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Montag, 6. April 2026

Für Afrika geboren – Msgr. Léon Livinhac M.Afr., Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza

 


Neben dem Gründer Kardinal Lavigerie ist kein Name so eng mit der frühen Entwicklung der Missionare von Afrika („Weiße Väter“) verbunden wie der von Léon Livinhac. Der Gründer der Kirche Ugandas und direkte Nachfolger des imposanten Erzbischofs von Algier führte die Weißen Väter durch turbulente Zeiten und förderte gleichzeitig die afrikanischen Missionen als Ganzes, besonders auch die Ausbildung eines einheimischen Klerus, die Lavigerie so am Herzen gelegen hatte.

Der kränkliche Waisenjunge

Léon Livinhac wurde am 13. Juli 1846 als Sohn frommer Bauersleute in der kleinen Gemeinde Buzeins in Okzitanien geboren. Wegen des frühen Todes der Eltern wurde der Junge von seiner Großmutter und seinen Tanten sowie von seinem Großonkel, dem Pfarrer von Bonneterre, aufgezogen. Er war ein frommes und fleißiges Kind, jedoch schüchtern und kränklich. Seine Schulzeit am Diözesankolleg von Saint Geniez wurde sogar durch eine Beinlähmung unterbrochen. Es gab zunächst kaum Anzeichen, dass dieser Waisenjunge eines Tages einer der bedeutendsten Afrikamissionare des 19. Jahrhunderts werden sollte. Als seine Gesundheit schließlich genug gekräftigt war, konnte er 1867 ins Seminar von Rodez aufgenommen werden, das damals von den Sulpizianern geleitet wurde. Im selben Jahr trat Félix Charmetant in Algier ins Diözesanseminar ein und stellte sich wenig später zusammen mit Francisque Deguerry bei Erzbischof Charles Lavigerie vor, angetrieben von dem Wunsch, sich ganz der Mission unter den Moslems und Heiden Afrikas zu widmen. Es war die Geburtsstunde der Weißen Väter.

Der liebenswürdige Pater Charmetant wurde in den folgenden Jahren von Lavigerie nach Europa geschickt, um dort um Missionspersonal zu werben. So traf er im Seminar von Rodez auf den Seminaristen Livinhac, der sich interessiert zeigte. Allerdings dauerte es bis zu seiner Diakonatsweihe im Jahr 1872, als Léon Livinhac auf die Ermutigung seines Freundes P. Charbonnier ebenfalls zu den Missionaren von Afrika stieß.

Für Afrika geboren

Nur ein Jahr nach seinem Noviziatsbeginn und der Priesterweihe durch Erzbischof Lavigerie wurde Livinhac zum Professor der Dogmatik und zum Mitglied des Generalrats seiner Gemeinschaft ernannt. Zwischenzeitlich leitete er auch die Prokur in Paris. Die Arbeit sagte ihm nicht zu. Kurze Zeit später nach Algerien zurückgekehrt, sagte er: „Ich bin für Afrika geboren und nur für Afrika“. Seine ersten missionarischen Erfahrungen sammelte er in Ouadhias in Kabylien, wo er Seelsorgsarbeit unter der Berberbevölkerung betrieb. Weitere wichtige Posten in der Ausbildung von Ordensmitgliedern folgten, bis P. Livinhac 1878 von Lavigerie an die Spitze der ersten Missionskarawane zu den Afrikanischen Großen Seen gesetzt wurde.

Die Mission in Uganda entwickelte sich rasch äußerst günstig, wenngleich sie durch das komplexe Gefüge aus der Feindseligkeit des Herrschers Mutesa – der die Missionare ins Land geholt hatte – und der Einflussnahme arabischer Händler und europäischer Kolonialmächte am Hof stets in ihrem Bestehen bedroht war. Zugleich mit seiner angestrengten missionarischen Arbeit betätigte sich P. Livinhac als Linguist und schrieb die erste Grammatik der Luganda-Sprache, die 1885 erschien. Im Jahr 1883 erfolgte die Ernennung Livinhacs zum Apostolischen Vikar von Victoria-Nyanza. Zum bischöflichen Motto hatte er sich den Spruch Totus tuus ego sum („Ich bin ganz dein“) erwählt, ein Ausdruck seiner tiefen Marienverehrung. Da die Bischofsweihe im Maison Carrée in Algier durch Kardinal Lavigerie gespendet wurde, dauerte es bis Juni 1886, als Msgr. Livinhac in seine Mission zurückkehren konnte.

Bischof der Märtyrerkirche



Die Lage in Uganda hatte sich weiter zugespitzt. Als König Mwanga, Mutesas Sohn und Nachfolger, seine katholischen Diener und Beamten verfolgte, stärkte sie Msgr. Livinhac mit dem Sakrament der Firmung. Bis zu fünfmal pro Nacht suchten die Christen ihren Bischof im Schutz der Dunkelheit auf, um sich auf den grausamen Martertod vorzubereiten. Wiederholte Versuche von Seiten der Mission, den König von seinem Tun abzubringen, waren gescheitert. Aufgrund der gespannten Lage, die auch nach dem Ende der Verfolgung durch Mwanga eine Gefahr für die Missionare darstellte, verbrachte Msgr. Livinhac die meiste Zeit seit seiner Ernennung in Bukumbi in Tansania. Kardinal Lavigerie hatte seinen Missionaren streng befohlen, ihr Leben zu schonen, und Livinhac war immer bestrebt, die Weisungen seines geistlichen Vaters aufs Genaueste zu befolgen. Ein geschichtsträchtiges Ereignis brachte das Jahr 1887, als Livinhac Pater Jean-Baptiste Charbonnier in Kipalapala zum Bischof weihte. Dieser war zum Apostolischen Vikar von Tanganyika ernannt worden. Es war die erste Bischofsweihe in Äquatorialafrika.

Als Nachfolger Lavigeries

Bald kam die direkte Missionstätigkeit Msgr. Livinhacs zu einem jähen Ende: Das Generalkapitel in Karthago wählte ihn im September 1889 in seiner Abwesenheit zum Generaloberer der Weißen Väter. Am darauffolgenden Pfingstfest weihte er seinen Nachfolger Jean-Joseph Hirth zum Bischof, bevor er das Land der Großen Seen für immer verließ.

Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1892 blieb Kardinal Lavigerie das alleinige Haupt seiner Missionsgesellschaft. Alle Werke waren engstens mit seiner imposanten Person verbunden. Kritiker bescheinigten den Weißen Vätern eine kurze Lebensdauer nach dem Tod ihres Gründers. Doch durch Msgr. Livinhac, den der Kardinal sich wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrtheit als Nachfolger wünschte, nahm die Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren eine noch klarere Form an.

Die Aufgaben und Schwierigkeiten für den neuen Oberen entsprachen in ihrer Zahl und Komplexität den bewegten Zeiten. Gerade in den 1890er Jahren galt es, die Mission gegenüber den verschiedenen Kolonialmächten Innerafrikas zu vertreten. Zu den interkonfessionellen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken in Uganda kam hinzu, dass die Briten die französische Missionsgesellschaft als verlängerten Arm der französischen Regierung wahrnahmen. Msgr. Livinhac musste diesen Irrtum klarstellen. Er ging im Jahr 1895 sogar so weit, dass er das Apostolische Vikariat des Obernils der britischen Missionsgesellschaft von Mill Hill übergab, um die Wogen zu glätten. Es ging ihm nicht um die Erhaltung des Apostolats der Weißen Väter, er wollte vielmehr das Bestehen der katholischen Missionen gegenüber der weltlichen Macht und der starken protestantischen Präsenz sichern.
In Frankreich bedrohten die antiklerikalen Gesetze der 1900er Jahre das Wirken der Weißen Väter. Besonders in Algerien, wo den Missionaren bereits die direkte Missionsarbeit unter der muslimischen Bevölkerung verboten war, wurde die Gesellschaft bis 1914 fast vollständig aus dem Unterricht verdrängt.
Großes Leid brachte der Erste Weltkrieg. Sechzig Mitglieder der Missionsgesellschaft starben im Krieg, eine ähnlich hohe Zahl an Berufungen ging verloren. Msgr. Livinhac unterließ es nicht, seine geistlichen Söhne auf den Schlachtfeldern mit seinen Rundschreiben zu stärken und sie zu einem musterhaften sittlichen Betragen und zur Selbstheiligung zu ermahnen.

Wirken für die Gesellschaft und die afrikanischen Missionen

Die Rundschreiben waren sein Hauptmittel, den guten Geist und die Treue zur Missionsgesellschaft unter seinen weitverstreuten Missionaren zu fördern und wichtige missionarische Anweisungen zu geben. So warnte er im Rundschreiben von Lichtmess 1918 davor, auf möglichst schnelle Taufen abzuzielen. Es sei besser, eine geringere Zahl von vorbildlichen Christen zu haben, als mittelmäßige und schlechte, die andere Leute abstoßen würden. Speziell lag ihm auch die Bildung eines einheimischen Klerus am Herzen. Er folgte der Ansicht Kardinal Lavigeries, dass Afrika durch Afrikaner bekehrt werden würde. Die afrikanischen Seminaristen sollten gründlich ausgebildet und geprüft werden und nur bei zweifelloser Bewährtheit zur Weihe zugelassen werden. Als kluger Kenner innerafrikanischer Verhältnisse zeigte sich Msgr. Livinhac unter anderem, als er auf dem Generalkapitel 1906 davor warnte, in Gegenden, wo der Fetischglaube noch stark war, viele Andachten einzuführen und viele verschiedene Medaillen zu verteilen. Es könne sonst bei den Neuchristen der Eindruck entstehen, dass es sich hier um Talismane im heidnischen Sinne handelte.

Der Generalobere stand in hohem Ansehen bei seinen Missionaren, ja im Ruf der Heiligkeit. Das erklärt seine dreimalige Wiederwahl, die 1906 zur Ernennung als Generaloberen auf Lebenszeit führte. Pius X. bestätigte die Ordenskonstitutionen im Jahr 1908 endgültig. Während der 30-jährigen Amtszeit Livinhacs wuchsen die Weißen Väter nicht nur in den Missionen, sondern auch in Europa und Kanada beträchtlich. Verschiedene Provinzen, darunter auch in Deutschland, wurden errichtet. Eine große Freude brachte das Jahr 1920, als Ugandas Märtyrer von Papst Benedikt XV. seliggesprochen wurden.

Am 11. November 1922 starb Msgr. Léon Livinhac im Maison Carrée in Algerien nach fast 50 Jahren im Dienst der afrikanischen Missionen. Seit 1975 ruhen seine Gebeine in Uganda in der Memorial Chapel von Nabulagala, von wo aus er mit seinen Gefährten 1879 begann, das Land zu missionieren. An diesem Ort hatte der junge Pater Léon Livinhac das erste heilige Messopfer auf dem Boden Ugandas gefeiert.

Samstag, 8. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von Afrika (Algerien)


Mit der französischen Eroberung des Küstengebiets von Algerien um die Mitte des 19. Jahrhunderts fand auch die katholische Kirche wieder Eingang in diese kirchengeschichtlich so bedeutsame Region, die unter anderem die Heimat des heiligen Augustinus von Hippo ist. Zunächst hatte sich die Kirche auf die Seelsorge der französischen Kolonisten konzentriert, entfaltete aber nach einiger Zeit eine Missionstätigkeit, die besonders unter dem Berberstamm der Kabylen einige Erfolge erzielte.

Bald nach Beginn der französischen Herrschaft zog es zahlreiche Europäer, vor allem aus Frankreich und dem Mittelmeerraum, nach Algerien. Zu ihnen gehörten auch die beiden eifrigen Lyoner Katholikinnen Margarita Bergesio, eine italienische Einwanderin, besser bekannt als Agarithe Berger, und Anne Cinquin, die dem Bischof von Algier, dem ebenfalls aus Lyon stammenden Louis-Antoine-Augustin Pavy, ihre Dienste als Haushälterinnen anboten.[1] Sie kümmerten sich um die Wäsche für die Krankenstation des Seminars von Algier. In einem Baum am bewaldeten Hang in der Nähe der bischöflichen Residenz stellten die beiden eine Marienstatue auf, um dort ihren Andachtsübungen nachzugehen. Bald kamen Christen aus der umliegenden Gegend als Pilger an den Ort, der wegen des Abhangs bald Notre Dame du Ravin genannt wurde. Die beiden frommen Damen baten in der Folge Msgr. Pavy, dort eine Kapelle zu bauen, doch dieser zögerte zunächst, bevor er sich am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis, dafür entschied, ein Bauprojekt unter dem Namen Notre Dame d’Afrique zu beginnen.[2]

Kapelle Notre Dame du Ravin (Quelle: http://alger-roi.fr/Alger/notre_dame_afrique/pages_liees/13_d_chapelle_notre_dame_ravin_53.htm)

Im Jahr 1857 entstand zunächst eine provisorische kleine Kapelle, die heute noch besteht und den Namen Saint Joseph trägt. Die Statue, die der Bischof auswählte, war eine Bronzekopie der Virgo fidelis von Bouchardon. Diese hatte der erste Bischof von Algier, Msgr. Dupuch, im Jahr 1840 für seine Kathedrale von Gläubigen in Lyon als Geschenk erhalten; da die Kathedrale noch nicht fertig war, fand die Statue den Weg ins Trappistenkloster in Staouëli in der Nähe der Hauptstadt und wurde von Msgr. Pavy schließlich zurückgeholt. Am 2. Februar 1858 wurde der Grundstein der heutigen Basilika auf einer Anhöhe im Viertel Saint-Eugène[3] gelegt. Architekt war Jean-Eugène Fromageau, der auch für andere Kirchenbauten in der Diözese Algier verantwortlich zeichnete. 

Msgr. Pavy, Bischof von Algier und Bauherr der Wallfahrtskirche

Zur Förderung des Bauprojekts scheute sich der Bischof nicht, selbst den Wanderstab in die Hand zu nehmen und in Frankreich für das neue Marienheiligtum in Nordafrika zu werben und Spenden zu sammeln. Zu einem Missionar sagte Bischof Pavy im Jahr 1858: „Was man der Mutter darbringt, wird der Sohn hundertfach vergelten.“[4] Er veröffentlichte auch ein umfangreiches Rundschreiben an die gesamte katholische Welt zur Unterstützung dieses Werkes, in dem er die wechselreiche Geschichte des Christentums in Nordafrika und die Verehrung Marias in diesen Gegenden beleuchtete. Besonders rief er zum beharrlichen Gebet für die Bekehrung der Muslime auf. Er versprach eine Zukunft, in der die Anhänger des Islams Maria nicht nur als Mutter eines großen Propheten anerkennen würden, sondern diese ihnen die Augen über die Gottheit ihres Sohnes öffnen würde. Dies sei die einzige Rache, die sich der Bischof für die jahrhundertelange Versklavung und Verfolgung wünsche, die durch den Hass gegen das Christentum von der nordafrikanischen Küste ausgegangen seien. Msgr. Pavy starb im Jahr 1866, sodass sein Nachfolger, Msgr. Charles Martial Lavigerie, der spätere Erzbischof, Kardinal und Gründer der Missionäre von Afrika (besser bekannt als „Weiße Väter“) das Werk fertigstellen musste.[5] Die Basilika wurde schließlich am Fest Mariä Lichtmess 1872 von Msgr. Lavigerie eingeweiht; am 4. Mai 1873 erfolgte im Rahmen des ersten Provinzialkonzils, das in über einem Jahrtausend in Nordafrika abgehalten wurde, die Übertragung der Statue aus der provisorischen Kapelle in die Basilika. Teilnehmer an den Feierlichkeiten waren alle Bischöfe Algeriens sowie die Äbte der Trappistenklöster Aiguebelle und Staouëli und zahlreiche Vertreter des Welt- und Ordensklerus von Algier.

(Quelle: Rabanus Flavus)

Die Kirche ist äußerlich im neobyzantinischen Stil gehalten und erinnert mit ihrer Kuppel- und Turmform an die Kirche Sacré-Cœur de Montmartre in Paris. Auch das Innere ist orientalisch geprägt, wobei sich blaue Ornamente von der weißen Grundfarbe abheben. Die dunkle Mutter-Gottes-Statue in ihrem blauen Mantel befand sich früher unter einem eigenen Baldachin auf dem Hochaltar direkt über dem Tabernakel. Heute steht nur noch eine Art Podest, auf dem sich die Statue befindet und in dem auch der Tabernakel untergebracht ist. Der Baldachin wurde entfernt. In der Apsis hinter der Statue befindet sich die Inschrift „Notre-Dame-d’Afrique, priez pour nous et pour les musulmans“ (unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems). Im Jahr 1876 erfolgte die kanonische Krönung der Marienstatue Unserer Lieben Frau von Afrika und die Erhebung der Kirche zur Basilica minor. Damit wollte Papst Pius IX. nicht nur die neue Wallfahrtskirche ehren, sondern auch der glorreichen Geschichte der nordafrikanischen Kirche mit ihren zahlreichen Heiligen, Kirchenvätern und Märtyrern seinen Tribut zollen. Heute zeugen die zahlreichen ex-Voto-Tafeln, die die Wände der Kirche übersäen, von der großen Verehrung, die neben der Bevölkerung Algiers besonders die Missionäre des afrikanischen Kontinents Unserer Lieben Frau von Afrika entgegenbrachten. Neben den steinernen Dankesgaben der Weißen Väter und Weißen Schwestern finden sich auch acht Tafeln, die der heilige Charles de Foucauld im Zeitraum von 1901 bis 1910 mit der Inschrift „Iesus Caritas“ und einem Herz-Jesu-Symbol dort hinterließ.

Ex Votos des heiligen Charles de Foucauld (Quelle: https://notre-dame-afrique.org/nos-jours/)

Mit der weltlichen Herrschaft Frankreichs hielten bedauerlicherweise auch die Irrtümer der französischen Revolution Einzug in Algerien; Priestern und Bischöfen wurde es unter Androhung von Strafen verboten, sich der Bekehrung der Moslems und Juden in der neuen Kolonie zu widmen. Der Jesuitenpater Ducat, der in Ben Aknoun bei Algier ein Waisenhaus betrieb, empfand den Umstand, dass so wenig zur Bekehrung der muslimischen Bevölkerung getan wurde, als sehr schmerzhaft. Es wurde zwar hier und da für die Bekehrung der Anhänger Mohammeds gebetet, dies geschah nach seinem Urteil aber längst nicht überall und nicht beharrlich genug. Er gründete eine Gebetsgemeinschaft, deren Zweck es war, „durch das Gebet den reichsten Segen vom Himmel auf die Eingeborenen herabzuziehen“ und berichtete bei einem Rombesuch dem Heiligen Vater Pius IX. von seinem Vorhaben. Der Papst war ebenfalls der Meinung, dass gegen den Islam ein „Kreuzzug des Gebets“ nötig sein würde. Auch Msgr. Pavy stimmte den Zielen der Gebetsgemeinschaft zu und errichtete sie im Jahr 1858 als Erzkonfraternität, die auch Mitglieder aus anderen Diözesen aufnahm. Zentrum der Konfraternität war nach den Konstitutionen zunächst die provisorische Kapelle. Alle Mitglieder sollten täglich ein Pater noster, ein Ave und ein Gloria patri mit der Anrufung „Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns für die armen Ungläubigen!“ beten. Jeden Samstag wurde das Messopfer auf dem Altar Unserer Lieben Frau von Afrika für die Intention der Erzkonfraternität gefeiert; das Hauptfest war der 22. August, das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens. Für die Mitglieder in den einzelnen Diözesen sollte jeweils ein Priester die Korrespondenz mit der Leitung der Erzkonfraternität übernehmen und die Mitgliedernamen an diese übermitteln. Die Konfraternität hatte bald mehrere zehntausend Mitglieder in ganz Frankreich. Später kamen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz und selbst aus den Missionen in Thailand hinzu. Besondere Förderung erhielt die Konfraternität auch durch die Weißen Väter, die 1868 von Msgr. Lavigerie in Algier gegründet worden waren und sich unter den besonderen Schutz Unserer Lieben Frau von Afrika gestellt hatten.

 Im frühen 20. Jahrhundert geriet die Konfraternität zusehends in Verfall, da die Priester Frankreichs durch die kirchenfeindlichen Gesetze von 1905 in ihrer Tätigkeit behindert wurden. Zudem überließen die Weißen Väter die Seelsorge in Algier dem Weltklerus und konzentrierten sich vor allem auf ihre Missionen an den Afrikanischen Großen Seen. Am 6. Januar 1923 errichtete Msgr. Augustin-Fernand Leynaud, Erzbischof von Algier, die Gebetsgemeinschaft neu und machte in dem dazugehörigen Hirtenbrief darauf aufmerksam, wie stark der Zug der muslimischen Bevölkerung zu Unserer Lieben Frau von Afrika war. Viele Moslems kamen und kommen noch heute in die Basilika, um zu Meriem zu beten. Er wies noch einmal darauf hin, dass die Bekehrung der muslimischen Welt mit eifrigerem und beharrlichem Gebet beschleunigt werden kann. Die Konstitutionen wurden geringfügig verändert: die Anrufung lautete nun „Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems und die anderen Ungläubigen in Afrika“, während das Hauptfest auf Epiphanie gelegt wurde.

Wie viele andere Wallfahrtsorte auch haben zahlreiche Gläubige bei Unserer Lieben Frau von Afrika die Erhörung ihrer Gebete und sogar wunderbare Heilungen erfahren. So trägt sie auch den Beinamen der „Trösterin der Betrübten“. Ebenso verehrten die Seefahrer Algiers sie in einer eigenen Bruderschaft.[6]

Eine besondere Pilgergruppe brachte im Jahr 1914 Unserer Lieben Frau ihre Verehrung dar. Eine Gesandtschaft der katholischen Häupter Ugandas unter Führung ihrer Missionare, der Weißen Väter, dankte Maria für die Gnaden, die ihr Volk besonders in den vorangegangenen Jahren erhalten hatte:

„Am 19. Februar 1914 sah die Kirche U.L. Frau von Afrika bei Algier eine seltene Feier: vier der vornehmsten Baganda weihten im Namen ihrer 200.000 katholischen Landesbrüder ihr Vaterland der Mutter Gottes.

Diese Wallfahrtskirche ist mit der Geschichte der Weißen Väter und der Ugandamission innig verknüpft: hier wurde der erste Priester der jungen Gesellschaft geweiht, von hier aus sandte Kardinal Lavigerie 1878 die erste Karawane seiner Missionäre ins Herz des schwarzen Erdteils, nach Uganda.

Der Sturm einer blutigen Christenverfolgung ist seitdem über die junge Saat dahingebraust und hat Uganda und der ganzen Kirche 22 Negermärtyrer geschenkt. Und das Blut dieser Märtyrer ist der Same neuer Christen geworden: aus den 4000 Katholiken Ugandas zu Beginn der Verfolgung (1886) sind über 220.000 geworden.

Die frohen Ereignisse der letzten Jahre, die Einleitung des Seligsprechungsprozesses der Bagandamärtyrer und die Weihe der ersten Bagandapriester haben den Katholiken die Größe ihrer Dankesschuld gegen Maria wieder klar vor Augen gestellt und sie gedrängt, aus den Edelsten ihres Volkes vier Gesandte zu wählen, die der Königin Afrikas in ihrem Heiligtum den Dank des ganzen Volkes abstatten sollten. 

Zugleich sollten sie das Mutterhaus der Weißen Väter, Maison Carée, aufsuchen, von dem so viel Segen über Uganda ausgegangen, ihren erkrankten Oberhirten, Bischof Streicher, dort begrüßen und dann als Vertreter des Volkes zum Grabe des Erlösers nach Jerusalem, zum Heiligen Vater in Rom und nach Lourdes wallfahren.

Die Erwählten waren Stanislaus Mugwanja, der bekannte Justizminister des Königreichs Uganda, Alexis Pokino, Statthalter der Provinz Buddu, und der Prinz Joseph Mosonge Wulugembe, Enkel des Königs Mtesa und Vetter des jetzigen Königs. Außerdem hatte Stanislaus aus der Schar seiner 17 Kinder seinen Sohn Benedikt an der Reise teilnehmen lassen.

Am Morgen des 19. Februar wurden die vier Baganda in feierlichem Zuge in die Basilika geleitet, wo sich die Weißen Väter und Schwestern aus dem Mutterhause und dem Noviziat, der Ordens- und Weltklerus und die Katholiken von Algier und Umgebung zur Feier versammelt hatten. Nach dem Pontifikalamt, das Bischof Streicher von Uganda unter Assistenz des Bischofs Livinhac, des Generaloberen der Weißen Väter, zelebrierte, las Stanislaus Mugwanja mit fester Stimme die feierliche Weihe vor: 

‚O heiligste Jungfrau Maria, unsere Mutter, schaue auf uns Kinder Ugandas, die wir hier vor dir knien. 

Wir sind gekommen, um dir in unserem Namen und in dem aller katholischen Baganda Dank zu sagen für die wunderbare Ausbreitung, welche unsere heilige Religion in unserem Land genommen hat. 

Wir danken dir auch für die große Anzahl seeleneifriger Priester, die du zu uns gesandt hast, damit sie uns in den Wahrheiten des Glaubens unterrichten. Wir weihen dir unser Land und unterstellen es deiner Obhut. 

Nimm unsere Weihe huldvoll an und erwirke allen jenen, die unseren heiligen Glauben bereits angenommen haben, die Gnade, ihm treu zu bleiben, jenen unserer Landsleute aber, die dich noch nicht kennen, sowie die Völker rings umher, das unschätzbare Glück, katholisch zu werden und so dahin gelangen, in Wahrheit Jesus, unseren Herrn und Seligmacher, kennen und lieben zu lernen. 

Stanislaus Mugwanja, Alexis Pokino, Josefu Wulugembe.‘

‚Wiewohl wir die Worte nicht verstanden‘, schreibt ein Augenzeuge, ‚hörten wir doch aus seinem Vortrag die tiefe Ergriffenheit heraus.‘

Die schönste Freude bot dieser Tag dem greisen Generalobern der Weißen Väter[7], der als einer der ersten die frohe Botschaft in Uganda verkündet und als Oberhirte der Kirche Ugandas die blutige Verfolgung in ihrer ganzen Bitterkeit verkostet hatte.“

Wie bereits in den frühesten Tagen des Wallfahrtsortes, als sich Muslime den Prozessionen zu Notre-Dame du Ravin anschlossen, so ist die Basilika Unserer Lieben Frau von Afrika auch heute, über 60 Jahre nach Ende der französischen Herrschaft über Algerien und dem fast vollständigen Exodus der christlichen Bevölkerung, eine Stätte, an dem viele Anhänger des Islams sich den Segen von „Meriem“ erbitten. Möge Msgr. Pavys Wunsch in Erfüllung gehen und die Mutter Gottes ihnen die Erkenntnis von der Göttlichkeit ihres Sohnes Jesus Christus vermitteln.



[1] Msgr. Pavy lernte die beiden tugendhaften Frauen, die sich gemeinsam Werken der Nächstenliebe widmeten, als Vikar der Lyoner Pfarrei Saint-Bonaventure kennen.
[2] https://lesfrancais.press/algerie-la-basilique-de-notre-dame-dafrique-a-fete-ses-150-ans/
[3] Heute Bologhine genannt.
[4] Bilhard, A.: Pèlerinage de Notre-Dame d’Afrique à Alger. impr. de Lamarque et Rives, Toulouse 1858
[5] Msgr. Pavys Leichnam wurde auf seinen Wunsch nach der Fertigstellung der Basilika dorthin übertragen und vor dem Hochaltar bestattet.
[6] Lavigerie, Charles:  Notice sur le pèlerinage de Notre-Dame d'Afrique à Alger (2e éd. revue, corrigée et augmentée). Algier 1924
[7] Msgr. Léon Livinhac, erster Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Aktuell: Ein katholischer König stirbt im Exil

(Bildquelle: Rwanda Library)

Am Sonntag starb der letzte gesalbte katholische König Afrikas, Kigeli V. Ndahindurwa von Ruanda, im Alter von 80 Jahren im Exil in der Nähe von Washington, D.C.

Er konvertierte als Jugendlicher zum katholischen Glauben und erhielt in der Taufe den Namen Jean-Baptiste. Zuvor hatte sein älterer Bruder und Vorgänger, Mutara III., diesen Schritt unternommen, nachdem er von dem Apostolischen Vikar Léon Classe M.Afr. im Glauben unterrichtet worden war. 

Kigeli bestieg nach dem frühen Tod seines Bruders im Jahr 1959 den Thron, wurde aber durch ein Referendum im Jahr 1961 abgesetzt und lebte danach in verschiedenen Ländern im Exil, zuletzt in den USA.

Der König war ein Freund der alten Messe und einer der prominenten Unterzeichner der Petition an Papst Franziskus vor der Familiensynode.


Requiescat in pace.

Montag, 3. Oktober 2016

Wie die heilige Theresia vom Kinde Jesu in Afrika wirkte


Ein Missionär der Weißen Väter berichtete im Jahr 1910 von der Hilfe, die er in seinem Apostolat in Afrika durch die Fürsprache der Heiligen erfuhr:

„Fast in allen Hütten unserer Christen und in allen Räumen, wo Religionsunterricht erteilt wird, habe ich das Bild der Heiligen anbringen lassen. Jedermann fragt mich, wer die kleine bihira, Jungfrau, sei. Ich habe also meine Schüler zusammengerufen, ihnen das Leben der Schwester Theresia erzählt und ihnen gesagt, dass sie große Macht bei Gott habe. Dann habe ich ihr Bild unter sie verteilt und ihnen empfohlen, ihre Fürbitte für die Bekehrung des ganzen Landes anzurufen. Sie haben es getan. Nun kommen seit jenem Tage die Heiden zum Religionsunterricht nicht einzeln, sondern in dichten Massen, und am Sonntag ist der Hof der Station überfüllt … Dabei ist zu beachten, dass viele der armen Leute aus Dörfern kommen, die ich nie besucht habe und die vorher den Missionären wenn nicht feindlich, so doch ganz und gar gleichgültig gegenüberstanden.“


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Samstag, 27. August 2016

Missionsflugzeugweihe in Trier

Abtei St. Matthias in Trier

Es war ein sinniger Gedanke der Miva [Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft], das neue Missionsflugzeug „St. Matthias“ nach dem Namen des einzigen Apostels zu benennen, der sein Grab diesseits der Alpen fand, die Weihe selbst am Orte vorzunehmen, den Kardinal Pacelli in einer Rede vom 31. August 1927 als Eingangspforte des Evangeliums Jesu Christi auf dem Boden des heutigen Deutschland bezeichnete, vor dem Grabe des Apostels das Flugzeug aufzustellen und hier vor 8.000 Menschen den Segen der Kirche auf die Maschine herabzurufen, die ganz in den Dienst der Glaubensverkündigung gestellt werden soll.

Die ganze Diözese Trier nahm an der Feier lebhaftesten Anteil, nicht zuletzt deshalb, weil der „Fliegende Pater“ das Flugzeug in einer Triumphfahrt an Rhein und Mosel entlang über die Landstraße nach Trier brachte und diese Triumphfahrt nach der Weihe durch das Saargebiet und die Eifel fortsetzte. Namentlich an der Mosel wurde die Karawane begeistert begrüßt. […]

Am Weihetag selbst nahm die ganze Stadt Trier, für die ein allgemeiner Missionssonntag angesetzt war, Anteil am Feste, das Bischof Bornewasser später als ein religiöses Erlebnis ganz besonderer Art bezeichnete. Ein herrlicher Anblick bot sich am Morgen des 1. März, als nach dem Pontifikalamt in der Benediktinerabtei St. Matthias der Bischof mit großem Gefolge auf den Freihof vor der uralten prächtigen Basilika trat. In langen Reihen sah man die Benediktiner, Angehörige des Ordens, der so große Verdienste um die Weltmission hat. Dann folgten in ihren weißen Gewändern die vielen in Trier wohnenden Weißen Väter, deren Ordenskleid sogleich die Phantasie in das Reich der Missionen führt.

Der Bischof schritt die Stufen eines vor der Basilika errichteten hohen Altars hinauf und sprach von dort zu der riesigen Menschenmenge:

„Noch niemals ist einer kleinen Gruppe von Menschen ein so weltumspannender Befehl gegeben worden wie jener: ‚Gehet hin und lehret alle Völker und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe.‘ Die Apostel haben das Wort tief in ihre Seele geschrieben. Mühselige Fahrten und Reisen machten sie in ferne Länder, mühselige Fußwanderungen, um den Gottesbefehl auszuführen. Sie ahnten es nicht, dass die Nachfolger der Apostel einst ‚auf den Flügeln des Windes‘ den Befehl ihres Meister erfüllen könnten… Unsere heilige Kirche, die immer ihre Hand am Pulsschlag der Zeit hält, die vom Geiste Christi erfüllt ist und Christi Willen durchführt, will durch mich das Flugzeug weihen, damit es hinauszieht, um das Evangelium Jesu Christi durch das Wort der Glaubensboten denen zu verkünden, die das Evangelium noch nicht kennen, um schnell und sicher heiligmachendes Leben zu bringen auch der Seele des letzten schwarzen Heidenkindes, das ebenso eine unsterbliche Seele in sich trägt wie der nordische Germane, ebenso eine unsterbliche Seele, für die Christus starb.“

Der Bischof gab dann eine feinsinnige Erklärung der kirchlichen Weihegebete, die später in deutscher Sprache vom ganzen Volk mitgebetet wurden, nachdem der Bischof die Weihe in der Kirchensprache vollzogen hatte […]


(Aus: die katholischen Missionen, 1936; S. 133)

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Kardinal Costantini über die Wichtigkeit des einheimischen Klerus

 Celso Kardinal Costantini (Quelle)


Aus einem Brief des Sekretärs der Propaganda, des späteren Kardinals Celso Costantini, an den Generalsuperior der Weißen Väter vom 28. Januar 1952:

„das Werk des einheimischen Klerus…ist zweifellos und bei weitem das wichtigste der missionarischen Tätigkeiten
.


(Aus: Die Weltmission der katholischen Kirche, 9/10 1953)

Samstag, 3. Oktober 2015

Die heilige Theresia von Lisieux, Patronin der Missionen


Die so beliebte Theresia vom Kinde Jesus, die heutige Tagesheilige, war und ist eng mit der Mission verbunden. Bereits ihre heiligen Eltern baten Gott um einen „kleinen Missionär“. Sie ahnten aber wohl kaum, dass es sich dabei um ihre jüngste Tochter handeln würde. Gerne wollte die hl. Theresia selbst in die Mission nach Vietnam. Sie sagte: „Ich möchte nach Hanoi gehen, um viel für den lieben Gott zu leiden; ich möchte hingehen, um ganz allein zu sein, um keinen Trost, keine Freude auf Erden zu haben.“

P. Adolphe Roulland M.E.P.

Der Wunsch nach der körperlichen Anwesenheit in den Missionsländern blieb ihr zwar verwehrt, auf Geheiß ihrer Oberin verband sie aber eine geistige Bruderschaft mit zwei Missionären, mit P. Roulland vom Pariser Missionsseminar in China und P. Bellière von den Weißen Vätern in Zentralafrika. Ihre Aufgabe war es, ganz besonders für die Mission dieser beiden Priester zu beten, im Gegenzug beteten die Missionäre für sie. Dem ersteren sagte sie, dass sie ihm Himmel viel nützlicher sein sollte. Und tatsächlich konnte P. Roulland nach ihrem Tod Folgendes berichten: „Ich kann bezeugen, dass in unseren japanischen, chinesischen und indischen Missionen der Glauben an die Macht der Fürbitte Schwester Theresias sehr verbreitet ist und dass sie einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die Bekehrung der Seelen und ihren Fortschritt in der Tugend ausübt. Besonders in Japan versichern viele der Trappistinnen, dass sie ihren Beruf der Fürbitte der Schwester Theresia vom Kinde Jesu verdanken, deren Leben sie gelesen haben.“

Msgr. Prosper Augouard C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Ubanghi

Auch in den Missionen der Weißen Väter wirkte ihre Fürsprache. So kamen zahlreiche Heiden von weit her, um in einer Mission am Religionsunterricht teilzunehmen, nachdem in fast allen Hütten der Christen und in den Räumen, wo der Unterricht stattfand, das Bild der Heiligen aufgehängt wurde. Der berühmte Missionsbischof Prosper Augouard, der im Kongo wirkte, bat 1910 die heilige Theresia, ihn von seinem Rheumatismus zu befreien, der ihn zur Tatenlosigkeit verdammt hätte, zog dann aber seine Bitte zurück zugunsten eines seiner Priester, der an der tödlichen Schlafkrankheit litt. Schließlich wurden beide geheilt und der Kirchenfürst machte eine Pilgerfahrt nach Lisieux, um für die gewährte Gnade zu danken. Auch bat er Papst Pius X., bald ihre Seligsprechung einzuleiten.

1927, zwei Jahre nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie von Pius XI. neben dem großen hl. Franz Xaver zur Patronin der Missionen erklärt.


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Donnerstag, 3. September 2015

Papst Pius X. und die Missionen



Wusste Pius X. durch herzlichen persönlichen Verkehr mit den Machthabern ferner Lande die Interessen des Weltapostolats zu fördern, so erreichte er das in noch weit höherem Maße durch die innigsten Beziehungen, die er zu den Glaubensboten selber und deren Arbeitsgebieten unterhielt. Überaus zahlreich sind die Briefe, die er nach allen Weltgegenden hin sandte, bald um zu einem Missionsjubiläum seine Glückwünsche darzubringen, bald um in großen Heimsuchungen Trost zu spenden, bald um geistliche Gnaden zu gewähren. Und wie er mit Schreiben nicht kargte, so kargte er auch nicht mit Spenden jeder Art. Für arme Missionskirchlein sandte er Paramente, für höhere Lehranstalten, wie die Jesuitenschule in Tokio, kostbare Werke für die Bibliothek, für durch den Krieg zerstörte Stätten der Barmherzigkeit, wie in Bulgarien, Geldspenden. 

Kamen aber die Missionäre und Missionsschwestern nach Rom, um entweder Bericht über ihre Tätigkeit zu erstatten oder den Segen für die bevorstehende Ausreise zu erbitten, so fanden sie einen Vater voll der Güte und Herablassung, der für die geringfügigsten Einzelheiten Interesse und Verständnis hatte. In einer Audienz vom 15. November 1903, die Pius X. dem kurz vorher mehrmals erkrankten P. Hartmann aus der Gesellschaft der Weißen Väter und einem Neger gewährte, bezeigte der Papst gerührt seine Teilnahme und erkundigte sich lebhaft über den jugendlichen schwarzen Begleiter. Als er hörte, dass der Jüngling nach Rom gekommen sei, um seine theologischen Studien im Kolleg der Propaganda zu machen, legte er ihm beide Hände auf den Krauskopf und zeichnete ihm dann ein großes Kreuz auf die Stirn, indem er sprach: „Ja, du wirst Priester werden.“

(…) Wollten wir den ganzen Umfang von Liebe und Verehrung, die die Missionäre und ihre Christen Pius X. entgegenbrachten, schildern, wir müssten Tatsachen erwähnen, worüber es einzig der Kirche zusteht, ein Urteil zu fällen. Es genüge zu sagen, dass sie ihn nicht nur als Vater mit dem guten Herzen betrachteten, sondern als einen Heiligen, den der Himmel mit Wunderkraft ausgerüstet habe, und sie scheuten sich nicht, diese Wunderkraft in Anspruch zu nehmen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 16. August 2015

Wie die Trauringe eines Kölner Ehepaars an die Hand eines schwarzen Bischofs kamen

Bischof Kiwanuka mit seinem Paten, daneben der Bischofsring

Dr. Joseph Kiwanuka M. Afr. aus Uganda war der erste Schwarze, der bei den von Kardinal Lavigerie gegründeten Missionaren Afrikas, wegen des weißen Habits besser bekannt als „Weiße Väter“, eintrat. Sein Onkel Achilles gehört zu den heiliggesprochenen Märtyrern Ugandas. Dr. Kiwanuka wurde am Christkönigsfest 1939 von Papst Pius XII. unter Assistenz von seinem Ordensbruder Bischof Henri Streicher M. Afr. im Vatikan zum Bischof geweiht. Die Aussage, dass er der erste schwarze Bischof Afrikas war, trifft nicht zu, da bereits 1930 de eritreische Priester Kidane Mariam Kassa die Bischofsweihe für den äthiopisch-katholischen Ritus empfing. Dennoch war Msgr. Kiwanuka wohl der erste Bantu, der seit den Zeiten des Tridentinischen Konzils zum Bischof geweiht wurde (ein Sohn des kongolesischen Königshauses, der gleichzeitig Bischof des Kongo war, war zum Konzil in Trient geladen, starb aber davor).

Ohne die tatkräftige Unterstützung einer deutschen Familie wäre Joseph Kiwanuka wie viele andere junge Männer aus den Missionsländern nie Priester geworden. Wie er während seines Deutschlandbesuchs im Jahr 1950 bei seinem Pontifikalamt im Kölner Dom berichtet, war seine Familie zu arm, um ihm die Seminarausbildung zu bezahlen. Da übernahm ein Ehepaar aus Köln die Patenschaft, stiftete selbstgenähte Paramente und schenkte ihm auch seinen Kelch. Der Bischof schrieb seinen Paten später selbst, dass seine liebsten Messgewänder auch nach seiner Bischofsweihe die waren, die er von ihnen als Geschenk erhalten hatte. Bei dem Pontifikalamt, zu dem auch der Pate oder „Vater“ geladen war – seine Frau war bereits verstorben – übergab ihm dieser die Eheringe als „Material“ für einen neuen Bischofsring. Der Bischof selbst sagte dazu in der Predigt: „Gestern habe ich erfahren, dass mein Vater [der Pate] mir heute nach diesem heiligen Opfer die beiden Trauringe schenken will. Das rührt mich bis ins Tiefste. Denn daraus soll mein neuer Bischofsring geschmiedet werden. Diese Eheringen sollen mich immer mahnen, ebenso selbstlos und rein zu bleiben in der Liebe zu Gott und zu allen Menschen wie meine Pateneltern, treu der großen Familie der Kinder Gottes, die mir anvertraut sind.“

Wie selbstlos sein Pate war, der beim Pontifikalamt im Chor beiwohnen und an den Stufen des Hochaltars vom Bischof die Kommunion empfangen durfte, zeigte dieser, als er der Presse verbot, seinen Namen zu veröffentlichen. Seine Begründung: Andere Menschen, die jahrelang unbemerkt große Opfer für die Glaubensverbreitung gebracht hätten, könnten sich zurückgesetzt fühlen. Er sei nur ihr Stellvertreter. Möge sein Name ins Buch des Lebens eingeschrieben sein.



(Quelle: Klaus Mund: der schwarze Bischof [das Buch ist leider nicht zu empfehlen, der Ton ist bereits etwas revolutionär])

Freitag, 13. Februar 2015

Kardinal Lavigeries Ratschläge und Anordnungen für seine Missionäre: unerschütterlicher Glaube



„Wenn die Missionare das Unglück hätten, den Geist des Glaubens zu verlieren, wenn sie soweit kämen, nur wie gewöhnliche Reisende und Forscher zu handeln, so würden sie sicher zu Grunde gehen. Nur der Glaubensgeist wird ihnen die Kraft geben, Herr zu werden über alle Schwächen der Natur; er allein wird ihnen den Mut verleihen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und trotz aller Widerwärtigkeiten und Misserfolge sich nicht entmutigen zu lassen. Eben derselbe Geist des Glaubens wird sie in den armen Ungläubigen und in den Neubekehrten trotz des religiösen und sittlichen Tiefstands die unsterblichen Seelen erblicken lassen, die mit dem Herzblut des Erlösers erkauft wurden. Endlich muss bei einem solchen Unternehmen der Missionar genug übernatürlichen Glauben haben, um unter Umständen von Gott sogar Wunder zu verlangen. Glaube, viel Glaube ist alles, was dazu notwendig ist. Dabei sollen die Missionare aber nie vergessen, dass sie aus sich selbst nichts vermögen und dass sie deshalb in allen ihren Anliegen ihre Zuflucht zum Gebet nehmen müssen, um die notwendigen Gnaden auf sich und ihre Arbeiten herabzuflehen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Sonntag, 8. Februar 2015

Kardinal Lavigeries Ratschläge und Anordnungen für seine Missionäre: Eintracht



„Ich beschwöre bei der Barmherzigkeit des göttlichen Heilands alle meine Söhne [die Weißen Väter], und wenn ich es könnte, würde ich mich vor einem jeden einzelnen auf die Knie werfen, um sie anzuflehen, sie möchten doch ja untereinander nach innen und außen die brüderliche Liebe üben. Wenn man sie je in Uneinigkeit und Unfrieden sehen sollte, wären sie die Ursache eines gewaltigen Unglücks und hinderten sicher die Bekehrung der Ungläubigen. Einigkeit, Liebe und wechselseitiges Ertragen sind so notwendig, dass man ohne sie nichts Gutes wirken kann. Es ist dies einer jener Hauptpunkte, deren häufigere Übertretung in keiner Weise geduldet werden kann, und wenn sie sich irgendwo finden sollte, müsste man sie um jeden Preis beseitigen, nötigenfalls sogar durch Entlassung der Schuldigen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Samstag, 6. Dezember 2014

Die Weißen Schwestern während der Hungersnot in Algerien



(…) Die Weißen Schwestern tun ihr Möglichstes, um diese Opfer des Hungers [die Kinder] dem Tod zu entreißen: sie betten sie weich und suchen mit mütterlicher Sorgfalt ihnen die stärkende Nahrung beizubringen, freilich in ganz geringer Menge, um sie nicht zu töten. Aber diese Kinder haben so sehr gelitten, dass beim Anblick dieser lang entbehrten Nahrung ein Ekel sie erfasst, so dass der Magen nicht mehr im Stande ist, sie anzunehmen, wenigstens nicht, sie zu behalten. Fünfzehn dieser Kinder sind dem Übermaß der ausgestandenen Entbehrungen bereits erlegen. Unter ihnen befand sich auch der ältere der beiden Knaben, deren ich in meinem ersten Brief erwähnt, die zwei Tage lang auf der Landstraße neben der Leiche ihrer Mutter ausgeharrt hatten. Er bereitete sich auf seinen Tod vor wie auf ein Fest, und seine frommen Fragen und Äußerungen rührten den Missionär zu Tränen. Auch die übrigen haben dieses Jammertal nicht verlassen, ohne ihre Eintrittskarte für den Himmel mitzunehmen.

(…) Schon seit Jahren haben die Schwestern den Trost, alle Sterbenden [in ihrem Spital], auch die Erwachsenen, taufen zu dürfen. Es ist dies die Frucht ihrer aufopfernden Hingabe und Krankenpflege. Die Araber sind infolge der Entbehrungen, des Klimas, der angeborenen Unreinlichkeit und der durch ihre Religion [den Islam] sanktionierten Laster Krankheiten ausgesetzt, von denen man in Europa sich schwer einen Begriff macht. Die davon Befallenen werden von ihren Familien häufig verstoßen und verlassen; auch wenn dies nicht der Fall ist, finden sie nie auch nur annähernd entsprechende Pflege. Ist es  da zu verwundern, dass der Anblick dieser weißgewandeten Schwestern, die ihr Vaterland, ihre Familie verlassen, um, selbst den verderblichen Einflüssen des Klimas ausgesetzt, sich liebend ihrer Pflege zu widmen, auf diese egoistischen Naturen einen niemals empfunden Eindruck macht und das wärmste Dankgefühl erregt? Ein wenig Nachdenken bringt sie dann zu dem Schluss, dass eine Religion, die eine solche Barmherzigkeit lehre, besser sein müsse als die ihre. Viele verlangen aus eigenem Antrieb, in derselben zu sterben. Bei anderen können die Missionäre ohne Anstand auf religiöses Gebiet übergehen, sobald sie die Kranken vom Arzt aufgegeben wissen, ohne die Freiheit des Gewissens im Geringsten zu beeinträchtigen. Die liebevolle Pflege, die ihnen zuteil geworden, hat uns ihr Herz gewonnen. „Ihr fremden Marabus“, sagen sie, „ihr wisst alles; ihr wisst auch, welches die beste Religion ist. Ihr wollt uns nicht betrügen, denn die Lüge hat eure Lippen nie berührt. Ja, ich will leben und sterben wie ihr!“ – Ein junges Mädchen befand sich seit 14 Tagen im Spital. Ihr Gaumen, ihr Hals waren vom Krebs zerfressen. Man fragte sie, ob sie nicht als Christin sterben wolle. „Aber darum bin ich ja hierhergekommen“, sagte sie einfach; „wenn ich nicht sterben wollte wie ihr, wäre ich bei meinen Eltern geblieben.“ – Ihr Tod war außerordentlich erbaulich.


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Mittwoch, 19. November 2014

Weihe der ersten Weißen Väter in Uganda an die Mutter Gottes


Im Mai des vergangenen Jahres beschlossen die Missionäre des Provikariats vom Nyanza, ihre Mission nochmals der unbefleckt empfangenen Jungfrau zu weihen, und den Weiheakt mit ihren Unterschriften unter der Muttergottes-Statue, die über dem Altar ihrer bescheidenen Kapelle angebracht ist, niederzulegen. Er lautet folgendermaßen:

"Heute, am letzten Tag des Maimonats, weihen wir Unterzeichnete, Missionäre von Uganda, die Nyanza-Mission von neuem der unbefleckten Jungfrau. Wir schenken und weihen dieser himmlischen Mutter unsere Seele und unseren Leib, unsere Arbeiten, unser ganzes Leben, unseren Tod und unsere Ewigkeit. Wir beschwören sie, selbst unsere Herrin und Oberin zu sein, damit wir durch sie, in ihr und mit ihr den Willen ihres göttlichen Sohnes erkennen, für dessen Ehre wir uns ganz hinzuopfern verlangen. Wir erklären, dass wir alles Gute, was hier gestiftet werden mag, Maria zu danken haben, und dass ihr alle Ehre davon gebührt. Zur Beglaubigung dessen haben wir diesen Akt unterzeichnet und ihn unter dem Bilde unserer guten Mutter und höchsten Herrin niedergelegt.

Schon früher berichteten wir, dass der König von Uganda an der Dysenterie erkrankte und durch P. Lourdel davon befreit wurde. Diese fast wunderbare Heilung, ohne Zweifel ein Geschenk der mächtigen Patronin, der die Missionäre feierlich sich und ihre Arbeit geweiht hatten, führte eine größere Annäherung zwischen diesen und dem König herbei. Sie hatten von neuem Unterredungen mit ihm über die Göttlichkeit unseres Glaubens, wie das Tagebuch der Mission berichtet. Dieselben fanden namentlich in den Monaten August und September statt. Eines Tages brachte ihm der Pater einen Katechismus mit Bildern und ein reich ausgestattetes arabisches Neues Testament. Sie gefielen dem König recht sehr, und er bat, diese beiden Bücher behalten zu dürfen, um sie eingehender zu prüfen. Beim Anblick des Bildes, welches die Verkündigung Mariä darstellt, fühlte er sich durch den Ausdruck der jungfräulichen Sittsamkeit getroffen, der auf dem Antlitz der Gottesmutter liegt, und seitdem fragt er bei allen Gemälden, wo die Jungfrau Maria sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Samstag, 8. November 2014

Taufexamen mit Hindernissen


„Vorigen Sonntag“, erzählte uns ein Missionär, „zog ich nach Sango [Uganda]. Drei alte Frauen knieten bei meiner Ankunft unter einem Feigenbaum, hübsch gewaschen und aus Ehrerbietung vor dem heiligen Taufsakrament das Haupthaar glatt abrasiert. Die drei Alten zählten miteinander wenigstens 260 Jahre.

 Ich fragte erst einiges aus dem Katechismus wie ich glaube, das Leichteste, das er enthält. Ihre Antworten sind ganz richtig. Sodann frage ich die älteste von den Dreien: ‚Was ist der Himmel?‘ Diese arme Alte wurde verwirrt, und indem sie mir zitternd ins Gesicht sah, antwortete sie: ‚Der Himmel ist ein Freudenort, wo wir ewig ruhen werden mit…mit…‘ Ich ermutigte sie, den Satz zu vollenden. Auf einmal fasste sie sich, und ihres Sieges gewiss, ergänzte sie entschlossen: ‚mit den Teufeln.‘ – Unglücklicherweise saß sie gerade in der Mitte. Ich wollte ihr ein bisschen helfen, aber die zwei Gefährtinnen, eifrig wie sie waren, kamen mir noch zuvor. Sie versetzten ihrer ungeschickten Freundin Rippenstöße, und eine rief in ihrer Entrüstung: ‚Du altes Weib, du wagst es noch, so zu lügen. Die glaubt noch dass der liebe Herrgott die Teufel in seinem Haus duldet! Pfui über dich!‘ 

Nun, der Irrtum war leicht berichtigt. Im Übrigen gehen die Weißen Väter bei der Spendung des Taufsakraments sehr vorsichtig zu Werke. Die Katechumenen werden erst nach längerer, eingehender Prüfung ihrer Sitten und ihrer religiösen Kenntnisse zur Taufe zugelassen. Nach mehrmonatlichem Unterricht im Katechismus wird ihnen ein Examen abgenommen. Es ist dies für die Schwarzen eine Zeit der größten Nöte und Ängste. Diejenigen, welche mit einer guten Note bedacht wurden, überlassen sich überströmenden Freudenergüssen, während die Zurückgesetzten reichliche Tränen vergießen. Jedoch kommen solche Misserfolge selten vor.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Der frühe Film im Dienst der Mission


Auf der Studenten-Missionstagung in Dayton wurde ein Film von mehreren Tausend Fuß Länge vorgeführt, der das Leben und Treiben der eingeborenen Christen von Uganda und das Wirken der Missionare zeigte. (Amerikanisches Familienblatt 1921, 250.) Es wird ferner gemeldet, dass von einer amerikanischen Gesellschaft Filmaufnahmen in den afrikanischen Missionen gemacht wurden, und zwar auf den Missionsfeldern der Weißen Väter, der Missionare von Mill-Hill und der Väter vom Heiligen Geist.


(Aus: die katholischen Missionen, 1922)

Montag, 22. September 2014

Mord an drei Weißen Vätern durch die Tuareg – angefachter Eifer bei den Mitbrüdern


 (…) Im Monat Januar zeigte Msgr. Lavigerie in einem Hirtenbrief über die algerische Mission die Abreise an mit den Worten: „Drei unserer Missionäre sind in diesem Augenblick im Gebiet der Tuaregs, auf der Reise nach Timbuktu, mit dem Auftrag und mit dem festen Vorsatz, entweder sich in der Hauptstadt des Sudans festzusetzen, oder daselbst für die Wahrheit ihr Leben zu lassen.“

 Diesen Auftrag haben sie erfüllt, sie haben ihr Leben gelassen für die Wahrheit. Nachdem sie die Mission, in welcher sie bisher gewirkt, unter den Chambas in der Nord-Sahara verlassen und in Gegenwart des Obern der Kongregation, des hochw. Herrn Deguerry, unter dem Gesang des Te Deum ihre Reise angetreten hatten, war keine Kunde von ihnen mehr gekommen. 

Man beunruhigte sich über dieses Stillschweigen nicht, weil man wusste, dass sie auf ihrer Wüstenreise wohl kaum Gelegenheit finden würden, Briefe in die Heimat zu senden. Da begann um Mitte April unter den Nomadenstämmen im Norden der Sahara sich das Gerücht zu verbreiten, die drei Missionäre seien ermordet worden; diesem Gerücht legte man kein Gewicht bei, bis eine Depesche aus Laghouat (El Arhuât) an den Generalgouverneur keinen Zweifel mehr gestattete. Straußenjäger hatten ihre Leichen an der Südgrenze der Sahara, aber entfernt von der gewöhnlichen Karawanenstraße, gefunden. Obgleich nähere Nachrichten über ihren Tod noch fehlen, so ist doch wohl sicher, dass sie von den sog. schwarzen Tuaregs oder Isghers ermordet wurden. Die Missionäre waren enthauptet worden, während ihr Führer, ein muhammedanischer Araber aus der Sahara, wie es schien, im Kampf mit Wunden bedeckt gefallen war. Diese verschiedene Todesart scheint anzudeuten, dass die drei Priester für den Glauben den Tod erlitten. Die Araber pflegen nie einen Muhammedaner zu enthaupten, während sie diese Todesart für die Christen gewöhnlich anwenden. 

Der hochw. Herr Deguerry ist abgereist, um die Leichen der Ermordeten abzuholen und nähere Erkundigungen über ihren Tod einzuziehen; vor seiner Rückkehr, die erst nach 1–2 Monaten erfolgen wird, werden wir wohl keine sichere Kunde erhalten. Unterdessen aber ist uns wohl erlaubt, anzunehmen, dass wir die Ermordeten als Märtyrer verehren dürfen, wenn wir auf die Gesinnung blicken, in der sie ihre gefährliche Reise antraten.

„In der Ungewissheit,“ – so schrieb z. B. P. Menoret in seinem unmittelbar vor der Reise abgefassten Testament – „welches Ende diese Reise nehmen und ob sie nicht der letzte Akt meines Lebens sein wird, erkläre und schwöre ich vor Gott, die Hand auf den heiligen Evangelien: 1. dass ich diese Reise nur unternehme zur größeren Ehre Gottes, um zu versuchen, die noch in der Finsternis des Todes lebenden Völker des Sudan zu Jesus Christus zu führen; 2. dass ich lebe und sterbe als demütiger und gehorsamer Sohn der heiligen katholischen und apostolischen römischen Kirche, in der kindlichen Anhänglichkeit an den Stellvertreter Christi, Papst Pius IX.“

Die Nachricht von der Ermordung der drei Missionäre wurde daher auch von ihren Mitbrüdern vielmehr als Freuden- denn als Trauerbotschaft aufgenommen, und in den Kirchen sang man statt eines Traueramtes ein Te Deum.

„Die Kirche,“ – so schrieb Msgr. Lavigerie an die Eltern der Ermordeten in einem herrlichen Brief, den wir bedauern nicht ganz aufnehmen zu können – „die Kirche triumphiert nicht wie die irdischen Gewalten. Diese können nur töten, um zum Sieg zu gelangen. Die Kirche aber hat ein Geheimnis, das sie über allen Widerstand den Sieg davontragen lässt; dieses Geheimnis besteht darin, dass ihre Kinder zu sterben wissen. 
Sie hätten es in Bezug auf Ihre Söhne begriffen, wenn Sie, wie ich, den Eindruck gesehen hätten, den die erste Kunde von ihrem seligen Tod auf ihre Mitbrüder ausübte, wenn Sie, wie ich, diese vor Enthusiasmus und lebendigem Glauben zitternden Stimmen gehört hätten, die gemeinschaftlich den ambrosianischen Lobgesang anstimmten, den nämlichen Lobgesang, unter dessen Klängen Ihre Söhne Ihre Reise angetreten hatten. 
Und nach dem Te Deum schworen alle mit lauter Stimme, sich aufzuopfern für das Land, welches das Blut ihrer Mitbrüder getrunken, und alle verlangten, ihnen in den Kampf nachzufolgen. Würde ihnen das Tor an der einen Seite geschlossen, wollten sie an einer anderen einzudringen suchen und sich nicht aufhalten lassen, bis sie in die Mitte dieses Reiches des Todes vorgedrungen wären. 
Das war nicht mehr bloß das Wort des großen Lehrer von Karthago: ‚Das Blut der Martyrer ist der Samen der Christen;‘ das Blut Ihrer Söhne zeigte sich schon als unerschöpfliche Quelle des Eifers für die afrikanische Glaubenspredigt.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Dienstag, 5. August 2014

Ein afrikanischer Katholik über die Folgen des ersten Weltkriegs in seiner Heimat und Aufruf zur Unterstützung des eigenen Seminars

Messe im österreichischen Hospital, Jerusalem (erster Weltkrieg)

Die Sudanchristen (d. h. aus dem französischen Sudan), insonderheit die von Uagha-Dugu (sic) im Mossigebiet, stellen sich ein gutes Zeugnis aus durch die Art und Weise, wie sie sich des 1916 gegründeten Knabenseminars annehmen. Sie verstanden ganz gut, dass die Gründung angesichts der gegenwärtigen Zeitlage von außen nicht die nötige Hilfe finden konnte. Kurz entschlossen, gründeten sie einen Unterstützungsausschuss, um die kleinen und kleinsten Monatsbeiträge bei den Christen einzusammeln. Der Kassierer liefert jeden Monat die erhaltene Summe an den Obern des Seminars ab. An die auswärts durch die Regierung beschäftigten Christen richtete er folgenden Aufruf:

„Mein lieber Freund! Ich tue Dir zu wissen, dass fast alle Priester und jene, die es in diesem Jahr werden sollten, zum Krieg einberufen worden sind. In dem Krieg sind viele Priester getötet oder verwundet worden. Durch diese Umstände können uns die Bischöfe keine Priester mehr schicken. Auch wenn der Krieg vorbei ist, werden wir noch lange ohne genügend Priester sein. Darum haben wir es für notwendig gehalten, in Uaghadugu eine Schule zu gründen, in der nur solche Schüler angenommen werden sollen, die fähig sind, Latein zu studieren. In allen Missionen hat man bereits solche Schulen gegründet, und man hat anderwärts schon eine kleine Zahl einheimischer Priester. Die Schule war darum durchaus nötig, damit wir auch Mossipriester bekommen. Dann wird unser Land viel rascher christlich werden. Wegen des Krieges ist es aber der heiligen katholischen Kirche unmöglich, uns die nötigen Mittel zu stellen. Darum haben wir einen Hilfsausschuss von 12 Mitgliedern gegründet. An der Spitze steht ein Präsident, ein Vizepräsident, ein Schriftführer und ein Kassierer. Wir sind der Meinung, wenn jeder monatlich nur etwas gibt, so haben wir genug, um die Schüler zu ernähren. Es genügt, wenn jeder gibt, was er kann, 10 oder 20 Centimes, oder selbst einen Franken, wenn er es fertig bringt und besonders viel Verdienste haben will. Ich bitte Dich, mir mitzuteilen, ob Du mittun willst.

Der Kassierer Johann Baptist Wedduda.“


Dass man der Anregung Folge leistete, bewies die Sammlung der zwei ersten Monate, die 359,35 Franken ergab (in Afrika!). Einer antwortete dem Kassierer, dass er sich monatlich für einen Franken einschreibe, und fügte bei: „Ich bitte Dich, auch einen Franken monatlich für mein kleines Töchterchen Johanna anzunehmen.“ Das Kind war noch nicht zwei Jahre alt. Der „Johanna“-Franken wird pünktlich jeden Monat entrichtet. Ein wahrhaft vorbildliches Verhalten eines Mannes, der noch gestern Heide gewesen. Angesichts dieses Geistes ist die äußere Entwicklung der Sudanmission zufriedenstellend.

(Aus: die katholischen Missionen, 1919)