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Samstag, 20. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias (Teil 1)

Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias

Die großen Orden der Kirche, die Benediktiner, die Franziskaner und Dominikaner sowie in neuerer Zeit die Jesuiten haben maßgeblich zur Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria in den Ländern Europas beigetragen und diese Verehrung auch in den ihnen übertragenen Missionsgebieten gefördert.

Mit dem Wachstum der äußeren Missionen entstanden im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Ordensgemeinschaften und Kongregationen, die speziell zum Zweck der Missionsarbeit gegründet wurden. Viele dieser Gemeinschaften tragen nicht nur einen marianischen Namen, sondern ahmen das Leben der Gottesmutter im eigenen missionarischen Wirken nach. In diesem Kapitel soll ein kurzer Abriss der Geschichte dieser Orden und ihrer Verehrung der allerseligsten Jungfrau präsentiert werden.


Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria

Die Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria (lateinisch Missionariorum Oblatorum Beatae Mariae Virginis Immaculatae, Ordenskürzel OMI) wurden 1816 durch den provenzalischen Weltpriester Eugen von Mazenod gegründet, um den Glaubensgeist unter der armen Bevölkerung der Provence zu heben. Im Jahr 1825 wurde die Kongregation von Papst Leo XII. bestätigt, der ihr die Aufgabe gab „jene Menschen in den Schoß der Mutter der Barmherzigkeit zurückzubringen, die Jesus Christus an seinem Kreuz ihr als Söhne und Töchter geben wollte“. Bereits zu Lebzeiten des heiligen Gründers, der im Jahr 1837 Bischof von Marseille wurde, ging die Tätigkeit der Oblaten über die Grenzen Frankreichs hinaus: Im Jahr 1841 zogen die ersten Oblatenmissionare in die Indianermission in Kanada, worauf im Jahr 1847 die Übernahme der Mission auf Sri Lanka folgte. Eugen de Mazenod, der 1861 starb und 1995 heiliggesprochen wurde, bezeichnete Maria als die „Mutter der Missionen“. Die schwierigen arktischen Missionen unter den Inuit in Kanada stellte der Orden unter den besonderen Schutz der unbefleckten Jungfrau. Der selige Joseph Gérard, der Apostel von Lesotho, hatte eine kindliche Andacht zur allerseligsten Jungfrau und vermittelte diese auch seinen Christen. Am 7. Dezember 1863 schrieb er: „Es ist eine Freude für mich, wenn ich mir vorstelle, dass unsere Basotho mit den anderen Nationen die Seligkeit der heiligen Jungfrau preisen werden. Mögen auch sie anfangen zu sagen: ‚Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!‘ Zwar tun sie es noch nicht aus ganzem Herzen und aus ihrer ganzen Seele, aber es ist Anfang; hoffen wir, dass die allerseligste Jungfrau ihnen den Rest lehren wird.“ Als seine Missionserfolge voranschritten, ,verbreitete sich auch die Andacht zu Maria unter dem Volk. Die Neugetauften begannen die Begrüßung der Oblatenmissionare untereinander zu verwenden: „Gelobt sei Jesus Christus – und die unbefleckte Jungfrau Maria“. Mit besonderem Eifer wurden auch die Maiandachten gepflegt.[1] So ist der Selige ein Vorbild des Ideals, das die Ordenskonstitutionen von 1966 im 6. Artikel zeichnen: „Sie [die Ordensmitglieder der Oblaten] werden in dieser Jungfrau einen Typus des Glaubens der Kirche erkennen und das vollkommene Vorbild für ihren eigenen Glauben, da sie Christus empfing, damit sie ihn mit der Welt teilen konnte, deren Hoffnung er ist. In ihren missionarischen Freuden und Leiden werden sie stets eng mit ihr, der Mutter der Barmherzigkeit, verbunden sein. Wo auch immer sie ihr Dienst hinführt, werden sie danach streben, in den Herzen der Menschen eine tiefe Andacht zur unbefleckten Mutter zu entfachen, die siegreich ist über alles Böse.“[2] Heute sind die Oblaten in zahlreichen Ländern vertreten. Der Sitz der mitteleuropäischen Provinz befindet sich im hessischen Hünfeld.



[1] Blessed Joseph Gérard, O.M.I. Apostle to the Basotho (1831–1914). Generalpostulat O.M.I. Rom 1991
[2] Jette, Fernand: The Missionary Oblate of Mary. Addresses and Written Texts, 1975–1985. Rom 1985


Freitag, 12. April 2019

Zu den Aborigines in Westaustralien – Dom Columba Marmion wollte Missionar werden




Der selige Columba Marmion studierte vor seinem Eintritt in den Benediktinerorden in Rom am Irischen Kolleg sowie am Kolleg der Propaganda. Durch seinen Studienfreund François Moreau erfuhr er von dem Werk des Abtbischofs Rosendo Salvado OSB, der das benediktinische Leben in seiner Abtei New Norcia in Westaustralien mit der Mission unter den Ureinwohnern verband. Der Selige war sofort von diesem Apostolat begeistert – denn er fühlte sich sowohl zum Ordensleben sowie zur Mission hingezogen. Dies schrieb er auch im Jahr 1881 an den Bischof:

„Ich fühlte mich immer innerlich angesprochen, wenn ich etwas über die vielen Tausende von Menschen hörte oder las, für die Jesus sein Blut vergossen hat und die dahinleben, ohne ihn zu kennen. Als ich nun Einzelheiten über Ihre Missionstätigkeit las, erkannte ich, dass es genau das war, wozu ich mich berufen wusste. Es ging mein Wunsch in Erfüllung: Ich könnte Mönch werden, und dürfte zugleich an der Rettung verlassensten Seelen arbeiten, und zwar in Gehorsam.“

Sein Freund Moreau wollte zuerst zu Msgr. Salvado stoßen und trat zu diesem Zweck in Belgien in der Abtei Maredsous ein, um sich im benediktinischen Leben ausbilden zu lassen – derselben Abtei, von der Marmion später Abt wurde. Es ist nicht ganz sicher, wieso Columba Marmion nicht in die Missionen ging. Fakt ist, dass Moreau nach einem Jahr wieder austrat und so wahrscheinlich die Verbindung zu New Norcia einschlief. Doch bei seinem glühenden Seeleneifer ist es sehr wahrscheinlich, dass Columba Marmion dem Missionswerk weiter zugetan war.

Seliger Columba Marmion, bitte für die Missionen!


(Quelle: P. Raymond Thibaut: Columba Marmion. Ein Meister des Lebens in Christo. Buch-Kunstverlag Ettal)

Freitag, 16. September 2016

Gregorianischer Choral bei den Indianern



Es dürfte manche interessieren, zu erfahren, dass die Bestimmungen des Heiligen Vaters [Pius X.] bei den christlichen Indianern getreulich zur Ausführung kommen. Beispielsweise singen die Sioux in North Dakota (Benediktiner[mission]) beim Gottesdienst fast nur Gregorianischen Choral und zwar recht gut. Der hochw. Herr Ganß, selbst ein guter Musiker, war freudig überrascht, als er bei den Pfriemenherzen-Indianern in Idaho einem Hochamt beiwohnte und die Rothäute die Choralmesse mit großer Präzision und Würde aufführen hörte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Samstag, 3. September 2016

Papst Pius X. als Beschützer der Indianer Südamerikas



Ein besonders großes Mitleid empfand Pius X. mit dem traurigen Lose der Indianerbevölkerung Südamerikas. Hier, wo einst das Missionsleben so herrlich geblüht hatte, war die einheimische Bevölkerung durch die meist gottlosen Regierungen der verschiedenen Republiken der unerhörtesten Ausbeutung und den entsetzlichsten Grausamkeiten geldgieriger und schamloser Abenteurer ausgesetzt.

Schon im zweiten Jahre seines Pontifikats trat Pius X. für die geknechteten Indianer ein. Er richtete an den gesamten Benediktinerorden ein Schreiben, in dem er alle Klosterorbern aufforderte, ja anflehte (exhortamur immo et obsecramus), alle Mönche, die mit dem Abt Gerard van Caloen nach Brasilien gehen wollten, mit Freuden ziehen zu lassen, damit das so arg verlassene Ackerfeld treffliche Arbeiter erhalte. Der Ruf verscholl nicht ungehört, und im Jahre 1909 wurde die Mission am Rio Branco tief im Inneren Brasiliens gegründet.

Auch andere Ordensleute wie die Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner, die Väter vom Heiligen Geist, die Salesianer Don Boscos drangen weiter in die Wälder vor, wohin sich die Indianer vor den Weißen geflüchtet hatten, und suchten die oft nur spärlichen Überreste früher starker Volksstämme zu sammeln und zu retten.

Im Verlauf weniger Jahre konnte Pius X. in Kolumbien die Apostolischen Präfekturen Caquetá (1904) und Chocó (1908) und die Apostolischen Vikariate Goajira (1905) und Llanos de S. Martín (1908), in Brasilien die Apostolischen Präfekturen Rio Negro (1910), Alto Solimôes (1910), und Teffe (1910) sowie die Prälaturen Santarem (1903), Araguaya (1911) und Registro da Araguaya (1914) errichten und die Apostolische Präfektur Urubamba in Peru (1913) zum Vikariat erheben.

Aber noch einmal erhob der Papst seine Stimme zu Gunsten der Indianerbevölkerung. Er tat es in der feierlichsten Form durch die Enzyklika Lacrimabili statu vom 7. Juni 1912 an den gesamten Episkopat von Lateinamerika. Voll Ernst und Schmerz beklagte der Heilige Vater die Gräuel, die namentlich an den Eingeborenen im Putamayogebiet begangen worden seien, und stellte sie den Schandtaten des verkommensten Heidentums an die Seite. 

Dann ermunterte er die Bischöfe, für die armen Kinder der Wälder Anstalten christlicher Nächstenliebe zu errichten, bestimmte, dass von Vergehen wie Verkauf oder Entführung von Indianern in Zukunft nur noch die Bischöfe die Lossprechung erteilen könnten, und versprach, selber die Gründung von neuen Missionen in die Hand nehmen zu wollen.

Dem Versprechen folgte sofort die Tat. Er berief englische und irische Franziskaner für die schwere Aufgabe im Putamayogebiet und hatte zugleich die Freude, dass das arme katholische England in wenigen Wochen 40.000 Mark für das zu gründende Unternehmen aufbrachte. 


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Donnerstag, 3. März 2016

Papst Gregor II. sendet den heiligen Bonifatius nach Deutschland

Aussendung des hl. Bonifatius durch Papst Gregor II. Stich eines Wandbild aus der Abtei St. Bonifaz in München, das vermutlich bei den Bombenangriffen im Jahr 1944 zerstört wurde.


Aus der päpstlichen Urkunde vom 15. Mai 719:

„Gregor, Knecht der Knechte Gottes, an den frommen Priester Bonifatius. Der Uns wohlbekannte Eifer Deines heiligen Entschlusses, der mit Christus Dein frommes Herz entflammt, und die als zuverlässig erprobte und verbürgte Kenntnis von Deinem reinen Glauben bestimmt Uns, in der Verkündigung des Wortes Gottes, die durch Gottes Gnade Uns anvertraut ist, Dich zum Gehilfen anzunehmen…

Im Namen der unteilbaren Dreieinigkeit und kraft der unverbrüchlichen Vollmacht des heiligen Apostelfürsten Petrus, dessen Lehre Wir unter göttlicher Fügung rein bewahren und dessen heiligen Sitz Wir einnehmen, haben Wir Deine Bescheidenheit und Ergebenheit berufen, und Wir beauftragen Dich, unter Anrufung des Namens Unseres Herrn Jesus Christus den Dienst des Reiches Gottes durch Verkündigung der Wahrheit auszuüben und im Geiste der Tugend, Liebe und Mäßigung die heilige Lehre des Alten und Neuen Bundes in einer den unwissenden Gemütern angepassten Weise zu verkünden, wohin immer Du mit dem Wort der Gnade Gottes und dem heilbringenden in Dir lodernden Feuer, das der Herr auf die Erde zu bringen gekommen ist, in Gottes Geleit zu Völkern kommen magst, die noch im Banne des Unglaubens  gefangen sitzen…“

(Aus: die katholischen Missionen, 1919)


Freitag, 19. Februar 2016

Einzigartige Sammlung: China Mission History

St. Francesco Fogolla O.F.M.

Kürzlich bin ich durch Zufall auf die Website China Mission Historyeine einzigartige Sammlung von Fotografien aus der China-Mission, gestoßen. Die Bilder sind nach Orden geordnet; darunter sind auch seltene Fotos von heiligen Märtyrern wie das oben vom heiligen Bischof Francesco Fogolla, der während des Boxeraufstands gemartert wurde.



Heilige Märtyrer Chinas, bitter für uns!

Sonntag, 28. September 2014

Feuriger Aufruf für Missionsberufungen


Von dem hochw. P. Peter Wacht O.S.B. im Kloster St. Ludwig bei Wipfeld am Rhein geht uns ein feuriger „Appell an die wissenschaftlich gebildeten Kreise Deutschlands“ zu. Derselbe fordert zu einer regeren Beteiligung am Missionswerk der Kirche auf unter Hinweis auf die kritische Lage, in welcher sich die katholischen Missionen in Asien und Afrika im vielfach ungleichen Kampf gegen Heidentum, Islam und Irrlehre befinden. Da sich das hier Gesagte im Wesentlichen mit dem deckt, was wir selbst wiederholt (vgl. die Aufsätze: „Die Missionspflicht der deutschen Katholiken“, Jahrg. 1908/1909, und „Die Missionsfrage auf dem Breslauer Katholikentag“, Jahrg. 1909/1910) ausgeführt, so sei darauf zurückverwiesen. Was aber der Appell besonders bezweckt, ist, Missionsberufe zu wecken. Unsere Missionäre bilden im Verhältnis zu der riesigen Aufgabe, die sie zu lösen haben, doch nur ein kleines Häuflein, das sich durch übergroße Arbeit vor der Zeit erschöpft und durch die Not der Lage gezwungen sieht, sich, mehr als gut ist, zu zersplittern. Darum der Ruf: Auf zur Missionsfahne!

„Wer daher noch frei ist von unlösbaren Banden, wer Interesse hat für die heilige Sache Gottes, wem der Gedanke einmal grell aufgeleuchtet, dass er an dem Ort, wo er steht, eigentlich unnötig ist, weil Dutzende bereit stehen, die ihn dort ersetzen können, der schließe sich den Missionären an, verstärke das Freikorps* Christi  und helfe den gewaltigen Kampf zum siegreichen Ende zu führen, von dem das Heil von Millionen abhängt. Priester sind in erster Linie willkommen, Studenten und Akademiker aller Fakultäten finden hier ein weites Feld für die edelsten Bestrebungen des Herzens; tüchtige Offiziere und Beamte waren stets hervorragende Zierden des Streitheeres Christi.“

An Berufen, so meint P. Peter, fehle es nicht; es gelte nur den schlummernden Beruf in vielen edlen jungen Herzen zu wecken. Namentlich gibt er den jungen Priestern zu bedenken, dass, während sie an ihrem jetzigen Posten kaum nötig sind, ihre Gegenwart in den Missionsländern für Tausende die Rettung bedeuten kann.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

*Freikorps ist hier nicht in dem Sinne der paramilitärischen Einheiten in der Weimarer Republik zu verstehen, der Artikel ist ja von 1910.

Sonntag, 21. September 2014

Große Missionsbischöfe: der Pionierbischof – Msgr. John Bede Polding O.S.B., erster Erzbischof von Sydney


Der Begründer der katholischen Kirche auf dem Australkontinent ist entsprossen aus einer ursprünglich deutschen Familie, die in Folge ihres langen Aufenthalts in England ihren deutschen Namen Bolten in den englisch klingenden Polding umänderte.
Er wurde zu Liverpool am 18. Oktober 1794 geboren; schon in seinem elften Lebensjahr verlor er seine Eltern und wurde daher von seinen Verwandten den Benediktinern von Douay anvertraut, welche, durch die Revolution aus Frankreich vertrieben, in Acton Burnell eine Zuflucht gefunden hatten. 

Nach Beendigung seiner Studien trat er 1810 in den Orden ein; am 4. März 1819 zum Priester geweiht, wurde er trotz seiner Jugend schon würdig befunden, die Leitung der Novizen des Ordens im Kloster Downside zu übernehmen; zu gleicher Zeit wurde er aber auch zum Vorsteher der im nämlichen Kloster bestehenden Studienanstalt ernannt. 

Indessen sehnte er sich nach den Missionen; sein Wunsch ging jedoch erst 1834 in Erfüllung und zwar auf eine ihm nicht ganz zusagende Weise. Australien hatte bisher unter der Jurisdiktion des apostolischen Vikars von St. Maurice gestanden; die ungeheure Entfernung hatte aber die Ausübung derselben fast zu einer Unmöglichkeit gemacht. Gern ging daher der heilige Stuhl auf den Vorschlang der apostolischen Vikarien Englands ein, in der aufblühenden Kolonie Neu-Süd-Wales ein neues Vikariat zu errichten, und er fand in P. Bede Polding, dessen Bescheidenheit schon im Jahr vorher das apostolische Vikariat von Madras abgelehnt hatte, das trefflichste Werkzeug zur Begründung der katholische Kirche auf dem Australkontinent. Demgemäß ernannte Gregor XVI. am 4. Juni 1834 den Benediktinerpater zum Bischof von Hiero-Cäsarea i. p. i. und zum apostolischen Vikar von Australien und Tasmanien. 

Die Tätigkeit, welche Msgr. Polding in seiner neuen Stellung entwickelte, und die großen Erfolge, welche er erzielte, haben wir teils bereits in einem früheren Jahrgang dieser Monatsschrift geschildert, teils werden wir noch im Laufe dieses Jahres darauf zurückkommen. Schon 1842 wurde in Australien die katholische Hierarchie eingeführt, Sydney zum Erzbistum erhoben und Msgr. Polding zum ersten Erzbischof der neuen Kirchenprovinz erhoben. Die bedeutenden Fortschritte jedoch, welche die Kirche auf dem Australkontinent machte, veranlasste 1873 den Erzbischof, in Rom um die Errichtung einer zweiten Erzdiözese einzukommen; seine Bitte wurde erhört und im März 1874 das Erzbistum Melbourne gegründet. 

So hatte Msgr. Polding, der bei seiner Ankunft in Sydney im Jahr 1835 nur drei katholische Priester für ganz Australien vorfand, das Glück, vor seinem Tod in Australien zwei Erzbistümer und elf Bistümer aufblühen zu sehen. Wegen seines hohen Alters war ihm am 23. Februar 1873 in der Person seines Ordensgenossen, Msgr. Roger Bede Vaughan, ein Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge gegeben worden. Ruhig konnte er daher dem Tod entgegensehen, da das von ihm mit so vielen Mühen und Arbeiten gegründete Werk auch für die Zukunft gesichert war. Seine hervorragenden Verdienste um ganz Australien und speziell um Neu-Süd-Wales erkannte auch die Regierung der Kolonie an, die bei seinem Begräbnis durch ihre ersten Würdenträger, den Gouverneur, den Oberrichter und sämtliche Minister, sowie durch den Präsidenten der gesetzgebenden Versammlung vertreten war.


(Aus: die katholischen Missionen, 1877)

Montag, 25. August 2014

Große Missionsbischöfe: Ein ganzer Missionär – Msgr. Clemente Pagnani O.S.B. Silv., Bischof von Kandy (Sri Lanka)

  (Bild hier, zweite Reihe links)

Bald nach dem Erzbischof von Madras entschlief der Senior des Episkopats von Ceylon, Bischof Clemente Pagnani O.S.B. von Kandy. Er stammte aus Fabriano im ehemaligen Kirchenstaat, war früh bei den Silvestrinern, einem Zweige des Benediktinerordens, eingetreten und 1861 im Alter von 27 Jahren zu Colombo auf Ceylon gelandet. Nach 18-jähriger Tätigkeit als einfacher Missionär wurde er 1879 zum Apostol. Vikar von Colombo ernannt. Clemente Pagnani war ein ganzer Missionär, dem jede Selbstsucht fernlag und der nur eins kannte: das Heil der Seelen.

Schon bald nach seinem Amtsantritt sollte er dafür das glänzendste Beispiel geben. Er überließ den Patres Oblaten Colombo mit etwa 128.000 Katholiken und übernahm mit seinen Ordensbrüdern das neu errichtete Vikariat Kandy. Die ganze Herde belief sich auf etwa 8.000 mit 6 Priestern.

Dieses Opfer blieb nicht ohne Segen. Das bezeugen folgende Zahlen. Bei seinem Tod hinterließ er 28.000 Katholiken in 11 Haupt- und 17 Nebenstationen, die von 6 europäischen und 17 einheimischen Priestern verwaltet wurden. Die 18 Elementarschulen wurden von etwa 2.000 Kindern, die höhere Lehranstalt von 340 Schülern besucht. 34 Schwestern, wovon 9 einer vom Bischof gegründeten einheimischen Kongregation angehörten, teilten sich mit 65 Lehrerinnen und Lehrern in die Leitung der Schulen und Waisenanstalten.

Was Bischof Pagnani selber seiner Herde war, und wie diese ihn ehrte, schildern am besten die schlichten Worte, die P. Gaspard S.J. über den Verstorbenen schrieb: „Er war ein Muster der Hingabe. Sein Leben verfloss in engster Verbindung mit dem Volk. Da er die einheimischen Sprachen wie ein Eingeborener beherrschte, hing ihm das Volk mit Begeisterung an und nannte ihn nur den singhalesischen Bischof. Alle, die mit ihm zusammenkamen, bewunderten sein geraden offenen Sinn, seine ungekünstelte Einfachheit und seine staunenswerte Demut. 

Die charakteristische Tugend des Prälaten war die Liebe zur Armut, die er in Wahrheit wie eine Mutter schätzte. Überall trat sie zu Tag, und er übte sie, auch wenn sie die peinlichsten [d. h. schmerzlichsten] Wirkungen für ihn hatte. Durch diese Verachtung alles Irdischen gab er der Welt des Luxus eine große Lehre. Solche Bischöfe brauchen wir.

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Donnerstag, 5. Juni 2014

Zum Fest: Abschied des heiligen Bonifatius (Gedicht)


Lebt wohl, ihr Brüder! Immer bei euch weilen
Wird fürder auch mein Herz im Gotteszelt.
Doch Christus ruft, der Jünger Los zu teilen,
Hinaus mich in die weite, fremde Welt.

Ein Riesenwald von Eichen und von Fichten
Dehnt sich vom Meer bis zu der Alpen Fuß:
Des Dämons finstern Tempel soll ich lichten,
Den Völkern bringen ihres Heilands Gruß.

So stolz sich auch die freien Recken brüsten,
In Sklaverei hält sie der Götzen Brut;
Es rast ihr wildes Heer in tollen Lüsten,
An Wodans Eichen klebt unschuldig Blut.

Dem Starken nur hilft Thor mit seinem Hammer
Und weiht mit Runenzauber Speer und Pfeil;
Der Schwache hilflos darbt in Not und Jammer,
Um kärglich Wergeld ist sein Leben feil.

Doch dämmert schon den Göttern selbst ihr Ende,
Es wankt die Weltenesche Yggdrasil;
Ein Stärk’rer naht! Es kommt die Zeitenwende –
Erschöpft sieht sich der Asen Macht am Ziel.

Christus ist da! Wie drängt’s mich, ihn zu künden,
Sein Kreuz zu pflanzen in den dunkeln Hain,
Im heil’gen Born zu waschen von den Sünden
Die grimmen Stämme der Barbaren rein!

O welch ein Bild! – Die Gaue leuchtend strahlen
Fern von der Elbe bis zum Rheinestrom,
Und in der Wogen blauem Spiegel malen
Sich herrlich Stadt an Stadt, und Dom an Dom!

Die Stämme, noch im düstern Forst verloren,
Sie scharen sich zu einem heil’gen Reich,
Und, von der Fürsten Siebenzahl erkoren,
Der Kaiser thront, der hehren Sonne gleich.

Von Kron und Zepter wie von tausend Türmen
Das heil’ge Zeichen der Erlösung glüht;
Siegreich in tausend Kämpfen, tausend Stürmen
Des Heilands Lieb im treuen Volke blüht.

Und sieh! Die Botschaft, die ich Deutschland bringe,
Tönt über Meer und Berge weit hinaus;
Dass zu den fernsten Inseln hin sie dringe,
Verlassen neue Boten Hof und Haus.

Frisch auf zur Fahrt! Gott wird den Sieger krönen!
Und die ihr bleibt, gedenkt in Liebe mein
Und betet, kämpft! Bis an der Erde Grenzen
Soll nur ein Hirt und eine Herde sein!


(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Montag, 12. Mai 2014

Québec früher



Bilder aus der Zeit vor der Quiet Revolution, als Québec noch gleichbedeutend mit römisch-katholisch war.


Levitenamt, Notre-Dame de Montréal (Quelle)


Kirche Saint-Roch, anscheinend bei einer Priesterweihe (Quelle)


Pontifikalamt (Quelle)
Trappistenkloster unsere liebe Frau von Mistassini (Quelle)


Levitenamt, Basilika Notre-Dame de Montréal (Quelle)


der erste Weiße Vater Kanadas: Msgr. John Forbes, Koadjutor-Apostol. Vikar von Uganda (Quelle)

Festmesse im Waisenhaus von Huberdeau (Quelle)


Prozession in Saint-Benoît-du-Lac (Quelle)
Aussetzung des Allerheiligsten nach Messe für Kranke (Quelle)




Mittwoch, 16. April 2014

Große Missionsbischöfe: gehasst von den Revolutionären, geliebt von den Edlen – Msgr. Peter Schumacher, Bischof von Portoviejo, Ecuador



Am 15. Juli schloss zu Samaniego, einer Ortschaft der Provinz Túquerres (Kolumbien), Msgr. Peter Schumacher, Bischof von Portoviejo in Ecuador, seine müden Augen. Er starb in der Verbannung, ein wahrer Bekennerbischof. Bischof Schumacher und der gleichfalls der Lazaristenkongregation angehörige Bischof Thiel von Costa Rica (+1901) bilden zusammen ein glänzendes Doppelgestirn. Sie zeigen, wie gerade der deutsche Priester mit seiner Arbeitskraft und zähen Ausdauer berufen scheint, der südamerikanischen Kirche neues Leben einzuhauchen.

Bischof Schumacher ist gebürtig aus Kerpen bei Köln, wo er am 11. Januar 1839 als Sohn braver katholischer Eltern zur Welt kam. Nach Vollendung seiner Gymnasialstudien zu Münstereifel trat er 1857 zu Paris in die Kongregation der Lazaristen, wirkte nach seiner Priesterweihe zunächst acht Jahre lang als Missionär in Chile und dann, gesundheitshalber nach Europa zurückgekehrt, als Professor der Theologie und Kirchengeschichte am Priesterseminar von Montpellier in Frankreich. 

Inzwischen war unter dem edlen Garcia Moreno im fernen Ecuador eine neue, bessere Zeit angebrochen. Zu seinen großen Reformplänen gehörte auch ein von Lazaristen geleitetes neues Priesterseminar. Schumacher war der Mann, der es schaffen sollte. Hand in Hand mit dem herrlichen Präsidenten arbeitete er mit voller Hingabe an dieser wichtigen Aufgabe. „Nur wer zu den Mühen,“ so schreibt das Boletin Eclesiastico von Quito (1902,403), „die mit einem solchen Unternehmen überhaupt verbunden sind, noch die besonderen Schwierigkeiten in unserem Land in Betracht zieht, wird das Verdienst Schumachers vollauf würdigen können.“ 

Er gab der Erzdiözese drei große, prächtige geistliche Erziehungsanstalten, das Knaben- und ein Priesterseminar in Quito und das Institut von Atocha, und legte nicht nur zum geistigen Gebäude den Grund, sondern arbeitete auch mit seinen eigenen Händen und im Schweiße seines Angesichts am materiellen Bau. „P. Schumacher war gleichzeitig Baumeister und Feldmesser, Maurer und Zimmermann, Maler und Blechschmied, dabei der pünktlichste Direktor, Professor in mehreren Klassen, stets der erste bei den Übungen der Frömmigkeit im Kreise seiner Mitbrüder wie an der Spitze der Alumnen.“

13 Jahre lang (1872-1885) hatte Schumacher unermüdlich als Erzieher und Bildner eines neuen Klerus gearbeitet und mit Hilfe seiner Mitbrüder die Weltgeistlichkeit von fast ganz Ecuador reformiert, als ihn der Wille des Papstes auf den 1871 errichteten Bischofssitz von Portoviejo in der Küstenprovinz Manabi berief. 

Die Diözese Portoviejo umfasst mehr als die Hälfte der langgestreckten Küste von Ecuador und zählte damals etwa 130.000 bis 150.000 Einwohner, teils Weiße spanischer Abkunft, teils Neger und Mischlinge von Weißen und Negern, und einige Tausend Indianer, dem Namen nach sämtlich katholisch, in Wirklichkeit aber größtenteils der Kirche entfremdet. Als Bischof Schumacher im Jahr 1885 die Regierung seiner ausgedehnten Diözese antrat, fand er das Land in einem halbwilden Zustand. Nirgends war ein Priester, nur hier und da eine vereinzelte verwahrloste Schule; Raub und Mord waren an der Tagesordnung, und unter der herrschenden Unsicherheit lag der Landbau vollständig danieder. 

Der neue Oberhirt wandte zunächst seine Sorge der Beschaffung guter Priester und der Bildung der Jugend zu. Nach Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten gelang es ihm, aus Deutschland, Frankreich, Nordamerika, Italien und Spanien die nötigen Priester ins Land zu ziehen und mit Hilfe von männlichen und weiblichen Ordensgenossenschaften in allen Teilen des Landes Anstalten zum Unterricht und zur Erziehung der Jugend, zur Heranbildung einer tüchtigen Priesterschaft und zur Hebung von Religiosität und Sitte zu gründen. 
Rasch blühten dieselben empor, und es begann sich allgemein ein frisches, religiöses Leben zu entwickeln. Ruhe und Zufriedenheit kehrten in die Familien und Gemeinden ein, es hob sich die allgemeine Sicherheit, Ackerbau und Viehzucht gediehen, und alljährlich wurden in dem ergiebigen Boden Tausende von Kaffee- und Kakaobäumen angepflanzt. Zur Hebung der äußeren Wohlfahrt baute der Bischof Brücken, verbesserte die Verkehrsmittel, führte Bewässerung durch Windmühlen ein und lehrte eigenhändig die Anfertigung von Ziegeln. 

Die Diözese Portoviejo war bald in religiös-sittlicher wie in materieller Hinsicht der blühendste Teil des Landes, und Bischof Schumacher wurde als der Urheber dieser Blüte von der Liebe des Volkes getragen. Sein wohltätiger Einfluss blieb auch nicht auf seinen Sprengel beschränkt: das ganze Land trug die unverlöschlichen Spuren seines Wirkens. 
Seine Ferienzeit hatte er in der Regel der Bekehrung und der Zivilisierung der umwohnenden Indianer gewidmet. So kam es denn, dass er seit den Tagen des seligen Präsidenten und Landeserneuerers Garcia Moreno der allgemein verehrteste und volkstümlichste Mann von Ecuador war.

Je ersichtlicher aber die Liebe und Anhänglichkeit des Volkes an Bischof und Kirche zunahmen, umso heftiger steigerten sich der Hass und die Wut der geheimen Gesellschaften, die ja seiner Zeit auch de Präsidenten Garcia Moreno um seiner Kirchentreue willen ermordet hatten. Zuerst suchten sie durch die schamlosesten Lügen und Verleumdungen in ihren gottlosen Zeitungen das segensreiche Wirken des Bischofs zu untergraben; als dieser jedoch zur Bekämpfung jener Schandblätter das katholische Wochenblatt El Hogar Cristiano gründete und hier alle Angriffe und Anfeindungen immer siegreicher zurückwies, fassten die Freimaurer den Beschluss, ihn durch Mord zu beseitigen. Wiederholt wurden Mordanschläge gegen sein Leben unternommen,, aber mit Gottes Hilfe jedes Mal durch die Wachsamkeit der Priester und der Seminaristen und bei besonderen Gefahren auch durch den Schutz des treuen katholischen Volkes glücklich vereitelt. 

Da die Mordgesellen auf diesem Weg nicht zu ihrem Ziel gelangten, zogen sie sich in das Gebirge zurück und bildeten dort mit flüchtigen Verbrechern eine Art Räuberbande, welcher sich bald auch Gesindel aus aller Herren Ländern zugesellte. Solche Elemente pflegt die in Mittel- und Südamerika bestehende internationale Revolutionspartei jeweils an den Punkten zu sammeln, wo ein Aufstand geplant ist. Aus ihnen werden dann Heere gebildet, welche sich je nach Umständen Patrioten, Befreier, Wiederhersteller usw. dieses oder jenes „Vaterlandes“ nennen.

Als nun in der wichtigen Hafenstadt Guayaquil die Revolution ausbrach, rückte diese Bande, die mittlerweile auf etwa 400 Köpfe angewachsen war und die Reisenden und die umliegenden Dörfer unter dem Feldgeschrei: Muera Cristo! Viva la Libertad! (Tod Christus! Es lebe die Freiheit!) u. dgl. plünderte, am 1. Mai 1895 gegen die Bischofsstadt, wurde aber von der kleinen, nur 40 Mann starken Besatzung zurückgeschlagen und ihr Führer getötet. 
Die unsichere Lage ließ jedoch die zeitweise Entfernung des Bischofs als ratsam erscheinen. Am 20. Juni 1895 kam der Plan zur Ausführung; allein anstatt seinen Feinden zu entgehen, fiel der Bischof ihnen geradewegs in die Hände. In aller Frühe hatte er sich mit fünf Priestern auf den Weg gemacht, und gegen Abend erreichte er das Kloster der Benediktinerinnen zu Calceta, wo er zu übernachten gedachte, um am nächsten Tag die Flucht fortzusetzen.

 Kaum aber dort angelangt, wurden die Flüchtlinge von einer Bande Verschwörer unter dem bekannten Ruf: Muera Cristo! umzingelt, gefangen genommen und mit dem Tod bedroht. Der Kapuzinerpater Angelus erhielt dabei einen Schuss in die Hüfte, den Bischof und die übrigen Priester schützten die Schwestern mit eigener Gefahr.
Durch die treugebliebenen Soldaten wurden die Bedrängten jedoch in der äußersten Gefahr gerettet. 

Fünf Tage und fünf Nächte marschierten sie dann, fortwährend den Tod vor Augen, unter beständigen Angriffen der Feinde, inmitten der Truppen, durch Flüsse und Sümpfe, bis sie endlich den Urwald erreichten. Hier waren sie nun der Verfolgung der Rebellen entzogen, um aber neuen Gefahren entgegen zu gehen. Nach unsäglichen Mühsalen und Bedrängnissen gelangte der Bischof, von der Bevölkerung mit Jubel empfangen, am 20. Juli in die Landeshauptstadt Quito. 

Allein auch hier war sein Leben bald wieder gefährdet, da durch den Verrat des kommandierenden Generals die Revolution siegte. Nun floh er nach dem benachbarten Kolumbien und lebte hier seit der Zeit zu Túquerres (Diözese Pasto) von den Almosen des gläubigen Volkes, des Tages harrend, wo der Allmächtige seine strafende Hand von dem armen Ecuador zurückziehen werde.
Er sollte diesen Tag nicht erleben. Aber auch in der siebenjährigen Verbannung war der Bischof nicht untätig. 

Msgr Schumacher (in Mantelletta und Chorhemd) neben dem hl. Ezequiel Moreno (schwarzes Rekollektengewand mit langem Gürtel und Bischofskreuz) bei Kapuzinern in der Diözese Pasto. Der heilige Bischof von Pasto, der Bischof Schumacher in seiner Diözese aufnahm und sein enger Freund war, hielt auch dessen Leichenrede, bei der er sagte: Die oberhirtlichen Tugenden des hochwürdigsten Herrn Peter Schumacher und insbesondere sein Starkmut bei der Verteidigung der Unversehrtheit des Glaubens machten aus ihm einen Bischof, wie ihn die Kirche in diesen Zeiten braucht.

Sein Aufenthalt wurde, wie das genannte Boletin ausführt, für Samaniego und Umgebung ein wahrer Segen, da der an Tätigkeit gewohnte deutsche Bischof auch hier rastlos an der geistigen und materiellen Hebung der Bevölkerung arbeitete. 

Konnte er die Katholiken Ecuadors nicht mehr durch seine Gegenwart und sein lebendiges Wort stärken, so tat er es mit der Feder. Seine Schrift „¿Teocracia o Demoncracia? ¿Cristo o Lucifer? ¿Quien vencerá?“ (Soll Gott herrschen oder Satan? Christus oder Luzifer? Wer wird siegen?), die wiederholt gedruckt wurde, war ein flammender Protest gegen die schmachvolle Politik der radikalen Regierung, die das Programm des elenden Emporkömmlings Eloy Alfaro „Ich komme, um der Herrschaft Gottes in Ecuador ein Ende zu machen“, nach Kräften auszuführen suchte. Mit schonungsloser Schärfe legte Schumacher die für die geistige und materielle Wohlfahrt gleich verderblichen Folgen jener Misswirtschaft dar und geißelte die Heuchelei der Logenmänner, die die Freiheit verheißen und eine unerträgliche Tyrannei gebracht hätten. 

Gebrochen durch körperliche Leiden und Sorgen, starb der Bekenner Christi, heilig, wie er gelebt. Als ihm die letzte Wegzehrung gebracht wurde, legte er mit letzter Kraft noch einmal das katholische Glaubensbekenntnis ab und verzieh feierlich all seinen Feinden und Verfolgern. 

Ein Wehklagen ging bei der Kunde seines Todes durch die Bevölkerung. „Unser Vater, der heilige Priester ist tot“, riefen die Leute auf den Straßen. Auch in Ecuador machten die Todesnachrichten tiefen Eindruck. Selbst die unabhängige La Patria feierte den Hingeschiedenen als „das heldenmütige Opfer einer traurigen Missregierung“, als den „starken Paladin der kirchlichen Rechte“, der, gehasst von den Revolutionären, geliebt von den Edlen des Landes, in harter Verbannung und beladen mit ungerechter Schmach seine irdische Laufbahn vollendet habe.


(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Montag, 24. Februar 2014

„Auch die starkumwallten Städte werden fallen und der Feind verschwinden, sobald es dem Herrn der Heerscharen gefällt“


Westminster Cathedral (Quelle: Diliff) 


Am 28. und 29. Juni sah London eine herrliche Doppelfeier: die Konsekration der neuen prächtigen Kathedralkirche von Westminster und das 60-jährige Jubiläum der Errichtung der katholischen Hierarchie in England. Inniger Dank und freudige Zuversicht waren die Grundstimmung der Feier. Wie die Kirche in England sich entwickelt hat, zeigt der folgende Vergleich:

Zeitpunkt
Kirchen u. Kapellen
Schulen
Priester
Klösterl. Niederlassungen
Um 1850
587
500 verschied. Art

788
70
Um 1910
1760
1064 höhere, ca. 2000 Pfarrschulen mit weit über 300.000 Kindern und Zöglingen
3687
1159

dazu kommt, dass die katholische Kirche heute im öffentlichen Leben eine sehr geachtete Stellung einnimmt und im Parlament wie in den höchsten Staatsstellen ihre Vertreter hat. 
Die Tatsache, dass das britische Weltreich heute wenigstens 12 Millionen Katholiken zählt, gibt auch den 2 Millionen englischen Katholiken einen festeren Rückhalt. 

Die hoffnungsvolle Stimmung klang denn auch kräftig in den Festpredigten durch. „Was die Zukunft betrifft“, so schloss der greise Bischof von Newport, John Hedley O.S.B., seine herrliche Rede, „so schauen wir ihr entgegen mit dem Vertrauen solcher, die da wissen, dass sie der neuen Bundeslade (der wahren Kirche) folgen. 

In welchem Maß und zu welcher Stunde der wahre Glaube in diesem Land hier wieder zu teil wird, vermessen wir uns nicht zu ergründen. Aber wir bleiben fest dabei, dass es für dasselbe kein wahres Glück gibt, bis es die Kirche wieder anerkennt. Wir lassen uns nicht täuschen durch seine materielle Größe, seine Armee, seine Flotte, seinen Reichtum, seinen Handel, seine weithin wehende Flagge. Solche Dinge sind nicht das Christentum und besitzen nicht die Verheißung des ewigen Lebens. 

Nur das Königreich Christi auf Sion kann die Menschheit im Glück und im Unglück retten. Dieses Reich mag zeitweise verdunkelt werden. So ist’s auch mit der Sonne. Wie sie, so kann die katholische Kirche dieser oder jener Nation, diesem oder jenem Geschlecht (d.h. Generation) zeitweise durch die Wolken menschlichen Irrtums oder die Empörung oder Eingriffe menschlicher Willkür und Schuld verhüllt bleiben. Aber durch Gebet und Gnade bricht die ihr angeborene Sichtbarkeit immer siegreich durch. 

Vor uns steht sie klar wie die Sonne, und wir folgen ihr. Und so geschwollen und gewaltig die Flut vor uns sein mag, ihre Wasser werden sich teilen, wenn die Bundeslade sie berührt, und auch die starkumwallten Städte werden fallen und der Feind verschwinden, sobald es dem Herrn der Heerscharen gefällt.“

Dasselbe gilt auch von der Zukunft der Weltmission. Sie gehört uns, mag sie auch fern sein. Gott rechnet nicht mit Jahren und Jahrzehnten, sondern mit Jahrhunderten.

(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Sonntag, 19. Januar 2014

Wenn der protestantische Prediger einen auf „Padre“ macht

(Quelle: Adelbrecht)

Vor uns liegt der erste Bericht des hochw. P. De Cock, einer der Scheutvelder Missionäre, die jüngst der bedrängten philippinischen Kirche zu Hilfe geeilt sind.
Der Apostol. Vikar, Msgr. Agius O.S.B., nahm die neuen Hilfskräfte mit Tränen der Freude auf. Im Augustinerkloster von Manila fanden die Ankömmlinge gastliche Aufnahme und bereiten sich hier auf ihre neue Tätigkeit vor. 
P. De Cock aber eilte nach Bigan, der Residenz des Bischofs Dougherty, für dessen Sprengel, Nueva Segovia, die Scheutvelder bestimmt sind.

Die Stadt Bigan zählt etwa 15.000 Einwohner, meist Leute aus dem Eloranostamme mit starker Zumischung chinesischen Blutes. Die Kathedrale gleicht einer gewöhnlichen Dorfkirche. In Banguet holte P. De Cock den auf einer Firmreise befindlichen Bischof ein. „Er ist ein Mann von 43 Jahren von echt amerikanischer Tatkraft. Er ist fast ununterbrochen auf der Rundfahrt durch seinen Sprengel, keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass ordentlich gebahnte Wege und Fahrstraßen selten sind und der Oberhirte oft an einem Tage 12-13 Stunden im Sattel sitzt.“

In Begleitung des Generalvikars Carrol zog P. De Cock weiter, um das von den Scheutveldern zugewiesene Arbeitsfeld näher kennen zu lernen. Die Fahrt in der ärgsten Sommerhitze (Februar-Mai) durch eine wildromantische Gebirgslandschaft in einem einheimischen Rüttelkasten war mühsam genug. Nur ein Erlebnis sei aus dem Bericht ausgehoben.

In Bagum, dem höchstgelegenen Orte der Provinz Lepanto-Bontoc, kehrten die Reisenden bei einem Eingeborenen ein. Eine junge Christin im Dorf lag im Sterben. P. De Cock eilte hin und hatte gerade noch Zeit, dem Mädchen die letzte Lossprechung zu spenden. Es starb während der Sterbegebete. 
Zu seinem nicht geringen Erstaunen erfuhr der Missionär, dass die Kranke regelmäßig von einem gewissen „Padre Stanton“ besucht worden sei. Wer sollte dies sein, da bekanntermaßen kein katholischer Priester in dem Gebiete ringsum wohnte?

Die Sache klärte sich bald auf. In einem drei Stunden entfernten Ort hatte sich ein protestantischer Prediger niedergelassen, der, um das einfache Volk zu täuschen, den katholischen Priesterrock trug, die Sakramente in katholischer Weise spendete und in allem den katholischen Seelsorger nachzuahmen suchte. 
Wie sich herausstellte, hatte derselbe noch einen Kollegen, der es geradeso machte. 
Während P. De Cock und sein Begleiter und sein Begleiter in Bontoc Siesta hielten, ließ sich ein Reverend Spencer anmelden. Um nicht zu stören, hatte er versprochen, später wiederzukommen.

Richtig um 4 Uhr nachmittags stellte sich der Herr in einer enganliegenden katholischen Soutane vor, mit einem großen Kreuz vorn auf der Brust. Er tat ganz vertraut und sagte, er sei glücklich, dass katholische Missionäre zu dem verlassenen Volk zurückkehrten. Seine Einladung zu einem Gegenbesuch wurde höflich abgelehnt.

Abends stellte sich der Reverend abermals vor, diesmal von Frau und Kindern begleitet. Seine Absicht war klar genug; er wollte die Missionäre als Kollegen behandeln, um den Schein aufrecht zu halten, als bestehe zwischen Protestanten und Katholiken kein Unterschied. 
Dies zwang die Missionäre zu einer unumwundenen Erklärung. Sie hielten dem Prediger vor, dass seine unwürdige Nachäffung des katholischen Priesters und Kultus eine Heuchelei und nur dazu angetan sei, das Volk irrezuführen. 
Beschämt und kleinlaut zog der Pseudopriester ab. Die Aufklärung hatte zur Folge, dass er das nächste Mal in seiner Kirche nur noch 15 Zuhörer zählte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)