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Dienstag, 26. August 2014

Ein altes Zeugnis über den heiligen Maronitenmönch Nimatullah al-Hardini

St. Nimatullah al-Hardini O.L.M. (18081858)

(…) Wir haben uns mit den Mönchen von Kesifane [Kfifane], von Maifuk und Kuzhaia [Quzhaya] über das Leben des Dieners Gottes, Naamet-Allah [Nimatullah], unterhalten; von Allen ward er uns als ein wahres Muster der christlichen Vollkommenheit beschrieben. Sie konnten nicht genug von seiner Armut, seinen Strengheiten, seinem Gehorsam, seiner Einfachheit erzählen, nicht genug rühmen, wie er die Ordensregeln mit der größten Sorgfalt und Pünktlichkeit beobachtet habe; da erlaubte ich mir die Frage: „Hat er viel gearbeitet für das Seelenheil seiner Landsleute? Hat er sich bemüht, die klösterliche Zucht im ganzen Gebiet seines Ordens wieder zur ursprünglichen Strenge zurückzuführen?“ Diese Fragen erregten Erstaunen und schienen Dinge zu berühren, die außerhalb ihres Gedankenkreises lagen. Doch erinnerte man sich, dass der heilige Mann als Novizenmeister vom Seeleneifer und von den apostolischen Arbeiten der europäischen Missionäre viel gesprochen, und dass er als Mudabber, d. h. als Mitglied des Verwaltungsrats seines Ordens, den Versuch gemacht habe, die alte Ordensregel wieder zur Geltung zu bringen.(...)


(Aus: die katholischen Missionen, 1877)

Sonntag, 22. Juni 2014

Große Missionsbischöfe: Youhanna XII. Boutros el Hajj, maronitischer Patriarch


Afrika, das sonst so opferreiche, ist diesmal auf unserer Totenliste nicht vertreten. Dagegen hat der Orient zwei seiner Kirchenfürsten zu betrauern. Am Tag vor Weihnachten schlummerte der 82-jährige Patriarch der Maroniten, Se. Seligkeit Youhanna Boutros el Hajj, in seiner Winterresidenz zu Bekerkey im Libanon friedlich zum besseren Leben hinüber. Sein von hohem Alter und Mühsalen gebrochener Leib hatte einem starken Fieberanfall keinen Widerstand mehr bieten können. Um die entseelte Hülle sammelten sich nicht bloß seine eigenen Suffragane, sondern die Vertreter aller Klassen und Nationen des Libanon. Msgr. Duval O.P., Apostol. Delegat für Syrien, Graf von Curcey, der französische Generalkonsul in Beirut, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Mönche der verschiedensten Riten, die Prinzen und Scheichs der Berge, die lateinischen Missionäre: Franziskaner, Kapuziner, Jesuiten, Lazaristen, alle kamen, um dem allgemein geliebten Patriarchen die letzte Ehre zu erweisen. 

Nach Landessitte auf einem Thron sitzend, mit den Gewändern und Insignien des Patriarchen angetan, assistierte der ehrwürdige Priestergreis gleichsam im Tod noch den feierlichen Totenämtern, die in lateinischem, syrischem und griechisch-melchitischem Ritus gehalten wurden. Msgr. Debs, maronitischer Erzbischof von Beirut, hielt in arabischer Sprache die Leichenrede.

Msgr. Youhanna Boutros el Hajj begann am 1. November 1817 zu Delipta im Distrikt Kesruan seine irdische Laufbahn. Nach Vollendung seiner klerikalen Ausbildung studierte der talentvolle junge Priester türkisches Recht, wurde 1844 von Msgr. Johann Habil für seine Glaubensgenossen zum Richter des Libanon ernannt und bewies in dieser Stellung in schwierigen Zeiten große Klugheit und Festigkeit.

1861 bestieg er den erzbischöflichen Stuhl von Balbeek. „Alles“, so erzählte Damien Ramia in den Echos d’Orient „war hier erst zu schaffen; denn die früheren Bischöfe des Libanon lebten gemeinsam mit ihrem Patriarchen zusammen. Der neue Erzbischof hatte bloß einen Titel, aber weder eine Residenz noch irgendwelches Einkommen. Trotzdem gab er sich mutig ans Werk, und mit Gottes Segen war seine Diözese bald eine der bestbestellten seines Ritus.“ Seine Diözesanen hingen aber auch mit unbegrenzter Liebe an ihrem Vater, und als nach dem Tod des Patriarchen Massad die maronitischen Bischöfe am 28. April 1890 Msgr. Hajj einstimmig zum Nachfolger wählten, sprachen sie aus dem Herzen des ganzen Volkes, das die Neuwahl mit Jubel begrüßte. Drei Tage und drei Nächte trugen Glockengeläute und Gewehrsalven die frohe Kunde durch die Berge. 

Am 23. Juni 1890 bestätigte Leo XIII. die Wahl und lobte bei dieser Gelegenheit seine lieben Maroniten wegen ihrer Treue, mit der sie in allen Stürmen zur Mutterkirche gehalten. In seiner neuen Würde bewährte Msgr. Hajj die schönsten Eigenschaften des Geistes und Herzens: große Klugheit, hingebende Selbstverleugnung, unwandelbare Treue und Liebe zur heiligen Kirche und seinem Volk. 

Seine erste Sorge war, die Bildung seines einheimischen Klerus zu heben. Auf seine Anregung hin stellte Leo XIII. das 1584 von Gregor XIII. gegründete maronitische Seminar in Rom wieder her. „200 Jahre lang“, schreibt Ramia, „hatte dieses Kolleg unter der Leitung der Jesuiten Europa eine Reihe Gelehrter, wie die beiden Assemani, dem Orient aber eine Phalanx durch Frömmigkeit und Tugend ausgezeichneter Männer geschenkt.“ Napoleon hatte es 1813 verschleudert. Nun sollte es, 1894 wiederhergestellt, abermals eine fruchtbare Schule apostolischer Arbeiter für den Libanon werden. Dank der Bemühungen der Patriarchen stiftete die französische Regierung auch in dem berühmten Seminar St. Suplice in Paris acht Freiplätze für junge Maroniten und räumte den zahlreich in der Seine-Stadt weilenden Maroniten die Kapelle von Petit Luxembourg ein.

Durch Altersschwäche gehindert, musste Msgr. el Hajj 1893 beim Eucharistischen Kongress in Jerusalem und bei der von Leo XIII. nach Rom berufenen Versammlung der orientalischen Patriarchen zur Beratung der Unionsfrage durch seinen Koadjutor, Msgr. Hoyek, Erzbischof von Arka, sich vertreten lassen, nahm aber aus der Ferne den regsten Anteil und erklärte in einem wunderschönen Brief an den Heiligen Vater seine vollste Übereinstimmung mit allen Weisungen und Beschlüssen. 

Mit den lateinischen Missionären, denen ja der Libanon so viel verdankt, stand der Patriarch in den besten Beziehungen. „Wir müssen“, so pflegte er zu sagen, „alle brüderlich zusammenhalten und miteinander Hand in Hand gehen, um die Seelen zu retten. Das ist der Geist Jesu Christi, der seine Apostel nicht bloß zu den Juden, sondern auch zu den Heiden gesandt. In seiner Kirche gibt es keine Lateiner, Griechen, Armenier, sondern Katholiken, d. h. Kinder einer Mutter, die alle dem gemeinsamen Oberhirten, dem Stellvertreter Christi auf Erden, unterstehen.“ Eine Reihe schöner Neubauten, Kirchen und Anstalten, wie die von Aramun, Diman, Bekerkey, die Patriarchenwohnung und die Kirche des hl. Maron in Jerusalem sind Schöpfungen des Patriarchen. 

Seine hohen Verdienste brachten ihm auch die höchste Anerkennung von außen. So erhielt er das Kreuz vom heiligen Grabe, den Medschidieh-Orden I. Klasse und den osmanischen Großkordon, sowie das Kommandantenkreuz der französischen Ehrenlegion. „Der Name Msgr. Hajjs“, schließt Ramia, „wird im Libanon stets mit Liebe und Ehrfurcht genannt werden.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Mittwoch, 1. Januar 2014

Unsere Liebe Frau vom Libanon

Unsere Liebe Frau vom Libanon (Quelle: FunkMonk)

Im Norden von Beirut liegt die anmutige Bai von Dschunieh mit ihrem Kranze weißschimmernder Ortschaften und ihrem Gürtel von Bergen, die, 600-700 m aufsteigend, wie die Mauern einer Festung niederschauen.

Hier auf dem höchsten Punkt dieser Felsenstirn erhebt sich seit einigen Monaten die Riesenstatue U.L. vom Libanon. Am 3. Mai d.J. weihte der Apostol. Delegat für Syrien, Msgr. F. Giannini O.F.M., in Gegenwart von nahezu 4.000 Pilgern das Denkmal ein, während der maronitische Patriarch, Se. Seligkeit Elias Peter Hoyek, das heilige Messopfer feierte.

Der Gedanke, ein solches Denkmal zu errichten, war von einem Missionär angeregt und von dem damaligen Apostol. Delegaten, Msgr. Duval O.P., dem maronitischen Patriarchen und den übrigen orientalischen Bischöfen mit Begeisterung aufgenommen worden. Die Errichtung der Statue sollte eine gemeinsame Huldigung aller Riten an die Gottesmutter und ein lautes Bekenntnis des katholischen Glaubens von Seiten der Libanon-Christen werden. Darum steuerten auch alle dazu bei. 
In Beirut bildeten sich eigene Damenkomitees, die eifrig sammelten. Klöster, Pfarreien, Kollegien und Anstalten wetteiferten miteinander und sandten ihre Beiträge. So waren die ersten 16.000 Franken bald beisammen. Sie dienten zum Ankauf der Statue, die ein vergrößertes Abbild U.L. Frau von Fourvières bei Lyon sein sollte. 
Bereits im Frühjahr 1906 trafen die zusammensetzbaren Gussstücke ein und bald darauf auch von Konstantinopel die nötige Erlaubnis der osmanischen Regierung.

Inzwischen hatte der maronitische Patriarch einen geeigneten Standplatz erworben und die Fundamentierarbeiten begonnen. Alles nahm einen guten Gang und bereits war der 15. August 1906 als Tag der feierlichen Enthüllung festgesetzt. 
Da traten der Tod des Apostol. Delegaten und verschiedene Hindernisse dazwischen. Die Arbeiten stockten, die Geldmittel waren erschöpft und die Erzblöcke der Statue blieben im Hofe der Delegatur zu Harissa in Regen und Sonnenbrand liegen.

Es gelang jedoch dem Eifer des hochw. P. Cattin, des damaligen Obern der Jesuitenmission in Syrien, dem Unternehmen in Frankreich Gönner und Förderer zu wecken. Eine ungenannte Wohltäterin spendete 16.000 Mark. Damit war das Werk gesichert. Im Laufe des Jahres 1907 erhob sich das steinerne Fußgestell, dann das Gerüst und endlich die Statue selbst. Sie ist mit dem Unterbau 30 m hoch. Eine Wendeltreppe führt um den Sockel zum Gnadenbild, und die Pilger steigen hinauf, um der Gnadenmutter die Füße zu küssen.
Der steinerne Untersatz ist zwar künstlerisch nicht sehr gelungen, aber bald wird das Grün denselben rings umspinnen und alle Mängel decken.

Das eigentliche Fußgestell bilden die Berge, und einen schöneren Standort konnte die „Königin des Libanons“ nicht finden. Zu ihren Füßen schimmert das Meer, die wunderschöne Bai von Dschunieh mit ihrem Dörferkranz, im Norden und Süden ziehen sich die anmutig geschwungenen Gebirgslinien der phönizischen Küste mit ihrem uralten, geschichtlich denkwürdigen Städten Tyrus, Sidon, Beirut, Byblos, Tripoli; im Osten grüßen die schneeigen Kuppen von Kennieh und Sannin und lagert sich die wildromantische Gebirgslandschaft des Libanons. 
In diesem einzigartigen Rahmen steht das herrliche Bildnis der Jungfrau, die milde lächelnd ihre Hände wie segnend und schützend über den Libanon ausstreckt.

Im Inneren des massiven Unterbaues ist eine Kapelle eingegliedert, zu welcher zwei zierliche Eingangspforten führen. Über der einen steht die Inschrift: Quasi cedrus exalta sum in Libano, „Wie eine Zeder rage ich empor auf dem Libanon (Sir 24,17). Mit Recht rühmt sich der Libanon seit alter Zeit als das Reich der heiligen Gottesmutter“. 
Das gefeierte Gebirge ist es, das mit seinen herrlichen Zedern und seinem unvergleichlichen Lilienschmuck dem Dichter des Hohenliedes die schönsten Bilder bot, Bilder, die in der Kirchensprache des Ostens und Westens zum Preise der Himmelskönigin heute noch widerklingen. 
Der Boden ist wie gesättigt mit heiligen Erinnerungen an ihr Leben und das schlichte Bergvolk seit alters ihrem Dienst treu ergeben. 

– Die „Verehrung der Jungfrau“, so bekennt selbst Renan in seinem Reisebericht von 1860, „hat in der Bevölkerung des Libanons tiefe Wurzeln geschlagen und bildet das große Hindernis für das Eindringen des Protestantismus bei den Libanesen. Mögen sie auch auf allen anderen Punkten nachgeben, aber wenn sie von der Verehrung der Jungfrau lassen sollen, dann zeigt sich, dass das alte Band stärker ist als sie selbst.“

Der Standort U.L. Frau vom Libanon ist auch insofern trefflich gewählt, weil in seinem nächsten Umkreis sämtliche Riten Niederlassungen, Klöster und Anstalten besitzen. So haben die Melchiten in der Nähe die beiden Klöster Suk und Sarba, zu denen jetzt ein Noviziatshaus dicht bei der Statue gekommen ist; der maronitischen Patriarch in Bikerke wohnt fast zu den Füßen der heiligen Jungfrau an den Flanken des Berges. 
Zwanzig Minuten aufwärts von der Statue liegt in einem Eichenhaine das schöne syrische Seminar von Scharfeh, noch höher hinauf, eine Stunde von Harissa, schimmern die weißen Mauern des großen armenischen Seminars von Bezumar.

Einen Flintenschuss weit vom Denkmal erhebt sich auf einem Hügel das alte Franziskanerkloster, und nur zwanzig Minuten weit vom Bild findet sich die Residenz des Apostolischen Delegaten von Syrien.
So sind tatsächlich alle Riten vertreten und gruppieren sich um die „Königin des Libanons“.

Die Errichtung des Gnadenbilds hat für den Libanon, so hoffen alle, mehr als nur die vorübergehende Bedeutung einer schönen Festlichkeit. Die große Zahl der Pilger aus nah und fern, die am 3. Mai sich zur Huldigung eingefunden, zeigt, dass der schöne Gedanke, der sich hier im Bild verkörpert, mächtig gezündet und in den Herzen des Volkes die alte Liebe zur Gottesmutter und damit auch zum alten, angestammten Glauben gestärkt hat. 

Das ist bei den großen Gefahren, die den Libanon durch die emsige protestantische Propaganda bedrohen, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. 
Möge sich daher erfüllen, was die herrliche thronende „Königin des Libanons“ den Pilgern lächelnd zuzurufen scheint: Posuerunt me custodem, „Sie haben mich zur Schützern aufgestellt“ – zur Hüterin des alten Glaubens, der alten frommen Sitten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)