Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 21. Juli 2018

Was sich zwei kleine Algerier von Pius IX. wünschen




Zwei kleine Araber begleiten den hochwürdigsten Erzbischof von Algier [Kardinal Lavigerie] nach Rom, wo sie dem Heiligen Vater vorgestellt wurden. Die beiden Knaben, Abdel Kader ben Mohammed und Hamed ben Aicha, wurden vom Heiligen Vater freundlichst nach ihrem Namen gefragt.

„Kennt ihr auch die christliche Religion?“ forschte der Heilige Vater weiter. „Ja, o ja“, sagte Hamed ben Aicha mit freudiger Begeisterung. – „Nun, das ist schön, sicher kennt ihr auch schon den Katechismus, und da hörte ich gern von euch die zehn Gebote.“ Ohne Fehler wurden sie von den Knaben hergesagt, aber die Furcht lähmte ihre Stimme, sie trugen sie kaum hörbar vor. Papst Pius neigte sein Ohr fast bis zum Munde der Knaben und sagte lächelnd: „Seht, liebe Kinder, ich fange an, alt zu werden, und höre nicht mehr gut.“ Er stellte noch verschiedene Fragen, die zu seiner vollen Zufriedenheit beantwortet wurden.

„Heiliger Vater“, bat jetzt der Älteste mit flehentlicher Stimme, „wir verlangen nur eine Gnade, die heilige Taufe. Der Erzbischof will sie uns noch nicht geben.“ – „In der Tat, Heiliger Vater,“ sagte der Erzbischof, „ich halte es für gut, meine Kinder bis zu den Jahren der Unterscheidung zu prüfen. Aber diese zwei sind wohl vorbereitet, auch haben sie keine Eltern mehr, die sie zurückfordern könnten.“ – „wisst ihr auch“, prüfte der Heilige Vater die Kinder weiter, „was die heilige Taufe ist und welche Verpflichtungen sie auflegt?“ Die Kinder blieben keine Frage schuldig. „Aber“, fügte der Papst nachdenklich hinzu, „wenn ihr nach Afrika zurückkehrt, werden euch die Araber vielleicht verfolgen, weil ihr Christen seid.“ – „O Heiliger Vater,“ rief der Ältere, „wenn man uns auch den Kopf abschlägt, das macht nichts, dann gehen wir geradewegs in den Himmel.“ – Segnend legte Papst Pius seine Hände auf das Haupt der Kinder und sprach zum Erzbischof: „Lassen Sie die Kinder in Rom taufen, es ist eine schöne Erinnerung für sie.“ Mit schönen Bildern beschenkt, verließen die Kleinen den Heiligen Vater. Ein Kardinal spendete ihnen die heilige Taufe.

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht. Herausgegeben von P. Hermann Fischer SVD)


Sonntag, 13. Dezember 2015

Konzilsväter für Judenmission – Papst Benedikt liest Messen zur Bekehrung der Juden



erstes Vatikanisches Konzil

Gegen Ende des Jahres 1869 unternahmen die zwei Abbés Lemann, Judenkonvertiten, beim [ersten] Vatikanischen Konzil einen, wie es Kardinal Coullie 1912 im Vorwort ihres Buches formulierte, scheinbar kühnen, aber unendlich rührenden und hochherzigen Versuch: „Sie wollten eine feierliche Liebeskundgebung von Seiten der Heiligen Kirche Jesu Christi gegen die Trümmer Israels hervorrufen und überall Gebete für ihre Rückkehr zur Fülle der Wahrheit erbitten.“ Von Pius IX. gütigst ermutigt, verfassten sie ein Postulatum pro Hebraeis, das, nachdem es den Konzilsvätern vorgelegt worden war, 510 bischöfliche Unterschriften erzielte. „Alle Konzilsväter“, fügt Msgr. Elias Blanc hinzu, „hätten ohne Ausnahme unterzeichnet, wenn nicht die zwei Brüder, einer rührenden Regung der Ehrfurcht gehorsam, die Ehre der größten Unterschriftenzahl dem Postulatum pro Infallibilitate überlassen wollten, welches 533 Unterschriften vereinigt hatte.“ Nur die Unterbrechung des Konzils infolge des italienischen Einmarsches in den Kirchenstaat verhinderte die Behandlung des Postulatums und seine Besprechung durch den Papst.


Die Zwillingsbrüder Lemann. Die Geschichte ihrer Konversion und ihrer Verfolgung durch ihre jüdischen Verwandten hier auf Französisch.

Auch der 1918 von London ausgegebene Gedanke der Messnovenen für die Bekehrung Israels ist überraschend aufgeblüht. In Frankreich sind 1920 bereits 510 Messen mit dieser Intention gelesen worden. 1925 waren es weltweit mehr als 5700 heilige Messen. Am 27. Februar 1920 erhielt diese Übung die Billigung Se. Heiligkeit Benedikts XV., der selbst die Messnovene vor dem Herz-Jesu-Fest hielt. 1925 feierte Se. Heiligkeit Pius XI. am Herz-Jesu-Fest die Messe in gleicher Meinung. Zahlreiche Kardinälen und Ordensprälaten, Bischöfe und Ordensgemeinschaften nahmen daran teil. Schließlich enthält die Nr. 13 der Acta Apostolicae Sedis vom 5. November 1925 einen Brief des Präfekten der heiligen Ritenkongregation, Kardinal Vico, der auf Geheiß des Heiligen Vaters Pius XI. allen Ordinariaten aufträgt, ab 31. Dezember in der Weiheformel des Menschengeschlechts an das göttliche Herz bestimmte Veränderungen vorzunehmen und folgende Worte einzufügen: „Blicke endlich voll Erbarmen auf die Kinder des Volkes, das ehedem das auserwählte war. Möge das Blut, das einst auf sie herabgerufen wurde, als Bad der Erlösung und des Lebens auch über sie fließen.“ So betet die Kirche nicht mehr nur am Karfreitag, sondern von nun an gewohnheitsmäßig für die Juden. Man kann die Bedeutung dieses Gebets an das Heiligste Herz Jesu Christi, des Königs der ganzen Menschheit, nicht stark genug betonen.


(Quelle: Schönere Zukunft, Nr. 26, 4. April 1926)


Die Judenmission darf laut dem neuesten nicht-lehramtlichen Dokument aus dem Vatikan nicht sein. Dass die Kirche entgegen der Behauptung in diesem Dokument eben schon die institutionelle Judenmission kennt, kann man auch hier lesen.

Samstag, 17. Januar 2015

Die georgische „Dreiritenkongregation“ – Diener der Unbefleckten Empfängnis



Eine interessante Ordensgemeinschaft wurde 1864 von dem georgischen Priester Peter Carisciarian (siehe Bild; der Name wird bei Wikicommons in verschiedene orientalische Sprachen übersetzt) in Konstantinopel gegründet und am 29. Mai 1875 von Pius IX. bestätigt: die Diener der Unbefleckten Empfängnis. Sie widmete sich der Seelsorge der georgischen Katholiken und zelebrierte die Messe in drei verschiedenen Riten: dem lateinischen, dem armenischen und dem georgischen, wobei die ersten beiden in der Seelsorge angewendet wurden, da sich die katholischen Georgier zu einem der beiden Riten bekannten, während der griechisch-georgische Ritus im Kloster der Kongregation in Konstantinopel zelebriert wurde, um ihn zu erhalten und zu pflegen. Die Genossenschaft versah in Konstantinopel drei Pfarreien, ein Schwesternzweig unterhielt zwei Volksschulen. Die Priesteramtskandidaten wurden vom Bischof von Saratow (Russland), der die Jurisdiktion über Georgien hatte, geweiht und von ihm auf einige Zeit als Weltpriester angestellt. Nach ihrer Entlassung gingen sie auf den Posten, den ihnen die Kongregation zuwies.

Ob diese Kongregation heute noch besteht, konnte ich leider nicht herausfinden. Für Kommentare diesbezüglich bin ich dankbar. 

Update: Laut Wikipedia existiert die Kongregation nicht mehr, einige Mitglieder waren in den 1950er Jahren aber noch am Leben. Nachfolgend noch ein Bild ihrer Kirche, Notre Dame de Lourdes.




(Quelle: Dr. Max Heimbucher: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. Band III. Verlag Ferdinand Schöningh, 1908)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Das Brustkreuz von Papst Pius IX. und der Ring von Kardinal Melchers für die Mission, die am verdienstvollsten für die heilige Kirche arbeitet


Kardinal Ledochowski hat dem neu ernannten Apostol. Vikar von Nord-Nyanza (Uganda), Msgr. Streicher, aus der Genossenschaft der Weißen Väter, das Brustkreuz Pius IX. und den Ring des Kardinals Paulus Melchers übersandt. Beide Andenken waren von dem hochseligen Kirchenfürsten dem Präfekten der Propaganda für jene Mission geschenkt worden, die am verdienstvollsten für die heilige Kirche arbeite. Es liegt somit in dieser Zuweisung eine sehr ehrenvolle Anerkennung für das erfolgreichen Wirken der noch jungen, aber überaus tatkräftigen Gesellschaft.

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)


Msgr. Streicher, ein Elsässer, wurde später von Kardinal Constantini als „größter Missionar des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Eines seiner größten Anliegen war die Bildung eines einheimischen ugandischen Klerus.

Sonntag, 9. März 2014

Vor 140 Jahren: Inhaftierung des „brasilianischen Athanasius“ für…Verteidigung der Kirche gegen die Freimaurer (Teil 2)

Baron de Penedo, außerodentlicher Gesandter an Papst Pius IX.

Fortsetzung von hier

Interessant sind die Manöver, welche nun von Seite der brasilianischen Regierung ins Werk gesetzt wurden. Ein außerordentlicher Gesandter, Baron de Penedo, wird nach Rom gesandt – er soll es dahin bringen, dass der Papst die brasilianischen Bischöfe tadle; und siehe da, kaum ist er in Rom angelangt, so wissen die Logenblätter schon von seinem Erfolg zu erzählen. Und wie ist er nach deren Angaben zum gewünschten Ziel gekommen? Ein paar Millionen Franken, riefen sie aus, haben den Papst in die richtige Stimmung versetzt. Seht, das Gold ist unfehlbar! 

Doch der Jubel war von kurzer Dauer. Der Logenmeister Saldanha musste selbst bald gestehen, dass die Hoffnungen der Regierung, den Papst für sich und gegen die Bischöfe einzunehmen, gründlich gescheitert seien. Pius IX. hat, so gestand der Großmeister, die Augen vor dem Gold geschlossen, das man im anbot.

Seliger Papst Pius IX.
Man ging noch weiter. Während die Regierung durch die Unterhandlungen des Gesandten in Rom den Anschein zu wahren suchte, als strebe sie nach friedlicher Lösung der Verwicklungen, verurteilte sie gleichzeitig den Vorkämpfer der katholischen Sache, den Bischof von Pernambuco. 
Der oberste Gerichtshof der Kaiserstadt erblickte in dem Vorgehen des Prälaten einen Angriff auf die Verfassung; am 17. Dezember wurde die Inhaftierung des Bischofs beschlossen und am 1. Januar 1874 in Pernambuco ausgeführt. 

Ein Bischof im Gefängnis – das ist stets ein erhebendes und segensreiches Schauspiel! Auch in Pernambuco bewahrheitete sich das. Bereits die ersten Stunden der Haft wurden dem heldenmütigen Bischof durch die reuige Rückkehr vieler Freimaurer versüßt. einer der Hauptanstifter der Exzesse vom 14. Mai 1873 brachte unter nicht enden wollendem Beifall des Volkes ein donnerndes Hoch aus auf den „brasilianischen Athanasius“. 

Marinearsenal vom Rio de Janeiro (Bildquelle: Helder da Rocha from Sao Paulo, Brazil)

Ein festlicher Empfang wartete seiner auch in der Kaiserstadt, wo er in dem ungesunden Marinearsenal eingekerkert wurde. Selbstverständlich konnte der Bischof die Zuständigkeit der Gerichtsbehörden nicht anerkennen, er verweigerte folgerichtig alle Auskunft. „Jesus aber schwieg,“ das war seine einzige Antwort auf die langatmige Anklageschrift. 

Zwei Senatoren, wackere Katholiken und tüchtige Rechtsgelehrte, erboten sich von freien Stücken, seine Verteidigung zu führen. In meisterhafter Rede entwickelte der eine die Nichtigkeit aller Klagepunkte, der andere die Unzuständigkeit des Gerichtshofes in rein geistlichen und kirchlichen Angelegenheiten. Trotzdem lautete das Urteil des Richterkollegiums auf vier Jahre Zwangsarbeit. Am 12. März bestätigte der Kaiser die Verurteilung, „ermäßigte“ aber die Strafe auf vier Jahre einfacher Gefängnishaft.

Bischof Antonio de Macedo Costa, Bischof von Pará
Am 19. Mai wurde ein zweiter Bischof gefänglich in die Kaiserstadt gebracht. Es war der Bischof von Pará, Antonio de Macedo Costa, aus dem Lazaristenorden. Auch er wurde am 1. Juli 1874 auf die nämlichen Anklagen hin zur gleichen Strafe verurteilt. Die Prälaten befinden sich gegenwärtig in den Gefängnissen zweier Festungen an der Bai von Rio de Janeiro. 
Ihr Mut ist freudig und ungebrochen. Die Briefe der eingekerkerten Oberhirten atmen die opferwilligste Hingabe an die heilige Sache und geben zugleich Zeugnis, dass der über Brasiliens Kirche hereingebrochene Sturm zur heilsamen und tatkräftigen Belebung des katholischen Glaubens recht viel beiträgt.

So schreibt der hochwürdigste Bischof von Pernambuco am 2. August 1874 an den Erzbischof von Buenos Aires über „die großartige religiöse Bewegung, zu der die ungerechte Verfolgung den Anstoß gegeben“. Er nennt sie „eine heilsame und gesegnete Bewegung, ein plötzliches und glückliches Aufwachen eines Volkes, das in den Armen der religiösen Gleichgültigkeit eingeschlafen war am Rande eines bodenlosen Abgrunds – des Protestantismus“. 

Nicht bloß werden den gefangenen Bischöfen aus allen Teilen des Kaiserreichs die rührendsten Beweise der Teilnahme ausgesprochen, auch im Senat und in der Kammer findet ihre Sache gewandte und mutvolle Verteidiger, und aus der Mitte der Bevölkerung erheben sich die entschiedensten Vorstellungen und Proteste gegen die verübten Gewaltakte. 

Neue Schritte der Vergewaltigung (d.h. Verfolgung) stellen die Gesetzentwürfe vom 30. Juni in Aussicht. Nach diesen soll von jedem Akt der kirchlichen Behörde, besonders von der Verhängung der Suspension und des Interdikts, der Rekurs an die Staatsgewalt freistehen ( - der „niedere Klerus“ soll eben auch in Brasilien gegen die Bischöfe unterstützt werden-), wer den Entscheidungen der letzteren in Betreff der kirchlichen Strafen irgendwie entgegentritt, soll der Verbannung und falls der Zuwiderhandelnde ein Bischof ist, der Amtsentsetzung anheimfallen. Obgleich die brasilianische Regierung diese entschieden feindliche Maßregel treffen zu wollen scheint, hält sie doch noch die Beziehungen mit Rom aufrecht. 

Ein zweiter Bevollmächtigter, Baron d’Araguaya Domingo José Gonçalves de Magalhaes, überreichte Anfang Oktober in Privataudienz dem hl. Vater sein Beglaubigungsschreiben. Nachrichten aus Rom zufolge soll dieser Diplomat mit dem Abbruch aller Beziehungen seiner Regierung zum heiligen Stuhl drohen, falls letzterer sich nicht bald zu den von Brasilien beliebten Zugeständnissen herbeiließe. 


Glaubt man etwa, der heilige Vater werde die mutvollen Bischöfe, deren Handlungsweise er so lobend anerkannt hat, tadeln oder preisgeben? In Rom beugt man das Recht und die Wahrheit keineswegs, und man hat dort schon viel gewaltigere Drohungen, als die der brasilianischen Freimaurer, nicht gefürchtet, sondern nur mitleidig belächelt.

Die letzten Berichte melden, dass die Regierung wiederholt unter Androhung von Kerker und Zwangsarbeit den Generalvikaren von Olinda und Pará die Aufhebung des über die Bruderschaften verhängten Interdikts befohlen habe. Diese erklärten mit aller Entschiedenheit, dazu gar keine Vollmacht zu besitzen, und Msgr. Vital richtete neuerdings aus dem Gefängnis einen offenen Brief an den ersten Minister Rio Branco, in dem er ihm auseinandersetzte, wie es ganz vergeblich sei, von den Generalvikaren zu verlangen, was der Bischof verweigern musste und immer verweigern muss.

In einzelnen Distrikten Brasiliens hat die Unzufriedenheit der Bevölkerung über vermehrte Steuern, über die neuen Maße und Gewichte, über die Aushebung zum Militär, über die Tarife usw. sich in Aufständen und kleineren Revolten Luft gemacht. So in Paraiba, Buom-Giardino (?), Itambe usw. Die Regierungsorgane schrien sogleich, dass der ultramontane Klerus die Hände im Spiel habe und die Massen fanatisiere. 

Mit regem Eifer wurden nun bei Geistlichen und in Klöstern Hausuntersuchungen angestellt, alle Briefschaften mit Beschlag belegt, Verhöre angestellt; allein was die Regierungsmänner wünschten, fand sich nicht vor; man konnte keine Anklage und auch keinen Scheinvorwand finden, um den Hass des lieben Pöbels auf die Geistlichen zu lenken. Unsere „liberalen“ Zeitungen, z.B. die Augsburger Allgemeine, machen in ihrer liberalen Wahrheitsliebe selbstverständlich den Klerus und ihn allein zum Schuldigen. 

Nach den neuesten Berichten hat der Kaiser die Kammern zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen, um Maßregeln zu beraten, welche dem Land den religiösen und bürgerlichen Frieden wieder schenken können.


(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Samstag, 8. März 2014

Vor 140 Jahren: Inhaftierung des „brasilianischen Athanasius“ im Kampf gegen die Freimaurerei (Teil 1)

Der Diener Gottes Vital Maria Gonçalves de Oliveira O.F.M. Cap.
Wir haben in den katholischen Missionen bereits zweimal über die in Brasilien ausgebrochene Kirchenverfolgung Nachricht gebracht; heute wollen wir diese Angaben vervollständigen und in kurzen Umrissen ein Gesamtbild der kirchlichen Kämpfe im Kaiserreich Brasilien entwerfen.

Den Ursprung und die Veranlassung dieser Verfolgung bespricht in eingehender Weise ein Brief des hochwürdigsten Herrn Bischofs von Olinda (Pernambuco) (Dom Vital Maria Gonçalves de Oliveira), den dieser am 2. August aus seinem Gefängnisse, der Festung S. João in der Bai von Rio de Janeiro, an den hochwürdigsten Herrn Bischof von Buenos Aires gerichtet hat.

Im Allgemeinen gesprochen, ist auch die brasilianische Kirchenverfolgung ein Ring in der Kette all der Bedrängungen und Anfeindungen, mit denen das Freimaurertum der katholischen Kirche zusetzt. 
Die nächsten Veranlassungen zum Angriff waren nach dem oben genannten Brief folgende: Ein Geistlicher in Rio de Janeiro schloss sich der Loge an und hielt an einem Maurerfest ganz im Logenstil eine Rede, die bald auch durch den Druck verbreitet wurde. Sein Bischof, der hochwürdigste Herr Pedro de Lacerda, zog ihn darüber zur Rechenschaft und belegte ihn mit den kanonischen Strafen. 

Auf einmal waren alle Logenmänner in rührigster Tätigkeit. Die beiden Hauptlogen in Rio de Janeiro, die bisher gegenseitig sich angefeindet hatten, versöhnten sich, wie dereinst Herodes und Pilatus; die Freimaurerpresse eröffnete einmütig einen wütenden Kampf gegen alle Einrichtungen und Lehren der katholischen Kirche, plötzlich tauchte eine Anzahl Blätter auf, die nach den Absichten des Geheimbundes das Volk bearbeiteten und „öffentliche Meinung“ machten.

Nach diesen Einleitungen legte man es geradezu darauf ab, Schritte und Erklärungen der Bischöfe gegen die Loge hervorzurufen. Am 29. Juni 1872 wurde zur festlichen Erinnerung an die Gründung einer Freimaurerloge in der Kirche des Apostelfürsten Petrus zu Pernambuco eine Messe verlangt und alle „Brüder“ (d.h. Freimaurer) eingeladen.

Der Bischof Vital Antonio Gonçalves de Oliveira aus dem Kapuzinerorden, der erst am 24. Mai seinen feierlichen Einzug als Bischof gehalten hatte, untersagte natürlich eine solche Feier und die Geistlichkeit stand fest und treu zu ihrem Oberhirten. Die Loge wiederholte dasselbe Manöver am 3. Juli. Es folgte das gleiche Verbot des Bischofs und der gleiche Gehorsam des Klerus. 

Nun entlud sich der Hass der Geheimbündler von neuem gegen die Kirche, besonders wurde die Andacht zur Gottesmutter und diese selbst in frechster Weise verhöhnt. 
Der sorgsame Oberhirte empfahl den Pfarrern, die Gläubigen durch Predigt und Unterricht gegen die ausgestreuten Lügen und Verleumdungen sicher zu stellen und durch Gebete die Gotteslästerungen zu sühnen. 

Als Antwort darauf veröffentlichten die Logenblätter die Namen jener, die Freimaurer seien und dennoch in den kirchlichen Bruderschaften als Präsidenten, Schatzmeister und Sekretäre eine hervorragende Stelle einnähmen. Zugleich wurde ein anerkannter Freimaurer und Ungläubiger von reinstem Wasser von einer dieser Bruderschaften zum Präsidenten gewählt. 

Hiermit war, Gottlob, ein wunder Fleck im kirchlichen Leben Brasiliens bloßgelegt. Schon seit geraumer Zeit hatten nämlich die Männer von Kelle und Schurzfell, angelockt von den reichen Geldmitteln der kirchlichen Bruderschaften, welche diese zur Erhöhung der kirchlichen Festfeier und zu umfassenden Wohltätigkeitszwecken durch die Beiträge der Mitglieder und frommen Vermächtnisse zuflossen, sich in die Bruderschaft aufnehmen lassen und arbeiteten so gewissermaßen im Inneren der Kirche selbst an deren Zerstörung. 

Aber der mutige Bischof von Pernambuco griff das Übel in seinem Sitz an. Er befahl durch ein Rundschreiben vom 28. Dezember kraft seiner oberhirtlichen Amtsgewalt den kirchlichen Bruderschaften, diejenigen, die nicht alsbald und öffentlich der Loge abschwören würden, aus dem Bruderschaftsverband unverweilt auszuschließen. Eine dreimalige oberhirtliche Mahnung blieb fruchtlos. 
Da wurde über die widerspenstigen Bruderschaften das kirchliche Interdikt verhängt. 
Ein lichtvolles Hirtenschreiben klärte die Gläubigen über das Vorgefallene auf und wies nach, wie die Teilnahme am Freimaurerbund von jeher und mit vollem Recht durch die strengsten kirchlichen Strafen sei untersagt worden. 
Katholik sein wollen und zugleich Logenbruder – das suchte man in Brasilien ins Leben einzuführen und das erklärte der hochw. Herr Bischof für unvereinbar, für unmöglich.

Wie der Bischof von Pernambuco (oder Olinda) in seinem oben erwähnten Brief hervorhebt, macht das ganze Vorgehen gegen die Kirche in Brasilien den Eindruck eines in den tonangebenden Kreisen längst zuvor abgekarteten Spiels. So verklagten denn die Bruderschaften beim Präsidenten der Provinz Pernambuco den Bischof wegen „Missbrauch der Amtsgewalt“. Dieser übermittelt die Anklage den Staatsrat nach Rio de Janeiro. Der Staatsrat findet das Benehmen der Bruderschaften ganz in Ordnung, entrüstet sich höchlichst über den Bischof, der die Maurerei, „diesen ganz unschuldigen und nur für Wohltätigkeitszwecke gegründeten Verein“, verurteile, und befiehlt ihm, sein Interdikt zurückzunehmen, sonst würde die kaiserliche Regierung die kirchlichen Strafen für null und nichtig erklären. 
Das Alles verordnete der Staatsminister wahrscheinlich in getreuer Erfüllung seines Eides, die katholisch-apostolisch-römische Religion aufrechterhalten zu wollen. 

Kaiser Pedro II. von Brasilien

Dieses Dekret, vom Kaiser Dom Pedro II. unterzeichnet, wurde dem Bischof am 22. Juni 1873 zugestellt. Am gleichen Tag erhielt er ein Breve des heiligen Vaters, in dem seinem Benehmen die vollste Billigung ausgesprochen und namentlich auch die brasilianische Freimaurerei verurteilt wurde.

Sel. Papst Pius IX.

Das Auftreten des Bischofs von Pernambuco und dieses päpstliche Breve rief nun den gesamten Episkopat von Brasilien zum Kampf gegen das um sich greifende Übel auf. Und sie haben sich in apostolischer Entschiedenheit und Festigkeit bewährt.
Durch die fast unermesslichen Landstrecken Brasiliens erschollen die Hirtenworte der Bischöfe und fanden allenthalben unter den Gläubigen ein freudiges und glaubensvolles Echo. Die Geistlichkeit erhob sich und sprach in begeisterten Ausdrücken ihre Anhänglichkeit und Treue gegen die Bischöfe aus, die Gläubigen vereinten sich zur Gründung katholischer Vereine, um kirchliches Leben und kirchliche Anschauungen in alle Kreise zu tragen. Die Worte der Bischöfe fanden auch in der Loge ihren Widerhall und in den von ihr angesteckten und so entarteten Bruderschaften, freilich in ganz anderer Weise – nun, die Maske fiel und das war gut. Die Antwort, die sie z.B. in den rohen Pöbelexzessen von Pernambuco gaben, haben wir bereits früher berichtet.

(Aus: die katholischen Missionen, 1875)

Fortsetzung hier

Dienstag, 4. Juni 2013

Die Geschichte der Union der Bulgaren im 19. Jhd. - Freud und Leid in raschem Wechsel (Teil 1)

Msgr. Sokolski, Erzbischof der unierten Bulgaren

Dies ist die Hintergrundgeschichte zu diesem Post

(...) Eine Unionsakte mit der klaren Anerkennung des Primates Petri wurde aufgesetzt, welche bald 2.000 Unterschriften fand, und am 30. Dezember 1860 zogen 200 Abgeordnete der bulgarischen Nation im in feierlichem Aufzug aus der Kirche der unierten Armenier zum apostolischen Delegaten, Erzbischof Brunoni, um von ihm die Aufnahme in den Schoß der katholischen Kirche zu erbitten. 
Zugleich überreichten sie ein Schreiben an den Papst, welches den Glauben der katholischen Kirche in allen Punkten annimmt und für die bulgarische Kirche nur die Beibehaltung ihres Ritus und Wiederherstellung der slawischen Liturgie erbittet. Eine Gesandtschaft von vier bulgarischen Klerikern wurde erwählt, um die Unionsakte dem Papst zu überreichen.

In Rom herrschte natürlich über diese Vorgänge große Freude. Pius IX. umarmte in väterlicher Liebe die bulgarischen Gesandten und nahm in einem Breve vom 21. Januar 1861 die Bittsteller zur Einheit der Kirche auf, indem er ihre Liturgie ihnen bestätigte. 

Nach Verlauf von drei Monaten gab er der neuen Kirche auch einen Hirten in der Person des bulgarischen Archimandriten Sokolski. Der Papst in eigener Person wollte dem Erwählten die bischöfliche Weihe erteilen, und am 14. März fand die erhebende Feier statt. Seit den Unionen von Florenz und Brest, so meinte später ein Augenzeuge, habe die Kirche kaum einen feierlicheren und rührenderen Tag gesehen. 

Selbst die Zufälligkeiten des Ortes und der Zeit schienen wie absichtlich herbeigeführt, um die Feier noch zu erhöhen. So traf nach Rechnung einiger im Jahre 1861 gerade das tausendjährige Jubiläum der ersten Bekehrung und Union Bulgariens ein, und schon der Ort der Zeremonie, die Sixtinische Kapelle mit ihrem großen Bild des jüngsten Gerichts, erinnerte an dieses große Ereignis, das herbeigeführt wurde durch den Eindruck, den ebenfalls eine Darstellung des jüngsten Gerichts auf König Bogoris (Boris) gemacht hatte. 
Wie ausgesucht schienen auch die beiden Evangelien des Tages, als man in ihnen die Worte vernahm: „Du bist Petrus, d.h. der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“; „es wird Ein Schafstall und Eine Herde werden.“

Der selige Papst Pius IX.

Pius IX. war außerordentlich bewegt und seine herzliche Ansprache machte auf Alle einen tiefen Eindruck. Besonders ergreifend war der Augenblick, als er von seinem Thron sich erhob und, die Arme zum Dankgebet erhebend, in die Worte ausbrach: „Dir sei Ehre, Dir sei Ruhm, Dir Danksagung, Jesus Christus, Quell der Barmherzigkeit und allen Trostes, der Du auch in unseren Tagen Deine Wunder erzeigst, damit Alle Deine wunderbaren Werke verkünden möchten.“
Msgr. Sokolski weinte laut vor Rührung. Ein ehrwürdiger Greis mit langem, schneeweißem Bart und schon ein wenig vom Alter gebeugt, kniete er am Fuß des päpstlichen Thrones, neben sich auf der einen Seite den jungen bulgarischen Diakon Raphael Popoff, auf der anderen P. Eugen Boré, den Obern der Patres Lazaristen von Konstantinopel, einen unermüdlichen Missionär, der sich um die Union die größten Verdienste erworben hatte. Alles, was Msgr. Sokolski während der Weihe zu sagen hatte, drückte er in bulgarischer Sprache aus, während P. Boré jedes seiner Worte ins lateinische übersetzte. Zum ersten Mal vielleicht hallten an den Gewölben der Sixtinischen Kapelle damals die Klänge der slawischen Sprache wieder.

Nach der Weihe ließ sich der neue Erzbischof auf einem Thron vor dem Altar nieder, auf dem Haupt die orientalische Mitra in Gestalt einer Kaiserkrone, in der Hand den griechischen Hirtenstab. Dann stimmte der Papst das Te Deum an, und während die Sänger den Hymnus fortsetzten, schritt der Neugewählte in feierlicher Prozession durch die Kapelle. Zum Schluss erteilte er vom Altar aus Allen in bulgarischer Sprache den bischöflichen Segen.

Msgr. Sokolski machte auf Alle den besten Eindruck. Die strengen Fasten, die er beobachtete, seine langen und heißen Gebete und besonders seine einnehmende Freundlichkeit ließen in ihm den Mann von tiefer innerlicher Heiligkeit vermuten. Ganz entzückt war er von der Person Pius IX. „Das ist ein Engel, das ist ein Heiliger“, wiederholte er fortwährend. Was aber am meisten allen anwesenden Bulgaren auffiel und sie für Rom gewann, war nach ihrem eigenen Geständnis der Gegensatz zwischen dem Stolz der griechischen Patriarchen und der herablassenden Milde des Papstes. Gewöhnt an das hochfahrende Wesen ihrer bisherigen Oberen, konnten sie gar nicht begreifen, wie der Papst, das Oberhaupt von 200 Millionen und zudem weltlicher Monarch, mit ihnen allen so väterlich freundlich umgehe.


Nach kaum drei Wochen, in den ersten Tagen des Mai, erhielt dann die Propaganda Kunde von der glücklichen Ankunft des Erzbischofs von Konstantinopel. Ohne Unfall war er mit seiner Begleitung in der Morgenstunde und früher eingetroffen, als man erwartete. 
Die Unierten konnten ihm also nicht, wie es beabsichtigt war, in Prozession an den Hafen entgegenziehen. Erst als der Erzbischof schon die heilige Messe begonnen hatte, erfuhr man von seiner Ankunft, und da dauerte es auch nicht mehr lange, bis die Kirche sich mit Andächtigen überfüllte. 
Nach dem heiligen Opfer wandte Msgr. Sokolski sich an die Anwesenden und erzählte ihnen mit begeisterten Worten von dem Empfang, der ihm in Rom zu Teil geworden, von den Gnaden, die ihm der Heilige Vater erwiesen. „Rom ist ganz Liebe,“ war der Ausdruck, den er immer und immer wiederholte. 

Abends brachte man dem Prälaten eine feierliche Ovation. Die Feierlichkeiten, welche am Morgen beim Empfang nicht stattfinden konnten, wurden nachgeholt, als der neue Erzbischof sich zum apostolischen Delegaten, Msgr. Brunoni und zum Primas der Armenier begab. 
Msgr. Sokolski ritt im Zug auf einem kostbaren, reich gezäumten Pferde, das ein armenischer Adeliger ihm zum Geschenk gemacht hatte. Es folgten ihm der Archimandrit mit der Geistlichkeit und den Reisebegleitern, und zu beiden Seiten ritten die Ältesten der bulgarischen Nation auf stolzen Rossen in Nationaltracht und mit langen Lanzen in der Hand. 
Den Zug schloss eine von der hohen Pforte gesandte Ehrenwache, und überall auf dem Weg empfing der Erzbischof die militärischen Ehrenbezeugungen seitens der türkischen Soldaten. 

Dieses Zeugnis für die günstige Stimmung der Pforte verfehlte natürlich nicht seinen Eindruck. In der Tat kam der Regierung die Union ganz erwünscht; sie fand in ihr ein Mittel, die bulgarische Frage zu lösen, ohne in die Schlingen Russlands zu geraten.

(Die katholischen Missionen, 1885)

Samstag, 1. Juni 2013

Mit Rom immer und ewig - Nachruf auf den ersten armenischen Kardinal

Andoun Bedros Kardinal Hassoun 

Der höchste an Rang und der bedeutendste an Einfluss unter den 1883 und 1884 heimgegangenen Kirchenfürsten der Propaganda-Gebiete ist Anton Hassun, früher armenisch-katholischer Patriarch von Konstantinopel und Cilicien, zuletzt als erster armenischer Kardinal mit dem römischen Purpur bekleidet. 

Sein Name wurde in den kirchlichen Wirren des Orients in den letzten Jahrzehnten oft genannt, sein ganzes Leben ist ein mächtiges Stück Kirchengeschichte. 
Aber eben weil sein Name so vielgenannt ist und so hochberühmt, kann man das so vielbewegte Leben des Kardinals nicht in ein paar Zeilen zusammenfassen.

Die Inschrift auf dem Markusstuhl: „In aeternum juxta Romam“, „mit Rom immer und ewig“, war sein ganzes Lebensprogramm; kein Wunder: ist er doch als Schüler der Propaganda aufgewachsen, „im Schatten der Peterskirche“, wie Pius IX. einst sagte. I
n der Kirchengeschichte trat Anton Hassun auf, als er 1838 zum Erzbischof von Anazarbe i.p. und zum Koadjutor des Primas von Konstantinopel, Msgr. Maruschi, ernannt wurde; er erhielt zugleich das Recht der Nachfolge. 

Sein Vorgänger starb 1846. Im Jahr 1850 errichtete Primas Hassun, von Pius IX. ermächtigt, sechs Bistümer. Durch den Beschluss der Bischofsversammlung von Bsommar am Mariä-Himmelfahrts-Fest 1866, oder richtiger durch die darauffolgende päpstliche Bestätigung, wurde der Primas von Konstantinopel zugleich Patriarch von Cilicien. 

Nach dem vatikanischen Konzil erhob sich wider ihn Schisma und Cäsarismus. Es war eine für unsere Zeitläufe recht bezeichnende Episode, als der verbannte Patriarch am 27. Juli 1872 im Vatikan den Papst im Gefängnis besuchte. 
Pius hatte wie immer Worte des Trostes und der Zuversicht. Er schenkte dem Exilierten ein wertvolles Brustkreuz und sagte dabei: „Das Kreuz, das Gott dir auferlegt, mein Sohn, ist unendlich kostbarer, als jedes, dass ich dir geben kann.“

Zwar durfte er nach einigen Jahren auf seinen Primatialsitz zurückkehren, sollte aber sein Leben dort beschließen, wo in allen Stürmen seine Grundsätze fest verankert blieben: in Rom.

Von Leo XIII. Anfang Dezember 1880 dahin berufen, empfing er am 14. d. M. das rote Birett und das „Verargon“, ein violettes armenisches Überkleid, das er nach einer eigens dafür erlassenen Bestimmung der Ritenkongregation als Kirchenfürst des armenischen Ritus tragen sollte. 

In der Ansprache Leo XIII. wurde er auf den großen Kardinal Bessarion als Vorbild hingewiesen. Ist dieser auch der erste Kardinal des Orients gewesen, so war Hassun doch der erste Armenier, der den Purpur trug. 
Nun arbeitete er trotz seiner 80 Jahre mit rüstiger Kraft in den Kongregationen, bis er am 28. Februar 1884 seiner Tätigkeit durch den Tod entrissen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1884)

Sonntag, 5. August 2012

Ein junger Kapuzinerbischof gegen die Freimaurer

Bischof Vital Maria Gonçalves de Oliveira O.F.M. Cap.
Die wohl beeindruckendste Figur des brasilianischen Episkopats war Dom Vital Gonçalves de Oliveira O.F.M. Cap., der 1844 im Bundestaat Pernambuco im Nordosten von Brasilien geboren wurde.
Als 19-Jähriger trat er in Paris in das renommierte Seminar St. Sulpice ein, das schon viele apostolische Männer hervorgebracht hat, wie etwa die Heiligen Ludwig von Montfort oder Eugene de Mazedod, um nur zwei der bekanntesten zu nennen.
Nach einiger Zeit trat er in Toulouse in den Kapuzinerorden ein und empfing mit 24 Jahren die heilige Priesterweihe. Nach seiner Rückkehr in die Heimat lehrte er Philosophie am Diözesanseminar von 
São Paulo.

Es mag sein, dass Dom Vital, wie er gemeinhin genannt wird, der jüngste Bischof der Neuzeit ist, denn bereits mit 27 Jahren wurde er auf Wunsch des Kaisers von Brasilien, Pedro II., zum Bischof von Olinda ernannt (zum Vergleich: der momentan jüngste Bischof, Msgr. Vodopjanovas O.F.M., wurde mit 38 Jahren ernannt).
Der selige Papst Pius IX. stimmt diesem Wunsch zu und ließ Dom Vital konsekrieren.
Ironischerweise sollten der junge Mönch und der Kaiser bald Widersacher in einem Streit werden, der schließlich ganz Brasilien in eine politische Krise stürzte.

Damals hatten die Irmandades, katholische Laienbruderschaften, großen Einfluss in Brasilien und waren in der Diözese Olinda im Besitz einiger kirchlicher Einrichtungen.
Leider waren diese Bruderschaften stark mit Freimaurern durchsetzt, die sich anscheinend nicht um die Weisungen der Kirche kümmerten, dass man nicht gleichzeitig Katholik und Freimaurer sein kann.
Die freimaurerische Presse ging so weit, Namen von Mitgliedern der Bruderschaft zu veröffentlichen, die gleichzeitig Freimaurer waren, anscheinend, um den jungen Bischof zu provozieren.
Dom Vital richtete sich daraufhin an die Pfarrer, die Bruderschaften aufzufordern, allen Mitgliedern, die nicht der Freimaurerei abschwören würden, die Mitgliedschaft zu entziehen.

Nach dreimaliger Ermahnung veröffentlichte er am 19. Januar 1873 ein Interdikt gegen alle Bruderschaften, die sich geweigert hatten, die Freimaurer aus ihren Reihen zu entfernen.
Die Spendung der Sakramente in ihren Kapellen und Oratorien wurde untersagt.
Die Bruderschaften wendeten sich mit ihrem Protest an den Kaiser. Die Kirchenstrafen wären nicht gültig, da es sich hier auch um eine Angelegenheit bürgerlichen Rechts handele und der Kaiser, wie es die Verfassung verlangte, nie sein Placet zu den päpstlichen Dokumenten gegeben hatte, die die Exkommunikation von Freimaurern vorsehen. 

Eine solche Anmaßung wurde vom Vatikan stets abgelehnt, war aber für das damaligen Kaiserreich Brasilien, wo der Katholizismus die Staatsreligion war, keine Besonderheit, da der Kaiser auch Bischöfe ernannte, den Unterhalt der Priester bezahlte und sich eben anmaßte, päpstliche Dokumente zu ratifizieren.

Ein weiterer ehemaliger Zögling von St. Sulpice, Bischof Antonio de Macedo Costa von Belem do Pará, folgte Dom Vital und ging ebenfalls gegen die Bruderschaften in seiner Diözese vor. Der Papst unterstützte das Vorgehen der Bischöfe mit seiner Enzyklika Quamquam Dolores.

Das Ganze entwickelte sich nun zu einer Staatsaffäre. Ein Staatsrat unter Vorsitz von Kaiser Pedro erkannte die Gültigkeit der päpstlichen Dokumente für Brasilien nicht an und gab den Bruderschaften recht, da in diesem Fall auch bürgerliche Gesetze betroffen seien. Zudem wird wohl auch Premierminister José Paranhos, Visconte von Rio Branco, als hochrangiger Freimaurer Interesse daran gehabt haben, dass die Bischöfe ihre Bannstrafen zurückzogen.
Dom Vital wurde wegen Aufbegehrens gegen den Staat angeklagt und im Marinearsenal in der damaligen Kaiserstadt Rio de Janeiro inhaftiert. Der Bischof protestierte öffentlich gegen diese Ungerechtigkeit.
Dom Vital wohnte der Gerichtsverhandlung schweigend bei, zumal er die Autorität des weltlichen Gerichts in dieser kirchlichen Angelegenheit nicht akzeptierte. An seiner Seite waren der Bischof von Rio de Janeiro und der Apostolische Vikar von Kansas City. Obwohl sich zwei herausragende Anwälte seines Falls annahmen, wurde Dom Vital zu vier Jahren Haft verurteilt. Dasselbe Schicksal ereilte Dom de Macedo Costa.

Der Papst schickte einen tröstenden Brief an den Bischof von Olinda, indem er ihn an den Schutz des Heilands erinnerte, der das Rufen seiner Braut (der Kirche) in ihrer Verfolgung nicht verschmäht.
Den inhaftierten Bischöfen galt die Sympathie der brasilianischen Katholiken, die bis dahin (und leider auch heute noch) im Ruf der Lauheit standen. Gleichzeitig blieben die bischöflichen Beschlüsse weiter in Kraft, da die Behörden nichts gegen sie zu tun vermochten.
Der öffentliche Druck führte dazu, dass die brasilianische Regierung unter dem Visconte von Rio Branco resignierte und der Herzog von Caxias, ein hochdekorierter Kriegsveteran, der ebenfalls Katholik und Freimaurer war, vom Kaiser gebeten wurde, ein neues Kabinett zu bilden.
Auf seine Rücktrittsdrohung hin gewährte der Kaiser den Bischöfen schließlich eine Amnestie. Nach über einem Jahr Festungshaft wurden sie entlassen.

Dom Vital ging nach Rom und bat den Heiligen Vater, ihn von seinem Amt zu entbinden. Dieser lehnte jedoch ab, er wusste wohl, was für einen Segen dieser Mann noch bringen konnte.
Doch Gott hatte andere Pläne: Dom Vital musste nach einem kurzen Aufenthalt in Olinda aus gesundheitlichen Gründen nach Paris abreisen, wo er im Kapuzinerkloster von Versailles mit 33 Jahren verstarb.

Der Seligsprechungsprozess dieses furchtlosen Bischofs wurde 1994 von der Erzdiözese Olinda-Recife mit Nihil Obstat („es steht nichts entgegen“) wiedereröffnet.
Der politische Streit zur Einmischung des Staates in religiöse Angelegenheit wurde als „Questão religiosa“ bekannt und wird als einer der Gründe für den Fall des Kaisertums in Brasilien genannt.


Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Beschützer der Missionen am Tanganjika-See

Vor kurzem haben wir bereits über Kapitän Joubert berichtet, hier ein weiterer Eintrag:


Es ist bekanntlich in besonderer Weise das Verdienst des tapferen ehemaligen Zuaven, Kapitän Joubert, den mohammedanischen Sklavenhändlern, die vordem namentlich auch die volkreichen Striche am Tanganjikasee zum Schauplatz ihrer Raubzüge gemacht hatten, das Handwerk gelegt zu haben. Das Leben und das heldenhafte Kämpfen dieses biederen Veteranen gleicht einem Stück romantischer Kreuzfahrergeschichte aus alter Zeit. 

Dank seinen Verdiensten und denen seiner würdigen Kampfgenossen, Kapitän Jacques und Descamps, herrscht heute fast rings um den Tanganjika Ruhe, Friede und Ordnung; die armen Schwarzen haben wieder Mut gefasst und widmen sich jetzt mit Eifer dem Landbau und dem primitiven landesüblichen Kleingewerbe.
Unter der Sonne des Friedens haben sich seither auch die Missionen sowohl auf der belgischen (westlichen) wie deutschen (östlichen) Seeseite immer günstiger entwickelt.
Kapitän Joubert hat nach Abschluss der Kämpfe Afrika zu seiner zweiten Heimat erwählt, sich in St. Louis am Mrumbi auf den westlichen Uferhöhen des schönen Tanganjika bleibend niedergelassen, und um ein festeres Band mit seinen lieben Schwarzen zu knüpfen, sich in christlicher Ehe mit einer Tochter ihres Stammes verbunden.
Hier lebt er einfach und nüchtern wie ein Spartiate, von allen Negern weit und breit als ein Vater geliebt und verehrt. Ein Wort aus seinem Mund entscheidet alle ihre Streitfragen, und der Einfluss seines ernsten, tiefchristlichen Wesens gestaltet sein Leben unter den Neubekehrten zu einer wahren Kulturmission. So fasst er es auch auf. 


Die Liebe und Begeisterung der Neger zeigte sich in recht schönem Licht, als Gott ihm kürzlich zu seinem dreijährigen Töchterlein Louisa einen Sohn schenkte. Natürlich musste er Pio heißen, zu Ehren des großen Papstes, für welchen der ehemalige Zuave einst gefochten.
Von allen Seiten strömten die Neger herbei zu der feierlichen Taufe, die der Apostol. Vikar, der hochwürdigste Herr Roelens, selbst vornahm. Die Schwarzen jubelten, da sie nun, wie sie sagten, einen „kleinen Kapitän“ besäßen. 


Wie wohl tut dieses Bild gegenüber jenen Rittern von der traurigen Gestalt, die ihre Kulturaufgabe unter den Schwarzen durch despotische Tyrannenlaunen zu erfüllen meinen!



(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Montag, 9. April 2012

Fische aus dem See Genezareth


Sel. Papst Pius IX.


Die Zeitschrift „Jerusalem“ bringt in einer ihrer letzten Nummern eine hübsche Anekdote aus dem Pontifikat Pius‘ IX.
Erzbischof Spaccapietra von Smyrna hatte als Apostol. Präfekt die Gegend am See Genezareth zu verwalten. Gern hätte er ein altehrwürdiges, verfallenes Heiligtum wiederhergestellt, das an der Stelle erbaut war, wo Christus Petrus zum Oberhaupt der Kirche erhoben hatte. Aber die Mittel dazu fehlten.
Da ließ er sich einige kleine Fische aus dem See Genezareth fangen, setzte sie in Spiritus und nahm sie mit nach Rom.
In der Audienz erzählte er dem Heiligen Vater von seinem Herzenswunsch, suchte ihm auch klar zu machen, welche Bedeutung dieses Erinnerungsmal der Einsetzung des Papsttums für den Papst habe, und klagte ihm dann seine Geldnot.
„Ja“, meinte Pius IX. scherzend
, „liegt nicht ganz in der Nähe diese Stelle, wo der Herr einst durch ein Wunder den Fisch mit dem Goldstück im Munde fangen ließ, damit Petrus die Steuer entrichte? Machen Sie es ihm doch nach, und die Kapelle ist bald bezahlt.“
„Heiliger Vater“, erwiderte der Erzbischof, „das habe ich versucht; ich habe Fische im See gefangen, aber kein Gold darin finden können.
Aber Ew. Heiligkeit ist der Nachfolger Petri und der Stellvertreter Christi. Ihnen muss da Wunder gelingen.“ Damit überreichte er ihm das Glas mit den Fischen, das er bisher unter dem Mantel verborgen gehalten hatte.
Pius musste herzlich über diese Schlagfertigkeit lachen, öffnete eine Lade und gab ihm so viele Dukaten, als Fische in dem Glas waren. — Das „Wunder“ war gewirkt.

(Aus: die katholischen Missionen, 1914)