Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 16. August 2025

Missionar auf zwei Kontinenten – Msgr. Franziskus Wolf S.V.D., Apostolischer Vikar von Ost-Neuguinea

Der Essener Bergmannssohn Franziskus Wolf kam 1890 im Alter von 14 Jahren nach Steyl, wo der heilige Gründer ihn in das ordenseigene Gymnasium aufnahm. Im Jahr 1895 trat Franziskus in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes ein und wurde nach seiner Priesterweihe 1899 in die damalige deutsche Kolonie Togoland entsandt. Besonders wirkte er dort zur Förderung des katholischen Schulwesens im Steyler Missionsgebiet. Es folgte 1911 die Ernennung zum Regionaloberen und 1914 zum ersten Apostolischen Vikar des neugeschaffenen Vikariats Lomé. Die Tragik der beiden Weltkriege sollte sein weiteres Leben begleiten. Seine Bischofsweihe in Steyl fiel auf den schicksalshaften 28. Juni 1914, den Tag, an dem Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Msgr. Wolf an der Rückkehr in sein Vikariat gehindert. Er warb während der Kriegszeit in der Heimat für die Sache der Weltmission und setzte sich nach dem Versailler Frieden, der die Vertreibung der deutschen Missionäre aus den Gebieten der Kriegssieger vorsah, weiter für eine Rückkehr der deutschen Glaubensboten nach Togo ein. Trotz der Intervention des Heiligen Stuhls blieb es dabei: Die Steyler Togomission war Geschichte.

Neues Wirkungsfeld in Neuguinea

Kathedrale in Alexishafen, Papua-Neuguinea

Wie viele andere ehemalige Togomissionare erhielt auch Bischof Wolf eine neue Missionsbestimmung: An Mariä Himmelfahrt 1923 traf er als Apostolischer Vikar des neuerrichteten Vikariats Ost-Neuguinea in der ehemaligen deutschen Kolonie ein. Hohe kirchliche Würdenträger in Australien, darunter der Apostolische Delegat Cattaneo, der Msgr. Wolf begleitete, hatten sich bei der australischen Regierung für die deutschen Missionare eingesetzt. Die Residenz des Bischofs war Alexishafen an der Küste, allerdings erstreckte sich die Mission dank der Vorstöße von P. Alfons Schäfer und Bruder Antonius Baas besonders in den folgenden Jahren auch auf das Gebiet des Bismarckgebirges im Landesinneren. Das Gebiet war schwer zugänglich, doch die MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgesellschaft) stellte ab Mitte der 1930er Jahre Flugzeuge bereit, zunächst die „Paulus“, dann die „Petrus“ und zuletzt die „Little Flower“, die am 6. August 1939 mit fünf Personen an Bord, darunter drei Patres, verunglückte. Der tödliche Unfall war eine schwere Prüfung für die Mission und ihren Bischof.

Der Zweite Weltkrieg

Die ersten Kriegsjahre verliefen ruhig, bis im Dezember 1942 die Japaner im Vikariat landeten und bald die meisten Missionsstationen besetzten, selbst jene im Inneren des Landes. Zusammen mit der einheimischen Bevölkerung wurden die Missionare samt Bischof von den japanischen Besatzern zu Bauarbeiten gezwungen. Nach und nach folgte die Internierung der Missionare, auch der Deutschen, die trotz ihrer Staatsangehörigkeit von den Japanern als alliierte Spitzel betrachtet wurden. Im Januar 1944 ordnete das japanische Oberkommando die Evakuierung des Gefangenenlagers auf der Vulkaninsel Manam an. Alle Steyler sowie Angehörige der lutherischen Mission und einige Halbeuropäer wurden auf das japanische Schiff „Dorish Maru“ gebracht. Bischof Wolf hatte sich vergeblich gegen den Abtransport starkgemacht, da er die Gefahren durch die alliierten Flieger kannte.

Der Fliegerangriff

Gegen 7:40 Uhr am 6. Februar 1944 griffen 20 amerikanische Flugzeuge die Dorish Maru das erste Mal an, ohne dass eine der abgeworfenen Bomben das Schiff getroffen hätte. Die japanische Besatzung hatte das Feuer erwidert und einen Angreifer abgeschossen. Zunächst blieben alle Insassen unverletzt, obwohl die Zivilisten auf Deck lagern mussten. Beim folgenden zweiten Angriff verfehlten die Bomben zwar erneut ihr Ziel, die Bordkanonen der Flieger richteten jedoch furchtbare Verheerung unter den Menschen auf Deck an: 7 Patres, 27 Schwestern und 12 Brüder wurden getötet, hinzu kamen weitere 16 Todesopfer unter den übrigen Zivilisten. Viele andere waren schwer verletzt, darunter auch Bischof Wolf, der während des 20-minütigen Angriffs die Generalabsolution erteilte. Er hatte einen Durchschuss der linken Schulter und Lunge erhalten. Die Toten wurden an der Küste bei Wewak abgeladen und in einem Massengrab beerdigt. Der Rest der Internierten musste die Weiterfahrt nach Hollandia in Indonesien (heute Jaypura) antreten. Die Japaner versuchten dort, die Überlebenden weiter zum Arbeiten zu zwingen. Die schlimmen Zustände im Lager forderten weitere Todesopfer. Msgr. Wolf lag in einer mit regendurchlässigen Blättern gedeckten Hütte am Boden. Trotz seines schlechten Zustands wünschte er stets als Letzter verbunden zu werden.

Heldenhaft ertragener Tod

Bruder Gerhoch schildert die letzten Tage seines Bischofs: „Ein starker Tropenregen setzte ein, und der Fußboden wurde zum Sumpf. Infolge der großen Hitze bildeten sich am ganzen Körper Blasen. Die Wunden eiterten. Moskitos quälten den Kranken bei Tag und Nacht. Blaue Fliegen sammelten sich auf den aufgebrochenen Lippen. Kein Laut der Klage kam über die Lippen. Als sein Tod bevorstand, versammelten sich alle Missionare um die Hütte des Sterbenden, um bei der Spendung der heiligen Sterbesakramente zugegen zu sein und sich von ihrem Oberhirten zu verabschieden. Vor dem Weggang erteilte er allen seinen letzten Segen. Still und unbemerkt entschlief er dann in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar.“

Nach dem Krieg wurden die sterblichen Überreste von Bischof Franziskus Wolf, dem ersten Apostolischen Vikar von Lomé und von Ost-Neuguinea, in der Kathedrale von Alexishafen bestattet. Seine Heimatgemeinde Essen-Borbeck hat ihn in einem Straßennamen geehrt. Als Glaubenszeuge wird er im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts geführt.

Samstag, 30. Juli 2016

Sie kamen, um die Brüder im Glauben zu stärken – Japanischer Klerus im besetzten Indonesien

Erzbischof Paul Yamaguchi von Nagasaki

Die japanische Besatzung der katholischen Missionsgebiete war sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg ein großes Kreuz. Nicht nur durch das Kriegstreiben und die allgemeine Not, sondern auch wegen des Unverständnisses und der zum Teil offenen Feindseligkeit der heidnischen Besatzungsmacht.

Davon war auch die Steyler Mission in Indonesien betroffen, als die Japaner am 13. Mai 1942 auf Flores landeten. Am 15. Juli wurden 70 Patres, 14 Brüder und 29 Schwestern nach Celebes abtransportiert und im Lager Paré-Paré interniert. Von diesen Missionaren starben 32. Nur 10 Priester waren noch für die 300.000 Katholiken der Insel übriggeblieben.

Durch Gottes Vorsehung kamen der Bischof von Nagasaki, Msgr. Paul Aijirō Yamaguchi, mit zwei seiner Priester sowie der Apostolische Administrator von Hiroshima, Msgr. Aloysius Ogihara S.J., auf die Insel, um der hartgeprüften Mission beizustehen. Bischof Yamaguchi konnte der drohenden Verschleppung weiterer Priester Einhalt gebieten. Die Zwei japanischen Bischöfe und die beiden Priester halfen nach Kräften in der Seelsorge mit. Auf jeden kamen etwa 20.000 Katholiken.

Auf Initiative von Msgr. Yamaguchi weihte der Apostolische Vikar Msgr. Heinrich Leven S.V.D. im September 1945 alle Theologiestudenten seines Seminars, um dem großen Priestermangel zu steuern. Nachdem der größte Notstand überwunden war, kehrten die Neupriester im Frühjahr 1946 ins Seminar zurück, um ihre Studien zu vollenden.

Ein wirklich schönes Beispiel für die Nächstenliebe des japanischen Klerus gegenüber ihren Glaubensbrüdern in Not.


(Quelle: Die Weltmission der katholischen Kirche, Nr. 1/2 1951, Nr. 3/4 1952)

Montag, 1. Dezember 2014

Wie ein Priester einen Moslem zu bekehren versucht, der nach Mekka pilgern möchte


(Kei-Inseln, Indonesien)

Dies ist ein Bericht von P. Kusters, der auch diese Predigt an die Moslems hielt.

(…) „Kurz darauf hörte ich, dass unser Freund Bes, eine sehr einflussreiche Persönlichkeit in Tual, nach Mekka reisen wolle, um ein Hadschi (Mekkapilger, die durch die Reise eine Art Weihe und hohes Ansehen bei ihren Glaubensbrüdern erlangen) zu werden. Ich sah sofort, dass ich den Mann jetzt oder nie gewinnen müsse. Ich gehe also zu Bes hinüber und bitte ihn, nach der Priesterwohnung herüberzukommen, weil ich mit ihm über eine wichtige Sache zu sprechen hätte. Er kam zur festgesetzten Zeit.

 ‚Tabé (Guten Tag), Bes, wie geht’s?‘ – ‚Gut, Tuan (Herr).‘ – ‚Ich höre, mein Lieber, du wollest nach Mekka pilgern.‘ – ‚Ja, Tuan.‘ – ‚So, so; dann dürfte es gut sein, wenn wir die Sache erst miteinander besprächen.‘ – Gewiss, Tuan.‘ – ‚Nimm Platz, mein Freund. Nun sag mir einmal, was denkst du darüber: warum sind wir Priester eigentlich hierher nach Tual gekommen?‘ – Darüber bin ich bis heut noch nicht klar geworden, Tuan.‘ – ‚Ist es vielleicht, um Geld zu verdienen?‘ – ‚Nein, das ist es sicher nicht.‘ – ‚Oder vielleicht, um hier ein bequemes Leben zu führen?‘ – ‚Das glaube ich auch nicht, Tuan. Ich bin in Macassar gewesen; dort könntet ihr es viel bequemer haben.‘ – ‚Warum sind wir denn also hierhergekommen?‘ – ‚Das weiß ich eben nicht.‘ –‚Nun, dann will ich dir es offen sagen: aus Mitleid mit Bes und den armen Kei-Bewohnern. Wir wussten, dass hier alle Leute entweder Heiden oder Mohammedaner seien, und dass keine dieser beiden Religionen sie in den Himmel führe. Ja, wüssten wir nicht ganz gewiss, dass nicht die Religion Mohammeds, sondern allein der christliche Glaube die Menschen retten und selig machen kann, dann hätten wir wahrlich nicht nötig gehabt, uns auf diesem armen Eiland niederzulassen. Auf all dies kam immer dieselbe Antwort: ‚Betul, tuan!‘ (Gewiss, Herr!) – ‚Die Hadschis‘, so fuhr ich fort, ‚sagen: Nur wer ein Moslem bleibt, wird der Hölle entgehen. Ich sage das gerade Gegenteil: Wenn du ein Moslem bleibst, wirst du der Hölle nicht entgehen. Wem sollst du nun mehr Glauben schenken, den Hadschis oder den Padris? Den Hadschis, die nicht studiert haben (die von Tual sind so unwissend, dass sie von den gewöhnlichen Leuten widerlegt werden, wie z. B. von Bes selbst), oder den Padris, die von den armen Leuten auf Kei keinen Heller annehmen? Wer war Christus, wer Mohammed? Was haben beide gelehrt, z. B. über die Ehe, über Mann und Weib, über den Hass und die Liebe der Feinde? Die Lehre Christi ist rein und heilig und über die ganze Erde hin verbreitet, damit alle Menschen selig werden können; nicht so die Lehre Mohammeds. Was denkst du nun davon? Wäre es nicht besser, du würdest ein Christ, statt dass du nach Mekka pilgerst?‘  Hier wusste der Mann nichts zu erwidern; er schien bestürzt. – ‚Bedenk es wohl‘, fuhr ich fort, ‚dass es gilt, der Hölle zu entgehen und den Himmel zu gewinnen. Das ist keine Kleinigkeit. An einen von beiden Orten wirst du in 20, 10 Jahren, ja vielleicht schon in kürzerer Zeit kommen.‘ Darauf erbot sich Bes, einen anderen einflussreichen Mohammedaner aus Tual, den Kapitän des Ortes nämlich, zu einem Besuch bei mir einzuladen, damit ich ihm in gleicher Weise zurede. Wenn derselbe ein Christ würde, dann wollten sie beide uns zahlreiche andere Leute zum Unterricht zuführen und uns nach Groß-Kei hinüberbegleiten; das unwissende Volk aber wollten sie selbst weiter unterrichten und dergleichen mehr. Das war ein Angebot, das sich hören ließ. Wir schieden mit herzlichem Händedruck.

Ich besuchte dann wirklich den genannten Obmann und setzte ihm in ähnlicher Weise und mit ähnlichem Erfolg zu. Dann sagte ich ihnen, sie sollten sich miteinander beraten und mir darauf Bescheid bringen. Aber am folgenden Tag war der Kapitän krank; er hatte ein Geschwür am Bein, das sich durch einen Stoß gegen einen Balken verschlimmert hatte. Die Wunde entzündete sich, und nun lag er krank danieder. Das war misslich; wir hätten so gern das Eisen geschmiedet, solange es heiß war; nun war dies unmöglich. Ich tröstete mich mit dem Gedanken: der Herr wird es zu richten wissen. Inzwischen helfen Sie uns beten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Mittwoch, 12. November 2014

Der. sel P. Dionysius von der Geburt und der sel. Bruder Redemptus vom Kreuze –zwei Märtyrer-Missionäre des Karmeliterordens (Teil 2)


Fortsetzung von hier

An einem bestimmten Tag wurden die 60 gefangenen Christen aus ihren Kerkern herausgeführt und unter Schlägen und Verwünschungen zum Ort der Hinrichtung gebracht, ein jeder von 10 Henkersknechten und einigen Kazis  umgeben, die einen letzten Versuch machten, die Verurteilten zum Abfall zu bewegen. Eine große Volksmenge hatte sich am Strand des Meeres, wo die Hinrichtung stattfinden sollte, eingefunden. Als alle versammelt waren, verkündete ein Herold den Urteilsspruch des Sultans. Derselbe stellte allen die Wahl zwischen Reichtum und Ehren, falls sie die Religion des Propheten annähmen, und dem grausamen Tode, falls sie hartnäckig blieben. Da die meisten kein Malaysisch verstanden, erklärte ihnen P. Dionysius den Sinn der Bekanntmachung und ermunterte sie mit warmer Begeisterung zur Ausdauer. Alle fanden sich zum Tod bereit und baten den Seligen, dies in ihrem Namen zu erklären, während sie sich zur Bekräftigung auf die Knie warfen, um ihren Tod zu erwarten.

Als würdiger Führer der kleinen Heldenschar erbat sich P. Dionysius die Gnade, als letzter sterben zu dürfen, um seine Genossen, wo nötig, durch seinen Zuruf zu ermutigen. Nun begann die Hinrichtung. Um die Bekenner möglichst lange leiden zu lassen, wurden sie zuerst aus der Ferne mit Pfeilen zerschossen, dann aus größerer Nähe mit Wurfspießen gespickt und schließlich mit Kris, den scharfen, schlangenförmig gebogenen malaysischen Dolchen, erstochen. Begeistert sprach P. Dionysius den Sterbenden Mut zu, betete ihnen die Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und Reue vor und legte ihnen die heiligsten Namen Jesus und Maria auf die sterbenden Lippen. 

Bruder Redemptus war eines der ersten Opfer gewesen. Schließlich war nur noch der sel. Dionysius übrig, zum Tod erschöpft, aber voll Trost und Freude darüber, dass alle seine Schutzbefohlenen siegreich den Kampf bestanden. Heitern Antlitzes kniete er sich nieder, um den Vorangegangenen zu folgen. Da geschah etwas Unerwartetes. Die Henker, sei es durch ein Wunder behindert, wie der alte Bericht annimmt, sei es aus Ehrfurcht vor einem solchen Manne, weigerten sich zu schießen, und warfen Pfeil und Bogen von sich. Der malaysische Befehlshaber ließ den Vorfall dem Sultan melden, der sofort Weisung gab, den Seligen durch die grausame Tortur der Elefanten zu töten. Dieselbe besteht darin, dass der Verurteilte sich flach mit dem Antlitz nach oben auf die Erde legt. Der Koloss wird herangeführt, setzt seinen mächtigen Fuß auf Kopf oder Brust des Liegenden und zerstampft ihn zu Brei. Während die Anstalten dazu getroffen wurden, fuhr der Selige fort, den Umstehenden die christliche Religion zu verkünden und Gott für die Gnade zu danken, dass er ihn des Martertods gewürdigt. Da eilte ein Renegat [zum Islam abgefallener Katholik] aus Malakka, ungeduldig über die Verzögerung und von dem Hasse des Apostaten getrieben, herbei, zog sein Schwert und führte einen so furchtbaren Schlag, dass das Haupt des Märtyrers bis zu den Ohren gespalten wurde. Blutübergossen sank er nieder, während einige nahestehende Henker ihm mit ihren Kris den Todesstoß gaben. Mit letzter Kraft hatte der Bekenner das Kruzifix noch einmal an seine Lippen gepresst und den heiligen Namen Jesu angerufen. So starb der tapfere Streiter Jesu Christi, erst 38 Jahre alt. Es war im Herbst des Jahres 1638. Der Tag des Martyriums ist nicht festgestellt.

Wie die alten Berichte zu melden wissen, geschahen an der Leiche eine Reihe wunderbarer Zeichen. Während die Leichen der übrigen Märtyrer in der heißen Sonne rasch in Verwesung übergingen, blieb der sel. Dionysius unversehrt. Ein Lichtschimmer ging während der Nacht von ihm aus, seltsame Melodien klangen in den Lüften. Von allen Seiten strömte das Volk herzu, um diese Wunderdinge zu sehen. Selbst der Sultan kam und gab dem allgemeinen Gefühl der Ehrfurcht so weit nach, dass er den Seligen unter glänzendem Pomp begraben ließ. Unerklärlicherweise soll die Leiche aber stets wieder an dieselbe Stelle zurückgekehrt sein, nachdem der Sultan umsonst versucht, sich durch Überführung nach dem Eiland Dos Degradados, durch Versenkung ins Meer, durch Bergung im Urwald des unheimlichen Mahners zu entledigen. 

Die Kunde von dem glorreichen Martyrium erregte zu Goa große religiöse Begeisterung. 1642 wurden von der kirchlichen Behörde der Untersuchungsprozess eingeleitet und die Aussagen der Augenzeugen zu Protokoll gebracht. Ein wichtiges authentisches Zeugnis bot ein Brief des Gesandten Don Francesco de Sousa vom 3. März 1643 an den Karmelitergeneral in Rom. 1664 wurde der Prozess in Rom begonnen und 1675 fortgesetzt. Dann blieb er liegen bis 1701 und wiederum bis 1876 und 1890. Erst am 25. März 1900 kam das Seligsprechungsdekret zur Veröffentlichung, und am 8. April fand in der heiligen Stadt die feierliche Seligsprechung der beiden Karmeliter statt.

Das Sultanat Atschin [Aceh] hat auch nach der Eroberung Sumatras durch die Holländer seine Unabhängigkeit bis in die letzte Zeit hinein hartnäckig bewahrt und das Christentum ferngehalten, das hier trotz wiederholter Versuche bisher keinen Boden finden konnte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Montag, 10. November 2014

Der. sel P. Dionysius von der Geburt und der sel. Bruder Redemptus vom Kreuze – zwei Märtyrer-Missionäre des Karmeliterordens (Teil 1)



Im Jahr 1900 sprach Papst Leo XIII. die Karmelitermissionäre P. Dionysius von der Geburt, einen Franzosen aus der Normandie, und Br. Redemptus vom Kreuze, einen Portugiesen, wegen ihres im Herbst 1638 in Sumatra erduldeten Martyriums selig. Hier eine  Schilderung ihrer Leidensgeschichte. Sie beginnt nach ihrer Gefangennahme durch den Sultan, der sie zusammen mit einer portugiesischen Gesandtschaft getäuscht hatte und in einem Hinterhalt überfallen ließ.

„So war der Anschlag des tyrannischen Fürsten gelungen. Die Gefangenen wurden grausam gefesselt und unter dem Spott und Hohn der meist mohammedanischen Bevölkerung durch die Stadt und vor den Sultan geschleppt. Dieser gab Befehl, den Gesandten und einige Vornehme seines Gefolges rücksichtsvoller zu behandeln, aber als Geiseln festzuhalten. Die übrigen verteilte er als Sklaven unter seine Vasallen und Hofleute mit der Weisung, sie um jeden Preis durch Drohungen und Versprechungen zur Annahme des Islams zu drängen. Nur wenige erlagen der Versuchung. Allein auch von diesen Renegaten kehrten später einige zurück und dienten als Zeugen des Martyriums ihrer glücklicheren Genossen. Die Leiden und Qualen, welche die gefangenen Christen nun zu erdulden hatten, waren so groß, dass Dom Francesco [der portugiesische Gesandte], der nach einem Monat sie wieder einmal vor sich sah, dieselben kaum mehr wiedererkannte.

P. Dionysius war einem vornehmen Hofmanne zugeteilt. Derselbe wies dem christlichen Mönche als Aufenthaltsort ein elendes Loch (ein Bericht spricht von einer bedeckten Kloake) unweit des Toreingangs zu, in welches alle Arten Schmutz und Unreinigkeit hineingeworfen wurden. Die Vorübergehenden spuckten hinein, und die Diener schütteten dort das Spülwasser u. dgl. aus und besudelten absichtlich die kärgliche Nahrung, welche dem Gefangenen gereicht wurde, und die knapp genügte, um ihn am Leben zu erhalten. Der Selige trug alles schweigend um mit himmlischer Geduld. 

An ihm wurde wie bei den übrigen der Versuch gemacht, ihn durch Vorspiegelung irdischer Freuden und Genüsse zum Teil schmählicher Art zum Abfall zu bewegen. Ruhig wies er dergleichen Anträge zurück. Er sei Priester und Ordensmann und als solcher Christus, seinem Heiland, durch unauflösliche heilige Bande verknüpft. Sein Leib sei in ihrer Gewalt, nicht aber seine Seele. Er sei bereit, für Christus alles, auch den Tod zu leiden. Mehrfach ließen die Kazis, die mohammedanischen Geistlichen, sich mit ihm in einen religiösen Wortstreit ein; er benutzte die Gelegenheit, um öffentlich und mit Eifer die christliche Religion zu verkünden, und überführte sie so siegreich ihrer Irrtümer, dass sie beschämt von ihm abließen. 

Mehr als sein eigenes Schicksal berührte den Diener Gottes dasjenige seiner Leidensgefährten. Auf seine flehentlichen Bitten hin gestattete ihm sein Herr, die Gefangenen zuweilen zu besuchen. Obschon die eisernen Kettenringe bei jedem Schritt ihm ins Fleisch schnitten, scheute er nicht diese schmerzlichen Rundgänge, um überallhin Trost und Hilfe zu tragen, die Mutlosen aufzurichten, sie Beichte zu hören und durch den Hinweis auf die ewige Krone zur Ausdauer zu ermuntern. Da er der malaysischen Sprache mächtig war, konnte er manches zur Erleichterung ihrer Lage beitragen; er bat um Almosen für sie und trug ihnen die Speisen zu, welche der Gesandte durch seine Diener ihm zugedacht. Selbst die Heiden und Moslems bewunderten diese hingebende Liebe und gaben dem Seligen den schönen Namen: Vater der Portugiesen. Für die beiden mitgefangenen Rekollekten, welche krank darniederlagen, sorgte er wie eine Mutter.

Inzwischen musste auch sein Ordensbruder, Br. Redemptus, harte Tage durchmachen. Sein grausamer Herr hatte ihm zum Spott Bart und Augenbrauen abscheren lassen und verwandte ihn dazu, die Büffel zu hüten und für sie Futter zu schneiden. Der arme Bruder hatte namentlich durch Hunger zu leiden, da man ihn oft tagelang ohne Nahrung ließ. Als er einst, zum Tode ermattet, sich in einen Wald schleppte, um dort einige essbare Wurzeln und Früchte zu suchen, ließ ihn der Herr, der ihm dies als Fluchtversuch auslegte, gefesselt vor den Sultan führen. Dieser stellte ihm die Freiheit und alle möglichen zeitlichen Vorteile in Aussicht, falls er die Lehre des Propheten annähme, andernfalls werde er ihn unter grausamen Qualen sterben lassen. Das wäre doch wunderlich, erwiderte der Bruder treuherzig, wenn er, nachdem er in dies Land gekommen, um seine Bewohner von der falschen Lehre des Propheten abzubringen, nun selber ein Muselmann würde. Er suche auf dieser Welt nichts anders, als Christus zu gefallen, und sei bereit, für ihn nicht bloß eines, sondern tausend Leben zu lassen. Sie möchten daher ihre eitlen Bemühungen, ihn zum Abfall zu bewegen, nur aufgeben. Eher werde er sich in Stücke zerreißen lassen. Da auch bei den übrigen Gefangenen alle Versuche der mohammedanischen Kazis gescheitert waren, gab der Sultan erzürnt den Befehl, sie alle gleichzeitig hinrichten zu lassen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Fortsetzung hier

Dienstag, 29. Juli 2014

Die merkwürdige Bekehrung eines gebildeten indonesischen Moslems


Ich hatte, so schreibt P. Groenewegen S.J. aus Muntilan (Java), einen Missionsausflug nach dem fünf Stunden entfernten Ralibawang gemacht, wo 200 Katholiken in einigen armen Bergdörfchen wohnen, dort die Kranken besucht, einige Kinder getauft, einige neue Häuschen eingesegnet und einen Bauplatz für eine Kapellenschule ausgesucht.
Müde von der Klettertour in der tropischen Hitze, war ich gegen Abend nach Hause zurückgekehrt und wollte mich ein wenig ausruhen, als man mir einen Javaner anmeldete, der sein Söhnchen zu unserer Schule bringen wollte.

Es war ein netter Mann, Beamter an der (staatlichen) Opiumregie in Djatinom. Sein äußerst gebildetes Benehmen fiel mir sofort auf. Er hatte ein Anliegen, das ihm noch mehr am Herzen lag als die Schulfrage.
„Ich bin auch Katholik“, begann er plötzlich, mit einer Überzeugung, die mich überraschte. „Ich bin zwar noch nicht getauft, aber ich glaube. Ich glaube alles wie die Katholiken, und ich möchte gerne die heilige Taufe empfangen.“

„Ja, wie seid Ihr denn zu diesem Glauben gekommen?“ frug ich ihn verwundert. „Es ist das Werk des Geistes Gottes.“ „Kennt Ihr die Gebete?“ „Ja, alle.“ „Betet einmal das Vaterunser.“ Wirklich, er wusste alles. Und doch war er noch nie in einer katholischen Kirche gewesen und kaum je mit einem Katholiken zusammengetroffen.
Vor etwa einem Jahr hatte er, von Gottes Gnade angetrieben, hierher geschrieben und um einen Katechismus und ein Gebetbuch gebeten. Das hatte er dann studiert. Er wohnte viel zu weit weg, um hierher zur Kirche kommen zu können. Als Beamter hatte der Mann nur zwei Tage Urlaub; bis zu seiner Wohnung war’s fast eine Tagereise; am nächsten Morgen um 8 Uhr wollte er den Rückweg antreten. Das Taufexamen musste also sofort beginnen. Es war zum Verwundern, wie genau der Katechumene auf alles zu antworten wusste, über Schöpfung, Erbsünde, Erlösung usw.
Auf meine Frage, wer ihm das alles so gut erklärt habe, hatte er nur die alte Antwort: „Es ist das Werk des Geistes Gottes.“

Als er mir darauf sagte, er habe auch die Heilige Schrift gelesen, dachte ich, vielleicht hätten Protestanten ihn unterrichtet. Darum begann ich ihn über die Mutter Gottes zu fragen, über Papst und Altarssakrament.

Aber er wusste genau, dass Maria frei von der Erbsünde und unsere mächtigste Fürsprecherin im Himmel sei. „Und wer ist das Haupt der Kirche?“ „Früher die Apostel, jetzt der Papst.“ (es war natürlich immer schon der Papst) „Wer war das Haupt der Apostel?“ Er zögerte mit der Antwort. Der fremde Name schien ihm schwer zu behalten. Aber wie ich Petrus nannte, fügte er sofort bei: „O ja, der zuletzt Simon hieß.“ Dann kam das heilige Altarssakrament.

Es war ergreifend, diesen Mohammedaner, der noch nie das Glück gehabt hatte, am Fuß eines Altars zu knien, sorgfältig erklären zu hören, dass man in der heiligen Kommunion unter den Gestalten von Brot den wirklichen Leib Christi empfange und unter den Gestalten des Weines sein heiliges Blut.

Als ich auf die Beichte kam, schien es mir zuerst, als glaube er, man müsse seine Sünden nur Gott bekennen, und als wolle er von einem Bekenntnis vor dem Imam (Priester) nichts wissen. Sobald ich aber den Ausdruck „Pastor“ gebrauchte, war er sofort wieder im rechten Gleis. Beim Wort Imam (das man im Malaiischen auch für den Missionär gebraucht) schien er zu viel an einen mohammedanischen Geistlichen gedacht zu haben.

Da ich bei dem Mann so viel Wissen und ein solches Verlangen nach dem Christentum sah, glaubte ich mit dem hl. Petrus sagen zu müssen: „Was kann uns noch abhalten, ihn zu taufen?“ Sofort wurde alles bereitgemacht. Noch eine kurze Vorbereitung, dann beteten wir zusammen, und am selben Abend taufte ich ihn zu seiner übergroßen Freude auf den Namen Emanuel. 

Dann führte ich den Neugetauften durch die Kirche, erklärte ihm Altar, Kommunionbank, Beichtstuhl, dann auch den Kreuzweg usw.
Wie freute er sich darauf, am nächsten Morgen zu ersten Mal in seinem Leben der heiligen Messe beiwohnen zu dürfen! Und erst die heilige Kommunion! Wie andächtig lauschte er jedem Wort! Und dann ging sein Blick immer wieder unwillkürlich nach dem Tabernakel und seine Augen glänzten vor Verlangen. 
Noch nie sah ich Gottes Gnade so offensichtlich wirken wie in diesem Mann.

Am folgenden Morgen empfing Emanuel voller Ehrfurcht die erste heilige Kommunion. Um 5 Uhr schon war er zugegen bei der heiligen Messe, folgte ihr voll Andacht und blieb danach sitzen, um auch der Sechsuhr-Messe beiwohnen zu können.

Überglücklich kehrte er dann nach Hause zurück, fest entschlossen, seine Angehörigen womöglich desselben Glückes teilhaftig zu machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1918)

Donnerstag, 22. August 2013

Der echte Typus eines katholischen Glaubensboten – P. Felix Westerwoudt (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Endlich als die Dajaks merkten, dass der Missionär nichts von ihnen verlange, dass er dagegen stets bereit sei, ihnen nach Kräften zu helfen, besonders wenn Krankheit und Unglück über sie kam, dass seine Hütte ihnen stets offen stehe und dass er jedermann freundlich aufnehme, begannen sie, Vertrauen zu fassen und seiner Versicherung Glauben zu schenken, dass er ihr Freund und sein einziger Wunsch sei, ihnen Gutes zu tun. 

Als er es so weit gebracht, nahm er eine Anzahl Knaben zu sich in seine Hütte auf, um sie so besser erziehen zu können. Er unterrichtete sie nicht bloß in der christlichen Lehre, sondern auch im Lesen und Schreiben, indem er das Singhi, das kein Alphabet hat, in römischen Lettern niederschrieb. 
Späterhin ließ er mit den Mitteln, die ihm sein Vater zur Verfügung stellte, auch Schwestern kommen für den Unterricht der Mädchen. Sein Vater übernahm auch die Kosten für den Bau und die Ausschmückung einer Kapelle, eines Schulhauses usw.

Während er mit Eifer sich vor allem der Kinder annahm, tat er gleichzeitig alles, um die Lage des armen Volkes überhaupt aufzubessern. Er verteilte an die Kranken Arzneien, von denen die Leute vor seiner Ankunft gar keine Kenntnis hatten; er führte unter ihnen den Kaffeebau ein und war gerade daran, auch die nötigen Rinder und Ochsen zu beschaffen, um die Leute das Pflügen zu lehren, als der Tod ihn wegraffte.

Ich war viele Jahre hindurch sein Oberer und kannte als solcher ihn und seine Lebensweise sehr genau. Auf Grund dessen kann ich versichern, dass ich ihn stets mit tiefer Verehrung als einen heiligmäßigen, eifrigen, wahren Priester Gottes betrachtet habe. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb ich, zumal ich wusste, dass die anderen Missionäre ebenso dachten, ihn zum Apostol. Pro-Präfekten ernannte, als dringende Geschäfte mehrere Jahre lang meine Abwesenheit verlangten. Er verwaltete das Amt in der vollkommensten Weise. 

Als sein Oberer hatte ich ihn bloß in einer Sache zu tadeln; das war die äußerste Selbstvergessenheit und Schonungslosigkeit, mit der er sich und seine Gesundheit behandelte. Es kommt ja oft vor, dass einige unserer Missionäre halb verhungern und selbst das Notwendigste entbehren, weil ihnen die Mittel ausgegangen. Dies war aber bei ihm nicht der Fall, da seine Eltern aufs freigiebigste ihn unterstützten. 
Trotzdem fristete er sein Leben mit der allerärmsten Kost, die sich denken lässt, und schien sich und seine leiblichen Bedürfnisse völlig zu vergessen. Abgesehen von der Zeit der heiligen Messe ging er stets barfuß, obschon er über felsigen, steinigen Grund und durch Sumpf und Morast zu wandern hatte, und schlief auf bloßem Boden.

Durch seinen Tod hat die Borneo-Mission einen ihrer besten Missionäre verloren. Er ist zur ewigen Ruhe gegangen, um seinen Lohn unter den Engeln und Heiligen zu empfangen, und er wird nun seine liebe Mission am Thron Gottes vertreten.“

Wie der jetzige Ober der Mission, P. Dunn, schreibt, starb P. Westerwoudt als Opfer des Gehorsams. Er hatte den Auftrag, den Laienbrüdern Exerzitien zu halten. Obschon durch eine Erkältung und starkes Fieber geschwächt, führte er die Arbeit, ohne ein Wort zu sagen, unter großer Anstrengung zu Ende. Dann brach er zusammen. 
Umsonst wurde er nach der Hauptstation Kuching gebracht und hier aufs sorgfältigste gepflegt. Das Malariafieber und eine Lungenentzündung zehrten den letzten Rest seiner Kräfte in wenigen Tagen auf. 
Ich brauche nicht zu sagen, dass er nach einem solchen Leben, wie er es geführt, in seinen letzten Stunden überaus glücklich und in den heiligsten Willen Gottes vollkommen ergeben war und bis zum letzten Atemzug die heiligsten Namen Jesu und Mariä auf den Lippen führte.“

Er starb am 13. April d.J., erst 37 Jahre alt. Sein Tod war für seine Eltern und Anverwandten, die ihn auf das zärtlichste liebten, ein harter Schlag. Allein auch sie konnten mit jener altchristlichen Familie ihrem Martyrersohn auf den Grabstein die Worte setzen:

Felix – In – Pace
Vivas – In – Deo – Beatus.


Ruhe, Felix (Glücklicher), in Frieden. Lebe selig in Gott.

(aus: die katholischen Missionen, 1899)

Der echte Typus eines katholischen Glaubensboten – P. Felix Westerwoudt (Teil 1)


Es ist nicht möglich, all den trefflichen apostolischen Männern, die in den auswärtigen Missionen wie tapfere Soldaten auf der Walstatt fallen, den verdienten Nachruf zu weihen. Doch scheint uns der junge Missionär, dessen Bild wir im folgenden in einigen Strichen zeichnen wollen, den echten Typus eines katholischen Glaubensboten so vollkommen darzustellen, dass wir in ihm zugleich hundert andere, die still und ungesehen für Gott und die Seelen Großes wirkten, ein kleines Denkmal setzen.

P. Felix Westerwoudt war geboren am 24. März 1861 als Kind einer hochangesehenen katholischen Familie Amsterdams, die zur Elite der Neerlandia Catholica gehört. Der kleine Felix war ein reizendes Kind und wurde 1874 bei der Feier des silbernen Jubiläums König Wilhelms III. auserwählt, um im Namen aller Kinder der Niederlande und seiner Kolonien dem Landesvater die Wünsche seiner jungen Untertanen auszusprechen. 

Aufs sorgfältigste erzogen, wandte sich der Jüngling schon früh dem priesterlichen Berufe zu. Als Sohn einer so hochstehenden Familie und dank seinen Talenten und liebenswürdigen Eigenschaften stand ihm im Vaterland eine glänzende Karriere offen. 
Allein noch vor seiner Priesterweihe war sein Entschluss gefasst, ein Missionär zu werden. Er trat zu diesem Ende 1884 in die St. Josephs-Missionsgesellschaft von Mill-Hill in England. „Als ich“, so erzählt der hochw. P. Jackson, der frühere Apostol. Präfekt von Nord-Borneo, im letzten Heft des St. Joseph Advocate, „1884 in Mill-Hill zum 10. Generalkapitel weilte, war Westerwoudt dort Student. Er bat mich, privatim mit mir sprechen zu dürfen, und eröffnete mir, dass, nachdem er einmal sich entschlossen habe, Missionär zu werden, er sich auch mit Herz und Seele diesem edlen Beruf weihen wolle. 
Er habe über all unsere Missionen möglichst genaue Erkundigungen eingezogen und sei zum Schluss gekommen, dass die von Borneo die schwierigste sein müsse und eine, wo man viel für Gott leiden könne. Es sei deshalb sein inniger Wunsch, dorthin gesendet zu werden. Wenn unsere Oberen dies tun würden, so bitte er mich, ihn an jenen Posten und unter jenen Stamm zu setzen, den ich für den schwierigsten hielte, und wo sich reichliche Gelegenheit zum Leiden fände. 
Ich war sehr erfreut über eine solche Gesinnung und über alles, was ich von dem jungen Mann von anderer Seite hörte, und bat die Oberen nachdrücklich, ihn, sobald er Priester sei, nach Borneo zu schicken, was sie auch zusagten.

„Er war bereits mehrere Monate in Borneo, ehe ich nach Sarawak kommen konnte, wo er gelandet war. In der Zwischenzeit hatte er Gelegenheit gehabt, Land und Leute anzusehen, und war so im Stande, sich so aus eigener Anschauung eine gute Idee von dem Leben eines Borneo-Missionärs und des Volkes, unter dem er wirken sollte, zu bilden. Dies hatte seinen Mut nicht erschüttert, und wiederum bat er mich, ihn in die schwierigste Mission zu senden.


Ich gab ihm also den Auftrag, eine Mission unter einem Dajak-Stamm zu gründen, der auf einem Ausläufer des Singhi-Gebirges wohnt. Die Singhis sind oder besser waren damals noch der schmutzigste, hässlichste und unangenehmste Menschenschlag, der mir auf meinen Reisen in Borneo oder anderwärts unter die Augen gekommen. 
Im ganzen Stamme fand sich noch kein einziger Christ, ja kaum ein anständiger Mensch. Viele waren mit abscheulichen Hautausschlägen und anderen Dingen bedeckt, die ihren Anblick ekelerregend machten. Auch lebten sie in äußerster Armut. Trotzdem fand ich sie sehr stolz und trotzig. Ihr Häuptling war ein sehr unzugänglicher Mann und wurde selbst von den Heiden als ein schlechter Mensch angesehen. 
Von Anfang an trat er P. Westerwoudt in jedmöglicher Weise entgegen und machte ihm mehrere Jahre große Ungelegenheiten, bis endlich seine eigenen Untertanen ihn beim König des Landes verklagten, der ihn festnehmen und einkerkern ließ. 

Die Schwierigkeiten, diese Singhis zu bekehren und zu zivilisieren, waren geeignet, die meisten abzuschrecken. Nichtsdestoweniger gab sich unser guter Pater mit bewunderungswürdigem Eifer und entschlossenem Mut daran, sie zu überwinden.

(aus: die katholischen Missionen, 1898)


Fortsetzung hier...

Freitag, 14. Juni 2013

Protestantische Beschreibung der katholischen Missionen

Kathedrale der Erzdiözese Jakarta (Quelle: Gunawan Kartapranata)

Ein ehrendes Zeugnis für die katholischen Missionäre in Ostindien entnehmen wir dem Rechenschaftsbericht der dritten Versammlung der Gesellschaft protestantischer Missionäre zu Batavia (Jakarta): 

„Man kann es nicht leugnen, Rom macht in Indien beunruhigende Fortschritte. Festgeschlossen wie die macedonische Phalanx dringen die Katholiken vor und erkämpfen Sieg um Sieg. Als Kirche macht die römische Kirche einen günstigeren Eindruck auf das Gemüt der Eingeborenen als irgend ein unter dem Namen protestantische Kirche bekanntes Institut. 
Den misslichen Umständen zum Trotz bietet uns die römische Kirche wenigstens das Bild einer wahrhaft einen Kirche. Sie hat nur ein Bekenntnis; ihre Priester und Diener widersprechen sich nicht öffentlich; was der eine als Glaubensartikel hält, wird ihm kein anderer abstreiten. 

In ihrer Einrichtung ist sie der unsrigen weit überlegen. Der Obere unseres höchsten kirchlichen Instituts wird von der Regierung bestellt und ist gewöhnlich irgend ein Staatsrat; an der Spitze der römischen Missionen steht ein Bischof, der vom Heiligen Stuhl ernannt ist und von der Regierung anerkannt wird. 
Dieser Bischof ist meistens im Land selbst ergraut, er besitzt eine wirkliche Autorität und regiert mit fester, achtungsgebietender Hand. 

Die Selbstlosigkeit der Priester Roms ist wahrhaft bewundernswert; man sieht sie das Gehalt, welches die Regierung einigen von ihnen auswirft, brüderlich teilen. 
Diese Missionäre haben Schulen in allen Städten; ihre Anstalten sind in mehr als einer Beziehung ausgezeichnet, alle Welt schätzt sie, und mancher Protestant schreckt nicht vor einer klösterlichen Erziehung seiner Kinder zurück. 

Die Klosterfrauen bilden die ihrer Sorgfalt anvertrauten Mädchen mit wirklich großem Takt aus, und selten findet man eine ihrer Schülerinnen, die nicht mit der größten Liebe von diesen Schwestern spricht. Der Eifer, womit die römischen Priester Spitäler und Gefängnisse besuchen, verdient alles Lob. Die Armee äußert sich nur in einer Stimme über ihre Herzlichkeit und über ihren Opfergeist. 

Daher rührt denn auch das günstige Urteil der Öffentlichkeit und der Regierung. Diese Priester zeigen sich überall voll Mut und Überzeugung, überall sehen sie die Zahl ihrer Anhänger wachsen. Sie wissen sich selbst den Materialismus und Indifferentismus, der in diesen Ländern herrscht, zur Nutze zu machen. (Anmerkung: Eine wohl etwas unlogische Anschuldigung, wie gerade unsere indifferente und materialistische Gesellschaft im Jahr 2013 zeigt, die ja der katholischen Kirche meist im besten Fall nur Gleichgültigkeit entgegenbringt.)
Das kommt aber nur von den gemischten Ehen her. Wie viele Protestanten, denen der Protestantismus gleichgültig geworden ist, fügen sich den Forderungen ihrer katholischen Verwandten, welche unter dem Einfluss der Priester Roms stehen, und lassen ihre Kinder in der römische Religion erziehen!“


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Montag, 3. Dezember 2012

Sonntag, 3. Juni 2012

„Gehet hin und lehret alle Völker“

Giovanni de Montecorvino OFM, erster Erzbischof von Peking


Auf dem dritten internationalen geographischen Kongress, welcher in Venedig tagte, gedachte Herr Lesseps in der Eröffnungsrede der berühmten italienischen Entdeckungsreisenden seit dem Mittelalter bis auf die neueste Zeit, und vergaß dabei keineswegs die Missionäre.
Unter diesen wurde besonders der Franziskaner Ordovico de Pordenone (1285-1331) hervorgehoben, der die entferntesten Gebiete Asiens durchzogen und über seine Erlebnisse einen verdienstvollen Bericht hinterlassen hat.
1314 zog er von Venedig aus, begab sich zunächst nach Konstantinopel; predigte dann in Bosnien, in der Herzegowina, in Ungarn und Polen das Evangelium, darauf verweilte er in Armenien und Persien und drang bis in die Tartarei vor. Nun ging er nach Rasan und Jezdo, von wo er nach Bagdad herunterzog, überall das Wort Gottes verkündend.1322 finden wir ihn in Indien, nahe bei Bombay, woselbst er von den Götzendienern viel zu leiden hatte.
Von da gelangte er zu Schiff an die malabarische Küste, nach Madras, Ceylon und Sumatra, weiter ging es dann nach Java und Paten. Nach langwieriger Fahrt trat er dann in Zapa auf, dem Ciamba Marco Polos, einer Provinz Süd-Cochinchinas (Anmerk.: heute Südvietnam und östliches Kambodscha).
Der unermüdliche Apostel wendete sich nun direkt nach Norden, besuchte China und hielt sich drei Jahre in Peking auf, woselbst er den greisen 80-jährigen Bischof Giovanni de Montecorvino (siehe Bild) noch antraf.
Er kehrte nach Europa zurück, um apostolische Arbeiter anzuwerben, und durchzog jetzt ganz Asien, indem er seinen Weg nach Tibet nahm. Glücklich traf er endlich wieder in Italien ein, starb aber dann bald nach seiner Ankunft in seinem Konvent von Udine fromm in Herrn im Alter von nur 46 Jahren.


(Aus: die katholischen Missionen,1882)

Dienstag, 17. April 2012

Was ein mutiger Priester den Mohammedanern predigte


Gewiss haben schon manche unserer Leser den Wunsch gehabt, an einem Beispiele zu ersehen, was und wie die Missionäre in fernen Heidenländern predigen. Es ist nicht leicht, diesen Wunsch zu erfüllen, da die Missionäre begreiflicherweise wenig Zeit haben, ihre Predigten zu übersetzen und nach Europa zu senden. Da wir nun doch zufällig in einem Berichte auf eine solche Heidenpredigt stießen, so mag sie wenigstens im Auszug hier folgen. Sie stammt von dem holländischen Missionär P. Kusters, den unsere Leser in dem Aufsatz „Die Mission auf den Kei-Inseln“ letztes Jahr kennen und schätzen gelernt.

Die Predigt wurde 25. August 1891 bei Gelegenheit der Taufe des Orang-Kaja von Langur und seiner Familie gehalten. Der Kampong (Dorf) und besonders das Kirchlein prangte für die Feier im schönsten Schmuck, und der kleine Knabenchor hatte eifrig seine besten Weisen eingeübt.

Denn man erwartete viele Gäste, und sie kamen auch, nicht bloß Christen, sondern auch zahlreiche Heiden und Mohammedaner von nah und fern. Selbst einige Hadschis, d.h. hochangesehene Mekkapilger aus Tual, hatte die Festlichkeit herbeigezogen.
Nach dem feierlichen Veni Creator, das von dem Missionär angestimmt und von den Knaben mit frischer Stimme gesungen wurde, trat P. Kusters vor die Versammlung, die dicht gedrängt die Kirche füllte. 
Die Predigt war zunächst an die Christen gerichtet, hatte aber tatsächlich die anwesenden Heiden und Mohammedaner im Auge, die der Missionär vielfach bloß bei solchen Gelegenheiten in seinen Hörbereich bringt, wo zudem in Verbindung mit ergreifenden Zeremonien ein ernstes Wort am meisten Eindruck macht.
Der Prediger sprach dann ungefähr also:

Alle gebildeten Nationen (das war besonders auf die anwesenden Mohammedaner gemünzt) nennen dieses Jahr das Jahr 1891. Was bedeutet diese Zahl? Worauf geht diese Zählung zurück?
Sie geht zurück und beginnt mit dem Geburtsjahr des Stifters der christlichen Religion. Und wer ist dieser Stifter? 
Es ist Jesus, unser Herr und Heiland, der sich der Welt als Gott geoffenbart, als derjenige, der gekommen, um die sündige Welt zu erlösen.
Auferstehung
Raffaelino del Garbo, 1510
Zum Beweise Seiner Gottheit und Seiner Sendung hat dieser Jesus zahlreiche Wunderwerke getan. Er hat zu Kana Wasser in Wein verwandelt, er ist hingewandelt über die Wasser, er hat mit einem Wort den Sturm beschwichtigt, er hat wenige Brote wunderbar vermehrt, er hat die geheimsten Gedanken der Menschen geoffenbart, er hat Kranke geheilt, Tote zum Leben auferweckt und ist endlich selbst glorreich aus dem Grabe auferstanden.

Und derselbe Jesus, der diese Wunder getan, hat die Menschen Wahrheiten gelehrt, die Wahrheiten des christlichen Glaubens, die Wahrheit, dass nur ein Gott ist. (Der Prediger gibt hier einen kurzen, klaren Inbegriff von den Grundwahrheiten des Christentums, insbesondere vom Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung, und fährt dann fort):

Und nun, ihr, meine lieben Täuflinge und Christen, die ihr hier gegenwärtig seid, ihr habt diesen Jesus als euren Gott und Erlöser kennen gelernt, ihr habt seine Lehre angenommen. Er allein ist es, der euch erretten kann und will vor der Hölle. Er selbst hat gesagt, dass er in diese Welt gekommen, um allen, so Ihm folgen werden, das ewige Leben zu geben. Dieses Versprechen kann Er nicht vergessen.
Tragt daher eurerseits Sorge, dass ihr getreu seine Gebote befolgt und als eifrige Christen lebt, und dann wird Er euch das Leben geben, jenes Leben, das ewig währt, das selige Leben im Himmel.

Und nun wende ich mich auch an euch, die ihr nicht Christen, aber hier gegenwärtig seid. Diese große Festlichkeit gibt mir Gelegenheit, auch an euch ein Wörtlein zu richten. Ihr habt gehört, wer Christus ist.
Christus aber ruft auch euch; Er will, dass auch ihr seine Lehre umfanget und eure Seele rettet. Folgt daher Seinem Ruf, aber folgt bald und schiebt es nicht immer weiter auf. Gott duldet nicht, dass die Menschen mit seinen Geboten ihr Spiel treiben.

Christus ist euer Gott und oberster Herr. Nach Seinen Worten also, und nicht nach dem was Menschen sagen, müsst ihr euch richten. Bald kommt die Zeit, dass ihr sterben müsst und in Gottes Hände fallt, der euch richten wird.
Dann kann kein Mensch für euch eintreten und euch helfen, dann kann allein Christus euch helfen und für euch fürsprechen. 
Sorgt also, dass ihr Ihn euch jetzt zum Freunde macht. Christus, ich wiederhole es, ist euer Herr; ihr seid Seine Diener, da Er euch geschaffen. Ein guter Diener erfüllt aber das Gebot seines Herrn.

Nun befiehlt euch aber Christus, Seine Religion zu umfassen, und zwar jetzt, nicht erst nach einem Monat oder einem Jahr… Den wahren Gott zu verehren durch Annahme und Festhalten der wahren, d.h. der christlichen Religion, seht, das ist das vornehmste Werk, das ihr auf dieser Welt zu erfüllen habt und das ihr darum nicht länger aufschieben dürft.

Gott ruft euch heute, Seine Religion anzunehmen; ob Er auch morgen noch rufen wird, das weiß ich nicht. Gott ist so gütig, euch heute noch das Leben zu erhalten; ob Er dies morgen noch tut, das wisst ihr nicht. Gott schuldet es keinem, ihm sein Leben länger zu fristen, am wenigsten denjenigen, die Seinen Worten kein Gehör schenken wollen.

Eines ist gewiss: so ihr, nachdem ihr den Erlöser der Welt kennen gelernt, Seine Gebote nicht beobachtet, Seine Religion nicht umfanget, wird Er euch statt eines Erlösers ein schrecklicher Richter sein.
So ihr aber sterbet als eifrige Christen, wird Christus euch ewiges Glück verleihen, das ewige Leben einst oben im Himmel. Amen.“

Aus: Die katholischen Missionen, Juli 1895