Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 4. November 2023

„Pater Claver“ – der Diener Gottes Nicolau Rodrigues Campo S.J.

 

Pater Nicolau Rodrigues Campo S.J.
(Quelle: Covilhã - Subsídios para a sua História

Neulich stieß ich auf die Lebensbeschreibung des heiligmäßigen und doch wenig bekannten Jesuitenmissionars Nicolau Rodrigues Campo, der sowohl in Westafrika als auch in Cartagena in Kolumbien, dem Wirkungsort des hl. Petrus Claver, missionarisch tätig war. In seiner Nachahmung des großen Jesuitenmissionars Claver brachte er es soweit, dass man ihn gemeinhin „Pater Claver“ nannte. Hier der Text aus dem Artikel von P. Kneller S.J.:

Ganz und gar kein Gelehrter war ein anderer der obigen Liste, Nicolaus Rodriguez . Gott will freilich, daß man in der Arbeit für die Seelen auch die natürlichen Mittel anwendet, er pflegt aber mitunter sehr deutlich zu zeigen, daß schließlich der Erfolg von der Beseelung des Natürlichen durch das Übernatürliche abhängt, und zwar zeigt er das dadurch, daß er den Mangel natürlicher Gaben überreich durch übernatürliche ersetzt. Beispiel dafür sind etwa Joseph von Cupertino und der Pfarrer von Ars. Ein weiteres ist auch Nicolaus Rodriguez. 

Als nach seinem Eintritt in den Orden die Zeit herannahte, durch die Gelübde sich zu binden, soll der Provinzial angeordnet haben, ihn wegen seiner schwachen Begabung nicht zuzulassen, der Brief ging aber verloren, und so legte er seine Gelübde ab. Der Provinzial schien aber richtig geurteilt zu haben; schon nach dem ersten Jahre seiner philosophischen Studien bedeutete man ihm, es sei unnütz, diesem Wissenszweig noch längere Zeit zu widmen, er war im Examen glänzend durchgefallen. Aber nun zeigte sich, daß Metall, und edles Metall, in dem Mann steckte. Er verzweifelte nicht, sondern sagte sich: Will Gott mich nicht zum Gelehrten, so doch zum Heiligen. Schon in seiner Jugend hatte das Verlangen nach Heiligkeit ihn mächtig ergriffen, das Verlangen nach dem Martyrium, das ihn sein ganzes Leben nicht verließ, erfaßte ihn schon damals, und als er einmal nach einer Zeit des Leichtsinns sich wieder zurechtfand, entfloh er als Siebzehnjähriger vom Vaterhaus, um Einsiedler zu werden. Seinem Streben versagte Gott nicht den Erfolg, nach allgemeinem Urteil gelangte er zu einem sehr hohen Grad von Heiligkeit. Er bedurfte ihrer im späteren Leben. Nach zweijährigen Bemühungen um die nötigen theologischen Kenntnisse und dem zweiten Noviziat arbeitete er auf der afrikanischen Insel Fernando Poo. In dem mörderischen Klima hielt er acht Jahre aus, bis die Mission aufgegeben wurde. Dann war er zu Covilhao in Portugal 25 Jahre lang tätig; von dem Ansehen, das ihm seine Heiligkeit verschafft hatte, zeugt die Tatsache, daß er einen Volksauflauf, den der Bischof und die bürgerlichen Behörden nicht beruhigen konnten, durch wenige ganz einfache Worte beilegte. 

Die Sehnsucht nach den Missionen ließ ihm aber keine Ruhe. Immer wieder bat er die Obern, ihn in die Übersee zu schicken. An Gründen, den Bitten nicht zu willfahren, fehlte es nicht. Er war schon über 60 Jahre alt, die Strenge seines Lebens hatte die Gesundheit untergraben, er trug schon von seiner Wirksamkeit auf Fernando Poo her eine große Wunde an der Hüfte. Er ließ indes mit Bitten nicht nach, bis man ihn 1896 in die Stadt des hl. Petrus Claver, nach Cartagena in Columbien, sandte. Unter der glühenden Sonne dort und in der schwierigen Mission am Magdalenenfluß nahm er unglaubliche Mühen mit unglaublich großem Erfolg auf sich. Unermüdlich durchwanderte er trotz seines Greisenalters die Städte, Dörfer und Hütten. Man nannte ihn nur den „Pater Claver“, und er war in der Tat ein vollkommener Nachahmer von Clavers Nächstenliebe und beständiger Abtötung. Die vielen Wanderungen in der Sonnenhitze hatten nun zur Folge, daß seine Wunde wieder aufbrach. Aufs Krankenlager hingeworfen, meinte er, wenigstens jetzt sie dem Arzt zeigen zu müssen, der ganz erschrocken über den Anblick äußerte, nur ein Heiliger habe mit einer solchen Wunde solche Arbeiten auf sich nehmen können. Der Kranke sollte sich nicht wieder erheben. Am Fest seines Vorbildes Peter Claver, am 9. September 1900, ging der Unermüdliche in die ewige Ruhe ein. Der Bischof selbst stand ihm im Tode bei und hielt ihm nach einem feierlichen Begräbnis die Lobrede.

(Aus: C.A. Kneller: Zur Geschichte der Heiligkeit in neuester Zeit. Zeitschrift für Aszese und Mystik, Heft 11/1936)


Samstag, 21. Oktober 2023

Gedanken zum Fest der heiligen Laura Montoya

Die heilige Laura Montoya mit Angehörigen des Volkes der Embera

„Meine Seele brannte mit dem Verlangen, etwas Großes für meinen Gott zu tun, damit Er erkannt werde, und mein Mitleid mit den Ungläubigen wurde sehr klein im Vergleich zu meinem Verlangen, Gott erkannt und so geliebt zu sehen, wie Er es verdient.“

Die heilige Laura Montoya, geboren im Jahr 1874 im Westen Kolumbiens, war zutiefst von der Unwissenheit und Gottesferne der Indianer in den abgelegenen Regionen ihres Heimatlands bewegt. Sie fühlte sich zur Gründung einer Ordensgemeinschaft zur Missionsarbeit unter den indigenen Völkern angetrieben, die sie im Sinne einer zutiefst erlebten geistlichen Mutterschaft als ihre Kinder betrachtete. Gleichzeitig war jedoch ihre Liebe zu Gott so innig, dass sie ihre Missionsarbeit mehr von der Ehre Gottes als vom Heil der Ungläubigen her betrachtete – selbstverständlich ohne dabei deren Seelenheil zu vernachlässigen. Dieser Gedanke an die Ehre Gottes, der als höchstes Gut von allen geliebt zu werden verdient, kommt in ihren innigen Gebeten zum Ausdruck: „Mögen sie Dich zu Deiner Ehre erkennen! Mögen wir Dich mit den Seelen der Nichtchristen krönen. Mögen die nicht verloren gehen, die fern von Dir darben. Sieh, ich sterbe aus Wunsch, Dich erkannt und geliebt zu sehen.“ So wird das Mitleid zu den von ihr so sehr geliebten Ungläubigen klein, wenn es dem großen Gedanken der Ehre Gottes gegenübersteht.

Das Heil der Seelen ist ein heiliges und edles Motiv für die Missionsarbeit. Dennoch verdient das Motiv der Ehre Gottes, das vor allem Hauptmotiv des religiösen Strebens der Menschen sein sollte, auch bei der Behandlung des Missionsthemas wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Möge die heilige Laura Montoya uns hierin Vorbild und Fürsprecherin sein.

Donnerstag, 19. August 2021

St. Ezequiel Moreno, ein echter Augustinermissionar

 



Heute jährt sich der Todestag des heiligen Ezequiel Moreno y Díaz, der den regelmäßigen Lesern des Blogs kein Unbekannter sein wird, zum 115. Mal. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Buch Der heilige Bischof aus den Anden, das überall im Handel erhältlich ist. Es ist aus einem Nachruf auf den heiligen Bischof von Pasto in Kolumbien und schildert uns den Augustinerprälaten als starkmütigen Missionar:


„In seinem Nachruf auf den Bischof schrieb der ehemalige Schriftleiter des katholischen Blatts Adalid Católico, Justo Guerra:

„Ich möchte nur eine vorherrschende Eigenschaft betrachten, die man als charakteristisch für die moralische Person des ehrwürdigen Missionars der Philippinen, des Apostolischen Vikars von Casanare und des überaus würdigen Bischofs der Diözese Pasto bezeichnen kann. Diese Eigenschaft war meiner Meinung nach die Starkmut, die immer Hand in Hand geht mit der Großherzigkeit und der Mäßigung. Er war nach dem Typ der aszetischen Missionare der Philippinen geformt, wo der Augustinerorden das beste Zeugnis von seiner Fertigkeit gegeben hat, die evangelischen Streitheere im Kampf mit der Häresie und dem Heidentum zu organisieren, zu lenken und fruchtbar zu machen. So gestaltete er eine Einöde, die selbst die Stärksten einschüchtert, zu einem zivilisierten und wohlhabenden Land. Und Herr Moreno hatte stets seine Augen auf die Einöde gerichtet, um den armen Wilden nachzugehen […]“


Möge er für uns bitten, dass es auch in unseren Tagen wieder viele heilige Missionare gibt!

Freitag, 12. Februar 2021

Neu: Buch „Der heilige Bischof aus den Anden“

 

Cover von https://www.barituscatholic.com/


Den langjährigen Lesern dieses Blogs wird der heilige Ezequiel Moreno kein Unbekannter sein. Die anhaltende Pandemie bot mir die Gelegenheit, seine erste deutschsprachige Biografie zu schreiben, die jetzt bei BOD erhältlich ist (alle bekannten Online-Buchhändler werden in den nächsten Tagen folgen). Aktuell arbeite ich an der Veröffentlichung der Hirtenbriefe des Heiligen und hoffe so, zu seiner weiteren Bekanntheit im deutschen Sprachraum beitragen zu können.

„St. Ezequiel Moreno y Díaz war einer der bedeutendsten katholischen Bischöfe der letzten zwei Jahrhunderte. Er kämpfte heroisch gegen die von der Kirche verurteilten Lehren des Liberalismus und wirkte mit glühendem Seeleneifer als Missionar. Seine allumfassende Gottes- und Nächstenliebe war dem heiligen Ordensmann in seinem ganzen Wirken Antrieb und Hilfe, die zahlreichen Prüfungen und Verfolgungen seines Lebens zu meistern.

Dieses Buch ist die erste deutschsprachige Biografie und soll zu einer größeren Bekanntheit des heiligen Augustinerbischofs beitragen. Der Anhang enthält die Übersetzung seines bedeutenden Rundschreibens Entweder „Katholizismus oder Liberalismus“.“

Freitag, 9. September 2016

Leo XIII. über den heiligen Petrus Claver



Über den heutigen Tagesheiligen Petrus Claver sagte Papst Leo XIII., der den Sklavenapostel selbst heiligsprach: 

„Kein Leben, mit der Ausnahme des Lebens unseres Herrn, hat mich so bewegt, wie das des heiligen Petrus Claver.“

Mehr über diesen großen Missionar hier, hier und hier.

Samstag, 3. September 2016

Papst Pius X. als Beschützer der Indianer Südamerikas



Ein besonders großes Mitleid empfand Pius X. mit dem traurigen Lose der Indianerbevölkerung Südamerikas. Hier, wo einst das Missionsleben so herrlich geblüht hatte, war die einheimische Bevölkerung durch die meist gottlosen Regierungen der verschiedenen Republiken der unerhörtesten Ausbeutung und den entsetzlichsten Grausamkeiten geldgieriger und schamloser Abenteurer ausgesetzt.

Schon im zweiten Jahre seines Pontifikats trat Pius X. für die geknechteten Indianer ein. Er richtete an den gesamten Benediktinerorden ein Schreiben, in dem er alle Klosterorbern aufforderte, ja anflehte (exhortamur immo et obsecramus), alle Mönche, die mit dem Abt Gerard van Caloen nach Brasilien gehen wollten, mit Freuden ziehen zu lassen, damit das so arg verlassene Ackerfeld treffliche Arbeiter erhalte. Der Ruf verscholl nicht ungehört, und im Jahre 1909 wurde die Mission am Rio Branco tief im Inneren Brasiliens gegründet.

Auch andere Ordensleute wie die Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner, die Väter vom Heiligen Geist, die Salesianer Don Boscos drangen weiter in die Wälder vor, wohin sich die Indianer vor den Weißen geflüchtet hatten, und suchten die oft nur spärlichen Überreste früher starker Volksstämme zu sammeln und zu retten.

Im Verlauf weniger Jahre konnte Pius X. in Kolumbien die Apostolischen Präfekturen Caquetá (1904) und Chocó (1908) und die Apostolischen Vikariate Goajira (1905) und Llanos de S. Martín (1908), in Brasilien die Apostolischen Präfekturen Rio Negro (1910), Alto Solimôes (1910), und Teffe (1910) sowie die Prälaturen Santarem (1903), Araguaya (1911) und Registro da Araguaya (1914) errichten und die Apostolische Präfektur Urubamba in Peru (1913) zum Vikariat erheben.

Aber noch einmal erhob der Papst seine Stimme zu Gunsten der Indianerbevölkerung. Er tat es in der feierlichsten Form durch die Enzyklika Lacrimabili statu vom 7. Juni 1912 an den gesamten Episkopat von Lateinamerika. Voll Ernst und Schmerz beklagte der Heilige Vater die Gräuel, die namentlich an den Eingeborenen im Putamayogebiet begangen worden seien, und stellte sie den Schandtaten des verkommensten Heidentums an die Seite. 

Dann ermunterte er die Bischöfe, für die armen Kinder der Wälder Anstalten christlicher Nächstenliebe zu errichten, bestimmte, dass von Vergehen wie Verkauf oder Entführung von Indianern in Zukunft nur noch die Bischöfe die Lossprechung erteilen könnten, und versprach, selber die Gründung von neuen Missionen in die Hand nehmen zu wollen.

Dem Versprechen folgte sofort die Tat. Er berief englische und irische Franziskaner für die schwere Aufgabe im Putamayogebiet und hatte zugleich die Freude, dass das arme katholische England in wenigen Wochen 40.000 Mark für das zu gründende Unternehmen aufbrachte. 


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Mittwoch, 9. September 2015

Zum Fest: der heilige Petrus Claver erweckt Tote zum Leben



Papst Leo XIII. sagte einmal, dass ihn nach dem Leben Christi die Biographie des heiligen Petrus Claver am meisten beeindruckte. Der gleiche Papst sprach den katalanischen Jesuitenmissionar am 15. Januar 1888 heilig. Nachfolgend einige Episoden aus dem Leben des großen Sklavenapostels, die man in ähnlicher Weise auch bei seinem heiligen Ordensbruder Franz Xaver finden kann:

Mehrere Totenerweckungen wurden von Augenzeugen eidlich bezeugt. So rief der Heilige eine Sklavin des Don Vicente Villalobos, Befehlshaber von Cartagena, welche man bereits begraben wollte, ins Leben zurück und spendete derselben die heilige Taufe. Ganz derselbe Fall wiederholte sich im Haus eines Don Francisco da Silva. Auch dort starb eine noch nicht getaufte Sklavin, bevor der Heilige herbeieilen konnte. Man empfing ihn mit Wehrufen: „Welch ein Unglück! Wer konnte es aber auch voraussehen?“ „Ist denn der Arm des Herrn verkürzt?“ fragte Claver. „Er ist ein Vater voll Liebe; nur ein wenig Glauben und Vertrauen auf ihn!“ Dann ließ er sich zu der Leiche führen, rief die Verstorbene nach kurzem glühendem Gebet beim Namen und fragte, ob sie getauft werden wolle. Sofort öffnete die Sklavin ihre Augen und sagte mit deutlicher Stimme, sie wünsche es von ganzem Herzen. Und nachdem sie die heilige Taufe empfangen hatte, erhob sie sich vollkommen gesund von ihrem Lager. Noch auffallender war die Totenerweckung eines Sklaven, der alle Ermahnungen und Bitten des Heiligen zum Trotz die Taufe zurückgewiesen hatte und so in voller Verstocktheit gestorben war. Schon schleppte man die Leiche des Unseligen hinaus, um sie in ungeweihter Erde zu verscharren, da eilte P. Claver, der inzwischen die göttliche Barmherzigkeit mit Gebeten und strengen Bußwerken bestürmt hatte, herbei und befahl, die Leiche zurückzubringen. Dann rief er den Verstorbenen ins Leben zurück und spendete ihm die heilige Taufe, um welche er vor vielen Zeugen bat. Von seinem geistlichen Obern über diesen Fall, der natürlich großes Aufsehen machte, befragt, gestand der Heilige in aller Einfalt die Wahrheit dieser Totenerweckung, Gott allein die ganze Ehre zuweisend.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Mittwoch, 19. August 2015

Der heilige Ezequiel Moreno – ein armer Missionsbischof

Am Tag der Bischofsweihe in Bogotá

Als der heilige Ezequiel Moreno im Jahr 1894 von seinem Apostolischen Vikariat Casanare im Osten Kolumbiens Besitz nahm, schrieb er von sich selbst:

Dieser arme Bischof hat weder einen Palast, noch eine Kathedrale, noch einen Klerus, noch ein Einkommen, […] doch hat er im Gegenzug viel Arbeit. Er ist Bischof, Pfarrer, Missionar und sogar Sakristan. Das ist mir egal und betrübt mich nicht. Was mich betrübt ist der Anblick der tausenden Seelen, die in Hinsicht auf die Dinge unserer Religion in der größten Unwissenheit leben und dass ich diesem Zustand nicht Abhilfe schaffen kann. In dieser Unwissenheit leben und sterben sie allein, ohne dass ihnen jemand etwas sagen könnte, was ihnen helfen würde, sich zu retten. Möge der barmherzige Gott ihnen doch irgendwie zur Hilfe kommen!

(Aus einem Brief an Andrés Ferrero vom 1. August 1894)

Dienstag, 28. April 2015

In die Indianermission nach 22 Jahren als Diözesanbischof


Nach 22 Jahren als Bischof von Garzón in Kolumbien hat Esteban Rojas Tovar mit Erlaubnis des Heiligen Stuhls 1922 im Alter von 62 Jahren auf sein Bistum verzichtet, um sich an der Seite der Kapuziner als Missionär dem Apostolat unter den Indianern am Putumayo zu widmen. Laut dieser kolumbianischen Seite war er ab 1927 in Agua de Dios, möglicherweise um dort den Salesianern in der Aussätzigenseelsorge zu helfen. Er starb 1933. Msgr. Rojas war ein Freund des hl. Ezequiel Moreno, der bis zu seinem heiligen Tod im Jahr 1906 Bischof der Nachbardiözese Pasto war.


(Quellen: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925, Semblanza de San Ezequiel Moreno)

Freitag, 20. März 2015

Ein Lob auf die Kapuzinermissionäre in Kolumbien


In der New York Sun war unlängst ein Brief des Amerikaners Seward abgedruckt, den derselbe aus den Urwäldern am Amazonenstrom an einen Freund richtete, von dem er vor seiner Abreise gebeten worden war, aus dem Herzen der Wildnis ihm das Interessanteste seiner Reise zu schildern. Der Brief lautet folgendermaßen:


„Von meinem Lagerplatz, Oberes Amazonenbecken, Caquetafluss. Via Mocoa, Kolumbien, Südamerika, den 18. September 1915. Ich schreibe diese Zeilen bei Kerzenschein auf dem Schaft meiner Stiefel im Herzen der Dschungel. Der Eilbote, ein Indianer, wird beim Morgengrauen in seinem Kanu nach Mocoa aufbrechen. Und zwar will ich ein paar Zeilen schreiben zum Lob der Kapuzinermissionäre in dieser Gegend. Ihre entfernteste Station liegt mehrere hundert Meilen den Caquetafluss hinauf. Sie sind im eigentlichen Sinn des Wortes die Pioniere der Kultur in diesem entlegenen Teil der Welt. Diese Missionäre sind die einzigen, die mit dem Indianer etwas anfangen können. Ohne ihre Zuvorkommenheit wären wir in dieser unermesslichen Wildnis des tropischen Urwalds vollständig verloren. Die Indianer selber fürchten sich vor dem ‚Großen Fluss‘, nur unter dem Einfluss der sanften Worte der Patres können sie dazu gebracht werden, ihre Dörfer zu verlassen und uns zu helfen… Einfachen Glaubens, furchtlosen Herzens und der tausend Gefahren, die das harte Leben in dieser Wildnis mit sich bringt, nicht achtend, widmen diese Kapuzinermönche ihre ganzes Leben der Verbreitung der Kultur. Wahrlich, zu tun, was diese Helden tun, setzt einen großen, festen Glauben voraus, wie ihn gewöhnliche Sterbliche nicht besitzen. Man stelle es sich nur mal vor: Sie vergraben sich hier für immer, bis zum Ende ihres Lebens, ohne Hoffnung auf Rückkehr ins Vaterland und Vaterhaus. So geben sie ihr Leben hin im Dienst von vielleicht 50 Wilden, die in einer Lichtung der fieberschwangeren Dschungel wohnen. 

Wären diese Priester nicht mit ihrer Pionierarbeit uns vorausgegangen, es wäre uns unmöglich gewesen, bis zu diesen unerforschten Wasserscheiden vorzudringen. Mit Picke und Spate hat diese kleine Schar von Christusjüngern mit eigener Hand Pfade gegraben in die jäh abstürzenden Hänge der Anden. Diese Saumpfade sind keine Wunder der Wegbaukunst, aber sie sind eine herrliche religiöse Tat, vor der man in ehrfürchtiger Bewunderung steht. Wenn jemals Eisenbahnen, elektrisches Licht und Telefon Leben und Zivilisation in diese öden Wüsteneien bringen werden, so möge man wissen, dass all dies auf den Grundlagen der Religion aufgebaut ist, die diese frommen Pioniere jetzt dort legen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Hier noch ein sicherlich sehr interessantes Buch über die Kapuzinermission in Kolumbien (auf Spanisch), das auch reich bebildert ist.

Freitag, 6. Februar 2015

Die Inschrift auf dem Grab des heiligen Ezequiel Moreno Díaz



Die folgende Inschrift in der Kapelle des Augustinerklosters in Monteagudo (Spanien) befand sich auf dem Grab des heiligen Ezequiel Moreno Díaz, bevor dieser zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Es fasst das Leben dieses großen Missionars und Bischofs sehr treffend zusammen:

Hic iacet Ilmus. et Rdmus. Dominus F. Ezequiel Moreno Diaz huius Collegii filius ac Rector Episcopus Pastopolitanus in Columbia scientia clarus virtute clarissimus catholicae veritatis propugnator strenuus ex hac domo ad superos evolavit die XIX augusti anni MCMVI. Oremus pro eo vel ipse pro nobis oret.


Hier ruht der hochwürdigste Herr Frater Ezequiel Moreno Díaz, Sohn und Regens dieses Kollegs, Bischof von Pasto in Kolumbien, ruhmreich durch seine Wissenschaft, noch ruhmreicher durch seine Tugenden. Tapferer Förderer der katholischen Wahrheit. Von diesem Institut nahm er seinen Flug zum Himmel am 19. August 1906. Beten wir für ihn oder er für uns.

Heiliger Ezequiel, bitte für uns!

Sonntag, 15. Juni 2014

Grausame Kirchenverfolgung in Ecuador – Was man über den „besten Ecuadorianer“ sonst nicht hört

Der angeblich „beste Ecuadorianer“, Präsident Eloy Alfaro Delgado (1842-1912)

Die Kirchenverfolgung, in Ecuador, über deren Beginn und Verlauf wir im vorigen Jahrgang S.235 (hier und hier) einen zusammenfassenden Bericht gegeben, nimmt immer noch ihren Fortgang, und die Gewalttaten, die aus den letzten Monaten des verflossenen Jahres gemeldet werden, sind wahrhaft empörend. 

Am 2. August v. J., dem 21. Jahrestag der Ermordung Garcia Morenos (eigentlich war es der 6. August), wurde der ausgezeichnete katholische Schriftsteller Victor L. Vivar auf Befehl des radikalen Generalgouverneurs von Quito auf öffentlichem Platz erschossen, nachdem man ihm zuvor die Finger der rechten Hand, welche so oft die Feder geschickt und mannhaft für die gute Sache geführt, einzeln abgeschnitten hatte. 

Ein Schrei der Entrüstung ging durch ganz Ecuador; allein der Usurpator Alfaro (Eloy Alfaro war mehrfach Präsident von Ecuador, Freimaurer [es ist sogar eine Loge nach ihm benannt] und  wurde 2005 zum „besten Ecuadorianer“ gewählt) ist umgeben von einer auserlesenen Schar Blutmenschen, zumeist Ausländer, die mit ihm des souveränen Volkes spotten. Manche der verübten Schandtaten sind gar nicht mitzuteilen. 

Leider scheiterte der im letzten Sommer gemachte Versuch der Gutgesinnten, das unerträgliche Joch Alfaros abzuschütteln und geordnete Zustände zurückzuführen. An Begeisterung fehlte es nicht, selbst Frauen und Kinder nahmen am Befreiungskampf teil; allein es fehlte die notwendige Einigkeit, und so wurde es Alfaro ziemlich leicht, den „Aufstand“ blutig niederzuwerfen. Nach der erwähnten Ermordung Vivars waren zahlreiche Verhaftungen und Gütereinziehungen an der Tagesordnung. Unter den Verhafteten befinden sich auch eine größere Anzahl Priester, wie z. B. der eifrige, verdienstvolle Pfarrer von Cayamba, Dr. Negrete. 

So sind die Gläubigen in der Erzdiözese wie anderswo vielfach jeder geistlichen Hilfe beraubt, da ihre Seelsorger entweder in den Gefängnissen liegen oder flüchtig in den Wäldern umherirren und von den Spießgesellen Alfaros wie das Wild gehetzt werden.

Große Aufregung verursachte die gewaltsame Vertreibung der Salesianer Don Boscos, die hier, wie in anderen Staaten Südamerikas, seit mehreren Jahren eine sehr segensreiche Tätigkeit entfaltet hatten. 

In der Nacht vom 23. August ließ der Gouverneur Franco (der Mörder Vivars) alle Salesianer in Quito verhaften; ohne ihnen Zeit zu geben, die notwendigsten Kleidungsstücke mitzunehmen, brachte man die sieben italienischen Priester zur Polizeistation, von dort wurde sie den 24. um 4 Uhr morgens abgeführt; man brachte elende Lasttiere herbei und hieß die Patres aufsteigen. So wurden sie denn, ohne jede Vorbereitung oder Bequemlichkeit, umgeben von einer zahlreichen Wache, in nördlicher Richtung fortgeschleppt.
Wir glaubten alle, dass man sie an die Grenze von Kolumbien bringen wollte. Welcher Schrecken erfasste uns, als wir vernahmen, dass die Patres nicht nach Kolumbien, sondern über Pailes durch den wilden Urwald nach der Stadt Esmeraldas gebracht und dort auf das nächstbeste Schiff geladen werden sollten!

Und womit begründet man diese Gewalttat? Man sagt, die Salesianer hätten konspiriert! Natürlich glaubte niemand daran. Welch ein großer Schaden für Quito, das ganze Land, insbesondere für die Armen, denen die guten Patres nicht nur religiöse und technische Ausbildung, sondern auch das tägliche Brot, Kleider usw. gratis gaben, aus der Aufhebung jenes segensreichen Institutes folgt, ist noch gar nicht zu bemessen.

Die Nachricht von der Vertreibung der Salesianer gelangte erst in die Öffentlichkeit, als jene bereits über Berg und Tal waren. In der Aufregung, welche infolgedessen unter der Bevölkerung entstand, tauchte das Gerücht auf, dass man die Franziskanerpatres gleichfalls ausweisen wolle. 
Während die Männer in der Stadt und außerhalb sich aus Angst versteckt hielten, kamen Frauen und Kinder in Scharen herbeigezogen, stellten sich vor dem Franziskanerkloster auf und erhoben ein weithin hörbares Klagegeschrei. Da eilten auch zahlreiche Männer herbei und es entstand ein gewaltiges Gedränge. Der Gouverneur ließ Soldaten aufmarschieren, und die Menge empfing sie mit dem Ruf: „Es lebe die Religion!“ „Es leben die Franziskaner!“

Da das Volk nicht weichen wollte, gaben die Soldaten Feuer; als die Menge sich zerstreut hatte, fand man 18 Tote, Männer, Frauen und Kinder, auf dem Platz liegen. Die Regierung befürchtete indes eine allgemeine Erhebung und ließ deshalb verkünden, dass sie nie vorgehabt hätte, die Franziskaner zu vertreiben.

Die furchtbare Feuersbrunst, die vorigen Herbst die Hafenstadt Guayaquil heimsuchte und nach einigen Angaben fast drei Viertel der Stadt in Asche legte, wird allgemein als ein Strafgericht Gottes betrachtet. Da Guayaquil der Stapelplatz für fast sämtliche Waren ist, die nach dem Inneren bestimmt sind, wird das ganze Land durch das Unglück betroffen. Guayaquil hat die Züchtigung reichlich verdient. Es war der Herd fast aller Revolutionen, die das schöne Land so unsäglich unglücklich gemacht, und hatte seit langem die Führerschaft in dem geistigen Kampf gegen Kirche und Religion übernommen. 

Guayaquil nach dem großen Brand von 1896

In sittlicher Hinsicht wurde die Stadt schon oft mit Sodoma und Gomorrha verglichen. Der letzte Bischof, Msgr. Barriga, starb gebrochenen Herzens über die unsäglich traurigen Zustände, die dort herrschen. Sein Vorgänger, Msgr. del Pozo, wurde bei seiner Rückreise aus Rom von der Bevölkerung seiner Stadt verhindert, ans Land zu steigen, und musste nach Lima weiterfahren, wo er heute noch in der Verbannung lebt. Er war es, der beim Eintreffen der Unglücksnachricht als erster eine Sammlung zu Gunsten der betroffenen Stadt mit 1.000 Dollar unterzeichnete – ein schönes Beispiel christlicher Rache.

Vor etwas mehr als einem Jahr wurde auf der großen Plaza in Guayaquil der am meisten verhasste Bischof von Portoviejo, Msgr. Schumacher, in effigie öffentlich verbrannt, wobei der aufgehetzte Pöbel in wilder Ausgelassenheit um das Feuer tanzte. Als dagegen der Revolutionär Alfaro bei seiner Landung in Guayaquil den Bewohnern verkündete: „Ich bin gekommen, um die Theokratie (die katholische Kirche) zu stürzen“, jubelte das Volk ihm begeistert zu und erhob ihn zum Nationalgott.

Von hier aus hat auch diese letzte Revolution wie ein schmutziger, verheerender Schlammstrom sich über das Land ergossen. Bischof Schumacher weilt seitdem in stiller Zurückgezogenheit in Kolumbien, ist aber auch hier unablässig tätig zum Heil der Seelen. 

Noch immer lassen die Radikalen in den öffentlichen Blättern ihre ganze Wut an ihm aus und verbreiten über in die schmählichsten und zugleich lächerlichsten Gerüchte und Verleumdungen. Dieselben haben den Bischof Ezequiel Moreno Diaz von der Diözese Pasto in Kolumbien veranlasst, in einem Hirtenschreiben den Bischof Schumacher glänzend zu verteidigen. „Ein großer Ruhm ist es“, heißt es unter anderem, „wenn der gnädigste Bischof Schumacher geschmäht, verfolgt und verbannt wird. Diese Verfolgung ist der sicherste Beweis dafür, dass er die erhabene Mission des katholischen Apostolats erfülle, die schönste Empfehlung, welche er für seine Unbescholtenheit im Glauben aufweisen kann.“

Bischof Schumacher hat einer späteren Nachricht zufolge für eine kurze Zeit die Stille des Waldes verlassen und sich nach der Stadt Pasto begeben, um dort sein Werk zu veröffentlichen, welches er schon seit langem vorbereitete.

Noch sind, Gott sei Dank, zahlreiche gute Elemente in Ecuador. Es braucht auch diesmal einen Führer von der Art eines Garcia Moreno, um sie zu gemeinsamem Vorgehen zu einigen. Wir empfehlen das unglückliche Land recht dringend dem Gebet unserer Leser.

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)



Donnerstag, 10. April 2014

Große Missionsbischöfe: Kolumbien – Birma – Kolumbien – Msgr. Eugenio Biffi, Bischof von Cartagena de Indias


Von Südamerika ist wenigstens ein Name in unsere Totenliste einzutragen. 
Es ist dies Msgr. Eugenio Biffi, Bischof von Cartagena (de Indias). Die Stadt, die einstige Königin des karibischen Meers in Kolumbien (früher Neu-Granada), ist namentlich auch bekannt als Schauplatz der einstigen Tätigkeit eines hl. Peter Claver, des „Sklaven der Sklaven“, der hier an einem Haupstapelplatz der schwarzen Menschenware Wunder hingebender Liebe geübt.

Msgr. Biffi ist ein Kind des schönen Mailands, wo er am 22. Dezember 1829 geboren wurde. 1853 zum Priester geweiht, trat er ins Seminar der auswärtigen Missionen von Mailand, und ging 1856 auf besonderen Wunsch Pius IX. mit einem anderen italienischen Mitbruder als „Apostolischer Missionär“ nach Cartagena, um einigermaßen dem schreienden Priestermangel abzuhelfen. 

Nach mehreren Jahren unverdrossener Arbeit rief der Wunsch des Heiligen Vaters ihn plötzlich nach Rom zurück. Nur mit Schmerzen sahen die Katholiken Neu-Granadas ihn scheiden.
„Er geht,“ so lautete die Abschiedsadresse in der gefühlvoll gehobenen Sprache des Südens, „weil der Gehorsam ihn ruft; er verlässt unser Land, wo wir alle weinen in der Erinnerung an seine Tugenden und die Wohltaten, die er uns gespendet. Es weint der Kranke auf seinem Schmerzenslager, da derjenige geht, aus dessen Mund er Worte des Trostes vernommen; es weint der Arme, der aus der Hand des heiligen Priesters empfing, was dieser sich vom eigenen Mund erspart hatte…mögest Du glücklich sein, wohin immer Du gehst. Möge Dein Herz stets entflammt sein von dem gleichen unermüdlichen Eifer, Du gottgesandter Arbeiter im Weinberge des Herrn…Und sollte der Herr des Weinbergs, der aus gerechten Gründen jetzt unsere Bitten unerhört gelassen, Dich einst wieder in dieses Land zurückführen, o dann werden wir von neuem weinen, doch werden es dann Tränen der Freude sein.“

Diese Hoffnung sollte sich auch wirklich nach 23 Jahren erfüllen. Inzwischen aber wies ihm der Heilige Vater ein völlig neues Arbeitsfeld an, diesmal im fernsten Osten. 1866 war nämlich von dem alten Vikariat von Ara und Pegu in Hinterindien das Gebiet zwischen dem Saluën und Mekong als neue Apostol. Präfektur Ost-Birmanien abgetrennt und dem noch jungen Mailänder Missionsseminar anvertraut worden. 

Der hochw. Herr Biffi sollte als erster Apostol. Präfekt mit vier jungen Missionären des Seminars die schwierige Mission eröffnen. Am 6. Dezember 1867 traten sie die Reise an. Kaum in dem neuen Arbeitsfeld heimisch geworden, begann der Apostol. Präfekt mit feuriger Begeisterung das Werk der Bekehrung. Er fand in seinem Gebiet nur etwa 200-300 Katholiken vor. Bald aber mehrte sich die Zahl in erfreulicher Weise, namentlich unter den noch unverdorbenen Bergstämmen der Karenen und Laos, denen sich die Missionäre mit besonderer Liebe zuwandten. Wir haben in früheren Jahrgängen wiederholt aus den Briefen Biffis und seiner Mitarbeiter diese interessanten Volksgruppen geschildert. Jene Briefe zeichnen zugleich das Bild eines echten Apostels, der, keine Strapazen und Gefahren scheuend, fast beständig auf langwierigen Wanderschaften von Stamm zu Stamm die frohe Botschaft trägt.

Tatsächlich verdankt die Mission von Ost-Birma, die heute etwas 10.000 Christen zählt, die Entwicklung vorab der Energie und der Umsicht ihres ersten Apostol. Präfekten. Ihr wandte er auch sein ganzes väterliches Vermögen zu, so dass er später, als er zum zweiten Mal nach Cartagena kam, scherzend sagen konnte, er sei inzwischen Kapuziner geworden, nicht bloß dem Barte, sondern auch der Börse nach. Obgleich er seit mehr denn 20 Jahren aus Cartagena fortgewesen, hatte man dort den jungen seeleneifrigen Priester nicht vergessen, und als es sich 1881 um die Wahl eines neuen Bischofs handelte, wandten sich die Cartagener in dringender Bitte an den heiligen Stuhl, er möge den Hirtenstab in die Hände Biffis legen.

Leo XIII. gewährte den Wunsch. „Ich befand mich“, so schreibt Msgr. Biffi, „in meiner Missionswohnung in Tunghoo, als unerwartet ein Telegramm anlangte. Es enthielt die einfachen Worte. ‚Komm, der Papst ruft dich!‘ Mein Erstaunen war so groß, dass ich infolge der Erregung schwer erkrankte und meine Freunde schon glaubten, dass ich meine Gebeine wohl in Birma lassen würde. Wiederhergestellt begab ich mich auf den Weg nach Rom ohne eine Ahnung, was der Ruf bedeute. 
Wie groß war meine Überraschung, als Se. Heiligkeit mir sagte: ‚Sie gehen nach Cartagena als Bischof!‘“ Umsonst stellte er dem Heiligen Vater seine Unfähigkeit vor und die Schwierigkeit der Aufgabe. Der Papst konnte und wollte den dringenden Wunsch der Katholiken Neu-Granadas nicht unerhört lassen.

Am 19. Februar erhielt der Neuernannte in seiner Vaterstadt Mailand die bischöfliche Weihe und kehrte nun als reifer Mann und als Oberhirt in den Kreis zurück, den er als jugendlicher Priester einst verlassen. Am 19. Juni 1882 landete er im Hafen Cartagenas und wurde mit unbeschreiblichem Jubel empfangen.
Seine bischöfliche Amtsführung ist für die alte Hafenstadt zu einem wahren Segen geworden. 

Nicht nur, dass er die inneren Angelegenheiten der Diözese neu ordnete, die Erziehung des Klerus in die Hand nahm und eine Reihe wichtiger Reformen ins Werk setzte: er war vor allem der Vater seines Volkes und führte auch als Bischof sozusagen das Leben eines Missionärs, indem er persönlich die ganze Diözese auf seinen häufigen Hirtenreisen im Sattel durchzog, wobei er oft genug unter freiem Himmel übernachtete und allen Unbilden der Witterung sich aussetzte.

In seinen letzten Jahren sandte Gott dem eifrigen Oberhirten ein sehr qualvolles Leiden, das ihn am 8. November zum großen Schmerz seiner teuren Cartagener hinwegraffte. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Grab von Msgr. Biffi in der Kathedrale von Cartagena (Bildquelle: Baiji)

Samstag, 4. Januar 2014

Die Entfernung des hl. Ezequiel Moreno - Triumph der Liberalen und Freimaurer

St. Ezequiel Moreno y Díaz

„Hier in Kolumbien“, so schreibt derselbe Hochwürdige Herr (Reinhard Herbrand), „stehen die Dinge auch nicht mehr zum besten (wie in Ecuador). Der neue Präsident Reyes schmeichelt unter dem Vorwand des Friedens und der Eintracht den Liberalen. Wenn das so fortgeht, haben die Katholiken keine rosige Zukunft zu erwarten. 
In Bogotá sollen sogar manche Katholiken, welche das Vorgehen des Präsidenten missbilligten, im Gefängnis sitzen, darunter, wie es heißt, Priester und Jesuiten. 

Wir wissen bestimmt, dass Reyes in Rom arbeitet, um unseren guten spanischen Bischof Ezequiel Moreno aus Pasto fortzuschaffen, weil er energisch gegen ein Zusammengehen der Katholiken mit den Liberalen auftritt. Die Entfernung dieses Bischofs wäre ein Triumph der Liberalen und Freimaurer, welche für die katholische Sache in Kolumbien sehr schlimme Folgen hätte.“


(aus: die katholischen Missionen, 1905)

Dienstag, 5. November 2013

Aussätzigenpflege durch die Salesianer Don Boscos in Kolumbien

 
Kirche in Agua de Dios, wo Don Michele Unia S.D.B. seine letzte Ruhestätte fand


Bekanntlich hat ein Mitglied der italienischen Salesianer, Don Unia, sich in der Aussätzigenkolonie von Agua de Dios im Staat Kolumbien seit mehreren Jahren mit hingebendem Eifer der Pflege dieser Unglücklichen geweiht. Durch ihn und seine Mitbrüder scheint überhaupt dieses eminente Liebeswerk hier erst recht in Fluss gekommen zu sein.

Das Aussätzigenspital von Agua de Dios zählt augenblicklich etwa 800 Kranke, dasjenige de la Contratación 709. Das genügt aber noch lange nicht. Allein in dem Departement von Santander soll sich die Zahl dieser Unglücklichen auf 6-7000 belaufen, und die Seuche hat in den letzten Jahren eine erschreckend rasche Verbreitung angenommen. Um dieselbe zu hindern und für die Kranken besser zu sorgen, hat Don Erasio Pabagliati, der Obere des Salesianerhauses in Bogotá, der Regierung einen ausführlichen Plan zur Gründung eines neuen großartigen Spitals auf der wasser- und holzreichen Hochebene von Catanare vorgelegt und sich zur Übernahme der Leitung bereiterklärt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Samstag, 29. Juni 2013

Der hl. Ezequiel Moreno über Katholiken, die den Feind verteidigen


St. Ezequiel Moreno als Apostol. Vikar von Casanare, Kolumbien
„Diese toleranten, weichen, lieblichen Katholiken, die bis zum äußersten zuvorkommend zu den Freimaurern und den rasenden Feinden Jesu Christi sind, bewahren ihre schlechte Laune für diejenigen auf, die 'es lebe die Religion!' rufen, sie unter ständigen Mühen verteidigen und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen.“

- St. Ezequiel Moreno y Diaz, Bischof von Pasto, Kolumbien (+ 1906)

Mittwoch, 8. Mai 2013

Der Segen der Volksmissionen in Kolumbien (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Außerdem durchziehen einzelne Patres während eines großen Teiles des Jahres weite Strecke des ungeheuren Gebietes, namentlich jene Striche, wo unter der armen Indianer- und Negerbevölkerung (die Indianer bilden in Kolumbien 15 %, die Mestizen 40 %, die Neger, Mulatten und Zambos 35 %, die Weißen nur 10% der Bevölkerung) aus Mangel an regelmäßiger Seelsorge die religiösen Verhältnisse sehr daniederliegen. 
Die Schilderung einer dieser Missionstouren des P. Nicolas Rodriguez S.J. in den Dörfern des Magdalenenstromes wird uns am besten die Verhältnisse dieser halbzivilisierten Gebiete veranschaulichen.

Von Cartagena aus ging die Fahrt zunächst mehrere Tagereisen weit den mächtigen Strom aufwärts. An einem einsamen kleinen Dorf stieg der Pater ans Land. 

„Während ich durch die Gassen des Dorfes schritt, lud ich die Leute ein, zur heiligen Messe zu kommen. Wie erstaunte ich aber, als ich statt einer Kirche nur eine armselige Hütte traf, wo ich zwar einige alte Messgewänder, aber weder Kelch noch Messbuch vorfand! Auf meine Frage, in welchem Dorf der Señor Cura (Herr Pfarrer) wohne und wie oft er herkomme, hieß es, er wohne sehr, sehr weit entfernt und besuche sie bloß einmal im Jahr. Ich erkundigte mich nun, ob im Dorf ein Schwerkranker sich befinde, hielt den armen Leuten Unterricht (eine eigentliche Mission war ohne Kirche und heilige Messe nicht möglich) und ließ mich dann auf einem Negerkahne nach dem Dorf Simiti bringen, wo ich die erste Mission zu halten gedachte. 

Glücklich langte ich mit Gottes Hilfe an. Man erwartete mich bereits und empfing mich mit Glockengeläute und Flintengeknatter. Ich begann also die heilige Mission im Namen der süßesten Herzen Jesu und Maria. 
Zuerst aber suchte ich die Verhältnisse der armen Leute näher kennen zu lernen, um meinen Feldzugsplan danach einzurichten. Es sind hier fast lauter Neger, in ihren Sitten halbe Christen und halbe Wilde. Sie haben eben keinen Seelsorger und niemand, der ihnen die heilige Messe liest. Nur von Zeit zu Zeit kommt mal ein Priester aus einem anderen Dorf. Infolgedessen sind die Leute fast gar nicht unterrichtet. 
Ich ordnete demnach die Mission so an, dass die Kinder täglich zweimal Christenlehre, die Erwachsenen einmal einen Unterricht nach der heiligen Messe, dann des Abends Rosenkranz und Predigt hatten. 
Das göttliche Herz Jesu segnete die Arbeit seines armen Dieners. Der Andrang zumal zu den Predigten war so groß, dass die Pfarrkirche, obschon dreischiffig, öfters die Leute nicht fassen konnte. Mit den Kindern, die so willig und lenksam sind, konnte ich alles machen. 

Den Erwachsenen musste ich freilich schärfer zu Leibe gehen, um sie aus ihren sündhaften Gewohnheiten aufzurütteln. Besonders stand es schlimm mit den wilden Ehen. Da kein Pfarrer da war, schlossen sich die Paare in wilder Regellosigkeit zusammen, und um die vielen sündhaften Verhältnisse zu lösen, dazu genügte nicht einmal die Posaune des letzten Gerichtes, die ich mit Macht von der Kanzel aus schallen ließ (Anm.: wäre Zeit, dass man die auch heute mal wieder hört). 
Ich musste außerdem von Haus zu Haus umhergehen und den Leuten unter vier Augen ins Herz reden und mit dem hl. Paulus ‚gelegen und ungelegen‘ sie zurechtweisen. Dennoch war es ein wahrer Trost, die Beichten zu hören; und so viele große und dicke Fische gingen in mein Netz, dass meine Kraft dem Gewicht nicht gewachsen war und das Netz zerriss, wie es dereinst dem Apostel Petrus geschehen war. Ich konnte aber nicht wie er die Gefährten zur Hilfe rufen, da ich mich über 100 Stunden von der nächsten Residenz (so heißen die kleineren Ordenshäuser der Gesellschaft Jesu) befand und zudem sicher wusste, dass dort keiner abkommen konnte. 
Immerhin gelang es mir mit Gottes Hilfe, 300 Generalbeichten in dem einen Dorfe zu hören. Die in wilder Ehe lebenden Paare wurden teils getrennt, teils rechtmäßig getraut; die anderen Beichtkinder versprachen ernstliche Besserung. Da kein Pfarrer da war, musste ich alle noch ungetauften Kinder taufen und die Begräbnisse und Trauungen selbst vornehmen. 
Auch mitten in der Nacht wurde ich zu Sterbenden gerufen, wobei ich stets für Begleitung sorgte für den Fall, dass ich einem Jaguar begegnen sollte, die in diesen Stunden häufig in den Gassen nach Beute herumschnüffeln.“

Um die Wirkungen der Mission zu befestigen, richtete P. Rodriguez in der Gemeinde das Gebetsapostolat ein, das in Südamerika fast überall in großer Blüte steht, hinterließ den Mitgliedern schriftlichen Angaben über die Übungen und Andachten und ernannte unter den „Zelatoren“ einen, der an allen Sonn- und Festtagen die Glocke läutete, damit die Leute zur Kirche kämen und an Stelle der heiligen Messe den Rosenkranz zusammen beteten. 
Nachdem so der geistige Bau erneuert war, wandte der Pater auch dem materiellen Bau der Dorfkirche seine Aufmerksamkeit zu. Dieselbe stammte aus den spanischen Zeiten, war groß und geräumig, aber in sehr verfallenem Zustand. Der Pater rief also die Vornehmen des Dorfes zusammen und erklärte ihnen, was und wie repariert werden müsse. Sofort wurde eine Geldsammlung veranstaltet; der Pater legte ein Almosen, das er aus Spanien erhalten hatte, dazu, und nun wurden die Reparaturarbeiten gleich in Angriff genommen (heute scheint sie in ihren alten Zustand zurückgekehrt zu sein).

Zur Pfarrei Simiti gehörten drei andere Dörfer: San Pablo, Santa Rosa und Guamoco, die an der Mission teilgenommen, von Guamoco freilich nur wenige. Der Ort mit über 500 Seelen liegt 7 Tagreisen ab und hatte seit 40 Jahren keinen Priester mehr gesehen. Wegen der großen Entfernung und den schlechten Wegen musste P. Rodriguez, so Leid es ihm tat, vorläufig von einem Besuch Abstand nehmen. 
Bei seiner Abreise von Simiti folgten ihm die Leute unter den rührendsten Zeichen der Anhänglichkeit und des Schmerzes zur Landungsstelle. Nun hielt der Pater eine letzte väterliche Ermahnung und gab dem versammelten Volk mit seinem Missionskreuz noch einmal den Segen.

Die nächste Mission fand in Morales statt. Hier wohnte zwar ein Cura, aber die religiösen Verhältnisse waren nicht viel besser. Ein großer Teil der Bevölkerung, meist Neger, lebt in wilder Ehe, ohne eine heilige Messe zu hören oder zu beichten. 
Für sie bestand die Ausübung der Religion fast nur in einigen mit großem Prunk abgehaltenen Festtagen. Manche gingen, um ihrer Sonntagspflicht zu genügen, zur Kirchentüre, gaben, während der Priester drinnen zelebrierte, einige Flintenschüsse zur Ehre der heiligen Messe ab und kehrten dann befriedigt nach Hause zurück. 

Die Mission wirkte auch hier großen Segen; viele, die fast niemals in ihrem Leben gebeichtet und kommuniziert hatten oder in sündhaften Verhältnissen lebten, bekehrten sich aufrichtig. Auch hier wurde das Gebetsapostolat eingeführt und die Mission durch eine großartige Lichterprozession geschlossen. 

Ungleich traurigere Zustände fand P. Rodriguez in Rio Viejo. Der geistlichen Hilfe beraubt, war die Bevölkerung in religiöser und sittlicher Beziehung sehr verwildert; viele wussten gar nichts von Beicht und Kommunion und wahren einfach „getaufte Heiden“. Es war ein hartes Stück Arbeit, diese armen Neger aus dem Groben herauszuarbeiten und zu einer guten Beicht vorzubereiten.
Allein durch die Gnade und Barmherzigkeit des allerheiligsten Herzens Jesu, dessen Bild ich auch hier bleibend aufstellte, gelang es, das Volk durch Unterricht und Predigt zu Gott zurückzuführen.
Die Frucht dieser drei Missionen waren, außer der Abschaffung der größten Ärgernisse, 520 Generalbeichten und 1000 heilige Kommunionen. Das wäre für Europa nicht viel, wohl aber für die dortigen Verhältnisse.

In ähnlicher Weise verliefen die zahlreichen übrigen Missionen, die P. Rodriguez in dem weiten Gebiet des Magdalenenstromes noch hielt. So traurig vielfach die Verhältnisse liegen, überall lebt der Glaube noch, und es bedürfte nur einer hinreichenden Zahl guter Priester, um aus der Wildnis einen blühenden Garten zu machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1900)