Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Mittwoch, 3. November 2021

„Missionar UND Jesuit, das will ich werden“ – Pater Pietro Andrea Viganò S.J. (P.I.M.E.), Bischof von Hyderabad, Generaloberer des Mailänder Missionsseminars



„Missionar und Jesuit, das will ich werden“, erklärte der junge Pietro Andrea Viganò aus Besana bei Mailand seinem Beichtvater im Jahr 1868. Als dieser entgegnete: „Wenn du aber nur eines werden könntest, Missionar oder Jesuit, was würdest du dann wählen?“ erfolgte ohne Zögern die Antwort „Dann würde ich Missionar werden“. Er trat früh in das Mailänder Missionsseminar ein und wurde mit 23 Jahren zum Priester geweiht und nach Indien entsandt, wo er sich als eifriger Missionar unter Beweis stellte. So verwundert es auch nicht, dass er im Januar 1898 zum Bischof der Diözese Hyderabad ernannt wurde. Die katholische Kirche wuchs unter seiner zehnjährigen Leitung bedeutend. Bischof Viganò gründete mit großer Weitsicht auch ein Priesterseminar für eingeborene Berufungen.

Pius X. stellte ihn im Jahr 1908 als Generaloberen an die Spitze des Mailänder Missionsseminars. Im Jahr 1913 machte ihn der heilige Papst, dessen Vertrauen er genoss, zusätzlich zum Weihbischof von Tortona (Piemont).

Er hatte als Missionar viel erreicht, und doch beschäftigte Msgr. Viganò sein anderer großer Wunsch, der Eintritt in die Gesellschaft Jesu, den Papst Benedikt XV. nach wiederholten Bitten ihm schließlich gewährte. Am 20. Juni 1917 wurde der ehemalige Bischof von Hyderabad, der frühere Generalobere des Mailänder Missionsseminars, der Weihbischof von Tortona schließlich in Chieri in das Noviziat der Jesuiten aufgenommen.

Der 60-jährige machte alle Übungen des Noviziats mit und meldete sich bald für die Mission unter den Aussätzigen von Culión auf den Philippinen. Über Spanien, wo er in Manresa das Spanische lernte und am 21. Juni 1919 seine Ordensgelübde ablegte, reiste er schließlich nach Südostasien. Aus Culión berichtete er: „Unser Leben hier verbringen wir fast ständig inmitten der zahlreichen Aussätzigen auf der Insel (gegenwärtig 5000). Irdische Tröstungen gibt es wenig … aber je weniger irdische, desto mehr göttliche …. Vor den Aussätzigen habe ich weder Widerstreben noch Furcht, ich fühle im Gegenteil eine unbegrenzte Liebe zu ihnen …. Und wenn Gott wollte, dass ich angesteckt würde, so könnte das nur meine Dienstleistungen bei den Aussätzigen erleichtern, da ich nicht mehr so viele Vorsichtsmaßregeln anwenden müsste.“

Da er sich tatsächlich infizierte, musste er auf Geheiß der Oberen zunächst in die Hauptstation der Mission und anschließend nach Europa zurückkehren, wo er in Rom noch vier Monate lang seine Besucher durch seine Heiterkeit und sein Verlangen nach dem Himmel erbaute. P. Viganò S.J. starb am 13. Februar 1922, nachdem er seinen Lebenstraum erfüllt hatte: Missionar UND Jesuit.



(Quelle: Jesuitenkalender 1923)

Mittwoch, 28. September 2016

Missionsalmosen von Kindern und Jugendlichen (Teil 2)


Anlässlich des Besuchs einer Missionsschwester aus China bilden acht junge Mädchen einen Missionsverein nur zu ihrer Unterstützung. Sie legen jede Woche von ihrem Taschengeld 25 Pfennig zurück und haben regelmäßige Nähkränzchen für Paramente und Kirchenwäsche.

Anderswo bilden Mädchen einen Sammelverein (50 Pfennig monatlich), um die Kosten der Erziehung eines eingeborenen Mädchens in den Missionen zu bestreiten. Andere, 22 an der Zahl, haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Los der armen Aussätzigen in einem Hospital in China durch Almosen und allerlei Geschenke zu erleichtern.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Dienstag, 9. August 2016

Keine Schonung



Der aus dem Elsass stammende P. Wintz aus der Kongregation vom Heiligen Geist erkrankte 1929 im Senegal im Dienste der Leprakranken selbst am Aussatz. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich, wo er Heilung suchte, hörte er, dass der Priester der Aussätzigengemeinde auf der Karibikinsel La Désirade gestorben war. Er bat seine Vorgesetzten, sich für den Rest seines Lebens den Aussätzigen widmen zu dürfen. Die Bitte wurde erfüllt und er starb im Jahr 1933 im Alter von 64 Jahren auf seinem Posten.


(Quelle: Schönere Zukunft 1934, Our Province, Holy Ghost Fathers, 1933)

Donnerstag, 20. August 2015

Der aussätzige Kapuziner – P. Daniel von Samarate O.F.M. Cap.

Pater Daniel von Samarate vor seiner Krankheit

Felice Rossini wurde am 15. Juni 1876 in Samarate bei Mailand geboren. Er trat mit 14 Jahren bei den Kapuzinern ein und erhielt den Ordensnamen Daniel von Samarate. Noch als Diakon wurde er im Jahr 1898 in die Mission in Brasilien geschickt. Ursprünglich sollte er Teil einer Gruppe von Missionaren werden, die die neue Mission unter den Indianern in Alto Alegre im Staat Maranhao führen sollte. Am 22. März 1901 wurden seine Mitbrüder mit mehreren Schwestern und zahlreichen Schulkindern von aufgebrachten Indianern ermordet und wurden so die ersten Blutzeugen des 20. Jahrhunderts. P. Daniel sollte allerdings ein Martyrium der anderen Art erdulden.

Zunächst aber war er nach seiner Priesterweihe am 19. März 1899 als eifriger Missionar tätig und widmete sich auch der Pflege der Aussätzigen. Im Jahr 1908 stellte er einen kleinen roten Fleck an seinem Fuß fest und merkte ein Taubheitsgefühl in der Fußsohle – die ersten Anzeichen des Aussatzes. In der Hoffnung, die europäischen Ärzte könnten ihn heilen, riefen seine Oberen ihn noch im selben Jahr nach Italien zurück. Doch vergebens. Vor seiner Rückreise nach Brasilien pilgerte er noch nach Lourdes, wo er eine wunderbare Heilung durch die Fürsprache der Gottesmutter erhoffte. Als er den Heiland in der Monstranz während des Segens wie der Aussätzige im Evangelium bat: „Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen“, vernahm er die innere Stimme: „Ich will es nicht; gehe hin in Frieden, du sollst von mir eine andere Gnade erhalten. Deine Krankheit soll dienen zur größeren Ehre Gottes und zum Heil deiner eigenen Seele.“ Danach, so sagte er selbst, empfand er eine große Verwandlung: eine unbegreifliche Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes sowie ein Gefühl unaussprechlicher Freude. Nach diesem Erlebnis bat er nie wieder um Heilung. Tatsächlich nahmen auch andere diese Gleichförmigkeit an ihm war. Mitbrüder und Besucher berichteten, dass P. Daniel niemals klagte und bei Mitleidsbekundungen sagte: „Gelobt und gepriesen sei tausendmal Gottes Güte und Liebe, welche mir diese unverdiente Gnade des Leidens und der Krankheit geschickt hat.“

Noch bis 1914 konnte er arbeiten wie zuvor, doch dann ordnete der Arzt die Isolation in der Aussätzigenkolonie von Tocunduba an. Ein schwerer Schlag für den Mann, der wegen seiner heiteren Gemütsart große Freude am Zusammensein mit seinen Ordensbrüdern empfand. Auch der Empfang in der Kolonie war alles andere als herzlich. P. Daniel sagte selbst: „Ich hoffte bei ihnen aufgenommen zu werden mit offenen Armen und Zeichen aufrichtiger Freude. Aber welche Enttäuschung! Man sah in mir nicht einen Vater, der Mitleid hat mit seinen Kindern, sondern einen feindlichen Eindringling, der nur kam, um sie auszuspionieren und ihnen die armseligen Vergnügungen zu nehmen, welche sie noch zu genießen wähnten. Jetzt erkannte ich erst die trostlose Lage. Sünde und Satan hatten Besitz genommen von den Herzen der Unglücklichen, ihre Seele erfüllt mit wilder Verzweiflung und Hass gegen Gott, den sie als Urheber ihres Leidens anklagten. Da war guter Rat teuer. Ganz vorsichtig und still musste ich zu Werke gehen. Ich durfte mich in keiner Hütte sehen lassen; Blicke des Hasses trafen mich, wo ich mich zeigte, man wich mir aus, wenn man mich sah.“ Eine Frau, die sich heimlich zu ihm schlich, erzählte ihm von den Ausschweifungen der anderen Aussätzigen. Er lehrte sie, die Sterbenden auf den Tod vorzubereiten, um dann selbst an ihr Sterbebett zu kommen und ihnen die Lossprechung zu geben.


Am schlimmsten wirkten die Verleumdungen, die die Aussätzigen gegen ihn verbreiteten, wodurch sein Wirken als Priester fast unmöglich war. Auch Fremde glaubten zum Teil die erhobenen Anschuldigungen. P. Daniel sagte, dass er in seiner Zeit als Missionar nie solche Seelenqualen erdulden musste wie in seinen ersten Monaten in Tocunduba. Mit Geduld und Gebet kämpfte er weiter, bis ihm schließlich Weihnachten 1914 die harten Herzen seiner Leidensgenossen öffnete. Danach wurden seine Aussätzigen wirklich musterhafte Katholiken. Das Andachtsleben blühte, es gab sogar Exerzitien für die Aussätzigen. P. Daniel segnete Ehen ein, taufte Kinder und bekehrte Heiden, und natürlich stand er auch den zahlreichen Sterbenden in ihrem Tod bei.

Vom Aussatz befallen

Doch der Aussatz forderte auch bei diesem eifrigen Sohn des heiligen Franziskus seinen Tribut. Ab dem Jahr 1921 wurde die Krankheit immer heftiger. Sein einst üppiger Bart und die Haare fielen größtenteils aus, Nase und Ohren waren entstellt, ein Auge war ganz zerstört, das andere von einer Eitermaße umgeben. Seine Finger waren nur noch eitrige, blutende Stümpfe. Schreckliche Schmerzen quälten ihn beständig. Nur das Gehör, das bei vollem Ausbruch der Krankheit häufig mit allen anderen Sinnen verloren geht, blieb ihm erhalten. Am 28. März 1924 konnte er noch die Messe zu seinem silbernen Priesterjubiläum feiern, zu dem ihm der Papst seinen apostolischen Segen sandte. Mit der Seele voll Jubel in froher Hoffnung auf die ewige Seligkeit starb er am 20. Mai 1924 im Alter von 47 Jahren. Sein Seligsprechungsprozess wurde 1991 eröffnet.


(Quellen: Seraphisches  Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, 1925, die katholischen Missionen, 1924, www.santiebeati.it)


Hier noch einige Fotos von P. Daniel von Samarate vor und während seiner Krankheit

Donnerstag, 4. Juni 2015

Eine ergreifende Fronleichnamsprozession


Aussätzigenheim der Salesianer, Agua de Dios, Kolumbien:

Das schönste Fest im ganzen Jahr ist der Fronleichnamstag. Mit ihren letzten Kräften mühen die Armen sich ab, ihre Hütten und Häuser so prächtig als möglich zu schmücken. Das Beste, was sie haben, muss zur Zierde dienen: bunte Tücher, Blumen und Palmzweige. Aber auch der innere Schmuck wird nicht vergessen. Stets gehen am Fronleichnamstag gegen 800 Bewohner der Kolonie zur heiligen Kommunion. Da die Prozession wegen der tropischen Hitze tagsüber nicht gehalten werden kann, wartet man damit bis abends fünf Uhr. Nachdem die Vesper gesungen ist, verlässt die Prozession die Kirche.

Voran schreiten die Knaben des Aloysiusvereins mit Fahne an der Spitze. Es ist aber keine frohe Jugend, die an uns vorüberzieht; mühsam auf Stöcken und Krücken schleppen die meisten sich vorwärts. Viele haben bereits große Eiterbeulen an den Füßen, anderen fehlen die Hände, wieder anderen ist das Gesicht bis auf die Knochen zerfressen. Den Knaben folgen die Hijas de Maria (Jungfrauenverein), dieselben Jammergestalten. Alle sind weiß gekleidet und tragen die Medaille der Unbefleckten am blauen Band. Barmherzige Schwestern begleiten ihren Zug. Ihnen schließen sich die Mädchen des Asyls an – alles Kranke. Jetzt kommen die Hermanos und Hermanas de San José (St. Josephsbruderschaft). Sie haben sich unter den Schutz des Patrons vom guten Tod gestellt. Der Tod steht auch fast allen im Antlitz geschrieben. Mehr als einer droht vor Ermüdung schon hier zusammenzubrechen, und mancher Schmerzensseufzer unterbricht ihre Gebete, aber sie wollten unter keinen Umständen darauf verzichten, dem Heiland den Ehrendienst zu leisten. Ihnen schließt sich die Sakramentsbruderschaft an; alle Mitglieder tragen brennende Kerzen. Nun kommt der Sängerchor, gebildet aus aussätzigen Knaben, und dann naht das Allerheiligste, getragen von einem Aussätzigen, dem Salesianerpriester Santinelli. Das Gesicht des Kranken ist schon von der Seuche entstellt, nur aus seinen Augen blitzt noch ungebrochene Tatkraft. Ihn begleiten zwei andere, ebenfalls aussätzige Priester und einige Ordensleute im Chorrock. Eine Musikkapelle, die sich aus aussätzigen Knaben und Männern zusammensetzt, bringt dem Erlöser ihre Jubelweise dar. Hinter den Musikern schreiten die Hijas de los Sagrados Corazones, die Töchter der heiligsten Herzen, eine kleine Ordensgemeinschaft, die mit Ausnahme von zwei Schwestern aus Aussätzigen besteht. Ihres eigenen Zustandes vergessend, widmen diese großmütigen Frauen sich ganz dem Dienste ihre Leidensgefährten. Ihnen folgt das Volk, das keiner Bruderschaft angehört. Den Abschluss der Dulderprozession bildet eine Anzahl Wägelchen, in denen Kranke liegen, die nicht mehr imstande sind sich vorwärts zu bewegen. Gesunde oder weniger Kranke fahren sie dem Zuge nach. Aber nicht alle besitzen ein Wägelchen. Damit sie nicht ganz beim Ehrenfeste des göttlichen Heilands fehlen, lassen sie sich vor die Hütte tragen und erwarten dort auf Matten liegend den Vorbeizug des Herrn.

Fünfviertel Stunden braucht die Prozession, um ihren Weg zurückzulegen. Ergreifend und entsetzlich zugleich ist der Anblick, wenn an einer der vier Stationen der Segen gegeben wird. Da liegen vor dem Altar gegen 2.000 dieser Ausgestoßenen. Schrecklich ist das Elend. Oft sind die Augen das einzige Gesunde an dem ganzen Menschen, und diese sind dazu noch mit großen Schutzbrillen verdeckt. Der Geruch der eiternden Wunden und faulenden Glieder ist so furchtbar, dass man Rauchwerk anzünden muss. Und doch hört man kein Wort der Ungeduld und des Haders. Es ist ein großes Dulden und Ertragen. Wer gibt den Armen die Kraft? Ist es nicht der Freund der Aussätzigen im Sakrament?


(Aus: die katholischen Missionen, 1914)

Sonntag, 31. Mai 2015

Marienlob am Sterbebett


Ebenso fromm [wie eine andere Aussätzige in Cocorita] starb Maria Manelli. Im Anfang ihrer Krankheit hatte es ihr viel gekostet, das Opfer ihres Lebens zu bringen, und die ersten Tage ihres Aufenthaltes im Leprosenhaus schienen ihr sehr traurig. Aber die Gnade siegte; großmütig ergab sie sich vollständig in den heiligen Willen Gottes, und der Friede und die Freude kehrten wieder in ihr Herz ein. Sie sah dem Tod so freudig entgegen, dass man auf ihre Bitte an ihrem Sterbelager stets Lieder zu Ehren der allerseligsten Jungfrau singen musste; diese hat sie denn auch am letzten Tag des ihr gewidmeten Maimonats … zu sich in den Himmel genommen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Mittwoch, 14. Januar 2015

Zum Fest des seligen Petrus Donders C.SS.R.

Sel. Petrus Donders (Quelle: Roger Veringmeier)
Der selige Petrus Donders C.SS.R. war ein Redemptoristenmissionar, der unter den Aussätzigen in Surinam wirkte. Er starb am 14. Januar 1887. Seine Lebensgeschichte findet sich hier und hier. Unter diesem Link kann man ein altes Sterbebild des Seligen sehen. Wer Niederländisch spricht, findet hier einen langen und reich bebilderten Artikel über ihn, allerdings kann ich nicht für den Inhalt bürgen, weil ich es selbst nicht verstehe.


Seliger Petrus Donders, bitte für uns und für Surinam!

Sonntag, 9. November 2014

Ein ehemaliger Feind der „Römlinge“ als katholischer König in Nigeria


In einem Brief an den Präfekten der Propaganda, Se. Eminenz Kardinal Ledochowski, macht der Apostol. Präfekt, R. P. Lejeune aus der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist, die erfreuliche Mitteilung, dass die Bevölkerung von Onitscha als König oder wohl richtiger Oberhäuptling einstimmig den katholischen Katechisten von Aguleri, Samuel Oksi Okolo, erwählt hat. „Samy“ ist früher sieben Jahre lang protestantischer „Evangelist“ und als solcher ein ausgesprochener Feind der „Römlinge“ gewesen. Allein das Wirken der katholischen Missionäre und Schwestern, vorab ihre Werke und Anstalten der Barmherzigkeit: Spitäler, Asyle, Kleinkinderbewahranstalten, Aussätzigenheime, die christlichen Dörfer befreiter Negersklaven usw., machte auf ihn großen Eindruck, öffnete ihm die Augen und führte ihn schließlich zum Übertritt. 

Gleichzeitig mit ihm wurden der protestantische Diakon Ephrem und die „Evangelisten“ Jakob, Karl und ein anderer Samuel katholisch. Seit der Zeit leistete „Samy“ als Katechist in Nsubi und Aguleri der katholischen Mission treffliche Dienste. Als nun vor einiger Zeit in Onitscha eine neue Königswahl stattfand, wurde „Samy“ von seinen Mitbürgern als Kandidat aufgestellt, trotz der protestantischen Gegenbemühungen zum König gewählt und als solcher auch von der britischen Behörde bestätigt. 

Sein erster Regierungsakt bestand darin, dass er dem P. Vogler, seinem Beichtvater, das königliche Kronidol auslieferte, ein Holzstück, dessen die früheren Könige sich bei ihren Todesurteilen und vielfach barbarischen Rechtsprechungen bedient hatten. De zweite Akt war, dass er über seinem Thron ein schönes, vom Apostol. Präfekten ihm geschenktes Kruzifix anbringen ließ, damit, wie er sagte, Heiden, Protestanten und Katholiken gleicherweise sich vor dem Zeichen der Erlösung niederwürfen. Sein dritter Regierungsakt war die Schenkung eines auf seinem Besitz liegenden Grundstücks an die Mission zum Bau einer Kapelle und Schule, der bereits begonnen ist. Bis zur Vollendung wird für 60–80 Kinder und junge Leute, Freie und Sklaven, Christenlehre und Schule in seiner eigenen Wohnung und unter seiner Aufsicht gehalten.

Der Heilige Vater hatte ob dieser guten Nachricht solche Freude, dass er für den katholischen Negerkönig sofort ein Geschenk in Gestalt eines schönen, prächtig eingerahmten Madonnenbildes bestimmte, während der Präfekt der Propaganda der Mission die stattliche Summe von 20.000 Lire überwies.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Dienstag, 14. Oktober 2014

„Tugendpreis“ der französischen Akademie für Missionsschwester

Medaille von Montyon (Quelle: Roi.dagobert)

Wohltuend berührt der Verfolgung der Orden gegenüber die Nachricht, dass die Französische Akademie den Tugendpreis Montyon [„Prix de vertu“] im Wert von 3000 Fr. einer Missionsschwester zuerkannt hat. Es ist die beinahe siebzigjährige Schwester St. Karl aus der Genossenschaft der Unbefleckten Empfängnis von Castres, die sich seit 1860 in Französisch-Kongo im Dienst der Mission opfert. Mit großer Willenskraft schuf sie, obwohl fast aller Mittel bar, ein Spital, ein Aussätzigenheim und eine Armenapotheke. Die Zeit, welche sie von der Pflege der Schwarzen und der europäischen Matrosen im Spital erübrigte, benutzte sie, um die ärmsten und verlassensten unter den Eingeborenen aufzusuchen. Als ein geheimnisvolles Wesen war „die weiße Frau“ im ganzen Land mit religiöser Scheu geachtet und geliebt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Freitag, 5. September 2014

Bilder aus der Mission der bayerischen Kapuziner in Chile

Bischof Guido Beck O.F.M. Cap., Apostol. Vikar von Araukanien

Kürzlich bin ich auf der Seite der Kapuziner in Chile auf einige schöne historische Fotos gestoßen, die ich niemandem vorenthalten möchte. Hier der Link. Besonders interessant ist die Galerie „Capuchinos en Isla de Pascua“ (Kapuziner auf den Osterinseln). Die Osterinseln gehören bekanntlich zu Chile und waren damals auch Teil der chilenischen Kapuzinermission.

Auf den Fotos ist u. a. zu sehen wie Bischof Guido Beck, ein Kapuziner der bayerischen Provinz und Apostol. Vikar von Araukanien (siehe Bild), die Messe auf einem Schiffsdeck liest (koloriertes Foto, Messe nach dem alten Missale). Ein sehr rührendes Foto zeigt den Bischof bei der Austeilung der Kommunion an eine Leprakranke.

Die Galerie  „Misiones y Misioneros“ (Missionen und Missionare) zeigt Bilder von den in echt kapuzinischer Handwerkskunst ausgeführten Kirchen sowie Fotos der Missionare auf ihren Reisen, oft hoch zu Ross oder im Ruderboot.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Der Vater der Aussätzigen in Birma stirbt


Endlich gehen uns über den Tod des P. Johann Baptist Wehinger einige nähere Nachrichten zu. Er starb in dem Aussätzigenheim St. John bei Mandalay am 6. September 1903, erst 39 Jahre alt. Geboren zu Dornbirn in Vorarlberg am 24. November 1864, trat Wehinger, etwa 24 Jahre alt, ins Pariser Missionsseminar und kam bereits 1889 in die Mission von Birma.

Sein Hauptverdienst liegt in dem hingebenden Eifer, mit welchem er das Los der zahlreichen Aussätzigen in Birma zu lindern suchte. Das Aussätzigenspital St. John, eine Musteranstalt ihrer Art, ist ganz und gar sein Werk. Er bettelte die Mittel zusammen, er brachte die Schwestern hin, er gab dem Ganzen die treffliche Organisation und war die Seele der Anstalt. Mehr noch, sein Beispiel hat das allgemeine Interesse für die Aussätzigen geweckt, weitere Gründungen ähnlicher Art und eine Besserung der Aussätzigenpflege in der britischen Kolonie bewirkt. Das wurde auch von der englischen Regierung anerkannt. Namentlich hat der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, eine hohe Verehrung für den deutschen Apostel. Sie fand ihren Ausdruck in der Verleihung eines Ordens und in wiederholten öffentlichen Erklärungen.

P. Wehinger kränkelte bereits seit längerer Zeit. Am 15. August las er zum letzten Mal die heilige Messe. Ein bösartiges Fieber zehrte mehr und mehr seine Kräfte auf. Die Liebe und Teilnahme der armen Aussätzigen, seiner „Kinder“, deren Wohl er sich ganz geweiht hatte, zeigt sich während der Krankheit und beim Hinscheiden in rührendster Weise. Sie beteten mit größter Inbrunst um seine Genesung, und man musste ihnen die Verschlimmerung des Zustandes verheimlichen, um sie zu schonen.

Als dann die Leiche nach der Todesnacht am Morgen in der Kapelle aufgebahrt wurde, brach der Schmerz der Aussätzigen in herzergreifender Weise hervor. Weinend, schluchzend, jammernd umstanden sie die entseelte Hülle ihres Vaters und Wohltäters. Rasch drang die Todeskunde auch nach Mandalay und die umliegenden Ortschaften, und den ganzen Tag wogte der Strom der Besucher auf und ab. „Man kann wohl sagen, die Trauer war allgemein; alle weinten beim Anblick der Leiche; man sah jetzt erst, was der gute Pater ihnen alles gewesen war. Seine Liebe hatte sich auf jede Art der Not und des Leidens erstreckt, und nie hatte er irgendeinen Liebesdienst verweigert. Die Missionäre erklären einstimmig, dass sein Tod einen unersetzlichen Verlust für die Mission von Birma bedeute.“

Die Leiche wurde in einen Sarg von Teakholz gelegt und dieser von einem zweiten aus Zink mit vergoldetem Kreuz geborgen. Die Aussätzigen wollten den Weg zum Grab mit Blumen bestreuen; man musste ihnen klarmachen, dass diese Ehre dem eucharistischen Heiland vorbehalten sei. So legten sie ihre Blumen auf den Sarg. Auch aus Mandalay, aus allen Klassen kamen Blumenspenden, Kränze u. dgl., so dass der Sarg damit über und über bedeckt wurde. Das Begräbnis war großartig und ergreifend schön. Trotz des strömenden Regens kamen zahlreiche Kutschen angefahren. Vierzehn Missionäre waren herbeigeeilt, um ihrem Mitbruder die letzte Ehre zu geben. Acht von ihnen trugen den Sarg. Die Schulbrüder und Schwestern von Mandalay, die Waisenkinder, auch viele angesehene Personen und vor allem die Aussätzigen folgten dem Zug laut schluchzend und betend. Die Missionäre hätten ihn gern in der Kapelle begraben, allein der hingeschiedene hatte ausdrücklich gewünscht, auf dem kleinen Friedhof der Aussätzigen mitten unter seinen „Kindern“ zu ruhen.

Zum Nachfolger P. Wehingers ist P. Lason ernannt, und er bittet in einem Brief an die Redaktion recht innig, dass doch die Katholiken Deutschlands und Österreichs auch fürder das Werk des deutschen Missionärs nicht vergessen möchten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Sonntag, 13. Juli 2014

Große Missionsbischöfe: „Vater Güte“ – Msgr. Gulstan Ropert SS.CC., Apostolischer Vikar von Hawai’i

Das Wappen von Msgr. Ropert in der Kathedrale von Honolulu (Quelle: Aloysius Patacsil)
Ein solcher war auch der Apostol. Vikar der Hawai’i-Inseln, Msgr. Gulstan Ropert aus der Picpuskongregation. (Dieser Satz bezieht sich auf den vorgehenden letzten Satz aus dem Nachruf auf Msgr. Clut.)

Seine Wiege stand in Kersago auf der Halbinsel Rhuys an der bretonischen Küste. Als Sohn eines auf dem Meere ergrauten Seemanns, der sein eigenes Schiff schon mehr als einmal um die Welt geführt, ward auch der junge Gulstan für die See bestimmt und bei einem Onkel, gleichfalls Schiffskapitän, in die Lehre gegeben. In kurzer Zeit hatte es der geweckte Bursche vom Schiffsjungen zum Schiemann gebracht. Auf einer Fahrt durch den verrufenen Meerbusen von Biskaya lief bei einem Sturm das Schiff Gefahr, an der spanischen Küste zu stranden. In der Not machte der fromme Bretone zur Landespatronin, der hl. Anna, das Gelöbnis, wenn er heil davon komme, in einen Orden zu treten. Das Schiff gelangte glücklich in einen französischen Hafen, und ohne Verzug suchte Ropert zunächst das Priesterseminar und dann bald darauf das Noviziat der Picpusgenossenschaft auf. 

Als neugeweihter Priester nach den Sandwichinseln (Hawai’i) entsandt, war er hier zuerst in Kohala der Genosse P. Damians. „Fünf Jahre lang lebte ich mit ihm zusammen, und teilten wir brüderlich Freud und Leid, bis er 1872 sich den Aussätzigen weihte. Als ich ihn später wieder sah, war er bereits mit dem Aussatz gezeichnet.“ Nach 24-jähriger unermüdlicher Missionstätigkeit wurde Ropert 1892 Provinzial der Mission und folgte noch im selben Jahr dem verstorbenen Bischof Koeckemann in der Leitung des Vikariats. 

Die hohe Verehrung und Freundschaft, welche die Königin Lilinokalani dem deutschen Vorgänger entgegengebracht, übertrug sich auch auf Ropert. Leider folgten schon bald die politischen Stürme, welche die Erbin des eingeborenen alten Königshauses vom Thron verdrängten und das Inselreich in eine Republik und bald darauf in eine Kolonie der Vereinigten Staaten verwandelte.

Bischof Ropert hielt sich von allen politischen Treibereien fern und verstand es, das Missionsschifflein durch die Klippen der veränderten und zum Teil recht schwierigen Verhältnisse sicher hindurch zu steuern. Das starke Zuströmen fremdländischer Elemente: Chinesen, Japaner, Puerto-Ricaner, Portugiesen, und das dadurch entstandene Sprachgemisch erschwerte die Seelsorge nicht wenig. Ropert, der selbst neben seiner Muttersprache das Englische, Portugiesische und die Eingeborenensprache beherrschte, ließ für die Portugiesen Priester ihrer Sprache kommen und bildete für die Ankömmlinge eigene Missionäre aus.

 Das Mischmasch von Religionen und Sekten, zumal in Honolulu, brachte die Gefahr religiöser Gleichgültigkeit und Verflachung auch für die dortigen Katholiken mit sich. Ropert berief aus Amerika einige Jesuiten, treffliche Kanzelredner und Missionäre, um durch eine große Volksmission das Gewissen der Katholiken zu schärfen, und namentlich vor dem Anschluss an die geheimen Gesellschaften zu warnen. Mit gleicher Entschiedenheit trat er dem Unfug der Leichenverbrennung und gewissen, dem katholischen Kirchengesetz widerstreitenden Zumutungen der Regierung entgegen. Besondere Liebe zeigte er den armen Aussätzigen von Molokai, die er sehr oft besuchte und deren hartes Geschick er in jeder Weise zu lindern suchte.

Leider traten schon seit Jahren die Anzeichen der schlimmen Krankheit (Magenkrebs) auf, die seinem Leben noch vor der Zeit ein Ende bereiten sollte und ihn am 4. Januar in seiner Bischofsstadt Honolulu hinwegraffte. Sein glänzendes Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer Kundgebung nationaler Trauer. Die Gerichtshöfe feierten (das heißt wohl, dass sie geschlossen hatten), die Magazine waren geschlossen. Die ganze Bevölkerung Honolulus ohne Unterschied des Bekenntnisses zeigte aufrichte Teilnahme über den Tod eines Mannes, dem die Eingeborenen den ehrenden Namen „Vater Güte“ (father goodness) beigelegt hatten. Das Geheimnis dieser allgemeinen Liebe und Verehrung deutete der französische Konsul Vizzavona in seiner Trauerrede am offenen Grabe, indem er an den Wahlspruch des Hingeschiedenen erinnerte: „Alles für die anderen, nichts für sich selbst“ – gewiss die schönste Grabschrift, die man einem Missionsbischof setzen kann.

(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Samstag, 5. Juli 2014

Eine Aussätzige aus der Klasse der Samurai

Im Aussätzigenheim von Biwasaki

Der Bericht der ehrwürdigen Oberin von Biwasaki, Schwester Colombina, hat die Herzen mancher unserer Leser sichtlich sehr gerührt und unerwartet reiche Gaben fließen lassen.
In einem ausführlichen Schreiben an die Redaktion dankt die Oberin von ganzem Herzen. „Alle Gaben unserer Wohltäter sind richtig in unsere Hände gelangt und bedeuten für uns eine große Hilfe. Der Umstand, dass manche dieser Almosen zweifellos die Frucht eigener Entsagung und Selbstverleugnung gewesen sind, macht sie uns doppelt teuer.

Wir kennen unsere Wohltäter im Einzelnen nicht; sie blühen wie Veilchen im Verborgenen, aber sagen Sie ihnen, dass unser Gebet sie alle ohne Ausnahme umfasst, sie, ihre Familie, und nicht zu vergessen ihre lieben Toten, für die wir täglich zweimal ein besonderes De profundis beten.

Es wird unsere Wohltäter gewiss freuen, wenn ich ihnen nun auch sage, welchen Segen ihre Gaben hier gestiftet haben. Dank der reichen Unterstützung konnten wir im verflossenen Jahr eine größere Zahl Aussätziger aufnehmen, wenn auch leider nicht alle, die darum nachsuchten. Einige haben uns verlassen, um dieses Tränental mit einem besseren Leben zu vertauschen. Ihre Plätze wurden sofort durch andere ausgefüllt.

Ein jeder dieser Unglücklichen hat seine eigene, oft ergreifende Geschichte. Gestatten Sie mir, dass ich nur von einem Fall näher berichte. Es handelt sich um eine Unglückliche, die zum alten Adel Japans gehört. Eines Tages klopfte es abends um zehn Uhr an unsere Pforte. Es war ein junger man von militärischem Aussehen.

‚Bin ich hier recht‘, lautete die Frage, ‚wohnt hier Schwester Colombina?‘ ‚Ja, treten Sie doch bitte ein.‘ Darauf hob der Unbekannte aus einem Wägelchen eine völlig verhüllte Gestalt und zog das Tuch weg, das ihr Angesicht verbarg. Es war das vom Aussatz entstellte Antlitz einer jungen Frau.

‚Das ist meine ältere Schwester‘, fuhr der junge Mann fort. ‚Wir gehören zur Klasse der Shizoku (Samurai) und kommen von Okayama. Ich war von frühester Jugend an eine Waise. Meine Schwester hier hat sich meiner angenommen und ihr Vermögen und ihre Aussichten geopfert, um mir eine gute Erziehung zu sichern. Vor drei Jahren verließ ich die Militärschule als Leutnant und wurde in die Garnison nach Formosa (Taiwan) versetzt. Ich ließ meine damals schon leidende Schwester unter der Obhut einer Dienerin zurück und schickte monatlich meinen Sold zu ihrem Unterhalt. Als aber der Aussatz sich zeigte, ließ die Dienerin meine Schwester im Stich, und sie hatte niemand mehr, der sich ihrer annahm. Auf die Kunde davon gab ich meine Karriere daran und eilte an ihr Krankenbett.

Aber in wenigen Monaten waren alle unsere Ersparnisse aufgezehrt. Wir wohnten in einem armseligen Raum und lebten ausschließlich von gekochtem Korn ohne weitere Zutat. Ich erfuhr von Ihrem Heim und habe meine arme Schwester hergebracht. Haben Sie Mitleid und nehmen Sie sie auf.‘

Der junge Offizier sagte dies mit flehendem Ausdruck in seinen männlichen Zügen. Dies und das Aussehen der Unglücklichen, die einer lebenden Leiche glich und ihre Tränen mit den Bitten ihres Bruders vereinte, ergriff uns tief. Ich ließ sofort ein Bett bereit machen und auch dem jungen Mann ein Nachtquartier bereiten. Ein kleines Abendessen vereinte die beiden Geschwister. Tags darauf zog der junge Mann von dannen, voll Freude, seine arme Schwester so gut geborgen zu sehen. ‚Ich fühle mich wie im Himmel‘, sagte sie beim Abschied.

Schon bald tat sich ihr der eigentliche Himmel auf. Sie starb fromm ergeben als Christin. ‚Bitte‘, so lautete ihr letzter Wunsch, ‚Schreibet meinem Bruder, dass ich glücklich als Christin sterbe und ihm dieselbe Gnade wünsche.‘

Dank der reichen Unterstützung konnten wir verschiedenes zur Besserung der Lage unserer Aussätzigen tun. Die Papierdecke in den Krankenräumen wurde durch eine aus Brettern ersetzt, die Kleidung aufgebessert und das Lager durch einige warme Decke bereichert usw. 

Nachdem so für die Aussätzigen gesorgt war, konnten wir wenigstens zum Teil einen längst gehegten Wunsch des P. Corre erfüllen und die Zahl unserer Katechistinnen vermehren. Dieselben sind unserer Genossenschaft aggregiert und leisten ausgezeichnete Dienste. Nachdem sie uns bei der Pflege der Kranken an die Hand gegangen sind, ziehen sie zu zwei und zwei aus und gehen auf die Suche nach armen und verlassenen Kranken und sterbenden Kindern. Zuweilen bleiben sie ein bis zwei Tage fort und kehren kaum je zurück, ohne einige getauft oder einige ganz verlassene Aussätzige ausfindig gemacht zu haben. (…)

(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Donnerstag, 19. Juni 2014

Heidnische Kälte gegen den aussätzigen Vater – katholische Nächstenliebe eines fremden Priesters


Gewiss werden sich unsere Leser noch des Aufsatzes über das Aussätzigen-Spital St. Johann bei Mandalay erinnern, wo wir nach den Mitteilungen des hochw. Herrn J. Wehinger die Not dieser Unglücklichen schilderten und zeigten, welch herrliches Feld sich hier der christlichen Liebe eröffnet. Sie muss hier umso eher eingreifen, da das Heidentum in kalter, grausamer Teilnahmslosigkeit an den Aussätzigen vorübergeht. Hören wir, was P. Wehinger darüber berichtet.

„Einmal bat ich auch einen reichen Heiden, der dort von der Welt hochangesehen war, recht innig um ein Almosen für die armen Aussätzigen. Wie lautete die Antwort dieses Noblen, was glaubst du wohl, lieber Leser? Höre und staune: ‚Von Herzen gern will ich ein Almosen für die Aussätzigen spenden; ich gäbe gern eine große Menge Arsenik [sic], um dieselben aus der Welt zu schaffen.‘
Nicht einmal unter den nächsten Angehörigen findet der arme Kranke ein teilnehmendes Herz. 

Dazu diene folgendes Beispiel: Der in der Pflege armer Aussätziger unermüdliche P. Martin macht in der Stadt wieder seinen gewöhnlichen Rundgang, um jene Kranken zu besuchen, welche eben aus Mangel an Platz und Hilfsmitteln im Asyl keine Aufnahme finden können. 

Dabei wurde er eines Tages aufmerksam gemacht, dass in einem ihm genau bezeichneten Haus ein schwerkranker Aussätziger ganz verlassen sei. P. Martin findet das Haus, ist erstaunt über seine Größe und reiche Verzierung und glaubt beim Anblick desselben sich verirrt zu haben, zumal er von innen lustige Gesänge und heitere Musik vernahm. ‚Hier ist kein Aussätziger,‘ denkt sich allen Ernstes P. Martin, ‚denn bei einem so leidenden Hausgenossen können die Einwohner nicht so lustig sein. Ich will aber einen der Hausleute fragen, wo sich der arme Aussätzige befinde.‘ 

Wie er aber sich der reich verzierten Veranda des Gebäudes näherte, sah er, dass in einem abgelegenen Teil des Gartens vor einem Strohhaufen sich etwas bewegte, und glaubte auch Jammerrufe zu vernehmen; er ging auf diese Stelle zu, und was musste er erblicken? Ein armes menschliches Wesen, mit dem Aussatz im höchsten Grad behaftet, kaum bekleidet, auf feuchter Erde herumkriechend. Schreckliche Geschwüre bedeckten seinen Körper. Ungeziefer aller Art vermehrte noch seine Schmerzen – ein Bild des größten Elends. Der arme Kranke bat in den rührendsten Worten um eine Handvoll Reis, um einen Trunk Wasser, um seinen schrecklichen Hunger und Durst zu stillen, da er schon über 30 Stunden gar nichts erhalten hatte.

Wer war dieser Unglückliche? Sicher wirst du meinen, lieber Leser, dass dieser Kranke ein alter, unbrauchbarer Diener des Hauses war, dem durch die Gnade seines Herrn dieses Plätzchen gestattet wurde. Du täuschest dich; jene, die sich einer ungezügelten Freude hingaben, waren die Kinder dessen, der unten im Elend schmachtete. Keines von seinen Kindern ließ sich je herbei, nach dem Vater zu schauen, geschweige ihm seine Geschwüre zu verbinden oder ihm mit eigener Hand Nahrung zu reichen und dabei ein tröstendes Wort zu sprechen; nein, sie ließen ihren eigenen Vater in seinen Schmerzen liegen, als wäre er ein ihnen unbekanntes Wesen. 

P. Martin, durch das schreckliche Elend dieses Kranken vom tiefsten Mitleid bewegt, pflegte ihn auf das liebevollste, tat alles, was er für den Augenblick tun konnte, und fühlte sich glücklich, ihm noch am Abend ein Plätzchen im Asyl verschaffen zu können. Wie dankbar blickte ihn der Aussätzige an, als ihm seine Geschwüre gewaschen, er vom Ungeziefer und den vielen Würmern so gut als möglich gereinigt, mit Speise und Trank gestärkt und auf trockenes Lager gebettet war!

‚Was bist du für ein Wesen,‘ stammelte der Arme, ‚dass du mich, einen ganz fremden Menschen, so liebevoll pflegst, während meine eigenen Kinder mich dem größten Elend, ja dem Hungertod preisgegeben haben? Warum tust du das?‘ Als P. Martin ihm lächelnd erwiderte, er tue nur, was seine Religion ihn lehre, und hoffe, so in den Himmel zu kommen, sagte der Kranke ganz erstaunt: ‚O lehre auch mich diese Religion, hilf auch mir in den Himmel kommen.‘“

Der hochwürdige Herr Wehinger, der sich gegenwärtig noch in seiner österreichischen Heimat aufhält, um für sein Spital Almosen zu sammeln, bittet uns, bei unseren Lesern ein Wörtchen zu Gunsten seiner lieben Aussätzigen einzulegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Samstag, 24. Mai 2014

„Ich hätte nie gedacht, dass es einen so gütigen und barmherzigen Gott gebe“ – eine rührende Aussätzigengeschichte

P. Dieckmann, der Aussätzigenfreund

Bericht von P. Theodor Dieckmann, Missionär in der Erzdiözese Madras:

„Als ich eines Abends aus einem benachbarten Dorf vom Religionsunterricht heimkehrte, wehte mir, in der Nähe meines Hauses angekommen, die Nachtluft einen solchen üblen Geruch entgegen, dass ich unwillkürlich das Riechorgan mit dem Taschentuch verhüllte. Ich glaubte, es sei wieder einmal der Kadaver eines in Verwesung übergehenden herrenlosen Hundes zum Dorf herausgeschleppt worden. Denn das ist hier gar nicht selten der Fall. 


An der Pforte meines Hofes stieß mein Fuß im Dunkeln an einen Gegenstand, von dem der verdächtige Geruch ausgehen musste. Auf den Ausruf: ‚Hallo, was gibt’s da?‘ kam die Antwort: ‚Rahma, Rahma, hilf!‘ Rahma ist der Name eines der Götter, der hierzulande von den Heiden häufig angerufen wird. Auf die Frage: ‚Wer bist du? warum liegst du hier?‘ wurde mir mit derselben tiefen, hohlen Stimme erwidert: ‚O Rahma, ich kann nicht mehr – ich bin krank – ich sterbe vor Hunger!‘ 

Ich zündete ein Streichhölzchen an. Ein Blick genügte, um mir zu sagen, dass ich einen Aussätzigen vor mir habe; ja nicht bloß das, sondern nur mehr eine Masse von Eiter und Geschwür. Ich sagte ihm, wenn er wünsche, könne er in dem nur wenige Schritte entfernten Pilgerhaus für die Nacht ein Obdach finden. Freudig erwiderte er: ‚O Rahma, wie gut, o Rahma, wie schön. Dank, Dank, seit zwei Monaten habe ich kein Obdach mehr gesehen.‘ 

Als ich den Leidenden anfassen wollte, um ihn aufzuheben, rief er aus: ‚Nein, o nein, alles an mir ist Eiter, wenn Sie mich anfassen, fällt das Fleisch herunter. Gehen kann ich nicht, aber ich kann noch kriechen. Wenn Sie mir helfen wollen, so fassen Sie das Ende meines Stocks an und heben ihn ein wenig, wenn ich mich aufhebe.‘ Unter dem einen handlosen Arm hielt er nun den Stock gepresst, das andere Ende stütze er auf den Boden. Indem er sich so auf den Stock und die andere Hand lehnte, rutschte er jedes Mal ein paar Zoll vorwärts. 

Am Pilgerhaus angekommen, befahl ich ihm zu warten, bis ich Licht geholt und nachgeschaut hätte, ob Schlangen darin seien, da seit einiger Zeit nicht geöffnet worden war. In meiner Wohnung angelangt, befahl ich dem Knecht, mein für mich bereitetes Abendessen, eine Matte, Tücher und Laterne zu nehmen und mir zum Pilgerhaus zu folgen. 
Sobald das Licht auf die entstellte Gestalt fiel und der Knecht den abscheulichen Geruch verspürte, setzte er alles auf den Boden und lief davon. 

Und in der Tat – es war schrecklich anzusehen. Ich habe in meinem Leben viele Aussätzige, viele eklig eiternde Wunden gesehen, jedoch solch ein Jammerbild war mir noch nie vorgekommen. Der eine Fuß war abgefallen; bis zum Knie hinauf war an dem fußlosen Schienbein weder Fleisch noch Haut zu sehen; der verdorrte Knochen hing vermittelst einiger Sehnen am Oberschenkel und dieser selbst war eine faulige Masse, aus der lebende Würmer fielen. Der andere Fuß hatte die Zehen verloren. Die Knochen sahen rot aus und wimmelten von Würmern. Der angeschwollene Schenkel triefte vor Eiter. Rippen und Schultern waren bloßgelegt. Eine Hand war ganz abgefallen, an der anderen waren noch der Daumen und die beiden ersten Finger. Kleidungsstücke hatte er keine mehr am Leib. Ich wunderte mich, wie es möglich sei, dass ein Mensch in solchem Zustand noch leben und noch solchen Mut und Kraft bekunden konnte. Er sagte ganz heiter: ‚Ich fühle nur noch wenig Schmerzen im Gesicht und an den beiden Fingern. Mein größter Schmerz ist der Hunger; wenn ich etwas zu essen hätte, könnte ich noch länger leben.‘ Als ich ihm die mitgebrachte Speise vorsetzte, fiel er gierig darüber her. Und als er die letzten Brocken mit den verstümmelten Fingern nicht aus der Schüssel bringen konnte, beugte er sich darüber her und leckte alles rein aus. 

Ich breitete die Matte aus und rollte das mitgebrachte Tuch um ihn herum und sagte, er solle jetzt ausruhen. Da brach er in Tränen aus und sagte unter Schluchzen: ‚O wie wohl fühle ich mich jetzt – Dank, Dank.‘ Als ich ihn am anderen Morgen besuchte, saß er bereits aufrecht, und auf meine Frage nach seinem Befinden antwortete er: ‚Ich bin ganz wohl, nur möchte ich etwas Wasser haben.‘ Ich brachte ihm Wasser, eine Schüssel voll Reis und ein gebratenes Hühnchen. Der arme Mann verschlang alles mit Heißhunger. In den beiden ersten Tagen wurde er nie satt. 

Nachdem er gespeist, fragte ich ihn, woher er komme, wohin er wollte, nach Kaste und Namen. Er erzählte mir dann folgende traurige Geschichte: 

‚Mein Name ist Gottimukula Ramaja. Ich gehöre zur Bojakaste und wohnte früher im Dorf Schavalaguram. Ich besaß Felder und Ochsen und stand bei allen in großem Ansehen. Als mich der Aussatz befiel, verschwand diese ganz Herrlichkeit. 
Zuletzt stießen mich meine Söhne und mein Weib aus dem Haus; sie sagten, niemand könnte meinen furchtbaren Geruch ertragen. Da wollte ich mir auf meinem eigenen Boden eine andere Hütte bauen lassen. Jedoch meine Kinder und ihre Mutter wollten mir weder Geld zum Bau noch Korn zum Essen geben und trieben mich mit Gewalt aus dem Dorf. Niemand wollte sich meiner erbarmen. 

Man sagte mir, ich solle nach Phirangipuram [die Missionsstation des P. Dieckmann] gehen, wo ein weißer Mann wohne, der mir vielleicht Medizin geben werde. Zwei Monate irrte ich umher, um ihn zu finden. Anfangs konnte ich noch ein wenig gehen und mit dem erbettelten Korn selbst mein karges Mahl kochen. Als jedoch diese Hand abfiel, ging’s nimmer. Seitdem habe ich keine gekochten Speisen mehr gegessen. 

Seit 14 Tagen lebe ich von dem rohen Korn, das mir mitleidige Menschen aus Ferne zuwarfen. Zwei Monate habe ich unter freiem Himmel geschlafen. Vier Tage hielt ich mich hier in der Nähe des Dorfes im Kornfeld verborgen, bis der Eigentümer mit Steinwürfen mich forttrieb. Da sich das Fleisch vom Leibe löste, wagte ich es nicht, über Tag ins Dorf zu kommen; erst nach Sonnenuntergang schleppte ich mich dahin, wo Sie mich fanden.‘ 

Unter Tränen erzählte er diese Geschichte mit den vielen Einzelheiten, die ihm dabei zugestoßen, wie er verhöhnt und verspottet worden, wie man ihm aus Bosheit sein letztes Besitztum – seinen irdenen Kochtopf – zerschlagen und wie herzlose Kinder Sand und Steine auf ihn geworfen hätten – der Leser muss nämlich wissen, dass man hier an eine Seelenwanderung glaubt. Wenn der Mensch seine bösen Begierden nicht durch Selbstverleugnung und Bußübungen ertötet, ja wenn er sogar große Übeltaten begeht, so fährt seine Seele, wie dieser Glaube lehrt, nach dem Tod in ein anderes Wesen. 
Ist daher jemand von geringer Herkunft oder verstümmelt oder mit dem Aussatz behaftet, so gilt dies als Zeichen, dass die Seele dieses Menschen in ihrem früheren Leben schwere Frevel verübt habe, weshalb diese Personen von allen verabscheut und gemieden werden. 
Deshalb verstümmeln sich viele Inder auf die grausamste Weise, damit ihre Seele, von allem Irdischen befreit, endlich ins Nirwana – ins Nichts – zurücksinken könne. Welch arme, trostlose, unglücklich machende Lehre! 

Als ich den Mann, dieses arme Opfer eines solchen Glaubens, fragte, ob er jemals von der christlichen Religion gehört, antwortete er: ‚Ja, ich hörte den Namen, jedoch mehr weiß ich nicht davon.‘ Ich begann sogleich, ihm die trost- und liebreichen Wahrheiten dieses Glaubens kurz darzulegen. 
Wie milder Balsam fielen sie in sein Herz. Sogleich verlangte er, in die Zahl der Christen aufgenommen zu werden. ‚Ich habe‘, sagte er, ‚auf der Erde alles, alles verloren und möchte wenigstens im Jenseits glücklich werden. Ich finde alle Ihre Worte erhaben und rührend, ja ich hätte nie gedacht, dass es einen so gütigen und barmherzigen Gott gebe.‘ 

Da sich des Geruchs wegen niemand dem Mann auf 50 Schritte nähern wollte, übernahm ich selbst seine Pflege, brachte ihm täglich Speise und Trank und unterrichtete ihn in den Wahrheiten unserer heiligen Religion. Am fünften Tag nach seiner Ankunft ließ der Hunger nach. Am siebten nahm er weder Speise noch Trank zu sich. Trotzdem ich durch Medizin und Aufschläge eine Unmasse von Würmern entfernte, ging es doch mit dem armen Mann rasch abwärts. Da er täglich um die heilige Taufe bat, so wurde ihm endlich am achten Tag das Glück zu teil, in den Schoß der heiligen Kirche aufgenommen zu werden. 
Nach der heiligen Taufe sagte er: ‚Ich fühle mich ganz wohl, die Schmerzen haben mich ganz verlassen, ich bin jetzt überglücklich.‘ Hierauf fiel er in einen ruhigen Schlaf, aus dem er nicht wieder erwachte. Er hat wohl drüben ein besseres Los gefunden als hier. Mit Hilfe einer christlichen Witwe und eines Katechisten brachte ich die elenden Überreste zu Grabe.‘ 

Vorstehende Schilderung zeigt uns eine der schrecklichsten Erscheinungen im Missions- und Völkerleben der Heidenländer, aber auch einen der schönsten Züge christlicher Liebe und Opferwilligkeit, die sich nicht scheut, die grässlichsten Wunden zu verbinden, deren bloße Schilderung so manches Herz mit Ekel und Schauder erfüllt. 
„Und Jesus erbarmte sich des Aussätzigen und rührte ihn an.“ Auch dieses hehre Wort und Beispiel ist nicht fruchtlos geblieben und lebendig geworden in der Kirche Jesu Christi.

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Montag, 7. April 2014

Große Missionsbischöfe: Ein Bischof stirbt an Lepra – Msgr. Alphons Joosten O.P., Apostol. Vikar von Curaçao




18. Dezember ging in der holländischen Stadt Arnheim ein edler Sohn des hl. Dominikus, Msgr. Alphons Joosten O.P., Apostol. Vikar von Curaçao, zur ewigen Ruhe ein. Geboren 1837 und seit 1858 Dominikaner, übernahm Msgr. Joosten 1888 die kirchliche Leitung der seinem Orden anvertrauten Mission auf den holländischen kleinen Antillen. 
Wir haben erst vor kurzen die Geschichte und Entwicklung dieser Mission ausführliche erzählt und die besonderen Verdienste des im Herrn entschlafenen letzten Oberhirten namentlich um die Hebung des katholischen Schulwesens betont. 

Nach der Mitteilung eines katholischen englischen Blattes hatte sich der Bischof bei der Firmung aussätziger Kinder selbst den Keim der schrecklichen Krankheit geholt, die sich langsam, aber stetig entwickelte. Nach einem zweijährigen wahren Martyrium, das er mit hingebender Geduld ertrug, erlöste ihn der Herr von seinem schweren Leiden, das er als Opfer seines apostolischen Berufs sich zuzgezogen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Dienstag, 4. März 2014

„Es geht uns allen sehr gut“ – Erzählung aus dem vielleicht ärmsten Aussätzigendorf der Welt


Einem Privatbrief des hochw. P Bregère an seine Familie entnehmen wir Folgendes über seine Tätigkeit unter den Aussätzigen. Der Brief ist datiert aus Namehama, Januar 1875.

„In Madagaskar gibt es viele Aussätzige; wie überall, so sind auch hier diese Unglücklichen aus den bewohnten Orten verbannt und müssen sich in einer tiefen Schlucht oder auf einer öden Anhöhe ansiedeln. Während aber zivilisierte Völker wenigstens soviel Mitgefühl empfinden, dass sie für den Unterhalt der Verstoßenen in allem sorgen, kennt man hier in Madagaskar dieses Mitleid nicht; man sagt einfach zu dem Aussätzigen: „Mach‘, dass Du mir aus den Augen kommst und sorge für Dich, so gut Du kannst.“ 

Unsere madegassischen Aussätzigen müssen daher ihre Wohnorte verlassen und sich irgendwo eine Hütte errichten; gewöhnlich sammeln sich mehrere Ausgestoßene am gleichen Ort und bilden kleine Dörfchen. So ist es auch in der Nähe von Namehama der Fall, wo sie die Leprosenniederlassung von Ambulutara gebildet haben. Wollt Ihr mit mir dort einen kleinen Besuch machen? Wir gehen etwa drei Viertelstunden und sind an Ort und Stelle.

„Aber wo ist denn Dein Aussätzigendorf?“ fragt Ihr mich. – „Nun, hier; seht Ihr es denn nicht?“ – „Aber diese Hundelöcher werden doch nicht von Menschen bewohnt werden?“ – „Leider, ja.“ – „Und wo ist Deine Kirche?“ – „Ich habe keine. Seht Ihr diesen Baum mit knorrigem Stamm und wenigen Blättern? Es ist der einzige ringsherum; an seinem Fuß versammle ich meine Christen. Ich stelle mich an den Baum und sie drängen sich im Halbkreis um mich. 

Eines Tages aber bewiesen sie mir eine große Aufmerksamkeit, indem sie mit nicht geringer Mühe einen Stein herbeigewälzt hatten, damit ich mich auf denselben setzen könne; jetzt ist er schon mit Moos überwachsen und bildet eine schöne Kanzel.“ Aber gehen wir voran und betrachten wir uns zuerst diese Hütten. Ihr Bau ist sehr einfach und nimmt kaum einen halben Tag in Anspruch. Mit Hilfe einer langen, schweren Schaufel gräbt man in der Erde ein Loch von zwei Meter im Geviert und einem halben Meter Tiefe. Die ausgeworfene Erde wir mit Wasser begossen, am Rande des Lochs aufgehäuft und bildet so Mauern, die sich etwa einen halben Meter über die Fläche erheben. Über diese Mauern deckt man nun Schilf, lässt eine Öffnung an einer Seite, und das Haus ist fertig. Jeder Aussätzige hat seine eigene Hütte; in derselben hat er sein Bett, d.h. eine Strohmatte auf dem nackten Boden, seinen Feuerherd, seinen Vorrat an Reis und Wasser – kurz sein ganzes Besitztum.
Meine kleine Gemeinde zählt etwa 25 Personen, Männer, Frauen und Kinder; Ihr sollt sie sehen. Sie haben uns schon bemerkt und kriechen aus ihren grabartigen Höhlen hervor, um sich beim Baum zu versammeln; gehen wir also, unsern Sitz auf dem moosbewachsenen Stein einzunehmen.

„Guten Tag, Vater!“ ertönt es uns entgegen. – „Guten Tag, Kinder. Wie geht es euch?“ –„Es geht uns allen sehr gut,“ lautet die Antwort.
Es geht ihnen gut, und ein freundliches Lächeln verklärt diese schwarzen, durch den Aussatz entstellten Züge. Es geht ihnen gut, sehet nur diese Hände ohne Finger, diese Füße ohne Zehen, diese zerfressenen Leiber, welche nur notdürftig mit ein paar Lappen von Hanftuch bedeckt sind.

„Nun, Kinder, wollen wir einen Hymnus singen.“ Hört Ihr diese Stimmen und diese wohlklingenden Akkorde? Ich höre sie nie ohne tiefe Bewegung und es ist schon mehrmals vorgekommen, dass Vorübergehende, die weniger, als ich, an diesen Gesang gewöhnt sind, beim Anhören in Tränen ausbrachen. Der Aussatz hat in meinen Kindern denn doch nicht alles zerstört; er hat ihnen die Stimme gelassen, aber auch den Verstand, um Gott zu erkennen, und das Herz, um Ihn zu lieben.

Aber halten wir uns nicht zu lange auf; Ihr habt nun das Elend gesehen: arme Aussätzige ohne ordentliche Wohnung, ohne ordentliche Pflege, beinahe ohne Hilfe, und sogar ohne Gotteshaus! Und doch sind diese armen Verlassenen mein Trost und meine Hoffnung; von den sieben Gemeinden, die mir anvertraut sind, ist keine so eifrig und beständig, wie meine Aussätzigen. Anderswo kommt es vor, dass einzelne Glieder abfallen, hier habe ich keinen Abfall zu fürchten; die Ketzerei wagt sich nicht an die Aussätzigen.

 Nur einmal versuchte ein protestantischer Madagasse, unter meinen Aussätzigen einen Anhang zu gewinnen, indem er ihnen Geld und Kleidungsstücke anbot. Und doch haben meine Aussätzigen der Versuchung widerstanden. 
Der Chef der kleinen Gemeinde, ein armer Sklave, nahm das Wort und redete seine Untergebenen an: „Von den Protestanten wollen wir nichts annehmen, denn sie wollen uns durch ihre Geschenke nur verlocken, dass wir unseren Glauben aufgeben. Wenn wir etwas nötig haben, brauchen wir es nur dem Vater zu sagen, und er wird es uns geben, wenn er kann.“ Diese Worte schlugen durch und der Protestant konnte mit seinem Geld und seinen Stoffen wieder abziehen.

Aber, fragt Ihr mich, woher nimmst Du denn die Mittel, um Deinen Aussätzigen alles Nötige zu geben?“ Antwort: Erstens kann ich ihnen nicht alles geben, was sie brauchen, weil ich es nicht habe; zweites aber lassen mich die guten Katholiken in Europa nicht im Stich. 
Noch neulich erhielt ich 50 Franken und diese reichten gerade aus, um für die nackten und kranken Leiber die allernotwendigsten Kleider zu kaufen. Daher hoffe ich zuversichtlich, dass ich mit der Zeit das notwendige Geld erhalten werde, um eine kleine Kapelle für meine Kinder zu bauen, ihre Hütten etwas besser einzurichten usw. Die Katholiken in Europa werden ja nicht vergessen haben, dass es Jesus Christus selbst ist, den sie in diesen armen Aussätzigen kleiden, nähren und beherbergen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Siehe auch:

Bei den Aussätzigen auf Madagaskar

Dienstag, 10. Dezember 2013

Soldat Christi und Vater der Aussätzigen

P. Lemmens C.SS.R. als Offizier und Redemptorist

Am 19. September 1906 verschied zu Paramaribo, der Hauptstadt von Niederländisch-Guayana, der Redemptoristenmissionär P. Felix Heinrich Lemmens als würdiger Nachfolger des Aussätzigenapostels P. Damian. 

Geboren am 28. Juli 1850 zu Maastricht, widmete sich Felix Heinrich zunächst der militärischen Laufbahn. Wegen seines aufgeräumten munteren Wesens war er Liebling seiner Kameraden und wurde als Mann treuer Pflichterfüllung auch von seinen Vorgesetzten sehr geschätzt. 

Besondere Achtung erwarb er sich durch sein charakterfestes Bekenntnis seines Glaubens mitten in stark gemischter, ja vorwiegend protestantischer Umgebung. Als einst in einer Gesellschaft zu Haag das Gespräch auf Religion kam und einige Offiziere sich darüber spöttelnde Bemerkungen erlaubten, verwies Lemmens ihnen sofort und so nachdrücklich das Ungeziemende ihres Benehmens, dass ein anwesender Hauptmann voll Anerkennung sich äußerte: „Allen Respekt vor solcher Überzeugungstreue.“

1878 wurde Leutnant Lemmens in die Garnison von Surinam versetzt und erwarb sich auch hier die allgemeine Liebe und Achtung. Einer seiner damaligen Freunde und Bekannten war der Rechtsanwalt Herr Borret, Mitglied des Gerichtshofs von Surinam. Als derselbe unerwartet seine Stellung niederlegte, um Priester und Mitglied der Kongregation des allerheiligsten Erlösers zu werden, deren Wirken in Surinam er zu bewundern Gelegenheit gehabt, beschloss der junge Offizier, dem Beispiel zu folgen. 

Am 8. Dezember 1882 legte er nach dem Beispiel des hl. Alfons von Liguori seinen Degen zu Herzogenbusch auf den Altar und vertauschte die schmucke Uniform mit dem schlichten Ordensgewand eines Redemptoristen (siehe Bilder oben).
Nach Vollendung seiner Studien zu Witten bei Maastricht empfing Lemmens am 8. Oktober 1886 die heilige Priesterweihe. Bald darauf ging sein Herzenswunsch, als Priester und Apostel nach Surinam zurückzukehren und der schwierigen Mission seine ganze Kraft weihen zu dürfen, in Erfüllung. 

Zunächst wirkte er als erster Pfarrer an der Grenze von Britisch-Demerara (heute Guyana) gelegenen Neugründung Niew-Nickerie, dann kam er auf die Missionstation Albina am Maroni, dem Grenzfluss zwischen Surinam und Cayenne (heute Französisch-Guayana). 

Mit Vorliebe nahm er sich hier der eingeborenen Indianer und der Buschneger an und machte ihretwegen weite apostolische Fahrten ins Innere. Auf den im Maroni zerstreut liegenden kleinen Eilanden fand er aber noch andere arme Schäflein, welche des priesterlichen Trostes am meisten bedurften.
Es waren die mit dem Aussatz geschlagenen Sträflinge der benachbarten französischen Kolonie, die hier als Verbannte ein einsames und verlassenes Dasein fristeten. 

Einmal wöchentlich brachte man ihnen etwas Nahrung. Sonst blieben sie in ihren elenden Hütten sich selbst überlassen. Voll Mitleid besuchte sie P. Lemmens von Albina aus, verband ihre scheußlichen Wunden und brachte ihnen die Tröstungen der heiligen Religion. 
Es scheint, dass der gute Pater in seinem Eifer die nötigen Vorsichtsmaßregeln außer Acht ließ; gewiss ist, dass er auf einmal die Zeichen der schrecklichen Krankheit an sich selber wahrnahm. 
Das bedeutete für ihn die Absonderung vom menschlichen Verkehr und ein langsames Hinsterben. 
Um sich nützlich zu machen, bot er sich an, die Seelsorge der Aussätzigen in der St. Gerard Majella-Stiftung zu übernehmen, wo der Apostol. Vikar von Surinam, Bischof Wulfingh, den Aussätzigen ein Heim und in den Tilburger Schwestern liebevolle Pflegerinnen gegeben hatte.

Hier brachte P. Lemmens die vier letzten Jahre seines Opferlebens zu. Sein liebevoller Eifer und das heroische Beispiel seiner Geduld im eigenen Leiden gab seinem priesterlichen Wirken eine ungewöhnliche Kraft und brachte viele verhärtete Sünder zu Gott zurück. Den heiteren Charakter des ehemaligen Offiziers vermochte auch das traurige Siechtum nicht zu trüben. 
Durch Abfassung unterhaltender Theaterstücke und Aufführung von Konzerten und fröhlichen Festlichkeiten für die Aussätzigen tat er alles, um ihnen ihr hartes Los zu erleichtern und um sie her den Sonnenschein der Freude zu verbreiten.

Inzwischen hatte sein Leiden unaufhaltsam Fortschritte gemacht und die Kräfte des erst 56-jährigen Mannes aufgezehrt. Am 18. September v.J. empfing der Kranke noch einmal bei vollem Bewusstsein die heiligen Sterbesakramente und eilte am folgenden Tage in die Arme seins göttlichen Meisters, dessen treuer Jünger er gewesen. 

Ein feierliches Begräbnis ehrte das Andenken des heiligmäßigen Priesters; die schönste Grabrede aber waren die Tränen der Aussätzigen, denen er ein so treuer Freund und Vater gewesen. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Mehr über die Redemptoristen von Surinam in der Aussätzigenpflege hier, darunter die Geschichte des seligen P. Donders C.SS.R.