Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 10. März 2024

Missionarisches Seufzen beim heiligen Charles de Foucauld

 


Aus seiner Zeit im Trappistenkloster im syrischen Akbes, wo er auch die Christenverfolgungen durch Türken und Kurden aus nächster Nähe erleben musste, stammt dieser Satz des heiligen Charles de Foucauld, der sein missionarisches Herz offenbart:

„Man kann nicht unter diesen unglücklichen Moslems, Schismatikern und Häretikern leben, ohne nach dem Tag zu seufzen, an dem sie das Licht sehen.“

(Quelle: Association Clarifier)

Sonntag, 22. November 2015

Mission und Flüchtlingskrise

Quelle


Die Massen von Flüchtlingen, die seit spätestens Sommer dieses Jahres ununterbrochen nach Zentraleuropa strömen, sind zum größten Teil keine Katholiken. Das klingt zwar wie ein Allgemeinplatz, ist aber wohl der wichtigste Fakt in der gesamten Thematik. Seien es nun die muslimischen oder orthodoxen Syrer, die muslimischen Afghanen, Gambier, Pakistanis und Somalis oder die orthodoxen Eritreer, alle sind noch keine Glieder der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche (siehe hierzu Professor Georg May über die alleinseligmachende Kirche). Was machen wir da?

Als Laien wohl zunächst in dieser Sache beten, wie dies auch früher als Hauptaufgabe der Laien im allgemeinen Missionsapostolat hervorgehoben wurde. Doch bei Priestern geht es noch weiter, es geht um die direkte Mission, wie Bischof Christian Schreiber (1872–1933) in seinem Vortrag über die Missionspflicht herausarbeitete:

Ohne Einschränkung auf einen bestimmten Ort oder einen bestimmten Menschenkreis wird dieses Missionierungsgebot dem Priester bei der Priesterweihe auferlegt. Darum muss der Priester grundsätzlich alle Menschen missionieren. Selbstverständlich an erster Stelle diejenigen, deren Seelsorge ihm in einem abgegrenzten Bezirk durch den Bischof angewiesen wird.

Ein Spaziergang ist es nicht, aber unser Herr wird sicherlich seine treuen Priester nicht verlassen, die zur Rettung der unsterblichen Seelen arbeiten. Unterstützen wir als Laien die Priester durch unser Gebet, damit am Tag des letzten Gerichtes zu der „großen Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Völkern und Nationen“ (Offb. 7, 9) möglichst viele der Asylbewerber gehören, die jetzt zu uns kommen.

Deus lo vult – Gott will es!

Dienstag, 2. September 2014

Große Missionsbischöfe: Msgr. Gregorius Jacobus Heliani, erster syrisch-katholischer Erzbischof von Damaskus


Geboren 1802 in Rascheia (Antilibanon) von schismatischen Eltern, wurde er im Schisma erzogen und bereits im jugendlichen Alter zum schismatischen Erzbischof von Damaskus geweiht. Indessen erkannte er, erleuchtet von der Gnade, die Wahrheit, verzichtete auf seinen erzbischöflichen Stuhl und trat im Jahr 1828 zur katholischen Kirche über. Von nun an verlegte er sich ganz darauf, seinen früheren Glaubensgenossen die Wahrheit zu predigen; eine der ersten Früchte seiner apostolischen Tätigkeit war die Bekehrung des schismatischen Bischofs Maltas von Nebek.

 Im Jahre 1837 wurde er vom Heiligen Stuhl zum syrisch-katholischen Erzbischof von Damaskus ernannt und mit neuem Eifer und neuem Erfolg setzte er seine frühere Tätigkeit fort. Hunderte von syrischen Familien in Damaskus und der Umgegend verdanken ihm das Glück, zur wahren Kirche zu gehören, und die jetzt so blühende syrisch-unierte Gemeinde von Damaskus ist sein Werk.

Im Beginn der vierziger Jahre durchreiste Msgr. Heliani Frankreich und Deutschland, um Gaben zum Bau seiner neuen Kathedrale zu sammeln; zwar wurde die schöne Kirche, die er mit den erhaltenen Almosen errichtet hatte, von den Drusen und Mohammedanern im Jahr 1860 wieder zerstört, aber eine neue erhob sich an ihrer Stelle und von dem Hochaltar derselben hat der Begründer der syrisch-unierten Kirche von Damaskus sein Grab gefunden. (Todestag 10. Juli 1876) 

(Aus: die katholischen Missionen, 1877)

Sonntag, 31. August 2014

Türken, Juden und Schismatiker beeindruckt vom Heldenmut der Barmherzigen Schwestern


Bei der während der Herbstmonate vorigen Jahres in Damaskus herrschenden Cholera haben neben den Missionären auch die Barmherzigen Schwestern wieder ihren gewohnten Mut und heroischen Opfergeist bewiesen. Wie Engel des Erbarmens durcheilten sie die Stadt bis in die letzten schmutzigen Winkel, um die unglücklichen Opfer der furchtbaren Seuche aufzusuchen. Türken, Juden und Schismatiker sahen mit ehrfurchtsvoller Bewunderung dieses Schauspiel unbegreiflicher, selbstloser Liebe, die in umso helleres Licht trat, da die meisten Ärzte aus Furcht ihren Posten verlassen hatten und die Schwestern auch hierin für sie eintraten. Soweit uns bekannt, sind die Schwestern selbst von der Seuche unberührt geblieben.


„Die Türken namentlich“, so schreibt Schwester Gelasia, die Oberin in Beirut, „wissen nicht Worte des Dankes genug zu finden. Sie haben an ihre Landsleute hierher geschrieben, und dieselben werden eine Deputation an mich schicken, um zu danken. Unsere Schwestern sind sehr mutig, wie immer. Möge der liebe Gott sie gesund erhalten, wie auch die Missionäre, die von einem Sterbebett zum anderen eilen…Auch hier in Beirut wird die Cholera erwartet. Sollte Gott diese Prüfung über uns verhängen, so werden wir versuchen, das Beispiel unserer Mitschwestern in Damaskus in der Pflege dieser Unglücklichen nachzuahmen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1892)

Sonntag, 16. Februar 2014

Der Kampf der Jesuiten gegen die Freimaurerei im Libanon

Unsere Liebe Frau vom Libanon (Quelle: Serge Melki)

„Die augenblickliche Lage im Libanon und in Syrien“, so schreibt uns P. J. Delore, „ist traurig genug. Die Freimaurerei gewinnt in einem Grade an Boden, dass man erschrecken müsste, wenn man nicht auf Gott vertraute. 
In Beirut selbst hat die Loge dieses Jahr eine große Laienschule errichtet, die Elementar-, Mittel- und Handelsschule verbindet. Sie lässt die schlechten Zeitungen selbst vielfach gratis verbreiten. ‚Kauft das Freimaurerblatt‘, hört man die Zeitungsjungen am Bahnhof rufen. 

Bis ins Gebirge hinein schieben sie ihre religionslosen Schulen vor. Wir bieten alles auf, um unsere Stellung zu wahren, gründen Schulen, geben Volksmissionen, errichten Kongregationen, Lesezirkel für die Männer, Konferenzen usw., suchen dem katholischen ‚Beschir‘ (der von Jesuiten redigierten arabischen Zeitung) überall Eingang zu verschaffen und arbeiten uns fast zu Tode. Aber außer der Loge stehen uns noch die Protestanten gegenüber, die Schule auf Schule, Spital an Spital bauen und den Libanon um jeden Preis protestantisieren möchten.“

Die schlimme Lage ist mit eine Folge der französischen Kirchenpolitik. Ehedem stand ganz Frankreich hinter der Mission, zumal im Orient. Heute arbeitet die Regierung derselben mit aller Macht entgegen, die französischen Katholiken aber können nicht mehr die nötigen Mittel aufbringen, und die Katholiken anderer Länder unterstützen lieber ihre eigenen Missionen. 

– Ähnliche Notrufe kommen uns aus anderen französischen Missionen des Orients zu. Es rächt sich jetzt vielfach, dass Frankreich den nationalen Charakter seiner Missionen früher mehr, als gut war, betonte. Andere Länder sind diesem Beispiel gefolgt, und immer mehr scheidet sich das Arbeitsfeld in „französische“, „deutsche“, „belgische“, „italienische“ Missionen.
Gott weiß, wohin diese Nationalisierung des Missionswerks führen wird!


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Siehe auch:

Die Umtriebe der Freimaurer im Libanon

Die melkitische griechisch-katholische Kirche gegen die Freimaurerei

Sonntag, 3. November 2013

Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 1)

Dieses Bild von James Tissot wird im Internet als "Latin Patriarch in Jerusalem" bezeichnet, mit Angabe des Jahres "ca. 1875", es scheint sich aber eher um eine recht detailgetreue Wiedergabe des Einzugs von Kardinal Langénieux auf dem eucharistischen Kongress in Jerusalem im Jahr 1893 zu handeln

Unsere Leser werden gewiss in den Tagesblättern und Zeitschriften dieser großartigen Kundgebung des katholischen Glaubens mit Spannung gefolgt sein. Immerhin dürften einige Ergänzungen aus weniger zugänglichen Berichten willkommen sein.

Ein nordamerikanischer Bischof, Msgr. de Goesbriand von Burlington (Vermont), der an dem Kongress teilgenommen, nennt die Idee, den diesjährigen Sitz dieser in ihrem Zweck und Wesen so schönen Versammlungen in die heilige Stadt zu verlegen, einen von Gott eingegebenen Gedanken. 

In der Tat „kann es für eine solche Versammlung“, so schrieb der Heilige Vater in seinem Zustimmungsbreve an den Bischof von Lüttich, den ständigen Vorsitzer des Kongresses, „keinen geeigneteren Ort geben, als die heilige Stadt, in welcher Christus der Herr jenes wunderbare Pfand der Liebe eingesetzt hat, und man kann mit Recht erwarten, dass die Gläubigen des Orients mit neuem heiligen Eifer für die Verehrung des allerheiligsten Sakraments erfüllt werden.“

Die Hoffnung auf die Wiedervereinigung der schismatischen Orientalen mit der katholischen Kirche ist hier nicht direkt ausgesprochen, obschon dieser Gedanke zweifellos im Hintergrund stand und auch die Gebete und Reden des Eucharistischen Kongresses davon getragen waren. 
Außerdem galt es, eine „neue Belebung der Beziehung und des Gefühls der Zusammengehörigkeit mit den unierten Kirchen der verschiedenen Riten herbeizuführen, und das ist in einer hocherfreulichen Weise gelungen“. 

Lassen wir uns von dem Berichterstatter des „Heiligen Landes“ zunächst den Einzug des päpstlichen Delegaten, Sr. Eminenz des Kardinal-Erzbischofs von Reims, Msgr. Langénieux, erzählen, der am 14. Mai stattfand. Am Bahnhof ließen alle in Jerusalem vertretenen europäischen Mächte den Kardinal durch ihre Kawasse begrüßen und machten ihm am folgenden Tag persönlich ihre Aufwartung.

„Nach den Empfangsfeierlichkeiten stieg der Kardinal zu Pferde und ritt, voran ein Musikcorps, welches aus Beirut herübergekommen war, von einer unabsehbaren Menschenmenge begleitet, zum Jaffator. 
Im Inneren der Stadt, nahe dem Tore, hatte unter dem Baldachin der Patriarch von Jerusalem, Ludwig Piavi, mit dem Weihbischof Pascal Apodia, seinem gesamten Klerus und den Seminaristen des Priesterseminars Aufstellung genommen. Er war umgeben von den Patriarchen und deren Generalvikaren der verschiedenen unierten Riten der Griechen, Armenier, Maroniten, Chaldäer, Syrer, Bulgaren. 
Aus Ägypten, vom Libanon her, aus Mesopotamien, Armenien, aus dem nördlichen Syrien und Bulgarien waren sie in den verschiedensten Trachten gekommen. Weiter standen hier Bischöfe aus Kanada, Mexiko, England, Belgien, Italien, der Schweiz, sowie die Direktoren der Pilgerhäuser in Jerusalem, namentlich des österreichischen und deutschen Pilgerhauses, mit den Priestern aus Deutschland, welche zum Kongress gekommen waren, alle mit Rochette bekleidet. 

Es war ein Schauspiel, wie es wohl selten in dieser Farbenpracht, Eigenart und Lebhaftigkeit zu sehen ist. Da stand das aus mächtigen Quadersteinen erbaute Jaffator mit seinem mittelalterlichen Zinnen, links daneben die Davidsburg, weiter links zurück der Sionsberg; die Straßen waren dicht gedrängt von Menschen aus allen Nationen und Ländern mit den buntesten und verschiedensten Trachten, wie nur der Orient sie kennt. Pechschwarze Negergesichter, dunkle Arabergestalten, gelbe Judentypen, weiße Europäer, bis tief hinein in die engen Gassen standen sie Kopf an Kopf. 
Dort oben saßen Araber mit ihren in der Luft baumelnden Beinen auf den Zinnen des Jaffatores und auf der Plattform der Davidsburg. 

Die Dächer und Balkone aller Häuser waren von Zuschauern bis zur Gefahr des Einsturzes belastet. Musik erschallte, Fahnen wehten, Evivas ertönten: Der Kardinal, feierlich einherschreitend, naht sichtlich bewegt dem Patriarchen von Jerusalem. Derselbe hält seine Begrüßungsrede; der Kardinal antwortet in einer begeisterten Ansprache mit dem Hinweis auf die Aufgaben des Friedens, welche der Kongress zu lösen habe, und auf die geistige Schönheit der Stadt Jerusalem, deren heilige Stätten er betrete. Nun stimmt der Chor das Ecce sacerdos magnus an. Wie lange mag das auf den Straßen Jerusalems nicht mehr gesungen worden sein! Dann setzt sich der Zug in Bewegung, der Patriarch geht neben dem Kardinal-Legaten unter dem Baldachin. 

Der Legat segnet feierlich die dichten Scharen, welche sich namentlich in den Querstraßen weit hinauf aufgestellt haben. Das türkische Militär bildet ein weitgezogenes Spalier; die Offiziere sind emsig beschäftigt, Ordnung zu halten. Und es gelingt musterhaft. So bewegt sich der Zug unter fortwährendem Chorgesang die engen Gassen hinab bis zur Kirche des Heiligen Grabes. Der türkische Tempelwächter steht selbstbewusst und doch voll Erstaunen auf dem Tempelplatz. 

Der Kardinal begibt sich zu kurzer Verehrung in das heilige Grab und besteigt dann den vor dem Katholikon der Griechen, deren Popen neugierig von oben herunterschauen, aufgeschlagenen Thron. Umgeben von den Patriarchen und Bischöfen, erteilt er den päpstlichen Segen, worauf er nach Ablegung der Pontifikalgewänder unter den Klängen der Musikkapelle vom Klerus zu seiner Wohnung ins Patriarchat geleitet wird. 

Es hatte sich mit seinem Einzug ein Akt vollzogen, dem man seine historische Bedeutung nicht absprechen kann. Seit sechs Jahrhunderten hat kein Kardinal mehr die heilige Stadt betreten. Papst Pius IX. konnte erst wieder das lateinische Patriarchat in Jerusalem errichten. Jetzt zog ein Kardinal-Legat seines Nachfolgers mit allen Ehren, von tausenden Katholiken begleitet, in die heilige Stadt. – Sion, freue dich!“


(aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Die melkitische griechisch-katholische Kirche gegen die Freimaurerei


Pius XI. mit melkitischem Klerus

(…) Einer der schönsten Erfolge der Synode war das geschlossene Vorgehen gegen die Freimaurer, die in Syrien besonders in der Diözese Zahle sehr zahlreich sind. 
Als Auswanderer in Amerika und Australien haben manche sich der Loge angeschlossen; in die Heimat zurückgekehrt, wollen sie dann Freimaurer bleiben und gleichzeitig an den heiligen Sakramenten teilnehmen. 
Doch der eifrige Bischof von Zahle wies seine Priester an, solchen die Lossprechung zu verweigern; er selbst klärte von der Kanzel herab das Volk über die Ziele der Loge und die Pflichten des Katholiken auf und verurteilte feierlich die Freimaurerei in seiner Diözese.

Einen Aleppinermönch, der in seiner Zeitschrift „Der Erzieher“ in Zahle die Sittenlehre des Islam anpries und freimaurerische Lehren verbreitete, suchte er mit allen Mitteln der Güte und Strenge zurückzuführen. Als alles nichts fruchtete, sprach er öffentlich die Exkommunikation aus. 
Als der mutige Bischof es nun auch noch wagte, das kirchliche Begräbnis eines angesehenen Freimaurers zu verweigern, brach ein Sturm von Schmähungen und Angriffen gegen ihn aus, da er sich durch sein „starrsinniges, intolerantes Vorgehen“ gegen die Loge in schroffen Gegensatz setze zu seinen Mitbischöfen. 

Auf diese Verleumdung hin hat die Synode den Kirchenbann über jenen Mönch bestätigt, und die Bischöfe haben sich in einer öffentlichen Erklärung einmütig gegen die Freimaurerei ausgesprochen und ihren Mitbischof zu seinem mutvollen Vorgehen beglückwünscht.


(aus: die katholischen Missionen, 1915)

Sonntag, 15. September 2013

Die Umtriebe der Freimaurer im Libanon

Zahle, Libanon
Über ganz Syrien hin haben die Freimaurer alle größeren Städte besetzt. Besondere Sorgfalt wandten sie dem christlichen Libanon zu, und hier gibt es kaum eine Ortschaft von Bedeutung, die nicht eine Loge besitzt. Zahle, Ghazir, Saïda, Djebaïl, Batrun, Marjayun, Moallaka, Simmin, Chueïr gelten als die Mittelpunkte der freimaurerischen Bewegung.

Wie in Europa, so betreiben die Freimaurer im Libanon mit Energie die Untergrabung der kirchlichen Autorität und des religiösen Lebens. Ihre beliebteste Methode besteht im Säen von Zwietracht. Sie nehmen Partei gegen den Dorfpfarrer und stellen sie den Leute als antinational gesinnt dar oder wiegeln Dorf gegen Dorf auf. Und nur zu oft gelingt es ihnen, die Laienwelt mit dem Priester im Gegensatz zu bringen, Pfarrer gegen Pfarrer aufzuhetzen, ja selbst Priester gegen ihre Bischöfe aufzustacheln.

Die sog. französische Laienmission unterstützt das Werk der Logen und wird daher von diesen nach Kräften gefördert. Zweimal versuchten die Freimaurer, Beirut, die Hauptstadt Syriens (Anm.: damals waren Syrien und Libanon ein Land), mit einem Laienkolleg zu beglücken. Der erste Versuch misslang, der zweite verlief insoweit glücklich, als das Kolleg nicht gleich wieder einging. In diese Anstalt haben sich bis jetzt nur einige wenige Katholiken verirrt.

Zum Glücke blieb das lichtscheue Treiben der Loge nicht lange unbemerkt. Die Jesuiten nahmen den Kampf auf und führten ihn unverdrossen in der Zeitschrift Al-Machreq, in der wöchentlich zweimal erscheinenden Zeitung Al-Bechir und in eigenen Broschüren. Wenn man bedenkt, dass auf dem Libanon und selbst in Beirut wenig gelesen wird – keine Beiruter Zeitung zählt mehr als 2000 Abonnenten – so muss der Erfolg, den P. Louis Cheikho S.J. mit seinen sechs Broschüren über den Zweck, die Geschichte und die Aktionsmethode der Freimaurerei errang, als außergewöhnlich bezeichnet werden. Von der ersten wanderten mehr als 25.000 Exemplare hinaus, von den anderen über 10.000.

Die von den Patres verfassten Artikel öffneten manchen Katholiken, die in den Logen nur Wohltätigkeitsanstalten gesehen hatten, die Augen, zogen den Jesuiten aber auch den ingrimmigsten Hass der Freimaurer. P. Cheikho besitzt eine ganze Mappe voll Drohbriefen, die aus allen Ecken und Enden des ottomanischen Reiches, sogar aus Nordamerika einliefen und neben den Beschimpfungen und Drohungen die schmutzigsten Dinge enthalten. Gegen P. Rabbath S.J., der zu Djebaïl und Amchitt Vorträge und Predigten gegen die Logen hielt, wurde im letztgenannten Orten ein Bombenattentat verübt. Andere Patres wurden auf den Straßen verhöhnt und geschmäht.

Der Ingrimm der Freimaurer ist das beste Zeichen, dass der Kampf gegen sie nicht nutzlos war. Die Patres führen ihn weiter vereint mit den Bischöfen, die mutig ihres Amtes als Oberhirten walten. (...)


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Mittwoch, 15. Mai 2013

Wie zwei seeleneifrige Priester einen zum Islam abgefallenen Katholiken bekehren


Der hochw. Herr Farage, Seelsorger in Tell-Armen (vermutlich Syrien), schreibt: 

„Die Leser der katholischen Missionen werden nicht ungern von einer merkwürdigen Bekehrung hören, die sich jüngst in Mardin ereignete. 
Ein gregorianischer Armenier, Hadaiet-Effendi mit Namen, ein Mann von seltenen Anlagen, Doktor der Medizin, hatte die Religion seiner Väter verlassen und war zum Islam übergetreten, um desto ungestörter seinen Leidenschaften frönen zu können. Er verstieß seine erste christliche Gemahlin und heiratete dann, seinem neuen Bekenntnis entsprechend, nacheinander vier Frauen.

Aber er fand keine Ruhe und kein Glück in diesem Sündenleben und klagte unverhohlen dem P. Angelus von Villarabio, O.S.F., dass nur ein freieres Leben ihn zur Religion Muhammeds verführt habe, dem Herzen nach sei und bleibe er Christ. Im April vergangenen Jahres wurde er von einer heftigen Krankheit niedergeworfen und bald musste man alle Hoffnung auf eine Wiedergenesung aufgeben. P. Angelus hätte den Unglücklichen gerne an sein Geständnis erinnert; aber wie konnte er auch nur daran denken, in seine Nähe zu kommen, da der Kranke beständig von Muselmännern umgeben war? 

Da verfiel er auf ein Mittel, das ihm seine medizinischen Kenntnisse und seine Sorge um die Kranken wohl gestatteten. Er stellte sich als Arzt verkleidet den Anwesenden vor; ein ihn begleitender armenischer Priester spielte den Gehilfen. 
Das Haus war voller Menschen. Mit diesen unterhielt sich der Pater, während sein Begleiter sich dem Sterbenden zu erkennen gab. 
– ‚Wollen Sie im Schoße der katholischen Kirche sterben?‘ fragte er ihn. – ‚Ganz gewiss, mein Vater (hair surpe), ich bin Katholik und als Katholik will ich sterben,‘ antwortete der Kranke mit Tränen in den Augen, ‚hören Sie doch sofort meine Beichte. Guter Gott! Wird er mir wohl meine Sünden verzeihen?‘ – ‚Ohne Zweifel, mein Sohn, haben Sie nur Vertrauen.‘ 
Darauf nahm der Priester die demütige Anklage des Armen entgegen, ohne dass die Umstehenden auch nur bemerkten, was vor sich ging. Zudem suchte P. Angelus ihre Aufmerksamkeit möglichst abzulenken. – ‚O, mein Gehilfe versteht ganz ausgezeichnet die Sprache des Kranken: er redet ihm von dem Anfang und der Ursache seines Übels.‘

Hadaiet emfping sogar die heilige Wegzehrung und die letzte Ölung. Die Muselmänner hielten das alles für Heilmittel. Dann hauchte er unter dem Beistand des Priesters sanft und ruhig seine Seele aus. Kaum hatte sich die Todeskunde verbreitet, als von allen Seiten die vornehmen Muhammedaner herbeieilten, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. 

Die beiden Missionäre aber machten sich eiligst von dannen; hätte man sie erkannt, sie wären unfehlbar des Todes gewesen. – Bald bewegte sich ein glänzender Leichenzug dem türkischen Friedhof zu; allein während die Priester (wohl Imame) der Moslims zahlreich vertreten waren und von der Höhe der Minarette die Größe Allahs gepriesen wurde, sah man von ferne einen armenischen Priester dem Zuge folgen, der die Totengebete für die Seelenruhe des Verstorbenen verrichtete.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Dienstag, 5. Februar 2013

Vom Moslem zum Jesuiten

Karmeliter-Kloster auf dem Berg Karmel

Nachträglich kommt uns der Nekrolog eines Missionärs zu Handen, der, obschon nur ein einfacher Laienbruder, sich um die syrische Jesuitenmission ganz ungewöhnliche Verdienste erworben hat. Br. Elias wurde am 15. August 1840 zu Kaifa von mohammedanischen Eltern geboren.
Sein Vater war Knecht im Kloster der Karmeliten auf dem Berge Karmel, ein musterhaft braver und fleißiger Mann. Die Mutter hatte eine große Andacht zur heiligen Gottesmutter und besuchte mit ihrem Kind oft das Gnadenbild in der Klosterkirche. 

Zum Jüngling herangewachsen, trat Elias gleichfalls in den Dienst des Klosters. Er lernte das Maurer- und später auch das Schmiedehandwerk und zeigte schon damals in allem eine sehr geschickte Hand, so dass sich die Mönche keinen besseren Arbeiter wünschen konnten.
Er hatte eine große Andacht zur Mutter Gottes und fehlte nie bei den Festlichkeiten in der Wallfahrtskirche. Eines Tages, als er im Gotteshause beschäftigt am Gnadenaltar vorüberging, schien es ihn, als ob die allerseligste Jungfrau mit ihrem göttlichen Kinde auf dem Altar ihn zu sich rief.
Ob Täuschung oder Wahrheit, jedenfalls fühlte er sich so mächtig hingezogen, dass er vor dem Altar sich auf die Knie warf und inbrünstig um Erleuchtung bat, den rechen Weg zu finden. Der Obere des Klosters, dem er alles mitteilte, ermunterte ihn, in seinem Gebet fortzufahren. 

Um diese Zeit arbeitete ein italienischer Maler an der Ausschmückung der Kirche. Elias war ihm als Gehilfe beigegeben. Lernbegierig, wie er war, hatte er rasch die Handgriffe und Geheimnisse der neuen Kunst sich angeeignet, und als der Maler unversehens abreisen musste, vollendete sein junger Lehrling das Werk zur vollsten Zufriedenheit.
Einst kamen während der Arbeit Leute in die Kirche. Elias schaute vom hohen Gerüst hinab, glitt aus und stürzte in die Tiefe, ohne den geringsten Schaden zu nehmen. Ihm war, als ob eine ehrwürdige Greisengestalt ihn schützend gehalten hätte. (Anm.: Wahrscheinlich wird das in den Augen des Verfassers der heilige Prophet Elias, nach karmelitischer Tradition Gründer des Karmeliterordens, gewesen sein. Wahrscheinlich setzte er das bei den Lesern voraus) 

1856 kam Herr Bini, vormals Militärarzt im Heer Napoleons I., nach dem Berge Karmel.
Elias hatte den alten Herrn zu bedienen. Derselbe war über die Anstelligkeit und den offenen Geist des jungen Mannes so entzückt, dass er ihn einlud, ihn nach Beirut zu begleiten. Elias schlug ein und nahm auch seinen Bruder Joseph dahin mit. Herr Bini ließ die beiden hier unterrichten und, wie es scheint, auch taufen. Anfeindungen von Seiten der Mohammedaner zwangen die jungen Leute, sich nach Harissa, dann nach Zahle und schließlich sie in das Haus der Jesuiten in Ghazir zurückzuziehen.
Hier fanden die beiden ihren Beruf und wurden ins Noviziat der Jesuiten nach Avignon geschickt. Später nach Syrien zurückgekehrt, leistete Br. Elias zunächst in Zahle der Mission gute Dienste als geschickter Schmied und Bauführer. 

Als dann 1869 P. Ambros Monnol, der Organisator der syrischen Mission und Gründer der Universität Beirut, den Plan fasste, die dortige Druckerei auf denselben Fuß mit den großen europäischen Druckereien zu setzen, wurde Br. Elias seine rechte Hand. Auf seine Bitte wurde er 1873 nach Paris gesandt, um in der französischen Nationaldruckerei sich gründlich auszubilden. In seinem Ordenskleid, den Tarbusch (orientalische Mütze) auf dem Kopf, stellte er sich beim Direktor vor, setzte  ihm den Zweck seiner Sendung auseinander und bat, ihn als Volontär unter seine Arbeiter aufzunehmen.
Der Direktor gewann an dem unternehmenden Laienbruder großes Wohlgefallen und kam dessen Wünschen bereitwillig entgegen. Alles war erstaunt, als er Bruder mit Schürze und Tarbusch angetan unter die gewöhnlichen Arbeiter sich mischte.
Rasch hatte er sich die allgemeine Achtung und Liebe erworben und wünschenswerte Aufschlüsse erhalten. Ein Geschäftsreisender aus London hatte ihm von einem neuen galvanoplastischen Verfahren seiner Firma gesprochen.
Br. Elias reiste nach London, gewann durch seinen Freund zutritt bei der protestantischen Firma und wurde in das Geheimnis unter der einzigen Bedingung eingeweiht, dasselbe nicht in Paris bekannt zu machen. 

Nach einjährigem Aufenthalt in Europa kehrte er nach Beirut zurück und trat als technischer Direktor an die Spitze der dortigen orientalischen Universitätsdruckerei. 30 Jahre lang weihte er derselben seine ganze ungewöhnliche Kraft und Begabung, und es ist großenteils auch sein Verdienst, dass sich dieselbe zur ersten des ganzen Orients entwickelt hat, deren musterhafte typographische Arbeiten auch in europäischen Gelehrtenkreisen sich große Anerkennung und Wertschätzung sich erworben haben.
Eine Glanzleistung, an welche Br. Elias sein bestes Können und sein ganzes Herz gesetzt hatte, ist u.a. die prachtvolle arabische Bibel, die allgemein als das schönste arabische Druckwerk angesehen wird.
Aber mehr noch. Fast alle 70 Arbeiter, die heute in der Druckerei beschäftigt werden, sind von Br. Elias herangebildet worden. Er wachte über ihrem leiblichen und geistlichen Wohl mit der Liebe eines Vaters, betete mit ihnen am Beginn und Schluss der Arbeit, besuchte sie, wenn sie krank waren, und war der Freund und Ratgeber aller.
An Sonntagen machte er mit den jüngeren gewöhnlich einen Spaziergang aufs Land oder ans Meer.
Zweimal im Jahr wurde ein großer Ausflug, um Pfingsten eine gemeinsame Pilgerfahrt veranstaltet, von Zeit zu Zeit auch dramatische Aufführungen gegeben, zu denen Br. Elias oft selbst den Text schrieb.
Der schlichte Laienbruder war denn auch eine überaus beliebte und populäre Persönlichkeit, und sein Tod erregte nicht bloß in seinem engeren Wirkungskreis, sondern auch darüber hinaus die regste Teilnahme. R.I.P.

(aus: die katholischen Missionen, 1902)

Sonntag, 20. Januar 2013

Bilder: Patriarchen und Missionsbischöfe

Mar Ignatius Behnam II Benni (1831-1897), syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien. Er setzte sich auf dem ersten Vatikanischen Konzil für das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit ein.
Giuseppe Valerga (1812-1873),  lateinischer Patriarch von Jerusalem, der als erster seit den Kreuzzügen wieder dort residierte.


der syro-malabarische Bischof Alexander Churaparambil (1877-1951) mit Neupriestern.

Msgr. Alois Benziger OCD,  Bischof von Quilon in Südindien, schweizer Karmeliter aus der berühmten Verlegerfamilie Benziger aus Einsiedeln. Er war maßgeblich an der Union der syro-malankarischen Kirche mit Rom beteiligt.
Das nachkolorierte Foto von 1921 zeigt einen interessanten Brauch, der leider Ende der 60er Jahre abgeschafft wurde: Bischöfe aus Orden und Äbte trugen bischöfliche Soutanen in der Farbe ihrer üblichen Ordenstracht, hier Karmeliterbraun und weiß.

Mittwoch, 12. September 2012

Eine griechisch-melchitische Gesandtschaft zum Priesterjubiläum von Papst Leo XIII.


In der zweiten Hälfte des Oktobers brachte eine Deputation von Kirchenfürsten dem Heiligen Vater die Glückwünsche und Geschenke der griechisch-katholischen Kirche zu seinem Jubelfeste dar. An der Spitze der Gesandtschaft stand der Erzbischof von Tyrus, Msgr. Euthymius Zulhof; die übrigen Mitglieder waren der Erzbischof Inha von Aleppo und der hochwürdigste Herr Fakak von Beirut; ihnen schlossen sich der Generalvikar des Bischofs von St. Johann von Acca, der ehemalige Generalobere der griechisch-katholischen Basilianer und mehrere Priester an.
Im Auftrag ihrer Gläubigen boten sie dem Heiligen Vater eine Ehrengabe von 6.000 heiligen Messen, eine goldene, perlengeschmückte Tiara, einen Schrank von Perlmutter und sonstige Wertgegenstände. Der Erzbischof von Tyrus versicherte den Statthalter Christi der treuesten Anhänglichkeit aller Katholiken des Orients, besonders der Oberhirten und des griechisch-armenischen Patriarchen Msgr. Gregor Yussef.

Er bezeugte in ihrem Namen dem Heiligen Vater die Gefühle kindlicher Liebe und unbedingter Hingabe. „Denn“, so sagte er, „in Ihrer geheiligten Person erkennen wir den Statthalter unseres Herrn Jesus Christus auf Erden, den Nachfolger des hl. Petrus und das unfehlbare Oberhaupt der Kirche, sowie den gemeinsamen Vater aller Gläubigen.
Möge sich also Ew. Heiligkeit würdigen, gnädig auf uns herabzusehen und den Segen zu spenden unserem verehrten Patriarchen, unseren teuren Wohltätern und unserer ganzen Nation, die wir hier mit ihren Gebeten, Wünschen und Gaben vertreten bei Ihrem Jubelfest, das ein Freudentag der ganzen katholischen Welt ist.
Das sind die Wünsche, die wir Ew. Heiligkeit demütigst zu Füßen legen, indem wir Gott inständig bitten, er möge Ew. Heiligkeit noch recht lange erhalten und bewahren zu seiner größeren Ehre und zum Wohle seiner Kirche.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Sonntag, 8. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 3)


Der Zweck des Vereins war, recht brave Christen zu bilden, und er hat ihn erreicht. Die Zeit ist nicht mehr, wo P. Fiorovich in den Straßen umherging und in seiner Art jenes Wort des Erlösers: Compelle intrare! erfüllte.
Nein, heute zählen sie dort nach Tausenden, die wahrhaft christlichen Männerherzen, die unter einem armen Arbeiterkleid schlagen. Zu Tausenden ist auf diesem Weg „das Reich Gottes gekommen.“ Sie legen auch mitten im Elend wahre christliche Ergebung an den Tag. Einmal ging ein Priester mit P. Fiorovich spazieren.
Da blieb plötzlich ein groß und stark gebauter Mann bei ihnen stehen. Derselbe war blind und tastete mit seinem Stock, um den Weg zu finden, hatte aber den Pater an seiner Gangart erkannt. „Abuna (Pater)!“ rief er sofort, grüßte freundlich und suchte nach der Hand des Paters, um sie zu küssen.
Nachher teilte dieser seinem Begleiter die Geschichte des unglücklichen Mannes mit. „Er beichtete seit 16 Jahren alle acht Tage. Nun wurde er an einem Tag, ohne zuvor das mindeste Anzeichen zu gewahren, vollständig blind.
Er ist Familienvater, hat gar keinen Verdienst, erblindet mit 40 Jahren, in der Vollkraft des Mannesalters,  und muss sich oft zu Bett legen, ohne auch nur ein Stück Brot gegessen zu haben. Dieser Mann nun — sollte man es für möglich halten? — hat nie gegen die göttliche Vorsehung gemurrt, nie geklagt: ‚Mein Gott, warum hast du mich in solches Elend kommen lassen!‘ was doch so nahe läge; sondern er trägt sein Kreuz mit Geduld, ja mit Freude.“ — Ein anderes Beispiel einer gründlichen Bekehrung ist folgendes.
Ein verkommener Mensch, der im Libanon das Räuberhandwerk professionsmäßig betrieben, hatte sich in Beirut bei den Exerzitienvorträgen von P. Fiorovich ernstlich gebessert. Als Buße für sein schlechtes Vorleben machte er es sich zur Pflicht, in der Gegend, die er selbst seiner Zeit unsicher gemacht hat, Wache zu stehen.
Und er hielt Wort: 20 Jahre lang durchwachte er die Nacht und stand auf der Lauer gegen die Überfälle der beutesüchtigen Drusen, deren Dörfer in der Nähe sind.
In der Frühe schlief er ein wenig, und den Tag über brachte er lange Zeit kniend im Gebet in der Kirche zu.
Zum Essen begnügte er sich mit etwas Brot, das er von Tür zu Tür bettelte. Sein Andenken ist jetzt noch nach seinem Tod in jener Gegend gesegnet.
Schließlich müssen wir noch der trefflichen Musikbande der Kongregation gedenken, die 20 geübte Musikanten zählt. Sie ist nach europäischem Muster eingerichtet, war aber ursprünglich ein echt orientalisches Orchester, aus Pfeifen, Tamburinen, Cymbeln, Halbmonden und Tamtams bestehend.
In dieser ursprünglichen Form tritt sie jetzt nur noch bei Prozessionen auf, rächt sich dann aber auch dafür, dass sie sonst in den Hintergrund treten muss. Die Leistungen dieser Kapelle finden in Beirut großen Anklang.
Am Sonntagabend hat dieselbe auch bei den Versammlungen den gemeinsamen Gesang zu begleiten. Es sind ganz arabische Singweisen, gegen Ende immer schneller und schneller, um mit einem Mal zu verstummen.
Dann ertönt die Stimme des Priesters, der nach morgenländischem Gebrauch mit dem Bild U.L. Frau von den sieben Schmerzen den Segen gibt, indem er in der Landessprache in feierlicher Tonart singt:
„Durch die Fürbitte der Mutter der Schmerzen segne euch Gott der Vater“ — alle antworten: „Amen!“ — „und der Sohn“ — „Amen!“ — „und der Heilige Geist“ — „Amen!“
Das ist die große Arbeiterkongregation von Beirut, von deren segensreichen Früchten ganz Syrien Zeuge ist.
Was wäre aus vielen dieser jetzt musterhaften katholischen Männer inmitten all der Gefahren für den Glauben und die Sitten geworden, wenn sie nicht seit bald 30 Jahren ihre segensreiche Wirksamkeit entfaltet hätte!
Ehre darum ihrem seeleneifrigen Gründer! Ehre allen, deren Gaben ihn, da seine Kongreganisten durchwegs persönlich arm sind, in Stand setzen, die Vereinskosten zu bestreiten, und Ehre endlich jedem Priester, der sich so der armen Arbeiter annehmen will!

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Samstag, 7. April 2012

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 2)

Der von dem eifrigen Missionar ins Leben gerufenen Verein erhielt den Titel „Kongregation U.L. Frau von den sieben Schmerzen“. Schon nach zwei Jahren zählte er mehr denn tausend Teilnehmer und wuchs fortan von Jahr zu Jahr.
Ein guter Teil dieser armen Bevölkerung bleibt nur einige Monate in Beirut, um dann anderswo ihr Brot zu suchen oder in die heimatlichen Gebirgsdörfer zurückzukehren. Aber neue Ankömmlinge treten an deren Stelle, sodass jedes Mal bei den Exerzitien ungefähr dieselbe Anzahl neuer Zuhörer und ein gleich fruchtbarer Erfolg zu verzeichnen sind.
Es ist gleichsam eine fortwährende Volksmission an festem Posten. „Gott allein“, bezeugt der unermüdliche Präses der Kongregation, „ist die Unzahl der Bekehrungen bekannt, welche die Gnade in den 25 Jahren, seit denen diese geistlichen Übungen regelmäßig statthaben, vollbrachte.“
Als P. Fiorovich zum ersten Mal vor seiner Zuhörerschaft auftrat, wusste er von der so ungemein wörterreichen und schweren arabischen Sprache nur etwa 200 Wörter. Darum stellte er während seines Vortrags einen guten befreundeten Katholiken, Herrn Nicolaus Comaty, hinter sich, der im Falle der Not den richtigen Ausdruck oder das erforderliche Satzglied einflüstern musste.
Der Hauptmissstand bei diesem System war der, dass der Souffleur zuweilen fehlte. An einem solchen Tag geschah es nun einmal, dass der Pater die Enthauptung des hl. Johannes des Täufers erzählen wollte. Das arabische Wort für Enthauptung wusste er nicht. Was war zu tun? Ohne sich daran zu stören, half er durch einen Gestus nach, der, was er sagen wollte, veranschaulichte. Jedermann verstand ihn, und er bemerkte nicht einmal ein Lächeln bei den Anwesenden.
Natürlich ist der Volksdialekt die einzige Sprache, die in dieser Arbeiterkongregation verstanden wird; auch ihr Direktor spricht keine andere. Die Kraft seiner Beredsamkeit besteht darin, dass er von Herzen zu Herzen spricht. Eines Tages wurde ein anderer junger Pater, der sehr gewandt arabisch sprach, zu einem Vortrag in diesem Verein eingeladen. Sein Stil war rein und fließend.
Nach der Versammlung wollte sich einer von dem Eindruck auf das Volk vergewissern und wandte sich daher an einen Handwerker: „Nicht wahr, heute habt ihr einen schöne Predigt gehört?“ — „Das schon,“ war die Antwort, „aber es war nahhu (Schriftsprache), ich habe es nicht gut verstanden.“ —„Verstehst du den P. Fiorovich?“ — „Ganz gut.“ — „Predigt der gut?“ — „Ja, ja, er predigt besser, als die anderen, er liebt uns Arbeiter eben.“ In der Tat hängt derselbe mit ganzem Herzen an „seinen Kinder“, wie er die Arbeiter nennt.
Aber sie hängen auch an ihm und nehmen von ihm alles, auch eine ernste Warnung, einen öffentlichen Tadel, ein hartes Wort gut auf.
Die Beiruter Arbeiterkongregation hat auch dazu beigetragen, im Orient die Wallfahrten zu den heiligen Orten einzuführen. Unglaublicherweise gingen aus Syrien, das den Toren Jerusalems doch so nahe ist, nur sehr selten Pilger dorthin. P. Fiorovich musste erst den Anstoß geben, indem er alljährlich mit 50-60 Männern die Hauptheiligtümer Palästinas besuchte.
In der heiligen Stadt begaben sich die Beiruter ins Franziskanerkloster zu Casa Nova zu zweitägigen Exerzitien. Dann pilgerte man zu allen heiligen Stätten Jerusalems und der Umgegend, machte öffentlich den Kreuzweg, kam nach Bethlehem und Hebron. Die meisten empfingen während der 18tägigen Wallfahrt täglich die heilige Kommunion.
Auf dem Weg gingen sie in Ordnung zu zwei und zwei und sangen laut auf Arabisch die Litanei vom göttlichen Herzen und die der allerseligsten Jungfrau. „Das ist die Kongregation, das ist P. Fiorovich!“ hieß es, wo die Männer, hinter dem reitenden Pater einhergehend, vorbeikamen, und alles eilte herzu, den frommen Zug zu sehen.

Fortsetzung folgt

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Die Arbeiterkongregation "Unsere Liebe Frau von den sieben Schmerzen" in Beirut (Teil 1)



Unter den Männern aus dem niedrigen Volk hat P. Fiorovich S.J. seit langen Jahren ein Werk ins Leben gerufen, das ein ganz besonderes Interesse bietet. Wir meinen die in der ganzen Levante berühmt gewordene Männerkongregation von Beirut.
Diese zeigte uns klar, was besonnene , aber begeisterte Hingabe an eine Sache zuwege bringt, und ist nicht minder geeignet, jenen, die in christkatholischem Sinn an der Lösung der sozialen Frage arbeiten wollen, gute Winke an die Hand zu geben, sowie dieselben zu standhafter Ausdauer und zum Vertrauen auf die gute Sache zu begeistern.
In den 26 Jahren ihres Bestandes hat diese Kongregation mehr als 10.000 Mitglieder aufgenommen. Viele davon haben sich in den syrischen Küstenstädten zerstreut und dort zu ähnlichen Vereinen zusammengetan; so ist das Werk von Beirut zum Grundstock und Vorbild mehrerer anderen geworden.
Bekanntlich ist Beirut seit 1860 der Handelsmittelpunkt Syriens.
Christen aus den niedrigsten Ständen strömten dahin, um dort Sicherheit und Lebensunterhalt zu finden. Lassen wir uns den Beginn seines Unternehmens von P. Fiorovich selber erzählen.


 „Im Anfang der sechziger Jahre waren hier nur wenige eingeborene Priester, und diese waren nicht sehr seeleneifrig. Die Männer aus den unteren Volksschichten waren fast nur dem Namen nach Christen; denn sie kannten häufig nicht einmal die Grundwahrheiten des Katechismus, manche wussten auf meine Frage, ob es nur Einen Gott gebe oder ob man drei oder vier Götter anbeten müsse, keine Antwort.
Da beschloss ich dann im Jahr 1863, für diese verlassenen Armen eine Kongregation zu gründen.
Zu diesem Ende begann ich die Straßen und öffentlichen Plätze zu durchlaufen: ich betrat die Bazare, ging von einer Krämerbude zur anderen und lud die Kleinhändler, die Lastträger, die Matrosen freundlich ein, in unsere Kapelle zu kommen.
Nach all diesen Bemühungen, denen ich mich unausgesetzt drei Wochen unterzog, fanden sich zur ersten Versammlung vier Männer ein, acht Tage darauf sieben. Kurz, der Erfolg war nicht glänzend.
Da verfiel ich auf den Gedanken, bei unseren Patres kleine Devotionalien zu sammeln und am Sonntag eine kleine Lotterie zu veranstalten. Nach der Versammlung fand die Ziehung im Hof unseres Hauses statt.
Fast auf alle Anwesenden fiel ein Gewinn, sei es ein Skapulier oder ein Bildchen oder eine Medaille. Das zog nun mehr Leute an.
Die, welche sich in die geplante Kongregation aufnehmen ließen, erhielten ein Skapulier gegen das Versprechen, bei den Versammlungen zu erscheinen; außerdem wurde ihnen die Gelegenheit, in der Lotterie etwas zu gewinnen, nicht benommen. Bald musste ich natürlich dieses Verfahren aufgeben: ich hatte nichts mehr zu verschenken, und überdies hatten sich schon 100 Männer einschreiben lassen, eine genügende Anzahl, um das Werk jetzt mit allem Ernst in Angriff zu nehmen.
Vor allem tat den Männer Religionsunterricht und ein gründlicher Wandel in den Sitten not.
Eine Woche lang hielt ich jeden Abend eine Art Exerzitienvortrag, in welchem ich die ewigen Wahrheiten und dann auch die Notwendigkeit einer guten Beichte betonte.
Das letztere war mir die Hauptsache; doch ließ ich anfangs davon kein Wort verlauten, um niemand abzuschrecken; ich rechnete auf die Wirksamkeit der Gnade Gottes, welche die Herzen dazu stimmen, und vorbereiten musste, und fand mich nicht getäuscht: die guten Männer kamen zahlreich zum Beichtstuhl.
Allen, die sich dem heiligen Bußgericht nahten, gab ich über dieses Sakrament einen besonderen Unterricht, und ich hörte ihr Sündenbekenntnis nur an, wenn sie zu einer vollständigen Beicht aller Todsünden und zu einer aufrichtigen Reue bereit waren.
Dann half ich aber auf jede Wiese nach, durch Fragen und durch Ermutigung.
Damit noch nicht zufrieden, forderte wenn einer seine Generalbeicht vollendet und die Lossprechung erhalten hatte, denselben auf, mir einen Sünder wie er zuzuführen; ‚je größer er ist‘, fügte ich wie scherzend bei, ‚umso größere Freude bereiten Sie mir‘, und bald kam er freudenstrahlend mit einem verlorenen Schäfchen zurück, wofür ich ihn dann mit irgend einem kleinen Andachtsgegenstand belohnte.
Einer meiner ersten Pönitenten brachte mir sogar 16 nacheinander. So stellten sich mir dann selbst Renegaten, die den Islam angenommen, Straßenräuber und offenkundige Mörder und taten Buße.“

Fortsetzung folgt...
(Aus: die katholischen Missionen, 1891)