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Mittwoch, 6. März 2019

„Erzbischof Lefebvre war der Gründer der Kirche in Französisch-Westafrika“

Marcel Lefebvre am Tag seiner Bischofsweihe im Jahr 1947


„Erzbischof Lefebvre war der Gründer der Kirche in Französisch-Westafrika.“ So tönte es mir heute in einem Facebook-Kommentar enthusiastisch entgegen. Es ist nicht das erste Mal, dass Marcel Lefebvre eine derartige Tat zugeschrieben wird. Als geistiger Sohn des demütigen Franz Libermann hätte er wahrscheinlich vehement widersprochen, da es in keiner Weise der Wahrheit entspricht.

Er hatte bereits 10 Amtsvorgänger als Apostolischer Vikar von Dakar (später Erzbistum), als er 1947 den Bischofsstuhl in der senegalesischen Hauptstadt bestieg. Die selige Anne-Marie Javouhey führte bereits 1822 die ersten Schwestern in den Senegal. Gegründet wurde die Mission „Guinea“, ein weites Gebiet entlang der westafrikanischen Küste von Senegal bis herunter nach Gabun, schließlich von den ersten Spiritanermissionären, die Pater Libermann in den 1840er Jahren in die afrikanische Mission entsandte. Zu ihnen gehörte auch der heiligmäßige Bischof Jean-Rémy Bessieux, der die gabunesische Mission gründete, in der Msgr. Lefebvre als junger Priester wirkte. 

Und noch mehr: Es gab bereits in den 1850er Jahren einheimische Priester und Ordensfrauen im Senegal, also wohl noch vor der Geburt von Lefebvres Eltern. 

Montag, 13. Februar 2017

Nachtrag: über die frühen Missionsschwestern

die selige Anne-Marie Javouhey

Neulich habe ich über den Missionseifer der heiligen Maria Magdalena von Pazzi geschrieben. Wie wir gesehen haben, wollte sie selbst in die Missionen gehen. Für eine Ordensschwester, die Anfang des 17. Jahrhunderts starb, war dies ein außergewöhnlicher Wunsch – denn Missionsschwestern gab es damals noch nicht.

Wohl zu den ersten Missionsschwestern gehörte die selige Anne-Marie Javouhey (gestorben 1851), die die Josephsschwestern von Cluny gründete. Als sie bereits 1822 die ersten Mitschwestern in den Senegal führte, sagte sie Folgendes zu ihnen: „Liebe Schwestern, wir werden hier vielleicht 20 Jahre weniger leben als in Europa, aber wie viel Gutes können wir hier tun, wie viel Elend mildern, wie viele Unwissende belehren, wie viele Seelen für Gott gewinnen.“ Die Selige wirkte ab 1828 als Missionarin in Französisch-Guayana.

Schon einige Jahre früher war die heilige Rose Philippine Duchesne in die USA gegangen, die damals noch ein wirkliches Missionsland waren. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts gründete Msgr. Kobès, Apostolischer Vikar von Senegambien, eine einheimische Schwesternkongregation (hier und hier).

In China konnten echte Ordensschwestern erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Einzug halten – die Gegebenheiten in dem Land waren vorerst zu schwierig. Hier waren zunächst die chinesischen gottgeweihten Jungfrauen die Stütze der Missionäre. Die katholischen Missionen berichten über die ersten europäischen Ordensschwestern: „1846 kamen zuerst die Barmherzigen Schwestern und St. Pauls-Schwestern von Chartres, 1860 die italienischen Canossianerinnen, 1867 die ‚Helferinnen der armen Seelen‘, 1868 die Josephsschwestern [wohl von Cluny], 1869 die unbeschuhten Karmelitessen, 1875 die Schwestern von der Vorsehung; dazu gesellten sich Dominikanerinnen, Franziskaner Missionsschwestern und in neuester Zeit [1907] die Kleinen Schwestern der Armen, Steyler Missionsschwestern u. a.“

Das waren nur einige Beispiele, die große Frage „Wann gingen die ersten Schwestern in die Mission?“ bleibt für mich zumindest jetzt noch weiterhin ungeklärt. Vielleicht wissen es ja meine lieben Leser. Für einen Kommentar zur Aufhellung dieser Frage wäre ich sehr dankbar.


(Quellen: Dr. Max Heimbucher: Die Orden und Kongregationen der katholischen Kirche. Band III. Verlag Ferdinand Schöningh; 1908, die katholischen Missionen, 1907, Wikipedia-Eintrag über Anne-Marie Javouhey)

Dienstag, 9. August 2016

Keine Schonung



Der aus dem Elsass stammende P. Wintz aus der Kongregation vom Heiligen Geist erkrankte 1929 im Senegal im Dienste der Leprakranken selbst am Aussatz. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich, wo er Heilung suchte, hörte er, dass der Priester der Aussätzigengemeinde auf der Karibikinsel La Désirade gestorben war. Er bat seine Vorgesetzten, sich für den Rest seines Lebens den Aussätzigen widmen zu dürfen. Die Bitte wurde erfüllt und er starb im Jahr 1933 im Alter von 64 Jahren auf seinem Posten.


(Quelle: Schönere Zukunft 1934, Our Province, Holy Ghost Fathers, 1933)

Montag, 10. Februar 2014

Ein senegalesischer Seminarist schildert seine Weihe zum Subdiakonat und Priestertum...eigentlich sollte er Koranschüler werden (Teil 2)

Fortsetzung von hier

Am Karsamstag 1902 erhielt Gabriel Sané endlich zu St. Louis die heilige Priesterweihe. 
„Er ist“, so meldet ein Bericht, „der zehnte Priester, der aus dem Seminar der Mission am Senegal hervorgegangen. Zehn Priester in 50 Jahren, das ist zweifelsohne wenig, und doch hat unsere Mission von allen Missionen Afrikas allein eine so hohe Zahl erreicht. Diese einfache Tatsache beweist mehr, als viele Worte es könnten, wie schwierig die Evangelisierung dieser Länder ist.“

Wieder schüttet Gabriel Sané als neugeweihter Priester dem alten Bischof, Msgr. Barthet, sein Herz aus.  

„Ich komme gleich auf den Karsamstag zu sprechen. Diesmal war ich nicht bloß einfacher Zuschauer und Zuhörer. Ich war der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit. Es war in der Stadt bekannt geworden, dass an dem Tag ein Schwarzer zum Priester geweiht würde. 
Schon von den frühen Morgenstunden an begann das Volk nach der Kirche zu strömen und sie zu füllen. Mit den Christen kamen auch Mohammedaner in großer Zahl.
Eine Menge Neugieriger stand auf dem Platz draußen, da die Kirche nicht alle fasste. Trotz der Länge der Zeremonien hielten alle bis zum Schluss aus, begierig, wie sie waren, einmal eine Priesterweihe zu sehen, für St. Louis ein bisher unerhörtes Ereignis. 

Ich fühlte, dass ich etwas Großem, Erhabenem, Furchtbarem entgegenging, und es fasste mich ein gewisser Schrecken, als ich das Accedat (Es trete hinzu!) des P. Limbour hörte, der den Erzdiakon machte. Scis illum dignum esse? (Weißt du, ob er würdig ist?) Dies packte mich am meisten. War ich würdig? Gott weiß es, er, der mir den Mut und die Kraft gegeben, so weit zu gehen. Die ganz providentielle Führung, die sich in meinem Lebensweg so deutlich zeigte, gab mir Zuversicht, und ich trat vor, misstrauend auf mich, vertrauend auf ihn…

Nach der Feier erbat sich Abbé Louis (ein schwarzer Priester) den Vorrang, zuerst meinen Primizsegen zu empfangen, worauf er als ehemaliger Mitschüler und Vorgänger im Priestertum ein Anrecht hatte. Er vertrat für mich gleichsam St. Joseph von Ngazobil und vor allem das Seminar.

Am Osterfeste sang ich die erste Heilige Messe unter Assistenz des P. Renault, eines alten Senegalesen, und des Abbé Louis. Monseigneur assistierte auf seinem Thron. Die Messe, der Gesang, die Blechmusik der Mittelschule, alles das war ganz danach angetan, um einen zu zerstreuen. 
Allein ich hatte an anderes zu denken. Zum ersten Mal trat ich zum Altar des unbefleckten Lammes, um das hochheilige  Opfer zu feiern. 
Ein Gedanke beherrschte alles: der Gedanke an Gottes Erbarmungen und seine unerforschlichen Wege. Las ich jetzt doch die erste heilige Messe in derselben Stadt, nach welcher ich vor 20 Jahren geschickt worden war, um den Koran besser kennen zu lernen. 
Da hat der Satan eine schwere Niederlage erlitten und der Prophet einen Jünger verloren auf ewig. Unde hoc? (Wie kam das alles?) Gott allein weiß es. Misercordias Domini cantabo (Die Erbarmungen Gottes will ich singen)…

So bin ich denn ein Priester auf ewig. Beten Sie für Ihr Kind, dass es in Wahrheit ein Priester sei und bleibe nach dem göttlichen Herzen.
Vorläufig bin ich in St. Joseph angestellt und gleichzeitig mit der Seelsorge von Mbodien betraut, das ich regelmäßig besuche. Bitten Sie Gott, er möge meine ersten Schritte im Apostolat segnen.“

Gewiss, schöner und wärmer könnte kein weißer Neopresbyter schreiben, und solche Beispiel lassen nur umso mehr bedauern, dass der Berufe noch so wenige sind.


(Aus: Der einheimische Klerus in den Missionsländern, von Anton Huonder S.J., 1909, mit Imprimatur)

Später sollte dieser eifrige Priester als erster schwarzer Feldkaplan im ersten Weltkrieg fallen. 

Sonntag, 9. Februar 2014

Ein senegalesischer Seminarist schildert seine Weihe zum Subdiakonat und Priestertum...eigentlich sollte er Koranschüler werden (Teil 1)

Erst 1901 sah St. Joseph von Ngazobil (ein Ort mit Seminar) wieder einmal eine Frucht des Seminars reifen.

Es war der schon genannte Häuptlingssohn, Gabriel Sané, der nach 20-jähriger Vorbereitung endlich die Subdiakonatsweihe empfing. Die ganze Bevölkerung von Joal, Fadiut, Ndianda und Mbodien strömte herbei; bis von Dakar her kamen die Festbesucher. 
Hören wir, wie der Neugeweihte selbst am 11. September 1901 dem abwesenden Bischof, Msgr. Barthet, seine Eindrücke schildert. Der Brief zeigt uns, dass auch ein Neger der höchsten und edelsten Gefühle fähig ist und sie entsprechend auszudrücken versteht.

„Hochwürdigster Herr! Ich bin zum Subdiakon geweiht worden und empfinde das Bedürfnis, Sie mein Glück teilen zu lassen, Sie, der mir ein wahrer Vater gewesen ist….Wie soll ich Ihnen die süßen und tiefen Gefühle meines Herzens beschreiben? Keine Feder vermag so etwas auszudrücken. Als ich, auf dem Boden ausgestreckt, Msgr. Kunemann auf mich die Segnungen Gottes herabflehen hörte, da wiederholte ich aus tiefstem Herzensgrund seine Bitte und sagte:
‚O Herr, erhöre ihn, denn es ist ein Vater, der für sein Kind bittet.‘ 

Ja, dieser Augenblick, in welchem ich Gott das Opfer meiner selbst brachte und mich ohne Vorbehalt ganz dem Dienste des Altars weihte, hat in mir eine unauslöschliche Erinnerung hinterlassen.
Gepriesen sei der Herr, der mich wie durch ein Wunder der Sekte Mohammeds entriss; denn wie Sie wissen, war ich einer seiner Jünger, ehe ich Christus mich hingab. Wie und warum hat er mich an sich gezogen und berufen? Wie kam es, dass ich seinem Rufe folgte? Das ist ein Geheimnis, aber ein Geheimnis der Barmherzigkeit.“

Dann beschreibt er den Hergang und die Pracht der Feierlichkeit und fährt fort. 
„Seit den 20 Jahren, da ich hier (In St. Joseph von Ngazobil) bin, hatte ich oft Gelegenheit, einem Pontifikalamt beizuwohnen, ja ich glaube, es waren wenige, bei denen ich nicht selbst amtierte. 
Allein diesmal bestand meine Aufgabe nicht darin, dem Bischof Stab oder Mitra zu reichen. Es war mein eigenes Ich, das ich Gott darbrachte. Unser Herr hat sich gewürdigt, mich aus meinen Brüdern auszulesen, um ganz ihm anzugehören, ganz sein Diener zu sein, einzig dem Dienst seines Altares geweiht. In Wirklichkeit war mein Opfer längst gebracht, ich hatte es bloß zu erneuern.

So bin ich denn Subdiakon und hoffe bald die Stufen des Altars als Priester zu ersteigen. Wir wären dann unserer sieben (schwarze) Priester, von denen einige beinahe schon Greise sind.

Um mich herum sehe ich junge Brüder meines Volkes, die Gott berufen zu haben scheint. Es sind neun im Knabenseminar; davon fünf aus Kasamansa, das glücklich sein wird, eines seiner Kinder am Altar zu sehen, damit es dort auf seine Landsleute Gottes Segnungen herabflehe. Möge Gott meine jungen Brüder beschützen und erhalten! Ich werde täglich für sie beten. Sie stehen noch gar weit von ihrem Ziele, und ich habe so viele gesehen, die berufen, aber nicht auserwählt waren. 
Beten auch Sie, geliebter Vater, für diese Kinder, die ja auch die Ihrigen sind, denn ich zweifle nicht: Sie tragen dieselben alle in Ihrem Herzen. 
Beten Sie auch für mich armes, kleines Geschöpf; der Herr möge seine Huld mir schenken, auf dass ich ein wahrer Missionär werde nach dem Herzen Jesu.“

(Aus: Der einheimische Klerus in den Missionsländern, von Anton Huonder S.J., 1909, mit Imprimatur)

Fortsetzung hier

Mittwoch, 29. Januar 2014

Wahl einer Generaloberin bei den einheimischen Schwestern im Senegal

Mutter Iphigenie, Generaloberin der Töchter vom Heiligen Herzens Mariä

Von allen unter den Negern tätigen Missionären haben die Väter vom Heiligen Geist am meisten sich um die Heranbildung eines einheimischen schwarzen Klerus bemüht. Die Erfolge beweisen die Möglichkeit, aber auch die große Schwierigkeit des Unternehmens. Die Zahl der einheimischen Priester ist daher noch recht gering. Ungleich leichter und besser ist die Heranziehung schwarzer Mädchen zum Ordensstand gelungen. 

Beispielsweise hat die Mission von Senegambien bereits seit fast einem halben Jahrhundert eine einheimische Schwester-Genossenschaft, die „Töchter vom heiligen Herzen Mariä“. Über ihre Gründung wurde bereits früher einmal ausführlich berichtet. Sie hat sich recht gut entwickelt und zählt heute zwischen 30 bis 40 Schwestern, die sechs Klöster besitzen und im Unterricht und im Krankendienst Treffliches leisten.

Am 6 April 1904 starb die letzte Generaloberin Mutter Josepha, eine der Erstlinge, denen der Stifter der Genossenschaft Msgr. Kobes am 9. Juli 1858 den Schleier gab. An ihre Stelle ist jetzt Mutter Iphigenie getreten.

Die Wahl fand unter dem Vorsitz des Apostol. Vikars Msgr. Kunemann statt. Sämtliche Professen nahten sich dem Altar und legten ihren Wahlzettel in die bereitstehende Urne. Schwester Iphigenie ging einstimmig aus der Wahl hervor und empfing vom Bischof den Segen und die Bestätigung. 
Nachdem sie dann das Glaubensbekenntnis abgelegt und auf einem Stuhl Platz genommen, nahten sich ihr die Schwestern, ließen sich auf die Knie nieder und sagten: „Ich verspreche Ihnen, Ehrwürdige Mutter, Ehrfurcht und Gehorsam nach dem Geiste unserer Satzungen.“

So gewöhnlich diese Zeremonie drüben sein mag, schreibt der Bischof, so ergreifend wirkt sie hier in Afrika. Sie beweist, wie tief das Christentum bereits in der schwarzen Rasse Wurzel gefasst hat und dass die Gnade auch in Afrika dieselben Früchte der Heiligkeit und Tugend hervorbringt wie in Europa.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Dienstag, 19. November 2013

Schwarze Priester im Senegal und eine Messe, die den Bischof zu Tränen rührt


P. Dschuga C.SS.P.

(…)Im Jahre 1864 hatte Msgr. Kobes die Freude, den ersten schwarzen Priester zu weihen, es war dieses P. Dschuga, ein Neger aus Gorée. Dieses Beispiel, welches das erhabene Ziel als erreichbar darstellte, mehrte die Zahl der Aspiranten; Msgr. Kobes konnte noch mehreren Negern die Hände auflegen, und es war ein rührendes Schauspiel, als z.B. im Jahre 1871 ein neugeweihter Neger seine erste heilige Messe in St. Joseph feierte, bei der nur schwarze Leviten und Kleriker dienten.

Von nah und fern waren die eingeborenen Christen, Heiden und Muhammedaner herzugeeilt, und selbst dem alten Missionsbischof traten Tränen der Rührung und Freude in die Augen. Er glaubte sich reichlich für alle ausgestandene Mühe und Sorge belohnt. Damals zählte das Seminar 5 schwarze Priester, 3 Minoristen, 8 Tonsurierte usw., im ganzen 27 Theologen, und diese Zahl hat sich nicht verringert (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Samstag, 11. Mai 2013

Die verheerenden Auswirkungen des ersten Weltkriegs auf die Missionen

Fähnrich in Deutsch-Ostafrika
(Quelle: Bundesarchiv, Bild 105-DOA6369 / Walther Dobbertin / CC-BY-SA)

Der gegenwärtige Krieg ist durch England und Frankreich, welche Senegalesen und Spahis, Japaner und Inder, Kanadier und Südafrikaner mit in den Kampf rissen, zum furchtbaren Völkerringen geworden, das über die ganze Welt seine unheilvollen Einflüsse geltend macht.

Alle jene Einzelerscheinungen nun im heimatlichen Missionsbetrieb und auf dem weiten Missionsfelde, die mit dem gewaltigen Völkerkrieg im Zusammenhang stehen, gedenken wir nach und nach in diesen Blättern zusammenzustellen, um so unsern Lesern einen Einblick in die Lage und die Nöte der Missionen bieten zu können.

In erster Linie scheint das Missionspersonal durch den Krieg schwer betroffen zu sein. Viele Missionäre und Schwestern, die bereits zur Abreise gerüstet waren, mussten die Abfahrt auf ruhigere Zeiten verschieben. 
Von den Steyler Missionären und Schwestern allein konnten 40 Patres, 20 Brüder und wohl ebenso viele Schwestern den Weg zu ihrem Bestimmungsort nicht antreten, darunter der neugeweihte Apostolische Vikar von Togo, Bischof Wolf. Das gleiche Geschick traf eine Reihe von Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria, und die ersten Missionäre aus der Picpusgenossenschaft, die eben nach Deutsch-Neuguinea abreisen sollten. 
Vier deutsche Jesuiten, die sich auf dem Weg nach Brasilien befanden, wurden auf Madeira angehalten; zwei sahen sich gezwungen, in Funchal zu bleiben, die beiden andern befinden sich als Kriegsgefangene in England. Zwei Jesuiten, die aus Chile nach Deutschland zurückkehren wollten, mussten auf spanischem Boden verbleiben. Dem deutschen Jesuitenbsichof Heinrich Doering von Puna und seinen Begleitern ist die Rückkehr nach Indien einstweilen unmöglich gemacht. 
Ähnliche Fälle werden wohl die meisten Missionsgenossenschaften aller Länder zu berichten haben.

Aber dieser Ausfall an neuem Missionspersonal bedeutet nur einen schwachen Teil des Verlustes, den die auswärtigen Missionen erlitten. Weite Gebiete sind der Missionäre beraubt, und mancherorts unterliegt die Tätigkeit der Glaubensboten einer hemmenden Kontrolle. 
So wurden aus Ceylon die deutsche Oblaten, wie Bruder Grouffault uns aus Jaffna schreibt, für Kriegsgefangene erklärt. Sie müssen sich täglich des Morgens und Abends dem englischen Agenten stellen, dürfen aber 5 Meilen in der Runde von ihrer Residenz aus ungehindert ihre apostolische Tätigkeit entfalten. Ähnlich erging es den deutschen Jesuiten in Bombay und Puna. Die jüngeren Ordensleute sollen sogar interniert sein.

Aus Korea meldet Abt Bonifaz Sauer OSB, dass die japanische Regierung die deutschen Mönche bisher in ihrer Wirksamkeit nicht behindert habe und einstweilen kein Grund zur Besorgnis vorliege.

Besonders hart ist das Schicksal der von französischen Glaubensboten geleiteten Missionen. 
In ihrem Hasse gegen die Kirche kennt die französische Regierung keinen Unterschied zwischen Priestern und Laien, und so hat sie aus allen Weltteilen Missionäre nach Frankreich abberufen und an die Front kommandiert. 
Aus Korea zog beinahe die Hälfte der Missionäre fort, aus Japan und China eine stattliche Zahl, aus Indien Ende August über 15 Patres aus dem Pariser Seminar. Von Konstantinopel aus landeten bis Anfang September in Frankreich 70 Ordensleute: Assumptionisten, Lazaristen, Salesianer und Schulbrüder. In der gleichen Zeit kamen auf zwei Schiffen in Marseille 63 Ordensleute aus Ägypten und 24 aus Smyrna an. 

Sogar drei Bischöfe mussten ihre Herden verlassen, Bischof Florian Demange von Taiku in Korea, Bischof Joseph Perros, Apostolischer Vikar in Siam und Bischof Moury, Apostol. Vikar der Elfenbeinküste. Dieser musste mit seinen Missionären nach Senegal in den Kolonialkrieg; das Apostol. Vikariat ist kirchlich ohne Hirten. 
Die empörende Behandlung der Missionäre durch die französische Regierung bedeutet einen furchtbaren Schlag für weite und zahlreiche Missionsgebiete.

Jahrzehnte wird es vielleicht bedürfen, bis der angerichtete Schaden bei dem schwachen Nachschub von Missionspersonal aus Frankreich wieder gut gemacht ist, es müsste denn sein, dass Gott in anderen Ländern zahlreiche Berufe erwecke.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Freitag, 10. Mai 2013

Einheimische Priester und Schwestern im Senegal



Die Mission von Senegal hat in den letzten Tagen des Septembers und Anfang Oktober Festlichkeiten gesehen, wie wir dieselben sonst nur in Europa gewöhnt sind. 
Am 28. September legten fünf einheimische Novizinnen der Töchter vom heiligen Herzen Mariä in St. Joseph von Ngazobil ihre Professgelübde ab. 

„Es war ein rührender Anblick, mit welchem Eifer und mit welch freudestrahlendem Antlitz diese schwarzen Jungfrauen zum Altare traten, um sich ihrem göttlichen Bräutigam ganz zu weihen.“ 

Während die vier Schwestern freudig das Opfer ihres Herzens darbrachten, lag eine fünfte auf ihrem Schmerzenslager. Am folgenden Morgen wurde aber auch ihr das Glück zu teil, die Abzeichen ihres himmlischen Bräutigams zu empfangen, der sie schon nach zwei Tagen zu dem ewigen Hochzeitsmahl berief. Am nämlichen Tag fand auch das Generalkapitel der einheimischen Schwestern statt, bei welchem Anlass die Neuwahl der Generaloberin vorgenommen wurde. 
Die Kongregation der Töchter vom heiligen Herzen Mariä wurde im Jahre 1858 durch Msgr. Kobes gegründet und setzt sich ausschließlich aus einheimischen Nonnen zusammen. Gegenwärtig zählt dieselbe 30 Mitglieder, die in sechs Kommunitäten verteilt den Missionären umso wertvollere Dienste leisten, als sie die Landessprache vollständig beherrschen und auch eine genaue Kenntnis der Landessitten besitzen.

Die schönste Feier sollte jedoch die Mission am Rosenkranzfest erleben. An diesem Tag, dem 6. Oktober, wurde einem einheimischen Alumnen des Priesterseminars die Subdiakonatsweihe zu teil. 
Der junge Kleriker schildert selbst die Gefühle des Dankes gegen die göttlichen Barmherzigkeit, welche sein Herz durchwogten, als er zu Füßen des hochwürdigsten Herrn Bischofs, Msgr. Kunemanns, um die heiligen Weihen bat. 

Es wird dies der zehnte einheimische Priester sein, der aus dem Seminar hervorgeht. Mehrere derselben stehen bereits im Greisenalter. Noch harren neun andere Seminaristen der heiligen Weihen, von denen fünf in nicht gar zu ferner Zeit des gleichen Glückes sich erfreuen dürften, das ihrem hochw. Konfrater zu teil geworden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1902)


Auf der Seite der Spiritaner (etwa in der Mitte) ist ein Gemälde der Weihe (anscheinend Diakonat) der ersten Senegalesen. Der hellhäutige Kleriker ist David Boilat, Sohn einer Halbsenegalesin und eines Franzosen, der den ethnographischen Band "Esquisses Senegalaises" verfasst hat. Wahrscheinlich war er einer der genannten einheimischen Priester, die bereits das Greisenalter erreicht hatten. Er starb 1901.