Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Donnerstag, 15. Januar 2026

Kardinal Rauscher über das Steyler Missionswerk

 



Noch kurz vor seinem Tod im Jahr 1875 zeigte Kardinal Joseph Othmar von Rauscher, Fürsterzbischof von Wien, nach Arnold Janssens Besuch seine Unterstützung für das junge Steyler Missionswerk:

„Die Völker, denen das Licht des Christentums aufgegangen ist, erfüllen eine Pflicht der Dankbarkeit gegen den göttlichen Heiland, wenn sie sich ihm als Werkzeuge (der Heidenmission) leihen ... Herr A. Janßen unternimmt ein frommes, gottgefälliges Werk, dem der Herr Segen und Gedeihen verleihen möchte!“

Danken wir an diesem Fest des heiligen Arnold Janssen Gott dafür, dass dieser Wunsch des Kardinals so reich in Erfüllung gegangen ist.

Mittwoch, 7. Januar 2026

America's missionary crusader

Frater Clifford King (standing on the right) with his confreres after having received his missionary cross for China. (Source: Chicago Province SVD)

Fr. Clifford King was born in Upstate New York in 1888 and entered the Society of the Divine Word in Techny, IL in 1909, fulfilling his childhood desire of becoming a missionary. As a seminarian, he founded the Catholic Student Mission Crusade, which soon had thousands of members and about a million in 1963.

He was sent to China in 1919, still a "frater", to replace the German SVD missionaries who had been expelled during WWI. In 1920, the young missionary was ordained to the priesthood by Bishop Henninghaus, making him the first American priest of the Society of the Divine Word. Msgr. Froewis, who would become a mentor to Fr. King, preached the ordination retreat about holiness, zeal, and learning as characteristics of a missionary.

Fr. King served in many Chinese missions over the next 20 years, only fleeing from the Japanese in 1941 as they approached Beijing. Having arrived in the Philippines, Father soon was forced to escape the Emperor's troops again, this time on a submarine! After the war, he became the secretary of Cardinal Tien, SVD, a position he held until 1960, when at the age of 72, he volunteered for a leper hospital in Papua New Guinea. "I will certainly be happy in New Guinea; because I will work among the poorest of the poor, and God's mercy will be close to us", he said about his new work.

Six years later, King returned to the States, where he wrote his autobiography "I remember" while serving as a chaplain in an Iowa hospital. "America's missionary crusader" died in Techny in 1969.

China remained his great love. He would often start conversations with the words "When I was in China".

May he have joined China's martyrs and saints in Heaven!

Dienstag, 7. Oktober 2025

Die tschechoslowakischen Bischöfe über den Missionsberuf

 

Bischof Kmeťko bei der Grundsteinlegung des Missionshauses in Nitra

Fortsetzung von hier

Die ganze katholische Welt erglüht von Begeisterung für die Missionen. Die katholischen Völker bringen große Opfer für die Missionen, gewähren den Missionen Unterstützungen und bauen in der Heimat Missionshäuser, in welchen sie Missionäre ausbilden. Die Missionen brauchen Missionäre. Hier gilt das Wort: „Die Ernte ist zwar groß, aber der Arbeiter sind wenige.“ (Matth. 9, 37) Darum müssen katholischen Familien für die Missionen opfern, was ihnen das Liebste ist: ihre Söhne und ihre Töchter. Heute ist dies auch den katholischen Familien unseres Staates schon erleichtert. Auch in unserer Republik besteht ja schon die „Missionsgenossenschaft des Göttlichen Wortes“, die eben mit dem Bau ihres Zentralhauses in Nitra (Slowakei) begonnen hat. Dieses Missionshaus ist das erste und einzige in der ganzen Republik und es können Jünglinge, zukünftige Missionäre, aus der ganzen Republik dorthin entsendet werden. Die Missionsgenossenschaft des Göttlichen Wortes in Nitra nimmt nicht nur Slowaken als Zöglinge auf, sondern auch Tschechen, Deutsche und Ungarn, welche Beruf haben, entweder Missionspriester oder bloß Ordensbrüder zu werden.

Durch die Gründung eines Missionshauses in unserem Staate wird unsere Arbeit für die Missionen vervollständigt. Dadurch treten die gläubigen Katholiken unserer Heimat in die Reihen anderer katholischer Völker ein, die schon längste ihre Söhne und Töchter in die Missionen senden. Unser Glaube und unsere Liebe zur Kirche und unsere Ehre vor dem Auslande verlangen es, dass auch wir unsere Missionsanstalten haben. Und wie dies unserem katholischen Empfinden entspricht, beweist der außerordentliche Eifer der Genossenschaft des Göttlichen Wortes, welcher Orden, obzwar er erst drei Jahre bei uns besteht, außer vielen Ordensbrüdern bereits 100 Zöglinge hat, die sich auf den Missionspriesterberuf vorbereiten. Es erfüllt uns mit Freude, dass die katholischen Familien die Erhabenheit des Missionsgedankens voll begreifen und viele auch ihre Kinder bereitwillig diesem Werke opfern.

Teure Gläubige! Das begonnene Werk der Genossenschaft des Göttlichen Wortes muss dadurch vollendet werden, dass wir das neue Missionshaus  als gemeinsames Werk aller Gläubigen der ganzen Republik ansehen und es demzufolge gemeinsam unterstützen. Wir bitten euch, dieses Missionswerkes stets zu gedenken und mit Liebesgaben und Gebeten zu unterstützen, außer den bereits genannten Annalen des Werkes der Glaubensverbreitung auch die übrigen Missionsschriften zu abonnieren und zu lesen, namentlich die Zeitschrift „Stimmen aus den katholischen Missionen“, welche das Missionshaus der Mutter Gottes in Nitra herausgibt. Diese Zeitschrift wird Nachrichten über die Missionsbewegung bei uns in der Republik bringen und wird deshalb den Mitgliedern der Missionsvereine besonders empfohlen.

Niemand wolle einwenden, dass wir zu Hause wenig Priester und viele kirchliche Bedürfnisse haben und daher zuerst diesen entsprochen werden sollte. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um die Erfüllung des entschiedenen Willens Jesu Christi, um die Befolgung der Anordnung des Heiligen Vaters und um die Erlösung unsterblicher Seelen handelt. Eben dadurch, dass wir die Missionsbewegung unterstützen, wird bei uns ein größerer Eifer und regeres religiöses Leben entstehen, und je mehr Söhne wir dem Missionsberufe opfern, um so mehr eifrige Priester wird Gott für die religiösen Bedürfnisse der einheimischen Gläubigen erwecken. Die Missionstätigkeit schadet nicht der Entfaltung unseres heimatlichen Katholizismus, sondern in Gegenteil, je größer der Eifer und die Opferwilligkeit für die Missionen sein werden, umso schöner wird das kirchliche Leben in der Heimat erblühen.

Die hl. Kirche ruft uns alle zur Arbeit für die katholischen Missionen. Es handelt hier um eine außerordentlich wichtige Sache. Es wird behauptet, dass das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Missionen sei; in diesem Jahrhundert wird es sich entscheiden, ob die heidnischen Völker den Weg in die Kirche finden oder nicht. Von uns hängt es ab, von unseren Gebeten und Opfern, ob sich das Königtum Christi über die ganze Welt verbreiten wird, wodurch die Worte erfüllt werden: „Sein Königreich ist ein ewiges Königreich, und alle Völker werden ihm dienen und ihm gehorchen.“ (Officium Festi Regis.)

Jesus Christus, unser König, wird uns auch das kleinste gute Werk, das wir für die Missionen verrichten, reichlich lohnen. Er wird unsere Bemühungen und unsere Arbeiten im häuslichen Leben segnen und uns im ewigen Leben sich selbst als übergroßen Lohn geben. Durch die Missionstätigkeit sichern wir uns auch unsere eigene Rettung gemäß dem alten lateinischen Sprichworte: „Animam salvasti tuam prædestinasti“ – „Die Seele des Nächsten hast du gerettet, diene eigene hast du zur Rettung vorherbestimmt“. Einem anderen hast du zum Heile verholfen, Gott wird auch dich selig machen.

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 7, April 1927)

Sonntag, 5. Oktober 2025

Die tschechoslowakischen Bischöfe über das Gebet für die Missionen


Bischof Pavol Jantausch bei der Grundsteinlegung des Missionshauses der Steyler Missionare in Nitra (Slowakei)

Fortsetzung von hier

Diese ihre Sendung erfüllt die Kirche bis heute. Ja, wir sehen mit Freude, dass die Missionen der heiligen Kirche heute einen ungeahnten Aufschwung nehmen und sich die Begeisterung der Katholiken der ganzen Welt für die Missionen in erhebender Weise kundgibt. In der ganzen katholischen Welt weht Missionsgeist, die Völker wetteifern sozusagen in dieser Tätigkeit, so dass die heilige Kirche mit den besten Hoffnungen in die Zukunft blickt. An dieser erhabenen und heiligen Arbeit müsset auch ihr, teure Gläubige, Anteil nehmen.

Unser glorreich regierender Heiliger Vater Pius XI. hat zu Beginn dieses Jahres ein herrliches Rundschreiben erlassen, in dem er alle Gläubigen zur Arbeit für die Missionen aufruft und mit prophetischer Weisheit auch Richtlinien gibt, nach welchen diese Arbeit zu verrichten ist. Der Stellvertreter Christi, der gemeinsame Vater aller Völker, erweckt, belehrt und dringt mit väterlicher Sorgfalt darauf, dass die Missionsarbeiten bestens organisiert werden und alle Gläubigen, Priester und Laien, am Missionswerke Christi teilnehmen. Wir, eure Oberhirten, welche die Vorsehung Gottes auf den Posten dieses oberhirtlichen Amtes gestellt hat, die aber mit kindlichem Gehorsam gegen den Heiligen Vater, wie auch mit dem pflichtmäßigen Eifer für das Missionswerk erfüllt sind, wünschen nichts sehnlicher, als dass alle Weisungen des päpstlichen Aufrufes aufs treueste und vollkommenste verwirklicht werden. Darum wenden wir uns an euch, teure Gläubige, und wollen, dass jeder von euch zum Apostel des Missionswerkes werde. Wir sind überzeugt, dass ihr, in welchen der lebendige Glaube und die wahre Liebe zu Christus dem Herrn und seiner heiligen Kirche wohnt, diese unsere Anordnungen mit kindlicher Ergebenheit annehmen und bereitwillig erfüllen werden.

Wie soll also eure Missionstätigkeit im Sinne der Enzyklika des Heiligen Vaters beschaffen sein?

1. Sowohl die Bekehrung von Einzelpersonen als auch jene ganzer Völker hängt in erster Linie von der Gnade Gottes ab. Die Gnade Gottes allein kann den menschlichen Verstand erleuchten und die Herzen erwärmen, auf dass sie die Lehre Jesu Christi annehmen und sich seinem süßen Joche unterwerfen. Die Gnade Gottes muss jedoch erbeten werden. So wie einst das auserwählte Volk gefleht hat: „Tauet hernieder, ihr Himmel“ (Is. 45, 8), so müssen wir beständig beten und bitten, dass der allmächtige Gott seine Barmherzigkeit über die heidnischen Völker ausgieße und die Arbeit der Missionare segne. Wir fordern euch daher auf, mit euren Gebeten für die Bekehrung der Heiden nicht aufzuhören, und ordnen darum an:

a)       Bei den gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten, insbesondere bei den Rosenkranzandachten, die gewöhnlich im Monat Oktober und in der Fastenzeit gehalten werden, immer am Schlusse der Andacht ein Gebet für das Gedeihen der heiligen Missionen und ein Vaterunser und ein Ave Maria mit der Bitte: „Heiliger Franziskus Xaverius, bitte für uns!“ anzuschließen,

b)      In allen katholischen Jugenderziehungsanstalten (Seminarien, Waisenhäusern, Internaten usw.) nach den Morgengebeten täglich gemeinsam ein Vaterunser und ein Ave Maria mit der Bitte: „Heiliger Franziskus Xaverius, bitte für uns!“ für das Gedeihen der Missionen zu beten und außerdem die Jugend zu öfterem Gebete für die heilige Mission aufzufordern; denn der Heilige Vater bemerkt in seiner Missionsenzyklika: „Was könnte der himmlische Vater reinen und unschuldigen Seelen abschlagen? Außerdem erweckt ein solches Vorgehen die Hoffnung in uns, dass die zarte Jugend, die von jenem Augenblicke an, wo die ersten Blüten der Liebe in ihrem Herzen zu keimen begannen, für die Erlösung der Heiden zu wirken gewohnt war, mit Gottes Hilfe die Berufung zum Apostolate erlangen kann.“
Ähnlich wie das Gebet können auch gute Werke, Werke der Buße, der Abtötung, der christlichen Liebe und Barmherzigkeit, die auf die Meinung der Missionen verrichtet werden, die Barmherzigkeit Gottes herabziehen und Gnaden gewinnen, dass die Arbeit der Missionäre von Erfolg gekrönt sei. Außer dieser geistigen Hilfe, welcher die Missionen in erster Linie bedürfen, ist das Missionswerk auf die materielle Unterstützung der Gläubigen angewiesen. Es ist unnötig, eigens daran zu erinnern, dass die Ausbildung der Missionspriester in den Missionsanstalten ihre Reisen in ferne überseeische Gegenden, die Ausstattung und Erhaltung der Missionsstationen, Schulen und Waisenhäuser große Beträge erfordern. Diese materiellen Mittel muss die christliche Welt gewähren, denn die heidnischen Völker sind größtenteils arm und erwarten die Hilfe von den Missionären. Es ist unsere Pflicht, die Missionen auch materiell zu unterstützen, und darum möge jeder auch einen Geldbeitrag für das Missionswerk opfern …

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 7, April 1927)

Fortsetzung hier

Samstag, 4. Oktober 2025

Hirtenbrief der tschechoslowakischen Bischöfe über die Missionen


Erzbischof Karol Kmeťko, Bischof von Nitra, mit den ersten slowakischen Priestern der Gesellschaft des göttlichen Wortes. Er war ein großer Freund der Missionen und Förderer des Missionshauses der SVD in Nitra.

Als erster Episkopat der Welt veröffentlichten die tschechoslowakischen Bischöfe kurz vor dem Christkönigsfest 1926 ein Hirtenschreiben, das die Weisungen der Missionsenzyklika von Pius XI. zum Gegenstand hat. Hier einige Auszüge aus dem Schreiben, das heute nicht weniger relevant ist als damals:

Groß und erhaben ist dieses Königtum Christi, Millionen und Millionen bekennen: „Der Herr ist unser König, er wird uns retten.“ (Offertorium Festi Christi Regis) Dieses milde Königtum Christi ist aber noch nicht zu allen Menschen gekommen. Der größte Teil des Menschengeschlechtes, ungefähr 1.000 Millionen, erkennen und bekennen Christus den König noch nicht. Über diese herrscht noch die Tyrannei des Bösen, des Todes und der Finsternis. Wieviel seelische Not, Unglück und Schmerz bedeutet das! Diese größte Hälfte des Menschengeschlechtes kommt uns wie ein Wehklagender in düsterem, kaltem Gefängnis vor, wo kein Sonnenstrahl die Finsternis erhellt und die Kälte mildert, wo niemand Hilfe und Linderung gewährt. Und unser König und Herr wünscht und sehnt sich danach, dass auch diese armen Menschen, die Heiden und Irrgläubigen, in sein Reich aufgenommen werden und dessen Wohltaten genießen. Er ist ja dazu auf die Welt gekommen, um für alle zu leiden und zu sterben und ruft auch diesen zu: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ (Matth. 11, 28) Christus will also, dass alle zu ihm kommen und an ihn glauben. „Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den alleinigen, wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum“ (Joh. 17, 3). Christus will aber auch, dass diese durch Menschen zu ihm geführt werden. Jeder König erwartet von seinen treuen Untertanen, dass sie nicht nur sein Königtum anerkennen, sondern ihm auch die, welche zu seinem Reiche von rechtswegen gehören, gewinnen. Das verlangt auch Christus. „Gehet hin und lehret alle Völker“, ruft Christus, und dieser klare Auftrag gilt mehr oder weniger jedem Angehörigen des Reiches Christi.

Es kann uns daher nicht gleichgültig sein, ob wir uns um die Verbreitung des Königtums Christi unter den Heiden bemühen oder nicht. Die Liebe zu Christus gebietet uns, seine heilige Wahrheit zu verbreiten. Dasselbe predigt uns die Nächstenliebe und das Gefühl des Mitleids mit unseren armen Brüdern. Den Nächsten in Todesgefahr zu sehen und ihm nicht helfen zu wollen, wenn es in unserer Macht liegt, wäre Hartherzigkeit. Unsere Brüder, die Heiden, sind in der Gefahr ewigen Todes. Es ist, als ob diese heidnischen Völker uns zurufen würden: „Erbarmt euch unser, wenigstens ihr, unsere Freunde, ihr die ihr das unendliche Glück und die Wohltaten des Werkes Christi bereits empfindet und genießet!“ Wenn also nur ein kleines Fünkchen christlicher Liebe in uns ist, müssen wir der Worte Christi eingedenk sein: „Wahrlich sage ich euch, was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ (Mt. 25, 49). Und so macht uns sowohl die Liebe zu Christus als auch die Nächstenliebe die Teilnahme an der Glaubensverbreitung, d. i. an dem Missionswerke der heiligen Kirche, zur strengen Pflicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass es unsere Pflicht ist, die Missionen zu unterstützen. So hat es die Kirche immer aufgefasst und daher zu jeder Zeit ihr Augenmerk auf die Missionen gelenkt, indem sie ihre Gläubigen an diese ihre Pflichten gemahnt hat. Unsere Kirche ist die katholische, d. i. die allgemeine Kirche; es entspricht daher ihrem Wesen, den Schatz des Glaubens unter allen Völkern zu verbreiten.

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 7, April 1927)

Fortsetzung hier

Freitag, 26. September 2025

Nuntius Pacelli: Mission beherrschende Zukunftsaufgabe der Kirche

 

„Die Missionsfrage ist in den Mittelpunkt der gewaltigen Aufgaben gerückt, vor deren Lösung die katholische Kirche heute steht. Sie ist durch die Geschehnisse der letzten Zeiten ihre beherrschende Zukunftsfrage geworden. Der Heilige Stuhl weiß aber, wie viele Kräfte und Werte, natürliche und übernatürliche, die Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu ihrer glücklichen Lösung schon beigesteuert hat und noch beizusteuern vermag. Da war es mir Ehrensache und Herzensbedürfnis, der Einladung zu dem feierlichen Akte zu folgen, durch den Ihre Gesellschaft eine größere Zahl von jungen Priestern und Missionsbrüdern als je zuvor dem Missionsfelde weiht, und so zugleich meiner dankbaren Anerkennung für opferfreudiges Wirken in der Weltmission der katholischen Kirche Ausdruck zu geben.“

-   Erzbischof Eugenio Pacelli (nachmals Pius XII.), Apostolischer Nuntius in Deutschland, bei der Aussendung von 80 Missionaren am 1. August 1927 in Steyl

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 1 1927/28)

Samstag, 16. August 2025

Missionar auf zwei Kontinenten – Msgr. Franziskus Wolf S.V.D., Apostolischer Vikar von Ost-Neuguinea

Der Essener Bergmannssohn Franziskus Wolf kam 1890 im Alter von 14 Jahren nach Steyl, wo der heilige Gründer ihn in das ordenseigene Gymnasium aufnahm. Im Jahr 1895 trat Franziskus in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes ein und wurde nach seiner Priesterweihe 1899 in die damalige deutsche Kolonie Togoland entsandt. Besonders wirkte er dort zur Förderung des katholischen Schulwesens im Steyler Missionsgebiet. Es folgte 1911 die Ernennung zum Regionaloberen und 1914 zum ersten Apostolischen Vikar des neugeschaffenen Vikariats Lomé. Die Tragik der beiden Weltkriege sollte sein weiteres Leben begleiten. Seine Bischofsweihe in Steyl fiel auf den schicksalshaften 28. Juni 1914, den Tag, an dem Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Msgr. Wolf an der Rückkehr in sein Vikariat gehindert. Er warb während der Kriegszeit in der Heimat für die Sache der Weltmission und setzte sich nach dem Versailler Frieden, der die Vertreibung der deutschen Missionäre aus den Gebieten der Kriegssieger vorsah, weiter für eine Rückkehr der deutschen Glaubensboten nach Togo ein. Trotz der Intervention des Heiligen Stuhls blieb es dabei: Die Steyler Togomission war Geschichte.

Neues Wirkungsfeld in Neuguinea

Kathedrale in Alexishafen, Papua-Neuguinea

Wie viele andere ehemalige Togomissionare erhielt auch Bischof Wolf eine neue Missionsbestimmung: An Mariä Himmelfahrt 1923 traf er als Apostolischer Vikar des neuerrichteten Vikariats Ost-Neuguinea in der ehemaligen deutschen Kolonie ein. Hohe kirchliche Würdenträger in Australien, darunter der Apostolische Delegat Cattaneo, der Msgr. Wolf begleitete, hatten sich bei der australischen Regierung für die deutschen Missionare eingesetzt. Die Residenz des Bischofs war Alexishafen an der Küste, allerdings erstreckte sich die Mission dank der Vorstöße von P. Alfons Schäfer und Bruder Antonius Baas besonders in den folgenden Jahren auch auf das Gebiet des Bismarckgebirges im Landesinneren. Das Gebiet war schwer zugänglich, doch die MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgesellschaft) stellte ab Mitte der 1930er Jahre Flugzeuge bereit, zunächst die „Paulus“, dann die „Petrus“ und zuletzt die „Little Flower“, die am 6. August 1939 mit fünf Personen an Bord, darunter drei Patres, verunglückte. Der tödliche Unfall war eine schwere Prüfung für die Mission und ihren Bischof.

Der Zweite Weltkrieg

Die ersten Kriegsjahre verliefen ruhig, bis im Dezember 1942 die Japaner im Vikariat landeten und bald die meisten Missionsstationen besetzten, selbst jene im Inneren des Landes. Zusammen mit der einheimischen Bevölkerung wurden die Missionare samt Bischof von den japanischen Besatzern zu Bauarbeiten gezwungen. Nach und nach folgte die Internierung der Missionare, auch der Deutschen, die trotz ihrer Staatsangehörigkeit von den Japanern als alliierte Spitzel betrachtet wurden. Im Januar 1944 ordnete das japanische Oberkommando die Evakuierung des Gefangenenlagers auf der Vulkaninsel Manam an. Alle Steyler sowie Angehörige der lutherischen Mission und einige Halbeuropäer wurden auf das japanische Schiff „Dorish Maru“ gebracht. Bischof Wolf hatte sich vergeblich gegen den Abtransport starkgemacht, da er die Gefahren durch die alliierten Flieger kannte.

Der Fliegerangriff

Gegen 7:40 Uhr am 6. Februar 1944 griffen 20 amerikanische Flugzeuge die Dorish Maru das erste Mal an, ohne dass eine der abgeworfenen Bomben das Schiff getroffen hätte. Die japanische Besatzung hatte das Feuer erwidert und einen Angreifer abgeschossen. Zunächst blieben alle Insassen unverletzt, obwohl die Zivilisten auf Deck lagern mussten. Beim folgenden zweiten Angriff verfehlten die Bomben zwar erneut ihr Ziel, die Bordkanonen der Flieger richteten jedoch furchtbare Verheerung unter den Menschen auf Deck an: 7 Patres, 27 Schwestern und 12 Brüder wurden getötet, hinzu kamen weitere 16 Todesopfer unter den übrigen Zivilisten. Viele andere waren schwer verletzt, darunter auch Bischof Wolf, der während des 20-minütigen Angriffs die Generalabsolution erteilte. Er hatte einen Durchschuss der linken Schulter und Lunge erhalten. Die Toten wurden an der Küste bei Wewak abgeladen und in einem Massengrab beerdigt. Der Rest der Internierten musste die Weiterfahrt nach Hollandia in Indonesien (heute Jaypura) antreten. Die Japaner versuchten dort, die Überlebenden weiter zum Arbeiten zu zwingen. Die schlimmen Zustände im Lager forderten weitere Todesopfer. Msgr. Wolf lag in einer mit regendurchlässigen Blättern gedeckten Hütte am Boden. Trotz seines schlechten Zustands wünschte er stets als Letzter verbunden zu werden.

Heldenhaft ertragener Tod

Bruder Gerhoch schildert die letzten Tage seines Bischofs: „Ein starker Tropenregen setzte ein, und der Fußboden wurde zum Sumpf. Infolge der großen Hitze bildeten sich am ganzen Körper Blasen. Die Wunden eiterten. Moskitos quälten den Kranken bei Tag und Nacht. Blaue Fliegen sammelten sich auf den aufgebrochenen Lippen. Kein Laut der Klage kam über die Lippen. Als sein Tod bevorstand, versammelten sich alle Missionare um die Hütte des Sterbenden, um bei der Spendung der heiligen Sterbesakramente zugegen zu sein und sich von ihrem Oberhirten zu verabschieden. Vor dem Weggang erteilte er allen seinen letzten Segen. Still und unbemerkt entschlief er dann in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar.“

Nach dem Krieg wurden die sterblichen Überreste von Bischof Franziskus Wolf, dem ersten Apostolischen Vikar von Lomé und von Ost-Neuguinea, in der Kathedrale von Alexishafen bestattet. Seine Heimatgemeinde Essen-Borbeck hat ihn in einem Straßennamen geehrt. Als Glaubenszeuge wird er im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts geführt.

Dienstag, 20. August 2024

The glorious vocation of the missionary brother

Missionary brothers working with their apprentices in the Benedictine mission of Inkamana (South Africa)

"The missionary brother is the unknown apostle in the Catholic world mission. Inflamed by the love of God and of the souls in the heathen world, the missionary brother sacrifices his own self and all that is dear to him to help the missionary [priest] in foreign countries in converting, teaching and educating the natives.

The missionary brother carries out his apostolic work through the work of his hands. The calluses of his hands spell out the sermon of the price, but also of the blessing of Christian labor.

The missionary brother is of the greatest importance for the missionary priest, for the missionary work and for the missionary country. Without the dedicated work of the missionary brothers, the work of the missionary priests would experience the greatest obstacles. It is only through the missionary brother that the missionary's hands are freed for the service of souls. The missionary brother keeps many financial worries and expenses away from the mission; he takes care of the temporal, the material work, the house and the farm; he complements the missionary in conversion work, teaching and education. The missionary brother doubles the missionary's strength in many respects. Without a missionary brother, the missionary priest's hands are very often tied. The missionary brother is really the missionary's helping, supporting and complementary brother."

This quote by the great missiologist Fr. Robert Streit, O.M.I. emphasizes both how important the missionary brother is for successful missionary work and yet how little attention and appreciation this vocation has received—one might argue that it is virtually unknown in our days. Let us therefore take a closer look at the essential vocation of the missionary brother using historical examples.

Tradesmen of God

Since the discovery of the Americas, which ushered in the modern missionary era, missionary work has been mainly organized around mission stations that often resemble the monastic foundations that evangelized and civilized large parts of Europe. In addition to churches or chapels, many such mission stations had their own farming operations, workshops, schools, and sometimes also pharmacies and infirmaries. Naturally, this requires many skilled persons to fulfill these tasks—or in the early days of a particular mission, a small number of brothers who each had a great variety of skills. Before leaving for China in the mid-1880s, Br. Joseph Overlöper, S.V.D., a carpenter by trade, learned several other skills as well: candle making, soap making, glazing, bricklaying, painting, farming and gardening.


As Br. Joseph’s case shows, construction and farming skills understandably stood in very high demand in the missions. Many significant church buildings that could rival their European counterparts were constructed under the supervision of missionary brothers. Br. Petrus Gernert O.S.B., one of the Martyrs of Tokwon, oversaw the construction of Tokwon Abbey in Korea, in addition to directing the landscaping work surrounding the vast monastic premises. He also built several other chapels and churches for the mission in central Korea.

Some regions of the world posed particular difficulties with regard to building materials: virtually all churches in Papua New Guinea, from chapels to cathedrals, were built from wood. The wood had to be sourced from the country’s dense jungles, which meant that missionary brothers had to spend months at lumbering sites where they worked with their native crews.

Bishop Henninghaus with S.V.D. brothers in China

Brother cook’s demanding work was not as visible but played an essential role in maintaining the health and good spirits of the missionaries. When missionaries from far afield assembled at the main mission station for conferences and much needed vacations, the cook would serve European dishes that were a welcome dietary change for men who often only lived on sparse rations of native food.

The brothers who served as medics and pharmacists were not only able to cure diseases for which the sick could not find help among traditional healers, they opened the gates of Heaven to many, young and old, by instructing and baptizing patients who were at the doorstep of eternity.

The cathedral of Alexishafen, Papua New Guinea

Their trades often brought missionary brothers into close contact with the people of the country, with fellow workers, apprentices, patients or clients—and sometimes even with the powerful of this world. In the early stages of a mission among populations that lived as hunter-gatherers, the missionary brothers were the ones who introduced the future Christians to organized farming and crafts, thus ensuring a degree of material wellbeing that enabled a sedentary lifestyle and instilling knowledge that helped the natives keep pace with an increasingly Europeanized colonial society. In East Asia, missionary brothers took part in the technological exchange, especially at the Court of the Chinese Emperors. Brother Franz Stadlin, S.J., an expert watchmaker from Switzerland, was held in the highest regard by the Kangxi Emperor. When Stadlin died in 1740, the emperor held a lavish funeral ceremony for this humble religious. Many missionary brothers received deep insights into the culture and the language of the peoples of their missions. Several S.V.D. brothers were known as excellent speakers of the Chinese language who understood the Chinese mindset well. A popular brother could make a great apostle and increase the reputation of the missions among non-Christians significantly.

True missionaries

The missionary brothers were true missionaries, not only because they did all their work as consecrated men in the service of God and His Church, but also in virtue of their teaching and spreading the faith directly. Already in the early stages of the modern missionary period, St. Francis Xavier was keenly aware of the need for lay missionaries to complement missionary priests when educating children. As early as his first year in the missions, Francis Xavier asked St. Ignatius to send him auxiliary missionaries to teach children. Later he expressed the desire that every large missionary station with at least two priests would receive an auxiliary teacher to teach the catechism to children, visit the sick and baptize dying children. Saint Pedro de Gante is a premier example of a lay brother whose apostolate largely revolved around direct missionary work. He devised an innovative pictographic catechism with which he reached thousands of natives in Mexico in the early stages of the evangelization of the New World.

Pictographic catechism by Saint Pedro de Gante explaining the Most Holy Trinity

Men of prayer and sacrifice

“In the missions, they [the missionary brothers] shall love the natives with a tender and deep love, they shall pray without ceasing for their salvation and be willing to sacrifice everything for the spiritual benefit of their poor souls” (Chapter 8, Article 2 of the constitutions of the Spiritans)

In the lives of more than a few missionary brothers, we see this rule that Venerable Francis Libermann drew up for his own religious faithfully put into practice. The aforementioned Br. Joseph Overlöper preferred to travel at night so he could dedicate himself to undisturbed prayer. Br. Konstantin, a missionary in Togo, was the beekeeper of the S.V.D. mission. Countless times he was stung in the process, but the good brother turned it into a penance that he offered up for the success of the missions: “It does not matter. This is for the poor heathens.” How many hours did missionary brothers spend in front of the tabernacle after a day of exhausting work, in many cases in tropical climates!

Numerous missionary brothers sacrificed their health, dying an early death in the service of the missions. And there were brothers whom God chose for the highest form of sacrifice, martyrdom. Such was the case with St. Andreas Bauer, O.F.M., who was killed during the Boxer Rebellion in China, or the 13 Missionary Benedictine brothers who died in Communist death camps during the Korean War and whose beatification process has been initiated, just to name a few.

The missionary brother is not only an essential handyman for the missions, but he is also a true apostle. May we see a resurgence of this beautiful vocation.

Montag, 5. August 2024

Zeuge für das Gottesreich auf Erden – Msgr. Augustin Olbert S.V.D., Bischof von Tsingtao



Das Leben Augustin Olberts fiel in eine bewegte Zeit der Weltgeschichte. Im Jahr 1895 in der Bergstraßengemeinde Dossenheim geboren, wurde er während seiner Gymnasialzeit im Steyler Missionshaus St. Wendel wie so viele Kleriker zum Frontdienst im Ersten Weltkrieg gerufen. Nach seiner Rückkehr trat er 1920 ins Noviziat ein. Auf die Priesterweihe im Jahr 1926 folgte wenig später die Sendung nach China. Seine ersten Posten befanden sich in der Schantung-Mission der Steyler Missionare, darunter auch in Tsangkow, einer Vorstadt von Tsingtao. Es herrschte Aufruhr im Nordosten Chinas. Die Truppen der Zentralregierung durchzogen das Gebiet im Kampf gegen meuternde Armeen, und auch an den in China so häufigen Räuberbanden fehlte es nicht. In Tsangkow richtete P. Olbert eine ambulante Krankenpflege für die vielen Binnenflüchtlinge ein.

Im Jahr 1928 wurde er in den Distrikt Chucheng versetzt, wo der heilige Josef Freinademetz 50 Jahre vorher das Evangelium gepredigt hatte. Doch in 6 Jahren blieb die missionarische Ausbeute gering; Olberts Tätigkeit beschränkte sich so auf die bereits bestehenden Christengemeinden in der weitgehend heidnischen Umgebung.

Die Versetzung nach Kaomi im Jahr 1936 brachte gleichzeitig die Ernennung zum Provinzial der neuen Ordensregion „vom heiligen Kreuz“ mit sich, die die Vikariate Tsingtao und Lini umfasste. Eine der Hauptaufgaben des Regionals war es, den religiösen Geist der Mitbrüder zu stärken. Die einstweilige Ruhe in Schantung wurde bald durch den Einmarsch der Japaner gestört, die die Mission aber unbehelligt ließen. In dieser Zeit flüchteten sich tausende Chinesen in die Missionsstationen der Steyler Missionare. Nach der Stabilisierung der Lage machte sich P. Regional Olbert an den Bau eines neuen Ordenshauses und besuchte die Missionare auf ihren Stationen. In der „Kaomi-Korrespondenz“ behandelte er pastorale Fragen wie die christliche Überwindung des Aberglaubens. Eine harte Prüfung wurde der frühe Tod des Bischofs von Tsingtao, Georg Weig S.V.D., im Oktober 1941. Mit dem Fortschreiten des Zweiten Weltkriegs verschlechterte sich die Situation der Mission. Die Gegend wurde kommunistisch unterwandert, 1942 wurde P. August Hättig, 1944 P. August Müller ermordet.

Das offizielle Ende des Zweiten Weltkriegs brachte für China nur die Veränderung, dass nun der Bürgerkrieg zwischen Kuomintang und Kommunisten wieder aufflammte. Noch stand Tsingtao unter dem Schutz der Amerikaner, und P. Olbert fand Zuflucht bei Bischof Tien. Dieser wurde jedoch bald zum Kardinal und Erzbischof von Peking ernannt, wodurch Olbert als Provikar zeitweise die bischöflichen Aufgaben übernehmen musste, bevor er 1948 selbst zum Bischof von Tsingtao ernannt wurde. Bei seiner Inthronisation sagte Bischof Olbert: „Wir wollen in heiliger Pflichterfüllung treu ausharren, wenn alles um uns fällt, um zuletzt wenigstens Zeugen für das Gottesreich auf Erden zu opfern und – wenn es sein muss – zu verbluten.“

Im Oktober 1949 wurde schließlich die Volksrepublik ausgerufen; Tsingtao war bereits im Juni in die Hände der Kommunisten gefallen. Die offizielle religiöse Toleranz der frühen kommunistischen Herrschaft nutzte Bischof Olbert, um 40 Präsidien der Legion Mariens zu gründen, die in China die Speerspitze des katholischen Widerstands gegen den Kommunismus bildete. Der religiöse Eifer der Katholiken wuchs, gleichzeitig wurden die Schwierigkeiten durch die neue Regierung immer größer. Bald war die Schule ganz für die katholische Mission verloren. Antireligiöse Hetze trat an ihre Stelle. Es folgte die Verhaftung von Legionären und die Agitation zur Gründung der staatlich gelenkten „patriotischen Kirche Chinas“. In der Nacht auf den 4. August 1951 wurde schließlich auch Bischof Olbert mit einigen Missionaren verhaftet. In stundenlangen Verhören, oft unter schwerer Folter, musste der Missionsbischof seine „Sünden“ gegen Volk und Staat erforschen. In typisch kommunistischer Manier wurden dann einige Waffen und ein Radio zusammengetragen, neben den der „Volksfeind“ für ein Foto posieren musste, als Beweis für die angeblichen imperialistischen Machenschaften der Missionare. Die darauffolgende Haft des Bischofs wurde zu einer psychischen Tortur, da sein Zellennachbar, ein Katholik, ihn ständig dazu drängen wollte, zuzugeben, dass eine „unabhängige“ chinesische Kirche einen eigenen Papst wählen dürfte. Dem Mann war versprochen worden, dass er sich und seine Familie durch diesen Dienst an der kommunistischen Sache retten könnte. Die schlimmste Strafe folgte im Juni 1953, als Bischof Olbert, der sein Missionsgebiet um keinen Preis verlassen wollte, schließlich aus China ausgewiesen wurde.

Statt sich von seinen Strapazen und den traumatischen Erlebnissen der Verfolgungszeit auszuruhen, entfaltete Olbert eine rege pastorale Betätigung als Weihbischof in seiner Heimatdiözese Freiburg, in deren Laufe er hundert Kirchen konsekrierte und mehr als hunderttausend Gläubigen das Sakrament der heiligen Firmung spendete. Msgr. Augustin Olbert S.V.D., der dritte Bischof von Tsingtao, starb am 18. November 1964 in Heidelberg. In seiner Grabrede zitierte Erzbischof Schäufele den Verstorbenen zu dessen bewegtem Leben: „Ich habe viel gelitten, und ich habe viel dabei gelernt. Ich danke Gott für alles.“

(Quelle: Steyler Missionschronik 1966)

Sonntag, 31. März 2024

Die Bekehrung – eine Auferstehung von den Toten

 

(Quelle: https://ccposters.com/)

Die Bekehrung eines Heiden ist wirklich eine Auferstehung von den Toten, eine Wirkung und ein Nachbild der Auferstehung Christi aus dunkler Grabesnacht. Das Heidentum ist ein Riesengrab, worin viele Millionen unsterblicher Seelen vom Tode der Sünde in tiefster Finsternis festgehalten werden. Der Tag der heiligen Taufe ist für diese geistig Toten der glückliche Ostermorgen, in dem sie ihre Auferstehung zu einem neuen Leben in Christus für Gott und für den Himmel feiern. Das katholische Missionswerk führt jährlich mehrere hunderttausend Heiden aus der Grabesnacht der Sünde zu dieser herrlichen Auferstehung von den Toten.

P. Hermann Fischer S.V.D. in „Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht“

Montag, 25. März 2024

Der Gekreuzigte – Mut und Kraft der Missionare

(Quelle: Chinese Christian Posters)

„Das Beispiel Jesu Christi am Kreuze hat durch alle Jahrhunderte die edelsten Männer [und Frauen] gedrängt, wie ihr Heiland sich ganz der Seelenrettung zu weihen, dafür zu leben und zu sterben. Schon die Apostel, die ersten Missionare, haben dieses Beispiel nachgeahmt; sie wurden Opfer der seelenrettenden Liebe. ‚Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe‘, so hat Jesus gesprochen und getan; so haben viele seiner Nachfolger zu allen Zeiten es ihm nachgemacht. Bis in unsere Zeit hinein haben viele Missionare ihr Leben im blutigen Martyrium für den Heiland und die von ihm erlösten Seelen dahingegeben; sie haben ein Erlöserleben geführt und Erlöserleiden erduldet. Den Mut und die Kraft dazu haben sie bei ihrem gekreuzigten Vorbild gefunden.“

P. Hermann Fischer S.V.D. in „Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht“

Samstag, 16. März 2024

Die Unumstößlichkeit der Missionspflicht

Die Pflicht der Ausbreitung des wahren Glaubens unter allen Völkern der Erde bleibt unter allen Umständen und in ganzer Strenge für die Christenheit bestehen, auch wenn Gott auf außergewöhnlichem, uns verborgenem Wege sehr viele Heiden zu seiner Erkenntnis und zum ewigen Heile führt. Es ist Gottes Gebot, das uns zum Missionsdienst verpflichtet, und die mündliche Verkündigung des wahren Glaubens ist und bleibt stets der normale Heilsweg.

Wenn aber auch viele Heiden ohne äußeren Anschluss an das Reich Jesu Christi gerettet werden, so bleibt es doch durch alle Ewigkeit ein großer Verlust, dass sie nicht zeitlebens im wahren Glauben und mit seinen reichen Gnadenmitteln für den Himmel gewirkt haben. Wieviel größer wäre ihre Seligkeit geworden, und so manche guten Werke zur Ehre Gottes sind ungeschehen geblieben.

Es muss uns also stets eine Herzenssache sein, das heilige Missionswerk zur Ausbreitung des wahren Glaubens nach Kräften zu fördern.

P. Hermann Fischer S.V.D. in „Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht“

Samstag, 27. Januar 2024

The golden age of Taiwan's indigenous missions

 

Internuncio Riberi with the queen and king of the Paiwan people. The monarchs received holy baptism from the Internuncio along with a number of the members of their tribe in the mid-1950s.

(Read Part I here and Part II here)

The fall of Beijing to the Communists in 1949 and the subsequent persecution of the Church in China not only caused thousands of Catholic laypeople to leave the mainland for Taiwan, but also brought a large number of native Chinese secular priests as well as missionaries, both Chinese and foreign, from a great number of religious orders to the island, such as the Jesuits, the Society of the Divine Word, Dominicans of the Teutonia Province, the native Chinese congregation of the Disciples of the Lord (Discipuli Domini), the native Sisters of the Oblates of the Holy Family, the Vincentians, the Camillians, and the Swiss Missionary Society of Bethlehem. 

In the early 1950s, the indigenous population of Taiwan numbered between 200,000 and 300,000[1].Belief in the native religious practices had already started to wane under Japanese rule, which clamped down on ritual headhunting, an important religious custom among certain tribes. This led to a greater openess towards Christianity. The large number of new missionaries and a growing interest in Catholicism among the native tribes meant that the Church could finally establish a lasting contact with the more remote tribes in the central mountain ranges and the eastern plains. The new missionary work was often characterized by mass movements of entire villages to enter the Church, such as 800 catechumens in three villages in the southeastern county of Taitung waiting to be baptized by the missionaries of Bethlehem. Sometimes “chance” encounters with the Catholic missions or Catholics proved to be providential, such as natives experiencing Catholic Mass while visiting the city or a fervent Catholic from the mainland sharing his faith with mountain tribes while attending to them as a medic. 

Yet there were also a number of obstacles the missionaries had to grapple with. The large number of requests for missionaries meant that even the large influx of priests and religious from the mainland was not enough to satisfy the demand. A system was adopted by several missions through which a group of indigenous Formosans would be sent to spend a month at a mission station where they would learn the most important truths of the Faith, which they would then hand down to the people in their villages. This offered the benefit of alleviating the lack of missionary personnel, but at the same time posed the traditional danger of mistranslation of theological concepts. Especially in the early 1950s, very few mainland missionaries were familiar with the Formosan languages. Due to the Japanese colonial period, the natives from the ages of 20 to 50 spoke Japanese fluently and there were Japanese dictionaries for some Formosan languages. But this did not help if their foreign missionary only spoke Mandarin or another Chinese language. Even if missionaries who were new to Taiwan visited the villages and watched the native catechist deliver his lessons using the large catechism posters common in the Chinese missions, the missionaries could not know whether the terms were correct or the delivery theologically sound. In one case, Fr. Castor Osorno, O.P., a Spanish Dominican who spoke the Paiwan language, suggested using the Japanese word akuma for devil or demon, as the islanders did not seem to have an equivalent in their language. The catechists did not agree with such usage, despite children showing fear when the word was uttered. In other places, among the Tsou people for example, Japanese loanwords like Seilei (Holy Spirit) were readily accepted as their own. This is just one example for the complex theological and missiological questions the missionaries faced, not to mention the need for a deep study of the customs of each tribe. Of this time Fr. Jakob Hilber, SMB, a Swiss missionary in Taitung, wrote: “So we work here, it would seem, against all rules of missiology, solely focused on bringing in the rich harvest which the Lord gives so abundantly—the mission Hwalien, to which Taitung belongs, has over 10,000 catechumens—in time.” The missionaries not only struggled with the languages, the large workload, and missiological questions, but at times had to face Taiwanese bureaucracy as well. Although Generalissimo Chiang Kai-Shek favored the Catholic missions in general and even wished for more missionaries for the indigenous tribes, access to the mountain tribes was made difficult through the requirement of the so-called “mountain pass”. This document gave outsiders access to the tribal areas but had to be renewed on a regular basis with the authorities. The pass was handed out reluctantly, especially when it came to the area of the Bunun tribe. The Swiss missionaries of the SMB also faced a unique problem: the Swiss government had recognized the Communist rule over the mainland early on, so the SMB missionaries were looked upon with a certain suspicion by the authorities. Lists were required of all attendees of the Christmas Mass at the mission, just as of any other meeting held at the parishes. When given the opportunity, Fr. Hilber would confront policemen who were following him so closely despite Taiwan having religious freedom. When comparisons were drawn to mainland China, where religious freedom only existed on paper, the authorities started to back off.

Fr. Alfred Giger, SMB. blessing the boats of the Tao people. Fr. Giger of the Bethlehem missionaries pioneered the missions on Orchid Island, studying the language and customs of the people and creating a vocational school to improve the indigenous' economic and social situation in a new Taiwanese society. He died in a car crash in Taipei in 1970 after 16 years of missionary work on Orchid Island.
(Picture courtesy of Missionsgesellschaft Bethlehem)


According to Fr. Ernst Böhm, 10,000 native Formosans entered the Catholic Church in the period from 1953 to 1966. Some also converted from Protestantism, especially Presbyterianism, to the Catholic faith. Interestingly, the argument of the antiquity of the Catholic Church seems to have been one of the main factors for Protestant Formosans to convert to Catholicism. The Catholic missionaries also tried to understand the aboriginal culture more deeply. Some members of the Tsou felt drawn to the Church when the Mayavsi feast was celebrated with a Mass instead of the offering to the spirits the pagans had made in times past. The Protestants had abolished the feast altogether, apparently not making an attempt of inculturation. Similar feasts of the Ami, the Saisiyat, and the Atayal were also “baptized”, while the Protestants rejected them in their entirety.

Since the 1970s, the Church in Taiwan has dealt with similar problems as in the West, such as a rise of materialism and a decrease in missionary activity and fervor. This of course also affected the indigenous Catholic population. In additon, it has been said that not all conversions during the “golden era” of the indigenous mission were sincere or inspired by a true understand of the teachings of Catholicism. Yet there have been clear signs of the indigenous mission reaching maturity, with dozens of native priests serving the Church today, especially the Diocese of Hwalien. Some liturgical and biblical texts have been translated into Formosan languages, such as the Four Gosples in Tsou by Fr. Weber, SVD. The consecration of two native bishops, Msgr. John-Baptist Tseng of the Puyuma people in 1998, and more recently of Msgr. Norbert Pu, Bishop of Chiyai, in 2022, shows how the missions among Taiwan’s indigenous tribes has reached its final stage of development, the implantation of the Church (plantatio ecclesiae) through a native hierarchy.

The great movement of Taiwan's indigenous peoples towards the Church in the 1950s and 1960s was likened to a pentecost on a small scale. A number of factors such as a loss of belief in the ancestral religions and the great influx of missionaries from the Chinese mainland worked together providentially to create one of the most interesting times of recent missionary history. May it receive greater attention in future missiological studies.

Sources:

Ernst Böhm, SVD., “Missionserfolg auf Formosa – Warum?”, Steyler Missionchronik 1967

Rudolf Frisch, SVD , “Gruß aus U-fung”, Steyler Missionschronik 1963

Several articles from “Die katholischen Missionen”, 1953–1954 and 1955–1957

UCA NEWS, Bishop praises past missioners for preserving indigenous languages

Missions Etrangères de Paris, “Dans le diocèse catholique de Hualien, dont 95 % des fidèles sont des aborigènes, le nouvel évêque reste un Chinois Han”

Anton Weber, SVD “Mission Experiences in Taiwan, with a Focus on the Indigenous Tsou People”

Missionsgesellschaft Bethlehem SMB, “Das missionarische Umfeld der ersten Jahre


[1] The statistics given in contemporary Catholic publications often diverge considerably.

Samstag, 16. Dezember 2023

Digitale Galerie zur Chinamission von der Whitworth University


 Die Whitworth University (eine presbyterianische Universität in Washington State) hat eine bedeutende Sammlung von Fotoaufnahmen aus der Chinamission verschiedener christlicher Konfessionen online gestellt. Ganz besonders sehenswert sind hier die Einzelgalerien zu den katholischen Orden sowie der Société des Auxiliaires des Missions des um China so verdienten Pater Vincent Lebbe.

Die Bilder sind ein schönes Zeugnis für die Vitalität der chinesischen Kirche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts , deren Mitglieder sich später in den Drangsalen der kommunistischen Verfolgung oft heroisch bewährten. Gebe Gott, dass die Kirche in China sich bald wieder frei entfallen kann, wie es Papst Franziskus vor einigen Monaten wünschte.

https://digitalcommons.whitworth.edu/china_christian_missions/

P. Vinzent Lebbe mit Bischof Melchior Sun Dezhen C.M. und den kleinen Schwestern der hl. Theresa


Montag, 13. Februar 2023

Die größte Herausforderung des dritten Jahrtausends

 



Im Vorwort zum ersten Band der „Briefe nach China“[1] des hl. Arnold Janssen äußerte der damalige Generalsuperior der Steyler Missionsgesellschaft, P. Heinrich Barlage, dieses wahrhaft missionarische Verlangen:

„Zum Schluss möchte ich den Wunsch äußern, dass das Erleben jener Zeit und der geistliche Kontakt mit jener unerschrockenen Missionars-Generation das Interesse wachhalte für das große chinesische Volk, deren [sic] Bekehrung ohne Zweifel die größte Herausforderung für das dritte Jahrtausend darstellt.“

Möge dieser Wunsch immer mehr in Erfüllung gehen.




[1] Arnold Janssen SVD. Briefe nach China. Band I, 1879–1897. Herausgegeben und kommentiert von Josef Alt SVD. Steyler Verlag, Nettal. 2000.

Freitag, 9. Dezember 2022

Krippe und Mission – von P. Hermann Fischer (Teil 3)

 Fortsetzung von hier

Jede Krippe atmet diesen Frieden Christi.; um sie klingt das helle, warme Lied vom Seelenfrieden und ewigen Frieden, die das Kindlein gebracht hat.

Aber so viele fehlen noch an der Krippe, atmen nicht ihren Frieden, werden nicht beglückt von ihrem Friedenslied: die Sünder, die diesen Frieden nicht wollen; die Heiden, die ihn nicht kennen. Groß ist die Schar der Sünder; aber genügend viele Boten des Friedens bemühen sich um sie und ihre Seelennot. Größer ist die Zahl der Heiden, und den meisten fehlen die Führer zum göttlichen Friedenskönig in der Krippe.

Das katholische Missionswerk will ihnen helfen. Es ist die Erfindung und Gründung der Heilandsliebe Christi, um seinen Menschwerdungssegen auch jenen zu bringen, die noch hinter der düsteren Wolkenwand der Unwissenheit und Hoffnungslosigkeit leben. „Gehet in die ganze Welt, und lehret alle Völker, und taufet sie!“

Ein schönerer Auftrag wurde nie ausgesprochen; für eine herrlichere Aufgabe nie Menschen berufen. Das Missionswerk trägt den Weihnachtsfrieden und das Weihnachtsglück durch die Welt; es ist der immerwährende Weihnachtsengel, der den Heiden in ihrer Seelennacht aufleuchtet und sein Weihnachtslied singt: „Friede den Menschen auf Erden!“

Alle, die dem Missionswerk helfen, üben dieses Amt des Weihnachtsengels aus; sie tragen den Weihnachtsfrieden und das Weihnachtsglück in die Hütten der Heiden, jene köstlichen Güter, für die wir an der Krippe danken.

Dienstag, 29. November 2022

Krippe und Mission – von P. Hermann Fischer (Teil 1)

 


(…) Das ist das Bedeutsamste und Gewaltigste an dem lieblichen Weihnachtsereignis: Gott selbst ist wirklich in seiner Schöpfung, und er hat sich mit ihr vereinigt zur unzertrennlichen Lebens- und Liebesgemeinschaft, zugleich zur höchsten Offenbarung seiner Herrlichkeit und Güte.

Darum heißt die erste Strophe des Krippenliedes: „Ehre sei Gott!“ – Wo immer eine Krippe oder ein Kripplein steht, erklingt dieser Preisgesang am feierlichsten und eindrucksvollsten. Nichts kann so Gottes Größe und Liebe verkünden wie das Kindlein in der Krippe. Darum mehrt jede Krippe, wo immer sie aufgestellt wird, Gottes Ehre und verherrlicht seine Macht und Liebe.

Dieser größeren Ehre Gottes dient zuerst und vor allem das katholischen Missionswerk unter den Heidenvölkern. Über allen Missionsarbeiten, allen Gaben und Opfern für die Missionen steht das Weihnachtsprogramm: „Ehre sei Gott!“ Das ist ihr erster Zweck und Sinn, und keine sonstigen menschlichen Anstrengungen haben so viel für die Mehrung der Ehre Gottes in der Welt getan wie das Missionsapostolat. Es hat die Weihnachtsbotschaft und das Weihnachtsprogramm auf der ganzen Erde verkündet. Es ist selbst zur schönsten Krippe geworden, die das menschgewordene ewige Wort in alle Welt hinausgetragen hat und immer noch hinausträgt, damit allen Menschen offenbar werde die Weisheit, Allmacht und Liebe Gottes, alle Menschen einstimmen in das Weihnachtslied: „Ehre sei Gott!“

(Aus: Stadt Gottes, 58. Jahrgang 1934/35, Heft 4)

Fortsetzung hier

Mittwoch, 2. November 2022

Zum 125. Jahrestag der Ermordung von. P. Nies und P. Henle S.V.D. (Teil 2)

 

Das blutige Hemd von P. Nies


Fortsetzung von hier

Die Nachwirkungen

In der Nacht der Ermordung hatte Pater Henles Vater in der deutschen Heimat einen eigenartigen Traum. Er sah seinen Sohn im weißen Talar mit rotem Zingulum, von dunklen Gestalten umgeben, und fragte ihn darauf verwundert: „Aber, Richard, warum trägst du denn jetzt einen weißen Talar?“ worauf dieser antwortete: „Den trage ich von jetzt ab immer“. Auf diesen Traum, dessen Symbolik auf ein Martyrium P. Henles hindeutete, erkundete sich Herr Henle in Steyl über das Befinden seines einzigen Kindes. Am 4. November schließlich traf die Nachricht von der Ermordung der beiden Missionare ein.

Die Erschütterung war nicht nur bei den Missionaren in China, sondern auch in Steyl groß. Bischof Anzer, der Apostolische Vikar, hielt sich zu dieser Zeit zum Generalkapitel im Mutterhaus auf. Er wandte sich nun an Kaiser Wilhelm als den Protektor der Steyler Mission um Schutz für die Missionare, worauf dieser die Besetzung der Bucht von Kiautschou an der Küste der Provinz Schantung befahl. Anzer erlangte vom chinesischen Kaiser zudem den Bau dreier großer Sühnekirchen, die unter besonderen kaiserlichen Schutz gestellt wurden. Die Ermordung der beiden Patres hatte weitreichende weltpolitische Folgen, nicht zuletzt, da nun auch andere europäische Staaten Schutzgebiete an Chinas Küste beanspruchten. Der Fremdenhass wurde dadurch nicht verringert, sondern erreichte seinen Höhepunkt im Boxeraufstand von 1900. Wie sich später herausstellte, war es die „Sekte vom großen Messer“, wie die Boxer auch genannt wurden, gewesen, die für die Ermordung der beiden Missionare verantwortlich zeichnete.

Womöglich ist es diese politische Last, die dazu führte, dass die Seligsprechung der beiden ersten Märtyrer der S.V.D. nie betrieben wurde. Rein theologisch sprach nichts dagegen, hatte die Mordtat nach dem Urteil der Zeitzeugen die Zeichen eines wahren Martyriums. Mögen die beiden unabhängig von der öffentlichen kirchlichen Verehrung Fürsprecher für die Kirche Chinas und die Gesellschaft des göttlichen Wortes sein.

Dienstag, 1. November 2022

Zum 125. Jahrestag der Ermordung von. P. Nies und P. Henle S.V.D. (Teil 1)

Dieses Jahr jährt sich zum Fest Allerheiligen die Ermordung der ersten Märtyrer der Gesellschaft des göttlichen Wortes, P. Franz Xaver Nies und P. Richard Henle, zum 125. Mal. Die Folgen ihres Todes reichten weit über die Grenzen der Mission der S.V.D. in Südschantung hinaus und machten die Mordtat zu einem der bedeutendsten Ereignisse in der jüngeren Geschichte Chinas.

Werdegang der Patres Nies und Henle

Pater Franz Xaver Nies wurde am 11. Juni 1859 in Rehringhausen, heute Ortsteil von Olpe, geboren und trat 1879 in Steyl ein. Kurz nach seiner Priesterweihe im Jahr 1885 reiste er in die Mission nach Südschantung, wo er sich durch seine stille, demütige und fromme Art auszeichnete. Besondere Liebe zeigte er zum allerheiligsten Sakrament des Altares. So schrieb er am 15. September 1890 von einer Missionsstation: „Ich werde hier den Oktobermonat zubringen, weil ich das Allerheiligste hier aufbewahren kann. Zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich das Glück habe, den lieben Heiland Tag und Nacht in meiner Obhut zu haben. Ob es Ihm aber bei mir gefällt, weiß ich nicht. Ich will übrigens gerne alles tun, um Ihm Freude zu machen.“ Im Jahr 1892 erlitt er auf einer Reise eine schwere Armverletzung, die ihn über zwei Monate dienstunfähig machte und bleibende Schäden hinterließ. Kurz vor seiner Ermordung entging er knapp einem Anschlag auf sein Leben. P. Nies hatte bereits früh um die Gnade des Martyriums gebetet, sah sich aber vor Gott als unwürdig an.

Pater Richard Henle wurde am 21. Juli 1865 in Stetten bei Haigerloch geboren und galt bereits als Kind als sehr gewissenhaft in religiösen Dingen. Als 14-jähriger wurde er durch die Steyler Kinderzeitschrift „Schutzengel“ auf Arnold Janssens Gründung aufmerksam und trat im Jahr 1880 dort ein. Im Juni 1889 wurde er vom späteren Kölner Kardinal Anton Fischer zum Priester geweiht und zog drei Monate später, am 15. September, nach China aus. „Wie glücklich bin ich in China! Es ist ein schönes Leben, so als Missionar zu arbeiten. Ich bin stets wohl und gesund. Stets bin ich zu Pferde, heute da, morgen dort.“ So schrieb er nach Hause. Was das einzige Kind seinen betagten Eltern auch später nicht schrieb, waren die vielen Gefahren, denen er ausgesetzt war, sowohl durch die fremdenfeindlichen Einheimischen als auch durch Krankheiten oder sonstige Umstände des Missionslebens. Sein Mitbruder, der spätere Bischof Augustin Henninghaus, schrieb über ihn nach seinem Tod: „P. Henle war eine so liebenswürdige, edle Seele, wie man sie nur selten trifft. Welche Liebe er mir damals erwiesen, werde ich nie vergessen. Wenn ich auf Reisen gehen musste, ging er Stunden weit mit, nur um mir eine Freude zu machen, und wenn er die Zeit meiner Ankunft wusste, so kam er mir Stunden weit entgegen. (…) Das letzte Mal sah ich meinen alten Freund bei Gelegenheit des bischöflichen Namensfestes. Er kam, nachdem er schon einmal Abschied genommen, noch einmal zu mir, um mir zum letzten Mal die Hand zu drücken. Ich war schon am Brevierbeten. Er reichte mir die Hand und sah mich dabei so lange und eindringlich an, als hätte er etwas auf dem Herzen. Es wurde mir dabei, ich weiß nicht warum, so eigen zu Mute, dass ich den Eindruck den ganzen Abend nicht verwinden konnte.“

Die Tat

Pater Henle wurde vor Allerheiligen 1897 von seinem Untergebenen, Pater Georg Stenz, um einen Besuch auf dessen Missionsstation Zhang Jia („Tschandtjadschuang“ in alten Schriften der S.V.D.) gebeten. Henle und Nies kamen und die drei übten am Abend des Allerheiligenfestes noch das Requiemamt ein, bevor sie gegen 22 Uhr zu Bett gingen. P. Stenz hatte seinen Gästen sein Zimmer überlassen und schlief im Pförtnerzimmer, was ihm das Leben retten sollte. „Plötzlich stürmen“, so P. Erlemann in einem Brief, „zwanzig und mehr Kerle über die niedrige Hofmauer aus Lehm, verteilen ihre Posten und suchen in die Priesterwohnung einzudringen. Als aber die Türe nicht nachgab, stießen die Unholde die Fenster ein und fielen dann in beispielloser Wut die beiden Herren mit Messern an, ohne vorher (wegen der Herausgabe des Geldes) Unterhandlungen anzufangen, wie es bei Raubanfällen immer geschieht. Herr Nies, der sehr kräftig war und sich wohl gehörig zur Wehr setzte, erhielt dann im Nu zehn und mehr sehr tiefe Messerwunden (…) Als Herr Henle den Herrn Nies so angefallen sah, rief er laut: ‚O, tötet doch nicht‘, und eilte auf ihn zu, und nun erhält auch er eine Anzahl tödliche Stiche in Brust und Unterleib; er greift dann wohl nach dem Messer, und es werden ihm beim Zurückziehen desselben Fast alle Finger der beiden Hände durchschnitten. Dann sinken sie beide übereinander hin und aus beider Wunden bildete sich um sieh eine große, schreckliche Blutlache. Die Unmenschen hatten ihr Werk vollbracht; sie rafften in Eile, was ihnen in die Hände fiel, zusammen und machten sich im Dunkel der Nacht davon. Das Ganze hat, wie Herr Stenz erzählt, nur die Zeit von etwa 10 Minuten gedauert. Herr Stenz beeilte sich, aus seinem Versteck zu kommen, und nun sah er das Greuliche, was geschehen war; schnell absolvierte er beide und erteilte ihnen die hl. Ölung, wobei Herr Henle ihm noch freundlich zunickte. Herr Nies gab weniger bestimmte Lebenszeichen. Herr Henle lebte dann noch annähernd 10 Minuten und lag noch lange wie lebend mit einem entschlossenen und ruhigen Ausdruck da. Herr Nies aber, der an der Brust sehr tiefe Wunden hatte, behielt auch im Tode noch den Ausdruck des Schmerzes, den ihm diese Wunden aufgedrückt.“

Der Mordanschlag galt eigentlich dem „Langbart“, wie die Mörder P. Stenz nannten, als sie erkannten, dass ihre beiden Opfer fremde Priester waren. P. Stenz war schon früher nur knapp einem Mordversuch entgangen.

Fortsetzung hier