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Donnerstag, 26. Mai 2016
Mittwoch, 16. Dezember 2015
„Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen können“ – Franziskaner im Heiligen Land
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| Pilger in Betlehem, Weihnachten 1890 |
Ein
Bericht über Volksmissionen, die 1875 von den Franziskanern im Heiligen Land
gehalten wurden:
Nach
Beit-Dschala kam das Dorf der Hirten an die Reihe. Es liegt auf dem Hügel von
Betlehem selbst, etwa 20 Minuten unterhalb der Stadt gegen Osten. Der Hügel ist
reich an Höhlen, in welchen man irdene Lampen und Gefäße aller Art, steinerne
Messer und Werkzeuge findet, zum Beweise, dass vor Alters diese Höhlen bewohnt
waren. Jetzt wohnen nur mehr etliche arme Familien darin. Der Stall von Bethlehem
war eine solche Grotte; in der am weitesten nach Osten gelegenen Höhle sollen
die Hirten gewacht haben, als ihnen der Engel die Geburt des Heilandes
verkündigte. Das Dorf der Hirten zählt gegenwärtig ungefähr 1.000 Bewohner, von
denen sich eine beträchtliche Anzahl vom Schisma zur katholischen Religion
bekehrt hat. Diesen geistigen Nachkommen der Hirten predigten wir von dem Gott
der Patriarchen, seinem Sohne, seiner Kirche; und auch sie haben sich ob der
frohen Kunde gefreut, sie haben den Heiland gefunden und verkünden nun anderen
den Trost, welchen sie in seiner Nähe verkostet haben.
Von
dort wendeten wir uns nach Betlehem selbst. Unter den 5.000–6.000 Einwohnern
von Betlehem finden sich 3.500 Katholiken, arbeitsame, betriebsame Leute.
Besonders gewandt sind sie in Anfertigung von Schnitzarbeiten, welche
Geheimnisse des Evangeliums darstellen; auch Kreuze aus Perlmutter und
Rosenkränze aus den Körnern des Ölbaumes verfertigen sie und bringen sie selbst
nach Europa und sogar bis nach Amerika zum Verkauf. Sie tragen ein Gewand aus
blauem Stoff, einen wollenen, weiß und rot gestreiften Mantel und eine schwere,
unförmige Kopfbedeckung. Die Frauen gehen barfuß, vielfach auch die Männer.
Dürftige gibt es keine unter ihnen; ihre Sitten sind patriarchalisch; nur hat
die häufige, meistens feindliche Berührung mit den Nomadenstämmen der Wüste
ihren Charakter etwas verwildert; sie sind streit- und rachsüchtig, lieben auch
das Geld gar zu sehr, so dass sie zuweilen ihre Töchter um den Preis von
5.000–6.000 Piaster den Schismatikern verkaufen. Das waren die Leute, denen wir
das Jubiläum zu predigen hatten, und auch hier waren unsere Bemühungen von
Erfolg gekrönt. „Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen
mögen; nun, wir wollen, was wir früher getan, nicht wieder tun“ –so sprachen am
Ende der Mission einige von denen zu uns, die sich der eben erwähnten Vergehen
schuldig gemacht hatten.
(Aus: die katholischen Missionen, 1876)
(Aus: die katholischen Missionen, 1876)
Sonntag, 30. November 2014
So geht „Ökumene“
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| Der griechisch-melchitische (katholische) Patriarch Petrus IV Geraigiry (im Text Giragiri), zuvor Bischof von Paneas |
Recht
beachtenswerte Aufschlüsse über die Strömungen innerhalb der nicht-unierten
Kirchen gibt uns der folgende Brief des griechisch-melchitischen Bischofs von
Paneas, Msgr. Giragiri. Als er eben im Begriff war, so erzählt er darin, einer
Einladung des griechisch-katholischen Patriarchen von Jerusalem, Gregor I., zum
Eucharistischen Kongress in Jerusalem Folge zu leisten, wurde seine Abreise
durch einen unangenehmen Zwischenfall verzögert. In einem kleinen Städtchen,
Al-Kiam, und im Dorf Kuraihas wurden zwei seiner Priester von einflussreichen,
feindseligen Schismatikern in einen Prozess verwickelt. Der Bischof musste
ihnen zu Hilfe kommen; er schickte ihnen das für die Fahrt nach Jerusalem
ersparte Reisegeld und begab sich persönlich nach Gedaïhah und Hasbaïa, um vor
den dortigen Tribunalen Recht zu verlangen.
In Hasbaïa
sollte er unerwartet eine große Freude erleben. Die Stadt, am südwestlichen
Abhang des großen Hermon, ist einer der Hauptorte im Gebiet des Anti-Libanon
mit reger Industrie und Obst- und Weinbau. Sie zählt nur wenige Katholiken;
doch sind die Schismatiker im Augenblick recht günstig gestimmt. Ihr Bischof,
Msgr. Missaël, begrüßte den katholischen Oberhirten bei seiner Ankunft aufs
Freundlichste. Msgr. Giragiri erwiderte am folgenden Tag den Besuch. Zu seinem
nicht geringen Erstaunen fand er im Empfangszimmer des schismatischen Bischofs
die Porträts Leo XIII., Se. Eminenz des Kardinals Rampolla und des
letztverstorbenen Präfekten der Propaganda, Kardinal Simeoni, und anderer
römischer Prälaten. Auf seine verwundernde Äußerung erklärte Msgr. Missaël:
„Ich habe diese Porträts mir kommen lassen, weil ich die römische Kirche und
ihre Oberhirten liebe.“ Beiläufig gesagt ist es keine Kleinigkeit, hier zu
Lande, selbst in größeren Städten, sich dergleichen Porträts zu verschaffen.
„Im Laufe der Unterredung“, so erzählt nun Msgr. Giragiri, „sagte ich scherzend zum schismatischen Bischof: ‚Sie haben gewiss Angst, dass ich Ihnen keine Schäflein mehr übrig lasse. Wissen Sie was, Monseigneur, treten Sie mit Ihrer ganzen Herde zu uns über, und bleiben Sie dann in der katholischen Gemeinschaft deren Hirte. Ich selbst lege dann mein Amt nieder, oder werde, falls es Ihnen recht ist, Ihr Koadjutor.‘ Der Bischof erwiderte lächelnd: ‚Es wird wohl schließlich dazu kommen, nur mit dem Unterschied, dass ich dann Ihr Koadjutor werde und Sie selbst die ganze Sorge für unser geistliches und zeitliches Wohl übernehmen.‘
„Im Laufe der Unterredung“, so erzählt nun Msgr. Giragiri, „sagte ich scherzend zum schismatischen Bischof: ‚Sie haben gewiss Angst, dass ich Ihnen keine Schäflein mehr übrig lasse. Wissen Sie was, Monseigneur, treten Sie mit Ihrer ganzen Herde zu uns über, und bleiben Sie dann in der katholischen Gemeinschaft deren Hirte. Ich selbst lege dann mein Amt nieder, oder werde, falls es Ihnen recht ist, Ihr Koadjutor.‘ Der Bischof erwiderte lächelnd: ‚Es wird wohl schließlich dazu kommen, nur mit dem Unterschied, dass ich dann Ihr Koadjutor werde und Sie selbst die ganze Sorge für unser geistliches und zeitliches Wohl übernehmen.‘
Ich predigte dann vom Tag meiner
Ankunft (Freitag vor Passionssonntag) an bis zum Montag in der Karwoche täglich
zweimal, am Morgen und am Abend. Die Kirche konnte die Menge nicht fassen.
Mehrere angesehene Personen sagten zu mir: ‚Es ist ausgemachte Sache, wir
werden alle katholisch.‘ Andere verlangten eine zweite Reihe von Predigten, um
sich vor ihrem Übertritt noch besser zu belehren. Von allen Seiten wurde ich
gedrängt, in der Stadt jährlich mein Absteigequartier zu nehmen und einige
Wochen bei ihnen zuzubringen. Ich dankte Gott für die Wendung dieser Dinge;
denn gerade in Hasbaïa hatte ich früher die
heftigsten Anfeindungen gefunden. (…) Jetzt ist die Stimmung ganz verändert,
und die Bekehrung dieser Stadt, des Hauptbollwerks des Schismas in meiner
Diözese, scheint nur mehr eine Frage der Zeit. Ist aber einmal Hasbaïa
gewonnen, so würde sofort auch die umwohnende Landbevölkerung folgen. Diese
scheut bis jetzt den Einfluss der reichen Schismatiker in der Stadt, die ihr
Geld leihen und ihr in ihren Prozessen helfen, und so den guten Willen dieser
Leute hemmen.“
(…) Msgr. Giragiri erzählt dann
weiter seine Reise nach Rom, die er im Namen des griechisch-unierten
Patriarchen von Jerusalem mit zwei anderen orientalischen Bischöfen unternahm,
um dem Heiligen Vater die Glückwünsche seiner Kirche darzubringen. Mit dem größten
Interesse erkundigte sich der Papst nach der Bewegung, die sich unter den
Schismatikern zu Gunsten der Wiedervereinigung bemerkbar mache. „Machen Sie es
nicht“, sagte er dem Bischof beim Abschied, „wie Gregor der Wundertäter, der
bei seinem Einzug als Bischof von Neo-Cäsarea dort 17 Gläubige vorfand, bei
seinem Tod aber 17 Heiden hinterließ. Sie werden die Katholiken zu Hunderten
vorfinden und dürfen keinen einzigen Schismatiker hinterlassen. Ich werden Gott
recht inständig darum bitten.“
(Aus: die katholischen Missionen,
1893)
Freitag, 19. September 2014
Die Gründung des Karmelitinnenklosters in Bethlehem
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| Die ersten Karmelitinnen von Bethlehem. Die selige Mirjam von Abellin ist mit einem Kreuz markiert, sie hat laut dieser Quelle den Standort des Klosters ausgewählt. Sie nahm ebenfalls an einer Karmelgründung in Südindien teil. (Das Foto ist leider etwas unscharf, ich habe es im Museum des Karmels in Betlehem aufgenommen) |
(…) Wir haben
uns so lange bei diesem ersten Kloster aufgehalten [dem Kloster auf dem Ölberg
in Jerusalem], dass wir uns für die Gründung des zweiten kurz fassen müssen.
Als
die ersten Karmelitessen im Oktober 1874 in Jerusalem eintrafen, vermutete wohl
niemand, dass kein Jahr vergehen würde, bis eine zweite Kolonie nachfolgen
würde, um ein zweites Kloster in Angriff zu nehmen. Und doch sollte es so
geschehen. Am 24. September, dem Fest Unserer Lieben Frau von der Erlösung der
Gefangenen, schlossen sich zehn Schwestern aus Pau in einem kleinen Karmel zu
Bethlehem ein, um ganz in der Nähe der Grotte der Geburt des Herrn ihr Leben in
Gebet und Buße für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern.
Die Feier der
Besitzergreifung fand in der Geburtsgrotte selbst statt, in Gegenwart von Msgr. Bracco. Dort vor der Krippe des Jesuskindes erzählte der Abbé Bordachar,
welcher vom hochwürdigsten Bischof von Bayonne beauftragt worden war, die
Schwestern nach Bethlehem zu geleiten, die verschiedenen Phasen der Gründung
dieses Klosters.
Zahllose Schwierigkeiten hatten sich von allen Seiten erhoben,
aber die Vorsehung hatte sie alle zu entfernen gewusst. Der heilige Vater
selbst interessierte sich sehr für diese Gründung, und seiner Autorität gelang
es endlich, auch die letzten Hindernisse zu beseitigen. Darauf wendete sich
Abbé Bordachar an die Schwestern, welche in der Grotte knieten, wie einst Maria
hier vor ihrem göttlichen Sohn, und fragte jede einzeln, ob sie bereit sei,
nach dem Beispiel des hier geborenen Sohnes Gottes gehorsam zu sein bis zum Tod
und arm, wie er, ohne auch nur zu besitzen, wohin das Haupt zu legen. Mit Herz
und Mund antworteten die Schwestern: „Ja, mein Vater,“ und Herr Bordachar
erinnerte sie dann an die Sendung, die sie demgemäß zu erfüllen hätten, eine
Sendung des unaufhörlichen Gebetes, des beständigen Opfers, der steten Abtötung
zur Beförderung der größeren Ehre Gottes und zur Rettung unzähliger Seelen.
Zum Schluss bat er den hochwürdigsten Patriarchen, diese demütigen Töchter der
hl. Theresia, welche der Bischof von Bayonne gleichsam als Vertreterinnen
seiner Diözese zum Heiligtum von Bethlehem gesendet hatte, unter seinen Schutz
und seine Jurisdiktion zu nehmen. Msgr. Bracco erwiderte, dass er sich
glücklich schätze, in so kurzer Zeit zwei Klöster dieses so eifrigen Ordens in
seinem Patriarchat entstehen zu sehen; er hoffe und vertraue, dass auch dieser
neue Karmel für das heilige Land eine reiche Quelle der Gnaden sein werde.
Darauf begab man sich in Prozession zum nahen Klösterlein; eine der Schwestern
trug ein schweres Holzkreuz voran, welches die eingeschlossenen Klosterfrauen
an ihren Beruf und an die zur Erfüllung desselben empfangenen Gnaden erinnern
soll. Der hochwürdigste Patriarch segnete die einzelnen Zellen und
Räumlichkeiten und zuletzt auch die Kapelle. Dann brachte er das heilige
Messopfer dar, und als der liebe Heiland unter den sakramentalen Gestalten auch
von dem neuen Heiligtum Besitz ergriffen hatte, erklärte Msgr. Bracco das
Kloster für begründet und die Klausur bestehend.
Der 24.
September 1875 wird stets ein denkwürdiger und wichtiger Tag für Bethlehem und
ganz Palästina sein, dessen Wirkungen, wir zweifeln nicht daran, schon in naher
Zukunft sich fühlbar machen werden. Wenn in einem Land viel gebetet wird, kann
der liebe Gott ihm seine Gnade nicht versagen.
(Aus: die
katholischen Missionen, 1876)
Sonntag, 13. April 2014
Große Missionsbischöfe: der heiligmäßige Patriarch – Msgr. Vincenzo Bracco, lateinischer Patriarch von Jerusalem
Ein
schmerzlicher Verlust traf die Kirche des heiligen Landes durch den Tod ihres
heiligmäßigen, hochverehrten Patriarchen, Msgr. Vincenzo Bracco, der am
heiligen Fronleichnamsfest in Jerusalem nach kurzem Krankenlager seine Reise
zum himmlischen Jerusalem antrat.
Geboren am 15. September 1835 zu Torazzo in
der Diözese Albenga am Meerbusen von Genua, machte Vincenzo seine Studien in
dem von den Lazaristen geleiteten Kolleg der auswärtigen Missionen zu Genua,
wurde 1859 Priester und begab sich bereits im folgenden Jahre in die Mission
des heiligen Landes. Msgr. Valerga, Der tatkräftige Patriarch von Jerusalem,
lernte als scharfblickender Menschenkenner sehr bald die gründliche
wissenschaftliche Bildung und die Tugend des stillen, bescheidenen Priesters
schätzen, berief ihn zunächst als Professor der Theologie an sein Seminar zu
Beitschale bei Betlehem und ernannte ihn zwei Jahre später zum Regens des
Seminars und zum Kanonikus an der Kirche des heiligen Grabes.
Da der
Patriarch in seiner Eigenschaft als Apostolischer Delegat des hohen Libanons
oft längere Zeit von Jerusalem entfernt sein musste, erbat er sich von der
Propaganda einen Weihbischof und schlug als solchen seinen erprobten Seminarregens
Don Vincenzo vor, der dann auch am 13. Mai 1866 als Titularbischof von Magida in
der heiligen Grabkirche die Bischofsweihe empfing. Seit Jahrhunderten hatte die
heilige Stadt keine solche Feier mehr gesehen.
Tatkräftig
nahm der neue Weihbischof an den vielen Unternehmungen des energischen
Patriarchen seinen Anteil. So ist die endliche Vollendung der schönen, dem
Namen Jesu geweihten Kathedrale (11. Februar 1872) zum guten Teil auch sein
Verdienst; desgleichen der Triumph, den die Kirche Jerusalems im selben Jahr
feierte, indem seit undenklichen Zeiten zum ersten Mal wieder einmal das heiligste
Sakrament in feierlicher Fronleichnamsprozession durch die Straßen getragen
wurde, die Christus der Herr einst so oft durchwandelte.
Am 21.
März 1873 bestieg Msgr. Bracco den verwaisten Patriarchenstuhl von Jerusalem
und setzte nun volle 16 Jahre hindurch das Werk seines großen Vorgängers mit
ebenso viel Festigkeit als herzgewinnender Milde fort. Eine Reihe neuer Missionsstationen
wurde durch ihn ins Leben gerufen und namentlich auch das Ostjordanland, mehr
als bisher geschehen war, in den Kreis der Missionstätigkeit hineingezogen. Bei
dem großen Interesse, das die deutschen Katholiken dem Werk im Heiligen Land
und den ausschließlich ihm dienenden Zeitschriften entgegenbringen, ist es kaum
nötig, die Geschichte der letzten Jahre, die mit der Wirksamkeit des letzten
Patriarchen zusammenfällt, hier ausführlicher zu wiederholen.
Msgr.
Bracco wurde nicht bloß von seinem Klerus und Volk und von den zahlreichen
Fremden, die jährlich in den Mauern der heiligen Stadt zusammenströmen, sondern
selbst von den Schismatikern und Ungläubigen wie ein Heiliger verehrt. Dies
beweist auch die innige Teilnahme, die sich von allen Seiten zu erkennen gab,
als die unerwartete Trauerkunde von seiner schweren Erkrankung sich
verbreitete. Schon seit längerer Zeit fühlte Msgr. Bracco seine Kräfte
schwinden.
Als er am
6. Juni der sakramentalen Segensandacht in der Pfingstnovene beiwohnte, bekam
er heftige Seitenschmerzen und musste sich fieberkrank zu Bett legen. Die
Krankheit, eine schwere Lungenentzündung, die bereits am 14. von vier Ärzten
als hoffnungslos bezeichnet wurde, machte rasche Fortschritte. Am 13. Juni
wurden dreitägige öffentliche Gebete in der heiligen Stadt und in den
benachbarten Pfarreien angeordnet. Man setzte den Patriarchen von seinem
Zustand in Kenntnis; sofort verlangte er nach der heiligen Wegzehrung und der
letzten Ölung, die er mit inniger Andacht und voller Hingebung in Gottes Willen
empfing, zu außerordentlicher Erbauung der Anwesenden, die in Tränen
zerflossen.
Gleichzeitig telegraphierte man nach Rom, um den Segen des Heiligen
Vaters für den Sterbenden zu erbitten.
Als in Jerusalem und den umliegenden
Dörfern der Zustand des Patriarchen bekannt wurde, war die Trauer eine
allgemeine, nicht bloß bei den Katholiken, sondern auch bei den Schismatikern.
Alles betete inbrünstig zu Gott um Erhaltung seines Lebens. Viele Personen
machten Gelübde, um von Gott die Verlängerung dieses teuren Lebens zu erflehen;
einige boten Gott sogar ihr eigenes Leben zum Ersatz an. Ein
griechisch-schismatischer Christ sagte: „Mein ganzes Vermögen besteht aus nur
400 Fr., mit denen ich mich und meine Familie unterhalte; aber gerne würde ich
alles für das Leben des lateinischen Patriarchen drangeben.“ Doch Gott dem Herr
gefiel es nicht, diese Bitte zu erhören.
Gegen
Abend des 18., als die Vorzeichen der baldigen Auflösung sich einstellten, berief
der Patriarch seinen Generalvikar Msgr. Pasquale Appodia, und sagte ihm, dass
er aus ganzem Herzen seinen Klerus und seine Herde segne. Darauf wünschte er,
die Missionäre und Priester, die sich im Patriarchalgebäude befanden, noch
einmal zu sehen. „Monsignore“, rief der Generalvikar tief ergriffen, als alle
um das Sterbelager knieten, „hier sind ihre Priester; es sind nicht alle hier,
aber bitte, segnen Sie alle, auch die abwesenden, segnen Sie die ganze Diözese.“
Er erwiderte, indem er mit der Hand ein Zeichen gab: „Kommen Sie näher zu
meinem Bette. – Vor allem…will ich Ihnen…etwas sagen. Ich muss Sie…um
Verzeihung bitten für meine Fehler…in Worten und Werken.“ Unter Tränen
versetzte der Generalvikar: „Nein, Monsignore, wir müssen um Verzeihung bitten.
Sie waren uns immer ein Vater.“ – „Nein,“ fuhr der Patriarch fort, „lassen Sie
mich…sprechen…ich habe bemerkt, dass ich mehr Fehler habe, als die anderen…ich
bitte Sie um Verzeihung.“ Dann erhob er seine Hand und segnete uns, und wir
weinten und schluchzten und küssten seine Hände. Darauf kamen die Seminaristen.
„Monsignore,“ sprach der Regens, „hier sind die Seminaristen und bitten um Ihren
letzten Segen.“ Er war tieferschüttert und sagte: „Gute…Kinder“, und segnete
sie zu wiederholten Malen, und sie kamen einzeln heran und küssten schluchzend
seine Hand. Auch eine Deputation katholischer Männer aus Jerusalem erschien, um
noch einmal die Hand zu küssen, die so viel Segen gespendet; schließlich die
Dienerschaft, ganz aufgelöst in Schmerz und Trauer.
Die
entscheidende Stunde kam näher. Gegen 3.45 Uhr rief der Sterbende mit großer
Aufregung: „Betet, ich werde versucht.“ Alle Anwesenden fielen auf die Knie.
Gleich wurde der Kranke wieder ruhig und gab, während die ihn umgebenden
Priester das Profiscere beteten,
sanft und friedlich seinen Geist auf. Es war am hochheiligen Fronleichnamsfest,
zu dessen würdiger Feier in der heiligen Stadt er so vieles beigetragen.
Die Kunde
von seinem Hinscheiden rief in der heiligen Stadt und Umgebung eine tiefe
Bewegung und Teilnahme in allen Schichten der Bevölkerung hervor. Der Zudrang
zu der im Patriarchalpalast ausgestellten Leiche und zu dem feierlichen
Pontifikalrequiem war ein außerordentlicher.
Es zeigte sich hier so recht,
welch unwiderstehliche Macht das Beispiel seines heiligen Priesterlebens, seine
alle gleichmäßig umfassende Hirtentreue und seine väterliche Güte auf die
Herzen selbst der ungläubigen Moslems ausgeübt. Katholiken und Schismatiker
aller Riten, Protestanten, Mohammedaner und Juden, alles strömte den ganzen Tag
bis zum Abend herbei, küsste die Hand des Dahingeschiedenen, nannte ihn einen
Heiligen. Rosenkränze wurden an seinem Haupt angerührt.
Ein
griechisch-schismatischer Mönch legte sogar Weihrauch zu den Füßen der Leiche
nieder. Es war ein gemeinsamer Trauertag für ganz Jerusalem. Währen der Nacht
wurde die sterbliche Hülle Msgr. Vincenzo Braccos in der Kapelle des hl.
Joseph, dem Grab Msgr. Valergas gegenüber, beigesetzt. R.I.P.
(Aus: die
katholischen Missionen, 1890)
Sonntag, 3. November 2013
Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 2)
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| Mar Ephrem Rahmani, später syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien, nahm am Eucharistischen Kongress teil. Er war ein international angesehener Liturgiker. |
Fortsetzung von hier
Am folgenden Morgen fand die erste Sitzung des Eucharistischen
Kongresses statt. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Vorträge – die Sprache
war das den meisten orientalischen Bischöfen geläufige Französisch – waren ein
großer Lobeshymnus auf das heiligste Sakrament.
Msgr. Gregor II., der griechisch-unierte Patriarch von Jerusalem, fasst
die zeugniskräftigen Ausdrücke der Anbetung und der Liturgie der griechischen
Kirche in einer gehaltvollen Studie zusammen. Besonders interessant waren seine
Ausführungen über die Liturgie der „Präsanctificata“, die bei uns bloß in der
Karfreitagsmesse noch üblich, während der Priester der griechischen Kirche an
den meisten Tagen der Fastenzeit nur die heilige Hostie kommuniziert, die am
vorausgegangenen Sonntag konsekriert und dann aufbewahrt wurde.
Der lateinische Patriarch Msgr. Piavi sprach über die Liturgie des
heiligen Apostels Jakobus, die Grundlage der meisten orientalischen Sekten.
Msgr. Giragiri, griechisch-melchitischer Bischof von Paneas in Syrien,
untersuchte im Anschluss an das Thema des griechischen Patriarchen die drei
Varianten der griechischen Liturgie: die des hl. Basilius von Cäsarea, des. hl.
Chrysostomus und die der „Präsanctificata“.
Msgr. Kandalafta, syrischer Bischof
von Tripolis, hielt einen Vortrag über die syrische Liturgie, Dr. Athansius
Aben-Saïd, der Vertreter des Apostol. Provikars der unierten Kopten, über die
Liturgie des koptischen Ritus, die im Wesentlichen diejenige der altberühmten
Kirche von Alexandrien ist und auf den hl. Markus und die hll. Basilius und
Gregor von Nazianz zurückführt.
Ihren eigenartigen Charakter erhält sie dadurch,
dass sie einen fast ununterbrochenen Dialog zwischen dem Zelebranten, Diakon,
dem Dolmetscher und dem Volk bildet, welches am heiligen Opferritus bis in die
Details hinein teilnimmt.
Abbé Martin, Pfarrer von Ausage (Drôme) sprach über
den slawischen Ritus, wie er heute noch bei den unierten Bulgaren (ca. 60.000)
im Gebrauch ist. Msgr. Rahmani, Erzbischof von Bagdad, folgte mit einer
meisterhaften Darlegung des syrischen Ritus. Er wies unter anderem darauf hin,
dass die Sprache seiner Kirche dieselbe sei, deren sich der Heiland bediente,
als er Simon zum Felsen (Kephas) seiner Kirche machte, bei seinen Wundern, z.B.
wo er das Töchterlein des Jairus zum Leben erweckte mit den Worten: Talitha
cumi! (d.h.. Mädchen, stehe auf!) und endlich als ersein Opfer vollendend
ausrief: Eli, Eli, lamma sabakhtani? (Gott, mein Gott, warum hast du mich
verlassen?).
P. Michel von der Genossenschaft der Weißen Väter, die das
griechisch-melchitische Seminar von St. Anna in Jerusalem leiten, führte in
vortrefflicher Ausführung den geschichtlichen Nachweis, mit welcher Sorge und
Liebe die Päpste von jeher die Riten der orientalischen Kirchen zu erhalten
gesucht.
Msgr. Debs, der maronitische Erzbischof von Beirut, brachte einen
Aufsatz über das Dogma der Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament in der
syrisch-unierten und -nicht-unierten Kirche. Msgr. Nikolaus Cadi, griechisch-melchitischer
Erzbischof von Bosra und dem Hauran, legte die in der griechischen Liturgie
enthaltenen, die Verehrung des heiligsten Sakraments betreffende Zeugnisse vor.
Msgr. Tazian, Bischof von Adana (armenischer Patriarch von 1910-1931), endlich verbreitete sich über die Liturgie des
armenischen Ritus usw.
Diese und andere zum Teil meisterhaften Vorträge bildeten nicht bloß
eine großartige Verherrlichung dieses hehren Geheimnisses, sondern brachten im
Verein mit den herzlichen, durch keinen Misston gestörten Verkehr der Bischöfe
aus Westen und Osten die Einheit im Glauben und das Gefühl der
Zusammengehörigkeit der morgen- und abendländischen Kirche zum schönsten
Ausdruck.
Dazu kam eine in Jerusalem seit den Tagen der Kreuzzüge nie mehr
gesehenen Entfaltung des kirchlichen Kultlebens, das, durch das Zusammenwirken
der verschiedenen Riten, ein jeder mit der ihm eigentümlichen Schönheit sich
doppelt glanzvoll gestaltete, und endlich die heilige Weihe der Andacht, welche
durch die Tag und Nacht in allen Konventen, Kirchen und geweihten Stätten
fortgesetzte ewige Anbetung in allen Pilgern genährt und gehoben wurde.
Ergreifend schön war, wie der oben genannte amerikanische Bischof
erzählt, namentlich die Feier des hohen Pfingstfestes. Der Platz, wo einst der
durch die Einsetzung des heiligsten Sakramentes und die Herabkunft des Heiligen
Geistes den Christen so heiligen Abendmahlssaal gestanden, ist heute leider in
den Händen des Islam, und die an der Stelle erbaute Moschee den Christen nur
gegen ein Trinkgeld zugänglich.
Da kamen die Patres Assumptionisten, die Leiter
des Pilgerzugs, auf die glückliche Idee, dicht daneben einen geräumigen Platz
zu mieten. Hier wurde am Fest unter einem Riesenzelt die heiligen Geheimnisse
gefeiert und wohl an die hundert heilige Messen gelesen. Der Platz ist
wahrscheinlich derselbe, wo einst Petrus am ersten christlichen Pfingstfest zu
den Tausenden von versammelten Juden gesprochen.
Der Bischof schließt seinen Bericht: „Wie keiner, der dem
Eucharistischen Kongress beigewohnt, jemals vergessen wird, was er in diesen
Tagen in Jerusalem gesehen, so wird auch Jesus Christus nicht die Gebete und
Bußübungen vergessen, die ihm für die Wiedervereinigung der orientalischen
Christen mit ihren Brüdern im Westen unter dem einen wahren Hirtenstabe
dargebracht wurden.“
In der Tat hat das Ereignis im Orient einen tiefen Eindruck
hinterlassen. Möge Gottes allmächtige Gnade das angefangene Werk fördern!
(aus: die katholischen Missionen, 1895)
Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 1)
Unsere Leser werden gewiss in den Tagesblättern und Zeitschriften
dieser großartigen Kundgebung des katholischen Glaubens mit Spannung gefolgt
sein. Immerhin dürften einige Ergänzungen aus weniger zugänglichen Berichten
willkommen sein.
Ein nordamerikanischer Bischof, Msgr. de Goesbriand von Burlington
(Vermont), der an dem Kongress teilgenommen, nennt die Idee, den diesjährigen
Sitz dieser in ihrem Zweck und Wesen so schönen Versammlungen in die heilige
Stadt zu verlegen, einen von Gott eingegebenen Gedanken.
In der Tat „kann es
für eine solche Versammlung“, so schrieb der Heilige Vater in seinem
Zustimmungsbreve an den Bischof von Lüttich, den ständigen Vorsitzer des
Kongresses, „keinen geeigneteren Ort geben, als die heilige Stadt, in welcher
Christus der Herr jenes wunderbare Pfand der Liebe eingesetzt hat, und man kann
mit Recht erwarten, dass die Gläubigen des Orients mit neuem heiligen Eifer für
die Verehrung des allerheiligsten Sakraments erfüllt werden.“
Die Hoffnung auf die Wiedervereinigung der schismatischen Orientalen mit
der katholischen Kirche ist hier nicht direkt ausgesprochen, obschon dieser
Gedanke zweifellos im Hintergrund stand und auch die Gebete und Reden des
Eucharistischen Kongresses davon getragen waren.
Außerdem galt es, eine „neue
Belebung der Beziehung und des Gefühls der Zusammengehörigkeit mit den unierten
Kirchen der verschiedenen Riten herbeizuführen, und das ist in einer
hocherfreulichen Weise gelungen“.
Lassen wir uns von dem Berichterstatter des „Heiligen
Landes“ zunächst den Einzug des päpstlichen Delegaten, Sr. Eminenz des
Kardinal-Erzbischofs von Reims, Msgr. Langénieux, erzählen, der am 14. Mai
stattfand. Am Bahnhof ließen alle in Jerusalem vertretenen europäischen Mächte
den Kardinal durch ihre Kawasse begrüßen und machten ihm am folgenden Tag
persönlich ihre Aufwartung.
„Nach den Empfangsfeierlichkeiten stieg der Kardinal zu Pferde und ritt,
voran ein Musikcorps, welches aus Beirut herübergekommen war, von einer
unabsehbaren Menschenmenge begleitet, zum Jaffator.
Im Inneren der Stadt, nahe
dem Tore, hatte unter dem Baldachin der Patriarch von Jerusalem, Ludwig Piavi,
mit dem Weihbischof Pascal Apodia, seinem gesamten Klerus und den Seminaristen
des Priesterseminars Aufstellung genommen. Er war umgeben von den Patriarchen
und deren Generalvikaren der verschiedenen unierten Riten der Griechen,
Armenier, Maroniten, Chaldäer, Syrer, Bulgaren.
Aus Ägypten, vom Libanon her,
aus Mesopotamien, Armenien, aus dem nördlichen Syrien und Bulgarien waren sie
in den verschiedensten Trachten gekommen. Weiter standen hier Bischöfe aus Kanada,
Mexiko, England, Belgien, Italien, der Schweiz, sowie die Direktoren der
Pilgerhäuser in Jerusalem, namentlich des österreichischen und deutschen
Pilgerhauses, mit den Priestern aus Deutschland, welche zum Kongress gekommen
waren, alle mit Rochette bekleidet.
Es war ein Schauspiel, wie es wohl selten
in dieser Farbenpracht, Eigenart und Lebhaftigkeit zu sehen ist. Da stand das
aus mächtigen Quadersteinen erbaute Jaffator mit seinem mittelalterlichen
Zinnen, links daneben die Davidsburg, weiter links zurück der Sionsberg; die
Straßen waren dicht gedrängt von Menschen aus allen Nationen und Ländern mit
den buntesten und verschiedensten Trachten, wie nur der Orient sie kennt. Pechschwarze
Negergesichter, dunkle Arabergestalten, gelbe Judentypen, weiße Europäer, bis
tief hinein in die engen Gassen standen sie Kopf an Kopf.
Dort oben saßen
Araber mit ihren in der Luft baumelnden Beinen auf den Zinnen des Jaffatores
und auf der Plattform der Davidsburg.
Die Dächer und Balkone aller Häuser waren
von Zuschauern bis zur Gefahr des Einsturzes belastet. Musik erschallte, Fahnen
wehten, Evivas ertönten: Der Kardinal, feierlich einherschreitend, naht
sichtlich bewegt dem Patriarchen von Jerusalem. Derselbe hält seine
Begrüßungsrede; der Kardinal antwortet in einer begeisterten Ansprache mit dem
Hinweis auf die Aufgaben des Friedens, welche der Kongress zu lösen habe, und
auf die geistige Schönheit der Stadt Jerusalem, deren heilige Stätten er
betrete. Nun stimmt der Chor das Ecce
sacerdos magnus an. Wie lange mag das auf den Straßen Jerusalems nicht mehr
gesungen worden sein! Dann setzt sich der Zug in Bewegung, der Patriarch geht
neben dem Kardinal-Legaten unter dem Baldachin.
Der Legat segnet feierlich die
dichten Scharen, welche sich namentlich in den Querstraßen weit hinauf
aufgestellt haben. Das türkische Militär bildet ein weitgezogenes Spalier; die
Offiziere sind emsig beschäftigt, Ordnung zu halten. Und es gelingt musterhaft.
So bewegt sich der Zug unter fortwährendem Chorgesang die engen Gassen hinab
bis zur Kirche des Heiligen Grabes. Der türkische Tempelwächter steht
selbstbewusst und doch voll Erstaunen auf dem Tempelplatz.
Der Kardinal begibt
sich zu kurzer Verehrung in das heilige Grab und besteigt dann den vor dem
Katholikon der Griechen, deren Popen neugierig von oben herunterschauen,
aufgeschlagenen Thron. Umgeben von den Patriarchen und Bischöfen, erteilt er
den päpstlichen Segen, worauf er nach Ablegung der Pontifikalgewänder unter den
Klängen der Musikkapelle vom Klerus zu seiner Wohnung ins Patriarchat geleitet
wird.
Es hatte sich mit seinem Einzug ein Akt vollzogen, dem man seine
historische Bedeutung nicht absprechen kann. Seit sechs Jahrhunderten hat kein
Kardinal mehr die heilige Stadt betreten. Papst Pius IX. konnte erst wieder das
lateinische Patriarchat in Jerusalem errichten. Jetzt zog ein Kardinal-Legat
seines Nachfolgers mit allen Ehren, von tausenden Katholiken begleitet, in die
heilige Stadt. – Sion, freue dich!“
(aus: die katholischen Missionen, 1895)
Fortsetzung hier
Montag, 22. April 2013
Die Barmherzigen Schwestern bei den Aussätzigen im Heiligen Land
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| Barmherzige Schwestern im ursprünglichen Habit (Armand Gautier) |
Der
hochwürdige Herr Poyet, Apostol. Protonator und Kanonikus des heiligen Grabes,
schreibt uns aus Jerusalem die folgenden Zeilen, in welchen er das Los der
Aussätzigen in der heiligen Stadt der Mildtätigkeit unserer Leser dringend empfiehlt:
„Noch immer findet sich der Aussatz in der Levante. In Palästina sind seine Opfer zahlreich. Zu Damaskus hat man sie aus der Stadt in ein abgetrenntes Quartier verbannt.
Die Pilger, welche in Jaffa landen und von dort nach Jerusalem ziehen, treffen an den Toren der Stadt Frauen und Kinder, welche das Mitleid der Fremden dadurch zu erwecken suchen, dass sie ihre von der Krankheit zerfleischten Arme zeigen. In Jerusalem sind sie zahlreich und bilden bei Siloë eine Art Gemeinde; wenn jemand in der Umgegend von der Krankheit befallen wird, geht er nach Siloë und bittet um Aufnahme.(…)
„Noch immer findet sich der Aussatz in der Levante. In Palästina sind seine Opfer zahlreich. Zu Damaskus hat man sie aus der Stadt in ein abgetrenntes Quartier verbannt.
Die Pilger, welche in Jaffa landen und von dort nach Jerusalem ziehen, treffen an den Toren der Stadt Frauen und Kinder, welche das Mitleid der Fremden dadurch zu erwecken suchen, dass sie ihre von der Krankheit zerfleischten Arme zeigen. In Jerusalem sind sie zahlreich und bilden bei Siloë eine Art Gemeinde; wenn jemand in der Umgegend von der Krankheit befallen wird, geht er nach Siloë und bittet um Aufnahme.(…)
Die
christliche Liebe schuf einst in Europa allenthalben Zufluchtsstätten für diese
Kranken, weil sie in denselben ein Bild des bitteren Leidens (Christi?)
erblickte. Zu Jerusalem hat man bis auf die letzte Zeit nichts für sie getan.
Ein Pascha verbannte sie vor etwa 15 Jahren aus der Stadt in das Tal Cedron, jenseits der Quelle Siloë. Die Kräftigeren unter ihnen, welche noch gehen können, begeben sich jeden Morgen an den Weg nach Bethlehem und halten den Vorübergehenden eine Schüssel aus Weißblech hin, in die man ihnen ein Stück Brot, einige Früchte usw. wirft, was sie mit ihren Unglücksgenossen in Siloë teilen.
Ein Pascha verbannte sie vor etwa 15 Jahren aus der Stadt in das Tal Cedron, jenseits der Quelle Siloë. Die Kräftigeren unter ihnen, welche noch gehen können, begeben sich jeden Morgen an den Weg nach Bethlehem und halten den Vorübergehenden eine Schüssel aus Weißblech hin, in die man ihnen ein Stück Brot, einige Früchte usw. wirft, was sie mit ihren Unglücksgenossen in Siloë teilen.
Ein Missionär des lateinischen Patriarchats hegte schon seit 30 Jahren
den Plan, eine Anstalt für diese Unglücklichen zu gründen; es fehlte ihm aber
sowohl an Geld als an einer Ordenskongregation, welche sich mit der Pflege dieser
schrecklich verstümmelten Kranken hätte befassen können.
Als 1875 Msgr. Gauthier, der Apostol. Vikar von Süd-Tonking, das Mittel Hoang-nan bekannt machte, welches gegen die Wut und gegen den Aussatz, zwei Krankheiten, die bisher der europäischen Arzneikunde gespottet hatten, mit Erfolg angewendet wird, entschloss man sich, dasselbe in Jerusalem anzuwenden. Man wandte sich an die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und bewog dieselben, einige Mitglieder zur Ausübung ihrer Ordenstätigkeit und namentlich zur Pflege der Aussätzigen nach Jerusalem zu senden. Seine Heiligkeit Leo XIII. segnete das Unternehmen.
Am Feste Kreuzauffindung (3. Mai) 1886 trafen sie in Jerusalem ein und eröffneten ein Haus für Krankenpflege; sieben Schwestern können gegenwärtig der Arbeit kaum genügen. Täglich bedienen sie durchschnittlich 350 Kranke von verschiedenen Sprachen und Religionen; oft hat man sogar 650 gezählt. Unentgeltlich verteilt man an alle Kranken die nötigen Arzneien.
Abends besuchen die Schwestern in ihren Wohnung diejenigen Kranken, welche am Morgen nicht zur Apotheke kommen konnten, und jede Woche begeben sich zwei Schwestern in die umliegenden Dörfer und pflegen alle Kranken, welche man ihnen bringt. Vierzehn Dörfer haben das Glück, von ihnen besucht zu werden, und jedes Mal ist die Freude groß, wenn sie eintreffen.
Als 1875 Msgr. Gauthier, der Apostol. Vikar von Süd-Tonking, das Mittel Hoang-nan bekannt machte, welches gegen die Wut und gegen den Aussatz, zwei Krankheiten, die bisher der europäischen Arzneikunde gespottet hatten, mit Erfolg angewendet wird, entschloss man sich, dasselbe in Jerusalem anzuwenden. Man wandte sich an die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und bewog dieselben, einige Mitglieder zur Ausübung ihrer Ordenstätigkeit und namentlich zur Pflege der Aussätzigen nach Jerusalem zu senden. Seine Heiligkeit Leo XIII. segnete das Unternehmen.
Am Feste Kreuzauffindung (3. Mai) 1886 trafen sie in Jerusalem ein und eröffneten ein Haus für Krankenpflege; sieben Schwestern können gegenwärtig der Arbeit kaum genügen. Täglich bedienen sie durchschnittlich 350 Kranke von verschiedenen Sprachen und Religionen; oft hat man sogar 650 gezählt. Unentgeltlich verteilt man an alle Kranken die nötigen Arzneien.
Abends besuchen die Schwestern in ihren Wohnung diejenigen Kranken, welche am Morgen nicht zur Apotheke kommen konnten, und jede Woche begeben sich zwei Schwestern in die umliegenden Dörfer und pflegen alle Kranken, welche man ihnen bringt. Vierzehn Dörfer haben das Glück, von ihnen besucht zu werden, und jedes Mal ist die Freude groß, wenn sie eintreffen.
Dreimal wöchentlich steigen die Barmherzigen Schwestern auch nach Siloë hinab, um die Wunden der Aussätzigen zu verbinden. Unmöglich lässt sich das Staunen der Unglücklichen beschreiben, das sich bald in Dankbarkeit verwandelte, als sie diese Frauen aus Europa den Eiter aus ihren Wunden waschen und dieselben mit größter Zartheit mit blendend weißer Leinwand verbinden sahen. Man weiß, wie sehr die Mohammedaner das Weib verachten; umso mehr erschienen die Barmherzigen diesen Unglücklichen als wahre Engel, welche vom Himmel herniedergestiegen.
Ein- oder zweimal im Jahr bringen die Schwestern den Aussätzigen Brot, Fleisch, Früchte und arabische Süßigkeiten, um die Ärmsten, in denen sie Jesum Christum verehren, mit einer Mahlzeit zu erquicken. Mehrere edle Pilger wollte dieser Mahlzeit beiwohnen und die Aussätzigen bedienen.
Leider ist Siloë für die Schwestern, die wöchentlich dreimal hinabsteigen, viel zu weit entfernt, namentlich im Winter, wo es während drei Monaten oft in Strömen regnet und ein heftiger Wind weht.
Auch hätte man von den Kranken, bei denen das Übel schon Fortschritte gemacht hat, täglich, ja öfter im Tage, die Hilfeleistungen der Schwestern nötig. Man könnte so manche Seele retten, die sonst verloren geht.
Die Krankenpflegerinnen dieser armen Leute beten also inständig zu Gott, er möge wohlhabenden Christen den Gedanken eingeben, ihnen ein Haus zu bauen, in welches sie die am meisten der Pflege bedürftigen aufnehmen könnten. Sollten sich nicht Wohltäter finden, welche ihnen zur Verwirklichung dieses Planes behilflich wären?
(Aus: die katholischen Missionen, 1888)
Mittwoch, 13. Februar 2013
Ecce ascendimus Ierosolymam
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Eccehomo-Kloster in Jerusalem, gegründet vom berühmten jüdischen Konvertiten und Priester Alfons Ratisbonne
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Dienstag, 1. Mai 2012
Aufopfernde Pflege der Aussätzigen im Heiligen Land
Der hochwürdige Herr Poyet, Apostolischer Protonotar und Canonicus des heiligen Grabes, schreibt uns aus Jerusalem die folgenden Zeilen, in welchen er das Los der Aussätzigen in der heiligen Stadt der Mildtätigkeit unserer Leser dringend empfiehlt:
Noch immer findet sich der Aussatz in der Levante. In Palästina sind seine Opfer zahlreich. In Damaskus hat man sie aus der Stadt in ein abgetrenntes Quartier verbannt. Die Pilger, welche in Jaffa landen und von dort nach Jerusalem ziehen, treffen an den Toren der Stadt Frauen und Kinder, welche das Mitleid der Fremden dadurch zu erwecken suchen, dass sie ihre von der Krankheit zerfleischten Arme zeigen.
Noch immer findet sich der Aussatz in der Levante. In Palästina sind seine Opfer zahlreich. In Damaskus hat man sie aus der Stadt in ein abgetrenntes Quartier verbannt. Die Pilger, welche in Jaffa landen und von dort nach Jerusalem ziehen, treffen an den Toren der Stadt Frauen und Kinder, welche das Mitleid der Fremden dadurch zu erwecken suchen, dass sie ihre von der Krankheit zerfleischten Arme zeigen.
In Jerusalem sind sie zahlreich und bilden bei Siloe eine Art Gemeinde; wenn jemand in der Umgegend von der Krankheit befallen wird, geht er nach Siloe und bittet um Aufnahme. (Der hochwürdige Herr entwirft hier eine Schilderung der unseren Lesern aus den Berichten über Molokai bekannten entsetzlichen Krankheit.)
Die christliche Liebe schuf einst in Europa allenthalben Zufluchtsstätten für diese Kranken, weil sie in denselben ein Bild des bitteren Leidens (Jesu) erblickte.
Zu Jerusalem hat man bis auf die letzte Zeit nichts für sie getan. Ein Pascha verbannte sie vor etwa 15 Jahren aus der Stadt in das Tal Cedron, jenseits der Quelle Siloe. Die Kräftigeren unter ihnen, welche noch gehen können, begeben sich jeden Morgen an den Weg nach Bethlehem und halten den Vorübergehenden eine Schüssel aus Weißblech hin, in die man ihnen ein Stück Brot, einige Früchte usw. wirft, was sie mit ihren Unglücksgenossen von Siloe teilen.
Ein Missionär des lateinischen Patriarchats hegte schon seit 30 Jahren den Plan, eine Anstalt für diese Unglücklichen zu gründen, es fehlte ihm aber sowohl an Geld als an einer Ordenskongregation, welche sich mit der Pflege dieser schrecklich verstümmelten Kranken hätte befassen können.
Ein Missionär des lateinischen Patriarchats hegte schon seit 30 Jahren den Plan, eine Anstalt für diese Unglücklichen zu gründen, es fehlte ihm aber sowohl an Geld als an einer Ordenskongregation, welche sich mit der Pflege dieser schrecklich verstümmelten Kranken hätte befassen können.
Als 1875 Msgr. Gauthier, der Apostolische Vikar von Süd-Tonking, das Mittel Hoang-nan bekannt machte, welches gegen die Tollwut und gegen den Aussatz, zwei Krankheiten, die bisher der europäischen Arzneikunde gespottet hatten, mit Erfolg angewendet wird, entschloss man sich, dasselbe auch in Jerusalem anzuwenden.
Man wandte sich an die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und bewog dieselben, einige Mitglieder zur Ausübung ihrer Ordenstätigkeit und namentlich zur Pflege der Aussätzigen nach Jerusalem zu senden. Seine Heiligkeit Leo XIII. segnete das Unternehmen.
Man wandte sich an die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul und bewog dieselben, einige Mitglieder zur Ausübung ihrer Ordenstätigkeit und namentlich zur Pflege der Aussätzigen nach Jerusalem zu senden. Seine Heiligkeit Leo XIII. segnete das Unternehmen.
Am Fest Kreuzauffindung (3. Mai) 1886 trafen sie in Jerusalem ein und eröffneten ein Haus für Krankenpflege; sieben Schwestern können gegenwärtig der Arbeit kaum genügen. Täglich bedienen sie durchschnittlich 350 Kranke von verschiedenen Sprachen und Religionen; oft hat man sogar 650 gezählt.
Unentgeltlich verteilt man an alle Kranken die nötigen Arzneien. Abends besuchen die Schwestern in diejenigen Kranken in ihren Wohnungen, welche am Morgen nicht zur Apotheke kommen konnten, und jede Woche begeben sich zwei Schwestern in die umliegenden Dörfer und pflegen alle Kranken, welche man ihnen bringt. Vierzehn Dörfer haben das Glück, von ihnen besucht zu werden, und jedes Mal ist die Freude groß, wenn sie eintreffen.
Dreimal wöchentlich steigen die Barmherzigen Schwestern auch nach Siloe hinab, um die Wunden der Aussätzigen zu verbinden. Unmöglich lässt sich das Staunen der Unglücklichen beschreiben, das sich bald in Dankbarkeit verwandelte, als sie diese Frauen aus Europa den Eiter aus ihren Wunden waschen und dieselben mit größter Zartheit mit blendend weißer Leinwand verbinden sahen.
Dreimal wöchentlich steigen die Barmherzigen Schwestern auch nach Siloe hinab, um die Wunden der Aussätzigen zu verbinden. Unmöglich lässt sich das Staunen der Unglücklichen beschreiben, das sich bald in Dankbarkeit verwandelte, als sie diese Frauen aus Europa den Eiter aus ihren Wunden waschen und dieselben mit größter Zartheit mit blendend weißer Leinwand verbinden sahen.
Man weiß, wie sehr die Mohammedaner Frauen verachten; um so mehr erscheinen die Barmherzigen Schwestern diesen Unglücklichen als wahre Engel, welche vom Himmel herniederstiegen. Ein- oder zweimal im Jahre bringen die Schwestern den Aussätzigen Brot, Fleisch, Früchte und arabische Süßigkeiten, um die Ärmsten, in denen sie Jesum Christum verehren, mit einer Mahlzeit zu erquicken.
Mehrere edle Pilger wollten dieser Mahlzeit beiwohnen und die Aussätzigen bedienen. Leider ist Siloe für die Schwestern, die wöchentliche dreimal hinabsteigen, viel zu weit entfernt, namentlich im Winter, wo es während drei Monaten oft in Strömen regnet und ein heftiger Wind weht. Auch hätten manche Kranken, bei denen das Übel schon größere Fortschritte gemacht hat, täglich, ja öfter am Tage, die Hilfeleistungen der Schwestern nötig.
Mehrere edle Pilger wollten dieser Mahlzeit beiwohnen und die Aussätzigen bedienen. Leider ist Siloe für die Schwestern, die wöchentliche dreimal hinabsteigen, viel zu weit entfernt, namentlich im Winter, wo es während drei Monaten oft in Strömen regnet und ein heftiger Wind weht. Auch hätten manche Kranken, bei denen das Übel schon größere Fortschritte gemacht hat, täglich, ja öfter am Tage, die Hilfeleistungen der Schwestern nötig.
Man könnte so manche Seele retten, die sonst verloren geht. Die Krankenpflegerinnen dieser armen Leute beten also inständig zu Gott, er möge wohlhabende Christen den Gedanken eingeben, ihnen ein Haus zu bauen, in welches sie die am meisten der Pflege bedürftigen aufnehmen könnten. Sollten sich nicht Wohltäter finden, welche ihnen zur Verwirklichung dieses Planes behilflich wären?
(Aus: die katholischen Missionen, 1888)
(Aus: die katholischen Missionen, 1888)
Montag, 9. April 2012
Fische aus dem See Genezareth
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| Sel. Papst Pius IX. |
Erzbischof Spaccapietra von Smyrna hatte als Apostol. Präfekt die Gegend am See Genezareth zu verwalten. Gern hätte er ein altehrwürdiges, verfallenes Heiligtum wiederhergestellt, das an der Stelle erbaut war, wo Christus Petrus zum Oberhaupt der Kirche erhoben hatte. Aber die Mittel dazu fehlten.
Da ließ er sich einige kleine Fische aus dem See Genezareth fangen, setzte sie in Spiritus und nahm sie mit nach Rom.
In der Audienz erzählte er dem Heiligen Vater von seinem Herzenswunsch, suchte ihm auch klar zu machen, welche Bedeutung dieses Erinnerungsmal der Einsetzung des Papsttums für den Papst habe, und klagte ihm dann seine Geldnot.
„Ja“, meinte Pius IX. scherzend, „liegt nicht ganz in der Nähe diese Stelle, wo der Herr einst durch ein Wunder den Fisch mit dem Goldstück im Munde fangen ließ, damit Petrus die Steuer entrichte? Machen Sie es ihm doch nach, und die Kapelle ist bald bezahlt.“
„Heiliger Vater“, erwiderte der Erzbischof, „das habe ich versucht; ich habe Fische im See gefangen, aber kein Gold darin finden können.
Aber Ew. Heiligkeit ist der Nachfolger Petri und der Stellvertreter Christi. Ihnen muss da Wunder gelingen.“ Damit überreichte er ihm das Glas mit den Fischen, das er bisher unter dem Mantel verborgen gehalten hatte.
Pius musste herzlich über diese Schlagfertigkeit lachen, öffnete eine Lade und gab ihm so viele Dukaten, als Fische in dem Glas waren. — Das „Wunder“ war gewirkt.
(Aus: die katholischen Missionen, 1914)
Samstag, 7. April 2012
Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 2)
Der von dem eifrigen Missionar ins Leben gerufenen Verein erhielt den Titel „Kongregation U.L. Frau von den sieben Schmerzen“. Schon nach zwei Jahren zählte er mehr denn tausend Teilnehmer und wuchs fortan von Jahr zu Jahr.
Ein guter Teil dieser armen Bevölkerung bleibt nur einige Monate in Beirut, um dann anderswo ihr Brot zu suchen oder in die heimatlichen Gebirgsdörfer zurückzukehren. Aber neue Ankömmlinge treten an deren Stelle, sodass jedes Mal bei den Exerzitien ungefähr dieselbe Anzahl neuer Zuhörer und ein gleich fruchtbarer Erfolg zu verzeichnen sind.
Es ist gleichsam eine fortwährende Volksmission an festem Posten. „Gott allein“, bezeugt der unermüdliche Präses der Kongregation, „ist die Unzahl der Bekehrungen bekannt, welche die Gnade in den 25 Jahren, seit denen diese geistlichen Übungen regelmäßig statthaben, vollbrachte.“
Als P. Fiorovich zum ersten Mal vor seiner Zuhörerschaft auftrat, wusste er von der so ungemein wörterreichen und schweren arabischen Sprache nur etwa 200 Wörter. Darum stellte er während seines Vortrags einen guten befreundeten Katholiken, Herrn Nicolaus Comaty, hinter sich, der im Falle der Not den richtigen Ausdruck oder das erforderliche Satzglied einflüstern musste.
Der Hauptmissstand bei diesem System war der, dass der Souffleur zuweilen fehlte. An einem solchen Tag geschah es nun einmal, dass der Pater die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers erzählen wollte. Das arabische Wort für Enthauptung wusste er nicht. Was war zu tun? Ohne sich daran zu stören, half er durch einen Gestus nach, der, was er sagen wollte, veranschaulichte. Jedermann verstand ihn, und er bemerkte nicht einmal ein Lächeln bei den Anwesenden.
Natürlich ist der Volksdialekt die einzige Sprache, die in dieser Arbeiterkongregation verstanden wird; auch ihr Direktor spricht keine andere. Die Kraft seiner Beredsamkeit besteht darin, dass er von Herzen zu Herzen spricht. Eines Tages wurde ein anderer junger Pater, der sehr gewandt arabisch sprach, zu einem Vortrag in diesem Verein eingeladen. Sein Stil war rein und fließend.
Nach der Versammlung wollte sich einer von dem Eindruck auf das Volk vergewissern und wandte sich daher an einen Handwerker: „Nicht wahr, heute habt ihr einen schöne Predigt gehört?“ — „Das schon,“ war die Antwort, „aber es war nahhu (Schriftsprache), ich habe es nicht gut verstanden.“ —„Verstehst du den P. Fiorovich?“ — „Ganz gut.“ — „Predigt der gut?“ — „Ja, ja, er predigt besser, als die anderen, er liebt uns Arbeiter eben.“ In der Tat hängt derselbe mit ganzem Herzen an „seinen Kinder“, wie er die Arbeiter nennt.
Aber sie hängen auch an ihm und nehmen von ihm alles, auch eine ernste Warnung, einen öffentlichen Tadel, ein hartes Wort gut auf.
Die Beiruter Arbeiterkongregation hat auch dazu beigetragen, im Orient die Wallfahrten zu den heiligen Orten einzuführen. Unglaublicherweise gingen aus Syrien, das den Toren Jerusalems doch so nahe ist, nur sehr selten Pilger dorthin. P. Fiorovich musste erst den Anstoß geben, indem er alljährlich mit 50-60 Männern die Hauptheiligtümer Palästinas besuchte.
In der heiligen Stadt begaben sich die Beiruter ins Franziskanerkloster zu Casa Nova zu zweitägigen Exerzitien. Dann pilgerte man zu allen heiligen Stätten Jerusalems und der Umgegend, machte öffentlich den Kreuzweg, kam nach Bethlehem und Hebron. Die meisten empfingen während der 18tägigen Wallfahrt täglich die heilige Kommunion.
Auf dem Weg gingen sie in Ordnung zu zwei und zwei und sangen laut auf Arabisch die Litanei vom göttlichen Herzen und die der allerseligsten Jungfrau. „Das ist die Kongregation, das ist P. Fiorovich!“ hieß es, wo die Männer, hinter dem reitenden Pater einhergehend, vorbeikamen, und alles eilte herzu, den frommen Zug zu sehen.
Fortsetzung folgt
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)
Ein guter Teil dieser armen Bevölkerung bleibt nur einige Monate in Beirut, um dann anderswo ihr Brot zu suchen oder in die heimatlichen Gebirgsdörfer zurückzukehren. Aber neue Ankömmlinge treten an deren Stelle, sodass jedes Mal bei den Exerzitien ungefähr dieselbe Anzahl neuer Zuhörer und ein gleich fruchtbarer Erfolg zu verzeichnen sind.
Es ist gleichsam eine fortwährende Volksmission an festem Posten. „Gott allein“, bezeugt der unermüdliche Präses der Kongregation, „ist die Unzahl der Bekehrungen bekannt, welche die Gnade in den 25 Jahren, seit denen diese geistlichen Übungen regelmäßig statthaben, vollbrachte.“
Als P. Fiorovich zum ersten Mal vor seiner Zuhörerschaft auftrat, wusste er von der so ungemein wörterreichen und schweren arabischen Sprache nur etwa 200 Wörter. Darum stellte er während seines Vortrags einen guten befreundeten Katholiken, Herrn Nicolaus Comaty, hinter sich, der im Falle der Not den richtigen Ausdruck oder das erforderliche Satzglied einflüstern musste.
Der Hauptmissstand bei diesem System war der, dass der Souffleur zuweilen fehlte. An einem solchen Tag geschah es nun einmal, dass der Pater die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers erzählen wollte. Das arabische Wort für Enthauptung wusste er nicht. Was war zu tun? Ohne sich daran zu stören, half er durch einen Gestus nach, der, was er sagen wollte, veranschaulichte. Jedermann verstand ihn, und er bemerkte nicht einmal ein Lächeln bei den Anwesenden.
Natürlich ist der Volksdialekt die einzige Sprache, die in dieser Arbeiterkongregation verstanden wird; auch ihr Direktor spricht keine andere. Die Kraft seiner Beredsamkeit besteht darin, dass er von Herzen zu Herzen spricht. Eines Tages wurde ein anderer junger Pater, der sehr gewandt arabisch sprach, zu einem Vortrag in diesem Verein eingeladen. Sein Stil war rein und fließend.
Nach der Versammlung wollte sich einer von dem Eindruck auf das Volk vergewissern und wandte sich daher an einen Handwerker: „Nicht wahr, heute habt ihr einen schöne Predigt gehört?“ — „Das schon,“ war die Antwort, „aber es war nahhu (Schriftsprache), ich habe es nicht gut verstanden.“ —„Verstehst du den P. Fiorovich?“ — „Ganz gut.“ — „Predigt der gut?“ — „Ja, ja, er predigt besser, als die anderen, er liebt uns Arbeiter eben.“ In der Tat hängt derselbe mit ganzem Herzen an „seinen Kinder“, wie er die Arbeiter nennt.
Aber sie hängen auch an ihm und nehmen von ihm alles, auch eine ernste Warnung, einen öffentlichen Tadel, ein hartes Wort gut auf.
Die Beiruter Arbeiterkongregation hat auch dazu beigetragen, im Orient die Wallfahrten zu den heiligen Orten einzuführen. Unglaublicherweise gingen aus Syrien, das den Toren Jerusalems doch so nahe ist, nur sehr selten Pilger dorthin. P. Fiorovich musste erst den Anstoß geben, indem er alljährlich mit 50-60 Männern die Hauptheiligtümer Palästinas besuchte.
In der heiligen Stadt begaben sich die Beiruter ins Franziskanerkloster zu Casa Nova zu zweitägigen Exerzitien. Dann pilgerte man zu allen heiligen Stätten Jerusalems und der Umgegend, machte öffentlich den Kreuzweg, kam nach Bethlehem und Hebron. Die meisten empfingen während der 18tägigen Wallfahrt täglich die heilige Kommunion.
Auf dem Weg gingen sie in Ordnung zu zwei und zwei und sangen laut auf Arabisch die Litanei vom göttlichen Herzen und die der allerseligsten Jungfrau. „Das ist die Kongregation, das ist P. Fiorovich!“ hieß es, wo die Männer, hinter dem reitenden Pater einhergehend, vorbeikamen, und alles eilte herzu, den frommen Zug zu sehen.
Fortsetzung folgt
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)
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