, in der die Anhänger des Islams Maria nicht nur als Mutter eines großen Propheten anerkennen würden, sondern diese ihnen die Augen über die Gottheit ihres Sohnes öffnen würde. Dies sei die einzige Rache, die sich der Bischof für die jahrhundertelange Versklavung und Verfolgung wünsche, die durch den Hass gegen das Christentum von der nordafrikanischen Küste ausgegangen seien. Msgr. Pavy starb im Jahr 1866, sodass sein Nachfolger, Msgr. Charles Martial Lavigerie, der spätere Erzbischof, Kardinal und Gründer der Missionäre von Afrika (besser bekannt als „Weiße Väter“) das Werk fertigstellen musste.[5] Die Basilika wurde schließlich am Fest Mariä Lichtmess 1872 von Msgr. Lavigerie eingeweiht; am 4. Mai 1873 erfolgte im Rahmen des ersten Provinzialkonzils, das in über einem Jahrtausend in Nordafrika abgehalten wurde, die Übertragung der Statue aus der provisorischen Kapelle in die Basilika. Teilnehmer an den Feierlichkeiten waren alle Bischöfe Algeriens sowie die Äbte der Trappistenklöster Aiguebelle und Staouëli und zahlreiche Vertreter des Welt- und Ordensklerus von Algier.

(Quelle: Rabanus Flavus)

Die Kirche ist äußerlich im neobyzantinischen Stil gehalten und erinnert mit ihrer Kuppel- und Turmform an die Kirche Sacré-Cœur de Montmartre in Paris. Auch das Innere ist orientalisch geprägt, wobei sich blaue Ornamente von der weißen Grundfarbe abheben. Die dunkle Mutter-Gottes-Statue in ihrem blauen Mantel befand sich früher unter einem eigenen Baldachin auf dem Hochaltar direkt über dem Tabernakel. Heute steht nur noch eine Art Podest, auf dem sich die Statue befindet und in dem auch der Tabernakel untergebracht ist. Der Baldachin wurde entfernt. In der Apsis hinter der Statue befindet sich die Inschrift „Notre-Dame-d’Afrique, priez pour nous et pour les musulmans“ (unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems). Im Jahr 1876 erfolgte die kanonische Krönung der Marienstatue Unserer Lieben Frau von Afrika und die Erhebung der Kirche zur Basilica minor. Damit wollte Papst Pius IX. nicht nur die neue Wallfahrtskirche ehren, sondern auch der glorreichen Geschichte der nordafrikanischen Kirche mit ihren zahlreichen Heiligen, Kirchenvätern und Märtyrern seinen Tribut zollen. Heute zeugen die zahlreichen ex-Voto-Tafeln, die die Wände der Kirche übersäen, von der großen Verehrung, die neben der Bevölkerung Algiers besonders die Missionäre des afrikanischen Kontinents Unserer Lieben Frau von Afrika entgegenbrachten. Neben den steinernen Dankesgaben der Weißen Väter und Weißen Schwestern finden sich auch acht Tafeln, die der heilige Charles de Foucauld im Zeitraum von 1901 bis 1910 mit der Inschrift „Iesus Caritas“ und einem Herz-Jesu-Symbol dort hinterließ.

Ex Votos des heiligen Charles de Foucauld (Quelle: https://notre-dame-afrique.org/nos-jours/)

Mit der weltlichen Herrschaft Frankreichs hielten bedauerlicherweise auch die Irrtümer der französischen Revolution Einzug in Algerien; Priestern und Bischöfen wurde es unter Androhung von Strafen verboten, sich der Bekehrung der Moslems und Juden in der neuen Kolonie zu widmen. Der Jesuitenpater Ducat, der in Ben Aknoun bei Algier ein Waisenhaus betrieb, empfand den Umstand, dass so wenig zur Bekehrung der muslimischen Bevölkerung getan wurde, als sehr schmerzhaft. Es wurde zwar hier und da für die Bekehrung der Anhänger Mohammeds gebetet, dies geschah nach seinem Urteil aber längst nicht überall und nicht beharrlich genug. Er gründete eine Gebetsgemeinschaft, deren Zweck es war, „durch das Gebet den reichsten Segen vom Himmel auf die Eingeborenen herabzuziehen“ und berichtete bei einem Rombesuch dem Heiligen Vater Pius IX. von seinem Vorhaben. Der Papst war ebenfalls der Meinung, dass gegen den Islam ein „Kreuzzug des Gebets“ nötig sein würde. Auch Msgr. Pavy stimmte den Zielen der Gebetsgemeinschaft zu und errichtete sie im Jahr 1858 als Erzkonfraternität, die auch Mitglieder aus anderen Diözesen aufnahm. Zentrum der Konfraternität war nach den Konstitutionen zunächst die provisorische Kapelle. Alle Mitglieder sollten täglich ein Pater noster, ein Ave und ein Gloria patri mit der Anrufung „Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns für die armen Ungläubigen!“ beten. Jeden Samstag wurde das Messopfer auf dem Altar Unserer Lieben Frau von Afrika für die Intention der Erzkonfraternität gefeiert; das Hauptfest war der 22. August, das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens. Für die Mitglieder in den einzelnen Diözesen sollte jeweils ein Priester die Korrespondenz mit der Leitung der Erzkonfraternität übernehmen und die Mitgliedernamen an diese übermitteln. Die Konfraternität hatte bald mehrere zehntausend Mitglieder in ganz Frankreich. Später kamen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz und selbst aus den Missionen in Thailand hinzu. Besondere Förderung erhielt die Konfraternität auch durch die Weißen Väter, die 1868 von Msgr. Lavigerie in Algier gegründet worden waren und sich unter den besonderen Schutz Unserer Lieben Frau von Afrika gestellt hatten.

 Im frühen 20. Jahrhundert geriet die Konfraternität zusehends in Verfall, da die Priester Frankreichs durch die kirchenfeindlichen Gesetze von 1905 in ihrer Tätigkeit behindert wurden. Zudem überließen die Weißen Väter die Seelsorge in Algier dem Weltklerus und konzentrierten sich vor allem auf ihre Missionen an den Afrikanischen Großen Seen. Am 6. Januar 1923 errichtete Msgr. Augustin-Fernand Leynaud, Erzbischof von Algier, die Gebetsgemeinschaft neu und machte in dem dazugehörigen Hirtenbrief darauf aufmerksam, wie stark der Zug der muslimischen Bevölkerung zu Unserer Lieben Frau von Afrika war. Viele Moslems kamen und kommen noch heute in die Basilika, um zu Meriem zu beten. Er wies noch einmal darauf hin, dass die Bekehrung der muslimischen Welt mit eifrigerem und beharrlichem Gebet beschleunigt werden kann. Die Konstitutionen wurden geringfügig verändert: die Anrufung lautete nun „Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems und die anderen Ungläubigen in Afrika“, während das Hauptfest auf Epiphanie gelegt wurde.

Wie viele andere Wallfahrtsorte auch haben zahlreiche Gläubige bei Unserer Lieben Frau von Afrika die Erhörung ihrer Gebete und sogar wunderbare Heilungen erfahren. So trägt sie auch den Beinamen der „Trösterin der Betrübten“. Ebenso verehrten die Seefahrer Algiers sie in einer eigenen Bruderschaft.[6]

Eine besondere Pilgergruppe brachte im Jahr 1914 Unserer Lieben Frau ihre Verehrung dar. Eine Gesandtschaft der katholischen Häupter Ugandas unter Führung ihrer Missionare, der Weißen Väter, dankte Maria für die Gnaden, die ihr Volk besonders in den vorangegangenen Jahren erhalten hatte:

„Am 19. Februar 1914 sah die Kirche U.L. Frau von Afrika bei Algier eine seltene Feier: vier der vornehmsten Baganda weihten im Namen ihrer 200.000 katholischen Landesbrüder ihr Vaterland der Mutter Gottes.

Diese Wallfahrtskirche ist mit der Geschichte der Weißen Väter und der Ugandamission innig verknüpft: hier wurde der erste Priester der jungen Gesellschaft geweiht, von hier aus sandte Kardinal Lavigerie 1878 die erste Karawane seiner Missionäre ins Herz des schwarzen Erdteils, nach Uganda.

Der Sturm einer blutigen Christenverfolgung ist seitdem über die junge Saat dahingebraust und hat Uganda und der ganzen Kirche 22 Negermärtyrer geschenkt. Und das Blut dieser Märtyrer ist der Same neuer Christen geworden: aus den 4000 Katholiken Ugandas zu Beginn der Verfolgung (1886) sind über 220.000 geworden.

Die frohen Ereignisse der letzten Jahre, die Einleitung des Seligsprechungsprozesses der Bagandamärtyrer und die Weihe der ersten Bagandapriester haben den Katholiken die Größe ihrer Dankesschuld gegen Maria wieder klar vor Augen gestellt und sie gedrängt, aus den Edelsten ihres Volkes vier Gesandte zu wählen, die der Königin Afrikas in ihrem Heiligtum den Dank des ganzen Volkes abstatten sollten. 

Zugleich sollten sie das Mutterhaus der Weißen Väter, Maison Carée, aufsuchen, von dem so viel Segen über Uganda ausgegangen, ihren erkrankten Oberhirten, Bischof Streicher, dort begrüßen und dann als Vertreter des Volkes zum Grabe des Erlösers nach Jerusalem, zum Heiligen Vater in Rom und nach Lourdes wallfahren.

Die Erwählten waren Stanislaus Mugwanja, der bekannte Justizminister des Königreichs Uganda, Alexis Pokino, Statthalter der Provinz Buddu, und der Prinz Joseph Mosonge Wulugembe, Enkel des Königs Mtesa und Vetter des jetzigen Königs. Außerdem hatte Stanislaus aus der Schar seiner 17 Kinder seinen Sohn Benedikt an der Reise teilnehmen lassen.

Am Morgen des 19. Februar wurden die vier Baganda in feierlichem Zuge in die Basilika geleitet, wo sich die Weißen Väter und Schwestern aus dem Mutterhause und dem Noviziat, der Ordens- und Weltklerus und die Katholiken von Algier und Umgebung zur Feier versammelt hatten. Nach dem Pontifikalamt, das Bischof Streicher von Uganda unter Assistenz des Bischofs Livinhac, des Generaloberen der Weißen Väter, zelebrierte, las Stanislaus Mugwanja mit fester Stimme die feierliche Weihe vor: 

‚O heiligste Jungfrau Maria, unsere Mutter, schaue auf uns Kinder Ugandas, die wir hier vor dir knien. 

Wir sind gekommen, um dir in unserem Namen und in dem aller katholischen Baganda Dank zu sagen für die wunderbare Ausbreitung, welche unsere heilige Religion in unserem Land genommen hat. 

Wir danken dir auch für die große Anzahl seeleneifriger Priester, die du zu uns gesandt hast, damit sie uns in den Wahrheiten des Glaubens unterrichten. Wir weihen dir unser Land und unterstellen es deiner Obhut. 

Nimm unsere Weihe huldvoll an und erwirke allen jenen, die unseren heiligen Glauben bereits angenommen haben, die Gnade, ihm treu zu bleiben, jenen unserer Landsleute aber, die dich noch nicht kennen, sowie die Völker rings umher, das unschätzbare Glück, katholisch zu werden und so dahin gelangen, in Wahrheit Jesus, unseren Herrn und Seligmacher, kennen und lieben zu lernen. 

Stanislaus Mugwanja, Alexis Pokino, Josefu Wulugembe.‘

‚Wiewohl wir die Worte nicht verstanden‘, schreibt ein Augenzeuge, ‚hörten wir doch aus seinem Vortrag die tiefe Ergriffenheit heraus.‘

Die schönste Freude bot dieser Tag dem greisen Generalobern der Weißen Väter[7], der als einer der ersten die frohe Botschaft in Uganda verkündet und als Oberhirte der Kirche Ugandas die blutige Verfolgung in ihrer ganzen Bitterkeit verkostet hatte.“

Wie bereits in den frühesten Tagen des Wallfahrtsortes, als sich Muslime den Prozessionen zu Notre-Dame du Ravin anschlossen, so ist die Basilika Unserer Lieben Frau von Afrika auch heute, über 60 Jahre nach Ende der französischen Herrschaft über Algerien und dem fast vollständigen Exodus der christlichen Bevölkerung, eine Stätte, an dem viele Anhänger des Islams sich den Segen von „Meriem“ erbitten. Möge Msgr. Pavys Wunsch in Erfüllung gehen und die Mutter Gottes ihnen die Erkenntnis von der Göttlichkeit ihres Sohnes Jesus Christus vermitteln.



[1] Msgr. Pavy lernte die beiden tugendhaften Frauen, die sich gemeinsam Werken der Nächstenliebe widmeten, als Vikar der Lyoner Pfarrei Saint-Bonaventure kennen.
[2] https://lesfrancais.press/algerie-la-basilique-de-notre-dame-dafrique-a-fete-ses-150-ans/
[3] Heute Bologhine genannt.
[4] Bilhard, A.: Pèlerinage de Notre-Dame d’Afrique à Alger. impr. de Lamarque et Rives, Toulouse 1858
[5] Msgr. Pavys Leichnam wurde auf seinen Wunsch nach der Fertigstellung der Basilika dorthin übertragen und vor dem Hochaltar bestattet.
[6] Lavigerie, Charles:  Notice sur le pèlerinage de Notre-Dame d'Afrique à Alger (2e éd. revue, corrigée et augmentée). Algier 1924
[7] Msgr. Léon Livinhac, erster Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza.

Samstag, 26. November 2022

Missionsgedanken zum Advent

 


Wohl nicht zufällig birgt der Advent, in dem wir auf die An- bzw. Wiederkunft des Welterlösers warten, auch bedeutende Feste, die unsere Blick auf die Weltmission richten, damit auch diejenigen, die noch „in Finsternis und Todesschatten sitzen“, das Kind von Bethlehem als den menschgewordenen Gott erkennen und verehren.

Am 1. Dezember feiern wir das Fest des heiligen Charles de Foucauld, dessen Freude es war, mit seinem Apostolat in der Sahara den eucharistischen Heiland dorthin zu bringen, wohin Er noch nie gekommen war.

Am 3. Dezember ist der Festtag des großen Patrons der Weltmission, des hl. Franz Xaver, dessen Name allein schon den Gedanken an seine apostolischen Großtaten und sein Sehnen nach der Bekehrung Asiens erweckt.

Am 12. Dezember erinnert die Kirche an die Erscheinung unserer Lieben Frau von Guadalupe, deren Erscheinung entscheidend für die Bekehrung der Völker Mexikos war, die zuvor im tiefsten Heidentum verstrickt gewesen waren und von denen die Azteken regelmäßig grausamste Menschenopfer darbrachten.

Mit dem 21. Dezember, dem Fest des hl. Apostels Thomas, geht dem Weihnachtsfest noch ein großes Apostelfest voraus. Die Christen der Malabarküste in Indien verehren ihn als den ersten Missionar ihrer Heimat.

Mögen diese Feste in der Vorbereitungszeit auf Weihnachten uns immer wieder daran erinnern, auch für die zu beten, die Jesus Christus, das Licht der Welt, noch nicht kennen und lieben.

Samstag, 30. Januar 2021

Der selige Charles de Foucauld über die missionarische Pflicht Frankreichs

 


„Es ist eine große Gnade Gottes für Frankreich, dass Er diesem Land 50 Millionen Ungläubige als Untertanen gegeben hat, kleine Kinder, die es zu erziehen, zu evangelisieren, zum Himmel zu führen gilt: Welche Gnaden wird Frankreich erhalten, wenn es die Aufgabe erfüllt, diese 50 Millionen Seelen zu retten, die zu einem so großen Preis erkauft wurden, für die Christus gestorben ist! Welche Strafe wird es erhalten, wenn es aus schuldbarer Nachlässigkeit, Indifferenz und Egoismus diese so schwere Pflicht nicht erfüllt, die ganz besonders von ihm gefordert wird.“

 (Quelle: Sedes Sapientiæ, Nr. 154)

Samstag, 21. Juli 2018

Was sich zwei kleine Algerier von Pius IX. wünschen




Zwei kleine Araber begleiten den hochwürdigsten Erzbischof von Algier [Kardinal Lavigerie] nach Rom, wo sie dem Heiligen Vater vorgestellt wurden. Die beiden Knaben, Abdel Kader ben Mohammed und Hamed ben Aicha, wurden vom Heiligen Vater freundlichst nach ihrem Namen gefragt.

„Kennt ihr auch die christliche Religion?“ forschte der Heilige Vater weiter. „Ja, o ja“, sagte Hamed ben Aicha mit freudiger Begeisterung. – „Nun, das ist schön, sicher kennt ihr auch schon den Katechismus, und da hörte ich gern von euch die zehn Gebote.“ Ohne Fehler wurden sie von den Knaben hergesagt, aber die Furcht lähmte ihre Stimme, sie trugen sie kaum hörbar vor. Papst Pius neigte sein Ohr fast bis zum Munde der Knaben und sagte lächelnd: „Seht, liebe Kinder, ich fange an, alt zu werden, und höre nicht mehr gut.“ Er stellte noch verschiedene Fragen, die zu seiner vollen Zufriedenheit beantwortet wurden.

„Heiliger Vater“, bat jetzt der Älteste mit flehentlicher Stimme, „wir verlangen nur eine Gnade, die heilige Taufe. Der Erzbischof will sie uns noch nicht geben.“ – „In der Tat, Heiliger Vater,“ sagte der Erzbischof, „ich halte es für gut, meine Kinder bis zu den Jahren der Unterscheidung zu prüfen. Aber diese zwei sind wohl vorbereitet, auch haben sie keine Eltern mehr, die sie zurückfordern könnten.“ – „wisst ihr auch“, prüfte der Heilige Vater die Kinder weiter, „was die heilige Taufe ist und welche Verpflichtungen sie auflegt?“ Die Kinder blieben keine Frage schuldig. „Aber“, fügte der Papst nachdenklich hinzu, „wenn ihr nach Afrika zurückkehrt, werden euch die Araber vielleicht verfolgen, weil ihr Christen seid.“ – „O Heiliger Vater,“ rief der Ältere, „wenn man uns auch den Kopf abschlägt, das macht nichts, dann gehen wir geradewegs in den Himmel.“ – Segnend legte Papst Pius seine Hände auf das Haupt der Kinder und sprach zum Erzbischof: „Lassen Sie die Kinder in Rom taufen, es ist eine schöne Erinnerung für sie.“ Mit schönen Bildern beschenkt, verließen die Kleinen den Heiligen Vater. Ein Kardinal spendete ihnen die heilige Taufe.

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht. Herausgegeben von P. Hermann Fischer SVD)


Samstag, 6. Dezember 2014

Die Weißen Schwestern während der Hungersnot in Algerien



(…) Die Weißen Schwestern tun ihr Möglichstes, um diese Opfer des Hungers [die Kinder] dem Tod zu entreißen: sie betten sie weich und suchen mit mütterlicher Sorgfalt ihnen die stärkende Nahrung beizubringen, freilich in ganz geringer Menge, um sie nicht zu töten. Aber diese Kinder haben so sehr gelitten, dass beim Anblick dieser lang entbehrten Nahrung ein Ekel sie erfasst, so dass der Magen nicht mehr im Stande ist, sie anzunehmen, wenigstens nicht, sie zu behalten. Fünfzehn dieser Kinder sind dem Übermaß der ausgestandenen Entbehrungen bereits erlegen. Unter ihnen befand sich auch der ältere der beiden Knaben, deren ich in meinem ersten Brief erwähnt, die zwei Tage lang auf der Landstraße neben der Leiche ihrer Mutter ausgeharrt hatten. Er bereitete sich auf seinen Tod vor wie auf ein Fest, und seine frommen Fragen und Äußerungen rührten den Missionär zu Tränen. Auch die übrigen haben dieses Jammertal nicht verlassen, ohne ihre Eintrittskarte für den Himmel mitzunehmen.

(…) Schon seit Jahren haben die Schwestern den Trost, alle Sterbenden [in ihrem Spital], auch die Erwachsenen, taufen zu dürfen. Es ist dies die Frucht ihrer aufopfernden Hingabe und Krankenpflege. Die Araber sind infolge der Entbehrungen, des Klimas, der angeborenen Unreinlichkeit und der durch ihre Religion [den Islam] sanktionierten Laster Krankheiten ausgesetzt, von denen man in Europa sich schwer einen Begriff macht. Die davon Befallenen werden von ihren Familien häufig verstoßen und verlassen; auch wenn dies nicht der Fall ist, finden sie nie auch nur annähernd entsprechende Pflege. Ist es  da zu verwundern, dass der Anblick dieser weißgewandeten Schwestern, die ihr Vaterland, ihre Familie verlassen, um, selbst den verderblichen Einflüssen des Klimas ausgesetzt, sich liebend ihrer Pflege zu widmen, auf diese egoistischen Naturen einen niemals empfunden Eindruck macht und das wärmste Dankgefühl erregt? Ein wenig Nachdenken bringt sie dann zu dem Schluss, dass eine Religion, die eine solche Barmherzigkeit lehre, besser sein müsse als die ihre. Viele verlangen aus eigenem Antrieb, in derselben zu sterben. Bei anderen können die Missionäre ohne Anstand auf religiöses Gebiet übergehen, sobald sie die Kranken vom Arzt aufgegeben wissen, ohne die Freiheit des Gewissens im Geringsten zu beeinträchtigen. Die liebevolle Pflege, die ihnen zuteil geworden, hat uns ihr Herz gewonnen. „Ihr fremden Marabus“, sagen sie, „ihr wisst alles; ihr wisst auch, welches die beste Religion ist. Ihr wollt uns nicht betrügen, denn die Lüge hat eure Lippen nie berührt. Ja, ich will leben und sterben wie ihr!“ – Ein junges Mädchen befand sich seit 14 Tagen im Spital. Ihr Gaumen, ihr Hals waren vom Krebs zerfressen. Man fragte sie, ob sie nicht als Christin sterben wolle. „Aber darum bin ich ja hierhergekommen“, sagte sie einfach; „wenn ich nicht sterben wollte wie ihr, wäre ich bei meinen Eltern geblieben.“ – Ihr Tod war außerordentlich erbaulich.


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Montag, 22. September 2014

Mord an drei Weißen Vätern durch die Tuareg – angefachter Eifer bei den Mitbrüdern


 (…) Im Monat Januar zeigte Msgr. Lavigerie in einem Hirtenbrief über die algerische Mission die Abreise an mit den Worten: „Drei unserer Missionäre sind in diesem Augenblick im Gebiet der Tuaregs, auf der Reise nach Timbuktu, mit dem Auftrag und mit dem festen Vorsatz, entweder sich in der Hauptstadt des Sudans festzusetzen, oder daselbst für die Wahrheit ihr Leben zu lassen.“

 Diesen Auftrag haben sie erfüllt, sie haben ihr Leben gelassen für die Wahrheit. Nachdem sie die Mission, in welcher sie bisher gewirkt, unter den Chambas in der Nord-Sahara verlassen und in Gegenwart des Obern der Kongregation, des hochw. Herrn Deguerry, unter dem Gesang des Te Deum ihre Reise angetreten hatten, war keine Kunde von ihnen mehr gekommen. 

Man beunruhigte sich über dieses Stillschweigen nicht, weil man wusste, dass sie auf ihrer Wüstenreise wohl kaum Gelegenheit finden würden, Briefe in die Heimat zu senden. Da begann um Mitte April unter den Nomadenstämmen im Norden der Sahara sich das Gerücht zu verbreiten, die drei Missionäre seien ermordet worden; diesem Gerücht legte man kein Gewicht bei, bis eine Depesche aus Laghouat (El Arhuât) an den Generalgouverneur keinen Zweifel mehr gestattete. Straußenjäger hatten ihre Leichen an der Südgrenze der Sahara, aber entfernt von der gewöhnlichen Karawanenstraße, gefunden. Obgleich nähere Nachrichten über ihren Tod noch fehlen, so ist doch wohl sicher, dass sie von den sog. schwarzen Tuaregs oder Isghers ermordet wurden. Die Missionäre waren enthauptet worden, während ihr Führer, ein muhammedanischer Araber aus der Sahara, wie es schien, im Kampf mit Wunden bedeckt gefallen war. Diese verschiedene Todesart scheint anzudeuten, dass die drei Priester für den Glauben den Tod erlitten. Die Araber pflegen nie einen Muhammedaner zu enthaupten, während sie diese Todesart für die Christen gewöhnlich anwenden. 

Der hochw. Herr Deguerry ist abgereist, um die Leichen der Ermordeten abzuholen und nähere Erkundigungen über ihren Tod einzuziehen; vor seiner Rückkehr, die erst nach 1–2 Monaten erfolgen wird, werden wir wohl keine sichere Kunde erhalten. Unterdessen aber ist uns wohl erlaubt, anzunehmen, dass wir die Ermordeten als Märtyrer verehren dürfen, wenn wir auf die Gesinnung blicken, in der sie ihre gefährliche Reise antraten.

„In der Ungewissheit,“ – so schrieb z. B. P. Menoret in seinem unmittelbar vor der Reise abgefassten Testament – „welches Ende diese Reise nehmen und ob sie nicht der letzte Akt meines Lebens sein wird, erkläre und schwöre ich vor Gott, die Hand auf den heiligen Evangelien: 1. dass ich diese Reise nur unternehme zur größeren Ehre Gottes, um zu versuchen, die noch in der Finsternis des Todes lebenden Völker des Sudan zu Jesus Christus zu führen; 2. dass ich lebe und sterbe als demütiger und gehorsamer Sohn der heiligen katholischen und apostolischen römischen Kirche, in der kindlichen Anhänglichkeit an den Stellvertreter Christi, Papst Pius IX.“

Die Nachricht von der Ermordung der drei Missionäre wurde daher auch von ihren Mitbrüdern vielmehr als Freuden- denn als Trauerbotschaft aufgenommen, und in den Kirchen sang man statt eines Traueramtes ein Te Deum.

„Die Kirche,“ – so schrieb Msgr. Lavigerie an die Eltern der Ermordeten in einem herrlichen Brief, den wir bedauern nicht ganz aufnehmen zu können – „die Kirche triumphiert nicht wie die irdischen Gewalten. Diese können nur töten, um zum Sieg zu gelangen. Die Kirche aber hat ein Geheimnis, das sie über allen Widerstand den Sieg davontragen lässt; dieses Geheimnis besteht darin, dass ihre Kinder zu sterben wissen. 
Sie hätten es in Bezug auf Ihre Söhne begriffen, wenn Sie, wie ich, den Eindruck gesehen hätten, den die erste Kunde von ihrem seligen Tod auf ihre Mitbrüder ausübte, wenn Sie, wie ich, diese vor Enthusiasmus und lebendigem Glauben zitternden Stimmen gehört hätten, die gemeinschaftlich den ambrosianischen Lobgesang anstimmten, den nämlichen Lobgesang, unter dessen Klängen Ihre Söhne Ihre Reise angetreten hatten. 
Und nach dem Te Deum schworen alle mit lauter Stimme, sich aufzuopfern für das Land, welches das Blut ihrer Mitbrüder getrunken, und alle verlangten, ihnen in den Kampf nachzufolgen. Würde ihnen das Tor an der einen Seite geschlossen, wollten sie an einer anderen einzudringen suchen und sich nicht aufhalten lassen, bis sie in die Mitte dieses Reiches des Todes vorgedrungen wären. 
Das war nicht mehr bloß das Wort des großen Lehrer von Karthago: ‚Das Blut der Martyrer ist der Samen der Christen;‘ das Blut Ihrer Söhne zeigte sich schon als unerschöpfliche Quelle des Eifers für die afrikanische Glaubenspredigt.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Montag, 13. Januar 2014

In den Fußstapfen von Charles de Foucauld


Vor mehreren Monaten weihte Bischof Dupont aus der Genossenschaft der Weißen Väter in Tunis den ehemaligen Admiral Malcor zum Diakon. Mit diesem Mann, der bereits in den sechziger Jahren steht, scheidet ein in ganz Frankreich bekannter Offizier aus dem öffentlichen Leben. 

Nach Empfang der Priesterweihe will er sich mit einem jungen Advokaten aus Nancy, der im Kriege schwere Verstümmlungen erlitt und in Bälde zur Priesterwürde gelangen wird, in die Sahara zurückziehen. Die beiden beabsichtigen das Einsiedlerleben des P. Karl von Jesus, in der Welt Charles de Foucauld, wieder aufzunehmen, um so religiös auf die Bewohner der Wüste einzuwirken.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Was ein kleiner Junge seinem muslimischen Vater über Mohammed zu sagen hat

Weiter nach Osten, in der Provinz Alger, treffen wir die Missionsstation von Tagmunt-Azuz unter dem Stamme der Beni-Aissi. Obschon die älteste der Niederlassungen (der Weißen Väter), zählt sie doch nur eine kleine Christengemeinde, da die mohammedanischen Marabuts (muslimische Wanderprediger) den Missionären beständig entgegenarbeiten. 

Schönere Früchte zeitigt das südlich gelegene Bu-Noh unter dem Stamme der Beni-Ismaïl. Eine Anzahl von Katechumenen liegt mit Eifer dem Katechismus ob und verlangt mit heißer Sehnsucht nach der heiligen Taufe. 

Unter einer Reihe von Beispielen christlichen Bekennermutes nur folgendes: Ein Marabut suchte seinen kleinen Sohn den Missionären abspenstig zu machen. „Höre, Vater“, entgegnete der junge Bekenner in entschiedenem Ton, „wenn du einen guten Hirten hast, so behältst du ich; einen schlechten jagst du weg, nicht wahr? Nun wohlan! Jesus ist gut, und ich behalte ihn; Mohammed ist böse, und ich will nichts mit ihm zu schaffen haben. Als Marabut und Lehrer des Korans musst du wissen, dass der Prophet als Belohnung im Jenseits nur Weiber verheißt. Was mich betrifft, so genügt mir Gott.“ Der Vater hatte keine Antwort für diese freie Sprache seines Sohnes.


(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Freitag, 8. November 2013

Die Weihe Ugandas an die Königin Afrikas

Inneres der Basilika Notre Dame d'Afrique, Algier (Photochrom-Bild aus den Jahren 1890-1905)

Am 19. Februar 1914 sah die Kirche U.L. Frau von Afrika bei Algier eine seltene Feier: vier der vornehmsten Baganda weihten im Namen ihrer 200.000 katholischen Landesbrüder ihr Vaterland der Mutter Gottes.

Diese Wallfahrtskirche ist mit der Geschichte der Weißen Väter und der Ugandamission innig verknüpft: hier wurde der erste Priester der jungen Gesellschaft geweiht, von hier aus sandte Kardinal Lavigerie 1878 die erste Karawane seiner Missionäre ins Herz des schwarzen Erdteils, nach Uganda.

Der Sturm einer blutigen Christenverfolgung ist seitdem über die junge Saat dahingebraust und hat Uganda und der ganzen Kirche 22 Negermärtyrer geschenkt. Und das Blut dieser Märtyrer ist der Same neuer Christen geworden: aus den 4000 Katholiken Ugandas zu Beginn der Verfolgung (1886) sind über 220.000 geworden.

Die frohen Ereignisse der letzten Jahre, die Einleitung des Seligsprechungsprozesses der Bagandamärtyrer und die Weihe der ersten Bagandapriester haben den Katholiken die Größe ihrer Dankesschuld gegen Maria wieder klar vor Augen gestellt und sie gedrängt, aus den Edelsten ihres Volkes vier Gesandte zu wählen, die der Königin Afrikas in ihrem Heiligtum den Dank des ganzen Volkes abstatten sollten. 

Zugleich sollten sie das Mutterhaus der Weißen Väter, Maison Carée, aufsuchen, von dem so viel Segen über Uganda ausgegangen, ihren erkrankten Oberhirten, Bischof Streicher, dort begrüßen und dann als Vertreter des Volkes zum Grabe des Erlösers nach Jerusalem, zum Heiligen Vater in Rom und nach Lourdes wallfahren.

Die Erwählten waren Stanislaus Mugwanja, der bekannte Justizminister des Königreichs Uganda, Alexis Pokino, Statthalter der Provinz Buddu, und der Prinz Joseph Mosonge Wulugembe, Enkel des Königs Mtesa und Vetter des jetzigen Königs. Außerdem hatte Stanislaus aus der Schar seiner 17 Kinder seinen Sohn Benedikt an der Reise teilnehmen lassen.

Am Morgen des 19. Februar wurden die vier Baganda in feierlichem Zuge in die Basilika geleitet, wo sich die Weißen Väter und Schwestern aus dem Mutterhause und dem Noviziat, der Ordens- und Weltklerus und die Katholiken von Algier und Umgebung zur Feier versammelt hatten. Nach dem Pontifikalamt, das Bischof Streicher von Uganda unter Assistenz des Bischofs Livinhac, des Generaloberen der Weißen Väter, zelebrierte, las Stanislaus Mugwanja mit fester Stimme die feierliche Weihe vor: 


Statue "Notre Dame d'Afrique"

O heiligste Jungfrau Maria, unsere Mutter, schaue auf uns Kinder Ugandas, die wir hier vor dir knien. 
Wir sind gekommen, um dir in unserem Namen und in dem aller katholischen Baganda Dank zu sagen für die wunderbare Ausbreitung, welche unsere heilige Religion in unserem Land genommen hat. 
Wir danken dir auch für die große Anzahl seeleneifriger Priester, die du zu uns gesandt hast, damit sie uns in den Wahrheiten des Glaubens unterrichten. Wir weihen dir unser Land und unterstellen es deiner Obhut. 
Nimm unsere Weihe huldvoll an und erwirke allen jenen, die unseren heiligen Glauben bereits angenommen haben, die Gnade, ihm treu zu bleiben, jenen unserer Landsleute aber, die dich noch nicht kennen, sowie die Völker rings umher, das unschätzbare Glück, katholisch zu werden und so dahin gelangen, in Wahrheit Jesus, unseren Herrn und Seligmacher, kennen und lieben zu lernen. 
Stanislaus Mugwanja, Alexis Pokino, Josefu Wulugembe.

„Wiewohl wir die Worte nicht verstanden“, schreibt ein Augenzeuge, „hörten wir doch aus seinem Vortrag die tiefe Ergriffenheit heraus.“ 
Die schönste Freude bot dieser Tag dem greisen Generalobern der Weißen Väter, der als einer der ersten die frohe Botschaft in Uganda verkündet und als Oberhirte der Kirche Ugandas die blutige Verfolgung in ihrer ganzen Bitterkeit verkostet hatte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Montag, 17. Juni 2013

Kardinal Lavigerie über den islamischen Sklavenhandel in Afrika

„Für das Joch bestimmt
Die Tagesblätter haben bereits über die Vorträge berichtet, welche Se. Eminenz Kardinal Lavigerie in der Kirche St. Sulpice zu Paris, in der St. James-Hall zu London und in St. Gudula in Brüssel heilt. Der greise, um die afrikanische Mission hochverdiente Kirchenfürst forderte in begeisterten Worten auf, dem greulichen Sklavenhandel, dem zur Schande der Menschheit jährlich immer noch etwa eine halbe Million Neger zum Opfer fallen, durch energische Schritte bei den beteiligten mohammedanischen Fürsten und durch die Ausrüstung einer kleinen bewaffneten Macht endlich entschieden den Krieg zu erklären. 

Die Sklavenjäger sind durchweg Mohammedaner. „Während unsere Blicke auf andere Länder sich richteten,“ führte der Kardinal aus, „hat der Islam seit fünfzig Jahren ungehindert, ohne Lärm und mit unermüdlicher Hartnäckigkeit halb Afrika erobert. In gewissen Gegenden, die uns am nächsten liegen, gründete er Reiche; andere Gebiete benützte er zur Sklavenjagd. 

Ich will aber durchaus nicht die Menschen an sich dafür anklagen. Ich lebe ja selbst inmitten von Mohammedanern, und wenn sie in mir auch ihren Vater nicht sehen, so betrachte ich sie doch als meine Kinder. Der Islam trägt die Schuld. Er lehrt, dass die Welt in zwei Rassen geschieden ist: die eine, die der Gläubigen, ist berufen, zu herrschen, die andere, die der Verfluchten, bestimmt zu dienen. 
Unter den letzteren werden wieder die Neger als am tiefsten stehend betrachtet. In den Augen jener sind sie nichts Besseres als Vieh, für das Joch bestimmt.“

Zu den von den mohammedanischen Sklavenjägern besuchten Märkten gehören zunächst sämtliche Städte im Innern von Marokko, wohin jährlich große Karawanen aus den Gegenden des Niger und des Tschad-Sees zu kommen pflegen. 
Die Sklaven werden daselbst öffentlich verkauft und gekauft. Ganz dasselbe geschieht in den südlich von den französischen Besitzungen, von Tunis und von Tripolis gelegenen Oasen, wo Käufer und Verkäufer ebenfalls meist Mohammedaner sind. Außerdem bildet noch Timbuktu den großen Zentralmarkt und gemeinsamen Versorgungspunkt für den Sklavenhandel des nördlichen Afrika und der Provinzen im Süden und Westen vom Senegal. 
Auch in Ägypten, am Roten Meer von Suakin bis Aden und Perim wird lebhafter Menschenhandel getrieben. Dorthin kommen die Sklavenkarawanen aus dem Sudan, von Wadai, Darfur, Kordofan, und vom Osten und Norden des Nyanza (Viktoriasee). 

Arabische Barken holen sie heimlich des Nachts vom Ufer ab, um sie unter dem Schutze der Dunkelheit und unbemerkt von den wenigen hier kreuzenden französischen und englischen Schiffen nach der arabischen Küste zu bringen, von wo aus man sie dann durch das ganze islamitische Asien versendet. 

Seit den mit der Türkei abgeschlossenen internationalen Verträgen werden diese Unglücklichen nicht mehr öffentlich, sondern insgeheim in bestimmten, den Käufern wie den Verkäufern besonders bezeichneten und genau bekannten Häusern verkauft. Starker Sklavenhandel findet sodann noch statt auf einer großen Menge von Märkten zwischen den großen Seen und der Küste von Sansibar, vom Ibo und Lindi im Sudan bis zu den Flüssen Juba und Mukdischu an der Ostküste. 
Von da aus werden die Sklaven auf arabischen Barken am Ufer des Roten Meeres entlang nach Asien geschafft. In den Gegenden östlich von der atlantischen Küste und auf der Grenze von Benguela herrscht in den Tälern des Liba und Kassai ebenfalls noch öffentlicher Sklavenhandel; seit Portugal die an den Ufern des Sambesi bestehenden Sklavenmärkte verboten hat, wurden dieselben nach dem Zululand verlegt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Donnerstag, 7. März 2013

La Consolata - Ein Marienbild auf Reisen

Qaraoun-See, Bekaa-Ebene, Libanon


Zwischen den Bergketten des Libanon und Antilibanon erstreckt sich in einer Länge von etwa 25 Stunden die fruchtbare, durchschnittlich 3-4 Stunden breite Ebene El Bekaa, das Cölesyrien der Alten. Wenn man von Beirut aus, den Windungen der schönen Straße folgend, welche über das Gebirge führt, zwei Drittel der Höhe des Jebel Sannin erklommen hat, so breitet sich vor dem Auge des Wanderers ein bezauberndes Bild aus. 300 oder 400 m unter sich erblickt er gleichsam einen Garten, der durch viele Wasseradern durchschnitten ist und in dem hohe Bäume mit Feld und Weideland lieblich wechseln. In der Nähe der Straße, etwa halbwegs zwischen beiden Bergketten, gewahrt man einen Bauernhof, dessen Gebäude nach europäischer Art aufgeführt sind; dazwischen
steht eine ziemlich schmucke Kapelle, mit einem schlanken Türmchen, dessen Spitze die Statue U.L. Frau vom Troste ziert. Das Bild der Mutter Gottes, das in diesem Kirchlein verehrt wird, hat seine Geschichte, und diese führt uns aus dem Libanon zunächst nach Algier.

Msgr. Dupuch, der erste Bischof von Algier, hatte Knabenwaisenhäuser gegründet. Unter der Leitung des P. Brumauld S.J. war Ben-Aknun, die erste dieser segensreichen Anstalten, nach siebenjährigem Bestand, zu eng geworden. Man musste 1850 eine neue Anstalt gründen und erhielt dafür von der Regierung unter gewissen Bedingungen ein Feld bei Bussarik für 20 Jahre. Dazu wurde noch ein bedeutendes Stück Land vom Stamm der Sidi-Habid gekauft.
Der ganze Besitz war eine Wüste, ein ungesunder Sumpf voll Dornen, Schilf und dichtem Gestrüpp, in welchem nicht nur Hyänen und Wildschweine hausten, sondern das selbst von Panthern unsicher gemacht wurde.
Einige durch die Revolution von 1848 aus Piemont vertriebene Jesuiten wollten trotz des gefährlichen Klimas und trotz der elenden Bodenbeschaffenheit wenigstens den Versuch wagen, diese Einöde urbar zu machen.
Unter ihnen befand sich ein frommer italienischer Laienbruder Namens Favero; dieser erbat sich als eine Art Lohn für die harte und mühevolle Arbeit die Erlaubnis, dem also gewonnen Ort einen Namen geben zu dürfen, der ihm eine süße Erinnerung war — den Namen U.L. Frau vom Troste, Madonna della Consolata.

Unter diesem Titel wird schon viele Jahrhunderte in Turin ein berühmtes Gnadenbild verehrt, von dem viele Wunder verzeichnet sind. Der hl. Karl Borromäus und der hl. Franz von Sales waren besondere Verehrer U.L. Frau della Consolata; auch Pius VII. wollte das wundertätige Bild nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft besuchen. Am 20. Juni 1829 wurde es feierlich gekrönt.
Der gute Br. Favero war ebenfalls ein demütiger und frommer Verehrer dieses Gnadenbildes seiner Heimat. Als er nun von den Obern die Erlaubnis erhalten hatte, das Feld von Sidi-Habid mit dem Namen U.L. Frau vom Troste zu nennen, wurde mit kirchlicher Erlaubnis eine beglaubigte Abbildung des Gnadenbildes in Turin gemacht.
Dieselbe kam im Mai 1851, dem Mariä geweihten Monat, nach Bussarik und wurde feierlich in dem neuen armseligen Bauernhause aufgestellt, dessen Bewohner in ihren Mühsalen wohl einer Trösterin bedurften. Und wirklich, U.L. Frau vom Troste nahm Besitz von dem vormals öden Lande, Sie erfüllte die Herzen ihrer Kinder mit Trost und Vertrauen, und viele Gnaden wurden auf die Fürbitte der „Trösterin der Betrübten“ von ihrem göttlichen Sohne gespendet.
Pius IX., welcher von der Verehrung hörte, welche von den Waisenkindern der Mutter der Waisen in dem Hause von Sidi-Habid erwiesen wurde, verlieh Allen, welche vor dem Gnadenbild beteten, verschiedene Ablässe und trug so nicht wenig zur Vermehrung der Andacht bei.
Eine einfache, aber nette Kapelle wurde statt des armseligen Blockhauses des Br. Favero gebaut. Die umwohnenden Familien auf mehrere Kilometer in der Runde kamen an Sonntagen in die Kapelle; bald bezeugten geopferte Kerzen und Ex-Voto-Täfelchen manche Gebetserhörung.
Eine hübsche Statue der seligsten Jungfrau schmückte die Spitze des Türmchens und wurde zum Wahrzeichen der weiten Ebene von Metidscha. Dem guten Bruder Favero war es aber nicht gestattet, sich seines Werkes lange zu freuen. Ende 1864 rief ihn der Gehorsam mit manchen seiner Mitbrüder nach Kalifornien; die Obern gestatteten ihm, eine Kopie des Gnadenbildes über das Weltmeer mitzunehmen und so zog er getröstet seinem neuen Arbeitsfelde zu, auf welchem er einige Jahre später eines heiligmäßigen Todes starb.

Im Jahr 1870 waren die 20 Jahre, für welche die Regierung dem Waisenhause das Land überlassen hatte, abgelaufen. Die Revolution, die inzwischen in Frankreich ausgebrochen war, zog die urbar gemachten Ländereien zurück, und das Waisenhaus musste wieder nach Ben-Aknun verlegt werden. Die Kapelle in Sidi-Habid blieb U.L. Frau vom Troste geweiht, aber das Gnadenbild nahmen die Missionäre mit sich und wiesen ihm in der Kapelle von Ben-Aknun auf dem Hauptaltar den Ehrenplatz an. Auch hier verbreitete die Andacht zur Mutter Gottes Segen, und U.L. Frau vom Trost blieb gewissermaßen der Mittelpunkt für alle Waisenkinder; auch nachdem dieselben längst die Anstalt verlassen, in verschiedenen Lebensstellungen über Algerien zerstreut und verheiratet waren, wallfahrteten sie mit ihren Familien zum Gnadenbild von Ben-Aknun.

Zehn Jahre blieb es so. Da kam der Herbst 1880. Im September dieses Jahres mussten die Jesuiten ihre geliebten Missionen von Algerien, die Häuser in der Hauptstadt Algier, in Oran, Constantine, die Anstalt Ben-Aknun und die Missionstationen bei den Kabylen verlassen. Wohin sollte nun das Gnadenbild U.L. Frau vom Troste kommen? Viele verlangten es, Privatleute, Klöster, die Missionsniederlassungen in Armenien, das Kolleg der heiligen Familie in Kairo.
Ein Waisenknabe, den die Verehrung der seligsten Jungfrau zur Gnade des Priestertums und zum Eintritte in die Gesellschaft geführt hatte, und der zur Zeit der Verbannung aus Algier in Ben-Aknun weilte, erbat die Erlaubnis, das Gnadenbild mit sich nach dem Ort seiner neuen Tätigkeit, dem Libanon, zu nehmen.
So kam U.L. Frau vom Troste auf das Landgut Tanaïl in der Nähe der Missionstation Zahleh (wohl Zahlé). Der Pater und zwei Laienbrüder von Ben-Aknun, welche das Landgut zu besorgen haben, fanden in der neuen Heimat ein Nachbild der alten, aus der sie verbannt waren: die Ebene von El Bekaa erinnerte an die Ebene von Metidscha, und sie fanden auch hier dieselbe armselige Ausstattung und in einer ganz ähnlichen Kapelle thronte nun auch dasselbe Gnadenbild, das ihnen im Lande der Sidi-Habid Trost vermittelt hatte.
Bald war auch im Libanon das Bild U.L. Frau vom Trost ein Gegenstand besonderer Verehrung. Im November 1881 war es nach Tanaïl gekommen, und schon im Januar 1882 kamen aus dem sechs bis sieben Kilometer entfernten Zahleh viele Wallfahrer,, obschon, wie der Missionär schreibt, „der Libanon sich in seinen Schneemantel gehüllt hatte, dessen Fransen bis ins Tal hinab reichten.“ Am 21. März 1882 schrieb er: „Jeden Sonntag kommen zahlreiche Wallfahrer. U.L. Frau vom Trost ist in der Bekaa schon bekannt.
Sogar muselmännische Frauen in reichen Gewändern kamen und wollten den Segen der Mutter Jesu für ihr Kind erhalten. Mit Seidentüchern und Schleiern, den Geschenken der Frauen, ist jetzt die kahle Mauer der Kapelle geschmückt.
Letzte Woche kam eine Maronitenfrau und wollte der Mutter Gottes ihr Geschmeide schenken, mit der Bitte, dass ihr kleines Kind genese. Der Pater sagte ihr, sie brauche ihr Geschmeide erst dann zu opfern, wenn ihre Bitte erhört sei. ‚O nein,‘ sagte die Frau, ‚das würde sich nicht geziemen. Ich bitte voll Vertrauen um die Genesung meines Kindes. Wenn aber Gott es zu sich nehmen will, so mag er es dennoch tun: er ist der Herr!‘
Der Missionär bestand aber darauf, sie solle ihr Gelübde erst nach der Erfüllung ihrer Bitte lösen, und die fromme Mutter gehorchte. Allein schon am darauffolgenden Sonntag kam sie und hängte ihre Gabe vor dem Gnadenbilde auf; ihr Kind war genesen.“
Einmal kam sogar ein armer Ziegenhirt mit seiner Herde aus einer Bergschlucht des Libanon nach Tanaïl. Seine Ziegen waren krank, und der gute Mann hegte den einfältigen frommen Glauben, die Krankheit werde von seiner Herde weichen, wenn er sie für eine kurze Zeit in den kleinen Hof vor der Kapelle treiben dürfe. Man gewährte seine Bitte, und es scheint, dass sein kindlicher Glaube belohnt wurde.
Das ist die Geschichte U.L. Frau vom Trost im Libanon. Möge die Andacht zur lieben Mutter Gottes auch von dieser neuen Gnadenstätte aus immer mehr Herzen der Liebe und Gnade ihres göttlichen Sohnes zuführen!

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)

Madonna della Consolata, bitte für uns!

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Eine afrikanische Bildungsanstalt auf Malta

Kardinal Charles Martial Lavigerie 

Die jüngste Schöpfung Kardinal Lavigeries ist die neue apostolische Anstalt in Malta. Die Missionäre Afrikas haben bekanntlich die Absicht, durch Afrikaner Afrika zu bekehren.
Deshalb geht ihre Sorge dahin, möglichst vielen Kindern aus Afrika eine vorzügliche religiöse Erziehung zu Teil werden zu lassen, um in denselben Gehilfen für die Predigt  des Evangeliums zu gewinnen.
Dabei denkt man durchaus nicht daran, alle diese Kinder zu Priestern heranzubilden; sie sind der Wahl ihres Berufes völlig frei. Von guten christlichen Ärzten erwartet man namentlich große Hilfe, und so studieren gegenwärtig zwei junge Araber an der katholischen Universität von Lille Medizin.
Neger aus Zentralafrika oder Sudan, welche an die große Hitze ihrer Heimat gewöhnt sind, kann man aber nicht in nordischen Anstalten unterbringen; sie würden rasch hinsiechen (Anm.: dies war früher eine gängige Meinung).
Da nun Malta die Vorteile eines günstigen Klimas und einer bedeutenden katholischen Hochschule für Ärzte verbindet, entschloss sich der Erzbischof von Algier, den der Heilige Vater soeben in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Missionen mit dem Purpur schmückte, die Negeranstalt des hl. Ludwig von Karthago auf diese Insel zu verlegen.
Augenblicklich sind daselbst 20 Zöglinge, welche durch die Sahara-Missionäre in den Oasen von Wargla und Metlili gesammelt oder auch in Zentralafrika aus der Sklaverei losgekauft wurden.
In katholischer Umgebung werden diese Knaben zugleich mit nützlichen Kenntnissen die Übung christlicher Tugenden erlernen. Kardinal Lavigerie hat mit dieser Anstalt in Malta eine apostolische Schule vereinigt für Knaben, welche Beruf zum Priestertum haben. Diese Schule wurde letzten Herbst am 15. Oktober eröffnet und zählt gegenwärtig 25 Zöglinge, welche aus den zahlreichen Angemeldeten gewählt wurden.


(aus: die katholischen Missionen, 1882)

Sonntag, 19. Februar 2012

Seligsprechungsprozess eines bekehrten Mohammedaners


Die heilige Kongregation der Riten hat kürzlich einen eigenartigen Seligsprechungsprozess eröffnet. Es handelt sich um den bekehrten Araber Geronimo, der am 18. September 1569 zu Algier als Märtyrer für den Glauben starb. Er war mit einer Christin verheiratet und durch einen spanischen Priester der katholischen Religion gewonnen worden.
Als Soldat in der spanischen Armee, die eine Garnison in Oran hatte, fiel Geronimo in die Hände türkischer Seeräuber und wurde nach Algier geschleppt, wo er dem Pascha als Sklave dienen musste. 

Da der glaubensstarke Mann zum Abfall von Christus nicht zu bewegen war, verurteilte ihn der Pascha zum Tode durch Einmauern in die eben im Bau begriffenen Befestigungswerke. Die Gebeine des Märtyrers wurden am 27. Dezember 1853 vom Artilleriehauptmann Suzzoni entdeckt, als er die „Feste zu den 80 Stunden“ vernichtete, und durch den Bischof Pavy von Algier in die Kathedrale überführt. Kardinal Lavigerie hat im Jahre 1869 den Seligsprechungsprozess eingeleitet, und der jetzige Erzbischof von Algier, Msgr. Combes, hat den eine Zeitlang ruhenden Prozess wieder aufgenommen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Seliger Charles de Foucauld, bitte für uns!

Seliger Charles de Foucauld, bitte für uns!


Heute vor 85 Jahren gab dieser große Priester seine Seele in die Hände seines Schöpfers zurück.
Sein Leben widmete er ganz der verlassenen Seelen, die in den Weiten der Sahara ein trauriges Dasein fristeten, ohne die wahre Religion zu kennen.

Er wurde in Tamanrasset in Südalgerien von Tuaregs und Senussi-Banden getötet, die Jihad gegen die "Rumis" (Römer = Christen) führten.

Es ist nicht klar erwiesen, allerdings sehr wahrscheinlich, dass er zum Aufsagen der "Shehada", des islamischen Glaubensbekentnisses aufgefordert wurde. Wegen der diesbezüglich unsicheren Faktenlage wird er nicht unter die Märtyrer, sondern unter die Bekenner gezählt. Allerdings ist Hass auf die katholische Religion und ihre Glaubensboten ein sehr wahrscheinliches Tatmotiv.


Rufen wir  ihn in diesen unheilvollen Zeiten an!


Seliger Charles de Foucauld, bitte für uns!