Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Freitag, 23. Mai 2014

Papst Pius X. geht gegen falschen Ökumenismus vor



Die Unionsfrage ist durch den Artikel: „Gedanken zur Frage der Wiedervereinigung beider Kirchen“, der in der neuen von griechischen Basilianermönchen von Grottaferrata herausgegebenen Zeitschrift Roma e l’Oriente erschien, wieder stark in den Vordergrund des Interesses getreten. 

Die dort gemachten Vorschläge, wie die getrennten Kirchen wieder vereinigt werden können, sind verblüffend einfach. Sie laufen, kurz und klar gesagt, auf Folgendes hinaus: Die römische Kirche verzichtet auf den Primat über die Gesamtkirche und begnügt sich neben den selbständig regierenden Patriarchen des Ostens mit einem gewissen Ehrenvorrang; sie verlangt von den schismatischen Kirchen weder die Abschwörung jener Irrtümer, welche das Schisma zum Teil mit herbeigeführt haben, noch auch die Annahme jener Glaubenslehren, welche seit der Spaltung in der römischen Kirche definiert wurden, wie das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis und der päpstlichen Unfehlbarkeit. 

Kurz, die Union geschieht nicht durch Unterwerfung der orientalischen Kirchen unter die eine, zentrale Lehr- und Hirtengewalt, sondern durch eine Art Friedensschluss zwischen Ost und West mit offizieller Anerkennung der beidseitigen Rechte. Dies alles ist in dem Aufsatz natürlich nicht so klar und offen gesagt, ergibt sich aber aus den Aufstellungen des Verfassers mit logischer Folgerichtigkeit. 
Der Schmerz über die unselige Trennung, das Verlangen, den traurigen Riss zu heilen und eine allzu große, fast leidenschaftliche Liebe zum Orient hat hier ein edles Priesterherz seltsam berückt und seinen ruhigen, klaren Blick in fast unbegreiflicher Weise getrübt.

Es ist klar, dass Rom zu solchen Auslassungen, die, so gut sie gemeint sind, nur dazu dienen können, die Schismatiker in ihren Irrtümern und ihrer Hartnäckigkeit zu bestärken, unmöglich schweigen konnte, und so richtete Papst Pius X. am 26. Dezember 1910 ein Apostolisches Rundschreiben (Ex Quo, Link hier, leider nur Latein; S. 117-121 der PDF) an alle Apostol. Delegaten im Osten (einschließlich Indiens mit seinen syromalabarischen Katholiken und jakobitischen Schismatikern), das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. 

Er weißt die in jenem Artikel aufgestellten Behauptungen und zahlreichen dogmatischen wie historischen Irrtümer mit Würde und aller Entschiedenheit zurück. Die Wiedervereinigung der Kirchen, das ist kurz der Inhalt, war stets und ist der innigste Herzenswunsch der Päpste, aber sie kann nur geschehen auf Grund der wahren, unverfälschten, unteilbaren, auf Schrift und Tradition beruhenden Kirchenlehre. 
Durch Preisgabe von Offenbarungslehren und göttlich verbrieften Rechten kann und darf die Vereinigung der Kirchen, so wünschenswert sie auch ist, niemals erkauft werden. (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Freitag, 18. Januar 2013

Gestern orthodoxer Bischof – morgen katholischer Heiliger?

Mar Ivanios (Quelle: Altera levatur)
Eine der bedeutendsten Konversionen der indischen Geschichte war wohl die des orthodoxen Erzbischofs Mar Ivanios Geevarghese, der 1882 in eine bekannte syrisch-orthodoxe Familie in Südindien (Bundesstaat Kerala) geboren wurde.
Er war zunächst 
Bischof der syrisch-malankarischen orthodoxen Kirche, gründete den Orden Bethany Ashram, den Orden der Nachfolge Christi (O.I.C.) und bekehrte sich 1930 mit Teilen seines Klerus und seiner Gläubigen zur katholischen Kirche.
Die so entstandene neue Teilkirche, die syro-malankarische katholischen Kirche, befolgt auch heute noch die liturgischen Gebräuche des westsyrischen Ritus (Interessante Fotos von der Liturgie mit Basilios Kardinal Catholicos hier).


Nach den Aussagen von Mar Ivanios in einem Interview auf dem Eucharistischen Kongress in Dublin im Jahr 1932 war es das Studium der Geschichte des Christentums, das ihn überzeugte, katholisch zu werden: 



(...) Dieses Studium überzeugte mich, dass unser Herr nur eine Kirche gegründet hat, die eins ist in ihrer Organisation und ihrem Glauben, und dass das Oberhaupt dieser einen Kirche der Papst ist.

Sein Weihbischof, 37 Priester und 8.000 Gläubige machten diesen Schritt der Konversion zur katholischen Kirche mit ihm, über die verbleibenden 500.000 Orthodoxen in Südindien sagte er:

Es ist mein aufrichtiger Wunsch, sie alle zu bekehren.

Interessante Fotos von Mar Ivanios gibt es hier

Der Seligsprechungsprozess von Mar Ivanios wurde 2007 eingeleitet. 

Heute hat die syro-malankarische katholische Kirche weltweit 430.000 Mitglieder. Das nennt man wohl gelungene, echte Ökumene, die immer nur die volle Einheit mit der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt, dem Papst bedeuten kann.

(Quellen: http://www.bethanyashram.org/index.htm , http://marivanios.info/ , Wikipedia)

Donnerstag, 7. Juni 2012

Katholisches Leben auf Tahiti ­— Fronleichnamsprozession

Cook Bay, Mo'orea, Tahiti  ( Quelle: Rv at the French language Wikipedia)

(…) Ein weiteres Mittel, welches zugleich das Ansehen der katholischen Religion bei den Andersgläubigen hebt, ist die prunkvolle Begehung der kirchlichen Feste, worunter die Fronleichnamsprozession die erste Stelle einnimmt.
Schon eine Woche zuvor beginnen die Vorarbeiten zur Herrichtung der Altäre. Die Tahitier besitzen ein merkwürdiges Geschick, Kirche und Straßen feierlich zu schmücken. Mit einer Kleinigkeit, etwas Baumrinde, einigen Palmblättern oder Pflanzenfasern führen sie die eigenartigsten und zartesten Motive und Dekorationen aus. Dabei kommt ihnen der Blumenreichtum ihres Landes gut zu statten. 

Aus nah und fern haben sich bereits am Vorabend ganze Scharen von Gläubigen um den Thron des Bischofs versammelt, um den Segen zu empfangen. Um 8 Uhr morgens ist feierliches Pontifikalamt.
Nachmittags verkündet die Glocke den Beginn der Prozession. Die Blechmusik spielt einen Festmarsch, langsam und feierlich, die Eingeborenen antworten mit einer brausenden Jubelhymne. Mit wehenden Fähnlein und Flagge eröffnen die Zöglinge der Schulbrüder von Ploërmel und der Schwestern von Cluny die Prozession. Ihnen folgen die Gläubigen, Gemeinde für Gemeinde, jede mit ihrem Kreuzträger an der Spitze.
Ihre Gesänge zu Ehren des heiligen Sakraments wecken das Echo der Berge. Unmittelbar vor dem Baldachin schwingen zwölf Knaben ihre Weihrauchfässer, und zahlreiche Blumenträger streuen dem Heiland die schönsten Gaben dieser fernen Inselwelt. Der Apostol. Vikar, angetan mit den reichsten Gewändern, trägt das Allerheiligste.
Ganz Papeete, ohne Unterschied der Konfession, nimmt an der Feier teil und folgt in würdiger Haltung der heiligen Handlung, voll Bewunderung für den majestätischen Kult der katholischen Kirche. Die Prediger natürlich knirschen über diese öffentliche Ehrung der katholischen Religion, die ihnen als verabscheuungswürdiger Götzendienst vorkommt.
Doch vermögen sie nichts dagegen, da die Prozession sich auf dem Gebiet der Mission bewegt. Der Gouverneur ist ein sehr gutgesinnter Mann und der größte Teil der Protestanten bringt den katholischen Priestern Achtung und Vertrauen entgegen. Viele möchten katholisch werden, aber Menschenfurcht bei den einen, Vorurteile bei den anderen und andere Ursachen halten sie vom letzten Schritt ab.
Die Gesinnung mancher Andersgläubigen kleidete ein Protestant in die Worte: “Ihr Patres erklärt wenigstens eure Lehre, unsere Prediger dagegen schmähen nur die katholische Kirche, sagen uns aber nichts über den Ursprung, die Grundwahrheiten und den Zusammenhang unserer Religion.“ 

Mehrere Protestanten sind indes in der letzten Zeit zur Kirche übergetreten; andere bereiten sich vor.
Dieser rege Eifer der Katholiken hat natürlich neue Machenschaften der Prediger zur Folge. Sie arbeiten beständig beim französischen Ministerium darauf hin, die Ausweisung der Missionäre zu erwirken. Nicht bei der tahitischen Regierung, sondern in Paris sehen die katholischen Missionäre eine Gefahr.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Dienstag, 24. April 2012

Ein junger Basutohäuptling erklärt die Marienverehrung

Bei Gelegenheit einer großen Volksversammlung, die der Oberhäuptling der Basutos, Litifia, veranstaltet hatte und bei der die religiöse Frage und besonders der Unterschied der katholischen und protestantischen Lehre zur Sprache kam, trat unter anderem auch Massupa, der jüngere Bruder Litifias, auf und sprach:

„Mein Bruder und Häuptling Litifia! Vor allem muss ich dir mitteilen, dass ich die Römischen (Missionäre) zu mir eingeladen und ihnen nahe bei meinem Dorfe eine Wohnung angewiesen habe. Die protestantischen Prediger haben alles getan, um mich davon abzuhalten. 

Ich aber blieb dabei, erklärend, dass mein Vater sowohl die katholischen wie die protestantischen Missionäre mit seinem Wohlwollen beehrt habe, und dass die römischen wenigstens ebenso viel Recht darauf hätten als die protestantischen.

Es hat aber einer der protestantischen Missionäre gesagt, dass zwischen ihnen und den Katholiken eine Kluft bestehe, und diese Kluft sei Maria.

Nun, ich habe gehört, was die katholischen Priester hierüber lehren. Danach verhält es sich so:
 Mariae  Krönung
Fra Filippo Lippi
entstanden 1441/47
Maria ist die Mutter Jesu; Jesus aber ist der Sohn Gottes, somit ein großer, mächtiger Herr; folglich ist Maria die Mutter eines großen Königs. Die Mutter eines Königs aber nennen wir Königin; folglich ist Maria Königin.

Ferner hat sie ihr Sohn, nachdem er in den Himmel aufgefahren, zu sich hinaufgenommen. Dort steht nun seine Mutter bei seinem Throne, reich an Glorie und Macht. Nun wenden sich die römischen Christen an diese Königin und sagen: „O Maria, die du beim Throne Gottes stehst, bitte für uns!“ Gebt wohl Acht! Sie sagen nicht einfachhin: „ wir bitten dich“, sondern „wir bitten dich, bitte für uns.“ Alles dieses scheint mir sehr vernünftig.

So weit Massupa. Wie manchen der von uns getrennten irrenden Brüder wäre die gesunde Logik dieses jungen Basutohäuptlings zu wünschen!

(Aus: Katholische Missionen, 1890)

Die Pest und die Kreuzschwestern von Bombay

Die Pest hat in Bombay und Puna seit Juni fast ganz nachgelassen, fordert aber an anderen Orten noch zahlreiche Opfer. 
Der Tod der ehrw. Schwester Elisabeth, einer der Kreuzschwestern, die sich in Bombay der Pflege der Pestkranken geweiht hatten, hat unter allen Klassen der Bevölkerung lebhafte Teilnahme geweckt, und das Begräbnis gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Dankbarkeit und Verehrung.
Die protestantische Times of India und andere Blätter gaben diesen Gefühlen wiederholt den beredtsten Ausdruck. Es sei was ganz anderes, Indiens Hitze zu tragen mit der Aussicht eines reichen Einkommens und einer späteren sorgenfreien Pensionierung. 
Die Schwestern aber hätten alles verlassen, was einem Menschenherz teuer ist, um sich, ohne auf irdischen Lohn zu hoffen, ganz ihrem so opfervollen Berufe zu weihen. Sie hätten auf allen Trost irdischer Liebe verzichtet, „damit in ihrem Herzen eine weitere, fessellose geistige Liebe Platz gewönne, die sie dem liebebaren Leben armer, verlassener Waisenkinder schenken könnten. Wahrhaftig, es liegt in einer solchen Weihe, einem solchen Opferleben und freiwilligen Martyrium etwas, das uns allen, gleichviel, ob wir einer Religion angehören oder welcher, Hochachtung abzwingt.
Allein während der gegenwärtige Pestilenz sind manche dieser Schwestern aus diesem und anderen religiösen Orden noch zu einem höheren Grade des Heroismus gerufen worden. 
Mit Einsetzung ihres Lebens haben sie diesem Rufe, ohne einen Augenblick zu zögern, Folge geleistet… Bei diesem Werk der Liebe hat eine ihr Leben hingegeben. Wahrlich, da sind wir voll und ganz berechtigt zu sagen: „Größere Liebe als diese kann kein Mensch haben.“ Und gewiss handeln wir im Namen der ganzen europäischen Bevölkerung von Bombay, wenn wir diesen opfermutigen christlichen Frauen unseren Dank aussprechen. 
Mit Recht werden sie „Töchter des Kreuzes“ genannt.
Es ist unsere Überzeugung, dass solch ein Beispiel, wie sie es gegeben haben, mehr geistige Frucht hervorzubringen geeignet ist, als das Predigen vieler Missionen. Denn es muss jedes Herz im Inneren erfassen.“

Zu Ehren der Schwestern wurde in dem Grand Road Hospital von den Ärzten und Assistenten und dem ganzen Personal eine öffentliche Demonstration in dem prächtig geschmückten Hauptsaal veranstaltet, bei welcher das verdienstvolle Wirken der Schwestern in schwungvollen Reden und herzlichen Ovationen gefeiert wurde. Ähnliches wiederholte sich in anderen Spitälern. Ehre unseren katholischen Schwestern!

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Dienstag, 6. März 2012

Die Mission unter den Schwarzen in Galveston, Texas (Teil 2)

Schwarze Schwestern mit Mädchen in Galveston (früher hat man bei Fotoaufnahmen ernst geschaut)

Fortsetzung von hier

Die Anstalt und die opferwillige Hingabe der Negerschwestern haben nicht verfehlt, unter den nichtkatholischen Negern eine günstige Stimmung gegen die katholische Kirche zu wecken. Man findet, dass gerade solche Gewerbeschulen das beste Mittel seien zur Lösung der schwierigen Negerfrage in den Südstaaten.
Daher wäre eine ähnliche Anstalt dringendes Bedürfnis. Leider fehlen die Mittel, und so ist die Gefahr da, dass man den günstigen Augenblick verpasst. Die glänzenden Erfolge unserer Anstalt haben bereits die Protestanten vermocht, auch ihrerseits Bewahr- und Erziehungsanstalten dieser Art für arme Negerkinder zu errichten. Gegenwärtig jedoch scheint unsere Anstalt sogar von protestantischen Negern bevorzugt zu werden, wenigstens in einzelnen Fällen.
Ein Mädchen, dem vor zwei Jahren eine Freistelle in einer protestantischen höheren Erziehungsanstalt angeboten wurde, zog es vor, in unsere Anstalt zu kommen, obwohl es und seine Angehörigen früher fast nie ein Wort über die katholische Religion gehört hatten. Das Mädchen wurde katholisch und macht der Anstalt alle Ehre.
Es ist allgemein bekannt, dass der Neger von Natur aus sehr religiös veranlagt ist, doch sagt man ihm nach, dass er keine Ausdauer besitze und nachdem er katholisch geworden sei, leicht wieder vom Glauben abfalle.
Meine Erfahrung in den zwölf Jahren unter den Negern hat mich eines andern belehrt. Zuerst möchte ich beiläufig erwähnen, dass bereits drei Mädchen unserer Anstalt Beruf zum Ordensstande zeigten und der Genossenschaft der heiligen Familie, die ganz aus Negerschwestern besteht und ihr Mutterhaus in New Orleans besitzt, beigetreten sind. Alle drei wirken nun als Lehrerinnen unter ihren Rassegenossen in verschiedenen Missionen.


Was die Standhaftigkeit mancher Neger im heiligen Glauben angeht, so habe ich in diesen Jahren manches Auffallende erlebt. Ich bin schon mehrere Male nach einer Negeransiedelung, 60 Meilen von Galveston, gerufen worden, um sterbenden Negern die heiligen Sakramente zu spenden. Die armen Leute waren vor 20 oder 30 Jahren katholisch geworden und später in diese Ansiedelung gezogen, wo sie zerstreut mitten unter protestantischen Negern und von protestantischen Hausgenossen umgeben, wohnten.
Obwohl sie fast nie einen Priester zu sehen bekamen, so hielten sie dennoch an ihrer Religion fest. In einer anderen Ansiedlung, 140 Meilen von hier, fand ich vor einigen Jahren mehrere Familien, deren Eltern schon zur Zeit der Sklaverei katholisch geworden waren. 


Sie sind seitdem der Religion treu geblieben und haben ihre Kinder katholisch erzogen; und doch hatten sie während 25 Jahren einen Priester jährlich nur ein- oder zweimal getroffen.
Andere Neger, die sich während meiner Tätigkeit hier unserer heiligen Kirche angeschlossen haben, sind dafür von ihren Verwandten und von früheren Glaubensgenossen verachtet und verfolgt worden, haben aber diese Nachstellungen mit erstaunlichem Heldenmut überwunden. Ähnliche Fälle hat auch unsere Anstalt mehrfach aufzuweisen.
Obwohl die uns zur Erziehung übergebenen Kinder, wie gesagt, in der Regel von Seiten ihrer Eltern auf keine Schwierigkeiten stoßen, wenn sie sich unserer Kirche anschließen wollen, so gibt es hie und da doch Ausnahmen. Vor zwei Jahren z.B. kam ein dreizehnjähriges Mädchen in die Anstalt. Dasselbe gehörte, wie auch seine Eltern, der Baptistensekte an. 


In den ersten Tagen nach seiner Aufnahme in die Anstalt kam ihm alles, besonders beim Gottesdienst, lächerlich vor, und es äußerte sich den anderen Kindern gegenüber, dass es nie katholisch werde. Doch diese sagten dem Mädchen einstweilen ganz gleichgültig: „Warte einmal ein bisschen — uns ging es anfangs gerade so wie dir“. Das Mädchen schien von Hause aus gegen den Eintritt in die katholische Kirche gewarnt worden zu sein.
Nach zwei Wochen hatte es jedoch nichts mehr gegen die katholische Religion einzuwenden und schien über die Sache ernsthaft nachzudenken. Einige Wochen später teilte es einer der Schwestern mit, dass es auch gern katholisch werden möchte und sprach auf Anweisung der Schwester von seinem Vorhaben mit mir. Ich gab ihm zur Antwort: „Wenn du recht brav bist und den Katechismus fleißig lernst, werde ich dich vielleicht nächstes Jahr (bedingungsweise) taufen und in die Kirche aufnehmen.“ Dies schien dem Mädchen zu gefallen. 


Einige Monate später, am 8. September 1900, kam die furchtbare Sturmflut, die unsere Stadt heimsuchte und auch an den Gebäulichkeiten der Mission erheblichen Schaden anrichtete. Ich hatte mich aus meiner armseligen Wohnung, die kurz darauf vom Sturm niedergeweht wurde, in die Schule geflüchtet, wo die Schwestern mit den Zöglingen in einem Zimmer sich versammelt hatten. 

Als der Sturm am furchtbarsten wütete und das Wasser anderthalb Meter hoch gestiegen war, und alle in der Anstalt mit jedem Augenblick den Tod erwarteten, sagte ich den Kindern, die noch nicht getauft waren, dass sie in einer Ecke des Zimmers beisammen bleiben, damit ich ihnen die Nottaufe spenden könnte, im Falle, dass das Gebäude einstürzen sollte. Wir kamen aber, Dank dem Schutze der lieben Mutter Gottes, zu der wir während der Dauer des Sturms unaufhörlich flehten, mit dem Leben davon.
Mehrere Tage nach dem Sturm teilte das erwähnte Mädchen einer der Schwestern mit, es habe in der Nacht des Sturmes gebetet, wir möchten untergehen, damit es ohne Verzug in die Taufgnade erhalte und als Mitglied der katholischen Kirche sterbe. Als nachher das Mädchen, unserer Regel gemäß, seine Eltern um Erlaubnis bat, katholisch zu werden, wurde dieselbe verweigert.


Traurig über die abschlägige Antwort ging das Kind mehrere Tage weinend umher. Schließlich sagte es zu mir: „Wenn Sie mich taufen und in die katholische Kirche aufnehmen wollen, werde ich doch katholisch, wenn es mir meine Eltern auch nicht erlauben.“
Da das Mädchen so eifrig war und eine ungewöhnliche Festigkeit zeigte, entsprach ich seinem Wunsch und nahm es letztes Jahr nach Ostern mit 20 anderen Negern in die Kirche auf. Seit der Zeit ist es ein Muster der Frömmigkeit und Sittsamkeit, und seine Eltern machen seitdem auch keine Einwendungen mehr. 

Solche Beispiele sind gewiss geeignet, uns zu weiteren Anstrengungen zu ermuntern.
Meine lieben Landsleute im alten Vaterland werden es mir daher nicht verargen, wenn ich bei ihnen um Unterstützung dieser armen Mission anklopfe. 


Wer das geistliche Elend und die bedauernswerte sittliche Lage dieser armen Neger kennt und andererseits günstige Gelegenheiten sieht, dieser verachteten Rasse aufzuhelfen, der muss gestehen, dass die hiesigen Negermission vollsten Anspruch auf die Unterstützung vonseiten der Katholiken Europas haben. Im Voraus mein herzliches Vergelt’s Gott!


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Montag, 5. März 2012

Die Mission unter den Schwarzen in Galveston, Texas (Teil 1)


Es ist eine sehr betrübende Tatsache, dass von den 8 Millionen Negern der Vereinigten Staaten nur etwa 160 000 katholisch sind, während über 4 Millionen den verschiedenen protestantischen Sekten angehören. Die Frage, wie dies zu erklären und einigermaßen zu entschuldigen ist, wollen wir vielleicht ein andermal zu lösen versuchen. Vorläufig genüge die Angabe, dass seit etwa zwei Jahrzehnten anerkennenswerte Bemühungen geschehen sind, um das Versäumte einigermaßen nachzuholen.
Die Gelegenheit ist vielfach eine sehr günstige, und wenn hinreichend Mittel und Kräfte vorhanden wären, so würde es nicht schwer fallen, einen großen Teil der schwarzen Bevölkerung der Kirchen zurückzugewinnen. Was apostolischer Eifer und Opferwilligkeit auf diesem Gebiet zu leisten vermag, soll uns das Beispiel der Negermission in Galveston, Texas, beleuchten.
„Ich bin“, so schreibt uns der hochw. Herr Ph. L. Keller, „seit 12 Jahren in der Negermission von Galveston tätig, und es ist mir gelungen, jährlich eine schöne Zahl Neger für die Kirche zu gewinnen.
Freilich hatte ich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, da uns in dieser Stadt 10 oder 12 protestantische Negerprediger gegenüberstehen, die alles aufbieten, um ihre Leute von der katholischen Kirche abzuhalten. Mit den alten Negern, von denen die meisten schon irgendeiner Sekten angehören, lässt sich nicht viel anfangen. Die meisten sind dem einen oder andern Laster ergeben, und dies allein hält viele vom Eintritt in die katholische Kirche ab.
Anders steht es in Bezug auf die Jugend. Es ist zum Erstaunen, wie viele nichtkatholische Neger uns ihre Kinder zur Erziehung anbieten. Wir haben dies besonders in den letzten Jahren erfahren. Es ist mir vor 4 Jahren gelungen, nebst der schon seit 14 Jahren bestehenden Elementarschule eine Bewahranstalt und Arbeitsschule für arme und verwahrloste Negermädchen zu gründen.
Die Anstalt steht unter der Leitung von Schwestern aus der Negerrasse, die ihr Mutterhaus in New Orleans haben. Es wurden in diesen 4 Jahren 80 Kinder aus verschiedenen Teilen des Staates aufgenommen; 45-50 Kinder weilen beständig in der Anstalt.
Die meisten dieser Kinder stammen von nichtkatholischen Eltern, die es sich aber zur Ehre rechnen und sich glücklich schätzen, ihre Kinder in dieser Anstalt unterzubringen. Wir erhalten beständig Gesuche um Aufnahme, müssen dieselben aber aus Mangel an Räumlichkeiten und den nötigen Mitteln zu unserem großen Bedauern ablehnen.
Die Anstalt ist gänzlich auf Almosen angewiesen, die aber leider, anstatt den Anforderungen entsprechend zu wachsen, sich allmählich verringern. Die Mission erhält jährlich eine Unterstützung von dem katholischen Büro für Indianer- und Negermissionen; doch reichte der Betrag z.B. in den letzten Jahren nicht einmal, um die Unkosten auf zwei Monate zu decken. Die Beschaffung der nötigen Mittel zum Unterhalt dieser armen Kinder nimmt deshalb einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch und hindert mich vielfach an der sonstigen notwendigen oder nützlichen Tätigkeit in der Mission.
Trotzdem bin ich entschlossen, auch fernerhin der Erziehungsanstalt meine Hauptaufmerksamkeit zu schenken, da der Erfolg derselben auch die kühnsten Erwartungen übertrifft. Wie schon gesagt, ist bei weitem die große Mehrzahl der Kinder bei ihrer Aufnahme in die Anstalt nicht katholisch. Durch den beständigen Verkehr mit den Schwestern und die Teilnahme an den religiösen Übungen und dem Gottesdienst lernen sie die katholische Religion kennen und gewinnen dieselbe lieb.
So reift in ihnen nach einiger Zeit der Wunsch, katholisch zu werden. Die Eltern oder sonstigen Angehörigen, deren Erlaubnis die Kinder vor ihrem Eintritt in die katholischen Kirche einholen müssen, machen in der Regel keine Einwendungen, sondern sagen: ‚Es ist uns einerlei, welcher Kirche sich anschließen, so lange dieselben nur gut erzogen und brave Menschen werden.‘
Wir haben erfahren, wie solche Kinder, die nach zwei- oder dreijährigem Aufenthalt in der Anstalt zu ihren Angehörigen zurückgekehrt sind, mit Stolz auf die katholische Religion hinweisen, und solchen, die sich über die Kirche verächtlich ausdrücken, zur Antwort geben: ‚Wenn ihr die katholische Kirche kennen würdet wie ich, dann würdet ihr auch verlangen, katholisch zu werden.‘
Es ist also zu erwarten, dass diese Kinder später unter ihren Angehörigen als kleine Apostel wirken werden. Ferner werden dieselben in der Anstalt an Ordnung und Sittsamkeit gewöhnt und lernen alle nötigen Hausarbeiten wie Kochen, Nähen, Stricken, Flicken usw. Damit ist die beste Garantie geboten, dass sie zu braven, ordentlichen Menschen heranwachsen. Die bisherigen Erfolge berechtigen zu den schönsten Hoffnungen.



(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Fortsetzung hier

Samstag, 17. Dezember 2011

Heilige, Selige und Ehrwürdige der Ostkirche


Ich beobachte in letzter Zeit ein gewisses Interesse am östlichen Christentum, von dem ich schon auf unserem anderen Blog geschrieben habe. Soweit ich sehen kann ist dieses Interesse leider größtenteils auf die schismatischen Kopten beschränkt, während die eigenen orientalischen Glaubensbrüder nicht viel Beachtung erhalten. Deswegen möchte ich hier einige Heilige, Selige und Diener Gottes der Ostkirche vorstellen. Rufen wir sie als Fürbitter in für die Einheit aller Christen in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche an!

Hl. Josaphat Kunzewitsch (1580-1623)




Der heilige Josaphat Kunzewitsch war Erzbischof von Polozk und ist ein Märtyrer der kirchlichen Einheit. Nach der Union von Brest setzte er sich für das Fortbestehen des ukrainischen Ritus ein. Am 12. November 1623 wurde er in Witebsk von einem Mob von Schismatikern mit einer Axt ermordet (siehe die häufige Darstellungen von St. Josaphat mit Axt).

Im lateinischen Ritus ist sein Gedenktag am 12. November, in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche am 25. November.




Sel. Mykolay Charnetsky CSsR (1884-1959)

Dieser Redemptoristen-Bischof teilte das Schicksal vieler katholischer Priester in der Ukraine, die von den Kommunisten nach der Einnahme durch die Rote Armee systematisch verfolgt wurden. Er wurde vom NKVD verhaftet und zu sechs Jahren Zwangsarbeit in einem Gulag verurteilt. Nach zwei Jahren war er dem Tode nah. Trotzdem bemühte er sich, auch in der Gefangenschaft seine priesterliche Seelsorgearbeit weiterzuführen. Er wurde schließlich entlassen und konnte trotz ständiger Überwachung Priesterkandidaten vorbereiten und weihen.

Bis zum heutigen Tag werden viele Wunder durch seine Fürsprache berichtet. Er wird als Märtyrer verehrt. Weitere Redemptoristen, die als Märtyrer der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa verehrt werden, sind der sel. Methodius Trcka, der sel. Zenon Kovalyk und der sel. Vasyl Velychokovsky.

Hl. Charbel Makhlouf (1828-1898)


Der heilige Charbel Makhlouf war ein syrisch-maronitischer Mönch aus dem Libanon. Er führte in seinem Kloster ein Leben außergewöhnlicher Strenge und aß nur eine Mahlzeit am Tag, die aus den Essensresten seiner Mitbrüder bestand. Er hatte die Gewohnheit, täglich um 11 Uhr die heilige Messe zu zelebrieren, damit er sich den ganzen Morgen auf die heiligen Geheimnisse vorbereiten konnte. Nach seiner Beerdigung umgab ein außergewöhnlich helles Licht 45 Tage lang sein Grab. Nach der Exhumierung wurde sein Leichnam vollkommen intakt gefunden und sonderte eine wohlriechende, blutähnliche Flüssigkeit ab, die zu vielen wunderbaren Heilungen beigetragen hat. Erst 67 Jahre nach seinem Tod verfiel sein Körper schließlich.

Sein Festtag ist der 24. Juli. Zusammen mit der heiligen Rebekka Ar Rayès und dem heiligen Nimatullah al-Hardini gehört er zu den drei offiziell von der Kirche kanonisierte maronitischen Heiligen.



Hl. Rebekka Ar Rayès (1832-1914)

Das Leben der heiligen Rebekka (Rafqa) Ar Rayes (auf dem Foto liegend abgebildet) war geprägt von unaussprechlichen Leiden, die sie mit dem großen Verlangen trug, am Leiden Christi teilzuhaben. In den frühen Jahre ihres Ordenslebens litten die Christen im Libanon unter den anhaltenden Verfolgungen und Massakern durch die Moslems.

Nachdem sie eines Tages Gott fragte, ob er sie verlassen habe, da sie nie krank war, begann ihre schwere Erkrankung, die sie den Rest ihres Lebens begleitete. Zunächst setzte eine schwere Entzündung der Augen ein, worauf ein Auge entfernt werden musste, darauf folgte eine lähmende Knochenkrankheit. Auch in ihrer Krankheit war sie ein Muster an Gehorsam.

Ihr Fest ist am 23. März.


Ehrw. Andrej Scheptyzkyj (1865-1944)

Der Diener Gottes, der Großerzbischof von Lemberg und Metropolit der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche Andrej Scheptyzkyj führte seine Herde durch zwei Weltkriege und 7 Regierungen, darunter die der Nazis und der Sowjets.

Währen der deutschen Besatzungen versteckte er Juden in Einrichtungen der Kirche und wandte sich mit dem Hirtenbrief „Du sollst nicht töten“ gegen den Massenmord durch die Nazis.




Orate pro nobis!

Samstag, 3. Dezember 2011

Über die Wiederrichtung der katholisch-koptischen Hierarchie

und über die Feindseligkeit der koptisch-orthodoxen Schismatiker

Die katholisch-koptische Hierarchie, 1900
Die neuen koptischen Bischöfe (Bild oben) geben ihrem Klerus ein herrliches Beispiel. Sie sind wirklich nach dem Ausdruck des Evangeliums auf den Leuchter gestellte Lichter, welche ihre wohltätigen Strahlen auf Hirten und Herde werfen. 
Sowohl Msgr. Ignatius, Bischof von Theben, mein alter Begleiter auf den apostolischen Wanderfahrten, als Msgr. Maximus, Bischof von Theben, sind unter den augenblicklichen Verhältnissen ihrer jungen Kirche gezwungen, während ganzer Monate unter der armen Fellah-Bevölkerung zu leben und mit ihr die grobe Nahrung und unbequeme Wohnung zu teilen. 
Sie predigen und katechisieren wie gewöhnliche Priester, ziehen missionierend von Ort zu Ort und scheuen nicht die Opfer, welche dieses Leben unter einem Landvolke, ebenso arm an irdischen Gütern als reich an Gelehrigkeit und gutem Willen, mit sich bringt.

Seine Seligkeit endlich, Msgr, Macaire, unter dem Namen Cyrillus II. der erste Patriarch der wiedererstandenen koptisch-katholischen Hierarchie, ist durch seinen feurigen Eifer wie durch seine Talente und sein Wissen würdig, an der Spitze dieser apostolischen Bischöfe zu stehen. 
„Unser ehrwürdiger Bruder Cyrillus Macaire“, so sagte in der Konsistorial-Allokution vom 19. Juni 1899 Papst Leo XIII., „zeichnet sich aus durch Tugenden, die eines Bischofs würdig sind, durch Wissenschaft, Frömmigkeit, Klugheit und Gewandtheit in der Amtsführung, wie Wir es durch persönliche Erfahrung festgestellt haben. Deshalb haben Wir ihn der Patriarchalwürde würdig befunden.“

All dies ist wohl im Stande, unsern apostolischen Eifer zu wecken. Ein nicht geringer Sporn aber ist die Regsamkeit unserer Gegner. Wie vorauszusehen war, hat die religiöse Erweckung im Schoß der schismatischen Kirche, der laute Ruf ihrer einzig legitimen Oberen, die massenhafte Rückkehrbewegung zur alten Mutterkirche das Signal zu einer Erneuerung der alten Feindschaft gegen die katholische Kirche gegeben.

Den Protestanten war es bei dem unsäglich traurigen Stand der schismatischen Kirche verhältnismäßig leicht gewesen, fast in allen bedeutenderen Mittelpunkten Fuß zu fassen. 
Natürlich sahen sie unser Erscheinen auf dem Kampfplatz und unsere Bemühungen, das verlorene Gebiet zurückzuerobern, mit scheelen Augen. Tatsache ist denn auch, dass der Protestantismus in Oberägypten im Niedergang begriffen ist, und dass die Religion der freien Forschung keine Zugkraft mehr ausübt. 
Viele der armen Schismatiker, die, durch schöne Worte und Versprechungen verlockt, zu Überläufern geworden, sind enttäuscht und kehren den Sekten den Rücken.

Im Grunde ist die Häresie mit ihrem kalten Gottesdienst ohne Poesie und Weihe dem orientalischen Geist und Gemüt nicht sympathisch und der Hass der Sekten gegen die unbefleckte Mutter des Herrn steht in grellem Widerspruch zur Marienverehrung, die so tief im Gottesdienst und in der Jahrhunderte alten Überlieferung der Kopten wurzelt.

Die eigentlichen Gegner der katholischen Mission im Niltal sind übrigens augenblicklich weniger die Protestanten als vielmehr die „Orthodoxen“ bzw. Schismatiker. 
In Kairo hat sich aus allem, was die koptische Nation an gebildeten und einflussreichen Elementen besitzt, ein eigenes Komitee gebildet mit dem ausgesprochenen Zweck, die wankende Kirche zu stützen, welcher der Protestantismus schon so empfindlichen Abbruch zugefügt hat.

Dieses Komitee spornt den sonst so trägen orthodoxen Klerus an, setzt die alten Schulen instand, gründet neue und sucht mit allen Mitteln die starke Bewegung zur katholischen Einheit zurückzudrängen. 
Seltsam! Solange es sich um die Verwüstung handelte, welche die protestantische Propaganda inmitten der koptischen Kirche und Nation anrichtete, beunruhigte sich kein Mensch darüber. Man schien dem Abfall so vieler gar keinen Wert beizulegen.

Ein Wort, das zufällig dem Mund des schismatischen Patriarchen entfiel, zeichnet deutlich diese gleichgültige Stimmung. 
Als nämlich einer unserer Patres bei Gelegenheit eines Besuchs beim Patriarchen darauf hinwies, dass die Protestanten ihm doch sehr viele Schäflein entführten, erwiderte er mit sorgloser Miene: „Was liegt daran? Es gibt im Meere viele Fische; jeder kann dort nach Belieben angeln; es bleiben immer noch genug darin.“

Kaum aber war die katholisch-koptische Hierarchie eingerichtet, kaum hatte der einheimische Klerus, unterstützt von den Missionären, sich mutig ans Werk gemacht und wurden die gemeinsamen Bemühungen mit Erfolg gesegnet, als der jakobitische Klerus und die einflussreiche Laienpartei ein lautes Zetergeschrei erhoben.

Nun wurden alle Kräfte angespannt, um dem Vordringen des Katholizismus ein Ziel zu setzen.

Während früher die schismatischen Gommos ihre Schäflein nie besuchten, außer zu Erntezeit, wo es galt, sich ihren Zehnten zu sichern, sind sie jetzt wie durch einen Stachel aus ihrer sonstigen Gleichgültigkeit aufgescheucht worden, durcheilen die Ortschaften, die wir evangelisieren, und suchen durch ebenso gemeine als lächerliche Verleumdungen die katholische Religion und besonders den katholischen Klerus beim leichtgläubigen und einfältigen Landvolk in Misskredit zu bringen.

Der Papst, so schwätzen sie den Leute vor, verkaufe Ablässe, d.h. nach ihnen die Erlaubnis, zu sündigen, auf 40-100 Jahre hinaus, je nach dem Wortlaut der Bewilligung.

Der schismatische Bischof von Minieh gibt hierin seinen Gommos den Ton an. Er sagt uns die namenlosesten Verbrechen nach, Verleumdungen, wie sie selbst die jansenistischen Parlamente, diese grimmigen Feinde der Jesuiten, in ihrem sonst so reichen Arsenal nicht vorrätig hatten.

Dieser „würdige Prälat“ macht bei den bekehrten Familien die Runde und sucht sie um jeden Preis zur Rückkehr in den Schoß der „orthodoxen Kirche“ zu bewegen, indem er u.a. mit der Moraltheologie des P. Gury in der Hand ihnen beweist, dass die Anhänger der römischen Kirche das Fastengebot nicht mehr in seiner ursprünglichen Strenge und Reinheit beobachten. Das gilt aber in den Augen dieser Orientalen als ein Kapitalverbrechen. Für eine sehr große Zahl dieser unwissenden Christen ist das strengste Fasten während zwei Drittel des Jahres das Alpha und Omega ihrer Religion.

Die unglückseligen Jünger des Dioskorus (Dioskorus war der Patriarch von Alexandrien, der 449 die sog. Räubersynode von Ephesus zu Gunsten des Häretikers Eutyches berief) sind in diesem Punkte unerbittlich. 
Man kann wohl sagen, dass sie das milde Lebensprogramm, das der hl. Augustinus in die Worte fasste: Ama et fac quod vis („Liebe nur, dann tue, was du willst“), dahin abgeändert haben, dass sie sagen: „Faste, faste, faste ohne Gnade und Erbarmen, dann tue, was du willst.“ 

In der Tat tun diese armen Schismatiker auch sonst, was sie wollen, ohne dass ihre Hirten etwas dagegen zu erinnern hätten. Ist die 55 Tage lange Fastenzeit vorüber und kommt der Karsamstag, so hört alle Abstinenz und alle Mäßigkeit auf; Trinkgelage und wüste Schmausereien treten an Stelle der heiligen Zeremonien, und nur eine kleine Zahl der Gläubigen hört am Ostersonntag und am Weihnachtsfeste eine heilige Messe. 

Die beiden langen Fastenzeiten vor Ostern und im Advent haben alles andere, selbst den Empfang der heiligen Sakramente, aufgesogen. Derselbe ist bei den Schismatikern sehr schwach. 
Dies erklärt denn auch die Schwierigkeit, die wir finden, unsere Neubekehrten zum regelmäßigen Empfang der Sakramente zu bringen.

Vielleicht noch ernster und trauriger ist die Leichtigkeit, mit welcher unter den Schismatikern die Ehe gelöst wird. Sind die Jakobiten mit ihren Frauen unzufrieden, so bedarf es bloß einer Eingabe an den Bischof und einiger beifolgender Goldstücke, um die Scheidung und die Erlaubnis zum Eingehen einer neuen Ehe zu erlangen. 
In solchen Fällen ist an eine Bekehrung selbstverständlich nicht zu denken.
(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Man sieht, welch schreckliche Irrtümer sich dort einschleichen, wo die Kommunion mit dem Statthalter Christi verweigert wird. Beten wir für unsere irrenden Brüder im Schisma!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Die Kopten (I)

Ägypten: Die Wichtigkeit des Bekehrungswerkes unter den Kopten

Die Wiederherstellung des alten katholisch-koptischen Patriarchats als Mittel zur Wiedervereinigung dieses Volkes und Ritus mit der wahren Kirche war eine der Lieblingsschöpfungen des verstorbenen Papstes*. Deswegen haben auch diese Blätter die koptische Mission so oft ihren Lesern empfohlen. Schon an und für sich wäre die Wiederrückgewinnung einer Kirche, deren Geschichte bis in die apostolische Zeit zurückgeht, deren Patriarchen einst einen so ehrenvollen Platz im Orient einnahmen, und die heute noch eine Million Christen unter einem (schismatischen) Patriarchen und  18 Bischöfen umfasst, ein außerordentlich wertvoller Gewinn.
Aber gewisse andere Erwägungen lassen die Wichtigkeit der koptischen Mission in ganz neuem Lichte erscheinen.„Der ganze Teil Afrikas zwischen dem Äquator und Tripolis“, so schreibt P. Nourrit S.J., „hat, abgesehen von den Christen in Abessinien und Ägypten (und Nord-Nyanza), eine entweder heidnische oder vorwiegend muselmannische Bevölkerung.
Die Eroberungen, die der Islam in diesen Länderstecken zwischen den großen Seen und dem Mittelmeere macht, sind geradezu erschreckend. Der ganze Ost- und Zentralsudan mit den Königreichen Bagirmi, Wadai, Sokoto, Bornu scheint ihm verfallen zu sein. Die mit heldenmütigen Opfern begründetet Mission der Väter vom Sudan (Söhne des heiligen Herzens) mit ihren wenigen vereinzelten Posten wird diese Gefahr nicht bannen können. Und so besteht die Befürchtung, dass dieser ganze afrikanische Nordwesten eines Tages mohammedanisch erwache. An dem Tage aber wäre der christlichen Evangelisation in diesen unermesslichen Länderstrecken das Tor hoffnungslos verschlossen.“

*Papst Leo XIII.

(Aus: Die katholischen Missionen, 10/1903)

Diese Vorhersage ist ja schon lange eingetroffen, bedingt durch die Gleichgültigkeit der Europäer gegenüber der Religion ihrer Väter. Mittlerweile werden wir selbst von den zig Millionen Moslems in Europa durch Da`Wa missioniert, bei gleichzeitigem Schweigen unserer Bischöfe dazu. Das hätten sich die Missionare damals wohl nicht träumen lassen.
Was den großteils immer noch schismatischen Kopten in einem Ägypten blühen wird, dass wie es aussieht, demnächst von Moslembruderschaft und Salafisten, die beide leichter unter der Bezeichnung „echte Moslems“ zusammenzufassen sind, reigiert wird, das wird sich recht bald zeigen. Wer die knapp 1400 Jahre islamischer Geschichte in Nordafrika kennt, hat diesbezüglich keine Hoffnungen.