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Samstag, 2. August 2025

Catholicism in Dagestan: the Diocese of the Caspian Mountains

 


Map of the North Caucasus area with the Diocese of the Caspian Mountains at the bottom


Dagestan’s history has been shaped by its location at the intersection between Eastern Europe, the Middle East, and Central Asia. While a majority Muslim region today, the area of present-day Dagestan was home to a significant Catholic population in the late Middle Ages. In the 14th century, the Franciscans of the “Societas Peregrinantium”, a missionary group composed of Franciscans and Dominicans, made many converts in the western parts of Cumania, the realm of the Qipchak Tatars. As a consequence, numerous dioceses were springing up between the Crimean Peninsula and the western shores of the Caspian Sea. Among them was the “diocese of the Caspian Mountains”, whose main towns were “Chomek, Thuma, Tarchu, Dergweli, Michaha”[1] according to Pope Boniface IX. The faithful appear to have been mainly from the ethnic group of the Kaitag, whose first apostle was the Franciscan friar John of Ziquia, a native Circassian from the Black Sea coast and Archbishop of Matrega.
In the 1390s, the armies of Timur invaded the area and killed or captured many Christians and destroyed churches and convents. During the following decades, mentions of the Church in the Caspian Mountains are sparse: In 1421, Pope Martin V appoints Friar Ambrosius Scipionis as its bishop and mentions that the faithful, who are “surrounded by unbelievers, heretics and schismatics”, are particularly dear to his heart. He grants a plenary indulgence at the hour of death to all who dwell there or go there. In 1433, Pope Eugene IV mentions the many Christians there living under the threat of losing their faith due to the lack of preachers and appoints the Franciscan Cornelius as bishop. The Venetian traveler Giosafat Barbaro reports that in the middle of the 15th century, there were still faithful in Dagestan, looked after by the Franciscans, and that they belonged to the Latin, Greek, and Armenian rites. The Ottoman domination of the Black Sea finally cut off the contact to the Catholic community of the Caspian Mountains by the end of the century. The spread of Islam in the North Caucasus brought an end to the native Catholic presence in Dagestan.

 

Sources:

Lemmens, Die Heidenmission des Spätmittelalters

Richard, La papauté et les missions d'Orient au Moyen-Âge (XIII-XIVème siècle)



[1] According to Jean Richard, these places correspond to the settlements of Kumukh, Tjumen, Tarki, Dorgeli and Mukhakh, respectively.

Samstag, 28. Mai 2016

Wie Mission NICHT geht – Die Orthodoxen und die Heidenvölker Russlands

Tschuwaschen

Sehr bezeichnend für den Wert der Missionstätigkeit, wie sie die russisch-schismatische Kirche übt, ist folgende aus Russland uns zugehende Mitteilung. Ein großer Teil der Völker im Norden Russlands, wie die Samojeden, ist bis heute überhaupt nicht evangelisiert worden. Die in der Umgebung von Kasan, Nischni-Nowgorod, Perm, Kirow und Urschumsk ansässigen Fremdvölker der Mordwinen, Wotjaken [Udmurten], Permier, Tschuwaschen, Tscheremissen u. a. (im ganzen schätzungsweise 4 Millionen), die sich noch heute von den Russen in Kleidung, Sprache, Sitten und Gewohnheiten streng absondern, sind nicht durch Evangelisierung und Unterricht, sondern durch Gewaltmittel oder bedingte Zuwendung verschiedener Privilegien zur Annahme der orthodoxen Taufe gebracht worden. Von einem Übertritt aus Überzeugung war keine Rede. 

„Die orthodoxe Geistlichkeit war weder mit der Sprache und den Sitten, noch mit den Lebensanschauungen ihrer ‚Neubekehrten‘ bekannt. Sie tat auch nichts, um sie über die elementaren Wahrheiten des Christentums aufzuklären, so dass diese sog. Christen nach wie vor unter dem unmittelbaren Einfluss ihrer alten Götzenpriester blieben.“ 
Nur die Furcht vor den Polizeimaßregeln hielt dieselben davon ab, ihre alten heidnischen Gebräuche auch offen fortzusetzen. Im Geheimen wucherte das alte Heidentum ruhig fort. „Die ganze Tätigkeit der orthodoxen Geistlichkeit beschränkte sich auf die Einsammlung der Stolgebühren und anderer Beiträge für den Unterhalt der Kirchen und des Klerus, was selbstverständlich die Neubekehrten noch mehr reizte und der Geistlichkeit und Kirche entfremdete. Und so warteten diese halben Heiden und halben Christen nur auf eine Gelegenheit, um die ihnen fremde Religion und verhasste Geistlichkeit abzuschütteln. Eine solche Gelegenheit bot sich ihnen bei Verkündigung des kaiserlichen Ukas über die Gewissensfreiheit. Sofort fielen sie scharenweise von der orthodoxen Kirche wieder ab.“

Wie aus zuverlässigen Mitteilungen von Landeskundigen hervorgeht, bringen diese Stämme heute ihre heidnischen Opfer wie ehemals im Dunkel der Wälder dar. Das beliebteste Opfertier ist der Schwan, an dessen Stelle man sich mit einer weißen Ente oder Gans begnügt. An Ehrlichkeit übertreffen diese Heiden das russische Landvolk bei weitem, weisen sie doch selbst Trinkgelder für geleistete Dienste zurück.


 (Aus: die katholischen Missionen, 1907) 

Freitag, 18. Juli 2014

Korrektur zum Eintrag „die vielleicht längste Visitationsreise der Welt“


Kürzlich hatte ich als Zusatz in dem Artikel „die vielleicht weiteste Visitationsreise der Welt“ geschrieben, dass russische Predigten in katholischen Kirchen in Russland von Staatswegen verboten waren. Das stimmt nicht. Vielmehr hatte es einen anderen Grund, dass nicht auf Russisch gepredigt wurde:

„Von größter Bedeutung wäre es auch, dass in den Kirchen des eigentlichen Russland recht bald auch russisch gepredigt würde. Das Schreiben des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val an die Bischöfe des Zarenreichs kommt hier wirklich einem schreienden Bedürfnis entgegen. Es erklärt klar und deutlich, dass der Heilige Stuhl niemals grundsätzlich sich gegen das Predigen in russischer Sprache ablehnend verhalten, dasselbe vielmehr nur dort als weniger entsprechend bezeichnet habe, wo die Gläubigen sich einer anderen Sprache bedienten. Ausdrücklich werden russische Predigten für das eigentliche Russland jetzt zugestanden. Das ist von großer Bedeutung, da die Zahl in manchen Städten ganz erheblich zunimmt (…)“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Montag, 7. Juli 2014

Bilder: zum Fest der Slawenapostel Cyrillus und Methodius (nach altem Missale)



Ihr heiligen Slawenapostel, bittet für uns!


Msgr. Raphael Popoff, der Mann, den Gott berufen hatte, um die bulgarisch-griechisch-katholische Kirche vor dem Untergang zu bewahren



Gedenktafel außen an der alten Kapelle in Regensburg (Quelle: sue107)


Titularerzbischof Msgr. Miroff, Bischof der katholischen Bulgaren in Istanbul. Er weihte den ersten Exarchen der russisch-katholischen Kirche, den sel. Leonid Feodorov, zum Priester.



Msgr. Epiphan Schanoff, Apostol. Vikar von Bulgarien. Zusammen mit Msgr. Miroff weihte er Pater Isaias Papadopulos zum Bischof.
katholische Seminaristen in Bulgarien (erste Reihe wohl Professoren)

Sonntag, 6. Juli 2014

Die vielleicht weiteste Visitationsreise der Welt

Der Diener Gottes Jan (im Text Johannes) Cieplak, späterer Erzbischof von Vilnius, der die Visitationsreise vollzog

„Zu den wenigen wirklich erfreulichen kirchlichen Ereignissen in Russland“, so wird uns von dort geschrieben, „gehört die kanonische Visitationsreise des hochwürdigsten Herrn Suffraganbischofs von Mohilew, Dr. Johannes Cieplak, nach Sibirien. War es doch zum ersten Mal seit Erschaffung der Welt, dass ein katholischer Bischof den Boden jenes Landes betreten durfte. Sofort nach Ostern 1909 trat der hochwürdigste Oberhirt von St. Petersburg aus über Wologda, Wjatka und Perm die Riesenreise an. 

Um den 80.000 Katholiken des ungeheuren nordischen Landes möglichst ausgiebige geistliche Hilfe zu bringen, schlossen sich dem hochwürdigsten Herrn Bischof fünf Geistliche an, von welchen alle der russischen und polnischen und wenigstens je einer der litauischen, lettischen und deutschen Sprache mächtig waren. Für die ganze Hin- und Rückfahrt hatte die russische Regierung einen besonderen Waggon erster Klasse zur Verfügung des Bischofs und seiner Begleiter gestellt. Diese Vergünstigung war umso wertvoller, weil viele zerstreut wohnende Katholiken aus Zeitmangel den Bischof nur im Waggon sehen konnten. So kam es mehr als einmal vor, dass im Waggon selbst die heilige Messe gelesen, gepredigt, Beicht gehört, die heilige Kommunion gespendet und gefirmt wurde.

Das Endziel der Reise war das öde Sachalin. Auf dessen russischem Teil leben etwa 500 Katholiken, welche wohl ein Kirchlein, aber keinen Priester haben. Höchstens kommt in zwei Jahren einmal vom benachbarten Festland ein Priester zu den armen Verlassenen. Ihre Not hat selbst die russischen Beamten so gerührt, dass ein höherer Regierungsbeamter den Bischof bat, auf der Insel einen Pfarrer bleibend aufzustellen.

In Wladiwostok legte der Bischof den Grundstein zu einer zweiten katholischen Kirche, Nikolsk und Werhne-Udinsk konsekrierte er neue Kirchen, in Studnianki bei Irkutsk eine Kapelle; in Irkutsk, Nischnie-Udinsk, Bagatol und Taiga wurde gleichfalls der Grundstein zu neuen Kirchen gelegt, in Ilinsk eine neue Kirche feierlich eingeweiht. Von Taiga reiste der Bischof über Klana nach der 50 Werst (etwas über 50 km) entlegenen katholischen Gemeinde Spaskoje, von dort nach der 80 Werst entlegenen katholischen lettischen Kolonie Timofejewka. 

Die beiden letzten Besuche mussten in der Tarantasse, dem Sibirien eigentümlichen Fuhrwerk, unternommen werden, in welchem der Reisende oft mehr liegt als sitzt. Bei der bewunderungswürdigen Ausdauer der sibirischen Pferde geht freilich auch solch eine Reise bedeutend schneller vor sich als im westlichen Europa. Die Pferde setzen von Anfang an sofort im Galopp ein und halten in demselben Tempo mehrere Stunden aus. Mit fröhlichem Gesang macht ihnen der Fuhrmann Mut.

Bei Omsk stellten sich dem hochwürdigsten Oberhirten Abgesandte von zwei katholischen deutschen Kolonien vor und baten flehentlich unter Tränen um einen Geistlichen. Kirchlein und Pfarrhaus stehen fertig da, Gehalt und Pfarrland sind bereit; aber der schreckliche Priestermangel hemmt alles.
Ebenso liegen die Verhältnisse noch immer im Turgaigebiet, wo gleichfalls wenigstens zwei Priester dringend vonnöten sind. Es wäre nicht so schwer, eifrige Priester aus Deutschland zu erhalten; aber trotz aller ‚Gewissensfreiheit‘ macht der Kultusminister Charussin alle nur erdenklichen Schwierigkeiten dagegen.

Die kleinliche Reglementierungssucht der Beamten verursachte dem hochwürdigsten Herrn Bischof auch in Sibirien wiederholt große Unannehmlichkeiten. In Irkutsk verbot man das Verlesen der zuvor behördlich zensurierten Adresse der Katholiken auf dem Bahnsteig; an einem anderen Ort verlangte man von den Katholiken das Versprechen, dass während der bischöflichen Visitationsreise keine revolutionären Lieder gesungen und nur Gebetbücher verteilt würden (man dachte wohl von den Katholiken wie von den eigenen orthodoxen Geistlichen, die sich damals schon für Revolten und revolutionäre Ideen begeistern ließen).

Nach einem Abstecher zu Wasser nach dem seitwärts gelegenen Tobolsk ging die Heimreise über Samara, Simbirsk, Rjäsan nach Moskau, woselbst dem Oberhirten Sonntag 26. September abends ein großartiger Empfang bereitet wurde. Mehrere Tausend Katholiken waren auf dem Bahnhof erschienen. Fast eine Stunde dauerte es, bis der Bischof sich durch die Scharen zu dem ihn erwartenden Galawagen hindurchdrängen konnte. War doch die letzte Visitation der Moskauer katholischen Pfarrei 1892 gewesen.
Zahlreiche Gläubige folgten dem bischöflichen Wagen den ganzen langen Weg bis zur Kirche trotz der bereits empfindlichen Abendkühle barhäuptig; von den vorüberfahrenden elektrischen Wagen ertönten ununterbrochen freudige Zurufe. Acht Tage lang weilte der hochwürdigste Herr Bischof in der alten Zarenstadt und spendete fast täglich zweimal das Sakrament der heiligen Firmung.

Der Abschied am 4. Oktober war ein sehr herzlicher, die Kirche trotz des Werktages gedrängt voll; alle hatten den leutseligen Kirchenfürsten ins Herz geschlossen. Nichtkatholische Russen waren erstaunt, wie der Bischof für alle zugänglich war. ‚Seht‘, riefen sie erstaunt aus, ‚man kann sich ihm nähern!‘ – Leider benehmen sich oft die Würdenträger der russischen Staatskirche als höhere, unnahbare Wesen, welche stark an die Rolle des Dalai-Lama erinnern. 

Die deutschen Katholiken Moskaus haben besonderen Grund, sich über das Ergebnis der bischöflichen Visitation zu freuen. Anstatt der einmaligen deutschen Predigt im Monat sind nunmehr monatlich zwei deutsche Predigten festgesetzt worden. Auch russische Predigten sind bereits in Moskau wie in St. Petersburg von der hochwürdigsten erzbischöflichen Behörde gestattet worden. Doch darüber und anderes nächstens mehr.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Donnerstag, 29. Mai 2014

Priester in bitterster Armut in der russischen Verbannung


Vor kurzem veröffentlichte das „Bien Public“ einen Brief mehrerer nach Sibirien verbannter Priester an eine hochgestellte Dame, dem wir Folgendes entnehmen. 

„Durch das größte Elend gezwungen, erlauben wir uns, an Sie, edle Prinzessin, eine Bitte zu richten. Nach den Ereignissen von 1865 (Niederschlagung des Januaraufstands durch die Russen) sind wir für 12 bis 20 Jahre nach Sibirien verbannt worden, um dort Zwangsarbeit zu verrichten. 

Im Jahr 1879 hat man uns nach dem Gouvernement Wologda transportiert, wo wir, ohne die geringsten Mittel, für unseren Unterhalt sorgen zu können, auf die Dörfer verteilt sind. Was am schlimmsten ist, unter uns befinden sich Priester, welche siebzig oder achtzig Jahre alt sind. Nachdem wir so lange Jahre hindurch so viel für die Gerechtigkeit und die Wahrheit gelitten haben, sind wir heute in ein solches Elend geraten, dass wir uns nicht einmal ein Stück Brot kaufen können. 

Gott ist unser Zeuge, dass wir Tage gehabt haben, an denen wir nicht einen Bissen zu uns genommen. Seit einigen Monaten haben wir uns so eingeschränkt, dass wir selbst unsere Kleider verkauft haben, um nicht vor Hunger zu sterben; heute besitzen wir nichts mehr, um dieses tun zu können. Die Einwohner verfolgen uns, und der Zutritt zu einer Stadt ist uns strengstens untersagt; wir sind ohne alle Hilfe, ohne Hospital, ohne Kleidung; wir sind nicht im Stand, unsere Miete zu bezahlen. 

Wir haben eine Petition an die Regierung abgesandt; jedoch ehe Hilfe ankommen kann, müssen wir alle vor Hunger sterben. Nachdem wir mehr als 900 Meilen zurückgelegt, ist unsere Lage schlimmer als in den Bergwerken, wo wir wenigstens eine Herberge und ein Stück Brot hatten. Die Kälte (wir hatte heute -40 Grad) und der Hunger werden uns töten, wenn Gott uns nicht in seiner Barmherzigkeit Rettung zusendet.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1882)

Mittwoch, 12. Februar 2014

Übertritt von russisch-orthodoxen Priestern zur katholischen Kirche und Schikane von Seiten des Staats

Aleksei Zerchaninov (im Text Alexius Zierczoninow), russisch-katholischer Priester. Eine zeitlang war er Sekretär des ersten russisch-katholischen Exarchen, dem seligen Leonid Feodorov, und starb unter den Sowjets in der Verbannung.

Unter den vielen, die in letzter Zeit im eigentlichen Zarenreich zur katholischen Kirche zurückkehrten Priestern befinden sich auch mehrere ausgezeichnete Geistliche. 
Der eine von ihnen, der hochw. Herr Hondru, war als Mönch auf dem Berg Athos zum Priester geweiht worden und hatte als Missionär der Staatskirche gewirkt. Er trat 1905 zur Mutterkirche über und erhielt auf seine Bitte ausnahmsweise die Erlaubnis, zugleich den lateinischen Ritus anzunehmen, um ungehinderter als Seelsorger wirken zu können. Er ist jetzt Pfarrer zu Ismail im Süden Bessarabiens dicht an der rumänischen Grenze. 

Auch die beiden Seelsorger der russischen Konvertitengemeinde in Petersburg, die hochw. Herrn Alexius Zierczoninow (siehe Bild) und Eustachius Susatow sind Konvertiten. Ihre Gemeinde besteht  aus russischen Katholiken, die auch nach ihrem Übertritt den slawischen Ritus beizubehalten wünschten. Trotzdem sie nur eine kleine Kapelle haben, hat der kirchliche Staatsanzeiger nicht verfehlt, wiederholt auf die hier drohende Gefahr hinzuweisen.

Diesen russischen Priesterkonvertiten mag noch beigezählt werden der hochw. Herr Alexander Sipiagin, ein Neffe des gleichnamigen vor einigen Jahren ermordeten Unterrichtsministers und Mitglied der ersten Duma. Nach deren Auflösung und nach dem Tod seiner Frau wurde Sipiagin katholisch, studierte in Innsbruck und Rom Theologie, empfing 1909 von Bischof Keßler von Tiraspol die Priesterweihe und ist gegenwärtig am Knabenseminar in Saratow tätig.
Die Zahl dieser russischen Priesterkonvertiten würde viel größer sein, wenn nicht der Übertritt mit so großen Schwierigkeiten und Opfern verbunden wäre, zu deren Überwindung ein ganz ungewöhnlicher Mannesmut gehört.

Wie die Gewissens- und Religionsfreiheit in Russland verstanden wird, haben wir früher wiederholt beleuchtet. Hier einige weitere Belege.
Im November 1909 wurden im Gouvernement Korno der hochw. Bischof Cyrtowt und etwa 300 seiner Geistlichen in Anklagezustand versetzt, weil sie die 1905 durch das Ministerium vorgeschriebenen Formalitäten bei der Aufnahme staatskirchlicher Russen in die katholische Kirche nicht erfüllt hätten.

Diese Formalitäten haben einzig den Zweck, die durch den kaiserlichen Ukas im April 1905 gewährte Religionsfreiheit in willkürlichster Wiese zu beschränken, und werden selbst von rechtlich denkenden Beamten als ungerechte Schikanen empfunden. 
So hatten denn auch die Behörden von Korno die Nichtbeachtung jener Formalitäten ruhig hingehen lassen. Sie richteten jetzt an den Minister des Innern ein Gesuch, von der gerichtlichen Verfolgung der katholischen Geistlichen absehen zu wollen, leider umsonst. 

Wie gehässig man vielfach vorgeht, dafür nur ein Beispiel. In einer mittelrussischen Stadt wollte ein armes jüdisches Mädchen katholisch werden. Aber wegen Erledigung der beim Ministerium des Innern zu erfüllenden Formalitäten musste die Taufe fast sieben Monate lang hinausgeschoben werden. 
Kurz vor der Taufe wurde das Mädchen aus der Stadt ausgewiesen mit dem Bedeuten, es habe als Jüdin kein Recht, daselbst zu wohnen. 

Während die russische Staatskirche und Bürokratie so alles aufbieten, der katholischen Kirche die Freiheit zu verkürzen, lässt sie dem Protestantismus ziemlich freie Hand, und derselbe treibt, durch eine geschickt redigierte Presse unterstützt, fast ungestört seine Propaganda. 
Der russische ‚Evangelische Bund‘ besitzt schon fünf russisch geschriebene Zeitungen, verfügt über reiche Fonds und über drei in seinem Dienste stehende Verlagsbuchhandlung.

Diese Propaganda ist umso aussichtsvoller, da die russische Staatskirche wenigstens in den Städten beim Volk immer mehr an Einfluss und Ansehen verliert. „Unsere Kirchen“, so klagt unlängst die „Nowje Wremja“, „sind und bleiben leer, in manchen fehlt es an Priestern, und wo solche da sind, fehlt das Volk. Im Jahr 1909 brachen in 22 russischen Seminarien abermals Unruhen aus und zwangen dazu, sie zu schließen und die aufständischen jungen Herrn zu entlassen. Armes Russland!


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Sonntag, 9. Juni 2013

Aktuell: Erste Fronleichnamsprozession in St. Petersburg seit 95 Jahren




Endlich wird wieder der wahre Herrscher Russlands im Allerheiligsten Sakrament durch die Straßen St. Petersburgs getragen. Die Prozession ging über 3 Kilometer. Selbst katholische Bruderschaften, deren Existenz man im orthodoxen/atheistischen Russland wohl kaum vermutet, waren dabei.

Vor 95 Jahren, am 30. Mai 1918, also kurz nach der Revolution der kommunistischen Gotteshasser, fand die Prozession das letzte Mal statt. Damals nahm der Exarch der vielgeprüften russisch-katholischen Kirche, Leonid Feodorov, ein Konvertit aus der Orthodoxie, an der Prozession teil. Er erduldete später das Gulag und wurde von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.


Salvator Mundi, salva Russiam!


Donnerstag, 6. Juni 2013

Die Geschichte der Union der Bulgaren im 19. Jhd. - Freud und Leid in raschem Wechsel (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Das waren freudige Tage voll Sonnenschein und froher Hoffnung. Siegesgewiss verkündeten damals bereits viele Stimmen den Übertritt von ganz Bulgarien. 
Msgr. Sokolski hatte in Rom häufig dieselbe Hoffnung kundgegeben, ja den Papst schon um Errichtung eines eigenen bulgarischen Patriarchats gebeten. 

Was würde er wohl gesagt haben, hätte er in jenem Augenblick in die Zukunft schauen und die frohen Hoffnung fast alle zerronnen, sich selbst in den Gefängnismauern eines russischen Klosters erblicken können!

Die Union hatte eben gewaltige Feinde; namentlich machte Russland verzweifelte Anstrengungen, um sie zu erdrücken. Seit langen Jahren hatte es gearbeitet, weder Geld noch Mühe gespart, um die religiöse Bewegung in Fluss zu bringen, und jetzt hätte es die Früchte seiner Anstrengungen widerstandslos der gehassten römischen Kirche überlassen sollen? 
Daran war nicht zu denken. Dazu kamen dann noch die Schwierigkeiten von Seiten der nicht übergetretenen Geistlichen, die als weltliche Beamte ihrer Nation so mächtig waren und so oft bewiesen hatten, dass sie zu allen Schlechtigkeiten fähig seien. 

Also Feinde ringsum! Und die Freunde? Sympathie fand die Union freilich bei den Katholiken von ganz Europa, aber nirgends fand sich ein mächtiger Staat, der seinen Einfluss und seine Hilfsmittel für sie in die Waagschale geworfen. Und doch wäre eine tatkräftige Unterstützung so notwendig gewesen. Fast überall waren nämlich die Unierten in der Minderzahl, verloren also mit dem Übertritt alle Kirchen. 
Ferner fehlte es an Schulen, um die Jugend zu unterrichten, an Zeitungen, um den Verleumdungen der gegnerischen Presse entgegenzutreten, und endlich, was am meisten zu beklagen war, es mangelte an bulgarisch redenden Priestern. 

Viele Dörfer, welche die Union und einen Missionär verlangten, konnten mit einem solchen nicht versehen werden. In den Augen vieler der Übergetretenen selbst war zudem die Union nur ein Werk der Politik, ein Schachzug, um zugleich den Griechen und den Russen zu entgehen und die eigene Nation zu Ehren zu bringen; sie wurden kalt gegen Rom, als sich ihre nationalen Hoffnungen nicht erfüllten. 
Kein Wunder also, wenn die Union, statt fortzuschreiten, zurückging. Verwirrung, Misstrauen, Missstimmung griffen allmählich um sich, als plötzlich das Ereignis eintrat, das wie der Todesstoß für das so hoffnungsvoll begrüßte Werk schien.


Am 5. Juli 1861 erhielt die Propaganda in Rom ein Telegramm des Inhalts: „Der vor Kurzem geweihte Erzbischof Sokolski, der Führer der bulgarischen Union, ist spurlos verschwunden.“

Wo war er? Was bewog ihn zur Flucht? Wohin hatte er sich gewendet? Und wenn er wirklich, wie man gleich vermutete und wie es sich bestätigte, nach Russland gegangen war, ging er freiwillig oder gezwungen dorthin? War er der Union treu geblieben oder hatte er seine Überzeugung verkauft? 
Letzteres schien den Meisten unglaublich; denn vor seiner Weihe hatte man ihm vergebens ungeheure Summen für den Abfall geboten. Einige meinten, man habe den Erzbischof unter dem Vorgeben, ihm Geld zu leihen, auf ein Schiff gelockt und dann nach Russland in die Verbannung geschleppt. 
Kurz vor seinem Verschwinden hatte man ihn nämlich aus dem Palast des russischen Gesandten treten und bald darauf das Dampfboot nach Odessa besteigen sehen. 

Andere vermuteten Schlimmeres, und zwar deshalb, weil der Erzbischof schon seit längerer Zeit mit russischen Agenten verkehrt hatte, weil er samt seinen Insignien und den päpstlichen Bullen verschwunden und sein Pope Theodor ihm nach Russland vorausgeeilt war. Wie man behauptete, lebte er später als Gefangener in einem orthodoxen Kloster des Gouvernements Cherson, wo niemand ihn besuchen und sprechen durfte. 

Nach zehn Jahren sei er wieder einmal in Chelm aufgetaucht, wo er unierten Klerikern die Priesterweihe erteilte, übrigens aber nach der Feier gleich wieder verschwunden sei, ohne mit jemandem ein Wort gewechselt zu haben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)


Sonntag, 1. April 2012

Missionsarbeit in Sibirien


Eine Lemberger Zeitung veröffentlichte jüngst den Brief eines jener Priester, denen es in Sibirien gestattet ist, ihres heiligen Amtes zu walten. Wegen ihrer geringen Zahl sind dieselben beständig genötigt, auf Reisen zu sein und die Strecke von Tobolsk nach Kamtschatka und von Nertschinsk zum Polarmeer bei schneidender Kälte im Schlitten zurückzulegen.
So bringen es diese heldenmütigen Apostel zu Stande, unter unerhörten Mühen und Anstrengungen den verbannten Katholiken wenigstens einmal im Jahr den Trost der Religion zu bieten. Besonders gehören zu diesen Glücklichen die Gefangenen, welche zu Minenarbeiten verwendet werden.
Ferner segnen die Priester die Gräber jener ein, welche im Verlauf des Jahres starben. Es fehlt zwar gewiss nicht an katholischen Priestern, allein sie können mit wenigen Ausnahmen ihren Beruf nur im geheimen ausüben.
Der oben erwähnte Brief ist aus den Bergwerken von Zyrianow datiert. „Fortwährend“, so schreibt der Missionär, „bin ich in apostolischen Arbeiten tätig. Vor etwa zwei Monaten habe ich Tomsk verlassen, während dieser Zeit habe ich gegen 60 Gefangene Beicht gehört und Kinder getauft.
Nachdem wir von Tomsk weg waren, ging es gegen Kuzniec. Unser Besuch galt den Dörfern Tala und Plezkow, sowie einer Silbermine, die auf dem Weg lag. Dort wollte ich den Versuch machen, für die geistlichen Bedürfnisse der Gläubigen zu sorgen. Um von Kuzniec nach Biisk am Fuß des Altai zu gelangen, mussten wir die Akunaberge übersteigen.
Von Biisk über den Altai in der Richtung der chinesischen Grenze ist der Weg äußerst mühsam und beschwerlich. Gegenwärtig befinde ich mich an der Grenze Chinas, jedoch so erschöpft, dass ich mich kaum aufrecht zu halten vermag. Wegen des Regens und Schnees ist jeder Schritt auf den Bergen gefahrendrohend. Gott weiß, wann ich nach Tomsk zurückkehren werde. Augenblicklich bin ich 300 Meilen davon entfernt. Große Mühen harren meiner.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1889)

Samstag, 17. Dezember 2011

Heilige, Selige und Ehrwürdige der Ostkirche


Ich beobachte in letzter Zeit ein gewisses Interesse am östlichen Christentum, von dem ich schon auf unserem anderen Blog geschrieben habe. Soweit ich sehen kann ist dieses Interesse leider größtenteils auf die schismatischen Kopten beschränkt, während die eigenen orientalischen Glaubensbrüder nicht viel Beachtung erhalten. Deswegen möchte ich hier einige Heilige, Selige und Diener Gottes der Ostkirche vorstellen. Rufen wir sie als Fürbitter in für die Einheit aller Christen in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche an!

Hl. Josaphat Kunzewitsch (1580-1623)




Der heilige Josaphat Kunzewitsch war Erzbischof von Polozk und ist ein Märtyrer der kirchlichen Einheit. Nach der Union von Brest setzte er sich für das Fortbestehen des ukrainischen Ritus ein. Am 12. November 1623 wurde er in Witebsk von einem Mob von Schismatikern mit einer Axt ermordet (siehe die häufige Darstellungen von St. Josaphat mit Axt).

Im lateinischen Ritus ist sein Gedenktag am 12. November, in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche am 25. November.




Sel. Mykolay Charnetsky CSsR (1884-1959)

Dieser Redemptoristen-Bischof teilte das Schicksal vieler katholischer Priester in der Ukraine, die von den Kommunisten nach der Einnahme durch die Rote Armee systematisch verfolgt wurden. Er wurde vom NKVD verhaftet und zu sechs Jahren Zwangsarbeit in einem Gulag verurteilt. Nach zwei Jahren war er dem Tode nah. Trotzdem bemühte er sich, auch in der Gefangenschaft seine priesterliche Seelsorgearbeit weiterzuführen. Er wurde schließlich entlassen und konnte trotz ständiger Überwachung Priesterkandidaten vorbereiten und weihen.

Bis zum heutigen Tag werden viele Wunder durch seine Fürsprache berichtet. Er wird als Märtyrer verehrt. Weitere Redemptoristen, die als Märtyrer der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa verehrt werden, sind der sel. Methodius Trcka, der sel. Zenon Kovalyk und der sel. Vasyl Velychokovsky.

Hl. Charbel Makhlouf (1828-1898)


Der heilige Charbel Makhlouf war ein syrisch-maronitischer Mönch aus dem Libanon. Er führte in seinem Kloster ein Leben außergewöhnlicher Strenge und aß nur eine Mahlzeit am Tag, die aus den Essensresten seiner Mitbrüder bestand. Er hatte die Gewohnheit, täglich um 11 Uhr die heilige Messe zu zelebrieren, damit er sich den ganzen Morgen auf die heiligen Geheimnisse vorbereiten konnte. Nach seiner Beerdigung umgab ein außergewöhnlich helles Licht 45 Tage lang sein Grab. Nach der Exhumierung wurde sein Leichnam vollkommen intakt gefunden und sonderte eine wohlriechende, blutähnliche Flüssigkeit ab, die zu vielen wunderbaren Heilungen beigetragen hat. Erst 67 Jahre nach seinem Tod verfiel sein Körper schließlich.

Sein Festtag ist der 24. Juli. Zusammen mit der heiligen Rebekka Ar Rayès und dem heiligen Nimatullah al-Hardini gehört er zu den drei offiziell von der Kirche kanonisierte maronitischen Heiligen.



Hl. Rebekka Ar Rayès (1832-1914)

Das Leben der heiligen Rebekka (Rafqa) Ar Rayes (auf dem Foto liegend abgebildet) war geprägt von unaussprechlichen Leiden, die sie mit dem großen Verlangen trug, am Leiden Christi teilzuhaben. In den frühen Jahre ihres Ordenslebens litten die Christen im Libanon unter den anhaltenden Verfolgungen und Massakern durch die Moslems.

Nachdem sie eines Tages Gott fragte, ob er sie verlassen habe, da sie nie krank war, begann ihre schwere Erkrankung, die sie den Rest ihres Lebens begleitete. Zunächst setzte eine schwere Entzündung der Augen ein, worauf ein Auge entfernt werden musste, darauf folgte eine lähmende Knochenkrankheit. Auch in ihrer Krankheit war sie ein Muster an Gehorsam.

Ihr Fest ist am 23. März.


Ehrw. Andrej Scheptyzkyj (1865-1944)

Der Diener Gottes, der Großerzbischof von Lemberg und Metropolit der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche Andrej Scheptyzkyj führte seine Herde durch zwei Weltkriege und 7 Regierungen, darunter die der Nazis und der Sowjets.

Währen der deutschen Besatzungen versteckte er Juden in Einrichtungen der Kirche und wandte sich mit dem Hirtenbrief „Du sollst nicht töten“ gegen den Massenmord durch die Nazis.




Orate pro nobis!

Freitag, 16. Dezember 2011

Tod des Aussätzigenapostels P. Beyzym S.J.



Der selige Jan Beyzym verbindet einen Aussätzigen


Hier ein Bericht zum Tod eines anderen großen Aussätzigenapostels. Wenngleich deutlich unbekannter als der heilige Damian Deveuster, hat der selige Jan Beyzym ähnlich heroische Werke der Nächstenliebe vollbracht. Leider hat er weder eine englische noch eine deutsche Wikipedia-Seite, deswegen hoffe, ich, dass dieser kurze Artikel etwas zu seinem Bekanntheitsgrad beitragen wird. Er wurde am 26. Mai 2002 von Johannes Paul II. seliggesprochen.

Zu Beginn des Monats Oktober traf aus Zentralmadagaskar die Nachricht ein, dass P. Beyzym S.J., der Apostel der Aussätzigen, aus diesem Leben geschieden sei. Über diesen seltenen Mann schreibt der „Czas“ in Krakau in seiner Nummer vom 4. Oktober:
P. Beyzym hatte diese Arbeit ohne irgendwelchen Zwang noch Befehl seiner Obern, ganz aus eigenem Antrieb, von einer wahrhaft heroischen Nächstenliebe geleitet, übernommen. Nachdem er von dem traurigen Los der Aussätzigen erfahren hatte, reiste er im Herbst 1898 von Krakau nach Madagaskar. Beim Anblick des entsetzlichen Elends, das alle seine Vorstellungen weit übertraf, fasste er den Entschluss, keine Mühe zu sparen, um den armen Kranken in geistlicher, aber auch in leiblicher Hinsicht die sorgsamste Pflege angedeihen zu lassen. In zahlreichen Briefen trat er für seine Pflegebefohlenen ein, und diese Schreiben erregten Verwunderung nicht nur wegen der außerordentlichen Kraft und Urwüchsigkeit des Ausdrucks, sondern auch wegen der Tiefe der Gedanken und Gefühle, die mitunter ganz unwillkürlich der Feder des Aussätzigenapostels entströmten. Sie bewegten die Leser so sehr zum Mitleid mit den armen Kranken, dass P. Beyzym in kurzer Zeit von den ihm aus Polen, Litauen und Ruthenien zufließenden Almosen ein geräumiges Aussätzigenheim errichten konnte. Dasselbe besteht aus zwei durch eine Kapelle getrennte Pavillons, in welchen 200 Aussätzige untergebracht werden können.
Nachdem P. Beyzym dieses Werk vollendet und obendrein Schwestern zur Verpflegung der Kranken gewonnen hatte, trug er sich mit einem neuen Plan und traf auch schon die ersten Veranstaltungen zu seiner Verwirklichung. Er wollte nach der Insel Sachalin, im Osten von Sibirien, eilen und dort die armen Verurteilten, die in den Gefängnissen körperlich und oft auch seelisch dahinwelken, in seine Pflege nehmen.
Im Augenblick, da er seinen Entschluss ausführen wollte und auch schon in St. Petersburg die entsprechenden Schritte getan hatte, gefiel es Gott, seiner irdischen Laufbahn ein Ziel zu setzen. In seinem letzten Brief, datiert vom 17. August 1912, meldete P. Beyzym, dass er schwer am Fieber erkrankt sei und sich dem Tode nahe fühle. Briefe von anderer Seite aber vermerkten gleichzeitig, dass er nichts von seiner strengen, an die Einsiedler der ersten christlichen Zeit erinnernden Lebensweise ablasse. Er pflegte nämlich stets um halb drei aufzustehen, nachdem er sich um 10 oder 11 Uhr zur Ruhe begeben hatte. Sein Bett war nichts anderes als ein hartes Brett. Als Nahrung dienten ihm gewöhnlich einige Handvoll Reis, die er in drei Portionen auf den Tag zu verteilen pflegte. Ein anderes Getränk als Tee und Wasser genoss er nie, auch das Brot versagte er sich.
Trotz dieser harten Lebensweise führte er ganz allein die Haltung des Aussätzigenheims, hörte alle Beichten und hielt den Unterricht in madagassischer Sprache für die Kranken, in französischer für die Schwestern. In seiner freien Zeit hatte er eigenhändig einen Altar geschnitzt und auf demselben das Bild der Madonna von Tschenstochau aufgestellt, das er aus Krakau mitgebracht hatte. Er arbeitete sozusagen Tag und Nacht. Kein Wunder, dass eine solche Lebensweise rasch seine starke Gesundheit aufrieb.
P. Jan Beyzym stammte aus gräflichem Tatarengeschlecht und war am 15. Mai 1850 auf dem Gute Beyzyme in Wolhynien geboren. Im Jahre 1872 trat er in die Gesellschaft Jesu ein und wurde am 26. Juli 1881 durch Fürstbischof Albin Dunajewski zum Priester geweiht.
(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Seliger Jan Beyzym, bitte für uns!