Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 12. Oktober 2014

Wie apostolische Armut aussieht (Teil 2)

Forsetzung von hier

Der chinesische Handelsgeist lässt sich diese Gelegenheiten nicht entgehen. Kleine Verkäufer von Zuckerrohrstengeln, Melonenkernen und anderer guter Dinge postieren sich hier und dort und machen bei dem Andrang von Leuten gute Geschäfte. Solange der Bischof an einem Ort weilt, bildet er das eine, große Tagesgespräch und den Mittelpunkt des ganzen Interesses für alle Chinesen in der Runde. Alles erregt ihre Aufmerksamkeit; jede Bewegung wird beobachtet und gedeutet, jedes Wort mit Bemerkungen begleitet, die Kleider, die Züge, die Gestalt, der Bart, das Alter, alles bildet den Gegenstand zahlloser Fragen und wissbegieriger Erörterungen. Anfangs kommen einem solche Geduldproben recht hart an, und der Unwille ist oft nahe daran, überzufließen. Man sucht sich den Blicken zu entziehen. Aber wie und wohin? Die Wände bestehen aus schlecht gefugten Balken oder Brettern, die Ritzen und Spalten für hundert neugierige Augen offen lassen. Die Fenster sind viereckige Öffnungen, die nur durch ein mit Papier überklebtes Gitterwerk geschlossen werden können. Kaum hat man sich ins Zimmer zurückgezogen, so ist auch schon das Papier an zahlreichen Stellen heimlich durchlöchert, die Löcher mehren und vergrößern sich immer mehr, und durch jedes Loch spähen zwei neugierige Augen hinein, um den unglücklichen Insassen in alle Ecken zu verfolgen und zu beobachten. Und ist ein Neugieriger befriedigt, so nehmen gleich zwei andere Augen seine Stelle ein. Man muss die Nacht abwarten und auch dann hat man erst Ruhe, wenn das Licht ausgelöscht ist.

Die Betsäle oder Oratorien werden in den meisten Fällen einfach für 1–2 Jahre gemietet, und daher lassen sich baulichen Umänderungen u. dgl. nicht gut anbringen. Reiche Leute geben ihre Wohnungen nicht leicht dazu her, da eine solche Kapelle gleich zu Mittelpunkt einer starken Bewegung wird, eine zahlreiche Menge anzieht und daher für die übrigen Hausbewohner oder die Nachbarn recht unbequem werden kann. Man muss sich also mit der Wohnung schlichter Leute zufrieden geben. Was aber den Missionär bei solchen Gelegenheiten drückt, ist weniger die Armut und Unbequemlichkeit, als vielmehr der Gedanke, wie wenig solche Lokale dem Zweck einer Kapelle entsprechen und wie wenig würdig sie die Erhabenheit der christlichen Religion vor Augen stellen, zumal im Vergleich mit den oft prächtigen Pagoden daneben, in denen die zahllosen Götzenfratzen höhnisch zu lachen scheinen.

Um die Christen zu trösten, erzählt man ihnen immer wieder von Betlehem und von der Liebe des Weltheilands zur Armut und zu den Armen. Aber es bleibt doch der Wunsch nach etwas Besserem, und er steigert sich in schmerzlicher Weise da, wo bereits die Protestanten vorgedrungen und einen ihrer Tempel hingesetzt haben. Immerhin, die Hauptsache ist, dass die Leute trotz allem kommen und zahlreich von allen Seiten kommen, so dass der Raum meist lange nicht genügt.

Tatsächlich sind die Bekehrungen seit den letzten Wirren zahlreicher denn je zuvor. In dem einen Distrikt Weng-tschu zählt man über 500 Neugetaufte, während früher die Jahreszahl für die ganze Mission höchsten auf 300 kam. Freilich macht diese Zunahme der Bekehrung den Mangel an ordentlichen Kapellen erst recht fühlbar. Die reiche Ernte fordert Scheunen, um die Garben unterzubringen. Eine wirkliche Kapelle ist eine greifbare, dem wahren Gott und der wahren Religion gebrachte Huldigung, ein Leuchtturm, ein Haus des Heils; sie ist das „Herz einer Christengemeinde, von dem der warme Pulsschlag ausgeht.“ Man will ja keine stattlichen Kirchen, wie z. B. die St. Paulskirche in Weng-tschu, welche die ganze Stadt beherrscht; es genügt ein einfach schlichter Bau, der aber gut 200–300 Christen fassen kann. Eine ordentliche Kapelle zieht die Heiden an und erleichtert den Frauen den Besuch, die in jene engen Betsäle mit ihrem Gedränge schon der Schicklichkeit halber sich kaum hineinwagen.

Wenn diese Armut seiner Mission dem Bischof auf seiner Rundreise auch manchmal recht drückend auf die Seele fiel, so fehlten doch auch die Tröstungen und Lichtblicke nicht. Die Bekehrungen sind zahlreich, die Bevölkerung zeigt sich fast überall friedlich und wohlgesinnt, die Mission hat in vielen Orten Eingang gefunden, die ehedem eine sehr feindliche Haltung einnahmen. Wiederholt wurde dem Bischof gegen seinen Willen ein militärisches Geleit gegeben, und auch seitens der Mandarine fand er fast ausnahmslos freundliche Aufnahme. „Aber“, so schließt der Bischof, „auf allen Erlebnissen der langen Reise machte sich immer und immer wieder ein Wunsch mächtig geltend: Kapellen, Kapellen! Kapellen, um Gott würdiger zu verehren, um die Heiden anzuziehen; Kapellen, um die Neubekehrten unter Dach zu bringen.“ Das ist die Kirchennot in der großen Diaspora der Heidenwelt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Montag, 12. Mai 2014

Québec früher



Bilder aus der Zeit vor der Quiet Revolution, als Québec noch gleichbedeutend mit römisch-katholisch war.


Levitenamt, Notre-Dame de Montréal (Quelle)


Kirche Saint-Roch, anscheinend bei einer Priesterweihe (Quelle)


Pontifikalamt (Quelle)
Trappistenkloster unsere liebe Frau von Mistassini (Quelle)


Levitenamt, Basilika Notre-Dame de Montréal (Quelle)


der erste Weiße Vater Kanadas: Msgr. John Forbes, Koadjutor-Apostol. Vikar von Uganda (Quelle)

Festmesse im Waisenhaus von Huberdeau (Quelle)


Prozession in Saint-Benoît-du-Lac (Quelle)
Aussetzung des Allerheiligsten nach Messe für Kranke (Quelle)




Sonntag, 2. März 2014

Die heilige Familie in Ägypten - Heiligtum von Matarieh


Auch das dunkle Afrika hat seine heiligen Stätten, wo der Fuß des Erlösers gewandelt ist, und der christliche Geist weilt mit umso liebevollerer Innigkeit bei ihnen, als sie ihn an die ersten Schritte des heranwachsenden Jesuskindes erinnern. 

An der großen Straße, welche Ägyptens moderne Hauptstadt mit der alten „Sonnenstadt“ Heliopolis verbindet, etwa 10 km von Kairo und 1 km von Heliopolis entfernt, liegt der sogenannte Balsamgarten. Ehemals zog man hier den Balsamstrauch, der Judäa den kostbaren Balsam lieferte. Einer uralten Überlieferung zufolge soll nun hier die heilige Familie während ihres Aufenthaltes in Ägypten gewohnt haben. Auf das Gebet der allerseligsten Jungfrau sei dann, so erzählt die Legende, ein Fruchtbarkeit spendender Quell dem Boden entsprungen. 

Nur 20 m von der Quelle entfernt, breitet eine alte Sykomore ihr schattiges Geäst aus. Es ist der sog. „Baum der allerseligsten Jungfrau“. Auf der Flucht, so meldete die fromme Sage weiter, sei die heilige Familie, von Verfolgern gedrängt, an einer dicken Sykomore vorübergekommen. Da habe sich der Stamm so weit geöffnet, dass die heiligen Personen mitsamt dem Reittier darin Platz gefunden hätten, und der Baum habe sich um alle geschlossen, bis die Bösewichte vorbeigezogen waren. Beide, Baum wie Quelle, werden heute noch gezeigt. 
Letztere, welche sich in einem Ziehbrunnen sammelt, ist wegen ihrer wunderbaren Frische weitbekannt und mag wohl die einzige eigentliche Quelle Ägyptens sein, die sich nicht aus durchgesickertem Nilwasser ergänzt.

Soviel ist sicher, dass die Überlieferung diese Stelle immer mit der heiligen Familie in Verbindung brachte. Die Christen der ersten Jahrhunderte hatten da eine große Kirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut, und noch alljährlich begehen die Kopten das Kirchweihfest des alten Gotteshauses, obwohl dasselbe schon längst in den Stürmen des Schismas eines Dioskoros untergegangen ist. 
Beim Graben der Fundamente der jetzigen Kirche stieß man auf mächtige Hausteine, welche dem alten Gotteshause angehörten. Nach dem Eindringen des Islams erbauten venezianische Kaufleute eine ärmliche Kapelle, die aber auch schon seit zwei Jahrhunderten in Trümmern liegt.

Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 
Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.
Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 



Am 8. Dezember des Jubliäumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift :“Französische Ordensleute durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.


Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Siehe auch:

Die Muttergotteskapelle zu Matarieh bei Kairo

Samstag, 22. Februar 2014

Da gibt’s was zu staunen – Neubekehrte pilgern zum Grab des hl. Franz Xaver

Basilika Bom Jesus, Alt-Goa, Indien. Die Kirche beherbergt die Reliquien des hl. Franz Xaver (Bildquelle: P.S. Sujay)


Die Ausstellung des Leibes des Heiligen, die, wie bekannt, Ende des letzten Jahres stattfand, war diesmal außerordentlich stark besucht. Der Madras Mail schätzt die Zahl der Leute, die täglich an dem herrlichen Grabschrein in der Kirche Bom Jesus vorüberzogen, auf 15-20.000. Zahlreich waren auch die Missionäre, die mit Gruppen neubekehrter Christen zum Teil aus weiter Ferne herankamen. Beispielsweise führten die Kapuzinerpatres aus Radschputana (heute Rajasthan) im Norden Indiens eine ganze Schar neubekehrter Bhils nach Goa. Hören wir, wie P. Karl O.F.M. Cap. darüber berichtet:

„Am 22. November, 4 Uhr Nachmittags, nahm ich den Schnellzug nach Bombay. Ich hatte 31 Personen, darunter 28 Bhils, bei mir, die mit gekochten und rohen Speisevorräten gut versehen waren. Die meisten dieser Leute hatten gar keine Vorstellung von allem, was außerhalb ihrer Heimat lag, und so erregte alles und jedes ihre Neugierde und ihr Staunen. Umgekehrt zogen meine Wilden auch selbst überall, wohin wir kamen, die Augen auf sich. ‚Woher kommt ihr?‘ wurde gefragt. ‚Wer seid ihr?‘ Erst in Goa, dessen Bevölkerung durch und durch katholisch und voll Ehrfurcht für die Priester ist, gab es Ruhe. Welch ein Gegensatz zu den frechen Heiden und Moslemin in Bombay!

Am 25. November erreichten wir Alt-Goa, und meine Truppe kampierte unter offenem Himmel unmittelbar vor der Kirche Bom Jesus, wo der Leib des glorreichen Heiligen ruht.
Alt-Goa ist heute nur ein Palmenhain, aus welchem hier und dort die prachtvollen Kirchen und verlassenen Klöster (bzw. deren Ruinen) aufragen. 
Die ehemaligen Straßen der Stadt, die man für die Festtage gereinigt hatte, ziehen sich wie Waldwege durch diesen prächtigen Hain. Unter den Wipfeln der Palmen waren Hunderte von Krambuden aufgeschlagen. Der Anblick dieses rasch hingezauberten Basars mitten im Wald machte des Abends mit seinen zahllosen Lichtern einen feenhaften Eindruck.

An allen Wegkreuzungen ragten hohe Kreuzbilder aus Stein, und vor ihnen lagen diese braven Goanesen auf den Knien und sangen wehmütige, aber harmonische litaneiartige Weisen.
Ich musste für meine Bhils sorgen. Budenbesitzer und Pilger zeigten mir in zuvorkommender Weise, wo ich Wasser und Steine zur Herrichtung eines Herdes usw. finde. Andere fragten, wo ich die Nacht zubringen wolle. Auf meine Erklärung, ich wisse es nicht, ich kännte mich nicht aus, führte man mich zum Abendessen in eine kleine Garküche unter den Palmen; ein Kerzenverkäufer lud mich ein, hinter seinem Kramladen unter den Bäumen zu schlafen. Es war nicht so kalt wie in Thandla (Radschputana); aber am Morgen fiel starker Tau, der alles durchnässte. 

Schrein des heiligen Franz Xaver

Um 5 Uhr in der Früh krachte Böllerschuss auf Böllerschuss. Das war das Zeichen zum Aufstehen. Ich eilte in die Kirche Bom Jesus und hatte die Freude, auf dem Grab des hl. Franz Xaver das heilige Messopfer feiern zu dürfen. Das Marmormonument, auf dem der Schrein ruht, ist prachtvoll mit herrlichen Figuren in halb erhabener Arbeit geschmückt; ich habe nie Schöneres dieser Art gesehen.
Nach der heiligen Messe suchte ich meine Bhils auf und bereitete sie zur heiligen Kommunion vor. Ich hörte ihre Beichten, unter den Wipfeln der Palmen auf einem Stein sitzend. 
Da schallten die Glocken von den Türmen; das bedeutete, dass die Prozession beginne; ich stellte meine Leute bei der Kathedrale auf. 

Zuerst kamen die Bruderschaften in ihren eigenartigen Trachten, dann 200 einheimische Seminaristen in Chorröcken. Meine Bhils machten große Augen: also auch Eingeborene konnten Priester werden! Es folgte die Geistlichkeit in Rauchmänteln und Kaseln, darauf fünf Bischöfe, davon drei Portugiesen. Meine Bhils hatten noch nie einen Bischof gesehen; Sie können sich denken, wie sie staunten. Den Schluss machte eine zahllose Volksmenge. Die Kirche Bom Jesus war das Ziel. Nun wurde der Leib des großen Apostels Indiens zur Verehrung ausgestellt. Aber die drängende Volksmasse ist so groß und dicht, dass ich die Hoffnung aufgab, die schöne Zeremonie meinen Wilden zeigen zu können. Ich brachte sie also zur Kathedrale und reiche ihnen dort die heilige Kommunion.
Nachdem wir gemeinsam laut und auf Hindustani unsere Danksagung gebetet, zeigte ich ihnen die Kathedrale und ihre goldschimmernden, mit herrlichen Gemälden, Fresken und Statuen geschmückten Altäre.

Kathedrale von Goa (Bildquelle: Photo by Danny Burke; edit by Kjetil_r)
Ich erklärte ihnen alles. Der kleine Küster führte uns dann in die Sakristei, wo in einem Glasschrank die Reliquien der eingebornen Märtyrer aufbewahrt werden, welche einst mit dem sel. Rudolf Aquaviva und seinen vier Genossen aus der Gesellschaft Jesu auf Salsette den Bekennertod erlitten (15. Juli 1583).
Der wackere Sakristan stieg dann auf einen erhöhten Mauervorsprung und suchte eine Art Truhe zu öffnen, die dort mit anderen Kisten aufgestellt war, fand sie aber geschlossen. Sie enthält die Säbel, Lanzen und andere Waffen, die bei der Ermordung der Blutzeugen gedient hatten. Meine Bhils meinten: ‚Wenn die Leute von Goa die Reliquien der Märtyrer nicht eifriger verehren, dann sollen sie dieselben uns geben. Wir werden sie in unserem Land nach Verdienst in Ehren halten.‘

Ich nahm meine braven Bhils mit, um ihnen noch andere Wunderdinge zu zeigen. Wir sahen die alte Kirche der Franziskaner, gleichfalls prachtvoll ausgestattet und voll von Darstellungen aus der Franziskanergeschichte. O welch schöne Sachen hat unser Orden in Goa zurückgelassen! – ‚Warten Sie noch eine Weile‘, sagte uns ein einheimischer Priester lächelnd, ‚bald werden die Engländer kommen und Goa nehmen, dann können Sie zurückkehren und ihr schönes Kloster in Besitz nehmen.‘

Nach dem Hochamt gelang es mir, den Patriarchen zu treffen, der in liebenswürdiger Weise uns versprach, dass wir am folgenden Tag das Glück haben sollten, die Füße des hl. Franz Xaver zu küssen.
Und wirklich, am Sonntag durfte ich die heilige Messe wieder am Grab lesen und meine Danksagung dicht neben dem Leibe, mit dem Kopf an den Schrein gestützt, machen. Jetzt hatte ich die schönste Gelegenheit, für mein Vaterland und für Dich (der Brief ist an die Mutter des Missionärs gerichtet), für unsere Mission, unseren Orden, unsere Wohltäter, die apostolische Schule und alle unsere Freunde zu beten.

Der Patriarch lud uns zum Mittagessen ein; auf diese Weise konnten wir uns eine schriftliche Erlaubnis verschaffen, mit unseren Neubekehrten bis zu den Füßen des hl. Franz Xaver zu gelangen. Die Volksmenge ist immer so groß und so gedrängt, dass wir nicht daran denken konnten, nur bis zum Schrein vorzudringen, ohne die Wache zu durchbrechen. Der Patriarch selbst zweifelte daran, ob sein Schreiben auf die Polizei, die alle Zugänge in die Kirche bewacht, den gewünschten Eindruck mache.

Da bot der Bischof von Haiderabad sich an, uns zu begleiten. Er wollte um jeden Preis unsere Neubekehrten sehen und ihre Lieder hören und suchte uns persönlich an unserem Lagerplatz auf. Sofort entfalteten wir unser Herz Jesu-Banner und stimmten freudig unsere Lieder an. So gelangen wir in Prozession zur Kirche; der Bischof ging an der Spitze, und aus Rücksicht auf seine Würde ließ man uns durch. So konnten unsere Bhils den heiligen Leib in aller Muße betrachten, die Füße küssen und ihre Andachtsgegenstände anrühren, während die übrige Menge von Morgen früh ab geduldig warten musste, bis die Reihe an sie kam.

Wir kehrten in derselben Weise singend zurück. So sahen die Pilger von Radschputana sich am Ziel all ihrer Wünsche; sie hatten den großen Wundertäter geküsst und dort für ihre noch heidnischen Landsleute gebetet. Ich hoffe zuversichtlich, dass die Bhils nun in Scharen zum Heiland kommen werden. Unsere Neubekehrten sind jetzt stolz darauf, zur großen katholischen Kirche zu gehören, in der trotz der Verschiedenheit der Sprachen und Rassen alle Herze in der Einheit desselben Glaubens und derselben Liebe schlagen.“

Dies ist nur eines aus hundert anderen Beispielen, die zeigen, welche Begeisterung in jenen Tagen in Goa herrschte und welcher Zauber noch immer von dem Grab des Apostels Indiens ausgeht.


(die katholischen Missionen, 1911)

Freitag, 20. Dezember 2013

Der Teufel in der Glocke



Als ich zum ersten Mal nach Han-kia-tsun kam“, so erzählt P. Wetterwald S.J., Missionär in Südost-Tscheli, „zeigte mir der Dorfälteste – Han-ki-yao heißt der Mann – ganz stolz den Glockenturm des Kirchleins. 
Er ist nämlich seine eigene Schöpfung, sein Meisterwerk, sein Ruhm. Die Kirche ist übrigens ein einfaches chinesisches Haus mit flachem Dach aus gestampfter Erde. 
Auf diesem Dach gerade über dem Eingang erhebt sich auf vier Pfählen ein kleines, mit einem Kreuz gekröntes Turmdach. Darin hängt eine Glocke aus Eisen, die ähnlich wie die schwerfälligen Schießprügel aus einer chinesischen Werkstatt stammt. Daneben ist der Schwengel und das Seil, das in die Kirche hinabgeht. 

Hier wird geläutet oder besser gebimmelt, ein Geschäft, das der alte Han-ki-yao keinem anderen Sterblichen überlässt. Mir fiel der sonderbare Klöppel auf. Ich ging also näher, um mir das Ding besser anzusehen. 

Der Alte lachte. „Aber, um Himmelswillen“, rief ich, „was hast du denn da in die Glocke gehängt, das ist ja wahrhaftig ein kleiner Teufel, ein Pussah (chinesisches Götzenbild). Welch eine Idee!“ – „Nicht wahr, Pater, ein famoser Gedanke. 
Ich dachte, der Teufel lockt so viele Leute in die Pagode, da kann der Kerl auch mal Buße tun und dazu herhalten, um das Volk in das Haus Gottes zu rufen. Wir haben ihm also eine Kette um den Hals gelegt und in die Glocke gehängt. 
Die Leute behaupten, die Glocke habe einen viel schöneren Klang, seit der Teufel sie läute.“
– „Aber was sagen die Heiden dazu?“ – „O, die sagen, ihr Christen habt Haare auf den Zähnen; wir würden so etwas nicht wagen, aber vor euch hat der Teufel Respekt.“

Hier ist ein hübscher Gedanke für unsere Glockengießer. Bekanntlich musste der Teufel in der mittelalterlichen Baukunst oft genug in humorvoller Weise herhalten; aber auf den Gedanken des alten chinesischen Küsters ist wohl noch keiner gekommen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Dienstag, 17. September 2013

Kirchweih am Kongo


„Ein großes Werk steht vollendet da“, schreibt P. Josef Fräßle S.C.J., ein geborener Badener, aus der Mission von Basoko (Belgisch Kongo). „Über eine Million Backsteine hatten unsere schwarzen Waisenbuben mit Ameisenfleiß aus dem Lehm mächtiger Termitenhügel in kleinen Holzkisten geformt, in langen Blätterschuppen getrocknet, zu einem Riesenziegelofen aufgetürmt und mit einer in den durchziehenden Gängen acht Tag unterhaltenen Holzfeuerglut gebrannt.

Hölzerne Winden, aus Baumstämmen eigens dazu zusammengefügt, hatten mit armdicken Lianen schwere Felsblöcke aus dem Aruwimifluss gehoben, die zu Fundamenten gelegt worden waren, und auf diesen hat sich in jahrelanger Arbeit die Kirche aufgetürmt in gotischem Baustil, 52 Meter lang, 12 bzw. 16 Meter breit, 14 Meter hoch, bei einer Mauerstärke von 2,40 Meter.

Zwar sind die stattlichen Türme noch nicht ausgebaut, und ein kundiges Auge wird manchen architektonischen Fehler entdecken – hat ja kein Architekt  den Plan entworfen und über seine Ausführung gewacht. Schreiber dieses war selber Bau- und Maurermeister zugleich, und seine Waisenbuben waren die Handlanger. 
Dennoch macht dies größte Bauwerk am Aruwimi- und Kongostrom einen überwältigenden Eindruck und erntet Lob von jedem, der es sieht. Unserem Missionsbischof rang es bei seinem Anblick das Wort ab: ‚Meine schönste Kirche, die schönste Kirche am Kongostrom‘; die Schwarzen aber sagten: ‚Groß ist der Pater, der so baut, und groß sein Gott, dem er solch ein ewiges Haus errichtet.‘

So nahte denn der Tag, an dem unser verehrter Missionsbischof seine erste Kirchweihe halten sollte, der Freudentag für mich, der ich, einst allein hier, die Fundamente gelegt und gesegnet, für meine Amtskollegen, die mir seit ihrer Ankunft wacker arbeitend zur Seite gestanden mit Winkelmaß und Kelle, der Jubeltag für meine Schwarzen, die nach ihren Worten allein die Kirche gebaut haben.
Alles stand bereit und harrte des großen Tages: dort der Altar in glänzender Pracht, überragt vom Kalvarienberg mit dem wunderschönen Christus, in der Mitte das Tabernakel, in das nun bald der liebe Heiland einziehen wird, um stetig bei uns zu weilen; auf der Emporbühne das noch schweigende Harmonium, in den Türmen die noch stummen Glocken: alles Gaben guter Seelen in der Heimat.

Schon zweifelten wir, ob der geschwächte Gesundheitszustand dem hochw. Bischof die weite Reise erlauben würde. Welch ein Jubel darum, als das Schiffsignal ertönte, und ein Knabe auch schon daherstürzte mit der freudigen Kunde. Ein Wort nach links und eines nach rechts, und fort war ich, den Bischof zu empfangen und zur Mission zu geleiten.
 Noch hatten wir nicht die Hälfte der Allee zur Mission hin zurückgelegt, da nahte auch schon die von meinen Kollegen angeführte Prozession unserer Christen, voran 300 fahnentragende Kinder in besten Kleidchen von wohltätigen Händen: ein Anblick, der den Bischof zu Tränen rührte. Der erste Segen ward gespendet.

Dann schlossen wir uns der Prozession an, die, das Magnifikat in der Sprache der Eingeborenen singend, zur Kirche zog. Da – es erstarrten plötzlich aller Stimmen – klangen von den Türmen aus zum ersten Mal die ehernen Glockenstimmen über die Dörfer und Ströme in die Urwälder, nie gehörte Laute, die keinen Wilden mehr in seiner Hütten ließen. 
Alles hin zur Kirche und hinein, soviel sie nur zu fassen vermag. An dem lebensgroßen Christus konnten sie sich nicht sattsehen. Die Kunde von ihm drang durch die Wälder, und von über fünf Tagen im Umkreis her kamen sie zu schauen. ‚Er lebt‘, sagten die einen. ‚Nein, er hing schon gestern so.‘ – ‚Doch, er lebt, schau seine Augen.‘ – ‚Pater, warum hast du diesen Häuptling der Weißen an diesen Baum gehängt? Lass ihn herab.‘ (...) So sprachen sie untereinander, und auf ihre tausend Fragen musste ich Antwort geben. Es dringt die Kenntnis des wahren Gottes, die Kunde vom lieben Erlöser unter die Heiden.

In frühester Morgenstunde riefen Glockengeläute eine unzählige schwarze Menge herbei, in weiten Reihen standen die Christen um das Gotteshaus, dahinter die Heiden, endlos und atemlos.
Es erscheint der bischöfliche Zug, voran 20 schwarze Messdiener in roten und weißen Kleidern. Dann beginnen die erhebenden Zeremonien der Kirchweihe, die Segnung von außen, die Pforten öffnen sich, die Weihe im Innern, die Prostration, die Weihe des Altars und endlich das erste Pontifikalamt in unserer Mission, bei dem all unsere Christen, von der glücklichen Akustik des Gotteshauses hingerissen, kräftig das Ordinarium missae ausführen.
Zum Schluss gaben wir jedem unserer Christen eine Medaille als Gedächtniszeichen an dieses einzige Fest.

Leider musste der hochw. Herr auf die weitere Teilnahme an der Feier verzichten; ein schweres Fieber, die gewöhnliche Folge solcher Anstrengungen hierzulande, band ihn ans Lager.
Nun noch einen Blick auf die Frucht dieser Feier, auf die Wirkung des Gotteshauses unter den Heiden. Der Tag brachte uns 1200 neue Katechumenen, die Kirche ist selbst für das Morgen- und Abendgebet wenigstens zu zwei Drittel angefüllt. 
Unter den älteren Katechumenen entbrannte neuer Eifer, so dass wir das Jahr nicht mehr mit 300 Taufen, sondern mit 600 abschließen werden. Derselbe Eifer zeigt sich auch unter den Christen, bei denen der Sakramentenempfang sich verdreifacht hat.

All dies geschaffene Gute ist die Arbeit guter Missionsfreunde der Heimat; ihnen wird Gott auch den Lohn spenden. Darum bitten mit dem Missionär seine bekehrten Heidenkinder: Mögen diesselben meiner auch fernerhin nicht vergessen!


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Dienstag, 9. Oktober 2012

Bilder: das "amerikanische Rom" und mehr

Das "amerikanische Rom", Cincinnati, im Jahr 1885

Einheimische Nonnen mit Kindern vor Marienaltar, Birma



Msgr. Isidore Clut OMI mit Missionaren

Kapelle zu Ehren des heiligen Peter Chanel auf Futuna


(Quelle: die katholischen Missionen, 1885,1886,1890)

Mittwoch, 20. Juni 2012

Wallfahrt zum Haus der Muttergottes in Ephesus


Das Haus der Muttergottes bei Ephesus


Auf den Bergen südlich von Ephesus in Kleinasien, gegenüber der Insel Samos, ist seit sechs Jahren ein altes Heiligtum der lieben Mutter Gottes wiedergefunden worden. Es ist das kleine Häuslein von Panagia-Kapuli, d.h. die Pforte Unserer Lieben Frau. Wie schon der Name anzeigt, wird es als die ehemalige Wohnung der hehren Gottesmutter betrachtet, die mit dem heiligen Apostel Johannes nach der Himmelfahrt des Herrn sich in diese einsamen anmutigen Berge zurückzog und dort ihr Leben in Betrachtung der Geheimnisse des Leidens ihres Sohnes und der Liebe seines göttlichen Herzens verbrachte.
Die erste Veranlassung zu der bedeutsamen Entdeckung gab die Beschreibung von dem Hause und der Gegend, welche in dem „Leben Mariä nach den Gesichten der gottseligen Anna Katharina Emmerich“ gegeben wird.
Seither ist nun schon wiederholt ein sehr zahlreicher Pilgerzug unter Führung des hochw. Herrn Erzbischofs Andreas Polykarp Timoni von Smyrna (heute Izmir) nach jenem alten Heiligtum gewallfahrtet. Das erste Mal waren für die Pilger etwa 600 Plätze in der Eisenbahn belegt worden, mit welcher sie bis Ephesus fahren mussten.
Als man aber am Morgen des bestimmten Tages sich versammelte, da waren nicht bloß 600, sondern die dreifache Zahl, 1800 Pilger, erschienen. Mit einiger Mühe gelang es, auch für diese große Schar Platz zu schaffen.
Am letzten Pilgerzug im vergangenen Mai nahmen mindestens 2000 Wallfahrer teil. Von Ephesus ging es zu Fuß auf dem neu angelegten Pfad zu dem armen Häuslein auf dem Bulbul-Dagh oder Nachtigallenberg. Der hochwürdigste Oberhirte war wie früher an der Spitze des frommen Zuges. Voll Andacht wohnten alle der heiligen Messe bei, die in der kleinen unscheinbaren Wohnung gefeiert wurde; nur wenige konnten innerhalb der vier engen, dachlosen Mauern selbst Platz finden.

Zu diesen wenigen gehörte aber einer, für den dieser Wallfahrtstag der glücklichste seines Lebens werden sollte. Es war ein hochgestellter Herr aus der nahen Stadt, der schon 30 Jahre nicht mehr die heiligen Sakramente empfangen hatte und nur seiner Frau zu lieb und von Neugier getrieben mitgegangen war.
Beim Eintritt in das armselige Häuslein traf ein Strahl der Gnade das arme Herz. Das Eis war gebrochen, auf einmal alles in ihm geändert. Er bekehrte sich vollständig und hat seither schon zweimal wieder in der armen Wohnung Mariä die heiligen Sakramente empfangen.
Denn „wenn ich wieder Katholik bin, dann will es auch ganz sein“, hatte er gesagt.
So wirkt Maria, die liebe Gottesmutter, auch hier im Türkenland wie überall zum Heil der Seelen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Montag, 28. November 2011

Seouls Skyline - Gestern und Heute

Früher (vor genau hundert Jahren) war die Kathedrale das höchste Gebäude in Seoul....



CC: Patriotmissle

...das ist sie wohl schon länger nicht mehr!