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Donnerstag, 6. Juni 2013

Die Geschichte der Union der Bulgaren im 19. Jhd. - Freud und Leid in raschem Wechsel (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Das waren freudige Tage voll Sonnenschein und froher Hoffnung. Siegesgewiss verkündeten damals bereits viele Stimmen den Übertritt von ganz Bulgarien. 
Msgr. Sokolski hatte in Rom häufig dieselbe Hoffnung kundgegeben, ja den Papst schon um Errichtung eines eigenen bulgarischen Patriarchats gebeten. 

Was würde er wohl gesagt haben, hätte er in jenem Augenblick in die Zukunft schauen und die frohen Hoffnung fast alle zerronnen, sich selbst in den Gefängnismauern eines russischen Klosters erblicken können!

Die Union hatte eben gewaltige Feinde; namentlich machte Russland verzweifelte Anstrengungen, um sie zu erdrücken. Seit langen Jahren hatte es gearbeitet, weder Geld noch Mühe gespart, um die religiöse Bewegung in Fluss zu bringen, und jetzt hätte es die Früchte seiner Anstrengungen widerstandslos der gehassten römischen Kirche überlassen sollen? 
Daran war nicht zu denken. Dazu kamen dann noch die Schwierigkeiten von Seiten der nicht übergetretenen Geistlichen, die als weltliche Beamte ihrer Nation so mächtig waren und so oft bewiesen hatten, dass sie zu allen Schlechtigkeiten fähig seien. 

Also Feinde ringsum! Und die Freunde? Sympathie fand die Union freilich bei den Katholiken von ganz Europa, aber nirgends fand sich ein mächtiger Staat, der seinen Einfluss und seine Hilfsmittel für sie in die Waagschale geworfen. Und doch wäre eine tatkräftige Unterstützung so notwendig gewesen. Fast überall waren nämlich die Unierten in der Minderzahl, verloren also mit dem Übertritt alle Kirchen. 
Ferner fehlte es an Schulen, um die Jugend zu unterrichten, an Zeitungen, um den Verleumdungen der gegnerischen Presse entgegenzutreten, und endlich, was am meisten zu beklagen war, es mangelte an bulgarisch redenden Priestern. 

Viele Dörfer, welche die Union und einen Missionär verlangten, konnten mit einem solchen nicht versehen werden. In den Augen vieler der Übergetretenen selbst war zudem die Union nur ein Werk der Politik, ein Schachzug, um zugleich den Griechen und den Russen zu entgehen und die eigene Nation zu Ehren zu bringen; sie wurden kalt gegen Rom, als sich ihre nationalen Hoffnungen nicht erfüllten. 
Kein Wunder also, wenn die Union, statt fortzuschreiten, zurückging. Verwirrung, Misstrauen, Missstimmung griffen allmählich um sich, als plötzlich das Ereignis eintrat, das wie der Todesstoß für das so hoffnungsvoll begrüßte Werk schien.


Am 5. Juli 1861 erhielt die Propaganda in Rom ein Telegramm des Inhalts: „Der vor Kurzem geweihte Erzbischof Sokolski, der Führer der bulgarischen Union, ist spurlos verschwunden.“

Wo war er? Was bewog ihn zur Flucht? Wohin hatte er sich gewendet? Und wenn er wirklich, wie man gleich vermutete und wie es sich bestätigte, nach Russland gegangen war, ging er freiwillig oder gezwungen dorthin? War er der Union treu geblieben oder hatte er seine Überzeugung verkauft? 
Letzteres schien den Meisten unglaublich; denn vor seiner Weihe hatte man ihm vergebens ungeheure Summen für den Abfall geboten. Einige meinten, man habe den Erzbischof unter dem Vorgeben, ihm Geld zu leihen, auf ein Schiff gelockt und dann nach Russland in die Verbannung geschleppt. 
Kurz vor seinem Verschwinden hatte man ihn nämlich aus dem Palast des russischen Gesandten treten und bald darauf das Dampfboot nach Odessa besteigen sehen. 

Andere vermuteten Schlimmeres, und zwar deshalb, weil der Erzbischof schon seit längerer Zeit mit russischen Agenten verkehrt hatte, weil er samt seinen Insignien und den päpstlichen Bullen verschwunden und sein Pope Theodor ihm nach Russland vorausgeeilt war. Wie man behauptete, lebte er später als Gefangener in einem orthodoxen Kloster des Gouvernements Cherson, wo niemand ihn besuchen und sprechen durfte. 

Nach zehn Jahren sei er wieder einmal in Chelm aufgetaucht, wo er unierten Klerikern die Priesterweihe erteilte, übrigens aber nach der Feier gleich wieder verschwunden sei, ohne mit jemandem ein Wort gewechselt zu haben.

(Aus: die katholischen Missionen, 1885)


Freitag, 14. Dezember 2012

Anfängliche Schwierigkeiten der Mission im „orthodoxen“ Griechenland


Auf Samos, dem sagenberühmten, wirken seit etwas über 10 Jahren die französischen Väter von den Afrikanischen Missionen von Lyon. Sie kamen auf die dringende Einladung des damaligen Bischofs von Chio, unter dem Samos steht, und der dortigen verlassenen Katholiken, die seit 15 Jahren keinen ständigen Priester mehr hatten. Die „orthodoxen“ Griechen, welche die Mehrzahl der Bewohner bilden, sahen die Ankunft katholischer Priester mit misstrauischen, unfreundlichen Blicken, und diese hatten anfangs einen schweren Stand.
Allein dank ihrer klugen, festen Haltung schwanden die Vorurteile immer mehr, und heute ist die einst fast feindselige Kälte einem aufrichtigen Wohlwollen gewichen. Beweis dafür ist das Vertrauen, mit dem zahlreiche schismatische Familien den Patres ihre Kinder zur Erziehung anvertrauen. An Stelle des schlichten Zimmer, das vormals als katholische Kapelle gedient hat, steht heute in einem der belebtesten und bestgelegenen Viertel von Batty (Vathi), der jetzigen Hauptstadt, eine hübsche romanische Kirche.
Der letzjährige Besuch des hochw. Herrn Bischofs, Msgr. Nicolai, zur Spendung der heiligen Firmung gestaltete sich zu einem wahren Jubelfest, und die ehrfurchtsvolle Haltung der Schismatiker bewies, dass sich die wahre Kirche auch hier eine ehrenvolle Stellung erobert hat.

(aus: die katholischen Missionen, 1897)

Mittwoch, 2. Mai 2012

Ursulinninen auf Tinos berichten über das Sterben einer ganz besonderen Schülerin

In einem Bericht über die Erziehungstätigkeit der Ursulininnen auf der griechischen Insel Tinos findet sich die Geschichte über den erbaulichen Tod eines Zöglings der Schwestern:


Vor etwa drei Wochen hatten wir den Schmerz, eine unserer Schülerinnen zu verlieren. Sie starb nach fünfwöchentlicher, mit unveränderlicher Geduld ertragener Krankheit. Das Kind war nur 13 ½ Jahre alt. Es war uns erst 7 Jahre alt zur Erziehung anvertraut worden und war sonst immer sehr gesund gewesen, dabei lebhaft und munter bis zum Übermaß, fast leichtsinnig. 


Man fragte sich zuweilen, ob die Frömmigkeit in diesem kleinen Herzen wohl tiefe Wurzeln geschlagen habe. Allein die Krankheit enthüllte so recht die ganze Schönheit dieser reinen Seele, die ganz ohne Zweifel ihr Taufkleid unbefleckt vor Gottes Richterstuhl gebracht hat.
Obschon Tag und Nacht vom Fieber verzehrt, kam doch nie eine Klage über ihre Lippen. Die wechselnden Phasen der Krankheit machten eine große Menge Arzneien von Nöten. 


Aber das Kind erbaute uns durch seine sich stets gleichbleibende Sanftmut, Frömmigkeit und Gehorsam. Mit freundlichem Lächeln dankte es für jeden Dienst. Mit seltener Regelmäßigkeit hielt die kleine Kranke ihre geistlichen Übungen. Unaufgefordert machte sie am Morgen ein großes Kreuz und verrichtete ihr Morgengebet, ohne eine Silbe auszulassen. 
Nie überhörte sie den Engel des Herrn. Selbst am Vorabend ihres Todes, als schon der Todeskampf begonnen und ihre Ohren bereits dem Lärm dieser Welt erstorben waren, versuchte sie, sobald sie mich zur Angelusstunde das Kreuz machen sah, ihre kalte, unsichere Hand zur Stirn zu erheben und sie noch einmal mit dem Zeichen des Heiles zu segnen.

Ihr Vater, ein eifriger Katholik, war auf die erste Kunde der Gefahr herbeigeeilt. Er weinte vor Schmerz, dass es einen erbarmte, brachte aber Gott doch mit Ergebung das schwere Opfer. Sein einziger Trost ist heute, Zeuge dieses auserwählten Todes gewesen zu sein. 
Während sechs Tagen kam er kaum vom Krankenbett weg und konnte sich so recht im Glanze der Tugenden seines Kindes sonnen, das der Himmel ihm nur geliehen hatte.
Öfters über Tag sah man das Kind seine Lippen leise bewegen. Auf die Frage, was sie tue, lautete die Antwort: „Ich rede mit meinem Kruzifix“, oder: „Ich unterhalte mich mit der seligsten Jungfrau.“

Sie hatte am Fuß ihres Bettlein ein Bild de Erscheinung (von Lourdes), von dem sie kaum ihren Blick abwenden konnte. Es war dieser Blick oft wie verklärt und voll süßen, unaussprechlichen Trostes. Man sah, das Kind war nicht für diese Erde geschaffen.

Einen anderen Beweis hierfür gab sie, als es sich darum handelte, sie auf die letzten Sterbesakramente vorzubereiten, die sie denn auch mit Andacht empfing.
Als der B
eichtvater erwartet wurde, sagte sie zu mir mit der unvergleichlichen Naivität der Kindesunschuld: „Ich weiß gar nicht, was für Sünden man im Krankenzimmer überhaupt begehen kann; ich habe keine getan, seit ich hier bin. In der Klasse, ja, da habe ich wohl ohne Erlaubnis das Pult aufgemacht, in den Reihen habe ich auch auf dem Weg zur Kapelle und zum Speisesaal geschwätzt; aber hier habe ich gar keine Gelegenheit zum Sündigen; muss ich da wohl eine Generalbeicht machen?“

Zu bemerken ist, dass es ihr keineswegs an Liebe zu ihren Mitschülerinnen fehlte und dass ihre Lippen nie von einer Sünde entweiht wurden. Alle ihre Fehler beschränkten sich auf einige mutwillige Streiche und Vergehen gegen die Disziplin, wozu ihre große Lebhaftigkeit sie verführte. Glückliches Kind!

Lange Zeit bestürmten Schwestern und Kinder den Himmel mit Novenen, Wallfahrten, Gebeten, Rosenkränzen. Nichts wurde gespart, um ihr die Gesundheit zu erflehen. Schon das Mitleid mit dem unaussprechlichen Schmerz ihres Vaters drängte dazu, alles zu versuchen.
Allein auch Maria liebte ihr Kind. Darum gab sie ihrem Engel den Auftrag, diese Lilie zu pflücken, solange sie noch so schön und von makelloser Reinheit war, und sie in den Paradiesesgarten zu verpflanzen. Sie starb am letzten Samstag des März. 
Wir sind der süßen Zuversicht, dass dieser Engel seine weißen Flügel entfaltete und seinen Flug direkt in den Himmel nahm, um dort ihre traulichen Gespräche, die sie hienieden begonnen hatte, fortzusetzen und mit den Engel das Lob Gottes und seiner heiligen Mutter zu singen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)